Beispielfoto einer Fritzbox. Sie wurde in Berlin entwickelt und wird selbstbewusst in Europa hergestellt. Damit hat sie keine Chance auf Zulassung in den USA mehr.
(Bild: c't)
Ab sofort lassen die USA nur noch im Inland hergestellte Router für Verbraucher zu. Solche Modelle gibt es aber nicht.
Die USA lassen ab sofort keine neuen Router für den Verbrauchermarkt zu, sofern sie nicht in den USA hergestellt sind. Damit hat die Regulierungsbehörde FCC am Montag (Ortszeit) den Markt schockiert. Gemeint ist nicht nur der Zusammenbau; vielmehr muss die gesamte Herstellungskette, vom Design über Chips bis zur Software, ausschließlich in den USA liegen und von Firmen mit US-Eigentümern und -Management gestellt werden. Dies betrifft sowohl Router mit als auch ohne Funk.
Als Grund für das umfassende Verbot wird Nationale Sicherheit genannt [1]. Das Problem: Wir haben noch keine Routermodelle für Verbraucher gefunden, die in Stückzahlen komplett in den USA hergestellt werden.
Bereits zugelassene Modelle dürfen laut FCC (Federal Communications Commission) weiter genutzt und verkauft werden. Allerdings führt das Verbot, in Verbindung mit einer Regeländerung vom Dezember, dazu, dass auch Updates von Firmware oder Software für bereits zugelassene Modelle ab sofort unzulässig wären. Eine Ausnahmegenehmigung erlaubt bestimmte Softwareupdates noch bis 1. März 2027.
Die Ausnahme gilt offenbar nicht für Updates, die neue Funktionen mit sich bringen. Aber Sicherheitslücken dürfen vorerst noch geschlossen und Kompatibilitätsprobleme mit Betriebssystemen noch gelöst werden. Ob diese Genehmigung für eingeschränkte Software- oder Firmwareupdates Anfang 2027 verlängert wird, bleibt abzuwarten.
Ausnahmegenehmigungen sind möglich, aber mit so hohen Auflagen [2] verbunden, dass sich das nur wenige Hersteller antun dürften. [Ab hier Update 5:27 Uhr] Für jedes Modell ist ein eigener Antrag erforderlich. Das gilt sowohl für Router, die in den allgemeinen Vertrieb gelangen, als such solche, die von Internetprovidern an Kunden verteilt oder über den Großhandel zum Einsatz in Unternehmen verkauft werden.
Als Erstes müssen im Antrag umfangreich Angaben zu Firmenstruktur, Partnern und etwaigen Joint Ventures, Eigentümern ab fünf Prozent, Management und jeglicher möglicher Einflussnahme durch ausländischer Regierungen gemacht werden. Darauf folgt die Offenlegung wettbewerbsrelevanter Umstände: Alle Bestandteile (bill of materials) samt jeweiligem Herkunftsland, die Inhaber aller relevanten Immaterialgüterrechte, wer für Software-Updates zuständig ist, wo genau die Router hergestellt, zusammengebaut und getestet werden, woher Firmware und Software kommen, Angaben zu allen Single Points of Failure in der Lieferkette samt Alternativplänen und vor allem eine Rechtfertigung, warum das Gerät nicht in den USA hergestellt wird, warum die konkreten ausländischen Bezugsquellen gewählt wurden und welche Alternativen es dafür gibt.
Schließlich muss jeder Ausnahmewerber einen "detaillierten, zeitlich verpflichtenden Plan zur Etablierung oder Erweiterung der Produktion in den USA" für den jeweiligen Router vorlegen. Das muss detailliert sein, samt bereits ausgegebener und geplanter Investitionssummen, Geldquellen und exakter Zeitreihen und Meilensteine. Im Genehmigungsfall sind quartalsweise Fortschrittsberichte Pflicht, zudem muss in jedem weiteren Antrag Rechenschaft über die Fortschritte bei den Verpflichtungen aus früheren Genehmigungen gelegt werden.
Der Antrag muss entweder beim Kriegsministerium oder beim Ministerium für Heimatsicherheit eingebracht werden. Etwaige Genehmigungen werden nur zeitlich befristet erteilt. Einerseits können sich die Umstände ja ändern, andererseits ist das ein Druckmittel, um die Verlagerung der Produktion in die USA sicherzustellen. Und das ist umfasend gemeint: „Herstellung umfasst generell alle wesentlichen Etappen, samt Herstellung, Zusammenbau, Design und Entwicklung.“
Das Konzept orientiert sich ausdrücklich am Verbot neuer ausländischer Flugdrohnenmodelle [3], das die FCC kurz vor Weihnachten verkündet hat. Vor einer Woche hat die Behörde die ersten Ausnahmegenehmigungen [4] erteilt: Drei Flugdrohnenmodelle und ein Software Defined Radio für Flugdrohnen dürfen um Vertriebserlaubnis bis Jahresende ansuchen.
Dass sich der Aufwand bei Routern für den Verbrauchermarkt, die in der Regel nur geringe Margen abwerfen, rechnet, ist zu bezweifeln. Das führt zur Frage, was die FCC genau unter Routern für den Verbrauchermarkt (consumer-grade routers) versteht. Dazu verweist die Behörde zunächst auf die veröffentlichte Zusammenfassung einer Feststellung nicht genannter US-Geheimdienste [5], die wiederum auf eine Publikation des US-Normungsinstituts NIST (National Institute of Standards and Technology) Bezug nimmt.
Das NIST hat im September 2024 Vorschläge zur Stärkung der – unbestritten bescheidenen – IT-Sicherheit bei Routern unterbreitet (NIST IR 8425A [6]). Darin heißt es: "Routers forward data packets, most commonly Internet Protocol (IP) packets, between networked systems." Zu Deutsch: "Router leiten Datenpakete weiter, meistens nach dem Internet Protokoll (IP), zwischen vernetzten Systemen." Mehr sagt auch die FCC nicht dazu.
Das umfasst eine große Bandbreite an Geräten, von WLAN-Repeatern bis zu Smartphones, und hängt auch von deren konkreten Einsatz ab. Was genau gemeint ist, hängt vielleicht von der Stimmung bei der FCC ab. Sie nennt diverse Probleme und IT-Angriffe, die durch Sicherheitslücken in Routern begünstigt worden sind. Dabei spricht sie durchwegs von "ausländischen" Router, was stimmt, weil es ja keine nach FCC-Definition inländischen gibt. Argumente, wonach hypothetisch in den USA hergestellte Router sicherer wären, bringt die Behörde nicht vor.
Gleichzeitig weist die FCC darauf hin, für das Verbot nicht zuständig zu sein, sondern nur für dessen Bekanntgabe und Durchsetzung. Der Befehl dazu komme von den nicht genannten US-Geheimdiensten. Dennoch begrüßt FCC-Vorsitzender Brendan Carr den Befehl ausdrücklich und zeigt sich erfreut, im Ausland hergestellte Router auf die Verbotsliste gesetzt zu haben.
heise online hat die FCC gefragt, ob sie Open Source Software als im Inland hergestellt einstuft.
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[1] https://www.fcc.gov/document/fcc-updates-covered-list-include-foreign-made-consumer-routers
[2] https://www.fcc.gov/sites/default/files/Guidance-for-Conditional-Approvals-Submissions0326.pdf
[3] https://www.heise.de/news/USA-FCC-untersagt-faktisch-Import-einiger-neuer-auslaendischer-Drohnen-11123562.html
[4] https://www.fcc.gov/supplychain/coveredlist#conditional-approvals
[5] https://www.fcc.gov/sites/default/files/NSD-Routers0326.pdf
[6] https://nvlpubs.nist.gov/nistpubs/ir/2024/NIST.IR.8425A.pdf
[7] https://www.heise.de/downloads/18/5/0/5/0/9/1/2/DA-26-278A1.pdf
[8] https://www.heise.de/downloads/18/5/0/5/0/9/1/2/DA-26-286A1.pdf
[9] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Apple hat die Entwicklerkonferenz WWDC für dieses Jahr offiziell angekündigt
(Bild: Apple)
Jetzt ist der Termin offiziell: Am 8. Juni beginnt die Entwicklerkonferenz WWDC26. Apple wird voraussichtlich iOS 27 sowie neue KI-Funktionen vorstellen.
Am Montag, 8. Juni, gewährt Apple [1] einen ersten offiziellen Blick in die nächsten großen Versionen seiner Betriebssysteme. An diesem Tag findet der Auftakt zur Entwicklerkonferenz WWDC statt, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Traditionell beginnt die Konferenz mit einer Keynote und der anschließenden „Platforms State of the Union“, der speziellen Entwickler-Keynote. Erwartet werden unter anderem die Betriebssystem-Updates iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 [2].
Bis zum 12. Juni können App-Entwickler dann online Details zum erwarteten neuen Framework Core AI [3] erfahren, mit Designern und Entwicklern von Apple in Kontakt treten oder an Workshops teilnehmen. Dabei dürfte auch das bereits in Xcode integrierte agentische Coding für Entwickler [4] eine wichtige Rolle spielen.
Der Termin war bereits – dem Rhythmus der Vorjahre folgend – erwartet worden. Über weitere Inhalte gibt Apple nur wenig preis. Das diesjährige Logo, ein grell leuchtender Kreis in Anspielung auf das kreisrunde Apple-Hauptquartier in Kalifornien, und der ebenfalls leuchtende Schriftzug WWDC26 lädt zu Spekulationen ein. Die Erfahrung lehrt aber, dass die Bildsprache so abstrakt ist, dass sich selbst rückblickend nicht zwangsläufig Rückschlüsse herstellen lassen.
Als recht wahrscheinlich gilt, dass Apple nach der Erstvorstellung der Apple Intelligence im Jahr 2024 nach zwei Jahren umfassende neue KI-Funktionen auf Basis von Google Gemini [5] plant. Apple selbst hat in der Medienmitteilung bereits erwähnt, dass es KI-Neuigkeiten geben wird. Angesichts der Kooperation mit Google [6] und der Integration des LLM Gemini wird spätestens zur WWDC erwartet, dass die kontextsensitive Siri als echter Chatbot [7] Gestalt annimmt. Sie sollte eigentlich schon in iOS 18 kommen. Außerdem soll laut Gerüchten ein Hauptaugenmerk in diesem Jahr auf Fehlerbehebungen und Optimierungen der Software liegen.
Wie in den Vorjahren haben ausgewählte Entwickler und Studenten die Möglichkeit, am 8. Juni persönlich bei einer Sonderveranstaltung im Apple Park dabei zu sein – die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Bewerbungsfrist für das Losverfahren läuft bis zum 30. März, die Benachrichtigung der ausgewählten Teilnehmer soll am 2. April erfolgen.
Neben den Inhalten richtet Apple auch den Blick auf seinen Entwickler-Nachwuchs: Am 27. März werden die Teilnehmer der diesjährigen Swift Student Challenge über ihren Status informiert. Die Gewinner können sich für einen Platz bei der Vor-Ort-Veranstaltung im Apple Park bewerben. 50 besonders ausgezeichnete „Distinguished Winners“ werden zudem zu einem dreitägigen Aufenthalt in Cupertino eingeladen.
Die Konferenz ist über die Apple Developer App, die Webseite und den Apple-YouTube-Kanal zugänglich.
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[1] https://www.heise.de/thema/Apple
[2] https://www.heise.de/news/iOS-27-Keine-grossen-Veraenderungen-bei-Liquid-Glass-zu-erwarten-11212145.html
[3] https://www.heise.de/news/Tschuess-Core-ML-Apple-plant-neues-KI-Framework-11195252.html
[4] https://www.heise.de/news/KI-Kehrtwende-vollendet-Apple-liefert-bei-Entwicklern-mit-Xcode-26-3-ab-11193628.html
[5] https://www.heise.de/news/Uebersicht-Diese-neuen-KI-Funktionen-koennten-mit-iOS-26-und-27-kommen-11149088.html
[6] https://www.google.com
[7] https://www.heise.de/news/iOS-27-Vor-allem-Fehlerbehebungen-aber-Siri-Chatbot-11169708.html
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
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KI-generierte Grafik
Trump verschiebt 48-Stunden-Ultimatum. USA und Iran drohen jedoch weiter mit Eskalation – ein Ökozid im Nahen Osten rückt näher. Eine Einschätzung.
Das auf israelische und US-amerikanische Angriffe vorbereitete und entsprechend organisierte iranische Regime startete zum Beginn des Kriegs Gegenangriffe gegen die Energieinfrastruktur von mehr als einem Dutzend Ölstaaten. Ölraffinerien, Gasfelder und Öllager gehen in Flammen auf und verpesten die Luft, bewirken sauren Regen und die Vergiftung des Grundwassers.
Nun geht die militärische Eskalation weiter [1]: US-Präsident Trump drohte, alle Kraftwerke des Irans zu zerstören, wenn die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden für die internationale Schifffahrt geöffnet werde. Heute verlängerte er offenbar das Ultimatum um fünf Tage, wie die New York Times [2] meldet. Die Börsen reagierten, die Gefahr bleibt.
"Der Iran äußerte sich zunächst nicht dazu. Es war unklar, welche Art von Gesprächen möglicherweise stattfanden und wer dabei als Vermittler fungierte", berichtete die Zeitung heute Mittag. Zuvor hatte die Führung in Teheran verdeutlicht: Wenn Trump seine Drohung wahrmache, werde der Iran alle Energieinfrastrukturen und Entsalzungsanlagen von Staaten in der Region mit einer Verbindung zu den USA zerstören. Die Straße von Hormus werde dann so lange geschlossen bleiben, bis alle zerstörten iranischen Kraftwerke wieder aufgebaut seien.
Zudem veröffentlichte [3] das iranische Regime eine Liste von Kraftwerken für die Stromversorgung im Nahen Osten, die im Falle eines Angriffs auf ihre Energieinfrastruktur zerstört werden würden. Die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Fars publizierte diese Liste, auf der sich ebenfalls das in den Vereinigten Arabischen Emiraten stehende Atomkraftwerk Baraka befindet.
Im Nahen Osten kann es jetzt zu einer weiteren menschlichen und ökologischen Katastrophe kommen.
Die Journalistin Angelique Chrisafis berichtet in der Zeitschrift The Guardian [4] aufgrund der Angriffe auf iranische Öllager bereits von apokalyptischen Zuständen im Iran und insbesondere in Teheran:
"Die staatliche Umweltbehörde rät den Menschen, in ihren Häusern zu bleiben. Der iranische Rote Halbmond warnt vor möglichem sauren Regen [5], ausgelöst durch giftige Chemikalien, und empfiehlt, Klimaanlagen nicht einzuschalten. Außerdem sollten Lebensmittel besonders geschützt werden. Der Gouverneur fordert seit Tagen zum Tragen von Masken auf, sobald man ins Freie tritt."
Die Menschen würden sich selbst überlassen bleiben. Es gäbe kaum Masken und Inhalationsgeräte.
Aber auch dem iranischen Regime sind die ökologische Zerstörung und die damit verbundenen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerungen egal, indem es gezielt Öllager und Öltanker der Golfstaaten angreifen lässt und mit der absoluten Eskalation der ökologischen Zerstörung droht.
Susanne Aigner schreibt [6] in Telepolis:
"Das toxische Erbe der brennenden Öltanks ist bereits jetzt eine Warnung an die Welt, dass der Preis des Krieges auch die Zerstörung unserer gemeinsamen Zukunft [7] sein könnte. Die Folgen der Umweltkatastrophe in Teheran werden wohl erst in den nächsten Jahren vollständig sichtbar sein. Denn wenn der Rauch sich verzogen haben wird, bleibt das Gift in Boden und Gewässern und in den Körpern der Menschen zurück."
Auch wissen wir nicht, was noch aufgrund der anhaltenden Angriffe auf die Atomanlagen des Irans noch zu erwarten ist und wie viel radioaktive Strahlung hierdurch auftreten wird. Mit Sicherheit aber wird Radioaktivität im großen Maßstab freigesetzt, wenn ein Atomkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie angekündigt, bombardiert werden würde.
Bereits brennende Energieinfrastruktur in den Golfstaaten und Angriffe auf Öltanker in der Straße von Hormus und auf Gaslager führten zu giftigen Emissionen, welche die Biosphäre belasten. So griff der Iran mehrere Flüssiggasanlagen im Industriegebiet Ras Laffan (Katar) als Reaktion auf den Angriff Israels auf das Gasfeld South Pars an, setzte die Anlagen in Brand und beschädigte sie schwer [8].
Das iranische Staatsfernsehen berichtete [9] von iranischen Angriffen auf Öltanker in der Straße von Hormus und zeigte Bilder von schwarzen Rauchsäulen, die aus einem angegriffenen Tanker hochstiegen.
Auf den brutalen Überfall der Hamas in Israel erfolgte eine schreckliche Reaktion der israelischen Regierung. Die militärische Vergeltung im Gaza-Streifen forderte [10] ca. 70.000 Tote – über die Hälfte davon waren Frauen und Kinder. Neben dem entsetzlichen Leiden der überlebenden Palästinenser bewirkte diese Vergeltung auch eine katastrophale Umweltzerstörung.
Die deutsche Journalistin Marisa Becker (2026) spricht [11] von einem Ökozid in Gaza. Hierbei bezieht sie sich auf das Umweltprogramm der UN (UNEP), das den Trümmerhaufen bis September 2025 auf ca. 61 Millionen Tonnen schätzt. Hierbei sei der Schutt mit Blindgängern, Asbest und Chemikalien durchsetzt. Ungeklärtes Abwasser fließt in das Erdreich und ungefiltert in das Meer.
Des Weiteren bezieht sich Becker auf die Dokumentationen der NGO Forensic Architecture: Ungefähr die Hälfte der Brunnen seien in Gaza zerstört. Zwei Drittel der Wassertanks könnten nicht mehr genutzt werden. 83 Prozent der Pflanzenwelt seien ebenfalls zerstört. 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen seien nicht mehr nutzbar. Knapp die Hälfte der Gewächshäuser sei zerstört worden.
Der noch nicht überall anerkannte Straftatbestand des Ökozids [12], der in allen drei Fällen (Iran, Golfstaaten, Gaza) zum Zuge kommen könnte, meint die systematische, schwerwiegende, anhaltende und bewusste Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.
Der Ökozid wird zunehmend Bestandteil der Kriegsführung. Sicherlich könnten die beteiligten Staaten – neben den anderen Kriegsverbrechen – vor der internationalen Gerichtsbarkeit wegen Ökozids angeklagt werden, wenn sich das Rechtsstatut des Ökozids international durchsetzen würde.
Doch diese Staaten erkannten die internationale Gerichtsbarkeit nicht an, weil sie wohl wissen, dass sie gegen die ökologische Unversehrtheit des Planeten, gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte systematisch verstoßen würden. Wolfgang Vieweg schreibt [13] für die Deutsche Gesellschaft der Vereinten Nationen (DGVN) zur strafrechtlich relevanten Einführung des Ökozids:
"Bei all unseren Bemühungen um den Schutz der Ökosysteme dürfen wir nie vergessen: Die Natur hat zwar keine Stimme, aber sie hat gleichwohl das Sagen! Nachdem wir im Anthropozän verstanden haben und mehr und mehr verinnerlichen, dass wir Teil des Problems einer gefährdeten Umwelt sind, müssen wir jetzt darüber hinaus begreifen, dass wir alle zugleich Teil der Lösung dieses Problems sind."
Die bereits erfolgte Bombardierung der nuklearen Aufbereitungsanlagen des Irans und die Drohung des Irans, ein Atomkraftwerk anzugreifen, zeigen, in welche Richtung sich die Eskalationsspirale im Nahen Osten entwickeln kann. Bei einem "Erfolg" dieser Angriffe käme neben den Treibhausgasemissionen durch die Zerstörung der Gasfelder und Öllager auch noch der radioaktive Fallout hinzu – und bliebe sicherlich nicht auf die Region beschränkt.
Ein ähnliches Szenario finden wir in der Ukraine. Der russische Angriffskrieg und die ukrainische Gegenwehr nehmen ebenfalls keine Rücksicht auf die Ökologie und die Gesundheitsauswirkungen für den Menschen. Auch hier finden sich ökologische Zerstörungen, die hinlänglich beschrieben [14] sind. Ebenfalls in der Ukraine besteht die Gefahr eines GAU angegriffener oder von der Stromzufuhr abgeschnittener Atomkraftwerke.
Die natürliche (Mit)Welt kommt auf der Prioritätsskala derjenigen, welche die Entscheidungen über Krieg und Frieden zu fällen haben, ganz weit hinten. Erstens ist ihnen die natürliche Mitwelt nachrangig und zweitens ist für sie auch nicht relevant, dass durch die zerstörte Natur Menschen (und auch Tiere) Schaden nehmen.
Die maßgeblichen Kriegsentscheider sind offensichtlich in ihrem Bewusstsein getrennt von der Ökologie dieses Planeten, haben ein instrumentelles Denken und im Vordergrund stehen Macht, Unterdrückung, Öl, seltene Erden und profitträchtige Deals. Die Bewahrung der Schöpfung ist diesen Persönlichkeiten, die sich gern von den Anhängern der verschiedenen Religionen unterstützen lassen, offensichtlich egal.
Vielleicht schaffen die Menschen es nicht, sich dieser Machthaber zu erwehren, der Planet wird dies aber mittelfristig gründlich tun – und Leidtragende sind dann alle diejenigen, die dies nicht zu verantworten haben.
Daher gilt es, nicht aufzugeben und alles dafür zu tun, dass es anders kommt. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (immer noch) möglich [15]. Die durch Kriege ausgelöste Krise der globalen Versorgung mit fossilen Brennstoffen birgt – neben den hierdurch verursachten negativen Folgen – auch Chancen für eine ökologische Umsteuerung hin zum vermehrten Einsatz regenerativer Energien. Der friedensökologisch orientierte Journalist und Autor Franz Alt schreibt daher in seinem Artikel [16] "Sonne und Wind brauchen nicht die Meerenge von Hormus":
"Eine der entscheidendsten Zukunftsfragen heißt: Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne? Der Irak-Krieg, der Afghanistan-Krieg, der Krieg um Venezuela und jetzt der Iran-Krieg: All diese Kriege waren oder sind Kriege um die fossilen Rohstoffe. Sonne und Wind jedoch sind Geschenke des Himmels. Sie sind Friedensenergien."
Nun aber steht erst einmal die wechselseitige Drohung mit dem Ökozid im Raum. Es ist fraglich, ob ein Ausstieg aus dieser Eskalationsspirale noch möglich sein wird. Die Weltöffentlichkeit wird es bald wissen.
Klaus Moegling [17]ist habilitierter Politikwissenschaftler und Hochschullehrer, er lehrte an verschiedenen Universitäten und Institutionen der Lehrerbildung, an den Universitäten Hamburg und Marburg, zuletzt an der Universität Kassel, und engagierte sich in der Friedens- und Umweltbewegung sowie in Bildungsinitiativen. Er ist Autor des im open Access [18] veröffentlichten Buches "Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (noch) möglich".
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[1] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-iran-ultimatum-100.html
[2] https://www.nytimes.com/live/2026/03/23/world/iran-war-oil-trump
[3] https://www.welt.de/politik/ausland/article69bce233ea8bf301e4ae1a85/krieg-in-nahost-iran-veroeffentlicht-liste-mit-angriffszielen-und-droht-mit-kompletter-sperre-der-strasse-von-hormus-liveticker.html
[4] https://www.theguardian.com/world/2026/mar/08/dark-like-our-future-iranians-describe-scenes-of-catastrophe-after-tehrans-oil-depots-bombed
[5] https://www.srf.ch/news/dialog/nach-angriffen-auf-oeldepots-saurer-regen-im-iran-und-andere-umweltschaeden-des-krieges
[6] https://www.telepolis.de/article/Brennende-Oeltanks-vergiftetes-Land-die-stille-Katastrophe-im-Iran-11212000.html
[7] https://berlinmorgen.de/2026/03/08/umweltkatastrophe-teheran-israel-oel/
[8] https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/nahost-lage-am-morgen-trump-droht-iran-mit-massivem-angriff-auf-gasfeld/ar-AA1Z0Lbd?ocid=BingNewsSerp
[9] https://www.stern.de/politik/ausland/stau-auf-strasse-von-hormus--oeltanker-vor-kueste-omans-angegriffen-37181712.html
[10] https://www.spiegel.de/ausland/israel-armee-bestaetigt-70-000-kriegstote-in-gaza-a-922c9c7e-9d0c-4191-a146-4d21ff33077d
[11] https://www.freitag.de/autoren/marisa-becker/der-krieg-israels-hat-umwelt-in-gaza-schwer-geschaedigt-juristen-sehen-oekozid
[12] https://dgvn.de/meldung/oekozid-als-straftatbestand
[13] https://dgvn.de/meldung/oekozid-als-straftatbestand
[14] https://www.commondreams.org/opinion/we-need-peace-ecology
[15] https://www.klaus-moegling.de/international-edition/
[16] https://www.sonnenseite.com/de/franz-alt/kommentare-interviews/sonne-und-wind-brauchen-nicht-die-meerenge-von-hormus/
[17] https://www.klaus-moegling.de/ueber-mich/
[18] https://www.klaus-moegling.de/aktuelle-auflage-neuordnung/
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US-Präsident verschiebt Angriffe auf iranische Kraftwerke. Doch die Positionen bleiben unvereinbar. Finanzmärkte reagieren mit Erleichterung.
US-Präsident Donald Trump hat sein Ultimatum an den Iran überraschend verlängert. Er habe das Pentagon angewiesen, geplante Bombardements iranischer Kraftwerke für fünf Tage auszusetzen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Unklar ist bislang, ob dieser Schritt alle möglichen Ziele einschließt und wie Tel Aviv reagieren wird.
Die USA und der Iran hätten in den vergangenen zwei Tagen "sehr gute und produktive Gespräche" über eine "vollständige Beilegung der Feindseligkeiten im Nahen Osten" geführt. Die Aussetzung sei allerdings vom Erfolg laufender Treffen abhängig. Iran bestreitet, dass Gespräche gelaufen sind.
Ursprünglich hatte Trump gedroht, Irans größtes Kraftwerk anzugreifen, falls Teheran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden wieder freigebe. Dieses Ultimatum wäre nach Mitternacht deutscher Zeit am Montag abgelaufen.
Die Ankündigung löste an den Finanzmärkten Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende aus. Der deutsche Leitindex DAX sprang [1] am Montagmittag binnen kürzester Zeit um rund 1300 Punkte nach oben und notierte in der Spitze fast 3,5 Prozent im Plus bei 23.178 Punkten. Zuvor war der Index noch unter die Marke von 22.000 Zählern gefallen.
Der Preis für Rohöl der Sorte Brent brach in der Spitze mehr als 14 Prozent auf 96 Dollar je Barrel ein. Doch die Erleichterung an den Märkten könnte verfrüht sein. Denn die Positionen beider Seiten liegen nach wie vor weit auseinander.
Die Trump-Regierung drängt auf eine Einigung, die strikte Beschränkungen für Irans Nuklearprogramm, Raketenfähigkeiten und regionale Aktivitäten beinhalten würde. Zu den amerikanischen Forderungen gehören laut [2] der Nachrichtenwebsite Axios:
Der Iran hatte solche Forderungen in der Vergangenheit wiederholt zurückgewiesen und beharrt darauf, sein Nuklearprogramm sei friedlich, obwohl das Land genügend Uran für mehrere Bomben angereichert hat.
Teheran macht Verhandlungen auch seinerseits von Bedingungen abhängig:
Abbas Araghchi, Irans Außenminister, hatte seinem indischen Amtskollegen bereits früher mitgeteilt, die Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus würde erfordern, dass sowohl die USA als auch Israel ihre Angriffe auf den Iran einstellen und sich verpflichten, diese künftig nicht wiederaufzunehmen.
Ägypten, Katar und Großbritannien übermitteln Botschaften zwischen den USA und dem Iran. Axios berichtet allerdings, dass es seit mehreren Tagen keinen direkten Kontakt zwischen den beiden Ländern gab.Trumps Gesandte Jared Kushner und Steve Witkoff seien in Gespräche über mögliche diplomatische Schritte eingebunden, so die Nachrichtenwebsite unter Berufung auf US-Beamte.
Aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu lag bis zum Nachmittag keine Reaktion [3] vor.
Omans Außenminister Badr Albusaidi erklärte auf X, der Konflikt mit dem Iran sei "nicht von ihrer Seite ausgegangen" und verursache bereits weitreichende wirtschaftliche Störungen. Die Situation könne sich erheblich verschlimmern, falls der Krieg weitergehe. Oman, selbst Anrainerstaat, arbeite intensiv daran, eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu gewährleisten.
Iran setzt weiterhin darauf, dass eine anhaltende Störung des weltweiten Energiehandels Washington zum Einlenken zwingen wird. Alaeddin Boroujerdi, Mitglied des iranischen nationalen Sicherheitskomitees, sagte, die Islamische Republik verlange von einigen Schiffen zwei Millionen US-Dollar für die Passage durch die Straße von Hormus.
Teheran wird versuchen, die Straße von Hormuz auch nach dem Ende der Raketenangriffe als Einnahmequelle zu nutzen. "Nun, da der Krieg Kosten verursacht, müssen wir das natürlich tun und Transitgebühren von Schiffen erheben, die die Straße von Hormus passieren", sagte er.
Iran hatte bereits gedroht [4], die Passage zu verminen. Bei einem Angriff auf iranische Kraftwerke droht Teheran zudem mit Vergeltung auch gegen israelische Entsalzungsanlagen.
Kurz nach nachdem US-Präsident Donald Trump sein Ultimatum um fünf Tage verlängert hatte, hat der iranische Außenminister Abbas Araghchi mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert. Lawrow forderte eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und eine politische Lösung, die die legitimen Interessen aller beteiligten Parteien, "vor allem des Iran", berücksichtigt, meldet [5] die Times of Israel.
Das russische Außenministerium wies darauf hin, dass Teheran das Gespräch initiiert habe. Eine Vermittlung zwischen den USA, Israel und Iran durch Russland ist zumindest denkbar. Moskau hatte dies bereits früher angeboten [6].
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[1] https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/marktberichte/dax-aktuell-dax-springt-nach-trump-ankuendigung-zu-iran-rund-1300-punkte-nach-oben/100210772.html
[2] https://www.axios.com/2026/03/23/trump-suspends-iran-strikes-hormuz-negotiations
[3] https://www.timesofisrael.com/liveblog-march-23-2026/
[4] https://www.reuters.com/world/middle-east/iran-threatens-retaliate-against-gulf-energy-water-after-trump-ultimatum-2026-03-23/
[5] https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/russia-iran-fms-hold-call-after-trumps-announcement-of-us-iran-talks-on-war/
[6] https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-politics/trump-putin-iran-uranium-russia-phone-call-b2938434.html
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Verteidigungsminister Boris Pistorius, Kiel, 4. September 2024. Foto: Shutterstock.com
Trotz Milliarden und Pistorius-Doktrin: Schlüsselprojekt der Digitalisierung scheitert an Planung, Technik und politischer Kontrolle. Eine Analyse.
Mit militärischer Verlässlichkeit läuft ein Bundeswehr-Großprojekt nach dem anderen aus dem Ruder. Jüngstes Beispiel dafür sind – erneut – die Funkgeräte der Truppe, die das Herzstück der Digitalisierung Landbasierter Operationen (D-LBO) darstellen.
Wann die Geräte bei der Bundeswehr eingeführt werden können, steht aktuell in den Sternen, was bei der kürzlich abgehaltenen Nato-Übung Cold Response als eines der zentralen Defizite identifiziert wurde:
"Schon beim Lagevortrag im sicheren Bunker wird mehrmals erwähnt, dass es erhebliche Probleme bei den Führungssystemen der Bundeswehr gibt. Während die Norweger oder die US-Truppen über verschlüsselten Digitalfunk verfügen und so geheime Karten und Lageanalysen zu den Einheiten im Feld senden können, ist der Kryptofunk der Bundeswehr sehr eingeschränkt, die Einführung des neuen Systems D-LBO verzögert sich massiv."
Spiegel Online [1], 16.3.2026
Die Pannen sind auch einem Beschaffungsprozess geschuldet, der so auf Tempo setzt, dass notwendige Kontrollen unter der irreführenden Floskel eines "Bürokratieabbaus" abgebaut wurden. So wurden mit dieser Begründung beispielsweise die Rüstungsberichte der Bundeswehr abgeschafft, mit denen die Öffentlichkeit lange über Verzögerungen und Probleme informiert wurde
Im Falle der D-LBO-Funkgeräte setzte das Verteidigungsministerium nun noch einen drauf und enthielt auch den Abgeordneten des Bundestages einen vernichtenden Bericht zum Stand des Projektes, der nun aber der Presse zugespielt wurde.
Mit dem kürzlich in Kraft getretenen "Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr" (BwPBBG) wurden zudem eine Reihe weiterer Kontrollmechanismen im Namen des Bürokratieabbaus beseitigt.
Tempo geht vor Kassenlage, so der als "Pistorius-Doktrin" bekanntgewordene Tagesbefehl [2] des Verteidigungsministers Ende April 2023:
"Oberste Priorität ist für uns alle künftig der Faktor Zeit. Wir setzen für die Beschleunigung da an, wo wir uns selbst Regelungen gegeben haben, die uns stärker einschränken oder bremsen, als es die Gesetzeslage vorsieht.
Wo wir uns selbst unnötig Fesseln angelegt haben, werden wir diese nun abwerfen. Ziel ist in erster Linie die schnellstmögliche Realisierung des für die Truppe nutzbaren Produktes."
bmvg.de [3], 26.4.2023
Tatsächlich nahm sich die Bundeswehr diese Vorgabe zu Herzen und beschleunigte, unterstützt vom 100 Milliarden Euro Sondervermögen und zusätzlichen Erhöhungen des normalen Verteidigungshaushaltes, ihr Beschaffungstempo enorm.
Waren dafür 2021 noch rund 7,65 Milliarden Euro vorgesehen, belief sich dieser Posten 2025 bereits auf 22,6 Milliarden. Euro. Genauso verhält es sich mit den sogenannten 25-Millionen-Euro-Vorlagen, also mit Beschaffungsprojekten, die aufgrund einer Überschreitung dieses Volumens dem Haushalts- und Verteidigungsausschuss zur Genehmigung vorgelegt werden müssen.
Wurden im Jahr 2021 "nur" 46 Vorlagen mit einem Gesamtvolumen 23,3 Milliarden Euro, waren es dann 2025 schon 103 Vorlagen mit einem Wert von 82,98 Milliarden Euro, die durchgewunken wurden [4].
"Nach Angaben des BMVg überstiegen die Maßnahmen der letzten drei Jahre mit 255 Vorlagen und einem Volumen von 188,4 Milliarden Euro die Beschaffungsvorhaben und Investitionen der vorherigen acht Jahre (2015-2022: 215 Vorlagen, Gesamtvolumen: rund 109 Milliarden Euro)."
hartpunkt.de [5], 17.12.2025
Und selbst diese Zahlen verblassen gegenüber den bis 2029 anvisierten Steigerungen:
"Aufgrund der angesprochenen Zielvorgaben, der mittelfristigen Finanzplanung sowie der Analyse der gesamten (!) lieferantenseitigen Ausgaben im Verteidigungshaushalt ergibt sich konkret, dass das Beschaffungsvolumen der Bundeswehr gegenüber dem Vor-Ukraine-Kriegs-Jahr 2021 bis 2029 um über 580 Prozent wachsen wird."
Michael Eßig [6], Professor an der Bundeswehr-Universität in München
Sowohl in der Nato wie auch in der Bundeswehr gilt die Fähigkeit zur Führung von Multi-Domain-Operations (MDOs) und damit zu gleichzeitigen Angriffen an Land, zur See, in der Luft sowie im Cyber- und Weltraum als zentrales Element, um aus künftigen Auseinandersetzungen mit anderen Großmächten siegreich hervorgehen zu können.
Die Digitalisierung der Landstreitkräfte ist hierfür allerdings eine notwendige Bedingung:
"Eine der Antworten auf diese Herausforderungen heißt Digitalisierung Landbasierte Operationen, kurz D-LBO. Das Gefechtsfeld des 21. Jahrhunderts erfordert vernetzte Kommunikation, präzise Daten und schnelle Entscheidungen.
Genau hier setzt das Rüstungsprogramm D-LBO an. (…) Bei Multi-Domain Operations (MDO) werden Truppenteile über alle Teilstreitkräfte hinweg koordiniert und eingesetzt. Die Fähigkeiten, über Dimensionsgrenzen hinweg führen zu können und am besten in Echtzeit Entscheidungen treffen zu können, sind für die Bundeswehr essentiell."
bundeswehr.de [7], 15.12.2025
Hierfür ist die Ausstattung mit modernen Funkgeräten von zentraler Bedeutung, die in Tausende Fahrzeuge eingebaut werden müssen. Die Gelder für die Bestellung internettauglicher und abhörsicherer Funkgeräte wurden vom Haushaltsausschuss am 14. Dezember 2022 bewilligt [8].
Freigegeben wurden 1,35 Milliarden Euro für etwa 20.000 Funkgeräte. Ferner wurde mit dem Hersteller, dem Münchner Unternehmen Rohde & Schwarz, eine Option für den Kauf weiterer 14.000 Funkgeräte zum Preis von 1,52 Milliarden Euro vereinbart (für die Betriebskosten in den kommenden 20 Jahren wurden außerdem 2,2 Milliarden Euro veranschlagt).
Allerdings schien sich niemand Gedanken gemacht zu haben, dass die Funkgeräte nicht nur bestellt, sondern auch eingebaut werden mussten, weshalb sie erst einmal gelagert wurden.
Dieser Lapsus war auch ein Ergebnis der Pistorius-Doktrin, die mehr auf Tempo als auf Sorgfalt Wert legt, wie schon seinerzeit der Presse entnommen werden konnte:
"Größeres Tempo kann aber auch ein höheres Fehlerrisiko bedeuten und die Rechtssicherheit der Verfahren einschränken. Bei der Auftragsvergabe für die neuen Digitalfunkgeräte ist offenbar der technische Aufwand, die Geräte in Hunderte verschiedene Fahrzeugtypen zu integrieren, nicht ausreichend bedacht worden. Die Folge: Der Zeitplan für die Einführung wird sich wohl um mindestens ein Jahr verzögern. "
Handelsblatt [9], 4.10.2023
Schon damals stach die recht eigenwillige Kommunikationsstrategie des Verteidigungsministers ins Auge, der zuerst die Probleme leugnete ("falscher als falsch") und dann angeblich nicht darüber unterrichtet worden sein wollte, obwohl ihm die notwendigen Informationen hätten vorliegen müssen
Jedenfalls verzögerte sich der Einbau allein hierdurch bereits erheblich, doch das war erst der Anfang der Probleme.
Im September sickerte dann die – erneut monatelang zurückgehaltene – Information durch, ein Praxistest der Funkgeräte habe mit dem vernichtenden Urteil "nicht truppentauglich" geendet:
"Selbst die Sprechfunkverbindung sei teilweise nicht stabil gewesen. Die Hardware der Hightechgeräte funktioniere zwar, heißt es. Die Software zur Einrichtung eines Funkkreises aber sei so komplex, dass sie vielleicht von Fachleuten unter Laborbedingungen bedient werden könne, nicht aber von Soldaten, die in einem Kampfpanzer säßen."
Spiegel Online [10], 27.9.2025
Kritisch geht der Beitrag auch auf die Aussagen des Ministeriums ein, Boris Pistorius habe erneut erst kürzlich von der neuerlichen Misere erfahren. Schließlich sei sein Staatssekretär Benedikt Zimmer immerhin bereits am 10. Juni über den gescheiterten Test informiert worden.
Immer wieder sei es von Parlamentariern zu kritischen Nachfragen gekommen, doch noch am 10. September 2025 habe Pistorius auf Nachfrage geantwortet, nach seinem Stand liege man "im Zeitplan".
Schon der damals recht hemdsärmelige Umgang des Ministers mit der Misere stieß auf teils scharfe Kritik in der Presse:
"Die Pistorius-Leute verschleiern die Lage. Das Projekt läuft nicht planmäßig, Verzögerungen sind bereits eingetreten, die ohnehin katastrophal geringe Einsatzbereitschaft der Landstreitkräfte wird weiter eingeschränkt.
Die vom Minister angeblich im September angewiesenen Maßnahmen wurden bereits im Mai entwickelt. (…) Damit, so sagt es ein Beamter, werde die Zeitenwende mit ihren unbegrenzten Finanzmitteln für die Aufrüstung der Bundeswehr auch ein klares Ergebnis produzieren: ‚In Geld gegossenes Scheitern‘."
Welt [11], 29.10.2025
Nun wurde bekannt, dass wohl auch ein zweiter Testlauf Ende 2025 spektakulär gescheitert ist, wie aus einem vertraulich eingestuften Bericht hervorgeht, der an die Presse durchgestochen wurde:
"Dem als ‚VS – Nur für den Dienstgebrauch‘ eingestuften Papier zufolge waren die Mängel der im November getesteten Version so gravierend, dass bereits im regulären Übungs- und Ausbildungsbetrieb mit umgerüsteten Kampfpanzern ‚Gefahr für Leib und Leben‘ bestanden habe.
‚In seinem derzeitigen Zustand ist das Gesamtsystem D-LBO basic weder reif für eine Einsatzprüfung noch für den Ausbildungs- und Übungsbetrieb geeignet. Ob die Einsatzreife bis September 2026 erreicht werden kann, ist derzeit nicht absehbar‘, heißt es in dem Bericht von Anfang Januar."
Welt.de [12], 20.3.2026
Und wieder ist die Informationspolitik des Ministeriums mehr als fragwürdig:
"Seit Wochen fordern Bundestagsabgeordnete vergeblich Einsicht in den Testbericht der Bundeswehr. Im Verteidigungsausschuss hieß es zuletzt, das Dokument sei zu technisch und kaum verständlich.
Nun liegt der Bericht Welt am Sonntag vollständig vor – und ist sehr wohl verständlich. Die technische Bewertung fällt ‚ungenügend‘ aus, das System gilt als zu instabil. ‚Eine Benutzung des Gesamtsystems durch die Truppe kann im aktuellen Entwicklungsstand nicht empfohlen werden‘.“
Welt.de [13], 20.3.2026
Die wenigen Parlamentarier, die überhaupt ein Interesse an einer seriösen Prüfung der Bundeswehrprojekte haben, werden durch derlei Dreistigkeit aus dem Ministerium massiv in ihrer Arbeit behindert. Dabei wäre die umso notwendiger, nachdem die Bundeswehr selbst ganz augenscheinlich über keinerlei Controlling verfügt.
So lautet jedenfalls die im Dezember 2025 geäußerte Kritik der Bundesvorsitzenden des Verbands der Beamten und Beschäftigten der Bundeswehr (VBB), die darin eine wesentliche Ursache sieht, weshalb (nicht nur) die Beschaffung der Funkgeräte so pannenbehaftet ist:
"Ohne ein durchgängiges, belastbares Controlling fehlte das Frühwarnsystem, das zwingend notwendig gewesen wäre. Mit einem funktionierenden Rüstungscontrolling hätte der Minister früher gewusst, dass wesentliche Meilensteine gefährdet sind – und hätte deutlich früher handeln können. D-LBO ist damit sinnbildlich für die strukturellen Herausforderungen: Wir brauchen nicht nur mehr Geld, sondern bessere Steuerung."
Imke von Bornstaedt-Küpper, VBB-Bundesvorsitzende
Dass mehr und mehr Projekte per Direktvergabe ohne Ausschreibung vergeben werden, macht es auch nicht besser. Auch die D-LBO-Funkgeräte wurden mit diesem Verfahren Rhode & Schwarz zugeschustert.
Dagegen hatte der französische Konkurrent Thales geklagt, wurde aber vom Oberlandesgericht Düsseldorf abgewiesen [14].
Mit dem am 14. Februar 2026 in Kraft getretenen "Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr" (BwPBBG) soll sich der ohnehin schon länger beobachtbaren Trend zur Direktvergabe [15] ohne Ausschreibung im Namen des Bürokratieabbaus noch einmal erheblich beschleunigen:
"Diese Form des ‚Bürokratieabbaus‘ ist aber nicht auf das Schaffen vorteilhafter äußerer Bedingungen für Rüstung und Militär beschränkt, sondern umfasst auch die Aufweichung gesetzlicher Bestimmungen, die bisher dazu da waren, Korruption und Verschwendung zu limitieren.
Der Staat setzt sich mit seinen ‚Reformen‘ in der Beschaffung z.B. selektiv über die von ihm selbst aufgestellten Regeln für einen ‚fairen Wettbewerb‘ hinweg und schafft sich die Voraussetzungen für die freie Vergabe von Aufträgen an bevorzugte Unternehmen."
Andreas Seifert [16], Informationsstelle Militarisierung, März 2026
Im Ergebnis soll ein schon heute heillos überforderter Beschaffungsapparat also bei gleichzeitigem Abbau etlicher Kontrollmöglichkeiten mit den künftig immer weiter steigenden Mitteln für Rüstungsbeschaffung umgehen – was kann da schon schiefgehen?
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[1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/militaer-uebung-cold-response-in-norwegen-wo-die-bundeswehr-uebt-wladimir-putin-zurueckzuschlagen-a-fc595995-785d-4778-878a-a40be9f524cd
[2] https://www.bmvg.de/de/aktuelles/tagesbefehl-beschleunigung-des-beschaffungswesens-5615830
[3] https://www.bmvg.de/de/aktuelles/tagesbefehl-beschleunigung-des-beschaffungswesens-5615830
[4] https://www.hartpunkt.de/bundestag-gibt-rund-50-milliarden-euro-fuer-weitere-30-beschaffungsvorhaben-der-bundeswehr-frei/
[5] https://www.hartpunkt.de/bundestag-gibt-rund-50-milliarden-euro-fuer-weitere-30-beschaffungsvorhaben-der-bundeswehr-frei/
[6] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.bundestag.de/resource/blob/1123528/Stellungnahme_SV_Dr-_Michael_Essig_Uni_BW_Muenchen.pdf
[7] https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/digitalisierung-landbasierte-operationen
[8] https://augengeradeaus.net/2023/09/neue-funkgeraete-kein-einbau-viele-fragen-wenig-antworten/
[9] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verteidigung-warum-das-deutschlandtempo-fuer-die-bundeswehr-zu-scheitern-droht/29424346.html
[10] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-digitalfunk-projekt-geraet-ausser-kontrolle-a-e6c531ca-ee54-4fb0-8b43-cfcf0750615d
[11] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus68fa2c1fc008edcf0c85178d/deutschlands-aufruestung-in-geld-gegossenes-scheitern.html
[12] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69bc54e8ea8bf301e4ae173d/geheimer-testbericht-milliardenteures-it-desaster-neuer-digitalfunk-der-bundeswehr-ist-gefahr-fuer-leib-und-leben.html
[13] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69bc54e8ea8bf301e4ae173d/geheimer-testbericht-milliardenteures-it-desaster-neuer-digitalfunk-der-bundeswehr-ist-gefahr-fuer-leib-und-leben.html
[14] https://www.hartpunkt.de/olg-duesseldorf-weist-ruege-gegen-vergabe-von-fuehrungsfunk-ab/
[15] https://correctiv.org/aktuelles/sicherheit-und-verteidigung/2025/12/17/neue-deutsche-kriegsmaschine-miliaer-aufruestung-bundeswehr-verteidigung/
[16] https://www.imi-online.de/download/04_Seifert_Ausdruck_124_.pdf
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Apple hat die Entwicklerkonferenz WWDC für dieses Jahr offiziell angekündigt
(Bild: Apple)
Jetzt ist der Termin offiziell: Am 8. Juni beginnt die Entwicklerkonferenz WWDC26. Apple wird voraussichtlich iOS 27 sowie neue KI-Funktionen vorstellen.
Am Montag, 8. Juni, gewährt Apple [1] einen ersten offiziellen Blick in die nächsten großen Versionen seiner Betriebssysteme. An diesem Tag findet der Auftakt zur Entwicklerkonferenz WWDC statt, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Traditionell beginnt die Konferenz mit einer Keynote und der anschließenden „Platforms State of the Union“, der speziellen Entwickler-Keynote. Erwartet werden unter anderem die Betriebssystem-Updates iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 [2].
Bis zum 12. Juni können App-Entwickler dann online Details zum erwarteten neuen Framework Core AI [3] erfahren, mit Designern und Entwicklern von Apple in Kontakt treten oder an Workshops teilnehmen. Dabei dürfte auch das bereits in Xcode integrierte agentische Coding für Entwickler [4] eine wichtige Rolle spielen.
Der Termin war bereits – dem Rhythmus der Vorjahre folgend – erwartet worden. Über weitere Inhalte gibt Apple nur wenig preis. Das diesjährige Logo, ein grell leuchtender Kreis in Anspielung auf das kreisrunde Apple-Hauptquartier in Kalifornien, und der ebenfalls leuchtende Schriftzug WWDC26 lädt zu Spekulationen ein. Die Erfahrung lehrt aber, dass die Bildsprache so abstrakt ist, dass sich selbst rückblickend nicht zwangsläufig Rückschlüsse herstellen lassen.
Als recht wahrscheinlich gilt, dass Apple nach der Erstvorstellung der Apple Intelligence im Jahr 2024 nach zwei Jahren umfassende neue KI-Funktionen auf Basis von Google Gemini [5] plant. Apple selbst hat in der Medienmitteilung bereits erwähnt, dass es KI-Neuigkeiten geben wird. Angesichts der Kooperation mit Google [6] und der Integration des LLM Gemini wird spätestens zur WWDC erwartet, dass die kontextsensitive Siri als echter Chatbot [7] Gestalt annimmt. Sie sollte eigentlich schon in iOS 18 kommen. Außerdem soll laut Gerüchten ein Hauptaugenmerk in diesem Jahr auf Fehlerbehebungen und Optimierungen der Software liegen.
Wie in den Vorjahren haben ausgewählte Entwickler und Studenten die Möglichkeit, am 8. Juni persönlich bei einer Sonderveranstaltung im Apple Park dabei zu sein – die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Bewerbungsfrist für das Losverfahren läuft bis zum 30. März, die Benachrichtigung der ausgewählten Teilnehmer soll am 2. April erfolgen.
Neben den Inhalten richtet Apple auch den Blick auf seinen Entwickler-Nachwuchs: Am 27. März werden die Teilnehmer der diesjährigen Swift Student Challenge über ihren Status informiert. Die Gewinner können sich für einen Platz bei der Vor-Ort-Veranstaltung im Apple Park bewerben. 50 besonders ausgezeichnete „Distinguished Winners“ werden zudem zu einem dreitägigen Aufenthalt in Cupertino eingeladen.
Die Konferenz ist über die Apple Developer App, die Webseite und den Apple-YouTube-Kanal zugänglich.
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[1] https://www.heise.de/thema/Apple
[2] https://www.heise.de/news/iOS-27-Keine-grossen-Veraenderungen-bei-Liquid-Glass-zu-erwarten-11212145.html
[3] https://www.heise.de/news/Tschuess-Core-ML-Apple-plant-neues-KI-Framework-11195252.html
[4] https://www.heise.de/news/KI-Kehrtwende-vollendet-Apple-liefert-bei-Entwicklern-mit-Xcode-26-3-ab-11193628.html
[5] https://www.heise.de/news/Uebersicht-Diese-neuen-KI-Funktionen-koennten-mit-iOS-26-und-27-kommen-11149088.html
[6] https://www.google.com
[7] https://www.heise.de/news/iOS-27-Vor-allem-Fehlerbehebungen-aber-Siri-Chatbot-11169708.html
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
[9] mailto:mki@heise.de
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iPhone 17e im Teardown.
(Bild: iFixIt)
Ein Teardown zeigt, dass sich Teile zwischen iPhone 17e und 16e austauschen lassen. Sogar der MagSafe-Bereich gehört dazu, wenn auch eingeschränkt.
Apples neues iPhone 17e [1] hat viele Komponenten vom Vorgänger 16e [2] geerbt – mit mehreren wichtigen Ausnahmen. Wie der Teardown [3] des Reparaturspezialisten iFixIt zeigt, bedeutet dies, dass sich Bereiche der Geräte untereinander austauschen lassen, was Servicearbeiten erleichtert. Es zeigt allerdings auch, dass sich Apple bei der Entwicklung des neuen Einsteigermodells nicht viel Neues hat einfallen lassen.
Das 17e basiert wie das 16e auf dem iPhone 14 von 2022 [4], hat aber mit dem A19 einen aktuellen Prozessor (aus dem iPhone 17) erhalten. Letzterer ist auch der Hauptunterschied zum 16e – neben einem beschleunigten Apple-Modemchip (C1X statt C1 [5]) und mehr standardmäßig verbautem Flash-Speicher (256 GByte statt 128 GByte). Weiterhin integriert Apple das beim 16e noch weggelassene MagSafe [6]: Beim 17e sind die Lademagnete nun an Bord.
Der iFixIt-Teardown zeigt, dass sich zahlreiche Komponenten zwischen 16e und 17e austauschen lassen. Dazu gehören Display und Glasrückseite und sogar der MagSafe-Teil. Letzterer kann einem 17e entnommen werden, um ihn dann beim 16e einzubauen. Allerdings fehlt dem 16e die notwendige Software etwa zum Anzeigen der Animationen – vermutlich lädt das 16e dann auch nicht so schnell wie das 17e. Auch die Selfie-Kamera ließ sich samt Face-ID-Modul zwischen Geräten austauschen, allerdings gelang es iFixIt nicht, die Gesichtserkennung in Betrieb zu nehmen.
Sogar die Hauptplatine (Logic Board) kann zwischen 16e und 17e ausgetauscht werden, das Gehäuse passt. Der Akku des 17e lässt sich leicht entnehmen – seit dem iPhone 16 geht das mittels Anlegen von Strom [7]. Störend bleibt hingegen die Demontage des USB-C-Anschlusses. Dieses Verschleißteil sitze tief im Gehäuse und verlange den Abbau (zu) vieler Komponenten, kritisiert iFixIt.
Insgesamt gibt es Lob für die Reparierbarkeit: 7 von 10 maximal möglichen Punkten (vorläufige Wertung) wurden erreicht. Apple habe Schwachpunkte des Vorgängers beseitigt. Das bessere Reparaturniveau ist bei einem „e“-Modell (zuvor „SE“) besonders wichtig, da diese oft in Firmen zum Einsatz kommen. Zudem lassen sich vorhandene 16e-Ersatzteile erneut verwenden, falls diese bereits im Bestand sind.
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https://www.heise.de/-11221044
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[1] https://www.heise.de/news/iPhone-17e-Ausstattungsluecke-beseitigt-Preis-bleibt-hoch-11195582.html
[2] https://www.heise.de/tests/iPhone-16e-im-Test-Mehr-iPhone-fuer-Einsteiger-10303222.html
[3] https://www.youtube.com/watch?v=x79Z6VdxLT4
[4] https://www.heise.de/tests/iPhone-14-Pro-und-iPhone-14-im-Test-7265400.html
[5] https://www.heise.de/news/Neue-Apple-Mobilgeraete-Interessante-Kleinigkeiten-zu-iPhone-17e-und-iPad-Air-M4-11196550.html
[6] https://www.heise.de/news/Kein-MagSafe-im-iPhone-16e-Das-sind-die-Gruende-laut-Apple-10301085.html
[7] https://www.heise.de/news/Schneller-Akkutausch-iFixIt-liefert-Stromwerkzeug-fuer-iPhone-16-9975175.html
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KI-Nutzung auf einem Smartphone.
(Bild: Lalaka / Shutterstock.com)
Apple Intelligence gilt als Flop, doch mit dem Hype um Künstliche Intelligenz macht Apple dennoch Cash. Der Grund: Das App-Store-Gebührenmodell.
Nach wie vor hat Apple den großen KI-Konzernen wie OpenAI (ChatGPT), Anthropic (Claude) oder Google (Germini) nicht wirklich viel entgegenzusetzen: Apple Intelligence [1] gilt als technisch unterlegen, solange es keine Cloud-Hilfe der Konkurrenz [2] gibt und die verbesserte Sprachassistentin Siri lässt weiterhin auf sich warten [3]. Dennoch soll Apple allein im Jahr 2025 mit Künstlicher Intelligenz fast eine Milliarde US-Dollar eingenommen haben. Des Rätsels Lösung: Der App Store und sein Provisionsmodell, über den Apple zwischen 15 und 30 Prozent kassiert, sofern Nutzer sein Abrechnungssystem verwenden, was viele aus Bequemlichkeitsgründen tun.
Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Zahlen des Marktforschers AppMagic [4] berichtet, kamen 2025 knapp 900 Millionen Dollar zusammen. Dies soll die Summe sein, die Apps aus dem Bereich generative KI an Apple abgeführt haben.
Der Wert dürfte sich 2026 noch erhöhen – AppMagic schätzt, dass die Milliarde geknackt wird. Dies liegt nicht nur am anhaltenden Hype um solche Apps, die klassische Chatbots, Video- und Bildgeneratoren und zunehmend auch Vibe-Coding-Programme [5] umfassen. Sondern auch daran, dass die KI-Firmen regelmäßig Preise erhöhen und Kunden bereit sind, für eine Nutzung ohne (große) Limits bis zu 200 Euro und mehr im Monat zu entrichten.
Auch die Tatsache, dass Apple bei Abonnements ab dem zweiten Jahr pro Nutzer nur noch 15 Prozent statt 30 Prozent verlangt, soll den Reibach laut AppMagic nicht schmälern. Allerdings ist die Verteilung nicht sehr gesund: Aktuell sollen drei Viertel der KI-Provisionseinnahmen im App Store von OpenAI kommen. Auf Platz zwei folgt Grok von xAI. In einem Monat kommen laut AppMagic bis zu 100 Millionen Dollar zusammen. Allerdings ist das Geschäft teils volatil. So gingen die Downloadzahlen der offiziellen ChatGPT-App zurück.
Charles Rinehart, Investmentchef der Assetmanagementfirma Johnson, die Anteile an Apple hält, sagte dem Wall Street Journal, der iPhone-Konzern könne als eine Art Mautstraße für KI-Anbieter agieren, müsse gleichzeitig aber weniger Kapitalkosten aufwenden. Letztere sind beim Aufbau von KI-Infrastruktur, also für Chips oder Rechenzentren, mittlerweile gigantisch geworden. Große Ausnahme dabei ist Apple, hier haben sich die direkten Investitionen in den letzten Jahren kaum erhöht. KI-Anbieter könnten sich auch entschließen, Abos nur noch über eigene Websites abzuwickeln, zudem erzwingt die Regulierung von Apple [6] geringere Tarife. Allerdings ist ersteres für Nutzer unbequemer, zweiteres dauert lange.
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[1] https://www.heise.de/ratgeber/22-Tipps-zu-iOS-18-4-Apple-Intelligence-auf-iPhones-in-Deutschland-10329236.html
[2] https://www.heise.de/news/Siri-koennte-in-die-Google-Cloud-zu-Apples-Bedingungen-11196314.html
[3] https://www.heise.de/news/iOS-27-Vor-allem-Fehlerbehebungen-aber-Siri-Chatbot-11169708.html
[4] https://www.wsj.com/tech/ai/apple-ai-subscriptions-strategy-7ce4ba7f
[5] https://www.heise.de/news/Apple-blockiert-Updates-fuer-Vibe-Coding-Apps-11216714.html
[6] https://www.heise.de/news/Furcht-vor-Regulierung-Apple-senkt-in-China-freiwillig-die-App-Store-Provision-11210249.html
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(Bild: Dario Lo Presti/Shutterstock.com)
Der Hersteller warnt vor einem Speicherleck und möglicherweise vertauschten Nutzersitzungen in den Sicherheits-Appliances. Admins sollten updaten.
In den Citrix-Produkten „Netscaler ADC“ (Application Delivery Controller) und „Gateway“ behob der Hersteller „Cloud Software Group“ zwei Sicherheitslücken, eine davon mit kritischer Einstufung. Die Fehler waren bei einer internen Überprüfung aufgefallen, Updates sind bereits erschienen. Citrix-Kunden sollten zügig prüfen, ob sie betroffen sind und ihre Appliances aktualisieren.
Die beiden Sicherheitslücken im Einzelnen:
Details muss der geneigte Leser des Citrix-Sicherheitshinweises [1] mit der Lupe suchen, doch gemahnen einige Details an die fatale Sicherheitslücke CitrixBleed 2 [2] aus dem Jahr 2025. Auch diese bestand aus einem Speicherleck, das Angreifer aus der Ferne nutzen konnten, um Zugangstokens abzugreifen. In Verbindung mit der nun zusätzlich gemeldeten Race Condition könnten sie diese gezielt nutzen, um bestimmte Nutzerkonten zu übernehmen.
Admins sollten zügig auf die aktualisierten Versionen updaten:
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https://www.heise.de/-11221756
Links in diesem Artikel:
[1] https://support.citrix.com/support-home/kbsearch/article?articleNumber=CTX696300
[2] https://www.heise.de/news/CitrixBleed-2-Citrix-Netscaler-Luecken-gravierender-10460208.html
[3] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Polizisten im Einsatz zur Zeroday-Bekämpfung. Symbolbild, koloriert und ironisiert.
(Bild: C. Nass / Shutterstock.com / Bearbeitung: heise online)
Wegen der Sicherheitslücke in Windchill und ZeroPLM schickten mehrere Landeskriminalämter Polizeibeamte zu betroffenen Unternehmen. Die sind irritiert.
Die schwere Sicherheitslücke in den Produkten Windchill und FlexPLM rief am Wochenende die Polizei in ganz Deutschland auf den Plan. Auf Veranlassung des Bundeskriminalamts (BKA) rückten bundesweit Polizisten aus, um betroffene Unternehmen zu alarmieren – ein nie dagewesener Vorgang. Die derart um ihr Wochenende gebrachten Admins zeigten sich irritiert – einige nutzen die gefährdete Software nicht einmal.
Als die Redaktion am späten Sonntagvormittag einen Hinweis erhielt, es gebe eine kritische Sicherheitslücke in Windchill und FlexPLM [1], klang das nach einer Routinemeldung: Eine Deserialisierungslücke in Spezialsoftware, obgleich mit CVSS-Höchstwertung von 10 versehen, erzeugt bei heise security keine hektischen Flecken. Ganz anders offenbar beim BKA: Das hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Landeskriminalämter (LKA) in verschiedenen Bundesländern alarmiert, welche nächtens Polizisten zu betroffenen Unternehmen schickten. Wie uns mehrere Leser im Forum meldeten [2], standen zu nachtschlafender Zeit Polizisten vor Firmen- und Privaträumen.
Ihre ungewöhnliche Mission: Die Beamten übergaben verschlafenen Admins eine Kopie des Schreibens, das Hersteller PTC bereits am Vortag an alle Kunden versandt hatte und das die Anleitung zu einem Hotfix enthält. Ein Betroffener berichtet: „Die Polizei stand auch bei uns nachts um halb 4 vor der Tür. Ein Produktionsmitarbeiter hat dann den Geschäftsführer informiert, der mich bzw. einen Kollegen informiert hat.“ Er wundert sich über die Dringlichkeit der Aktion: „Unsere Server sind nur intern erreichbar und können nicht ins WAN kommunizieren. Die Anzahl der zugriffsberechtigten Clients ist auch stark eingeschränkt (anderes VLAN).“
Ein anderer Leser erhielt gegen 2:45 Uhr am Sonntagmorgen einen Anruf, den er als Witz auffasste – bis die Polizei kurz darauf an der Haustür klingelte. Und das obendrein vergebens: Zwar nutze sein Unternehmen PTC-Produkte, doch nicht die von der Sicherheitslücke betroffenen.
Auf unsere Nachfrage bestätigen mehrere Landeskriminalämter das Vorgehen. In einer Stellungnahme schreibt das LKA Thüringen: „Das Bundeskriminalamt übermittelte an das LKA Thüringen eine Liste mit betroffenen Unternehmen mit Sitz in Thüringen. Die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) Thüringen veranlasste daraufhin die persönliche Kontaktaufnahme und versuchte bei Nichtantreffen, den Kontakt telefonisch herzustellen. Ziel war eine möglichst schnelle Sensibilisierung und Einleitung von Schutzmaßnahmen. Die erreichten Unternehmen waren bereits durch die Firma PTC Inc. informiert worden und haben Sicherungsmaßnahmen ergriffen.“ Auch die Landeskriminalämter in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein bestätigten die Einsätze. In Hamburg und Niedersachsen griff man hingegen zum milderen Mittel der Kontaktaufnahme per Telefon und E-Mail – Hausbesuche gab es dort nicht.
Das koordinierte und extrem personalaufwändige Vorgehen – unter der Hand ist von über tausend betroffenen Kunden in Deutschland die Rede – ist sehr ungewöhnlich und in Deutschland bislang einzigartig. Zumal weder die in Deutschland für IT-Sicherheit zuständige Bundesbehörde, das BSI, noch ihr US-Pendant CISA (Cybersecurity & Infrastructure Security Agency) bislang sonderlich lautstark warnen. Das BSI veröffentlichte am Montagmittag einen Hinweis im Warn- und Informationsdienst [3], die CISA schweigt sich aus. In ihrer „Known Exploited Vulnerabilities“-Liste ist der jüngste Eintrag vom 20. März und betrifft Apple-Produkte.
Wir haben das BKA, das BSI und Hersteller PTC um eine Stellungnahme zu diesem sehr ungewöhnlichen Vorgehen gebeten. Während PTC und BKA am frühen Montagnachmittag noch nicht geantwortet hatten, äußerte sich das BSI zurückhaltend. Ein Sprecher teilte uns mit, zu den Bewertungskriterien für Sicherheitslücken „gehören insbesondere die Charakteristika der Schwachstelle selbst, allerdings auch die Verbreitung des Produkts und weitere – ggf. entschärfende – Rahmenbedingungen. Ein entscheidender Punkt ist die Information der Anwenderinnen und Anwender durch den Hersteller selbst. Nach Kenntnis des BSI ist die Information des Herstellers an alle Kundinnen und Kunden erfolgt.“ Zudem habe das BSI KRITIS-Betreiber separat informiert, sagte der Amtssprecher weiter: „Hierin liegt ein Vorteil der Registrierung im BSI auch im Rahmen von NIS2.“
Irritierend ist auch PTCs offizieller Standpunkt, man habe derzeit „keinen Beweis für eine bestätigte Ausnutzung, die PTC-Kunden betrifft“. Denn: Wenige Zeilen unter diesem offenbar zur Kundenberuhigung gedachten Satz nennt PTC sehr konkrete Indicators of Compromise (IoC), darunter die Anwesenheit einer bestimmten Klassendatei (GW.class) auf angegriffenen Systemen. Sei diese Datei auf einem Windchill-Server anzutreffen, weise dies darauf hin, „dass der Angreifer das System erfolgreich waffenfähig gemacht hat, bevor er eine Remote Code Execution (RCE) ausführte“. Schrödingers IoC: Zwar existiert ein Angreifer und es existiert Schadcode auf Zielsystemen – erfolgreiche Angriffe gab es aber nach eigener Aussage nicht.
Auch zu dieser Diskrepanz haben wir PTC um eine Stellungnahme gebeten. Bis zum frühen Montagnachmittag hatte der Hersteller zudem noch keine Patches für die Sicherheitslücke veröffentlicht, auch eine CVE-ID sucht man in den üblichen Datenbanken noch immer vergebens. Diese ist jedoch notwendig, um die Aufnahme in strukturierte Listen, etwa in den CTI-Feeds (Cyber Threat Intelligence) sicherzustellen.
Stellungnahmen weiterer Landeskriminalämter ergänzt.
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[1] https://www.heise.de/news/Zero-Day-erlaubt-Codeausfuehrung-in-WindChill-und-FlexPLM-11220521.html
[2] https://www.heise.de/forum/heise-online/Kommentare/Zero-Day-erlaubt-Codeausfuehrung-in-WindChill-und-FlexPLM/Polizeiaktion-heute-Nacht-um-4-00-Uhr/thread-7929912/#posting_46111538
[3] https://wid.cert-bund.de/portal/wid/securityadvisory?name=WID-SEC-2026-0822
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:cku@heise.de
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(Bild: Artur Szczybylo / Shutterstock.com)
Angreifer können Schwachstellen in VMware Tanz Spring Boot, Framework und Security ausnutzen. Sicherheitspatches stehen zum Download bereit.
Nutzen Angreifer eine „kritische“ Sicherheitslücke im Authentifizierungs- und Zugriffskontroll-Framework VMware Tanzu Spring Security aus, können sie auf eigentlich geschützte Daten zugreifen. Weitere Softwareschwachstellen gefährden Spring Boot und Framework. Bislang gibt es keine Berichte zu Attacken. Sicherheitsupdates schaffen Abhilfe.
Wie aus einer Warnmeldung hervorgeht [1], sind von der „kritischen“ Lücke (CVE-2026-22732) in Spring Security auch nicht mehr im Support befindliche Versionen bedroht. Im Umgang mit HTTP-Headern kann es zu Fehlern kommen, sodass Angreifer unrechtmäßig auf sensible Daten zugreifen können. Dagegen sind den Entwicklern zufolge die Ausgaben 5.7.22, 5.8.24, 6.3.15, 6.4.15, 6.5.9 und 7.0.4 geschützt.
Im Kontext von Spring Boot [2] können Angreifer unter anderem die Authentifizierung umgehen (etwa CVE-2026-22731 „hoch“). An dieser Stelle sind die Versionen 2.7.32, 3.3.18, 3.4.15, 3.5.12 und 4.0.4 repariert. Nach Attacken auf Spring Framework [3] können Informationen leaken (CVE-2026-22737 „mittel“). Die Schwachstelle ist in den Ausgaben 5.3.47, 6.1.26, 6.2.17 und 7.0.6 geschlossen.
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[1] https://spring.io/security/cve-2026-22732
[2] https://spring.io/security/cve-2026-22731
[3] https://spring.io/security/cve-2026-22737
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:des@heise.de
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(Bild: Richard Seidl)
Treffpunkt für Softwaretesterinnen und -tester: Mit Georg Haupt und Christian Kram spricht Richard Seidl über das QS Barcamp in Hamburg.
In dieser Episode spricht Richard Seidl mit Georg Haupt und Christian Kram über das QS Barcamp in Hamburg, das 2026 sein 10-jähriges Jubiläum feiert. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Was ist eigentlich ein Barcamp und warum lohnt es sich, dabei zu sein? Die beiden Gäste sind Teil des Organisationsteams. Sie beschreiben das Barcamp als Treffpunkt für Menschen, die über Softwaretests und Qualitätssicherung diskutieren möchten, unabhängig vom Erfahrungslevel.
Die Folge zeigt, dass sich aus einer lockeren Atmosphäre und offenen Sessions oft spannende Ideen und Netzwerke ergeben. Wer neugierig auf praxisnahe Impulse und Community-Feeling ist, bekommt hier einen lebendigen Einblick.
Christian Kram [2] ist als Trainer und Berater mit den Schwerpunkten Software Testing und Agilität tätig. Seit über zehn Jahren trägt er in verschiedensten Rollen dazu bei, dass Kund:innen die gewünschte Qualität erhalten – seine Erfahrung reicht dabei vom manuellen Tester in der vergleichenden Warenprüfung über den Testmanager im Automobilsektor bis hin zum Abteilungsleiter Test für ERP-Software.
Georg Haupt [3] ist Quality Evangelist und sein Motto lautet: „Aus der Praxis für die Praxis!“ Seine Mission ist es, die Wichtigkeit von Qualität in die Teams zu tragen. Seine berufliche Historie ist sehr spannend und vielfältig, vom Koch zum Test-Guru. Dadurch hat er viele Perspektiven gewonnen, die permanent in seine Arbeit einfließen. Als Test- und Qualitäts-Management-Experte [4] blickt er auf 20 Jahre praktische Erfahrung für sowohl agile als auch klassische Soft- und Hardwaretests zurück.
Bei diesem Format dreht sich alles um Softwarequalität: Ob Testautomatisierung, Qualität in agilen Projekten, Testdaten oder Testteams – Richard Seidl und seine Gäste schauen sich Dinge an, die mehr Qualität in die Softwareentwicklung bringen.
Die aktuelle Ausgabe ist auch auf Richard Seidls Blog verfügbar: „10 Jahre QS Barcamp Hamburg – Georg Haupt, Christian Kram [5]“.
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[1] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[2] https://www.linkedin.com/in/christian-kram/
[3] https://www.linkedin.com/in/georg-haupt
[4] https://www.oose.de/m/georg-haupt
[5] https://www.richard-seidl.com/de/blog/qsbarcamp-2026
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(Bild: Zellij)
Der Terminal-Multiplexer Zellij erscheint in Version 0.44.0 mit nativem Windows-Support, Remote-Sessions über HTTPS und erweiterten CLI-Befehlen.
Der in Rust geschriebene Terminal-Workspace Zellij ist in Version 0.44.0 erschienen. Das Release bringt unter anderem nativen Windows-Support, die Anbindung via HTTPS an entfernte Sessions sowie umfangreiche Erweiterungen der Kommandozeilensteuerung für die Automatisierung.
Wie die Entwickler im offiziellen Blog [1] mitteilen, läuft Zellij nun nativ unter Windows. Der Funktionsumfang entspricht dem der Linux- und macOS-Versionen. Bislang war der Einsatz unter Windows nur über das Windows Subsystem for Linux (WSL) möglich.
Aufbauend auf dem in Version 0.43.0 eingeführten Webserver können Nutzer sich nun direkt aus dem Terminal heraus per HTTPS an eine entfernte Zellij-Session anbinden – ganz ohne Browser. Der Befehl zellij attach https://example.com/my-cool-session genügt dafür. Die Verbindung nutzt den eingebauten Webclient, der sich wie ein Browser gegenüber dem Zellij-Web-Server authentifiziert.
Ergänzend dazu gibt es neuerdings einen Read-Only-Modus für das Session-Sharing. Über zellij watch <session-name> oder im Browser mit einem speziellen Read-Only-Token können Dritte eine Session ausschließlich lesend verfolgen. Solche Tokens lassen sich per zellij web --create-read-only-token oder über das Share-Plug-in (Strg+O, S) erzeugen. Dieses Feature eignet sich besonders für Lehrveranstaltungen, Demonstrationen, Screencasting oder das Streaming, bei denen Zuschauer den Terminalinhalt beobachten, aber nicht eingreifen sollen.
Zellij 0.44.0 hat die Kommandozeilensteuerung erheblich erweitert. Der Befehl zellij run unterstützt im aktuellen Release Flags wie --blocking, --block-until-exit-success und --block-until-exit-failure, mit denen sich Kommandos konditionell verketten lassen. So lässt sich etwa eine Sequenz aus Tests und anschließendem Release-Build abbilden: zellij run --block-until-exit-success -- cargo test && zellij run --blocking -- cargo build --release.
Neue CLI-Aktionen wie zellij action list-panes liefern detaillierte Informationen zu geöffneten Panes mitsamt IDs, Titeln, ausgeführten Befehlen und Koordinaten. Mit zellij action send-keys lassen sich Tasteneingaben an bestimmte Panes senden, zellij action dump-screen gibt den aktuellen Viewport oder den Scrollback-Buffer aus. Über zellij subscribe können externe Tools Echtzeit-Updates aus der Session abonnieren. Hinzu kommen verbesserte Befehle für detach und switch-session sowie die Möglichkeit, Floating Panes atomar ein- und auszublenden. Pane- und Tab-IDs werden nun als Rückgabewerte geliefert, was die Skript-Integration erleichtert.
Der überarbeitete Layout-Manager lässt sich über Strg+O, L aufrufen. Nutzer können Layouts in neuen Tabs öffnen, auf den aktuellen Tab anwenden oder den Zustand eines Tabs als neues Layout aufzeichnen. Der ebenfalls neu gestaltete Session-Manager fasst das Erstellen neuer Sessions, das Anhängen an bestehende und das Wiederherstellen beendeter Sessions in einer einzigen Ansicht mit Fuzzy Finding zusammen.
Darüber hinaus lassen sich Pane-Grenzen neuerdings mit der Maus oder per Strg+Scrollrad verschieben. Dateipfade in Compiler-Ausgaben oder Logdateien erkennt Zellij automatisch und öffnet sie per Klick.
Für Plug-in-Entwickler stellt Version 0.44.0 neue Rust-APIs bereit. Sie ermöglichen unter anderem den Zugriff auf Scrollback-Inhalte anderer Panes, das Hervorheben von Text im Viewport, das Setzen von Pane-Farben sowie das Auslesen von Umgebungsvariablen und das Auslösen von Session-Saves. Da neue UI-Funktionen in Zellij grundsätzlich als Erweiterungen umgesetzt werden, stehen diese APIs auch externen Plug-ins zur Verfügung.
Siehe auch:
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[1] https://zellij.dev/news/remote-sessions-windows-cli/
[2] https://www.heise.de/download/product/zellij?wt_mc=intern.red.download.tickermeldung.ho.link.link
[3] https://www.heise.de/ix
[4] mailto:fo@heise.de
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(Bild: cybrain / Shutterstock.com)
Google übergibt das Multiplayer-Framework für Kubernetes der Cloud Native Computing Foundation.
Die Gaming-Erweiterung für Kubernetes, Agones, kommt zur Cloud Native Computing Foundation (CNCF) und startet dort im Status einer Sandbox.
Laut CNCF-Blog [4] ist das Open-Source-Projekt ein fester Bestandteil der Games-Industrie, der erste offizielle Partner war von Anfang an Ubisoft. 250 Entwicklerinnen und -Entwickler beteiligen sich an Agones, was sich unter dem Dach der CNCF weiter ausbauen soll.
Das von Google 2017 ins Leben gerufene Projekt [5] dient dem Bereitstellen von Multi-Player-Games in der Kubernetes-Welt. Entwicklerinnen und Entwickler brauchen damit eine Anwendung nur einmal zu bauen und können sie überall bereitstellen, wobei sowohl lokale als auch Cloud-Komponenten zum Einsatz kommen können.
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https://www.heise.de/-11220940
Links in diesem Artikel:
[1] https://clc-conference.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283
[2] https://clc-conference.eu/cfp.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283
[3] https://clc-conference.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283
[4] https://www.cncf.io/blog/2026/03/23/agones-moves-to-the-cncf-a-new-era-for-open-source-multiplayer-game-infrastructure/
[5] https://www.heise.de/news/Google-entwickelt-Spiele-Hosting-Erweiterung-fuer-Kubernetes-3994578.html
[6] mailto:who@heise.de
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Bei der Auswahl eines E-Autos gibt es viel zu bedenken und zu prüfen. Taugt eine KI als Recherchepartner für den Kauf? Ja, aber …
Knapp drei Jahre lang haben wir es geschafft, mit unserer fünfköpfigen Familie ohne Auto auszukommen. Eigentlich klappte das sehr gut, denn die Kinder können zur Schule laufen oder nehmen für andere Ziele so wie ich die Straßenbahn – die Haltestelle liegt quasi nebenan – oder fahren mit dem Rad. Doch zuletzt wurde es immer schwieriger, Termine, spontane Verabredungen oder Not- und Unfälle ohne Auto zu bewältigen.
Ein Verbrenner kam nicht mehr infrage, ein Neukauf ebenso wenig. Doch welches gebrauchte E-Auto passt zur Situation? Auf gings in die Recherche, doch schnell wurde deutlich, wie lang es her war, dass das Thema Autokauf zuletzt auf der Tagesordnung stand.
Also begann das Experiment, sich von einer KI beraten zu lassen. Das Nutzungsprofil war klar: Die tägliche Pendelstrecke zur Arbeit ist rund 35 Kilometer lang. Das Auto wird nie voll besetzt sein, und in die Stadt geht es ohnehin nur mit den Öffis. Für längere Strecken gibt es die Bahn. Zu diesen Eckdaten bekam Perplexity, das im Forschungsmodus lief, noch weitere Kriterien: mindestens vier Sitze, Baujahr oder Erstzulassung bis Ende 2022, Preisklasse zwischen 10.000 und 20.000 Euro, hohe Zuverlässigkeit aus Langzeiterfahrungen, kompakt. Zu jedem Vorschlag sollte der Bot die typischen Macken und Nachteile nennen, die beim geforderten oder genannten Modelljahr auftreten können. Das Experiment warf einige interessante allgemeingültige Erkenntnisse für derartige Recherchen ab.
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https://www.heise.de/-11205526
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[1] https://www.heise.de/ratgeber/Wie-ich-mit-KI-Hilfe-ein-Elektroauto-kaufte-und-was-ich-dabei-lernte-11205526.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Elektroautos-Infrastruktur-fuer-mehr-als-400-kW-Ladeleistung-entsteht-11166426.html
[3] https://www.heise.de/tests/Start-Skoda-Enyaq-RS-Dauertest-Wie-es-ein-E-SUV-in-den-Fuhrpark-geschafft-hat-11150037.html
[4] https://www.heise.de/news/Magnetschwebebahn-Verkehrsminister-Schnieder-plant-das-Comeback-auf-Stelzen-11211284.html
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Aus südlichen Anbauländern werden Erdbeeren in die EU transportiert. Transport und Pestizide schaden Klima und Umwelt. Am besten schmecken heimische Früchte.
Der Exportwert von Erdbeeren hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt, auf rund 650 Millionen Dollar, laut ägyptischem Exportverband für Lebensmittel. Der Aufschwung kam in den letzten Jahren, als neue, ertragreiche Sorten nach Ägypten kamen, die besser zum heimischen Klima passen, erklärt Yasser Hammad im Interview [1] mit der ARD.
Der Unternehmer leitet im Nildelta, die fruchtbarsten Region Ägyptens, einen Erdbeeranbaubetrieb. Seine Erdbeeren entsprechen europäischen Marktanforderungen und sind sie deutlich günstiger, weil die Lohnkosten im ägyptischen Erdbeeranbau niedriger sind. Die hohe Nachfrage führt dazu, dass Pflücker oft in zusätzlichen Schichten arbeiten müssen.
In Ägypten ist im Winter Erntezeit, denn im Sommer ist es viel zu heiß. Auch das macht die ägyptischen Erdbeeren so attraktiv für den Export nach Europa. In Deutschland als wichtiger Abnehmer kommen sie in der Regel als Tiefkühlware an.
Nur zehn bis fünfzehn Prozent der in Ägypten kultivierten Erdbeeren werden im Inland verbraucht. Für die Umwelt wäre es besser, wenn ägyptische Erdbeeren von Ägyptern gekauft und verzehrt werden. Für gutsituierte ägyptische Familien ist ein Biohof mit Erdbeeren zum Selber Pflücken ein nettes Ausflugsziel. Doch im Land am Nil bleiben Bio-Erdbeeren die Ausnahme.
Das ägyptische Nildelta gehört zu den am dichtesten bebauten Regionen der Welt. Um die Fläche entlang des Nils konkurrieren Menschen, Industrie und Landwirtschaft. Die einheimische Bevölkerung mit Wasser zu versorgen, wird angesichts der wachsenden Bevölkerung immer schwieriger.
Für den Nahrungsmittelanbau stehen ganze vier Prozent der Landesfläche zur Verfügung. Der Rest des Landes – mehr als 90 Prozent – besteht aus Wüste. Damit Weizen, Zuckerrohr, Obst und Gemüse überhaupt wachsen können, rotieren rund um die Uhr Bewässerungsanlagen, die aus nur drei Quellen gespeist werden. Eine davon ist das Nubische-Sandstein-Aquifersystem.
Der größte natürliche Grundwasserspeicher der Welt befindet sich hundert Meter unter dem Boden. Zahlreiche Pumpstationen sollen das Wasser an die Oberfläche befördern [2]. Mit dem Export von Lebensmittel generiert das Land einige Milliarden US-Dollar. Mit Exportfrüchten wie Erdbeeren wird auch das kostbare Wasser exportiert.
Erdbeeren sind anfällig für Pilzkrankheiten, weshalb sie mit Pestiziden behandelt werden. Zwar regeln verschiedene Vorschriften der ägyptischen Behörden den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Doch oft sind gefährliche Pestizide zugelassen, und es gibt weniger Kontrollen, kritisiert Corinna Hölzel, Pestizidexpertin des BUND.
Sie rät vom Kauf ägyptischen Erdbeeren ab, vor allem wegen der schlechten Klimabilanz. Erdbeeren aus dem Süden werden mit dem Flugzeug in die EU eingeflogen oder mit LKW ins Land gekarrt. Sie müssen so schnell wie möglich nach dem Pflücken gegessen werden, sonst bekommen sie Druckstellen und verderben.
Das bedeutet einen enormen logistischen Aufwand. Mineraldünger und Pestizide, hergestellt aus fossilen Rohstoffen, machen den größten negativen Umweltfaktor aus. Plastikverpackungen belasten die Umwelt zusätzlich.
Bei der Einfuhr in die EU müssen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln unterhalb bestimmter Grenzwerte liegen. Doch die Kontrollen sind nur stichprobenhaft. Wer sie überschreitet, dem drohen keine allzu harten Konsequenzen.
So wurden Ende Januar dieses Jahres an der polnischen Grenze tiefgefrorene Erdbeeren aus Ägypten zurückgewiesen, denn bei Kontrollen waren Rückstände des in der EU verbotenen Pflanzenschutzmittels Oxamyl festgestellt worden. Daraufhin gab das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF [3]) eine Warnung heraus.
Oxamyl [4]ist seit 2023 auf dem europäischen Markt verboten. Dennoch wurde bereits im letzten November in einer anderen Sendung tiefgefrorener Erdbeeren aus Ägypten sowohl Oxamyl als auch Ametocetradin gefunden.
Die polnische Inspektionsbehörde [5] für Landwirtschaft und Lebensmittelqualität hält regelmäßig Lieferungen aus Ägypten wegen Schimmel, Verderb oder dem Nachweis verbotener Pflanzenschutzmittel zurück. Die wiederholten Funde verschärften die Kontrollen der Importe von tiefgefrorenem Obst.
Ägypten war mit mehr als 74 Prozent der Gesamtimporte im vergangenen Jahr der größte Lieferant tiefgefrorener Erdbeeren nach Polen. Allein im letzten Jahr wurden 59.700 Tonnen von dort nach Polen verschifft. Zeitgleich ging die inländische Produktion für die Verarbeitung [6] wegen niedriger Preise erheblich zurück.
2023 untersuchte Öko-Test spanische und ägyptische Erdbeeren [7] – insgesamt 14 Produkte – aus deutschen Discountern. In den bei Norma gekauften "ungenügenden" Erdbeeren wurden gleich sieben Pestizide gefunden.
In zwei als ungenügend bewerteten Produkten steckten gleich mehrere besonders bedenkliche Spritzmittel oberhalb von Spuren-Gehalten. Eines davon war Ethirimol, ein bienentoxisches Fungizid, das in der EU eigentlich verboten ist.
Entweder sei es illegal auf dem spanischen Feld gespritzt worden oder es habe sich zu Bupirimat abgebaut, das als krebserregend eingestuft, heißt es im Bericht. Ähnlich verhalte es sich mit dem Insektizid Cyflumetofen, das in den bei Penny gekauften Erdbeeren gefunden wurde.
In einer Bio-Erdbeeren-Packung wurde Spinosad nachgewiesen. Zwar sei das Mittel im Bio-Anbau unter bestimmten Bedingungen erlaubt, dennoch sei es wegen seiner Giftigkeit für Bienen problematisch.
Nur fünf Produktproben waren frei von Pestiziden, zwei davon wurden mit "gut" bewertet. Auch Erdbeer-Marmelade ist nicht frei von Pestiziden [8], wie Öko-Test im vergangenen Jahr herausfand. Analysiert wurden insgesamt 25 Erdbeer-Fruchtaufstriche, darunter neun Bio-Produkte. Mehr als die Hälfte der Produkte schnitt immerhin mit "sehr gut" oder "gut" ab, darunter waren alle Bio-Produkte.
Über eine Strecke von rund 2.500 Kilometern werden die Beeren per Lkw nach Deutschland transportiert und produzieren somit immense Kohlendioxid-Mengen. Dazu kommt: Um ein einziges Kilo Erdbeeren zu produzieren, werden rund 300 Liter Wasser verbraucht.
Der größte Teil der im oben genannten Test untersuchten Erdbeeren kam aus der andalusischen Provinz Huelva. Dort wachsen die Erdbeeren in riesigen Monokulturen unter Plastikplanen. Später landen große Teile der Folien auf illegalen Müllhalden, in die Umwelt und gelangen in die Nahrungsketten.
Weil das vorhandene Wasser nicht mehr ausreicht, bohren Landwirte immer tiefere Brunnenlöcher – viele davon illegal. Damit graben sie dem nahe gelegenen Nationalpark Coto de Doñana buchstäblich das Wasser ab. Das riesige Feuchtgebiet dient als Rastplatz für rund sechs Millionen Zugvögel auf dem Weg in ihre afrikanischen Winterquartiere.
Auch der Kauf spanischer Bio-Erdbeeren im Frühjahr ist keine Alternative. Zwar sind sind die Bio-Früchte weitestgehend pestizidfrei. Doch auch sie haben lange Transportwege und verbrauchen viel Wasser [9] im Anbau.
Deutsche Früherdbeeren hingegen wachsen nur in energieintensiven Gewächshäusern. Damit belasten sie die Umwelt noch stärker.
Am besten geduldet man sich bis zum Start der deutschen Erdbeersaison Ende Mai: Heimische Erdbeeren enthalten reichlich Vitamin C, Folsäure und Mineralstoffe wie Kalium, Eisen, Magnesium und Kalzium.
Heimische Früchte schmecken besser, weil sie "vollreif" geerntet werden. Auch die Stiftung Warentest empfiehlt heimische Erdbeeren. In Südeuropa angebaute Sorten sind oft auf gute Transportfähigkeit gezüchtet, dafür sind sie weniger aromatisch. Zudem verlieren Importfrüchte mit der Zeit ihre Inhaltsstoffe.
Vor dem Verzehr sollte man die Erdbeeren in einer Schüssel mit kaltem Wasser kurz waschen [10], rät die Stiftung Warentest. Ein harter Wasserstrahl kann die zarten Früchte beschädigen. Erst danach sollte das Grün entfernt werden, sonst dringt Wasser in die Früchte ein. Werden sie vor der Lagerung gewaschen, verderben sie schneller.
Der pro Kopfverbrauch von Erdbeeren [11] lag zuletzt bei 3,3 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Rund 41 Prozent des hiesigen Erdbeerbedarfs können durch heimische Ware gedeckt werden, der Rest wird importiert – davon etwa die Hälfte als Frischware (ohne Verarbeitungsprodukte).
Schätzungsweise rund 100.000 Tonnen Erdbeeren [12] werden jedes Jahr nach Deutschland importiert. Spanien ist für Deutschland laut Statistischem Bundesamt mit über 60 Prozent das wichtigste Lieferland für frische Erdbeeren, gefolgt von Griechenland, den Niederlanden, Israel, Neuseeland und Mexiko. Von November bis März kommen Erdbeeren außerdem aus Ägypten und Marokko.
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[1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/erdbeeren-aegypten-100.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
[2] https://www.wiwo.de/technologie/wirtschaft-von-oben/aegyptens-bluehende-wueste-land-schafft-neue-flaechen-fuer-nahrungsmittel/100160515.html
[3] https://food.ec.europa.eu/food-safety/rasff_en
[4] https://agrolab.com/de/aktuelles/lebensmittel-news/4465-keine-zulassung-fuer-oxamyl-radar-05-23-de.html
[5] https://www.gov.pl/web/ijhars/inspekcja-jakosci-handlowej-artykulow-rolno-spozywczych
[6] https://www.freshplaza.de/article/9814849/gefrorene-erdbeeren-aus-agypten-in-polen-wegen-verbotener-pestizide-zuruckgewiesen/
[7] https://www.oekotest.de/essen-trinken/Frueherdbeeren-im-Test-Schlecht-fuers-Klima-und-oft-mit-Pestiziden-belastet_13722_1.html
[8] https://utopia.de/ratgeber/kritik-fuer-aldi-moevenpick-und-co-oeko-test-findet-pestizide-in-erdbeermarmelade_850459/
[9] https://www.geo.de/wissen/ernaehrung/warum-sie-keine-frueherdbeeren-im-fruehling-kaufen-sollten-33392804.html
[10] https://www.rbb-online.de/supermarkt/zusatzmaterial/2025/aktuell-06-2025/stiftung-warentest-erdbeeren-aus-suedeuropa-nicht-staerker-pestizidbelastet-als-heimische.html
[11] https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/250430_Erdbeeren.html
[12] https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/14558.html
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Statt in neue Gaskraftwerke sollte Deutschland in Batteriespeichersysteme investieren
(Bild: Rotorworx 1/Shutterstock.com)
Deutschland braucht bis 2045 bis zu 600 GWh Batteriespeicher. Doch der Ausbau hinkt hinterher. Wer zahlt am Ende die Zeche für die neuen Gaskraftwerke?
Die Zunahme der Investitionen in Erneuerbare und deren natürlichen Fluktuationen müssen in den Netzen mit Hilfe technischer Maßnahmen aufgefangen werden. Der Zubau von Gaskraftwerken ist der von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche derzeit präferierte Ansatz. Ob sich diese Lösung auf längere Sicht wirtschaftlich darstellen lässt, erscheint bislang jedoch nicht gesichert.
Weder lässt sich absehen, dass sich für die fossilen Kraftwerke genügend Investoren finden, noch gibt es einen Ansatz, wie die für fossiles Gas künftig zu bezahlenden CO2-Abgaben auf die mit Erdgas zu betreibenden Kraftwerke und über den Merit Order Effekt auch auf die übrigen Stromerzeuger auswirken wird.
Auch die Folgen der aktuell geforderten Grüngasquote bei der Gasversorgung und die Beschaffung des Grüngases sind ebenso wenig eingepreist wie die irrlichternde US-Politik, die wohl eine längere Phase der Unsicherheit bei der Versorgung mit Erdgas und den geforderten Preisen mit sich bringen könnte.
Um das deutsche Stromnetz zu stabilisieren, beziehungsweise mit den benötigten Flexibilitäten zu versehen, sollte Deutschland seine installierte Batteriespeicherkapazität von derzeit rund 22 Gigawattstunden (GWh) auf bis zu 600 GWh bis zum Jahre 2045, wenn Deutschland nach bisheriger Planung klimaneutral sein will, erhöhen.
Nur so lassen sich die Stromnetze wirksam entlasten und die Energiewende auch systemstabil umsetzen. Die aktuell immer wieder auftretende Netzüberlastung ist dabei keinesfalls die Folge eines zu schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien, sondern vor allem das Ergebnis eines über viele Jahre hinweg verzögerten Netzausbaus, der mit der Dynamik der Erzeugung nicht Schritt gehalten hat.
Da gleichzeitig die Systemkosten für große Batteriespeicher in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind und langfristig um mehr als 60 Prozent unter dem früheren Niveau liegen könnten, muss die Energiewirtschaft jetzt handeln.
Aus dieser Entwicklung ergibt sich ein erheblicher Investitions- und Infrastrukturbedarf im Energiesystem. Ökologisch als auch ökonomisch sind die Investitionen letztlich nicht nur spannend, sondern auch vielversprechend.
Denn nur mit den Investitionen in große Batteriespeicher kann das Stromnetz stabil bleiben, auch wenn der Stromverbrauch steigt, nicht zuletzt durch Wärmepumpen, die inzwischen 70 Prozent der Heizungen bei Neubauten ausmachen. Hinzu kommt die zunehmende Zahl der Autofahrer, die auf E-Mobile umsteigen, und immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung [3] auf Grundlage veröffentlichter Verbrauchsdaten und Langfristszenarien maßgeblicher Institutionen wie Bundesnetzagentur, BMWK, BDEW, Fraunhofer ISE sowie energieökonomischer Klimaneutralitäts-Szenarien.
Der Bruttostromverbrauch dürfte sich nach verschiedenen Szenarien bis 2045 von derzeit rund 512 Terawattstunden (TWh) auf in der Spitze 1.300 TWh mehr als verdoppeln. Treiber neben der, wenn in Deutschland auch gemächlichen Umstellung auf Elektromobilität, der überwiegenden Nutzung von Wärmepumpen in Neubauten, der verstärkten Elektrifizierung in der Industrie nicht zuletzt die politisch geforderten und unterstützten zusätzlichen Rechenzentrumsleistungen.
Die installierte Batteriespeicherkapazität ist in den vergangenen Jahren zwar dynamisch – von 0,2 GWh im Jahr 2018 auf rund 22 GWh zur Jahresmitte 2025 gewachsen.
Gemessen an den diskutierten Zielpfaden und den bereits seit zwei Jahren stetig wachsenden Phasen, in welchen negative Preise am Strommarkt bezahlt werden, bleibt der Ausbau jedoch deutlich hinter dem notwendigen und zukünftig absehbaren Bedarf zurück.
Batteriespeicher übernehmen dabei zentrale Funktionen, die bisher von zentralen fossilen Großkraftwerken übernommen werden. Sie gleichen kurzfristige Schwankungen aus Wind- und Solarstrom aus, stabilisieren Frequenz und Netzbetrieb und erhöhen die Flexibilität im Gesamtsystem.
Großer Vorteil gegenüber den von Regierungsseite favorisierten Gaskraftwerken ist die schnelle Reaktionsgeschwindigkeit bei Strommangel oder -überschuss.
Die Kombination aus wachsender Systemrelevanz und sinkenden Hardwarepreisen macht Speicherprojekte zugleich wirtschaftlich immer attraktiver.
Neben zusätzlicher Speicherkapazität rückt dabei vor allem die Art des Einsatzes in den Fokus: Die netzdienlichen Anwendungen wie Regelenergie, also der Notfallpuffer des Stromnetzes, Flexibilitätsproblem und netzstabilisierende Dienstleistungen gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil sie Erzeugung, Netz und Verbrauch effizient miteinander ausgleichen.
Regional konzentriert sich der Ausbau derzeit stark auf die westlichen Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Diese vereinen mehr als die Hälfte der installierten Leistung, während der gesamte Speicher-Markt strukturell weiterhin fragmentiert ist, denn ein Großteil entfällt auf dezentrale Klein- und Hausspeicher in Privatbesitz.
Großskalige Batteriespeicherprojekte haben bislang noch einen vergleichsweise geringen Anteil. Nach Einschätzung von Experten wird der beschleunigte Ausbau von Batteriespeichern damit zu einer zentralen infrastrukturellen Aufgabe der kommenden Jahre.
Da die Speicher in wirtschaftlicher Konkurrenz zu den von der Bundesregierung geplanten Gaskraftwerken stehen, ist damit zu rechnen, dass sich die Anschlussbedingungen für netzeingebundene Batteriespeicher [4] künftig deutlich verschlechtern und es für finanzkräftige Stromkunden immer attraktiver wird, sich vom öffentlichen Stromnetz abzukoppeln und auf sogenannte Inselversorgung umzusteigen.
Die Kosten der öffentlichen Stromversorgung wird sich dann im Wesentlichen auf die Kunden verlagern, die diese Möglichkeiten nicht besitzen.
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[1] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Average-battery-cell-price-b.png
[2] https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de
[3] https://cav-partners.de/2026/02/23/deutschland-benoetigt-bis-2045-rund-zu-600-gwh-batteriespeicher-cav-analyse-zeigt-ausbau-nur-mit-verstaerktem-privatem-kapital-realisierbar/
[4] https://www.chip.de/news/haushalt-garten/mehr-kosten-fuer-heimspeicher-sie-treffen-privathaushalte-hart_e9a56872-d072-4f3f-9ffc-f7dc3b0509b7.html
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Das MacBook Neo hat einen Smartphone-Prozessor, fährt aber trotzdem Kreise um Windows-Notebooks mit x86-CPUs: Im Mainstream sind neue Zeiten angebrochen.
Mit dem Start des MacBook Neo bricht eine neue Ära bei Notebooks an: für Apple, weil das Unternehmen ab sofort mit einem 700-Euro-Notebook in neuen Preisregionen nach Kunden fischt. Und für alle anderen Notebookhersteller, weil Apple im hart umkämpften Massenmarkt ein Produkt auf die Beine stellt, das sie so nicht liefern können.
Das liegt daran, dass Apple seine Trümpfe voll ausspielt. Das Neo hat einen aktuellen Prozessor – aber nicht aus der Notebook-, sondern aus der Smartphonewelt. Der Apple A18 Pro debütierte 2024 im iPhone 16 Pro und bekommt jetzt ein zweites Leben im MacBook Neo. Unsere Benchmark-Ergebnisse zeigen, dass Apple bei CPUs für akkubetriebene Geräte jeglicher Art führt: Bei Rechenlast auf einem Einzelkern ist der A18 Pro ebenso flott wie der gezielt für MacBooks entwickelte M3 (Jahrgang 2023) und bei kurzer Last auf allen sechs Kernen immer noch so schnell wie der Achtkerner M1 von 2020. Erst nach minutenlanger Dauerlast zeigen sich Unterschiede.
Das ist bereits beachtlich, doch die volle Dimension wird erst ersichtlich, wenn man aktuelle Notebookprozessoren von AMD, Intel und Qualcomm zum Vergleich heranzieht. Im Cinebench 2024 kommt der A18 Pro auf 140 Punkte bei Last auf einem Kern (Singlethreading); Intels nagelneues 2026er-Flaggschiff Core Ultra X9 385H erzielte bei uns bloß 127 Punkte. Sogar hochgezüchtete Exemplare wie Core Ultra 9 275HX oder Ryzen 9 9955X3D, die Desktop-Baureihen entstammen und ausschließlich in ebenso sündhaft teuren wie schweren Gaming-Notebooks zum Einsatz kommen, kommen gerade einmal auf rund 130 Punkte. Die 2024er-Prozessoren Core Ultra 7 258V und Ryzen AI 7 350 für kompakte Notebooks schaffen je nach System 110 bis 120 Punkte.
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[1] https://www.heise.de/tests/Apple-MacBook-Neo-im-Test-schick-rasant-und-guenstig-11168637.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Verkaufsstopp-bei-Acer-und-Asus-Was-es-mit-dem-Patentstreit-auf-sich-hat-11186102.html
[3] https://www.heise.de/tests/Asus-ZenBook-Duo-mit-Intels-neuem-Core-Ultra-X9-388H-im-Test-11137702.html
[4] https://www.heise.de/tests/Framework-12-im-Test-Reparaturfreundlicher-Laptop-10794860.html
[5] https://www.heise.de/tests/ThinkBook-Plus-G6-Notebook-mit-ausrollbarem-OLED-Bildschirm-im-Test-11081373.html
[6] https://www.heise.de/tests/Framework-Laptop-16-Aufruestbares-Gaming-Notebook-im-Test-10963107.html
[7] https://www.heise.de/tests/Fuenf-guenstige-Office-Notebooks-mit-USB4-im-Test-10634647.html
[8] https://www.heise.de/tests/Lenovo-IdeaPad-Slim-3-mit-24-Stunden-Laufzeit-und-Copilot-im-Test-10539204.html
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