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US-Behörden müssen nicht mehr prüfen, was in ihrer Software drin ist

Von Heise
Eine US-Fahne hängt lahm am unteren Ende einer Fahnenstange und somit im nassen Erdreich

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Behördlich eingesetzte Software sollte möglichst sicher sein. Das beginnt bei der Programmierung. US-Behörden müssen darauf aber nicht mehr achten.

Das Weiße Haus hebt Vorgaben für IT-Sicherheit bei US-Bundesbehörden auf. Die infolge des Solarwinds-Desasters erstellten Regeln für behördlich genutzte Software sind nicht länger bindend. Wesentlicher Bestandteil war, dass Behörden erheben, von welchen Bibliotheken, Programmen und Diensten ihre Software abhängt (SBOM, Software Bill of Materials [1]). Wer diese Information hat, kann leichter erkennen, ob seine Software von bekannt gewordenen Sicherheitslücken betroffen ist.

Vergangenen Freitag hat das Office of Management and Budget (OMB), eine Abteilung des Weißen Hauses, die Aufhebung der bisherigen Sicherheitsregeln für Beschaffung und Einsatz von Software angeordnet (M-26-05 [2]). Fortan soll jede Behörde für sich entscheiden, welchen Risiken sie ausgesetzt ist und wie sie diesen zu begegnen hat. Dies ist Ausfluss der Deregulierungspolitik des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump.

Ab sofort ist den Bundesbehörden freigestellt, ob sie das NIST Secure Software Development Framework (SSDF), SP 800-218 und die NIST Software Supply Chain Security Guidance einhalten möchten oder nicht. Diese Regeln werden in dem neuen Erlass als „unbewiesen und mühsam” bezeichnet, die „Compliance über echte Sicherheitsinvestitionen gestellt” hätten. Was er als echte Sicherheitsinvestitionen erachtet, lässt OMB-Chef Russell Vought offen.

„Jede Behörde soll die Sicherheit ihrer Lieferanten validieren, indem sie sichere Programmierprinzipien anwendet, basierend auf einer umfassenden Risikoeinschätzung”, gibt er allgemein gehalten vor. Zwar sollen Behörden ein Verzeichnis der bei ihnen eingesetzten Soft- und Hardware führen sowie jeweils eigene Richtlinien und Prozesse für Hard- und Software ausarbeiten, aber nur soweit dies „ihre Risikoeinschätzung und Aufgabenstellungen” erfordern. Was das in der Praxis heißt, bleibt den einzelnen Behörden überlassen.

Solarwind, Biden und NIST

Die jetzt aufgehobenen Sicherheitsvorkehrungen haben eine Vorgeschichte: 2019 gelang es mutmaßlich staatlichen Angreifern Russlands [3], Solarwinds' Orion-Plattform zu kompromittieren und einen Trojaner in offizielle Updates einzuschmuggeln. Solarwinds vertreibt Netzwerk- und Sicherheitsprodukte, die damals mehr als 300.000 Kunden weltweit eingesetzt haben. Darunter befinden sich viele Fortune 500-Unternehmen sowie Regierungsbehörden wie das US-Militär, das Pentagon und das Außenministerium. Durch das Einspielen der Updates wurden ihre Systeme ab März 2020 kompromittiert. Ende 2020 entdeckte Fireeye die Hintertüren, weil die Angreifer das Arsenal an Hack-Software geplündert [4] hatten. Fireeye gehörte zum Teil der CIA. Im Februar 2021 sprach Microsoft-Manager Brad Smith vom "größten und raffiniertesten Angriff, den die Welt je gesehen hat [5]".

Nach diesem schweren Schlag ergriff der damalige US-Präsident Joe Biden Maßnahmen, die im Mai 2021 in einem Erlass für IT-Sicherheit in Bundesbehörden (Executive Order 14028 [6] Improving the Nation’s Cybersecurity) verdichtet wurden. Dazu gehörte die Absicherung der Lieferkette für Software. Das NIST (National Institute for Standards an Technology), eine Abteilung des US-Handelsministeriums, schritt zur Tat und arbeitete die erwähnten Secure Software Development Framework [7] und Software Supply Chain Security Guidance [8] aus. Zeitgemäß, denn inzwischen ist fast jedes dritte Unternehmen von Angriffen auf seine Software-Lieferkette betroffen [9].

Umsetzung in US-Behörden ab 2022

Die Einhaltung dieser NIST-Empfehlungen wurde durch OMB-Erlass M-22-18 [10] für Bundesbehörden ab September 2022 verpflichtend. Lieferanten mussten zeigen, dass sie ihre Software unter Einhaltung von Sicherheitsprinzipien entwickeln und welche Komponenten enthalten sind (SBOM). Ausgenommen waren behördliche Eigenentwicklungen, die sich jedoch tunlichst an den gleichen Regeln orientieren sollten.

Im Juni 2023 verlängerte OMB-Erlass M-23-16 [11] bestimmte Übergangsfristen bis Dezember des Jahres und stellte klar, dass Open-Source-Software nicht erfasst ist. Schließlich gibt es dort keinen zentralen Lieferanten, der die Entwicklung überwacht. Außerdem wurde proprietäre frei verfügbare Software ausgenommen, beispielsweise Webbrowser. Denn Anbieter kostenloser Software setzen meist auf „friss oder stirb” – sie sind schwer dazu zu bewegen, Zertifizierungen zu durchlaufen und Abhängigkeiten offenzulegen.

Entwicklungen im Behördenauftrag waren so weit ausgenommen, als die Behörde die Entwicklung bestimmt und beaufsichtigt, denn das galt dann als Eigenentwicklung. Die Einschränkungen des Jahres 2023 gehen der amtierenden US-Regierung nicht weit genug. Sie hebt beide OMB-Erlässe aus der Amtszeit Bidens auf.


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https://www.heise.de/-11159569

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/SBOMs-Wie-Stuecklisten-fuer-Software-funktionieren-7265763.html
[2] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2026/01/M-26-05-Adopting-a-Risk-based-Approach-to-Software-and-Hardware-Security.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Cyber-Attacke-ueber-SolarWinds-Auch-US-Nachrichtendienste-beschuldigen-Russland-5004622.html
[4] https://www.heise.de/news/Hacker-pluendern-FireEye-Arsenal-4980417.html
[5] https://www.heise.de/news/Microsoft-SolarWinds-Angreifer-hat-mehr-als-1-000-Cyberkrieger-5055827.html
[6] https://www.federalregister.gov/documents/2021/05/17/2021-10460/improving-the-nations-cybersecurity
[7] https://csrc.nist.gov/Projects/ssdf
[8] https://www.nist.gov/system/files/documents/2022/02/04/software-supply-chain-security-guidance-under-EO-14028-section-4e.pdf
[9] https://www.heise.de/news/Supply-Chain-Attacken-Fast-jedes-dritte-Unternehmen-betroffen-11070823.html
[10] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2022/09/M-22-18.pdf
[11] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2023/06/M-23-16-Update-to-M-22-18-Enhancing-Software-Security.pdf
[12] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[13] mailto:ds@heise.de

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  • 29. Januar 2026 um 23:18

Viertes Quartal: Apple mit guten Zahlen – nur wie geht's weiter?

Von Heise
Apple-Chef Tim Cook bei einer Keynote

Apple-Boss Tim Cook.

(Bild: Apple)

Apple hat von Oktober bis Dezember dank des iPhone wieder gut verdient – mit Rekorden bei Umsatz und Gewinn. Die Frage ist, wie lange das noch so weitergeht.

Gute Nachrichten aus Cupertino: Apple hat in der Nacht zum Freitag erneut hervorragende Zahlen [1] vorlegen können. Im vierten Quartal von Oktober bis Dezember, das Apples erstem Finanzquartal 2026 entspricht, wurde bei 143,8 Milliarden US-Dollar Umsatz ein Nettogewinn von 42,1 Milliarden Dollar erreicht (Betriebsgewinn: 51 Milliarden Dollar). Der Umsatz ist ein neuer Rekord: Noch nie in einem Quartal war dieser so hoch – egal ob in einem traditionell starken Weihnachtsquartal oder überhaupt. Das Umsatzplus lag bei 16 Prozent, der Gewinn pro verwässerter Aktie ging um 19 Prozent auf 2,84 Dollar hoch. Der operative Cashflow erreichte im Quartal bis zum 27. Dezember 53,92 Milliarden Dollar.

Das iPhone – im Herbst neu waren die Modelle 17, 17 Pro, 17 Pro Max und Air [2] – habe ebenfalls das beste Quartal überhaupt erzielt, so Apple-Konzernchef Tim Cook vor Analysten. Man sei mit dem Ergebnis „deutlich vor unseren eigenen Erwartungen“. Apple teilte weiter mit, dass die Zahl der aktiv verwendeten Geräte nun auf 2,5 Milliarden hochgegangen sei. Cook glaubt unter anderem, dass dies mit der „unglaublichen Kundenzufriedenheit“ zu tun habe. Für ihn baut Apple die „absolut besten Produkte und Dienste der Welt“ – trotz der Tatsache, dass es zuletzt immer wieder Kritik an der Innovationskraft des Unternehmens gab [3], insbesondere im Bereich KI [4], wo der Konzern zuletzt Google zu Hilfe rufen musste.

Höhere Marge, Mac schrumpft

Mit Blick auf die Bruttomarge konnte Apple wieder zulegen: Diese lag bei 48,2 Prozent, ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Apple will nun zum 12. Februar eine Dividende in Höhe von 26 US-Cent pro Anteilsschein zahlen – an alle, die bis zum 9. Februar Aktionär sind. Apple nannte allerdings keine Umsatzziele für das kommende Quartal. Bei der Aufteilung der Sparten glänzte einmal mehr der Bereich Dienste.

Er überschritt jetzt die Umsatzmarke von 30 Milliarden Dollar – im Vorjahresquartal waren es noch knapp 4 Milliarden weniger. Das iPhone-Geschäft wuchs von 69,1 auf 85,2 Milliarden Dollar, das iPad-Business von 8 auf 8,5 Milliarden Dollar. Allerdings kam es – auch wegen eines eher unattraktiven Produktportfolios im Herbst, wo etwa neue Pro- und Max-MacBook-Pro-Maschinen fehlten – beim Mac zu einem Umsatzrückgang von 8,9 auf 8,3 Milliarden Dollar. Der Wearables-, Heim- und Zubehör-Bereich blieb ungefähr gleich bei 11,49 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 11,7 Milliarden Dollar).

Google soll helfen – aber wie genau, bleibt unklar

Im Gespräch mit Analysten [5], das nach Verkündung der Quartalszahlen traditionell erfolgte, sagte Cook, das iPhone 17 sei ein einzigartiges Produkt, das „verschiedene für die Nutzer zwingende Funktionen in einer Hardware“ versammele. Es sei „extrem gut“ gelaufen. Ob Apple Intelligence, das die Branche weitläufig als Enttäuschung sieht, bei den Verkäufen half, sagte Cook nicht.

Den Umsatzrückgang beim Mac bügelte der Apple-CEO mit dem Hinweis ab, dass der Mac ja im Gesamtjahr gewachsen sei, nur eben nicht im Quartal. Zur Zusammenarbeit mit Google sagte Cook, das sei ein Schulterschluss, bei dem Apple weiterhin unabhängig seine „eigenen Sachen“ angehen werde. Er sprach explizit die lange verschobene kontextsensitive Siri an, die davon profitieren soll. Weitere Details zur Zusammenarbeit und dem Arrangement mit Google wollte Cook nicht verraten. In Sachen Zollbelastung unter anderem durch die Trump-Regierung sagte Cook, die Summe, die man dafür zurückgelegt habe, 1,4 Milliarden Dollar, sei ungefähr erreicht worden. Bei der Länderverteilung kam der größte Umsatz aus Nord- und Südamerika (58,5 Milliarden Dollar), gefolgt von Europa (38,14 Milliarden Dollar) und Greater China (Festlandchina inklusive Hongkong, Macao und Taiwan) mit 25,5 Milliarden Dollar. Nord- und Südamerika legten um knapp 5,9 Milliarden Dollar zu, Europa um nicht ganz 4,3 Milliarden Dollar und China besonders deutlich um 7 Milliarden Dollar.


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https://www.heise.de/-11158893

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.apple.com/newsroom/pdfs/fy2026-q1/FY26_Q1_Consolidated_Financial_Statements.pdf
[2] https://www.heise.de/tests/iPhone-17-17-Pro-17-Pro-Max-und-Air-im-Test-10663319.html
[3] https://www.heise.de/meinung/Neue-AirTags-Apple-macht-nur-Dienst-nach-Vorschrift-11156745.html
[4] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Apple-bindet-sich-bei-KI-an-Google-das-ist-enttaeuschend-11140721.html
[5] https://www.apple.com/investor/earnings-call
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[7] https://www.heise.de/mac-and-i
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  • 30. Januar 2026 um 05:31

Apple pocht auf Provision: Alle Patreon-Creator werden auf Abos umgestellt

Von Heise
Ein in der Hand gehaltenes iPhone zeigt den Homescreen mit Apps

(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)

Bis November werden sämtliche Creator von der Crowdfunding-Plattform auf Abos umgesattelt, damit Apple mitverdienen kann. iOS-Nutzer zahlen drauf.

Patreon erlaubt auf seiner Crowdfunding-Plattform künftig nur noch Abonnements – auf Geheiß Apples: Bis zum 1. November 2026 werden alle auf anderen Abrechnungsmodellen verbliebenen Urheber (neudeutsch Creator genannt) nun doch noch auf die Abo-Abrechnung zwangsumgestellt, wie Patreon mitteilt. Die Abos sind in der iOS-App dann wie von Apple vorgeschrieben als In-App-Abonnement erhältlich; bei allen Einkäufen über diese Bezahlschnittstelle behält der iPhone-Konzern automatisch bis zu 30 Prozent Provision ein.

Drohung mit App-Store-Rauswurf

Apple habe eine zwischenzeitlich ausgesetzte „Vorgabe zur Abo-Abrechnung für Patreon-Creator wieder eingeführt“, erläuterte die Plattform in einer Mitteilung und betonte, damit „absolut nicht einverstanden“ zu sein, sich aber zur Umsetzung gezwungen zu sehen. Apple meine es nämlich ernst und habe im vergangenen Jahr bereits ein App-Update blockiert und mit dem Rauswurf aus dem App Store gedroht, falls das nicht umgesetzt wird, schreibt Patreon [1]. Die iOS-App sei zentral, weil diese von Millionen Fans genutzt werde. Der Schritt betrifft etwa vier Prozent der Inhalteersteller, der Rest setzt bereits auf Abonnements.

Schon im Jahr 2024 wurde Patreon von Apple dazu angehalten, die In-App-Kaufschnittstelle in die iOS-App zu integrieren [2]. Content-Creator nutzen Patreon als Plattform zur Finanzierung verschiedenster Projekte und Inhalte. Apples Vorgabe zur Integration der In-App-Kaufschnittstelle hat dazu geführt, dass die Preise für iPhone-Nutzer bei Patreon größtenteils deutlich gestiegen sind. Die App reicht die von Apple veranschlagte Provision nämlich direkt durch: Für ein Abo, das im Web 10 Euro im Monat kostet, zahlt man in der iOS-App gewöhnlich 14,50 Euro – darin sind Patreons sowie Apples Provision enthalten.

US-Nutzer der iOS-App Patreons haben dank einer gerichtlichen Verfügung die Möglichkeit, ihre Abos ohne Apple-Provision abzuschließen; dazu dürfen sie beim Bezahlvorgang aber nicht die In-App-Variante wählen, sondern müssen sich auf die Patreon-Webpage leiten lassen [3]. Solche Käufe ohne Apple-Beteiligung musste der Konzern inzwischen auch in der EU zulassen. Genutzt wird das bislang kaum, denn auch für aus einer iOS-App heraus getätigte Käufe im Web veranschlagt Apple immer noch eine satte Provision – mit immer komplexeren Gebührenstrukturen. Das sollte zum Jahresanfang in der EU eigentlich neu aufgestellt werden, aber offenbar ist Apple bei der Umsetzung erneut mit der EU-Kommission aneinandergeraten [4].


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https://www.heise.de/-11159479

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.patreon.com/posts/apple-has-its-on-148395613
[2] https://www.heise.de/news/Crowdfunding-mit-Patreon-Auf-dem-iPhone-kann-es-bald-teurer-werden-9832581.html
[3] https://www.patreon.com/posts/update-on-our-128473586
[4] https://www.heise.de/news/Politische-Verzoegerungstaktik-beim-App-Store-Apple-kritisiert-EU-Kommission-11153093.html
[5] https://www.heise.de/mac-and-i
[6] mailto:lbe@heise.de

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  • 29. Januar 2026 um 21:10

4K-Heimkinotest: One Battle After Another mit technischen Schwächen

Von Heise

Mit 13 Nominierungen ist der beißende Polit-Thriller ein Favorit für die kommende Oscar-Verleihung. Der Film kämpft jedoch mit technischen Problemen.

1971 stellte der Musiker Gil Scott-Heron in seinem Song „The Revolution will not be televised“ fest, dass ein politischer Umsturz nicht im Farbfernsehen übertragen werde. 55 Jahre später sind es vielmehr die Kanäle auf Facebook und YouTube, die Bilder aus Minneapolis Tag für Tag aufs Smartphone spielen.

Auch Hollywood greift die Zuspitzungen auf. Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ geht mit stolzen 13 Nominierungen als einer der Favoriten für die Oscar-Verleihungen am 16. März ins Rennen. Doch hinter der glänzenden Fassade des Kritikerlieblings verbergen sich Ecken und Kanten, die das Publikum spalten und die Frage aufwerfen, ob Anderson hier ein Meisterwerk oder ein überambitioniertes Konstrukt geschaffen hat.

In Deutschland ist der Film seit Kurzem im Heimkino neben der Streaming-Fassung auch auf Blu-ray Disc und Ultra HD Blu-ray (UHD) erhältlich. Auf den folgenden Seiten beleuchten wir die Besonderheiten des Films und seine politische Wirkung sowie die technische Umsetzung von Bild und Ton. Spoiler: Warner hat leider bei der deutschen Tonspur gepatzt.

Ein fragmentarischer Rausch

Vom einstigen Wunderkind, das mit Boogie Nights und Magnolia das Erbe eines Robert Altman antrat, hat sich Paul Thomas Anderson zu einem der eigenwilligsten Architekten des modernen US-Kinos entwickelt. Basierend auf Thomas Pynchons komplexem Roman Vineland liefert er eine Tour de Force ab, die zwischen politischer Gegenwartsbeschreibung und absurder Groteske schwankt. Dazu übernimmt er den körperlichen Stress, die Erschöpfung und den Kontrollverlust der Romanvorlage aus den 1990ern und transplantiert sie in die Gegenwart. So legt er den Blick auf die damals wie heute wirksamen Machtachsen und Abhängigkeiten der politischen Lager frei.

Bei der Entfaltung seiner 162 Minuten langen Vision lässt sich Anderson jedoch Zeit und fordert seinem Publikum bereits in der ersten halben Stunde alles ab. Über diese Zeit rollt er die Geschichte in fragmentarischen Rückblicken auf, die den Zuschauer direkt in das Zentrum eines ideologischen Minenfelds werfen. Sie erfahren von den militanten Aktionen einer Aktivistengruppe und folgen der komplizierten Beziehung zwischen Ben (Leonardo DiCaprio) und Perfidia (Teyana Taylor), die immer wieder mit dem rassistischen Colonel Lockjaw (Sean Penn) kollidiert.

Perfidia
Perfidia

Perfidia (Teyana Taylor) in Pose: Paul Thomas Anderson überzeichnet beide politischen Lager, links wie rechts.

(Bild: Warner)

Der Einstieg ist atemlos und verweigert sich jeder konventionellen Erzählstruktur. Es erfordert höchste Aufmerksamkeit, den zeitlichen Sprüngen und teils unzusammenhängenden Informationsfetzen zu folgen, die das Drehbuch den Zuschauern vor die Füße wirft. Diese Nervosität und Unvorhersehbarkeit durchziehen den ganzen Film. Das Skript lässt einzelne Abschnitte nicht langsam ausklingen, sondern kippt die Handlung ohne lange Erklärungen in eine neue Konstellation. Diese Instabilität versetzt den Zuschauer permanent in Unruhe und zwingt ihn zur aktiven Rezeption.

Sean Penn
Sean Penn

Colonel Lockjaw (Sean Penn) ist von Perfidia so fasziniert, dass selbst sein bestes Stück in seiner Hose gegen den Rassismus in seinem Kopf rebelliert.

(Bild: Warner)

Die chaotische Flucht, die Anderson nach etwas über einer Stunde als hypnotische Verfolgung fast als Oneshot inszeniert, gehört zu den besten Sequenzen, die das Kino im vergangenen Jahr zu bieten hatte. Regie, Schnitt und Schauspiel erzeugen zusammen mit dem Score eine unwiderstehliche Spannung. Jonny Greenwood von Radiohead untermalt die Hatz, indem er 25 Minuten (!) zu nervösen Jazz-Drums immer wieder auf dieselbe Klaviertaste hämmert, während DiCaprio verzweifelt versucht, zum geheimen Treffpunkt zu kommen. Das Geklimper mag moderne Kunst sein, ging zumindest mir jedoch unfassbar auf die Nerven.

Die Kameraarbeit von Michael Bauman, der auf das VistaVision-Verfahren setzte (mehr dazu später), verleiht dem Film eine visuelle Erhabenheit, die im krassen Gegensatz zum inhaltlichen Abgrund steht. Er fängt die weiten Landschaften Kaliforniens in Bildern ein, die eine enorme räumliche Tiefe besitzen.

Verfolgung
Verfolgung

Wer verfolgt hier wen? Die Jagd endet in einem furiosen Finale.

(Bild: Warner)

Die finale Verfolgungsjagd dreier Autos über einen wellig verlaufenden Highway ist ein Musterbeispiel kinetischer Energie und visuellem Ideenreichtum. Anderson beweist in solchen Abschnitten, dass er ein Meister der Inszenierung ist; einer, der keine digitalen Tricks benötigt, um den Zuschauer in den Sitz zu drücken.

Der Cast von One Battle After Another zwischen Manie und Meisterschaft

Das Script folgt keiner typischen Heldenreise. Andersson lässt die Zuschauer über die Motivationen seiner Figuren zunächst bewusst im Unklaren. Es gibt niemanden, der als klassische Identifikationsfigur taugt oder mit der man mitfiebern könnte. Das ist vielleicht die größte Schwachstelle des Films: Es gelingt ihm nicht, mich als Zuschauer emotional abzuholen und an sich zu binden.

Leonardo DiCaprios Spiel ist zwar von enormer Intensität geprägt, erschöpft sich jedoch im weiteren Verlauf darin, möglichst abgefuckt, schweißgebadet und psychisch am Abgrund zu agieren. Er erinnert an eine durchgeknallte, nervöse Variante von Jeff Bridges' legendärem Dude aus The Big Lebowski. Laut DiCaprio war diese Ähnlichkeit durchaus beabsichtigt. Allerdings gibt es eine tonale Differenz: Wo der Dude selbst auf die übelsten Nachrichten entspannt reagierte, dreht DiCaprios Ben am Rad und verfällt in eine Hysterie, die den Zuschauer phasenweise ermüdet.

Leonardo DiCaprio
Leonardo DiCaprio

Wie war das verdammte Passwort nochmal? Ben (Leonardo DiCaprio) ist völlig überfordert.

(Bild: Warner)

Ganz anders Sean Penn, der Colonel Lockjaw als skrupellosen Militaristen karikiert, dessen sexuelle Neigungen mit seinem Rassismus und Wertesystem kollidieren. Penn materialisiert das korrumpierte, zutiefst einsame Innere dieses Colonels mit einer beeindruckenden Physis, die ihn im Alter von 64 Jahren zu einer fast schon mythischen Gestalt werden lässt. Mit einem einzigen zuckenden Mundwinkel zeigt er mehr Schauspielkunst als manch seine Kollegen der Blockbuster-Konkurrenz in ihrer gesamten Karriere. Oberflächlich betrachtet mag sein Spiel wie Overacting wirken, doch im Rahmen der satirischen Überspitzung des Films trifft Penn den Nagel auf den Kopf.

Benicio Del Toro legt in seinen kurzen Auftritten als Kampfsportlehrer eine mitreißende Performance hin, die ihm neben DiCaprio und Penn ebenfalls eine Oscarnominierung einbrachte. Er ist vielleicht die einzige echte Identifikationsfigur des Films, weil er eine gewisse Erdung in das chaotische Geschehen bringt.

Benicio Del Toro
Benicio Del Toro

Benicio Del Toro spielt Sensei mit künstlerischer Leichtfüßigkeit.

(Bild: Warner)

Während der Film sämtliche Männerrollen auf die ein oder andere Weise entlarvt, zeigt er Frauen als die wahren Trägerinnen einer Revolution: Teyana Taylor spielt Bens Geliebte Perfidia mit einer schroffen Radikalität, die nicht um Sympathien bettelt, sondern allen den Mittelfinger ausstreckt. Das war der Academy ebenfalls eine Nominierung wert – eine schwer nachvollziehbare Entscheidung, da ihr Schauspiel mich überhaupt nicht überzeugen konnte.

Erst als ihre Tochter Willa (Chase Infiniti) in der zweiten Hälfte den Staffelstab übernimmt, gibt der Film den Zuschauern Hoffnung, dass eine neue Generation den Kampf weitertragen könnte. Obwohl die erst 25-jährige Infiniti mit ihrer ungeheuren Energie in einer Schlüsselszene mit Sean Penn buchstäblich auf Augenhöhe agiert, muss sie auf einen Oscar aber noch warten.

Chase Infiniti
Chase Infiniti

Willa (Chase Infiniti) hat Handyverbot, damit die Polizei sie nicht tracken kann.

(Bild: Warner)

Das VistaVision-Verfahren im Heimkino

Um die visuelle Wucht von One Battle After Another zu verstehen, muss man einen Blick auf die verwendete Kameratechnik werfen. Paul Thomas Anderson entschied sich für einen analogen Dreh und setzte auf das VistaVision-Verfahren. Im Unterschied zu herkömmlichen Filmkameras, die den 35-mm-Film vertikal transportieren, nutzt man bei VistaVision einen horizontalen Transportmechanismus. Das hat zur Folge, dass jedes Bild eine deutlich größere Negativfläche belichtet. Diese Technik führt zu einer verbesserten Bildschärfe, einer feineren Körnung und einer beeindruckenden Tiefenschärfe. Dass dieses Verfahren derzeit eine Renaissance erlebt, beweist auch der letztjährige Oscar-Gewinn von Lol Crawley für seine Arbeit an The Brutalist, der ebenfalls auf diese Kamera setzte.

Die Kinovorführungen von One Battle After Another erfolgten in einer Vielzahl von Bildformaten, die von 1,43:1 bei IMAX-70-mm-Projektionen über das native VistaVision-Format von 1,5:1 bis hin zu 1,90:1 in digitalen IMAX-Sälen reichten. Für die Heimkino-Auswertung entschied man sich nun für eine bildfüllende 16:9-Präsentation im Format 1,78:1.

Die Blu-ray Disc und UHD von One Battle After Another

Bereits die Blu-ray Disc fördert die analoge Herkunft der Filmkörnung zutage. Anderson legte offensichtlich großen Wert auf eine spezifische Farbästhetik, die oft von einem markanten Goldgelb dominiert wird. Die Außenszenen nach knapp 40 Minuten wirken oft wie in einer tief stehenden Herbstsonne gefilmt und transportieren eine unnachahmliche Stimmung.

Ein deutlicher Schwachpunkt der Blu-ray Disc ist jedoch der maue Schwarzwert. Anstatt tief und satt zu wirken, driftet Schwarz häufig in einen blaugräulichen Bereich ab. In diesen dunklen Passagen leistet sich das Encoding zudem spürbare Ausrutscher. Bei 75:39 Minuten wird die Kompression sehr grob und zeigt matschige Bereiche, da sie mit dem Filmkorn in wenig kontrastreichen Zonen sichtlich überfordert ist.

Bildvergleich 3
Bildvergleich 3

Die Blu-ray Disc taucht Szenen stärker ins Gelb.

(Bild: Warner)

Bildvergleich 4
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Die UHD tendiert hingegen etwas mehr ins Ockerfarbene.

(Bild: Warner)

Warner zeigt den Film auf der UHD in 4K-Auflösung im erweiterten Farbraum inklusive HDR10 und Dolby Vision. Sie korrigiert vor allem die Schwächen der Blu-ray Disc im unteren Helligkeitsbereich. Schwarz wird hier als echtes Schwarz und nicht als Blaugrau wiedergegeben. Das Encoding zeigt sich zudem wesentlich stabiler und löst die Filmkörnung selbst in den kontrastlosesten Bildanteilen ohne sichtbare Artefakte auf.

Während die Blu-ray Disc in einer Szene im Supermarkt die einzelnen Striche eines Barcodes nicht mehr differenzieren kann, bleiben diese auf der 4K-Disc klar erkennbar. Die Close-ups wirken noch schärfer und die Hauttöne punkten mit einem natürlicheren Braunanteil, während der Gelbstich der Blu-ray Disc zurückgefahren wurde.

Bildvergleich 1
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Der Strichcode verschwimmt auf der Blu-ray Disc etwas, wie auf dem Bildausschnitt zu sehen.

(Bild: Warner)

Bildervergleich 3
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Auf der UHD kommen die Linien klarer raus.

(Bild: Warner)

Ein weiterer Vorteil ist die harmonischere Kontrastierung. Dank der HDR-Durchzeichnung bleiben in hellen Bereichen Details wie einzelne Wolkenformationen sichtbar, wo die Blu-ray Disc etwas überstrahlt. Das einzige kleine Manko der HDR-Präsentation ist die Zurückhaltung bei den Spitzlichtern. Hier hätte man sich punktuell noch etwas mehr Leuchtkraft und einen prägnanteren Wow-Effekt gewünscht.

Technische Probleme der deutschen Tonspur

Warner hat sowohl die Blu-ray Disc als auch die UHD mit verlustfrei kodierten Dolby-Atmos-Tonspuren auf Deutsch und Englisch ausgestattet. Dialoge wurden weitgehend original am Set mit dem richtigen Hallraum aufgenommen und zur besseren Verständlichkeit auf den Center gelegt. Deckenlautsprecher erweitern die räumliche Atmosphäre und treten nur in manchen Szenen hervor, wenn etwa Hubschrauber nach 24 Minuten die Verfolgung aufnehmen oder bei den Protesten Sprechchöre einsetzen. Der nervöse Soundtrack bleibt meistens im Hintergrund und lässt den Szenen genügend Luft zum Atmen.

Bildvergleich 5
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Die Blu-ray Disc überstrahlt helle Szenen oft dezent.
Bildvergleich 6
Bildvergleich 6

Die UHD wartet mit ausgewogeneren Kontrasten auf. Die HDR-Wiedergabe zeigt dies noch deutlicher als dieser SDR-Screenshot.

(Bild: Warner)

Während die englische Atmos-Spur die räumliche Atmosphäre präzise und fehlerfrei einfängt, haben die uns vorliegenden Verkaufsversionen der Blu-ray Disc und UHD jedoch mit technischen Problemen der deutschen Atmos-Spur zu kämpfen. Zum einen wurde offensichtlich der LFE-Kanal nicht richtig übertragen und gibt seine tieffrequenten Effekte falsch wieder. Dadurch fehlt Explosionen wie der nach 11:33 Minuten der Punch und das gesamte Bassfundament gerät ins Schwimmen.

Zweitens bleibt auf der deutschen Atmos-Tonspur die rechte Seite der Höhenkanäle weitgehend stumm, was zu einem asymmetrischen Raumempfinden führt. Lediglich die Leuchtspurmunition ab 7:22 Minuten ist korrekt von oben rechts zu vernehmen. Warner ist der Fehler inzwischen bekannt. Ob es eine Austauschaktion der fehlerhaften Discs geben wird, stand bis Redaktionsschluss nicht fest.

Bildvergleich 7
Bildvergleich 7

Gut zu erkennen ist das an den Wolken, die die Blu-ray nicht durchzeichnet.

(Bild: Warner)

Bildvergleich 8
Bildvergleich 8

Auf der UHD sind die Umrisse der Wolken besser zu erkennen.

(Bild: Warner)

Alternativ können Zuschauer die ebenfalls auf den Discs enthaltene deutsche 5.1-Spur in Dolby Digital anwählen. Sie hat keine Probleme mit dem LFE-Kanal und steht der Atmos-Spur in Sachen Dynamik kaum nach.

Die Streaming-Qualität von One Battle After Another und Fazit

One Battle After Another ist per AppleTV/iTunes als Stream erhältlich und liegt dort in 4K Dolby Vision vor. Der Bildeindruck kann bei den Farben und Kontrasten weitgehend mit der UHD mithalten. Aufgrund der niedrigeren Bitrate verklumpt jedoch das Filmkorn immer wieder. Ein typisches Problem von Streams, das den cineastischen Eindruck auf großen Fernsehern und Beamern verschlechtert.

Die Tonspuren liegen auf Deutsch und Englisch in Dolby Atmos vor. Diese wurden jedoch nicht wie auf Disc verlustfrei in MLP (Meridian Lossless Packing) kodiert, sondern in E-AC3 mit 768 kBit/s eingedampft. Dadurch kommt aus den Heights das typische Artefaktsäuseln, das sowohl die Abbildung der räumlichen Effekte als auch die Atmosphäre beeinträchtigt.

Gruppenbild mit Fasan
Gruppenbild mit Fasan

Gruppenbild mit Fasan: Im Hintergrund kämpfen geheime Zirkel für das Reinheitsgebot der weißen Rasse.

(Bild: Warner)

Die deutsche Atmos-Spur hat dieselben Probleme wie die der Discs: Auch hier fehlt die rechte Seite der Höhenkanäle und der LFE-Kanal sendet falsche Signale, was die räumliche Symmetrie und den Wumms deutlich verschlechtert.

Weder die Discs noch der Stream warten mit Bonusmaterial auf: keine Audiokommentare, kein Making-of, keine entfallenen Szenen. Nichts.

Fazit

One Battle After Another macht es seinem Publikum nicht leicht. Er ist sperrig, oft nervend ausgewalzt und in seiner Sprunghaftigkeit bisweilen frustrierend. Auf der einen Seite glänzt er mit seinem energisch aufspielenden Ensemble und der schauspielerischen Urgewalt eines Sean Penn. Wenn ein Film jedoch so große Motive auffährt und so starke Darsteller hat, dann muss er mit seinen Figuren auch eine emotionale Verbindung zum Zuschauer aufbauen. Und das hat er in meinen Augen nicht geschafft.

Ob die 13 Oscar-Nominierungen am Ende gerechtfertigt sind, wird die Zeit zeigen. Eines steht jedoch fest: Wenn man den Zustand der modernen Welt durch die Linse eines der fähigsten Regisseure unserer Zeit betrachten will, kommt man an diesem Film nicht vorbei. Als cineastisches Experiment am offenen Herzen der US-Gesellschaft entwickelt er nämlich eine politische Schärfe, die man im zeitgenössischen US-Kino oft vermisst.

Proteste
Proteste

Die Protestszenen erinnern an Bilder aus Minneapolis.

(Bild: Warner)

Die Parallelen zu den Aktionen der von Trump eingesetzten ICE-Beamten sind kaum zu übersehen: Die frappierende Ähnlichkeit von Steven Lockjaw zum just geschassten ICE-Chef Greg Bovino sticht sofort ins Auge. Die gezeigten Proteste wirken wie eine Dokumentation der gegenwärtigen Unruhen in Minneapolis, was dem Film eine beklemmende Aktualität verleiht.

Dabei dekonstruiert Anderson konsequent jegliche Form von Ideologie. Während die radikalen Linken wie orientierungslose, in sich selbst verliebte Nostalgiker wirken, entlarvt er rechte Strukturen als groteske, feige Kulte. Dies kulminiert in einem verstörenden Finale, wenn Lockjaw mit entstellter Fratze ein letztes Mal die Büroräume des White-Supremacy-Zirkels betritt.

Daraus entsteht eine tiefgreifende Studie über die schleichende Zersetzung des Individuums durch kollektiven Wahn. Die Erzählung ist eine dringliche Warnung vor einer Gesellschaft, in der nur noch radikale Extreme zu existieren scheinen. Sie ist ein filmisches Mahnmal, das in seiner Komplexität und bewussten Unbequemlichkeit noch lange nachwirkt.

Das gilt besonders für die UHD, die die filmische Qualität der VistaVision-Aufnahmen am besten einfängt und mit einer präzise abgemischten englischen Dolby-Atmos-Tonspur aufwartet. Wer den Film auf Deutsch synchronisiert in Dolby Atmos sehen will, sollte warten, bis Warner die fehlerhaften Discs austauscht.

Wer Geld sparen will, kann den Film auch im Stream anschauen, muss dann jedoch mit den typischen Einbußen beim Encoding von Bild und Ton aufgrund der niedrigeren Bitraten leben. Diese Mängel fallen jedoch nur auf großen Fernsehern und Beamern sowie aufwendigeren Dolby-Atmos-Anlagen jenseits typischer Soundbars auf. Die deutsche Atmos-Tonspur war auch im Stream bei Redaktionsschluss fehlerhaft.

Technische Infos:

Apple/iTunes:
One Battle After Another (162 min): 4K (HDR10, Dolby Vision), Tonformate: Dolby Atmos (de, en, fr), Stereo AAC (de, en, fr), FSK 16, 10 €

Blu-ray (Warner Home Video):
One Battle After Another (162 min): SDR, Tonformate: Dolby Atmos (de, en), Dolby Digital 5.1 (de, en), FSK 16, 18 €

4K UHD Blu-ray (Warner Home Video):
One Battle After Another (162 min): 4K (HDR10, Dolby Vision), Tonformate: Dolby Atmos (de, en), Dolby Digital 5.1 (de, en, fr, it, spa), FSK 16, 35 €

Die vergleichenden Screenshots der Discs wurden digital 1:1 vom Original im SDR-Farbraum übernommen. Bei den Streaming-Fassungen war dies aufgrund von Kopierschutzmaßnahmen nicht möglich. Die weiteren Bilder wurden mit einem iPhone von einem Panasonic-OLED-TV abfotografiert. Farben und Detailauflösung entsprechen bei diesen Bildern nicht 1:1 den Originalen.

Über 6000 weitere Rezensionen von Timo Wolters finden Sie auf blu-ray-Rezensionen.net. [2]


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  • 30. Januar 2026 um 07:04

US-Behörden müssen nicht mehr prüfen, was in ihrer Software drin ist

Von Heise
Eine US-Fahne hängt lahm am unteren Ende einer Fahnenstange und somit im nassen Erdreich

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Behördlich eingesetzte Software sollte möglichst sicher sein. Das beginnt bei der Programmierung. US-Behörden müssen darauf aber nicht mehr achten.

Das Weiße Haus hebt Vorgaben für IT-Sicherheit bei US-Bundesbehörden auf. Die infolge des Solarwinds-Desasters erstellten Regeln für behördlich genutzte Software sind nicht länger bindend. Wesentlicher Bestandteil war, dass Behörden erheben, von welchen Bibliotheken, Programmen und Diensten ihre Software abhängt (SBOM, Software Bill of Materials [1]). Wer diese Information hat, kann leichter erkennen, ob seine Software von bekannt gewordenen Sicherheitslücken betroffen ist.

Vergangenen Freitag hat das Office of Management and Budget (OMB), eine Abteilung des Weißen Hauses, die Aufhebung der bisherigen Sicherheitsregeln für Beschaffung und Einsatz von Software angeordnet (M-26-05 [2]). Fortan soll jede Behörde für sich entscheiden, welchen Risiken sie ausgesetzt ist und wie sie diesen zu begegnen hat. Dies ist Ausfluss der Deregulierungspolitik des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump.

Ab sofort ist den Bundesbehörden freigestellt, ob sie das NIST Secure Software Development Framework (SSDF), SP 800-218 und die NIST Software Supply Chain Security Guidance einhalten möchten oder nicht. Diese Regeln werden in dem neuen Erlass als „unbewiesen und mühsam” bezeichnet, die „Compliance über echte Sicherheitsinvestitionen gestellt” hätten. Was er als echte Sicherheitsinvestitionen erachtet, lässt OMB-Chef Russell Vought offen.

„Jede Behörde soll die Sicherheit ihrer Lieferanten validieren, indem sie sichere Programmierprinzipien anwendet, basierend auf einer umfassenden Risikoeinschätzung”, gibt er allgemein gehalten vor. Zwar sollen Behörden ein Verzeichnis der bei ihnen eingesetzten Soft- und Hardware führen sowie jeweils eigene Richtlinien und Prozesse für Hard- und Software ausarbeiten, aber nur soweit dies „ihre Risikoeinschätzung und Aufgabenstellungen” erfordern. Was das in der Praxis heißt, bleibt den einzelnen Behörden überlassen.

Solarwind, Biden und NIST

Die jetzt aufgehobenen Sicherheitsvorkehrungen haben eine Vorgeschichte: 2019 gelang es mutmaßlich staatlichen Angreifern Russlands [3], Solarwinds' Orion-Plattform zu kompromittieren und einen Trojaner in offizielle Updates einzuschmuggeln. Solarwinds vertreibt Netzwerk- und Sicherheitsprodukte, die damals mehr als 300.000 Kunden weltweit eingesetzt haben. Darunter befinden sich viele Fortune 500-Unternehmen sowie Regierungsbehörden wie das US-Militär, das Pentagon und das Außenministerium. Durch das Einspielen der Updates wurden ihre Systeme ab März 2020 kompromittiert. Ende 2020 entdeckte Fireeye die Hintertüren, weil die Angreifer das Arsenal an Hack-Software geplündert [4] hatten. Fireeye gehörte zum Teil der CIA. Im Februar 2021 sprach Microsoft-Manager Brad Smith vom "größten und raffiniertesten Angriff, den die Welt je gesehen hat [5]".

Nach diesem schweren Schlag ergriff der damalige US-Präsident Joe Biden Maßnahmen, die im Mai 2021 in einem Erlass für IT-Sicherheit in Bundesbehörden (Executive Order 14028 [6] Improving the Nation’s Cybersecurity) verdichtet wurden. Dazu gehörte die Absicherung der Lieferkette für Software. Das NIST (National Institute for Standards an Technology), eine Abteilung des US-Handelsministeriums, schritt zur Tat und arbeitete die erwähnten Secure Software Development Framework [7] und Software Supply Chain Security Guidance [8] aus. Zeitgemäß, denn inzwischen ist fast jedes dritte Unternehmen von Angriffen auf seine Software-Lieferkette betroffen [9].

Umsetzung in US-Behörden ab 2022

Die Einhaltung dieser NIST-Empfehlungen wurde durch OMB-Erlass M-22-18 [10] für Bundesbehörden ab September 2022 verpflichtend. Lieferanten mussten zeigen, dass sie ihre Software unter Einhaltung von Sicherheitsprinzipien entwickeln und welche Komponenten enthalten sind (SBOM). Ausgenommen waren behördliche Eigenentwicklungen, die sich jedoch tunlichst an den gleichen Regeln orientieren sollten.

Im Juni 2023 verlängerte OMB-Erlass M-23-16 [11] bestimmte Übergangsfristen bis Dezember des Jahres und stellte klar, dass Open-Source-Software nicht erfasst ist. Schließlich gibt es dort keinen zentralen Lieferanten, der die Entwicklung überwacht. Außerdem wurde proprietäre frei verfügbare Software ausgenommen, beispielsweise Webbrowser. Denn Anbieter kostenloser Software setzen meist auf „friss oder stirb” – sie sind schwer dazu zu bewegen, Zertifizierungen zu durchlaufen und Abhängigkeiten offenzulegen.

Entwicklungen im Behördenauftrag waren so weit ausgenommen, als die Behörde die Entwicklung bestimmt und beaufsichtigt, denn das galt dann als Eigenentwicklung. Die Einschränkungen des Jahres 2023 gehen der amtierenden US-Regierung nicht weit genug. Sie hebt beide OMB-Erlässe aus der Amtszeit Bidens auf.


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[1] https://www.heise.de/hintergrund/SBOMs-Wie-Stuecklisten-fuer-Software-funktionieren-7265763.html
[2] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2026/01/M-26-05-Adopting-a-Risk-based-Approach-to-Software-and-Hardware-Security.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Cyber-Attacke-ueber-SolarWinds-Auch-US-Nachrichtendienste-beschuldigen-Russland-5004622.html
[4] https://www.heise.de/news/Hacker-pluendern-FireEye-Arsenal-4980417.html
[5] https://www.heise.de/news/Microsoft-SolarWinds-Angreifer-hat-mehr-als-1-000-Cyberkrieger-5055827.html
[6] https://www.federalregister.gov/documents/2021/05/17/2021-10460/improving-the-nations-cybersecurity
[7] https://csrc.nist.gov/Projects/ssdf
[8] https://www.nist.gov/system/files/documents/2022/02/04/software-supply-chain-security-guidance-under-EO-14028-section-4e.pdf
[9] https://www.heise.de/news/Supply-Chain-Attacken-Fast-jedes-dritte-Unternehmen-betroffen-11070823.html
[10] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2022/09/M-22-18.pdf
[11] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2023/06/M-23-16-Update-to-M-22-18-Enhancing-Software-Security.pdf
[12] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[13] mailto:ds@heise.de

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  • 29. Januar 2026 um 23:18

Google zieht Millionen Geräte aus IPIDEA-Residential-Proxy-Netz

Von Heise
Cyber,Security,Red,World,Map

(Bild: PabloLagarto/Shutterstock.com)

Google hat dem Residential-Proxy-Netz IPIDEA einen empfindlichen Schlag versetzt. Es wird etwa von Kriminellen genutzt.

Residential Proxies verteilen Netzwerkverkehr von Kunden auf Geräte, die bei Internetprovidern in den Endkundenbereichen stehen. Darüber leiten vielfach Cyberkriminelle ihre Daten, um ihre Herkunft zu verschleiern. Nun ist Googles Threat Intelligence Team ein empfindlicher Schlag gegen das als bislang größte Residential-Proxy-Netzwerk IPIDEA gelungen.

Einerseits hat Google zusammen mit Partnern Domains vom Netz genommen, die zur Steuerung von Geräten und Proxy-Traffic dadurch genutzt wurden. Andererseits haben die IT-Forscher technische Informationen zu Software-Development-Kits (SDKs) und damit entwickelter Proxy-Software für das IPIDEA-Netz an Plattformanbieter, Strafverfolger und Forschungseinrichtungen weitergereicht, um ein Bewusstsein bei allen potenziell Betroffenen zu schaffen.

Die SDKs werden etwa Entwicklern über mehrere Mobil- und Desktop-Plattformen angeboten und dienen dazu, Geräte von Nutzerinnen und Nutzern heimlich dem IPIDEA-Netzwerk hinzuzufügen. Das gemeinsame Vorgehen gegen diese SDK hilft, die Weiterverbreitung des Netzwerks einzudämmen. Auf zertifizierten Android-Geräten hat Google zudem die Sicherheitsmechanismen nachgeschärft. Google Play Protect soll seitdem User warnen und die Apps entfernen, die das IPIDEA-SDK enthalten – und ihre künftige Installation unterbinden.

Begehrte Rsidential-Proxy-Adressen

IP-Adressen aus Ländern wie den USA, Kanada und Europa seien besonders begehrt, erklärt Google in der Analyse [1]. Die Proxy-Software sei entweder auf den Geräten vorinstalliert oder komme mit trojanisierten App-Versionen auf die Smartphones, führt Google weiter aus. Einige Nutzerinnen und Nutzer könnten sich solche Software sogar willentlich installieren, angelockt von dem Versprechen, ihre verfügbare Bandbreite zu monetarisieren. Sind die Geräte erst einmal im Residential-Proxy-Netzwerk angemeldet, verkaufen die Betreiber Zugriff darauf an ihre Kunden.

Die Betreiber solcher Proxy-Netze betonen oft die Privatsphäre und freie Meinungsäußerung als Nutzen der Residential Proxies. Googles Untersuchungen zeigten jedoch, dass diese Netze zu einem überragenden Teil von bösartigen Akteuren genutzt werden. IPIDEA hat Bekanntheit dafür erlangt, mehrere Botnetze zu beherbergen. Das SDK spielt demnach eine Schlüsselrolle dabei, Geräte den Botnetzen hinzuzufügen. Das betreffe das Badbox-2.0-Botnetz [2], das Aisuru-Botnetz [3] und das Kimwolf-Botnet sowie weitere.

Google hat IPIDEA-Nutzung zudem zum Ausführen von Spionage und zum Verüben von Verbrechen durch Bedrohungsakteure beobachtet. Allein in einem siebentägigen Zeitraum im Januar hat Google mehr als 550 Cybergangs verfolgen können, die mit den IPIDEA-Exit-Knoten ihre Aktivitäten zu verschleiern versuchten. Darunter waren Gruppierungen aus China, Iran, Nordkorea und Russland. Sie haben damit unbefugt auf Security-as-a-Service-(SaaS)-Umgebungen und On-Premises-Infrastruktur von Opfern zugegriffen und Passwort-Spraying-Attacken gestartet.

Bei der Untersuchung haben Googles IT-Sicherheitsforscher 3075 ausführbare Windows-Dateien gefunden sowie mehr als 600 Android-Apps, die Verweise auf die Tier-1-Domains des Command-and-Control-Netzwerkes enthalten. Die mobilen Apps hatten zu einem großen Teil normale Funktionen von Tools, Spielen oder Inhaltsanzeigen, nutzten jedoch die IPIDEA-SDKs und aktivierten das Proxy-Verhalten zur Monetarisierung. Die Analyse schließt noch mit einigen Indizien für Infektionen (Indicators of Compromise, IOCs), mit denen Interessierte ihre Systeme auf möglichen Befall prüfen können.

Im Jahr 2024 warnte etwa der Identitätsverwaltungsdienstleister Okta davor [4], dass es zu vermehrten Credential-Stuffing-Angriffen kam. Diese gingen ebenfalls von Residential Proxies aus.


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[1] https://cloud.google.com/blog/topics/threat-intelligence/disrupting-largest-residential-proxy-network/?hl=en
[2] https://www.heise.de/news/Badbox-2-0-Eine-Million-infizierte-Geraete-im-Botnet-10327338.html
[3] https://www.heise.de/news/Sicherheitsexperte-Brian-Krebs-Ziel-von-DDoS-Attacke-mit-6-3-Terabit-pro-Sekunde-10393206.html
[4] https://www.heise.de/news/Okta-warnt-vor-vermehrten-Credential-Stuffing-Angriffen-9703174.html
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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  • 29. Januar 2026 um 15:19

Nvidia Sicherheitslücken: Attacken auf GPU-Treiber können zu Abstürzen führen

Von Heise
GeForce RTX 4070 Ti Herstellerkarten

(Bild: Andreas Wodrich / heise medien)

Softwareschwachstellen gefährden PCs mit Grafikkarten von Nvidia. Sicherheitspatches sind verfügbar.

Angreifer können an verschiedenen Sicherheitslücken in Grafikkartentreibern, HD Audio Software und vGPU Software von Nvidia ansetzen. Dadurch sind Linux- und Windowssysteme bedroht.

DoS-Attacken möglich

Wie aus einer Warnmeldung hervorgeht [1], betreffen drei Schwachstellen (CVE-2025-33217 „hoch“, CVE-2025-33218 „hoch“, CVE-2025-33219 „hoch“) GPU-Treiber. In allen Fällen können Angreifer auf einem nicht näher ausgeführten Weg Speicherfehler provozieren. Das führt in der Regel zu Abstürzen (DoS). Oft gelangt darüber aber auch Schadcode auf Computer und kompromittiert sie.

Das erfolgreiche Ausnutzen der Lücken (CVE-2025-33220 „hoch“, CVE-2025-33237 „mittel“) in vGPU Software und HD Audio Software kann ebenfalls zu DoS-Zuständen führen.

Die Entwickler versichern, die Schwachstellen in den folgenden Versionen geschlossen zu haben:

GPU-Treiber:

Windows

  • 539.64
  • 573.96
  • 582.16
  • 591.59

Linux:

  • 535.288.01
  • 570.211.01
  • 580.126.09
  • 590.48.01

vGPU Software:

Linux/Windows:

  • 16.13
  • 18.6
  • 19.4

HD Audio Software:

Windows

  • 1.4.5.7


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Links in diesem Artikel:
[1] https://nvidia.custhelp.com/app/answers/detail/a_id/5747
[2] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[3] mailto:des@heise.de

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  • 29. Januar 2026 um 13:54

Sicherheitspatch: Authentifizierung von SolarWinds Web Help Desk umgehbar

Von Heise
Eine Frau drückt einen symbolsichen Updateknopf.

(Bild: Alfa Photo/Shutterstock.com)

Die Ticketing-Software SolarWinds Web Help Desk ist unter anderem über vier kritische Sicherheitslücken angreifbar.

Mehrere Softwareschwachstellen bedrohen Systeme mit SolarWinds Web Help Desk. Nutzen Angreifer die Lücken erfolgreich aus, können sie Systeme im schlimmsten Fall vollständig kompromittieren. Eine reparierte Ausgabe steht zum Download bereit.

Mehrere Schwachstellen

In einem Beitrag zur gepatchten Version WHD 2026.1 [1] sind unter anderem die Sicherheitslücken (CVE-2025-40536 „hoch“, CVE-2025-40537 „hoch“, CVE-2025-40551 „kritisch“, CVE-2025-40552 „kritisch“, CVE-2025-40553 „kritisch“, CVE-2025-40554 „kritisch“) aufgelistet. Admins sollten sicherstellen, dass sie die reparierte Ausgabe zeitnah installieren. Geschieht das nicht, könnten Angreifer nach erfolgreichen Attacken die volle Kontrolle über Systeme erlangen.

Über zwei kritische Schwachstellen können Angreifer Schadcode auf Hostsystemen ausführen. Die beiden verbleibenden kritischen Lücken betreffen die Authentifizierung, und Angreifer können etwa bestimmte Befehle ausführen, was eigentlich nur angemeldete Nutzer dürfen.

Wie Attacken im Detail ablaufen können, ist bislang nicht bekannt. Unklar ist auch, an welchen Parametern Admins bereits attackierte Systeme erkennen können. In der Warnmeldung gibt es derzeit keine Hinweise, dass Angreifer die Lücken bereits ausnutzen.

Weitere Reparaturen

Ferner haben die Entwickler in der aktuellen Ausgabe eigenen Angaben zufolge mehrere Bugs ausgemerzt. So komme es etwa in FIPS-Umgebungen nicht mehr zu Verschlüsselungsfehlern. Es gibt aber auch noch ungelöste Fehler. Derzeit ist der Linux- und macOS-Support wegen Next.js-Problemen nicht gegeben.

Zusätzlich haben die Entwickler das Interface grafisch überarbeitet. Die Auswahl der neuen Oberfläche ist optional.


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[1] https://documentation.solarwinds.com/en/success_center/whd/content/release_notes/whd_2026-1_release_notes.htm
[2] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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  • 29. Januar 2026 um 12:15

Audio-Haptik neu gedacht: Vibrator vermittelt Musik detailliert unter der Haut

Von Marcus Hansson

(Bild: The Groove Thing)

Ein Vibrator aus einer Kickstarter-Kampagne verspricht, Musik als körperliche Empfindung zu übertragen. Dabei sollen einzelne Instrumente wahrnehmbar sein.

Ein Vibrator, der Musik nicht nur rhythmisch begleitet, sondern deren akustische Struktur als körperliche Empfindung übertragen soll: Mit diesem Anspruch ist ein neues Gerät auf Kickstarter angetreten [1] – und auf große Resonanz gestoßen. Das System kombiniert einen Bluetooth-Lautsprecher mit einem externen Resonator, an den unterschiedliche vibrierende Aufsätze angeschlossen werden können. Diese werden in den Körper eingeführt, um Musik auf eine neue Art zu erleben.

Detaillierte Widergabe

Vibratoren, die auf Musik reagieren, sind allerdings keine Neuheit. In der Praxis beschränkt sich diese Funktion jedoch meist auf einfache Korrelationen: lauter gleich stärker, schneller gleich intensiver. Eine feine Abbildung von Musik ist allerdings neu.

Laut der Kampagnenseite von Groove Thing übersetzt das System Musik nicht nur in einfache Vibrationsmuster, sondern soll die komplette Audio-Waveform als körperliche Empfindung wiedergeben, sodass angeblich unterschiedliche Noten, Instrumente und Tonhöhen spürbar werden. Dazu koppelt man eine Audioquelle per Bluetooth an den integrierten Lautsprecher; ein als patentiert beworbenes Signalverarbeitungsverfahren überträgt die Musik in Echtzeit in vibrierende Signale, die über einen internen Resonator fühlbar werden.

Für Gamer nichts neues

Auch jenseits des Sextoy-Bereichs ist das Interesse an Produkten, die Musik oder Geräusche physisch spürbar machen, in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Das taktile System des kanadischen Herstellers SUBPAC [2] etwa wandelt tiefe Audiofrequenzen aus der Musik in körperliche Vibrationen um, indem haptische Wandler die Bass-Informationen direkt auf Rücken oder Oberkörper übertragen. Die Geräte decken typischerweise einen Frequenzbereich von etwa 1 bis 200 Hz ab. Erhältlich sind sie als tragbare Weste oder als Sitzlösung und werden von Musikschaffenden sowie im Gaming- und VR-Bereich zur intensiveren Basswahrnehmung genutzt.

Seit 2020 ist zudem der in Deutschland entwickelte und gefertigte Feelbelt auf dem Markt, der ebenfalls aus einer Kickstarter-Kampagne hervorgegangen ist. Dabei handelt es sich um einen tragbaren Gürtel [3], der ähnlich wie SUBPAC arbeitet, jedoch das gesamte hörbare Frequenzspektrum von etwa 10 bis 20 000 Hz in haptische Impulse übersetzen soll. Im Gürtel sind zehn unabhängig voneinander arbeitende Aktuatoren verbaut, um unterschiedliche Tonhöhen gleichzeitig als Vibrationen darzustellen. Die Signalverarbeitung übernimmt ein ARM-Dual-Core-Prozessor mit integrierter DSP-Einheit.

Wired-Betatester wenig beeindruckt

Ob das neue Gerät seine technischen Versprechen tatsächlich einlösen kann und ob sich ein musikzentrierter Nutzungskontext beim Masturbieren etabliert, bleibt offen. Das Magazin Wired konnte ein frühes Prototypgerät testen [5] und zeigte sich nur mäßig beeindruckt: Der Prototyp wird als klobig beschrieben, die Erfahrung als unterdurchschnittlich. Kritisiert wurden zudem laute Motorgeräusche und Vibrationen, die als wenig angenehm empfunden wurden.

Laut Wired habe der Hersteller mehrfach betont, dass das Gerät nicht primär auf sexuelle Erregung oder Orgasmen ausgelegt sei, sondern auf das Hören von Musik und insbesondere darauf, Bass und Percussion körperlich zu spüren. Auf der sehr professionell gestalteten Kickstarter-Seite werden solche Einschränkungen allerdings nicht thematisiert. Dort heißt es stattdessen, das Gerät sei bereits erfolgreich in „170 holes“ getestet worden. Die gezeigten Videos enthusiastischer Nutzer besitzen dabei zumindest einen hohen Unterhaltungswert.


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https://www.heise.de/-11159037

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.kickstarter.com/projects/groove-thing/the-worlds-first-internal-music-player/creator
[2] https://subpac.com/what-is-the-SUBPAC/
[3] https://feelbelt.de/de/
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[5] https://www.wired.com/story/the-groove-thing-is-a-bluetooth-speaker-and-vibrator-combo-because-why-not/?utm_source=chatgpt.com
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[7] mailto:mch@make-magazin.de

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  • 29. Januar 2026 um 16:50

Sebastiaan de With, Mitbegründer der iPhone-Kamera-App Halide, wechselt zu Apple

Von Heise
Sebastian de With vor dem Appe Park

Apple hat den App-Designer Sebastiaan de With („Halide“) in sein Design-Team eingestellt.

(Bild: Apple)

Der bekannte App-Designer Sebastiaan de With, Mitbegründer der iPhone-Kamera-App Halide, verstärkt Apples Design-Team und wirkt am Human Interface Design mit.

Apple hat einen bekannten unabhängigen App-Designer in sein Design-Team eingestellt. Sebastiaan de With ist Nutzern unter anderem als Mitbegründer von Lux, dem Herausgeber der iPhone-Kamera-App Halide bekannt. Bei Apple wirkt er künftig am Human Interface Design mit, teilte er in einem Post [1] auf mehreren sozialen Netzwerken mit. Der aus den Niederlanden stammende de With kennt Apple bereits sehr gut, hat er doch für das Unternehmen früher schon einmal gearbeitet und dort an der iCloud bezeihungsweise MobileMe und den Wo-ist-Apps mitgewirkt.

De With hatte sich bereits im Vorfeld der Vorstellung des neuen Liquid-Glass-Designs in einem Blogpost intensiv Gedanken über Apples Designausrichtung gemacht [2]. Seine Vorstellungen gefielen vielen Kommentatoren besser als das tatsächlich vorgestellte neue Design von Apple, weshalb von einigen an seinen Wechsel zu Apple Hoffnungen geknüpft werden. Als auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni 2025 schließlich die Veränderungen in den Apple-Betriebssystemen vorgestellt wurden, bewertete er selbst diese in Posts überwiegend positiv.

Veränderungen in Apples Design-Team

Nicht gut war er hingegen auf den inzwischen zu Meta gewechselten Designchef Alan Dye zu sprechen. Als im Dezember dessen Weggang bekannt wurde, zählte de With zu den größten Kritikern seines Abschieds-Posts [3]. Jüngst wurde bekannt, dass Hardware-Chef John Ternus angeblich neu für das Hard- und Software-Design verantwortlich zeichnet [4].

Mit der beruflichen Veränderung von de With verstummt zugleich eine viel beachtete Stimme, wenn es um die Bewertung der iPhone-Kameras geht. Seit Jahren meldete sich der passionierte Fotograf nach der Veröffentlichung neuer Geräte mit seitenlangen Rezensionen, die – gespickt mit zahlreichen Beispielfotos – einen fachkundigen Blick auf die Entwicklung der iPhone-Kameras gewährten. Zuletzt bewertete er [5] das iPhone Air und das iPhone 17 Pro.

Halide wird fortgesetzt

Zumindest Nutzer der App Halide [6] können aber wohl aufatmen. Entwickler und Lux-Mitbegründer Ben Sandofsky meldete sich nach Bekanntwerden des Wechsels von de With auf Reddit zu Wort. In einem Post erklärte er, dass eine öffentliche Vorschau von Halide Mark III veröffentlicht wurde und er sehr optimistisch in die Zukunft blicke. Beobachter wundern sich allerdings darüber, dass er de With mit keinem Wort erwähnt und die erste Veröffentlichung der App vor zehn Jahren für sich reklamiert. Nutzer merkten an, dass es um de With schon seit Oktober ruhig geworden sei.

Lux gibt auch die Apps Spectre (für Langzeitbelichtungen), Kino [7] (für Videos) und Orion (Nutzung des iPads als HDMI-Screen) heraus – auch diese Apps dürften wohl weiterentwickelt werden. Sandofsky betonte, dass die App-Entwicklung inzwischen sein Hauptberuf sei.


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https://www.heise.de/-11159206

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.threads.com/@sdw/post/DUEeAwFksRt
[2] https://www.lux.camera/physicality-the-new-age-of-ui/
[3] https://x.com/sdw/status/1996431428561822093
[4] https://www.heise.de/news/Nicht-mehr-Tim-Cook-John-Ternus-ist-Apples-neuer-Designchef-11153769.html
[5] https://www.lux.camera/iphone-17-pro-camera-review-rule-of-three/
[6] https://www.heise.de/news/Foto-App-Halide-kann-alle-iPhone-Kamera-KI-Features-abdrehen-9836174.html
[7] https://www.heise.de/news/Kino-Neue-Film-App-von-den-Machern-von-Halide-9742419.html
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
[9] mailto:mki@heise.de

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  • 29. Januar 2026 um 16:39

iPhone 16: Meistverkauftes Smartphone 2025 – Apple dominiert

Von Heise
iPhone 16 Familie

Globale Top 10: Apples iPhones verkaufen sich laut Counterpoint ausgezeichnet.

(Bild: mac & i)

Kein Xiaomi, Oppo oder Vivo: Apple und Samsung teilen sich die Plätze um die 10 am meisten abgesetzten Smartphones unter sich auf.

In den Top 10 der weltweit meistabgesetzten Smartphones für das Jahr 2025 gibt es kaum Überraschungen: Im vierten Jahr in Folge teilen sich die beiden Branchenriesen Apple und Samsung die Liste. Dabei kann vor allem Apple sich freuen, denn auf sieben der zehn Plätze der Rangliste, die das Analyseunternehmen Counterpoint Research für das Jahr 2025 aufgestellt hat, sind iPhones vertreten. Die Liste basiert auf dem „Global Monthly Handset Model Sales Tracker“, den Counterpoint allmonatlich erstellt. Die 10 Modelle machten 19 Prozent des gesamten Smartphone-Absatzes im Jahr 2025 aus.

iPhone 16 ganz oben

Laut den Daten [1] von Counterpoint war Apples iPhone 16 [2] im Jahr 2025 das weltweit meistverkaufte Smartphone. Auf den zweiten, dritten und vierten Plätzen sind ebenfalls Apples Smartphones zu finden: nämlich das iPhone 16 Pro Max, iPhone 16 Pro und das iPhone 17 Pro Max, also allesamt hochpreisige High-End-Geräte. Diese zeigen den seit langem währenden Trend der Premiumisierung des Smartphonemarktes [3], der sich nach Daten von NIQ auch in Deutschland fortsetzt [4].

Grafik: Bestverkaufte Smartphones 2025 vs 2024
Grafik: Bestverkaufte Smartphones 2025 vs 2024

Top 10: Die bestverkauften Smartphones 2025 vs 2024.

(Bild: Counterpoint Research)

Interessanterweise sieht es bei Samsungs bestverkauften Geräten, die es auf die Plätze 5 und 6 geschafft haben, gänzlich anders aus: Das Galaxy A16 5G und das Galaxy A06 4G sind in der günstigen Einstiegsklasse zwischen 100 und 150 Euro verortet – einer Modellkategorie, in der Apple nicht vertreten ist. Laut Counterpoint sorgte ein früher als erwarteter Start des Nachfolgers Galaxy A17 5G [5] zu leicht geringeren Verkaufszahlen für das A16 5G.

Auf den Folgeplätzen sind mit dem iPhone 17 und iPhone 15 abermals Apple-Geräte, gefolgt von Samsungs absolutem Topmodell Galaxy S25 Ultra [6], das Anfang 2025 eingeführt wurde. Den 10. Platz im Counterpoint-Ranking belegt das iPhone 16e, das mit knapp 550 Euro und einer einfachen Hauptkamera das günstigste Modell in Apples Portfolio darstellt.

iPhone 17 „in diesem Jahr das herausragende Produkt“

Counterpoint zufolge hat es Samsungs Galaxy-S-Serie zum zweiten Mal in Folge in die Top-Liste geschafft, „was eine anhaltende Fokussierung der Marke auf ihre Flaggschiff-Produktreihe widerspiegelt“, heißt es. Das Galaxy S25 Ultra verbesserte laut den Marktforschern seinen regionalen Marktanteil. Es wuchs in Japan um mehr als das Dreifache gegenüber dem Vorjahr und erzielte in Indien ein zweistelliges Wachstum.

Laut Harshit Rastogi, Forschungsanalyst bei Counterpoint Research, erzielte die iPhone-17-Serie [7] im ersten vollständigen Quartal nach ihrer Markteinführung im September 2025 einen um 16 Prozent höheren Absatz als die Vorgängerserie. Dies sei auf eine starke Anfangsnachfrage in Schlüsselmärkten wie den USA, China und Westeuropa zurückzuführen. Rastogi sagte weiter, das Basis-Modell des iPhone 17 sei „in diesem Jahr das herausragende Produkt“. Es verfüge über „bedeutende Verbesserungen wie eine höhere Bildwiederholfrequenz, mehr RAM und einen größeren Basisspeicher, wodurch es den Pro-Varianten näher kam als je zuvor“.

Die Marktforscher prognostizieren für das Jahr 2026, dass sich die Speicherkrise „erheblich auf Smartphones des Einstiegs- bis mittleren Segments auswirken wird, deren Absatz nach wie vor stark auf Schwellenmärkte wie den Nahen Osten und Afrika (MEA) sowie Lateinamerika konzentriert ist“. Als Folge erwartet Counterpoint, dass die Topmodelle „ihre Präsenz und ihren Umsatzbeitrag zum Gesamtmarkt weiter ausbauen werden“.


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https://www.heise.de/-11159140

Links in diesem Artikel:
[1] https://counterpointresearch.com/en/insights/iphone-16-worlds-best-selling-smartphone-in-2025-apple-takes-7-spots-in-top-10-models
[2] https://www.heise.de/tests/iPhone-16-Pro-16-Pro-Max-16-und-16-Plus-im-Test-Button-up-9947380.html
[3] https://www.heise.de/news/Globaler-Premium-Smartphonemarkt-mit-Allzeithoch-Pixel-waechst-am-staerksten-10639001.html
[4] https://www.heise.de/news/Niq-Refurbished-Smartphones-in-Deutschland-im-Aufschwung-10633438.html
[5] https://www.heise.de/news/Galaxy-A17-Samsungs-neues-Budget-Smartphone-kostet-ab-230-Euro-10627755.html
[6] https://www.heise.de/tests/Samsung-Galaxy-S25-Ultra-und-S25-im-Vergleich-10273668.html
[7] https://www.heise.de/tests/iPhone-17-17-Pro-17-Pro-Max-und-Air-im-Test-10663319.html
[8] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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  • 29. Januar 2026 um 16:36

BlueBubbles: Serverlösung leitet iMessages an Android weiter

Von Heise
BlueBubbles auf Android und Windows

BlueBubbles auf Android und Windows: Leider ziemlich komplex.

(Bild: BlueBubbles-Projekt)

Apple macht seinen Kommunikationsdienst iMessage nach wie vor nur auf eigenen Geräten zugänglich. Das Open-Source-Vorhaben BlueBubbles will das ändern.

Zwar haben iOS, iPadOS und macOS mittlerweile einen robusten RCS-Support [1] (der künftig noch deutlich besser [2] werden soll), doch noch immer hat sich Apple mit seinem hauseigenen Kommunikationsdienst iMessage nicht gegenüber anderen Plattformen geöffnet. Resultat sind die berühmten „green bubbles“, die grünen Sprechblasen [3]: Sie zeigen an, dass die Gegenstelle nicht mit Apple-Technik tippt. Nur iPhone, iPad, Mac und Apple Watch unterstützen iMessage und zeigen dann „blue bubbles“, also blaue Sprechblasen. Schon früher gab es Versuche, dies mit unterschiedlichen Hacks zu ändern. Projekten wie Sunbird [4] hat Apple allerdings immer wieder Steine in den Weg gelegt. Das Open-Source-Projekt BlueBubbles [5] versucht es nun erneut.

Mac macht den Weiterleiter

Die Macher versprechen, über eine Server-Lösung das „echte“ iMessage-Erlebnis auf Windows, Linux und Android zu holen. Dazu benötigt man allerdings einen Mac im eigenen Netzwerk, der als Weiterleitungsinstanz dient. Datenschutz soll dabei, so behaupten die Projektteilnehmer, gewährleistet bleiben, auch in Richtung der von Apple nicht unterstützten Geräte gibt es Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

BlueBubbles besteht dabei aus zwei Teilen: Dem Server und Clients, die es für die oben genannten Plattformen gibt. Ein Blick auf die Installationsschritte [6] zeigt allerdings, dass die Lösung für Einsteiger ungeeignet ist. Zudem dürfte nicht viele Nutzer einen Mac besitzen, der ständig laufen kann und mit einer stets stabilen Internetverbindung, die von Außen zugänglich gemacht wurde, ausgerüstet ist.

Voller Festplattenzugriff

BlueBubbles verlangt zudem verschiedene Freigaben, die zumindest aufhorchen lassen: So soll man etwa den vollständigen Festplattenzugriff (Full Disk Access) zulassen und die App benötigt Zugriff auf Barrierefreiheitsfunktionen (das aber nur fakultativ). Zuvor musste man zudem den Systemschutz System Integrity Protection [7] (SIP) abdrehen, was nun aber nicht mehr notwendig zu sein scheint. Um Benachrichtigungen zu verschicken, wird zudem ein Google-Account für das Anlegen eines Firebase-Projekts benötigt, Cloudflare als Proxy-Service wird empfohlen.

Läuft BlueBubbles einmal, sollen nahezu alle iMessage-Funktionen verfügbar sein, darunter Emoji-Reaktionen, Tapbacks, Lesestatus, Gruppenchats und mehr – und die Sprechblasen sind natürlich blau. Zur besseren Absicherung des Servers lässt sich auch Tailscale [8] nutzen. Das BlueBubbles-Projekt betreibt auch ein eigenes Discord, wo Fragen gestellt werden können.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Dank-Apple-RCS-Versand-in-den-USA-stark-gestiegen-10383333.html
[2] https://www.heise.de/news/Ende-zu-Ende-Verschluesselung-mit-RCS-Hinweise-auf-baldige-iOS-Umsetzung-11139480.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-wollte-iMessage-fuer-alle-4197202.html
[4] https://www.heise.de/news/iMessage-fuer-Android-Sunbird-App-fordert-Apple-heraus-9678896.html
[5] https://bluebubbles.app/
[6] https://bluebubbles.app/install/
[7] https://developer.apple.com/documentation/security/disabling-and-enabling-system-integrity-protection
[8] https://tailscale.com/blog/bluebubbles-tailscale-imessage-android-pc-no-port-forwarding?_hsmi=400510664
[9] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[10] https://www.heise.de/mac-and-i
[11] mailto:bsc@heise.de

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  • 29. Januar 2026 um 13:31

Dell'Oro Group: Fixed Wireless Access läuft in USA und kaum in Deutschland

Von Achim Sawall
Weiter gibt es wenig FWA in Deutschland. In den USA und anderswo boomt die Zugangsform laut Dell'Oro Group.
FWA von T-Mobile US (Bild: T-Mobile US)
FWA von T-Mobile US Bild: T-Mobile US

Fixed Wireless Access (FWA) nehme weiter stark zu, jedoch nicht in Deutschland. Das sagte Jeff Heynen, Vice President Broadband Access and Home Networking bei den Marktforschern Dell'Oro Group Golem auf Anfrage. "Der deutsche Markt für FWA ist im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ klein. Man betrachtet es dort eher als Brückentechnologie und nicht als Ersatz für Glasfaser."

In einem aktuellen Bericht der kalifornischen Analysten hieß es: "Die Dell'Oro Group prognostiziert, dass die Ausgaben für Infrastruktur und CPE (Customer Premises Equipment) im Bereich FWA bis 2029 jährlich über zehn Milliarden US-Dollar liegen werden, da die weltweite Nutzung im privaten und geschäftlichen Bereich weiter zunimmt. Angetrieben durch die starke Dynamik der US-amerikanischen Netzbetreiber und die rasche internationale Expansion etabliert sich FWA als zukunftsfähige Breitbandalternative."

Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Gesamtumsätze mit FWA, einschließlich RAN-Ausrüstung, Consumer-Prototypen (CPE) für Privatkunden sowie Routern und Gateways für Unternehmen, im Jahr 2025 voraussichtlich um zehn Prozent stiegen. Mobilfunkbetreiber bauten ihre FWA-Dienste kontinuierlich in weiteren Märkten aus, um unzufriedene DSL- und Kabel-Breitbandkunden zu gewinnen.

Bundesnetzagentur untersucht Potenzial von FWA

"In den USA beobachten wir weiterhin, wie die größten Mobilfunkbetreiber ihre FWA-Dienste in bestehenden und neuen Märkten ausbauen, insbesondere da die FWA-Umsätze die Gesamteinnahmen positiv beeinflusst haben" , erklärte Heynen weiter. "Mobilfunkbetreiber in Indien, Südostasien, Europa und dem Nahen Osten orientieren sich an den US-amerikanischen Betreibern und bauen ihre eigenen FWA-Angebote rasch aus, insbesondere angesichts der unmittelbar bevorstehenden Bedrohung durch Starlink, Amazon, Oneweb und andere LEO-Satelliten-Breitbandanbieter" , sagte er.

Die Bundesnetzagentur hat im Dezember 2025 in ihrem Jahresbericht untersucht (PDF) , wie sich mit FWA eine Grundversorgung mit 10 MBit/s und eine Gigabitversorgung mit 1 GBit/s aus ökonomischer Sicht realisieren lasse. Nötig sei dafür der Einsatz entsprechender Trägerfrequenzen und Bandbreiten. Die damit verbundenen Investitionen in FWA-Anschlüsse seien vergleichbar mit Investitionen, die für eine FTTH-Versorgung zu tätigen sind.

FWA bedeutet, dass das Mobilfunksignal über eine Antenne auf dem Dach oder am Fenster ins Haus gebracht wird, von wo Ethernet-Kabel und Wi-Fi die Versorgung bieten. Gearbeitet wird meist im Bereich 26 bis 60 GHz. Ein einfacher 5G-Router ist kein echtes FWA.

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  • 29. Januar 2026 um 18:55

Quartalsbericht: Nokia kämpft weiter mit Rückgang im Kerngeschäft

Von Achim Sawall
Auch nach der Anteilsübernahme durch Nvidia hat sich das Mobilfunkgeschäft von Nokia noch nicht erholt. Doch der Umsatz wächst.
Nokia-Konzernchef Justin Hotard (Bild: STT-Lehtikuva/Sipa USA via Reuters Connect)
Nokia-Konzernchef Justin Hotard Bild: STT-Lehtikuva/Sipa USA via Reuters Connect

Nokia hat im vierten Quartal einen Rückgang des Nettogewinns um elf Prozent auf 880 Millionen Euro verzeichnet und damit die Analystenprognose von 834 Millionen Euro übertroffen. Wie der finnische Telco-Ausrüster am 29. Januar 2026 bekanntgab , stieg der Umsatz auf 6,13 Milliarden Euro. Nokia rechnet jedoch für das erste Quartal mit einem etwas stärkeren Umsatzrückgang als saisonbedingt üblich.

Bei der Reorganisation wurde Nokia ab Anfang 2026 in die Bereiche Netzwerk- und Mobilfunkinfrastruktur aufgeteilt. Netzwerkinfrastruktur konsolidiert die Geschäftsbereiche optische Netze, IP-Netze und Festnetze von Nokia. Mobilfunkinfrastruktur vereint die Bereiche Kernnetze, Funknetze und Technologiestandards.

Der Umsatz von Nokias Mobilfunknetzausrüstung ging im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent zurück. Das Unternehmen verzeichnete Wachstum im Mittleren Osten, in Japan und Indonesien, jedoch geringere Umsätze in Nordamerika, obwohl in den USA chinesische Ausrüster wie Huawei und ZTE ausgeschlossen sind. Insgesamt stabilisiert sich das Geschäft jedoch weiter, und die Bruttomarge stieg im Quartal von 37,3 auf 40,1 Prozent.

Chef des Verwaltungsrats tritt ab

Nokia verzeichnete einen deutlichen Umsatzanstieg um 19 Prozent bei Netzwerkausrüstung, angetrieben durch die stark gestiegene Nachfrage bei KI und Rechenzentren.

"Mit Blick auf 2026 konzentrieren wir uns auf eine disziplinierte Umsetzung, um das Wachstum in den Bereichen KI und Cloud zu nutzen und die Effizienz zu steigern" , sagte der neue Konzernchef Justin Hotard. "Wir sehen eine starke Nachfrage nach Netzwerkinfrastruktur, da wir neue Produkte auf den Markt bringen, unsere Präsenz in den Bereichen KI und Cloud ausbauen und in langfristiges Wachstum investieren."

Der Anteilskauf von Nvidia an Nokia in Höhe von einer Milliarde US-Dollar ist dabei ein zentraler Bestandteil der Neuausrichtung. Nokia werde seine 5G- und 6G-Software an die Hardware von Nvidia in Richtung AI-RAN anpassen, wurde zuvor erklärt . Nvidia hält circa 2,9 Prozent der Anteile. Die Kooperation will Nvidias GPU-Technologie in Nokias Basisstationen integrieren, was die Netzwerkinfrastruktur grundlegend revolutionieren soll.

Der Verwaltungsratsvorsitzende Sari Baldauf werde zurücktreten, gab Nokia weiter bekannt. Timo Ihamuotila aus dem Gremium werde als neuer Vorsitzender vorgeschlagen, Meredith Whittaker, President der Signal Technology Foundation aus den USA, als neues Aufsichtsratsmitglied.

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  • 29. Januar 2026 um 18:05

Anzeige: Beliebtester Saugroboter von Roborock mit 240 Euro Rabatt

Von Simon Krebs
Frühjahrsputz leicht gemacht: Der beliebteste Saugroboter bei Amazon kommt von Roborock und ist derzeit 240 Euro günstiger.
Saugroboter Roborock QV 35A mit sattem Rabatt bei Amazon (Bild: Amazon.de/Roborock/Golem)
Saugroboter Roborock QV 35A mit sattem Rabatt bei Amazon Bild: Amazon.de/Roborock/Golem

Der Januar ist fast vorbei und langsam kann man schon vorsichtig in Richtung Frühling schielen. Wer Hilfe für den klassischen Frühjahrsputz oder für den Alltag sucht, schaut sich den derzeit beliebtesten Saugroboter bei Amazon an. Der Roborock QV 35A ist derzeit auf Platz 1 der Bestsellerliste seiner Kategorie und beim Versandhändler um 240 Euro günstiger. Der Preis gilt noch bis Sonntag, kann bei Abverkauf der Ware aber schon vorzeitig enden.

Saugroboter von Roborock: die Nummer 1 zum Sparpreis

Der Roborock QV 35A ist ein Saugroboter mit einer Saugkraft von 8.000 Pa, mit der auch tiefsitzender Schmutz sowie Tierhaare von Teppichen entfernt werden können. Zusätzlich verfügt der Sauger über eine Wischfunktion, durch die auch hartnäckige Flecken beseitigt werden sollen. Die Wischmopps lassen sich anheben, so dass diese auch bei höheren Teppichen nicht den Boden berühren. Das Gerät arbeitet selbständig und kann bis zu vier verschiedene Etagen kartieren. Auch Sperrzonen lassen sich einrichten, die der Saugroboter in der Folge meidet. Liegen Gegenstände herum, umkurvt der QV 35A diese eigenständig. Schwellen mit einer Höhe von bis zu 2 cm kann der Roboter selbständig überwinden.

Ausgeliefert wird der Saugroboter Roborock QV 35A mit einer Dockingstation. Hier wird der aufgesammelte Schmutz automatisch in die Station entleert. Zudem wird das Schmutzwasser gegen frisches Wasser ausgetauscht. Auch die Wischmopps werden in der Dockingstation gereinigt und anschließend luftgetrocknet. Für die Wischfunktion verfügt der Saugroboter über 30 verschiedene Wasserstufen, die sich je nach Bodenbelag einstellen lassen.

Saugroboter von Roborock: Bestseller zum Schnäppchenpreis

Der derzeitige Bestseller seiner Kategorie ist bei Amazon aktuell zum Angebotspreis erhältlich. Wer sich jetzt für den Roborock QV 35A entscheidet, spart ganze 240 Euro und zahlt nur noch 349,99 Euro. Mit über 3.000 verkauften Einheiten im letzten Monat ist er bei Amazon-Nutzern ein echter Kassenschlager. Im Schnitt geben Kunden dem Gerät 4,4 von 5 Sterne bei bereits über 2.200 Bewertungen. Laut Produktseite endet der Deal am 1. Februar. Es kann allerdings immer sein, dass solche Angebote auch vorher bereits beendet werden.

Reklame

roborock Qrevo Serie Saugroboter mit Wischfunktion&Hebarem Wischmopp, 8000Pa Saugkraft(verbessert von Qrevo S), Anti-Verfilzungs-Seitenbürste, Hindernisvermeidung, All-in-One Dock, Schwarz(QV 35A)

240 Euro Rabatt bei Amazon

Weitere Produkte des Herstellers sind im Roborock-Store bei Amazon gelistet. Wer Geräte mehrerer Hersteller miteinander vergleichen möchte, schaut sich die Bestsellerliste Staubsaugroboter an, in der auch Modelle diverser anderer Hersteller aus unterschiedlichen Preiskategorien zu finden sind. So sollte jeder das für sich am besten passende Modell finden.

Dieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf der Produkte über diese Links erhält Golem eine kleine Provision. Das ändert nichts am Preis der Artikel.

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  • 29. Januar 2026 um 17:52

Audio-Haptik neu gedacht: Vibrator vermittelt Musik detailliert unter der Haut

Von Heise

(Bild: The Groove Thing)

Ein Vibrator aus einer Kickstarter-Kampagne verspricht, Musik als körperliche Empfindung zu übertragen. Dabei sollen einzelne Instrumente wahrnehmbar sein.

Ein Vibrator, der Musik nicht nur rhythmisch begleitet, sondern deren akustische Struktur als körperliche Empfindung übertragen soll: Mit diesem Anspruch ist ein neues Gerät auf Kickstarter angetreten [1] – und auf große Resonanz gestoßen. Das System kombiniert einen Bluetooth-Lautsprecher mit einem externen Resonator, an den unterschiedliche vibrierende Aufsätze angeschlossen werden können. Diese werden in den Körper eingeführt, um Musik auf eine neue Art zu erleben.

Detaillierte Widergabe

Vibratoren, die auf Musik reagieren, sind allerdings keine Neuheit. In der Praxis beschränkt sich diese Funktion jedoch meist auf einfache Korrelationen: lauter gleich stärker, schneller gleich intensiver. Eine feine Abbildung von Musik ist allerdings neu.

Laut der Kampagnenseite von Groove Thing übersetzt das System Musik nicht nur in einfache Vibrationsmuster, sondern soll die komplette Audio-Waveform als körperliche Empfindung wiedergeben, sodass angeblich unterschiedliche Noten, Instrumente und Tonhöhen spürbar werden. Dazu koppelt man eine Audioquelle per Bluetooth an den integrierten Lautsprecher; ein als patentiert beworbenes Signalverarbeitungsverfahren überträgt die Musik in Echtzeit in vibrierende Signale, die über einen internen Resonator fühlbar werden.

Für Gamer nichts neues

Auch jenseits des Sextoy-Bereichs ist das Interesse an Produkten, die Musik oder Geräusche physisch spürbar machen, in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Das taktile System des kanadischen Herstellers SUBPAC [2] etwa wandelt tiefe Audiofrequenzen aus der Musik in körperliche Vibrationen um, indem haptische Wandler die Bass-Informationen direkt auf Rücken oder Oberkörper übertragen. Die Geräte decken typischerweise einen Frequenzbereich von etwa 1 bis 200 Hz ab. Erhältlich sind sie als tragbare Weste oder als Sitzlösung und werden von Musikschaffenden sowie im Gaming- und VR-Bereich zur intensiveren Basswahrnehmung genutzt.

Seit 2020 ist zudem der in Deutschland entwickelte und gefertigte Feelbelt auf dem Markt, der ebenfalls aus einer Kickstarter-Kampagne hervorgegangen ist. Dabei handelt es sich um einen tragbaren Gürtel [3], der ähnlich wie SUBPAC arbeitet, jedoch das gesamte hörbare Frequenzspektrum von etwa 10 bis 20 000 Hz in haptische Impulse übersetzen soll. Im Gürtel sind zehn unabhängig voneinander arbeitende Aktuatoren verbaut, um unterschiedliche Tonhöhen gleichzeitig als Vibrationen darzustellen. Die Signalverarbeitung übernimmt ein ARM-Dual-Core-Prozessor mit integrierter DSP-Einheit.

Wired-Betatester wenig beeindruckt

Ob das neue Gerät seine technischen Versprechen tatsächlich einlösen kann und ob sich ein musikzentrierter Nutzungskontext beim Masturbieren etabliert, bleibt offen. Das Magazin Wired konnte ein frühes Prototypgerät testen [5] und zeigte sich nur mäßig beeindruckt: Der Prototyp wird als klobig beschrieben, die Erfahrung als unterdurchschnittlich. Kritisiert wurden zudem laute Motorgeräusche und Vibrationen, die als wenig angenehm empfunden wurden.

Laut Wired habe der Hersteller mehrfach betont, dass das Gerät nicht primär auf sexuelle Erregung oder Orgasmen ausgelegt sei, sondern auf das Hören von Musik und insbesondere darauf, Bass und Percussion körperlich zu spüren. Auf der sehr professionell gestalteten Kickstarter-Seite werden solche Einschränkungen allerdings nicht thematisiert. Dort heißt es stattdessen, das Gerät sei bereits erfolgreich in „170 holes“ getestet worden. Die gezeigten Videos enthusiastischer Nutzer besitzen dabei zumindest einen hohen Unterhaltungswert.


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https://www.heise.de/-11159037

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.kickstarter.com/projects/groove-thing/the-worlds-first-internal-music-player/creator
[2] https://subpac.com/what-is-the-SUBPAC/
[3] https://feelbelt.de/de/
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[5] https://www.wired.com/story/the-groove-thing-is-a-bluetooth-speaker-and-vibrator-combo-because-why-not/?utm_source=chatgpt.com
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[7] mailto:mch@make-magazin.de

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  • 29. Januar 2026 um 16:50

Die große Selbsttäuschung: Warum linke Nato-Kritik ins Leere läuft

Von Walter Gröh

Walter Gröh

Das Nato-Logo vor einem Gebäude

(Bild: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com)

Die Linke träumt vom Nato-Austritt – doch was danach käme, wäre keine friedliche Emanzipation, sondern ein militarisiertes Europa. Ein Debattenbeitrag.

Der Ruf nach einem Austritt aus der Nato kehrt in linken Debatten mit Regelmäßigkeit zurück. "Raus aus der Nato, rein ins Vergnügen" – was in den 1980ern eine beliebte Parole gegen den Nato-Doppelbeschluss war und als radikale Utopie galt, erscheint heute manchem als realistische Option: Die USA wirken politisch erratisch, ihre Sicherheitsgarantien zunehmend konditional. Warum also weiter an einem Bündnis festhalten, das Europa strukturell in US-geführte Interventions- und Kriegspolitik einbindet?

Die Kritik an der Nato ist nicht nur nachvollziehbar, sie ist notwendig – doch die daraus gezogene politische Schlussfolgerung greift zu kurz. Ein Nato-Austritt wäre kein Automatismus hin zu Frieden oder Souveränität, sondern der Einstieg in neue Machtkonflikte mit offenem Ausgang.

Die Nato als Teil globaler Machtarchitektur

Die Nato ist kein neutrales Verteidigungsbündnis, sondern seit Jahrzehnten Teil einer globalen Machtarchitektur unter US-Führung. Ihre militärische Infrastruktur in Deutschland ist zentral in weltweite Einsätze eingebunden, die weit über die europäische Verteidigung hinausgehen. Entscheidungen über dort stationierte Atomwaffen oder deren Einsatz liegen allein in Washington. Diese Abhängigkeit ist real – und politisch problematisch.

Dass diese Kritik verfängt, ist kein Zufall. Militärische Emanzipation von den USA verspricht zunächst etwas Reales: die Möglichkeit, sich US-Kriegen zu entziehen, statt sie weiter politisch, logistisch und militärisch mitzutragen, und stattdessen Spielräume für einen – wenn auch moralisch problematischen – Friedensschluss mit Russland auszuloten, also "mehr Frieden zu wagen". Wer diese Motivation ignoriert, verkennt den Kern linker Nato-Kritik.

Doch genau hier beginnt das strategische Problem. Bereits 2003, auf dem Höhepunkt der transatlantischen Spannungen [1] rund um den Irakkrieg, warnte die Jungle World davor, den möglichen Zerfall der Nato mit Fortschritt zu verwechseln [2].

Eine eigenständige europäische Militärmacht, so die Diagnose, würde keine emanzipatorische Perspektive eröffnen, sondern neue kalte Krieger hervorbringen. Interessant an dieser frühen Intervention ist weniger ihr zeitgebundener Anlass als ihre strukturelle Einsicht: Militärische Eigenständigkeit ist nicht automatisch friedlich, nur weil sie sich von den USA löst.

Die Verkürzung auf den institutionellen Bruch

Gemeint sind damit keine szeneinternen Randdebatten. In Teilen der Partei Die Linke, ebenso wie im breiteren friedenspolitischen Milieu von Gewerkschaften und Ostermarsch-Initiativen, wurde über Jahre hinweg der Austritt aus der Nato als zentraler, mitunter sogar ausreichender Schritt hin zu einer emanzipatorischen Außenpolitik verstanden. Der institutionelle Bruch mit der Nato erscheint hier als politischer Fortschritt an sich – unabhängig davon, welche militärischen und geopolitischen Strategien an seine Stelle treten würden.

Genau diese Verkürzung ist problematisch. Sie ersetzt die Analyse realer Machtverhältnisse durch einen institutionellen Austausch und blendet aus, dass auch ein militärisch "entkoppeltes" Europa eigene imperiale Interessen verfolgt.

Der Publizist Wolfgang Michal erinnert [3] aktuell daran, dass selbst die oft zitierte Monroe-Doktrin, würde man sie ernst nehmen, zur Auflösung der Nato führen müsste. Denn in ihr legten sich die USA auch darauf fest, sich

"aus europäischen Angelegenheiten herauszuhalten. Das würde tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen: zuvörderst die Auflösung der Nato und die Schaffung eines europäischen Verteidigungsbündnisses."

Doch eine damit verbundene Schließung zentraler US-Stützpunkte wie der US-Airbase Ramstein und der Verzicht auf die beschlossene Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen in Deutschland ließen sich nicht einseitig aufkündigen. Politischer Wille allein ersetzt keine Machtverhältnisse.

Europa als neues Machtprojekt

Genau diese Machtverhältnisse werden in linken Austrittsfantasien häufig unterschätzt. Ein Europa ohne US-Schutzschirm stünde statt vor Abrüstung eher vor der Zielsetzung, sich selbst als militärisches Machtprojekt neu zu definieren und [4] "eine zentrale Stellung in der neuen Weltordnung einzunehmen".

Nationale Sicherheitsinteressen werden neu verhandelt, Rivalitäten treten offen zutage. Eine weitere Militarisierung ist längst politischer Mainstream: Ursula von der Leyen spricht offen davon, Europa "zur militärischen Großmacht auszubauen", und SPD-Chef Lars Klingbeil fordert einen neuen "europäischen Patriotismus". Geschäft und Gewalt hängen eng zusammen.

"Eine so potente kapitalistische Exportnation wie Deutschland muss [...] ihr weltweit ausgreifendes Geschäft tatsächlich militärisch absichern können. [...] Wenn es auf Krieg zugeht, ist das nicht zu haben ohne die Zurichtung der gesamten Gesellschaft",

beschreibt Renate Dillmann [5] "Deutschlands Dilemma" der Militarisierung.

Der Einwand, auf ein europäisches Machtzentrum ließe sich politisch mehr Einfluss nehmen als auf die weit entfernte US-Hegemonie, ist nicht abwegig. Doch er beantwortet nicht die entscheidende Frage: ob mehr Nähe automatisch mehr Kontrolle bedeutet – oder lediglich eine tiefere Verstrickung in eigene imperiale Interessen.

Ökonomische Emanzipation, imperiale Kontinuität

Genau diese Frage lässt sich bereits heute im ökonomischen Bereich beobachten. Mit ihrer wirtschaftlichen Emanzipation von den USA ist die EU deutlich weiter gekommen als im Militärischen. In einer zunehmend multipolaren Welt versucht sie mit einer Vielzahl von Freihandelsabkommen, eigene Einflusszonen gegenüber den USA und China zu sichern.

Auffällig ist dabei, dass selbst frühere Kritiker solcher Abkommen ihre Position revidieren. So argumentierte der [6] taz-Redakteur Jost Maurin mit Blick auf das Mercosur-Abkommen, die Europäische Union müsse "stärker werden, um sich im Zweifel auch in Konkurrenz zu den USA durchzusetzen".

Wie im Militärischen gilt auch im Ökonomischen: Emanzipation bedeutet nicht den Ausstieg aus imperialer Logik, sondern ihre Europäisierung.

Strukturelle Zwänge statt falsches Bewusstsein

Europäischer Imperialismus entsteht dabei nicht aus falschem Bewusstsein, sondern aus strukturellen Zwängen. Die deutsche und europäische Ökonomie ist nicht nur exportorientiert, sondern strukturell darauf angewiesen, den Zugang zu Märkten, Rohstoffen und Handelswegen politisch abzusichern.

Dass diese Verbindung von ökonomischen Interessen und militärischer Macht lange tabuisiert war, zeigte sich 2010, als Bundespräsident Horst Köhler nach dem Hinweis auf die Sicherung "freier Handelswege" zurücktreten musste. Was damals als Skandal galt, ist heute Bestandteil offizieller sicherheitspolitischer Rhetorik.

Mit dem relativen Rückzug der USA wird diese Absicherung nicht überflüssig, sondern europäisiert – militärische Eigenständigkeit erscheint damit weniger als Bruch mit imperialer Logik denn als ihre funktionale Fortsetzung unter neuer Flagge.

Hinzu kommt der geopolitische Kontext. Ein militärisch entkoppeltes Europa ohne den US-Atomschutzschirm und ohne US-Aufklärung und Nuklearabschreckung wäre verwundbarer. Russland könnte ein solches Machtvakuum testen – nicht aus Missverständnissen, sondern aus strategischem Kalkül. Frieden entsteht nicht durch den Rückzug aus Bündnissen, sondern durch Machtkonstellationen, die militärische Eskalation unattraktiv machen.

Anschlussfähigkeit von rechts

Besonders problematisch ist schließlich die politische Anschlussfähigkeit der Nato-Kritik von rechts. Auch die AfD fordert den Austritt aus Nato und EU, kombiniert mit einer strategischen Annäherung an Russland und China. Politikwissenschaftliche Analysen [7] zeigen, dass es hier nicht um Abrüstung geht, sondern um eine alternative geopolitische Einbindung.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass Europa zu wenig souverän ist, sondern dass Souveränität unter kapitalistischen Machtbedingungen fast zwangsläufig militärisch übersetzt wird. Ein Nato-Austritt würde diese Logik nicht durchbrechen, sondern europäisieren. Die Gefahr besteht weniger im Fortbestand der Nato als in der Illusion, ihr Ende bedeute automatisch einen Bruch mit imperialer Politik.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11159383

Links in diesem Artikel:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/NATO#Irak-Krise
[2] https://jungle.world/artikel/2003/08/rein-den-kalten-krieg
[3] https://www.feierabend.de/forum/politik/ende-einer-lebensluege/
[4] https://www.deutschlandfunk.de/europa-eu-als-neue-grossmacht-100.html
[5] https://www.jungewelt.de/artikel/515996.militarisierung-deutschlands-dilemma.html
[6] https://taz.de/Widerstand-gegen-EU-Handelsvertrag/!6143858/
[7] https://www.ifri.org/de/externe-artikel/die-aussenpolitik-der-afd-zwischen-losloesung-vom-westen-und-partnerschaft-mit-dem

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  • 29. Januar 2026 um 18:15

Planwirtschaft? Die AfD und ihr absurder Kampf gegen den Wasserstoff

Von Bernd Müller

Bernd Müller

Hydrogen tank trailers with hydrogen storage in the background.

(Bild: Scharfsinn / Shutterstock.com)

Die AfD wirft der Regierung Planwirtschaft vor. Das Argument klingt scharf – aber zerfällt bei näherer Betrachtung zu Staub. Ein Leitartikel.

Die AfD hat ein neues Lieblingswort gefunden: Planwirtschaft. In einer Kleinen Anfrage [1] zur Wasserstoffstrategie der Bundesregierung taucht der Begriff in verschiedenen Variationen auf, wird gedreht, gewendet und mit historischen Anspielungen garniert.

Die Botschaft ist klar: Hier geschieht etwas Unerhörtes. Ein Systembruch. Eine Abkehr von allem, was die Soziale Marktwirtschaft ausmacht.

Das klingt dramatisch – und ist auch so gemeint. Nur leider hält die Argumentation keiner Überprüfung stand.

Ein Begriff als Waffe

Die AfD stützt sich auf einen Bericht des Bundesrechnungshofs [2], der die Wasserstoffstrategie kritisch bewertet.

Darin heißt es, die Bundesregierung verfolge "praktisch einen planwirtschaftlichen Ansatz", weil sie Angebot, Nachfrage und Infrastruktur gleichzeitig aufbauen müsse. Der Rechnungshof beschreibt damit eine Hochlaufphase, wie sie für neue Technologien typisch ist.

Die AfD macht daraus einen Systemvorwurf.

Der Begriff Planwirtschaft wird dabei bewusst unscharf gehalten. Eine Definition sucht man in dem Dokument vergeblich. Stattdessen gibt es Andeutungen zur "jüngeren deutschen Geschichte" – wer will, darf an die DDR denken.

Die Wasserstoffpolitik erscheint so nicht als industriepolitisches Instrument, sondern als Vorbote eines illiberalen Umbaus der Wirtschaftsordnung.

Das ist rhetorisch geschickt. Und inhaltlich Unsinn.

Die Legende vom freien Markt

Wer behauptet, staatliche Marktgestaltung sei per se planwirtschaftlich, muss erklären, wie praktisch alle bedeutenden Infrastruktur- und Technologiemärkte der vergangenen 150 Jahre entstanden sind. Die Antwort wird ihm nicht gefallen.

Die zivile Atomenergie ging aus militärischer Forschung hervor. Der Staat finanzierte die Entwicklung, übernahm Haftungsrisiken und organisiert bis heute die Endlagerung. Von den enormen Subventionen, die Staaten heute zahlen, damit überhaupt ein Atommeiler errichtet wird, braucht man gar nicht zu reden.

Ohne all diese staatlichen Eingriffe gäbe es keinen Atomstrom – jedenfalls nicht zu Preisen, die jemand bezahlen wollte.

Der Mobilfunkmarkt existiert, weil der Staat Frequenzen als knappe Ressource definiert und Lizenzen vergibt. Ohne diese rechtliche Konstruktion wäre das Spektrum ein Niemandsland, in dem sich Sender gegenseitig stören.

Der Pharmamarkt beruht auf staatlich garantierten Patenten und Erstattungssystemen der Krankenkassen. Die Nachfrage entsteht nicht durch individuelle Zahlungsbereitschaft, sondern durch kollektive Absicherung.

Selbst der Verbrennungsmotor, dieses Sinnbild marktwirtschaftlicher Innovation in Deutschland, verdankt seine Dominanz nicht allein dem freien Spiel der Kräfte. Staatliche Straßenbauprogramme, Normierungen und steuerliche Begünstigungen haben ihm den Weg geebnet.

Nach der Logik der AfD wäre das alles Planwirtschaft. Oder mit den Worten von Friedrich August von Hayek, der in der AfD seine treueste Anhängerschaft hat, müsste es heißen: All diese staatlichen Maßnahmen sind Schritte auf dem Weg in die Knechtschaft.

Die Systemfrage als Ablenkungsmanöver

Der AfD geht es nicht um die Effizienz einzelner Förderinstrumente. Sie stellt nicht die Frage, ob IPCEI-Projekte, also jene Projekte, die für Europa besonders wichtig sein sollen, sinnvoll sind, ob Reallabore funktionieren oder ob Ausschreibungen für Elektrolyseure schneller kommen sollten.

All das wäre legitime Kritik. Stattdessen verschiebt sie die Debatte auf eine andere Ebene: Ist das noch Marktwirtschaft oder schon Sozialismus?

Diese Frage ist so gestellt, dass jede Antwort in die Falle führt. Wer sich rechtfertigt, akzeptiert die Prämisse. Wer schweigt, scheint zuzustimmen. Die Bundesregierung hat sich für die erste Variante entschieden – und macht dabei keine gute Figur.

Eine Regierung in der Defensive

In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage [3] betont die Bundesregierung gebetsmühlenartig ihre Bindung an die Soziale Marktwirtschaft. Sie verweist auf marktorientierte Instrumente, Kosteneffizienz und CO2-Bepreisung. Sie erklärt, der Wasserstoffmarkt sei "von hoher Unsicherheit geprägt" und erfordere daher "langfristige regulatorische Maßnahmen".

Das ist alles richtig. Aber es ist auch defensiv. Die Regierung argumentiert innerhalb des Rahmens, den die AfD gesetzt hat. Sie akzeptiert die Dichotomie von Markt und Plan, anstatt sie zu zerlegen.

Was sie nicht tut: offensiv erklären, dass Marktaufbau selbst ein ordnungspolitischer Akt ist. Dass Nichtstun ebenfalls eine politische Entscheidung wäre – mit Konsequenzen für Industrie, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit. Dass die Frage nicht lautet, ob der Staat eingreift, sondern wie.

Wo die echte Kritik liegt

Dabei gäbe es durchaus Angriffsflächen. Ein externes Monitoring kam zu dem Ergebnis, dass bisher "kaum marktseitige Nachfrage" nach Wasserstoff besteht, weil die Kosten zu hoch sind.

Ausschreibungen für systemdienliche Elektrolyse hat es bisher nicht gegeben. Die Reallabore der Energiewende sind noch nicht abgeschlossen, bei der Wirtschaftlichkeit sieht die Regierung selbst "weiteren Handlungsbedarf".

Über den Stand von Länder- und EU-Förderungen liegen dem Bund nach eigener Auskunft keine Informationen vor.

Das sind konkrete Probleme, über die man streiten kann. Aber darum geht es der AfD nicht. Sie will keine bessere Wasserstoffpolitik. Sie will gar keine.

Ein Lehrstück über Deutungshoheit

Die Wasserstoffdebatte zeigt, wie politische Kommunikation funktioniert. Wer einen Begriff erfolgreich platziert, zwingt den Gegner in die Defensive. Die AfD hat "Planwirtschaft" in den Ring geworfen, und die Regierung reagiert, als müsse sie sich für etwas entschuldigen.

Dabei wäre die angemessene Reaktion eine andere: Gelächter. Oder zumindest der Hinweis, dass die ordnungspolitische Kritik aus einer Partei kommt, die ansonsten wenig Berührungsängste mit staatlichen Eingriffen zeigt – solange sie den eigenen Präferenzen entsprechen.

Die Wasserstoffstrategie mag Schwächen haben. Aber wer sie als Planwirtschaft bezeichnet, hat entweder keine Ahnung von Wirtschaftsgeschichte oder kein Interesse an einer ehrlichen Debatte. Bei der AfD darf man beides vermuten.


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  • 29. Januar 2026 um 15:00

Trump erhöht Druck auf Kuba: Mexiko stoppt Öllieferungen

Von Marcel Kunzmann

Marcel Kunzmann

US-Flugzeugträger: Die USA denken über eine Seeblockade Kubas nach

(Bild: Greg Meland/Shutterstock.com)

Mexiko hat seine Öllieferungen nach Kuba eingestellt. Zunehmende Drohungen aus Washington. Trump erwägt offenbar Seeblockade gegen die Insel.

Die USA erhöhen ihren Druck auf Kuba. Nach dem faktischen Stopp venezolanischer Öllieferungen hat nun auch Mexiko seine Exporte nach Kuba ausgesetzt. Präsidentin Claudia Sheinbaum bestätigte [1] am Dienstag die Einstellung der Lieferungen und wie dabei explizit zurück, dies geschehe auf Druck der USA. Die Gemengelage wirft jedoch Fragen auf – während Washington offen über eine militärische Seeblockade diskutiert.

"Die Aussetzung ist eine souveräne Entscheidung und wird getroffen, wenn es notwendig ist", erklärte Sheinbaum während ihrer regulären Pressekonferenz. Pemex, der staatliche Ölkonzern, treffe Entscheidungen auf Grundlage seiner vertraglichen Beziehungen mit Kuba.

Die mexikanische Präsidentin ließ offen, ob es sich um eine vorübergehende oder dauerhafte Maßnahme handelt. Sie betonte jedoch, Mexiko werde sich weiter solidarisch mit Kuba zeigen.

"Kuba ist seit zu vielen Jahren einer Blockade ausgesetzt. Und diese Blockade hat Versorgungsprobleme auf der Insel verursacht", sagte Sheinbaum. Welche Art von Unterstützung ihr Land dem Karibikstaat künftig leisten könnte, beantwortete sie nicht.

US-Drohnen vor Mexiko

Laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg hatte Pemex ursprünglich geplant [2], im Januar eine Lieferung nach Kuba zu schicken, war davon aber wieder abgerückt. Mexiko lieferte in der zweiten Jahreshälfte 2025 rund 7.000 Barrel pro Tag und war zum wichtigsten Öllieferanten Kubas geworden, nachdem die USA Anfang Januar die Lieferungen aus Venezuela blockiert hatten.

Zwischen Januar und September 2025 hatte Mexiko täglich 17.200 Barrel Rohöl und 2.000 Barrel raffinierte Produkte im Wert von etwa 400 Millionen US-Dollar nach Kuba geliefert, wie Pemex der US-Börsenaufsicht SEC mitteilte.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte vergangene Woche unter Berufung auf drei Regierungsquellen berichtet, die mexikanische Regierung prüfe, ob sie die Öllieferungen nach Kuba fortsetzen solle. Innerhalb von Sheinbaums Kabinett wachse die Sorge, dass eine Fortsetzung der Lieferungen das Land in Konflikt mit den USA bringen könnte.

Zugleich wurde über die Sichtung von US-Drohnen vor der mexikanischen Küste berichtet – ähnlich jenen, die vor den Angriffen auf Caracas eingesetzt wurden. Mexiko verhandelt derzeit mit den USA über ein Handelsabkommen und sieht sich gleichzeitig mit Zolldrohungen konfrontiert.

Nach Angaben der drei Reuters-Quellen gibt es innerhalb der mexikanischen Regierung die Befürchtung, dass ein vollständiger Öl-Stopp Kuba in eine humanitäre Katastrophe stürzen und Massenmigration nach Mexiko auslösen könnte. Aus diesem Grund drängen einige Regierungsmitglieder darauf, zumindest teilweise Treibstofflieferungen aufrechtzuerhalten.

Trump: "Es wird kein Öl mehr nach Kuba gehen"

Trump hatte nach der Entführung des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro [3] im Rahmen völkerrechtswidriger US-Militärschläge auf Caracas Anfang Januar die wirtschaftlichen Daumenschrauben gegen Kuba angezogen. "Es wird kein Öl oder Geld mehr nach Kuba gehen – null!", schrieb Trump am 11. Januar auf Truth Social. Die kubanische Regierung stehe kurz vor dem Zusammenbruch.

Am Dienstag erklärte Trump vor Reportern, Kuba werde "sehr bald scheitern". Venezuela habe zuletzt weder Öl noch Geld nach Kuba geschickt.

Nach Angaben [4] von Schifffahrtsdaten und internen Dokumenten des venezolanischen Staatskonzerns PDVSA hat Venezuela seit etwa einem Monat weder Rohöl noch Treibstoff nach Kuba geliefert.

Trump forderte die kubanische Regierung auf, mit ihm einen "Deal" zu machen, "bevor es zu spät ist". Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hat seinerseits in den vergangenen Wochen bei mehreren Gelegenheiten seine Bereitschaft zu Gesprächen mit den USA "auf gleicher Augenhöhe und auf der Grundlage gegenseitigen Respekts" bekräftigt.

"Wir waren immer bereit, einen ernsthaften und verantwortungsvollen Dialog mit den verschiedenen US-Regierungen zu führen, einschließlich der derzeitigen, auf der Grundlage souveräner Gleichheit, gegenseitigen Respekts und der Prinzipien des Völkerrechts", erklärte Díaz-Canel.

Pläne für Seeblockade und Regimewechsel

Die US-Regierung arbeitet offenbar an einer Strategie zum Sturz der sozialistischen Regierung noch in diesem Jahr. Wie das Wall Street Journal berichtet [5], suchen die USA und ihre Geheimdienste nach "Insidern der kubanischen Regierung", die beim Aushandeln eines "Deals" zum Sturz des sozialistischen Systems helfen könnten. Blaupause ist die völkerrechtswidrige Intervention in Venezuela vom 3. Januar.

Darüber hinaus erwägt die Trump-Administration nach Angaben von drei mit den Planungen vertrauten Personen die Verhängung einer totalen Seeblockade von Ölimporten nach Kuba, wie das Portal Politico berichtet [6]. Eine solche Maßnahme würde über Trumps bisherige Ankündigung hinausgehen, lediglich venezolanische Öllieferungen zu unterbinden.

Die Pläne erfahren große Unterstützung von US-Außenminister Marco Rubio. Der Nachfahre kubanischer Einwanderer zählt bereits seit Jahren zu den radikalsten Kritikern der kubanischen Regierung im politischen Betrieb Washingtons. Eine endgültige Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, doch die Zeichen deuten in Richtung Eskalation.

Eine Seeblockade gegen Kuba war zuletzt im Oktober 1962 durch den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy im Zuge der Raketenkrise verhängt worden. Trump schrieb vor wenigen Wochen auf Truth Social, Rubio könne Präsident von Kuba werden. "Klingt gut für mich!", fügte er hinzu.

Öltanker ändert plötzlich sein Ziel

Erst vor wenigen Tagen erlebte Kubas Energieversorgung einen weiteren Rückschlag. Laut Medienberichten wurde ein aus Togo kommendes Schiff, das mit 300.000 Barrel Erdöl in Richtung Havanna beladen war, ohne Angabe von Gründen in die Dominikanische Republik umgeleitet [7].

Das unter der Flagge der Marschall-Inseln fahrende Schiff "Mia Grace" sollte eigentlich am 4. Februar in Havanna eintreffen. Laut dem Schiffstrackingdienst Marine Traffic wurde jedoch vor kurzem der Ankunftshafen auf Rio Haina in der Dominikanischen Republik geändert, was auf eine Einflussnahme der USA hindeutet.

Die Praxis ist nicht neu. Bereits während der Covid-Pandemie im Jahr 2020 haben die USA eine Lieferung von Schutzmasken, die eigentlich für Deutschland bestimmt waren, kurzerhand umgeleitet. Berlin sprach [8] damals von einem Akt "moderner Piraterie".

Carlos de Cespedes, Kubas Botschafter in Kolumbien, sagte [9] gegenüber Al Jazeera: "Die USA führen internationale Piraterie in der Karibik durch, die die Ankunft von Öl in Kuba einschränkt und blockiert." Havanna sehe sich mächtigeren US-Drohungen gegenüber als in den 67 Jahren seit der Revolution.

Drohender Zusammenbruch der Wirtschaft

Kuba ist in seiner sich verschärfenden Energie- und Wirtschaftskrise stark auf ausländische Hilfe und Öllieferungen von Verbündeten angewiesen. Die Insel erlebt bereits seit mehreren Jahren eine schwere Energiekrise. Zuletzt lag das Stromdefizit bei rund der Hälfte des Bedarfs. Sollten die USA weitere Schiffe umleiten oder gar ihre Drohung einer militärischen Seeblockade wahr machen, droht ein vollständiger und dauerhafter Kollaps des Stromnetzes – mit massiven und nicht absehbaren humanitären und ökonomischen Folgen.

Die steigenden geopolitischen Spannungen mit den USA haben auch Touristen von Kuba ferngehalten, wobei die Besucherzahlen seit 2018 um fast 70 Prozent gesunken sind. Der Tourismus, eine Lebensgrundlage für Millionen Kubaner, generierte jahrzehntelang bis zu drei Milliarden US-Dollar pro Jahr für Kuba.

Rund 1,6 Millionen Touristen besuchten Kuba im vergangenen Jahr, deutlich weniger als die 4,8 Millionen im Jahr 2018 und die 4,2 Millionen im Jahr 2019, vor der Covid-19-Pandemie.


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[1] https://elpais.com/mexico/economia/2026-01-27/pemex-frena-el-envio-de-petroleo-a-cuba.html
[2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-01-26/mexico-shelves-planned-shipment-of-oil-to-cuba-amid-us-tensions
[3] https://www.heise.de/tp/article/Trumps-Venezuela-Coup-Sicherheitsversagen-oder-Verrat-11133970.html
[4] https://www.reuters.com/business/energy/clock-ticks-cuba-trump-cuts-off-venezuelan-oil-2026-01-13/
[5] https://www.wsj.com/world/americas/the-u-s-is-actively-seeking-regime-change-in-cuba-by-the-end-of-the-year-1d0f178a
[6] https://www.politico.eu/article/berlin-accuses-us-of-piracy-over-coronavirus-face-masks-diverted-from-germany-to-us/
[7] https://www.marinetraffic.com/en/ais/details/ships/shipid:714486/mmsi:538005414/imo:9681132/vessel:MIA%20GRACE
[8] https://www.politico.eu/article/berlin-accuses-us-of-piracy-over-coronavirus-face-masks-diverted-from-germany-to-us/
[9] https://www.aljazeera.com/news/2026/1/28/venezuela-and-mexico-how-trump-is-trying-to-choke-cubas-oil-supplies

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  • 29. Januar 2026 um 14:00

Studie zu Softwareentwicklung: KI erhöht Wertschöpfung um Milliarden US-Dollar

Von Heise
Ein Kopf bildet sich aus kleinen Teilchen.

(Bild: Shutterstock/Alexander Supertramp)

KI-gestütztes Programmieren setzt sich immer mehr durch. Produktivitätssteigerungen erzielen jedoch nur erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler.

In der US-Softwarebranche wird Python-Code inzwischen zu fast 30 Prozent von KI geschrieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Complexity Science Hub (CSH) in Wien in Zusammenarbeit mit der Universität Utrecht. Sie berücksichtigt den Zeitraum von Anfang 2019 bis Ende 2024. Europa folgt bei der Nutzung auf dem zweiten Platz.

Die in der Fachzeitschrift Science [1] veröffentlichte Studie zeigt, dass es regional große Unterschiede bei der Akzeptanz von KI-geschriebenem Python-Code gibt. Am höchsten ist sie in den USA mit einem Anteil von 29 Prozent. Im Jahr 2022 lag der Wert dort noch bei rund fünf Prozent. Frankreich erreicht einen Anteil von 24 Prozent, gefolgt von Deutschland mit 23 Prozent und Indien mit 20 Prozent. Russland (15 %) und China (12 %) lagen am Ende der Studie hingegen noch deutlich zurück.

Die Datenbasis für die Studie wurde ebenfalls mithilfe von KI ermittelt. Dazu kam ein speziell trainiertes KI-Modell zum Einsatz, das mehr als 30 Millionen Python-Codeblöcke von rund 160.000 Entwicklern auf GitHub analysierte. Dabei prüfte das KI-Modell, ob die Python-Beiträge beispielsweise über ChatGPT oder GitHub Copilot erstellt wurden.

Links: Der Anteil KI-generierter Python-Funktionen ist im Zeitraum von 2019 bis 2024 rasant gewachsen; rechts: Generative KI geht mit gesteigerter Produktivität einher (GitHub-Commits), allerdings nur bei erfahrenen Entwicklern, während Berufseinsteiger kaum von KI profitieren.
Links: Der Anteil KI-generierter Python-Funktionen ist im Zeitraum von 2019 bis 2024 rasant gewachsen; rechts: Generative KI geht mit gesteigerter Produktivität einher (GitHub-Commits), allerdings nur bei erfahrenen Entwicklern, während Berufseinsteiger kaum von KI profitieren.

Links: Der Anteil KI-generierter Python-Funktionen ist im Zeitraum von 2019 bis 2024 rasant gewachsen; rechts: Generative KI geht mit gesteigerter Produktivität einher (GitHub-Commits), allerdings nur bei erfahrenen Entwicklern, während Berufseinsteiger kaum von KI profitieren.

(Bild: Complexity Science Hub Vienna (CSH) [2])

Je unerfahrener, desto mehr KI

Zwischen Frauen und Männern ließen sich in der Studie keine Unterschiede hinsichtlich der KI-Nutzung feststellen. Eine große Rolle spielt dagegen die Erfahrung. Während weniger erfahrene Programmiererinnen und Programmierer generative KI in 37 Prozent ihres Codes nutzten, betrug der Anteil bei der erfahrenen Klientel nur 27 Prozent. Geholfen hat es ersteren kaum, denn Produktivitätssteigerungen ließen sich nur bei letzteren feststellen. Die genaue Einordnung ist allerdings schwierig, weil Entwicklerinnen und Entwickler KI-Tools auf sehr unterschiedliche Weise [3] verwenden.

Laut dem CSH hat der Einsatz generativer KI die Produktivität von Programmierern bis Ende 2024 um 3,6 Prozent gesteigert. Was nach wenig klingt, bedeute aber eine erhebliche Wertschöpfung. So würden in den USA jährlich schätzungsweise 637 Milliarden bis 1,06 Billionen US-Dollar in Programmieraufgaben investiert. Eine Produktivitätssteigerung von 3,6 Prozent entspreche daher einem zusätzlichen Wert zwischen 23 und 38 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Studie schränkt jedoch ein, dass dieser Wert die Messungen von Python-Code verallgemeinert.


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[1] https://www.science.org/doi/10.1126/science.adz9311
[2] https://csh.ac.at/news/ai-is-already-writing-almost-one-third-of-new-software-code/
[3] https://www.heise.de/hintergrund/KI-Navigator-11-Fuenf-Stufen-der-KI-Nutzung-in-der-Softwareentwicklung-10457094.html
[4] mailto:who@heise.de

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  • 29. Januar 2026 um 16:20
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