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Störungsmeldung vom 30.05.2026 20:00

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
30.05.2026 20:00
Region
Weißensberg (08389)
Provider
T-Online
Zugangsart
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  • 30. Mai 2026 um 20:00

SpaceX vor Börsengang: Pensionsfonds setzt Musks Firma auf die schwarze Liste

Von Telepolis
SpaceX-Logo auf einer Glasoberfläche, im Hintergrund unscharfe Personen

Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension setzt SpaceX auf eine schwarze Liste wegen Bedenken hinsichtlich der Bewertung und der Machtkonzentration bei Elon Musk.

(Bild: MikeDotta / Shutterstock.com)

Ein dänischer Pensionsfonds hält SpaceX für massiv überbewertet und kritisiert die extreme Machtkonzentration bei Elon Musk vor dem geplanten Börsengang.

Ein Raketenunternehmen, das Rechenzentren im All plant, eine KI-Firma mit Milliardenverlusten geschluckt hat und dessen Chef sich selbst praktisch unabsetzbar macht – und das alles soll 1,8 Billionen Dollar wert sein?

Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension findet: auf keinen Fall.

Wie Reuters jetzt berichtet [1], hat der Fonds mit einem Volumen von 25 Milliarden Dollar SpaceX vor dem geplanten Börsengang auf seine Ausschlussliste gesetzt. Weder am IPO noch am Sekundärmarkt werde man sich beteiligen – nicht einmal über indexierte Portfolios.

Die Begründung hat es in sich: Die Führungsstruktur von SpaceX sei "äußerst mangelhaft", die Bewertung "großzügig übertrieben".

Anleger müssten eine "beispiellos niedrige Risikoprämie" für ein "äußerst unsicheres Unternehmen" akzeptieren, dessen Preisbildung eher von Musks "Erzählungen als von wirtschaftlichen Realitäten" bestimmt werde, erklärte Anders Schelde, Chief Investment Officer des Fonds.

Milliardenverluste hinter der Billionen-Bewertung

Die Zahlen geben den Skeptikern Futter. Laut IPO-Filing [2], über welches Reuters kürzlich berichtete, erwirtschaftete SpaceX im ersten Quartal 4,69 Milliarden Dollar Umsatz – verbuchte aber einen operativen Verlust von 1,94 Milliarden Dollar.

Das einzig profitable Segment ist Starlink mit rund 1,19 Milliarden Dollar operativem Gewinn. Die im Februar übernommene KI-Tochter xAI hingegen riss mit 2,47 Milliarden Dollar operativem Verlust bei gerade einmal 818 Millionen Dollar Umsatz ein gewaltiges Loch in die Bilanz.

AkademikerPension hält nach eigenen Berechnungen eine Bewertung über 1 Billion Dollar für "schwer zu rechtfertigen" – SpaceX peilt mindestens 1,8 Billionen an. Wie heise online berichtete [3], will das Unternehmen beim Börsengang bis zu 80 Milliarden Dollar einsammeln und könnte damit das größte IPO der Geschichte hinlegen.

Der Prospekt verspricht unter anderem KI-Rechenzentren im Orbit mit einem adressierbaren Markt von 28,5 Billionen Dollar. Ein Teil von Musks Vergütung ist an eine Marktkapitalisierung von 7,5 Billionen Dollar und den Aufbau einer Marskolonie mit einer Million Bewohnern geknüpft.

Musk als CEO, CTO und Chairman – und faktisch unabsetzbar

Noch brisanter als die Bewertungsfrage ist für viele institutionelle Investoren die Governance-Struktur.

SpaceX geht mit einem Dual-Class-Modell an die Börse: Öffentlich handelbare Class-A-Aktien erhalten eine Stimme, Musks Class-B-Aktien dagegen zehn Stimmen je Anteil. Damit kontrolliert Musk rund 85 Prozent der Stimmrechte – und das als CEO, CTO und Verwaltungsratsvorsitzender in Personalunion.

SpaceX firmiert im Prospekt ausdrücklich als "controlled company", was das Unternehmen von laut Morningstar bestimmten Governance-Pflichten befreit [4].

"Die extreme Machtkonzentration hindert den Vorstand effektiv daran, eine sinnvolle Aufsicht auszuüben, und macht es unmöglich, Musk gegen seinen Willen abzusetzen", so AkademikerPension.

Der Fonds steht mit seiner Kritik nicht allein. In einem Brief vom 13. Mai [5] äußerten unter anderem CalPERS-Chefin Marcie Frost und New York City Comptroller Mark Levine und New York State Comptroller Thomas DiNapoli "ernsthafte Bedenken" wegen der "extremen Führungsstruktur".

Auch das Board ist eng mit Musks Imperium verflochten [6] – besetzt mit langjährigen Weggefährten aus Tesla-, PayPal- und Venture-Capital-Kreisen.

Signal für europäische Anleger

Für Pensionskassen und Versorgungswerke im deutschsprachigen Raum, die typischerweise strenge Governance-Filter anlegen, dürfte die Entscheidung als Referenz dienen. Dual-Class-Strukturen mit über 80 Prozent Stimmrechtsbündelung bei einer Person wären bei klassischen DAX- oder SMI-IPOs kaum vorstellbar.

AkademikerPension hat in der Vergangenheit bereits Tesla-Aktien wegen Bedenken zu Musks Einfluss verkauft und US-Staatsanleihen abgestoßen.

Bemerkenswert: Schelde betonte laut [7] Bloomberg, man würde "gerne in SpaceX und dessen Technologien investieren" – die Absage sei keine Kritik an der technischen Qualität.

Bei OpenAI dagegen plane der Fonds nach einem möglichen Börsengang eine Aufnahme ins Portfolio. Für SpaceX aber gelte: keine Beteiligung, solange sich an Bewertung und Machtstruktur nichts ändere.


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https://www.heise.de/-11312511

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.reuters.com/legal/transactional/danish-pension-fund-excludes-spacex-citing-governance-valuation-2026-05-29/
  2. https://www.reuters.com/legal/transactional/bound-mars-elon-musks-spacex-unveils-filing-blockbuster-ipo-2026-05-20/
  3. https://www.heise.de/news/SpaceX-plant-Boersengang-wohl-schon-fuer-Mitte-Juni-11295907.html
  4. https://www.morningstar.com/stocks/spacex-ipo-investors-long-list-unfriendly-shareholder-policies
  5. https://www.osc.ny.gov/files/press/pdf/spacex-ipo-letter.pdf
  6. https://www.reuters.com/legal/transactional/ipo-bound-spacexs-board-is-stacked-with-musk-empire-loyalists-2026-05-21/
  7. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-29/danish-pension-fund-blacklists-spacex-citing-governance-issues

Copyright © 2026 Heise Medien

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  • 30. Mai 2026 um 18:00

Der Sozialstaat braucht Nachwuchs – die Moderne nicht

Von Telepolis
Kinder mit Vater im Boot

Bild: Shutterstock.com

Kinder sind heute Privatsache. Doch Renten, Pflege und Krankenversicherung beruhen darauf, dass genügend Menschen trotzdem welche bekommen.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 654.300 Kinder geboren – so wenige wie seit 1946 nicht mehr. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Pressemitteilung vom 28. April 2026 [1] mit. Die Geburtenrate in Deutschland ist demnach zwischen 2021 und 2024 deutlich von 1,58 auf 1,35 Kinder pro Frau gesunken.

Dabei wünschen sich junge Menschen im laut einer Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) [2] vom Sommer vergangenen Jahres deutlich mehr Kinder: Frauen 1,76; Männer 1,74.

Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit hat sich laut Statistiker bei Frauen auf 0,41 verdoppelt. BiB-Forscherin Carmen Friedrich sieht darin einen Hinweis auf aufgeschobene Geburten wegen multipler Krisen.

Ein System aus einer anderen Zeit

Der Geburtenrückgang stellt Fundamente des Sozialstaats infrage. Das bringt nun angesichts der Debatten über Renten, Pflege und die nun sichtbar alternde Gesellschaft ein Artikel der FAZ neu in die Debatte. Den Anfang der Sozialstaats-Neusichtung macht wie so oft Bismarck, der 1885 die Sozialversicherung einführte. Seither gelte das Umlageprinzip: und damit die Formel: Die Jungen finanzieren die Alten.

Worauf der Artikel im Unterschied zu vielen anderen abhebt, ist die veränderte Einstellung zum Kinderkriegen. Zu Zeiten des eisernen Kanzlers Bismarck war Kinderkriegen keine bewusste Entscheidung. Moderne Verhütung, veränderte Lebensmodelle und die Emanzipation der Frau haben das allerdings seither grundlegend verändert, analysieren die Journalisten Patrick Bernau und Anna Sophie Kühne [3] in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Zum ersten Mal in der Geschichte können Menschen in großem Maßstab selbst entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen wollen. Der Sozialstaat aber entstand in einer Welt, in der Familiengründung keine Lebensstilfrage war.

Wer profitiert von wem?

Daraus entsteht ein Gerechtigkeitskonflikt mit zwei gegensätzlichen Perspektiven: Wer Kinder großzieht, investiert Zeit, Geld und Lebensjahre. Von den späteren Steuer- und Beitragszahlern profitieren jedoch auch Kinderlose – der Nachwuchs anderer finanziert schließlich die Renten, Krankenhäuser und Pflegeheime der gesamten Gesellschaft.

Umgekehrt profitieren aber auch, wie der FAZ-Artikel nicht unterschlägt, Eltern auch von Transferleistungen, die Kinderlose mitfinanzieren. Der Staat reagiert mit wachsenden Leistungen: Kindergeld, Elterngeld, Kitaplätze, Ganztagsbetreuung.

Deutschland gab 2022 laut der EU-Statistikbehörde Eurostat [4] 1616 Euro pro Einwohner für Familien aus – fast doppelt so viel wie der EU-Durchschnitt von 830 Euro.

Finanzspritzen verpuffen

Trotzdem sinken die Geburtenzahlen. Laut einer Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen verzichten Menschen auf Kinder, weil sie zu teuer sind, weil sie deren Zukunft unsicher finden – oder weil ihnen Freiheit wichtiger ist.

Geldleistungen zeigen kaum Wirkung, wie Forschung belegt. Nur bei Kinderbetreuung lässt sich ein Effekt nachweisen, schreiben Bernau und Kühne unter Berufung auf eine Studie der Ökonominnen Claudia Olivetti und Barbara Petrongolo von 2017.

Doch auch hier ist das Potenzial in Deutschland ausgeschöpft.

Das eigentliche Problem liege woanders: Frauen haben heute mehr berufliche Möglichkeiten, doch gesellschaftliche Erwartungen bleiben traditionell. Die daraus entstehenden Partnerkonflikte über Aufgaben und Privilegien wiegen schwerer als staatliche Zuschüsse, so die FAZ-Analyse.

Wer trägt die Kosten des Alterns?

Bereits heute kommen auf 100 Erwerbstätige 33 Rentner. Bis 2070 könnte dieser Wert laut der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes [5] vom 11. Dezember 2025 auf 61 steigen – dann käme auf jeden Leistungsempfänger weniger als zwei Beitragszahler.

Es geht längst nicht mehr nur um Renten, sondern um die Frage: Wer trägt die Kosten des Alterns? Die junge Generation? Die Vermögenden? Die Eigentümer von Immobilien? Die Erben? Die Einwanderer?

Die Pflegeversicherung reagiert: Seit Juli 2023 zahlen Eltern je nach Kinderzahl gestaffelte Beiträge, Kinderlose einen Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten, wie das Bundesgesundheitsministerium [6] mitteilt.

Das Rentenpaket 2025, das das Bundeskabinett beschlossen hat, verlängert die Haltelinie beim Rentenniveau bis 2031 und kostet den Bund laut Bundesarbeitsministerium [7] bis dahin rund 25 Milliarden Euro zusätzlich.

Der eigentliche Konflikt

Es entsteht ein Dilemma: Der Staat wird abhängiger von Kindern, während die Entscheidung dagegen immer privater wird, wie der FAZ-Bericht herausstellt.

Die Institutionen stammen aus einer Ära, die Verlässlichkeit und Generationenfolge voraussetzte. Die Moderne belohnt Flexibilität und Selbstverwirklichung.

Als Ausweg schlagen Bernau und Kühne vor, die Abhängigkeit vom Nachwuchs zu verringern: mehr Eigenvorsorge, weniger Verlass auf Sozialkassen. Etwa durch Verwertung von Immobilien vor Inanspruchnahme von Sozialhilfe. Solche Vorschläge gelten in der Debatte schnell als unsozial. Der Unionspolitiker Albert Stegemann nannte sie "Erbenschutzprogramm" – obwohl in vielen Fällen gar keine Erben existieren.

Der Sozialstaat braucht etwas, das die moderne Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich hervorbringt: Nachwuchs. Die Institutionen des 20. Jahrhunderts beruhen auf Voraussetzungen, die in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts immer seltener werden?


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https://www.heise.de/-11312485

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_146_126.html
  2. https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2025/2025-07-30-Geburtenrate-sinkt-aber-gewuenschte-Kinderzahl-bleibt-auf-konstant-hoeherem-Niveau.html
  3. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kinder-und-sozialleistungen-der-staat-braucht-neue-beitragszahler-accg-200880781.html
  4. https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20260513-2
  5. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_446_12.html
  6. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/die-pflegeversicherung/finanzierung
  7. https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2025/kabinett-beschliesst-rentenpaket-2025.html

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  • 30. Mai 2026 um 16:30

Bestäuberkrise: 427.000 Todesfälle durch weniger Obst und Gemüse

Von Telepolis
Ein Insekt sitzt auf einer rosa Blüte.

Bestäuber wie dieser sind entscheidend für die Produktion von Obst und Gemüse, deren Mangel zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

(Bild: Tomasz Klejdysz / Shutterstock.com)

Reiche Länder trifft die Krise am härtesten – nicht wegen Ernteausfällen, sondern wegen Krankheiten durch fehlende Nährstoffe.

Wenn Äpfel kleiner werden und Erdbeeren ihre Form verlieren, denkt niemand an Insekten. Dabei entscheidet sich an Bienen, Hummeln und Schwebfliegen, was auf europäischen Tellern landet – und zu welchem Preis.

Die Bestäuberkrise ist keine Angelegenheit für Naturromantiker. Sie ist eine Versorgungskrise, die Ernten dezimiert, Lebensmittelpreise treibt und laut einer Studie, die in Environmental Health Perspectives veröffentlicht wurde [1], jährlich rund 427.000 Menschenleben kostet.

Wohlstand macht krank, wenn Bestäuber fehlen

Wie die Studie zeigt, trifft dieser Effekt nicht so sehr die armen Länder, die Nahrungsmittel für den Markt produzieren und durch das Fehlen von Bestäubern mit einem Rückgang der Ernte zu kämpfen haben.

Vielmehr sind es die wohlhabenden Länder, in denen der Wegfall gesunder Lebensmittel Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Diabetes und bestimmte Krebsarten begünstigt. Diese Krankheiten sind hier schon die häufigsten Ursachen für Todesfälle, und wenn den Lebensmitteln Mineralstoffe, Vitamine und andere gesunde Inhaltsstoffe fehlen, werden sie zusätzlich begünstigt.

Die Europäische Umweltagentur EEA beziffert den ökonomischen Wert, den Bestäuber allein für die EU-Landwirtschaft erbringen, auf mindestens 5 bis 15 Milliarden Euro pro Jahr [2].

Rund 80 Prozent der europäischen Acker- und Wildpflanzenarten hängen von Insektenbestäubung ab. Äpfel, Tomaten, Mandeln, Sonnenblumen – die Liste der abhängigen Kulturen liest sich wie ein Supermarktregal.

In drei untersuchten Ländern lag der Wert der landwirtschaftlichen Produktion laut der Harvard-Studie zwischen 12 und 31 Prozent niedriger als bei ausreichenden Bestäuberbeständen. Einkommensschwache Länder trifft es bei den Ernteausfällen am härtesten.

Die Dimension des Verlusts

Die Zahlen der EEA zeichnen ein Bild, das über Honigbienen weit hinausgeht. Fast 40 Prozent der europäischen Schwebfliegenarten sind bedroht, 20 Prozent der Schmetterlinge, 9 Prozent der Wildbienen.

Und genau hier liegt ein politisch heikler Punkt: Die öffentliche Debatte kreist fast ausschließlich um die Honigbiene – ein Nutztier, das von Imkern gemanagt wird. Die stillen Verlierer sind Wildbienen, Hummeln, Nachtfalter und Schwebfliegen, die niemand zählt und deren Populationen oft unbemerkt zusammenbrechen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA [3] hat diese Unterscheidung inzwischen in ihre Risikobewertung aufgenommen und bezieht neben Honigbienen ausdrücklich Hummeln und Solitärbienen ein.

Das ist mehr als Taxonomie: Wildbestäuber sind für viele Kulturen effizienter als Honigbienen, weil sie andere Blütenformen bedienen und bei schlechterem Wetter fliegen. Ihr Verlust lässt sich nicht durch zusätzliche Bienenstöcke kompensieren.

Ursachen: Ein Cocktail aus fünf Stressoren

Die Suche nach dem einen Schuldigen führt in die Irre. Die US-Umweltbehörde EPA beschreibt die Lage als komplexes Zusammenspiel mehrerer Stressoren [4]: Parasiten wie die Varroa-Milbe, Krankheitserreger, mangelhafte Ernährung, Pestizide und bei Honigbienen zusätzlich Managementpraktiken mit langen Transportwegen sowie geringe genetische Vielfalt.

Die EEA ergänzt für Europa den Verlust halbnatürlicher Lebensräume als zentralen Treiber. Wo Hecken gerodet, Blühstreifen umgepflügt und Brachflächen versiegelt werden, fehlen Nahrung und Nistplätze. Intensive Forstwirtschaft, invasive Arten und der Klimawandel mit seinen Extremwetterereignissen verschärfen die Lage.

Die University of Reading [5] verweist zudem auf bislang unterschätzte Faktoren: Mikroplastik in Böden, Lichtverschmutzung, die nachtaktive Bestäuber desorientiert, und die Zerstörung von Lebensräumen durch bewaffnete Konflikte.

Pestizide verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit. Die EEA benennt sie ausdrücklich als Faktor, der Bestäuber tötet oder schwächt. Die Debatte um Neonicotinoide hat zwar zu Teilverboten in der EU geführt, doch die Ersatzstoffe sind nicht automatisch ungefährlicher.

Und in der Praxis landen Mischungen verschiedener Wirkstoffe auf den Feldern, deren kombinierte Wirkung auf Insekten kaum erforscht ist.

Technische Gegenwehr zwischen Gentechnik und Robotik

Die Antworten der Forschung bewegen sich auf einem Spektrum zwischen faszinierend und befremdlich.

An einem Ende stehen gezielte Eingriffe in die Bienenernährung: Oxforder Forscher etwa haben eine Ölhefe [6] so umprogrammiert, dass sie exakt die sechs Sterole produziert, die Honigbienen zum Überleben brauchen. Völker mit diesem sterolhaltigen Futter zogen bis zu 15-mal mehr Jungbienen auf als Vergleichsvölker.

Herkömmliches Ersatzfutter ist im Grunde Junkfood für Honigbienen – es fehlen jene Lipide, die Insekten für Zellmembranen und Wachstumshormone benötigen. Doch das Werkzeug ist Gentechnik, und die unterliegt in der EU einer GVO-Verordnung, die solche Anwendungen bisher nicht vorsieht.

Am anderen Ende des Spektrums stehen Maschinen: Chinesische Forscher haben Tomaten- und Sojablüten per Genom-Editierung so umgestaltet, dass Roboter sie bestäuben können [7].

Das Verfahren namens GEAIR – Genome Editing with Artificial-Intelligence-based Robots – löst ein handfestes Problem der Hybridzüchtung, bei der in China die manuelle Bestäubung über 25 Prozent der Kosten verschlingt.

Ob allerdings die Antwort auf ein ökologisches Problem darin liegen sollte, Pflanzen an Maschinen anzupassen statt Lebensräume an Insekten, darf bezweifelt werden.

Die EFSA setzt derweil auf Dateninfrastruktur. Ihr Projekt MUST-B modelliert mit dem Simulationswerkzeug ApisRAM die Wechselwirkungen mehrerer Stressoren auf Bienenvölker. Der EU Pollinator Hub soll Daten aus verschiedensten Quellen zusammenführen und vergleichbar machen. Die dritte Version des Modells wurde 2025 fertiggestellt, während die Operationalisierung des Hubs seither schrittweise vorangetrieben wird.

Politische Stellschrauben und ihre Grenzen

Die EU hat den Handlungsbedarf zumindest auf dem Papier erkannt. Die 2024 verabschiedete Nature Restoration Regulation verpflichtet die Mitgliedstaaten rechtlich, den Rückgang der Bestäuber bis 2030 zu stoppen und umzukehren.

Die überarbeitete EU Pollinators Initiative setzt auf ein standardisiertes EU-weites Monitoring [8], das planmäßig 2026 an den Start geht.. Erstmals würden damit vergleichbare Daten auf Artebene vorliegen – bisher weiß niemand genau, wie viele Wildbienen in Europa überhaupt noch fliegen.

Die EEA empfiehlt eine diversere Agrarlandschaft mit halbnatürlichen Lebensräumen und vielfältigeren Kulturen. Beetle Banks [9] – aufgeworfene Erdwälle inmitten von Feldern, die Nützlingen Überwinterungsquartiere bieten – und Blühstreifen sind erprobte Maßnahmen.

Die Reduktion von Pestiziden gilt als entscheidender Hebel. Doch zwischen Verpflichtung und Umsetzung klafft eine Lücke, die jeder kennt, der die Gemeinsame Agrarpolitik der EU beobachtet: Was Brüssel beschließt, muss auf dem Acker erst ankommen.

Für Verbraucher bleibt die Lage unbefriedigend. Wer regional und saisonal kauft, unterstützt tendenziell kleinteiligere Strukturen mit mehr Bestäuberlebensräumen. Wer Wildblumen im Garten duldet statt englischen Rasen zu pflegen, schafft Nahrungsinseln.

Doch die strukturellen Treiber – Flächenversiegelung, Pestizideinsatz, Habitatverlust – lassen sich nicht am Gartenzaun lösen. Sie erfordern eine Agrarwende, die über Blühstreifen hinausgeht und den Widerspruch zwischen Intensivierung und Biodiversität politisch auflöst.


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https://www.heise.de/-11312477

Links in diesem Artikel:

  1. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36515549/
  2. https://www.eea.europa.eu/en/newsroom/news/reversing-pollinator-decline-why-europe-must-act-now
  3. https://www.efsa.europa.eu/en/topics/insect-pollinator-health
  4. https://www.epa.gov/pollinator-protection/pollinator-health-concerns
  5. https://www.reading.ac.uk/news/2025/Research-News/Bee-wild-report-bees-facing-new-threats-putting-our-survival-and-theirs-at-risk
  6. https://www.heise.de/tp/article/Superfood-fuer-Bienen-Entscheidet-es-ueber-unsere-Ernaehrung-11310195.html
  7. https://www.heise.de/news/Roboter-als-Bestaeuber-Forscher-gestalten-Blueten-fuer-Maschinen-um-10636701.html
  8. https://www.bc-europe.eu/webpage.php?name=eu-pollinator-initiative
  9. https://www.heise.de/tp/article/Beetle-Banks-Die-gruenen-Highways-fuer-Nuetzlinge-auf-dem-Acker-10604536.html

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  • 30. Mai 2026 um 16:20

KI-Agent im Browser: „Let's Build K.I.T.T. With JavaScript“

Von Heise
Futuristischer Weihnachtsbaum

(Bild: Slava Dumchev / Shutterstock.com)

Mit WebAssembly, WebGPU und anderen modernen Browsertechnologien entsteht in diesem Vortrag auf der enterJS ein KI-Agent, der autonome Entscheidungen trifft.

Inspiriert vom intelligenten Auto K.I.T.T. in der TV-Serie Knight Rider aus den 1980er Jahren zeigt Nico Martin eine moderne Adaption im Browser – mit JavaScript.

Der englischsprachige Vortrag auf der enterJS [1] 2025 kombiniert KI-Techniken wie Retrieval-Augmented Generation (RAG) und Function Calling mit fortgeschrittenen Browser-APIs wie WebBluetooth, um einen KI-Agenten zu entwickeln, der Persönlichkeit, Erinnerungsvermögen und autonome Entscheidungsfähigkeiten besitzt. Dabei setzt Nico Martin [2] aktuelle Browsertechnologien wie WebAssembly und WebGPU ein, um einen KI-Agenten zu entwickeln, der komplett offline laufen und den Datenschutz wahren kann.

Nico Martin
Nico Martin

Nico Martin ist autodidaktischer Webentwickler und Google Developer Expert für Webtechnologien sowie KI/ML aus der Schweiz. Kreatives Programmieren und das Ausloten der Grenzen des Browsers waren schon immer seine Leidenschaft. Diese Begeisterung teilt er, wann immer es möglich ist, in Workshops, Artikeln oder Vorträgen.


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https://www.heise.de/-11293527

Links in diesem Artikel:

  1. https://enterjs.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link&LPID=33737
  2. https://enterjs.de/2025/veranstaltung-72611-0-let%27s-build-k.i.t.t.-with-javascript.html?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link&LPID=33737
  3. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  4. mailto:mai@heise.de

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  • 30. Mai 2026 um 09:19

Developer-Häppchen fürs Wochenende – kleinere News der Woche

Von Heise
Mexikanische Häppchen

(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)

Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Red Hat, Dyad, Koog, PyPy, Rust, Google Coralboard, OSSF Scorecards, xaml.io und Kubernetes etcd.

In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • Mit Red Had Desktop veröffentlicht das Open-Source-Unternehmen [1] ein Tool zur Verwaltung von Podman-Containern, ähnlich wie Kubernetes. Damit lassen sich beispielsweise KI-Agenten in abgeschlossenen Sandboxen betreiben.
  • Die Simulationsplattform Dyad 3.0 [2] für die Verfeinerung und Validierung komplexer physikalischer Systeme führt die Unterstützung durch Agenten ein. Sie interpretieren Spezifikationen, werten Testdaten aus oder generieren Modellkandidaten.
  • Koog, das KI-Framework [3] für den Agentenbau in Java und Kotlin, ist in Version 1 veröffentlicht. Es garantiert keine Breaking Changes für alle stabilen Module für ein Jahr. Neu ist die Integration der Android-KI für lokale LiteRT-Module.
Hand hält das Board
Hand hält das Board

Coralboard: Entwicklungsplattform für Edge-KI.

(Bild: Google)

  • Das Synaptics Coralboard von Google [6] dient für die schnelle Prototypenerstellung bei Edge-KI. Es basiert auf einer Coral-NPU zur KI-Beschleunigung und bietet Plug-and-play für Kameras, Displays und Audio. Eine Vernetzung erfolgt über Ethernet-over-USB oder optionale WLAN- und Bluetooth-Module.
  • PyPy 7.3.23 für Python 2.7 und 3.11 ist mit einer Reihe von Bugfixes erschienen. Für Exceptions verwendet PyPy nun Exception Tables statt Opcodes, sodass der Bytecode dem von CPython entspricht. Einfluss auf die Performance hat die Änderung laut Blog-Eintrag nicht [7].
  • Für Rust 1.96 gibt es nun ein Pre-Release [8] zum Testen: RUSTUP_DIST_SERVER=https://dev-static.rust-lang.org rustup update stable. Das Rust-Team diskutiert ferner darüber [9], ob die Test-Releases künftig parallel zur stabilen Toolchain laufen sollen, sodass Tester nicht aus Versehen die Rückkehr in die stabile Umgebung vergessen.
  • Die Open Source Security Foundation hat den Sicherheits-Check Scorecards in Version 5.5 vorgestellt [10]. Die Images liegen jetzt in der GitHub Container Registry, auch die älteren werden vom Team dorthin migriert. Außerdem unterlässt das Tool jetzt Checks in unpassenden Repository-Typen (zum Beispiel GitLab, wenn der Check für GitHub vorgesehen ist). Dafür gibt es im Repo-Interface eine neue Methode [11] Type().
  • Mit xaml.io 0.7 lassen sich jetzt Executables für Linux, macOS und Windows [12] erzeugen. Die Funktion ist noch im Alpha-Stadium, unterstützt aber bereits den Signierprozess für macOS-Pakete. xaml.io ist eine IDE, die im Browser auf WebAssembly läuft, und C# mit XAML für grafische Oberflächen versteht.
  • Beim Ausliefern großer Datenblöcke verwendet die Kubernetes-Datenbank etcd 3.6 jetzt RangeStreams [13], sodass der Abfragende nicht mehr warten muss, bis der komplette Block eingetroffen ist, sondern kann mit Teilen schon weiterarbeiten. Die Streams lassen sich direkt in der Datenbank oder per gRPC mit etcdctl get --stream --prefix foo aufrufen.

Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [14].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11311179

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.redhat.com/en/about/press-releases/red-hat-launches-new-developer-tools-agentic-ai
  2. https://juliahub.com/blog/juliahub-announces-dyad3.0-general-availability
  3. https://blog.jetbrains.com/ai/2026/05/koog-1-0-is-out-stable-core-better-interop-and-multiplatform-observability/
  4. https://www.mastering-gitops.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_clc_gitops.empfehlung-ho.link.link&LPID=34675
  5. https://www.mastering-gitops.de/tickets.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_clc_gitops.empfehlung-ho.link.link&LPID=34675
  6. https://developers.google.com/coral/products
  7. https://pypy.org/posts/2026/05/pypy-v7322-release.html
  8. https://blog.rust-lang.org/inside-rust/2026/05/26/1.96.0-prerelease/
  9. https://github.com/rust-lang/release-team/issues/16
  10. https://github.com/ossf/scorecard/releases/tag/v5.5.0
  11. https://github.com/ossf/scorecard/pull/5000
  12. https://blog.xaml.io/post/publish-native-desktop-apps/
  13. https://kubernetes.io/blog/2026/05/20/etcd-370-beta/
  14. mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer-H%C3%A4ppchen
  15. mailto:who@ix.de

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  • 30. Mai 2026 um 09:15

Enhanced Broadcasting: Twitch will gleichzeitig Hoch- und Querformat streamen

Von Peter Steinlechner
Die Streaming-Plattform Twitch reagiert auf den Mobile-Trend und ermöglicht künftig parallele Videostreams für Smartphones und Desktop-Nutzer.
Twitch (Bild: Twitch)
Twitch Bild: Twitch

Der zu Amazon gehörende Streamingdienst Twitch hat auf der Twitchcon Europe in Rotterdam weitreichende Neuerungen angekündigt. Im Mittelpunkt steht das sogenannte Dual Format Streaming. Ab Juni 2026 sollen Creator ihre Inhalte gleichzeitig im klassischen Breitbild und in einer vertikalen Ansicht übertragen können.

Mobile Nutzer erhalten auf dem Smartphone damit automatisch eine bildfüllende Darstellung, während Zuschauer am PC die gewohnte 16:9-Optik sehen.

Für Twitch ist das ein wichtiger Schritt: Die Plattform nähert sich damit Sehgewohnheiten an, die viele Nutzer bereits von Tiktok, Instagram Reels oder Youtube Shorts kennen, ohne das klassische Desktop-Erlebnis aufzugeben.

Bei der technischen Umsetzung setzt Twitch laut Firmenblog auf Enhanced Broadcasting. Dabei werden clientseitig mehrere Varianten eines Streams encodiert.

Spezielle Hardware wie Open-Gate-Kameras ist nach aktuellem Stand nicht Voraussetzung; solche Kameras könnten durch ihr größeres Sensorbild die parallele Produktion für Hoch- und Querformat aber erleichtern.

Twitch will zudem serverseitiges Transcoding für Partner und viele Affiliates ergänzen, um die zusätzliche Belastung für manche Systeme zu reduzieren.

Parallel dazu erweitert Twitch die Unterstützung für 2K-Auflösung mit 1.440p. Die höhere Bildqualität soll im Juni für alle Partner und Affiliates verfügbar werden. Zugleich hebt Twitch die Bitraten an: Für 1.440p nennt das Unternehmen bis zu 9 Mbit/s, für 1080p bis zu 7,5 Mbit/s.

Automatisch generierte Zusammenfassungen

Bei den Zuschauerfunktionen setzt die Plattform stärker auf Automatisierung. Neue Stream Summaries sollen laufende Live-Übertragungen kurz zusammenfassen, damit später hinzukommende Zuschauer schneller verstehen, was sie verpasst haben.

Ergänzend generieren die neuen Auto Clips selbstständig Highlights aus Streams. Twitch berücksichtigt dabei unter anderem Chat-Aktivität, Stimme und Ereignisse auf dem Bildschirm. Die Clips sollen automatisch mit Untertiteln versehen werden können, um sie leichter auf Twitch und anderen Plattformen zu teilen.

Für Creator kündigte Twitch zudem neue Möglichkeiten zur Vermarktung und Zuschauerbindung an. Dazu gehören zusätzliche Sponsoring-Optionen, neue Belohnungssysteme sowie weitere Werkzeuge rund um Clips, Promotions und Community-Funktionen.

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  • 30. Mai 2026 um 15:08

Infrastruktur: Karte zeigt Daseinsvorsorge in deutschen Gemeinden

Von Mario Petzold
Eine detaillierte Auswertung der Infrastruktur – von Mobilfunkabdeckung bis zum Zustand der Brücken – für alle deutschen Gemeinden liefert teils unerwartete Ergebnisse.
Die Karte zeigt den Zustand der Infrastruktur von sehr gut (blau) bis sehr schlecht (rot). (Bild: BKG)
Die Karte zeigt den Zustand der Infrastruktur von sehr gut (blau) bis sehr schlecht (rot). Bild: BKG

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat für alle 11.000 Gemeinden in Deutschland wichtige Eckpunkte der Daseinsvorsorge ausgewertet. Aus den fünf Punkten Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung ergab sich eine Rangliste, die sämtliche Städte und Dörfer nach der grundlegenden Infrastruktur bewertet.

Nicht ganz überraschend gehen die ersten fünf Plätze nach Süddeutschland, genauer nach Haar bei München, dreimal ins Rhein-Main-Gebiet und nach Memmingen. Dann folgen allerdings Berlin und Radebeul bei Dresden.

Im Bereich Digitales, der sich auf Auswertungen der Mobilfunkabdeckung und der Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen der Bundesnetzagentur stützt, wurden 345 erste Plätze vergeben. Die Kleinstadt Barmstedt bei Hamburg bietet demnach die beste Kombination aus digitaler Verfügbarkeit und anderen notwendigen Einrichtungen.

Kein Ost-West-Gefälle erkennbar

Die Autoren der Analyse kommen zu dem Schluss, dass der Zustand der Infrastruktur – von vorhandenen Ärzten bis zum Nahverkehr, von Freizeiteinrichtungen bis zum Handynetz – kaum großflächige Unterschiede erkennen lässt. Vor allem sei kein Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland erkennbar. Stattdessen sieht die Karte, auf der sich Nutzer durch sämtliche Gemeinden klicken können, wie ein Flickenteppich aus.

Wobei vor allem im ländlichen Raum, besonders in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Rheinland-Pfalz und Bayern, viele Orte Defizite aufweisen. Von den Bundesländern schneidet das größtenteils städtisch geprägte Nordrhein-Westfalen am besten ab. Generell sind Städte und Dörfer im Umkreis großer Städte überdurchschnittlich gut bewertet.

Daten allein genügen nicht

Eine in Kombination mit der Analyse durchgeführte Befragung zeigt darüber hinaus, dass das objektive Vorhandensein öffentlicher Einrichtung allein nicht genügt. Denn Menschen nehmen den Zustand der lokalen Infrastruktur unterschiedlich wahr.

Ältere bewerten ihn besser als Jüngere; Frauen sind kritischer als Männer. Am auffälligsten ist jedoch die Abweichung zwischen Wahrnehmung und tatsächlichem Zustand bei AfD-Wählern. Diese beurteilen ihre Daseinsvorsorge doppelt so oft kritisch wie der Durchschnitt aller Befragten.

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  • 30. Mai 2026 um 14:00

Anzeige: Lexar EQ790 2TB NVMe SSD zum Bestpreis bei Amazon

Von Vedat Friedrich Bayramogullari
Die Lexar EQ790 2TB NVMe SSD inklusive Kühlkörper bietet hohe Geschwindigkeiten für PCs und die PS5. Bei Amazon gibt es den Speicher zum Bestpreis.
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Wer die Ladezeiten seines PCs verkürzen oder den Speicher der Playstation 5 erweitern möchte, kommt an einer schnellen NVMe SSD kaum vorbei. Amazon bietet mit der Lexar EQ790 in der 2-Terabyte-Ausführung aktuell ein besonders leistungsstarkes Modell an. Der Speicherriegel kombiniert hohe Übertragungsraten mit einem integrierten Kühlkörper und eignet sich somit optimal für anspruchsvolle Gaming-Setups.

Hohe Geschwindigkeiten und PS5-Kompatibilität

Das technische Fundament der SSD bildet die PCIe-Gen-4x4-Schnittstelle. Diese ermöglicht Lesegeschwindigkeiten von bis zu 7.000 Megabyte pro Sekunde, während beim Schreiben bis zu 5.000 Megabyte pro Sekunde erreicht werden. Solche immense Datenraten erzeugen zwangsläufig Abwärme. Um Leistungseinbrüche durch Überhitzung (Thermal Throttling) bei langen Gaming-Sessions zu vermeiden, ist das hier angebotene Laufwerk ab Werk mit einem sogenannten Heatsink ausgestattet. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da Lexar die Modellreihe auch in Versionen ohne diesen Kühlkörper anbietet. Dank der vormontierten Kühlrippen erfüllt die Hardware direkt aus der Verpackung die strengen Vorgaben von Sony. Sie lässt sich somit völlig problemlos für die Speichererweiterung in einer Playstation 5 nutzen, ohne dass ein separater Kühler mühsam nachgerüstet werden muss.

Effiziente Technologie ohne DRAM

Anstelle eines teuren DRAM-Caches setzt der Hersteller auf HMB 3.0 (Host Memory Buffer) und einen dynamischen SLC-Cache. Diese Kombination gewährleistet eine optimierte Performance bei gleichzeitiger Reduzierung des Stromverbrauchs um bis zu 40 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen DRAM-Laufwerken der vierten Generation. Die Kapazität von 2 Terabyte bietet derweil ausreichend Platz für das Betriebssystem, diverse Anwendungsprogramme und mehrere große AAA-Spiele.

Speicher-Upgrade zum Amazon-Bestpreis

Leistungsstarke PCIe-4.0-Laufwerke mit werksseitiger Kühlung erfordern meist ein höheres Budget. Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für das vorliegende Modell liegt bei 249,99 Euro. Ein Blick auf die Daten des Analysetools Keepa verrät, dass der Preis bei Amazon in letzter Zeit sehr stabil auf diesem Niveau lag und zeitweise sogar leicht darüber. Gegenwärtig hat der Onlinehändler die Kosten für die Lexar EQ790 2TB SSD

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jedoch deutlich reduziert, so dass an der digitalen Kasse nur noch 212,49 Euro fällig werden. Das entspricht einer Ersparnis von fast 40 Euro und markiert den derzeitigen Bestpreis bei dem Versandhändler. Interessenten sollten bei Bedarf allerdings zeitnah zugreifen, da diese Rabattaktion planmäßig am 7. Juni 2026 endet.

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249,99 €, jetzt: 212,49 € (-15%) bei amazon Zum Angebot

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Praxistest: Das sagen Nutzer zur Performance

Die Herstellerversprechen spiegeln sich deutlich in den Rückmeldungen der Käuferschaft wider. Bei über 200 abgegebenen Bewertungen auf Amazon erzielt der Speicher einen sehr starken Schnitt von 4,6 von 5 Sternen. Anwender heben in ihren Erfahrungsberichten primär den massiv beschleunigten Windows-Start sowie die drastisch verkürzten Ladezeiten bei großen Titeln hervor. Auch die schnelle Erkennung und die reibungslose Installation – insbesondere in der PS5 – sammeln Pluspunkte. Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Kapazitäten: Der Hersteller bietet die SSD auch in einer Variante mit 1 Terabyte

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(zum Normalpreis von 169,99 Euro) sowie als großes Modell mit 4 Terabyte
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(für regulär 469,99 Euro) an. Die hier rabattierte 2-Terabyte-Version stellt aktuell jedoch den optimalen Kompromiss dar. Sie bietet ausreichend Platz für eine Vielzahl großer Spiele und ist dank des Preisnachlasses nicht zu teuer. Wer gezielt in maximale Performance und kurze Ladezeiten investieren möchte, erhält mit der Lexar NVMe 2TB SSD
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eine erstklassige Lösung.

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  • 30. Mai 2026 um 13:40

Shakespeare und London: Als das Theater zur Massenkultur wurde

Von Telepolis
Schauspieler auf einer Holzbühne

Ein Stück wird im rekonstruierten Globe Theater in London aufgeführt

(Bild: Barbara Ash/Shutterstock.com)

Ein Mann, über den nicht allzu viel bekannt ist, prägte das moderne Theater wie kein anderer. Ein Blick auf das elisabethanische Zeitalter (Teil 5 von 5).

"Totus mundus agit histrionem" hieß das Leitmotiv des Shakespearschen Globe-Theaters. Der Globus stand für den Anspruch der Bühne, die Welt im Kleinen abzubilden. Eine Weltkugel hält auch Elisabeth I. [1] auf ihrem Krönungsporträt in ihrer linken Hand.

Seit dem Jahre 1583 hatte die Königin ihre eigene Theatergruppe, die Queen Elizabeth’s Men. Shakespeare gehörte einer anderen Kompanie an, den Lord Chamberlain’s Men, die es 1603 schafften, zu den King’s Men König Jakobs I. (James I.) zu werden und damit die Protektion des ersten Königs aus dem Hause Stuart zu genießen. Shakespeare war deren Autor, Schauspieler und Anteilseigner.

Die Theaterleute hatten zu Zeiten Elisabeths I. gar keine andere Wahl, als sich einem hohen Adligen anzuvertrauen. Seit dem 1572 erlassenen Vagabunden-Gesetz der Königin, wären sie sonst als Bettler, Landstreicher und Kriminelle behandelt worden.

Das Theater erobert London

London – in nur einer Stadt für wenige Jahrzehnte blühte das Theater in elisabethanischer Zeit (1558–1603) mit einer Fortsetzung unter König Jakob I. (1603–1625).

Vorangegangene Teile der Reihe:

Und doch hat es bleibenden Eindruck hinterlassen: Ein venezianischer Botschaftsmitarbeiter zeigte sich erstaunt, wie viele Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten das ganze Jahr über in verschiedenen Bezirken Londons Theater besuchten und sich dabei so bunt anzogen, als seien sie selbst Schauspieler. Nirgendwo in Europa gab es mehr Theater zu sehen als in der englischen Metropole an der Themse.

Natürlich fanden auch in der Provinz in den Schlössern des Hochadels, an den Universitäten Cambridge und Oxford, in Gasthäusern, in den Häusern reicher Bürger und an Schulen ja sogar auf Schiffen an Bord eines Indienseglers theatralische Aufführungen statt. Aber diese hatten nicht die Qualität der Londoner Spektakel.

In der Hauptstadt mimten die Starschauspieler Stücke der besten Autoren. Das ist umso erstaunlicher, als das Theater nicht wie heute eine staatlich anerkannte und alimentierte Kultureinrichtung war, sondern bestenfalls geduldet am Rande der Stadt gegen geistliche Angriffe und puritanische Kritik antreten musste.

Dieses Theater spielte auf eigenes Risiko, existierte auf eigene Kosten und war vollständig privatwirtschaftlich aufgestellt. Hochadlige Patrone gaben ihre Namen, um die Kompanien vor ihren übermächtigen Gegnern zu schützen.

In Nachbarschaft von Bordellen, Kneipen und Tierhatzarenen

Die Lage knapp jenseits der Stadtgrenze außerhalb der städtischen Gerichtsbarkeit half sich den Eingriffen der Londoner Magistrate zu entziehen. Die meisten Theater befanden sich südlich der City von London auf dem anderen Ufer der Themse im Vergnügungsviertel im Gebotsbereich des Surreyer Friedensrichters und des Bischofs von Winchester.

Altes Bild von London, Panoramadruck
London im Jahr 1638
(Bild: Yale Center for British Art/Commons [2])

Die leichten Mädchen dieses Gebiets hießen deshalb beim Volke "Winchestergänse". In diesem Milieu musste sich das Theater behaupten. Das Ziel bestand in der vergnüglichen Unterhaltung des Publikums, in dem arm und reich, hoch und niedrig, männlich und weiblich vertreten war: nur die puritanische, bürgerliche, in London herrschende Mittelschicht fehlte weitgehend.

Vorbild Antike

Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederentdeckung des Theaters bildete die Renaissance. An den städtischen Gymnasien Englands, den grammar schools wurde Latein gepaukt: Grammatik und Rhetorik sechs Tage die Woche, neun bis elf Stunden täglich – Wow! Gelesen und geübt wurden unter anderem die Dichter Vergil, Horaz und Ovid, die Historiker Sallust und Caesar und natürlich Cicero.

Die Unterrichtssprache war Latein. Die Lehrer waren qualifizierte Fachleute, Magister aus den Universitäten mit Diplom. Schüler im England des 16./17. Jahrhunderts verbrachten etwa doppelt so viel Zeit in der Schule wie heutige. Mit 15/16 Jahren hatten es die jungen Engländer überstanden – schools out ohne Abschlussprüfung.

Humanistische Bildung bildete den Grundstock für das Wissen der Stückeschreiber. Der gebildete Engländer wusste über die römische Geschichte besser Bescheid als über die englische. Nicht zufällig befinden sich unter Shakespeares Werken zahlreiche Stücke mit antiken Themen: z.B. die Tragödien Titus Andronicus, Julius Caesar, Antonius und Kleopatra, Coriolanus, Timon von Athen oder die Komödien Troilus und Cressida, Cymbeline und Perikles, Fürst von Tyrus.

Aus der englischen hochmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte entnahm er die Stoffe für sieben Historien: von König Johann (ohne Land) bis König Heinrich VIII.

Ein Mann aus Stratford

Altenglisches Haus
Shakespeares Geburtshaus in Stratford
(Bild: ianpudsey/CC-3.0 [3]/Commons [4])

William Shakespeare wurde am 26. April 1564 als Gulielmus filius des Johannes Shakespere in der Pfarrkirche der Kleinstadt Stratford getauft. Der Eintrag im örtlichen Kirchenbuch zeigt noch einmal die Bedeutung der lateinischen Sprache im normalen Leben der Zeit. Er dürfte nur wenige Tage zuvor geboren worden sein. Den genauen Geburtstag kennen wir nicht.

William überlebte als ältester Sohn seiner Eltern. Er hatte vier jüngere Geschwister. Ob er in der grammar school seines Heimatortes mit guten Leitungen glänzte, wissen wir nicht. Sein jüngerer Kollege Ben Johnson, der wohl etwas neidisch war, äußerte über Shakespeare "wenig Latein und noch weniger Griechisch" (small Latin and less Greek).

Wir hören erst wieder anlässlich seiner Hochzeit von ihm: Er heiratete am 27. November 1582 mit 18 Jahren die acht Jahre ältere Anne Hathaway (nicht mit der gleichnamigen amerikanischen Schauspielerin verwechseln). Interessant ist, wie sein Name dabei geschrieben wurde: Willelmum Shaxpere und einen Tag später: Willm Shagspere. Anne, die versehentlich als Anne Whateley ins Heiratsregister eingetragen wurde, war schwanger.

Im Mai des folgenden Jahres gebar sie eine Tochter: Susanna, daughter to William Shakespeare. Zwei Jahre darauf, am 2. Februar 1585, kamen noch Zwillinge dazu. Dann schweigen die Quellen erneut für sieben Jahre bis 1592.

Der große Auftritt im Theater

Als Shakespeare Ende 1592 wieder aus dem Dunkel der Überlieferung auftaucht, ist er als Theatermann etabliert. Ein heute zurecht vergessener Neider äußerte sich sehr negativ über William, den Bühnenerschütterer, hier als Skake-scene bezeichnet: er sei eine hochgekommene Krähe, der nicht zu trauen sei und die sich mit fremden Federn schmücke. Diese Kritik hat nur Sinn, wenn sie sich auf einen bekannten Autor bezieht, der auch ohne direkte Namensnennung zu erkennen ist.

Shakespeare hatte Anfang der 90er bereits Einiges geschrieben: das Historienstück in drei Teilen Heinrich VI., die Komödien Zwei Herren aus Verona und Der Widerspenstigen Zähmung, dazu die Versdichtungen Venus und Adonis und Die Schändung der Lukrezia.

Erfolge und Ende

Der Erfolg verließ ihn seitdem nicht mehr. Als Kings Men Jakobs I. trat er mit seinem Ensemble am Königshof auf. Bei Empfängen für ausländische Gesandtschaften trat er als königlicher Kammerdiener in Erscheinung.

Er verdiente genügend Geld, um es vor allem in Stratford und London in Land und Häusern anzulegen. Als 1599 das Globe-Theater und 1608 das Blackfriars erbaut wurden, stieg er zum Teilhaber und Mitbesitzer auf. Im Oktober 1596 – 1599 erneuert – wurde er Gentleman mit dem Recht eines eigenen Wappens. Von nun an gehörte er zur Gentry und seine Familie genoss Reputation und Kredit.

Seine literarische Produktion erreichte einen Höhepunkt. Und doch gab es auch Rückschläge. Todesfälle und Staatskrisen hinterließen ihre Spuren: Im August 1596 starb sein einziger Sohn Hamnet mit elf Jahren, 1601 sein Vater, 1603 Königin Elisabeth und 1608 seine Mutter. Wegen des kläglich gescheiterten Umsturzversuches des Grafen Essex Anfang 1601 gerieten Shakespeare und seine Kompanie in den Fokus des Geheimdienstes. Die Gefahr ging vorüber. Aber seine Stücke wurden pessimistischer und düsterer.

Handschriftlicher Text auf Pergament
Shakespeares Testament
(Bild: Commons [5])

Im Jahre 1610 zog er sich aus London zurück und lebte fortan wieder in seinem Geburtsort. Seine Stückeproduktion ließ nach. Die ohnehin schon spärlichen Quellen versiegen erneut. Das Globe-Theater brannte am 29. Juni 1613 ab. Wiederaufgebaut, wurde es bis 1642 bespielt. Dann schlossen die Puritaner – streng lustfeindliche und spaßbefreite Reformierte – alle Theater und die hohe Zeit des englischen Schauspiels war endgültig vorbei.

Das allerdings erlebte William nicht mehr. Er starb bereits am 23. April 1616 an seinem erschlossenen Geburtstag mit gerade einmal 52 Jahren. Ob dafür eine aus dem Ruder gelaufene Feier verantwortlich war, ist nur anekdotisch belegt. Er soll zusammen mit dem Kollegen Ben Johnson übermäßig gezecht und dass in der Folge mit dem Leben bezahlt haben.

Das Gespenst des Kommunismus, ein alter Maulwurf und eine universelle Hure

Karl Marx war ein großer Fan Shakespeares. Das Gespenst des Kommunismus, das 1848 in Europa umging, spielte auf den Geist von Hamlets Vater an, der in Dänemark, wo etwas faul ist, herumgeisterte, um Mord und Thronraub ans Licht zu bringen. Und die Revolution, die Marx erhoffte, unterwühlte, wie ein Maulwurf, die bonapartistische Herrschaft Napoleons III. in Frankreich. Im brav wühlenden Maulwurf erkannte Hamlet wiederum den Geist seines ermordeten Vaters.

Shakespeares fand in der Interpretation von Marx seinen historischen Platz in der Epoche des aufsteigenden Manufaktur- und Handelskapitalismus, der Verbürgerlichung des feudalen Grundbesitzes, für die William ein Paradebeispiel war, und am Beginn der kolonialen Expansion. Aus Shakespeares Tragödie Timon von Athen bezog Marx die Metapher von der "universellen Hure Geld", die der Beschreibung der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals, welche der Entstehung des Kapitalismus vorhergeht, diente.

Literatur:

  • Hans-Dieter Gelfert, William Shakespeare in seiner Zeit (2014)
  • Ulrich Suerbaum, Das elisabethanische Zeitalter (2014)
  • Ulrich Suerbaum, Der Shakespeare-Führer (3. Auflage, 2015)

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  3. https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de
  4. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shakespeare%27s_birthplace_Stratford_-_upon_-_Avon_-_panoramio.jpg
  5. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shakespeare-Testament.jpg

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  • 30. Mai 2026 um 08:00

Digitalisieren und Restaurieren: So retten Sie alte Fotos & Filme | c’t uplink

Von Heise

Welche Soft- und Hardware hilft dabei, Medien zu digitalisieren? Ist KI hier nützlich oder eher nervig? Im Podcast diskutieren wir, wie man alte Schätze rettet.

Verstaubte Kartons mit Dias, Filmrollen und VHS-Kassetten lagern auf so manchem Dachboden. Sie bergen Erinnerungen an Silberne Hochzeiten, Familienurlaube und Kindheiten – und werden mit der Zeit nicht besser. Doch wie rettet man diese Schätze?

Im c’t uplink sprechen wir darüber, wo man am besten anfängt und welche Werkzeuge dabei helfen können. Die c’t-Redakteurinnen Ulrike Kuhlmann und Greta Friedrich und der c’t-Redakteur André Kramer diskutieren, ob man sich selbst an diese Aufgabe wagen oder doch lieber einen Dienstleister beauftragen sollte.

Ulrike Kuhlmann hat sich für die c’t-Ausgabe 10/2026 mit der Digitalisierung von Filmen befasst. „Die erste Hürde ist, ein Abspielgerät zu organisieren. Da kann man im Bekanntenkreis fragen oder bei Ebay gucken, es gibt aber auch Verleiher“, erzählt Ulrike. Um das Video zu digitalisieren, brauche es außerdem einen Videograbber, bevor es dann mit der passenden Software ans Bearbeiten gehe.

Bei KI immer genau hinschauen

André Kramer hat für die Artikelstrecke sechs KI-Werkzeuge getestet, die dabei helfen sollen, digitalisierte Fotos zu restaurieren: „Früher musste man teure Software kaufen, heute kann man sie monatsweise abonnieren und teils kostenlos nutzen – das macht den Einstieg sehr viel niedrigschwelliger.“ Einige der getesteten Dienste richten sich an Profis, andere an Endnutzer, entsprechend unterschiedlich seien ihre Ergebnisse.

Faszinierend waren die Resultate, die mithilfe solcher KI-Tools entstanden. Hier sahen Fotos aus dem frühen 20. Jahrhundert plötzlich aus wie mit dem Smartphone geschossen – doch es schlichen sich auch etliche Fehler und Ungereimtheiten ein. „Wenn die erste Begeisterung abflaut, sieht man plötzlich: Moment, das Hemd ist ein anderes, die Schuhe auch und der Hund hat einfach die Rasse gewechselt“, erzählt André. „Meine Erkenntnis war, dass man sich das Resultat schon sehr, sehr genau angucken sollte.“

Und wohin nun mit all den Dateien, die beim Digitalisieren entstehen? Ulrike empfiehlt: „Wenn man viel Arbeit in die Digitalisierung und Bearbeitung investiert hat, sollte man sich unbedingt ein paar Gedanken zu einem Ablagesystem machen.“ Die uplink-Runde gibt Tipps dazu, wie man die Dateien sinnvoll organisiert, sicher speichert und die Originale geschützt aufbewahrt.

Zu Gast im Studio: André Kramer, Ulrike Kuhlmann
Host: Greta Friedrich
Produktion: Carine Kinarian

Unsere Tipps dazu, wie Sie alte Filme und Fotos digitalisieren und restaurieren, lesen Sie in der c’t-Ausgabe 10/2026 [8], auf ct.de sowie in der c’t-App für iOS und Android.

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  • 30. Mai 2026 um 06:30

Anzeige: Nur 1,58 Euro pro USB-C-Kabel - Schnellladekabel nie günstiger bei Amazon

Von Claus Ludewig
Nur noch bis zum 30. Mai um Mitternacht gibt es ein USB-C-Kabelset zum Tiefstpreis bei Amazon, wobei man nur 1,58 Euro pro Stück zahlt.
Das USB-C-Kabelset Lisen 2E152 mit vier Kabeln gibt's noch zum Tiefstpreis. (Bild: Erzeugt mit Dall-E; Amazon) amazon Affiliate

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Das USB-C-Kabelset Lisen 2E152 mit vier Kabeln gibt's noch zum Tiefstpreis. Bild: Erzeugt mit Dall-E; Amazon

Mit dem Lisen 2E152 bietet der chinesische Hersteller ein USB-C-Kabel-Set mit vier Kabeln unterschiedlicher Länge an. Im Paket enthalten sind zwei USB-C-Kabel mit jeweils einem Meter Länge sowie je ein Kabel mit 0,5 und 2 Metern. Das Set zählt seit Monaten zu den meistverkauften USB-C-Kabeln bei Amazon und taucht regelmäßig in den Bestsellerlisten auf. Kurz vor dem Prime Day 2026 kann man bereits kräftig sparen und erhält dieses USB-Schnellladekabel-Set zum Tiefstpreis. Noch nie gab es diese Schnellladekabel günstiger zu kaufen.

4 USB-Kabel für nur 6,29 Euro

Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung verkauft Amazon das USB-C-Kabel-Set Lisen 2E152 für nur 6,29 Euro

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. Da im Paket gleich vier Kabel enthalten sind, bedeutet dies einen Stückpreis von nicht mal 1,58 Euro. Laut der Keepa-Preishistorie gab es dieses USB-Schnelllade-Set noch nie günstiger zu kaufen. Doch das aktuelle Angebot soll nur noch bis morgen, den 30. Mai, um Mitternacht gültig sein.

Lisen 60W-USB-C-Kabel, [4er Pack, 0,5M 1M 1M 2M]

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USB-C-Kabel mit Power Delivery und Quick Charge bis 60 Watt

Technisch unterstützt das Lisen-Set USB Power Delivery 3.0 (PD 3.0) mit einer Ladeleistung von bis zu 60 Watt. Darüber hinaus werden Geräte mit Qualcomm Quick Charge 4.0 unterstützt. Damit eignen sich die Kabel zum schnellen Laden vieler aktueller Smartphones, Tablets, Notebooks und anderer Geräte mit USB-C-Anschluss.

In Verbindung mit einem kompatiblen Schnellladegerät lassen sich die Ladezeiten deutlich verkürzen. Herstellerangaben zufolge kann ein aktuelles Oberklasse-Smartphone wie das Samsung Galaxy S26 Ultra innerhalb von rund 30 Minuten auf etwa 75 Prozent Akkustand geladen werden.

Datenübertragung mit USB-2.0-Geschwindigkeit

Neben der Ladefunktion können die Kabel auch für die Datenübertragung genutzt werden. Allerdings unterstützen sie lediglich USB 2.0. Für alltägliche Aufgaben wie das Übertragen von Fotos, Dokumenten oder kleineren Backups reicht die Geschwindigkeit in der Regel aus.

Wer regelmäßig große Datenmengen bewegt oder externe SSDs mit hoher Geschwindigkeit nutzen möchte, sollte stattdessen zu einem USB-C-Kabel mit USB-3.x-Unterstützung greifen.

Geflochtene Nylon-Ummantelung für höhere Haltbarkeit

Beim Material setzt Lisen auf eine geflochtene Nylon-Ummantelung, die die Kabel widerstandsfähiger gegen Knicke, Abrieb und Zugbelastungen machen soll. Zusätzlich kommen verstärkte Stecker zum Einsatz, die häufiges Ein- und Ausstecken besser verkraften sollen.

Nach Angaben des Herstellers wird außerdem ein UV-verklebter Kupferkern verwendet. Dadurch sollen die Lötstellen stabilisiert und die Lebensdauer der Kabel erhöht werden.

Mögliche Alternative

Eine mögliche Alternative, die dank Support von USB-PD 3.1 mit 240 Watt Ladeleistung aufwarten kann, kommt vom chinesischen Hersteller Iniu. Das DI-D7CC kann so auch Gaming-Laptops aufladen. Im aktuellen Amazon-Angebot gibt es das Iniu DI-D7CC für nur 8,44 Euro

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. Da darin gleich zwei Kabel enthalten sind, zahlt man nur 4,22 Euro pro Kabel.

Preis, Daten und Fakten zum Lisen 2E152 USB-C-Schnellladekabel-Set

  • Beim Lisen 2E151 befinden sich gleich vier USB-C-Kabel im Karton.
  • Alle USB-Kabel sind dabei von Nylon ummantelt, wobei 48 Stränge aus recyceltem Baumwollgarn genutzt werden. Zudem ist der Kupferkern extra mit UV-verklebt.
  • Die Kabel unterstützen Ladeleistungen bis 60 Watt über Power Delivery 3.0 sowie Quick Charge 3.0/4.0.
  • Noch vor dem Prime Day 2026, verkauft Amazon das Lisen 2E152 zum Tiefstpreis, so die Keepa-Preishistorie. Nie zuvor gab es das Lisen 2E152 günstiger als die aktuellen 6,29 Euro. So zahlt man nicht mal 1,57 Euro pro Kabel.

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  • 29. Mai 2026 um 18:05

Anzeige: Wiso Steuer 2026 für Windows, Mac und Android unter 24 Euro

Von Erik Körner
Bald steht wieder die Steuererklärung an. Passend dazu verkauft Amazon die Software Wiso Steuer 2026 zum Sparpreis.
Wiso Steuer 2026 für unter 24 Euro im Amazon-Angebot (Bild: Amazon.de/Wiso/Golem) amazon Affiliate

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Wiso Steuer 2026 für unter 24 Euro im Amazon-Angebot Bild: Amazon.de/Wiso/Golem

In Sachen Beliebtheit liegt die Steuererklärung irgendwo zwischen Wurzelbehandlung und Wochenende bei den Schwiegereltern. Zum Glück veröffentlicht das Unternehmen Buhl Software seit mehreren Jahren Wiso Steuer. Das Programm vereinfacht den mühseligen Prozess ungemein und wird unter anderem von den Magazinen Computer Bild, Chip oder der Wirtschafts Woche regelmäßig mit Bestnoten bewertet. Bei Amazon kann man sich die aktuelle Version für die Steuererklärung 2025 für unter 24 Euro sichern. Der Deal gilt bis zum 31. Mai. Wer jetzt zugreift, hat also noch genug Zeit bis zur Deadline am 1. Juli.

Das bietet Wiso Steuer 2026

Wiso Steuer 2026 füllt viele Felder der Steuererklärung automatisch aus. Sie unterstützt zum Beispiel Fotos von Lohnsteuernachweisen oder Rechnungen, die sie auslesen und in die entsprechenden Felder eintragen kann. Auch kann man sein Bankkonto verknüpfen und Wiso alle Buchungen finden lassen, die Geld bringen können. Hinzukommen reichlich Erklärungen mit Beispielen, um juristischen Jargon leichter zu verstehen, Tutorial-Videos und smarte Tools wie eine Routenberechnung für die Angabe von Arbeitswegen. Die Steuerklärung kann nach Abschluss direkt in der Software ans Finanzamt geschickt werden.

Buhl Software bewirbt Wiso Steuer 2026 nicht nur mit einfacher Bedienung, sondern auch mit einem großen Umfang. Das Programm eigne sich neben der regulären Steuererklärung für die EÜR, Umsatz- und Gewerbesteuer-Erklärung, Umsatzsteuervoranmeldunge, Lohnsteueranmeldungen oder Feststellungserklärungen für Erben- und BGB-Gesellschaften. Es enthält zudem einen Schnellrechner für Gehalt, Abfindung, Erbschaft, Kfz-Steuer oder Riester. Praktisch: Sind alle Angaben erledigt, rechnet Wiso Steuer 2026 aus, mit welchen Erstattungen oder Rückzahlungen man rechnen kann.

Laut Buhl Software soll Wiso Steuer mit PCs, Macs, Tablets und Smartphones kompatibel sein. Konkret nennt er als Anforderungen ein 64-Bit-System mit Windows 11 oder 11, MacOS 12 und aufwärts, 3 GByte freien Festplattenspeicher und mindestens 4 GByte Arbeitsspeicher. Ein Key kann auf mehreren Geräten genutzt werden.

Wiso Steuer 2026 bei Amazon: Jetzt zum Tiefpreis sichern

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  • 29. Mai 2026 um 17:20

Dein Auto kennt deine Wege – und beeinflusst deinen Versicherungstarif

Von Telepolis
Ein Finger berührt den Bildschirm eines Autoradios mit Musik- und Klimasteuerung.

(Bild: TY Lim / Shutterstock.com)

Moderne Fahrzeuge sammeln Standorte, Bremsverhalten und sogar Mimik. Die Daten landen bei Brokern und treiben Versicherungsprämien nach oben.

Ein US-Autofahrer staunte nicht schlecht: 130 Seiten mit detaillierten Aufzeichnungen jeder einzelnen Fahrt, die er und seine Frau über sechs Monate unternommen hatten. Der Datenbroker LexisNexis hatte sie gespeichert – geliefert von General Motors, direkt aus dem vernetzten Fahrzeug.

Seine Kfz-Versicherung war zuvor um 21 Prozent teurer geworden. Wie er gegenüber der BBC berichtete [1], teilte ihm sein Versicherungsagent mit, die Fahrzeugdaten seien ein Faktor gewesen.

Der Fall ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines Systems, wie der BBC-Bericht nahelegt. Laut der Unternehmensberatung McKinsey waren bereits 2021 rund 50 Prozent aller Autos auf der Straße mit dem Internet verbunden.

Bis 2030 sollen es 95 Prozent sein. Die meisten dieser Fahrzeuge funken Daten über eingebaute Mobilfunkmodule an die Server der Hersteller – während der Fahrer nichts davon mitbekommt.

Was genau übertragen wird, hat die Mozilla Foundation 2023 in einer umfassenden Analyse [2] untersucht. Die Datenschutzrichtlinien von 25 großen Automarken wurden geprüft – keine einzige erfüllte Mozillas Mindeststandards.

Das Fazit damals: Autos seien "die schlechteste Produktkategorie, die wir je im Hinblick auf den Datenschutz geprüft haben".

Vom Bremsverhalten bis zur Mimik

Die Liste der potenziell erhobenen Daten liest sich wie ein Überwachungskatalog: Name, Alter, Gewicht, ethnische Zugehörigkeit, Finanzinformationen, Gesichtsausdrücke, psychologische Tendenzen – und bei Kia laut Datenschutzerklärung sogar Angaben zum "Sexualleben".

Ein Kia-Sprecher erklärte dazu, man habe tatsächlich nie solche Daten erhoben; die Formulierung gehe auf die kalifornische Definition sensibler Daten zurück. Welche "sensiblen Daten" der Hersteller tatsächlich sammelt, ließ das Unternehmen allerdings offen.

Nach Art. 9 der DSGVO gelten Gesundheitsdaten, biometrische Merkmale, Angaben zur ethnischen Herkunft und zum Sexualleben als besonders schützenswert. Viele der von Mozilla dokumentierten Kategorien fallen direkt darunter.

Darrell West vom Brookings Institution fasste es gegenüber der [3] BBC so zusammen: "Das bedeutet im Grunde, dass Ihr Leben fast Sekunde für Sekunde nachgestellt werden kann".

Datenbroker als Scharnier zur Versicherung

84 Prozent der von Mozilla untersuchten Marken geben laut ihren Richtlinien Daten an Dritte weiter, 76 Prozent behalten sich den Verkauf vor.

Der Datenbroker LexisNexis [4] betreibt mit seiner "Telematics Exchange" eine Plattform, die Fahrdaten aus verschiedenen Quellen sammelt, normalisiert und Versicherern für verhaltensbasierte Tarife bereitstellt.

Die Plattform wird ausdrücklich auch für europäische Märkte beworben, eine Kooperation mit Kia Europe ist öffentlich dokumentiert.

Die US-Handelsaufsicht FTC schritt im Fall GM ein und untersagte GM und OnStar mit einer am 14. Januar 2026 finalisierten Entscheidung [5] für fünf Jahre, Fahrdaten an Auskunfteien weiterzugeben. Doch LexisNexis und andere Broker beziehen weiterhin Daten von anderen Herstellern und Apps.

Neue Pflicht-Kameras ohne Datenschutzregeln

Ein US-Bundesgesetz soll Autohersteller bald dazu verpflichten, biometrische Systeme zur Erkennung von Trunkenheit am Steuer einzubauen – Infrarotkameras, Atemsensoren, Blickerfassung.

Wie die NHTSA in ihrem Bericht an den Kongress [6] festhält, sind 2023 rund 12.400 Menschen in den USA bei Unfällen mit alkoholisierten Fahrern gestorben.

Das Problem: Das Gesetz enthält keinerlei Vorgaben, was Hersteller mit den dabei anfallenden Daten tun dürfen.

In der EU bietet die DSGVO zwar deutlich stärkeren Schutz als das Flickwerk US-amerikanischer Einzelstaatengesetze. Die deutschen Datenschutzbehörden forderten bereits 2014 Privacy-by-Design für vernetzte Fahrzeuge, und der Bundesdatenschutzbeauftragte verlangte [7] schon im Jahr 2014 "vollständige Kontrolle der Betroffenen" über Fahrzeugdaten.

Doch konkrete Sanktionen gegen Autohersteller wegen der von Mozilla beschriebenen Praktiken? Bisher Fehlanzeige. Datenschutzanalystin Jen Caltrider, die Mozillas Studie leitete, erklärt dazu gegenüber der BBC:

"Und man muss darauf vertrauen, dass die Vorschriften befolgt und durchgesetzt werden, und das ist etwas, was nicht immer der Fall ist, insbesondere bei Autos."

Wer sich schützen will, sollte Telematik-Versicherungsprogramme kritisch prüfen – eine Auswertung in Maryland zeigte, dass nur 31 Prozent der Teilnehmer tatsächlich weniger zahlten, während 24 Prozent drauflegten.

Datenschutz-Einstellungen im Infotainment-System verdienen einen Blick, ebenso wie das Recht auf Datenauskunft und Löschung nach DSGVO. Denn solange die Daten erst einmal das Armaturenbrett verlassen haben, hat niemand mehr Kontrolle darüber, wo sie landen.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.bbc.com/future/article/20260513-your-car-is-spying-on-you-its-about-to-get-worse
  2. https://www.mozillafoundation.org/en/privacynotincluded/articles/its-official-cars-are-the-worst-product-category-we-have-ever-reviewed-for-privacy/
  3. https://www.bbc.com/future/article/20260513-your-car-is-spying-on-you-its-about-to-get-worse
  4. https://risk.lexisnexis.com/products/telematics-exchange
  5. https://www.ftc.gov/news-events/news/press-releases/2026/01/ftc-finalizes-order-settling-allegations-gm-onstar-collected-sold-geolocation-data-without-consumers
  6. https://www.nhtsa.gov/sites/nhtsa.gov/files/2026-03/Report-to-Congress-Advanced-Impaired-Driving-Prevention-Technology.pdf
  7. https://www.hoganlovells.com/en/publications/german-data-protection-authorities-issue-resolution-on-connected-cars

Copyright © 2026 Heise Medien

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  • 29. Mai 2026 um 15:15

ARD und ZDF zwischen Umbau und Bestandsschutz

Von Telepolis
Gebäude mit den Logos von WDR und ZDF

Bild: Shutterstock.com

Vom AfD-"Grundfunk" bis zur FDP-Strukturreform: Die Konzepte für den Umbau von ARD und ZDF könnten unterschiedlicher kaum sein. Warum das zum Problem wird.

Selten war die Einigkeit so groß – und die Uneinigkeit so fundamental. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland müsse sich verändern: Das sagen die AfD, die FDP, die CDU-nahe Mittelstandsunion und sogar Medienwissenschaftler in Fachpublikationen.

Doch wer genauer hinschaut, erkennt hinter dem gemeinsamen Reformruf völlig gegensätzliche Zielvorstellungen. Während die einen den Apparat am liebsten auf einen Rumpfsender eindampfen wollen, verteidigen andere gerade dessen Breite als demokratische Notwendigkeit. Und mittendrin drohen Landtagswahlen, die das gesamte System aus den Angeln heben könnten.

Die Bundesländer beraten seit über einem Jahr über einen Digitale-Medien-Staatsvertrag [1], der die Regulierung an eine KI-geprägte Kommunikationswelt anpassen soll. Doch die Verhandlungen stocken.

Sachsen-Anhalt hat auf Fachebene signalisiert, vor der Landtagswahl im September keinen Staatsvertrag mehr ins parlamentarische Verfahren geben zu wollen, wie etwa das Medienmagazin M der Gewerkschaft verdi [2] berichtet. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte die AfD laut Umfragen die Mehrheit erreichen – und hätte dann die Möglichkeit, ihre Ankündigung umzusetzen, die Staatsverträge im Medienbereich zu kündigen.

Abwicklungsfonds statt Rundfunkbeitrag

Im Regierungsprogramm der AfD Mecklenburg-Vorpommern [3] für die Landtagswahl im September 2026 liest sich das so: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei "zu teuer, zu aufgebläht und zu weit von seinem ursprünglichen Auftrag entfernt". Die Partei will den NDR-Staatsvertrag sowie den Medienstaatsvertrag kündigen und den Rundfunkbeitrag abschaffen.

An die Stelle des bisherigen Systems soll ein "schlanker Grundfunk" treten, beschränkt auf "objektive Information, Bildung, Kultur und regionale Berichterstattung". Was nicht mehr benötigt werde, solle in einen "Abwicklungsfonds" fließen, der Pensionslasten und Personalabbau finanziert. Aktive Politiker in Rundfunkräten will die AfD ebenfalls nicht mehr zulassen.

Das klingt nach radikalem Schnitt – und deckt sich mit dem Bundestagswahlprogramm der AfD [4], das den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit "rund 9 Milliarden Euro Gebührenaufkommen zuzüglich Werbeeinnahmen" als "teuersten der Welt" beschreibt und ihm vorwirft, seine Macht "zur Meinungsmache bis hin zur Manipulation" zu nutzen. Die Forderung: eine "gebührenfreie Grundversorgung mit Informations-, Kultur- und Regionalprogrammen".

Doch wie ein solcher beitragsfreier Grundfunk finanziert werden soll, bleibt offen. Konkrete Rechenmodelle legt die AfD nicht vor. Dabei laufen allein die Pensionsverpflichtungen der Anstalten über Jahrzehnte weiter. Ein "Abwicklungsfonds" müsste über Steuergeld oder Vermögensverkäufe gespeist werden – was den fiskalischen Vorteil einer Beitragsabschaffung für Bürger zumindest teilweise wieder aufheben dürfte.

Strukturreform statt Abwicklung: Was FDP und MIT vorschlagen

Deutlich differenzierter argumentieren FDP und Mittelstandsunion. Die FDP Hessen bekennt sich in ihrem Papier zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks [5]ausdrücklich zum Erhalt des Systems – und betont dabei gerade seine Bedeutung in Zeiten algorithmischer Filterblasen und gezielter Desinformation.

Gleichwohl fordert die Partei eine "zeitgemäße Neubestimmung" des Auftrags. Das Programm soll sich auf Information, Bildung und Kultur konzentrieren, Unterhaltung nur noch eine flankierende Rolle spielen. Die Zahl der Fernseh- und Hörfunkkanäle will die FDP "kritisch überprüfen" – Parallelangebote seien zu vermeiden.

Besonders weitreichend ist der FDP-Vorschlag, das ZDF aus dem öffentlich-rechtlichen Verbund herauszulösen. Künftig solle nur noch ein nationales Rundfunkangebot den Bundesauftrag erfüllen, ergänzt durch regionale Landesangebote. Die Beitragsfinanzierung will die FDP dabei beibehalten, aber durch Effizienzsteigerungen begrenzen.

Die Mittelstandsunion [6] (MIT) geht einen ähnlichen, aber nicht identischen Weg. Ihr Bundesvorstandsbeschluss fordert die Fusion von ARD und ZDF "unter einem Dach" – also eine einheitliche öffentlich-rechtliche Anstalt statt zweier Sendergruppen.

Der Rundfunkbeitrag soll als "Grundversorgungsbeitrag" fortbestehen, aber nur noch pro Person ab 18 Jahren erhoben werden; juristische Personen würden beitragsfrei. Werbung und Sponsoring sollen komplett aus dem Programm verschwinden. Die MIT will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk also nicht abschaffen, sondern auf seinen "Kern" konzentrieren – mehr Korrespondenten, weniger Quotenwettbewerb.

Alle drei Konzepte eint die Forderung nach weniger Unterhaltung und mehr Information. Doch in der entscheidenden Frage – Beitragsfinanzierung ja oder nein – trennen sich die Wege radikal. Die AfD will das System komplett abwickeln, FDP und MIT wollen es erhalten und reformieren.

Wissenschaft: Echte Probleme, aber keine pauschale Einseitigkeit

Dass der Reformdruck nicht nur politisch motiviert ist, zeigt ein Blick in die Fachzeitschrift Journalism Research, genauer: in die Ausgabe 3-4/2023. Dort diagnostizieren Medienwissenschaftler eine "Krise der Legitimation" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks [7].

Das Papier benennt vier strukturierte Reformmaßnahmen: eine Neuaufstellung der Aufsichtsgremien nach Kompetenz statt Verbandsproporz, eine nachvollziehbarere Kopplung von Auftrag und Beitragsbedarf, werbefreie Programme und eine Reduktion der Kanalzahl zum Abbau von Doppelstrukturen.

Gleichzeitig kommt ein Gutachten im Auftrag des Bayerischen Rundfunks, das 49 inhaltsanalytische Studien aus den Jahren 2020 bis 2025 auswertet, zu einem Ergebnis, das in der politischen Debatte gerne überhört wird: Pauschale Vorwürfe systematischer Einseitigkeit gegen ARD und ZDF seien empirisch nicht haltbar [8].

Die Nachrichtenmedien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wiesen ein hohes Maß an Themen- und Akteursvielfalt auf. "Wissenschaft statt Bauchgefühl" – so fasst der BR die Methodik zusammen.

Allerdings legt die Analyse auch Schwachstellen offen, die Reformkritiker seit Jahren benennen. Wie die Erfahrungen mit Programmbeschwerden beim ZDF [9] zeigen, scheitern Zuschauerbeschwerden häufig schon an formalen Hürden.

Der Fernsehrat agiert intransparent, seine Mitglieder sind ganz überwiegend Funktionäre – entsandt von politischen Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden. Das schürt den Verdacht politischer Nähe, trotz der vom Bundesverfassungsgericht 2014 geforderten Begrenzung des Staatsanteils in den Gremien.

Finanzielle Realität: Sparprogramme als Vorgeschmack

Was passiert, wenn politischer Druck auf die Finanzierung durchschlägt, lässt sich bereits heute beobachten. Der MDR hat ein drastisches Sparprogramm angekündigt [10]: Drei Jahre lang keine neuen "Tatort"- und "Polizeiruf"-Folgen, Abgabe des "ARD-Mittagsmagazins" an den NDR mit rund 200 betroffenen Mitarbeitern, Streichung des Magazins "MDR um 2".

Intendant Ralf Ludwig begründet die Einschnitte mit der blockierten Beitragserhöhung. Die KEF beziffert den Einnahmeausfall für das Gesamtsystem bis Ende 2026 auf 538,3 Millionen Euro.

Am 23. Juni verhandelt das Bundesverfassungsgericht über die Verfassungsbeschwerden von ARD und ZDF. Die Sender sehen ihre Rundfunkfreiheit verletzt, weil die Länder die KEF-Empfehlung einer Erhöhung von 18,36 auf 18,94 Euro zum Januar 2025 nicht umsetzten.

Allerdings hat die KEF im Februar 2026 ihre Empfehlung auf 18,64 Euro ab Januar 2027 korrigiert – was die juristische Debatte um die Erfolgsaussichten der Klage [11] neu entfacht hat.

Verfassungsrechtliche Schranken und europäische Zwänge

Die AfD-Pläne klingen entschlossen, stoßen aber auf erhebliche rechtliche Hürden. Eine Kündigung des NDR-Staatsvertrags wäre zwar formal möglich, könnte aber wegen vertraglich festgelegter Kündigungsfristen frühestens zum 31. August 2031 wirksam werden.

Art. 5 des Grundgesetzes schützt die institutionelle Eigenständigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach festgehalten, dass Eingriffe in Programm und Finanzierung nicht zur "Austrocknung" führen dürfen. Eine Kündigung des Medienstaatsvertrags durch ein einzelnes Land würde mit hoher Wahrscheinlichkeit Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht nach sich ziehen.

Hinzu kommt die europäische Dimension. Der erste Teil des geplanten Digitale-Medien-Staatsvertrags setzt unter anderem den European Media Freedom Act und Teile der KI-Verordnung um. Ab dem 2. August 2026 müssen Personen in der EU laut den Richtlinien der EU-Kommission [12] informiert werden, wenn sie mit KI-Systemen interagieren oder KI-generierten Inhalten ausgesetzt sind.

Medienrechtsanwalt Jörg Frederik Ferreau warnte [13] gegenüber dem Medienmagazin M von verdi:

"Die Landtagswahlen dürfen kein Grund sein, die Verabschiedung eines neuen Staatsvertrags hinauszuzögern. Denn die Umsetzungsfristen in den europäischen Rechtsakten zwingen die Länder zum Handeln. Andernfalls droht Deutschland die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU-Kommission."

Blockiert eine AfD-Regierung den Staatsvertrag, stünde Deutschland also nicht nur vor einer innenpolitischen Krise der Medienpolitik, sondern riskiert auch Konflikte mit Brüssel. Die EU-Kommission hat bereits im Notifizierungsverfahren Nachbesserungsbedarf angemeldet und signalisiert damit, dass sie die Umsetzung genau beobachtet.

Blick nach Osteuropa – und nach Brandenburg

Medienjuristen und Politikwissenschaftler verweisen auf die Erfahrungen in Ungarn und Polen, wo rechtspopulistische Regierungen den öffentlichen Rundfunk schrittweise unter politische Kontrolle brachten. Für Deutschland halten Experten ein formales Gleichschaltungsszenario zwar für unwahrscheinlich – die verfassungsrechtlichen Schutzmechanismen sind stärker ausgeprägt.

Doch eine "Erosion durch Druck" gilt als reale Gefahr: Budget-Kürzungen, Drohungen mit Vertragskündigungen, austauschbare Gremienposten und eine politische Neudefinition von "Neutralität" könnten kritische Berichterstattung schleichend entmutigen.

Gerade in strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands, in denen private Medienangebote oft dünn gesät sind, würde ein radikaler Rückbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Informationslücken reißen.

Das weiter oben erwähnte Journalism Research-Papier betont, dass die Funktionen des Systems für demokratische Öffentlichkeit, zuverlässige Information und kulturelle Integration gerade dort zentral bleiben.

Einen konstruktiveren Weg versucht Brandenburg: Nach dem RBB-Skandal soll dort ein Bürgerrat mit 51 ausgelosten Bürgern [14] Empfehlungen zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erarbeiten. Ob daraus mehr wird als eine Alibiveranstaltung, hängt allerdings davon ab, mit welchem konkreten Mandat das Gremium ausgestattet wird. Ohne präzise Fragestellung drohen unverbindliche Empfehlungen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Reformdruck in eine konstruktive Neuordnung mündet – oder ob die Landtagswahlen im September eine Phase der Instabilität einläuten, in der es nicht mehr um die Verbesserung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geht, sondern um seine Existenz.


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  1. https://mmm.verdi.de/aktuelle-meldungen/afd-plaene-gefaehrden-medienpolitik-107885
  2. https://mmm.verdi.de/aktuelle-meldungen/afd-plaene-gefaehrden-medienpolitik-107885
  3. https://afd-mv.de/wp-content/uploads/2026/05/AfD-Regierungsprogramm-zur-Landtagswahl-September-2026.pdf
  4. https://www.afd.de/wp-content/uploads/2025/02/AfD_Bundestagswahlprogramm2025_web.pdf
  5. https://fdp-hessen.de/beschluss/auftrag-und-zukunft-des-oeffentlich-rechtlichen-rundfunks-glaubwuerdige-informationsvermittlung-in-zeiten-der-algorithmen/
  6. https://www.mit-bund.de/sites/mit/files/dokumente/beschluesse/20210221_buvo_beschluss_oerr_reform_final.pdf
  7. https://journalistik.online/wp-content/uploads/2023/12/Journalism-Research-2569-152X-3_4-2023-13631-en.pdf
  8. https://www.heise.de/tp/article/Oeffentlich-rechtlicher-Rundfunk-Wer-bestimmt-was-ausgewogen-ist-11302656.html
  9. https://www.heise.de/tp/article/Programmbeschwerde-beim-ZDF-Ein-Weg-ins-Nichts-11294371.html
  10. https://www.heise.de/tp/article/MDR-streicht-Tatort-und-Polizeiruf-Spardiktat-trifft-Publikumslieblinge-11291566.html
  11. https://www.heise.de/tp/article/Rundfunkbeitrag-Der-Streit-ums-Geld-Karlsruhe-als-letzte-Hoffnung-der-Sender-11295553.html
  12. https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/commission-opens-consultation-draft-guidelines-ai-transparency-obligations
  13. https://mmm.verdi.de/aktuelle-meldungen/afd-plaene-gefaehrden-medienpolitik-107885
  14. https://www.heise.de/tp/article/Oeffentlich-rechtlicher-Rundfunk-Was-kann-der-Buergerrat-beim-RBB-bewirken-11299292.html

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  • 29. Mai 2026 um 14:15

USA verschärfen Druck auf Kuba: Regierung ruft UN-Sicherheitsrat an

Von Telepolis
Ein Flugzeugträger auf See

Die USA haben laut Medienberichten Vorbereitungen für einen möglichen Angriff Kubas getroffen

(Bild: apiguide/Shutterstock.com)

Reedereien haben Buchungen eingestellt, ein russischer Tanker dreht ab, und das US-Militär plant Szenarien für mögliche Interventionen. Wie weiter auf Kuba?

Die Lage Kubas hat sich in den vergangenen Wochen auf mehreren Ebenen gleichzeitig immer weiter zugespitzt. Die US-Regierung unter Donald Trump setzt die sozialistische Insel mit beispiellosen Sanktionen unter Druck, die mittlerweile die gesamte Versorgungskette des Landes erfassen – von Treibstoff über Ersatzteile bis hin zu Grundnahrungsmitteln.

Parallel dazu mehren sich Berichte über mögliche US-Militäroptionen gegen das Land, die ihrerseits Teil einer gezielten Kommunikationsstrategie sein dürften. Zuletzt hat Kubas Regierung deshalb den UN-Sicherheitsrat angerufen [1].

Seehandel bricht ein – humanitäre Folgen zeichnen sich ab

Die beiden weltgrößten Containerreedereien, das französische Unternehmen CMA CGM und das deutsche Unternehmen Hapag-Lloyd, haben vor wenigen Tagen sämtliche Buchungen mit Kuba als Ausgangs- oder Zielhafen ausgesetzt [2]. Grund ist eine US-Sanktionsanordnung vom 1. Mai gegen die kubanische Militärholding Gaesa, die große Teile des staatlichen Wirtschaftssektors kontrolliert.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters sind durch den Wegfall der europäischen Redereien bis zu 60 Prozent des kubanischen Seefrachtvolumens betroffen – darunter insbesondere Warenströme des wichtigsten Handelspartners China sowie aus Nord- und Südeuropa.

Die Auswirkungen sind bereits in den Hafendaten ablesbar: Der maritime Analysedienst Windward berichtete [3], dass die monatlichen Hafenankünfte in Kuba von durchschnittlich 50 im Jahr 2025 auf lediglich 11 im März eingebrochen waren – der niedrigste Stand seit 2017. Mit dem Rückzug der beiden Redereien dürfte der Frachtverkehr jetzt vollends zum Erliegen gekommen sein.

Besonders gravierend ist die Situation für die ohnehin marode Energieinfrastruktur des Landes. Der französische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon erklärte [4] öffentlich, CMA CGM verweigere die Lieferung von Ersatzteilen für das Wärmekraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas – das leistungsfähigste Kraftwerk Kubas –, obwohl die französische Regierung deren Lieferung offiziell zugesagt habe.

Das Versorgungsdefizit im kubanischen Stromnetz lag in den vergangenen Tagen in Spitzenlastzeiten wiederholt um die 2.000 Megawatt, was mehr als der Hälfte des nationalen Bedarfs entspricht – ein Wert, bei dem das Netz jederzeit zusammenbrechen kann.

Russischer Tanker dreht ab – Treibstofflage bleibt kritisch

Einen weiteren Schlag für die kubanische Energieversorgung bedeutet der Kurswechsel des russischen Tankers "Universal". Das Schiff hatte rund 250.000 Barrel Diesel an Bord und trieb mehr als 30 Tage lang nahezu regungslos im Nordatlantik, rund 1.600 Kilometer von Kuba entfernt, ohne einen Zielhafen anzugeben. Dann schlug es plötzlich einen Kurs in Richtung Südatlantik ein und entfernte sich von der Insel.

Jorge Piñon, Direktor des Lateinamerika- und Karibik-Energieprogramms an der University of Texas, der die Schiffsbewegungen verfolgt, sagte [5]: "Es ist nicht nur die Kursänderung, sondern auch die Geschwindigkeit. Nach mehr als 30 Tagen in der Schwebe hat die Universal einen klaren Kurs nach Südosten eingeschlagen und tritt in den Südatlantik ein, weit von Kubas Küsten entfernt. Ihre Geschwindigkeit hat sich von 1,3 auf 10,5 Knoten erhöht, was auf ein bestimmtes Ziel hindeutet."

Das Schiff war am 18. Januar vom russischen Hafen Vysotsk ausgelaufen und hatte den Ärmelkanal am 8. April in Begleitung einer russischen Fregatte passiert. Die ursprünglich für Ende April erwartete Ankunft in Kuba blieb aus. Ob Moskau das Schiff auf Druck Washingtons umgeleitet hat oder aus anderen Gründen, bleibt unklar. Kuba erreicht seit Januar kaum noch Treibstoff auf dem Seeweg.

Kubas Außenminister appelliert vor dem UN-Sicherheitsrat

Vor diesem Hintergrund wandte sich Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla am Dienstag an den UN-Sicherheitsrat in New York. Die Sitzung war von China einberufen worden und stand unter dem Thema der "Stärkung des UN-zentrierten internationalen Systems".

Rodríguez forderte die internationale Gemeinschaft auf [6], einer drohenden militärischen Aggression der USA gegen Kuba entgegenzutreten. "Ich rufe die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich zu mobilisieren, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, die entweder durch Waffengewalt oder durch die Energieblockade aufgezwungen werden könnte", erklärte er.

Vor der Sitzung traf Rodríguez UN-Generalsekretär António Guterres und informierte ihn laut eigenen Angaben über "die schwere humanitäre Lage, mit der das kubanische Volk konfrontiert ist – als direkte Folge der extremen Verschärfung der Blockade durch die US-Regierung". Die Folgen für die Zivilbevölkerung seien bereits messbar: Die Säuglingssterblichkeit habe sich von 4,0 auf 9,2 pro tausend Lebendgeburten verdoppelt, und die Überlebensrate krebskranker Kinder sei von 85 auf 65 Prozent gesunken, so der Minister.

Die von den USA verhängte Energieblockade bezeichnete er als "Akt des Krieges und des Genozids", der in seinen Auswirkungen einer Seeblockade gleichkomme. Den US-amerikanischen Vorwurf, Kuba stelle eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar [7], wies er zurück: "Das ist eine Idee, die gegen Logik und gesunden Menschenverstand verstößt."

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hatte zuvor auf der Plattform X geschrieben [8], eine US-Militäraggression gegen Kuba "würde ein Blutbad von unkalkulierbaren Folgen auslösen".

Verhandlungen stagnieren – Havanna zweifelt an Ernsthaftigkeit

Parallel zu Rodríguez' Auftritt in New York äußerte sich Kubas Vizeaußenministerin Josefina Vidal am Rande einer parlamentarischen Anhörung in Havanna zum Stand der bilateralen Gespräche mit Washington.

Vidal erklärte [9], der Kommunikationskanal mit Washington sei zwar weiterhin offen, "aber es hat sicherlich nicht viel Fortschritt gegeben". Parallel zu den Gesprächen würden von US-Seite weiterhin "sehr schädliche Zwangsmaßnahmen" gegen die kubanische Wirtschaft und Bevölkerung ergriffen, was "Zweifel an der Verantwortung und Ernsthaftigkeit der US-Regierung in diesem Prozess" aufwerfe.

Dennoch, so Vidal, sehe die kubanische Regierung "keine andere Alternative zur Lösung der Probleme mit den Vereinigten Staaten" als den Dialog.

Berichte über Militärpläne: Nachricht und psychologische Kriegsführung zugleich

Die Berichte über eine mögliche US-Militärintervention stammen vor allem aus zwei US-Medien: dem Nachrichtenportal Axios und dem Magazin Politico. Beide Publikationen gelten als dem US-Außenministerium und dem nationalen Sicherheitsapparat nahestehend und werden regelmäßig für gezielte Hintergrundinformationen genutzt.

Das heißt nicht, dass die Inhalte per se falsch sind – aber es bedeutet, dass diese Berichte nicht losgelöst von ihrer Funktion gelesen werden können. Wenn hochrangige US-Regierungsbeamte anonym gegenüber diesen Medien erklären, das Militär plane Szenarien für Kuba, dann ist das zugleich eine Nachricht und eine Botschaft – an Havanna, an Moskau und an Peking.

Laut [10] Axios hat das US-Südkommando, das für Militäroperationen in der Karibik zuständig ist, eine multiinstitutionelle Planungsübung abgehalten. "Alles liegt auf dem Tisch, aber keine Invasion ist geplant oder unmittelbar bevorstehend", zitiert Axios einen hochrangigen US-Regierungsbeamten. Ein Präsidentenberater beschrieb die Gesamtstrategie gegenüber Axios als "klassisches Trump-Vorgehen: Den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen. Druck ausüben, die Reaktion beobachten, mehr Druck ausüben."

Ziel sei es, dass die Regierung unter dem immer stärker anwachenden Druck im Laufe des Sommers durch öffentliche Proteste zusammenbreche. Diese könnten gleichzeitig den Vorwand für einen Militärschlag liefern.

Politico berichtet [11] seinerseits, wie sich die Stimmung in der US-Regierung verändert hane. "Die ursprüngliche Idee war, dass die Führung schwach sei und dass die Kombination aus verschärfter Sanktionsdurchsetzung – im Wesentlichen einer Ölblockade – und klaren US-Militärsiegen in Venezuela und Iran die Kubaner dazu bringen würde, einem Deal zuzustimmen. Jetzt ist der Iran ins Wanken geraten, und die Kubaner erweisen sich als viel zäher als ursprünglich gedacht. Deshalb liegt eine Militäraktion jetzt auf dem Tisch, wie es zuvor nicht der Fall war", zitiert das Magazin eine angeblich mit den Gesprächen vertraute Person.

Außenminister Marco Rubio, der gleichzeitig als nationaler Sicherheitsberater fungiert, sagte in einem Interview mit Fox News: "Wir werden ihnen eine Chance geben. Aber ich glaube nicht, dass es passieren wird. Ich glaube nicht, dass wir die Entwicklung Kubas ändern können, solange diese Leute an der Macht sind."

Dass diese Botschaften gezielt platziert werden, liegt nahe. Kurz vor Erscheinen der Axios- und Politico-Berichte hatte das US-Militär die Ankunft [12] der Nimitz-Flugzeugträgergruppe in der Region bekanntgegeben, das Justizministerium hatte Anklage gegen den 94-jährigen Raúl Castro wegen des Abschusses zweier Kleinflugzeuge im Jahr 1996 erhoben [13], und CIA-Direktor John Ratcliffe hatte Kuba besucht [14] und laut einem CIA-Sprecher "klargemacht, dass Kuba nicht länger als Plattform für Gegner dienen kann, die feindliche Agenden in unserer Hemisphäre vorantreiben".

Kubas Außenminister Rodríguez warf Rubio [15] in einem Fox News-Interview vor, die öffentliche Meinung zu manipulieren, um eine Militärintervention zu rechtfertigen.

Patt ohne erkennbaren Ausweg

Betrachtet man die Gesamtlage nüchtern, zeichnet sich eine Situation ab, aus der beide Seiten nur schwer unbeschadet hervorgehen können – eine Art strategisches Patt mit erheblichem Eskalationspotenzial.

Auf US-Seite räumen selbst Regierungsvertreter gegenüber Axios ein, dass ein Regimewechsel in Kuba erheblich schwieriger zu bewerkstelligen wäre als in Venezuela. Es gibt keine identifizierte Übergangsfigur, die Kuba nach einem Machtwechsel führen könnte. Das US-Embargo ist gesetzlich verankert und kann nicht per Präsidialerlass aufgehoben werden – der Kongress hat ein Mitspracherecht, und kubanisch-amerikanische Abgeordnete in Florida vertreten kompromisslose Positionen.

Eine Bodenoperation gilt intern als riskant: "Der Präsident will keine Bodentruppen für mehr als 48 Stunden. Das ist ein Sumpf in der Entstehung. Das könnte unübersichtlich werden", zitiert Axios einen Trump-Berater. Brian Latell, ehemaliger leitender CIA-Beamter mit Kuba-Schwerpunkt, warnte gegenüber Politico: "Sie könnten versuchen, eine ziemlich kleine Operation durchzuführen, aber wenn das ihre Überlegung ist, überschätzen sie möglicherweise erneut, was sie erreichen könnten."

Für Kuba hingegen verengen sich die Handlungsspielräume rapide. Treibstofflieferungen bleiben aus, Ersatzteile für Kraftwerke kommen nicht an, der Seehandel ist massiv eingeschränkt, und Verhandlungen mit Washington scheinen nach kubanischer Einschätzung nicht ernsthaft betrieben zu werden. Russland, das bislang als wichtigster verbliebener Energielieferant galt, scheint unter dem Druck der USA ebenfalls zurückzurudern – der Kurswechsel der "Universal" legt das zumindest nahe. Auch die Option, über den UN-Sicherheitsrat Druck zu erzeugen, stößt dort an strukturelle Grenzen, wo die USA ihr Vetorecht besitzen.

Was bleibt, ist ein Szenario, in dem der wirtschaftliche Kollaps Kubas schneller eintreten könnte als eine politische Lösung – mit unabsehbaren Folgen für die Zivilbevölkerung. "Der Moment für Solidarität mit Kuba ist gekommen", sagte Rodríguez vor dem UN-Sicherheitsrat. Wie viel davon tatsächlich eintrifft, ist derzeit völlig offen. Wohl aus Angst vor dem Herrn im Weißen Haus hält sich die politische Öffentlichkeit in Sachen Kuba auffällig bedeckt.


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  1. https://www.dw.com/en/cuba-foreign-minister-bruno-rodriguez-united-nations-un-security-council/a-77308666
  2. https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/hapag-lloyd-stoppt-kuba-transporte,kurzehh-3224.html
  3. https://www.independentespanol.com/noticias/america-latina/el-comercio-con-cuba-se-desploma-mientras-trump-aumenta-presion-sobre-lideres-comunistas-b2941992.html
  4. https://www.brasildefato.com.br/2026/05/26/candidato-presidencial-frances-denuncia-que-o-pais-retem-pecas-de-reposicao-para-termeletrica-de-cuba/
  5. https://ca.news.yahoo.com/russian-diesel-tanker-veers-away-191205874.html
  6. https://misiones.cubaminrex.cu/de/articulo/rede-des-aussenministers-bruno-rodriguez-parrilla-der-offenen-debatte-des-sicherheitsrats
  7. https://www.heise.de/tp/article/Trump-erklaert-Kuba-zur-Bedrohung-fuer-die-nationale-Sicherheit-11160092.html
  8. https://x.com/BrunoRguezP/status/2059414159339446649
  9. https://oncubanews.com/cuba-ee-uu/gobierno-de-cuba-no-ve-avances-en-el-dialogo-con-eeuu-ni-responsabilidad-por-parte-de-washington/
  10. https://www.axios.com/2026/05/28/trump-cuba-squeeze-regime-change
  11. https://www.politico.com/news/2026/05/27/cuba-us-military-attack-00938740?__cf_chl_tk=WAufHLipcr35_qMEgu5BYtOT6qnTH9SeF00FLlmTXdM-1780049443-1.0.1.1-3ICHtsIxiR.xj.lgiqOR3G94C0f8L5gqe.KkatxtOO4
  12. https://www.berliner-zeitung.de/article/uss-nimitz-vor-kuba-droht-jetzt-die-gefaehrlichste-karibik-krise-seit-jahrzehnten-10037841
  13. https://amerika21.de/2026/05/285528/usa-klagen-raul-castro
  14. https://www.spiegel.de/ausland/cia-chef-john-ratcliffe-zu-gespraechen-in-kuba-a-8a5c777c-f0e6-481f-a8ce-49b2ab01307e
  15. https://www.foxnews.com/video/6396682727112

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  • 29. Mai 2026 um 14:00

heise+ | Quantenphysik liefert erstmals perfekte, zertifizierbare Zufallszahlen

Von Heise

Ein Team der ETH Zürich konnte mithilfe der Quantenphysik erstmals perfekte, zertifizierbare Zufallszahlen erzeugen. Ein Gewinn für die Cybersicherheit.

„Gott würfelt nicht“ ist wohl eines der berühmtesten Zitate von Albert Einstein. Mit diesem Ausspruch drückte er seinerzeit seinen Missmut gegenüber der noch jungen Quantenphysik aus. Diese sagte vorher, dass das Ergebnis von Quantenexperimenten intrinsisch zufällig sei. Absurd, meinte Einstein, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass die Physik zufällige Elemente enthielt.

Andreas Wallraff und Renato Renner
Andreas Wallraff und Renato Renner

Andreas Wallraff und Renato Renner (v.l.n.r.) neben der 30 Meter langen Verbindung zwischen zwei Quantenchips. Mit dem Experiment erzeugten ETH-Forschende erstmals zertifiziert perfekte Zufallszahlen.

(Bild: Kilian Kessler / ETH Zürich)

In der Tat ist echter Zufall extrem selten. Dies ist ein großes Ärgernis für die Kryptografie und Security, da Verschlüsselungsalgorithmen häufig auf Zufallszahlen beruhen. Wer sich bereits mit Zufallszahlengeneratoren befasst hat, weiß, dass diese meist komplexe Methoden nutzen, um nur scheinbar zufällige Zahlen zu erzeugen. Doch Algorithmen befolgen Regeln und diese sind, definitionsgemäß, nicht zufällig. Für einige Anwendungen mag dies reichen, für andere, wie die Verschlüsselung sensibler Daten, nicht.

Ein Forschungsteam der ETH Zürich um Renato Renner und Andreas Wallraff konnte nun einen Meilenstein demonstrieren. In seinen Quantenexperimenten erzeugte das Team erstmals perfekte, zertifizierbare Zufallszahlen mithilfe einer Methode namens Zufallsverstärkung. Die Methode könnte die digitale Sicherheit massiv erhöhen und die Forschenden bezeichnen ihr Experiment als Demonstration eines Quantenvorteils, da sie ein Ergebnis erzielen konnten, das mit herkömmlichen Methoden nicht möglich wäre. Die Ergebnisse erschienen im Fachmagazin Nature [1] [1].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11311971

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  1. https://www.nature.com/articles/s41586-026-10521-8

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  • 29. Mai 2026 um 16:53

Proxmox Datacenter Manager 1.1 wird Schweizer Taschenmesser für Proxmox-Cluster

Von Heise
Ein Screenshot vom Dashboard den Proxmox Datacenter Managers

(Bild: Proxmox Server Solutions GmbH)

Der für Proxmox-VE-Cluster gedachte Datacenter Manager hat in Version 1.1 neue Funktionen erhalten, die Verwaltung und das Monitoring deutlich verbessern.

Die Wiener Proxmox Server Solutions GmbH hat ihren Proxmox Datacenter Manager 1.1 veröffentlicht. Der Datacenter Manager bietet eine zentrale, einheitliche Web-Konsole, um alle Instanzen des Proxmox Virtual Environment (VE) und des Proxmox Backup Servers zu managen. Der gesamte Cluster samt aller Nodes kann so organisationsübergreifend verwaltet, überwacht und skaliert werden. Die neue Version 1.1 des Proxmox Datacenter Managers bietet automatisierte Workflows für das Ausrollen von Nodes, eine umfassende Subskriptions-Verwaltung, ein einheitliches Ceph-Cluster-Monitoring sowie ein erweitertes, zentrales Gast- und Snapshot-Management.

Mit Version 1.1 erweitert der Proxmox Datacenter Manager seine Rolle zum zentralen Konfigurationsserver für automatisiertes Host-Provisioning in verteilten Infrastrukturen. Administratoren können sogenannte Antwortdateien mit vordefinierten Installationsparametern zentral verwalten und für das unbeaufsichtigte Ausrollen neuer Hosts bereitstellen. Die Abläufe sind über den neuen Bereich „Automatische Installationen“ im Reiter „Remotes“ direkt im Webinterface erreichbar. Dort lässt sich auch der Fortschritt laufender Installationen in Echtzeit überwachen.

Für die Absicherung des Provisioning-Prozesses setzt Proxmox auf einen tokenbasierten Mechanismus: Nur autorisierte Zielsysteme erhalten Zugriff auf die hinterlegten Konfigurationen. Damit adressiert Proxmox vor allem größere Cluster- und Edge-Szenarien, in denen konsistente Rollouts und zentrale Verwaltung entscheidend sind. Wie das aktuelle Proxmox Virtual Environment 9.2 [1] basiert auch der Proxmox Datacenter Manager 1.1 auf Debian GNU/Linux 13.5 „Trixie“ mit Linux-Kernel 7.0 inklusive aktualisierter Pakete und Bugfixes sowie OpenZFS 2.4.2.

Zentrale Verwaltung von Subskriptionen

Ebenfalls neu im Proxmox Datacenter Manager 1.1 ist eine zentrale Subscription-Registry, um die Verwaltung von Lizenzschlüsseln in verteilten Infrastrukturen zu vereinfachen. Administratoren können Subscription-Keys zentral vorhalten, einzelnen Remotes zuweisen und bei Bedarf wieder entkoppeln. Das reduziert den Verwaltungsaufwand insbesondere in Multi-Site-Umgebungen mit vielen Hosts. Zudem lassen sich Subscription-Keys direkt in vorbereitete Antwortdateien integrieren. Neue Hosts registrieren ihre Subscription damit automatisch bereits während der Installation. Die Funktion verzahnt Lizenzmanagement und automatisiertes Provisioning und soll konsistente Deployments in größeren Proxmox-Umgebungen erleichtern.

Der Proxmox Datacenter Manager 1.1 erweitert das Monitoring verteilter, hyperkonvergenter Infrastruktur-Umgebungen (HCI) um eine native Überwachung angebundener Ceph-Cluster. Administratoren erhalten über ein zentrales Dashboard konsolidierte Einblicke in Zustand, Kapazität und Echtzeit-Performance mehrerer Cluster. Die einheitliche Ansicht erleichtert insbesondere den Betrieb verteilter Proxmox-VE-Infrastrukturen und reduziert den Aufwand für die Analyse einzelner Standorte. Darüber hinaus liefert das Monitoring detaillierte Statusinformationen zu Object Storage Daemons (OSDs), Monitoren, Managern, Metadata Servern (MDS), Storage-Pools, CephFS sowie relevanten Cluster-Flags. Damit adressiert Proxmox vor allem Betreiber größerer HCI-Deployments mit hohen Anforderungen an Transparenz und Betriebsüberwachung.

Zentrales Guest- und Snapshot-Management

Mit Version 1.1 legt der Proxmox Datacenter Manager den Grundstein für ein zentrales Guest-Management über mehrere Remotes hinweg. Virtuelle Maschinen auf Basis von QEMU sowie LXC-Container lassen sich nun in einer gemeinsamen Ansicht verwalten, wahlweise als sortierbare Tabelle oder in einer nach Remotes strukturierten Baumansicht. Textfilter erleichtern die Suche nach einzelnen Gästen, während häufig genutzte Aktionen direkt aus der Übersicht heraus verfügbar sind.

Neu hinzu kommt ein zentrales Snapshot-Management: Snapshots lassen sich in einer Parent-Child-Struktur anzeigen, erstellen, wiederherstellen oder löschen. Auch das Bearbeiten von Beschreibungen ist möglich. Ergänzend führt Proxmox den Befehl „Resume“ für pausierte oder suspendierte QEMU-VMs ein. Die Funktionen markieren den ersten Schritt hin zu einer umfassenderen Guest-Orchestrierung, die in kommenden Releases weiter ausgebaut werden soll.

Preise und Verfügbarkeit

Geplante Funktionen sowie alle Verbesserungen und Neuerungen des Proxmox Datacenter Managers 1.1 beschreibt dessen Roadmap detailliert [2]. Der Proxmox Datacenter Manager 1.1 steht als Open-Source-Software ab sofort zum Download [3] bereit und kann kostenlos eingesetzt werden. Die Software selbst ist kostenlos, ihr Einsatz erfordert allerdings aktive Enterprise Support Subscriptions für alle verwalteten Produkte.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11311981

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  1. https://www.heise.de/news/Proxmox-VE-9-2-mit-Dynamic-Load-Balancer-und-Linux-Kernel-7-0-11304611.html
  2. https://pdm.proxmox.com/docs/roadmap.html
  3. https://www.proxmox.com/de/downloads/proxmox-datacenter-manager
  4. https://www.heise.de/ix
  5. mailto:axk@heise.de

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  • 29. Mai 2026 um 16:30

AWS Sovereign Cloud: KI-Ausbau und neue Agenten-Tools

Von Heise
Roboterhände halten eine leuchtende Wolke mit dem AWS-Logo

(Bild: Moritz Förster / KI / iX)

Amazon erweitert sein KI-Angebot in der European Sovereign Cloud mit neuen Modellen und Tools. Mantle verspricht Zero Operator Access.

Für die kommenden Monate kündigte Amazon auf dem AWS Summit einen deutlichen Ausbau des KI-Angebots in der European Sovereign Cloud an. Neu hinzu kommen sollen Amazon Nova 2 Lite sowie Open-Weight-Modelle von Mistral AI und OpenAI auf Amazon Bedrock. Damit weitet AWS die Modellauswahl in der als souverän beworbenen Cloud auf eine Bandbreite aus, die bisher nur in den klassischen Regionen verfügbar war.

Mantle soll Bedrock für sensible Workloads absichern

Architektonisch interessant ist Mantle, die Inferencing-Engine der nächsten Generation für Amazon Bedrock. AWS verspricht Zero Operator Access: Das Betriebspersonal soll Eingaben und Antworten zu keinem Zeitpunkt einsehen können – relevant für Workloads mit Berufsgeheimnis oder strengen Datenschutzanforderungen. Zusätzlich soll Mantle Anfragen dynamisch Kapazitäten zuweisen, was die Verfügbarkeit für Steady-State-Workloads verbessert und schnelles Skalieren bei Lastspitzen erlaubt.

Die seit Januar 2026 allgemein verfügbare AWS European Sovereign Cloud [1] ist ein vollständig in der EU betriebenes Cloud-Angebot mit Datenresidenz, ausschließlich EU-ansässigem Betriebspersonal und eigener Konzernstruktur unter deutschem Recht. AWS investiert dafür 7,8 Milliarden Euro bis 2040. Die erste Region steht in Brandenburg; Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal sind geplant. Die deutsche Trägergesellschaft leitet Kathrin Renz; das Gesamtangebot verantwortet Stéphane Israël, zuvor CEO von Arianespace.

Der AWS Marketplace umfasst nach AWS-Angaben über 165 für die European Sovereign Cloud optimierte Lösungen aus Infrastruktur, DevOps, Cloud Operations und KI-Agenten. Neu allgemein verfügbar ist SAP Cloud ERP Private. Neu auf der Infrastrukturseite sind Amazon EC2 G6-Instanzen mit NVIDIA-L4-GPUs für beschleunigtes Computing; zuvor sind bereits AWS Network Firewall, AWS Elastic Disaster Recovery und das AWS IAM Identity Center eingezogen.

Agentenbasierte Werkzeuge: Kiro, Quick und Transform

Den zweiten Schwerpunkt setzte Jonathan Allen, Executive in Residence bei AWS, mit einer Bestandsaufnahme zur agentenbasierten Software-Entwicklung: Wer mit KI-Agenten Code zehnmal schneller produziert, verlagert den Aufwand auf Verifikation und Betrieb. AWS adressiert das mit drei Produktlinien.

Kiro ist eine agentenbasierte Entwicklungsumgebung, seit November 2025 allgemein verfügbar [2]. Sie folgt einem spezifikationsgetriebenen Ansatz: User Stories, Designdokumente und Architekturskizzen entstehen als strukturierte Specs, gegen die der Agent dann implementiert. Mit der GA kamen Property-based Testing zur Spec-Konformität, Checkpointing, eine Kiro-CLI sowie zentral verwaltbare Team-Pläne über das AWS IAM Identity Center hinzu. Im Backend nutzt Kiro Anthropic Claude (zuletzt Opus 4.7).

Seit der GA hat AWS auf Kiro spürbar Tempo gemacht. Wenige Tage vor dem Summit, am 12. Mai, ergänzte AWS Kiro um eine optionale Requirements-Analysis-Engine, die vor jeder Code-Generierung prüft, ob eine Spec überhaupt widerspruchsfrei umsetzbar ist. Eine dreistufige neurosymbolische Pipeline – Refinement, Auto-Formalisierung, logische Analyse – überführt natürlichsprachliche Anforderungen über die EARS-Notation in formale SMT-lib-Logik; ein automatisierter Reasoner sucht darauf nach Widersprüchen, Lücken sowie zulässigen und unzulässigen Verhaltensszenarien. Mehrdeutigkeiten erkennt Kiro über die semantische Entropie mehrerer LLM-Übersetzungsproben: Divergieren die Formalisierungen logisch, präsentiert Kiro die Stelle als Zwei-Optionen-Frage („remove the record“ – Hard- oder Soft-Delete?). Den technischen Unterbau hat ein AWS-Applied-Science-Team in einem detaillierten zweiten Blogpost [3] dokumentiert und mit aktueller Requirements-Engineering-Forschung untermauert.

Im selben Release beschleunigt Parallel Task Execution die Implementierungsphase: Kiro analysiert den Abhängigkeitsgraphen einer Spec, bündelt unabhängige Tasks zu parallel laufenden „Waves“ mit isoliertem Kontext und arbeitet fehlertolerant weiter, wenn ein einzelner Task scheitert – Verkürzung großer Specs laut AWS von 60 bis 90 Minuten auf etwa 15 Minuten. Ein neuer Quick-Plan-Modus scannt vorab Sprache, Frameworks und Projektstruktur des Workspace und stellt darauf zugeschnittene Klärungsfragen am Anfang, statt jeden Spec-Schritt einzeln freigeben zu lassen.

Ferner brachte die Kiro CLI 2.4.0 einen /rewind-Befehl zum Verzweigen aus früheren Prompts, eine modellindividuell einstellbare Reasoning-Tiefe und laut AWS eine um 88 Prozent schnellere Workspace-Initialisierung. Compliance-seitig ist Kiro seit Februar in den AWS-GovCloud-Regionen (US-East/West) verfügbar und seit Mai HIPAA-eligible – allerdings nur IDE und CLI, Kiro Web ist (noch) nicht enthalten. Parallel füllt sich der Marktplatz „Kiro Powers“: AWS Observability hängt Incident-Investigationen per Klick an Kiro an, ein Apache-Spark-Troubleshooting- und ein Upgrade-Agent für Amazon EMR sollen Spark-Versionssprünge von Monaten auf Wochen verkürzen.

Quick und Transform für Unternehmensanwendungen

AWS positioniert Amazon Quick als Weiterentwicklung von Amazon Q Business, der Assistent verknüpft strukturierte und unstrukturierte Unternehmensdaten. AWS Transform richtet sich an klassische Modernisierungsprojekte; AWS nennt über eine Milliarde transformierte Mainframe-Code-Zeilen als Referenzgröße. Neu ist vor allem, wo Transform künftig läuft: AWS hat die Modernisierungsagenten Mitte Mai aus der eigenen Web-Konsole herausgelöst und über einen AWS-Transform-MCP-Server, Agent-Plugins und eine Kiro Power direkt in agentische Entwicklungsumgebungen wie Kiro, Claude, Cursor und Codex gebracht. Eine Transformation lässt sich damit in der IDE starten, im Web-Frontend überwachen und wieder in der IDE fortsetzen – gegen denselben Job mit konsistentem Zustand und nun auch per IAM-Rollen-Authentifizierung statt separater Anmeldung.

Mit AWS Transform Custom lassen sich eigene Transformationsagenten für unternehmenseigenen Code bauen. Das dafür nötige Agent-Builder-Toolkit namens Kiro power ist seit Mai allgemein verfügbar und erlaubt Partnern und Kunden, eigene Agenten samt Tools, Wissensbasen und Workflows in Transform einzuklinken und zur Wiederverwendung zu registrieren. Konkreter wird auch die VMware-Migration: Transform modernisiert jetzt Netzwerke mit, gleicht geplante VPCs gegen bereits vorhandene ab, erkennt CIDR-Konflikte vor dem Provisioning und verarbeitet Netzkonfigurationen unabhängig vom Quellwerkzeug.

Ergänzend bewirbt AWS dedizierte DevOps- und Security-Agenten, die Incidents automatisch untersuchen, Ursachen diagnostizieren und Fixes vorschlagen – die finale Freigabe bleibt beim Menschen. Unterfüttert wird der Agenten-Stack durch weitere Modelloptionen: In Amazon SageMaker JumpStart sind seit Mai unter anderem GLM-5.1-FP8 von Z.ai (ausgelegt auf langlaufendes, agentisches Coding über viele Iterationen) sowie das kompakte Phi-4-mini-instruct von Microsoft (Reasoning unter Latenz- und Speicherrestriktionen, 24 Sprachen) verfügbar – per Klick oder SDK im eigenen AWS-Konto deploybar.

Präsentiert hatte Amazon die Neuerungen im Rahmen des AWS Summit. Mit 8800 Teilnehmern, 101 Sponsoren und 156 Sessions zog die Hausmesse dieses Jahr ein breites Fachpublikum in die Hamburg Messe.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11311915

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/AWS-verspricht-Souveraenitaet-mit-europaeischem-Cloudangebot-11141800.html
  2. https://www.heise.de/news/Was-kann-Kiro-was-Copilot-nicht-versteht-Amazon-stellt-eigene-KI-IDE-vor-10488825.html
  3. https://kiro.dev/blog/deep-spec-analysis/
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  5. mailto:fo@ix.de

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  • 29. Mai 2026 um 16:19

DNS-AID: Agenten veröffentlichen wie Webseiten

Von Heise
Zwei Roboterarme beim Handshake, einer weiß, der andere rot.

(Bild: Moritz Förster / KI / iX)

DNS-AID will KI-Agenten wie Websites auffindbar machen. Das Open-Source-Projekt der Linux Foundation setzt dafür auf etablierte DNS-Standards statt Registries.

Die Linux Foundation hat das Open-Source-Projekt DNS-AID (DNS for AI Discovery) [1] angekündigt. Es soll KI-Agenten und agentenbasierte Dienste über die bestehende DNS-Infrastruktur auffindbar und deren Identität überprüfbar machen. Statt auf zentrale Verzeichnisse oder fest konfigurierte Endpunkte zu setzen, greift DNS-AID auf etablierte Internetstandards und die dezentrale Struktur des Domain Name System (DNS) zurück.

DNS-AID umfasst ein offenes Protokoll und eine Referenzimplementierung, um KI-Agenten zu veröffentlichen, zu suchen und zu verifizieren. Ursprünglich entwickelte Infoblox das Projekt, das nun unter dem Dach der Linux Foundation weiterläuft. Parallel dazu erarbeitet die IETF die technische Spezifikation als Internet-Draft [2]. Ziel ist ein standardisiertes Verfahren, mit dem KI-Agenten die Dienste anderer Agenten automatisch finden und nutzen können.

Veröffentlichung über DNS-Einträge

Im Kern veröffentlicht DNS-AID Informationen zu Agenten als DNS-Einträge innerhalb einer Domain. Betreiber registrieren ihre Agenten nach dem Schema _<agentname>._<protokoll>._agents.<domain> in ihrer DNS-Zone – etwa _chatbot._mcp._agents.example.com für einen MCP-basierten Chatbot. Andere Agenten ermitteln diese Informationen anschließend über reguläre DNS-Abfragen und kommunizieren direkt mit dem Zielsystem. Die Projektseite [3] beschreibt das Vorgehen als universelles Discovery-Verfahren für Agenten, vergleichbar mit der Namensauflösung von Websites über DNS.

Nach Angaben der Entwickler kommt DNS-AID dabei ohne neue DNS-Record-Typen aus. Das Projekt stützt sich auf bestehende Mechanismen wie Service Binding Records (SVCB, RFC 9460), TXT-Records sowie die Sicherheitsstandards DNSSEC und DANE/TLSA. SVCB-Records liefern ursprünglich zusätzliche Verbindungsinformationen zu Netzwerkdiensten. DNS-AID nutzt SVCB-Records, um Agenten samt Endpunkt, Protokollangaben und Verweisen auf weitere Metadaten zu veröffentlichen. Fähigkeiten können je nach Implementierung direkt über DNS-Einträge oder über verknüpfte Dokumente bereitgestellt werden.

Drei Wege zur Auffindung

Agenten lassen sich auf drei Wegen auffinden: über ihren Namen, über bestimmte Fähigkeiten oder über einen vollständigen Katalog aller Agenten einer Domain. Die Suche nach Fähigkeiten eignet sich etwa, um innerhalb einer Organisation oder zwischen Partnerunternehmen einen Agenten für Aufgaben wie Terminplanung, Support oder Buchungen zu finden. Alternativ rufen Systeme einen Index-Eintrag ab, der sämtliche veröffentlichten Agenten einer Domain auflistet.

Für die Vertrauensprüfung greift DNS-AID auf die bestehende DNS-Sicherheitsinfrastruktur zurück. Öffentliche DNS-Zonen sollen mit DNSSEC signiert sein, damit Clients die Authentizität der Einträge kryptografisch prüfen können. Optional verknüpfen TLSA-Einträge nach dem DANE-Verfahren TLS-Zertifikate direkt mit DNS-Einträgen. So entsteht nach Vorstellung der Entwickler eine durchgehende Vertrauenskette von der DNS-Root-Zone bis zum einzelnen Agenten.

Protokollunabhängig und mit Referenzimplementierung

Auf eine bestimmte Form der Agentenkommunikation legt sich das Protokoll nicht fest. Genannt werden unter anderem MCP, Agent-to-Agent-Protokolle (A2A) und HTTPS. Weitere Protokolle lassen sich über ALPN-IDs in den SVCB-Einträgen einbinden. ALPN (Application-Layer Protocol Negotiation) dient bereits heute etwa zur Aushandlung von HTTP/2 oder HTTP/3.

Eine Referenzimplementierung [4] steht mit einem Python-SDK, einem CLI-Tool und einem MCP-Server bereit. Sie unterstützt verschiedene DNS-Backends, darunter Cloudflare, AWS Route 53, NS1, Google Cloud DNS und Infoblox NIOS sowie alle DNS-Server, die RFC 2136 (Dynamic DNS) beherrschen. Zudem enthält sie Funktionen, um Agenten zu veröffentlichen und zu suchen sowie DNSSEC- und DANE-Informationen zu validieren.

Die Linux Foundation bezeichnet DNS-AID explizit als offenen und herstellerneutralen Ansatz für das Auffinden von Agenten. Zu den ersten Unterstützern zählen Cloudflare, CSC, Equinix, GoDaddy, Indeed, Infoblox, das Internet Systems Consortium (ISC) und WWT.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11311692

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.linuxfoundation.org/press/linux-foundation-announces-dns-aid-project-to-advance-decentralized-ai-agent-discovery
  2. https://datatracker.ietf.org/doc/draft-mozleywilliams-dnsop-dnsaid/
  3. https://dns-aid.org/
  4. https://github.com/dns-aid/dns-aid-core
  5. https://www.heise.de/ix
  6. mailto:fo@ix.de

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  • 29. Mai 2026 um 15:19
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