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Darknet Diaries Deutsch: Nackt im Netz - Teil 1

Von Heise

81 Madisons Nacktfotos wurden online veröffentlicht. Ihre Zwillingsschwester Christine kam ihr zu Hilfe. Es beginnt eine Jagd durch die Abgründe des Internets.

Dies ist der erste Teil von „Nackt im Netz". Der zweite Teil wird in einer Woche veröffentlicht. Im Englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „Revenge Bytes [1]“.

Die deutsche Produktion verantworten Isabel Grünewald und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert [2] werden.

JACK: Okay, gleich vorweg eine inhaltliche Warnung. In dieser Folge geht es um sexuell explizite Themen. Wir sprechen über Nacktheit, und es wird auch geflucht – diese Episode ist also für erwachsene Hörer. Ihr seid gewarnt.

Okay, also – sind schon mal Nacktfotos online geleakt worden? Vielleicht ja. Ihr wisst es vielleicht nur nicht, denn da draußen passieren wirklich verrückte Dinge. Lasst es mich erklären. Erstens hat die Polizei Zugriff auf einige ziemlich heftige Werkzeuge – Datenbanken, die das Internet durchsuchen und dann jede Menge Informationen über eine Person speichern. Das soll wohl Ermittlungen unterstützen, damit Beamte schnell und einfach an alle möglichen Daten zu einer Person kommen. Sie sehen euren Familienstand, eure Adresse, euren Job, euer Gehalt, euer Auto, eure Flugdaten, eure Social-Media-Konten und natürlich auch Fotos von euch. Nun ja, einige Polizisten sind dabei erwischt worden, dieses Werkzeug zu missbrauchen. Ein Beamter wurde dabei ertappt, wie er auf Tinder nach Dates suchte – das ist okay. Polizisten dürfen auf Tinder nach Dates suchen. Aber er hat seine Matches in dieser Polizeidatenbank überprüft. Ein anderer Polizist nutzte die Datenbank, um eine Frau zu stalken, in die er verknallt war, und ein dritter, Bryan, ufff – der versuchte, mit dem Werkzeug Nacktfotos von Frauen zu finden.

Er nutzte seinen Zugang, um Informationen über Frauen zu sammeln, und arbeitete dann mit einem Hacker zusammen, um in deren Konten einzudringen und an Nacktfotos zu kommen. Ja, ein Polizist hat seine Macht missbraucht, um Nacktfotos von Frauen zu stehlen, und versuchte dann, sie damit zu erpressen. Dafür ist er ins Gefängnis gewandert. Aber es spielt eigentlich keine Rolle, ob es nun ein Polizist war oder nicht. Allein die Vorstellung, dass ein Hacker in euer Konto einbrechen und private Fotos von eurem Handy stehlen kann, ist ein riesiges Problem. Ich habe unzählige Geschichten gelesen von Männern, die Kameras an Orten platziert haben, wo sie nichts zu suchen haben – in Damentoiletten, in Umkleiden. Und mit immer kleineren, immer schwerer zu entdeckenden Kameras wird das Problem nicht kleiner. Aber tatsächlich installiert ihr selbst auch jede Menge Überwachungskameras in euren Wohnungen. ADT zum Beispiel ist eine Sicherheitsfirma, bei der ihr Kameras in eurem Zuhause platzieren könnt, um eure Sicherheit zu überwachen. Aber ratet mal: Ein ADT-Mitarbeiter wurde dabei erwischt, wie er seinen Zugriff missbrauchte und Frauen sowie Menschen beim Sex in ihren Wohnungen ausspionierte und Screenshots von ihnen machte.

Ach, und vergessen wir nicht LOVEINT. Der Begriff wird verwendet, wenn Geheimdienstmitarbeiter ihre Spionagebefugnisse nutzen, um ihre Liebespartner auszuspionieren. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen NSA-Mitarbeiter ihren Zugriff auf die nationale Überwachungsinfrastruktur genutzt haben, um zu prüfen, ob ein Partner fremdgeht, oder um jemanden, an dem sie Interesse hatten, genauer im Auge zu haben.

Es gibt also jede Menge Fälle da draußen, die zeigen, wie eure Nacktfotos geleakt werden können, ohne dass ihr irgendetwas falsch gemacht habt. Denkt mal darüber nach, wenn ihr das nächste Mal eine Kamera seht – und wahrscheinlich seht ihr jeden Tag unzählige Kameras. Bei all unseren vernetzten und smarten Geräten sind wir nicht die Einzigen, die sie steuern können. Und die Leute, die Zugriff auf eure Kamera haben, können diesen Zugriff missbrauchen – und sie werden es tun. Vielleicht ist die Kamera auch einfach nur unsicher und jemand, der eigentlich keinen Zugriff haben sollte, kommt rein. Kameras sind heute allgegenwärtig in unserem Leben, macht euch bewusst, dass ihr nicht darauf vertrauen solltet, dass sie euer Privatleben privat halten. Denkt mal an all die Orte, an denen ihr nackt vor einer Kamera seid. Heutzutage nimmt doch jeder sein Handy mit auf die Toilette - - - oder?

Der Albtraum beginnt

JACK: Okay, also – lass uns einfach erstmal kurz’n bisschen kennenlernen. Wie heißt du, und wie sah dein Leben aus, bevor das alles angefangen hat?

MADISON: Ich heiße Madison, und meine Güte, das ist – die erste Frage, die du mir stellst, ist schon ziemlich schwer, weil ich mich kaum noch erinnern kann, wie mein Leben vorher war.

JACK: Madison, kein Problem. Ich versuche zu helfen. Madison ist in Florida aufgewachsen und ging nach der Highschool auf ein College in Florida.

MADISON: Ich habe Marketing und Kommunikation studiert.

JACK: Madison hat eine Zwillingsschwester namens Christine.

CHRISTINE: Ja.

MADISON: Ja, also, meine Zwillingsschwester und ich sind damals auf dasselbe College gegangen.

JACK: Christine wollte Anwältin werden, und an der Uni lernte sie einen Typen kennen.

CHRISTINE: Dana war in einer Verbindung, ich war in einer Mädchenverbindung, und wir wurden für die Homecoming-Feier zusammengelost. Er war damals der Präsident seiner Verbindung, und ich war für meine Verbindung als Homecoming Queen nominiert.

JACK: Dana, was hast du an der Uni gemacht?

DANA: Ich bin Verkehrspilot und war damals in meiner Ausbildung. Ich hab Luffahrt studiert und das Fliegen im College gelernt.

JACK: Dana war damals ziemlich aktiv in seiner Studentenverbindung; er traf sich mit den Jungs, schloss Freundschaft mit ihnen und knüpfte zu ein paar von ihnen andauernde Freundschaften. Christine aber war diejenige, die ihm am meisten gefiel. Dana und Christine fingen dann auch an, sich im College zu verabreden. Manchmal kam sie vorbei und verbrachte auch Zeit mit den Jungs aus der Studentenverbindung. Sie lernte einige von ihnen ziemlich gut kennen, und natürlich lernte Dana mit der Zeit auch Christines Zwillingsschwester Madison kennen.

DANA: Ich weiß nicht, ob du jemals Mary-Kate und Ashley Olsen gesehen hast – aber das waren so ihre Idole, als sie aufwuchsen. Die beiden haben ja so ein Art „wir lösen jeden Fall noch vor dem Abendessen“-Mentalität. So sind Christine und Madison auch seit sie fünf Jahre alt sind.

MADISON: Ich war so um die neunzehn oder zwanzig, und ich erinnere mich, dass ich aufgewacht bin, und – eine Bekannte aus der Highschool hatte mir eine Direktnachricht geschickt: Hey, jemand belästigt dich im Internet und postet Fotos von dir. Ich war nur so: Was? Nein. Schick mir Links. Was ist los?

JACK: Sexuell explizite Bilder von Madison waren öffentlich im Internet gepostet worden - für jeden zu sehen.

MADISON: Auf den Fotos war ich bedeckt, aber – ich nenne das Nip-Slips.

JACK: Diese Fotos entstanden im Rahmen eines Fotoshootings, das sie mit einem Fotografen in Florida gemacht hat. Eigentlich sollten sie keine Nacktszenen zeigen. Aber als sie sich während des Shootings bewegte, wurde ihre Brustwarze auf einigen Fotos teilweise sichtbar – doch das waren Fotos die eigentlich nur bei ihrem Fotografen hätten bleiben sollen. Niemand hätte diesen Nippelblitzer sehen dürfen. Wie konnte das passieren?

MADISON: Ich weiß bis heute nicht genau, wo die Leute die herhatten.

JACK: Wo wurde es gepostet?

MADISON: Also, da war 4chan – das ist die große Plattform, die du sicher kennst.

JACK: Mhm.

MADISON: Eine Zeit lang war es auch moe.com und 4archive, das ist eine Archivseite für 4chan. Dann gibt es motherless.com. Es gibt noch einige weitere, aber 4chan und das 4chan-Archiv sind die größten – diese richtig üblen Webseiten, auf denen sich Leute herumtreiben.

JACK: Okay, also wurden ihre Fotos nicht nur dort hochgeladen, sondern derjenige, der sie postete, schrieb auch noch Sachen wie: Helft mir, mehr Nacktfotos von ihr zu finden – und postete ihren Namen und ihre Daten zusammen mit den Fotos.

MADISON: Ja, ich glaube, es war mein vollständiger Name, mein Snapchat, mein Facebook und meine Telefonnummer.

JACK: Könnt ihr euch vorstellen, aufzuwachen und auf verschiedenen Webseiten Beiträge zu finden mit Fotos von euch, wo ihr teilweise nackt zu sehen seid? Beiträge, in denen jemand andere dazu aufruft, euch ins Visier zu nehmen, euch zu verletzen und mehr Nacktfotos von euch zu beschaffen? Klingt schlimm.

MADISON: Ich glaube, meine erste Reaktion war einfach Schock und Hilflosigkeit, weil ich nicht wusste, wer mir das antun wollte. Das war wahrscheinlich das Schlimmste – dass das jemand war, der mich vielleicht kannte oder auch nicht, der mir aber schaden wollte, und ich keine Ahnung hatte, wer es war. Das war sehr beängstigend.

JACK: Auf 4chan ist jeder anonym. Es gibt also kaum Anhaltspunkte, um herauszufinden, wer das sein könnte. Es ist ein anonymer Nutzer. Da aber in dem Beitrag ihre Social-Media-Profile aufgelistet waren, bekam sie jetzt seltsame Nachrichten und SMS.

MADISON: Das war schrecklich, weil mein Handy zu bestimmten Zeiten buchstäblich nonstop explodierte. Natürlich nie an einem Dienstagmittag, sondern um 3 oder 4 Uhr nachts an einem Montag, wenn man am nächsten Tag arbeiten muss. Es war ziemlich übel. Selbst Kleinigkeiten – das klingt vielleicht blöd, aber um mein Handy ausschalten zu können, musste ich mir einen Wecker kaufen. Unsere Handys sind ja unsere Wecker. Mitten in der Nacht musste ich also mein Handy ausschalten und habe dann verschlafen und kam zu spät zur Arbeit, weil ich einfach mal etwas Schlaf brauchte, um am nächsten Tag einen normalen Tag zu haben. Das Handy war also damals das Schlimmste. Am Anfang habe ich noch geantwortet, wenn mich Leute angeschrieben haben – ich habe versucht, herauszufinden, wer es ist. Damals wusste ich noch nicht, dass es mehrere Leute waren. Es hat wirklich lange gedauert, das ganze Ausmaß zu begreifen – was die Leute vorhatten und wie sie es taten. Es hat mich offensichtlich nicht weit gebracht.

JACK: Aber sie speicherte alles – Nachrichten, Telefonnummern und Benutzernamen –, falls irgendwann ein Sinn darin auftauchen würde. Es war nicht nur einmal. Wer auch immer das gepostet hatte, tat es unermüdlich, immer und immer wieder, Woche für Woche, und führte diese Kampagne gegen sie fort. Das gefiel ihr nicht. Sie wollte nicht, dass ihre Nacktfotos online sind. Sie wollte die Belästigung stoppen, dass die Nachrichten auch aufhören. Aber wie schafft man das?

Weil die Situation peinlich ist, fällt es einem wohl auch schwer, irgendjemanden um Hilfe zu bitten. Was willst du machen – deinen Vater bitten, dabei zu helfen, herauszufinden, wer Fotos von deinen halb entblößten Brustwarzen gestohlen hat? Nein, um Gottes willen. Aber sie hatte einen Freund, und den bat sie um Hilfe. Er fing an, der Sache nachzugehen. Weil sie ihrer Zwillingsschwester Christine so nah stand, wandte sie sich irgendwann panisch an Christine.

CHRISTINE: Okay, lass uns mal kurz durchatmen. Das wird sich legen. Du bist jung. Es ist keine große Sache. Aber dann wurde es immer schlimmer und schlimmer und schlimmer. Also haben wir versucht, es bei der Polizei zu melden. Ich war also irgendwie involviert, habe meiner Zwillingsschwester geholfen, mit der Polizei zu kommunizieren, recherchiert. Zu diesem Zeitpunkt war ich im Jura-Studium oder kurz davor, also – ich war noch keine Profi, aber ich war ein bisschen besser ausgerüstet, um zu recherchieren, Leute zu kontaktieren. So bin ich anfangs reingerutscht – ich wollte einfach meiner Schwester helfen, mit dieser schrecklichen Sache umzugehen.

JACK: Sie mussten sich hinsetzen und erstmal verstehen, wie diese Webseiten überhaupt funktionieren. Und es war für die Schwestern wirklich heftig, sich dafür auf 4chan herumzutreiben, dieser Ort ist einfach grauenhaft.

Die Menge an Gewaltdarstellungen und Pornografie, die sie gesehen haben müssen, hat wahrscheinlich für immer Narben hinterlassen. Es ist ein echt hässlicher Ort. Es ist die Unterwelt des Internets, und sie waren da unterwegs, um die Moderatoren zu finden, fragten sich, warum Beiträge nach einer Weile verschwinden. Wo gehen die hin? Kann man andere Nutzer hier anschreiben? Kann man die Seite bitten, Beiträge zu entfernen? Was ist das für eine merkwürdige Sprache, die die Leute benutzen – Sauce, Winds, Sage? Welche anderen Seiten greifen diese Inhalte ab, hören mit, beobachten, archivieren? Und wie bringt man diese Seiten dazu, Fotos zu entfernen? Hat das alles irgendwelche rechtlichen Konsequenzen? Während Christine das intensiv erforschte, machten Madison und ihr Freund einen Trip in die Florida Keys. Die Florida Keys sind ja für ihre wunderschönen Sonnenuntergänge bekannt, und Madison war am Strand und schaute sich so einen wunderschönen Sonnenuntergang an. Sie zückte ihr Handy und machte ein Foto davon. Sie postete es auf Snapchat und bekam fast augenblicklich eine SMS von einem Fremden auf ihr Handy.

Der Täter ist näher als gedacht

MADISON: Ich bekam eine Nachricht: „Was für ein wunderschöner Sonnenuntergang, den du gerade gesehen hast. Ich hoffe, du hast Spaß in den Keys mit Jeff" – meinem damaligen Freund.

JACK: Was soll das, warum wird sie nicht in Ruhe gelassen und belästigt? Lasst Leute einfach ihren Urlaub genießen, ohne ihnen hinterherzuschleichen. Das hat Madison jedenfalls erschüttert. Sie war völlig durch den Wind. Wer beobachtet ihren Snapchat so genau? Moment mal, das ist eine gute Frage. Wer beobachtet ihren Snapchat?

MADISON: Bei Snapchat sieht man ja, wer die Bilder angesehen hat. Also bin ich sofort auf Snapchat gegangen und habe einen Screenshot von den Leuten gemacht, die das Foto gesehen hatten. Ich dachte: Es muss einer von denen sein – zu dem Zeitpunkt hatten wahrscheinlich 35 Leute es gesehen. Das waren nicht viele Leute, aber eben auch nicht nur eine Person. Also habe ich sofort einen Screenshot gemacht und das mal in der Hinterhand behalten.

JACK: Okay, ein guter Hinweis, denn das schränkt es wirklich ein. Die Belästigung ging nun schon so lange, dass sie ihre Social-Media-Konten auf privat gestellt hatte. Nur Leute, die sie kannte, durften die Fotos sehen, die sie postete. Ihr Belästiger könnte also jemand sein, den sie kannte?

MADISON: Diese 35 Leute waren zu diesem Zeitpunkt meine Verdächtigen, und das war wahrscheinlich vier oder fünf zwei Jahre nach Beginn der Belästigung. Es lief schon eine ganze Weile.

JACK: Zwei Jahre.

MADISON: Ja.

JACK: Zwei Jahre. Oh mein Gott. Wir haben noch nicht mal richtig angefangen, und schon zwei Jahre. Das ist so furchtbar.

MADISON: Ja.

JACK: Zwei Jahre Belästigung. Ich dachte, wir sind erst’n paar Monate drin.

MADISON: Nein.

JACK: So lange so übel belästigt zu werden, das zermürbt einen Menschen. Es ist harte Arbeit, sich durch 4chan zu wühlen oder zu versuchen, die einzelnen Punkte zu verbinden – nichts, was man im Urlaub machen will. Man will sich davon entfernen, nicht den Dreck aufsammeln und daran schnuppern. Sie schickte die Information also an ihre Schwester und versuchte wirklich, sich davon nicht runterziehen zu lassen, aber die belästigenden Beiträge und SMS kamen einfach immer weiter, und immer mehr. Wer auch immer das war, postete weiter auf all diesen Webseiten dieselben Nip-Slip-Fotos und ihre Kontaktdaten, und Leute riefen sie an und schrieben ihr Nachrichten.

MADISON: Ja, und irgendwann legte er nochmal eine Schippe drauf und gab meine Privatadresse heraus, die Social-Media-Profile meiner Eltern, die meiner Schwester und weitere Informationen. Das war ungefähr zur gleichen Zeit wie die Sache in den Keys, vielleicht in derselben Woche oder kurz danach. Er hatte eine Collage aus Fotos und Informationen zusammengestellt – ein paar Nacktfotos von mir, Facebook- und LinkedIn-Profilbilder von mir, meiner Familie, alle ihre Daten unter dem Foto von mir und meiner Familie, meine Privatadresse und verschiedene andere Informationen. Zu dieser Zeit drehte er definitiv auf und langweilte sich wahrscheinlich mit dem, was er vorher gemacht hatte. Meine Privatadresse da draußen zu wissen, war definitiv sehr beängstigend – wenn man weiß, wie viele Leute auf diesen Seiten unschuldige Frauen und Kinder belästigen und ihnen schaden wollen. Das war ein zusätzlicher Angstfaktor.

JACK: Das hat sie natürlich tief erschüttert. Es lähmt einen. Wie soll man sich auf die Arbeit konzentrieren, wenn ständig SMS reinkommen? Wie soll man sich zu Hause entspannen, wenn das Telefon ständig klingelt? Sie bat ihren Freund um Hilfe, und er ging der Sache nach – er stieg sogar ziemlich tief in die Ermittlung ein.

Der Ex-Freund gießt Öl ins Feuer

MADISON: Ich glaube, irgendwann – und wir wissen es eigentlich nicht – ich habe nie wirklich verstanden, was er da gemacht hat, aber irgendwann hat er angeblich versucht, beim IT-Aspekt zu helfen, IP-Adressen aufzuspüren und so. Ich glaube, er hat irgendwie angefangen mit dem Täter zu kommmunizieren und hat mit ihm hin und her geschrieben über E-Mails – das weiß ich definitiv, dass sie sich E-Mails geschrieben haben. Ich glaube, irgendwann – als er und ich uns trennten, aus mehreren Gründen, nicht nur wegen dieser Sache – könnte er einfach gedacht haben: Scheiß drauf, ich schicke ihm einfach noch ein paar zusätzliche Fotos von Madison. Er hat auch ein paar Fotos von meiner Schwester aus einem Fotoshooting geschickt. In dieser Zeit hat er die Situation also – sozusagen Öl ins Feuer gegossen – und alles tausendmal schlimmer gemacht.

JACK: Was zur Hölle? Ihr Freund hat den Typen, der das tat, ausfindig gemacht und ihm noch mehr Fotos gegeben? Was? Okay, ja – wir haben vorher über Nip-Slips gesprochen. Worüber reden wir jetzt?

MADISON: Es war sehr explizites Material. Wir waren in einer Fernbeziehung, also hatte er ein ganzes Arsenal an Sachen aus Videochats zwischen ihm und mir. Sehr explizit – komplette Vagina, ganzer Körper, alles, Videos und Fotos. Es waren also nicht mal nur Fotos.

JACK: Nicht gut. Das war der Stoff, der jetzt immer und immer wieder gepostet wurde, ohne Pause. Sie wusste, dass ihr Freund – jetzt Ex-Freund – derjenige sein musste, der das geleakt hatte, weil er der Einzige war, der diese Bilder und Videos hatte. Zwischen ihnen lief es nicht gut. Es lief sogar richtig schlecht, also war es möglich, dass er das aus Verletzung getan hatte. Aber Moment – die Nacktfotos ihrer Schwester waren auch dabei. Was geht da ab? Wie ist er an die gekommen? Christine, welches Foto hat er von dir gepostet?

CHRISTINE: Es gab ein Foto, von dem ich nicht mal wusste, dass es existiert. Es war ein angedeutetes Boudoir-Fotoshooting.

JACK: Okay, da waren also ein paar Nacktfotos von Christine, und diese Fotos brauchen einen Moment Erklärung, aber das ist es wert . Bei angedeuteten Boudoir-Fotos gibt es keine Nacktheit. Alles ist bedeckt. Das ist der „angedeutete" Teil. Es ist neckisch, es ist anregend, aber es werden keine intimen Körperteile gezeigt. Christine hat die Fotos von dem Shooting, und es waren einfach keine Nacktfotos dabei. Hinzu kommt, dass sie nie irgendwelche Fotos aus diesem Boudoir-Shooting öffentlich geteilt hatte, nichts davon in Social Media gepostet hatte – aber es gab Nacktfotos von ihr aus genau diesem Shooting im Internet. Wie ist das passiert? Inzwischen hatte Christine Dana geheiratet.

DANA: Ich war grob im Bilde, was vor sich ging – die beiden haben das größtenteils unter sich geregelt. Ich meine in so einer Situation gilt ja: Je weniger Leute davon wissen, desto besser. Man kann ja niemandem trauen. Ich hab die dann erstmal machen lassen, aber dann natürlich, als mitbekommen habe, dass die Nacktfotos meiner eigenen Frau online sind, hat das doch sehr meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Un da habe ich angefangen, mich da reinzuhängen. Es fühlte sich zwar falsch an, mich überhaupt damit zu beschäftigen, ich mein es geht um Nacktfotos meiner Schwägerin. Dann noch diese Website, sind einfach schreckliche Orte. Man fühlt sich ja schon komisch, allein wenn man sie anschaut. Aber als Christine im Internet auftauchte und wir wussten, dass das von irgendwem ausgeht, habe ich entschieden, dass das aufhören muss und ich alle Fähigkeiten einsetzen würde, die ich habe, um das hinzubekommen.

JACK: Okay, ein neuer Verbündeter tritt dem Kampf bei – Dana, der Pilot. Erstmal denkt er: Moment, woher kommen diese Fotos? Wie konnte der Unbekannte sie bekommen?

DANA: Bei diesen Shootings machen Fotograf*innen so um die 2.000 Bilder in einer Stunde, und wenn man die alle in ein Bildbetrachtungsprogramm lädt und durchscrollt, ist es im Grunde wie ein Video mit niedriger Bildrate. Die fotografieren ja ständig, mehrere Bilder pro Sekunde. Wenn man die zusammensetzt, ist es fast wie ein Video. Wenn die Model dann ihre Position ändern – also Frauen ihre Brüste mit den Armen verdecken oder was auch immer sie tun bei solchen andeutenden Boudoir-Shootings – irgendwann wechselt man die Position, dreht sich in einem bestimmten Winkel, und plötzlich ist die Brustwarze zu sehen. Was der damalige Freund gemacht hat...

CHRISTINE: Ja, wir nennen die Nip-Slips.

DANA: Also was der Freund gemacht hat: Er ist 1.200 Fotos auf einer CD von meiner Frau durchgegangen und hat die zwei Frames rausgepickt, in denen eine Brustwarze zu sehen war. Er hat sie gefunden, gespeichert und dem Typen geschickt.

JACK: Mann, das ist viel Arbeit – Hunderte von Fotos durchzugehen, um die ein oder zwei mit einem Nip-Slip zu finden. Aber trotzdem – diese Fotos waren auf einer CD in einer Kiste im Haus ihrer Eltern, vermischt mit anderen Fotos von Madison. Christine wusste nicht mal, dass diese Nip-Slips drin waren. Wie ist er also an die Fotos gekommen? Nun, wie ihr vielleicht wisst, sind Fotos auf einer CD ziemlich umständlich zu handhaben. Unsere Laptops und Handys haben keinen Schlitz mehr für CDs. Vor einer Weile ist Madison also einfach diese Kiste durchgegangen, hat einen Stapel CDs genommen und sie auf Dropbox kopiert, um leichter darauf zugreifen zu können. Und Madisons Freund hat sich irgendwie Zugang zu ihrer Dropbox verschafft und sich diese Fotos ihrer Schwester Christine angesehen – wo er diese Nip-Slips fand und hat sie dann diesem Typen, ihren Belästiger, geschickt. Was für ein riesiges Problem, mit dem sie sich jetzt auseinandersetzen müssen. Versteht das bitte: Dass Christines Nacktfotos so im Internet landen, ist das Unwahrscheinlichste, was passieren konnte. Sie hat ja keine Nacktfotos.

Die Tatsache, dass ein paar versehentlich aufgenommene Bilder, von denen sie nicht mal wusste, dass sie existierten, in einer Kiste im Haus ihrer Eltern – sogar offline – irgendwie auf einer Revenge-Porn-Seite landeten, ist so unfaur.

Manche Leute machen in solchen Situationen gerne den Opfern Vorwürfe - Victim-Blaming; ach, du, du schmutziges Mädchen, du, das hast du davon, wenn du Nacktfotos machst. Mit der Einstellung kannst du dich mal richtig gehackt legen.

Christine ist eine gute Person, und wenn so etwas Leuten passieren kann, die alles richtig gemacht haben, dann ist das ganz klar nicht die Schuld des Opfers. Wir sollten ihr und anderen Menschen in dieser Situation helfen, statt ihnen die Schuld zu geben.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Mindestens einmal im Monat schreibt mir ein Typ ne E-Mail und erzählt mir, dass er in einer ähnlichen Situation steckt. Er hat ne Frau online kennengelernt, es ging heiß her, er schickte ihr’n Dick-Pic, es stellte sich aber raus, dass sie eigentlich ein Mann war und nur auf etwas aus war, um ihn damit zu erpressen. Jetzt fragt er mich: Was soll ich tun? Sie wollen, dass ich 500 Dollar zahle, sonst schicken sie mein Nacktfoto an meinen Chef.

Und wisst ihr was? Mit ihm habe ich auch Mitgefühl, denn die Person, die sein Dick-Pic als Lösegeld festhält, bricht einfach das Gesetz. Sie betrügen ihn, erpressen ihn, belästigen ihn, und das gefällt mir nicht. Mir gefällt es nicht, wenn Belästiger mit ihrem Mist davonkommen, egal, wer das Opfer ist. Das Opfer ist irrelevant. Es ist der Kriminelle, der dafür beschuldigt und bestraft werden sollte.

Sorry, bin etwas vom Thema abgekommen. Online-Belästigung ist'n sensibles Thema für mich. Ich habe das Gefühl, dass es völlig außer Kontrolle geraten ist. Jeden Tag gehe ich online und sehe genau sowas, und jedes Mal ist das wie ein Stich ins Herz. Hört auf, Leute zu belästigen, okay? Wir können so viel Besseres mit unserer Zeit anfangen.

Wenn du ein Belästiger bist, hör auf damit. Und ist mir egal, wenn du glaubst, dass dein Verhalten gerechtfertigt ist. Hör einfach auf. Finde einen Weg, das Leben eines anderen positiv zu beeinflussen, nicht negativ. Lass es sein. Lasst uns versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, nicht zu einem schlechteren.

Scham und Sprachlosigkeit

MADISON: Wir haben es vor unseren Eltern verheimlicht, und nicht, weil unsere Eltern – sie sind super hilfsbereite Eltern. Wir kommen nicht aus einer streng katholischen Familie, die uns verstoßen oder ins Internat schicken würde. Aber es war einfach dieser Peinlichkeitsfaktor – wir sind, oder wir denken gerne, dass wir gebildete, kluge Frauen sind, und irgendwie sind wir in diese Situation geraten.

JACK: Ja, und ich kann mir auch nicht vorstellen, meinem Vater zu zeigen, was da draußen vor sich geht. Das wäre wohl die schrecklichste Erfahrung überhaupt.

MADISON: Genau. Egal, wie cool deine Eltern sind, das ist einfach kein Gespräch, das du mit ihnen führen willst.

JACK: Wie haben sie es dann erfahren?

MADISON: Sie haben es eigentlich gemerkt, als sie unaufgeforderte Bilder von mir bekamen. Ich glaube, von meiner Schwester nie, aber definitiv von mir. Aber sie haben das einfach gelöscht, weil sie nicht wussten, wie ernst die Lage war, weil wir es ihnen ja nicht gesagt hatten. Mein Vater meinte nur: Ja, ich habe die paar Sachen, die sie mir geschickt haben, einfach gelöscht, weil es so unangenehm war. Das hat er uns am Anfang gar nicht erzählt.

JACK: Mann, wie schrecklich muss das gewesen sein – als Elternteil zu sehen, dass dir jemand ein Nacktfoto deiner Tochter schickt. Aber dass Madison später erfahren musste, dass ihre Eltern es schon gesehen hatten, sich aber zu sehr, ja, schämten, etwas dazu zu sagen? Was für eine chaotische Situation für alle Beteiligten.

Okay, also Madison und Christine haben jetzt diesen dampfenden Haufen Mist, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen.

MADISON: Ja, und es war einfach – ich glaube nicht, dass – darf ich sagen, dass es scheiße war?

JACK: Ja, leg los.

MADISON: Okay. Ich war so – ich kann fließender sprechen, wenn ich sagen kann, was mir auf der Zunge liegt.

JACK: Auf jeden Fall. Ich denke, diese Folge ist von Anfang an als FSK 16 oder höher eingestuft.

MADISON: Ja, also – zu diesem Zeitpunkt waren Christine, Dana und ich ziemlich gut darin geworden, im Dark Web rumzuschnüffeln, Informationen über uns selbst zu finden, um Take-Downs zu machen und Dinge aufzuräumen. Wir hatten also erfolgreich herausgefunden, wie man Bilder von diesen Webseiten entfernen lässt, und wir machten das ziemlich schnell.

JACK: Auf welche Art, mit welcher Sprache sozusagen sagt ihr: Ey, ich will das entfernt haben?

MADISON: DMCAs ist das Fachwort.

JACK: Das ist interessant, oder? Die meisten Nacktbilder, die so geleakt werden, sind Selfies, und die Sache ist: Wenn du das Foto gemacht hast, hast du automatisch das Urheberrecht daran. Du musst es nicht beim Urheberrechtsamt registrieren oder so. Es ist automatisch dein urheberrechtlich geschütztes Werk. Wenn jemand also ohne deine Erlaubnis ein Foto verwendet, das du gemacht hast, ist das eine Urheberrechtsverletzung. Also klopft auf das Schild. Zeigt auf das Gesetz und sagt: Hey, es ist illegal, das ohne meine Erlaubnis zu posten. Nehmt es runter. Viele Seiten tun das dann. Natürlich war es eine große Hilfe, dass Christine Jura studierte und das wusste, und sie wollte dabei besonders vorsichtig und sicher sein, dass sie dabei mit beiden Beinen auf dem Boden des Gesetzes steht, und das Gesetz also auf ihrer Seite war. Sie sprachen sie mit dem Fotografen, der ihre Fotos gemacht hatte, ob sie das Urheberrecht der Bilder auf sie übertragen lassen können. Das ging klar. Dann ging sie also zum US-Urheberrechtsamt, um sich das Urheberrecht an ihren Nip-Slips übertragen zu lassen, einfach, um über mehr Autorität zu verfügen, die Bilder entfernen zu lassen.

MADISON: In dieser Zeit hatte ich mehrere Arbeitgeber, weil sich das Ganze über einen Zeitraum von acht oder neun Jahren erstreckt hat. Manager wurden in meinem Namen angerufen und belästigt. Sie sahen also bei LinkedIn oder Facebook, wo ich arbeitete, und riefen meinen damaligen Chef an und belästigten ihn und fragten: Wissen Sie, was über sie im Internet steht? Die typische Belästigung, nur an meine damaligen Chefs gerichtet.

JACK: Das... das, ich fass es nicht. Es ist so gruselig, weil es kein Entkommen gibt, oder? Egal, wo du hingehst. Du fährst in den Urlaub – du wirst im Urlaub belästigt. Du gehst zur Arbeit – du wirst auf der Arbeit belästigt. Zu Hause – du wirst zu Hause belästigt.

MADISON: Mhm. Wir haben es schließlich unseren Eltern erzählt, weil Christine und ich eines Tages zusammenbrachen und einfach losheulten und mit unseren Eltern dann darüber gesprochen haben.

JACK: Was hat den Zusammenbruch ausgelöst? Einfach, weil es nonstop war?

MADISON: Ja, ich glaube, es war einfach nonstop und wir haben unser Bestes gegeben, und – die Emotionen kochten hoch. Das Stresslevel war hoch.

JACK: Als du es deinen Eltern gesagt hast, fühlte es sich an – sie wussten nicht – du wusstest nicht, dass sie es wussten.

MADISON: Nein, sie wussten es bis zu einem gewissen Grad, aber sie hatten keine Ahnung, wie schlimm es war, weil sie nur das gesehen hatten, was ihnen zugeschickt wurde. Sie wussten nicht, wie schlimm es tatsächlich war.

JACK: Ja, ich stell’s mir gerade vor, wie – oh mein Gott, das ist also losgegangen, und sie sagten dann: „Ja, wir haben Nachrichten bekommen und wir haben uns damit nicht wohl gefühlt, mit dir darüber zu reden.“

MADISON: Ja, genau.

JACK: So ist das Gespräch verlaufen. Oh mein Gott.

MADISON: Ja, und dann, abgesehen davon...

JACK: Das macht es nur schlimmer, oder? Weil du schon kurz vor dem Zusammenbruch bist und dann denkst: Was? Du hast es auch gesehen? Sie wissen, dass du – ahh. Es wird immer - nicht besser.

MADISON: Ja, nein. Überhaupt nicht.

JACK: Da Christine ja Anwältin ist, wollte sie natürlich das Rechtssystem nutzen, um das zu klären.

CHRISTINE: Ich helfe – also, meine Schwester ging in die Sheriff-Abteilung in Melbourne, Florida, und wurde abgewimmelt. Das ist auch ungefähr die Zeit, in der das Florida-Gesetz gegen einvernehmenslose Pornografie in Kraft tritt. Es ist also nicht nur Belästigung, Stalking, eine Bundesstraftat – es ist zu diesem Zeitpunkt tatsächlich illegal im Bundesstaat Florida, genau das. Wenn man das Gesetz liest, ist es – in Laienbegriffen – absolut für genau diese Situation gemacht.

Sie wird also abgewimmelt, und ich denke: Das ist Schwachsinn. Also werde ich Informationen für sie zusammenstellen. Ich werde das Gesetz für euch ausdrucken. Ich wohnte zu der Zeit nicht in ihrer Nähe, aber ich versuchte, eines Tages mit ihr dort hineinzugehen, als ich in der Stadt war. Aber ich glaube, es war ein Wochenende oder ein Feiertag, und diese Abteilung hatte einfach nicht geöffnet. Also sagte ich: Ich hinterlasse euch diesen Ordner. Du gehst da rein und sorgst dafür, dass dir jemand zuhört. Letztendlich ging sie hinein, und sie hörten ihr wieder nicht zu. Ich erinnere mich, dass ich ihnen danach eine E-Mail schickte und sagte: Hey, ich würde mich freuen, herzukommen und – euren Beamten Schulungen zu diesem neuen Gesetz zu geben. Eure Beamten verstehen das Gesetz offensichtlich nicht. Bitte sorgt für Schulungen. Ich bin eine frisch vereidigte Anwältin, die euch und euren Beamten gerne mit diesem neuen Gesetz helfen würde. Diese E-Mail hat ihnen nicht gefallen, und sie versicherten mir, dass ihre Beamten geschult seien und ihre Arbeit machten.

JACK: Oh, wie frustrierend. Als sie sagte, Madison sei abgewimmelt worden – die Polizei hat nicht mal ihren Namen oder irgendwelche Informationen über die Verbrechen aufgenommen, die sie meldete. Es klang, als ob es ihnen absolut egal war. Aber diese Schwestern waren zäh und klug und ließen sich kein „Nein" als Antwort geben. Hier endet Teil I, seid in der kommenden Woche auch dabei, wenn die Schwestern anfangen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Diese Episode wurde im englischen Original von Jack Rhysider erstellt. Den Text haben Marko Pauli und Isabel Grünewald übersetzt und gesprochen. 

Produktion: Marko Pauli   

Titelmusik: Breakmaster Cylinder 

Dies sind die Darknet Diaries auf Deutsch von Heise Online. 


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  • 02. Juni 2026 um 16:02

Red-Hat-Infostealer kommt auf mehr als 100.000 Downloads

Von Heise
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(Bild: tomeqs/Shutterstock.com)

Die Managed Cloud Services von Red Hat waren das Ziel einer Lieferkettenattacke. Dahinter steckt ein Klon des npm-Wurms Mini Shai‑Hulud.

Ende Mai haben Cyberkriminelle in einer Lieferkettenattacke, die mittels eines Mini-Shai-Hulud-Klons erfolgte, bösartige Versionen von npm-Paketen verbreitet. Ziel der Malware, die sich selbst Miasma nennt, waren die Managed Cloud Services von Red Hat. Mittlerweile sind keine bösartigen Paketversionen mehr im Umlauf. Sicherheitsexperten raten dennoch dazu, die Credentials zu rotieren.

Miasma ist eine Variante des Shai-Hulud-Wurms. Sie brachte den Sicherheitsforschern von Socket zufolge [1] 96 bösartige Versionen von 32 npm-Paketen in Umlauf, die sich dem Namespace @redhat-cloud-services zuordnen lassen. Insgesamt gab es drei Angriffswellen, die sich jeweils auf kompromittierte Konten von Projekt-Maintainern zurückführen lassen.

Laut Red Hat wurden alle drei Wellen mittlerweile gestoppt [2]. Dabei betonte der Anbieter, dass die betroffenen Pakete ausschließlich für die interne Entwicklung bestimmt gewesen seien. Ein Einfluss auf Kundenumgebungen oder Produktivsysteme sei bislang nicht festgestellt worden.

Betroffene Pakete sind unter anderem @redhat-cloud-services/vulnerabilities-client, @redhat-cloud-services/tsc-transform-imports, @redhat-cloud-services/topological-inventory-client, @redhat-cloud-services/sources-client und @redhat-cloud-services/rule-components. OX Security hat nachgezählt, dass sie zusammen wöchentlich auf mehr als 100.000 Downloads [3] kommen.

Autogramm in der README.md

Miasma folgt dem klassischen Mini-Shai-Hulud-Schema: Die Malware nutzt gestohlene Credentials, um manipulierte npm-Pakete in der CI/CD-Lieferkette zu platzieren. Die saugen dann eine Vielzahl sensibler Informationen ab, darunter Zugangsdaten zu Amazon Web Services (AWS) sowie SSH-Schlüssel, Crypto-Wallets, npm- und GitHub-Tokens. Die gestohlenen Daten landen verschlüsselt in einem neuen GitHub-Repository, das die Malware anlegt. Von Miasma kompromittierte GitHub-Konten lassen sich an der Textzeile „Miasma : The Spreading Blight“ in der README.md [4] erkennen.

Der Cyberangriff von Miasma folgt dem Infektionsschema anderer Lieferkettenattacken, die unter der Eigenbezeichnung Mini Shai-Hulud laufen und es seit Ende April unter anderem auf npm-Pakete von SAP [5] und TanStack [6] abgesehen haben. Und er könnte mit der Cybergang TeamPCP in Verbindung stehen, die Mitte Mai den Quellcode des npm-Wurms Shai-Hulud auf GitHub veröffentlichte und parallel dazu zu einem Wettbewerb um den größten Supply-Chain-Angriff [7] aufrief. Kurz danach erschienen die ersten Klone, von denen einer kürzlich AntV [8] ins Visier nahm.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11315039

Links in diesem Artikel:

  1. https://socket.dev/supply-chain-attacks/red-hat-cloud-services-package-compromise
  2. https://access.redhat.com/security/supply-chain-attacks-NPM-packages
  3. https://www.ox.security/blog/new-npm-supply-chain-attack-redhat-cloud-services-compromised/
  4. https://github.com/search?q=Miasma%3A+The+Spreading+Blight&type=repositories&s=updated&o=desc
  5. https://www.heise.de/news/Boesartige-npm-Pakete-SAP-Software-kompromittiert-11280683.html
  6. https://www.heise.de/news/Supply-Chain-Angriff-auf-TanStack-42-Pakete-kompromittiert-11290715.html
  7. https://www.heise.de/news/npm-Wurm-Shai-Hulud-Angriff-der-Klone-11299094.html
  8. https://www.heise.de/news/Hunderte-boesartige-npm-Pakete-im-AntV-Oekosystem-entdeckt-11300242.html
  9. mailto:manuel.masiero@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 14:41

Juni-Patchday bei Samsung: Zahlreiche Sicherheitslücken gestopft

Von Heise
Ein Display, das ein Android-Logo zeigt

(Bild: Bk87 / Shutterstock.com)

Samsung hat sein Security-Bulletin für Juni 2026 veröffentlicht. Der Hersteller verteilt wichtige Sicherheitspatches für zahlreiche Galaxy-Geräte.

Samsung [1] hat sein Security-Bulletin für Juni 2026 veröffentlicht. Demzufolge verteilt der Hersteller in diesem Monat wichtige Sicherheitspatches für zahlreiche Galaxy-Smartphones. Die Aktualisierung dürfte nach und nach für alle Modelle bereitgestellt werden, die noch seitens des Herstellers unterstützt werden. Fünf der gestopften Sicherheitslücken stuft Samsung als „kritisch“ und 28 als „hoch“ ein.

Wie der Konzern auf seiner Webseite zu Sicherheitsupdates [2] schreibt, stammen viele der Patches von Google, die im Security-Bulletin für Juni 2026 aufgelistet [3] sind. Andere Patches betreffen nur Samsung-Geräte. Die Sicherheitslücken im Framework, Kernel und System gefährden Smartphones und Tablets mit Android 14, 15, 16 und 16 QPR2 [4] – letztere Android-Version liefert Samsung seit Mai mit One UI 8.5 [5] für viele Geräte aus.

Kritische Lücken

Durch die kritische Bluetooth-LE-Lücke (CVE-2026-0097) erhalten Angreifer etwa die Möglichkeit, lokale Rechte auszuweiten, ohne dass zusätzliche Ausführungsrechte erforderlich sind. Für die Ausnutzung ist keine Benutzerinteraktion erforderlich, heißt es.

Durch eine weitere adressierte Lücke (CVE-2026-21352) war unter anderem ein Schreibzugriff außerhalb des zulässigen Bereichs möglich, der zur Ausführung von beliebigem Code führen könnte. Die Ausnutzung dieser Schwachstelle erfordert jedoch eine Benutzerinteraktion, bei der das Opfer eine schädliche Datei öffnen muss.

Der Juni-Patch versorgt kompatible Galaxy-Modelle mit insgesamt 44 Fehlerbehebungen, während Modelle mit Exynos-Prozessoren einen zusätzlichen Patch von Samsung Semiconductor erhalten. Neben den seitens Google und Samsung Semiconductor ausgelieferten Patches stellt Samsung Mobile 11 bereit.

Die Updates sollten im Laufe der kommenden Tage auf vielen Galaxy-Geräten angeboten werden. Samsung erklärt ferner, dass die Verfügbarkeit von Sicherheitspatches je nach Region und Modell variieren könne. Updates im monatlichen Rhythmus erhalten bei Samsung zudem nur „wichtige Flaggschiff-Modelle“, während weitere Galaxy-Geräte nur quartalsweise versorgt werden – hierfür bietet Samsung auch eine Übersicht an [6].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11315093

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Samsung
  2. https://security.samsungmobile.com/securityUpdate.smsb
  3. https://www.heise.de/news/Patchday-18-kritische-Sicherheitsluecken-bedrohen-Android-14-15-16-11314546.html
  4. https://www.heise.de/news/Android-16-QPR2-Google-bringt-optimiertes-App-Theming-und-mehr-11100827.html
  5. https://www.heise.de/news/One-UI-8-5-fuer-Galaxy-S25-ist-fertig-Update-bringt-AirDrop-Support-und-mehr-11276947.html
  6. https://security.samsungmobile.com/workScope.smsb
  7. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  8. mailto:afl@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 12:19

Neue Speichertechnologien für Desktop-PCs auf der Computex

Von Heise

Auf der Computex zeigen die RAM-Hersteller CQDIMMs mit 128 GByte Kapazität und CUDIMMs mit bis zu DDR5-8000. Die Speicherkrise ist auch Thema.

Der Trend zu immer schnellerem und größerem Arbeitsspeicher für Desktop-PCs zeigt sich auch auf der IT-Messe Computex in Taiwan: Der taiwanische Hersteller Dato präsentiert Clock Unbuffered DIMMs (CUDIMMs) mit DDR5-8000-RAM, die diese Geschwindigkeit ohne Übertaktungs-Profile wie EXPO und XMP und damit ohne erhöhte Spannung schaffen. Am Stand von Adata gibt es CUDIMMs mit DDR5-7200 – das Maximum, was die aktuelle Desktop-CPU-Generation Core Ultra 200S Plus von Intel laut Spezifikation schafft.

Ein DDR5 RAM-Modul von DATO mit 24GB und PC8000.
Ein DDR5 RAM-Modul von DATO mit 24GB und PC8000.

Dato produziert inzwischen DDR5-8000-CUDIMMs, die ohne erhöhte Spannung auskommen.

(Bild: Christian Hirsch / heise medien)

CUDIMMs erreichen die hohen Taktfrequenzen durch aufgelötete Taktverstärker [1], die das Signal vom Speichercontroller in der CPU auffrischen. Derzeit unterstützt nur Intel bei LGA1851-Prozessoren diese Technik, also Core Ultra 200 alias Arrow Lake. AM5-CPUs von AMD der Serien Ryzen 7000, 8000 und 9000 können ausschließlich herkömmliche DDR5-Unbuffered-DIMMs (UDIMMs) ansteuern. Auf Nachfrage erklärte AMD in einem Gespräch mit c’t vor Ort in Taipeh, dass dies technisch bedingt sei. Der RAM-Controller im aktuellen I/O-Die tauge dafür nicht.

Ein RAM-Modul mit der Beschriftung Apacer 64GB CSOD DDR5 7200 CL58
Ein RAM-Modul mit der Beschriftung Apacer 64GB CSOD DDR5 7200 CL58

Für Mini-PCs und Notebooks gibt es CSODIMMs mit Taktverstärker, die wie hier von Apacer DDR5-7200-Tempo erreichen.

(Bild: Christian Hirsch / heise medien)

DIMMs mit vier Ranks für doppelte Kapazität

Für höhere Kapazitäten hat das für Arbeitsspeicher zuständige Industriekonsortium JEDEC vor einigen Monaten die Modulvariante Clocked Quad-Ranked DIMMs (CQDIMMs) vorgestellt [2], die auch als 4R-DIMMs bezeichnet werden. Damit verdoppelt sich die maximale Kapazität von 64 GByte auf 128 GByte pro Modul, weil sie doppelt so viele Chips tragen. Übliche DIMMs und CUDIMMs haben ein oder zwei Ranks, in denen die Speicherbausteine organisiert sind. CQDIMMs haben derer vier. Die Module funktionieren aber nur auf Mainboards mit einem DIMM pro Kanal, also maximal zwei insgesamt. Die maximale Kapazität bleibt also bei 256 GByte. Interessant ist diese Technik etwa für Mini-ITX-Mainboards mit wenig Platz. Unter anderem zeigt uns Teamgroup CQDIMMs und ein Demosystem.

Wider die Knappheit

Die RAM-Krise beschäftigt Hersteller von Speichermodulen derzeit stark. Sie kaufen aktuell jeden Speicherbaustein, den sie angeboten bekommen. Preise spielen keine Rolle, denn die großen KI-Hyperscaler wie Amazon, Google und Microsoft kaufen nahezu alles weg. Bislang bezogen die kleineren Hersteller ihren RAM vor allem von den Riesen wie Micron, Samsung und SK Hynix. Nun kommen verstärkt kleinere Hersteller wie Etron, Nanya und Winbond oder der chinesische Fertiger ChangXin Memory Technologies [3] (CXMT) zum Zuge.

Ein Computer-Arbeitsspeicherriegel mit vielen schwarzen Chips und goldenen Kontakten.
Ein Computer-Arbeitsspeicherriegel mit vielen schwarzen Chips und goldenen Kontakten.

Teamgroup präsentiert CQDIMMs mit DDR5-8000-Geschwindigkeit und 128 GByte Kapazität pro Modul.

(Bild: Christian Hirsch / heise medien)

Vor allem DDR4-RAM ist stark nachgefragt, weil viele Endkunden und kleinere Unternehmen verstärkt ältere CPU-Plattformen wie AMD AM4 und Intel LGA1700 für Neukäufe auswählen, weil DDR5-RAM so teuer ist. In China und Indien gibt es inzwischen einen Markt für Refurbished DIMMs aus stillgelegten Servern und Business-PCs. Das spüren auch die CPU-Hersteller. Laut AMD hat sich das Verhältnis bei verkauften Prozessoren in Westeuropa und den USA von rund 80 Prozent AM5/DDR5 zu 20 Prozent AM4/DDR4 auf 60:40 verschoben. In China, Indien und Osteuropa, liegt der Anteil von AM4 noch höher. AMD kündigte erst kürzlich die Wiedereinführung des Ryzen 7 5800X3D für AM4-Mainboards an [4].

Update

Bsuiness-PCs als weitere Quelle für Refurbished-DIMMs ergänzt.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11314765

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Ein-kleiner-Chip-mit-grosser-Wirkung-Takttreiber-beschleunigt-RAM-9982109.html
  2. https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Die-wichtigsten-Chips-des-Jahres-2026-10520475.html
  3. https://www.heise.de/news/Speicherkrise-PC-Hersteller-erwaegen-chinesischen-Speicher-11168713.html
  4. https://www.heise.de/news/AMD-bringt-die-Gaming-CPU-Ryzen-7-5800X3D-zurueck-11312603.html
  5. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  6. https://www.heise.de/ct
  7. mailto:chh@ct.de

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  • 02. Juni 2026 um 16:53

Firefox 151: Endlich Web-Serial für den beliebten Browser

Von Heise
Firefox Maskottchen jagt einen Bitstream.

(Bild: heise medien / KI)

Der freie und offene Webbrowser Firefox ist eine letzte Bastion gegen Chromium-Varianten. Nun gibt es endlich auch die Web-Serial-API für den Fuchs.

Mozilla hat Firefox 151 um die Web-Serial-API für Desktop-Browser erweitert. Die über JavaScript nutzbare Schnittstelle erlaubt Webanwendungen den direkten Zugriff auf serielle Geräte, die per USB oder Bluetooth mit dem Rechner verbunden sind. Entwickler können damit Mikrocontroller programmieren, Firmware aktualisieren oder Messdaten auslesen, ohne native Anwendungen oder Browser-Erweiterungen installieren zu müssen. Die Funktion war bislang Chromium-basierten Browsern wie Chrome oder Edge vorbehalten.

Der Schritt ist wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Viele moderne Hardware-Werkzeuge setzen inzwischen auf browserbasierte Oberflächen. Mussten Nutzer dafür bislang oft zwangsläufig zu einem Chromium-Browser greifen, wächst mit Firefox 151 [2] nun die Freiheit bei der Browserwahl. Mozilla hat die Implementierung nach eigenen Angaben gemeinsam mit Adafruit getestet [3] und validiert, dessen Open-Source-Hardwareplattformen in der Maker-Szene weitverbreitet sind.

Praxis

Die neue Schnittstelle dürfte zudem nicht nur für Maker und Hardwareentwickler interessant sein. Immer mehr Geräte verlagern Einrichtung, Diagnose und Firmwarepflege in den Browser. Von Messgeräten über Laborhardware bis hin zu Reparatur- und Servicewerkzeugen können künftig auch Endanwender profitieren, wenn Hersteller auf offene Webstandards statt auf proprietäre Desktop-Programme setzen.

Firefox 151 fordert vor dem Zugriff auf serielle Geräte ausdrücklich die Zustimmung des Nutzers an.

Dass das bereits funktioniert, zeigte ein kurzer Praxistest mit dem iFixit FixHub [4]. Nach Freigabe des seriellen Zugriffs über den neuen Firefox-Dialog erkannte die browserbasierte Web-Konsole die angeschlossene Power Station sofort.

Nach der Freigabe erscheint die angeschlossene FixHub Power Station im Geräteauswahldialog des Browsers.

Eine veraltete Firmware wurde automatisch erkannt und ließ sich direkt aus der Webanwendung aktualisieren.

Die Webanwendung erkennt direkt die veralteten Firmware-Versionen und spielt Updates direkt über die serielle Verbindung ein.

Anschließend konnte auch der angeschlossene Lötkolben vollständig über Firefox bedient werden. Temperaturanzeige, Sollwertvorgabe und Gerätestatus wurden ohne zusätzliche Software direkt im Browser dargestellt. Damit ist es möglich, den Lötkolben ohne die Station an beliebigen USB-C, Hochstrom-Powerbanks zu nutzen.

Temperaturregelung und Statusanzeige des iFixit-Lötkolbens laufen komplett in einer Browseranwendung auf Basis der Web-Serial-API.

Ich werde nun wieder mehr Firefox benutzen, nachdem diese für mich wichtige Funktion endlich verfügbar ist.

Siehe auch:


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11314905

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/make
  2. https://www.firefox.com/de/
  3. https://blog.mozilla.org/en/firefox/firefox-web-serial-adafruit/
  4. https://de.ifixit.com/fixhub-de
  5. https://www.heise.de/download/product/firefox-19416?wt_mc=intern.red.download.tickermeldung.ho.link.link
  6. mailto:caw@make-magazin.de

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  • 02. Juni 2026 um 11:37

Apple fixt Ladeproblem beim iPhone 17 und Shutdown-Bug auf M5-Macs

Von Heise
Installation von iOS auf einem iPhone

(Bild: nikkimeel / Shutterstock.com)

Apple verteilt iOS 26.5.1 und macOS Tahoe 26.5.1. Die Updates beheben ein Ladeproblem bei iPhone 17 und iPhone Air sowie Abstürze auf M5-Macs.

Apple hat am Montagabend zwei kleinere Updates veröffentlicht: iOS 26.5.1 richtet sich an Besitzer eines iPhone Air oder eines Modells der iPhone-17-Reihe, macOS Tahoe 26.5.1 adressiert einen Stabilitätsfehler auf Macs mit M5-Chip. Beide Aktualisierungen erscheinen wenige Wochen nach den umfangreichen Versionen 26.5 für iOS und macOS [1], die unter anderem Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für RCS-Nachrichten eingeführt haben.

Neue Funktionen liefern die Punktreleases nicht – sie konzentrieren sich ausschließlich auf Fehlerbehebungen. Laut Apples Release Notes [2] steht iOS 26.5.1 ausschließlich für das iPhone Air und sämtliche iPhone-17-Modelle bereit, also auch für das iPhone 17 Pro und Pro Max. Das macOS-Update wird hingegen allen Macs mit Tahoe-Unterstützung angeboten, obwohl der dokumentierte Fix nur M5-Hardware betrifft – ein Hinweis auf mögliche weitere, nicht näher beschriebene Korrekturen.

Kabelgebundenes Laden bei fast leerem Akku blockiert

Das iPhone-Update behebt einen Fehler, der bereits seit Ende April dokumentiert [3] ist. Apple beschreibt das Problem in den Release Notes so: Das Update behebe ein Problem, bei dem bei einer kleinen Zahl von Nutzern das kabelgebundene Laden auf iPhone Air und iPhone-17-Modellen nicht funktionieren konnte, wenn der Akku fast leer war. Im Alltag konnte das dazu führen, dass ein nahezu entladenes Gerät trotz angeschlossenen Kabels nicht wieder startete.

Laut Apples Release Notes behebt macOS Tahoe 26.5.1 ein Problem, bei dem Macs mit M5-Chip in Unternehmensumgebungen unerwartet herunterfahren konnten. Ursache war die Kombination aus bestimmten Netzwerkerweiterungen zur Inhaltsfilterung und dem M5-Chip – ein in verwalteten IT-Umgebungen mit Mobile Device Management verbreitetes Szenario. Bemerkenswert: Bereits macOS 26.5 sollte einen ähnlichen Absturzfehler auf M5-Geräten beheben, das Problem trat jedoch offenbar in Enterprise-Konfigurationen weiterhin auf.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11315942

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/iOS-26-5-macOS-26-5-Co-sind-da-Das-ist-neu-auf-iPhones-iPads-und-Macs-11290421.html
  2. https://support.apple.com/en-us/123075
  3. https://www.heise.de/news/USB-C-Laden-mit-leerem-Akku-Nutzer-melden-Probleme-bei-iPhone-17-Pro-und-Air-11279693.html
  4. https://www.heise.de/mac-and-i
  5. mailto:mki@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 17:45

Eine Stunde in Lockheed und Jet: Apple TV bringt Travoltas „Nachtflug nach L.A.”

Von Heise
Regisseur Travolta mit jungem Hauptdarsteller

Regisseur Travolta mit jungem Hauptdarsteller: Homage an die goldene Zeit des Fliegens.

(Bild: Apple)

John Travolta ist als Schauspieler und Produzent bekannt. Für den Apple-Streamingdienst hat der Flugzeugfan nun ein Kinderbuch für „AVgeeks" verfilmt.

„AVgeek“, kurz für Aviation Geek, sind Menschen, die gerne mit dem Flugzeug reisen, sich für Betrieb, Technik und organisatorische Hintergründe von Airlines interessieren, Fotos und Videos schießen und vielleicht auch selbst einen Pilotenschein machen. Zu dieser Gruppe kann mit Fug und Recht auch der Schauspieler und Produzent John Travolta („Grease“, „Pulp Ficiton“) zählen, der selbst Pilot ist, alte Flugzeuge besitzt und sogar einen eigenen Privatflughafen [1] betreibt. Seine Leidenschaft für Flugzeuge hat er nun in einen nostalgischen Film gegossen, der vor einigen Tagen Premiere beim Streamingdienst Apple TV hatte. Es handelt sich um die Verfilmung eines Kinderbuchs, das Travolta in den Neunzigerjahren für seinen Sohn verfasst hatte – folgerichtig ist er bei dem Streifen, der auf Deutsch „Nachtflug nach L.A.“ [2] heißt, nicht nur Produzent, sondern auch Drehbuchautor und Regisseur.

Goldenes Zeitalter der Fliegerei

Das Format des Films ist ungewöhnlich: Es handelt sich nicht um einen üblichen Zwei-Stunden-Film, sondern um einen Einstünder. Der Film spielt in den goldenen Zeiten des Fliegens in den USA in den Sechzigerjahren, als man an Bord noch kulinarisch hochklassig versorgt wurde (wenn auch, aufgrund der Raucherlaubnis, reichlich verqualmt). Travolta erzählt die Geschichte des Jungen Jeff, der als Achtjähriger mit seiner Mutter in einer TWA-Maschinen nach Los Angeles unterwegs ist – in Form eines Flugs über mehrere Zwischenstationen, wie es sie damals oft gab.

Jeff, der zum ersten Mal fliegt, aber über Flugzeugtypen und Flugpläne ganz genau Bescheid weiß, lernt Stewardessen und Piloten kennen, bekommt einen neuen Freund, der sich ebenfalls für Flugzeuge interessiert und verliebt sich schließlich. Für AVgeeks besonders interessant sind die vorkommenden Flugmodelle: Zunächst die berühmte „Connie“ (Lockheed L-1049 Super Constellation), eine Maschine mit vier Propellern, die einst auch die Lufthansa eingesetzt hat, dann eine Boeing 707, einer der ersten Jets im Passagierbetrieb.

TWA-Terminal im Film

Travolta bedient sich bei dem Film vorhandener Infrastruktur: So wird anfangs im TWA-Terminal am Flughafen J.F.K. in New York (damals Idlewild) gedreht, das mittlerweile als Hotel dient [3] und eine „Connie“ auf dem alten Vorfeld stehen hat, die heute eine Bar ist.

Kleine Patzer wie die Tatsache, dass die Räume des Hotels, die später angebaut wurden, nicht mittels CGI aus dem Film entfernt wurden, verzeiht man Travolta angesichts der schönen Stimmung des Films gerne. Die Kritik [5] war mit „Nachtflug nach L.A.“ allerdings nicht besonders gnädig. Die besteht allerdings auch weniger aus AVgeeks. Apple TV kostet aktuell 10 Euro im Monat, bei Kauf von Apple-Hardware gibt es Gratismonate.


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https://www.heise.de/-11313929

Links in diesem Artikel:

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Jumbolair_Airport
  2. https://tv.apple.com/de/movie/nachtflug-nach-la/umc.cmc.5q6yvnse5dxw6wbb1sxcwij2k
  3. https://www.twahotel.com/
  4. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  5. https://www.rottentomatoes.com/m/propeller_one_way_night_coach
  6. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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  8. mailto:bsc@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 14:35

Creator Studio: Apple entwirrt Abo von Bezahlkauf – ein bisschen

Von Heise
Creator Studio mit App-Icons

Creator Studio mit App-Icons: Mehrere Versionen, zur Miete oder zum Einzelkauf.

(Bild: Apple)

Verschiedene Icons, gleicher Name, viel Verwirrung: Apple verkauft seine Kreativ-Apps nun zur Miete und als Einmalkauf. Ein Supportdokument soll aufklären.

Nach Einführung von Apples Abokreativpaket [1] wundern sich viele Nutzer über die unterschiedlichen Icons, die der Hersteller nun für einige seiner bekanntesten Apps verwendet. Denn mit Creator Studio werden Anwendungen plötzlich in zwei verschiedenen Varianten offeriert: einer Abo- und einer Bezahlversion. Die kostenlose Office-Suite iWork wurde zudem komplett umgebaut und die Anwendungen Pages, Keynote und Numbers mittlerweile durch neue Versionen ersetzt [2], für die es bezahlte Inhalte im Rahmen des Abonnements gibt. Um die User darüber zu informieren, welche Programme welche sind, hat Apple nun eine Übersicht in Form eines Supportdokuments [3] geschaffen.

An der Farbe sollst Du sie erkennen

Es steht derzeit nur in englischer Sprache zur Verfügung und ist eigentlich leicht zu verstehen: Die neuen neonfarbenden und eher stilisierten Icons von Final Cut Pro (violett), Logic Pro (blau), MainStage (blaugrün), Motion (rotrosa), Compressor (gelb) und Pixelmator Pro (rot) gehören zum Apple Creator Studio. Wer Apples Kreativ-Apps hingegen bereits einmal erworben hatte („one-time purchase“, also Einmalzahlung), wird mit den alten Icons konfrontiert. Dies gilt für alle genannten Apps.

An den doppelten Apps an sich ändert sich nichts: Es ist durchaus möglich, dass man etwa Final Cut Pro als Bezahlversion auf dem Mac hat und die Aboversion via Creator Studio noch hinzuholt. In der Spotlight-Suche, im Finder oder im Dock muss man sich dann am Icon orientieren. Apple räumt die Verwirrung ein: „Da auf Ihrem Mac möglicherweise beide Apps installiert sind, überprüfen Sie bitte das App-Symbol, um sicherzustellen, dass Sie die richtige App verwenden oder notwendige Fehlerbehebungsmaßnahmen daran vornehmen.“

Wird das Abo bevorzugt?

Unklar bleibt, wie Apples weitere Strategie ist. Beobachter vermuten, dass der Konzern möglichst viele Nutzer ins Abonnement locken will, schließlich bringt das regelmäßige Neueinnahmen. Auf den ersten Blick wirkt Creator Studio auch recht verlockend. Für Normalnutzer kostet es 12,99 Euro im Monat oder 129 Euro im Jahr, während man etwa für Final Cut Pro als Einzelkauf schon knapp 350 Euro zahlt. Allerdings läppern sich die Kosten mit den Jahren.

Wie viel Pflege reinen Bezahlvarianten Apple zukommen lässt, muss die Zukunft zeigen. Bei Pixelmator Pro sah es etwa bislang nicht gut aus: Hier fehlen der Bezahlversion Funktionen der Abo-Variante [4].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11313951

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/tests/Kreativ-Abo-Fuer-wen-sich-das-Apple-Creator-Studio-lohnt-11176231.html
  2. https://www.heise.de/news/iWork-Apple-zwingt-zur-Nutzung-der-Creator-Studio-Versionen-11257688.html
  3. https://support.apple.com/en-us/127131
  4. https://www.heise.de/news/Apple-aktualisiert-Pixelmator-Pro-und-weitere-Creator-Studio-Apps-11251324.html
  5. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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  • 02. Juni 2026 um 13:47

Nationalismus überwunden? Was die CDU-Geschichte über Merz' These verrät

Von Telepolis
Friedrich Merz gestikuliert während einer Rede.

(Bild: penofoto / Shutterstock.com)

Merz beruft sich auf Adenauer, um die AfD abzuwehren. Doch die Union pflegte über Jahrzehnte genau das Deutschtum, das sie der AfD vorwirft. Ein Leitartikel.

Bundeskanzler Friedrich Merz steht mit dem Rücken zur Wand. Die Umfragen sind desaströs, die AfD liegt laut Insa bei 29 Prozent, der CDU/CSU-Block nur noch bei 22. In der CDU-Spitze kursieren Gerüchte über eine mögliche Ablösung [1], NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst wird als Alternative gehandelt.

In dieser Lage greift Merz zur großen Geschichtskeule, um für seine Linie und für die Brandmauer gegen die AfD zu werben: Die CDU habe mit Konrad Adenauer "die Ära des Nationalismus" hinter sich gelassen, erklärte er in Arnsberg [2]. Eine Zusammenarbeit mit der AfD sei deshalb "ausgeschlossen".

Das klingt entschlossen. Nur stimmt die Erzählung so nicht. Wer die Geschichte der CDU auch nur oberflächlich kennt, stößt auf Jahrzehnte nationalistischer Rhetorik, ethnisch grundierter Politik und personeller Kontinuitäten zur NSDAP.

Merz' historisches Argument hat ein Fundament aus Sand.

Adenauers Westbindung und Globkes Rassegesetze

Natürlich vollzog Adenauer einen realpolitischen Bruch: Westbindung statt Schaukelpolitik, Nato statt deutscher Sonderweg, europäische Integration statt Revanchismus. Programmatisch war das ein gewaltiger Schritt. Doch Merz verschweigt die andere Seite dieser Gründungsgeschichte.

Adenauers engster Mitarbeiter im Kanzleramt war Hans Globke – ein Jurist, der im NS-Staat die Kommentare zu den Nürnberger Rassegesetzen mitverfasst hatte. Das sogenannte 131er-Gesetz von 1951 ermöglichte Hunderttausenden "entnazifizierten" Beamten die Rückkehr in den Staatsdienst.

Späterer Kanzler Kurt Georg Kiesinger war seit 1933 NSDAP-Mitglied, Bundesminister Theodor Oberländer war ebenfalls NS-Funktionär gewesen.

Wie tief diese Kontinuitäten in der Bundesrepublik reichten, zeigt eine aktuelle Studie zum Bundesverfassungsgericht [3]: Von den ersten 24 Richtern in Karlsruhe waren mindestens drei ehemalige NSDAP-Mitglieder und fünf SA-Mitglieder.

Der prominenteste Fall unter ihnen: Willi Geiger, als NS-Staatsanwalt mitverantwortlich für Todesurteile an Sondergerichten, urteilte danach als Verfassungsrichter über Grundrechte. "Überwindung des Nationalismus" sieht anders aus.

Weder das Rechtswesen noch der Staatsapparat der BRD wurden gründlich umgebaut und von ehemaligen NS-Anhängern befreit.

"Kinder statt Inder" und das Boot, das angeblich voll war

Wer die 1990er Jahre politisch erlebt hat, erinnert sich an die Asyldebatten, in denen CDU-Politiker Formulierungen wählten, die heute der AfD zugeschrieben würden.

CDU-Generalsekretär Volker Rühe startete 1991 eine Kampagne gegen Flüchtlinge, die Günter Grass ihn als [4] "Skinhead mit Schlips und Kragen" betiteln ließ. CSU-Mann Edmund Stoiber erklärte sinngemäß, wer Ausländer "ungeregelt zuziehen" lasse, importiere Kriminalität. Theo Waigel schwadronierte 1989 noch davon, das Deutsche Reich bestehe in den Grenzen von 1937 fort.

Wie Telepolis dokumentierte [5], ist die Liste prominenter CDU- und CSU-Politiker mit deutschtümelnden Positionen lang.

Die Kampagne "Kinder statt Inder" von CDU-Kandidat Jürgen Rüttgers im Jahr 2000 markierte einen weiteren Tiefpunkt. Als die rot-grüne Bundesregierung eine Green Card für 10.000 IT-Fachkräfte (mit Option auf Ausweitung auf 20.000) plante, polemisierte Rüttgers: "Statt Inder an die Computer müssen unsere Kinder an die Computer."

SPD, Grüne, Kirchen und Wirtschaftsverbände verurteilten den Vorstoß als rassistisch. Die IT-Branche warnte vor Schaden am Standort Deutschland. Rüttgers verlor die NRW-Wahl deutlich – doch seine Partei hat diese Episode wohl nie systematisch aufgearbeitet.

Der ethnische Volksbegriff: Heuchelei mit Tradition

Besonders brisant wird die Diskrepanz beim Vorwurf des "ethnisch-abstammungsmäßigen Volksverständnisses", den der Verfassungsschutz gegen die AfD erhebt. Denn exakt dieses Verständnis ist im Bundesvertriebenengesetz bis heute verankert.

Dort heißt es: Deutscher Volkszugehöriger ist, "wer sich in seiner Heimat zum deutschen Volkstum bekannt hat, sofern dieses Bekenntnis durch bestimmte Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur bestätigt wird".

Auf dieser Grundlage kamen in den 1990er Jahren rund zwei Millionen Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland – nicht wegen eines deutschen Passes, sondern wegen ihrer deutschen "Volkszugehörigkeit".

Auch dieses Kapitel hat Telepolis dokumentiert und gezeigt, dass dieses Verständnis bis heute die Förderung des Deutschtums im Ausland bestimmt. Das Bundesinnenministerium fördert [6] über die Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland die "ethnokulturelle Identität" deutscher Minderheiten weltweit mit Millionenbeträgen. Allein in der Amtszeit von Innenministerin Nancy Faeser flossen rund 64 Millionen Euro.

Die Stiftung selbst steht in einer Linie mit dem 1908 so benannten Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA; Vorläufer: Allgemeiner Deutscher Schulverein, gegr. 1881), einem Sammelbecken völkischer Nationalisten. Stiftungsratschef Hartmut Koschyk (CSU) war zuvor VDA-Vorsitzender, Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen und stimmte 1991 im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als endgültige deutsch-polnische Grenze.

Im Inland verurteilt die Bundesregierung den ethnischen Volksbegriff als rechtsextrem. Im Ausland finanziert sie ihn. Dieser Widerspruch ist unaufgelöst.

Merz' NSDAP-Vergleich und das Wesen des modernen Rechtsextremismus

Wenn Merz vor einer "Rückkehr in die Zeit vor Adenauer" warnt und dabei explizit die Machtergreifung 1933 bemüht, stellt er die AfD rhetorisch in eine Linie mit der NSDAP. Konkret sagte Merz:

"Zu diesen dunklen Stunden unserer Geschichte gehörte die Vorgeschichte eines naiven Glaubens daran, man könne doch mit denen mal zusammenarbeiten, sie in einer Regierung einrahmen."

Eine solche Gleichsetzung ist politisch bequem, historisch aber fragwürdig. Die NSDAP kommunizierte offen eliminatorischen Antisemitismus, Revancheforderungen für den Ersten Weltkrieg und das Ziel, die Arbeiterbewegung physisch zu vernichten. Nichts davon findet sich in AfD-Programmen.

Und diese Gleichsetzung von AfD und NSDAP zeigt, dass Merz überhaupt nicht weiß, was den modernen Rechtsextremismus tatsächlich kennzeichnet: nicht der klassische Rassismus, sondern ein autoritärer Liberalismus [7], der politische Freiheiten beschneidet, während der Markt unangetastet bleibt.

Viktor Orbáns Ungarn war ein Modell dafür – Medienfreiheit und Gewaltenteilung werden ausgehöhlt, die kapitalistische Eigentumsordnung blieb intakt. Carl Schmitts Formel von 1932 hallt nach: starker Staat und gesunde Wirtschaft.

Dass Merz gleichzeitig tiefgreifende Sozialreformen ankündigt – Gesundheitskosten, Rentensystem, Steuern – und dabei betont, es gebe keinen "Big Bang", der alles auf einmal löst, passt in dieses Muster.

Die politische Abgrenzung nach rechts dient auch dazu, den sozialen Umbau nach neoliberalem Muster gegen Kritik zu immunisieren.

Eine Aufarbeitung, die aussteht

Es gibt gute Gründe, nicht mit der AfD zusammenzuarbeiten – deren Pläne etwa für eine Säuberung des Beamtenapparats in Sachsen-Anhalt [8] sind alarmierend genug. Doch Merz' Argument, seine Partei habe den Nationalismus hinter sich gelassen, hält der Überprüfung nicht stand.

Die CDU hat Angela Merkels Modernisierung wie einen Glücksfall hingenommen, ohne die eigene Geschichte je systematisch aufzuarbeiten. Von "Kinder statt Inder" bis zur millionenschweren Deutschtumsförderung zieht sich eine Linie, die Merz lieber nicht erwähnt.

Wer der AfD den ethnischen Volksbegriff vorwirft, aber denselben Begriff im Bundesvertriebenengesetz stehen lässt und im Ausland aktiv fördert, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Merz' Adenauer-Mythos funktioniert als Sonntagsrede. Als historisches Argument ist er hohl.


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  1. https://www.heise.de/tp/article/Kanzlersturz-in-der-CDU-Merz-kaempft-gegen-die-eigene-Partei-11310659.html
  2. https://www.onvista.de/news/2026/05-28-merz-lehre-aus-ns-zeit-verbietet-zusammenarbeit-der-cdu-mit-der-afd-0-20-26516135
  3. https://www.heise.de/tp/article/NS-Richter-in-Karlsruhe-Jetzt-muessen-auch-die-Urteile-auf-den-Pruefstand-11303981.html
  4. https://taz.de/Unterm-Strich/%211689272/
  5. https://www.heise.de/tp/article/Wenn-die-AfD-rechtsextrem-ist-was-war-dann-die-CDU-10370682.html
  6. https://www.heise.de/tp/article/Gleich-und-gleicher-Wenn-der-deutsche-Pass-nicht-reicht-10474002.html
  7. https://www.heise.de/tp/article/Orbans-Ungarn-Illiberal-oder-zutiefst-liberal-11253276.html
  8. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-27/german-far-right-plots-purge-of-civil-service-in-eastern-state

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  • 02. Juni 2026 um 18:05

Warum der Plan zur Entwaffnung der Hamas zum Scheitern verurteilt ist

Von Telepolis
Hamas-Kämpfer in Uniform

Die USA ignorieren die Lehren aus früheren, erfolgreichen Friedensbemühungen, meint unser Gastautor.

(Bild: Anas-Mohammed/Shutterstock.com)

Israels Verbündete drängen auf die Entwaffnung der Hamas – doch die Praxis zeigt, dass der Plan nicht funktioniert. Unser Gastautor kennt die Gründe dafür.

Am 13. Oktober des vergangenen Jahres, kurz nach der Unterzeichnung eines Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas, wandte sich Präsident Donald Trump an eine Versammlung von Staats- und Regierungschefs in Scharm El-Scheich, Ägypten. "Endlich haben wir Frieden im Nahen Osten", verkündete [1] Trump und sonnte sich im weltweiten Lob.

Der ursprüngliche Plan zum Frieden in Gaza

Auch wenn diese Aussage übertrieben gewesen sein mag, gab es damals tatsächlich Grund zu Optimismus. Die USA hatten gerade ein Abkommen zwischen Israel und der Hamas vermittelt [2]. Palästinensische Gefangene sollten freigelassen, israelische Geiseln nach Hause zurückgebracht und das massenhafte Töten in Gaza beendet werden.

Jared Hillel
Unser Gastautor Jared Hillel
(Bild: RS [3])

Phase 1 des Plans sah außerdem die vollständige Zulassung humanitärer Hilfe sowie einen Rückzug israelischer Streitkräfte bis zu einer vereinbarten "gelben Linie" vor. Mit der Überwachung des Prozesses wurde das "Board of Peace" (BoP) betraut, ein von den USA geführtes internationales Gremium.

Israel setzte seinen Teil von Phase 1 jedoch nie vollständig um, sondern entschied sich, die Angriffe auf das Gebiet fortzusetzen und den Zufluss von Hilfsgütern nach Gaza einzuschränken. Dennoch kündigten die USA am 16. Januar den Beginn von Phase 2 an. Diese sollte die Entwaffnung der Hamas und einen weiteren israelischen Rückzug umfassen, begleitet vom Eintreffen einer internationalen Stabilisierungsstreitkraft und einer Übergangsverwaltung.

Theorie und Praxis

Doch mehr als vier Monate später ist nichts davon geschehen. Im März legte der Leiter des BoP, Nikolay Mladenov, einen Plan vor, der in fünf Stufen innerhalb von acht Monaten die Entwaffnung der Hamas vorsah. Die Gruppe lehnte den Vorschlag ab [4], verwies auf fortgesetzte Verstöße gegen den Waffenstillstand und forderte einen vollständigen israelischen Rückzug.

Israel, die USA und ein Großteil der internationalen Gemeinschaft nutzten diese Ablehnung, um die Hamas als alleiniges Hindernis für den Frieden darzustellen und der militanten Gruppe die Blockade der zweiten Phase anzulasten. So politisch bequem dieses Narrativ auch sein mag: Ein Blick auf frühere Abkommen zeigt, dass dem aktuellen Vorschlag mehrere Elemente fehlen, die für einen dauerhaften Frieden notwendig wären.

Voreingenommener Vermittler

Historisch gesehen ist einer der wichtigsten Faktoren bei Friedensregelungen ein neutraler Vermittler. Thomas Leahy, Dozent an der Cardiff University, erklärt, dass eine solche Rolle von Beginn an entscheidend ist, um faire Verhandlungen zu ermöglichen.

In Nordirland führte selbst nach dem Waffenstillstand von 1994 zwischen der Irisch-Republikanischen Armee und der britischen Regierung ein Mangel an geeigneter Vermittlung zu zwei Jahren Stillstand. Leahy merkt an, dass die irische Regierung "die Initiative ergriff, eine dritte Partei einzubinden, weil die Gespräche nicht vorankamen".

Diese dritte Partei war der US-Senator George Mitchell, der während der Verhandlungen den Vorsitz übernahm und noch vor Beginn der formellen Mehrparteiengespräche im Jahr 1996 die sogenannten Mitchell-Prinzipien einführte. Diese sechs Grundsätze verpflichteten alle Seiten, politische Konflikte ausschließlich mit friedlichen Mitteln zu lösen.

Zwar übernimmt das Board of Peace in Gaza diese Rolle einer dritten Partei, doch hat es sich bislang als alles andere als neutral erwiesen. Trotz seiner internationalen Besetzung wird es von den USA dominiert, mit Trump als selbsternanntem Vorsitzenden – eine Position, die er möglicherweise lebenslang innehaben könnte [5].

In Nordirland bestanden die Vermittlungsinstanzen aus Staaten ohne historische oder aktuelle Eigeninteressen in der Region. In Gaza hingegen wird der Vermittler maßgeblich von den USA geprägt, die nicht nur Israels wichtigster finanzieller Unterstützer, sondern auch sein größter Waffenlieferant sind.

Die Voreingenommenheit des Board of Peace zeigt sich besonders deutlich bei der Durchsetzung des Waffenstillstands.

Laut [6] dem Gesundheitsministerium in Gaza wurden seit Beginn der Waffenruhe über 900 Palästinenser von israelischen Streitkräften getötet. Hilfsorganisationen berichten zudem, dass die von Israel vollständig kontrollierten Hilfslieferungen unzureichend sind, was zu Unterernährung und einer zunehmenden Rattenplage führt. Auch der Hamas werden Verstöße vorgeworfen: Sie soll vier israelische Soldaten getötet haben.

Das Board of Peace hat diese Verstöße jedoch nicht gleich behandelt. Die Organisation hat deutlich schärfere Warnungen an die Hamas gerichtet als an die israelische Regierung, obwohl die Zahl der Verstöße ungleich ist.

In einem durchgesickerten Memo [7] erklärte Mladenov ausdrücklich, er werde Israel nicht an die Waffenstillstandsbedingungen binden, falls die Hamas das Entwaffnungsangebot ablehne. Indem Israel faktisch straflos weiter töten kann und gleichzeitig mit der Aufkündigung der Waffenruhe gedroht wird, steht Mladenovs Strategie im direkten Widerspruch zu dem erfolgreichen Ansatz Mitchells.

Falsche Reihenfolge

Ebenso problematisch ist die Reihenfolge der Forderungen.

Der Plan verlangt zunächst, dass die Hamas sämtliche Waffen abgibt und ihr Tunnelsystem zerstört. Danach sollen die Kämpfer ihre Gewehre und Waffen übergeben. Erst dann würde sich die israelische Armee vollständig aus dem Gazastreifen zurückziehen und der Wiederaufbau könnte beginnen. Auffällig ist, dass der Zwölf-Punkte-Plan [8] die Frage eines palästinensischen Staates mit keinem Wort erwähnt.

In Nordirland hingegen legte die IRA ihre Waffen erst Jahre nach dem Abkommen nieder, nachdem konkrete politische Fortschritte – darunter eine Machtteilungsvereinbarung – erreicht worden waren. Ähnlich verhielt es sich mit der FARC in Kolumbien, die im Gegenzug für die Abgabe ihrer Waffen eine begrenzte Amnestie und garantierte Parlamentssitze erhielt.

"Entwaffnung ist selten der Anfang von Frieden", sagt Alpaslan Özerdem, Dekan der Carter School for Peace and Conflict Resolution an der George Mason University. Er nennt eine Reihe von Schritten, die in der Regel vorher notwendig sind: "Konsolidierung des Waffenstillstands, Rückzugsregelungen, Sicherheitsgarantien, Überwachung durch Dritte, humanitärer Zugang und Wiederaufbau."

Die Hamas hat wiederholt erklärt, dass sie bereit sei, ihre Waffen niederzulegen, wenn im Gegenzug ein palästinensischer Staat auf Basis der Grenzen von vor 1967 geschaffen würde. Israel hat ein solches Angebot jedoch mehrfach abgelehnt. Tatsächlich ist die israelische Armee seit dem Waffenstillstand tiefer in Gaza vorgedrungen und kontrolliert inzwischen 60 Prozent des Gebiets statt der ursprünglich vereinbarten 53 Prozent.

Solange die israelische Regierung die zentrale Forderung der Hamas ignoriert, erscheint ein von beiden Seiten akzeptierter langfristiger Frieden schwer vorstellbar. Laut Özerdem "entwaffnen sich bewaffnete Gruppen in der Regel nicht einfach unter Druck; sie tun es, wenn sie einen realistischen Weg zu Sicherheit, politischer Teilhabe, sozialer Reintegration und Würde sehen".

Entwaffnung oder einseitige Kapitulation?

Da der aktuelle Plan nichts davon bietet, wirkt die Forderung nach Entwaffnung eher wie eine einseitige Kapitulation.

Für Leahy ist Israel nicht in der Position, eine solche Forderung zu stellen. "Das kann nur funktionieren, wenn die Gruppe besiegt ist und diese Niederlage akzeptiert", sagt er. "Ich denke, es ist ziemlich klar, dass die Hamas das nicht tut."

Trotz der falschen Abfolge, fehlender Zugeständnisse und eines offenbar parteiischen Garanten bestehen Israel und seine Verbündeten darauf, dass die Hamas den Friedensprozess sabotiert. Ironischerweise könnte genau dieses Vorgehen zu weiterem Chaos führen, denn missglückte Entwaffnungsabkommen haben in der Vergangenheit häufig zur Bildung von Splittergruppen oder zu erneuter Aufrüstung geführt.

Ein besonders drastisches Beispiel aus jüngerer Zeit findet sich im Irak: Nachdem die USA Saddam Hussein gestürzt hatten, wurde die irakische Armee rasch aufgelöst – ohne dass es einen Plan zur Wiedereingliederung gab. Hunderttausende bewaffnete Männer standen plötzlich ohne Einkommen da; viele von ihnen bildeten später den Kern der Kämpfer des IS.

Für Özerdem besteht das größte Risiko darin, dass Entwaffnung als Kapitulation statt als Übergang wahrgenommen wird. "Wenn eine bewaffnete Gruppe ihre Waffen aufgibt, bevor glaubwürdige Garantien bestehen, könnte sie politische Marginalisierung, Verhaftungen, Vergeltungsangriffe oder den Verlust von Verhandlungsmacht befürchten."

Vielleicht ist die Blockade sogar das eigentliche Ziel. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat wiederholt betont [9], er sei bereit, "jederzeit" in den Krieg in Gaza zurückzukehren. Der zutiefst fehlerhafte Entwaffnungsprozess liefert ihm eine weitere Rechtfertigung dafür und bewahrt ihn davor, Zugeständnisse zu machen, die ihm politisch schaden könnten.

Das Board of Peace beschwört weiterhin die Idee eines wohlhabenden, ja futuristischen Gaza. Doch bei einem solchen Friedensprozess könnte sein bleibendstes Vermächtnis darin bestehen, den fortgesetzten Krieg zu legitimieren.

Jared Hillel ist freier Journalist mit Sitz in Jerusalem. Zuvor arbeitete er unter anderem für Reuters und CBC/Radio-Canada.

Dieser Text erschien zuerst bei unserem Partnerportal Responsible Statecraft [10] auf Englisch.


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  1. https://responsiblestatecraft.org/tag/donald-trump/
  2. https://www.reuters.com/world/gaza-live-trump-says-israel-hamas-agree-first-phase-plan-end-war-2025-10-08/
  3. https://responsiblestatecraft.org/hamas-disarmament-gaza/
  4. https://www.bbc.com/news/articles/cn4vvxxg8lgo
  5. https://abcnews.com/International/trump-potentially-chair-board-peace-life-1-billion/story?id=129400459
  6. https://www.aljazeera.com/news/2026/5/30/palestinian-doctor-killed-three-people-injured-in-israeli-attack-on-gaza
  7. https://www.timesofisrael.com/board-of-peace-wont-hold-israelwhto-truce-terms-if-hamas-doesnt-okay-disarmament-offer/
  8. https://docs.google.com/document/d/1swuG9IMsx0kn3wvhpNajf7BDptc64NRWVeR_fRLW20Q/edit?tab=t.0#:~:text=https%3A//www.reuters.com/world/middle%2Deast/hamas%2Ddisarmament%2Dplan%2Dsees%2Dgazas%2Dtunnels%2Ddestroyed%2Darms%2Dgiven%2Dup%2Dstages%2Dtext%2D2026%2D03%2D27/
  9. https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/netanyahu-israel-ready-to-return-at-any-moment-to-gaza-fighting-demands-full-demilitarization-in-south-syria/
  10. https://responsiblestatecraft.org/hamas-disarmament-gaza/

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  • 02. Juni 2026 um 14:00

Kreatin: Warum der Effekt auf Muskeln nicht im Mittelpunkt steht

Von Telepolis
Ein Messlöffel mit Pulver, Kapseln, Maßband und Gewichtscheiben.

(Bild: RHJPhtotos / Shutterstock.com)

Kreatin wirkt auch im Gehirn – und neue Studien zeigen, was das für Alzheimer, Depressionen und Schlafentzug bedeutet.

Das Supplement, das in Millionen von Sporttaschen steckt, tut offenbar weit mehr, als Bizeps und Bankdrücken zu pushen. Kreatin überwindet die Blut-Hirn-Schranke, füllt die Energiespeicher von Nervenzellen auf und zeigt in aktuellen klinischen Studien kognitive Effekte, die kein Hersteller auf die Dose druckt.

Ein umfassender Review [1] im Journal of Psychiatry and Brain Science und eine Pilotstudie [2] in Alzheimer's & Dementia zeichnen das bisher vollständigste Bild dessen, was Kreatinmonohydrat im Zentralnervensystem bewirkt.

Das Gehirn verbraucht rund 20 Prozent der gesamten Körperenergie, obwohl es nur 2 Prozent der Körpermasse ausmacht. Neuronen haben kaum eigene Reserven und sind auf permanente ATP-Nachlieferung angewiesen. Kreatin wird intrazellulär in Phosphokreatin umgewandelt, das über das Enzym Kreatinkinase ATP schneller regeneriert als jeder andere verfügbare Mechanismus.

Im Muskel liefert dieses System den Energieschub für explosive Bewegungen. In Nervenzellen funktioniert es als Notfallpuffer: Wenn der präfrontale Cortex ein komplexes Problem bearbeitet oder der Hippocampus eine Erinnerung kodiert, steigt der ATP-Verbrauch so stark, dass die oxidative Phosphorylierung allein nicht nachkommt. Phosphokreatin füllt diese Lücke innerhalb von Millisekunden.

Pilotstudie an Alzheimer-Patienten: Messbare Effekte nach acht Wochen

Die CABA-Studie [3] (Creatine to Augment Bioenergetics in Alzheimer's) des University of Kansas Medical Center untersuchte 20 Patienten mit klinisch gesicherter Alzheimer-Demenz.

Sie erhielten acht Wochen lang täglich 20 Gramm Kreatinmonohydrat – das Vierfache der üblichen Fitness-Dosis von 3 bis 5 Gramm. Mittels Magnetresonanzspektroskopie (MRS) wiesen die Forscher einen Anstieg des Gesamt-Kreatins im Gehirn um 11 Prozent nach.

Die Teilnehmer verbesserten sich signifikant in Tests zu Arbeitsgedächtnis, Leseerkennung und Aufmerksamkeit. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf; 19 von 20 Teilnehmern hielten die Einnahme durch.

30 Prozent weniger Abbau – aber mit Einschränkungen

Eine größere, placebokontrollierte Folgestudie mit 240 Teilnehmern im Frühstadium, über die The Sciverse berichtet [4], testete eine moderatere Dosis von 5 Gramm pro Tag über 12 Wochen.

Die MRS-Scans zeigten einen Phosphokreatin-Anstieg von 10 bis 15 Prozent. Auf standardisierten kognitiven Skalen soll der Abbau in der Kreatin-Gruppe laut einem Bericht von The Sciverse um rund 30 Prozent gegenüber Placebo geringer ausgefallen sein – diese Zahl ist bislang in keiner unabhängigen Primärquelle verifizierbar.

Dieser Wert klingt dennoch erst einmal nach viel – doch der Vergleich mit zugelassenen Alzheimer-Medikamenten relativiert das Bild:

  • Lecanemab erreichte in der Phase-3-Studie CLARITY-AD mit fast 1.800 Patienten über 18 Monate rund 27 Prozent weniger Abfall auf der CDR-SB-Skala, einem klinisch etablierten Maß für den Alltagsverlust.
  • Donepezil zeigt in großen Studien 2 bis 3 Punkte Vorteil auf dem ADAS-Cog-Score.

Die Daten zu Kreatin stammen bislang aus deutlich kürzeren Zeiträumen, kleineren Gruppen und teils noch nicht vollständig publizierten Arbeiten. Deshalb sind sie auch mit Vorsicht zu genießen.

Zudem hat die EU-Kommission 2026 auf Basis einer EFSA-Bewertung von 2024 den Health Claim abgelehnt [5], dass Kreatin die kognitive Funktion verbessere – die Datenlage reiche nicht für einen kausalen Nachweis. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wäre jede Bewerbung von Kreatin als Mittel gegen Alzheimer arzneimittelrechtlich relevant und ohne formale Zulassungsstudien unzulässig.

Nicht nur Demenz: Depression, Schlafentzug, gesundes Altern

Eine Metaanalyse [6] in Frontiers in Nutrition aus dem Jahr 2024 wertete 16 randomisierte kontrollierte Studien mit 492 Teilnehmern aus.

Kreatin zeigte signifikante Effekte auf Gedächtnis, zeitbasierte Aufmerksamkeitsmaße und Verarbeitungsgeschwindigkeit – allerdings keine Verbesserung der globalen Kognition oder exekutiver Funktionen. Am stärksten fielen die Effekte bei Frauen, bei Personen mit Vorerkrankungen und unter metabolischem Stress aus.

Unter Schlafentzug etwa stabilisierte eine Einzeldosis Kreatin die kognitive Leistung messbar. Im Vergleich zu Koffein oder dem verschreibungspflichtigen Modafinil sind die akuten Effekte allerdings subtiler und kontextabhängiger.

Bei Depressionen lieferte eine Studie aus dem Jahr 2025 [7] erste Hinweise: 5 Gramm Kreatin täglich als Ergänzung zur kognitiven Verhaltenstherapie reduzierten depressive Symptome stärker als Therapie plus Placebo. Die biologische Begründung folgt derselben Energielogik – Depressionen gehen zunehmend mit mitochondrialer Dysfunktion in Hippocampus und präfrontalem Cortex einher.

Wer nun seine Kreatin-Dosis auf 20 Gramm hochschrauben will, sollte Vorsicht walten lassen: Hohe Dosen können bei eingeschränkter Nierenfunktion, Herzinsuffizienz oder Polypharmazie problematisch werden.

Fachleute empfehlen ärztliche Rücksprache vor jedem Hochdosis-Protokoll, das über den Fitness-Standard hinausgeht. Standardisierte Gehirn-Protokolle existieren bislang nicht – die Forschung fordert systematische Dosis-Findungsstudien mit MRS-Monitoring.


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  1. https://doi.org/10.20900/jpbs.20250006
  2. https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/trc2.70101
  3. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12739067/
  4. https://thesciverse.org/scientists-found-that-the-creatine-supplement-millions-take-for-muscle-gains-is-quietly-raising-brain-energy-levels-and-slowing-early-alzheimers-cognitive-decline-by-30/
  5. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L_202601118
  6. https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2024.1424972/full
  7. https://doi.org/10.1016/j.euroneuro.2024.10.004

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  • 02. Juni 2026 um 13:50

Surface RTX Spark Dev Box: Microsofts „Traummaschine”

Von Heise

Microsoft CEO Satya Nadella stellt zum Auftakt der Build die Surface RTX Spark Dev Box vor.

(Bild: Screenshot/Microsoft)

Nach dem Surface Laptop Ultra kündigt Microsoft auf der Konferenz Build einen Desktop mit RTX Spark speziell für Entwickler an.

Microsoft kündigt eine Desktop-Umgebung für die Softwareentwicklung mit Künstlicher Intelligenz an. Nachdem der kleine Ausblick auf das kommende Surface Laptop Ultra auf der Computex bereits für Aufsehen gesorgt hat, legt Microsoft jetzt mit einer Desktop-Variante auf Grundlage des neuen RTX Spark von Nvidia [1] nach: Surface RTX Spark Dev Box.

„Traummaschine für Entwickler“

„Wir haben uns gesagt, lass uns diese Architektur bis an die Grenzen ausreizen und eine Maschine für Entwickler bauen”, sagte Microsoft-CEO Satya Nadella am Dienstagabend zum Auftakt der Entwicklerkonferenz Build in San Francisco. „Das ist wirklich eine Traummaschine.”

Die Traummaschine stellt sich einem kurzen Video in einem schwarzen Gehäuse mit einer Gitterstruktur vor. Über die inneren Werte verrät Microsoft bisher noch nicht viel [2]. „Sie hat 1 Petaflop Rechenkapazität für KI und verfügt über 20 CPU-Kerne sowie 128 Gigabyte geteilten Speicher”, verriet Nadella. Die Dev Box kommt mit Windows 11 Pro und diversen vorinstallierten Entwicklerwerkzeugen.

(Bild: Microsoft)

Die Surface RTX Spark Dev Box soll wie das Surface Laptop Ultra im Herbst erhältlich sein. Weitere Einzelheiten wie mögliche Modellvarianten oder Preise gibt es noch nicht. Interessenten können sich bei Microsoft auf eine Warteliste eintragen [3] lassen, sagte Nadella.

Grep kommt ins Terminal

Abgesehen von schicker Hardware will Microsoft den Entwicklern auch die Arbeit mit Windows erleichtern – und den Umstieg, wie Nadella bemerkte. Über 70 klassische Kommandozeilen-Tools aus der Linux-Welt wie grep halten Einzug ins Terminal. Auch einige Anwendungen wie Homebrew, die man von macOS kennt, sind künftig im Terminal verfügbar. Das Terminal in Windows werde mit eingebautem Copilot zu einem „intelligenten Terminal”, so Nadella.


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  1. https://www.heise.de/news/RTX-Spark-Nvidia-kuendigt-ARM-Prozessoren-fuer-Windows-Notebooks-an-11312857.html
  2. https://blogs.windows.com/devices/2026/06/02/building-the-next-generation-of-devices-for-developers-surface-rtx-spark-dev-box/
  3. https://www.microsoft.com/devbox
  4. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  5. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 02. Juni 2026 um 20:07

Microsoft Build 2026: KI-Entwicklung mit, unter und für Windows

Von Heise
Microsoft Build 2026 Logo

(Bild: heise medien)

Die Entwicklerkonferenz Microsoft Build 2026 liefert mehr KI-Tools und -Integration für Developer von Windows-Apps.

Microsoft [1] veranstaltet am 2. und 3. Juni 2026 die Entwicklerkonferenz MS Build 2026 [2]. Das Unternehmen wendet sich damit insbesondere an Entwickler, die ihre Software für das Windows-Ökosystem entwickeln. Wie in den vergangenen Jahren steht auch dieses Jahr wieder ganz viel Künstliche Intelligenz auf der Agenda. Konkrete Windows-Weiterentwicklung findet sich jedoch kaum.

Erneut steht die Entwicklung mit Hilfe von KI und von KI-basierten Helfern ganz oben auf der Liste [3]. Insgesamt sieben neue KI-Modelle entlässt das „Microsoft AI Superintelligence Team“ in die Welt. Darunter ist das erste Reasoning-Modell MAI-Thinking-1 von Microsoft. MAI-Image-2.5 und eine Flash-Variante davon beherrschen Text-to-Image, sie sollen Google Nano Banana Pro überholen. MAI-Transcribe-1.5 verschriftlicht Ton in 43 Sprachen, Streaming soll aber erst demnächst dazukommen. MAI-Voice-2 und eine Flash-Variante davon bedienen 15 Sprachen und haben neue Stimmen-Optionen bekommen. Beim Programmieren auf GitHub hilft MAI-Code-1. Microsoft erwähnt OpenAI in dem Zuge nicht.

Vorträge behandeln etwa das Bauen, Verteilen und Skalieren von KI-Agenten mit dem Cloud-PC Windows 365. Ein Vortrag zum Windows Subsystem for Linux verspricht Neuigkeiten. Eigentlich befassen sich bislang alle der wenigen Windows-spezifischen Vorträge mit dem Einsatz von KI-Tools zur Entwicklung unter Windows sowie mit dem Betreiben von KI-Bots wie OpenClaw. Ein Vortrag fällt etwas heraus: Er beschreibt, wie Developer mit dem Windows Terminal ihre Produktivität steigern können sollen.

Plattformen, Tools, Vertrauen

Mächtig blumig umschreibt Microsofts Marketingabteilung, was Entwickler denn so bräuchten, um die Lösungen gleich mit anzubieten. Am Ende destilliert sich daraus zusammen, dass sie Sicherheit von Infrastrukturen und Apps sowie beschleunigte und vereinfachte Entwicklung benötigten. Und das nicht nur für Teilprobleme, sondern Full-Stack, mit Tools, Modellen und Prozessen nach den Vorstellungen der Developer.

Windows soll dafür selbstverständlich die ideale Plattform sein – man bekommt bei den ganzen schwerpunktmäßigen Beiträgen zu Entwicklung von und mit KI fast das Gefühl, dass das Betriebssystem komplett entkoppelt und irrelevant geworden ist. Microsoft kündigt dafür jedoch eine neue Entwickler-Konfiguration an: Die soll flexiblere und reibungslosere Shell- und Terminal-Erfahrungen liefern. Außerdem lassen sich Agents in lokale Sandboxen verfrachten: Microsoft spricht davon, Windows zu einer nativen Agent-Runtime zu machen. Als Vorschauversion gibt es die Microsoft Execution Containers (MXC) genannten Sandboxen, die bis Enterprise-tauglich sein sollen – etwa, um OpenClaw mit „Sicherheitsbeschränkungen“ auszuführen.

Die Vorschau der GitHub-Copilot-App soll agentische Entwicklung zur nativen Desktop-Erfahrung für eine viel weiterreichende Zielgruppe machen: Interessierte sollen einfach eine Idee oder ein existierendes Problem beschreiben, und schon legt die App los und lässt mehrere Agentensitzungen parallel laufen und behält die Änderungen im Blick. Jede Session setzt dabei auf git-Trees, sodass die Teile getrennt bleiben. Die Entwickler behalten die Kontrolle, während Copilot sich um die Ausführung kümmert. Entwickler sollen Apps so in Sekunden erstellen können.

Auch für Zugriff auf Datenbanken und Dienste hat Microsoft ein Backend-as-a-Service im Angebot, die Vorschau auf die Plattform Project Rayfin. Das soll die Entwicklung vom Prototypen bis zum Produktionslevel ermöglichen, ohne dass Entwickler sich um die Verwaltung von Infrastruktur kümmern müssten.

Neue KI-Hardware hat Microsoft ebenfalls zu bieten: Das Surface RTX Spark ist eine Developer-Box für dauerhafte Workloads. Training, agentische KI-Pipelines und lokales Finetuning von Modellen, all das soll sie mit einer Last von 100 Watt erledigen. Darin werkelt dem Namen entsprechend eine Nvidia RTX Spark mit bis zu einem Petaflop KI-Rechenleistung (ungenannte Präzision) und 128 GByte an RAM (unified, also mit Prozessor geteilt). Die Maschine soll Modelle mit bis zu 120 Milliarden Parameter lokal laufen lassen können.

Windows Subsystem for Linux 2 (WSL2) mit nativem GPU-Passthrough sowie vollem CUDA-Support liefert Microsoft vorkonfiguriert mit. Zudem sollen Visual Studio Code, GitHub Copilot und zahlreiche weitere beliebte Dev-Tools vorinstalliert sein. Kleiner Haken: Diese Entwicklerkiste soll erst später im Jahr verfügbar werden – und vorerst auch nur in den Vereinigten Staaten.


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  1. https://www.heise.de/thema/Microsoft
  2. https://build.microsoft.com/en-US/home
  3. https://blogs.windows.com/windowsdeveloper/2026/06/02/build-2026-furthering-windows-as-the-trusted-platform-for-development/
  4. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 02. Juni 2026 um 20:00

Red-Hat-Infostealer kommt auf mehr als 100.000 Downloads

Von Heise
redhat-Logo

(Bild: tomeqs/Shutterstock.com)

Die Managed Cloud Services von Red Hat waren das Ziel einer Lieferkettenattacke. Dahinter steckt ein Klon des npm-Wurms Mini Shai‑Hulud.

Ende Mai haben Cyberkriminelle in einer Lieferkettenattacke, die mittels eines Mini-Shai-Hulud-Klons erfolgte, bösartige Versionen von npm-Paketen verbreitet. Ziel der Malware, die sich selbst Miasma nennt, waren die Managed Cloud Services von Red Hat. Mittlerweile sind keine bösartigen Paketversionen mehr im Umlauf. Sicherheitsexperten raten dennoch dazu, die Credentials zu rotieren.

Miasma ist eine Variante des Shai-Hulud-Wurms. Sie brachte den Sicherheitsforschern von Socket zufolge [1] 96 bösartige Versionen von 32 npm-Paketen in Umlauf, die sich dem Namespace @redhat-cloud-services zuordnen lassen. Insgesamt gab es drei Angriffswellen, die sich jeweils auf kompromittierte Konten von Projekt-Maintainern zurückführen lassen.

Laut Red Hat wurden alle drei Wellen mittlerweile gestoppt [2]. Dabei betonte der Anbieter, dass die betroffenen Pakete ausschließlich für die interne Entwicklung bestimmt gewesen seien. Ein Einfluss auf Kundenumgebungen oder Produktivsysteme sei bislang nicht festgestellt worden.

Betroffene Pakete sind unter anderem @redhat-cloud-services/vulnerabilities-client, @redhat-cloud-services/tsc-transform-imports, @redhat-cloud-services/topological-inventory-client, @redhat-cloud-services/sources-client und @redhat-cloud-services/rule-components. OX Security hat nachgezählt, dass sie zusammen wöchentlich auf mehr als 100.000 Downloads [3] kommen.

Autogramm in der README.md

Miasma folgt dem klassischen Mini-Shai-Hulud-Schema: Die Malware nutzt gestohlene Credentials, um manipulierte npm-Pakete in der CI/CD-Lieferkette zu platzieren. Die saugen dann eine Vielzahl sensibler Informationen ab, darunter Zugangsdaten zu Amazon Web Services (AWS) sowie SSH-Schlüssel, Crypto-Wallets, npm- und GitHub-Tokens. Die gestohlenen Daten landen verschlüsselt in einem neuen GitHub-Repository, das die Malware anlegt. Von Miasma kompromittierte GitHub-Konten lassen sich an der Textzeile „Miasma : The Spreading Blight“ in der README.md [4] erkennen.

Der Cyberangriff von Miasma folgt dem Infektionsschema anderer Lieferkettenattacken, die unter der Eigenbezeichnung Mini Shai-Hulud laufen und es seit Ende April unter anderem auf npm-Pakete von SAP [5] und TanStack [6] abgesehen haben. Und er könnte mit der Cybergang TeamPCP in Verbindung stehen, die Mitte Mai den Quellcode des npm-Wurms Shai-Hulud auf GitHub veröffentlichte und parallel dazu zu einem Wettbewerb um den größten Supply-Chain-Angriff [7] aufrief. Kurz danach erschienen die ersten Klone, von denen einer kürzlich AntV [8] ins Visier nahm.


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https://www.heise.de/-11315039

Links in diesem Artikel:

  1. https://socket.dev/supply-chain-attacks/red-hat-cloud-services-package-compromise
  2. https://access.redhat.com/security/supply-chain-attacks-NPM-packages
  3. https://www.ox.security/blog/new-npm-supply-chain-attack-redhat-cloud-services-compromised/
  4. https://github.com/search?q=Miasma%3A+The+Spreading+Blight&type=repositories&s=updated&o=desc
  5. https://www.heise.de/news/Boesartige-npm-Pakete-SAP-Software-kompromittiert-11280683.html
  6. https://www.heise.de/news/Supply-Chain-Angriff-auf-TanStack-42-Pakete-kompromittiert-11290715.html
  7. https://www.heise.de/news/npm-Wurm-Shai-Hulud-Angriff-der-Klone-11299094.html
  8. https://www.heise.de/news/Hunderte-boesartige-npm-Pakete-im-AntV-Oekosystem-entdeckt-11300242.html
  9. mailto:manuel.masiero@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 14:41

Microsoft Scout: Always-on-KI-Agent soll Windows-Nutzer unterstützen

Von Mike Faust
Der auf Openclaw basierende KI-Agent Scout soll nur der erste in einer Reihe neuer Always-on-KI-Agenten in Windows sein.
Microsoft Scout ist ein auf Openclaw basierender Always-on-KI-Agent. (Bild: Microsoft)
Microsoft Scout ist ein auf Openclaw basierender Always-on-KI-Agent. Bild: Microsoft

Microsoft führt eine neue Kategorie von KI-Agenten ein, die autonom im Hintergrund arbeiten sollen. Die KI-Agenten besitzen eine eigene Identität und handeln im Auftrag des Nutzers innerhalb festgelegter Richtlinien. Ziel soll es sein, Arbeitsprozesse kontinuierlich in Bewegung zu halten, auch wenn die Aufmerksamkeit des Anwenders gerade auf andere Aufgaben gerichtet ist.

Der erste dieser Autopilot-Agenten ist Microsoft Scout, der direkt in die Microsoft-365-Umgebung integriert ist. Scout ist mit Anwendungen wie Teams, Outlook, Onedrive und Sharepoint verknüpft und greift auf relevante Daten wie E-Mails, Kalender und Chats zu, um mit dem Arbeitsfluss des Nutzers synchron zu bleiben. Die Interaktion findet primär über Teams statt, kann aber über eine Desktop-App auf lokale Ressourcen und Browserinhalte ausgeweitet werden.

Scout soll den täglichen Koordinationsaufwand reduzieren, indem er proaktiv Termine plant, wichtige Meetings priorisiert und Vorbereitungsmaterialien erstellt. Durch eine Technologie namens Work IQ lernt der Agent stetig dazu, soll die Prioritäten des Nutzers verstehen und Risiken wie ins Stocken geratene Aufgaben erkennen. Zudem soll Scout anstehende Aufgaben identifizieren und automatisch benötigte Zeitfenster im Kalender blockieren können.

Eigene Identität für Microsoft Scout

Microsoft Scout basiert auf Openclaw (Test, g+) und wurde für die Anwendung in Unternehmen optimiert. Dabei sollen Sicherheit und Kontrolle im Vordergrund stehen. Jeder Agent agiert unter einer eigenen, verwalteten Entra-Identität, wodurch alle Aktionen nachvollzogen und bestehende Datenschutzrichtlinien eingehalten werden können sollen. Für besonders kritische Aktionen kann zudem eine menschliche Freigabe angefordert werden.

Derzeit ist Microsoft Scout als experimentelle Version für eine ausgewählte Gruppe von Kunden in einer privaten Vorschau sowie für Frontier-Organisationen verfügbar. Für den Zugriff sind eine Anmeldung im Frontier-Programm, spezifische Intune-Richtlinien sowie eine Github-Copilot-Lizenz erforderlich. Microsoft will in dieser Phase evaluieren, wie Always-on-Agenten reale Arbeitsabläufe unterstützen und die Effizienz in Organisationen steigern können.

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  • 02. Juni 2026 um 21:19

Projekt Solara: KI-Agenten sollen sich an verschiedene Geräteformen anpassen

Von Mike Faust
Microsoft möchte die Interaktion von Menschen mit KI-Agenten von Apps entkoppeln und hin zu spezialisierten sprachgesteuerten Geräten entwickeln.
Microsoft hat zwei Referenzdesigns für Geräte vorgestellt, die die direkte Interaktion mit KI-Agenten ermöglichen sollen. (Bild: Microsoft)
Microsoft hat zwei Referenzdesigns für Geräte vorgestellt, die die direkte Interaktion mit KI-Agenten ermöglichen sollen. Bild: Microsoft

Mit dem Projekt Solara stellt Microsoft auf der Entwicklermesse Build 2026 eine Plattform vor, bei der KI-Agenten sowohl bei der Programmierung als auch bei der Interaktion zwischen Mensch und Maschine die zentrale Einheit bilden sollen. Die Plattform zielt darauf ab, spezialisierte Erfahrungen zu schaffen, die direkt auf den Nutzer, seine Aufgaben und seine Umgebung zugeschnitten sind.

Die wesentliche Neuerung besteht darin, dass eine Abkehr von der traditionellen Nutzung von Apps hin zu einer direkten Interaktion mit KI-Agenten stattfinden soll. Damit Menschen ihre Absichten ausdrücken können, sollen sie die KI-Agenten direkt ansprechen können.

Natürliche Sprache soll dabei die herkömmliche Bedienung über Tastaturen oder Touchscreens ergänzen bzw. ersetzen. Ein Kernmerkmal der Plattform ist das sogenannte Just-in-Time-UI. Diese soll es einem KI-Agenten ermöglichen, seine Benutzeroberfläche dynamisch an unterschiedliche Geräteformen, Bildschirmgrößen und weitere Modalitäten anzupassen, ohne dass Entwickler für jeden Formfaktor ein neues Design entwerfen müssen.

Betriebssystem existiert auf dem Gerät und in der Cloud

Project Solara fungiert dabei als Chip-to-Cloud-Plattform, bei der das Betriebssystem sowohl auf dem Gerät als auch in der Azure-Cloud existiert, um eine nahtlose Koordination über verschiedene spezialisierte Geräte hinweg zu gewährleisten.

Microsoft präsentiert zur Veranschaulichung zwei Referenzdesigns. Eines ist ein tragbares Badge-Gerät für mobile Angestellte, das andere ein Desktop-Gerät für den stationären Einsatz. Das Badge dient als leichter, stets verbundener Begleiter, während das Desk-Konzept entweder als Partner zum herkömmlichen PC oder als eigenständiger Cloud-PC genutzt werden können soll. Bei beiden Geräten sollen Sicherheit und Identitätsschutz durch Funktionen wie Hello for Business im Vordergrund stehen.

Für die Umsetzung des Projekts arbeitet Microsoft eng mit Qualcomm und Mediatek sowie verschiedenen Unternehmenskunden zusammen. In Pilotprogrammen mit Partnern aus Branchen wie dem Gesundheitswesen und dem Einzelhandel wird erforscht, wie diese agentenbasierten Werkzeuge spezifische Arbeitsabläufe verbessern können.

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  • 02. Juni 2026 um 21:04

Weniger Cloudkosten: Microsoft fördert lokale KI-Entwicklung

Von Mike Faust
Mit einer ganzen Reihe neuer Funktionen will Microsoft Windows 11 zur optimalen Entwicklerplattform für lokale KI-Modelle machen.
Auf der Microsoft Build 2026 wurden viele neue Entwicklerfunktionen für Windows 11 angekündigt. (Bild: Microsoft)
Auf der Microsoft Build 2026 wurden viele neue Entwicklerfunktionen für Windows 11 angekündigt. Bild: Microsoft

Auf der hauseigenen Entwicklermesse Build 2026 hat Microsoft Neuerungen für Windows als Entwicklerplattform angekündigt. Im Mittelpunkt steht dabei die Transformation von Windows zu einem Ökosystem für die Erstellung und den Betrieb von KI-Agenten. Diese Funktion soll durch neue Sicherheitsfunktionen wie den Microsoft Execution Container unterstützt werden.

Ein Teil dessen, womit Microsoft die Entwicklererfahrung in Windows 11 optimieren will, ist die Einführung von Coreutils, was native, Linux-ähnliche Befehle direkt unter Windows ermöglichen soll und durch WSL-Container zur Verwaltung von Linux-Workflows unterstützt wird.

Neue Konfigurationsmöglichkeiten für Windows-Entwickler sollen es zudem erlauben, neu aufgesetzte Systeme in wenigen Minuten in einen einsatzbereiten Zustand zu versetzen. Ein experimentelles intelligentes Terminal integriert KI-Agenten über das Agent Communication Protocol (ACP), womit Aufgaben wie das Debugging direkt in der Konsole unterstützt werden sollen.

KI direkt auf dem Entwicklergerät

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Sicherheit und Isolierung von KI-Agenten durch die neuen Microsoft Execution Containers (MXC), die den Zugriff auf Dateien und Netzwerke streng reglementieren. Windows weist Agenten hierfür eine eindeutige Identität (lokal oder via Entra ID) zu, damit deren Aktivitäten klar von menschlichen Interaktionen unterschieden und durch die IT verwaltet werden können. Ergänzend dazu ermöglicht Windows 365 für Agenten die Ausführung komplexer, mehrstufiger Arbeitsabläufe auf dedizierten Cloud-PCs.

Unter dem Schlagwort "Unmetered Intelligence" forciert Microsoft die lokale Ausführung von KI durch das neue Small-Language-Modell Aion 1.0, was Cloudkosten sparen und die Privatsphäre erhöhen soll. Eine neue Speech-Recognition-API bietet zudem hardwarebeschleunigte Spracherkennung in Echtzeit direkt auf dem Gerät. Das soll auch ohne Internetverbindung funktionieren.

Um die Reichweite lokaler KI-Modelle zu vergrößern, werden die Windows AI APIs von NPUs auf eine breite Palette von GPUs und CPUs ausgeweitet. Mit dem Github-Copilot-CLI-Befehl /fleet sollen Entwickler auf Geräten wie der Surface RTX Spark Dev Box Aufgaben an lokale Sub-KI-Agenten delegieren können, ebenfalls, um Cloudressourcen zu schonen.

Hinzu kommen Windows-Entwicklerskills, die KI-Agenten spezialisiertes Wissen für den Bau nativer Apps mit WinUI 3 vermitteln. Windows 365 mit Entwicklerkonfiguration bietet zudem standardisierte, sofort einsatzbereite Cloudumgebungen für Teams, die von jedem Gerät aus zugänglich sind. Durch enge Partnerschaften mit Nvidia und OpenAI soll sichergestellt werden, dass die neue Sicherheitsarchitektur (MXC) direkt in moderne Agentenplattformen integriert wird.

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  • 02. Juni 2026 um 20:29

Patchday: Kritische Lücken ermöglichen Attacken auf Android 14, 15, 16

Von Heise
Grüne Android-Figur vor Schloss-Symbol

Google Android-Bugdroid vor Schloss-Symbol.

(Bild: Primakov/Shutterstock.com)

Google hat zahlreiche Softwareschwachstellen in verschiedenen Android-Versionen geschlossen. Es kann Schadcode auf Geräte gelangen.

Sicherheitslücken im Framework, Kernel und System gefährden Smartphones und Tablets mit Android 14, 15, 16 und 16-qpr2. Wer ein noch im Support befindliches Gerät besitzt, sollte sicherstellen, dass die aktuellen Sicherheitsupdates installiert sind.

Verschiedene Gefahren

Neben Google stellen unter anderem auch Honor und Samsung monatlich für ausgewählte Smartphones Sicherheitspatches bereit (siehe Kasten). Wie aus einem Beitrag der Androidentwickler hervorgeht [1], haben sie diesen Monat zahlreiche Sicherheitslücken geschlossen, von denen 18 als „kritisch“ eingestuft sind.

Der Großteil davon betrifft das System. Hier können sich Angreifer etwa auf einem nicht näher beschriebenen Weg höhere Nutzerrechte verschaffen (CVE-2026-0043) oder via DoS-Attacke Abstürze auslösen (CVE-2026-64505). Im Framework finden sich ebenfalls „kritische“ Schwachstellen für solche Angriffe (etwa CVE-2025-65018, CVE-2025-64720). Eine Kernel-Lücke (CVE-2025-40214 „hoch“) kann ebenso als Sprungbrett für Angreifer dienen und ihnen höhere Nutzerrechte verschaffen. Die verbleibenden Schwachstellen sind größtenteils mit „hoch“ eingestuft. An diesen Stellen können auch Informationen leaken.

Überdies sind noch Komponenten von Imagination Technologies, MediaTek, Qualcomm und Unisoc verwundbar. Bislang gibt es seitens Google keine Hinweise, dass Angreifer die Lücken bereits ausnutzen. Wer Sicherheitsupdates für sein Gerät bekommt, sollte dennoch nicht zu lange mit der Installation der Patch Levels 2026-06-01 oder 2026-06-05 zögern.

Seit Juli 2025 schließt Google monatlich nur noch besonders gefährliche Sicherheitslücken [2] und verteilt weitere Updates quartalsweise. Diesen Monat war im Vergleich zum Mai [3] mit nur einer geschlossenen Schwachstelle schon richtig viel los.


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https://www.heise.de/-11314546

Links in diesem Artikel:

  1. https://source.android.com/docs/security/bulletin/2026/2026-06-01
  2. https://www.heise.de/news/Schlecht-fuer-Custom-ROMs-Google-aendert-Android-Sicherheitspatch-Strategie-10645581.html
  3. https://www.heise.de/news/Patchday-Kritische-Schadcode-Luecke-bedroht-Android-14-15-und-16-11281884.html
  4. https://support.fairphone.com/hc/en-us/articles/360048139032-Fairphone-OS-releases-for-FP3-FP3-
  5. https://support.fairphone.com/hc/en-us/articles/4405858220945-Fairphone-4-OS-Release-Notes
  6. https://de-de.support.motorola.com/app/software-security-update/g_id/7112
  7. https://www.hmd.com/en_int/security-updates
  8. https://security.oppo.com/en/mend
  9. https://security.samsungmobile.com/securityUpdate.smsb
  10. https://xpericheck.com/
  11. https://security.oneplus.com/en/home
  12. https://www.honor.com/de/support/bulletin/
  13. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp

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  • 02. Juni 2026 um 10:19

Android 17 Beta 4.1: Google behebt offenbar letzte Fehler vor Release

Von Heise
Android 17 Logo

Android 17 ist kurz vor dem Release.

(Bild: Google)

Google hat eine weitere Beta für Android 17 veröffentlicht. Das Update auf Beta-Version 4.1 dürfte die letzten Bugs vor dem erwarteten Release ausbügeln.

Eigentlich sagte Google im April, dass das Update auf Android 17 Beta 4 [1] die „letzte geplante Beta“ des Entwicklungszyklus sei, bevor die Version als stabile Version veröffentlicht werde. Mit der Beta 4.1 kommt der Konzern also ein wenig überraschend um die Ecke. Zudem macht Google darauf aufmerksam, dass einige Hardwarepartner auch schon Betas für einige ihrer Geräte anbieten.

Das Update Android 17 Beta 4.1 ist den Release-Notes [2] zufolge recht klein, steht aber für das Pixel 6 bis hin zu den Geräten der neuen Pixel-10-Serie zur Installation bereit. Der Build CP21.260330.011.A1 ist für Pixel 6/Pro/a Pixel 7/Pro bestimmt, während sich CP21.260330.011 an alle anderen Pixel-Modelle richtet.

Fehlerbehebungen im Fokus

Hinsichtlich der Neuerungen enthält die Beta 4.1 lediglich fünf kleine Fehlerbehebungen, jedoch keine neuen Funktionen. Die aus Googles Sicht wichtigsten neuen Features hatte der Konzern im Zuge der Android Show: I/O Edition [3] am 12. Mai gezeigt – inklusive der agentischen KI Gemini Intelligence [4], die jedoch nur für High-End-Geräte bestimmt ist [5].

Google erklärt, dass es mit dem nun veröffentlichten Update ein Problem behebt, bei dem die Statusleiste fälschlicherweise keinen Signalbalken anzeigte, obwohl eine Verbindung bestand. Ebenso haben die Entwickler ein Problem mit der UI-Synchronisation gefixt, bei dem das Symbol für die Schnellsteuerung der mobilen Daten im Flugmodus aktiv blieb.

Zudem soll es keine Probleme mehr beim Anschluss externer Displays geben – zumindest sollen sie nun nicht mehr schwarz werden, wenn eine hohe Auflösung ausgewählt wird. Ebenso habe Google einen Fehler bei der Bluetooth-Audioübertragung behoben, der nach Systemunterbrechungen wie Timern zu einer Unterbrechung der Wiedergabe führte. Außerdem sollen Hörgeräte nach Inaktivität oder dem Aufladen nicht mehr automatisch aus den gekoppelten Geräten entfernt werden.

Android 17 Beta für „Partnergeräte“

Während Google seine Betas nur für seine Pixel-Modelle anbietet, macht der Konzern darauf aufmerksam, dass einige Hardwarepartner Versionen der Android-17-Beta für ausgewählte Smartphones anbieten.

Zu den Partnern zählen Honor, iQOO, Lenovo/Motorola, OnePlus, Oppo, Realme, Sharp, Vivo und Xiaomi. Interessanterweise erwähnt Google seinen engen Partner Samsung nicht, obwohl der Konzern sein Betaprogramm auf One UI 9 auf Basis von Android 17 für die Galaxy-S26-Serie [6] gestartet hat.

Für interessierte und wagemutige Besitzerinnen und Besitzer eines der kompatiblen Modelle hat Google eine Übersichtsseite gestaltet, die zu den jeweiligen Betaprogrammen führt [7].

Auf den Webseiten der Partner finden Nutzer jeweils Anleitungen, wie sie die Android-17-Beta installieren können. Die meisten bieten System-Images zum Herunterladen und Flashen an, einige unterstützen derweil zusätzlich Over-the-Air-Updates (OTA), wie etwa Samsung über sein eigenes Betaprogramm.


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https://www.heise.de/-11314670

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Android-17-Beta-4-Letzte-Testversion-vor-dem-finalen-Release-11261781.html
  2. https://developer.android.com/about/versions/17/release-notes
  3. https://www.heise.de/news/Google-kuendigt-Android-Show-2026-an-Fokus-auf-Android-17-11281725.html
  4. https://www.heise.de/news/Google-stellt-Gemini-Intelligence-fuer-Android-vor-11289291.html
  5. https://www.heise.de/news/Gemini-Intelligence-mit-hohen-Hardwareanforderungen-an-Smartphones-11296835.html
  6. https://www.heise.de/news/Galaxy-S26-Serie-Samsung-oeffnet-Betaprogramm-fuer-One-UI-9-11291610.html
  7. https://developer.android.com/about/versions/17/devices
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner

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  • 02. Juni 2026 um 10:00

KI-Chatbot von Meta hat Angreifern bei Übernahme von Instagram-Accounts geholfen

Von Heise
Smartphone-Display mit Instagram-Logo, auf einer Tastatur liegend.

(Bild: miss.cabul/Shutterstock.com)

Im Frühjahr hat Meta einen KI-Chatbot für den IT-Support freigegeben. Jetzt wurde bekannt, dass der auch bereitwillig bei der Kaperung von Konten geholfen hat.

Ein KI-Chatbot von Meta konnte von Dritten mit simplen Aufforderungen dazu benutzt werden, um die Kontrolle über beliebige Accounts auf Instagram zu übernehmen. Details dazu wurden jetzt bekannt, nachdem unter anderem ein altes Konto des Weißen Hauses unter Barack Obama iranische Propaganda geteilt hat. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist aber unbekannt. Öffentlich gemacht wurde der Angriffsweg vom US-Techmagazin 404 Media [1], das sich auf Telegram-Gruppen von Sicherheitsforschern und Hackinggruppen beruft. Der Instagram-Konzern Meta hat bereits reagiert, der Konzernsprecher versicherte auf X [2]: „Das Problem wurde behoben und wir sichern betroffene Accounts.“

Erschreckend simple Methode

Für die Accountübernahme musste man dem Bericht zufolge lediglich per VPN vortäuschen, dass man sich in etwa in der Heimatregion der Person befindet, deren Instagram-Account gekapert werden soll. Als Nächstes konnte ein KI-Chatbot für Supportanfragen aufgefordert werden, den gewünschten Account mit einer neuen E-Mail zu verbinden und dann einen Code zum Zurücksetzen des Passworts dorthin zu senden. Dem sei der Chatbot nachgekommen, berichtet 404 Media. Wie oft solche Angriffe tatsächlich erfolgreich durchgeführt wurden, ist unklar. Auf dem Kurznachrichtendienst X hat aber etwa die bekannte App-Forscherin Jane Manchun Wong erklärt [3], dass mit dieser Methode das Passwort ihres Accounts geändert wurde.

Meta hat erst im März einen KI-Assistenten für Supportanfragen freigeschaltet [4], der auf Facebook und Instagram rund um die Uhr bei Problemen helfen sollte. Der Konzern hat damals erklärt, dass die KI dabei helfen soll, „dein Passwort zu aktualisieren und die Einstellungen im Profil zu verändern“. Der KI-Assistent sei darauf ausgelegt, Probleme mit einem Account zu lösen und nicht nur Vorschläge zu machen, hieß es damals. 404 schreibt nun, dass auf Telegram lange Listen mit Accountnamen herumgereicht worden seien, die angeblich über die Ausnutzung dieser Funktion übernommen wurden. Überprüfen lässt sich das aber nicht. Die Angriffsmethode zeige das enorme Risiko, das mit der Auslagerung des technischen Supports an KI-Technik [5] verbunden sei, schreibt das Portal noch.


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https://www.heise.de/-11314502

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.404media.co/hackers-simply-asked-meta-ai-to-give-them-access-to-high-profile-instagram-accounts-it-worked/
  2. https://x.com/andymstone/status/2061486724199379186
  3. https://x.com/wongmjane/status/2061456887959474393
  4. https://about.fb.com/news/2026/03/boosting-your-support-and-safety-on-metas-apps-with-ai/?ref=404media.co
  5. https://www.heise.de/news/Apple-startet-Nutzertest-mit-Chatbot-fuer-Supportanfragen-10512285.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
  7. mailto:mho@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 06:57
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