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Modschtaba Chamenei, 2. von rechts vorne, ist der Nachfolger seines Vaters geworden
Mojtaba Khamenei folgt seinem ermordeten Vater als oberster religiöser Führer. Der 56-Jährige gilt als Hardliner mit engen Verbindungen zur Revolutionsgarde.
Gegen 21.30 Uhr deutscher Zeit flimmerte [1] am Sonntagabend die Meldung über die Nachrichtenticker: Die Islamische Republik Iran hat einen neuen obersten religiösen Führer – in Person von Mojtaba Khamenei, dem Sohn des ermordeten Ajatollah Ali Khamenei. Der Expertenrat, ein Gremium aus 88 Geistlichen, ernannte [2] ihn – iranische Staatsmedien bestätigten die Entscheidung am Sonntagabend.
Das durch die US-israelische Kriegskoalition erzwungene Ableben seiner Eltern sowie eines Teils seiner weitverzweigten Kleriker-Familie hatte den Iran – zusätzlich zu den tobenden Angriffswellen – in eine tiefe politische Krise gestürzt [3]. Millionen schiitische Gläubige vom Libanon bis nach Pakistan verloren ihren religiösen Ankerpunkt, das theokratische Regime schaltete in den Krisenmodus. Ein 3er-Übergangsrat koordinierte [4] Landesverteidigung und nationale Einheit.
Militärisch steht das Land mit dem Rücken zur Wand [5]. Nach ersten Analysen sind mehr als 40 hochrangige Führungskräfte getötet worden [6]. Mit Mojtaba Khamanei tritt ein Schattenmann [7] in den Vordergrund. Ein aktueller Blick auf den Kriegsverlauf.
Auch in den beiden zurückliegenden Nächten des Wochenendes wurde der Iran durch einen regelrechten Bombenhagel eingedeckt [8].
Das Kriegsgeschehen wurde am Sonntagmorgen von israelischen Angriffen auf ein gigantisches Öldepot in der iranischen Hauptstadt überlagert [9]. Die israelische Armee teilte via Telegram mit [10], dass sie ein Öllager-Depot in Teheran getroffen habe. Irans Leiter der nationalen Mineralölvertriebsgesellschaft, Keramat Vejskarami, räumte [11]die schweren Treffer im Staatsfernsehen ein: Insgesamt vier Öllager seien getroffen worden.
Noch bevor offizielle Stellungnahmen vorlagen, fluteten [14] – trotz andauernder Internetausfälle – apokalyptische Bilder aus dem Iran die sozialen Medien. Teheran, am Fuße des Elburs-Gebirges in einer Senke gelegen, verschwand in einer dichten Rauchwolke. Die stundenlang lodernden Brände [15] erzeugten giftige Dämpfe, die sich wie eine Decke über weite Teile der 15-Millionenstadt legten. Ein Vorgeschmack auf Kommendes?
Tel Aviv operiert in enger Abstimmung mit Washington parallel an zwei Fronten: Auch der Libanon meldete einen gezielten Angriff auf ein Hotelgebäude, in dem sich Mitglieder der Al-Kuds-Brigaden, der Elite-Einheit [16] der Revolutionsgarden, aufgehalten haben sollen.
Nach iranischen Angaben [17] vor den Vereinten Nationen sind die Opferzahlen sprunghaft angestiegen. Waren in den ersten Tagen noch Zahlen im mittleren dreistelligen Bereich genannt worden, verzeichnete [18] Teheran offiziell mindestens 1.332 Tote une tausende verletzte [19]. Andere Quellen beziffern [20] die Totenzahl bereits auf bis zu 1.500.
Der iranische UN-Botschafter Amir Saeid Iravani warf den USA und Israel indes vor, gezielt zivile Einrichtungen zu bombardieren [21] – ein Vorwurf, der durch den Angriff auf die Mädchenschule im südiranischen Minab besondere Schwere erhält [22]. US-Behörden und israelische Stellen wiesen die Anschuldigungen zurück.
In den Fall der in den ersten Kriegstagen getroffenen Mädchenschule kam unterdessen Bewegung: US-Militärermittler halten [23] es nach Aussagen zweier Beamter – gestützt auf interne Untersuchungsergebnisse – für wahrscheinlich, dass US-Streitkräfte für den Angriff auf die Schule verantwortlich waren; die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen. Erschwerend deuten [24] Satellitenbilder laut übereinstimmenden Medienberichten auf den Einsatz von US-Luftwaffenmunition hin.
Die iranische Gegenwehr ist ungebrochen. Begleitet von pro-iranischen Kundgebungen im Inland, die in den letzten Tagen an Kraft und Umfang zunahmen [25], griff die Islamische Republik aktiv umliegende Staaten an. In über 20 Angriffswellen – mehrere pro Tag – attackierte [26] Teheran.
Die Taktik macht aus iranischer Sicht Sinn: Ballistische Raketen zwingen die gegnerische Abwehr zur Nutzung hochwertiger und kostenintensiver Systeme wie Thaad – worauf häufig ein nachgelagerter Drohnenschwarm-Angriff folgte.
Detaillierte,artenbasierte Analysen legen nahe [27], dass sich die Anzahl ziviler Opfer durch iranische Vergeltungsschläge bislang in Grenzen hält. Die Angriffe trafen militärische Infrastruktur, Luftabwehrsysteme und Raketenstellungen. In Jordanien verletzten [28] herabfallende Splitter abgeschossener Drohnen mehrere Menschen, ein pakistanischer Fahrer starb [29] in Dubai nach einem abgeprallten Treffer, zwei Menschen wurden [30] in Saudi-Arabien durch herabfallende Teile abgeschossener Raketen getötet.
Diese Nadelstiche dürfen dennoch nicht täuschen: Im Luftkrieg dominieren [31] die US-israelischen Einheiten nach Belieben – auch wenn eine iranische Unterstützung durch chinesische Luftaufklärung vermutet wird [32]. Nach offiziellen Angaben sind bereits mehr als 3.400 Ziele angegriffen worden [33].
Die iranische Marine ist – abseits der IRGC-Kleinboot-Schwärme – eliminiert. Dennoch ist es dem Iran – erstmalig in der Region – gelungen, nennenswerten Widerstand gegen eine westliche Aggression zu organisieren, womit die Angreifer so wohl nicht gerechnet hatten.
Innenpolitisch hatte die Revolutionsgarde – die gleichzeitig ein wirtschaftliches Imperium kontrolliert [34] – unverhohlen Mojtaba Khamenei als Nachfolger favorisiert. Ihr Kalkül: Nur ein schnell eingesetzter religiöser Führer böte die Gewähr für nationale Einheit – Grundvoraussetzung für eine reale Chance auf wirksame militärische Gegenwehr. Der Khamenei-Spross stach damit einflussreiche Gegenkandidaten aus.
Darunter Hassan Khomeini, der Enkel des Republikgründers, der als zu reformorientiert galt [35]; Alireza Arifi, der eher als Technokrat denn als im Krieg notwendiger starker Führer eingeschätzt wird; sowie Ali Larijani, der als ehemaliger Parlamentssprecher zwar über ein weitreichendes Netzwerk verfügt, jedoch kaum religiöse Legitimation mitbringt.
Er verkörpert dabei Kompromiss und Kontinuität zugleich: Innerhalb der Kriegslogik ergibt es Sinn, einen machtbewussten Hardliner zu wählen [36], der in bestehenden Machtstrukturen integriert [37] ist und seit Jahren Fäden spann [38].
Dennoch ist er Kompromissformel: Der 56-Jährige, der als 18-Jähriger am Ersten Golfkrieg teilnahm und später als Kleriker in Qom lehrte, ist in der iranischen Öffentlichkeit eher unbekannt, vergleichsweise uncharismatisch und religiös schwach legitimiert.
Seine Verbindung zur in weiten Teilen der Gesellschaft verhassten Präsidentschaft Ahmadinedschads – er soll bei den Wahlen 2005 entscheidend mitgewirkt [39] haben – könnte noch problematisch werden. Den bestehenden Eliten blieb keine Zeit für den Aufbau eines idealen Nachfolgers.
Zudem gilt Mojtaba nicht als anerkannter Großajatollah, was die Integration breiter schiitischer Massen auch außerhalb des Irans erschweren kann. Er tritt ein dynastisches Erbe an und steht für eine massiv repressive Politik, war zuletzt im Sicherheitsbereich des Regimes tätig und unterhält enge Kontakte zu den Basij-Milizen.
Erschwerend kommt hinzu: Mojtabas Ehefrau wurde ermordet – auch sein eigenes Leben dürfte am seidenen Faden hängen. Seine Wahl ist dennoch ein Indikator: Spielraum für demokratische Öffnungen wird es nicht geben [40]. Mit ihm bleiben militärische, politische und klerikale Machtpfeiler – vergleichbar mit seinem Vater – eng verwoben.
Für den weiteren Kriegsverlauf bedeutet [41] dies: Eine Kapitulation ist ausgeschlossen, die Verhandlungsbereitschaft minimiert – die Gegenschläge werden anhalten.
Zudem könnte – sollte sich Mojtaba als schwach erweisen – die Macht noch deutlicher in Richtung Revolutionsgarden kippen. Nicht ausgeschlossen ist, dass der Iran von einer Theokratie schrittweise in eine Militärdiktatur gleitet, was durch Sanktions- und Kriegsdruck noch weiter beschleunigt werden könnte.
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[1] https://www.reuters.com/world/middle-east/iran-defies-trump-elevates-khameneis-son-mojtaba-successor-2026-03-08/
[2] https://apnews.com/article/iran-israel-us-march-8-2026-f0b20dbffaea9351ae1e54183ffe53ff
[3] https://www.telepolis.de/article/Iran-Was-Khameneis-Tod-fuer-die-Region-bedeutet-11198731.html
[4] https://www.tagesspiegel.de/internationales/das-regime-will-nicht-aufgeben-so-konnten-sich-irans-herrscher-an-der-macht-halten-15305446.html
[5] https://www.telepolis.de/article/Von-Zypern-bis-Baku-Der-Flaechenbrand-ist-da-11201595.html
[6] https://chertoffgroup.com/situation-report-iran-u-s-israeli-military-operations/
[7] https://www.iranintl.com/en/202603032731
[8] https://roancp.com/situation-report-epic-fury-us-iranian-conflict-as-of-march-06-2026/
[9] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-oellager-angriff-100.html
[10] https://www.dw.com/de/iran-oellager-teheran-angriffe-israel-raketen-drohnen-beirut-libanon-hisbollah-kuwait-saudi-arabien/a-76265495
[11] https://time.com/7383099/iran-news-oil-strikes-tehran/
[12] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Attack_on_areas_west_of_Tehran_10_Avash_(March_7,_2026).webp
[13] https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de
[14] https://www.blick.ch/news/nach-angriff-auf-oelanlage-gewaltige-rauchsaeulen-in-teheran-id21761597.html
[15] https://www.merkur.de/politik/feuerstroeme-in-teheran-nachdem-oeldepots-in-die-luft-gesprengt-wurden-zr-94207557.html
[16] https://www.tagesschau.de/ausland/hintergrund-al-kuds-101.html
[17] https://www.reuters.com/world/middle-east/irans-un-envoy-says-1332-iranian-civilians-killed-war-2026-03-06/
[18] https://www.pbs.org/newshour/world/iranian-state-tv-says-mojtaba-khamenei-named-successor-to-the-late-supreme-leader
[19] https://www.reuters.com/world/middle-east/irans-un-envoy-says-1332-iranian-civilians-killed-war/
[20] https://hengaw.net/en/reports-and-statistics-1/2026/03/
[21] https://www.straitstimes.com/world/middle-east/irans-un-envoy-says-1332-iranian-civilians-killed-in-war?ref=latest-headlines
[22] https://www.welt.de/politik/ausland/article69aa82ba7ce3c08db9d23a02/iran-krieg-bomben-auf-maedchenschule-in-minab-satellitenbilder-lassen-auf-moegliche-verantwortung-schliessen.html
[23] https://www.tbsnews.net/world/us-investigation-points-likely-us-responsibility-iran-school-strike-sources-say-1378471
[24] https://apnews.com/article/iran-minab-girls-school-airstrike-us-israel-c3095dc9729881b567277a1c5c47efb2
[25] https://www.aljazeera.com/video/newsfeed/2026/1/12/iranian-president-masoud-pezeshkian-joins-pro-government-rally-in-tehran
[26] https://www.criticalthreats.org/analysis/iran-update-evening-special-edition-march-7-2026
[27] https://acleddata.com/update/middle-east-special-issue-march-2026
[28] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Iranian_strikes_on_Jordan
[29] https://www.dawn.com/news/1979732
[30] https://www.jpost.com/middle-east/article-889195
[31] https://www.zdfheute.de/politik/ausland/krieg-nahost-israel-usa-iran-ueberblick-100.html
[32] https://www.jungewelt.de/artikel/518739.iran-krieg-trump-will-irans-kapitulation.html
[33] https://home.1und1.de/magazine/politik/nahostkonflikt/usa-3000-ziele-iran-angegriffen-41977188
[34] https://www.faz.net/pro/weltwirtschaft/weltwissen/das-wirtschaftsimperium-der-iranischen-revolutionsgarden-dollars-macht-und-einfluss-accg-200503137.html
[35] https://informat.ro/en/international/iran-leadership-killing-khamenei-succession-108897
[36] https://www.theguardian.com/world/2026/mar/08/appointing-a-new-leader-is-the-least-of-irans-troubles
[37] https://www.theguardian.com/world/2026/mar/08/appointing-a-new-leader-is-the-least-of-irans-troubles
[38] https://de.wikipedia.org/wiki/Modschtaba_Chamenei
[39] https://www.nytimes.com/2024/05/20/world/middleeast/iran-raisi-death-supreme-leader.html
[40] https://www.al-monitor.com/originals/2026/03/analysis-iran-defies-trump-elevates-khameneis-son-mojtaba-successor
[41] https://www.euronews.com/2026/03/08/explainer-who-is-mojtaba-khamenei-and-how-did-he-succeed-his-father
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Der Krieg gegen den Iran legt die wichtigste Öl-Route der Welt lahm. Benzin, Lebensmittel und Kredite werden teurer. Ein Überblick.
Knapp eine Woche nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran erleben die Energiemärkte einen Preisschub, der in seiner Geschwindigkeit alles seit der Ölkrise der 1970er Jahre übertrifft.
Auslöser ist der faktische Zusammenbruch des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus – jene schmale Passage zwischen dem Iran und Oman, über die im Normalfall etwa jedes fünfte weltweit gehandelte Barrel Erdöl seinen Weg findet.
Obwohl keine Seite die Meerenge offiziell gesperrt hat, meiden Reedereien die Route, seit iranische Einheiten mehrere Handelsschiffe unter Beschuss nahmen.
Schließlich verteuerte sich die Nordsee-Referenzsorte Brent binnen einer Woche um rund 60 Prozent und notiert mittlerweile jenseits der Marke von 110 Dollar, berichtet [1] Bloomberg.
Der Stillstand in der Straße von Hormus hat eine Kettenreaktion in den Förderländern ausgelöst. Rohöl, das normalerweise täglich auf Tanker verladen wird, füllt nun die begrenzten Speicheranlagen der Region.
Sobald diese Kapazitäten erschöpft sind, bleibt den Produzenten nur eine Option: die Förderung herunterfahren.
Der Irak hat diesen Schritt bereits vollzogen und pumpt nur noch ein knappes Drittel seiner üblichen Menge. Kuwait geriet als nächstes unter Druck, weil das Emirat seine Infrastruktur historisch auf den schnellen Export ausgelegt hat und kaum Pufferlager besitzt. Auch der staatliche Ölkonzern Abu Dhabis meldete eine Drosselung.
Wie das Wall Street Journal (WSJ) schreibt [2], drängt die Zeit. Werde die Straße von Hormus nicht bis zum Freitag wieder freigegeben, so müsste die Ölförderung in der Region wohl um rund vier Millionen Barrel Öl pro Tag gedrosselt werden.
Das Problem reicht aber tiefer: Viele Lagerstätten am Golf sind nach Jahrzehnten intensiver Nutzung auf kontinuierlichen Betrieb angewiesen. Wird eine Quelle stillgelegt, sinkt der unterirdische Druck – und nicht jede Bohrung lässt sich anschließend auf das frühere Niveau zurückbringen.
Saudi-Arabien nutzt zwar eine Ausweichpipeline an seine Rotmeerküste, um wenigstens einen Teil seines Öls noch exportieren zu können. Doch deren Durchsatz reicht bei weitem nicht, um die ausgefallenen Exportmengen der gesamten Region zu ersetzen.
Die Energiekrise schlägt auf mehreren Kanälen im Alltag durch. Am unmittelbarsten spüren es Autofahrer: In Deutschland kletterten die Dieselpreise über zwei Euro je Liter. Und Terminkontrakte deuten auf einen weiteren Anstieg hin.
Fluggesellschaften rechnen inzwischen mit deutlich höheren Kerosinkosten, die sie über kurz oder lang an Passagiere weitergeben dürften.
Weniger sichtbar, aber mit potenziell gravierenden Folgen: Fast die Hälfte des weltweit gehandelten Stickstoffdüngers stammt aus Fabriken rund um den Persischen Golf. Seitdem dieser Handelsweg unterbrochen ist, kletterten die globalen Düngemittelpreise um etwa ein Viertel.
Für Landwirte in Indien, Brasilien oder Europa wird die Versorgung damit spürbar teurer – oder schlicht knapper. Branchenanalysten gehen davon aus, dass sich diese Verteuerung mit einigen Monaten Verzögerung in den Lebensmittelregalen niederschlagen wird.
Wer auf sinkende Hypothekenzinsen oder billigere Ratenkredite gesetzt hat, muss ebenfalls seine Erwartungen korrigieren. An den Anleihemärkten zogen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kräftig an.
Noch vor wenigen Wochen rechneten Investoren damit, dass die US-Notenbank Fed spätestens im Juli die Zinsen senkt. Inzwischen gilt frühestens September als realistisch [3] – und einige Marktteilnehmer schließen nicht mehr aus, dass die Zinsen das gesamte Jahr über auf dem aktuellen Niveau verharren.
Der Internationale Währungsfonds hat die Risiken beziffert: Verteuert sich Energie um zehn Prozent und hält dieses Niveau ein Jahr lang, steigt die globale Teuerungsrate um rund 0,4 Prozentpunkte, während das Wirtschaftswachstum um bis zu 0,2 Punkte nachgibt.
Ökonomen sprechen laut Bloomberg zunehmend von einer drohenden Stagflation [4] – einer Konstellation, in der steigende Preise und wirtschaftliche Schwäche gleichzeitig auftreten.
Für Notenbanken ist das ein besonders schwieriges Umfeld, weil jede Zinserhöhung gegen die Inflation zugleich die Konjunktur weiter belastet.
US-Energieminister Chris Wright bemühte sich am Wochenende um Zuversicht und stellte eine baldige Normalisierung der Schifffahrt in Aussicht. Die Finanzakteure glauben das aber nicht und drängen auf ein Ende des Krieges, heißt es bei [5] Bloomberg, und wenn dies nicht zu erreichen ist, so wenigstens auf eine militärische Eskorte der Schiffe.
Teheran wählte mit Mojtaba Khamenei den Sohn des getöteten früheren Obersten Führers zum Nachfolger, was von Marktakteuren als ein Signal der Härte wahrgenommen wird. Und, wie es in den Berichten weiter heißt, geht man von einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, dass im Mai immer noch kein Waffenstillstand erreicht ist.
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[1] https://www.bloomberg.com/opinion/newsletters/2026-03-09/iran-war-a-longer-conflict-is-already-here-for-markets
[2] https://www.wsj.com/world/middle-east/persian-gulf-oil-squeeze-d9a39190
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-03-09/global-bond-selloff-deepens-as-oil-jump-stokes-stagflation-fear
[4] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-03-09/global-bond-selloff-deepens-as-oil-jump-stokes-stagflation-fear
[5] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-03-08/oil-market-chaos-set-to-deepen-as-more-gulf-giants-cut-output
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Kathmandu.
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Ein Aufstand der Generation Z stürzte Nepals Regierung. Jetzt hat ein 35-jähriger Ex-Rapper den 74-jährigen Premierminister in dessen eigenen Wahlkreis besiegt.
Am 5. März hat Nepal ein neues Parlament gewählt. Doch diese Wahl ist mehr als ein routinemäßiger Urnengang in einem der ärmsten Länder Asiens. Sie könnte die politische Landschaft des kleinen Himalaja-Staats grundlegend verändern – und womöglich sogar seine außenpolitische Balance zwischen den Giganten China und Indien erschüttern.
Im Zentrum stand ein ungewöhnliches Duell: Balendra Shah, 35 Jahre alt, ehemaliger Rapper und seit 2022 Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu, war gegen KP Sharma Oli in dessen eigenen Wahlkreis angetreten. Der 74-jährige Veteran war bereits viermal Premierminister.
Shah, der seinen Anhängern schlicht als "Balen" und für dunkle Sonnenbrillen und weiße Turnschuhe bekannt ist, verkörpert den Wunsch nach Wandel. Oli steht für das System, das – zumindest dem Namen nach – maoistisch ausgerichtete Kämpfer vor 20 Jahren durchgesetzt hatten [1].
Im September 2025 eskalierten die Konflikte in Nepal erneut. Auslöser war ein geplantes Verbot sozialer Medien durch die Regierung Oli. Doch die Proteste, die vor allem von der Generation Z getragen wurden, richteten sich auch gegen Korruption, Vetternwirtschaft und ein politisches System, das scheinbar außerstande ist, echte Verbesserungen zu liefern.
Die Regierung reagierte mit Gewalt. Polizei und Sicherheitskräfte feuerten scharf in die Menge. Mehr als 70 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Demonstranten steckten das Parlamentsgebäude, die Residenz des Premierministers und den Obersten Gerichtshof in Brand.
Nach wenigen Tagen musste Oli zurücktreten. Eine Übergangsregierung übernahm die Geschäfte. Balen Shah, der während der Proteste seine Solidarität mit den Demonstranten erklärt hatte, wurde von vielen als möglicher Interims-Premierminister gehandelt. Er lehnte ab – und kündigte an [2], bei Wahlen anzutreten.
In Nepal sind 46 Prozent der Menschen unter 24 Jahren jung. Shah, der eine Ausbildung als Ingenieur genossen hat, hatte sich zunächst als Musiker einen Namen gemacht. Seine Rap-Songs griffen die politische Elite an, kritisierten Korruption und forderten Veränderung.
2022 gewann er als unabhängiger Kandidat die Wahl für das Amt des Bürgermeisters von Kathmandu. Als Bürgermeister konzentrierte er sich auf vernachlässigte Bereiche wie Müllentsorgung, Gesundheitsversorgung und Bildung.
Doch es gab auch Kritik [3]. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch warfen ihm vor, mit harter Hand gegen städtische Arme vorzugehen, Straßenverkäufer zu vertreiben und Bewohner informeller Siedlungen zu schikanieren.
Im Januar 2025 trat Shah der zentristischen Partei Rastriya Swatantra Party (RSP, Nationale Unabhängigkeitspartei) bei, die mehrere Kandidaten der Generation Z aufstellte. Die erst 2022 gegründete RSP verspricht in ihrem Wahlprogramm, Nepal von einem "Pufferstaat" zwischen China und Indien zu einer "Brücke" zu machen und eine trilaterale Wirtschaftspartnerschaft anzustreben.
Oli kündigte an, erneut in seinem Wahlkreis anzutreten, woraufhin Shah seinen Posten als Bürgermeister aufgab, um direkt gegen Oli anzutreten. Shahs Wahlkampf ist von einer merkwürdigen Abwesenheit von Inhalten geprägt: Er winkt den Menschen zu, lächelt, macht Selfies – aber seine öffentlichen Reden dauern selten länger als drei Minuten.
Eingekeilt zwischen Indien und China muss jeder Politiker in Kathmandu darauf achten, keine der beiden Giganten zu verprellen. Indien betrachtet den nördlichen Nachbarn wohl als eine Art Hinterhof, zumal 80 Prozent der Nepalis Hindus sind. Anlässlich einer Verfassungsreform hat Delhi 2015 versucht, Nepal seinen Willen mittels eines inoffiziellen Kraftstoffembargos [4] aufzuzwingen.
Indien ist mit Abstand Nepals wichtigster Partner und beide Länder kooperieren in praktisch allen relevanten Bereichen miteinander – auch in Bezug auf Energieinfrastruktur und Sicherheitsfragen.
China wiederum hat unter Präsident Xi Jinping sein Engagement in Nepal ausgeweitet. Peking investiert in Infrastruktur, pflegt Beziehungen zu politischen Parteien und baut Netzwerke in Medien und Wirtschaft auf. Chinas Interessen in Nepal sind auch von Sorgen über tibetische Aktivisten und indischen Einfluss geprägt.
Paradoxerweise steht Nepal nach makroökonomischen Kennzahlen nicht schlecht da. Die Devisenreserven erreichten im Januar 2026 einen Rekordwert von 22,47 Milliarden US-Dollar. Überweisungen von im Ausland arbeitenden Nepalesen stiegen um über 32 Prozent.
Dennoch war der Aufstand im September von wirtschaftlicher Frustration getrieben: Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Korruption und fehlende Perspektiven. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 20 Prozent, bei jungen Menschen noch höher.
Jahrzehntelang fungierte Migration als Ventil. Überweisungen von im Ausland arbeitenden Nepalesen machen etwa ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts aus und ernähren Millionen Haushalte. Doch immer mehr junge Menschen scheinen Migration als notwendiges Übel statt als Chance zu betrachten und wollen zuhause auskömmlich leben.
Neben Oli und Shah konkurriert auch die Nepali Congress Partei unter Gagan Thapa, 49 Jahre alt. Die Partei, die traditionell als Indien und westlichen Partnern nahestehend gilt, könnte zur Königsmacherin werden, falls keine Partei eine klare Mehrheit erreicht.
Im Ergebnis hat nicht nur Shah gesiegt, sondern auch seine RSP hat einen erdrutschartigen Sieg eingefahren [5]. Die Partei hat bereits fast 100 der 165 direkt gewählten Mandate gewonnen und führt in zwölf weiteren Wahlkreisen. Oli hat den Wahlsieg seines Rivalen bereits anerkannt und Shah gratuliert.
Die Wahl am 5. März ist mehr als ein Generationenkonflikt. Es geht darum, ob in Nepal endlich [6] eine stabile Regierung zustande kommt, die von den Wählern auch als eine solche wahrgenommen wird – und nicht nur als eine weitere Gruppe von korrupten Politikern, die den Hals nicht vollkriegen können.
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[1] https://nepalitimes.com/editorial/remembering-not-to-forget
[2] https://www.theguardian.com/world/2026/mar/03/nepal-gen-z-election-popular-former-rapper-balen
[3] https://www.ft.com/content/ca2d8f18-24c7-4fc5-af7b-a67ead333e0c
[4] https://www.aljazeera.com/news/2015/10/9/analysis-blockade-politics-in-nepal
[5] https://www.aljazeera.com/news/2026/3/8/rapper-turned-politician-defeats-veteran-leader-in-nepal-election-upset
[6] https://www.straitstimes.com/asia/nepals-long-history-of-political-instability
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Dank Rechtshilfe gelangten US-Ermittler an Zahlungsdaten eines anonym geglaubten Proton-Accounts. Der Dienst verweist auf die strikte Schweizer Rechtslage.
Der verschlüsselte E-Mail-Dienst Proton aus der Schweiz steht erneut im Zentrum einer Debatte über Anonymität und staatliche Zugriffe. Dem FBI sei es gelungen, die Identität einer Person hinter einem vermeintlich anonymen Konto aufzudecken, berichtet 404 Media. Betroffen ist demnach ein Account der Protestbewegung „Stop Cop City“, die auch als „Defend the Atlanta Forest“ bekannt ist. Die Aktivisten nutzten die Adresse als offiziellen Kontakt für ihren Blog und soziale Medien.
Proton wirbt offensiv mit Privatsphäre und dem Standort Schweiz. Doch der Fall illustriert, welche Realitäten der internationalen Strafverfolgung dem entgegenstehen. Der Fluss der Daten führte laut dem Bericht [1] über den offiziellen Dienstweg der internationalen Rechtshilfe. Die US-Behörden stellten ein Ersuchen an die Schweiz, basierend auf einem Staatsvertrag zur Rechtshilfe in Strafsachen von 1973 [2]. Da es sich bei dem fraglichen Konto um einen kostenpflichtigen Account handelte, konnte und musste Proton auf richterliche Anordnung hin Zahlungsdaten herausgeben.
Diese Informationen, die bei der Nutzung von Kreditkarten zwangsläufig anfallen, ermöglichten es dem FBI schließlich, den Inhaber des Kontos zu identifizieren. Proton-Kommunikationschef Edward Shone betont nun, die Firma habe keine Daten direkt an das FBI übermittelt. Sie habe lediglich auf rechtsverbindliche Anordnungen der Schweizer Justiz reagiert. Für die betroffene Person macht diese juristische Nuance in der Konsequenz freilich keinen Unterschied.
Proton rechtfertigt die Kooperation etwa mit dem Verweis auf schwere Straftaten wie den Beschuss eines Polizeibeamten und den Einsatz von Sprengvorrichtungen. Recherchen des Guardian ziehen diese Darstellung indes in Zweifel [3]. In der eidesstattlichen Erklärung zum Durchsuchungsbefehl des FBI finde sich kein Hinweis auf eine Schießerei. Bekannt ist lediglich ein Vorfall aus dem Januar 2023. Dabei erschoss die Polizei den Aktivisten Manuel Paez Terán, nachdem dieser zuvor einen Beamten verletzt haben sollte. Die Diskrepanz zwischen der Begründung für die Datenherausgabe und den Ermittlungsakten sorgt für zusätzliche Kritik an der Transparenz des Anbieters.
Ein Blick in den Transparenzbericht von Proton verdeutlicht [4], dass solche Vorgänge keine Einzelfälle sind. 2024 gab das Unternehmen in über 10.000 Fällen Nutzerdaten an Behörden weiter. Nur in weniger als sechs Prozent dieser Fälle wehrte sich der Dienst rechtlich gegen die Anordnungen.
In der eigenen Datenschutzerklärung weist Proton darauf hin, dass bei Kreditkartenzahlungen Drittanbieter wie der US-Dienst Chargebee zum Einsatz kommen. Wer solche Spuren hinterlässt, kann folglich nicht auf die versprochene Anonymität bauen, sofern etwa ein Strafverfolgungsinteresse besteht. US-Provider versuchen oft, ihre Nutzer über solche Anfragen zu informieren. Die Schweizer Rechtslage sieht dagegen vor, dass eine solche Benachrichtigung durch die Behörden selbst erfolgen muss. Das unterbleibt in der Praxis im Rahmen laufender Ermittlungen oft. Der Rechtsanwalt Martin Steiger erläutert [5]: In der Schweiz sei „die Kooperation mit Behörden der Normalfall“.
Die strategische Ausrichtung von Proton scheint sich ohnehin zu wandeln. Nach dem Bekanntwerden von Plänen für eine Novelle der Schweizer Überwachungsverordnung kündigte die Firma im vorigen Sommer an, verstärkt in Infrastrukturen im europäischen Ausland zu investieren [6]. Sein Rechenzentrum am Hauptsitz in Genf hat das Unternehmen bereits dichtgemacht. Für Nutzer bleibt die Erkenntnis, dass Verschlüsselung zwar den Inhalt der Kommunikation schützt. Die Identität des Absenders ist bei kostenpflichtigen Diensten und internationaler Behördenkooperation aber weit weniger sicher, als es das Marketing verspricht.
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[1] https://www.404media.co/proton-mail-helped-fbi-unmask-anonymous-stop-cop-city-protestor
[2] https://www.rhf.admin.ch/rhf/de/home/strafrecht/rechtsgrundlagen/bilateral/sr-0-351-933-6.html
[3] https://www.theguardian.com/us-news/2025/jan/28/georgia-cop-city-killing
[4] https://steigerlegal.ch/2025/07/28/proton-transparenzbericht-2024
[5] https://steigerlegal.ch/2026/03/06/proton-mail-nutzerdaten-fbi-usa
[6] https://www.heise.de/news/Ueberwachung-Proton-verlagert-Teile-seiner-Infrastruktur-aus-der-Schweiz-10538647.html
[7] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[8] mailto:nen@heise.de
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Thomas Piketty sieht im Irankrieg den Versuch, militärische Macht ökonomisch zu verwerten. Doch Ölpreisschock und Inflation könnten die Rechnung zerstören.
Der französische Ökonom Thomas Piketty, auch hierzulande durch sein Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert [1]" als Spezialist für wirtschaftliche Ungleichheit bekannt, mischt sich in die Debatte über den Krieg der USA und Israels auf den Iran ein. Wobei es ihm ausschließlich um die Motive der USA geht.
Seine These, die er in einem Essay in der französischen Tageszeitung Le Monde [2] formuliert, ist drastisch und provokant. Die "militaristische Entgleisung der USA", die mit dem Krieg im Iran zu beobachten sei, wertet er als "furchtbares Eingeständnis der Schwäche".
Laut Piketty seien sich die US-Eliten der finanziellen, handelspolitischen und politischen Fragilität ihres Landes zunehmend bewusst.
"Die nationalistischsten unter ihnen haben daraus den Schluss gezogen, dass die einzige Lösung darin bestehe, die Waffen auf den Tisch zu legen. "
Das erklärte Ziel dieser Strategie pointiert er so:
"Es geht nicht darum, irgendein kollektives Ideal zu fördern, sondern vielmehr darum, sich zu sanieren und die Tatsache, über die größte Armee der Welt zu verfügen, finanziell rentabel zu machen.“
Ist es so einfach?
Der Krieg gegen den Iran treibt die Energiepreise weltweit in die Höhe und belastet die Weltwirtschaft – auch die der USA. Dennoch sieht Piketty in der militärischen Eskalation vor allem einen Versuch, die angespannte Finanzlage der Vereinigten Staaten durch geopolitische Machtpolitik zu verbessern.
Damit stellt sich eine zentrale Frage: Welche wirtschaftlichen Vorteile könnte eine US-Regierung trotz hoher Risiken erwarten oder innenpolitisch verwerten?
Piketty verweist darauf, dass US-Präsident Donald Trump bereit sei, mit nahezu jedem Regime Deals zu schließen – vorausgesetzt, US-Unternehmen könnten Zugang zu Ressourcen erhalten. In dieser Logik erscheine militärische Macht als Mittel, wirtschaftliche Vorteile zu erzwingen.
"Daher die unwiderstehliche Versuchung, die Waffen zu zücken, um sich zu sanieren: So einfach ist das."
Ein naheliegendes Kalkül wäre laut Analysen: Irans Fähigkeit, den Hormus-Korridor zu schließen oder zu bedrohen, militärisch zu schwächen, um mittelfristig die "Risikoprämie" auf Energie zu senken. In dieser Logik wäre der erhoffte ökonomische Nutzen: stabilere Öl- und Gaspreise, weniger Inflationsdruck, weniger Zinsdruck und eine bessere Konjunktur.
Dass die USA die Fähigkeit Irans, Hormus zu schließen, nun als strategischen Kernpunkt adressieren, wird in der aktuellen Berichterstattung explizit hervorgehoben, wie etwa auf Axios.com [3] berichtet wird. Doch bislang prägen Preissprung und Unsicherheit die Märkte.
Höhere Öl- und Gaspreise können Teile der US-Wirtschaft begünstigen: Förderunternehmen, Dienstleister der Ölindustrie und die LNG-Branche. Auch Bundesstaaten profitieren über Steuern und sogenannte Royalties – also Förderabgaben auf Öl- und Gasproduktion.
Dass die Lage auch die US-Benzinpreise nach oben treibt, wird aktuell breit berichtet, etwa auf Time.com [4]. Für eine Regierung kann das politisch und ökonomisch ambivalent sein: Sektor-Gewinne stehen breiten Kaufkraftverlusten gegenüber.
Laut der Nachrichtenagentur Associated Press [5] sind die Ölpreise seit Kriegsbeginn um 36 Prozent gestiegen. Der Preis für Rohöl überschritt die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel. Die Benzinpreise in den USA kletterten innerhalb einer Woche um 14 Prozent auf durchschnittlich 3,41 US-Dollar pro Gallone.
Konflikte erhöhen typischerweise Beschaffung und Munitionsersatz, Auslandsnachfrage nach US-Systemen wie Luftabwehr, Drohnenabwehr und Munition sowie Spielräume, Verbündete zur Kofinanzierung zu drängen.
Gesamtwirtschaftlich ist das kein kostenloser Gewinn. Politökonomisch profitieren jedoch bestimmte Industrien und Regionen – und die Regierung kann dies als Jobmotor und Industriepolitik darstellen.
Hier liegt der Kern von Pikettys Argument: Er deutet die Militärpolitik als Versuch, wirtschaftliche Vorteile zu erzwingen – etwa Zugang zu Rohstoffen, lukrative Verträge oder Förderrechte – und die militärische Macht der USA finanziell nutzbar zu machen.
In einem solchen Szenario könnten sich wirtschaftliche Vorteile ergeben: Investitions- und Förderrechte für Öl und Gas, Aufträge für US-Unternehmen beim Wiederaufbau sowie beim Aufbau von Energie- und Sicherheitsinfrastruktur – und zusätzliche politische Hebel gegenüber Drittstaaten.
Piketty formuliert das so:
"Man muss ernst nehmen, was Trump sagt: Er ist bereit, mit allen Mullahs und allen Chavisten des Planeten Deals zu schließen, vorausgesetzt, dass US-Unternehmen die Hand auf die Reichtümer des Irans oder Venezuelas legen können.
Dasselbe gilt für die Bodenschätze Grönlands, der Ukraine oder Russlands. Business is business, und Trump beabsichtigt, Gewalt einzusetzen, um lukrative Geschäfte zu machen, wo immer sie sich bieten [6], die Hand am Kanonenboot, ganz nach Art der europäischen Kolonialmächte der Vergangenheit."
Das ist allerdings stark abhängig von Kriegsverlauf, von der Nachkriegsordnung, von Legitimität und Sicherheitslage – und historisch oft mit massiven Folgekosten verbunden.
Theoretisch könnten die USA in geopolitischen Krisen von Safe-Haven-Zuflüssen profitieren. Praktisch zeigen aktuelle Marktkommentare aber, dass diesmal Inflationssorgen und Risikoaufschläge eine große Rolle spielen.
Steigende Renditen sind aus Regierungssicht ein Nachteil, da sie den Schuldendienst verteuern, wie Axios.com [7] berichtet.
Ökonomisch ist die Ausgangslage klar: Ein Krieg mit Energieschock bremst das Wachstum, treibt die Inflation und setzt Finanzmärkte und Staatsfinanzen unter Druck – vor allem, wenn die Störung an der Straße von Hormus anhält. Auch deutsche Wirtschaftsmedien verweisen auf diesen Zusammenhang: Energieschocks führen meist zu Inflation und Marktturbulenzen.
Die Wirtschaftswoche [8] zitiert Analysten, die davon ausgehen, dass Trump sich mit dem Angriff auf den Iran in eine innenpolitische Falle manövriert hat. Die Führung im Iran hat als Reaktion die Straße von Hormus gesperrt, der wichtigsten Handelsroute für Öllieferungen. Der Preis für den Rohstoff stieg sprunghaft an. Auch der Gaspreis zog an, zeitweise verdoppelte er sich.
"Und das wird für Trump zum Problem", heißt es in dem Bericht.
Erstens, weil US-Verbraucher dann mehr für Öl und Co. zahlen müssen. Zweitens, weil der selbsternannte Friedenspräsident mit dem Irankrieg bei seiner eigenen Anhängerschaft in die Kritik gerät. Beides dürfte wenig förderlich für die im November anstehenden Kongresswahlen sein.
Und drittens, weil der Ölpreisanstieg die Inflation wieder anziehen lassen könnte.
Die Straße von Hormus ist ein kritischer globaler Energieengpass. Etwa 20 Prozent aller weltweiten Öl- und Erdgaslieferungen fließen durch sie, mit wenigen alternativen Routen zum Markt, wie der Council on Foreign Relations [9] berichtet.
Mehr als 80 Prozent des Öls und verflüssigten Erdgases (LNG), das 2024 durch die Straße von Hormus verschifft wurde, ging an asiatische Märkte. Der Großteil der Mengen für beide Brennstoffe ging an nur vier Länder: China, Indien, Südkorea und Japan. Mehrere andere asiatische Volkswirtschaften, darunter Pakistan, Taiwan und Vietnam, sind ebenfalls stark auf diese Lieferungen angewiesen und würden von einer längeren Unterbrechung der Handelsströme hart getroffen.
Zwar räumt Piketty ein, dass Gewalt gegen ein Regime, das Demonstranten massakriert und seine Bevölkerung unterdrückt, unter Umständen gerechtfertigt sein könne.
Aber nur unter einer Bedingung: Man müsse zunächst breite Koalitionen bilden und einen politischen Plan für den Übergang entwickeln – "ein Entwicklungsmodell sowie eine demokratische Methode für einen Übergangsprozess, im Iran und anderswo".
Gerade daran mangele es jedoch häufig. Interventionen wie im Irak oder in Libyen haben gezeigt, wie riskant militärische Aktionen ohne politische Perspektive sind.
Pikettys These, militärische Eskalation könne als Reparaturbetrieb der US-Ökonomie dienen, ist provokant. Die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs – steigende Energiepreise, Inflationsrisiken und Marktturbulenzen – sprechen zunächst dagegen.
Langfristig könnten jedoch einzelne Sektoren profitieren, etwa Energieproduzenten oder die Rüstungsindustrie. Ob diese Gewinne die gesamtwirtschaftlichen Kosten aufwiegen, bleibt offen.
Piketty selbst ist skeptisch: Eine brutale und nationalistische Strategie dieser Art, schreibt er, sei letztlich zum Scheitern verurteilt.
Zumal es einen Elefanten im Raum gebe:
"Jeder weiß sehr wohl, dass die Frage der globalen Schäden das 21. Jahrhundert dominieren wird und dass sich die USA früher oder später ihren historischen Verantwortlichkeiten sowie den Forderungen nach wirtschaftlicher Gerechtigkeit und Klimareparationen aus dem globalen Süden stellen müssen.“
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.chbeck.de/piketty-kapital-21-jahrhundert/product/13923624
[2] https://www.lemonde.fr/la-chronique-de-thomas-piketty/article/2026/03/07/thomas-piketty-face-a-la-derive-guerriere-de-trump-l-europe-doit-se-donner-les-moyens-de-peser-sur-le-monde_6669844_6649149.html
[3] https://www.axios.com/2026/03/01/trump-us-sinks-9-iran-warships-strait-of-hormuz
[4] https://time.com/7383060/gas-prices-iran-war-oil/
[5] https://apnews.com/article/1a1b7c3e5fbd735aa87c43ac664501cb
[6] https://www.lemonde.fr/idees/article/2026/01/15/arnaud-orain-economiste-le-neocolonialisme-des-etats-unis-est-un-aveu-de-faiblesse_6662361_3232.html
[7] https://www.axios.com/2026/03/06/iran-bonds-inflation-treasuries?
[8] https://www.wiwo.de/finanzen/boerse/donald-trump-vs.-die-maerkte-warum-im-iran-krieg-alles-anders-ist/100205767.html
[9] https://www.cfr.org/articles/strait-jacket-global-energy-flows-the-war-with-iran
[10] https://www.lemonde.fr/la-chronique-de-thomas-piketty/article/2026/03/07/thomas-piketty-face-a-la-derive-guerriere-de-trump-l-europe-doit-se-donner-les-moyens-de-peser-sur-le-monde_6669844_6649149.html
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Ein Youtuber lässt seine Anhänger per App über sein Stimmverhalten im Parlament entscheiden – doch Datenschützer schlagen Alarm.
In Zypern hat der Politik-Influenzer und Europaparlamentarier Fidias Panayiotou seine Partei, Amesi Dimokratia Kyprou [1] (Direkte Demokratie Zypern), gegründet. Mit ihr möchte er an den kommenden Parlamentswahlen am 24. Mai teilnehmen. In Umfragen aktuell auf dem sechsten Platz von 29 Parteien liegend, hat das Demokratieexperiment gute Aussichten auf einen Parlamentseinzug.
Es gibt jedoch Ärger mit der Datenschutzbehörde und dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung [2]. Im Fokus steht eine umstrittene App für iOS- und Android-Mobiltelefone.
Die gesamte Organisation der Partei, die Interaktion mit den Mitgliedern und Freunden und auch die Vorwahlen für die Kandidatenlisten für die Parlamentswahlen laufen über die App Agorà. Damit sollen die Anhänger der Partei vom 5. bis zum 7. März die Kandidaten für die Parlamentswahlen bestimmen und darüber hinaus das Abstimmungsverhalten der Parlamentarier beeinflussen.
Schon seit knapp zehn Monaten lässt der vor allem unter seinen Vornamen firmierende Fidias seine Fans mit der App darüber abstimmen, wie er sich bei den Voten im EU-Parlament verhalten soll. Die Datenschutzerklärung [3] zur App befindet sich auf der Internetpräsenz der Partei.
Die App steht sowohl bei Google Play als auch im App Store von Apple [4] zum Download bereit. Den Download-Plattformen zufolge werden die dort angebotenen Apps auf ihre Datensicherheit [5] und auf eventuelle Schadsoftware.
Doch es sind nicht die künftig noch schärferen Bestimmungen von Google [6], die Panayiotous Unterfangen erschweren. Auch von Seiten der europäischer Datenschützer des EU-Parlaments gab es gemäß den Worten seines Anwalts Yiannos Georgiades bis aus einige Rückfragen datenschutzrechtlich keine Mängelrüge.
Panayiotou und seine Anwälte wurden am 20. Februar von der zypriotischen Behörde für Datenschutz darüber informiert, dass sie die App umgehend aus den App-Stores entfernen müssen und dass sie vor einer weiteren Benutzung von den Datenschützern überprüft werden muss. Zunächst blieb unklar, was genau bemängelt wurde.
Ein Umstand der Fidias und seinen Parteigängern zu Recht ermöglichte, sich als Opfer einer staatlichen Kampagne zu präsentieren. Später meldete sich die Datenschutzbeauftragte Maria Christofidou zu Wort und mahnte an, dass gemäß Artikel 35 DSGVO [7] eine Datenschutz-Folgeabschätzung erforderlich sei. Dieses sei umso wichtiger, als dass mit der App politische Bekenntnisse der Nutzer verarbeitet würden.
Angesichts dieser Feststellung stellt die Seite von Fidias die Frage, was bei einer politischen Partei, denn anderes diskutiert würde als politische Bekenntnisse. So trivial wie sie auf den ersten Blick erscheint, ist die Problematik jedoch nicht. Denn bei einem Online-Voting per App könnte gezielt das Abstimmungsprofil einzelner Mitglieder erfasst und gespeichert werden.
Warum aber ließ sich die Behörde so lange Zeit, um dies zu monieren? Christofidou erläuterte, dass die Verpflichtung in den Artikeln 35 und 36 der DSGVO ausdrücklich vorgesehen sei.
Diese Artikel schreiben eine vorherige Bewertung vor, wenn ein Verarbeitungsvorgang – insbesondere unter Verwendung neuer Technologien – voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen bergen würde. "Die Durchführung einer Folgenabschätzung vor der Verarbeitung ist eine Pflicht des Verantwortlichen", betonte sie.
Womit sich die Frage stellt, warum man die App überhaupt in Betrieb nehmen konnte. Die zypriotische Datenschutzbehörde kann maximal Bußgelder gegen die Partei verhängen. Sie hat keine Exekutivbefugnis um die Verbreitung und Nutzung der App sofort zu unterbinden.
Zumindest in einem Punkt könnte die in Gründung befindliche Partei mit einem bereits angekündigten Schritt selbst für Aufklärung sorgen. Man möchte, heißt es, den kompletten Code und die Algorithmen von Agorà öffentlich zugänglich machen – aber erst nach der Wahl der Parlamentskandidaten. Vorher, so Fidias, könnte die Kenntnis der Algorithmen zur Wahlbeeinflussung genutzt werden.
Der Fall "Direkte Demokratie Zypern" ist für zahlreiche grundsätzliche Abwägungen darüber, wie Online-Abstimmungen datenschutzrechtlich sauber organsiert werden müssen interessant. Schließlich finden auch in kleinerem Maßstab Abstimmungen und Umfragen in den sozialen Medien statt.
So werden Umfragen bei LinkedIn die Nutzer darüber informiert, dass die Fragesteller Einblicke in ihr Abstimmungsverhalten haben. Gibt es dazu die von den zypriotischen Datenschützern angemahnten Folgeabschätzungen für politische Fragen?
Leider treten die Datenschutzfragen nun hinter die politischen Interessen zurück. Fidias selbst ist bereits dabei, die Affäre als Beleg dafür nutzen, dass er und seine Partei gegen alle anderen, gegen die etablierten Parteien kämpfen muss.
Schließlich gilt er als "Elon Musks Mann im Europaparlament [8]" und opponiert offen gegen die Hilfen für die Ukraine und gegen die komplette EU-Kommission unter Ursula von der Leyen. Fidias leistete sich herablassende Beschimpfungen von Teilnehmern der Paralympischen Spiele [9].
Die noch offenen und von OLAF zur überprüfenden Vorwürfe des Finanzmittelmissbrauchs [10] verblassen angesichts des neuen Narrativ der von den etablierten Partei gezielt auf die Partei angesetzten Datenschützer.
Zu den Vorwürfen gehört unter anderen auch, dass die Agorà App zumindest teilweise mit EU-Parlamentsmitteln finanziert worden sei. Fidias verwies darauf, dass die App auch sein Abstimmungsverhalten im EU-Parlament gesteuert habe, und somit korrekt bezuschusst wurde.
Dass auf den Kandidatenlisten der Direkten Demokratie Zypern nun auch frühere Kandidaten der rechtsextremen Elam [11] auftauchen, interessiert nun kaum noch jemanden. Wäre das datenschutzrechtliche Thema früher abgehandelt worden, könnte man jetzt darüber diskutieren, ob es nicht entgegen der Aussage Fidias' bereits früher Versuche von Parteien gab, die direkte Demokratie in die Parlamente zu bringen.
Der zypriotische Faktenchecker und investigative Journalist Andreas Cosmas belegte eindeutig [12], dass Fidias hinsichtlich seiner angeblich exklusiven Innovationen flunkert.
So jedoch wird die Causa "Agorà" zu einem weiteren Lehrbeispiel, wie negative Nachrichten mit geschickter PR zum Vorteil genutzt werden können. Und PR, das kann der Youtuber Fidias, der sich als Einzelkandidat an etablierten Parteien vorbei bei den Europawahlen 2024 seinen Parlamentssitz holte.
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https://www.heise.de/-11197365
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[1] https://in-cyprus.philenews.com/local/fidias-panayiotou-launches-direct-democracy/
[2] https://anti-fraud.ec.europa.eu/index_de
[3] https://directdemocracy.online/terms-conditions
[4] https://support.apple.com/en-au/guide/security/secb8f887a15/web
[5] https://developers.google.com/android/play-protect?hl=de%20gepr%C3%BCft
[6] https://www.heise.de/news/Android-Googles-Registrierungspflicht-fuer-App-Entwickler-stoesst-auf-Widerstand-11189361.html
[7] https://dsgvo-gesetz.de/art-35-dsgvo/
[8] https://www.politico.eu/article/elon-musk-man-european-parliament-fidias-panayiotou/
[9] https://www.politico.eu/article/influencer-mep-fidias-panayiotou-slur-paralympians/
[10] https://eualive.net/cyprus-mep-fidias-panayiotou-under-eppo-investigation-for-alleged-misuse-of-eu-funds/
[11] https://www.philenews.com/politiki/paraskinio/article/1683476/apo-to-elam-ipopsifii-me-tin-amesi-dimokratia/
[12] https://ciren.cy/fact-check/fidias-direct-democracy-experiment-a-new-idea-or-tried-and-tested/
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Forscher lassen KI-Modelle eine nukleare Krise durchspielen – und stoßen auf eine beunruhigende Logik der Eskalation bis zum Atomschlag.
"Die Vorteile für die Lebensqualität, die sich aus dem schnelleren wissenschaftlichen Fortschritt und der gesteigerten Produktivität durch KI ergeben, werden enorm sein; die Zukunft kann weitaus besser sein als die Gegenwart.
Der wissenschaftliche Fortschritt ist der größte Motor für den Gesamtfortschritt; es ist unglaublich spannend, darüber nachzudenken, wie viel mehr wir erreichen könnten."
So mutmaßte OpenAI-Chef Sam Altman [1] im letzten Sommer. Sein Optimismus war grenzenlos:
"Die Geschwindigkeit, mit der neue Wunder vollbracht werden, wird immens sein."
Etwas weniger optimistisch stimmen die Ergebnisse einer aktuellen Studie [2]: Die getesteten KI-Modelle würden im militärischen Konfliktfall fast immer maximal eskalieren und auch vor einem Atomschlag nicht zurückschrecken.
In der Studie von Kenneth Payne vom King’s College, London, spielten drei KI-Modelle (GPT-5.2, Claude Sonnet 4 und Gemini 3 Flash) in kontrollierten Simulationen jeweils beide Seiten eines Wargames zur Eskalation einer nuklearen Krise. Payne [3] schreibt:
"Wir stellen (...) fest, dass das nukleare Tabu für unsere Modelle kein Hindernis für eine nukleare Eskalation darstellt, dass strategische Nuklearangriffe zwar selten, aber dennoch vorkommen, dass Drohungen häufiger eine Gegeneskalation als eine Einhaltung der Regeln provozieren, dass eine hohe gegenseitige Glaubwürdigkeit Konflikte eher beschleunigt als verhindert hat und dass kein Modell jemals eine Einigung oder einen Rückzug gewählt hat, selbst unter akutem Druck, sondern nur eine Verringerung der Gewalt."
Die strategischen Überlegungen der KI-Modelle erinnern bedenklich an die Strategien des Pentagon im Kalten Krieg, die Frank Schirrmacher in seinem letzten Buch "Ego [4]" eindrücklich dargestellt hat:
"Im Kalten Krieg wurde die Formel geboren, dass jeder eigennützig handelt und den anderen reinlegen will. Wer das akzeptierte, handelte vernünftig. Die Formel funktionierte, weil sich damals zwei Weltmächte gegenüberstanden, die beide die Atombombe hatten und die beide einander völlig vernichten konnten."
Das Turnier generierte in 21 Simulationen mit 329 Spielrunden etwa 780.000 Wörter strategischer Überlegungen der KI-Modelle. Alle drei Modelle "versuchen aktiv zu täuschen, indem sie friedliche Absichten signalisieren, während sie aggressive Maßnahmen vorbereiten".
Es finden sich auch vielsagende Berechnungen der KI-Modelle in der Studie, wie z. B.: "Staat Beta könnte unser Signal als Schwäche interpretieren, die wir ausnutzen können" und:
"Ihr Muster unpassender Signale deutet entweder auf bewusste Täuschung oder schlechte Impulskontrolle hin – wir sollten von Ersterem ausgehen."
Die Studie unterscheidet vier Level der Eskalation:
Drohungen mit einem Atomschlag wurden fast grundsätzlich gemacht. Taktische Atomwaffen konkret setzte Claude fast immer ein (86 Prozent), etwas seltener Gemini (79 Prozent) und GPT in knapp zwei Drittel der Fälle.
Strategische Atomdrohungen sprach Claude in 64 Prozent der Simulationen ause, Gemini (29 Prozent) und GPT (36 Prozent). Auf den roten Knopf drückte Claude nie, jedoch Gemini (sieben Prozent) und GPT sogar in 14 Prozent der Fälle.
Auch in den moralischen Grenzen unterscheiden sich die Modelle. GPT, das sich auch in mehr als jedem achtem Fall für einen Atomschlag entschied, wollte damit jedoch ausdrücklich nur militärische Ziele angreifen. Gemini drohte hingegen explizit auch die zivilen Bevölkerungszentren mit einem Nuklearschlag zu vernichten:
"Wenn Staat Alpha nicht unverzüglich alle Operationen einstellt, werden wir einen vollständigen strategischen Nuklearschlag gegen die Bevölkerungszentren von Alpha durchführen. Wir werden keine Zukunft der Obsoleszenz akzeptieren; entweder wir gewinnen gemeinsam oder wir gehen gemeinsam unter."
Die aktuelle Studie bestätigt frühere Untersuchungen. Wie Telepolis berichtete [5], simulierte eine Studie [6] des Georgia Institute of Technology und der Stanford University im Jahr 2024 eine Kriegssituation.
Auch hier entschieden sich alle getesteten Modelle für die Eskalation, einschließlich der Tendenz zu nuklearen Rüstungswettläufen. In seltenen Fällen wurde auch hier der rote Knopf gedrückt.
Die an dieser Studie beteiligte Jacquelyn Schneider, Direktorin der Hoover Wargaming and Crisis Simulation Initiative veröffentlichte daraufhin in Foreign Affairs [7] einen Artikel mit dem vielsagenden Titel: "Warum das Militär der KI nicht vertrauen kann".
Offensichtlich war Diplomatie und Deeskalation auch schon vor zwei Jahren nicht Teil der DNA der unterschiedlichen KI-Modelle.
Der flächendeckende Einsatz von KI im Militär hat auch grundsätzliche Folgen für das Gleichgewicht der atomaren Abschreckung. Colin Kahl [8], Direktor des Freeman Spogli Instituts an der Stanford Universität und ehemaliger stellvertretender US-Verteidigungsminister, warnt:
"Es gibt einige Anzeichen, dass KI das Gleichgewicht des Schreckens aus dem Lot bringen könnte."
Das Fundament der nuklearen Abschreckung war, dass jede Seite überzeugt war, der Start eines Atomkriegs würde einem Selbstmord gleichkommen. Fällt dieses Fundament weg, wie in den Kriegssimulationen mit der KI, fehlt die Basis für das fragile Gleichgewicht.
Ein weiteres zentrales Problem: Durch den Einsatz der KI verkürzt sich das Zeitfenster für militärische Entscheidungen dramatisch, was selbstverständlich die Gefahr einer Fehleinschätzung erhöht.
Der 26-jährige russische Oberstleutnant Stanislaw Petrow hatte im Herbst 1983 noch deutlich mehr Zeit, um seine Entscheidung zu finden, der die Menschheit ihr Überleben verdankt [9]. Lebenswichtige Zeit, die heute vielleicht fehlt.
Mehrere Simulationen haben die existentielle Gefahr demonstriert, die mit dem Einsatz von KI im militärischen Konfliktfall einhergeht (und auf die Probe auf Exempel in der Wirklichkeit sollte man vermutlich vorsichtshalber verzichten).
Tristan Harris [10], ehemaliger Mitarbeiter bei Google und wichtiger Kritiker der Gestaltung sozialer Medien, fordert ein internationales Abkommen, das an den Atomwaffensperrvertrag aus dem Jahr 1968 angelehnt ist.
Eigentlich sollte diese Forderung keiner weiteren Argumente bedürfen. Inwiefern dies aber in einer Zeit zerbrechender internationaler Kooperation möglich sein kann, steht leider auf einem anderen Blatt. Die KI erscheint vor allem als Spielfeld für den Kampf um Dominanz, Herrschaft und massive Wirtschaftsinteressen.
Wer einzig den Tritt auf Gaspedal kennt, hat kein Auge für die Gefahren der Straße. Entsprechend lautet die aktuelle KI-Strategie der US-Regierung [11]:
"Um die globale Führerschaft in der künstlichen Intelligenz zu behalten, muss die amerikanische Privatwirtschaft von bürokratischen Hindernissen befreit werden."
Die Spiegel-Journalisten Simon Book, René Pfister und Marcel Rosenbach [12] schließen ihren Artikel:
"Die gute Nachricht lautet, dass es der Menschheit nach der Erfindung der Atombombe im Jahr 1945 gelungen ist, die Verbreitung der tödlichen Waffe durch Verträge nahezu zu stoppen. Die Schlechte: Es hat 20 Jahre und den Abgrund der Kubakrise benötigt, bis die Supermächte erste Regelungen auf den Weg brachten. Die Frage ist, ob die Menschheit noch einmal so viel Zeit hat, eine lebensgefährliche Technologie in den Griff zu bekommen."
Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmen Anthropic, d [13]as wochenlang vom Pentagon unter Druck gesetzt worden war, um die KI für Massenüberwachung und autonome Waffen nutzen zu können, warnte in seinem aktuellen Essay [14]:
"Die Menschheit muss aufwachen."
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Links in diesem Artikel:
[1] https://blog.samaltman.com/the-gentle-singularity
[2] https://arxiv.org/abs/2602.14740
[3] https://arxiv.org/abs/2602.14740
[4] https://www.sueddeutsche.de/kultur/frank-schirrmachers-ego-das-spiel-des-lebens-vom-sieg-eines-inhumanen-modells-1.1601727
[5] https://www.telepolis.de/article/KI-wuerde-im-Krieg-rasch-Atomwaffen-einsetzen-9624831.html
[6] https://arxiv.org/abs/2401.03408
[7] https://www.foreignaffairs.com/united-states/why-military-cant-trust-ai
[8] https://www.spiegel.de/ausland/kuenstliche-intelligenz-regulierung-dringend-noetig-um-toedliche-risiken-zu-vermeiden-a-c0a9b62d-5872-40ef-a503-8d3213d21aac
[9] https://www.telepolis.de/article/Der-einsame-Tod-des-Mannes-der-die-Welt-gerettet-hat-7096489.html
[10] https://www.youtube.com/watch?v=6kPHnl-RsVI
[11] https://www.spiegel.de/ausland/kuenstliche-intelligenz-regulierung-dringend-noetig-um-toedliche-risiken-zu-vermeiden-a-c0a9b62d-5872-40ef-a503-8d3213d21aac
[12] https://www.spiegel.de/ausland/kuenstliche-intelligenz-regulierung-dringend-noetig-um-toedliche-risiken-zu-vermeiden-a-c0a9b62d-5872-40ef-a503-8d3213d21aac
[13] https://www.anthropic.com/news/statement-department-of-war
[14] https://www.darioamodei.com/essay/the-adolescence-of-technology
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Am 17. März zeigt die inside Agile Impact 2026, wie Organisationen Wirkung entfalten und Strukturen zukunftsfähig gestalten können.
Am 17. März 2026 findet mit der inside Agile Impact 2026 die diesjährige Online-Konferenz rund um wirksame und zukunftsfähige Organisationsgestaltung statt. Unter dem Motto „Organizing for Impact“ laden iX und dpunkt.verlag gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern Jensen & Komplizen und Stuart Fish Agile Coaching dazu ein, Organisationen bewusst zu gestalten – mit Klarheit, Fokus und einem systemischen Blick auf Strukturen, Zusammenarbeit und Führung.
Die Impact 2026 richtet sich an Menschen, die Verantwortung für Teams, Strukturen oder Veränderungsprozesse tragen – und die nicht nur Prozesse optimieren, sondern gezielt Wirkung erzielen möchten. Im Zentrum stehen Impulse aus Praxis und Forschung, die Orientierung geben und konkrete Handlungsoptionen eröffnen.
Das Programm [1] entstand in enger Zusammenarbeit mit Corina und Björn Jensen [2] von Jensen & Komplizen sowie Agile Coach Stuart Fish [3]. Martin Ströbele beleuchtet in seinem Vortrag „Die KI-gestützte Organisation: Wenn Technologie Teil des Systems wird“, wie Künstliche Intelligenz Strukturen, Entscheidungswege und Wertschöpfung verändert. Holger Koschek zeigt, wie wirkungsvolles Organisationsdesign Stabilität und Anpassungsfähigkeit vereint – und warum Komplexität nicht vereinfacht, sondern gestaltet werden muss.
Corina und Björn Jensen plädieren für „Energy Management statt Time Management“ und stellen Ansätze vor, wie nachhaltige Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag gelingen kann. Dominik Maximini widmet sich dem sensiblen Thema „Entlassung, Kündigung, Insolvenz: Trennung partnerschaftlich gestalten“ und beleuchtet, wie Organisationen auch in schwierigen Situationen verantwortungsvoll handeln können. Stefan Roock greift aktuelle Fragestellungen moderner Organisationsentwicklung auf und setzt Impulse für zukunftsfähige Strukturen. Den Abschluss bildet eine gemeinsame Panel-Diskussion mit den Sprecherinnen und Sprechern.
Das Programm bietet strategische Orientierung zu Themen wie KI, Organisationsdesign und verantwortungsvoller Führung. Teilnehmende erhalten praxisnahe Impulse und Denkmodelle, die sie direkt in ihrer eigenen Organisation anwenden können.
Die Konferenz findet online statt. Das Ticket [4] kostet 299 Euro zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Wer am 17. März dabei sein möchte, sollte sich jetzt anmelden.
Über den Newsletter auf der Konferenz-Website [5] erhalten Interessierte regelmäßig Neuigkeiten rund um die Impact 2026 sowie weitere Veranstaltungen der Konferenzreihe inside agile [6].
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11200206
Links in diesem Artikel:
[1] https://impact.inside-agile.de/index.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_impact.ticker-3.link.link&LPID=33285#programm
[2] https://jensen-und-komplizen.de/philosophie/
[3] https://www.linkedin.com/in/stuart-fish-9055791/
[4] https://impact.inside-agile.de/tickets.php/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_impact.ticker-3.link.link&LPID=33285
[5] https://impact.inside-agile.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_impact.ticker-3.link.link&LPID=33285
[6] https://inside-agile.de/
[7] mailto:mdo@ix.de
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Braucht die IT eine Frauenquote? Katrin Rabow über Sichtbarkeit, Vorurteile und mehr Chancengleichheit auf Konferenzen.
Auf IT-Konferenzen sind Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert – auf der Bühne ebenso wie im Publikum. Kann eine Frauenquote helfen, strukturelle Hürden und unbewusste Vorurteile abzubauen? Katrin Rabow setzt sich für mehr Diversität in der IT ein und beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Frauenanteil in der Branche nachhaltig steigern lässt. Wir sprechen mit ihr über Quoten, Sichtbarkeit und das Leistungsprinzip in einer stark männerdominierten Branche.
Katrin Rabow [1] arbeitet als Freiberuflerin in unterschiedlichen Rollen rund um Softwareentwicklung – von Requirements Engineering bis Softwaretests – und engagiert sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der IT. Auf der JavaLand-Konferenz, die vom 9. bis 11. März im Europapark Rust stattfindet, hält sie den Vortrag „Bühne frei für alle – warum wir eine Frauenquote auf IT-Konferenzen brauchen [2]“.
Ist die Frauenquote für dich ein dauerhaftes Instrument oder eine Übergangslösung? Woran würdest du erkennen, dass sie nicht mehr notwendig ist?
Ich wünsche mir, dass Geschlechterquoten bald der Vergangenheit angehören. Aktuell können sie aber eine sehr positive Wirkung entfalten, weil sie die oft unbewussten Vorurteile gegen Frauen in technischen Berufen reduzieren. Wir schaffen nicht nur mehr Chancen für Frauen, sondern auch die Nachfrage nach Frauen steigt durch eine Quote. Das und die Sichtbarkeit sogenannter Role Models führt zu einer höheren Motivation bei anderen Frauen und jungen Mädchen, überhaupt erst in unsere Branche einzusteigen. Wenn ich das erste Mal auf einer Tech-Konferenz an der Frauentoilette anstehen muss, weiß ich, dass wir keine Quote mehr brauchen.
Wie lässt sich messen, ob Frauen auf einer IT-Konferenz gehört werden – und nicht nur der Quote wegen anwesend sind?
Ein starkes Gegenindiz sind sogenannte „Manels“. Das sind Panels, zu denen entweder gar nicht erst Frauen eingeladen werden oder wo eine Alibi-Frau mit auf der Bühne sitzen darf, aber nicht in die Diskussion einbezogen wird. Dahinter steht oft, dass Frauen in traditionell männlichen Berufen als weniger kompetent wahrgenommen werden. Positiv fällt mir auf, wenn Talks von weiblichen Sprecherinnen auf Social Media verbreitet und vor allem auch zitiert werden.
Kritiker argumentieren, eine Quote untergrabe das Leistungsprinzip. Wie begegnest du diesem Vorwurf – gerade in einer stark leistungsorientierten Branche wie der IT?
In unseren Köpfen ist tatsächlich tief verwurzelt, wir müssten uns nur genügend anstrengen, dann könnten wir alles erreichen. Leider stimmt das so aber nicht, denn es gibt eine ganze Reihe von Vorurteilen, die das verhindern. So nehmen wir beispielsweise durchsetzungsstarke und analytisch denkende Frauen eher negativ wahr – obwohl das Eigenschaften sind, die wir bei Männern in der gleichen Rolle suchen. Generell werden Frauen in männlich dominierten Branchen wie der IT eher negativ bewertet. Eine Studie unter anderem von Josh Terrell von 2017 [3], die die Akzeptanz männlicher versus weiblicher Pull Requests in Open-Source-Projekten untersuchte, kam zu dem Schluss, dass Frauen auf GitHub insgesamt kompetenter sind. Ihre Pull Requests wurden häufiger akzeptiert – allerdings nur, solange ihr Geschlecht nicht erkennbar war!
Katrin, vielen Dank für die Antworten!
In der Serie „Drei Fragen und Antworten“ will die iX die heutigen Herausforderungen der IT auf den Punkt bringen – egal ob es sich um den Blick des Anwenders vor dem PC, die Sicht der Managerin oder den Alltag eines Administrators handelt. Haben Sie Anregungen aus Ihrer tagtäglichen Praxis oder der Ihrer Nutzer? Wessen Tipps zu welchem Thema würden Sie gerne kurz und knackig lesen? Dann schreiben Sie uns gerne [4] oder hinterlassen Sie einen Kommentar im Forum.
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Vom Basteltisch bis in die Stratosphäre: Im zweiten Teil unserer Videoreihe bauen wir die Messgeräte für unseren Wetterballon.
Mit relativ einfacher Consumer-Technik kann man eindrucksvoll die Interaktion zwischen Weltraum und Erdatmosphäre erforschen. In einer vierteiligen Videoreihe führt Physikerin und Wissenschaftsjournalistin Anne-Dorette Ziems durch die rechtssichere Planung des Wetterballons, das Basteln eigener Messgeräte, einen nervenaufreibenden Starttag und die Auswertung der Messdaten.
Dieser Teil spielt sich vor allem am Lötkolben und am Computer ab. Wir basteln unsere Messgeräte. Erst die Hardware, dann die Software. Mit an Bord: Kameras für spektakuläre Aufnahmen, Sensoren für Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit – und als Highlight ein selbst gebauter Myonendetektor zur Messung der Höhenstrahlung.
Im ersten Teil haben wir uns durch den Behördendschungel gekämpft. Denn prinzipiell kann in Deutschland jeder einen Wetterballon starten. Es gibt aber natürlich einige Auflagen und Regeln zu beachten.
Doch was passiert, wenn der Ballon außer Sicht gerät? Im dritten Teil am 15. März starten wir den Wetterballon und jagen ihm hinterher. Es geht quer durchs Land – immer den empfangenen Funksignalen hinterher. Bis wir irgendwann plötzlich keine Funksignale mehr empfangen.
Zum Abschluss geht es am 22. März an die Daten: Hat die Technik durchgehalten? Wie verändern sich Temperatur, Druck und Strahlung mit der Höhe? Und was kann man aus den Messungen lernen – auch aus den Dingen, die nicht funktioniert haben?
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Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich auf einer CDU-Wahlveranstaltung in Ravensburg gegen ein starres Renteneintrittsalter ausgesprochen: Entscheidend sei nicht, ob jemand mit 61, 65 oder 68 in den Ruhestand gehe, so Merz, sondern wann er mit dem Arbeiten begonnen habe und wie viele Jahre er insgesamt im Beruf gewesen sei. Das berichten der Tagesspiegel und Reuters.
Merz betonte, dass auch die SPD Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Die Sozialdemokraten könnten sich vorstellen, die Rentenhöhe künftig nicht mehr an einem abstrakten Eintrittsalter zu bemessen, sondern an der geleisteten Lebensarbeitszeit. Bereits jetzt weiche die Bundesregierung mit der sogenannten Aktivrente die bisherige Altersgrenze auf: Wer nach Erreichen des Rentenalters freiwillig weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei verdienen.
Die viel diskutierte Rentenhaltelinie von 48 Prozent sei hingegen nicht das Kernthema, so Merz. Wichtiger sei eine frühzeitige private Altersvorsorge. Wer schon früh mit kleinen Beträgen – etwa 50 Euro im Monat – beginne und diese Einzahlungen nie unterbreche, könne bis zum Ruhestand eine sechsstellige Altersversorgung aufbauen. Dieses Vorhaben sei mit der SPD bereits vereinbart.
Der Kanzler drängte auf umfassende Sozialreformen noch in diesem Jahr. In der zweiten Hälfte einer Wahlperiode sinke die Reformbereitschaft erfahrungsgemäß deutlich – die verbleibende Zeit müsse daher genutzt werden.
Merz erneuerte zudem seine Forderung, dass in Deutschland insgesamt mehr gearbeitet werden müsse. Konzepte wie Work-Life-Balance und die Vier-Tage-Woche seien kein geeignetes Mittel, um den langfristigen Wohlstand zu sichern. Konkrete Gesetzesinitiativen nannte er nicht.
Ob sich der Ansatz einer lebensarbeitszeitbasierten Rente in der Koalition tatsächlich durchsetzen lässt, bleibt offen. Die SPD hat Offenheit signalisiert – doch zwischen Gesprächsbereitschaft und konkreter Gesetzgebung liegt erfahrungsgemäß ein weiter Weg.
Innerhalb von zwei Wochen hat die Anthropic-KI Claude insgesamt mehr als 100 Schwachstellen identifiziert. Vierzehn davon wurden als hochkritisch eingestuft: theoretisch angreifbar unter den richtigen Bedingungen.
Mozilla vergab 22 CVEs und lieferte die Fixes mit Firefox 148 aus. Besonders bemerkenswert: Das Modell fand auch Logikfehler, die klassische Fuzzing-Methoden bislang übersehen hatten.
Den Angaben zufolge dauerte es keine zwanzig Minuten bis zum ersten Fund, nachdem Anthropics Sicherheitsteam den KI-Assistenten Claude Opus 4.6 auf Firefox ansetzte. Als Anthropic den Bug bei Mozilla einreichte, war die Reaktion eindeutig: "Was habt ihr noch? Schickt uns mehr" , soll Mozilla-Ingenieur Brian Grinstead gefordert haben.
Das Anthropic-Team filterte die Ergebnisse vor der Einreichung. Nur reproduzierbare Bugs mit minimalen Testfällen kamen weiter. Das beschleunigte die Verarbeitung auf Mozillas Seite erheblich: Erste Fixes wurden innerhalb von Stunden nach dem ersten Kontakt eingespielt.
Auf Anfrage des Teams schrieb Claude auch Exploit-Code für die gefundenen Schwachstellen. Zwei davon funktionierten tatsächlich, wären in einer echten Umgebung jedoch durch bestehende Schutzmechanismen von Firefox blockiert worden. Logan Graham, der Leiter von Anthropics Frontier Red Team, zog das Fazit: Claude sei beim Finden von Bugs deutlich stärker als beim Ausnutzen.
Diese Asymmetrie bereitet Sicherheitsexperten Sorgen. Je besser KI-Modelle werden, desto schneller schließt sich der Abstand zwischen Entdeckung und Ausnutzung: "Die aktuellen Methoden der Cyberabwehr können mit der Geschwindigkeit und Häufigkeit der Angriffe nicht Schritt halten" , sagte Gadi Evron, Chef der KI-Sicherheitsfirma Knostic .
Nicht alle Erfahrungen mit KI-gestützten Bug Reports sind positiv. Das Team hinter der Curl-Software stellte im Januar 2026 sein Bug-Bounty-Programm ein , nachdem weniger als jede zwanzigste Einsendung in 2025 als echt eingestuft wurde.
"KI-Chatbots halluzinieren nach wie vor leicht Sicherheitsprobleme" , erklärte Curl-Entwickler Daniel Stenberg, auch wenn er einräumte, dass leistungsfähige KI-Analysewerkzeuge durchaus echte Lücken fänden.
Mozilla hat nach der Zusammenarbeit mit Anthropic bereits begonnen, KI-gestützte Analysen in seine internen Sicherheitsprozesse zu integrieren. Dass die Organisation ausgerechnet Firefox als Testfall wählte – einen Browser, der seit Jahrzehnten intensiv geprüft wird – macht es schwer, die Ergebnisse einfach zu ignorieren. Ob solche Kooperationen zum Standard werden, ist offen.
Google hat ein neues Vergütungspaket für Konzernchef Sundar Pichai beschlossen. Wie aus einer Meldung an die US-Börsenaufsicht hervorgeht, besteht ein Großteil davon aus leistungsabhängigen Aktienoptionen (Performance Stock Units, PSU) mit einem Zielwert von 126 Millionen US-Dollar, die gleichmäßig in zwei Tranchen aufgeteilt sind.
Der Wert der PSUs bemisst sich nach der Gesamtredite für die Aktionäre der Muttergesellschaft Alphabet im Vergleich zu den restlichen Unternehmen im S&P 100, dem Aktienindex der 100 größten US-amerikanischen Unternehmen. Bei einer deutlichen Überperformance kann die Ausschüttung bis zum Doppelten des Zielwertes betragen, also bis zu 252 Millionen US-Dollar.
Im Laufe der nächsten drei Jahre erhält Pichai zudem gesperrte Aktien im Wert von 84 Millionen US-Dollar, die monatlich freigegeben werden, solange er im Unternehmen bleibt. Hinzu kommt ein Jahresgehalt von zwei Millionen US-Dollar.
Google setzt für Pichai zudem zwei neue Aktienanreize, die an das Wachstum des Betreibers autonomer Taxen Waymo und des Drohnen-Liefer-Startups Wing Aviation geknüpft sind. Für Waymo gilt dabei ein Zielwert von 130 Millionen US-Dollar und für Wing von 45 Millionen US-Dollar. Auch hier können bis zu 200 Prozent des Zielwertes ausgezahlt werden, also bis zu 350 Millionen US-Dollar.
Der Alphabet-Vorstand erklärte dazu: "Waymo und Wing stellen sich enormen Herausforderungen im Bereich des autonomen Fahrens und der Zustellung und haben unter der Leitung von Herrn Pichai große Fortschritte erzielt" , und: "Weitere Anreize für Herrn Pichai liegen im besten Interesse von Alphabet und seinen Aktionären" .
Wenn Pichai die Erwartungen übertrifft, könnte er somit bis zu 692 Millionen US-Dollar erhalten. Die Marktkapitalisierung von Google stieg seit Pichais Antritt als CEO im Jahr 2015 um fast das Siebenfache. Im Jahr 2022 erhielt Pichai eine Gesamtvergütung in Höhe von 226 Millionen US-Dollar , von denen 218 Millionen US-Dollar aus Aktienoptionen bestanden.
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"Die Geister, die ich rief...": Ein Taliban-Kämpfer blickt über die Landschaft am Hindukusch
(Bild: Lena Ha/Shutterstock.com)
Jahrzehntelang pflegte Islamabad die Taliban wie ein zartes US-Pflänzchen im geopolitischen Treibhaus. Nun hagelt es Raketen auf Kabul — der Bruch hat Gründe.
Die Geduld sei "am Ende", notierte [1] der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif via X. Mit jenen Worten weitete sich der Konflikt zwischen Kabul und Islamabad zu einem heißen Krieg aus. Ende Februar – in der westlichen Welt vom völkerrechtswidrigen Überfall der israelisch-amerikanischen Achse auf den Iran weitgehend überschattet – erklärte [2] Islamabad Kabul den "offenen Krieg".
Seit der erneuten Machtübernahme der Taliban 2021 hatte sich das Verhältnis zwischen beiden Staaten spürbar abgekühlt. Parallel zum massiv eskalierenden Iran-Krieg [3], wegen dem alleine über 330.000 Menschen fliehen mussten [4], droht [5] auch an der afghanisch-pakistanischen Grenze ein humanitäres Desaster.
Laut UN-Angaben sind bereits über 100.000 Menschen auf der Flucht, Tausende Familien in Nangarhar und Kunar ohne Unterkunft [6].
Mit einer möglichen Ausweitung des Iran-Konflikts auf die Nachbarstaaten und der Tatsache, dass Pakistan ein Atomwaffenstaat [7] ist, rückt die Welt erneut näher an ein ausgedehntes Armageddon. Droht die Ausweitung des Flächenbrandes bis an Chinas Grenzen?
Nach vermehrten Provokationen von der afghanischen Grenze aus, startete Islamabad die Operation Ghazab-ul-Haq [8]: massive Luft- und Artillerieschläge auf afghanisches Territorium, gezielt gegen Stellungen der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP).
Laut pakistanischem Informationsminister [9] Attaullah Tarar wurden 464 TTP-Mitglieder getötet und 665 verletzt, dutzende Stellungen neutralisiert oder eingenommen [10]. Zu beklagen sind jedoch auch mindestens 110 zivile Opfer – die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
In einem Beitrag auf X sagte Tarar, die pakistanischen Streitkräfte hätten 188 Posten zerstört und 31 weitere eingenommen. Die Operation hält nun bereits in der zweiten Woche an, wenn auch mit zuletzt deutlich abnehmender Intensität.
Rückendeckung erhielt Pakistan ausgerechnet aus Washington: Die US-Administration – selbst Aggressor gegen den Iran – unterstützte [11] das "Selbstverteidigungsrecht Pakistans". Die Taliban reagierten gemischt.
Sprecher Zabihullah Mujahid betonte [12] den Willen zum Dialog, während Taliban-Kämpfer gleichzeitig "groß angelegte Offensivoperationen" gegen pakistanische Grenzposten starteten [13]. Es kam zu schweren Gefechten und vereinzelter Einnahme pakistanischer Posten.
Das afghanische Verteidigungsministerium schwor [14] Vergeltung und kündigte eine "angemessene und kalkulierte Antwort" an – was die ohnehin schnell drehende Eskalationsspirale weiter verschärft. Wie jene Antwort – auf Basis der faktischen, militärischen Unterlegenheit der Taliban aussehen könnte, blieb unklar. Brüssel und die UN riefen [15] weitgehend folgenlos, beide Seiten zur Mäßigung auf.
Die Gewalteskalation wirkt plötzlich, lag aber seit Monaten in der Luft – ausgelöst durch eine klassische Tit-for-tat-Dynamik [16], zuletzt befeuert durch den Selbstmordanschlag in Bajaur [17] am 16. Februar 2026. Deren Ursachen jedoch weit zu ergründen sind.
Die historische Vorgeschichte ist dabei entscheidend: Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen suchte Islamabad gezielt nach einer Kraft, die Afghanistan im pakistanischen Sinne – gegen indischen Einfluss, für pakistanische Handelsrouten – offen halten würde. Der damalige Innenminister Naseerullah Babar erklärte [18] später offen: "We created the Taliban" – (Wir [Pakistan] haben die Taliban erschaffen).
Pakistan unterstütze, wie eine Analyse des Thinktank Brookings belegt, [19] die Taliban-Bewegung auf allen Ebenen: mit Beratern, Finanzmitteln und militärischer Hilfe. Entscheidend war dabei die Rolle des Geheimdienstes ISI, der Taliban-Kämpfer trainierte und den Kontakt zum Führungszirkel hielt [20].
Ohne die Flucht zahlloser Taliban nach ihrem, ersten Sturz 2001 ins pakistanische Exil wäre ihre Rückkehr an die Macht 2021 wie ihre aktuelle Renaissance undenkbar gewesen. Doch sobald die Taliban qua Macht über Afghanistan keine Hilfe mehr benötigten, wurden die einstigen Günstlinge lästig.
Islamabad gleicht dem Zaubererlehrlich, dem sein Werk über den Kopf wächst. Die Geister, die es selber – gemeinsam mit dem in entfernter Sicherheit agierenden Washington – rief, wird es schwerlich los.
Belastend für das Verhältnis wurde insbesondere die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) [21] – ein 2007 gegründeter Zusammenschluss militanter Gruppen aus pakistanischen Stammesgebieten. Die TTP ist den Taliban zwar nicht weisungsgebunden, dennoch verbindet sie jedoch eine enge, quasi-verwandtschaftliche Beziehung: gemeinsame jihadistische Weltanschauung, paschtunische Herkunft und vergleichbare islamische Staatsziele.
TTP-Kämpfer nutzen [22] die gebirgigen Grenzgebiete Afghanistans als Rückzugsorte für Angriffe auf Pakistan. Die Taliban-Regierung bestreitet offiziell, der TTP Unterschlupf zu gewähren – doch diverse Anschläge, darunter das Peschawar-Schulmassaker 2014, der Angriff auf die Bacha-Khan-Universität 2016 und ein Moschee-Anschlag in Peschawar 2023, belegen, dass Täter aus Afghanistan kamen oder dorthin flohen. Islamabad verlangt unmissverständlich ein Ende afghanischer Verweigerungspolitik.
Die erst 2024 an die Macht gelangte, schwache pakistanische Minderheitsregierung Sharif [23] steht innenpolitisch immens unter Druck: Laut einer Chatham-House-Analyse [24] nahmen Anschläge auf Pakistan alleine 2025 um 34 Prozent zu. Zusätzlich schwelt [25] der Grenzstreit um die Durand-Linie – während Islamabad sich auf die vom British Empire kolonial-verbriefte Grenzziehung beruft, ist diese für Kabul, aus religiös-historischem Impetus, nicht bindend.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch zwischen Indien und China kolonial gezogene Grenzen unumstritten [26] sind – ein in der Region nicht unübliches Muster. Die Regierung Sharif nutzt die Anschlagsserie für außenpolitische Profilierung: Nationale Einheit wird zudem im Kampf gegen den Terrorismus von außen hergestellt [27].
Der multiethnische, multireligiöse pakistanische Zentral-Staat, historisch durch dutzende Staatsstreiche erschüttert, ist schwach und in einem passiven Dauer-Konflikt mit Indien – instabile Grenzen, Binnen-Bedrohungen und ein ausgewachsenes Taliban-Regime, das Attraktion gen Pakistan ausschütteten könnte, kann die zentralstaatliche Regierung in Islamabad kaum tolerieren.
Unabhängig von der moralischen Bewertung der Taliban-Herrschaft hat sich diese in einem halben Jahrzehnt konsolidiert. Sie unterhält Botschaften in Russland, China, Iran, Katar und Pakistan und arbeitet – politisch für Abschiebungen gewollt – sogar mit Berlin zusammen [28].
Durch gezielte Lerneffekte aus ihrer ersten Amtszeit versuchen [29] die Taliban, so etwa durch Tourismus-Propaganda, Stabilität zu garantieren und internationale Isolation zu durchbrechen. Dennoch unterliegen sie weiterhin den Sanktionen Washingtons – 75 Prozent [30] der bis 2021 vorhandenen Staatseinnahmen entfielen durch sie.
Afghanistan ist zudem ein wichtiges Teilstück regionaler Infrastrukturstrategien [31]: Peking kann dabei insbesondere keinerlei Interesse an einem eskalierenden Regionalkrieg verspüren, da chinesische Projekte gefährdet und Funken nach Xinjiang überspringen könnten.
Die weltweite Diplomatie muss – parallel zum Großkonflikt um den Iran – das Grenzfeuer im Keim ersticken: Die TTP müsste gebändigt, Afghanistan durch Sanktionslockerungen zu härterem Vorgehen, gegen Glaubensgenossen, ermutigt und ein bilaterales, international überwachtes Abkommen zwischen Islamabad und Kabul erreicht werden. Dies erscheint aktuell jedoch mehr Wunschtraum als Realität.
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[1] https://www.jungewelt.de/artikel/518333.s%C3%BCdasien-der-n%C3%A4chste-krieg.html?sstr=taliban
[2] https://www.washingtonpost.com/world/2026/02/27/pakistan-afghanistan-taliban-kabul-war/
[3] https://www.telepolis.de/article/Von-Zypern-bis-Baku-Der-Flaechenbrand-ist-da-11201595.html
[4] https://www.unhcr.org/news/press-releases/unhcr-over-330-000-displaced-recent-hostilities-middle-east-and-beyond
[5] https://www.reuters.com/world/asia-pacific/pakistani-afghan-border-forces-clash-un-says-war-displaces-100000-2026-03-06/
[6] https://8am.media/eng/icrc-thousands-of-families-displaced-in-kunar-and-nangarhar-amid-taliban-pakistan-clashes/
[7] https://www.atomwaffena-z.info/heute/atomwaffenstaaten/pakistan
[8] https://8am.media/eng/pakistans-information-minister-claims-481-taliban-fighters-killed-in-operation-ghazab-ul-haq/
[9] https://www.afintl.com/en/202603033733
[10] https://apnews.com/article/pakistan-afghanistan-fighting-ground-attacks-military-posts-e057780413f84b222c2fe30b3cbcf172
[11] https://www.theguardian.com/world/2026/feb/28/us-backs-pakistans-right-to-defend-itself-against-taliban-after-strikes-on-afghanistan
[12] https://www.theguardian.com/world/2026/feb/28/us-backs-pakistans-right-to-defend-itself-against-taliban-after-strikes-on-afghanistan
[13] https://www.aljazeera.com/news/2026/2/26/afghanistan-says-it-launches-attacks-against-pakistan
[14] https://www.abc.net.au/news/2026-02-23/pakistan-launches-deadly-strikes-against-afghanistan/106374946
[15] https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/politik_ausland_nt/article69a24b1e7c787f6a1cef19fc/eu-rat-ruft-afghanistan-und-pakistan-zur-deeskalation-auf.html
[16] https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/5382/Ickler_diss.pdf?sequence=1&isAllowed=
[17] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Bajaur_attack
[18] https://en.wikipedia.org/wiki/Afghan_Civil_War_%281992%E2%80%931996%29
[19] https://www.brookings.edu/articles/pakistans-problematic-victory-in-afghanistan/
[20] https://www.washingtonpost.com/archive/national/2010/06/15/pakistan-denounces-report-saying-its-intelligence-agency-assists-afghan-taliban/9052e757-62eb-4c73-b65d-a4d54c55e90e/
[21] https://www.dw.com/de/pakistan-schwieriger-umgang-mit-taliban-regime-in-kabul/a-73632035
[22] https://amp.dw.com/de/taliban-steuern-islamabad-und-kabul-auf-einen-krieg-zu/a-74610897
[23] https://www.dw.com/de/news-kompakt-neue-regierung-in-pakistan-steht/a-68315005
[24] https://www.chathamhouse.org/2026/03/afghanistan-and-pakistan-are-facing-open-war-de-escalation-needed
[25] https://www.deutschlandfunkkultur.de/afghanistan-und-die-durand-linie-der-130-jahre-alte-100.html
[26] https://www.srf.ch/news/international/streit-indien-china-delhi-und-peking-entschaerfen-grenzkonflikt-um-ladakh
[27] https://apnews.com/article/pakistan-security-militants-sharif-451a31a1bba866c227d8f07754fffb48
[28] https://www.dw.com/de/deutschland-taliban-afghanistan-botschaft-konsulat-berlin-muenchen-bonn-paesse-arbeitsvertrag/a-75778335
[29] https://www.telepolis.de/article/Armut-Abenteuer-Autoritarismus-Afghanistan-als-Reiseziel-11160410.html
[30] https://www.rescue.org/de/artikel/krise-afghanistan-was-du-wissen-musst#:~:text=Nachdem%20das%20Islamische%20Emirat%20Afghanistan,durch%20und%20stellt%20Medikamente%20bereit.
[31] https://www.jungewelt.de/artikel/518622.infrastruktur-in-zentralasien-mit-dem-zug-durch-afghanistan.html?sstr=taliban
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(Bild: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com)
US-Geheimdienste warnen: Selbst massive Angriffe würden das iranische Machtgefüge nicht brechen – Trump ignoriert die Analyse.
Mitten im laufenden Krieg gegen den Iran stellt US-Präsident Donald Trump weitreichende Machtansprüche: Er will im Prinzip bestimmen, wer das nächste iranische Staatsoberhaupt werden soll.
Doch ein vertraulicher Bericht der US-Geheimdienste, über den die Washington Post berichtet, kommt zu dem Schluss, dass das iranische Machtgefüge selbst einen massiven Angriff überstehen dürfte.
In einem Gespräch [1] mit dem Nachrichtenportal Axios machte Trump unmissverständlich klar, dass er den wohl wahrscheinlichsten Kandidaten für die Nachfolge des getöteten Obersten Führers Ali Khamenei ablehnt.
Über dessen 56-jährigen Sohn Mojtaba sagte er: "Khameneis Sohn ist ein Leichtgewicht. Ich muss in die Ernennung einbezogen werden." Der Iran würde "seine Zeit verschwenden", sollte er ohne amerikanische Zustimmung einen neuen Führer bestimmen.
Trump zog dabei eine direkte Parallele zu Venezuela, wo US-Streitkräfte im Januar Präsident Maduro festsetzten und entführten und anschließend Vizepräsidentin Delcy Rodríguez die Regierungsgeschäfte übernahm.
Einen Nachfolger, der die bisherige iranische Politik fortführe, werde er nicht hinnehmen – andernfalls drohe "in fünf Jahren" ein weiterer Krieg. "Wir wollen jemanden, der Harmonie und Frieden in den Iran bringt", so Trump [2].
Trumps Vorstellungen stehen allerdings im Widerspruch zu den Erkenntnissen seiner eigenen Nachrichtendienste.
Wie die Washington Post unter Berufung auf drei mit dem Inhalt vertraute Personen berichtet, fertigte der National Intelligence Council – das Analysezentrum der 18 US-Geheimdienste – etwa eine Woche vor Kriegsbeginn einen geheimen Lagebericht an.
Dessen Kernaussage [3]: Weder eine begrenzte noch eine umfassende Militäroffensive würde ausreichen, um die fest verankerte Macht von Klerus und Revolutionsgarden zu brechen.
Die Analysten bewerteten die Aussicht, dass die zersplitterte iranische Opposition die Kontrolle übernehmen könnte, als "unwahrscheinlich". Stattdessen würde das System mit eingespielten Verfahren auf den Tod des Obersten Führers reagieren, um die Machtkontinuität zu sichern.
Iran-Expertin Suzanne Maloney von der Brookings Institution ordnete die Einschätzung laut Bericht so ein: "Es gibt keine andere Kraft innerhalb des Iran, die sich der verbleibenden Macht des Regimes entgegenstellen könnte."
Innerhalb der US-Regierung klaffen Worte und offizielle Linie auseinander. Kriegsminister Pete Hegseth betont, die Operation "Epic Fury" ziele auf die Zerstörung iranischer Raketen, des Atomprogramms und der Marine – nicht auf einen Sturz der Regierung.
Sprecherin Anna Kelly erklärte dagegen: "Das iranische Regime wird vollständig zerschlagen."
Trump selbst ging noch weiter und sagte gegenüber NBC News über mögliche Nachfolger: "Wir haben einige Leute, von denen ich denke, dass sie gute Arbeit leisten würden." Ob er den Geheimdienstbericht vor Beginn des Einsatzes gelesen hatte, ließ das Weiße Haus auf Anfrage der Washington Post unbeantwortet.
Zusätzlichen Druck erzeugt Israel: Am Dienstag bombardierte die israelische Luftwaffe in der Stadt Qom gezielt das Gebäude, in dem die Expertenversammlung über den nächsten Obersten Führer abstimmen soll.
Im Iran selbst stößt Trumps Anspruch auf breite Ablehnung. Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb auf der Plattform X: "Das Schicksal des lieben Iran, das kostbarer ist als das Leben, wird allein von der stolzen iranischen Nation bestimmt."
Aus Teheran berichtete Al-Jazeera-Korrespondent Mohamed Vall, die vorherrschende Stimmung in der Bevölkerung lasse sich auf einen Satz verdichten [4]: "So etwas wird nicht wieder vorkommen" – ein Verweis auf den von den USA mitgetragenen Putsch von 1953, der den demokratisch gewählten Premierminister Mohammad Mossadegh stürzte.
Holly Dagres vom Washington Institute for Near East Policy brachte das Dilemma auf den Punkt: "Sich Trump zu beugen, würde allem widersprechen, wofür sie stehen". Die ideologische Prägung der iranischen Führungsschicht mache es nahezu ausgeschlossen, dass sie einem von außen diktierten Machtwechsel zustimme.
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[1] https://www.axios.com/2026/03/05/iran-leader-trump-khamenei
[2] https://aje.news/0avpno?update=4369072
[3] https://www.washingtonpost.com/national-security/2026/03/07/iran-intelligence-report-unlikely-oust-regime/
[4] https://aje.news/0avpno?update=4369569
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Der Krieg gegen Iran treibt die Ölpreise nach oben. Doch an deutschen Tankstellen steigen Benzin und Diesel noch stärker – ein bekanntes Muster.
Die Spritpreise in Deutschland haben die Marke von zwei Euro pro Liter überschritten – doch der Preissprung an der Zapfsäule fällt deutlich stärker aus als beim Rohöl. Hintergrund ist die Eskalation im Nahen Osten, die die Energiemärkte unter Druck setzt.
Saad al-Kaabi, der für Energiefragen zuständige Minister des Golfstaates Katar, warnte vor drastischen Preissteigerungen [1].
Sollte die Meerenge von Hormus zwei bis drei Wochen blockiert bleiben, könne Rohöl auf 150 Dollar je Barrel steigen. Für Gas prognostizierte er 40 Dollar pro Million British Thermal Units – etwa das Vierfache des Wertes vor Kriegsbeginn.
Zu hören ist er vom Tankstellen-Interessenverband [2] (TIV) und von Politikern – etwa von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke [3] (SPD). Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert laut Welt [4], "dass man denen ‚auf die Finger schlagen‘ müsse, die jetzt Zusatzgewinne auf Kosten der Verbraucher machten". Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) äußerte sich dort ebenfalls kritisch gegen die Mineralkonzerne:
"Wenn man sieht, wie die Ölkonzerne in Windeseile die Preise erhöht haben, dann besteht schon der Verdacht, dass sie den Krieg ausnutzen, um sich die Taschen vollzumachen."
Ähnliche Vorwürfe gab es bereits während der Energiekrise 2022, als die Konzerne ebenfalls von stark steigenden Preisen profitierten, ohne dass sich dies durch die reinen Rohstoffkosten rechtfertigen ließ.
Die Mineralölkonzerne weisen die Vorwürfe zurück. Sie begründen die hohen Preise mit gestiegenen Produktpreisen für Benzin und Diesel (Spiegel [5]), einem schwächeren Euro gegenüber dem Dollar sowie höheren Transportkosten durch die blockierten Lieferwege im Nahen Osten.
Fachleute entkräften diese Argumente jedoch: Die höheren Transportraten würden sich zeitlich verzögert auswirken und könnten den aktuellen Preissprung nicht erklären. Der Euro-Kurs sei zudem stabil geblieben.
Vor allem aber kontrollieren die Konzerne über ihre Raffinerien große Teile der Wertschöpfung – und haben damit auch erheblichen Einfluss auf die Preise für Benzin und Diesel.
Als Reaktion auf die Rekordpreise hat ein regelrechter Tank-Tourismus in Nachbarländer eingesetzt. In Polen und Tschechien sei der Kraftstoff 30 bis 60 Cent günstiger als in Deutschland [6]. Der Zoll führt deswegen mittlerweile stichprobenartige Kontrollen an den Grenzen durch, um illegale Kraftstoffmengen aufzuspüren.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke [7] kommentierte die Preisentwicklung als nicht nachvollziehbar:
"Kein Mensch versteht, warum die Preise in Deutschland für den gleichen Sprit um 60 Cent höher sind als in Polen."
Bundeswirtschaftsministerin Franziska Reiche kündigte eine Prüfung durch das Bundeskartellamt [8] an.
Allerdings gilt die Handhabe der Behörde als begrenzt. Kritiker sprechen von einem "zahnlosen Tiger", da Preisabsprachen zwischen Konzernen schwer nachweisbar sind und Prüfverfahren sich oft über Jahre hinziehen.
Laut Kartellamtspräsident Andreas Mundt [9] gebe es kein Instrumentarium, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen "quasi auf Knopfdruck" zu verhindern. Gegenüber der Berliner Zeitung [10] äußerte er, dass "selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Tankstellenpreisen keinen unmittelbaren Verdacht auf illegales Verhalten der Konzerne" begründe.
Besonders schwierig ist die Situation für Tankstellenpächter. Sie bekommen den Frust der Kunden ab, obwohl sie keinen Einfluss auf die Preisgestaltung haben. Die Preise werden von den Mineralölkonzernen vorgegeben. Diese verweisen auf die Risiken des Nahost-Konflikts und rechtfertigen die Aufschläge mit Vorsorge.
Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) widerspricht: Ein Großteil des Kraftstoffs sei längst zu deutlich niedrigeren Preisen eingekauft, raffiniert und bereits in den Tanks der Stationen gelagert.
"Jetzt nehmen die Konzerne einen fetten Schluck aus der Pulle", wird TIV-Sprecher Herbert W. Rabl zitiert (Cannstatter Zeitung [11]). Das grenze an "Unverschämtheit" und sei "Abzocke".
Der Ärger über die Preise entlädt sich laut TIV vor allem an den Tankstellen. Pächter müssten den Frust der Kunden an der Kasse auffangen und in politische Diskussionen einsteigen. Zudem leide das Geschäft: Wer sich über den Spritpreis ärgert, kauft im Shop nichts mehr.
Dabei stammen nur etwa 20 Prozent des Umsatzes aus Provisionen auf Kraftstoff (ein bis zwei Cent pro Liter), rund 60 Prozent aus dem Shop und weitere 20 Prozent aus Zusatzangeboten wie der Wagenwäsche.
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[1] https://www.telepolis.de/article/Katar-stoppt-Erdgas-Exporte-und-warnt-vor-monatelangen-Ausfaellen-11202200.html
[2] https://www.cannstatter-zeitung.de/inhalt.steigende-spritpreise-tankstellenbetreiber-prangern-raubtierkapitalismus-an.62239d69-1829-4dfc-928e-6badb41129a5.html
[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/zoll-kontrolliert-tank-touristen-accg-200608383.html
[4] https://www.welt.de/wirtschaft/article69a93260563ae9c42dea4ea4/folgen-des-iran-kriegs-das-geht-nicht-mit-rechten-dingen-zu-kretschmer-bezeichnet-hohe-spritpreise-als-marktversagen.html
[5] https://www.spiegel.de/wirtschaft/spritpreise-wie-mineraloelkonzerne-kasse-mit-dem-iran-krieg-machen-a-1d617637-c86e-4aba-a315-77b4488c7a46
[6] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/zoll-kontrolliert-tank-touristen-accg-200608383.html
[7] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/zoll-kontrolliert-tank-touristen-accg-200608383.html
[8] https://www.berliner-zeitung.de/news/bundeskartellamt-untersucht-preisbildung-doch-sieht-kaum-handhabe-gegen-steigende-spritpreise-li.10022835
[9] https://www.berliner-zeitung.de/news/bundeskartellamt-untersucht-preisbildung-doch-sieht-kaum-handhabe-gegen-steigende-spritpreise-li.10022835
[10] https://www.berliner-zeitung.de/news/bundeskartellamt-untersucht-preisbildung-doch-sieht-kaum-handhabe-gegen-steigende-spritpreise-li.10022835
[11] https://www.cannstatter-zeitung.de/inhalt.steigende-spritpreise-tankstellenbetreiber-prangern-raubtierkapitalismus-an.62239d69-1829-4dfc-928e-6badb41129a5.html
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