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Für höheren Wafer-Durchsatz: ASML steigert EUV-Lichtleistung auf 1.000 W

Von Johannes Hiltscher
EUV-Belichter nutzen bereits beeindruckende Technik – und ASML macht sie noch beeindruckender. Damit sollen stündlich 330 Wafer belichtet werden.
Ein NXE:3800E ohne Einhausung in ASMLs Reinraum (Bild: ASML)
Ein NXE:3800E ohne Einhausung in ASMLs Reinraum Bild: ASML

Die Technik von EUV-Belichtern ist bereits beeindruckend: Jede Sekunde verdampft deren Lichtquelle 50.000 Zinntröpfchen, das entstehende Plasma emittiert Strahlung mit einer Wellenlänge von 13,5 nm. Diesen Wert haben ASMLs Ingenieure noch einmal verdoppelt. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters in San Diego, wo die Lichtquelle entwickelt wird.

Mit der höheren Impulsrate soll die Leistung der Lichtquelle von aktuell 600 auf 1.000 W gesteigert werden – was wiederum dank höherer Dosisleistung die Belichtungszeit eines Wafers reduziert. Ganz linear ist der Zusammenhang hier nicht, ASML stellt eine Steigerung des Durchsatzes um 50 Prozent von aktuell 220 auf 330 Wafer pro Stunde (Wph) bis 2030 in Aussicht. Mit steigender Zahl an EUV-Belichtungsschritten moderner Fertigungsprozesse würden die Maschinen andernfalls zum Flaschenhals.

Der Wert gilt für die Low-NA-Variante NXE, die High-NA-Variante könnte bei gleichbleibendem Verhältnis auf 260 Wph kommen. ASMLs Roadmap sieht vor, beide Varianten mit der gleichen Lichtquelle auszustatten. Unklar ist, wann ASML die neue Lichtquelle einsetzen wird und ob bereits installierte Anlagen nachgerüstet werden können. Michael Purvis von ASML gab sich gegenüber Reuters optimistisch, die Leistung der Lichtquelle langfristig auf 2.000 W steigern zu können.

Mehr Laserimpulse

Eine steigende Frequenz an Zinntröpfchen bedeutet, dass auch die Impulsrate des Lasers steigen muss. Das scheint aber zum Problem zu werden, weshalb ASML mit der neuen Lichtquelle die Anzahl der sogenannten Pre-Pulses von aktuell einem auf zwei steigert.

Sie dienen dazu, die Tropfen zunächst in eine günstige Form zu bringen, bevor der Hauptimpuls sie zu einem Plasma anregt. Hierzu fehlen Details, anhand wissenschaftlicher Veröffentlichungen lässt sich aber ableiten, dass durch zwei Pre-Pulses die Leistung des Hauptimpulses reduziert werden kann.

Für den Hauptimpuls wird ASML weiter CO 2 -Laser nutzen. Ein kürzlich veröffentlichtes Patent legt nahe, dass zur Erzeugung der Pre-Pulses einer oder auch zwei Festkörperlaser verwendet werden dürften.

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  • 24. Februar 2026 um 18:43

Inklusive Aktienoption: Meta investiert 100 Milliarden US-Dollar in AMD

Von Mike Faust
Durch eine zwischen Meta und AMD getroffene Vereinbarung könnte der Softwarekonzern Anteile von zehn Prozent am Chiphersteller erhalten.
AMD-CEO Lisa Su möchte Meta an die Produkte ihres Unternehmens binden. (Bild: EYEPRESS via Reuters Connect)
AMD-CEO Lisa Su möchte Meta an die Produkte ihres Unternehmens binden. Bild: EYEPRESS via Reuters Connect

Meta hat mit AMD eine Vereinbarung über die Abnahme von Chips getroffen, die 6 Gigawatt KI-Rechenleistung erzeugen können. Wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet , hat die Vereinbarung einen Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar und könnte dazu führen, dass Meta bis zu 10 Prozent der AMD-Aktien erhält.

Die Absprache sieht vor, dass Meta ausreichend Chips von AMDs MI450-Serie erwirbt, um innerhalb der kommenden fünf Jahre Rechenzentren mit einem Bedarf von bis zu 6 Gigawatt zu versorgen, schreibt das WSJ. Der Bedarf für das erste Gigawatt soll von Meta noch in diesem Jahr geschaffen werden.

Im Gegenzug stimmte AMD zu, Meta Optionsscheine zum Kauf von bis zu 160 Millionen AMD-Aktien zu einem Preis von je 0,01 US-Dollar zu gewähren, sofern die vorgegebenen Ziele erreicht werden. Die vollständige Zuteilung der Aktien ist an den Anstieg des Kurses geknüpft, wonach Meta die letzte Tranche erst erhalten soll, wenn die AMD-Aktie einen Wert von 600 US-Dollar erreicht hat.

Meta soll an AMD-Produkte gebunden werden

Laut WSJ erklärte Lisa Su, CEO von AMD, dass man mit der Vereinbarung Konkurrenten wie Nvidia entgegentreten wolle und man versuche, große Kunden wie Meta so lange wie möglich an AMD-Produkte zu binden. "Meta hat viele Optionen" , sagte Su und ergänzte: "Ich möchte sicherstellen, dass wir immer eine feste Größe sind, wenn sie überlegen, was sie als Nächstes benötigen."

Die zwischen Meta und AMD getroffene Vereinbarung enthält nahezu identische Vereinbarungen, wie sie auch zwischen AMD und OpenAI im Oktober 2025 getroffen wurden. Beide Geschäfte sind Beispiele für Kreislauffinanzierungen und werden bei Nvidia kritisiert . Laut WSJ belohnen Investoren Chiphersteller allerdings für jeden großen Auftrag, unabhängig davon, ob es sich um ein solches Geschäft handelt oder nicht.

Um den massiven Ausbau seiner Rechenzentren und Energiekapazitäten zu steuern, gründete Meta im Januar 2026 Meta Compute . Der Konzern sicherte sich zudem langfristige Verträge mit US-Energie- und Nuklearfirmen und will bis 2035 bis zu 6,6 Gigawatt Atomstrom nutzen .

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  • 24. Februar 2026 um 18:15

Hyperscaler-Exit: Digitale Souveränität im Golem-Plus-AMA

Von Felix Lindo
Hier könnt ihr eure Fragen zu digitaler Souveränität loswerden! Löchert unseren Experten bei unserem ersten Live-Video-AMA am 10. März.
Unser Experte Caspar Clemens Mierau beantwortet Fragen exklusiv für Golem-Plus-Abonnenten. (Bild: Pixabay / Montage: Golem)
Unser Experte Caspar Clemens Mierau beantwortet Fragen exklusiv für Golem-Plus-Abonnenten. Bild: Pixabay / Montage: Golem

Europas Unternehmen hängen an US-Clouds, KI-Modelle laufen auf fremder Infrastruktur, und geopolitische Spannungen machen technologische Abhängigkeiten plötzlich zum Geschäftsrisiko. Digitale Souveränität ist damit kein abstraktes Schlagwort mehr, sondern eine Frage von Handlungsfähigkeit, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Genau deshalb ist das Thema auch bei Golem eins der wichtigsten des Jahres in der Berichterstattung, bei unserer ersten IT-Fachkonferenz Rack & Stack im April und jetzt in unserem ersten Live-Format exklusiv für Golem-Plus-Nutzer.

Im AMA (Ask my Anything) am 10. März 2026 um 17 Uhr ist per Videokonferenz Caspar Clemens Mierau zu Gast, DevSecOps-Spezialist, seit über 25 Jahren Berater für Cloud- und IT-Infrastrukturen, Sicherheitsanforderungen und resiliente Systeme in der DACH-Region. Online kennt man ihn auch als @leitmedium.

Im AMA wird es praktisch: Wie realistisch ist "Raus aus der US-Cloud" ( zum E-Paper )? Wir sprechen über Exit- und Diversifizierungsstrategien, konkrete Alternativen zu Hyperscalern sowie die Hürden beim Aufbau souveräner Infrastruktur. Statt einfacher Ausstiegsversprechen geht es um eine nüchterne Einordnung technischer, organisatorischer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Mierau zeigt dabei Wege auf, wie sich Daten, Infrastruktur und Workloads unabhängiger aufstellen lassen – etwa mit hybriden Multi-Cloud-Strategien oder eigenen On-Premise-Back-ups.

So läuft's ab

Ihr stellt eure Fragen live, diskutiert konkrete Praxisprobleme, lernt von anderen Plus-Lesern und tauscht euch aus. Damit das AMA nah an euren Herausforderungen bleibt, könnt ihr Fragen vorab über unsere Tally-Umfrage einreichen. Wir bündeln sie für eine strukturierte Diskussion im Live-Event. Die Einladung fürs AMA verschicken wir am Event-Tag per E-Mail an alle Plus-Abonnenten, zusätzlich steht der Link dann unter diesem Artikel.

Weitere Experten-Talks folgen

Diese Diskussionsrunde ist erst der Anfang. Die Experten-AMAs werden ein fester Bestandteil von Golem-Plus und der Community. Ihr wollt bestimmte Gäste? Dann schreibt uns eure Vorschläge gern in die Kommentare beziehungsweise ins Forum oder per Mail an die Redaktion mit dem Betreff Experten-Vorschlag AMA Golem Plus.

Seid dabei am 10. März 2026 um 17 Uhr. Stellt eure Fragen live und nehmt Antworten mit, die ihr direkt in euren Projekten nutzen könnt.

Wir freuen uns auf euch!

Eure Golem Redaktion

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  • 24. Februar 2026 um 17:44

Rundfunkbeitrag: Weniger Erhöhung, mehr Unsicherheit

Von Thomas Pany
Geldscheine und Münzen beim Briefkopf

Bild: Shutterstock.com

Die KEF empfiehlt nur noch 28 Cent mehr ab 2027. Politisch bleibt der Konflikt ungelöst, juristisch könnten die Klagen von ARD und ZDF ins Wanken geraten.

Am vergangenen Freitag veröffentlichte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ihre neue Empfehlung [1] zum künftigen Rundfunkbeitrag. Statt einer Erhöhung um 58 Cent pro Monat, wie sie die Kommission noch für die Jahre 2025 bis 2026 vorgeschlagen hatte, errechnete sie nun eine Anhebung um 28 Cent auf 18,64 Euro – ab 01. Januar 2027.

Die neue Empfehlung sickerte bereits Ende vergangenen Jahres durch, wie an dieser Stelle berichtet. Im Anschluss kam es zu einigen Wirbel.

Der Wirbel und einige Verunsicherungen bleiben auch nach der nun offiziellen Bekanntgabe der neuen KEF-Empfehlung. Immerhin geht es um "eine spektakuläre Veränderung gegenüber der Empfehlung vor zwei Jahren" (SZ [2]). Was diese Veränderung konkret für den Rundfunkbeitrag bedeutet, ist offen. Eine klare Antwort auf die Frage, auf welchen Rundfunkbeitrag sich die Zahler einstellen müssen, gibt es nicht.

Sicher ist nur: Der Konflikt bleibt hochpolitisch.

Alle Augen richten sich nun auf das anstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das von ARD und ZDF im Streit um die verweigerte Beitragserhöhung angerufen wurde. Die Richter in Karlsruhe ließen Ende vergangenen Jahres wissen, dass sie 2026 entscheiden wollen. Wann genau, ist bislang unklar und weiterhin Gegenstand von Spekulationen.

Die neue Empfehlung dürfte den politischen Konflikt kaum entschärfen. Denn auch die geringere Erhöhung stößt bei mehreren Ländern auf Ablehnung. Sachsens Staatskanzleichef Alexander Handschuh, Sprecher der Medienpolitik der Unionsländer, erklärte auch die 28 Cent für "nicht vermittelbar" [3].

Für die Beitragszahler bedeutet das vorerst: Der aktuelle Satz von 18,36 Euro bleibt bestehen. Wann eine Erhöhung kommt und wie hoch sie ausfällt, lässt sich weiterhin nicht seriös vorhersagen.

Juristische Konsequenzen des neuen KEF-Berichts?

Mit einer spektakulären Einschätzung wartet die Legal Tribune Online [4] (Lto) auf. ARD und ZDF seien mit der Verfassungsbeschwerde plötzlich chancenlos, kommentiert dort Christian Rath. Die neue Empfehlung habe weitreichende juristische Konsequenzen für die laufenden Verfassungsbeschwerden der Sender. Die beiden Sender hatten vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen die Länder geklagt, weil diese die ursprünglich für 2025 empfohlene Erhöhung blockiert hatten. Die Klagen werden nun als "plötzlich chancenlos" bewertet.

Begründung: Da die KEF eine Erhöhung erst ab 2027 für erforderlich halte, lasse sich kaum noch für einen gegenwärtigen Finanzierungsverzug für die Jahre 2025 und 2026 argumentieren. Die Verfassungsbeschwerden würden dadurch ihre faktische Grundlage verlieren, da kein aktueller Rechtsverstoß der Länder mehr nachweisbar erscheint. Die Klagen könnten dadurch in Karlsruhe ihre Grundlage verlieren, ohne dass das Gericht in der Sache selbst entscheiden müsste.

Eine Brücke

Medienexperten interpretieren die neue KEF-Empfehlung als "Brücke", die es den Ländern ermöglichen könnte, den Konflikt ohne ein Urteil aus Karlsruhe beizulegen. Die FAZ [5] spricht von einer "einmaligen Chance", das Verfahren wieder auf eine sachliche Grundlage zu stellen.

Allerdings gilt eine Einigung als unwahrscheinlich. Das Jahr 2026 ist ein Superwahljahr in Deutschland, was politische Kompromisse in dieser strittigen Frage zusätzlich erschwert.

Die KEF betont in ihrer Empfehlung, dass die niedrigere Empfehlung weder auf Sparmaßnahmen noch auf Reformeffekte der Sender zurückgeht, sondern fast ausschließlich auf veränderte Einnahmeprognosen.

Ein Blick in den 25. Bericht der KEF [6] zeigt, dass sie bis 2028 mit rund 504 Millionen Euro zusätzlichen Erträgen aus dem Rundfunkbeitrag rechnet. Hinzu kommen gestiegene Finanzerträge und zusätzliche Eigenmittel, unter anderem durch verschobene Investitionen. Diese Sonderrücklagen wirken dämpfend auf den Beitrag, haben nach Einschätzung der KEF jedoch nur eine befristete Wirkung.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11187660

Links in diesem Artikel:
[1] https://kef-online.de/presse/detail/kef-empfiehlt-deutlich-geringere-anhebung-des-rundfunkbeitrags
[2] https://www.sueddeutsche.de/medien/rundfunkbeitrag-erhoehung-steigt-28-cent-ard-zdf-li.3389110?reduced=true
[3] https://www.sueddeutsche.de/medien/rundfunkbeitrag-erhoehung-steigt-28-cent-ard-zdf-li.3389110?reduced=true
[4] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/neue-empfehlung-kef-kommission-rundfunkbeitrag
[5] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/kef-rundfunkbeitrag-soll-um-28-cent-steigen-110841450.html
[6] https://kef-online.de/fileadmin/kef/Dateien/Berichte/25._KEF-Bericht.pdf

Copyright © 2026 Heise Medien

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  • 24. Februar 2026 um 14:30

Diplomatie unter Druck: Die Uhr tickt für den Iran

Von Luca Schäfer
US-Soldaten auf dem Weg zu einem Sch

Symbolbild: Die US-Militärpräsenz in der Region wird immer größer, ein Krieg wahrscheinlicher.

(Bild: rawpixel.com/Shutterstock.com)

Atomdeal oder Atomkrieg? In Genf verhandeln Washington und Teheran, während Drohgebärden eskalieren. Doch was, wenn die Diplomatie scheitert?

Die Schweizer Diplomatenstadt Genf ist wieder einmal zum Nabel der Weltpolitik geworden: Mit den Russland-USA-Ukraine-Gesprächen und den parallel laufenden Atomverhandlungen mit dem Iran [1] bündeln sich in der eidgenössischen Metropole gleich zwei Krisentreffen von historischer Tragweite.

Ort und Vermittlerwahl sind dabei kein Zufall: Bereits 2015 wurden die entscheidenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm (JCPOA [2]) in der Schweiz geführt [3] – damalig in Lausanne. Die vermeintliche Schweizer Neutralität sowie ihre traditionell enge Verbundenheit zu Washington machen sie zur erstarkten Bühne heikler Diplomatie, zumal Bern bei Iran-Sanktionen bemerkenswert zurückhaltend agiert [4].

Die Rolle des Botengängers übernimmt [5] gleichsam tradiert das Sultanat Oman, das zu beiden – Washington wie Teheran – belastbare Beziehungen unterhält. Kann die Welt aufatmen?

10-Tage bis zum Big-Bang?

Die Rhetorik lässt wenig Raum für Optimismus. US-Präsident Trump drohte wiederholt mit militärischen Konsequenzen [6] – "schlimme Dinge" würden binnen zehn Tagen geschehen, sollte die schiitische Theokratie seinen Maximalforderungen nicht nachgeben.

Nach außen kommunizierten beide Seiten dennoch diplomatisch kryptisch – mit einer bemerkenswerten Ausnahme: US-Sondergesandter und Verhandlungsführer Steve Witkoff erklärte, Trump sei "neugierig", warum der Iran unter diesem enormen Druck nicht kapituliert [7]. Die Wortwahl ist aufschlussreich: Kapitulation und Druck gleichen Erpressung und Ultimatum, nicht Verhandlung mit Respekt und Augenhöhe.

Teheran gibt sich auffallend ruhig: Außenminister Abbas Araghchi betonte wiederholt [8], man verhandle allein über die friedliche Nutzung sowie internationale Kontrollmechanismen. Kluge PR-Strategie oder sind die Gespräche fortgeschrittener als kolportiert?

Erste Fortschritte, offene Bruchlinien

Omans Außenminister Badr al-Busaidi bestätigte [9] eine weitere Verhandlungsrunde für kommenden Donnerstag in Genf – ein gewisser "common ground" dürfte demnach bestehen. Das schließt eine kurzfristige militärische Eskalation weitgehend aus – und legt nahe, dass in ersten Punkteb zumindest vorsichtige Annäherung erzielt wurde.

Vereinzelte Medien berichten, es solle zeitnah über einen ersten Abkommen-Textentwurf verhandelt werden – bestätigt ist das bisher von keiner Seite. Das von Washington finanzierte Radio Free Europe spricht immerhin von ersten Fortschritten [10]. So erklärte der Iran Bereitschaft, angereichertes Uran zu verdünnen [11], und zeigte sich offen für verstärkte IAEO-Kontrollen.

Falkenhafte Zwangsdiplomatie

Trotz dieser vertrauensbildenden Gesten bleibt die Ausgangslage strukturell verfahren. Die Trump-Administration betreibt eine klassische "Hawkish Coercive Diplomacy" [12] – eine Art Zwangsdiplomatie, die aus dem Lehrbuch der neokonservativen Bush-Ära stammt und auf Maximalforderungen bei simultaner Eskalationsdrohung setzt.

Washington verlangt [13] die vollständige Einstellung des Atomprogramms, den Abtransport angereicherten Urans (möglicherweise gen Russland) sowie eine drastische Beschneidung des Raketenprogramms und das Ende der iranischen Vorwärtsverteidigung.

Außenminister Rubio drängte [14] auf eine Ausweitung der Gespräche über diese Agenda – was Teheran kategorisch ablehnt. Jene transaktionale US-Politik korreliert [15] nicht zuerst mit Werten oder Institutionen, sondern basiert primär auf Interessen. Der Iran lehnt [16] kategorisch bislang jede über sein Atomprogramm hinaus reichenden Verhandlungen ab – Teheran weiß was dies bedeuten würde.

Faktor Israel

Der eigentliche Knackpunkt dürfte indes nicht das Atomprogramm sein, sondern weitreichendere, rote Linien. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu fordert eine Begrenzung nicht-nuklearer iranischer Raketen auf eine Reichweite von 300 Kilometern [17] – eine Forderung, die Teheran aus strategischer Logik ablehnt.

Die Lebensversicherung des Regimes ist seine Raketen- und Drohnenstreitmacht, die mit einer gehobenen Reichweite israelisches Territorium ebenso wie US-Stützpunkte in der Region erreichen kann [18] – zuletzt demonstriert durch Angriffe auf Al-Udeid und Tel Aviv.

Diese Abschreckungskapazität aufzugeben käme für Teheran einer militärischen Entwaffnung gleich – Israel würde seinen letzten Gegenspieler beschneiden. Zudem gab die US-Seite bekannt, [19] Sanktionen nur schrittweise aufzuheben, was logischerweise in Teheran Misstrauen nährte.

Washingtons Optionen

Die USA haben in den vergangenen Wochen die wohl größte Luftmachtpräsenz in der Region seit 2003 [20] aufgebaut: Dutzende Kampfjets, zwei Flugzeugträger, weitreichende Truppenkontingente.

Eine Bodeninvasion gilt dennoch praktisch als ausgeschlossen. Eine großflächige Bombardierung militärischer Einrichtungen liegt hingegen im Bereich des Möglichen – ebenso wie Analysten die Option eines gezielten Schlages gegen Revolutionsführer Khamenei diskutieren [21], vergleichbar mit dem präzisen Vorgehen gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.

Der Preis einer solchen Eskalation wäre indes hoch: Ein Ableben Khameneis würde den 88-köpfigen Expertenrat auf den Plan rufen, der schlicht einen Nachfolger ernennen [22] würde – womöglich [23] einen noch kompromissloseren Hardliner oder den Khamenei Sohn Mojtab [24].

Zudem haben Peking und Moskau den Preis für einen militärisch erzwungenen Regimewechsel systematisch in die Höhe getrieben: das Sco (2023) und Brics (2024) Mitglied kooperiert [25] insbesondere mit Moskau militärisch eng [26]. So lieferte [27] Russland im Umfang von 500 Millionen Dollar unter Anderem Werba-Manpads (tragbare Luftabwehrsysteme), MI-28 Hubschrauber sowie mindestens 2 500 9M336-Raketen.

Wirtschaft als stille Waffe

Den größten unmittelbaren Druck erzeugen wohl nicht Drohgebärden, sondern die Sanktionen. Irans Volkswirtschaft befindet sich in freiem Fall; neue Protestwelche können binnen Wochen ausbrechen, getrieben von einem auf Militärausgaben ausgerichteten Staatshaushalt und einer gezielten Aushöhlung der Mittelschicht.

Während Washington die Sanktionen nur schrittweise lockern will, weichen auch hier die Vorstellungen beider Seiten [28] über das Tempo und den Umfang der Entlastung erheblich voneinander ab. Teheran läuft die Zeit – nicht nur in Bezug auf das Trumpsche Ultimatum – davon.

Quo vadis, Iran?

Die Lage bleibt hochvolatil, doch ein schmaler diplomatischer Pfad ist noch nicht versperrt. Entscheidend wird sein, ob Washington seine Maximalforderungen aufweicht oder Teheran sich zu weitreichenderen Konzessionen bereit findet – beides erscheint derzeit eher unwahrscheinlich.

Ein schlichter Erhalt des Status Quo gefährdet jedoch die Existenz der Islamischen Republik. Zusehends. Bleiben die USA auf ihrem starren Kurs, muss Teheran zwischen militärischer Kapitulation und offenem Konflikt wählen.

Das Kriegsrisiko ist auf einem historischen Höchststand. Als entscheidende externe Variable verbleiben China und Russland, die aus materiellen Interessen heraus agieren: Peking braucht iranisches Öl, Moskau einen Verbündeten gegen die internationale Isolation – beide haben handfeste Interessen daran, dass Teheran standhält. Ein großer Invasions-Krieg hätte wenig Aussicht auf Erfolg und kaum innenpolitischen Rückhalt in den USA. Doch auch die Diplomatie balanciert auf dünnem Eis. Die Lage bleibt hochvolatil.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11187049

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/atomprogramm-usa-iran-verhandlungen-genf-zugestaendnisse
[2] https://armscontrolcenter.org/the-iran-deal-then-and-now/
[3] https://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-und-atomverhandlungen-einigung-in-lausanne-a-1026802.html
[4] https://www.tagesanzeiger.ch/iran-warum-die-schweiz-mit-sanktionen-zoegert-884521065258
[5] https://www.nzz.ch/international/usa-und-iran-diplomatie-oder-konflikt-gespraeche-in-genf-ld.1925301
[6] https://www.handelsblatt.com/dpa/iran-konflikt-trump-will-in-10-15-tagen-deal-mit-iran/100201550.html
[7] https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/politik_ausland_nt/article699b543b90fbed9c8939d0e9/iran-verhandlungen-mit-usa-wohl-donnerstag-in-genf.html
[8] https://www.theguardian.com/world/2026/feb/22/washington-and-tehran-to-hold-more-nuclear-talks-as-protests-reignite-in-iran
[9] https://www.euronews.com/2026/02/23/oman-confirms-new-round-of-us-iran-nuclear-talks-will-be-held-on-thursday-in-geneva
[10] https://www.rferl.org/a/us-iran-nuclear-talks-geneva-war-peace-50-50/33682315.html
[11] https://www.theguardian.com/world/2026/feb/21/iran-refusing-to-export-highly-enriched-uranium-but-willing-to-dilute-purity
[12] https://www.youtube.com/watch?v=za0zKHqlCbU
[13] https://politik.watson.de/politik/analyse/618959594-iran-konfliktforscher-erklaert-trump-strategie-gegenueber-teheran
[14] https://www.iranintl.com/en/202602048232
[15] https://www.focus.de/politik/ausland/ex-diplomat-analysiert-trump-drohung-am-iran-selbst-hat-er-gar-kein-interesse_0222473c-716d-4b34-b3b5-9a081961e010.html
[16] https://www.moneycontrol.com/europe/?url=https://www.moneycontrol.com/world/iran-rejects-zero-enrichment-demand-seeks-sanctions-roadmap-in-new-talks-article-13838767.html/amp
[17] https://www.iranintl.com/en/202602156019
[18] https://english.aaj.tv/news/330452931/iran-signals-nuclear-concessions-if-us-meets-demands
[19] https://english.aaj.tv/news/330452931/iran-signals-nuclear-concessions-if-us-meets-demands
[20] https://www.iranintl.com/en/202602194742
[21] https://openthemagazine.com/columns/is-war-in-the-middle-east-inevitable
[22] https://www.scmp.com/news/world/middle-east/article/3315360/irans-khamenei-making-preparations-successor-us-news-report-says
[23] https://www.ndtv.com/world-news/nyt-report-says-iran-ayatollah-ali-khamenei-living-in-bunker-names-3-possible-successors-8727145/amp/1
[24] https://www.al-monitor.com/originals/2025/06/if-irans-khamenei-falls-what-would-replace-him
[25] https://www.washingtoninstitute.org/policy-analysis/irans-failing-eastward-pivot-limits-and-risks-russia-china-alignment
[26] https://www.csis.org/analysis/collaboration-price-russian-military-technical-cooperation-china-iran-and-north-korea
[27] https://www.ft.com/content/d034cc1a-f5fb-494e-a3c1-466e8e80ed82
[28] https://www.algemeiner.com/2026/02/22/iran-and-us-views-on-sanctions-relief-differ-iranian-official-tells-reuters/

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  • 24. Februar 2026 um 14:00

Baden-Württemberg: Wenn das industrielle Herz zu schlagen aufhört

Von Matthias Lindner
Hauptsitz von Porsche in Stuttgart - Porsche ist ein deutscher Automobilhersteller, der sich auf Luxus-Sportwagen mit hoher Performance spezialisiert hat

(Bild: nitpicker / Shutterstock.com)

Der Automobilstandort verliert Tausende Jobs – doch was Familien im Alltag wirklich trifft, zeigt sich an ganz anderer Stelle.

Baden-Württemberg gilt als industrielles Herzstück Deutschlands. Das Bundesland ist Heimat weltbekannter Automarken wie Mercedes und Porsche. Doch dieser Glanz schwindet, die wirtschaftliche Basis bröckelt – und das bekommen Arbeitnehmer, Familien und ganze Gemeinden zu spüren.

Kurz vor der Landtagswahl am 8. März dominiert ein Thema den Wahlkampf: die Sorge um sichere Arbeitsplätze.

Bosch zieht sich aus Waiblingen zurück

Was der Wandel konkret für eine Region bedeutet, lässt sich im Rems-Murr-Kreis beobachten. Dort fertigt Bosch bislang Verbindungstechnik für die Fahrzeugindustrie. Bis spätestens 2028 soll damit Schluss sein, meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Montag.

Rund 560 Männer und Frauen verlieren ihre Arbeit. Der Konzern verweist auf einen europäischen Markt, der in den vergangenen acht Jahren rund die Hälfte seines Volumens eingebüßt hat. Die Kosten am Standort seien schlicht zu hoch.

Etwa 220 Beschäftigten bietet das Unternehmen einen Wechsel an einen anderen Bosch-Standort an. Wer dieses Angebot nicht annehmen kann oder will, dem stehen Altersteilzeit, Vorruhestand oder eine Abfindung offen.

Die Gewerkschaft IG Metall vor Ort hält die Entscheidung für einen Fehler. Mit mehr Gestaltungswillen hätte der Standort eine Perspektive gehabt, argumentiert sie. Stattdessen wanderten nun Fertigungswissen und Erfahrung aus der Region ab.

Ganz ähnlich klingt es bei vielen anderen Zulieferern im Land. Eine regelmäßige Erhebung [1] des Verbands der Automobilindustrie ergab, dass im vergangenen Jahr fast zwei von drei befragten Zulieferern in der Bundesrepublik Personal abgebaut haben.

Die allermeisten davon sehen die nachlassende Attraktivität des Standorts Deutschland als entscheidenden Auslöser.

Wenn ein Zulieferer kippt, wackelt die ganze Kette

Die Schwierigkeiten der großen Hersteller setzen sich wie Wellen in der Lieferkette fort. Matthias Bianchi, der beim Deutschen Mittelstandsbund die politische Kommunikation verantwortet, beschreibt gegenüber [2] Reuters einen Dominoeffekt: Was bei den Leitbranchen beginne, erreiche allmählich auch Handwerksbetriebe, Dienstleister und den lokalen Einzelhandel.

Die Zahlen untermauern diese Einschätzung. 2024 gingen laut Bericht in Baden-Württemberg so viele Unternehmen in die Insolvenz wie zuletzt vor anderthalb Jahrzehnten – 2.445 Verfahren, ein Anstieg um fast ein Drittel.

Auch das große Bild fällt ernüchternd aus. Die Wirtschaftsleistung des Landes ging 2024 um 0,4 Prozent zurück und damit deutlicher als im Bund insgesamt. Im dritten Quartal 2025 kam das Wachstum vollständig zum Erliegen, und allein in der Autoindustrie des Südwestens verschwanden rund [3] 8.400 Stellen binnen eines Jahres.

Höhere Kita-Gebühren, kürzere Öffnungszeiten

Entlassungen und Firmenpleiten schlagen unmittelbar auf die Gemeindekassen durch. Wo weniger Gewerbesteuer fließt, müssen Kommunen sparen – und das merken Familien als Erste.

Der Mannheimer Ökonom Friedrich Heinemann vom ZEW beschreibt laut Reuters, wie sich das anfühlt: Das Bürgerbüro schließt am frühen Nachmittag, der monatliche Beitrag für den Kindergartenplatz klettert nach oben.

Gleichzeitig halten etliche Betriebe an ihren Leuten fest, obwohl die Geschäfte schwächeln. Sie fürchten, bei einer Erholung keine Fachkräfte mehr zu finden.

Steffen Braun, der in Mößingen südlich von Stuttgart ein kleines Unternehmen für Dichtungstechnik führt, bringt das Dilemma gegenüber Reuters auf den Punkt: Wer einmal eingearbeitete Spezialisten ziehen lasse, bekomme sie nicht am nächsten Tag zurück.

Trotzdem schreiben immer weniger Firmen neue Stellen aus – die Zahl der offenen Positionen im Land ist gegenüber 2022 um knapp ein Drittel geschrumpft.

Wahlkampf im Zeichen der Jobangst

Die wirtschaftliche Verunsicherung prägt die politische Debatte. Viele Menschen fragen sich, ob die Region, die über Jahrzehnte für Wohlstand und Aufstieg stand, dieses Versprechen noch halten kann.

Die AfD versucht, aus genau dieser Stimmung Kapital zu schlagen, auch wenn die CDU als klare Favoritin in den Urnengang geht.

Barbara Resch, Landeschefin der IG Metall, mahnt laut Bericht, dass die Gefährdung längst nicht nur einfache Tätigkeiten betreffe – auch Ausbildungsplätze und hochspezialisierte Fachkräfte stünden auf der Kippe.

Neue Branchen wachsen, doch der Weg ist weit

So ernst die Lage in der Autobranche ist, so gibt es doch Felder, die sich gegen den Abwärtstrend stemmen. Unternehmen aus der Robotik, der Medizintechnik und der Softwareentwicklung legen kräftig zu. Das Land steckt knapp sechs Prozent seiner Wirtschaftsleistung in Forschung und Entwicklung – beinahe doppelt so viel wie der Bundesdurchschnitt.

Renommierte Wirtschaftsforscher raten der kommenden Landesregierung allerdings dazu, nicht alte Strukturen mit Geld am Leben zu halten, sondern in Straßen, schnelles Internet und gute Schulen zu investieren.

Die rund dreizehn Milliarden Euro, die Baden-Württemberg aus dem Bundesinfrastrukturfonds erhalten soll, gleichen, so berichtet Reuters, nach Einschätzung von IW-Ökonom Hanno Kempermann nicht annähernd aus, was in den vergangenen zwei Jahrzehnten liegen geblieben ist.

In der Autobranche allein könnten bis 2030 weitere 14.000 Stellen wegfallen. Der Umbruch im Ländle hat gerade erst begonnen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11187195

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.vda.de/de/presse/Pressemeldungen/2026/260210_PM_Jahrespressekonferenz
[2] https://www.reuters.com/business/germanys-once-vibrant-auto-heartland-falls-hard-times-2026-02-24/
[3] https://www.statistik-bw.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/konjunktur-suedwest-anhaltende-wirtschaftsflaute/

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  • 24. Februar 2026 um 11:00

Neue „Wo ist?“-Karten für den Geldbeutel von Nomad

Von Heise
Tracking Card Pro (links) und Air

Tracking Card Pro (links) und Air: Look wie eine Kreditkarte.

(Bild: Nomad)

AirTags sind zu dick für die Börse. Nomad hat nun zwei neue Kartenvarianten im Angebot – die eine besonders dünn, die andere besonders „premium“.

Es muss nicht immer Apples eigener AirTag [1] sein: Zahlreiche Anbieter haben mittlerweile eigene Tracker am Start [2], die zum Findenetz „Wo ist?“ kompatibel sind – in unterschiedlichen Formfaktoren. Der Apple-Zubehörspezialist Nomad hat nun zwei weitere auf den Markt gebracht: die Tracking Card Air [3] und die Tracking Card Pro [4]. Beide sind dafür gedacht, in einem Geldbeutel oder einer anderen Tasche mit wenig Platz für dickere Tracker verstaut zu werden.

Optik wie eine Kreditkarte

Die Air-Variante für 34,95 Euro hat die Höhen- und Längenmaße einer Kreditkarte und ist 1,7 Millimeter dick (ungefähr zwei Kreditkarten hoch), bei einem Gewicht von 12 Gramm. Sie ist besonders für kompakte Portemonnaies und Kartenetuis geeignet. Die verfügbaren Farben sind Schwarz und Weiß, auf Amazon ist sie bereits gelistet, ist aber erst in einigen Wochen lieferbar. Die Pro-Variante (ebenfalls in Schwarz und Weiß) kostet 10 Euro mehr, ist mit 2,5 Millimetern etwas dicker und wiegt 3 Gramm mehr. Die Ränder bestehen aus Alu, was sie etwas nobler aussehen lässt, während die Air-Version vollständig aus Kunststoff (Polycarbonat) gefertigt ist.

Beide Karten sind via Qi und MagSafe aufladbar. Die Air-Variante hält fünf Monate nach vollständiger Aufladung durch, die Pro-Variante dank 350-mAh-Akku bis zu 16 Monate. Beide Karten sind IPX7-zertifiziert (Staub- und Wasserresistenz). Die Pro-Variante sieht optisch stärker nach Kreditkarte aus, selbst ein (nicht funktionabler) Chip ist zu sehen. Die Air-Version hat das Layout der verbauten Bluetooth-Antenne samt sonstiger Hardware aufgedruckt.

UWB für Nahbereich fehlt weiter

Wie bei Nicht-Apple-„Wo ist?“-Geräten üblich unterstützen die beiden Karten nur Bluetooth zum Tracking, Ultra-Wideband-Funk (UWB) für eine verbesserte Nahbereichsortung bleibt Apples AirTags vorbehalten, diese war zuletzt mit den AirTags 2 nochmals verbessert [5] worden. Ob und wann auch Drittanbieter-Hardware UWB bekommt, steht bislang in den Sternen – eigentlich war dies bereits vor Jahren erwartet worden.

Nomads Tracking Cards konkurrieren unter anderem mit Modellen von Chipolo [6] oder Keysmart [7]. Die ersten Varianten solcher „Wo ist?“-Karten [8] waren noch nicht wiederaufladbar, mussten nach einigen Jahren vollständig entsorgt beziehungsweise ausgetauscht werden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11186268

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Lautstark-lokalisiert-AirTag-2-im-Test-11160732.html
[2] https://www.heise.de/tests/AirTag-Alternativen-im-Test-Es-muss-nicht-immer-Apple-sein-10335077.html
[3] https://www.amazon.de/dp/B0FT1ZM4FP?tag=macandi-21
[4] https://www.amazon.de/Tracking-Premium-Bluetooth-Tracker-Kartenformat-Black/dp/B0GBWTBZF6?tag=macandi-21
[5] https://www.heise.de/news/AirTag-2-ausprobiert-Dreimal-so-viel-Reichweite-wie-der-Vorgaenger-c-t-3003-11176371.html
[6] https://chipolo.net/de/products/chipolo-card
[7] https://www.getkeysmart.com/products/keysmart-smartcard
[8] https://www.heise.de/news/Wo-ist-fuer-den-Geldbeutel-Apples-Findenetzwerk-abgeflacht-6318017.html
[9] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[10] https://www.heise.de/mac-and-i
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  • 24. Februar 2026 um 13:01

macOS-Klangverwaltung: Soundsource 6 steuert App-Output

Von Heise
Soundsource 6 auf dem Mac

Soundsource 6 auf dem Mac: Mehr Kontrolle über App-Klänge.

(Bild: Rogue Amoeba)

Rogue Amoeba hat eine neue Hauptversion seines Tools Soundsource parat. Damit leitet man Klänge auf dem Mac gezielt um oder verfeinert sie.

Wer bestimmen will, wie laut eine einzelne macOS-App zu hören ist, kann das nicht mit Bordmitteln einstellen: Es gibt eine Lautstärkeeinstellung für alle Anwendungen, plus eine eigene für Systemklänge. Der Klang-Utility-Spezialist Rogue Amoeba, bekannt von Audio Hijack [1], hält eine Lösung parat: Die App Soundsource [2], kürzlich in Version 6 auf den Markt gekommen, bietet deutlich flexiblere Einstellmöglichkeiten.

Klang beliebig routen

Nach der Installation stehen für jede App, die gerade läuft, in der Menüleiste eigene Lautstärkeregler zur Verfügung. Das ist aber nicht alles. So gibt es auch ein übersichtliches Menü für alle vorhandenen Quellen und man kann außerdem ein Audio-Routing vornehmen. Das heißt etwa, dass sich der Browser-Klang an einen Kopfhörer weiterleiten lässt, die Systemklänge aber weiterhin über den Lautsprecher wiedergegeben werden. Für jede App und jedes Output-Gerät lässt sich zudem ein Equalizer und ein Boost festlegen, um den Klang zu verstärken. Apple-Audio-Units werden als Effekte ebenso unterstützt.

Mit Version 6 können Klänge auch an verschiedene Geräte geschickt werden, etwa HomePods in anderen Räumen. Auch andere AirPlay-Hardware und Sonos-Geräte können als Ziel dienen. Neu sind außerdem sogenannte Quick Configs zum Einstellen der Konfiguration mit einem Klick. Weiterhin nützlich ist ein neuer „Recent Noise“-Anzeiger, um festzustellen, von welcher App der Sound gerade kam. Für Profis nützlich ist der Support des RoundTripAAC-Effekts, mit dem man eine Vorschau erhält, wie komprimierter Sound klingt – nützlich etwa zum Mastering. Der 10-Band-Equalizer kommt mit einem neuen Vorverstärker.

Bluetooth-Output-Problem behoben

Wer Bluetooth-Kopfhörer nutzt, kann außerdem ein macOS-Standardproblem umgehen: Sobald diese als Eingang (Input) selektiert wurden, wird die Audioqualität standardmäßig heruntergeschaltet. Mit der Funktion „Output Only“ in Soundsource 6 klingen AirPods und Co. auch dann normal. Weitere Neuerungen in Soundsource 6 fasst Rogue Amoeba auf einer eigenen Übersichtsseite [3] zusammen.

Die App kostet als Lizenz für einen einzelnen Mac 49 US-Dollar plus Umsatzsteuer. Besitzer der Vorversion erhalten ein Upgrade für 25 Dollar. Eine Trialversion zum Ausprobieren steht zur Verfügung.


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https://www.heise.de/-11186278

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Dank-KI-Mac-Aufnahmetool-Audio-Hijack-schreibt-mit-9355584.html
[2] https://rogueamoeba.com/soundsource/
[3] https://rogueamoeba.com/soundsource/whatsnew.php
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[5] https://www.heise.de/mac-and-i
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  • 24. Februar 2026 um 12:37

iOS 26.4 Beta 2: Apple testet RCS-Verschlüsselung mit Android

Von Heise
iOS 26: Apple reicht nach wie vor neue Features nach

iOS 26: Apple reicht nach wie vor neue Features nach.

(Bild: Apple)

Apple hat eine neue Entwicklerbeta fürs iPhone freigegeben. Damit lassen sich erstmals verschlüsselte RCS-Gespräche in Richtung Android testen – und mehr.

Nach ersten Versuchen zwischen iPhones mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) für den SMS-Nachfolger Rich Communication Services (RCS) [1] unter iOS 26.4 Beta 1 beginnt Apple nun mit „richtigen“ Tests des Dienstes. Mit der in der Nacht zum Dienstag erschienenen zweiten Beta von iOS 26.4 für Entwickler soll man nun auch in Richtung Android sicher kommunizieren können. Das geht aus dem Beipackzettel für iOS 26.4 Beta 2 hervor. Allerdings gilt das, wie schon zuvor zwischen iPhones, nicht für alle Mobilfunkanbieter – bei manchen ist der Dienst schlicht nicht freigeschaltet.

Erste Tests von Android zu iPhone und umgekehrt

Wie Apple mitteilt, geht es zunächst nur um „Tests zwischen Apple- und Android-Geräten“. Auf Android-Seite muss die jüngste Version von Google Messages vorhanden sein. Eine Freigabe von RCS-E2EE mit der Finalversion von iOS 26.4 ist derzeit nicht geplant. Die Funktion kommt erst mit einer „späteren Version“ von iOS 26, so der iPhone-Hersteller, ohne genaue Angaben zu machen. Die Implementierung ist nicht nur für iOS, sondern auch für iPadOS, macOS und watchOS geplant.

Apple nutzt den E2EE-Standard für RCS, den die GSM Association vorgeschlagen hat – offenbar im Rahmen von RCS Universal Profile 3.0 [2], das noch weitere Verbesserungen verspricht, darunter E2EE-Gruppenchats, das nachträgliche Editieren von Botschaften, Tapbacks mit Emojis und mehr. Damit das alles funktioniert, müssen offenbar passende Carrier-Profile her, die die Mobilfunkanbieter ausliefern. Google hat E2EE via RCS zwischen Android-Geräten hingegen über eigene Server umgesetzt.

Weitere Neuerungen in iOS 26.4 Beta 2

Die zweite Beta von iOS 26.2 für Entwickler liefert auch noch weitere Neuerungen. So gibt es grafische Änderungen beim Editieren des Homescreens (stärkerer Liquid-Glass-Effekt), eine veränderte Suche in der Games-App (Eingabeleiste oben), Layout-Anpassungen im App Store und bei Apple Music und sogenannte Highlighting-Effekts lassen sich im Bereich Barrierefreiheit nun deaktivieren.

Schließlich schaltet sich die Verteilung von Beta-Updates nun automatisch ab, wenn man vier Monate lang keine neue Vorabversion installiert hat. Weiterhin nicht in Europa erhältlich ist unterdessen die neue KI-Wiedergabeliste für Apple Music [3], sie steht bislang nur US-Nutzern zur Verfügung.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11187043

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/RCS-in-Nachrichten-App-Apple-beginnt-mit-Tests-fuer-Verschluesselung-11179634.html
[2] https://www.heise.de/news/RCS-Warten-auf-Universal-Profile-3-0-in-iOS-26-10481840.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-KI-fiziert-Apple-Music-ein-bisschen-und-arbeitet-mit-TikTok-zusammen-11180975.html
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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  • 24. Februar 2026 um 11:28

iOS 26.4 Beta 2: Apple testet RCS-Verschlüsselung mit Android

Von Heise
iOS 26: Apple reicht nach wie vor neue Features nach

iOS 26: Apple reicht nach wie vor neue Features nach.

(Bild: Apple)

Apple hat eine neue Entwicklerbeta fürs iPhone freigegeben. Damit lassen sich erstmals verschlüsselte RCS-Gespräche in Richtung Android testen – und mehr.

Nach ersten Versuchen zwischen iPhones mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) für den SMS-Nachfolger Rich Communication Services (RCS) [1] unter iOS 26.4 Beta 1 beginnt Apple nun mit „richtigen“ Tests des Dienstes. Mit der in der Nacht zum Dienstag erschienenen zweiten Beta von iOS 26.4 für Entwickler soll man nun auch in Richtung Android sicher kommunizieren können. Das geht aus dem Beipackzettel für iOS 26.4 Beta 2 hervor. Allerdings gilt das, wie schon zuvor zwischen iPhones, nicht für alle Mobilfunkanbieter – bei manchen ist der Dienst schlicht nicht freigeschaltet.

Erste Tests von Android zu iPhone und umgekehrt

Wie Apple mitteilt, geht es zunächst nur um „Tests zwischen Apple- und Android-Geräten“. Auf Android-Seite muss die jüngste Version von Google Messages vorhanden sein. Eine Freigabe von RCS-E2EE mit der Finalversion von iOS 26.4 ist derzeit nicht geplant. Die Funktion kommt erst mit einer „späteren Version“ von iOS 26, so der iPhone-Hersteller, ohne genaue Angaben zu machen. Die Implementierung ist nicht nur für iOS, sondern auch für iPadOS, macOS und watchOS geplant.

Apple nutzt den E2EE-Standard für RCS, den die GSM Association vorgeschlagen hat – offenbar im Rahmen von RCS Universal Profile 3.0 [2], das noch weitere Verbesserungen verspricht, darunter E2EE-Gruppenchats, das nachträgliche Editieren von Botschaften, Tapbacks mit Emojis und mehr. Damit das alles funktioniert, müssen offenbar passende Carrier-Profile her, die die Mobilfunkanbieter ausliefern. Google hat E2EE via RCS zwischen Android-Geräten hingegen über eigene Server umgesetzt.

Weitere Neuerungen in iOS 26.4 Beta 2

Die zweite Beta von iOS 26.2 für Entwickler liefert auch noch weitere Neuerungen. So gibt es grafische Änderungen beim Editieren des Homescreens (stärkerer Liquid-Glass-Effekt), eine veränderte Suche in der Games-App (Eingabeleiste oben), Layout-Anpassungen im App Store und bei Apple Music und sogenannte Highlighting-Effekts lassen sich im Bereich Barrierefreiheit nun deaktivieren.

Schließlich schaltet sich die Verteilung von Beta-Updates nun automatisch ab, wenn man vier Monate lang keine neue Vorabversion installiert hat. Weiterhin nicht in Europa erhältlich ist unterdessen die neue KI-Wiedergabeliste für Apple Music [3], sie steht bislang nur US-Nutzern zur Verfügung.


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[1] https://www.heise.de/news/RCS-in-Nachrichten-App-Apple-beginnt-mit-Tests-fuer-Verschluesselung-11179634.html
[2] https://www.heise.de/news/RCS-Warten-auf-Universal-Profile-3-0-in-iOS-26-10481840.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-KI-fiziert-Apple-Music-ein-bisschen-und-arbeitet-mit-TikTok-zusammen-11180975.html
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  • 24. Februar 2026 um 11:28

Microsoft beendet Unterstützung für Windows-Versionen aus 2016

Von Heise
Windows-10-Desktophintergrund auf Notebook

(Bild: charnsitr / Shutterstock.com)

Windows-Versionen aus 2016 erhalten in Kürze keinen Support mehr. Erweiterte Sicherheits-Updates (ESU) sind jedoch in Planung.

Microsoft beendet den Support für drei Windows-Produkte, die im Jahr 2016 erschienen sind. Das nahende Aus lässt sich etwa mit erweiterten Sicherheits-Updates (ESU) hinauszögern – natürlich mit einem Preis verbunden.

Im Windows-Release-Health-Message-Center hat Microsoft [1] das angekündigt. Ein Blog-Beitrag im Windows-IT-Pro-Blog [2] geht auf die Details ein. Demnach läuft der offizielle Support zehn Jahre nach Erscheinen für Windows 10 Enterprise LTSB 2016, Windows 10 IoT Enterprise 2016 LTSB (beide am 13. Oktober 2026) sowie für Windows Server 2016 (am 12. Januar 2027) aus. Das sind die Daten der jeweils letzten Sicherheits-Updates, die Maschinen mit diesen Windows-Versionen offiziell erhalten. „Danach erhalten diese Geräte keine Windows-Sicherheits-Updates, non-Security-Updates, Fehlerkorrekturen, technischen Support oder Updates für technische Inhalte mehr“, schreibt Microsoft. Es gebe aber gute Neuigkeiten: Wer zusätzliche Zeit benötige, könne das ESU-Programm nutzen.

ESU: Preise teils noch nicht bekannt

Im Rahmen des ESU können Interessierte monatliche Sicherheitsupdates für bis zu weitere drei Jahre bei Microsoft einkaufen. Neue Funktionen, Verbesserung der Qualität oder Designänderungen fallen nicht darunter, ebenso gibt es keinen weiteren technischen Support für die betroffenen Windows-Versionen. Für Windows Server 2016 muss Microsoft noch Preise ausknobeln. Windows IoT Enterprise LTSB 2016 ist ausschließlich über die OEMs der Geräte erhältlich – die bestimmen auch Preis und Verfügbarkeit.

Für Windows 10 Enterprise 2016 LTSB sollen ab dem zweiten Quartal 2026 ESU-Lizenzen für 61 US-Dollar je Maschine und Jahr verfügbar werden. Wer die Geräte mit Intune oder Autopatch verwaltet, erhält einen rabattierten Preis von 45 US-Dollar. Jedes Jahr verdoppelt sich der jedoch – wer sich also erst im zweiten Jahr dazu entscheidet, Maschinen mit einer ESU-Lizenz auszustatten, zahlt das erste Jahr trotzdem mit. Preise in Euro nennt Microsoft noch nicht.

Microsoft empfiehlt Betroffenen, auf Windows Server 2025, Windows 11 Enterprise LTSC 2024 oder Windows 11 IoT Enterprise LTSC 2024 zu aktualisieren und damit länger offizielle Unterstützung einschließlich technischen Support zu erhalten.

Mit dem Support-Ende dieser Windows-Versionen dürften die meisten IT-Verantwortlichen Übung haben. Das offizielle Support-Aus für Windows 10 zum 14. Oktober 2025 hatte großen Handlungsbedarf erzeugt. Microsoft lieferte da zudem Hinweise und Tipps [3].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11187147

Links in diesem Artikel:
[1] https://learn.microsoft.com/en-us/windows/release-health/windows-message-center#3790
[2] https://techcommunity.microsoft.com/blog/windows-itpro-blog/plan-for-windows-server-2016-and-windows-10-2016-ltsb-end-of-support/4496136
[3] https://www.heise.de/news/Microsoft-gibt-Tipps-fuer-erweiterten-Support-fuer-kommerzielles-Windows-10-11057081.html
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:dmk@heise.de

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  • 24. Februar 2026 um 11:23

40 Sicherheitslücken in ImageMagick geschlossen

Von Heise
Ein Finger drückt einen symbolischen Updateknopf.

(Bild: Photon photo/Shutterstock.com)

Die Bildbearbeitungssoftware ImageMagick ist an mehreren Stellen verwundbar. Sicherheitspatches stehen zur Installation bereit.

Angreifer können insgesamt an 40 Schwachstellen in ImageMagick ansetzen, um Computer zu attackieren. Nach erfolgreichen Angriffen kommt es in erster Linie zu DoS-Zuständen und somit zu Abstürzen. Bislang gibt es seitens des Softwareherstellers keine Hinweise auf laufende Attacken. Admins sollten mit dem Patchen aber nicht zu lange zögern.

Verschiedene Gefahren

Mit der freien Bildbearbeitungssoftware erstellt und bearbeitet man Raster- und Vektorgrafiken. Im Sicherheitsbereich der GitHub-Website des Projekts [1] sind weiterführende Informationen zu den in den Ausgaben 6.9.13-40 und 7.1.2-15 geschlossenen Lücken aufgeführt. Von den 40 gelösten Sicherheitsproblemen sind acht mit dem Bedrohungsgrad „hoch“ eingestuft.

So kommt es etwa bei der Verarbeitung von SVG-Dateien zu Fehlern und es werden rund 674 GB Speicher beansprucht, was zu Abstürzen führt (CVE-2026-25985). Die Verarbeitung von PSD-Dateien mit einem ZIP-Compressed-Layer führt ebenfalls zu Abstürzen (CVE-2026-24481). Im Kontext von Speicherfehlern kommt es oft nicht nur zu DoS-Zuständen, sondern es kann auch Schadcode auf Systeme gelangen.

Wie solche Attacken im Detail ablaufen könnten, ist bislang unklar. Die knappen Beschreibungen der Schwachstellen lassen aber darauf schließen, dass Opfer eine von einem Angreifer präparierte Datei öffnen müssen, um eine Attacke einzuleiten. Im Kontext von Webanwendungen liegt es nahe, dass der Upload einer präparierten Datei Schaden anrichten kann.

Weitere mögliche Attacken

Der Großteil der verbleibenden Softwareschwachstellen ist mit dem Bedrohungsgrad „mittel“ versehen. In diesen Fällen können Angreifer unter anderem ebenfalls Speicherfehler auslösen oder die CPU zu 100 Prozent auslasten (CVE-2026-26283 „mittel“). Außerdem kann es zu Memoryleaks kommen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11186935

Links in diesem Artikel:
[1] https://github.com/ImageMagick/ImageMagick/security?page=1
[2] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[3] mailto:des@heise.de

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  • 24. Februar 2026 um 10:39

Ladybird-Browser integriert Rust mit Hilfe von KI

Von Heise
Globus mit Netzwerkverbindungen, gelber Hintergrund

(Bild: heise medien)

Das unabhängige Browser-Projekt Ladybird hat seine JavaScript-Engine LibJS von C++ nach Rust portiert. KI-Werkzeuge beschleunigten die Übersetzung erheblich.

Das freie Browser-Projekt Ladybird hat einen wichtigen Schritt in Richtung Speichersicherheit vollzogen: Die Entwickler haben zentrale Komponenten ihrer JavaScript-Engine LibJS von C++ nach Rust portiert. Der Port umfasst rund 25.000 Zeilen Code und wurde mit Unterstützung von KI-Werkzeugen innerhalb von zwei Wochen umgesetzt.

Konkret wurden der Lexer, Parser, Abstract Syntax Tree (AST) und der Bytecode-Generator von LibJS übersetzt. Diese Komponenten eigneten sich laut Hauptentwickler Andreas Kling [1] besonders gut für den ersten Port, da sie relativ selbstständig arbeiten und sich durch die test262-Suite umfangreich testen lassen. Alle 52.898 Tests der test262-Suite sowie 12.461 Ladybird-spezifische Regressionstests verliefen ohne Probleme – die Rust- und C++-Implementierung erzeugen byte-identische Ausgaben.

KI beschleunigte Übersetzung erheblich

Für die Übersetzung setzte Kling auf die KI-Modelle Claude Code und Codex, betont jedoch, dass es sich um eine Arbeit unter menschlicher Aufsicht (human-directed) handelte. Er steuerte den Prozess durch hunderte kleine Prompts und entschied selbst, welche Teile in welcher Reihenfolge portiert werden sollten. Nach der initialen Übersetzung führte er mehrere „adversarial“ Reviews durch, bei denen verschiedene KI-Modelle den Code auf Fehler und schlechte Muster prüften. Was manuell mehrere Monate gedauert hätte, war so in zwei Wochen erledigt.

Der resultierende Rust-Code trägt bewusst den Stil „translated from C++“, ist also nicht idiomatisches Rust. Diese Entscheidung fiel zugunsten der Kompatibilität mit der C++-Pipeline. Erst wenn die C++-Implementierung vollständig abgelöst wird, will das Projekt den Code in idiomatisches Rust überführen.

Kehrtwende nach Ablehnung 2024

Die Entscheidung für Rust ist bemerkenswert, da Ladybird die Sprache 2024 noch abgelehnt hatte. Damals argumentierten die Entwickler, Rusts Ownership-Modell passe nicht gut zum objektorientierten Stil der Web-Plattform mit ihren tiefen Vererbungshierarchien und Garbage Collection. Als Alternative wurde Swift evaluiert, scheiterte jedoch an unzureichender C++-Interoperabilität und limitiertem Plattform-Support außerhalb des Apple-Ökosystems.

Nach einem Jahr Stillstand entschied sich Kling nun pragmatisch für Rust. Als Gründe nennt er das reifere Ökosystem für die Systemprogrammierung, die verbreiteten Rust-Kenntnisse in der Contributor-Community und die Tatsache, dass auch Firefox [2] und Chromium [3] bereits Rust integrieren. Vor allem aber bietet Rust Speichersicherheitsgarantien, die C++ fehlen – ein kritischer Faktor für Browser-Engines, die häufige Angriffsziele sind.

C++ bleibt Hauptsprache

Einen vollständigen Ausstieg aus C++ plant Ladybird nicht. Die Sprache bleibt laut Kling die Hauptentwicklungssprache des Projekts. Der Rust-Port sei ein „Sidetrack, der lange läuft“. Neuer Rust-Code koexistiert mit bestehendem C++ über definierte Interop-Grenzen. Das Core-Team steuert bewusst, welche Komponenten wann portiert werden.

Ladybird entwickelt eine vollständig unabhängige Browser-Engine als Alternative zu den etablierten Engines Gecko (Firefox), Blink (Chromium) und WebKit (Safari). Noch befindet sich das Open-Source-Projekt in einer frühen Phase, eine erste Alpha-Version für Linux und macOS soll 2026 erscheinen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11187029

Links in diesem Artikel:
[1] https://ladybird.org/posts/adopting-rust/
[2] https://www.heise.de/news/Programmiersprache-Webbrowser-Firefox-48-enthaelt-ersten-Rust-Code-3265382.html
[3] https://www.heise.de/news/Open-Source-Browser-Google-oeffnet-Chromium-fuer-Rust-7458091.html
[4] https://www.heise.de/ix
[5] mailto:fo@heise.de

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  • 24. Februar 2026 um 11:11

MedConf 2026: Das Programm der Medizintechnik-Konferenz steht

Von Heise

Die MedConf by heise ist die wichtigste deutschsprachige Konferenz zur Entwicklung von Medizintechnik. Der Branchentreff findet im Mai in München statt.

Vom 19. bis 21. Mai 2026 findet in München-Unterhaching die MedConf [1] statt, die etablierteste Networking-Plattform für Software- und Geräteentwicklung in der Medizintechnik. Die Veranstaltung von heise medien richtet sich an Fachexperten aus Forschung und Entwicklung, Qualitätsmanagement, Produktentwicklung und Regulatory Affairs. Rund 250 Teilnehmer nutzen die Konferenz jährlich, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen und praxisnahe Lösungen für die Herausforderungen der Branche zu finden.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat sich die MedConf als zentrale Technologie-Drehscheibe der deutschsprachigen Medizintechnik-Branche etabliert. Die Konferenz adressiert das Spannungsfeld zwischen regulatorischen Anforderungen und agiler, effizienter Produktentwicklung. Das Themenspektrum wurde über die Jahre kontinuierlich erweitert und umfasst heute neben klassischen Themen wie Safety, Security und Usability auch KI in der Medizintechnik, Gerätevernetzung und Medical Apps.

Know-how von Spezialisten

Eine Besonderheit der MedConf sind die 100-minütigen Intensiv-Coachings in kleinen Gruppen mit handverlesenen Experten. Das Motto „Von KÖNNERN und nicht nur von Kennern“ verdeutlicht den praktischen Ansatz der Veranstaltung. Teilnehmer erhalten Zertifikate für die absolvierten Coachings. Neben den Vorträgen und Coachings bietet die MedConf eine Partnerausstellung mit Branchenunternehmen.

Das Programm der MedConf 2026 [2] adressiert zentrale Probleme der Branche. An drei Tagen mit vier parallelen Tracks geht es um Usability in der Medizintechnik, Geräte-Entwicklung, Software-Engineering, KI in der Medizintechnik. Safety und Security, Normen und Richtlinien sowie Agilität. So befasst sich ein Vortrag von Constantin Hoya und Michael Kitzelmann mit agilen Frameworks in regulierten Umfeldern. Dabei geht es um die Frage, warum agile Methoden in MedTech-Organisationen oft nicht zu besseren Entscheidungen führen. Als Kernprobleme identifizieren die Referenten fehlendes Mandat für Product Owner, Teams ohne Risiko- oder Produkthoheit sowie Quality und Compliance als Kontrolle statt als Lernsystem.

Worst Practices und Compliance by Design

Bernd Schleimer und Joachim Pfeffer präsentieren in unterhaltsamer Form Worst Practices der MedTech-Produktentwicklung. Das Format orientiert sich an „Fuckup-Nights“ aus der Start-Up-Szene und richtet sich speziell an Produkt Manager und Clinical-/Regulatory Affairs Spezialisten. Der Vortrag schließt mit der Vorstellung von „Compliance by Design“ als Leading Practice. Eine Vertiefung erfolgt in einem Praxis-Workshop mit TÜV-Rheinland-Build-in-Compliance-Modulen.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen steht im Fokus eines Vortrags von Susanne Bublitz. Sie zeigt Praxischallenges auf, darunter Medienbrüche, doppelte Dokumentation und semantische Inkonsistenzen zwischen Praxisverwaltungssystemen, Krankenhausinformationssystemen und der elektronischen Patientenakte. Als zentrale Spannungsfelder identifiziert sie HL7v2-Bestandskommunikation versus FHIR-basierte Zielarchitekturen sowie die Integration von KI-Assistenzsystemen mit offenen Verantwortungsfragen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11182349

Links in diesem Artikel:
[1] https://medconf.de/?wt_mc=intern.conf.conf.konf_medconf.ticker-4.link.link
[2] https://medconf.de/programm#agenda/?wt_mc=intern.conf.conf.konf_medconf.ticker-4.link.link
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:odi@ix.de

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  • 24. Februar 2026 um 10:00

Asynchrone Programmierung – Teil 3: Parallelität in C++ mit Qt6

Von Heise
Reihe von Silos

(Bild: Scott Prokop / Shutterstock.com)

Qt6 ist ein weit verbreitetes kommerzielles Framework für C++ mit eigenständigen Mechanismen zur asynchronen Ablaufsteuerung.

Das Qt6-Framework ist insbesondere wegen seiner mächtigen Werkzeuge zur Erstellung von Bedienoberflächen für eingebettete Geräte mit C++ weit verbreitet. Doch die Einsatzzwecke gehen über Embedded hinaus.

Dieser Artikel ist der dritte Teil aus der Serie „Asynchrone Programmierung“, die Mechanismen und Frameworks für die effiziente und nachhaltige Entwicklung von nichtlinearen Programmabläufen in verschiedenen Sprachen vorstellt. Asynchrone Programme benutzen keine fehleranfälligen und schwer zu debuggenden Thread-Mechanismen wie Locks und Semaphoren, sie verschwenden folglich keine Ressourcen durch Blockieren von Threads und sie skalieren nativ mit den zur Verfügung stehenden Prozessorkernen.

Im Gegensatz zu den bereits vorgestellten Mechanismen der Boost::Asio-Bibliothek [5], die de facto den C++ Standard darstellen und daher möglichst nativ in C++ eingebettet sind, bietet Qt aus seiner Historie heraus ein Event-System: den Qt-eigenen Signal-Slot-Mechanismus, QThreadPool und – etwas neuer – QFuture und QPromise.

Auf aktuellen Debian- und Ubuntu-Linuxen kann man Qt6 über die bekannte Paketverwaltung APT installieren:

sudo apt install qt6-base-dev

Dies installiert derzeit die Version 6.8.2. Möchte man die neueste Version (aktuell 6.10.2) verwenden oder arbeitet man mit einem anderen System, benötigt man für den Download einen Benutzeraccount bei der Qt Group, dem Unternehmen, das Qt entwickelt. Qt ist in verschiedene Module aufgeteilt. Die Beispiele in diesem Artikel benötigen QtCore, das in jedem Qt-Projekt erforderlich ist und Grundfunktionen liefert, sowie QtConcurrent für Nebenläufigkeit.

Die Programme lassen sich mit dem Tool qmake des Herstellers oder mit dem CMake-Paket von Qt6 bauen. Das folgende Listing zeigt eine typische Konfiguration in CMakeLists.txt für ein Qt6-Projekt ohne Bedienoberfläche.

cmake_minimum_required(VERSION 3.18)
project(MyQt6ConsoleApp VERSION 1.0 LANGUAGES CXX)

set(CMAKE_CXX_STANDARD 20)
set(CMAKE_CXX_STANDARD_REQUIRED ON)
set(CMAKE_EXPORT_COMPILE_COMMANDS ON)

find_package(Qt6 REQUIRED COMPONENTS Core Concurrent)

qt_standard_project_setup()

qt_add_executable(MyQt6ConsoleApp
    src/main.cpp
)
target_link_libraries(MyQt6ConsoleApp PRIVATE Qt6::Core Qt6::Concurrent)

install(TARGETS MyQt6ConsoleApp
    RUNTIME DESTINATION bin

Listing 1: Ein typisches Beispiel für CMakeLists.txt für eine Konsolenanwendung mit Qt6

Events und die Event Loop von Qt

Die Hauptfunktion jeder Qt-Anwendung folgt dem gleichen Muster: Entwicklerinnen und Entwickler erzeugen eine Instanz der Hauptklasse, hier QCoreApplication, und rufen vor dem Beenden der Funktion die Methode exec() dieser Instanz auf, um die Event Loop von Qt zu starten.

Event Loops stellen die Mechanismen und die API für die asynchrone Entwicklung bereit und orchestrieren den Programmablauf. Die Event Loop von Qt nimmt auch Ereignisse vom Betriebssystem entgegen und leitet diese weiter. Das Grundgerüst einer Qt6-Anwendung mit Starten der Event Loop sieht folgendermaßen aus:

#include <QCoreApplication>

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);
    // ...
    return app.exec();

Listing 2: Grundgerüst einer Qt6-Anwendung, die eine Qt Event Loop startet.

Die Methode exec() springt erst beim Aufruf von QCoreApplication::quit() zurück. In diesem einfachen Beispiel wird das Programm also niemals von sich aus enden, der Hauptthread der Applikation wird für die Event Loop verwendet. Grafische Anwendungen verwenden statt QCoreApplication eine der Ableitungen dieser Klasse: QAndroidService oder QGuiApplication. Um auf Events reagieren zu können, muss die entsprechende Klasse von der Klasse QObject erben und die Methode event() oder customEvent() überschreiben. Alle Events stammen von der Klasse QEvent ab. Es gibt im Qt Framework eine Reihe von definierten Event-Klassen, zum Beispiel QEvent:Timer, QEvent:SockAct und QEvent:Quit. Entwickler können auch eigene Event-Typen erzeugen, indem sie eine von QEvent abgeleitete Klasse anlegen.

Mit der statischen Methode postEvent() der Klasse QCoreApplication werden konkrete Events an die Event Loop übergeben, wie folgendes Listing zeigt.

#include <QCoreApplication>

const QEvent::Type MyEventType = QEvent::Type(QEvent::User + 1);

class MyEvent : public QEvent
{
public:
    MyEvent(const QString& msg) : QEvent(MyEventType), message(msg) {}
    QString message;
};

class MyReceiver : public QObject
{
    Q_OBJECT
protected:
    void customEvent(QEvent* ev) override
    {
        if (ev->type() == MyEventType)
        {
            MyEvent* myEvent = static_cast<MyEvent*>(ev);
            qDebug() << myEvent->message;
            QCoreApplication::quit();
        }
    }
};

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);

    MyReceiver receiver;
    QCoreApplication::postEvent(&receiver, new MyEvent("Kind of async
  hello world!"));

    return app.exec();

Listing 3: Beispiele für asynchrone Ausführung mit einem eigenen Event-Typen.

Die Methode postEvent() reiht das Ereignis in die Warteschlange ein und springt sofort zurück. Bisher gibt es allerdings nur einen Thread: den Haupt-Thread. Das bedeutet, dass das Programm blockiert, sobald innerhalb der Ereignisverarbeitung Code läuft, der selbst blockiert. Auch ein lang andauerndes Event verzögert den gesamten Programmablauf, was zu einem für Anwenderinnen und Anwender wahrnehmbaren Einfrieren des Programms führt.

Daher hat sich in Qt bewährt, explizit einen oder mehrere Arbeiter-Threads („Worker Threads“) zu erzeugen. Dazu legt man eine neue Instanz der Klasse QThread an. Ein Aufruf der Methode QThread::start() führt innerhalb des QThread eine separate Event Loop aus.

In Qt gilt der Grundsatz der Thread-Zugehörigkeit („Thread Affinity“): Jedes QObject ist einem QThread zugeordnet, initial demjenigen, in dem es erstellt wurde. Die Event-Verarbeitung erfolgt immer in dem Thread, der dem QObject zugeordnet ist. Der Thread lässt sich mit der Methode QObject::moveToThread() jedoch wechseln.

Auf diese Weise verlaufen Aufgaben parallel, wie folgendes Listing exemplarisch zeigt.

// MyReceiver und MyEvent analog zu Listing 3

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);
    qDebug() << QThread::currentThreadId();

    MyReceiver receiver;
    QThread qThread;
    qThread.start();
    receiver.moveToThread(&qThread);

    QCoreApplication::postEvent(&receiver, new MyEvent(QString("Kind of async hello world from 2nd thread")));

    return app.exec();
}

Listing 4: Erstellen und Verwenden eines QThread mit eigener Event-Loop.

Die Methode postEvent() springt sofort zurück und der Code setzt keine komplizierten und fehleranfälligen Mechanismen wie Locks oder Semaphore ein, die Erstellung und Zuordnung einzelner Threads sind aber explizit. Dieses Beispiel skaliert also nicht automatisch mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, so wie es bei einem Threadpool der Fall ist. Die folgende Abbildung fasst die grundlegenden Klassen einer Qt-Anwendung in einem UML-Klassendiagramm zusammen.

Diagramm Qt-Klassen
Diagramm Qt-Klassen

UML-Klassendiagramm der grundlegenden Qt-Klassen

Das Signal-Slot-Prinzip

Der bisher vorgestellte Events-Mechanismus mit der Thread-Zugehörigkeit von QObject ist Grundlage jeder Qt-Anwendung. In der Praxis kommt man jedoch selten direkt damit in Berührung, da in Qt auch das Signal-Slot-Prinzip existiert, das sich am Entwurfsmuster Multiple Producer/Multiple Consumer (MPMC) orientiert. Die Signale sind Produzenten und die Slots Konsumenten. Dadurch ist die Entstehung von Signalen und Daten entkoppelt von deren Verarbeitung.

Eine Klasse, die dieses Muster nutzen soll, muss sich direkt oder indirekt von QObject ableiten und das Q_OBJECT-Makro einbinden. Mit diesem lassen sich Slots und Signals definieren. Das Makro emit dient zum Auslösen eines Signals. Das nächste Listing zeigt ein einfaches Beispiel für eine von QObject erbende Klasse mit Signalen und Slots sowie dem Makro emit. Dabei ist zu beachten, dass die Signale keine Implementierung erfordern und der Compiler sie automatisch erzeugt.

class MyQObj : public QObject
{
    Q_OBJECT
public:
    explicit MyQObj(char id, QObject* parent = nullptr) : QObject(parent), m_id(id) {}

public slots:
    void setValue(int i);

signals:
    void valueChanged(int i);

private:
    char m_id;
};

void MyQObj::setValue(int i)
{
    qDebug() << QThread::currentThreadId() << ": " << m_id << " received: " << i;
    emit valueChanged(i + 1);
}

Listing 5: Ein einfaches Beispiel für eine von QObject abgeleitete Klasse mit Signals und Slots.

Die Funktion QObject::connect() verbindet Signale und Slots. Dabei gibt es vier verschiedene Verbindungsarten:

  • Qt::DirectConnection läuft synchron sofort in dem Thread, in dem das Signal mit emit auslöst. Es gibt keinen Unterschied zu einem normalen Funktionsaufruf: Die emittierte Signal-Funktion springt erst zurück, wenn alle Slots synchron im gleichen Thread fertig sind.
  • Qt::QueuedConnection wird als QEvent in der Event Loop des Empfängers – das QObject, dessen Slot aufgerufen wird – angelegt und dort verarbeitet, sobald sie an der Reihe ist. Mit dem Aussenden des Signals mit emit springt sie sofort zurück.
  • Qt::BlockingQueuedConnection blockiert mit emit des aussendenden Thread, bis der Slot des Empfängers in dessen Thread aufgerufen wurde. Damit geht jedoch auch das asynchrone Verhalten verloren.
  • Qt::Autoconnection wählt beim Aufruf von connect() automatisch entweder eine Qt::DirectConnection – falls Sender und Empfänger zum gleichen Thread gehören – oder eine Qt::QueuedConnection bei verschiedenen Threads. Letzteres ist der Standardwert.

Entwickler haben auch die Möglichkeit, ein Callable als Slot zu verwenden. Hier können sie ein bestimmtes Empfängerobjekt angeben und dadurch die Verarbeitung des Slots, also des Callables, in die EventQueue dieses Empfängerobjekts verschieben.

Auch die Klassen der Qt-Klassenbibliothek bieten Signale und Slots an, beispielsweise QTimer. Mit der statischen Komfortfunktion QTimer::singleShot lässt sich ein Signal eines Timers (im folgenden Beispiel 200 Millisekunden) an den quit-Slot der QCoreApplication binden. Das löst eine Beendigung des Programms nach 200 Millisekunden aus. Schließlich verbindet das Beispiel noch das Signal aboutToQuit der Applikationsinstanz mit einem Lambda-Ausdruck, um den QThread ebenfalls korrekt zu beenden und wieder mit dem Haupt-Thread zu vereinigen.

// Klasse myObject wie in Listing 5

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);
    qDebug() << QThread::currentThreadId();

    MyQObj o1('1'), o2('2');
    QThread thread1;
    o2.moveToThread(&thread1);
    thread1.start();


    QObject::connect(&o1, &MyQObj::valueChanged, &o2, &MyQObj::setValue, Qt::QueuedConnection);
    QObject::connect(&app, &QCoreApplication::aboutToQuit, [&thread1]()
    {
        qDebug() << QThread::currentThreadId() << "quit thread";
        thread1.quit();
        thread1.wait();
    });

    QTimer::singleShot(200, &app, &QCoreApplication::quit);

    o1.setValue(1);

    return app.exec();
}

Listing 6: Einfache Beispiele für die Verbindung von Signalen mit Slots.

QThreadPool

Bereits seit Qt 4.0 (2005) ist der QThreadPool Bestandteil des Qt Core Module und dient zur asynchronen Ausführung einzelner Funktionen. Ein globaler QThreadPool steht in jeder Qt-Anwendung über die statische Methode QThreadPool::globalInstance() zur Verfügung. Die Klasse erbt von QObject und kann auch mit new instanziiert werden.

Der klassische Weg zur Verwendung des ThreadPool liegt in der Implementierung des Interface QRunnable und dessen Methode run(). Dann führt man eine Instanz von QRunnable mit QThreadPool::start() auf dem ThreadPool aus.

class MyRunnable : public QRunnable
{
public:
    void run() override
    {
        // ... run impl
    }
// ...
};
//...
MyRunnable* runnable = new MyRunnable(i);
QThreadPool::globalInstance()->start(runnable);

Listing 7: Verwendung des QThreadPool durch Vererbung.

Die zweite Möglichkeit ist es, direkt ein Callable an QThreadPool::start() zu übergeben und durch den ThreadPool ausführen zu lassen.

QThreadPool::globalInstance()->start([]()
{
    // ...
});

Listing 8: Verwendung des QThreadPool durch ein Callable (hier als Lambda).

In beiden Fällen springt start() sofort zurück, die Ausführung erfolgt durch einen unbekannten Thread zu einem unbekannten Zeitpunkt. Beide Fälle haben aber den Nachteil, dass man keine Parameter an run() übergeben kann und – noch schwerwiegender – der Rückgabetyp immer void ist. Es gibt also keine nativen Mechanismen innerhalb von Qt Core, die eine Anbindung an die Mechanismen von Event Loop oder Signal Slot herstellen. Dies müssen Developer selbst erledigen.

Dazu erzeugt man eine QObject-Klasse wie RunHandler in Listing 9, die ein Signal anbietet. Diese Klasse liegt im Haupt-Thread der Anwendung und bildet eine Brücke zwischen den Threads im ThreadPool und den restlichen Komponenten. Wie Listing 9 zeigt, übergibt man MyRunnable als einen Zeiger auf die Instanz von RunHandler. Außerdem verbindet der Code einen Lambda-Slot mit dem finished-Signal des RunHandler. Wichtig ist hier, dass die Verbindung als Qt::QueuedConnection besteht. Dadurch wird der Slot auf dem Haupt-Thread in die Event Loop eingereiht, was Race Conditions verhindert.

class RunHandler : public QObject
{
    Q_OBJECT
public:
    explicit RunHandler() {}

signals:
    void finished(int i);
};

class MyRunnable : public QRunnable
{
public:
    explicit MyRunnable(RunHandler* runHandler, int i) :runHandler(runHandler), i(i) {}

public:
    void run() override
    {
        qInfo() << QDateTime::currentDateTime().toString(Qt::ISODateWithMs) << QThread::currentThreadId() << "run" << i;
        QThread::sleep(i);
        emit runHandler->finished(i);
    }
private:
    RunHandler* runHandler;
    int i;
};

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);

    const int n = 20;
    RunHandler runHandler;

    int resultCount = 0;
    auto f = [&app, &resultCount](int value)
    {
        qInfo() << QDateTime::currentDateTime().toString(Qt::ISODateWithMs) << QThread::currentThreadId() << "finished" << value;
        if (++resultCount == n)
        {
            app.quit();
        }
    };
    QObject::connect(&runHandler, &RunHandler::finished, &runHandler, f, Qt::QueuedConnection);

    for (int i = 0; i < n; i++)
    {
        MyRunnable* runnable = new MyRunnable(&runHandler, i);
        QThreadPool::globalInstance()->start(runnable);
    }

    return app.exec();
}

Listing 9: Verwendung eines QThreadPool mit Anbindung an den Signal-Slot-Mechanismus via QRunnable und RunHandler.

Im modernen C++ würde man auf die MyRunnable-Klasse verzichten und direkt ein Lambda verwenden. Daher eignet sich QRunnable nur, wenn die Komplexität der Implementierung eine eigene Klasse erfordert. Listing 10 zeigt die Implementierung ohne MyRunnable.

// RunHandler wie in Listing 9

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);

    const int n = 20;
    RunHandler runHandler;

    auto r = [&runHandler](int i)
    {
        qInfo() << QDateTime::currentDateTime().toString(Qt::ISODateWithMs) << QThread::currentThreadId() << "run" << i;
        QThread::sleep(i);
        emit runHandler.finished(i);
    };

    int resultCount = 0;
    auto f = [&app, &resultCount](int value)
    {
        qInfo() << QDateTime::currentDateTime().toString(Qt::ISODateWithMs) << QThread::currentThreadId() << "finished" << value;
        if (++resultCount == n)
        {
            app.quit();
        }
    };
    QObject::connect(&runHandler, &RunHandler::finished, &runHandler, f, Qt::QueuedConnection);

    for (int i = 0; i < n; i++)
    {
        QThreadPool::globalInstance()->start([i, &r]() { r(i); });
    }

    return app.exec();
}

Listing 10: Verwendung eines QThreadPool mit Anbindung an den Signal-Slot-Mechanismus via Lambda und RunHandler.

Fazit

Qt bietet pragmatische und seit vielen Jahren bewährte Mechanismen zur asynchronen Entwicklung. Kompliziertes und fehleranfälliges Hantieren mit Thread-Mechanismen wie Mutexen und Semaphoren ist nicht erforderlich, das Blockieren von Programmen kann mit einfachen Mitteln vermieden werden. Mithilfe von QThreadPool skalieren Programme auch automatisch mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Der nächste Teil der Serie stellt ein etwas neueres Qt-Konstrukt zur asynchronen Entwicklung vor: die Kombination von QFuture und QPromise. Ein Ausblick zeigt schließlich anhand der offenen Bibliothek QCoro, wie die Unterstützung von Koroutinen in Qt aussehen könnte.


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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-1-C-komfortabel-mit-Boost-Asio-10748185.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-2-Koroutinen-in-C-mit-Boost-Asio-11081682.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-3-Parallelitaet-in-C-mit-Qt6-11186888.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Softwareentwicklung-Echte-Parallelitaet-mit-Python-3-13-10476649.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-1-C-komfortabel-mit-Boost-Asio-10748185.html
[6] mailto:who@heise.de

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  • 24. Februar 2026 um 09:50

heise+ | Ionos Nextcloud Workspace: Microsoft-365-Alternative im Test

Von Heise

Kann ein gehostetes Nextcloud eine Alternative zu Microsoft 365 sein? Der Webhoster Ionos hat ein Online-Office geschnürt, das dieses Versprechen einlösen soll.

Viele Unternehmen, Behörden, aber auch Privatleute suchen derzeit Wege, sich aus den Klauen von Microsoft zu befreien. Der Konzern beherrscht mit Microsoft 365 den Markt für Office-, Mail- und Kollaborations-Tools, sitzt aber in den USA und steht im Ruf, den Umgang mit EU-Datenschutz nicht allzu genau zu nehmen. Die politisch unsichere Situation in Kombination mit der „Killswitch“-Debatte befeuert den Wunsch nach mehr Software-Souveränität zusätzlich.

Da könnte ein Paket, das der Webhoster Ionos zusammen mit dem Open-Source-Projekt Nextcloud geschnürt hat, gerade recht kommen: Man verspricht eine europäische Alternative zu Angeboten wie Microsoft 365, die höchste Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und digitale Souveränität erfülle. Zentrale Tools im Teamwork-Paket sind Office-Programme, E-Mail, Kalender, Chat, Videokonferenzen und ein KI-Assistent. Sämtliche Komponenten des Pakets hostet Ionos nach eigenen Angaben in Deutschland. Das Angebot richtet sich nicht nur an Privatleute und kleine Unternehmen, sondern ausdrücklich auch an öffentliche Einrichtungen, mittelständische Unternehmen sowie Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und digitale Souveränität.

Wer sein Produkt als Microsoft-365-Alternative präsentiert, muss sich daran messen lassen. Wir haben für unseren Test ein Fünf-Anwender-Paket des Nextcloud Workspaces geordert und intensiv getestet. Zum großen Teil haben wir das aus der Perspektive von Nutzern getan, die erwägen, von Microsoft loszukommen und dafür durchaus Umgewöhnung und Funktionseinschnitte in Kauf zu nehmen bereit sind. Ob Ionos seine markigen Versprechen einlöst, erfahren Sie im Folgenden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11116815

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Ionos-Nextcloud-Workspace-Microsoft-365-Alternative-im-Test-11116815.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/Die-Erfahrungen-von-Behoerden-und-Unternehmen-mit-freien-MS-Office-Alternativen-11069385.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Interview-Warum-Deutschlands-groesste-Behoerde-ihre-Abhaengigkeit-von-MS-reduziert-11072445.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Was-sich-2026-im-europaeischen-und-deutschen-IT-Recht-aendert-11106039.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Microsoft-Cloud-vs-Delos-vs-openDesk-Die-Office-Plaene-der-Bundeslaender-11074188.html

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  • 24. Februar 2026 um 08:00

Pyrimidon: Das Molekül, das Solarenergie über Jahre speichert

Von Matthias Lindner
Ultra-realistische Nahaufnahme der Sonne mit feurigen Sonneneruptionen, Prominenzen und leuchtender Korona

(Bild: Mr.alien001 / Shutterstock.com)

Ein chemischer Trick macht möglich, was Solarthermieanlagen bisher nicht können: Wärme verlustfrei über Jahre konservieren.

Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, kennt das Dilemma: Mittags produzieren sie, als der Haushalt verbraucht. Abends, wenn die Familie kocht, duscht und heizt, liefern sie nichts mehr. Ohne Speicher oder einen Anschluss an das öffentliche Netz lässt sich daran nichts ändern.

Wer in erster Linie auf Solarthermie setzt, für den ist es nicht einfach, die Wärme auf längere Zeit zu speichern. Für dieses Problem haben Forscher aus Kalifornien jetzt eine Lösung gefunden: Pyrimidon, ein modifiziertes organisches Molekül.

Die Chemikerin Grace Han und ihre Kollegen an der University of California Santa Barbara stellten es in der Fachzeitschrift [1] Science vor. Mit ihm lässt sich Sonnenlicht direkt in seiner chemischen Bindung festhalten.

Und die Energie bleibt dort gespeichert – bei Bedarf über Jahre. Erst ein gezielter Impuls setzt sie als nutzbare Wärme frei.

Eine molekulare Feder, die Licht einfängt

Das Funktionsprinzip lässt sich mit einem Alltagsgegenstand erklären. Han Nguyen, Hauptautor der Studie, zieht den Vergleich [2] zu selbsttönenden Brillengläsern: Drinnen bleiben sie klar, draußen in der Sonne verdunkeln sie sich – und kehren beim Hineingehen von allein in den Ausgangszustand zurück.

Genau diese Umkehrbarkeit macht sich das Team zunutze, allerdings nicht für einen Farbwechsel, sondern zum Speichern von Energie.

Pyrimidon verhält sich dabei wie eine winzige Feder: Trifft Licht darauf, verdreht es sich in eine gespannte Form und hält diese stabil. Erst wenn ein Auslöser – etwa ein Katalysator oder ein kleiner Wärmeimpuls – hinzukommt, schnappt es zurück und gibt die gesammelte Energie als Wärme ab.

Die Idee für diesen Mechanismus fanden die Forscher in der Natur: Bestimmte Bausteine der menschlichen DNA verändern unter UV-Strahlung ihre Struktur auf ganz ähnliche Weise.

Gemeinsam mit dem Computerchemiker Ken Houk von der UCLA baute das Team eine synthetische, für die Energiespeicherung optimierte Variante dieses biologischen Vorbilds.

Mehr Energie pro Gramm als ein Lithium-Ionen-Akku

Die Speicherfähigkeit des Moleküls übertrifft gängige Batterietechnik deutlich. Mit einer Energiedichte von über 1,6 Megajoule pro Kilogramm fasst es rund doppelt so viel wie ein handelsüblicher Lithium-Ionen-Akku, der auf etwa 0,9 Megajoule kommt.

Noch bemerkenswerter: Die Energie bleibt bis zu drei Jahre lang erhalten [3], ohne sich zu verflüchtigen – ganz anders als heißes Wasser in einem Speichertank, das stetig Wärme an die Umgebung verliert.

Wie viel Hitze tatsächlich freigesetzt werden kann, demonstrierte das Team in einem Laborversuch: 107 Milligramm des aufgeladenen Materials in einem halben Milliliter Wasser brachten die Flüssigkeit nach Zugabe von Salzsäure als Auslöser innerhalb einer halben Sekunde zum Kochen.

Flüssige Wärmebatterie für Dach und Keller

Im Unterschied zu herkömmlichen Solarsystemen liefert diese Technik keinen Strom, sondern gezielt Wärme. Da sich das Pyrimidon in Wasser löst, könnte es als Flüssigkeit durch Kollektoren auf dem Hausdach zirkulieren, sich dort tagsüber aufladen und anschließend in einem Tank ruhen.

Nachts oder bei Bedarf würde ein Katalysator die gespeicherte Wärme abrufen – für Heizung, Warmwasser oder andere thermische Zwecke. Nach der Energieabgabe lässt sich das Molekül mit Sonnenlicht erneut laden und immer wieder verwenden, ohne sich dabei zu verbrauchen.

Vom Labor in den Alltag ist es noch ein weiter Weg

So vielversprechend die Ergebnisse klingen, einige Hürden trennen das Molekül noch vom Einsatz in Wohnhäusern. Der Oxforder Chemiker Matthew Fuchter weist darauf hin, dass das Material bislang UV-Licht einer bestimmten Wellenlänge benötigt und vergleichsweise lange Ladezeiten hat.

Für den Praxiseinsatz müsse es so weiterentwickelt werden, dass das gesamte Spektrum des Sonnenlichts zum schnellen Aufladen genügt. Auch die Frage der Skalierung steht offen: Bisher stellte das Team den Stoff nur in Gramm-Mengen her. Für einen Tank an einem Wohnhaus wären ganz andere Dimensionen nötig.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11186669

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.science.org/doi/10.1126/science.aec6413
[2] https://news.ucsb.edu/2026/022384/ucsb-scientists-bottle-sun-liquid-battery
[3] https://cen.acs.org/energy/solar-power/Engineered-molecule-stashes-enough-sunlight/104/web/2026/02

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  • 23. Februar 2026 um 18:41

Warum Indien seinen Nordosten unter die Erde verlegt

Von Uwe Kerkow
Landkarte Indien, Bangladesch, Nepal, Bhutan, China

(Bild: PredragLasica, shutterstock)

Ein schmaler Landstreifen ist Indiens Schwachstelle. Jetzt setzt Neu-Delhi auf eine radikale Lösung – 20 Meter unter der Erde.

Dieser Korridor, wegen seiner Form auch "Chicken's Neck" (Hühnerhals) genannt, ist ein schmaler Landstreifen von etwa 22 Kilometern Breite im Norden von Westbengalen bei Siliguri [1]. Er stellt die einzige Landverbindung zwischen dem indischen Subkontinent und den acht nordöstlichen Bundesstaaten dar.

Durch diesen "Hühnerhals" verlaufen Autobahnen, Eisenbahnlinien, Treibstoffleitungen und natürlich militärische Nachschubrouten.

Nun kündigte [2] der indische Eisenbahnminister Ashwini Vaishnaw an, dass entlang des strategischen Siliguri-Korridors auf einer Länge von rund 40 Kilometern unterirdische Gleise verlegt werden sollen. Die Strecke soll in einer Tiefe von 20 bis 24 Metern zwischen den Bahnhöfen Tin Mile Haat und Rangapani in Westbengalen verlaufen.

Eisenbahnen sind schnell

Eisenbahnen bleiben die schnellste Möglichkeit, große Mengen Fracht zu transportieren: Ein einziger Güterzug kann eine Ladung transportieren, die sonst auf 300 Lkw verteilt werden müsste. Das Siliguri-Projekt umfasst neben den beiden unterirdischen Strecken daher auch vier oberirdische Gleise, um die Verbindung zusätzlich zu stärken.

Diese neuen Projekte, soll insgesamt 574 Eisenbahnkilometer umfassen. Die Kosten dafür wurden im Bundeshaushalt 2026 mit 111,68 Milliarden Rupien veranschlagt [3]; umgerechnet nach aktuellem Kurs rund 1,03 Mrd. Euro. Eine der Trassen soll zum Flughafen Bagdogra bei Siliguri führen, dem die indische Armee entscheidende Bedeutung für die Luftverteidigung des Landes zumisst.

Der indische Verteidigungsexperte Sandeep Unnithan erklärte gegenüber India Today, dass eine unterirdische Eisenbahnstrecke vor Angriffen aus der Luft, durch Artillerie oder Drohnen besser geschützt sei. Im Konfliktfall würden die Tunnel den Transport von Truppen, Treibstoff und wichtigen zivilen Gütern gewährleisten.

Bangladesch im Süden ….

Doch woher rühren derartige sicherheitspolitische Ängste? Der Siliguri-Korridor liegt strategisch eingeklemmt: Im Süden grenzt Bangladesch an, und die Beziehungen zu dem muslimisch geprägten Nachbarn haben sich seit dem politischen Umsturz 2024 deutlich verschlechtert.

Hasnat Abdullah, ein Führer der neu gegründeten National Citizen Party in Bangladesch, verstieg sich [4] sogar zu Drohungen gegenüber neu Delhi: "Ich möchte Bharat sagen: Wenn ihr weiterhin diejenigen beschützt, die nicht an die Souveränität unseres Landes und die Menschenrechte glauben, werden wir die Separatisten Indiens beschützen und den Nordosten abtrennen."

Und selbst Mohammed Yunus, Wirtschaftsnobelpreisträger und Chefberater der Übergangsregierung in Bangladesch, hat kryptisch erklärt, dass die sieben Bundesstaaten im Osten Indiens eine Binnenregion seien. "Sie haben keinen Zugang zum Ozean. Wir sind die einzigen Wächter des Ozeans", sagte Yunus. Zu ernst sollte das Säbelrasseln in Dhaka allerdings nicht genommen werden, denn Indien ist mittlerweile die viertgrößte Ökonomie der Welt und Neu Delhi verfügt über Atomwaffen.

… China im Norden

Im Westen des Korridors liegt Nepal. Im Norden, zwischen dem indischen Bundessatt Sikkim und Bhutan liegt wie ein Keil der zu China gehörende Kreis Yadong [5]. Jede Unterbrechung des Korridors würde nicht nur den Nordosten isolieren, sondern auch Indiens militärische Position entlang der Grenze zu China in Sikkim und Arunachal Pradesh schwächen.

Peking beansprucht vier Fünftel dieses nordostindischen Bundesstaates als zu Südtibet gehörend für sich. China hat in den vergangenen Jahren denn auch ein umfangreiches Netz wetterfester Infrastruktur nahe Doklam und Arunachal Pradesh aufgebaut.

Drei neue Garnisonen

Zusätzlich zum geplanten Tunnel hat die indische Armee drei neue Garnisonen nahe der Grenze zu Bangladesch eingerichtet [6]. Die Lachit Borphukan Military Station entstand im Distrikt Dhubri in Assam, weitere Stützpunkte wurden in Kishanganj in Bihar und in Chopra in Westbengalen errichtet. Alle drei liegen nahe dem "Chicken's Neck".

Die neu in Betrieb genommenen Stationen sollen die Einsatzbereitschaft der Armee stärken und die Koordination mit der Border Security Force verbessern, die die Grenze zu Bangladesch bewacht.

Alte Flugplätze, neue Kampfjets

Indien hat zudem begonnen, ein Netz stillgelegter Flugplätze in Westbengalen, Assam und Tripura aus dem Zweiten Weltkrieg wiederzubeleben, um die regionale Konnektivität zu stärken und die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Und südlich von Kalkutta soll ein neuer Marinestützpunkt entstehen.

Im vergangenen Jahr testete Indien erfolgreich eine Mittelstreckenrakete vom Typ Agni Prime von einem schienengestützten mobilen Startsystem aus – ein Novum. Dies ermöglicht es, Raketen über das ausgedehnte Eisenbahnnetz des Landes zu transportieren und von überall aus abzufeuern.

BrahMos-Raketen und moderne Luftverteidigungssysteme ergänzen das indische Arsenal am Brahmaputra. Zudem hat Neu-Delhi mit Paris gerade einen Vertrag [7] im Umfang von umgerechnet fast 40 Mrd. US-Dollar geschlossen. Dafür soll Indien 114 Rafale-Kampfjets erhalten sowie 26 weitere, die für seine beiden Flugzeugträger umgerüstet sind.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11176665

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.google.com/maps/place/Shiliguri,+Westbengalen,+Indien/@26.7518995,88.581716,8z/data=!4m15!1m8!3m7!1s0x39e44114f5441dcd:0xdeb5c4702063edff!2sShiliguri,+Westbengalen,+Indien!3b1!8m2!3d26.7271012!4d88.3952861!16zL20vMDQ4c2J2!3m5!1s0x39e44114f5441dcd:0xdeb5c4702063edff!8m2!3d26.7271012!4d88.3952861!16zL20vMDQ4c2J2!5m1!1e4
[2] https://www.indiatoday.in/india/story/india-underground-railway-corridor-chickens-neck-northeast-china-bangladesh-2862826-2026-02-04
[3] https://indianexpress.com/article/business/cabinet-clears-key-rail-expansion-projects-10161879/
[4] https://www.thehindu.com/news/national/bangladeshs-threats-to-cut-ne-off-cannot-be-tolerated-assam-cm/article70403746.ece
[5] https://www.google.com/maps/place/Yadong,+Xigaz%C3%AA,+Tibet,+China/@27.3351157,89.2302412,8.71z/data=!4m6!3m5!1s0x39e1223bfcc253f5:0x352fb5fc60e57fa6!8m2!3d27.4859199!4d88.9070799!16zL20vMDgyM2Zf?hl=de&entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDIwOC4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D
[6] https://www.thehindu.com/news/national/assam/india-strengthens-eastern-defences-with-three-new-garrisons-near-siliguri-chickens-neck/article70287683.ece
[7] https://www.defensenews.com/global/asia-pacific/2026/02/13/india-clears-the-way-for-landmark-deal-to-acquire-french-rafale-jets/

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  • 23. Februar 2026 um 15:00

Die OAZ ist da – und der Westen dreht durch

Von Bernd Müller
Ausschnitt der ersten Ausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Die Kritik an der OAZ verrät mehr über die Kritiker als über die Zeitung. Es geht um Deutungshoheit, nicht um Inhalte. Ein Leitartikel.

Die erste Ausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung liegt am Kiosk. Wir haben das Projekt vorab eingeordnet [1] und eine faire Bewertung angekündigt. Die inhaltliche Besprechung folgt.

Aber schon jetzt lohnt ein Blick auf etwas anderes: die Reaktionen. Denn sie verraten mehr über den Zustand der deutschen Medienlandschaft als über die Zeitung selbst.

Schaum vor dem Mund – im Westen

Die OAZ ist noch keine Woche alt, und die erste Ausgabe hat gereicht, um die Spaltung der deutschen Medienlandschaft zu zeigen. Wenn westdeutsche Autoren überhaupt berichtet haben, dann negativ und teilweise herablassend.

Im Spiegel nennt Arno Frank [2], geboren in Kaiserslautern, das Projekt despektierlich "HoFriZ" – Holger Friedrichs interessante Zeitung – und beschreibt es als "'Safe Space' einer nach 35 Jahren noch immer verwunderten 'Ostseele'".

Die Zeit (Autorin Johanna Jürgens wuchs in Essen auf.) nennt das Vorhaben [3] größenwahnsinnig und weist genüsslich darauf hin, dass Chefredakteur Dorian Baganz aus Duisburg stammt.

Bei T-Online attestiert Volker Lilienthal (geboren in Minden) der OAZ handwerkliche Mängel. Er pickt sich dafür eine Überschrift heraus und betont: Wenn sie auf einer Internetseite gestanden hätte, hätte man sie wohl als "Clickbaiting" bezeichnen können. Erledigt.

Der Tenor ist bei ihnen allen geprägt von Skepsis, beißendem Spott und stellenweise offener Ablehnung. Das durchgängige Narrativ: Friedrich zieht sich schmollend in eine Ecke zurück, weil er nach dem Kauf der Berliner Zeitung so viel Gegenwind bekommen hat. Die OAZ als publizistische Trotzreaktion eines gekränkten Verlegers.

Immerhin: Die Autoren von Spiegel, Zeit und T-Online haben die Zeitung gelesen, zumindest überflogen. Sie beschreiben Inhalte, zitieren aus Artikeln, benennen konkrete Kritikpunkte. Der Spiegel räumt sogar ein, dass die Existenz der OAZ "prinzipiell überfällig" sei und die ostdeutsche Presselandschaft "von westdeutschen Medienhäusern dominiert" werde.

Das ist, bei aller Herablassung im Ton, zumindest der Versuch einer inhaltlichen Auseinandersetzung.

Der Volksverpetzer: Anklage ohne Lektüre

Und dann gibt es den Volksverpetzer. Dort hat [4] Matthias Meisner (geb. in Frankfurt am Main) einen Text veröffentlicht, der eine ganz andere Eskalationsstufe markiert.

Meisner nennt den OAZ-Redakteur Florian Warweg einen "Kreml-Propagandisten", die Berliner Zeitung und die OAZ ein "Propagandablatt", und fragt, ob die OAZ wieder "Propaganda im Sinne Russlands" betreiben werde.

Das sind schwere Vorwürfe. Sie müssten durch schwere Belege gestützt werden. Doch nichts davon geschieht. Meisner analysiert keinen einzigen Text der OAZ inhaltlich. Kein einziges Wort.

Stattdessen arbeitet er mit drei Techniken, die man aus aktivistischen Publikationen kennt, nicht aus seriösem Journalismus.

Erstens: Guilt by Association. Florian Warweg hat früher bei RT gearbeitet – also Kreml-Propagandist. Jasmin Kosubek war Moderatorin bei RT – also ist ihr Auftauchen in einem Medien-Podcast, der jetzt unter dem Dach der OAZ herausgegeben wird, ein Skandal.

Friedrich war bei einem Empfang in der russischen Botschaft, auf dem auch Schröder und Gauland zugegen waren – also Moskaus Mann. Es wird nicht kritisiert, was diese Menschen schreiben. Es wird kritisiert, mit wem sie in einem Raum waren.

Zweitens: Labeling. Etiketten wie "Propagandablatt" und "Kreml-Propagandist" werden als Tatsachen gesetzt, nicht als Einschätzungen markiert. Handwerkliche Mängel am tatsächlichen Produkt? Werden nicht einmal gesucht, geschweige denn gefunden.

Drittens: geschlossenes Feindbild. Meisner zitiert ausschließlich Kritiker der OAZ. Kein einziger Befürworter, kein neutraler Beobachter, kein Medienwissenschaftler kommt zu Wort. Die Betroffenen selbst werden mit den Vorwürfen nicht konfrontiert. Audiatur et altera pars – höre auch die andere Seite – ist ein Grundprinzip des Journalismus. Meisner ignoriert es.

Das ist kein Faktencheck. Das ist Denunziation mit Fußnoten. Und es reiht sich ein in ein Muster, das bei diesem Autor seit Jahren zu beobachten ist: eine Obsession, Medien anzugreifen, die nicht in sein Weltbild passen – wobei journalistische Standards regelmäßig auf der Strecke zu bleiben scheinen.

Die Ironie ist dabei kaum zu übersehen: Wenn ein Portal wie Volksverpetzer, das erklärtermaßen Desinformation bekämpfen will, selbst ein geschlossenes Feindbild ohne jede Graustufe konstruiert, bestätigt es genau jenen verengten Meinungskorridor, den die OAZ-Macher dem etablierten Medienbetrieb vorwerfen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Ostdeutsche Stimmen: Erst lesen, dann urteilen

Und dann schaut man sich an, wie ostdeutsche Autoren auf das Projekt blicken. Der Kontrast könnte größer kaum sein.

Im Freitag schreibt Jürgen Kuttner [5], er habe es satt, dass Ostdeutsche immer noch als "Problembären" behandelt würden. Die hasserfüllten Reaktionen aus dem Westen findet er geradezu produktiv.

Sein Rat an die OAZ: "Macht mehr Fehler und macht sie schneller! Woraus wollt ihr sonst etwas lernen?" Ein Freifahrtschein für publizistische Disruption.

Im Cicero wird der historische Kontext bemüht. Als der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk die Frakturschrift auf dem OAZ-Titel mit den Nazis in Verbindung brachte und "Heil Holger" [6] twitterte, so kontert der Autor Mathias Brodkorb [7] mit einem trockenen Faktenhinweis: Die Nazis hatten die Frakturschrift 1941 als "Judenlettern" verboten. Außerdem verwendeten auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Washington Post eine Frakturschrift.

Der Osten, so Brodkorbs Argument, habe sich die Demokratie auf der Straße erkämpft, während der Westen sie von den Alliierten geschenkt bekam. Wahrscheinlich seien Ossis deshalb auch die besseren Demokraten, die keine Lust hätten, ihre Freiheiten wieder zu verlieren. Und die OAZ könnte Teil der Lösung sein.

Selbst in der Welt findet sich [8] dieser entspannte Blick. Dort wird anerkannt, dass Friedrich recht hat, wenn er sagt, FAZ und Süddeutsche hätten den Osten jahrzehntelang links liegen lassen. Die OAZ-Macher werden mit Schopenhauers drei Stadien der Wahrheit zitiert: Verspottung, Bekämpfung, Akzeptanz – und die OAZ-Macher würden gerade Stadium drei durchlaufen.

Der eigentliche Befund

Was hier sichtbar wird, ist kein Streit über eine Zeitung. Es ist ein Streit über Deutungshoheit, über Kränkungen und über die Frage, wer wem vorschreiben darf, was guter Journalismus ist.

Westdeutsche Autoren reagieren gereizt, bewertend, konstruieren teilweise rigoros Feindbilder. Ostdeutsche Autoren reagieren gelassen und neugierig. Sie gönnen dem Projekt den Raum. Sie lesen erst und urteilen dann – weil sie aus Erfahrung wissen, wie es sich anfühlt, wenn andere einem erklären, was man zu denken hat.

Auf der Titelseite der OAZ steht am unteren Rand ein kleiner Slogan: "Unabhängig. Mutig. Gewaltfrei." Gewaltfrei? Man fragt sich, warum eine Zeitung im Jahr 2026 das explizit dazuschreiben muss.

Vielleicht, weil ihre Macher die verbale Härte, mit der ihnen begegnet wird, als eine Form struktureller Gewalt empfinden. Vielleicht, weil die Debattenkultur so toxisch geworden ist, dass man sich davon distanzieren muss.

Wir werden die OAZ in den kommenden Wochen inhaltlich besprechen. Gründlich, fair und kritisch. Auf Basis dessen, was drinsteht – nicht auf Basis dessen, wer mit wem in einem Raum war.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11186236

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.telepolis.de/article/Ostdeutsche-Allgemeine-Was-die-neue-Zeitung-will-und-liefern-muss-11184556.html
[2] https://www.spiegel.de/kultur/ostdeutsche-allgemeine-zeitung-alles-da-alles-osten-a-855922c3-396b-4ac6-92a4-cdd0f481339e
[3] https://www.zeit.de/2026/08/ostdeutsche-allgemeine-zeitung-holger-friedrich-gruendung-leitmedium/komplettansicht
[4] https://www.volksverpetzer.de/analyse/ostdeutsche-allgemeine-bluffs-des-holger-friedrich/
[5] https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ost-taz-mitgruender-juergen-kuttner-ueber-die-ostdeutsche-allgemeine-zeitung
[6] https://x.com/IlkoKowalczuk/status/2001228338887532963?s=20
[7] https://www.cicero.de/innenpolitik/erste-ausgabe-der-ostdeutschen-allgemeinen-zeitung-der-ossi-als-avantgarde
[8] https://www.welt.de/kultur/plus699860ce153f05936cafe2ae/ostdeutsche-allgemeine-lautsprecher-der-anderen-gegen-den-kommunikativen-flurschaden-des-westens.html

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  • 23. Februar 2026 um 14:15

Social-Media-Sucht: Mark Zuckerberg wollte mit Apple-CEO über Kinderschutz reden

Von Heise
Meta-Chef Mark Zuckerberg im Anzug.

Mark Zuckerberg bei einer Befragung.

(Bild: FotoField / Shutterstock.com)

In einem Verfahren in Los Angeles geht es um die Frage, ob Instagram & Co. so schlimm wie Rauchen sein könnten. Dabei kommen interessante Details ans Licht.

Meta hatte Apple eine Zusammenarbeit für den besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen am Smartphone vorgeschlagen. Das geht aus E-Mails zwischen Meta-Chef Mark Zuckerberg und Apple-CEO Tim Cook hervor, die im Rahmen eines Sammelklageverfahrens in Los Angeles [1] ans Licht kamen. Eine Nutzerin hat Meta verklagt, weil dieser seine Angebote suchtfördernd ausgerichtet haben soll.

Gemeinsames Vorgehen mit Apple?

Zuckerberg bestätigte den Austausch auf Rückfrage eines der Verteidiger [2] seines Konzerns. Es sei darum gegangen, mit Cook über das Wohlbefinden von Jugendlichen und Kindern zu sprechen. „Ich dachte, es gäbe gemeinsame Möglichkeiten für unser Unternehmen und Apple, und ich wollte mit Tim darüber sprechen.” Ihm sei das Wohlergehen von Teenagern und Kindern wichtig, die Metas Dienste verwendeten, so Zuckerberg.

Die Klägerin, die in dem Verfahren nur unter den Initialen KGM auftritt, wirft Meta unter anderem vor, die Sucht gezielt zu fördern. Mit den anderen Diensten TikTok und Snapchat, die ebenfalls verklagt worden waren, hatte es zuvor eine außergerichtliche Einigung [3] gegeben. Meta war das bislang nicht gelungen.

iCloud: Druck aus West Virginia

Metas Anwälte wollen mit dem Hinweis auf den Schriftwechsel mit Cook darlegen, dass Zuckerberg junge Nutzer von Facebook und Instagram besser schützen wollte. Was das Ergebnis der Gespräche war, ist unbekannt. Zuckerberg räumte allerdings ein, dass ein Verbot bestimmter Schönheitsfilter in der Instagram-App, die Gesichtschirurgie beworben haben sollen, offenbar von ihm aufgehoben wurde. Das höre sich nach etwas an, was er sagen würde, so Zuckerberg. Das Unternehmen wollte nicht „paternalistisch“ sein. Meta gehe es darum, dass die Nutzer sich frei ausdrücken könnten.

Apple selbst wird derzeit vom US-Bundesstaat West Virginia unter Druck gesetzt [4]. Eine Klage behauptet, das Unternehmen tue nicht genug gegen die iCloud-Verbreitung von Material, das Kindesmissbrauch zeigt. Der Konzern soll dazu gezwungen werden, Inhalte vorab zu scannen. Dies hatte Apple früher vor, unterließ dies aber nach scharfer Kritik durch Datenschützer.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11185998

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Was-fuer-Social-Media-in-US-Suchtprozess-auf-dem-Spiel-steht-11179196.html
[2] https://www.cnbc.com/2026/02/18/meta-mark-zuckerberg-social-media-safety-trial.html
[3] https://www.heise.de/news/Tiktok-geht-in-US-Verfahren-um-Sucht-Vorwurf-Vergleich-ein-11156351.html
[4] https://www.heise.de/news/iCloud-Apple-von-US-Bundesstaat-wegen-paedokriminellem-Material-verklagt-11184150.html
[5] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[6] https://www.heise.de/mac-and-i
[7] mailto:bsc@heise.de

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