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Bundeswehr: "Hauptproblem ist das falsche Vorbild von ganz oben"

Von Benjamin Roth
Ein Soldat vor einem Denkmal

Welche Rolle soll die Bundeswehr in Zukunft einnehmen?

(Bild: roibu/Shutterstock.com)

Die Bundeswehr zwischen Aufrüstung, Personalproblemen und dem Kampf um Glaubwürdigkeit von innen. Ein Telepolis-Interview mit Major a.D. Florian Pfaff.

Quo vadis Bundeswehr? Angesichts des Ukrainekriegs und der Kriege im Nahen Osten erlebt sie eine massive Aufrüstung, während dieses Jahr ein (zunächst freiwilliger) Wehrdienst wieder eingeführt wurde. Jenseits der sicherheitspolitischen Neuausrichtung kämpft die Truppe mit internen Problemen: Personalmangel, rechtsextremistische und sexistische Vorfälle belasten das Bild der Armee.

Eine kritische Stimme in der Armee selbst ist der Arbeitskreis Kritische Soldaten / Darmstädter Signal, der die Entwicklung aus friedenspolitischer [1] und demokratischer [2] Perspektive hinterfragt.

Im Interview analysiert Major a.D. Florian Pfaff [3] die Folgen der aktuellen Aufrüstung, die seiner Meinung nach nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu gesellschaftlicher Spaltung führt. Zudem thematisiert er die Personalprobleme der Truppe, die er in der Realität von Angriffskriegen begründet sieht.

▶ Sie engagieren sich beim Arbeitskreis kritische Soldaten / Darmstädter Signal [4]. Was macht das Selbstverständnis des Arbeitskreises aus und warum haben Sie sich angeschlossen?

Eine Person im Anzug
Unser Gesprächspartner Florian Pfaff
(Bild: Mike/Commons [5]/CC-2.0 [6])

Pfaff: Unser Grundsatz ist: Sicherheit ist mehr als militärische Stärke. Der Arbeitskreis respektiert die Rolle der Bundeswehr als Bestandteil der Verteidigung unserer demokratisch verfassten Gesellschaft auf der Basis des Grundgesetzes und des Völkerrechts.

Wir sehen uns als kritische Begleiter der Politik hinsichtlich des Auftrags der Streitkräfte, ihrer Bindung an Recht und Moral, der Umsetzung des Konzepts des Staatsbürgers in Uniform, sowie nichtmilitärischer Alternativen der Konfliktbewältigung und Friedensförderung.

▶ Wir erleben in Deutschland zurzeit eine militärische Aufrüstung und Zuspitzung der Außenbeziehungen. Wie ordnen Sie diese Entwicklungen ein und welche Risiken sehen Sie für die Bundeswehr?

Pfaff: Die Zuspitzung lässt sich auch in der Innenpolitik feststellen. Statt gesellschaftlicher Konsensbildung erleben wir eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung.

Solange die Bundeswehr de facto Angriffskriege führt, läuft sie Gefahr, dass ihr das Personal ausgeht und das verbleibende immer mehr aus Leuten besteht, die bereit sind, unmoralisch und gesetzeswidrig zu handeln.

Die Unterdrückung von Kritik [7] wirkt sich in allen Bereichen negativ aus – nicht nur das Material betreffend, sondern auch gutes Personal.

▶ Jüngst wurde ein Wehrdienst eingeführt [8], deutschlandweit erhalten Schüler seit dem 1. Januar ihre Bereitschaftserklärungen. Wie haben Sie die Debatte wahrgenommen und welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für die Bundeswehr?

Pfaff: Die Zahl der Freiwilligen ist zwar durch die Massenbefragung gestiegen, aber bei weitem nicht so, dass die Personalprobleme damit lösbar wären. Ich sehe vor allem, dass es nicht um ein friedliches Miteinander geht, sondern der Fokus ausschließlich auf militärischer Stärke liegt. Das führt dann aber zur Aufrüstung der Gegenseite.

Mit "guter Nachbarschaft" hat das nichts zu tun. Nur die würde zu Sicherheit führen. Es droht also nicht Freundschaft, sondern noch mehr Kampf und Terror, im schlimmsten Fall Eskalation zu noch größeren Kriegen bis zu einem Atomkrieg.

Die Herausforderung besteht darin, wie man den Druck aushält und die Wahrheit vermitteln kann.

▶ Die Bundeswehr steht wegen sexistischen [9] und rechtsextremistischen [10] Vorfällen in der Kritik. Woran sehen Sie die wesentlichen Ursachen für diese Phänomene und wie könnte die Bundeswehr ihnen von innen besser entgegentreten?

Pfaff: Das Hauptproblem ist das falsche Vorbild von ganz oben. Demonstrative Missachtung des nationalen und internationalen Rechts und Ablehnung verbindlicher Urteile entstehen ja nicht unten. Um den Fisch zu retten, müsste man zuerst den kranken Kopf heilen.

▶ Ihr Arbeitskreis hat eine lange Bestehensgeschichte, stand in vergangenen Jahren aber auch schon einmal vor der Auflösung. Mit welchen Problemen sind Sie bei Ihrer Arbeit konfrontiert und welche Perspektiven sehen Sie trotz alledem?

Pfaff: Wir bekommen kaum noch Aktive aus der Bundeswehr. Wir und unsere Argumente werden von der Bundeswehr, zum Teil auch vom Staatsschutz und den Mainstream-Medien bekämpft. Eine Mitgliedschaft wird als Karrierehinderns empfunden – leider zu Recht.

Vor allem die Propaganda und mediale Gehirnwäsche funktionieren sehr gut. Derzeit sowie kurz- und mittelfristig haben wir damit zwar kein Problem. Langfristig droht uns aber tatsächlich die Auflösung oder Reduzierung bis zur medialen Bedeutungslosigkeit.

Ich sehe zwei Lösungen. Entweder wir schaffen es, mit unseren guten Argumenten Einsicht zu erzeugen, damit die Verantwortlichen in der Politik zur Vernunft kommen – oder es müssen so viele Menschen davon überzeugt werden, dass größere militärische Stärke nicht zu mehr Sicherheit führt, dass die betreffenden Politiker, die den Niedergang – nicht nur der Bundeswehr, sondern auch der Wirtschaft – bewirken, ersetzt werden.

Ich nehme an, dass es auf das Letztere hinausläuft, denn der Niedergang wird von immer mehr Menschen wahrgenommen. Immer mehr Menschen begreifen weltweit die Ursachen des Malheurs.

Dabei helfen uns vor allem die sozialen Medien und die "Mund-zu-Mund-Beatmung".

An die rein theoretische Möglichkeit, dass der Rechtsstaat das Problem auf die eigentlich dafür vorgesehene Weise intern löst – durch eine Anklage der Straftäter und Verurteilung durch Gerichte – glaube ich nicht. Die Staatsanwaltschaften unterstehen den Akteuren und wo kein Kläger, da bekanntlich kein Richter.

Niemand sollte verzagen oder die Geduld verlieren!

Benjamin Roth sprach mit Florian Pfaff. Pfaff ist Pädagoge und Major außer Dienst bei der deutschen Bundeswehr. 2003 verweigerte er die Mitwirkung am Irakkrieg [11] und wurde dafür degradiert [12]. 2005 wurde er rehabilitiert, 2013 in den Ruhestand versetzt. Seit 2019 ist er Sprecher des Arbeitskreises kritische Soldaten / Darmstädter Signal.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11212169

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.helmut-schmidt.de/aktuelles/detail/streitkraefte-fuer-den-frieden
[2] https://www.vorwaerts.de/inland/staatsbuerger-uniform-warum-das-konzept-fuer-die-bundeswehr-so-wichtig-ist
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Florian_Pfaff
[4] https://kritischesoldaten.de/
[5] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Florian_Pfaff_(3096294206).jpg
[6] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de
[7] https://taz.de/Ex-Soldat-ueber-Bundeswehr/!5741427/
[8] https://www.heise.de/tp/article/Wehrdienst-ab-2026-Was-im-Fragebogen-steht-und-wer-ihn-ausfuellen-muss-11121433.html
[9] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundeswehr-zweibruecken-rechtsextremismus-eliteeinheit-100.html
[10] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundeswehr-zweibruecken-rechtsextremismus-eliteeinheit-100.html
[11] https://taz.de/Die-reine-Logik-der-Befehlsverweigerung/!765735/
[12] https://www.friedenskooperative.de/friedensforum/artikel/die-degradierung-des-bundeswehrmajors-florian

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  • 22. März 2026 um 16:00

Länger arbeiten, weniger Pausen: Folgen eines neuen Arbeitszeitgesetzes?

Von Marcus Schwarzbach
Müder Pfleger vor Bett und müder Busfahrer im Bus

Merz will Arbeitszeiten verlängern – doch viele Beschäftigte sind jetzt schon am Limit. Was das für die Arbeitswelt bedeutet.

Die Agenda von Bundeskanzler Friedrich Merz lässt sich für die Arbeitswelt leicht beschreiben: Die Beschäftigten sollen mehr arbeiten. Länger am Tag, indem die Zehn-Stunden-Höchstarbeitszeitgrenze abgeschafft wird, und länger, indem Rentenansprüche gekürzt werden. Die Arbeitsbedingungen in den Betrieben werden dabei kaum thematisiert.

Beispiele, wie die alltägliche Situation im Arbeitsleben ist, gibt es reichlich. Der Druck auf Pflegekräfte wird immer größer, die Arbeitsbedingungen in Sozial- und Gesundheitsberufen haben sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Das zeigt eine Analyse [1] von Anja Hall und Ana Santiago-Vela vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung erfolgte.

Beschäftigte in diesem Bereich fühlen sich weiterhin stärker belastet als Beschäftigte in anderen Berufen. Dies gilt sowohl für die Arbeitsintensität als auch für die physischen Arbeitsbelastungen. Viele Beschäftigte denken deshalb darüber nach, die Branche zu verlassen, was den bestehenden Personalmangel noch verschärfen würde.

Die Arbeitsbelastungen können weitgehende folgen haben. Deshalb ist Burnout "bittere Realität für viele Pflegekräfte" berichtet [2] die Online Pflege Akademie:

"Um Burnout in der Pflege nachhaltig zu begegnen, müssen wir verstehen, woher der enorme Druck kommt. Die Hauptursache liegt oft im systemischen Personalmangel, der die Arbeitsbelastung für das verbliebene Pflegepersonal ins Unermessliche steigert. Wenn Sie die Arbeit von zwei Kollegen übernehmen müssen, ist Stress vorprogrammiert.

Dieser ständige Zeitdruck führt dazu, dass die eigentliche Pflege am Menschen zu kurz kommt. Dieses Missverhältnis zwischen dem Wunsch zu helfen und der Realität der Fließbandarbeit ist ein zentraler Treibstoff für Burnout in der Pflege. Die Unzufriedenheit wächst, und die Motivation sinkt rapide."

Gefährdungsbeurteilung vorgeschrieben – aber von Unternehmen oft ignoriert

Über 75 Prozent der Krankenpfleger und 67 Prozent der Altenpfleger sagten nach einer Umfrage des DGB, dass sie ihren Beruf unter den aktuell schweren Bedingungen wahrscheinlich nicht bis zur Rente ausüben können. Probleme bestehen aber nicht nur im Pflegesektor. Im Durchschnitt leidet jeder zweite Beschäftigte im Dienstleistungssektor – quer durch alle Branchen – unter Arbeitshetze und Zeitdruck, berichtet die Gewerkschaft Verdi [3].

Dass die heutige Arbeitswelt erhebliche psychische Belastungsfaktoren [4] mit sich bringt, stellt auch der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) fest:

"Der wirksame Schutz der Arbeitnehmer*innen vor jenen Fehlbelastungen und Beanspruchungen, die gesundheitlich relevant sind, zählt zu den zentralen Herausforderungen der Zeit."

Bereits heute bestehen Pflichten der Unternehmen, die Arbeitsbedingungen zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Eine Gefährdungsbeurteilung im Betrieb ist vom Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben. Diese soll Gefahren aus Sicht der Beschäftigten ermitteln, auch bei psychischen Belastungen. Arbeitsverdichtung, Zeitdruck und Stress prägen vielerorts den Arbeitsalltag.

Angesichts des enormen Präventionspotenzials ist die geringe Umsetzungsrate von nur rund 28 Prozent gegenüber den seit Jahren steigenden Fehlzeiten durch psychische Diagnosen für den BDP kaum nachvollziehbar.

Um die Ursachen für die Überlastung zu finden, ist es wichtig, die Beschäftigten in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Mitarbeiterbefragungen oder Workshops mit den betroffenen Beschäftigten finden in den Betrieben jedoch, wenn überhaupt, meist nur auf Druck von Betriebsräten oder Gewerkschaften statt.

Tarifverträge als Gegenmaßnahme stossen auf Widerstand der Unternehmer

In Tarifverhandlungen fordern Gewerkschaften deshalb zunehmend nicht nur mehr Lohn, sondern auch Maßnahmen gegen Stress am Arbeitsplatz. Die Arbeitsbedingungen verschieben Prioritäten der Belegschaften.

Mehr freie Zeit kann wichtiger sein als mehr Geld – deshalb sehen immer mehr Tarifverträge Wahlmöglichkeiten vor. Die Beschäftigten können entscheiden, ob sie eine Sonderzahlung oder freie Zeit haben möchten.

Je nach Tarifvertrag beinhaltet die Option etwa zusätzliche Urlaubstage oder eine verkürzte Wochenarbeitszeit, etwa in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemischen Industrie oder bei der Deutschen Bahn.

"Mehr Zeit kann besser sein als mehr Geld. So sieht es die Mehrheit der Beschäftigten, denen ein Tarifvertrag eine Wahloption zwischen mehr Freizeit und mehr Lohn ermöglicht."

Hans-Böckler-Stiftung

Konkret haben sich 59 Prozent der Befragten ausschließlich für mehr Zeit entschieden, sechs Prozent für eine Kombination aus mehr Zeit und Geld und 35 Prozent ausschließlich für mehr Geld. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung [5] von Alexandra Mellies, Anja Abendroth, Florian Zimmermann, Kevin Ruf und Yvonne Lott für das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Analyse enthält Angaben von rund 1.900 Arbeitenden, die nach Abschluss der Tarifrunde eine Wahlmöglichkeit hatten. Besonders häufig entscheiden sich dafür Beschäftigte in Betrieben, die ein belastendes Arbeitsklima haben.

Auch in aktuellen Tarifrunden sind Arbeitsbedingungen bedeutsam. "Die Fahrer sind am Ende ihrer Kräfte [6]", sagte Gewerkschaftssekretär Serat Canyurt bereits zu Beginn der Gespräche im Berliner Nahverkehr.

Neben freien Tagen zur Entlastung fordert die Belegschaft der Berliner Verkehrsbetriebe die Einhaltung der Mindestruhezeit von elf Stunden und eine maximale Schichtlänge von zwölf Stunden. Zudem sollen die Wendezeiten auf sechs Minuten erhöht werden. Dieser Kampf für bessere Arbeitsbedingungen trifft auf den Widerstand der Unternehmensvertreter.

Nach bundesweiten Februar-Streiks im öffentlichen Nahverkehr hat der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Steffen Kampeter, eine Einschränkung des Streikrechtes gefordert. Die gewerkschaftlichen Aktivitäten seien ein "plumper Erpressungsversuch [7]", so Kampeter.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11213619

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-warum-viele-an-den-ausstieg-denken-75244.htm
[2] https://www.onlinepflegeakademie.de/blog/burnout-in-der-pflege-warnsignale-erkennen-und-neue-berufliche-wege-finden
[3] https://www.verdi.de/arbeit-recht/ueberlastungsanzeige-gefaehrdungsanzeige-gefaehrdungsbeurteilung-schutz-am-arbeitsplatz-durchsetzen
[4] https://www.bdp-verband.de/aktuelles/detailansicht/fachliche-empfehlungen-zur-gefaehrdungsbeurteilung-vorbereitungsveranstaltung
[5] https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-rund-60-prozent-der-beschaeftigten-entscheiden-sich-fuer-mehr-zeit-74541.htm
[6] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1195820.tarifverhandlungen-und-bvg-kurze-pause-zum-pinkeln-an-der-endhaltestelle.html
[7] https://www.zeit.de/arbeit/2026-03/streik-nahverkehr-arbeitgeberpraesident-steffen-kampeter-gxe

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  • 22. März 2026 um 14:00

Soft Power als Trumpf: Warum Europa seine Prioritäten falsch setzt

Von Rüdiger Suchsland
Vorderansicht des Straßburger Münster

Straßburger Münster. Bild: Shutterstock.com

Europa rüstet militärisch auf – und lässt seine Demokratie digital verrotten. Eine europäische Medienoffensive ist entscheidend für den "European way of life".

Eine "Europäische Medienplattform" fordert der schwarz-rote Koalitionsvertrag. Aber keiner weiß, was das eigentlich sein soll, die Ideen schwanken zwischen selbstorganisierten "interaktiven" Modellen und einer Art transnationaler Mediathek.

Aber soll eine solche Medienplattform nur zugänglich machen, was es ohnehin schon gibt, oder soll sie auch selber produzieren, also zum Beispiel arte für ganz Europa werden, ja: in die Welt expandieren?

Das ist eine der zentralen Fragen, die mittlerweile nicht nur von Medienpolitikern, sondern auch von Initiativen "von unten" verfolgt werden. Diskutiert wurden sie vergangene Woche beim "Medienpolitischen Kongress 2026 [1]" der Berliner Landesvertretung des Bundeslands Baden-Württemberg.

Haben Demokratien die Kraft für den großen Wurf?

Jedenfalls bloß keine Kathedrale. Also keine zu großen, zu teuren, zu langfristigen und "auf dem Reißbrett" entworfenen Vorhaben. Darauf zumindest konnten sich scheinbar alle Teilnehmer des Kongresses einigen. Aber warum eigentlich nicht?

Immerhin sind Kathedralen eines der wenigen Bauwerke, die vom Mittelalter heute noch stehen geblieben sind. Kathedralen sind robust, groß und nachhaltig, sie machen was her, bieten Platz für alle und verschiedene Altäre und Seitenflügel für jeden Geschmack, oft sogar einen Kreuzgang als Meeting Point, aber immer zusammengefasst unter einem gemeinsamen Dach – das wäre doch alles gar nicht so schlecht für die angestrebte Medienplattform.

Das Problem ist vielleicht eher, dass die Demokratien in ihrem derzeitigen Zustand gar nicht in der Lage wären, eine Kathedrale zu bauen. Darum fürchten sie schon die bloße Idee. Denn jeder entsprechende Plan würde zerredet und dann in den paritätisch und divers besetzen Gremien so lange kleingeschmirgelt, bis am Schluss nur noch ein großer Sandhaufen übrig bliebe.

Angst prägt das Denken

In der Praxis prägt Angst das Denken vieler Akteure: Angst vor der eigenen Courage, Angst vor den Konsumenten, die auch Wähler sind, und angeblich mehrheitlich gegen den Ausbau der öffentlich-rechtlichen Sender eingestellt sind, und vor allem Gebühren vermeiden wollen.

Aber hat es nicht gerade in der Schweiz eine bemerkenswerte Volksabstimmung gegeben, die das Gegenteil zu belegen scheint?

Die dortige von rechtspopulistischen Kreisen veranlasste sogenannte "Halbierungsinitiative" zur Kürzung und Deckelung der Rundfunkgebühren wurde bei einer Volksabstimmung am 8. März mit sehr deutlicher Mehrheit von über 60 Prozent abgelehnt. So ist die Finanzierung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) dauerhaft gesichert.

Vor allem aber gibt es unter den europäischen Medienpolitikern Angst vor dem Kampf mit den US-Konzernen, den man mit der Gründung einer Medienplattform aufnehmen müsste. Der Europäische DMA [2] (digital markets act [3]) bietet dafür im Prinzip viele Möglichkeiten und gibt der Europäischen Kommission starke juristische und medienpolitische Instrumente an die Hand.

Die Kommission kann formelle Untersuchungen und Verfahren einleiten, sie kann Geldbußen und Zwangsgelder verhängen, und sie kann dauerhafte politische Auflagen beschließen, wie den Verkauf von Unternehmensteilen, das Verbot bestimmter Geschäftsmodelle und in letzter Konsequenz die "nukleare Option" einer Konzern-Zerschlagung.

Aber es sind vor allem Anhänger des ökonomischen Neoliberalismus, die sich solchen möglichen Maßnahmen verweigern. Man hat Angst, sich mit den US-amerikanischen Medienplattformen anzulegen.

Eine europäische Medienverteidigungsgemeinschaft?

Trotzdem kann man sich auch auf europäischer Ebene in medienpolitischen Fragen nicht mehr lange um die echten Probleme herumdrücken: die einseitige Konzernmacht, das Qualitätsdumping und die daraus folgenden mittelfristigen Gefahren für die Demokratie.

Man muss sich einigen – das ist das Problem in Deutschland wie in Europa. Entscheidungsfreudiges Durchregieren wäre darum eigentlich auch für demokratische Akteure angesagt, bevor es die anderen machen. Wenn die Demokratie nämlich nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, die den kleinstmöglichsten Kompromissnenner übersteigen, stehen andere schon bereit.

Um die politischen Akteure anzutreiben, haben sich darum inzwischen verschiedene Initiativen gebildet: Ein European Public Social Network [4] drängt die Kommission in Brüssel zum Handeln [5], eine europäische Bürgerinitiative [6] hat sich gebildet, der im Prinzip jeder EU-Bürger beitreten kann.

Tatsächlich braucht Europa aber noch mehr: Nämlich eine Art europäische Medienverteidigungsgemeinschaft, die auch finanziell gut ausgestattet ist, und nicht nur als Abwehrbollwerk, sondern als Gestalter öffentlichen Raums auftritt. Anstatt militärisch aufzurüsten, sollte man vielleicht medienpolitisch aufrüsten.

Nur ein Leopard-Panzer weniger in die Ukraine und das Geld dafür in den Medienpolitik – das wäre eine großartige medienpolitische Initiative.

"European way of life" für die Welt

Wie eine solche europäische Medienverteidigungsgemeinschaft in der Praxis aussehen könnte, skizzierte der Berliner auf der Veranstaltung der Berliner Medienwissenschaftler Christian Neuberger [7] (FU-Berlin).

In kreativer und eigenständiger Weise griff Neuberger die Hauptthesen des am vergangenen Wochenende verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas zum "Strukturwandel der Öffentlichkeit" auf, und formulierte sie in die Zukunft gerichtet auf die europäische Situation um.

Die Medienpolitik in Europa, so Neuberger, müsse ihre defensive Grundhaltung ablegen. Medien, Texte, Filme, Plattformen könnten auch als attraktive Soft Power begreifen, mit der sich Werte und Lebensweisen global vorführen und verbreiten lassen: den "European way of life".

Diese Idee europäischer Soft Power und ihrer Institutionen gewinnt in den letzten Monaten, in denen sich Europa geopolitisch konsolidiert, zunehmend an Bedeutung: Nur eine von Sonntagsreden über Völkerrecht und "regelbasierte" Ordnung garnierte Militarisierung wird Europa als außenpolitischen Akteur immer weiter an den Rand des Geschehens drängen.

Auf dem Weg zu einer "transnationalen Öffentlichkeit" in Europa

Neuberger skizzierte zunächst eine krisenhafte Ausgangslage: Eine "transnationale europäische Öffentlichkeit" gebe es zurzeit nicht. Gerade die größeren EU-Staaten denken noch immer in nationalstaatlichen Kategorien.

"Es fehlen Paneuropäische Medien. Es fehlt eine konsequente europäische Ausrichtung der Politik-Berichterstattung der jeweiligen nationalen Medien."

Es fehlt auch ein gemeinsamer europäischer Diskurs.

Eine europäische Öffentlichkeit müsse aber das Ziel auch aller Medienpolitik sein: das Abstreifen nationaler Verengungen des Denkens und des Geschmacks und der Fixierungen auf Standortpolitik.

Als Beispiel nannte Neuberger den in Berlin stattfindenden, europäischen Gipfel für Digitale Souveränität [8] am 18. November 2025. Das Ziel, dass Europa die Spielregeln der digitalen Welt selbst mitbestimmen will, scheint klar. Aber wie das geschehen könnte, ist derzeit völlig offen. Europa ist einstweilen Spielball zwischen den USA und Asien.

Neuberger empfahl für den Umgang mit den gern beschworenen "europäischen Werten" und dem von ihm selbst ins Spiel gebrachten Begriff des "European way of life" einen weniger "appellhaften", stärker "analytischen" Umgang.

Ein europäischer öffentlicher Raum

Schon um diesen Umgang diskursiv zu verhandeln, also für eine Debatte um die Zukunft Europas müsse eine Debattenplattform für – ganz im Sinne Habermas' – rationale herrschaftsfreie Meinungsbildung" institutionell verankert werden. Es geht in einem ersten Schritt um Zugang und um das Organisieren und Kuratieren von Diskussionen. Neuberger nannte als konkretes praktisches Beispiel solcher Initiativen die radiosphere [9] (Radiocentric platform).

Das langfristige Ziel eines "European public space" für die digitale Öffentlichkeit des gemeinsamen Europas, der in der Lage sein wird, die lokalen und nationalen Öffentlichkeiten zusammenzubringen, enthält für Neuberger mehrere Elemente.

Ein "journalistisch kuratierter Kernbereich" müsse die klassische Aufgabe der Informationsvermittlung erfüllen. Überdies brauche man Möglichkeiten des Diskurses und dessen Moderation. Und: Medien-Archive. Aufgabe einer solchen Plattform sollte auch die "Kontextualisierung" der Themen und Debatten sein.

Für ein derart ehrgeiziges Vorhaben ist für Neuberger klar:

"Es braucht Geldgeber; es braucht Kuratoren; es braucht die diskursive Prüfung von Inhalten."

Nur durch den gezielten Aufbau einer solchen digital organisierten, transnationalen europäischen Öffentlichkeit und ihrer Institutionen, durch den gezielten Aufbau von europäischen Medien, lässt sich für Neuberger der grassierenden Aushöhlung der Demokratie und dem Aufstieg rechtsextremer Parteien entgegenarbeiten.

Denn auch "Kommunikatives Handeln" (Jürgen Habermas) ist vor allem Handeln.

Eine neue Rationalität, eine Neublüte der Wissenschaften und Künste

Robert Suckale (1943-2020), deutscher Kunsthistoriker und Mittelalterforscher, schrieb über die gotischen Kathedralen:

"Die gotische Architektur ist Ergebnis höchst komplexer Vorgänge... Wir begegnen einer außerordentlich dynamischen Gesellschaft, die auf fast allen Gebieten Neues versuchte. Die Welt der Gotik war weder so heil, wie manche glauben, noch war ihre Kirchenbaukunst nur Glaubenssache. Religion und Politik waren ... vermengt; der Kirchenbau ist immer auch öffentlicher Bau. ...

Wir sehen die gotische Architektur eher als einen sinnfälligen Ausdruck des Aufbruchs Frankreichs und dann Europas im 12. und 13. Jahrhundert, als Teil dieses Neubeginns, dem wir neben einer neuen Rationalität in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft auch die Neublüte der Wissenschaften und Künste verdanken."

Europa braucht neue Kathedralen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.baden-wuerttemberg.de/de/regierung/baden-wuerttemberg-im-bund/landesvertretung-in-berlin
[2] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/wettbewerbspolitik-digital-markets-act.html
[3] https://digital-markets-act.ec.europa.eu/index_en
[4] https://www.aa.com.tr/en/europe/europeans-urge-eu-level-public-social-network/3850078
[5] https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_26_522
[6] https://eunewsletter.eu/de/commission-registers-european-citizens-initiative-calling-for-a-european-social-media-platform-2/
[7] https://www.polsoz.fu-berlin.de/kommwiss/arbeitsstellen/digitalisierung_partizipation/team/cneuberger/index.html
[8] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/digitale-souveraenitaet-2394250
[9] https://radiosphere.com/

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  • 22. März 2026 um 12:00

Elon Musks Halbleiterfertigung: Die Terafab wird ein Tera-Fail mit Ansage

Von Johannes Hiltscher
Auf einer Science-Fiction-Vision baut Elon Musk die Pläne für seine Halbleiterfertigung auf. Was fehlt, sind ein Konzept und die Möglichkeit zur Umsetzung.
Elon Musk stellt seine Pläne für die Terafab vor (Bild: SpaceX)
Elon Musk stellt seine Pläne für die Terafab vor Bild: SpaceX

Ein Terawatt an KI-Chips will Elon Musk künftig im Jahr herstellen, die Solarzellfertigung soll analog skaliert werden. Für die Umsetzung der Vision müsste – so geht es aus der Vorstellung von Musks Plänen hervor – die Fertigungskapazität an High-End-Prozessknoten um grob den Faktor 50 steigen.

Da Samsung, TSMC und vermutlich auch Intel einen entsprechenden Ausbau abgelehnt haben, will Musk den nun selbst in die Hand nehmen. In Austin, Texas, soll seine Terafab gebaut werden.

In seinem gut 25-minütigen, über X gestreamten Vortrag vor SpaceX-Mitarbeitern ging Musk allerdings nur sehr abstrakt auf die Pläne ein. Neben der groben Kapazität – sie lässt sich auf rund 2,5 bis 3 Millionen Wafer-Starts pro Monat abschätzen – gab Musk einen sehr allgemeinen Ausblick auf die Fähigkeiten der Terafab. So soll sie Logik- und DRAM-Prozesse fertigen und über Advanced Packaging sowie eine eigene Maskenfertigung verfügen. Alles vom Wafer bis zum fertigen Chip unter einem Dach.

Musk will alles alleine machen

Nach Musks Vorstellung soll das um eine Größenordnung schnellere Zyklen bei der Entwicklung von Prozessen und Chips ermöglichen. Das alles soll offensichtlich ohne externen Partner aufgebaut werden.

Von null einen Leading-Edge-Fertigungsprozess aufzubauen, ist bereits eine kaum schaffbare Herausforderung. Daher holte sich etwa Rapidus, das in Japan eine 2-nm-Fertigung aufbaut, Hilfe von IBM .

Start-up-Mentalität hat ihre Grenzen

Rapidus plant den Start der Serienfertigung für 2027 , brauchte also selbst mithilfe von IBM rund fünf Jahre nach Projektstart. Elon Musk stellte nicht einmal einen erfahrenen Projektleiter aus der Halbleiterbranche vor, der sein Projekt unterstützt.

Hinzu kommt, dass ein komplettes Ökosystem skaliert werden muss, um Musks Vorstellungen überhaupt möglich zu machen. Denn es genügt nicht, ein Dutzend große Reinräume zu bauen, auch wenn Musk meint, die nicht zu brauchen . Eine Halbleiterfabrik ist etwas anderes als ein Gigawatt-Rechenzentrum, das Musk innerhalb weniger Monate hochziehen lassen kann. Für die wesentlich anspruchsvolleren Gebäude gibt es eine überschaubare Anzahl an Firmen, die sie planen und bauen können.

Und wenn die Fabrik, kurz Fab, steht, wird es richtig problematisch: Eine Halbleiterfabrik muss mit Maschinen bestückt werden, die Maschinen benötigen Verbrauchsmaterial, dessen Rohstoffe gefördert werden müssen, es müssen Menschen in der Fab arbeiten. All das skaliert relativ linear mit der Größe einer Fab, und die gesamte Lieferkette kann nicht kurzfristig auf ein Vielfaches skaliert werden.

Vorstellen kann man sich viel, in der realen Welt existieren aber reale Beschränkungen, die sich nicht einfach aufheben lassen.

Musks Projekt wird allein dadurch ausgebremst, dass die Maschinenbauer ASML, Lam Research, Tokyo Electron und weitere ihre Produktion nicht einmal schnell vervielfachen können. Gleiches etwa bei den Produzenten der Silizium-Wafer – die wiederum auf Lieferanten entsprechender Maschinen und Rohstoffe angewiesen sind. Elon Musk scheint stets vom Ende zu denken und dabei die komplexeste Lieferkette der Welt zu übersehen.

Selbst, wenn die Fab eingerichtet sein sollte, fehlt noch immer das Know-how für Halbleiterfertigung in zwei sehr verschiedenen Disziplinen. Auch Advanced Packaging und Maskenfertigung sind wesentlich komplexer, als sie auf den ersten Blick wirken mögen.

In der Fertigung werden nicht nur dutzende Materialien verwendet – allein Kontaktierungen und Leiter bestehen aus mehreren Schichten; die Prozesse, in denen sie verarbeitet werden, haben viele Parameter. Und ein Fehler in einem Schritt kann den gesamten Prozess ruinieren.

Das von Null aufbauen zu wollen, ist einfach zum Scheitern verurteilt – denn beliebig erhöhen lässt sich die Iterationsgeschwindigkeit nicht. Viele Analysen sind kleinteilige Arbeit mit dem Elektronenmikroskop. Vielleicht will Musk aber auch den Weg gehen, der bei KI verfolgt wird.

Ein gerendertes Bild der Terafab gibt es bereits. (Bild: SpaceX)
Bild 1/4: Ein gerendertes Bild der Terafab gibt es bereits. (Bild: SpaceX)
Die Chips aus der Terafab sollen in Teslas, Optimus und Weltraumrechenzentren landen. (Bild: SpaceX)
Bild 2/4: Die Chips aus der Terafab sollen in Teslas, Optimus und Weltraumrechenzentren landen. (Bild: SpaceX)
Elon Musks Vision der Zukunft. (Bild: SpaceX)
Bild 3/4: Elon Musks Vision der Zukunft. (Bild: SpaceX)
Aktuell finden sich sieben Stellenausschreibungen zur Terafab bei Tesla. (Bild: Tesla)
Bild 4/4: Aktuell finden sich sieben Stellenausschreibungen zur Terafab bei Tesla. (Bild: Tesla)

Halbleiterfertigung ist weder KI noch Rakete

Möglicherweise ist Musks Vorstellung, dieses Wissen einfach einkaufen zu können. Bei KI überbieten sich die großen Entwickler ja auch mit lukrativen Angeboten, um die klügsten Köpfe anzuziehen. Im Halbleiterbereich scheitert dies aber daran, dass die Verträge erfahrener Mitarbeiter nach ihrem Ausstieg erst einmal die Tätigkeit für einen Konkurrenten untersagen, bei TSMC etwa für üblicherweise 18 Monate.

Damit versuchen die Fertiger, ihr Prozesswissen, den Hauptwert der Unternehmen, zu schützen. Nach zwei aufsehenerregenden Fällen bei TSMC von Industriespionage sowie einer ehemaligen Führungskraft, die Geschäftsgeheimnisse an Intel verraten haben soll , dürfte die Sensibilität noch einmal größer worden sein.

Zwar sind die groben Aufbauten moderner Halbleiter teils bekannt, es bleiben aber die vielen Prozessparameter. Zudem verfügt jeder Halbleiterhersteller über eine Vielzahl an Patenten. Auch durch diesen Dschungel muss sich ein neuer Hersteller bewegen. Das ist ein weiterer Grund, warum es ohne Partner kaum geht: Ein Partner bringt auch ein entsprechendes Patentportfolio mit.

Was kostet das alles?

Neben den technischen Problemen gibt es noch ein weiteres: Musks Vorstellung ist unglaublich teuer. Ein exaktes Preisschild lässt sich nicht an die Terafab kleben, es wären aber definitiv mehrere Hundert Milliarden US-Dollar.

Das ist allerdings das kleinere Problem – wenn es einen gesellschaftlichen Konsens gäbe, wäre ein solches Projekt durchaus umsetzbar. Der Ökonom John Maynard Keynes sagte einst: "Alles, was wir tatsächlich zustande bringen, können wir uns leisten" . Fraglich nur, ob es die gibt, denn Musks Vorstellungen würden das irdische Ökosystem immens belasten. Für Musk spielt das keine Rolle, er sieht die Zukunft der Menschheit schließlich im All.

Den Großteil von Musks Vortrag zur Terafab machten entsprechend Geschichten von seiner Vision einer interstellaren Zivilisation aus. In der gebe es dank Billionen Robotern "Überfluss für alle" .

Wer sich fragt, wo all die Chips denn hin sollen: Ein Terawatt an Rechenleistung will Musk allein in Form von Weltraumrechenzentren jährlich ins All schießen. Bereits in seiner sehr optimistischen Abschätzung, in der 100 kW Rechenleistung nur eine Tonne Masse haben, würde das bis zu 50.000 Starship-Starts im Jahr erfordern. Und die Weltraumrechenzentren werden nach wenigen Jahren wohl in der Atmosphäre verglühen.

Zusätzlich sollen noch Chips für jährlich 1 bis 10 Milliarden Optimus sowie Teslas Autopiloten gefertigt werden. Im Vortrag durfte dann auch ein Video des Massentreibers auf dem Mond nicht fehlen, den Musk so mag. Man muss Elon Musk zugestehen, dass er bereits einige Visionen erfolgreich umsetzen konnten, die andere für zu groß oder unrealistisch hielten. Aber der Hyperloop oder die Boring Company zeigen, dass große Pläne auch scheitern können, wenn sie zu komplex sind. Das gleiche Schicksal wird die Terafab ereilen.

Musks Science Fiction hat Charme

Zugegeben, es ist schwer, sich der Attraktivität der von Musk beschriebenen schönen neuen Welt zu entziehen.

Auf den Boden der Tatsachen holt einen allerdings, dass die Vision der raumfahrenden Spezies das Konkreteste an Musks Plänen für die Terafab ist. Die Vorstellung vom Massentreiber auf dem Mond ist konkreter als die der Fab, welche überhaupt erst einmal mit ihrem gigantischen Output helfen soll, die Startkosten so weit zu senken, dass eine Besiedelung des Alls finanziell möglich wird.

Ein gerendertes Bild der Terafab gibt es bereits. (Bild: SpaceX)
Bild 1/4: Ein gerendertes Bild der Terafab gibt es bereits. (Bild: SpaceX)
Die Chips aus der Terafab sollen in Teslas, Optimus und Weltraumrechenzentren landen. (Bild: SpaceX)
Bild 2/4: Die Chips aus der Terafab sollen in Teslas, Optimus und Weltraumrechenzentren landen. (Bild: SpaceX)
Elon Musks Vision der Zukunft. (Bild: SpaceX)
Bild 3/4: Elon Musks Vision der Zukunft. (Bild: SpaceX)
Aktuell finden sich sieben Stellenausschreibungen zur Terafab bei Tesla. (Bild: Tesla)
Bild 4/4: Aktuell finden sich sieben Stellenausschreibungen zur Terafab bei Tesla. (Bild: Tesla)

Das einzig Konkrete an der Terafab sind aktuell sieben Stellenausschreibungen auf der Homepage von Tesla. Sieben. Lassen wir das auf uns wirken. Bereits OpenAI scheiterte mit seinen Fab-Plänen , die weitaus realistischer waren als die von Elon Musk. TSMC hätte, so der Plan, als Partner fertige Prozesse und Erfahrungen beim Betrieb von Fabs mitgebracht. Elon Musk hat nichts davon. Die Terafab wird ebenfalls scheitern.

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  • 22. März 2026 um 14:58

OpenAI: Werbung in ChatGPT bislang nicht erfolgreich

Von Michael Linden
OpenAI testet Anzeigen in ChatGPT mit Branchenriesen wie WPP und Dentsu – doch das Rollout lahmt, und die Partner werden unruhig.
Einblendung von Werbung in ChatGPT (Bild: OpenAI)
Einblendung von Werbung in ChatGPT Bild: OpenAI

Drei der weltgrößten Werbekonzerne – WPP, Omnicom und Dentsu – nehmen an OpenAIs Werbepiloten für ChatGPT teil. Der Einstieg hat seinen Preis: Zwischen 200.000 und 250.000 US-Dollar mussten Firmen ausgeben, um dabei zu sein – rund doppelt so viel wie bei vergleichbaren Experimentalformaten üblich, wie CNBC berichtet .

Volumen steigt, aber der Zeitplan wackelt

Das Pilotprogramm sollte noch bis Ende März 2026 laufen – doch mehrere Quellen berichten laut CNBC, dass es zunehmend unwahrscheinlicher wird, die zugesagten Budgets rechtzeitig auszugeben. Nicht verbrauchte Mittel sollen zurückerstattet werden, waren aber während des gesamten Quartals blockiert und standen für andere Kanäle nicht zur Verfügung. OpenAI gab an, das gemächliche Tempo sei Absicht: Man wolle das Nutzererlebnis verfeinern, bevor das Programm ausgeweitet werde.

Zahlen des Analyseunternehmens Sensor Tower zeigen laut CNBC immerhin Wachstum: Mitte März wurden rund 600 Prozent mehr Anzeigen ausgeliefert als Anfang des Monats, rund fünf Prozent der mobilen ChatGPT-Nutzer wurden bis dahin erreicht.

Das Rennen gegen Google hat begonnen

Analysten von Truist sehen 2026 als mögliches Wendejahr für KI-gestützte Werbung – mit einem Potenzial von über 30 Milliarden US-Dollar für OpenAI bis 2030. Dieses Jahr könnte der Umsatz noch unter einer Milliarde bleiben.

Während OpenAI vorsichtig testet, hält Google eine Position, die nur schwer einzuholen ist: Rund 252 Milliarden US-Dollar Suchanzeigenerlös werden dort für dieses Jahr prognostiziert, so CNBC.

Anthropic hingegen hat sich klar gegen Werbung positioniert – und das öffentlichkeitswirksam mit einem Super-Bowl-Spot , der direkt auf OpenAIs Ambitionen zielte.

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  • 22. März 2026 um 13:34

Lieferflatrate für Joybuy: Reduzierte Abogebühren für Joyplus gelten bis Ende Juni

Von Ingo Pakalski
Verwirrung beim neuen Onlineshop Joybuy : Die Einführungspreise für die Lieferflatrate Joyplus gelten doch länger als zunächst genannt.
Derzeit gibt es die Joybuy-Lieferflatrate Joyplus zum Angebotspreis. (Bild: JD.com)
Derzeit gibt es die Joybuy-Lieferflatrate Joyplus zum Angebotspreis. Bild: JD.com

Die reduzierten Abopreise für die Lieferflatrate Joyplus des neuen Onlineshops Joybuy gelten doch länger als zunächst angegeben wurde . Auf Nachfrage von Golem erklärte der Betreiber JD.com, dass die reduzierten Abopreise für Joyplus doch nicht am 16. April 2026 enden werden. Stattdessen sollen diese noch bis "mindestens Ende Juni 2026" gelten.

JD.com sicherte zu, dass alle Abonnenten von Joyplus "mindestens 30 Tage im Voraus informiert" werden, wenn es zu "Preisänderungen" am Abo kommt. Falls Abonnenten damit nicht einverstanden sind, hätten sie genügend Zeit, "ihr Abonnement vor der nächsten Verlängerung zu kündigen und so neue Preise zu vermeiden" .

In Deutschland müssen Anbieter von Abos aktiv die Zustimmung der Abonnenten einholen, wenn sie neue Abopreise verlangen . Diese wurde in mehreren Gerichtsentscheidungen immer wieder bestätigt .

So viel kostet Joyplus

Generell kann das Abo Joyplus zunächst 30 Tage kostenlos ausprobiert werden. Danach gilt laut Angaben von JD.com garantiert der Einführungspreis für Joyplus von monatlich 3,99 Euro. Später kostet das Abo dann den regulären Preis von 9,99 Euro pro Monat. Damit wird das Joybuy-Abo teurer als Amazons Prime-Abo, das es für monatlich 8,99 Euro gibt und bei dem zusätzlich zur Lieferflatrate unter anderem ein werbefinanziertes Videostreamingabo enthalten ist.

Als Jahresabo bleibt Joyplus auch nach Ende des Einführungspreises preiswerter als das Amazon-Prime-Abo, das pro Jahr 89,90 Euro kostet. Joyplus gibt es derzeit für 19,99 Euro pro Jahr, danach fallen dann 59,99 Euro an.

Preise für Studenten

Studenten bekommen Joyplus derzeit für 2,99 Euro monatlich; der reguläre Preis beträgt später 8,99 Euro monatlich. Zum Vergleich: Amazons Prime-Abo gibt es für Studenten für 4,49 Euro monatlich und es kann auch von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 22 Jahren in Anspruch genommen werden.

Es gibt von Joyplus allerdings auch ein Jahresabo für Studenten, das zunächst für 14,99 Euro zu haben ist, danach steigt der Preis auf 19,99 Euro. Das Jahresabo von Prime für Studenten kostet 44,90 Euro.

Ohne Joybuy-Konto weiterhin keine Informationen zu den Abopreisen

JD.com betont, dass alle Kosten für Joyplus "während des Registrierungs- und Abonnementprozesses klar und transparent angezeigt" werden. Das bedeutet: Wer sich für Joyplus interessiert, erfährt von den Abogebühren nichts, wenn Interessenten kein Joybuy-Konto besitzen. Und dadurch, dass der Anbieter neu auf dem Markt ist, dürften viele Interessenten noch kein Konto besitzen.

Knapp zwei Monate nach dem Marktstart von Joybuy wird JD.com zur "weiteren Verbesserung der Transparenz" alle Abopreise "auch für nicht eingeloggte Nutzer" anzeigen, erklärte das Unternehmen Golem auf Nachfrage. Ab Mai 2026 sollen also Interessenten alle relevanten Informationen zum Abo ohne Kundenkonto direkt auf den Webseiten des Unternehmens erhalten.

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  • 22. März 2026 um 12:17

Zero-Day erlaubt Codeausführung in WindChill und FlexPLM

Von Heise
Stark verzerrtes Bild eines Fingers auf einer Tastatur, im Vordergrund ein digitales Ausrufezeichen

(Bild: janews/Shutterstock.com)

Der Hersteller warnt und bittet Admins, dringend ihre Instanzen mit einer Notlösung abzusichern. Ein Patch steht noch aus.

Die Software Windchill und FlexPLM enthält ein Sicherheitsleck, das Codeausführung erlaubt. Der Hersteller ruft dringend dazu auf, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen – ein Patch ist zur Stunde noch nicht verfügbar.

Informationen zur Sicherheitslücke sind spärlich, weder eine CVE-Kennung noch Warnungen der nationalen CERTs (Computer Emergency Response Team) sind verfügbar. Der Hersteller und seine Partner scheinen jedoch beunruhigt: Sie vergeben die Höchstwertung von 10.0 Punkten auf der CVSS-Skala und drängen Kunden, umgehend zu reagieren.

Offenbar versteckt der Fehler sich in der Deserialisierung der Servlets /servlet/WindchillGW/com.ptc.wvs.server.publish.Publish und /servlet/WindchillAuthGW/com.ptc.wvs.server.publish.Publish. Sind diese für einen Angreifer zugänglich, etwa weil der Windchill-Server aus dem Internet erreichbar ist, kann er Code einschleusen und ausführen.

Viele Versionen betroffen

Die Lücke betrifft gemäß dem extrem knappen Sicherheitshinweis [1] in der Knowledge Base des Herstellers PTC folgende Versionen:

  • Windchill PDMLink 11.0 M030
  • Windchill PDMLink 11.1 M020
  • Windchill PDMLink 11.2.1.0
  • Windchill PDMLink 12.0.2.0
  • Windchill PDMLink 13.0.2.0
  • Windchill PDMLink 13.1.0.0
  • Windchill PDMLink 13.1.1.0
  • Windchill PDMLink 13.1.2.0
  • Windchill PDMLink 13.1.3.0
  • Windchill PDMLink 12.1.2.0
  • FlexPLM 11.0 M030
  • FlexPLM 11.1 M020
  • FlexPLM 11.2.1.0
  • FlexPLM 12.0.0.0
  • FlexPLM 12.0.2.0
  • FlexPLM 12.0.3.0
  • FlexPLM 12.1.2.0
  • FlexPLM 12.1.3.0
  • FlexPLM 13.0.2.0
  • FlexPLM 13.0.3.0

Notlösung: Zugriff per Apache-Konfiguration einschränken

Bis ein Patch zur Verfügung steht, sollen Admins zu einer Notlösung greifen. Wie der Windchill-Dienstleister EAC in einer Aussendung an seine Kunden beschreibt, ist dazu eine Konfigurationsänderung des Apache-Webservers notwendig. Das, so EAC, sollte unverzüglich geschehen, um die Gefahr eines Exploits zu neutralisieren.

  1. Erstellen einer neuen Konfigurationsdatei <APACHE_HOME>/conf/conf.d/90-app-Windchill-Auth.conf. sofern bereits eine Datei mit dem Präfix 90- oder höher existiert, sollte die neue Datei die höchste Ziffer erhalten, um als letzte Datei geladen zu werden)
  2. In diesen folgende Direktiven einbauen:
    <LocationMatch "^.*servlet/(WindchillGW|WindchillAuthGW)/com\.ptc\.wvs\.server\.publish\.Publish(?:;[^/]*)?/.*$">Require all denied</LocationMatch>
  3. Webserver mittels der bekannten Befehle neustarten.

Offenbar aktive Angriffe – Admins sollten die Augen offenhalten

Obgleich der Hersteller behauptet, keine Kenntnis über erfolgreiche Angriffe zu haben, nennt Dienstleister EAC einige „Indicators of Compromise [2]“ (IOC). Es muss also bereits Angriffe gegen Windchill- oder FlexPLM-Server gegeben haben. Aus den IOCs ergibt sich, dass Angreifer nach erfolgreichem Exploit Dateien mit Schadcode auf den Server hochladen, typischerweise Webshells. Von PTC selbst betriebene Instanzen sind bereits geschützt.

Unsichere Deserialisierung ist ein bekanntes Einfallstor für Exploits und beliebt bei Cyberkriminellen und staatlichen Angreifern. Erst vor wenigen Tagen fügte die US-Cybersicherheitsbehörde eine weitere Deserialisierungslücke in Microsoft Sharepoint [3] zu ihrer Datenbank der Known Exploited Vulnerabilities hinzu.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11220521

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.ptc.com/en/support/article/CS466318?_gl=1*196gmri*_gcl_au*Njc4ODc0NTE4LjE3NzQxNzI5NTc.*_ga*MTY0OTgyOTM1NC4xNzc0MTcyOTU2*_ga_7NMP2MSYPM*czE3NzQxNzI5NTYkbzEkZzAkdDE3NzQxNzI5ODQkajMyJGwwJGgw&as=0
[2] https://support.eacpds.com/hc/en-us/article_attachments/47430019070996
[3] https://www.heise.de/news/Warnung-vor-Angriffen-auf-Cisco-FMC-SharePoint-und-Zimbra-11217003.html
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:cku@heise.de

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  • 22. März 2026 um 15:19

Windows: Update außer der Reihe korrigiert Login-Probleme

Von Heise
Achtung-Schild neben Windows-Logo auf Matrix-Regen-Hintergrund

(Bild: Dirk Knop / heise medien)

Microsoft hat am Freitag Probleme beim Login von Apps in Microsoft-Konten eingeräumt. Ein Windows-Notfallupdate löst das jetzt.

Microsoft [1] hat in der Nacht zum Freitag Probleme beim Login in private Microsoft-Konten eingeräumt [2] und sie auf die Windows-Sicherheitsupdates vom März-Patchday [3] zurückgeführt. In der Nacht zum Sonntag hat das Unternehmen Updates außerhalb der Reihe bereitgestellt.

Im Message-Center der Windows-Release-Health-Notizen [4] kündigt Microsoft die Problemlösung mit dem ungeplanten Update an. Dort erklären die Entwickler nochmals, dass nach der Installation der März-Updates einige Anwender sich möglicherweise nicht in ihre Microsoft-Apps und -Dienste einloggen können und eine „Kein Internet“-Fehlermeldung erhalten, selbst dann, wenn definitiv eine Internetanbindung aktiv ist. Das verhindert den Zugriff auf Dienste und Apps wie Microsoft Teams Free oder OneDrive. Betroffen sind lediglich Microsoft-Konten-Login-Szenarien, Entra-ID zur App-Authentifizierung – was etwa in größeren Unternehmen zum Einsatz kommt – ist nicht betroffen.

Am 21. März 2026, also am späten Abend vom Samstag dieser Woche, hat Microsoft ein außerplanmäßiges Update veröffentlicht, um das Problem zu lösen. Es handelt sich demnach um ein kumulatives Update, das den Schutz und die Verbesserungen enthält, die das Sicherheitsupdate vom 10. März 2026 bereits mitbringt.

Notfallupdate für Windows 11

Das Notfallupdate steht für Windows 11 25H2 und 24H2 bereit. Es trägt die KB-Nummer KB5085516 [5] und hebt die Betriebssystem-Versionen auf die Stände 26200.8039 respektive 26100.8039. Es wird als optionales Update über Windows Update verteilt. Rechner, bei denen die Option „Erhalten Sie die neuesten Updates, sobald sie verfügbar sind“ aktiviert wurde, laden es bereits herunter und fordern zum Neustart der Maschine auf. Ansonsten lässt es sich über die Windows-Einstellungen unter „Windows Update“ finden.

Wer das Windows [6]-Sicherheitsupdate vom März wegen des Problems deinstalliert hat, sollte das nun bereitstehende Notfallupdate zügig installieren. Es schließt bekannte Sicherheitslücken im Betriebssystem, die andernfalls bösartigen Akteuren Angriffsfläche bieten.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/thema/Microsoft
[2] https://www.heise.de/news/Windows-Update-Probleme-Login-in-private-Microsoft-Konten-schlaegt-fehl-11218896.html
[3] https://www.heise.de/news/Microsoft-Patchday-Zwei-Zero-Days-und-insgesamt-83-neue-Luecken-gestopft-11206553.html
[4] https://learn.microsoft.com/en-us/windows/release-health/windows-message-center#3806
[5] https://support.microsoft.com/de-de/topic/21-m%C3%A4rz-2026-kb5085516-betriebssystembuilds-26200-8039-und-26100-8039-out-of-band-09e85404-1cb6-4ed4-9ca5-3e40d74307b9
[6] https://www.heise.de/thema/Windows
[7] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[8] mailto:dmk@heise.de

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  • 22. März 2026 um 10:19

c't-Videoreihe: Das haben wir aus unserem Wetterballon-Flug gelernt (Teil 4)

Von Heise

Vom Basteltisch bis in die Stratosphäre: Im vierten Teil unserer Videoreihe werten wir die Daten aus dem Wetterballon aus.

Mit relativ einfacher Consumer-Technik kann man eindrucksvoll die Interaktion zwischen Weltraum und Erdatmosphäre erforschen. In einer vierteiligen Videoreihe führt Physikerin und Wissenschaftsjournalistin Anne-Dorette Ziems durch die rechtssichere Planung des Wetterballons, das Basteln eigener Messgeräte, einen nervenaufreibenden Starttag und die Auswertung der Messdaten.

Zum Abschluss geht es an die Daten: Hat die Technik durchgehalten? Wie verändern sich Temperatur, Druck und Strahlung mit der Höhe? Und was kann man aus den Messungen lernen – auch aus den Dingen, die nicht funktioniert haben?

Im ersten Teil haben wir uns durch den Behördendschungel gekämpft. Denn prinzipiell kann in Deutschland jeder einen Wetterballon starten. Es gibt aber natürlich einige Auflagen und Regeln zu beachten.

Der zweite Teil spielte sich vor allem am Lötkolben und am Computer ab. Wir basteln unsere Messgeräte. Erst die Hardware, dann die Software. Mit an Bord: Kameras für spektakuläre Aufnahmen, Sensoren für Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit – und als Highlight ein selbst gebauter Myonendetektor zur Messung der Höhenstrahlung.

Doch was passiert, wenn der Ballon außer Sicht gerät? Im dritten Teil starteten wir den Wetterballon und jagten ihm hinterher. Es ging quer durchs Land – immer den empfangenen Funksignalen hinterher. Bis wir irgendwann plötzlich keine Funksignale mehr empfingen.


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  • 22. März 2026 um 09:00

Störungsmeldung vom 22.03.2026 11:50

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider EWE TEL

Details

Beginn
22.03.2026 11:50
Region
Bergkirchen (Westf) (05734)
Provider
EWE TEL
Zugangsart
ADSL

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

  • 22. März 2026 um 11:50

Störungsmeldung vom 21.03.2026 03:03

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider 1&1

Details

Beginn
21.03.2026 03:03
Region
Erfurt (0361)
Provider
1&1
Zugangsart
VDSL

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

  • 21. März 2026 um 03:03

Türkei: Baykar K2 Kamikazedrohne mit 2.000 km Reichweite vorgestellt

Von Michael Linden
Baykar bringt mit der K2 eine Loitering Munition der Schwergewichtsklasse – mit über 2.000 Kilometern Reichweite und GPS -unabhängiger Navigation.
Baykar K2 (Bild: Baykar)
Baykar K2 Bild: Baykar

Der türkische Drohnenhersteller Baykar hat die Kamikazedrohne K2 öffentlich vorgestellt und dabei Testvideos veröffentlicht, die Schwarmflüge mit fünf Einheiten in verschiedenen Formationen zeigen. Das Unternehmen spricht von einem autonomen Navigationsanteil. Ob die gezeigte Koordination tatsächlich einem vollwertigen Schwarm entspricht oder eher einer Parallelformation, lässt sich anhand des Materials nicht abschließend beurteilen, wie Defence-Network berichtet .

Die K2 ist als Starrflügler mit Heckpropeller ausgeführt und bringt ein Startgewicht von 800 Kilogramm mit, wovon 200 Kilogramm auf den Gefechtskopf entfallen. Die Spannweite beträgt 10 Meter, die Länge 5,1 Meter. Optisch fällt die Drohne durch nach hinten angewinkelte Tragflächen und zusätzliche Canard-Flügel am Rumpfvorderteil auf, die an einen Hammerhai erinnern.

Reichweite über 2.000 Kilometer, GPS-unabhängig

Laut Hersteller soll die K2 mehr als 2.000 Kilometer Reichweite erreichen, über 13 Stunden in der Luft bleiben und eine Reisegeschwindigkeit von mehr als 200 km/h halten können. Die Navigation erfolgt nach Baykars Angaben über eine Kombination aus Satellitenverbindung und einer Terrain-referenzierten visuellen Navigation, die auch ohne GPS-Signal funktionieren soll. Damit wäre die Drohne grundsätzlich resistent gegenüber einer elektronischen Störung der Satellitennavigation.

Die Sensorik umfasst ein elektrooptisches und infrarotfähiges Gimbal-Kamerasystem für den Einsatz bei Tag und Nacht. Die Datenübertragung soll sowohl im Line-of-Sight- als auch im Beyond-Line-of-Sight-Betrieb über Satellit funktionieren.

Schwerer als Shahed, ähnliche Reichweite

Im Vergleich mit bekannten Systemen fällt die K2 durch ihre deutlich höhere Nutzlast auf. Die iranische Shahed-136, die im Ukraine- und Irankrieg massenhaft eingesetzt wird, trägt einen Gefechtskopf von 50 bis 90 Kilogramm bei einer ähnlichen Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern. Die israelische Harop kommt auf 23 Kilogramm, das US-System Lucas auf rund 18 Kilogramm. Lediglich die russische Geran-5 bewegt sich mit geschätzten 90 Kilogramm Gefechtskopf in einer ähnlichen Gewichtsklasse, ist dabei aber deutlich schneller.

Das Unternehmen aus Istanbul hat in den vergangenen Jahren mit Exporterfolgen bei der Bayraktar TB2 und dem Kauf des italienischen Herstellers Piaggio Aerospace international Aufmerksamkeit erhalten.

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  • 21. März 2026 um 14:06

USA: Autofahrer mit Alkohol-Testsystemen ausgesperrt

Von Tobias Költzsch
In den USA können viele Autofahrer aktuell ihre Fahrzeuge nicht nutzen – Grund ist ein Cyberangriff auf einen Alkoholtestanbieter.
Ein Atemalkoholtestgerät (Symbolbild) (Bild: PAUL J. RICHARDS/AFP via Getty Images)
Ein Atemalkoholtestgerät (Symbolbild) Bild: PAUL J. RICHARDS/AFP via Getty Images

Das Unternehmen Intoxalock aus den USA verkauft Alkohol-Atemanalysegeräte, die in das Fahrzeug installiert werden. Fahrer, die wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt wurden, müssen damit vor dem Fahrtantritt beweisen, dass sie nüchtern sind. Sind sie es nicht, wird die Zündung gesperrt. Seit gut einer Woche sitzen aber zahlreiche Kunden grundlos fest und können ihre Autos nicht mehr nutzen.

Verantwortlich dafür ist ein Cyberangriff auf das Unternehmen, wie Intoxalock auf seiner Webseite bekannt gab und worüber Techcrunch berichtete. Demnach sind die Systeme immer noch gestört, so dass die vorgeschriebene Kalibrierung nicht vorgenommen werden könne. Denn die Atemtester müssen regelmäßig neu kalibriert werden, ansonsten wird der Start des Fahrzeugs unterbunden.

Über die Probleme berichten zahlreiche Nutzer auch auf Reddit. Zu Beginn der Störung sei noch unklar gewesen, was dahintersteckt. Einigen Betroffenen zufolge war Intoxalock zu dieser Zeit telefonisch nicht erreichbar.

Systemprobleme offenbar noch nicht gelöst

Auf seiner Webseite gab das Unternehmen jetzt bekannt gegeben, dass Intoxalock-Nutzer einen zehntägigen Aufschub für die Kalibrierung bekommen. In einigen Bundesstaaten wird diese Verlängerung aber nicht gewährt.

Fahrern, die bereits ausgesperrt wurden, bringt die Verlängerung allerdings wohl nichts. Sie müssen ihre Autos abschleppen lassen und zu einer Werkstatt bringen, um dort die neue Kalibrierung vornehmen zu lassen – wenn sie denn wieder funktioniert. Eine Autowerkstatt berichtet bereits, dass ihr Parkplatz voller Fahrzeuge sei, die auf eine Neukalibrierung warten.

Intoxalock zufolge arbeite man immer noch an der Behebung des Problems. Um was für einen Cyberangriff es sich genau handelte, ist noch unbekannt. Intoxalock werde die Kosten tragen, die direkt durch den Systemausfall entstanden sind, so das Unternehmen.

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  • 21. März 2026 um 13:02

Pentagon: US-Militär macht Palantirs KI Maven zur Waffe

Von Michael Linden
Das US-Verteidigungsministerium will Palantirs KI-Plattform Maven dauerhaft ins Militär einbetten – und wirft dabei die Frage auf: Welche Rolle spielt Anthropic Claude darin?
Palantir gehört nun fest zum US-Militär. (Bild: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images)
Palantir gehört nun fest zum US-Militär. Bild: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images

US-Vizeverteidigungsminister Steve Feinberg hat in einem Brief vom 9. März 2026 angeordnet, Palantirs Maven Smart System noch vor Ende des Haushaltsjahres im September als offizielles "Program of Record" einzustufen, wie Reuters berichtet .

Das bedeutet: feste Budgets, weniger Bürokratie und langfristige Verankerung in allen Teilstreitkräften. Maven analysiert bereits heute Satelliten-, Drohnen- und Sensordaten in Echtzeit, erkennt Bedrohungen und identifiziert Ziele – und soll laut Feinberg zum Eckpfeiler der US-Militärstrategie werden.

Milliarden-Verträge und eine Kursexplosion

Die Aufsicht über Maven wird nun innerhalb von 30 Tagen von der National Geospatial-Intelligence Agency in den KI-Bereich des Pentagon verlagert, künftige Verträge laufen über die US-Armee. Für Palantir ist das der nächste Schritt in einer bemerkenswerten Erfolgsserie: Ein Armeevertrag aus dem vergangenen Sommer hat bereits ein Volumen von bis zu 10 Milliarden US-Dollar, ein früherer Pentagon-Vertrag wurde von 480 Millionen auf 1,3 Milliarden US-Dollar aufgestockt. Der Kurs der Palantir-Aktie verdoppelte sich im vergangenen Jahr fast; der Börsenwert liegt bei rund 360 Milliarden US-Dollar.

Warnung vor rechtlichen und ethischen Risiken

Palantir betont, Maven treffe keine autonomen Entscheidungen – Menschen blieben für Zielauswahl und Freigabe verantwortlich. UN-Expertengremien sehen das allerdings kritischer: KI-gestützte Zielerfassung ohne konsequente menschliche Kontrolle berge rechtliche und ethische Risiken, auch weil solche Systeme Verzerrungen aus ihren Trainingsdaten erben können.

Ungeklärt bleibt zudem, welche Rolle Anthropic Claude innerhalb von Maven spielt. Das Pentagon stuft Anthropic als Lieferkettenrisiko ein . Wie dieser Widerspruch aufgelöst wird, wenn Maven erst einmal fest in der Militärstruktur verankert ist, hat bisher niemand beantwortet.

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  • 21. März 2026 um 12:30

Digitaler Feudalismus? Wie die US-Tech-Lobby ihre Macht entfaltet

Von Luca Schäfer
Dollar-Zeichen als Schaltkreis dringt mit Kontakt in EU-Flagge ein

Plattform, Profit, Politik: Die Tech-Lobby greift nach Europa. Einige bekannte Konzerne sind ganz vorn dabei. Droht ein Erwachen im Techno-Feudalismus?

Seit der erneuten Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ist die Tech-Elite endgültig oben in der Nahrungskette angekommen. Der Meta-Konzern – zu 13 Prozent Mark Zuckerberg gehörend, mit den globalen Privatkapitalfonds Vanguard und BlackRock als weitere Großaktionäre – gründete [1] ein gigantisches Political Action Committee (PAC).

Als PAC werden US-Lobbygruppen bezeichnet, die gezielt Abgeordnete unterstützen oder bekämpfen, um bei US-Wahlen KI-Regulierungen maßgeblich zu beeinflussen.

Meta ist dabei nicht allein: Google versuchte massiv, ein neues Datenschutzgesetz in Florida (Assembly Bill 566) zu verhindern [2] und instrumentalisiert kleinere Unternehmen, um in Form einer Petition gegen das Gesetz vorzugehen – wahrscheinlich unter irreführenden Angaben.

Insgesamt belaufen [3] sich die Lobbyausgaben allein in den Staaten auf 100 Millionen Dollar pro Jahr. Doch sie wollen mehr: Allein in Brüssel sollen die Konzerne 2025 mehr als 150 Millionen Euro in Lobbyarbeit investiert [4] haben.

London meldet, dass sich Vertreter der Tech-Konzerne insgesamt 639 Mal mit Ministern trafen [5] – mehr als drei Treffen pro Tag im Kalenderjahr 2025 – während Nichtregierungsorganisationen sich mit 75 Treffen (0,2 pro Tag) begnügen mussten. Greift die Tech-Lobby auch in Europa nach politischer Macht?

Rechts nach Brüssel

Verbündete findet sie in den Reihen der politischen Rechten. Laut Recherchen des Brussels Times soll gezielt Kontakt zu EU-Parlamentsabgeordneten gesucht [6]worden sein – Genaueres blieb unbekannt.

Grundsätzlich könnte es sich dabei um Parlamentarier dreier rechter bis konservativer [7] Fraktionen handeln: dem Sammelbecken der staatstragenden konservativen Rechten – Patriots for Europe (PfE), der deutlich kleineren, radikaleren Europe of Sovereign Nations (ESN) sowie der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR).

Die ESN versammelt [8] lediglich 38 Abgeordnete. Aus deutscher Sicht pikant: Der erst 2024 gegründete Zusammenschluss wird von der AfD dominiert [9], innerhalb der EKR ist die deutsche CDU dominant. In der ESN stellt [10] die AfD mit 14 Abgeordneten den Löwenanteil und mit René Aust den deutschen Teil der Doppelspitze.

Bemerkenswert sind dabei Interessenkonvergenzen: Aus wirtschaftsliberalem Impetus lehnten ESN wie AfD den Digital Services Act [11] (DSA) , eine verwässerte Tech-Regulierung, ab – unter dem Vorwand, Brüssel wolle zensieren [12].

Volle Breitseite durch die Drehtür

Generell wird vermutet, umgarnt die Lobby nicht Einzelpersonen, sondern versucht, Mehrheiten breit abzustützen. Mit einem Budget, das jenes der Pharma-, Finanz- oder Autoindustrie übertrifft [13], stehen Türen offen. Reporter ohne Grenzen (RSF) dokumentierte [14] im Zeitraum von 2019 bis 2025 rund 3.000 Aktionen der Lobbyisten.

Besonderes Aufsehen erregte der Drehtüreffekt: Die Tech-Konzerne stellen bevorzugt ehemalige hochrangige Beamte ein. Die aus Lateinamerika bekannte Praxis – größtes Exempel ist der ehemalige brasilianische Präsident Michel Temer, der für Google tätig wurde [15] – hält nun auch in Europa als unsichtbare Hand Einzug.

Andrea Busetto wechselte [16], nachdem er während der DSA-Verhandlungen als Mitarbeiter des italienischen Abgeordneten Marco Zullo (5-Sterne-Bewegung) [17] gearbeitet hatte, direkt als Lobbyist zu Google. Der Franzose Thierry Breton war vor seiner Karriere als EU-Kommissar – zuständig für digitale Politik und Tech-Regulierung – CEO des IT-Unternehmens Atos.

Das wohl pikanteste Exempel ist die Finnin Aura Salla [18]. Früher oberste Lobbyistin von Meta in Brüssel, ist die promovierte Politikwissenschaftlerin mittlerweile Mitglied des Europäischen Parlaments für die liberal-konservative Nationale Koalitionspartei Finnlands.

Sie ist um keine Ausrede verlegen [19]: Ihr Hintergrund qualifiziere sie, die Funktionsweise von Big-Tech-Geschäftsmodellen zu verstehen. Ein Taschenspielertrick: sie sei gegen einen "Regulierungs-Tsunami" und argumentierte, dieser hemme vermeintlich Innovation und blockiere Unternehmen.

Monopolmacht

Das Dunkel- und Halbfeld dürfte erheblich sein: Als Mikrobeleg mag gelten, dass bei einer von der EU-Kommission organisierten Veranstaltung zum Digital Markets Act [20] (DMA) laut einer durchgeführten Studie 21 Prozent der Befragten verschwiegen, Kontakte zur Tech-Industrie zu besitzen – dennoch trafen sie mit EU-Parlamentarier zusammen.

Insgesamt nahmen bei besagter Veranstaltung 2024 alleine – laut Guardian53 Lobby- und Beratungsfirmen teil [21]. Meta, Google, Alphabet, Apple, Microsoft: kein Konzern aus dem Big-Tech-Kern fehlte.

Mit einer Marktkapitalisierung von bis zu drei Billionen Dollar übersteigen [22] die Konzerne viele Staaten ökonomisch um Welten. Sie kontrollieren neben gigantischen Datenmengen die dazugehörige Infrastruktur – Cloud-Systeme, App-Stores, Kommunikationszentren, KI-Modelle.

Das Beispiel Google belegt den Aufstieg eindrücklich: Der Suchmaschinenanteil liegt bei [23] 90 Prozent – das verschafft Wettbewerbsvorteile, Marktmacht und führt zu Preisaufschlägen. Google baute ein Netzwerk von über 6.000 Firmen und Beteiligungen auf [24], expandierte dank aggressiv-feindlicher Übernahmen, Datenakkumulation und Netzwerkeffekten. Nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip wurde Konkurrenz geschluckt.

Gefährliches Mindset

Dabei ist das Weltbild der US-Tech-Elite demokratiefeindlich. Ihre Ideen mögen bizarr anmuten [25], sollten jedoch ernst genommen werden.

Im darwinistischen Endzeitanalogismus halten sich einige Tech-Köpfe für Auserwählte – Survival of the Richest [26]. Hinter Techno-Solutionismus verschanzt sich die perfide Absicht, mit einem ausbeuterischen Lebensstil den Planeten zu ruinieren, um sich dann ins All abzusetzen [27].

Nähe zu rechten Bewegungen, ein US-Präsident als Gehilfe, Starlinks Ukraine- oder Iran-Politik, Mileis Politik der Kettensäge – die Technik ist politisch. Im Kapitalismus auf Speed [28], sehen sie sich selbst an der Spitze. Wie man unbeugsamer und aufholender chinesischer Konkurrenz umzugehen gedenkt, kann am US-Aggressionskrieg gegen den Iran beobachtet werden.

Auch wenn der US-Haussegen zwischen der Trump-Administration und Elon Musk schief hängen sollte, bleibt das System auf Kurs: J.D. Vance gilt es Befürworter, Marc Andreessen, ein Risikokapitalgeber aus dem Silicon-Valley gilt als deren Chefideologe. Seine Weltsicht, in einem psedo-intellektuellen, Andreessen besitzt einzig einen Bachelor in Informatik, Manifest ausgebreitet, muss man sich leisten können [29].

Feindbild-Feudalismus

Die sechs Großen nehmen offen, verborgen, in den Staaten, in Belgien Einfluss. Direktes Lobbying, verdeckte Google-Kampagnen, Finanzspritzen, schiere Marktmacht. Das Bild mag schief erscheinen – und ist es doch treffend: Vergleichbar mit dem mittelalterlichen Lehnswesen kontrollieren wenige Konzerne Millionen Nutzer, deren unentlohnte Daten-Arbeitszeit und greifen nach politischen Institutionen.

Mit den aktuellen Bewegungstendenzen eines globalisierten Kapitalregimes könnten Mittelalter-Prognosen rapide Realität werden. Die Finanzoligarchie lebt heute vollkommen abgekoppelt von den Nöten der Milliarden. Gelingt es nicht, wirksame Mittel zu entwickeln, um die Konzerne an die Kandarre zu legen – Entflechtungen, Marktkontrollen, öffentlich-staatliche Alternativen, Stärkung der Eigentumsrechte –, könnte die Welt zum großen Privatstaat Prospera [30] werden.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.politico.com/news/2025/08/26/exclusive-meta-to-launch-california-super-pac-focused-on-ai-00524989
[2] https://apnews.com/article/google-privacy-bill-california-lobbying-443c65e3da4b5be3f73a73e5bd49c373
[3] https://www.business-standard.com/world-news/silicon-valley-pours-out-lobbying-cash-flattery-to-win-over-trump-126012201653_1.html
[4] https://www.euronews.com/next/2025/10/29/big-tech-spending-on-brussels-lobbying-hits-record-high-report-claims
[5] https://www.theguardian.com/politics/2026/jan/17/tech-companies-access-to-uk-ministers-dwarfs-that-of-child-safety-groups
[6] https://www.brusselstimes.com/1916422/us-tech-giants-allying-with-european-far-right-to-strip-back-eu-rules
[7] https://www.europeanmovement.ie/the-political-groups-of-the-european-parliament/
[8] https://www.foederalist.eu/2026/01/ep-seat-projection-january-2026.html
[9] https://www.euronews.com/my-europe/2024/07/10/afd-and-allies-form-new-far-right-group-in-brussels-called-europe-of-sovereign-nations
[10] https://esn-group.eu/members
[11] https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/digital-services-act
[12] https://adfinternational.org/commentary/eu-digital-services-act-one-year
[13] https://dig.watch/updates/big-tech-ramps-up-brussels-lobbying-as-eu-considers-easing-digital-rules
[14] https://rsf.org/en/big-tech-s-attempts-weaken-information-space-regulations-worldwide-exposed-new-cross-country
[15] https://www.techpolicy.press/how-big-techs-invisible-hand-reaches-latin-american-regulators/
[16] https://www.panodyssey.com/en/article/technology/big-tech-s-lobby-game-in-europe-fvh8ffntu2c6#
[17] https://www.bing.com/search?q=marco+zullo&cvid=62f5132b83b54b1290c3c9f4fe906798&gs_lcrp=EgRlZGdlKgYIABBFGDkyBggAEEUYOTIGCAEQABhAMgYIAhAAGEAyBggDEAAYQDIGCAQQABhAMgYIBRAAGEAyBggGEAAYQDIGCAcQABhAMgYICBBFGDzSAQgyNDA3ajBqNKgCCLACAQ&FORM=ANAB01&PC=NMTS
[18] https://en.wikipedia.org/wiki/Aura_Salla
[19] https://www.wired.com/story/meta-lobbyist-eu-regulator-big-tech-rules-too-far/
[20] https://www.bing.com/search?pglt=299&q=Digital+Markets+Act+(DMA)&cvid=f8463c9d39e143cb97e5bde28b1cd745&gs_lcrp=EgRlZGdlKgYIABBFGDkyBggAEEUYOTIGCAEQABhAMgYIAhAAGEAyBggDEAAYQDIGCAQQABhAMgYIBRAAGEAyBggGEAAYQDIGCAcQABhAMgcICBDrBxhA0gEHNzczajBqMagCALACAA&FORM=ANNTA1&PC=NMTS
[21] https://www.theguardian.com/world/2024/oct/29/eu-events-curbing-big-tech-distorted-attenders-hidden-industry-links
[22] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/big-tech-erfolg-gewinne-100.html
[23] https://www.fr.de/wirtschaft/tech-firmen-haben-besonders-viel-macht-92778888.html
[24] https://arxiv.org/abs/2511.02931
[25] https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/historikerin-omara-warnt-vor-dem-kurs-der-tech-elite-01/100178613.html
[26] https://www.surplusmagazin.de/tech-milliardare-rushkoff-survival-richest/
[27] https://taz.de/Der-Irrsinn-der-Tech-Oligarchen/!6075030/
[28] https://www.deutschlandfunk.de/tech-bro-topia-milliardaere-oligarchen-musk-thiel-yarvin-vance-silicon-valley-100.html
[29] https://www.sueddeutsche.de/kultur/netzkolumne-marc-andreessen-manifest-fortschritt-1.6291547?reduced=true
[30] https://www.swr.de/swraktuell-radio/freie-privatstadt-in-honduras-wie-sieht-es-in-prospera-aus-100.html

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  • 21. März 2026 um 16:00

Was tun gegen und mit hohen Kraftstoffpreisen?

Von Wassilis Aswestopoulos
Bei zwei Preissäulen wird das Segment

Griechenland deckelt Gewinne, Deutschland zögert – doch Experten zweifeln, ob staatliche Eingriffe die Spritpreise wirklich senken.

Die steigenden Kraftstoffpreise treiben weltweit die Inflation an. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant, Tankstellenbetreibern nach österreichischem oder australischem Vorbild vorzuschreiben, dass sie nur noch einmal täglich den Spritpreis erhöhen dürfen. Bis diese Regel unter Dach und Fach, sprich mit einem Trägergesetz [1] abgesichert werden kann, wird es noch einige Tage dauern.

Während Deutschland noch berät, haben sich in Griechenland, unter der Führung von Vize-Premier Kostis Hatzidakis, die verantwortlichen Minister für Energie und Wirtschaft mit Ministerialerlassen zu tiefen Markteinschnitten entschlossen.

"Mit den von uns verkündeten Maßnahmen zur Begrenzung der Gewinnspanne unterbinden wir jegliche Versuche der Bereicherung am Markt. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen", sagte [2] Entwicklungsminister Takis Theodorikakos.

Sein Ressort ist die wirtschaftliche Entwicklung. Er muss nun den Wirtschaftsunternehmen im Land erklären, warum sie mit sofortiger Wirkung bis mindestens 30. Juni 2026 nicht mehr als vorher verdienen dürfen.

Genau genommen lässt die griechische Regierung die erlaubte Gewinnspanne für Grundnahrungsmittel, Hygieneprodukte, Tiernahrung und auch Küchen- und Toilettenpapier festschreiben. Wer bei Kontrollen erwischt wird und die erlaubten Grenzen überschreitet, riskiert ein Bußgeld von bis zu fünf Millionen Euro.

Die maximal erlaubte Gewinnmarge wird für die einzelnen Produkte rechnerisch ermittelt. Sie darf den Durchschnitt der entsprechenden Bruttogewinnmarge des Jahres 2025 nicht übersteigen.

Diese marktwirtschaftlich einschneidende Maßnahme betrifft den Großhandel, Supermärkte, die Industrie und den Produktvertrieb. Davon verspricht sich die griechische Regierung eine Begrenzung des Wuchers, der in Krisen, wie wir sie erleben, schnell viral um sich greift.

Die Verteuerung der Produkte durch höhere Transportkosten kann sie damit nicht aufhalten, höchstens abbremsen. Wenn die Produkte im Einkauf teuer werden, und wenn ihre Transportkosten steigen, erhöht sich der Preis mit dem Aufschlag der Gewinnmarge. In absoluten Zahlen werden die Unternehmen somit trotz der gedeckelten Margen ihren Gewinn steigern.

Keine Chance auf Gewinnerhöhung haben dagegen die Tankstellenbetreiber. Der Kraftstoffgroßhandel darf nicht mehr als fünf Cent brutto pro Liter Kraftstoff verdienen. Für die Tankstellen gilt eine Höchstgrenze von zwölf Cent pro Liter. Ausnahmen gelten nur für Inseln, bei denen es aufgrund der Distanz zum Festland höhere Transportkosten gibt. Die Kosten müssen jedoch nachvollziehbar begründet werden.

Dementsprechend regt sich vor allem aus der Kraftstoffbranche starker Widerstand gegen die Entscheidungen der Regierung. Verglichen mit der in Deutschland angedachten Begrenzung auf eine Preiserhöhung pro Tag an der Zapfsäule wirkt die griechische Idee ungleich effektiver.

Denn die Erfahrung aus Österreich und Australien zeigte, dass bei nur einer Preiserhöhung pro Tag, diese dann höher ausfallen wird.

Prof. Dr. Thomas Wein, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Leuphana Universität Lüneburg kommentiert:

"Die empirischen Erfahrungen in Österreich und West-Australien sind zweifelhaft. Darf nur einmal am Tag der Preis angehoben werden, ist der Anreiz groß, die Anhebung höher ausfallen zu lassen als ohne dieses Modell. Man kann ja immer noch runter gehen. Insofern sehe ich wenig 'Hoffnung', dass die Preise deswegen niedriger sein würden."

Der Effekt einer solchen Maßnahme verpufft demnach genauso wie eine Übergewinnsteuer. Letztere kommt dem Verbraucher nicht zugute, sondern erhöht ebenso wie die durch höhere Preise in absoluten Zahlen höhere Umsatzsteuer nur die Staatseinnahmen.

Prof. Dr. Manuel Frondel, Leiter des Kompetenzbereiches "Umwelt und Ressourcen", RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Essen, und Außerplanmäßiger Professor an der Ruhr-Universität Bochum kann der Preissteigerung bei Kraftstoffen sogar etwas positives abgewinnen:

"Solange die täglichen Preismuster für Verbraucher stabil und erkennbar bleiben, sind staatliche Markteingriffe nicht erforderlich. Zudem sind die hohen Preise Knappheitssignale, die man wirken lassen sollte: Dadurch kommt es bei den Verbrauchern eher zu einem Überdenken ihres Mobilitätsverhaltens und sie finden womöglich eine umweltschonendere, kostengünstigere oder gesündere Alternative, zum Beispiel die Benutzung eines E-Bikes."

Wie er die übrigen Lebenshaltungskosten niedrig halten möchte, wenn die Transportkosten durch die Decke gehen, ist nicht überliefert.

Sollten die griechische Maßnahme der Gewinnmargenbegrenzung in diesem Zusammenhang wie eine gute Lösung erscheinen, dann müsste man die offensichtlichen Schwachstellen eindämmen. Denn die feste Gewinnmarge kann nicht verhindern, dass die Zulieferer andere Märkte bevorzugen und somit bereits die Importkosten durch die resultierende Knappheit höher ansteigen, als sie es ohne staatlichen Eingriff tun würden.

Schließlich kann auch niemand verhindern, dass Handelsketten über eine künstlich zu den Zulieferern ins Ausland verlegte Preiserhöhung oder das Einfügen weiterer Zwischenhändler in die Lieferkette für höhere Kosten sorgen.

Bei der Analyse der Problematik der explodierenden Preise klingen die griechischen Analysten ebenso wie die Deutschen. Sie betonen, dass Energiepreise, Transportkosten sowie internationale Getreide- und Rohstoffpreise allesamt von geopolitischen Entwicklungen und den internationalen Märkten beeinflusst werden. Das bedeutet, dass selbst die strengsten nationalen Maßnahmen die Preissteigerungen nur begrenzt eindämmen können.


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[1] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/spritpreise-neue-tank-regel-schon-naechste-woche-reiche-daempft-erwartung/100207983.html
[2] https://www.skai.gr/news/finance/theodorikakos-oi-kriseis-apaitoun-ektakta-metra

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  • 21. März 2026 um 14:00

ARD vs. ZDF: Wie unterschiedlich Deutschlands Nachrichten wirklich sind

Von Christian Bartels
Altes Fernsehgerät mit Deutschlandfarben

Bild: Shutterstock.com

Gleiche Themen, andere Dramaturgie: Der Nachrichtentag zeigt, warum Konkurrenz im öffentlich-rechtlichen System nötig ist.

Am Donnerstag war ARD-"Nachrichtentag" [1]. Das führte zu allerhand Aktionen für jüngeres potenzielles Publikum, und zu einem Zweiminüter [2] am Ende der 20.00 Uhr-Tagesschau. Der erfüllte vielleicht nicht unbedingt die Kriterien, relevant über Neues zu berichten. Aber etwas Eigenwerbung ist ja okay. Wie also waren die Nachrichten am Nachrichtentag?

Am besten beurteilen lässt sich das anhand der moderierten Nachrichtenmagazine am späteren Abend.

Das heute-journal und die Tagesthemen stehen immer mehr im Fokus. Kürzlich hatte sich das ZDF mit mit einem heute-journal-Beitrag über die US-Einwanderungsbehörde ICE, der KI-generierte Szenen enthielt, viel, durch Dunja Hayalis Anmoderation noch verschärften Ärger eingehandelt.

Der WDR-Programmdirektor und Wahlabend-Zeremonienmeister der ARD, Jörg Schönenborn, will, nachdem ihm der hierarchische Karriereschritt zum Intendant nicht gelungen war, nun noch Tagesthemen-Moderator werden. Und der als junger TT-Moderator bekannt gewordene Helge Fuhst trat gerade als Chef-Journalist der deutschen Springer-Medien an.

Live eine Nachrichtensendung zu moderieren, die mit vielen komplexen Problemlagen umgehen muss, zählt zu den herausforderndsten Aufgaben im Fernsehjournalismus.

Was ging im ZDF-heute-journal?

Am Donnerstag begann das heute-journal [3], moderiert von der stellvertretenden Chefredakteurin Anne Gelinek, die auch die Entschuldigung nach dem KI-Aufreger vorgetragen hatte, mit dem EU-Gipfel in Brüssel: Kanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron und dann auch weitere Regierungschefs gehen, von oben gefilmt, über einen roten Teppich.

Der Zusammenhalt der EU gegenüber den USA funktioniert gerade leidlich, ist der Tenor. Bloß Ungarns Ministerpräsident Orbán sorgt weiter für Ärger. Im anschließenden Kollegengespräch mit Gellinek zeigt sich Brüssel-Korrespondent Ulf Röller meinungsstark: Ein "neuer Tiefpunkt" der Beziehungen zwischen der EU und den USA bahne sich an; wenn Orbán, der "Mini-Trump", die ungarische Wahl im April doch noch gewinne, bekomme die EU ein "wirklich großes Problem".

Erst im zweiten Beitrag ging's um die komplexe, schwer kompakt darzustellende Kriegslage im Nahen Osten. Zu sehen sind Hochkant-Aufnahmen von Rauchwolken auf Gasfeldern, der saudi-arabische Außenminister, der martiale US-amerikanische Kriegsminister Hegseth, und ein paar Bilder von Bombenschäden im Iran mit Voxpops – ohne Hinweis darauf, wie sie entstanden sind.

Dabei hatte Korrespondentin Golineh Atai kurz zuvor per X-Post [4] auf "zero visibility for Iran‘s people" hingewiesen. Hinweise auf Hinrichtungen junger Oppositioneller, die das islamistische Regime am Tag vollzogen hatte (FAZ [5]), fehlten ebenfalls. Die Börse "reagiert empflindlich" auf Bomben auf die Energieinfrastruktur, berichtete eine Börsenreporterin aus Frankfurt am Main.

Im dritten, ungewohnt langen heute-journal-Beitrag schaltete das ZDF ganz in die Nähe. Anlässlich der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am Sonntag, nach frischen Umfragen [6] (die das ZDF inzwischen, anders als früher, auch noch kurz vor den Wahlen veröffentlicht), meldete sich Dunja Hayali live aus einer Berufsschule in Kaiserslautern.

Um Bildung und Schule als laut ZDF wichtigstes Wahlkampfthema ging es. Während kurze Schüler-Äußerungen eher wenig hergaben, benannte Hayalis Bericht tatsächlich Probleme. Die Realschule in Ludwigshafen, die nicht nur durch Reizgas-Attacken zum Nachrichtenthema wurde, kommt vor. Ein junger Schwarzer nennt in der Fußgängerzone das Problem, "dass wir sehr viele Migranten haben".

Während Herausforderer Schnieder (CDU) ein verpflichtendes Kitajahr für alle vor der Grundschule fordert, zeigt sich Ministerpräsident Schweitzer (SPD) zufrieden mit der Bildungspolitik, derentwegen es in seinem Land etwa so viele Lehrer wie noch nie gebe. "Gut, dass wir kein Geruchsfernsehen haben", sagt Hayali aber im selben Bericht, als sie gemeinsam mit dem Schulleiter ins renovierungsbedürftige Berufsschulen-Kellergeschoss steigt. Die Gleichzeitigkeit vieler Probleme überfordere gerade die Schulen, lautet ihr Fazit.

Dass die Gewaltvorfälle an Schulen in Rheinland-Pfalz "keine Einzelfälle" sind, sagt sie dann auch noch.

Klingt fast, als wolle sie den Vorwurf des "grün durchhauchten politaktivistischen Ansatzes", den "die" FAZ [7] gerade gegen sie erhob, entkräften.

Wobei sie wie auch ihr Gesprächspartner vom Verband Bildung und Erziehung betonen, dass es sich um gesamtgesellschaftliche, nicht allein mit Migrationhintergründen verknüpfte Probleme handele – selbst bei schlechten Deutschkenntnissen. Solch scharfe Problembeschreibungen mitten im Inland sieht man eher selten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Zu Rheinland-Pfalz im ZDF (in dessen Verwaltungsrat [8] die Mainzer Regierung den Vorsitz innehat, derzeit Ex-MP Malu Dreyer) schon gleich gar nicht.

Wie im Programmschema vorgesehen: Kaum endete die Nachrichtensendung des ZDF mit dem Wetterbericht, begann die der ARD.

Was ging in den ARD-Tagesthemen?

Die "neue Stufe der Eskalation" im Nahen Osten sei "kaum absehbar" in ihren Folgen, nicht nur für die Weltwirtschaft, setzte in den Tagesthemen [9] Jessy Wellmer gleich einen ernsten Ton. Folglich begannen die Tagesthemen mit dem Überblicksbericht dazu.

Anschließend befragte die Moderatorin zwei der per Splitscreen zugleich eingeblendeten Reporter – beliebter, aber auch sinnvoller Kniff, das große Korrespondenten-Netz in Szene zu setzen.

Ramin Sina berichtete aus Doha, dass katarischen Angaben zufolge die Reparaturarbeiten am nun beschädigten Gas-Förderfeld Jahre dauern und die Preise langfristig erhöhen dürften. Kerstin Klein berichtete aus den USA, es sei "völlig unklar", ob der Kongress, der ja bisher überhaupt nicht zum Kriegseinsatz gegen den Iran gefragt wurde, die nun von der Regierung gewünschten 200 Milliarden Dollar bewilligen werde.

Wobei man im Hinterkopf behalten sollte, dass öffentlich-rechtliche Reporter Trumps Regierung, zumal in seiner zweiten Amtszeit, sehr oft kurz vorm Scheitern sahen und bisher (leider) noch nie recht hatten.

Zweites ARD-Tagesthema war das Topthema der ZDF-Sendung: der EU-Gipfel. Hier werden Merz und Macron nicht von oben gefilmt, sondern von der Seite. Der rote Teppich gerät nicht ins Bild. Auch hier wird die Korrespondentin, nun Tina Hassel, nach ihrem Bericht befragt. Orbáns Veto gegen den Ukraine-Kredit wurde von anderen EU-Regierungschefs als "Verrat" bezeichnet, sagt sie, und stelle ein "großes Problem" für die EU und ein "ganz großes" für die Ukraine dar.

Die nach Startschwierigkeiten inzwischen sehr souveräne Moderatorin Wellmer kriegt die Überleitungen gut hin. Das russische Regime profitiert von EU-Uneinigkeit wie von hohen Gaspreisen.

Wie es sich in seinen Staatsmedien darstellt, ist das folgende Thema. Gezeigt wird, wie Präsident Putin im Fernsehen die heimgekehrten Paralympics-Teilnehmer begrüßt und sich über die dank ihnen gelungene "Rückkehr der Symbole Russlands auf die internationale Bühne" freut. Bei Siegerehrungen waren die russische Fahne zu sehen und Hymne zu hören.

Bei Korrespondentin Ina Ruck ergeben sogar die oft überstrapazierten Voxpops Sinn. Lässt sich aus scheinbar affirmativen Aussagen befragter Passanten Kritik heraushören?

Und noch eine Rückkehr des Aggressors auf die internationale Bühne steht bevor: Bei der Kunstbiennale in Venedig wird nach vier Jahren der russische Pavillon wieder öffnen. Trotz viel Kritik auch der italienischen Regierung setzt Biennale-Präsident Buttafuoco auf "kulturelle Waffenruhe". Eröffnet wird am 9. Mai – der in Russland als Tag des Weltkriegs-Siegs gegen Nazi-Deutschland gefeiert wird.

Hier sind die Tagesthemen also früh dran. Und haben insgesamt einen vielfältig-vielstimmigen, dennoch zusammenpassenden Themenmix hingekriegt.

Woran drei weitere Themen nichts ändern. Es geht dann noch um die traditionsreiche deutsche Rüstungsindustrie am Bodensee und in der Regional-Rubrik "mittendrin" um "Bestattungen von Amts wegen" in München. Rund 800 Menschen ohne Angehörige müssen dort pro Jahr auf Kosten der Stadt beerdigt werden, erfährt man.

Weil mit diesem Thema nun niemand in den Audience-flow, in dem Dieter-Nuhr-Kabarett folgt, entlassen werden kann, geht es dann nochmals kurz in die weite Welt nach Südkorea, wo das Comeback der global erfolgreichen Kpop-Band BTS bevorsteht. Anlass der Pause war der Militärdienst, den die Mitglieder leisten mussten – noch ein gemeinsamer Nenner der angespannten Weltlage.

Fazit

Schlechte Nachrichten und komplexe Weltlagen sind gut für Nachrichtensendungen. Das zeigte sich am Nachrichtentag. Obwohl ZDF wie ARD teilweise, inhaltlich zurecht, dieselben Themen behandelten, taten sie das am Donnerstag mit unterschiedlichen Schwerpunkten, in unterschiedlicher Reihenfolge und sogar mit ungewohnten Perspektiven.

Die sonst nicht selten zutage tretende öffentlich-rechtliche Redundanz – wenn etwa Johann Wadephul sowohl hier [10] als auch dort [11] gut sieben Minuten vom Flughafen in Riad zugeschaltet wird (und man sich als Zuschauer fragen kann, ob der Außenminister in den Hauptstädten, die er immerzu bereist, als Gesprächsparter ähnlich ernst genommen wird wie von ARD und ZDF ...), zeigte sich nicht.

Genau solchen publizistischen Wettbewerb müssten die beiden öffentlich-rechtlichen Hauptsender sich häufiger liefern, wenn sie die Akzeptanz fürs Rundfunksystem halten oder sogar wieder erhöhen wollen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.ard.de/die-ard/medienkompetenz/nachrichtentag-2026-102.html
[2] https://www.tagesschau.de/tagesschau_20_uhr/video-1566696.html
[3] https://www.zdf.de/play/magazine/heute-journal-104/heute-journal-vom-19-maerz-2026-100
[4] https://x.com/GolinehAtai/status/2034602418470621305
[5] https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/19-jahre-alter-ringer-in-iran-hingerichtet-200650532.html
[6] https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/zdf-politbarometer-extra-ii-rheinland-pfalz-maerz-2026
[7] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/norbert-himmler-will-die-demokratie-retten-110853626.html
[8] https://www.zdf.de/unternehmen/organisation/gremien/verwaltungsrat/mitglieder-102.html
[9] https://www.ardmediathek.de/video/tagesthemen/tagesthemen-22-15-uhr-19-03-2026/das-erste/Y3JpZDovL3RhZ2Vzc2NoYXUuZGUvMWY0MTE2NTgtOWJlZC00ZDRiLTkzNjctMTA5MzdjOTEwNTJiLVNFTkRVTkdTVklERU8
[10] https://www.zdfheute.de/video/heute-journal/sgs-sievers-wadephul-100.html
[11] https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-1563752.html

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  • 21. März 2026 um 12:00

Developer-Häppchen fürs Wochenende – Kleinere News der Woche

Von Heise
Mexikanische Häppchen

(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)

Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu llamafile, PowerShell, VS Code, Next.js, Azure, Kubara, Parseable, kogiQA, GitHub und JFrog.

In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • llamafile von Mozilla setzt ab Version 0.10 ein neues Build-System [1] ein, das den Code zu den aktuellen Versionen von llama.cpp kompatibel macht. Damit lassen sich neuere Modelle einsetzen, aber einige der bisherigen Funktionen fehlen.
  • Die PowerShell 7.6 ist nun allgemein verfügbar [2]. Das Long-Term Release basiert auf .NET 10 und verbessert die Zuverlässigkeit der Engine, der Module und der Interaktivität.
  • Webapps lassen sich in VS Code 1.112 [3] jetzt debuggen, ohne den Editor verlassen zu müssen. Außerdem können Entwicklerinnen und Entwickler MCP-Server in einer Sandbox starten, um ihren Zugriff auf die Umgebung einzuschränken.
  • Next.js 16.2 beschleunigt das Rendering [4] zum einen beim Start des Entwicklungsservers next dev und zum anderen beim Deserialisieren von Server-Komponenten in JSON. Ein neues Aussehen hat die Standard-Fehlerseite 500 bekommen.
  • Für Azure DevOps hat Microsoft einen MCP-Server vorgestellt [6]. Er bietet dieselben Funktionen wie der DevOps-Server selbst, ist aber noch eine Preview-Version.
  • Das in Rust geschriebene Observability-Tool Parseable tritt seit 2022 [7] gegen die etablierte Konkurrenz an und liegt nun in Version 2.6 [8] vor. Neben einer Reihe von Bugfixes wurde im neuen Release unter anderem auch die Tenant-ID der Metrikaggregation hinzugefügt. Parseable lässt sich lokal, in der Cloud oder über den verwalteten Dienst Parseable Cloud nutzen.
  • Kubernetes-Plattformen einfach und schnell auf deklarativem Weg aufbauen – komplett inklusive vorkonfigurierter Komponenten wie Infrastruktur, Multi-Tenancy, GitOps, Observability, Secrets Management etc. – das verspricht das neue Open-Source-Framework Kubara [9]. Das mit Unterstützung von Stackit entwickelte und in Go geschriebene CLI-Tool steht ab sofort frei zur Verfügung [10].
  • Ein Nürnberger StartUp bietet mit kogiQA ein Testing-Tool [11], das komplett ohne Selektoren arbeitet. Stattdessen wählt es die Elemente zur Laufzeit deterministisch anhand ihrer semantischen Bedeutung aus. Dafür hat der Anbieter ein speziell trainiertes KI-Modell entwickelt.
  • GitHub Enterprise Server 3.20 kommt mit einer überarbeiteten Seite für Pull Request [12], die einen besseren Überblick über den Status der Requests zeigt und das Mergen beschleunigt. So gibt es gruppierte Statusanzeigen und eine Liste fehlerhafter Checks.
  • Die neue JFrog Agent Skills Registry unterstützt das NVIDIA Agent Toolkit [13] inklusive OpenShell, einer Open-Source-Laufzeitumgebung für die Entwicklung und den Betrieb sicherer, autonomer und kontinuierlich arbeitender KI-Agenten.

Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [14].


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Links in diesem Artikel:
[1] https://github.com/mozilla-ai/llamafile/releases/tag/0.10.0
[2] https://devblogs.microsoft.com/powershell/announcing-powershell-7-6/
[3] https://code.visualstudio.com/updates/v1_112
[4] https://nextjs.org/blog/next-16-2
[5] https://archdoc.bettercode.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_bcc_archdoc.empfehlung-ho.link.link&LPID=33507
[6] https://devblogs.microsoft.com/devops/azure-devops-remote-mcp-server-public-preview/
[7] https://www.heise.de/news/Observability-OSS-Projekt-Parseable-will-Logdaten-einfach-schneller-bearbeiten-7351768.html
[8] https://github.com/parseablehq/parseable/pull/1569
[9] https://kubara.io/
[10] https://github.com/kubara-io/kubara
[11] https://kogiqa.com/
[12] https://github.blog/changelog/2026-03-17-github-enterprise-server-3-20-is-now-generally-available/
[13] https://jfrog.com/beta-signup/agent-skills-registry/
[14] mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer-H%C3%A4ppchen
[15] mailto:who@heise.de

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  • 21. März 2026 um 09:18

Lilith Wittmann und David Zellhöfer im Podcast: Staatliche IT-Fails | c’t uplink

Von Heise

Unsere Podcast-Gäste Lilith Wittmann und David Zellhöfer erklären, warum staatliche IT-Projekte so oft floppen – und was sie am Souveränitäts-Hype stört.

De-Mail, ID Wallet und jetzt der Datenatlas – die Zahl staatlicher Digital-Fails steigt und steigt. Die Gründe dafür kennen Lilith Wittmann und David Zellhöfer: Hackerin Wittmann hat schon diverse Staats-Apps wie die ID-Wallet zerlegt. Und Zellhöfer, der Professor für digitale Innovation in der Verwaltung ist, zeigte die Datenatlas-Defizite in einem 170-seitigen „Kurzgutachten“ auf. „Das ging schnell von der Hand, weil die Mängel recht offensichtlich waren“, erzählt er in unserer Uplink-Sonderfolge.

Mit Wittmann und Zellhöfer besprechen wir, warum genau solche Projekte scheitern. Hoffnung macht dabei, dass manche Behörden es besser hinkriegen: „Ich sehe das zum Beispiel bei der Fitko“, berichtet Lilith. Diese Digitalisierungsbehörde arbeite an dauerhaften Produkten statt an befristeten Projekten.

Kontrovers wird's beim Thema Digitale Souveränität: Wittmann und Zellhöfer kritisieren Initiativen, die den Wechsel von US-Anbietern zu deutschen oder europäischen Alternativen propagieren. Ihre Beweggründe erläutern sie ausführlich im Podcast – nicht nur mit Blick auf den Staat, sondern auch für Privatnutzer.

„Datenatlas – Im Dickicht der digitalen Verwaltung“ Diskussionsrunde der TIB Hannover mit Lilith Wittmann und David Zellhöfer: https://www.youtube.com/watch?v=h4LK6fFH8Xw [7]

Zu Gast im Studio: Lilith Wittmann und David Zellhöfer
Host: Sylvester Tremmel und Christian Wölbert
Produktion: Tobias Reimer

► Der Artikel bei heise online zum Thema: https://www.heise.de/news/Aus-fuer-Datenatlas-Bund-25-Millionen-Euro-Grab-der-Verwaltungsdigitalisierung-11150881.html [9]

In unserem WhatsApp-Kanal [10] sortieren Torsten und Jan aus der Chefredaktion das Geschehen in der IT-Welt, fassen das Wichtigste zusammen und werfen einen Blick auf das, was unsere Kollegen gerade so vorbereiten.

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