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Straße von Hormus: Großbritannien setzt auf Drohnen statt Kriegsschiffe

Von Matthias Lindner
Seemine schwimmt im Meer. Im Hintergrund ist ein Kriegsschiff zu sehen.

(Bild: FOTOGRIN / Shutterstock.com)

Der Iran bedroht die wichtigste Ölroute der Welt. Großbritannien will mit autonomen Drohnen Seeminen räumen – statt Kriegsschiffe zu entsenden.

Die Straße von Hormus ist für alle Länder gesperrt, die dem Iran nicht freundlich gesonnen sind. Das hat die Regierung in Teheran mehrfach erklärt und mit Angriffen auf Tanker und andere Schiffe unterstrichen.

Die US-Regierung, die den völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran gestartet hat, scheint weitgehend ratlos. Gemeinsam mit anderen westlichen Regierungen sucht US-Präsident Donald Trump nach Lösungen – und droht mit einer "sehr schlechten Zukunft" für die Nato [1].

Großbritannien möchte helfen, aber dabei auch einen eigenen Weg gehen: Statt konventionelle Kriegsschiffe zu schicken, will London autonome Drohnen [2] einsetzen, um Seeminen zu räumen und die Schifffahrt zu sichern.

Washington macht Druck – London zögert

US-Präsident Donald Trump forderte am Wochenende mehrere Staaten öffentlich auf, Marinekräfte in die Region zu verlegen. Großbritannien, Frankreich, Japan und weitere Länder sollten Schiffe entsenden, um die Durchfahrt für Öltanker zu gewährleisten.

In London stößt dieser Appell jedoch auf Vorbehalte. Britische Regierungsvertreter halten den Einsatz großer Kriegsschiffe in einer aktiven Konfliktzone für riskant – zu groß sei die Gefahr, die Spannungen weiter anzuheizen.

Premierminister Keir Starmer telefonierte zwar am Sonntagabend mit Trump, doch eine klare Zusage für Marinekräfte blieb laut [3] The Times aus.

Ölpreis explodiert – Verbraucher spüren die Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise treffen Verbraucher weltweit bereits spürbar. Durch die Straße von Hormus [4] fließen rund 20 Prozent des globalen Ölangebots. Seit der Blockade hat sich der Rohölpreis nahezu verdoppelt und liegt mittlerweile über 100 US-Dollar pro Barrel.

An den Tankstellen schlägt sich das in deutlich höheren Spritpreisen [5] nieder – sowohl in den USA als auch in Großbritannien und Deutschland. Wirtschaftsexperten befürchten, dass dauerhaft hohe Energiekosten die Inflation anheizen und das Wachstum bremsen könnten.

Starmer kündigte [6] deshalb Soforthilfen für britische Haushalte an und betonte, ein Ende des Konflikts sei der wirksamste Hebel gegen steigende Lebenshaltungskosten.

Autonome Systeme als Alternative zur Flotte

Londons Antwort auf die Krise setzt auf Technologie. Energieminister Ed Miliband bestätigte, dass die Regierung den Einsatz von Drohnen zum Minenräumen aktiv prüfe.

Diese unbemannten Systeme arbeiten, indem sie die akustischen und magnetischen Signale großer Schiffe simulieren – Seeminen detonieren dadurch kontrolliert, ohne dass Besatzungen in Gefahr geraten.

Die Royal Navy betreibt bereits mehrere solcher Drohnentypen, von denen sich einige in der Golfregion befinden sollen.

Ferner erwägt London den Einsatz von Abfangdrohnen [7], die ursprünglich gemeinsam mit der Ukraine zur Bekämpfung iranischer Kampfdrohnen entwickelt wurden. Diese Systeme laufen bereits in großer Stückzahl vom Band und könnten Handelsschiffe vor Luftangriffen schützen.

Britische Marine am Limit

Der technologische Ansatz hat auch einen praktischen Grund: Die Royal Navy kann laut The Times derzeit kaum konventionelle Kräfte in den Golf verlegen. Ihr einziges Minenabwehrschiff in der Region kehrte kurz vor Ausbruch der Krise nach Großbritannien zurück – ein Schritt, den der erfahrene Konteradmiral Neil Morisetti als schweren Fehler bezeichnete.

Von sechs Zerstörern der Flotte gelten nur drei als einsatzbereit, und der nächste verfügbare benötigt über eine Woche, um das Einsatzgebiet zu erreichen.

Auf der anderen Seite des Konflikts verfügt der Iran laut westlichen Geheimdienstschätzungen über Tausende Seeminen – genug, um die Meerenge über einen längeren Zeitraum für den internationalen Schiffsverkehr gefährlich zu machen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11212494

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Iran-Krieg-Trump-droht-Nato-mit-sehr-schlechter-Zukunft-11212062.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Der-lautlose-Umbruch-Autonome-Unterwasserdrohnen-gegen-die-alte-Marinewelt-11180405.html
[3] https://www.thetimes.com/uk/defence/article/iran-war-uk-strait-of-hormuz-gqtc3qwv9
[4] https://www.heise.de/tp/article/Iran-sperrt-Strasse-von-Hormus-Schlagader-der-Weltwirtschaft-blockiert-11194160.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Erdoel-Krise-Spritpreise-koennten-auf-2-50-Euro-und-mehr-steigen-11205574.html
[6] https://www.theguardian.com/world/2026/mar/15/uk-plans-minesweeping-drones-help-reopen-strait-hormuz
[7] https://www.heise.de/tp/article/Geran-5-Russlands-Antwort-auf-ukrainische-Abfangdrohnen-11144340.html

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  • 16. März 2026 um 14:45

WM 2026: Fußball im Schatten des Krieges

Von Luca Schäfer
Jahreszahl 2026 mit einem Fußball im Vordergrund in einem Stadion

Die Fußball-WM 2026 wird unter anderem in den USA ausgetragen

(Bild: LumoNest/Shutterstock.com)

Pässe, Profit, Propaganda: Mit dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko steht ein sportliches Großereignis vor der Tür – wer gewinnt bei dieser WM wirklich?

Sicherheitsbedenken auf der einen, Kritik am US-israelischen Krieg auf der anderen Seite – die iranische Fußballnationalmannschaft wird trotz erfolgreicher Qualifikation aller Voraussicht nach nicht an der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada teilnehmen [1].

Sportminister Ahmad Donyamali [2] verdichtete die Gerüchte: Angesichts "bösartiger Maßnahmen" gegen sein Land, zweier aufgezwungener Kriege, so der ehemalige iranische Parlamentsabgeordnete, und mehrerer Tausend Toter sehe er [3] "definitiv keine Möglichkeit" zur Teilnahme.

Nahezu zeitgleich blies US-Präsident Donald Trump in dasselbe Horn: Er halte [4] eine iranische Teilnahme für unangemessen, schob absurde Sicherheitsbedenken vor – um im selben Atemzug zu verkünden, der Iran sei "grundsätzlich willkommen". Zuvor hatte Fifa-Präsident Gianni Infantino – mit Verweis auf Trumpsche Zusicherungen – genau dies versprochen.

Die Posse bringt eine überfällige Debatte auf die Tagesordnung: Der Iran hätte alle Vorrundenspiele in Seattle oder Los Angeles ausgetragen – als Gast in einem Staat, der offen Krieg gegen ihn führt, den venezolanischen Präsidenten entführte und dutzende Verstöße gegen internationale Rechtsnormen allein 2026 sein Eigen nennen darf. Zeit für eine Absage der Weltmeisterschaft der Fußball-Millionäre?

Rekord-Weltmeisterschaft

Es soll eine WM der Superlative [5] werden: erstmals 48 Mannschaften, drei Gastgeberstaaten, erwartete 6,5 Millionen Besucher vor Ort. 16 Stadien, teils 4.000 Kilometer voneinander entfernt – ein ökologischer Albtraum –, 104 Spiele über vier Zeitzonen.

Fifa-Präsident Gianni Infantino versprach [6]104 "Super Bowls" und sechs Milliarden Gesamtzuschauer. Im Petrostaat Katar waren vor vier Jahren fünf Milliarden erreicht worden. Höher, größer, weiter, unterhalb dieser Maxime ist der gigantomanische Fußball-Zirkus weder für die Fifa noch für die Trump-Administration von Interesse.

Neben der geopolitischen Dimension droht der Weltmeisterschaft jedoch im Land des aktuellen Fifa-Friedenspreisträgers [7] Trump auch auf anderen Ebenen Ungemach: US-Kongressabgeordnete kritisieren [8] maßlos überhöhte Ticketpreise – mit bis zu vierstelligen Eintrittspreisen drohen leere Ränge oder ein sozial-elitäres Happening.

Zudem wurde kürzlich bekannt [9], dass die Fifa das Sicherheits- und Organisationsbudget um 100 Millionen Dollar kürzt, was Fragen zur reibungslosen und sicheren Durchführung neu entfachte [10]. Nicht zuletzt, da in Mexiko Drogenkartell-Konflikte dutzende Todesopfer fordern [11] – in der Austragungsregion Jalisco soll nun das Militär für Sicherheit sorgen.

Volkswirtschaftliche Wette

Washington erhofft auch wirtschaftlich Großes: Eine gemeinsame Fifa-Wto-Studie prognostiziert [12] 40,9 Milliarden US-Dollar Zusatzeinnahmen, 17,2 Milliarden BIP-Beitrag und 185.000 temporäre Jobs. Insbesondere die amerikanischen Großstädte sollen kurz- wie langfristig profitieren [13].

Dies erscheint reichlich optimistisch, denn die historische Bilanz ist ernüchternd: Die WM 2010 in Südafrika hinterließ teure Geisterstadien – man baute große Stadien ohne folgendes Nutzungskonzept oder eine geeignete nationale Liga, Athen zahlte alleine [14] für Olympia 2004 rund 7,5 Milliarden Euro – ein Faktor, der zur späteren Staatsschuldenkrise beitrug. Teure Olympia-Sportstätten seien in Griechenland seitdem "Symbole des Niederganges" [15].

Laut einer Oxford-Studie übersteigen [16] Olympische Spiele die kalkulierten Kosten im Schnitt um 172 Prozent, für den Fußball-Zirkus existiert eine derartige Studie nicht, es darf jedoch Vergleichbares vermutet werden. Bei vergangenen Weltmeisterschaften lag die durchschnittliche Rendite für Gastgeber bei Minus Einzige verlässliche Ausnahme, dank Knebelverträge [17]und niedriger, eigener Kosten, die Fifa selbst.

Alleine in Katar verdiente [18] der Fußball-Ausrichter rund 5 Milliarden US-Dollar – im gesamten Zyklus (2018 bis 2022) mehr als 7 Milliarden. Die Herren-Weltmeisterschaft sind der Gold-Esel und, dank Merchandising, Lizenzen und primär TV-Rechten, eine Geld-Druckmaschine. Für die ausrichtenden Staaten bleiben oft insbesondere Kosten über, aktuell veranschlagen [19] alleine die Vereinigten Staaten für die viel diskutierte Sicherheit 625 Millionen US-Dollar.

Repression als Rahmenprogramm

Menschenrechtsorganisationen schlagen zudem bereits im Vorfeld kritische Töne an.

Amnesty International sieht [20] soziale und Minderheitenrechte gefährdet: pauschale Einreiseverbote stigmatisierter Personengruppen – von Hooligans bis zu muslimischen Gemeinschaften, verschärfte Einwanderungspolitik, Social-Media-Überwachung sowie erhöhte Risiken für LGBTQ-Personen und freie journalistische Arbeit.

Denkbar ist zudem eine soziale Verdrängung: zu Olympia in Paris wurden Obdachlose und sozial Schwache oftmals an Stadtränder verbracht [21]. Das Business and Human Rights Resource Centre sieht [22] zudem erhöhte Risiken für Arbeitsrechtsverletzungen im Baugewerbe und Sicherheitsbereich, in den Stoßzeiten sowie in der letzten Druckphase der Baumaßnahmen dürften gesetzliche Vorschriften bewusst unterlaufen werden.

Mexiko mobilisiert [23] für seinen WM-Teil 100.000 Soldaten, Militärjets und Drohnen – "Plan Kukulkan" [24] lässt eher an Ausnahmezustand als an ein Fußballfest denken. Bis dato forderte [25] der blutige Konflikt nach der Tötung des mächtigen Kartelboss "El Mencho" alleine über 70 Tote – Mannschaften und Fans, so beteuert die Regierung Sheinbaum hingegen, seien geschützt und könnten sorgenfrei anreisen.

Doch der Krieg gegen die Kartelle ist offen und in manchen Regionen regieren die Narcos – ist Mexiko-Stadt entfernt und machtlos. Der Fußballverband hat keinen Plan B: mit drei Austragungsorten und dem Eröffnungsspiel im Azteken-Stadion der Hauptstadt ist das Land ein integraler Show-Bestandteil und wäre eine ideale Bühne für Terror wie Drogengegengewalt.

Das mexikanische Rahmenprogramm riecht, noch extremer als bislang weltweit bekannt, nach Militarismus. Die existierenden sozialen Probleme werden durch keine der angekündigten Maßnahmen adressiert oder gelindert.

Geopolitik der Großveranstaltungen

Volkswirtschaftliche Wunder können, wie dargestellt, kaum als Treiber der US-Agenda gelten – die Gründe liegen im Bereich der Soft Power. Sportwashing ist tradiert: Russland 2018, Katar 2022, Peking 2022 – mediale Aufmerksamkeit erzeugt kulturelle Sympathien und poliert [26] Images auf.

Für Washington gilt jedoch ein entscheidender Unterschied: Kein bisheriges Gastgeberland führte zum Zeitpunkt der Spielen einen derart offen regelbrüchigen Krieg wie die USA heute.

Es geht somit nicht nur um internationale Imagepflege – die ist beim Primat des Faustrechts nebensächlich –, sondern um Ablenkung, um nette Bilder vor einer mörderischen Fassade, um Brot und Spiele. Die soziale Schieflage der Staaten schreit zum Himmel, die politische Klasse klammert sich per Kriegsoptionen am letzten Strohhalm der Verhinderung des eigenen Abstieges.

Sollten US-Bodentruppen bis zum Sommer in den Iran einmarschieren, wäre die Lage heute von 1980 – dem Jahr des Olympia-Boykotts gegen die Sowjetunion – kaum noch zu unterscheiden. Doch gäbe es eine internationale Reaktion? Wohl kaum, westliche Hybris und Hochmut decken sich gegenseitig. Das deutsche Sommermärchen war höchstwahrscheinlich gekauft [27], das diesjährige blutbesudelt.

Die Fußball-WM 2026 wird eine Weltmeisterschaft der Schande. Russland bleibt ausgeschlossen, der Iran wird wahrscheinlich nicht antreten – während die USA den Gastgeber stellen und Israel, wäre es nicht an Norwegen und Italien sportlich gescheitert, hätte teilnehmen dürfen. Fifa-Proporz, Trump-Friedenspreis, Iran-Ausladung, Fußball im Kriegsstaat, US-Geopolitik von Palästina bis Kuba – Gründe genug, den Fernseher auszulassen.


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https://www.heise.de/-11212094

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.srf.ch/sport/fussball/fifa-wm-2026/wegen-angriff-der-usa-irans-sportminister-schliesst-wm-teilnahme-aus
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Donyamali
[3] https://news.sky.com/story/trump-says-iran-welcome-to-play-in-world-cup-fifa-boss-13518094
[4] https://apnews.com/article/trump-world-cup-soccer-iran-e122ed266115de6ff2b6a7d82e9a641a
[5] https://www.sportsbusinessjournal.com/Articles/2025/06/13/fifas-infantino-claims-2026-world-cup-is-equivalent-of-104-super-bowls/#:~:text=FIFA%20President%20Gianni%20Infantino%20has%20claimed%20that,young%20players%20to%20pick%20up%20a%20ball
[6] https://www.nytimes.com/athletic/6823244/2025/11/28/is-the-world-cup-really-the-equivalent-of-104-super-bowls/
[7] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/das-ist-ihr-preis-trump-erhaelt-fifa-friedensauszeichnung,V4Wo3nG
[8] https://www.reuters.com/sports/soccer/us-lawmakers-urge-fifa-lower-2026-world-cup-ticket-prices-2026-03-11/
[9] https://www.reuters.com/sports/soccer/report-fifa-cuts-operating-budget-by-more-than-100m--flm-2026-03-11/
[10] https://www.reuters.com/sports/soccer/fifa-cuts-operating-budget-by-more-than-100m-2025-05-01/
[11] https://apnews.com/article/mexico-president-sheinbaum-world-cup-security-violence-jalisco-4176aa4ea1aacb24b90837b4fd891424
[12] https://grassroots.fifa.com/organisation/media-releases/fifa-wto-study-estimates-usd-47-billion-economic-output-from-fifa-club-world
[13] https://partnersrealestate.com/research/market-edge-by-partners-fifa-world-cup-2026/
[14] https://www.cicero.de/aussenpolitik/mit-olympia-kam-der-fall/51365
[15] https://www.zeit.de/sport/2012-07/olympia-griechenland-athen-2004-schulden/seite-2
[16] https://arxiv.org/abs/1607.04484
[17] https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/die-original-knebelvertraege-der-uefa-mit-dortmund-und-hamburg/
[18] https://de.statista.com/infografik/33652/entwicklung-des-umsatzes-der-fifa/
[19] https://www.srf.ch/sport/fussball/fifa-wm-2026/es-geht-um-7-8-mio-dollar-waere-unverantwortlich-finanz-chaos-um-wm-stadion-in-boston
[20] https://www.amnesty.org/en/latest/news/2025/06/world-cup-a-year-out-growing-attacks-on-rights/
[21] https://www.zdfheute.de/politik/ausland/obdachlose-obdachlosigkeit-paris-olympische-spiele-100.html
[22] https://www.business-humanrights.org/en/latest-news/world-cup-2026/
[23] https://www.deutschlandfunk.de/mexiko-wm-el-mencho-kartelle-sicherheit-100.html
[24] https://www.thesun.co.uk/sport/38437258/mexico-fifa-world-cup-security-strategy-cartel-violence/
[25] https://www.zeit.de/politik/2026-02/drogenkartelle-mexiko-el-mencho-politikpodcast
[26] https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02614367.2025.2472728
[27] https://www.tagesspiegel.de/sport/wurde-die-wm-2006-gekauft-darum-geht-es-im-sommermarchen-prozess-11310724.html

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  • 16. März 2026 um 14:00

Apple kauft MotionVFX: Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins

Von Heise
Ein kreativer Mensch beim Bearbeiten von Inhalten an einem Mac

Apple hat vor kurzem ein Creator-Abo-Bundle herausgebracht. MotionVFX könnte hier eine sinnvolle Ergänzung sein.

(Bild: Apple)

Apple übernimmt mit MotionVFX einen der wichtigsten Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins. Die 70 Mitarbeiter sollen zum iPhone-Hersteller wechseln.

Apple hat die Firma MotionVFX übernommen und damit einen der größten Anbieter für Video-Effekte, Titel und Plug-ins. Viele Nutzer der Apple-Videoschnitt-Software Final Cut Pro greifen auf die Dienste des 2009 gegründeten Unternehmens zurück. Laut einigen Branchendiensten gilt MotionVFX als Marktführer in seinem Segment. Was genau Apple mit MotionVFX vorhat, lassen beide Firmen aber noch offen. Auch der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.

MotionVFX bestätigte den Kauf als Neuigkeit auf seiner Website. Das Unternehmen war laut Medienberichten vorher schon Partner von Apple. Apple selbst hat sich noch nicht dazu geäußert, was aber eine übliche Vorgehensweise des iPhone-Herstellers ist. Als im November 2024 bekannt wurde, dass Apple die Fotobearbeitungs-App Pixelmator übernimmt [1], ließ der Käufer seine Pläne zunächst auch offen. Erst vor wenigen Wochen wurde Pixelmator in das neue Creator Studio von Apple integriert [2].

MotionVFX-Inhalte künftig im Creator Studio?

Apples Abo-Bundle für Kreativinhalte könnte auch der künftige Bestimmungsort von MotionVFX werden. Bislang hat Final Cut Pro nur eine etwas umfangreichere Grundausstattung an Effekten, Einblendungen und Titeln zu bieten. MotionVFX könnte die Regale um zahlreiche Premium-Vorlagen auffüllen, die ein Abo von Final Cut gegenüber dem Einmalkauf attraktiver machen. Aktuell existieren beide Varianten: Nutzer können wahlweise die Software mieten oder kaufen.

Mit dem Kauf schmälert Apple indirekt aber auch die Attraktivität der Videoschnitt-Lösungen seiner Mitbewerber. MotionVFX bot nämlich nicht nur Erweiterungen für Final Cut Pro an, sondern auch für DaVinci Resolve und Adobe Premiere Pro. Wie beim Kauf der Wetter-App Dark Sky im Jahr 2020 [3] dürften die Angebote für die Konkurrenz mit dem Aufkauf über kurz oder lang eingestellt werden. Gegenwärtig ist noch das komplette bisherige Angebot verfügbar.

Zu MotionVFX gehören 70 Mitarbeiter, die allesamt zu Apple wechseln. Das im südpolnischen Bielsko-Biała beheimatete Unternehmen wurde von Szymon Masiak gegründet. In letzter Zeit hat es auch viele Erweiterungen mit KI-Unterstützung entwickelt, darunter KI-gestütztes Upscaling von Videos, Surface-Tracking oder automatisches 3D-Tracking. Auch dies würde gut zu Apples jüngster Strategie passen, Final Cut um Funktionen mit Machine-Learning zu ergänzen.


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https://www.heise.de/-11212845

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Fotobearbeitung-Pixelmator-Apple-will-Entwickler-Team-uebernehmen-10002066.html
[2] https://www.heise.de/tests/Pixelmator-Pro-Neue-Version-fuer-Apple-Creator-Studio-im-Test-11183248.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-kauft-sich-beliebte-Wetter-App-4694561.html
[4] https://www.heise.de/mac-and-i
[5] mailto:mki@heise.de

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  • 16. März 2026 um 18:11

Taste Profile: Spotify-Nutzer dürfen ihren Algorithmus selbst anpassen

Von Heise
Spotify-Logo auf Handy

(Bild: Shutterstock.com/Chubo - my masterpiece)

Spotify-Nutzer dürfen bald selbst einsehen, was der Algorithmus über ihre Vorlieben weiß – und auf Wunsch Veränderungsvorschläge geben.

Mehr Kontrolle über die eigenen Empfehlungen: Spotify hat mit „Taste Profile“ (Geschmacksprofil) eine Möglichkeit für Nutzer vorgestellt, den Algorithmus ein wenig zu steuern. Das Feature wird aktuell als Beta getestet und steht vorerst nur Premium-Nutzern in Neuseeland zur Verfügung, die Spotify gerne als Versuchskaninchen für Neuerungen einsetzt. Wann ein größerer Launch geplant ist, blieb zunächst offen.

Laut Spotify [1] soll Taste Profile dem Nutzer einen Einblick geben, wie der Algorithmus seinen Geschmack versteht – sowohl für Musik als auch für Podcasts und sogar Hörbücher. Taste Profile gibt Auskunft darüber, warum der Spotify-Algorithmus bestimmte Genres oder Künstler vorschlägt.

So kann Taste Profile dem Nutzer praktisch einen algorithmischen Spiegel vorhalten: Spotify erklärt, die Funktion könne User beispielsweise darüber informieren, dass er oder sie aktuell mit alternativem Rock aus den 90ern experimentiert. Spannender ist die Möglichkeit, aktiv in die Empfehlungen einzugreifen.

„Ich will mehr Justin Bieber hören“

In einem Freitextfeld können Nutzer der Spotify-KI mitteilen, was sie an den Empfehlungen stört und was sie gerne verbessert hätten. In einem Beispiel teilt ein User Spotify etwa mit, er würde gerne mehr Justin Bieber hören, woraufhin eine von Spotify zusammengestellte Justin-Bieber-Playlist auf der Startseite erscheint.

Taste Profile ist eine weitere KI-Funktion, die Spotify seit einigen Monaten gehäuft vorstellt. Ende des vergangenen Jahres führte der schwedische Musikstreaming-Dienst etwa Prompted Playlists für neuseeländische User [2] ein: In ein Textfeld können User also frei einen KI-Befehl eintippen, aus dem Spotify schließlich automatisch eine Playlist erstellt. Dafür greift Spotify auf den gesamten Hörverlauf eines Nutzers zu. User können also auch persönlichere Anfragen für Playlists stellen.

In den USA hat Spotify Anfang des Jahres die Abo-Preise erhöht [3].


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https://www.heise.de/-11212648

Links in diesem Artikel:
[1] https://newsroom.spotify.com/2026-03-13/taste-profile-beta-announcement/
[2] https://www.heise.de/news/Prompted-Playlists-Spotify-Wiedergabelisten-per-KI-Befehl-erstellen-11111258.html
[3] https://www.heise.de/news/Premium-Abo-Spotify-hebt-Preise-fuer-die-USA-und-andere-Laender-an-11144476.html
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:dahe@heise.de

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  • 16. März 2026 um 16:50

AirPods Max 2: Richtiges Chip-Update für Apples Over-Ears

Von Heise
Person trägt AirPods Max

(Bild: Apple)

Apples kabellose Bügelkopfhörer haben ihr erstes richtiges Upgrade erhalten: Der H2-Chip liefert Funktionen, die bei den AirPods Pro längst gängig sind.

Überraschungs-Nachfolger für Apples AirPods Max zum Wochenbeginn. Die Over-Ears kommen noch Anfang April in ihrer zweiten Generation in den Handel, wie der Hersteller am Montag mitteilte. Äußerlich sind die AirPods Max 2 praktisch nicht vom Vorgänger zu unterscheiden, selbst die Farbauswahl ändert sich nicht. Zentrale Neuerung ist dafür Apples H2-Chip, der bereits seit weit über drei Jahren in den AirPods Pro steckt; die Vorgängermodelle des Max 2 verharren auf dem H1.

Viele für die Max-Reihe neue Funktionen

Damit erlernen die AirPods Max mehrere von Apples Pro-In-Ears bekannte Funktionen: Die Max 2 [1] unterstützen erstmals den adaptiven Modus, der einen automatisierten Mittelweg aus aktiver Geräuschunterdrückung und Transparenzmodus bietet und den Nutzer so nicht komplett akustisch von der Außenwelt abschirmt. Neu sind außerdem die Stimmisolation, die Hintergrundgeräusche bei Telefonaten oft komplett herausfiltert, sowie die Konversationserkennung. Letztere dreht die Musik leise, wenn der Träger plötzlich zu sprechen beginnt – das passiert allerdings auch beim schamlosen Mitsingen, solange man die Funktion nicht abschaltet.

Ähnlich wie bei den AirPods Pro [2] verspricht Apple bei den Max 2 zudem eine höhere Audioqualität bei Sprach- und Gesangsaufnahmen mit den integrierten Mikrofonen. Neu ist die optionale, personalisierte Regelung der Lautstärke sowie eine inzwischen automatisch aktive Schutzfunktion vor Umgebungslärm.

Zu den weiteren Funktionsneuerungen zählt, dass die Max 2 als Fernbedienung für die iPhone-Kamera dienen sowie Unterstützung für die Live-Übersetzung – im Zusammenspiel mit iPhones, auf denen Apple Intelligence läuft. Auf vorgelesene Mitteilungen lässt sich durch Kopfbewegungen reagieren, auch diese Funktion ist bereits auf den AirPods Pro (ab Generation 2) zu finden.

AirPods Max 2: Preise und Verfügbarkeit

Apple verspricht für die AirPods Max 2 obendrein eine „verbesserte Klangqualität“, und der H2-Chip soll die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) effektiver arbeiten lassen. Die Over-Ears mit USB-C lassen sich auch verkabelt betreiben und unterstützen so verlustfreies Audio mit 24 Bit und 48 kHz – mit geringer Latenz.

Die Max 2 kosten bei Apple 580 Euro und sind ab dem 25. März vorbestellbar, die Auslieferung folgt ab Anfang April.

Update

In der Meldung stand irrtümlich, der Verkaufsstart sei am 25. März – das ist allerdings nur der Beginn der Vorbestellung. In den Handel kommen die AirPods Max 2 laut Apple erst Anfang April. Die entsprechenden Textpassagen haben wir korrigiert.

Die Farbauswahl bleibt bei Mitternacht, Polarstern, Orange, Violett und Blau. Im Handel liegt der Preis für die Ende 2024 noch schnell auf USB-C umgesattelten Vorgänger etwas über 450 Euro.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11212588

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.apple.com/de/shop/buy-airpods/airpods-max-2
[2] https://www.heise.de/tests/AirPods-Pro-3-im-Test-Mit-frischem-Klang-und-ANC-10663123.html
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[4] https://www.heise.de/mac-and-i
[5] mailto:lbe@heise.de

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  • 16. März 2026 um 15:26

AWS S3: Account Regional Namespaces machen Bucketsquatting den Garaus

Von Heise
Oranges AWS-Logo mit Eimern und Wolken, blauer Hintergrund

(Bild: heise medien)

Amazon S3 erlaubt jetzt kontogebundene Bucket-Namen. Das beendet Bucketsquatting bei neuen Buckets und vereinfacht die Namensvergabe in Multi-Account-Setups.

Amazon Web Services (AWS) hat Account Regional Namespaces für Amazon S3 General Purpose Buckets eingeführt. Damit können Kunden Bucket-Namen in einem reservierten Namespace pro Konto und Region erstellen – die bisher geltende global eindeutige Namensvergabe wird damit optional. Die Funktion steht seit dem 12. März 2026 in 37 AWS-Regionen bereit, darunter die Frankfurter Region eu-central-1.

Wie AWS in seinem Blog [1] erläutert, folgen die neuen Bucket-Namen dem Schema <prefix>-<account-id>-<region>-an. Ein Beispiel: mybucket-123456789012-us-east-1-an. Das Suffix aus Konto-ID, Region und dem Kürzel an wird dabei auf die maximal erlaubten 63 Zeichen des Bucket-Namens angerechnet, sodass die verfügbare Präfixlänge je nach Region variiert. Nur der jeweilige Kontoinhaber kann Buckets mit seinem Suffix erstellen – andere Konten erhalten einen entsprechenden Fehler.

AWS behebt damit ein zentrales Problem: das sogenannte Bucketsquatting (auch Bucketsniping). Dabei registrieren Angreifer gelöschte oder vorhersagbare globale Bucket-Namen, um Datenverkehr abzufangen oder Dienste zu stören. Weil viele Organisationen vorhersehbare Namenskonventionen wie myapp-us-east-1 verwenden, war das Risiko bislang hoch. Die neue Funktion verhindert dies bei neuen Buckets vollständig, da die Namen kontoexklusiv reserviert sind.

Erzwingung per IAM-Policy und SCP

AWS stellt einen neuen Condition Key s3:x-amz-bucket-namespace bereit, mit dem Administratoren die Nutzung der Account Regional Namespaces über IAM-Policies oder Service Control Policies (SCP) erzwingen können. In Multi-Account-Setups innerhalb von AWS Organizations lässt sich so organisationsweit sicherstellen, dass nur noch kontogebundene Bucket-Namen erstellt werden. AWS empfiehlt, die neuen Namespaces standardmäßig für alle neuen Buckets zu verwenden, sofern keine zwingenden Gründe dagegen sprechen.

Erstellung und IaC-Unterstützung

In der AWS-Management-Console lässt sich beim Einrichten eines Buckets „Account Regional namespace“ direkt als Namespace-Option auswählen. Über die AWS CLI legt man ein Bucket im neuen Namespace wie folgt an: aws s3api create-bucket --bucket mybucket-123456789012-us-east-1-an --bucket-namespace account-regional --region us-east-1. Für Python-Entwickler bietet AWS im Blog ein Boto3-Beispiel mit dynamischer Namensgenerierung über STS. CloudFormation unterstützt die Funktion bereits mit den Parametern BucketNamespace und BucketNamePrefix. Terraform-Support ist hingegen noch in Arbeit – ein entsprechendes GitHub-Issue wurde am 12. März 2026 eröffnet.

Bestehende S3-Buckets bleiben von der Neuerung unberührt. Eine Umbenennung vorhandener Buckets ist nicht möglich; wer migrieren möchte, muss neue Buckets im regionalen Namespace erstellen und die Daten etwa per aws s3 sync übertragen. Alle S3-Features und APIs sind mit den neuen Namespaces vollständig kompatibel, Änderungen an bestehenden Anwendungen sind laut AWS nicht nötig. Zusätzliche Kosten fallen für die Nutzung der Account Regional Namespaces nicht an.

Ausgenommen von der Verfügbarkeit sind derzeit lediglich die Regionen Middle East (Bahrain) und Middle East (UAE). Amazons Objektspeicher S3 [2] feierte erst kürzlich sein 20-jähriges Bestehen – die neuen Namespaces schließen nun eine seit Jahren bekannte Sicherheitslücke im Namenskonzept des Dienstes.


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https://www.heise.de/-11212376

Links in diesem Artikel:
[1] https://aws.amazon.com/blogs/aws/introducing-account-regional-namespaces-for-amazon-s3-general-purpose-buckets/
[2] https://www.heise.de/meinung/20-Jahre-Amazon-S3-Der-goldene-Kaefig-der-Cloud-Aera-11210784.html
[3] https://www.heise.de/ix
[4] mailto:fo@heise.de

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  • 16. März 2026 um 14:44

Windows-Insider-Vorschau: Erweiterte Entfernung vorinstallierter Apps

Von Heise
Ein Finger zeigt auf den Windows-11-Startbildschirm.

(Bild: mundissima/Shutterstock.com)

Die Windows-Insider-Vorschauen für Developer und Beta-Tester bringen flexiblere Richtlinien zur Entfernung vorinstallierter Apps.

Microsoft verteilt neue Vorschau-Versionen von Windows in den Insider-Kanälen. Unter anderem haben die Entwickler eine flexiblere Richtlinie zur Entfernung vorinstallierter Apps in petto.

Das schreiben Microsofts Entwickler in den Ankündigungen für die aktuelle Vorschau-Version im Windows-Insider-Developer- [1] (KB 5079464, Build 26300.8068) sowie Windows-Insider-Beta-Kanal [2] (KB 5079458, Build 26220.8062). Dort heben sie hervor, dass die Richtlinie „Remove Default Microsoft Store packages“ für Windows in Enterprise- und Edu-Umgebungen nun eine dynamische Liste zur App-Entfernung erhält. Admins können dadurch MSIX- und APPX-Apps durch das Hinzufügen ihres App-Paket-Familiennamens (App Package Family Name, PFN) in die Liste deinstallieren.

Im Gruppenrichtlinieneditor „gpedit.msc“ befindet sie sich unter „Computer Configuration“ – „Administrative Templates“ – „Windows Components“ – „App Package Deployment“ – „Remove Default Microsoft Store packages from the system“. In der Auswahlliste findet sich unten der Eintrag „Specify additional package family names to remove“. Den App-Familiennamen kann man mit einem Befehl im Terminal ausfindig machen. Microsoft nennt als Beispiel für Notepad: Get-AppxPackage *Notepad* | Select-Object PackageFamilyName. Derzeit fehlt die Funktion aber noch in der Verwaltungssoftware Intune im Richtlinien-Konfigurationsdienstanbieter (Configuration Service Provider, CSP).

Verbesserungen bei der Rechner-Einrichtung

Neben dem Rechnernamen, der sich bei der Installation von Windows angeben lässt, erlauben die neuen Insider-Vorschauen nun auch, einen selbstgewählten Benutzerordnernamen zu wählen. Es handelt sich um das Profilverzeichnis, das etwa die Ordner „Dokumente“, „Eigene Bilder“ und so weiter aufnimmt.

Eine wichtige Änderung betrifft die Windows-Treiber-Richtlinie. Bislang hat der Windows-Kernel Treiber von Drittanbietern geladen, die mit einem sogenannten Cross-Signed-Root-Zertifikat [3] oder vom Windows Hardware Compatibility Program (WHCP) signiert sind. Microsoft [4] wirft das Cross-Signed-Root-Programm raus, bei dem Certificate Authorities (CA) ermöglichten, dem öffentlichen Schlüssel des Root-Zertifikats einer anderen CA zu vertrauen. Als weitere Konsequenz entzieht Microsoft den Treibern mit derartigen Cross-Signed-Zertifikaten das Vertrauen, nur noch WHCP-zertifizierte Treiber lädt der Windows-Kernel. Das soll die Sicherheit verbessern.

Konkret bringt Windows noch eine Liste an vertrauenswürdigen Publishern und Treibern aus dem Cross-Signing-Programm mit, der Schritt ist also zunächst nicht allzu radikal. Die Funktion läuft zunächst für 100 Stunden und über drei Reboots hinweg im Überwachungsmodus („Audit Mode“). Erkennt Windows dabei, dass die Treiber mit der neuen Funktion kompatibel sind, aktiviert es die Funktion. Andernfalls bleibt das System im Überwachungsmodus. Nutzer und Nutzerinnen könnten dadurch mit Hinweisdialogen von „Windows Security“ konfrontiert werden, dass ein Treiber blockiert wurde.

Ein weiteres neues Feature soll die Wiederherstellung von Windows mit Wiederherstellungspunkten zu bestimmten Zeitpunkten erlauben. Bei Aktivierung der Funktion legt Windows zeitgesteuert automatisch Wiederherstellungspunkte an, etwa alle 24 Stunden. Dadurch lassen sich unterschiedliche Wiederherstellungspunkte auf dem System bei Bedarf mittels Recovery zurückspielen. Auch die Wiederherstellungsumgebung beherrscht die neue Funktion und zeigt Betriebssystemversionen in einem vierteiligen Format anstatt nur zweiteilig an.

Vor zwei Wochen hatte Microsoft Insider-Vorschauen eine aktualisierte Paint-Version [5] mitgegeben, die Auswahlen rotieren kann. Außerdem beherrscht Windows [6] seitdem eine „Lock-Batch“-Funktion, durch die Batchdateien während der Ausführung nicht unbemerkt verändert werden können und die deutlich performanter als die bisherige korrespondierende Sicherheitsfunktion arbeitet.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://blogs.windows.com/windows-insider/2026/03/13/announcing-windows-11-insider-preview-build-26300-8068-dev-channel/
[2] https://blogs.windows.com/windows-insider/2026/03/13/announcing-windows-11-insider-preview-build-26220-8062-beta-channel/
[3] https://learn.microsoft.com/en-us/windows-hardware/drivers/install/cross-certificates-for-kernel-mode-code-signing
[4] https://www.heise.de/thema/Microsoft
[5] https://www.heise.de/news/Windows-Insider-Vorschauen-Sicherere-Batch-Dateien-und-Rotieren-in-Paint-11194563.html
[6] https://www.heise.de/thema/Windows
[7] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[8] mailto:dmk@heise.de

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  • 16. März 2026 um 14:16

Rechtswidrige Inhalte im Internet: Rekordzahl bei berechtigten Beschwerden

Von Heise
In der Mitte ein rotes Sicherheitsschloss mit Finger darauf, drumherum weitere Sicherheitsschlösser in Blau. Schematische Darstellung.

(Bild: Ole.CNX / Shutterstock.com)

Die Beschwerdestelle des Eco-Verbands meldet einen traurigen Rekord bei Darstellungen sexuellen Missbrauchs – und sieht keine Alternative zur Einzelfallprüfung.

Die Zahl der Beschwerden über Inhalte bei jeder Form von Hostern im Netz ist weiter hoch: 51.358 Mal wurden 2025 Hinweise an die Beschwerdestelle des Internetwirtschaftsverbands eco gegeben. 30 Jahre nach dem Start der ersten Meldestelle für rechtswidrige Internetinhalte ist die Zahl der berechtigten Meldungen in einem besonders problematischen Bereich auf Rekordniveau. Die Änderungen durch den Digital Services Act [1] spielen dabei kaum eine Rolle.

Die berechtigten Meldungen von Darstellungen sexuellen Missbrauchs und anderer Inhalte aus dem Bereich der Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen haben gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2023 noch einmal um fast 50 Prozent zugenommen. Von den für rechtswidrig befundenen 30.035 Inhalten im Jahr 2025 wurden alle in Deutschland gehosteten entfernt – und immerhin 98,58 Prozent aller dieser Inhalte weltweit, berichtet die Eco-Beschwerdestelle. „Selbstregulierung funktioniert“, und das auch international, betont Alexandra Koch-Skiba, die die Internet-Beschwerdestelle [2] seit Jahren leitet. Einen Grund dafür sieht sie in der internationalen Zusammenarbeit der Anbieter im „Inhope“-Netzwerk, das seit vielen Jahren den länderübergreifenden Austausch koordiniert [3]. Doch die Zahlen sind nicht nur gestiegen, der Zeitraum bis zur Löschung hat sich auch deutlich verlängert.

Aufwand für Beschwerdestelle steigt

Die Verbreiter würden sich verschiedener Verschleierungstaktiken bedienen, um eine Auffindbarkeit der beanstandeten Inhalte für Dritte zu erschweren, erklärt Alexandra Koch-Skiba, von notwendigen Referrern über zulässige oder verbotene IP-Adressräume bis hin zu technisch ausgereifteren Verfahren. Im Regelfall würde ihr Team zwar Mittel und Wege finden, die jedoch den zeitlichen Aufwand pro Fall erhöhen würden. Auch Massenmeldungen vieler Inhalte auf einmal würden zeitliche Auswirkungen haben. Sprich: Die Fallbearbeitung dauert länger.

Die von der Beschwerdestelle veröffentlichten Daten zeigen, dass bis zur Löschung von Inhalten erstmals bei weniger als 70 Prozent der für rechtswidrig erachteten Inhalte binnen einer Woche die Löschung stattfand. „Löschen statt sperren“ und die Straftaten auch zur Anzeige zu bringen sei auch 2026 die richtige Strategie [4], meint der Geschäftsführer des Eco-Internetwirtschaftsverbands Alexander Rabe. Und sagt: „Keine Internetsperre wird Menschen aufhalten, die diesen menschlichen Abgründen folgen wollen.“ Nach vier Wochen sind laut den Zahlen eben doch fast alle Inhalte, die rechtswidrig waren, entfernt.

Hinweisgeber nutzen anonyme Meldemöglichkeit

Dabei gibt es vor allem vier Hauptquellen für die Meldungen an die Eco-Internetbeschwerdestelle: Fast die Hälfte aller Hinweise kam von anderen Beschwerdestellen, die im Inhope-Netzwerk agieren. Die zweithäufigste Quelle ist mit über 15.000 Fällen die eigene Recherche – also weitere Inhalte, die meist beim Nachspüren nach ersten Hinweisen mitentdeckt wurden, heißt es in dem Jahresbericht der Beschwerdestelle. Über 4.000 Mal kamen Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern mit Namensnennung, 5.000 Mal wurde von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, anonyme Hinweise zu geben.

Meinungsfreiheit schützt auch geschmacklose Inhalte

Anders als bei Fällen der Darstellungen sexuellen Missbrauchs oder verwandter Straftaten fällt die Bilanz der Meldestelle zu verfassungsfeindlichen Inhalten aus: Die Internetnutzer seien sensibilisiert und würden sich nicht scheuen, aktiv zu werden, wenn sie auf bedenkliche Inhalte stoßen, erklärt Alexandra Koch-Skiba. Doch vieles sei eben von der Meinungsfreiheit gedeckt, auch wenn es geschmacklos sei. Ganze neun Fälle tatsächlich verfassungsfeindlicher Inhalte seien es im vergangenen Jahr gewesen, die den Anbietern aus juristischer Sicht mitgeteilt worden wären, ein weiterer starker Rückgang gegenüber dem Spitzenwert von gut 150 Fällen im Jahr 2017.

Eine gründliche Prüfung sei unerlässlich, sagt Koch-Skiba, wenn es um den Umgang mit Inhalten gehe. Automatisierte Inhaltefilter seien aus ihrer Erfahrung heraus als problematisch zu erachten. Unterschiede in der Rechtslage würden dabei nicht nur bei Meinungsäußerungen oder klassisch jugendschutzrelevanten Inhalten eine Rolle spielen. Selbst bei Fragen wie Links zu Missbrauchsdarstellungen gebe es gravierende Unterschiede. Zudem gebe es schon im deutschen Recht allein Abgrenzungsproblematiken zwischen verschiedenen Tatbestandsvarianten und anderen Rechtsvorschriften. Die Internetbeschwerdestelle ist dabei bislang kein sogenannter „Trusted Flagger“, ein besonders „Vertrauenswürdiger Hinweisgeber“ unter dem Digital Services Act, dem Digitale-Dienste-Gesetz der EU.

Deutscher DSA-Koordinator froh über Rollenteilung

Dessen deutscher Koordinator bei der Bundesnetzagentur Johannes Heidelberger erklärte die Unterschiede; „Bei uns kann man im Gegensatz zur Eco-Beschwerdestelle keine Inhalte melden“, erklärt Johannes Heidelberger. Der Digital Services Coordinator nehme Verstöße gegen die Vorschriften des DSA entgegen – aber nicht die Meldung zu einzelnen Inhalten.

Mit dem Digital Services Act der EU, der seit Februar 2024 für alle Anbieter gilt, wurden die Pflichten der Anbieter erstmals seit der 1995 auf den Weg gebrachten E-Commerce-Richtlinie überarbeitet. Insbesondere für große Anbieter ergaben sich daraus erweiterte Sorgfaltspflichten, wenn es etwa um das Melden und Verarbeiten von Meldungen durch Nutzer zu Inhalten Dritter gab. Das grundsätzliche Prinzip von Notice-and-Action, wie es die vom Eco betriebene Internetbeschwerdestelle mit der Benachrichtigung von Betreibern durchführt, blieb dabei jedoch unangetastet: ab Kenntnisnahme können die Anbieter auch für Inhalte Dritter haften, wenn sie auf die Meldung nicht reagieren.

Heidelberger sieht bei DSA-Durchsetzung „Luft nach oben“

Für die Anbieter mit mehr als 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern ist unter dem DSA die EU-Kommission als Aufsichtsbehörde zuständig. Die nationalen Behörden sollen als Scharnier in die jeweiligen Länder agieren, die Koordination zu Anbietern, Strafverfolgungsbehörden und anderen staatlichen Stellen leisten und zudem die kleineren Anbieter beaufsichtigen. Man habe Aufsichtsverfahren gegen Anbieter aus Deutschland durchgeführt, unter anderem im Bereich des Onlinehandels, berichtete der deutsche DSC-Leiter Johannes Heidelberger. „Wir sehen noch an vielen Stellen bei der Umsetzung des DSAs durch die Diensteanbieter Luft nach oben“, sagt Heidelberger. Er hoffe auf weitere, wegweisende Entscheidungen. „Angesichts unserer äußerst dünnen personellen Ausstattung finde ich es erstaunlich, wie viel wir geschafft bekommen.“


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[1] https://www.heise.de/thema/Digital-Services-Act
[2] https://beschwerdestelle.eco.de/
[3] https://www.heise.de/news/IT-Verbaende-wollen-verschaerft-gegen-Gewalt-im-Internet-vorgehen-62196.html
[4] https://www.heise.de/news/Provider-halten-Kinderporno-Sperren-fuer-unverhaeltnismaessig-1070689.html
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&amp;wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner

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  • 16. März 2026 um 12:10

Apple kauft MotionVFX: Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins

Von Heise
Ein kreativer Mensch beim Bearbeiten von Inhalten an einem Mac

Apple hat vor kurzem ein Creator-Abo-Bundle herausgebracht. MotionVFX könnte hier eine sinnvolle Ergänzung sein.

(Bild: Apple)

Apple übernimmt mit MotionVFX einen der wichtigsten Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins. Die 70 Mitarbeiter sollen zum iPhone-Hersteller wechseln.

Apple hat die Firma MotionVFX übernommen und damit einen der größten Anbieter für Video-Effekte, Titel und Plug-ins. Viele Nutzer der Apple-Videoschnitt-Software Final Cut Pro greifen auf die Dienste des 2009 gegründeten Unternehmens zurück. Laut einigen Branchendiensten gilt MotionVFX als Marktführer in seinem Segment. Was genau Apple mit MotionVFX vorhat, lassen beide Firmen aber noch offen. Auch der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.

MotionVFX bestätigte den Kauf als Neuigkeit auf seiner Website. Das Unternehmen war laut Medienberichten vorher schon Partner von Apple. Apple selbst hat sich noch nicht dazu geäußert, was aber eine übliche Vorgehensweise des iPhone-Herstellers ist. Als im November 2024 bekannt wurde, dass Apple die Fotobearbeitungs-App Pixelmator übernimmt [1], ließ der Käufer seine Pläne zunächst auch offen. Erst vor wenigen Wochen wurde Pixelmator in das neue Creator Studio von Apple integriert [2].

MotionVFX-Inhalte künftig im Creator Studio?

Apples Abo-Bundle für Kreativinhalte könnte auch der künftige Bestimmungsort von MotionVFX werden. Bislang hat Final Cut Pro nur eine etwas umfangreichere Grundausstattung an Effekten, Einblendungen und Titeln zu bieten. MotionVFX könnte die Regale um zahlreiche Premium-Vorlagen auffüllen, die ein Abo von Final Cut gegenüber dem Einmalkauf attraktiver machen. Aktuell existieren beide Varianten: Nutzer können wahlweise die Software mieten oder kaufen.

Mit dem Kauf schmälert Apple indirekt aber auch die Attraktivität der Videoschnitt-Lösungen seiner Mitbewerber. MotionVFX bot nämlich nicht nur Erweiterungen für Final Cut Pro an, sondern auch für DaVinci Resolve und Adobe Premiere Pro. Wie beim Kauf der Wetter-App Dark Sky im Jahr 2020 [3] dürften die Angebote für die Konkurrenz mit dem Aufkauf über kurz oder lang eingestellt werden. Gegenwärtig ist noch das komplette bisherige Angebot verfügbar.

Zu MotionVFX gehören 70 Mitarbeiter, die allesamt zu Apple wechseln. Das im südpolnischen Bielsko-Biała beheimatete Unternehmen wurde von Szymon Masiak gegründet. In letzter Zeit hat es auch viele Erweiterungen mit KI-Unterstützung entwickelt, darunter KI-gestütztes Upscaling von Videos, Surface-Tracking oder automatisches 3D-Tracking. Auch dies würde gut zu Apples jüngster Strategie passen, Final Cut um Funktionen mit Machine-Learning zu ergänzen.


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[1] https://www.heise.de/news/Fotobearbeitung-Pixelmator-Apple-will-Entwickler-Team-uebernehmen-10002066.html
[2] https://www.heise.de/tests/Pixelmator-Pro-Neue-Version-fuer-Apple-Creator-Studio-im-Test-11183248.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-kauft-sich-beliebte-Wetter-App-4694561.html
[4] https://www.heise.de/mac-and-i
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  • 16. März 2026 um 18:11

AWS S3: Account Regional Namespaces machen Bucketsquatting den Garaus

Von Heise
Oranges AWS-Logo mit Eimern und Wolken, blauer Hintergrund

(Bild: heise medien)

Amazon S3 erlaubt jetzt kontogebundene Bucket-Namen. Das beendet Bucketsquatting bei neuen Buckets und vereinfacht die Namensvergabe in Multi-Account-Setups.

Amazon Web Services (AWS) hat Account Regional Namespaces für Amazon S3 General Purpose Buckets eingeführt. Damit können Kunden Bucket-Namen in einem reservierten Namespace pro Konto und Region erstellen – die bisher geltende global eindeutige Namensvergabe wird damit optional. Die Funktion steht seit dem 12. März 2026 in 37 AWS-Regionen bereit, darunter die Frankfurter Region eu-central-1.

Wie AWS in seinem Blog [1] erläutert, folgen die neuen Bucket-Namen dem Schema <prefix>-<account-id>-<region>-an. Ein Beispiel: mybucket-123456789012-us-east-1-an. Das Suffix aus Konto-ID, Region und dem Kürzel an wird dabei auf die maximal erlaubten 63 Zeichen des Bucket-Namens angerechnet, sodass die verfügbare Präfixlänge je nach Region variiert. Nur der jeweilige Kontoinhaber kann Buckets mit seinem Suffix erstellen – andere Konten erhalten einen entsprechenden Fehler.

AWS behebt damit ein zentrales Problem: das sogenannte Bucketsquatting (auch Bucketsniping). Dabei registrieren Angreifer gelöschte oder vorhersagbare globale Bucket-Namen, um Datenverkehr abzufangen oder Dienste zu stören. Weil viele Organisationen vorhersehbare Namenskonventionen wie myapp-us-east-1 verwenden, war das Risiko bislang hoch. Die neue Funktion verhindert dies bei neuen Buckets vollständig, da die Namen kontoexklusiv reserviert sind.

Erzwingung per IAM-Policy und SCP

AWS stellt einen neuen Condition Key s3:x-amz-bucket-namespace bereit, mit dem Administratoren die Nutzung der Account Regional Namespaces über IAM-Policies oder Service Control Policies (SCP) erzwingen können. In Multi-Account-Setups innerhalb von AWS Organizations lässt sich so organisationsweit sicherstellen, dass nur noch kontogebundene Bucket-Namen erstellt werden. AWS empfiehlt, die neuen Namespaces standardmäßig für alle neuen Buckets zu verwenden, sofern keine zwingenden Gründe dagegen sprechen.

Erstellung und IaC-Unterstützung

In der AWS-Management-Console lässt sich beim Einrichten eines Buckets „Account Regional namespace“ direkt als Namespace-Option auswählen. Über die AWS CLI legt man ein Bucket im neuen Namespace wie folgt an: aws s3api create-bucket --bucket mybucket-123456789012-us-east-1-an --bucket-namespace account-regional --region us-east-1. Für Python-Entwickler bietet AWS im Blog ein Boto3-Beispiel mit dynamischer Namensgenerierung über STS. CloudFormation unterstützt die Funktion bereits mit den Parametern BucketNamespace und BucketNamePrefix. Terraform-Support ist hingegen noch in Arbeit – ein entsprechendes GitHub-Issue wurde am 12. März 2026 eröffnet.

Bestehende S3-Buckets bleiben von der Neuerung unberührt. Eine Umbenennung vorhandener Buckets ist nicht möglich; wer migrieren möchte, muss neue Buckets im regionalen Namespace erstellen und die Daten etwa per aws s3 sync übertragen. Alle S3-Features und APIs sind mit den neuen Namespaces vollständig kompatibel, Änderungen an bestehenden Anwendungen sind laut AWS nicht nötig. Zusätzliche Kosten fallen für die Nutzung der Account Regional Namespaces nicht an.

Ausgenommen von der Verfügbarkeit sind derzeit lediglich die Regionen Middle East (Bahrain) und Middle East (UAE). Amazons Objektspeicher S3 [2] feierte erst kürzlich sein 20-jähriges Bestehen – die neuen Namespaces schließen nun eine seit Jahren bekannte Sicherheitslücke im Namenskonzept des Dienstes.


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[1] https://aws.amazon.com/blogs/aws/introducing-account-regional-namespaces-for-amazon-s3-general-purpose-buckets/
[2] https://www.heise.de/meinung/20-Jahre-Amazon-S3-Der-goldene-Kaefig-der-Cloud-Aera-11210784.html
[3] https://www.heise.de/ix
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  • 16. März 2026 um 14:44

Open Source statt kostenpflichtig: Alpha-Version von Vite+ steht bereit

Von Heise
Hand hält mehrere bunte Schnüre, die zu einer einzelnen Schnur verbunden werden

(Bild: Lightspring / Shutterstock.com)

Ursprünglich mit kostenpflichtiger Schiene für Unternehmen geplant, ist die Alpha-Version von Vite+ nun quelloffen erschienen.

Vite+ Alpha ist erschienen – quelloffen unter MIT-Lizenz. Der Hersteller VoidZero, der auch das quelloffene JavaScript-Build-Tool Vite entwickelt, hatte Vite+ im letzten Jahr zunächst als für Unternehmen kostenpflichtiges Angebot angekündigt. Bei Vite+ handelt es sich um ein Kommandozeilentool, das eine einheitliche Toolchain für die Webentwicklung bieten soll.

Vite+ auch für Unternehmen Open Source

Wie VoidZero angibt, hat es sich entgegen der ersten Ankündigung im Oktober 2025 für die vollständige Open-Source-Veröffentlichung von Vite+ entschieden. Zunächst sollte Vite+ für größere Unternehmen kostenpflichtig sein [1], dagegen für individuelle Entwicklerinnen und Entwickler, Open-Source-Projekte sowie kleine Unternehmen kostenfrei. Der Hersteller begründet diesen Richtungswechsel unter anderem mit der ermüdenden Debatte darüber, welche Features kostenfrei und welche kostenpflichtig sein sollten. Auch Feedback von der Community spielte in die Entscheidung hinein.

Vite+: Einheitliche Toolchain für Web Developer

Laut Evan You, dem Entwickler von Vue.js und Vite sowie Gründer von VoidZero, haben sich im JavaScript-Umfeld die Tooling-Komplexität und die Performance für Unternehmen zu Flaschenhälsen entwickelt [4]. An dieser Stelle soll Vite+ als einheitliche Toolchain Abhilfe schaffen, mit dem Ziel, Webentwicklung leichtgewichtiger, einfacher und schneller zu gestalten.

Vite+ ist ein Kommandozeileninterface, das die Technologien Vite, Vitest, Oxlint, Oxfmt, Rolldown, tsdown sowie den neuen Task Runner namens Vite Task kombiniert. Damit soll es das Erstellen von Webprojekten vollständig abdecken – inklusive Testing, Linting, Formatierung und Verwaltung von Runtime und Paketmanager. Zum Konfigurieren aller Tools dient eine einzige vite.config.ts-Datei im Root des Projekts.

In Vite+ können Entwicklerinnen und Entwickler Befehle wie vp env zum Verwalten von Node.js – global oder je Projekt –, vp install zum Installieren von Dependencies, vp check für das Linting mit Oxlint, das Formatieren von Code mit Oxfmt und das Type-Checking mit tsgo oder vp build für das Erstellen von Produktions-Builds mit Rolldown und Oxc verwenden.

Wie VoidZero ausführt, funktionieren alle diese Befehle out-of-the-box nahtlos miteinander und sind mit allen Frameworks im Vite-Ökosystem kompatibel, beispielsweise React, Vue oder Svelte. Die Migration auf Vite+ [5] soll am einfachsten funktionieren, wenn Entwickler bereits die kürzlich erschienene Version Vite 8.0 [6] verwenden.

Alle weiteren Details zum Alpha-Release von Vite+ sind im VoidZero-Blog zu finden [7].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11212241

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Webentwicklung-Vite-als-einheitliche-JavaScript-Toolchain-geplant-10770073.html
[2] https://enterjs.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[3] https://enterjs.de/tickets.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[4] https://www.heise.de/news/Webentwicklung-Vite-als-einheitliche-JavaScript-Toolchain-geplant-10770073.html
[5] https://voidzero.dev/posts/announcing-vite-plus-alpha#migrating-a-project-to-vite
[6] https://www.heise.de/news/JavaScript-Build-Tool-Vite-8-0-beschleunigt-mit-Rust-basiertem-Bundler-Rolldown-11210341.html
[7] https://voidzero.dev/posts/announcing-vite-plus-alpha
[8] mailto:mai@heise.de

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  • 16. März 2026 um 13:58

Apple kauft MotionVFX: Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins

Von Heise
Ein kreativer Mensch beim Bearbeiten von Inhalten an einem Mac

Apple hat vor kurzem ein Creator-Abo-Bundle herausgebracht. MotionVFX könnte hier eine sinnvolle Ergänzung sein.

(Bild: Apple)

Apple übernimmt mit MotionVFX einen der wichtigsten Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins. Die 70 Mitarbeiter sollen zum iPhone-Hersteller wechseln.

Apple hat die Firma MotionVFX übernommen und damit einen der größten Anbieter für Video-Effekte, Titel und Plug-ins. Viele Nutzer der Apple-Videoschnitt-Software Final Cut Pro greifen auf die Dienste des 2009 gegründeten Unternehmens zurück. Laut einigen Branchendiensten gilt MotionVFX als Marktführer in seinem Segment. Was genau Apple mit MotionVFX vorhat, lassen beide Firmen aber noch offen. Auch der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.

MotionVFX bestätigte den Kauf als Neuigkeit auf seiner Website. Das Unternehmen war laut Medienberichten vorher schon Partner von Apple. Apple selbst hat sich noch nicht dazu geäußert, was aber eine übliche Vorgehensweise des iPhone-Herstellers ist. Als im November 2024 bekannt wurde, dass Apple die Fotobearbeitungs-App Pixelmator übernimmt [1], ließ der Käufer seine Pläne zunächst auch offen. Erst vor wenigen Wochen wurde Pixelmator in das neue Creator Studio von Apple integriert [2].

MotionVFX-Inhalte künftig im Creator Studio?

Apples Abo-Bundle für Kreativinhalte könnte auch der künftige Bestimmungsort von MotionVFX werden. Bislang hat Final Cut Pro nur eine etwas umfangreichere Grundausstattung an Effekten, Einblendungen und Titeln zu bieten. MotionVFX könnte die Regale um zahlreiche Premium-Vorlagen auffüllen, die ein Abo von Final Cut gegenüber dem Einmalkauf attraktiver machen. Aktuell existieren beide Varianten: Nutzer können wahlweise die Software mieten oder kaufen.

Mit dem Kauf schmälert Apple indirekt aber auch die Attraktivität der Videoschnitt-Lösungen seiner Mitbewerber. MotionVFX bot nämlich nicht nur Erweiterungen für Final Cut Pro an, sondern auch für DaVinci Resolve und Adobe Premiere Pro. Wie beim Kauf der Wetter-App Dark Sky im Jahr 2020 [3] dürften die Angebote für die Konkurrenz mit dem Aufkauf über kurz oder lang eingestellt werden. Gegenwärtig ist noch das komplette bisherige Angebot verfügbar.

Zu MotionVFX gehören 70 Mitarbeiter, die allesamt zu Apple wechseln. Das im südpolnischen Bielsko-Biała beheimatete Unternehmen wurde von Szymon Masiak gegründet. In letzter Zeit hat es auch viele Erweiterungen mit KI-Unterstützung entwickelt, darunter KI-gestütztes Upscaling von Videos, Surface-Tracking oder automatisches 3D-Tracking. Auch dies würde gut zu Apples jüngster Strategie passen, Final Cut um Funktionen mit Machine-Learning zu ergänzen.


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https://www.heise.de/-11212845

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Fotobearbeitung-Pixelmator-Apple-will-Entwickler-Team-uebernehmen-10002066.html
[2] https://www.heise.de/tests/Pixelmator-Pro-Neue-Version-fuer-Apple-Creator-Studio-im-Test-11183248.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-kauft-sich-beliebte-Wetter-App-4694561.html
[4] https://www.heise.de/mac-and-i
[5] mailto:mki@heise.de

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  • 16. März 2026 um 18:11

Störungsmeldung vom 16.03.2026 07:30

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider 1&1

Details

Beginn
16.03.2026 07:30
Region
Berlin (030)
Provider
1&1
Zugangsart
FTTH

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  • 16. März 2026 um 07:30

Störungsmeldung vom 16.03.2026 07:56

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider M-net

Details

Beginn
16.03.2026 07:56
Region
Röhrmoos (08139)
Provider
M-net
Zugangsart
VDSL

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  • 16. März 2026 um 07:56

Bürgerräte: Wenn Bürger politische Entscheidungen vorbereiten

Von Timo Rieg
Reichstag mit großem Berliner Himmel.

Bild: Ansgar Scheffold auf Unsplash

Bürger beraten über politische Entscheidungen. Mehrere Tage diskutieren sie konkrete Probleme. Gewählt wird hier niemand. Die Teilnehmer werden ausgelost.

Eine Polemik, die in kaum einer Diskussion um Bürgerräte fehlt, ist der Verweis darauf, das Sowjet-System sei gescheitert, weshalb man keine neuen Versuche mit "Räten" brauche. Denn "Sowjet" ist eben der russische Begriff für Rat.

Doch mit Arbeiter- und Soldatenräten haben Bürgerräte so wenig zu tun wie der Deutsche Bundesrat (die sogenannte Länderkammer in der Gesetzgebung), der Schweizer Bundesrat (Regierung) oder ein Landrat (oberster Kommunalbeamter).

Bürgerräte beraten Sachfragen

Bürgerräte werden zu einer konkreten Frage einberufen. Diese Frage stammt meist aus Politik oder Verwaltung, etwa zur Neugestaltung einer Brachfläche, Renovierung oder Neubau einer Schule oder zur lokalen Umsetzung von Klimaschutz.

Anders als bei Bürgerentscheiden können die Menschen hier nicht nur Ja oder Nein sagen. Sie beschäftigen sich stattdessen intensiv mit allen Vorschlägen, diskutieren Vor- und Nachteile, Wirkungen und Nebenwirkungen, Wünsche oder Befürchtungen von Betroffenen, um am Ende gut informiert und im Wissen um ihre Stellvertreterrolle eine Entscheidung vorzuschlagen.

Auslosung über Einwohnermeldeämter

Denn die Mitglieder eines Bürgerrats werden nicht gewählt, sondern ausgelost. Bei kommunalen Bürgerräten sind dies in der Regel alle wahlberechtigten Bürger, teilweise aber auch alle Einwohner ab einem bestimmten Alter (z.B. ab 14 oder 16). Dazu werden softwaregestützt die Meldedaten genutzt.

Für landes- oder bundesweite Bürgerräte werden aus Gründen der Praktikabilität zumeist zunächst einige Kommunen oder Bezirke per Los bestimmt, aus denen dann wiederum jeweils eine bestimmte Zahl an Mitgliedern für das Verfahren gelost wird.

Weil damit alle Einwohner (im entsprechenden Alter) dieselbe Chance auf Auslosung haben und somit alle Teilnehmer ohne eigene Leistung in den Bürgerrat gelangt sind, verstehen sich fast alle tatsächlich als Vertreter der gesamten Bürgerschaft.

Da die Teilnahme nicht verpflichtend ist, müssen immer mehr Bürger eingeladen werden, als tatsächlich benötigt werden. Um hier Verzerrungen zu minimieren, werden zum Teil mit der Bereitschaftserklärung zur Mitwirkung ein paar sozio-ökonomische Daten erhoben, die potentiellen Mitglieder danach gruppiert und aus diesen Gruppen dann in den tatsächlichen Gesellschaftsverhältnissen entsprechenden Quoten erneut ausgelost.

Gute Rahmenbedingungen

Um eine möglichst hohe Zusagequote zu erreichen, muss die Teilnahme an einem Bürgerrat attraktiv und möglichst jedem Ausgelosten möglich sein. Dazu gehören die Zahlung einer Aufwandsentschädigung bzw. die Kompensation von Einkommensausfall, Kinderbetreuung, benötigte Assistenzdienste und anderes mehr.

Im Ergebnis entsprechen solche Bürgerräte in ihrer Zusammensetzung dann wesentlich mehr der Vielfalt ihrer Region, als dies bei anderen Bürgerbeteiligungsverfahren oder auch gewählten Gremien der Fall ist.

Der Ablauf von Bürgerräten ist bisher nicht kodifiziert. Anders als bei der wesentlich älteren, ähnlichen Methode "Planungszelle" nach Peter Dienel, die sehr standardisiert [1] ist, firmieren unter dem Begriff Bürgerrat eine Vielzahl von Verfahren [2].

Vorbild Irland

Vor allem die medial besonders beachteten Bürgerräte orientierten sich bisher an Citizens' Assemblies aus Irland mit einer Teilnehmerzahl von etwa 160 Bürgern, die Fachinformationen vor allem im Plenum erhalten und dann in moderierten Kleingruppen Detailfragen beraten.

Während bei Planungszellen alle Kleingruppen (dort stets fünf Personen und immer ohne Moderation) parallel dieselben Fragen diskutieren, werden bei Bürgerräten häufig verschiedene Details parallel verhandelt, wobei sich die Teilnehmer manchmal sogar selbst für eine sie besonders interessierende Themengruppe entscheiden können.

Bürgerräte dauern in der Regel mehrere Tage, oft aufgeteilt auf zwei oder mehr Wochenenden, wobei zumindest einzelne Parts auch digital stattfinden können.

Unabhängiger Durchführungsträger

Mit der Organisation und Durchführung sollte eine entsprechende Firma für Beteiligungsverfahren beauftragt werden. Dies sichert nicht nur die fachliche Qualität, sondern auch die Unabhängigkeit, die bezweifelt werden kann, wenn beispielsweise eine Stadtverwaltung, die beraten werden soll, selbst Regie führt.

Zu den wesentlichen Aufgaben einer solchen Firma (technisch "Durchführungsträger" genannt) gehört die Programmplanung eines Bürgerrats, also die Übersetzung der gestellten Frage in handhabbare Beratungseinheiten von etwa anderthalb Stunden, die Suche nach und Einladung von Referenten (Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter, Betroffene) oder die Aufbereitung von weiteren benötigten Informationen, was auch Exkursionen beinhalten kann.

Auch der Einladungsprozess und die gesamte Organisation der Rahmenbedingungen - von der Verpflegung bis zu Fahr- und Betreuungsdiensten - obliegt diesem Durchführungsträger. Entsprechend teuer sind solche Bürgerräte.

Diskussionen nur in Kleingruppen

Herzstück von Bürgerräten wie allen anderen aleatorischen Bürgerbeteiligungsverfahren sind die Gespräche in den Kleingruppen, für die auch die weitaus meiste Zeit zur Verfügung steht. Denn hier tauschen sich eben Menschen miteinander aus, die in einer solchen Konstellation sonst kaum einmal zusammentreffen.

Schüler und Rentner, Analphabeten und Professoren, AfD- und Grünen-Anhänger können hier an einem Tisch sitzen und ihre gegebenenfalls sehr unterschiedlichen Sichtweisen darlegen. In den üblichen Befragungen der Teilnehmer nach einem Bürgerrat im Rahmen einer Evaluation wird gerade dieser Austausch außerhalb des üblichen Sozialkreises als besonders bereichernd betont.

Selbst in einer reinen Gruppe Jugendlicher [3], die sich aber aus allen Bildungsschichten zusammensetzte, wurde diese gesellschaftliche Vielfalt von zahlreichen Teilnehmern als neue und gewinnbringende Erfahrung bezeichnet.

Gesprächsgruppen wechseln immer wieder

Um in den Beratungsgruppen mit fünf bis zehn Bürgern keine Hierarchien entstehen zu lassen und immer wieder neue Sichtweisen zu ermöglichen, werden diese während eines Bürgerrats immer wieder neu per Los oder nach einem Tauschschema zusammengesetzt.

Die Begleitforschung zeigt, dass auch ohne Moderation durch dieses Verfahren jeder angemessen zu Wort kommt, potentielle Vielredner von den übrigen Mitgliedern einer Kleingruppe gebremst werden und selbst Schüchterne das Wort ergreifen.

Denn hier sind keine Fensterreden möglich, stattdessen gibt es einen Austausch auf Augenhöhe. Da jede Gesprächseinheit unter einer neuen Frage- oder Aufgabenstellung steht, gibt es auch weder Möglichkeit noch Notwendigkeit, eine bereits gefasste Meinung von Runde zu Runde neu zu vertreten, wie dies in parteipolitischen Prozessen üblich ist.

Ergebnis Bürgergutachten

Nach mehreren Tagen des Austauschs wird am Ende eines Bürgerrats zusammengetragen, worauf man sich gemeinsam verständigen konnte. Diese Empfehlungen werden dann zusammen mit der Dokumentation des gesamten Prozesses in einem sogenannten Bürgergutachten zusammengefasst (siehe beispielsweise das Gutachten [4] zum "Bürgerrat Demokratie [5]").

Die Ergebnisse von Bürgerräten sind für Politik und Verwaltung zwar nicht bindend. Doch aufgrund des Aufwands und der öffentlichen Wahrnehmung müssen Politiker schon überzeugend begründen, wenn sie deutliche Empfehlungen eines von ihnen selbst beauftragten Bürgerrats in ihre weiteren Arbeit nicht berücksichtigen wollen.

Allerdings sind Bürgerräte ohnehin gerade bei Fragen sinnvoll, in denen sich die Politik zuvor nicht einig geworden ist. Dann vergibt sich keine Partei etwas, wenn sie sagt: Wir machen es jetzt so, wie es die ausgelosten Bürger vorgeschlagen haben.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.oekom.de/buch/die-qualitaet-von-buergerbeteiligungsverfahren-9783865812476
[2] https://www.aleatorische-demokratie.de/buergerrat-buergerparlament-und-andere-begriffe-aleatorischer-demokratie/
[3] https://www.aleatorische-demokratie.de/youth-citizens-jury/
[4] https://www.aleatorische-demokratie.de/gutachten-des-buergerrats-demokratie-veroeffentlicht-podcast-erschienen/
[5] https://www.telepolis.de/article/Buergerrat-Demokratie-Informieren-diskutieren-abstimmen-4545026.html

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  • 16. März 2026 um 09:00

Fett essen ist gesund – wir haben es nur falsch gemacht

Von Uwe Kerkow
reichhaltige Auswahl von Lebensmitteln

(Bild: monticello, shutterstock)

Nicht jedes Fett macht krank. Welche Fette wirklich schaden und welcher Küchenfehler selbst gesundes Öl gefährlich macht.

Fette haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als verantwortlich für Übergewicht und Herzkrankheiten. Doch Fachleute sind sich einig: Fett ist lebensnotwendig. Die Frage ist nicht, ob wir Fett essen sollen, sondern welches.

Fett erfüllt im Körper zahlreiche wichtige Aufgaben. Es liefert Energie, schützt Organe wie die Nieren als Polster und isoliert den Körper gegen Kälte. Ohne Fett können die Vitamine A, D, E und K gar nicht erst verdaut werden. Diese fettlöslichen Vitamine sind für Sehkraft, Knochenaufbau und Immunsystem unverzichtbar.

Zudem benötigt der Körper Fett für den Aufbau von Zellmembranen. Bestimmte Fettsäuren kann der Mensch nicht selbst herstellen – sie müssen daher zwingend über die Nahrung aufgenommen werden.

Und Fett ist ein wichtiger Geschmacksträger: Eine Gemüsesuppe mit einem Klecks Sahne schmeckt viel besser als ohne.

Nicht alle Fette sind gleich

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt [1] Erwachsenen, höchstens 30 Prozent der täglichen Energie in Form von Fett aufzunehmen. Bei einem Energiebedarf von 2000 Kilokalorien entspricht das zwischen 60 und 80 Gramm Fett pro Tag. Tatsächlich essen viele Menschen in Deutschland jedoch deutlich mehr.

Das ist ok, solange die Gesamtenergiezufuhr stimmt und kein Übergewicht droht. Entscheidend ist vor allem die Zusammensetzung der Fette. Ernährungsmedizinerin Silja Schäfer sagt dazu [2]: "Der große Nachteil bestimmter gesättigter Fette ist, dass sie den Cholesterinspiegel stark ansteigen lassen, wenn wir zu viel davon zu sich nehmen. Sie können so ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen."

Fette bestehen aus verschiedenen Fettsäuren. Es gibt gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Gesättigte Fettsäuren sind überall mit Wasserstoffatomen besetzt – sie sind "satt". Ungesättigte Fettsäuren haben dagegen freie Stellen in ihren Molekülketten.

Pflanzliche Öle schützen

Gesättigte Fettsäuren kommen überwiegend in tierischen Lebensmitteln vor: in Butter, Sahne, Schweineschmalz, Fleisch und Wurstwaren. Auch Kokosfett enthält viele gesättigte Fettsäuren. Diese Fette sind bei Raumtemperatur meist fest und lassen sich hoch erhitzen – das macht sie zum Braten oder Frittieren geeignet.

Ungesättigte Fettsäuren gelten [3] als gesünder für das Herz, den Blutdruck und das Immunsystem. Sie sind bei Raumtemperatur in der Regel flüssig und kommen vor allem in pflanzlichen Ölen wie Raps- oder Olivenöl vor. Sie tragen dazu bei, den Cholesterinspiegel zu senken und Entzündungen im Körper zu reduzieren.

Ungesättigte Fettsäuren wirken sich positiv auf den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und das Immunsystem aus. Sie vermindern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders wertvoll sind die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in Leinsamen und Fisch enthalten sind.

Das richtige Verhältnis entscheidet

Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren gehören Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen – sie sind essenziell. Die Alpha-Linolensäure, eine Omega-3-Fettsäure, steckt in Lein-, Raps- und Walnussöl. Die Omega-6-Fettsäure Linolsäure findet sich in Sonnenblumen-, Soja- und Maiskeimöl sowie in Margarine.

Linolsäure ist zwar essenziell, zu viel davon schadet dem Körper aber und kann Entzündungen fördern. Deshalb empfehlen Ernährungswissenschaftler heute zum Kochen vermehrt Omega-3-haltiges Rapsöl statt Sonnenblumenöl. Die sogenannte Omega-Balance zwischen Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren ist wohl entscheidend für Immunprozesse im Körper.

Omega-3-Fettsäuren sind auch in fettreichen Seefischen wie Hering, Makrele und Lachs enthalten. Heimische Fische wie Saibling liefern ebenfalls diese wertvollen Fettsäuren.

Problematische Transfette

Besonders problematisch sind sogenannte Transfette. Sie entstehen, wenn ungesättigte Fettsäuren industriell hoch verarbeitet sowie stark oder mehrfach erhitzt werden, etwa beim Backen oder Frittieren. In diversen Fertiggerichten und Fast Food wie Burgern oder Pommes frites stecken Transfette.

Transfette erhöhen den Cholesterinspiegel und können dadurch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Wenn dauerhaft zu viel LDL-Cholesterin im Blut ist, nimmt das Risiko für Ablagerungen an den Gefäßwänden, die sogenannte Arteriosklerose, zu. Damit steigt die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Transfette in Küche und Natur

Transfette können auch ungewollt in der eigenen Küche entstehen, wenn hitzeempfindliche ungesättigte Fette – etwa Olivenöl – beim Braten oder Frittieren zu stark erhitzt werden. Sie stehen außerdem im Verdacht, den Appetit auf Ungesundes zu steigern.

Transfette kommen jedoch auch natürlicherweise [4] in Milch und Fleisch von Wiederkäuern vor. Im Pansen dieser Tiere wandeln Mikroorganismen Fettsäuren aus der Nahrung um. Deshalb enthalten Milchfett sowie das Depotfett von Wiederkäuern nennenswerte Mengen an Transfetten.

Deren chemische Struktur unterscheidet sich allerdings von industriellen Transfetten.

Reduzierung in Lebensmitteln erfolgreich

In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren die Gehalte an Transfetten in Lebensmitteln deutlich reduziert. Margarine enthielte Mitte der 1990er Jahre durchschnittlich 17 bis 22 Prozent Transfette, 2008 waren es weniger als zwei Prozent. Auch in industriell hergestellten Backwaren, Knabberartikeln und Kartoffelchips liegen die Mengen bezogen auf den Gesamtfettgehalt heute meist unter zwei Prozent.

In der Europäischen Union gilt seit einigen Jahren ein Grenzwert: Lebensmittel, die für den Endverbraucher bestimmt sind, dürfen maximal zwei Gramm industrielle Transfette pro 100 Gramm Fett enthalten.

Die richtige Wahl in der Küche

Beim Braten und Frittieren werden hohe Temperaturen bis zu 180 Grad Celsius erreicht. Daher ist es wichtig, hitzestabiles Öl oder Fett zu verwenden. Raffiniertes Rapsöl etwa ist eine gute Wahl. Es enthält weniger freie Fettsäuren als kaltgepresstes, was zu einem höheren Rauchpunkt führt.

Der Rauchpunkt ist die Temperatur, bei der Öle oder Fette unter Hitzeeinwirkung zu rauchen beginnen. Raucht Öl beim Braten, können unerwünschte Nebenprodukte in der Pfanne landen. Für das Braten mit hohen Temperaturen eignen sich auch hitzebeständige Fette wie Butterschmalz oder natives Kokosöl. I

In der kalten Küche, etwa für Salate, sollte man zu Leinöl oder Nussölen greifen. Kaltgepresstes Öl hat oft einen ausgeprägteren Geschmack und kann bestimmten Gerichten ein gewünschtes Aroma verleihen. Raffiniertes Öl ist dagegen weitgehend geruchs- und geschmacksneutral.

Kaltgepresst oder raffiniert, Butter oder Margarine?

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sind kalt gepresstes und raffiniertes Öl fast gleichwertig. Beide weisen ein fast identisches Fettsäuremuster auf. Kaltgepresstes Öl punktet in der Regel beim Gehalt an Vitamin E. Bei der Verarbeitung werden Öle aus Pflanzensamen extrahiert und gereinigt. Dabei werden unerwünschte Stoffe, aber auch Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Aromastoffe entfernt.

Butter und Margarine enthalten beide ungefähr 80 Prozent Fett und liefern etwa 750 Kilokalorien pro 100 Gramm. Daher sollten sie sparsam verwendet werden. Butter verfügt über reichlich gesättigte Fettsäuren. Margarine, insbesondere aus Raps- oder Sojaöl, enthält mehr ungesättigte Fettsäuren und moderne Margarinen enthalten durch neue Herstellungsverfahren kaum noch Transfette.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.dge.de/blog/2023/fett-in-der-ernaehrung-fakten-rund-um-die-bedeutung-von-fett-fuer-den-koerper/
[2] https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gute-Fette-schlechte-Fette-Welche-sind-gesund,gutefette100.html
[3] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/info/fette.html
[4] https://www.dge.de/wissenschaft/fachinformationen/trans-fettsaeuren-und-die-gesundheit/

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  • 16. März 2026 um 08:00

Hanf statt Baumwolle: Die vergessene Superfaser

Von Christoph Jehle
Ein Traktor mit Erntegerät auf einem Hanfffeld

Maschinelle Hanfernte in Frankreich

(Bild: Aleks/Commons/CC-3.0)

Baumwolle frisst Wasser, Hanf wächst fast von selbst. Doch die Superfaser war jahrzehntelang verboten. Was steckt dahinter?

Baumwolle ist eine beliebte Faser für die Herstellung von Bekleidungsstoffen. Sie wird jedoch in Deutschland aus klimatischen Gründen nicht kommerziell angebaut, denn die Pflanze benötigt viel Wärme und eine lange, frostfreie Zeit, um ihre Kapseln auszubilden.

Zudem gilt sie als extrem wasserintensiv. So sollen für Ein Kilogramm Baumwolle im Schnitt etwa 11.000 Liter Wasser verbraucht werden.

Wasser und Baumwolle

Die Produktion eines T-Shirts soll auf dieser Berechnungsgrundlage rund 2.700 Liter Wasser [1] benötigen. Der Anbau in trockenen Regionen erfordert massive, oft umweltschädliche Bewässerung und zusätzlich durch die Weiterverarbeitung durch Färben und Bleichen. Die Spitzenreiter beim Wasserverbrauch sind jedoch die Jeans.

Für die Produktion, Veredelung und Färbung einer einzigen Jeans werden laut Epson- [2]Studie durchschnittlich etwa 18.000 Liter Wasser benötigt. Ähnlich hoch ist der Wasserverbrauch bei Hoodies mit 14.364 Litern.

Es folgen Hemden und Blusen mit 12.863 Litern und Jacken mit 11.672 Litern. Wie die aktuelle Studie von Epson ermittelt hat, berichteten in Deutschland 77 Prozent der Befragten, dass sie sich mit dem Thema Wasserfußabdruck noch nie auseinandergesetzt haben.

Die oft im Zusammenhang mit dem Wasserbedarf des Baumwollanbaus in Verbindung gebrachte Austrocknung des Aralsee wird heute meist auf die wenig umweltfreundliche Wirtschaftsweise der Sowjetunion zurückgeführt. Hauptanbaugebiete für Baumwolle sind Indien, China, USA, Pakistan und Usbekistan und da oft Gebiete mit ausgeprägter Wasserknappheit.

Zu den Nachteilen der Baumwolle zählt, dass sie leicht knittert. Daher wird sie oft mit synthetischen Fasern in sogenannten Mischgeweben [3] verarbeitet. Diese wiederum lassen sich mechanisch kaum wieder nach Materialien auftrennen und somit nur schlecht recyclen. Hier bleibt nur das aufwendigere chemische Recycling.

Die Kosten dafür [4] werden auf kurz oder lange den Herstellern auferlegt werden. In der Folge könnten umweltfreundlichere Textilien hierzulande zum Einsatz kommen.

"War on Drugs": Warum der Nutzhanf bis 1996 verboten blieb

Und in diesem Zusammenhang beginnt man sich auch in Deutschland wieder an einen Textilrohstoff zu erinnern, der bis vor knapp 100 Jahren sich großer Beliebtheit erfreute und dann vor allem juristisch gegen die Kunstfasern verlor.

Mit dem Aufkommen synthetischer Fasern und der Kunststoffindustrie auf Erdölbasis wurde Hanf als Konkurrenz angesehen. Die Verbotshistorie von Nutzhanf ist sehr eng mit der Entwicklung dieser Kunstfaser- und Kunststoffindustrie verbunden. Hanf galt als Konkurrenzprodukt zu neuartigen synthetischen Materialien, die in den 1930er Jahren aufkamen.

Mit dem Marihuana Tax Act von 1937, bei dem es sich offiziell um ein Steuer- und Registrierungsgesetz handelte, wurden nicht nur die Weichen für die weltweite Drogen-Politik gestellt, sondern auch die Verdrängung der Hanffasern eingeläutet.

Harry Anslinger, der erste Leiter des Federal Bureau of Narcotics (FBN) von 1930 bis 1962, war nicht nur der Architekt der Cannabis-Prohibition. Seine Arbeit prägte den frühen amerikanischen "War on Drugs", der als Kollateralschaden auch den Nutzhanfanbau verbot, weil sich die Pflanzen nicht so einfach von einander unterscheiden ließen.

Das Verbot betraf Nutzhanf, also Faserhanf mit unter 0,3 Prozent THC-Gehalt, obwohl dieser keine Rauschwirkung hat. Dennoch fiel der Nutzhanf beispielsweise in Deutschland von 1982 bis 1995 unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG [5]), um den Missbrauch von Cannabis als Rauschmittel zu unterbinden.

Moderne Nutzhanfsorten sind jedoch THC-arm und seit Mitte der 1990 mit Auflagen wieder legalisiert, da Landwirtschaft und Industrie ein starkes Interesse an dem vielseitigen Rohstoff haben.

Mit Wirkung zum 16. April 1996 wurde dann auch in Deutschland das seit 1982 im Betäubungsmittelgesetz bestehende pauschale Hanfanbauverbot für den Nutzhanf aufgehoben. Daher unterliegt die Aufsicht über den Hanfanbau heute nicht dem Justizministerium, sondern dem Gesundheits- oder dem Landwirtschaftsministerium.

Der Nutzhanfanbau ist in Deutschland streng reglementiert [6] und es werden nur 17 Sorten angebaut, deren Samen größtenteils aus Frankreich kommen, wo der Anbau nicht verboten war.

Welche Vorteile hat Nutzhanf für die Textilproduktion?

Auf den ersten Blick spricht vieles für den Nutzhanf und letztlich gegen die Baumwolle als Textilfaser. Sein ökologischer Fußabdruck ist vor allem wegen seines geringeren Wasserverbrauchs viel kleiner, der Ertrag pro Hektar dafür viel größer.

Zudem ist kaum eine andere Pflanze so universell nutzbar wie der sehr reißfeste Hanf. Man kann daraus neben Kleidung, Nahrung, Heilmitteln, Ölen, Papier, Baustoffen sogar Energie gewinnen. Und er kommt anders als Baumwolle gänzlich ohne Chemie aus. Ja es gibt in der Europäischen Union nicht einmal Pflanzenschutzmittel, die für den Hanfanbau zugelassen wären.

Doch so einfach sich der Nutzhanf auch hierzulande anbauen lässt, so schwierig ist seine Weiterverarbeitung verglichen mit Baumwolle. Denn das Wissen um die Hanfverarbeitung ist während des Hanfverbots verloren gegangen und der Hanf hat wie Leinen Bastfasern und deren Gewinnung ist sehr arbeitsintensiv.

Wenn Deutschland den Anbau von Nutzhanf und seine Verarbeitung nicht fördern will und damit hilft, eine Alternative zu den wenig umweltfreundlichen Kunstfasern zu etablieren, wird auch dieser Bereich seine Heimat in China finden, wo schon heute die Hanftextilien etabliert sind.

China ist heute der weltweit führende Produzent von Hanftextilien und investiert massiv in die Entwicklung feinerer Hanffasern.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://klassewasser.de/content/language1/html/9252.php
[2] https://press.epson.eu/de/news/deutsche-kleiderschraenke-verbrauchen-696-074-liter-wasser/#:~:text=Deutsche%20Kleiderschr%C3%A4nke%20verbrauchen%20696.074%20Liter%20Wasser%20D%C3%BCsseldorf%2C,f%C3%BCr%20die%20Herstellung%20aller%20Kleidungsst%C3%BCcke%20in%20einem
[3] https://www.verbraucherzentrale-hessen.de/plastiksparen/mikroplastik-aus-kunstfaser-kleidung-53227
[4] https://www.telepolis.de/article/Baumwollrecycling-Innovative-Technologien-fuer-nachhaltige-Textilwirtschaft-10235170.html
[5] https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/
[6] https://www.ble.de/DE/Themen/Landwirtschaft/Nutzhanf/nutzhanf_node.html

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  • 16. März 2026 um 06:00

heise+ | Völlig kostenlos: 21 Freeware-Perlen für den Mac

Von Heise
Gute Software muss nichts kosten

Gute Software muss nichts kosten.

(Bild: KI / heise medien)

Die von uns ausgewählten macOS-Helfer erleichtern lästige Aufgaben, erweitern das System um nützliche Funktionen und lassen Sie konzentrierter arbeiten.

Inflation ist überall: Auch Software wird seit einigen Jahren immer teurer. Noch nerviger: Das Einmal-zahlen-Geschäftsmodell, bei dem man zumindest über einige Jahre bis zum nächsten großen Update (auf das es dann zumeist Rabatt gab), Ruhe hatte, verschwindet zunehmend. Stattdessen werden Abonnements zur Regel, bei denen man monatlich oder jährlich sich stets erhöhende Beträge [1] [1] anweisen muss.

Doch das muss nicht sein: Die Open-Source- und Freeware-Szene lebt, gerade auch auf dem Mac. Die Mac & i-Redaktion hat insgesamt 21 tolle Titel entdeckt, die die verschiedensten Bereiche abdecken und den Nutzer keinen Cent kosten.

Nicht-notarisierte Apps installieren

Einige der vorgestellten Apps wie DockProfiles, Fancy Folders oder Thock sind nicht von Apple notarisiert. Sie wurden also nicht auf möglicherweise schädliche Einflüsse wie Malware geprüft. Daher blockiert das System den Start dieser Apps und bietet stattdessen an, die App in den Papierkorb zu legen.


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[1] https://www.heise.de/news/1Password-erhoeht-Abopreise-deutlich-11188959.html

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  • 16. März 2026 um 08:00

Drohnen-Diplomatie: Warum Selenskyj Spezialteams in den Nahen Osten schickt

Von Matthias Lindner
Moderne Drohne mit Rückstellvorrichtung für Bomben in den Händen eines ukrainischen Soldaten.

(Bild: Parilov / Shutterstock.com)

Die Ukraine wehrt jede Nacht russische Drohnen ab – jetzt wird dieses Know-how zum Handelsgut für Geld und Technologie.

Es gibt wohl kein Land, das so viel Erfahrung im Krieg mit Drohnen hat, wie die Ukraine und Russland. Und es ist diese Erfahrung, die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jetzt als diplomatisches Kapital nutzen möchte.

Laut Reuters erklärte er [1] gegenüber Reportern, dass Kiew drei Spezialteams in den Nahen Osten entsandt hat. Einmal nach Katar, dann in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi-Arabien und zu einem US-Stützpunkt in Jordanien.

Dort sollen sie zeigen, wie Drohnenabwehrsysteme gegen iranische Kamikaze-Drohnen funktionieren und effektiv angewandt werden können.

Selenskyj erwartet Gegenleistung von Golfstaaten

Es ist aber nicht Altruismus, der die Regierung in Kiew dazu veranlasst hat. Vielmehr erhofft man sich für die Dienste Geld und Technologie als Gegenleistung.

"Für uns sind heute sowohl die Technologie als auch die Finanzierung wichtig", sagte Selenskyj. Er betonte, dass langfristige Drohnenabkommen mit den Golfstaaten verhandelt werden könnten.

Die genaue Gegenleistung stehe bisher nicht fest. "Es geht hier nicht darum, an Operationen beteiligt zu sein. Wir befinden uns nicht im Krieg mit dem Iran", stellte er klar.

Die Golfstaaten setzen große Mengen teurer Luftabwehrraketen gegen iranische Shahed-Drohnen ein. Die Ukraine hingegen schießt jede Nacht russische Drohnen mit günstigeren Mitteln ab – darunter kleinere Abfangdrohnen und elektronische Störgeräte.

Dieses Know-how weckt internationales Interesse: Laut Selenskyj baten auch die USA, europäische und afrikanische Staaten um Unterstützung. US-Präsident Donald Trump erklärte allerdings, Washington brauche keine ukrainische Hilfe beim Abschuss von Drohnen.

Selenskyj kritisierte zudem, dass einige ukrainische Unternehmen und ausländische Regierungen versucht hätten, Geschäfte mit Anti-Drohnen-Ausrüstung ohne Zustimmung aus Kiew abzuschließen.

Einen geplanten Drohnenvertrag mit den USA im Wert von 35 bis 50 Milliarden Dollar habe Washington bislang nicht unterzeichnet.

Friedensgespräche geraten durch Nahostkrieg ins Stocken

Gleichzeitig sorgt sich Kiew um die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die eigenen Luftabwehrbestände und den Friedensprozess. "Wir würden es sehr bedauern, wenn sich die Vereinigten Staaten wegen des Nahen Ostens von der Ukraine-Frage abwenden würden", sagte Selenskyj.

Die Befürchtung ist nicht unbegründet: Die für Anfang März geplante Verhandlungsrunde in Abu Dhabi fiel nach den völkerrechtswidrigen US-amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran aus.

Ein neuer Termin steht nicht fest. Washington schlug ein Treffen in den USA vor, doch Russland lehnte den Ort ab.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bestätigte gegenüber der [2] Financial Times: "Es ist klar, dass Amerikas Aufmerksamkeit derzeit auf den Nahen Osten gerichtet ist".

Russland profitiert – Europa drängt auf Fortschritte

Moskau zieht derweil Vorteile aus der Situation. Steigende Ölpreise durch den Iran-Krieg bescheren dem Kreml laut EU-Diplomaten zusätzliche Einnahmen von bis zu 150 Millionen Dollar pro Tag.

Gleichzeitig lockerten die USA Sanktionen und ihren Druck auf Indien, kein russisches Öl zu kaufen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow räumte die Gesprächspause ein: "Die Amerikaner haben andere Prioritäten, und das ist verständlich".

Europäische Staats- und Regierungschefs versuchen gegenzusteuern. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing Selenskyj in Paris, um dem "Eklipse-Effekt" des Iran-Kriegs entgegenzuwirken.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz warb im Weißen Haus für stärkeren Druck auf Moskau – Trump zeigte sich jedoch wenig gesprächsbereit.

Auf dem Schlachtfeld sieht Selenskyj die Lage dennoch nicht aussichtslos. Das ukrainische Militär gehe davon aus, dass eine geplante russische Frühjahrsoffensive "bereits gescheitert" sei.


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[1] https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/zelenskiy-says-ukraine-wants-money-technology-return-middle-east-drone-help-2026-03-15/
[2] https://www.ft.com/content/c4fa2378-516b-4689-a4cf-69163ff2d31a

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  • 15. März 2026 um 20:00

Wolf ins Jagdgesetz: Ein Streit, der noch lange nicht endet

Von Susanne Aigner
Wolf im Fadenkreuz

Naturschützer warnen: Weniger Wölfe könnten die Zahl der Nutztierrisse sogar erhöhen – und das neue Gesetz ist rechtlich umstritten.

Damit Wölfe künftig leichter bejagt werden können, sollen diese in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden [1]. So lautet der jüngste Beschluss des Bundestages. Auch wenn die Rückkehr des Wolfes in Deutschland als Erfolg der Artenschutzpolitik gelte, gebe es wegen dessen zunehmender Ausbreitung immer mehr Konflikte zwischen Wölfen und Nutztieren, so die Begründung.

"Bis zum Almauftrieb ist der Wolf im Jagdgesetz", glaubt Bundesagrarminister Alois Raine [2]r (CSU). Der Almauftrieb findet im Allgäu von Mitte Mai bis Juni statt. Bislang durften nur mit Sondergenehmigung und unter bestimmten Auflagen einzelne Problemwölfe erlegt werden.

Die EU-Staaten hatten den Schutzstatus des Wolfes im Sommer 2025 bereits von "streng geschützt" auf "geschützt" gesenkt und so die Voraussetzung für Änderungen im Jagdrecht geschaffen. Die neue Regelung soll es nun ermöglichen, sogenannte Problemwölfe abzuschießen.

Wölfe verunsichern Rheinland-Pfalz

Besonders in Rheinland-Pfalz wurde in den vergangenen Monaten immer wieder Damwild sowie Schafe und Ziegen gerissen – so etwa im Kreis Kusel [3]oder in Bad Kreuznach [4]. Allein in der nördlichen Landeshälfte waren 55 Weidetiere – durch Angriffe von Wölfen verletzt worden, einige so schwer, dass sie geschlachtet werden mussten.

Allerdings waren die meisten Tiere nicht durch spezielle, wolfsabweisende Schutzzäune abgesichert. Weitere zwölf Weidetiere waren nach Wolfsangriffen verschwunden, wie aus den Daten [5] des Koordinationszentrums Luchs und Wolf (Kluwo) hervorgeht.

Die meisten Wolfsangriffe gab es jedoch im Kreis Neuwied, im Kreis Altenkirchen und im Westerwaldkreis. Dort leben drei Wolfsrudel, die in diesem Jahr alle Nachwuchs bekamen. Auch im Rhein-Lahn- oder Rhein-Hunsrück-Kreis ziehen immer wieder einzelne Wölfe durch.

Im hessischen Driedorf wurden letztes Jahr um die Weihnachtszeit sieben tote Schafe auf einer Weide entdeckt. Der elektrisch geladene Schutzzaun, der am Tag zuvor noch überprüft worden war, sei an mehreren Stellen zerfetzt gewesen [6], wie Schäfer berichten.

Abschuss wurde kurzfristig zurückgenommen

Ein Wolf war bereits zum Abschuss freigegeben worden, weil er zweimal innerhalb kurzer Zeit einen Schutzzaun überwunden und Weidetiere getötet hatte. Doch mit Klage der Naturschutzinitiative [7] e. V. (NI) mit Sitz im Westerwald wurde die Abschussgenehmigung durch das Verwaltungsgericht Koblenz im Dezember 2024 kurzfristig gestoppt.

Wolfsrisse sind für die Tierhalter auch psychisch enorm belastend, betont Werner Neumann, Vorsitzender des Landesverbands der Schaf- und Ziegenhalter in Rheinland-Pfalz. Der Anblick getöteter, zerrissener oder halb toter Tiere sei für die Schäfer nicht leicht zu ertragen.

Uckermark: Zahl der Wolfsrisse war zuletzt leicht rückläufig

Auch in der Uckermark wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Wolfsrisse gezählt. Waren es 2023 noch rund hundert Nutztiere betroffen, waren es 2024 bereits etwa doppelt so viele. Im Laufe des letzten Jahres waren die Zahlen wieder etwas zurückgegangen. In diesem Jahr seien Abschüsse zwar genehmigt, jedoch noch nicht durchgeführt worden.

Es gehe nicht darum, "wahllos Wölfe zu schießen", wie Frank Bretsch, Vize-Landrat der Uckermark, betont. [8] Man wolle nur sogenannte schadensstiftende Wölfe töten – solche, die es gelernt hätten, wolfsabweisende Maßnahmen zu überwinden. Nach der neuen Regelung darf die Kreisverwaltung nun eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss erteilen.

Naturschutzverbände kritisieren neue Regelung

Thomas Volpers, Vizevorsitzender des BUND Brandenburg, hält die geplante Entnahme einzelner Wölfe für eine nachvollziehbare "Verzweiflungstat". Auch wenn er davon überzeugt ist, dass ein Abschuss die Sozialstruktur der Rudel gefährdet. Herdenschutz allein reiche jedoch nicht immer aus. Eine pauschale Abschussquote lehnt er zwar ab, hält aber einzelne Entnahmen – ähnlich wie beim Biber [9] für praktikabel.

Der aktuelle Gesetzesentwurf verstoße nicht nur gegen EU-Recht, er sei auch "handwerklich defizitär und damit streitträchtig", erklärt der Nabu [10], der gemeinsam mit weiteren Verbänden ein Rechtsgutachten beauftragte. Denn es würden damit keine schnelleren Entscheidungen ermöglicht. Auch blieben am Ende für die Jäger rechtliche Unsicherheiten. Nebenbei werden wertvolle Ressourcen verschwendet.

Nabu: Weniger Wölfe bedeuten nicht automatisch weniger Risse

Die eigentlich notwendigen Ziele, Rechtssicherheit für Weidetierhalter zu schaffen und effektiven Herdenschutz flächendeckend voranzutreiben, würden mit der geplanten Änderung verfehlt, so die Kritik. In den wenigen Fällen, in denen Wölfe auffälliges Verhalten durch Überwindung von Herdenschutz zeigen, könne man auch im Rahmen des Bundesnaturschutzrechts handeln.

Was als Schutz für Weidetiere verkauft wird, sei eine gefährliche Fehlentscheidung, erklärt Björn Ellner, Vorsitzender des Nabu in Brandenburg. Weniger Wölfe bedeuten nicht automatisch weniger Nutztierrisse. Werden Rudelstrukturen durch Abschüsse gestört, könne die Zahl der Risse sogar steigen. Er befürwortet stattdessen mehr Elektrozäune und Herdenschutzhund [11].

"Bejagung von Wölfen kann Weidetiere nicht schützen"

Es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Bejagung von Wölfen das Risiko für Übergriffe auf Weidetiere senke, wenn sie nicht gerade auf großer Fläche ausgerottet werden, argumentiert auch die Naturschutzinitiative [12] (NI). Denn die Anzahl der Wölfe korreliere keineswegs mit der Anzahl der Übergriffe auf Weidetiere.

Im Gegenteil, durch eine Bejagung entstünden neue Risiken. Die soziale Struktur werde durch Tötung eines Mitgliedes geschwächt, so dass umherziehende "Wanderwölfe" leichter ins Revier eindringen können. Sie könnten die Nutztierübergriffe sogar noch steigern.

Ist der Wolf durch Bejagung erneut von Ausrottung bedroht?

Mit dem von Bauern- und Jagdverbänden und Politikern geforderten Abschuss von 40 Prozent der Welpen, die ohnehin nur eine Überlebensrate von etwa 50 Prozent haben, wäre die Ausrottung jedoch vorprogrammiert [13], kritisiert die NI.

So werde die erneute Ausrottung von Bauern-, Weidetierhalter- und Jagdverbänden sowie Politikern zumindest billigend in Kauf genommen, erklärt Gabriele Neumann, Stellvertretende Vorsitzende und Projektleiterin Wildkatze und Karnivoren in einer aktuellen Pressemitteilung [14].

Der Wolf steht durch seine Einstufung in Anhang V weiterhin unter dem Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL). Eine Bejagung sei nur möglich, wenn sich der Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand befinde, weiß der der Biologe Wolfgang Epple, Wissenschaftlicher Beirat der NI. Doch dies sei nicht der Fall.

Auch dem angeblichen Verlust der Scheu vor dem Menschen sei mit Jagd nicht zu begegnen. Es gebe keinerlei Belege dafür, dass Wölfe ihre natürliche Scheu verloren hätten. Auch gebe es keinen Nachweis dafür, dass die Bejagung von Wölfen die Fluchtdistanz vor Menschen erhöhe.

Bessere Schutzmaßnahmen durch Herdenschutzhunde

Nur ein flächendeckender und konsequenter Herdenschutz könne Nutztiere vor Übergriffen schützen und Risse auf ein Mindestmaß reduzieren, ist die Naturschutzinitiative überzeugt. In Deutschland liegt der Herdenschutz nach dem Tierschutzgesetz [15] in der Verantwortung der Tierhalter.

Glaubt man Gabriele Neumann von der NI, gab es bei Übergriffen während der letzten fünf Jahre nur in wenigen Fällen einen vollständigen Herdenschutz. So war bei 47 dokumentierten Rissen im letzten Jahr lediglich in zwei Fällen ein entsprechender Herdenschutz nachweisbar. 2016 bis 2020 war bei keinem der insgesamt 15 Übergriffe ein vollständiger Schutz vorhanden. Dies sei eine unverantwortliche Vernachlässigung der Weidetiere, kritisiert die Naturschutzinitiative [16].

Bundesländer investieren unterschiedlich stark in Herdenschut

Einer Auflistung des Nabu zufolge [17] können die Förderprogramme der einzelnen Bundesländer stark variieren. Fast alle Länder finanzieren Herdenschutzhunde zumindest teilweise. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, NRW und Baden-Württemberg wird sogar ihre Ausbildung finanziert.

So werden etwa in Bayern bei Investitionen in mobile und feste Elektrozäune [18] bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Aufwendungen gefördert. Bei Investitionen in Herdenschutzhunde werden bis zu 3.000 Euro je Hund zzgl. Zubehör sowie ggf. die Umsatzsteuer gezahlt.

In Rheinland-Pfalz steht außerdem das Koordinationszentrum Luchs und Wolf [19] (Kluwo) den Tierhaltern beratend zur Seite.


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[1] https://www.tagesschau.de/inland/regional/rheinlandpfalz/swr-wolf-kommt-ins-bundesjagdgesetz-was-bedeutet-das-fuer-den-westerwald-100.html
[2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/wolf-ins-jagdrecht-wie-brandenburg-an-einem-plan-fur-eine-wolfsjagd-arbeitet-15328047.html
[3] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/grosse-resonanz-infoveranstaltung-wolf-in-kusel-100.html
[4] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/mehrere-schafe-in-vg-nahe-glan-moeglicherweise-von-wolf-gerissen-100.html
[5] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/woelfe-haben-dieses-jahr-55-weidetiere-im-norden-des-landes-getoetet-100.html
[6] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/wolfsrudel-laemmer-gerissen-liebenscheid-westerwald-driedorf-100.html
[7] https://naturschutz-initiative.de/wir/
[8] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/03/neuregelung-abschuss-wolf-uckermark.html
[9] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/03/neuregelung-abschuss-wolf-uckermark.html
[10] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/26885.html
[11] https://www.tagesspiegel.de/berlin/wolf-ins-jagdrecht-wie-brandenburg-an-einem-plan-fur-eine-wolfsjagd-arbeitet-15328047.html
[12] https://naturschutz-initiative.de/wir/
[13] https://naturschutz-initiative.de/aktuell/pressemitteilungen/ni-fordert-weidetierhalter-muessen-ihre-tiere-schuetzen/
[14] https://naturschutz-initiative.de/aktuell/pressemitteilungen/naturschutzinitiative-e-v-ni-der-wolf-gehoert-nicht-ins-jagdrecht/
[15] https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__2.html
[16] https://naturschutz-initiative.de/aktuell/pressemitteilungen/ni-fordert-weidetierhalter-muessen-ihre-tiere-schuetzen/
[17] https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/wolf/200429_nabu_wolf_infografik_laendervergleich_ergebnistabelle.pdf
[18] https://www.stmelf.bayern.de/foerderung/foerderung-herdenschutz-wolf/index.html
[19] https://fawf.wald.rlp.de/forschung-und-monitoring-unsere-aufgaben/koordinationszentrum-luchs-und-wolf

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