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Android: Google vereinfacht sicheren Transfer von Passkeys und Passwörtern

Von Heise
Ein Samsung-Galaxy-Smartphone erhält ein Update.

Samsung-Galaxy-Smartphone erhält ein Update.

(Bild: Below the Sky / Shutterstock.com)

Mit dem Juni-Update der Play-System-Dienste für Android können Nutzer Passwörter und Passkeys nun sicher zwischen verschiedenen Passwortmanagern austauschen.

Google hat Neuerungen für die Play-System-Dienste angekündigt. Mit einem nutzerseitigen neuen Feature für alle Smartphones und Tablets, die Play-Updates erhalten, sollen sich Passwörter und Passkeys sicher zwischen dem Google-Passwortmanager und Passwortmanagern von Drittanbietern transferieren lassen. Für die sichere Übertragung kommt eine schon 2024 von der Fido Alliance angekündigte Spezifikation zum Einsatz.

Credential Exchange Protokoll

Allmonatlich veröffentlicht Google Updates über die Play-Dienste und den Play Store. Die Aktualisierungen liefern neue Funktionen für alle Smartphones und weitere Produkte des Google-Ökosystems wie Tablets, Uhren, Smart-TVs, Android Auto und Chromebooks, ohne dass ein großes Android-Update vonseiten der Gerätehersteller erforderlich ist.

Mit Version 26.21 der Play-Dienste [1] vom 1. Juni 2026 verteilt Google ein Feature für Android-Smartphones mit der Funktionsbeschreibung „Sie können nun Passwörter und Passkeys mithilfe des Credential-Exchange-Standards [2] zwischen dem Google Passwort-Manager und Passwort-Managern von Drittanbietern importieren und exportieren“.

Was Google kurz und knapp in einem Satz abhandelt, ist aber eine recht wichtige und komfortable Angelegenheit. Denn das heißt, dass Nutzerinnen und Nutzer ihre sensiblen Zugangsdaten und Passkeys auf Android-Geräten nicht mehr umständlich per unsicherer CSV-Datei oder JSON aus einem Passwortmanager exportieren und in einen neuen importieren müssen. Stattdessen kann dies künftig sicher vonstattengehen, da Android nun das „Credential Exchange-Protokoll“ (CXP) [3] der Fido Alliance unterstützt.

Nutzer können mit dem Standard ihre Passkeys von einem Passwortmanager Ende-zu-Ende-verschlüsselt (E2EE) zu einem anderen kopieren. Der Standard lasse sich ebenfalls mit anderen Authentifizierungsinformationen nutzen, worunter unter anderem herkömmliche Kennwörter fallen. Seit der Einführung von CXP unterstützen schon einige Passwortmanager diesen Standard – zu ihnen gehören etwa Bitwarden, 1Password und Dashlane. Auch Apples systemeigener Passwortmanager unterstützt CXP. Das heißt, die Passwörter und Passkeys sollten sich auch über Ökosysteme hinweg sicher transferieren lassen.

Neuerungen im Play Store

Abseits des Updates der Play-System-Dienste bringt Google mit dem Update des Play Stores auf Version 51.7 Neues in den digitalen Android-Laden. So sollen mit der neuen Play-Store-Version unter anderem Verkaufspreise und Rabattdetails – wie Angebote und Termine – im gesamten Play Store übersichtlicher und besser sichtbar dargestellt sein.

In Android Auto, auf Smartphones und Fernseher mit Android oder Google TV erhalten die Dialoge im Play Store, die beim Herunterladen oder Kauf einer App angezeigt werden, ein überarbeitetes Design.

Im Play Store soll auf Smartphones die Vorregistrierung und die automatische Installation in einem einzigen Schritt erfolgen, erklärt Google. Ebenso will Google Play mehr Benachrichtigungen über Challenges anzeigen. Solche Dinge lassen sich in der Regel bei Bedarf auch abstellen.

Die Neuerungen dürften im Laufe der kommenden Tage oder Wochen auf Android-Geräten verfügbar sein.


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https://www.heise.de/-11315823

Links in diesem Artikel:

  1. https://support.google.com/product-documentation/answer/14343500
  2. https://fidoalliance.org/specifications-credential-exchange-specifications/
  3. https://www.heise.de/news/Passkeys-sicher-importieren-und-exportieren-9982006.html
  4. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  5. mailto:afl@heise.de

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  • 03. Juni 2026 um 07:24

Trump gibt sich exklusiven Zugriff auf neue KI vor allen anderen

Von Heise
Donald Trump spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung in National Harbor, US-Bundesstaat Maryland, im Hintergrund eine große US-Flagge.

Donald Trump spricht am 24. Februar 2024 auf einer Wahlkampfveranstaltung in National Harbor, US-Bundesstaat Maryland.

(Bild: Jonah Elkowitz/Shutterstock.com)

Geheimes Benchmarking von KI, Zugriff für die US-Regierung vor allen anderen, staatliche Suche nach Software-Bugs. Das und mehr ordnet der US-Präsident an.

Nach einigem Hin und Her hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag doch einen Erlass zum Thema Künstliche Intelligenz veröffentlicht. Er richtet eine ganze Latte neuer Arbeitskreise ein, die sich Themen rund um KI und IT-Sicherheit widmen sollen. Klaffende Lücke bleibt Sicherheit der KI selbst – eine entsprechende Vereinbarung der US-Regierung mit der KI-Branche hat Trump am ersten Amtstag seiner zweiten Amtszeit aufgekündigt [1].

Zwar erklärt er die Förderung von KI-Innovation und Sicherheit zum offiziellen Ziel, ordnet dann aber keine konkreten Maßnahmen zur Stärkung der KI-Sicherheit an. Erreicht werden soll das durch „Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft zwecks Modernisierung von IT-Systemen in Verwaltung und Privatwirtschaft und deren Härtung gegen Bedrohung von außen”. Tatsächlich stellen Insider grundsätzlich die größere Bedrohung [2] dar, neuerdings kommen noch Risiken durch intern aufgesetzte KI-Agenten hinzu.

Trump belässt es bei allgemeinen Befehlen zur „Priorisierung” von IT-Abwehr bei Militär, Geheimdiensten, zivilen Behörden und deren Dienstleistern – binnen 30 Tagen. Nicht näher bezeichnete Bundesprogramme zur „Verbesserung KI-fähiger Abwehrwerkzeuge” sollen ausgeweitet oder gegründet werden. Nebenbei soll der Justizminister verstärkt gegen Straftäter vorgehen, die KI für ihre Machenschaften einsetzen.


Einkaufstour ohne Budget

Und Trump hält Behörden dazu, an Geld auszugeben: Einerseits sollen IT-Sicherheitswerkzeuge und -dienstleistungen beschafft werden, für Behörden des Bundes, der US-Staaten und lokaler Körperschaften, sowie für Betreiber Kritischer Infrastruktur „wie ländliche Spitäler, lokale Banken und lokale Versorgungsunternehmen”. Wer sich darum kümmern soll und aus welchem Budget das zu bedecken wäre, lässt Trump offen. Insofern handelt es sich eher um einen Wunschbrief ans Parlament, das über das Bundesbudget bestimmt.

Andererseits soll sich die Budgetabteilung des Weißen Hauses auf die Suche nach bereits bestehenden Förderprogrammen machen, deren Mittel gewidmet werden können zur Subvention von KI-Entwicklung: konkret fortschrittlicher KI zur Entdeckung von Sicherheitslücken. Die eine oder andere Umwidmung dürfte auch ohne Parlamentsbeschluss zulässig sein, in Summe aber nicht viel bringen.

Geheimdienste und Militär sollen Sicherheitslücken finden

Parallel dazu soll das Finanzministerium gemeinsam mit dem Verteidigungsminister vertreten durch den Geheimdienst NSA, sowie dem Minister für Heimatsicherheit vertreten durch CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency), ein KI-Clearinghouse einrichten. Dieses soll in „freiwilliger Zusammenarbeit” mit der KI-Branche und Betreibern Kritischer Infrastruktur das Scannen nach Software-Sicherheitslücken koordinieren und deeskalieren.

Das Clearinghouse soll auch selbst solche Lücken finden und bestätigen, sowie deren Schließung koordinieren und priorisieren, samt Verteilung von Sicherheitsupdates. Information der Öffentlichkeit schreibt der Erlass nicht vor. Im Endeffekt bedeutet dies, dass NSA und Co Sicherheitslücken suchen, finden, und dann steuern, ob und wann sie bei wem gefixt werden. Von Unterstützung für die darbende Schwachstellendatenbank NVD des NIST [3] ist keine Rede.

Da die KI nicht alles alleine kann, und Elon Musks Doge zahlreiche IT-Experten grundlos gefeuert hat, muss neues Fachpersonal her. Dazu hat die US-Regierung Ende 2025 die „US Tech Force” ausgerufen [4]. Dieses auf Dauer angelegte Programm erlaubt knapp 30 KI-Konzernen, insgesamt zirka 1.000 eigene Mitarbeiter für jeweils zwei Jahre in US-Ministerien zu platzieren, die dafür ausnehmend hohe Gehälter bezahlen. Die meisten der beteiligten Konzerne haben direkt oder indirekt für Donald Trump gespendet. Sein aktueller Erlass sieht vor, die US Tech Force auszuweiten: Die Behörden brauchen mehr Experten für IT-Sicherheit.

Exklusiver Zugriff auf neueste KI

Abschnitt 3 des Erlasses zielt auf exklusiven Vorrang der US-Regierung bei sogenannten „frontier models” ab. Gemeint sind die fortschrittlichsten großen KI-Modelle, also der jeweils neueste Schrei. Sie sollen möglichst nicht mehr direkt auf den Markt kommen, sondern zunächst 30 Tage lang exklusiv der Regierung zur Verfügung gestellt werden.

Auch danach ist kein freier Marktzugang gewünscht: Vielmehr sollen Betreiber und Regierung gemeinsam festlegen, welche vertrauenswürdigen Partner das frontier model verwenden dürfen, „um sichere Innovation zu fördern und die IT-Sicherheit Kritischer Infrastruktur zu stärken”. Der Präsident kann diese Einschränkungen nicht erzwingen, weshalb er ein freiwilliges Framework für KI-Entwickler aufstellen lässt. Sie werden also voluntold, zu Freiwilligen ernannt.

Zuständig ist wieder der vom Clearinghouse bekannte Arbeitskreis aus NSA, CISA und Finanzministerium. Um feststellen zu können, was überhaupt als frontier model gilt, sollen sie einen geheimen Vergleichsmaßstab (Benchmark) ausarbeiten. Daran soll die NSA neue KI-Modelle bewerten, im Geheimen. Stuft sie eines als frontier model ein, soll die NSA KI-Entwickler und Forscher, „soweit angemessen”, informieren.

Teilnehmer des Frameworks dürfen zudem fragen, ob ein KI-Modell, an dem sie gerade arbeiten, voraussichtlich als frontier model gelten wird. Sonst könnte passieren, dass ein Konzern, seine technische Errungenschaft unterschätzend, seine freiwillige Verpflichtung verletzt und die Super-KI kurzerhand veröffentlicht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11316188

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Trump-kuendigt-KI-Sicherheit-auf-stoppt-Umweltschutz-und-Infrastruktur-10249761.html
  2. https://www.heise.de/news/Studie-Insider-Bedrohungen-durch-KI-sind-gefaehrlicher-als-externe-Cyberangriffe-10590799.html
  3. https://www.heise.de/news/CVSS-NIST-schraenkt-Bewertung-von-IT-Sicherheitsluecken-ein-11314492.html
  4. https://www.heise.de/news/Tech-Force-US-Konzerne-leihen-Trump-ihre-Mitarbeiter-11115954.html
  5. https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/06/promoting-advanced-artificial-intelligence-innovation-and-security/
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 03. Juni 2026 um 00:01

Vor Android 17: Google verteilt neue Features auch für ältere Android-Versionen

Von Heise
Android-Logo auf Smartphone vor verschwommenem Hintergrund

Android-Logo.

(Bild: Mamun_Sheikh/Shutterstock.com)

Google verteilt neue Funktionen auch für ältere Android-Versionen teils bis runter zu Android 12. Unter anderem AirDrop und Circle to Search.

Während Google dabei ist, das große Update auf Android 17 zu finalisieren und laut Konzern „bald“ veröffentlichen wird, sollen Nutzerinnen und Nutzer älterer Android-Versionen nicht vollkommen leer ausgehen. Mit dem „Android Drop“ verpasst der Konzern vielen Geräten neue Funktionen ganz ohne großes Systemupdate.

Ab Android 12: Scamerkennung bei Anrufen

Googles Telefon-App warnt künftig vor mutmaßlichen Betrügern, die sich als eigene Kontakte ausgeben. Die Funktion „Erkennung gefälschter Anrufe“ soll laut Google überprüfen können, ob ein Anruf tatsächlich vom Gerät eines Kontakts kommt. Wenn ein Betrüger so tut, als würde er von einer vertrauten Nummer anrufen, erhalten Nutzer künftig eine Warnung, um das Gespräch schnell zu beenden.

Die Funktion wird Google zufolge weltweit angeboten und unterstützt Geräte ab Android 12 und neuer. Weitere Details zu der Funktion haben wir in einem separaten Artikel zusammengefasst [1].

„Circle to Search“ für ältere Geräte

Circle to Search, Googles smarte Suchfunktion, mit der man nur ein Objekt auf dem Bildschirm einkreisen muss, um danach im Netz zu suchen, einen Text zu kopieren oder zu übersetzen, landet nun auch auf älteren Geräten. Zudem unterstützt die Funktion auch auf jenen Geräten eine erst kürzlich angekündigte Erweiterung. Dabei lassen sich etwa mit dem Einkreisen eines Looks auf Instagram oder TikTok sämtliche Teile auf einmal finden. Circle to Search landet mit dem Android Drop auf Geräten mit Android 14 und neuer.

Mit Google Photos Wardrobe können Nutzer den eigenen Kleiderschrankinhalt digitalisieren und die Kleidung virtuell anprobieren.

(Bild: Google)

Noch nicht für Europa bestimmt ist eine Funktion in Google Fotos mit dem Namen Google Photos Wardrobe [2], mit der Nutzerinnen und Nutzer quasi ihren eigenen Kleiderschrank digitalisieren und virtuell anprobieren können. Laut Google [3] katalogisiert das Feature die Kleidung, die Nutzer auf den eigenen Fotos tragen. Die Kleidung wird extrahiert und in Bilder umgewandelt – Nutzer können die Kleidungsstücke beliebig kombinieren, „Lieblingslooks“ lassen sich speichern und mit Freunden teilen, so Google. Verfügbar ist das Feature demnächst in den USA, Indien und Brasilien.

Ausweitung von AirDrop für 41 Geräte

Seit der Ankündigung von AirDrop-Support über Googles Quick Share im November 2025 [4] haben bereits weitere Android-Geräte Unterstützung für den bequemen Datenaustausch zu Apple-Geräten erhalten. Im Zuge des Android Drops weitet Google in Zusammenarbeit mit Smartphone-Herstellern den Support aus – erstmals angekündigt hatte Google die Airdrop-Expansion aber schon im Zuge der Android Show Mitte Mai [5].

Animation: Datentransfer von Android zu iPhone per Quick-Share
Animation: Datentransfer von Android zu iPhone per Quick-Share

Airdrop-Support landet auf weiteren Android-Geräten.

(Bild: Google)

Laut Google unterstützen nun über 40 Geräte die Funktion; langfristig sollen weitere Geräte eine AirDrop-Anbindung erhalten. [6] Diese Modelle sind aktuell dabei:

Samsung

  • Galaxy S26, S26+, S26 Ultra
  • Galaxy S25, S25+, S25 Ultra, S25 Edge
  • Galaxy S24, S24+, S24 Ultra
  • Galaxy Z Flip 7
  • Galaxy Z Fold 7
  • Galaxy Z Flip6
  • Galaxy Z Fold 6
  • Galaxy Z Fold 6 (Special Edition)
  • Galaxy Z TriFold

Google

  • Pixel 10, 10 Pro, 10 Pro XL, 10 Pro Fold, 10a
  • Pixel 9, 9 Pro, 9 Pro XL, 9 Pro Fold, 9a
  • Pixel 8a

Xiaomi

  • Xiaomi 17T Pro

OnePlus

  • OnePlus 15

Oppo

  • Oppo Find X9, X9 Pro, X9 Ultra, X9s
  • Oppo Find N6

Vivo

  • Vivo X300, X300 Pro, X300 Ultra

Honor

  • Honor Magic V6

In Kürze

  • Motorola Razr Fold 2026
  • Oppo Find X8 Serie
  • Honor Magic 8 Pro

„Persönliche Sicherheit“-App für Kinder

Teil des Drop ist auch eine neue Sicherheitsfunktion für Kinder: In der App „Persönliche Sicherheit“ erhalten Kinder unter 13 Jahren Zugriff auf Funktionen, wie etwa das Anzeigen ihrer medizinischen Informationen und das Festlegen von Notfallkontakten auf dem Sperrbildschirm ihres Geräts. Außerdem können sie darüber die Autounfallerkennung aktivieren, die nach einem Unfall automatisch den Rettungsdienst ruft und Notfallkontakte per SMS benachrichtigt.

Screencast zeigt Funktion der neuen Persönliche Sicherheit-App für Kinder
Screencast zeigt Funktion der neuen Persönliche Sicherheit-App für Kinder

Googles Android Drop bringt die App „Persönliche Sicherheit“ für Kinder.

(Bild: Google)

Kids im Teenageralter können zudem die Standortfunktionen der App nutzen. Zu diesen gehören der Sicherheitscheck und die Echtzeit-Standortfreigabe für Notfallkontakte. Die App ist laut Google weltweit verfügbar.

Play Bücher und Emoji Kitchen

Weitere Neuerungen ziehen zum einen in Google Play Bücher und die Emoji-Kitchen-Funktion der Tastatur-App Gboard ein.

Mit dem Feature „Bring mich auf den neuesten Stand“ erhalten Nutzerinnen und Nutzer von Play Bücher eine Zusammenfassung des bisher Gelesenen. Sie können auch „Textstellen markieren und Fragen stellen, um mehr Informationen zu Themen, Kontext oder den Charakteren zu erhalten, ohne die Seite zu verlassen“, erklärt Google. Die Funktion „Infos zum Buch“ wird ab heute in der Google Play Bücher App eingeführt und steht zunächst für ausgewählte englischsprachige Titel bereit.

In die Gboard-App ziehen derweil neue Kombinationen für Emoji-Kitchen-Sticker ein. „Wenn ein einfaches rosa Herz nicht ausreicht, um eure Gefühle auszudrücken, könnt ihr Emojis zu etwas Besonderem kombinieren. Von süßen Tierchen bis hin zu glitzernden Bienen 🐝 + 💍 – findet die richtige Kombination für eure Stimmung und teilt sie mit euren Freund*innen in Gboard“, so Google.


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https://www.heise.de/-11316432

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Android-bekommt-Anrufererkennung-gegen-Betrugsanrufe-11316362.html
  2. https://blog.google/products-and-platforms/products/photos/google-photos-wardrobe-feature/
  3. https://blog.google/products-and-platforms/platforms/android/android-drop-june-2026/
  4. https://www.heise.de/news/Google-erlaubt-den-direkten-Datenaustauch-von-iPhone-und-Android-Smartphones-11087061.html
  5. https://www.heise.de/news/Android-17-Einfacher-Umzug-von-iOS-mehr-AirDrop-und-Tools-fuer-Kreative-11290699.html
  6. https://www.heise.de/news/AirDrop-Support-fuer-Android-Google-weitet-Verfuegbarkeit-auf-weitere-Geraete-aus-11167837.html
  7. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 03. Juni 2026 um 09:44

Die Redaktion auf der Maker Faire Prag

Von Heise

Auf der Maker Faire Prag sammelte die Make-Redaktion neue Eindrücke und entdeckte Unterschiede zur deutschen Maker-Community.

Die Maker Faire Ruhr ist jetzt schon eine Weile vorbei und die Make-Redaktion scharrt ungeduldig mit den Lötkolben bis zum nächsten Maker-Event. Da passte die Maker Faire Prag perfekt, um wieder die Inspirations-Akkus aufzuladen. Außerdem war es etwas Neues für die heise-Maker: Maker Faires in DACH kennt die Redaktion bereits wie ihre Westentasche.

Aber wie tickt die Maker-Szene eigentlich bei den osteuropäischen Nachbarn? Um das herauszufinden, ist das Team kurzerhand nach Tschechien zur Maker Faire in Prag gereist.

Dort hat sich die Redaktion aufgeteilt und ging getrennt auf Erkundungstour. Im Folgenden berichten die Redakteure, was sie auf ihren Maker-Expeditionen gefunden haben.

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Ákos

Schon beim Betreten des Messegeländes ging es los: Im Außenbereich warteten postapokalyptische Fahrzeuge, die gelegentlich Feuer spuckten, und Maker, die wieder anderes Feuer mit ihren Erfindungen löschten. Daneben waren dann auch gleich die ersten Zelte aufgebaut, in denen Besucher an Maker-Workshops teilnehmen konnten.

Bild 1: Das Außengelände wurde für Liveshows genutzt.,
Bild 1: Das Außengelände wurde für Liveshows genutzt.,

Das Außengelände wurde für Liveshows genutzt.

Im Zentrum der Anlage, einem Amphitheater rund um den historischen Křižík-Brunnen, gab es den ganzen Tag über Vorträge, die mit Chemieexperimenten und Laserharfenmusik das Publikum begeisterten. Vorbei an den vielfältigen Imbissständen (es gab sogar mittelalterliches Essen) erschlossen sich von dort aus vier prall gefüllte Hallen voller Aussteller.

Bild 2: Das Messegelände der Maker Faire in Prag.,
Bild 2: Das Messegelände der Maker Faire in Prag.,

Das Messegelände der Maker Faire in Prag.

Unter den Ausstellern waren auch viele junge Menschen von Schulen und Hochschulen, die ihre Projekte präsentierten. Am Stand von „Studentsk HW hackathon“ konnte man zum Beispiel ein paar Lösungen für Astronauten entdecken, die während eines Hackathons innerhalb von 24 Stunden entstanden sind. Einer der Studierenden namens Jan erklärte mir, dass sein Entwurf eine lokale Ortung in einer Raumstation ermögliche. Dafür müsse man vier Sensormodule (im folgenden Bild rot) möglichst weit voneinander entfernt in der Station anbringen und ein fünftes an einem Astronauten befestigen. Mithilfe von WLAN und Time-of-Flight sei es dann möglich, die Position der Person zu bestimmen: Indem man die Dauer misst, die der Datenaustausch benötigt.

Bild 3: Damit weiß man immer, wo das Alien in der Raumstation ist.,
Bild 3: Damit weiß man immer, wo das Alien in der Raumstation ist.,

Damit weiß man immer, wo das Alien in der Raumstation ist.

Auch der chinesische Hersteller Lilygo war mit einem Stand vertreten und zeigte seine neuesten Produkte. Bereits auf der letzten Maker Faire Hannover hatte er den Prototyp einer Augmented-Reality-Brille dabei, die man vor Ort testen konnte.

Bild 4: Lilygos AR-Brille.,
Bild 4: Lilygos AR-Brille.,

Lilygos AR-Brille.

Diese wurde auch in Prag präsentiert. Mittlerweile in einer weiterentwickelten Version, sodass man die angezeigten Bilder diesmal viel besser fokussieren konnte. Einen Preis für das ESP32-basierte Gadget konnte ich den Lilygo-Vertretern leider nicht entlocken, aber das Produkt soll wohl in den nächsten zwei Monaten erhältlich sein.

Joey und Alex

Ich finde es großartig, wenn sich Projekte nicht ganz ernst nehmen und mit einem Augenzwinkern gestaltet sind. Besonders gefreut habe ich mich daher über einen Stand mit Fahrzeugen und Zelten im Mad-Max-Stil: improvisierte Endzeit-Fahrzeuge aus Schrott. Brutal, funktional und einschüchternd gebaut, bei deren Anblick jeder TÜV-Prüfer in Schockstarre verfallen würde. Zwischen all diesen Brachialitäten standen zwei passend gekleidete Herren, die eine Spielplatz-Federwippen-Ente als Arbeitsunterlage wie einen Amboss nutzen.

Bild 5: Gleich kommt der "Road Warrior" um die Ecke.,
Bild 5: Gleich kommt der "Road Warrior" um die Ecke.,

Gleich kommt der "Road Warrior" um die Ecke.

Was für ein schöner Kontrast! Ähnliche Gegensätzlichkeiten habe ich mehrfach beobachtet. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Maker Faire selbst, auch Prag selber scheint so zu sein. Die Innenstadt setzt sich aus Gebäuden ganz unterschiedlicher Epochen und Baustile zusammen, die direkt nebeneinander stehen und sich doch gut ergänzen. Vielleicht färbt diese bunte Mischung eben auch auf die dortige Maker-Szene ab.

Bild 6: Die Skyline von Prag lädt zum Verweilen ein.,
Bild 6: Die Skyline von Prag lädt zum Verweilen ein.,

Die Skyline von Prag lädt zum Verweilen ein.

Bemerkenswert fand ich außerdem, dass man an den Ständen kaum Bambu-Lab-Drucker gesehen hat, dafür aber umso mehr 3D-Drucker aus dem Hause Prusa. Letzteres ist wenig verwunderlich, das Prusa-Firmengelände ist nur wenige hundert Meter von der Maker Faire Prag entfernt. Dass Bambu Lab in der tschechischen Maker-Szene so viel weniger stark vertreten zu sein scheint, war mir dagegen neu.

Bild 10: Maker-Zeitschriften lagen kostenlos zum Mitnehmen aus. Dank der App "Google Übersetzer" konnten wir sogar lesen, was drinsteht.,
Bild 10: Maker-Zeitschriften lagen kostenlos zum Mitnehmen aus. Dank der App "Google Übersetzer" konnten wir sogar lesen, was drinsteht.,

Maker-Zeitschriften lagen kostenlos zum Mitnehmen aus. Dank der App "Google Übersetzer" konnten wir sogar lesen, was drinsteht.

Was mich dann doch ein bisschen kalt erwischt hat, war die Sprachbarriere vor Ort. Diese stand mir stärker im Weg, als ich vermutet habe. Die allermeisten Stände sind mit tschechischen Schildern und Texthinweisen versehen. Und wenn man sich ein ausgestelltes Projekt nicht visuell erschließen kann, kommt man ums Fragen nicht herum. Das ist einerseits spannend, weil ich so in kurzer Zeit vergleichsweise viele Gespräche geführt habe, auf der anderen Seite ist das schnelle Erfassen entsprechend schwieriger. Für einen Besuch der Prager Maker Faire würde ich daher beim nächsten Mal beide Öffnungstage einplanen, um genügend Zeit für Gespräche zu haben. Und zwei weitere Tage, um die Stadt weiter erkunden zu können – es lohnt sich!

Alex

Wenn ich an Prag denke, habe ich zuerst Bilder von Altstadt, Kultur und Kunsthandwerk im Kopf. Vielleicht bin ich deshalb auch mit der Erwartung zur Maker Faire Prag gefahren, dort vor allem klassische DIY-Projekte und Handmade-Themen zu sehen. Das gab es auch. Aber den spürbaren Schwerpunkt auf moderner Hardware, Mikrocontrollern, Robotik und offenen Hardware-Plattformen gab es dennoch. Zwischen all den Devboards, Sensoren und Technologie-Demos entstand dabei ein Eindruck, der mich über die ganze Messe hinweg begleiten sollte: Da ist unglaublich viel Technologie und Experimentierfreude, aber auch ein gewisses Suchen.

Bild 7: Auf der Suche nach neuen Roboter-Ideen: Alex entdeckt den Stand von HP und Moravia auf der Maker Faire Prag.,
Bild 7: Auf der Suche nach neuen Roboter-Ideen: Alex entdeckt den Stand von HP und Moravia auf der Maker Faire Prag.,

Auf der Suche nach neuen Roboter-Ideen: Alex entdeckt den Stand von HP und Moravia auf der Maker Faire Prag.
Bild 11: Roboter dürfen auf einer Maker Faire natürlich nicht fehlen. ,
Bild 11: Roboter dürfen auf einer Maker Faire natürlich nicht fehlen. ,

Roboter dürfen auf einer Maker Faire natürlich nicht fehlen.

Besonders aufgefallen ist mir das in Gesprächen mit den Hardware-Entwicklern vor Ort. So zeigte mir M5Stack den neuen CardputerZero, eine kleine Hardware-Plattform voller Möglichkeiten und mit einigen eher beispielhaften Software-Demos. Irgendwann fiel dort der Satz: „Can’t wait to see what the community creates!“ Der Satz wirkte zunächst charmant und ehrlich. Je länger ich darüber nachdachte, desto interessanter wurde er aber. Viele der gezeigten Systeme wirkten weniger wie fertige Produkte, sondern mehr wie eine Einladung an Maker, Entwickler und Start-ups, daraus überhaupt erst Anwendungen und Ideen zu entwickeln.

Genau in dieses Bild passten auch andere Gespräche der Messe. STMicroelectronics sprach über seinen Start-up-Accelerator, bei dem junge Hardware-Teams mit Technik, Know-how und Entwicklungsunterstützung gefördert werden, während die eigentlichen Ideen und Anwendungen aus den Start-ups selbst kommen sollen. Bei HP und Moravia standen Bildungsansätze und Robotik-Nachwuchsprojekte im Mittelpunkt. Und schließlich trafen wir zufällig einen deutschen Studenten mit Entrepreneurship-Schwerpunkt, der zum ersten Mal eine Maker Faire besuchte. Er war begeistert von den vielen Ideen und Projekten, stellte aber gleichzeitig die vielleicht passendste Frage der ganzen Messe: Wie wird daraus eigentlich ein Produkt?

Im Gespräch wurde schnell klar, dass genau darin ein aktuelles Spannungsfeld der Maker-Szene liegt. Viele Unternehmen scheinen die technologische Plattform bereits fertig entwickelt zu haben, während die eigentliche Suche nach Anwendungen, Produktideen und echten Einsatzfeldern bewusst an Communitys, Start-ups oder Bildungseinrichtungen weitergereicht wird.

Daniel B.

Verglichen mit Deutschland hat Tschechien zwar rund 11 Prozent weniger Absolventen in MINT-Studiengängen, allerdings auch noch keine so klaffende Fachkräftelücke. Dennoch wächst der Bedarf im Nachbarland und so war die Maker Faire Prag aus meiner Sicht stark darauf ausgelegt, dem Nachwuchs Technik und DIY schmackhaft zu machen. Ein Großteil der Aussteller bot Workshops und Mitmach-Aktionen für die vielen Familien mit Kindern an. An vielen Ständen konnten Kinder löten, mit Elektronik experimentieren und Betonobjekte bauen. Daneben gab es erstaunlich viele Anbieter von Experimentierkits rund um Robotik, Modellbau, Elektronik, Mikrocontroller.

Bild 8: Ein großer Bereich drehte sich in einer Halle um Kampfroboter und deren Reparatur nach einem Scharmützel.,
Bild 8: Ein großer Bereich drehte sich in einer Halle um Kampfroboter und deren Reparatur nach einem Scharmützel.,

Ein großer Bereich drehte sich in einer Halle um Kampfroboter und deren Reparatur nach einem Scharmützel.
Bild 9: In vielen praktischen Workshops konnten Kinder erste DIY-Erfahrungen sammeln.,
Bild 9: In vielen praktischen Workshops konnten Kinder erste DIY-Erfahrungen sammeln.,

In vielen praktischen Workshops konnten Kinder erste DIY-Erfahrungen sammeln.

Überrascht war ich von einem Stand einiger Retro-Computing-Enthusiasten, die ihre vergilbte Hardware aufgebaut hatten und Kinder Doom und Quake darauf spielen ließen, die meisten geschätzt unter 12, ohne dass irgendein Erwachsener missfallend die Augenbraue hob. In Tschechien ist man in dieser Hinsicht offenbar etwas kulanter. Dennoch erinnerte mich die Maker Faire Prag sehr stark an die Maker Faire Hannover, obwohl in Prag kaum private Maker als Aussteller zu sehen waren, die einfach nur ihr Projekt vorstellten. Was im Vergleich zu deutschen Maker Faires völlig fehlte, waren flanierende Cosplayer und Steampunker. Eine Ausnahme bot das Außenbereichs-Highlight: ein Mad-Max-Ensemble mit Trucks und Feuerschauspiel à la Thunderdome.

Die Präsenz von Espressif und STMicroelectronics in Prag zeigte, dass die tschechische Maker-Community eine gewisse Relevanz unter wichtigen Chip-Produzenten hat. Apropos Maker: Der Dresscode war unter Besuchern und Ausstellern ähnlich wie in Deutschland einheitlich: (bedrucktes) T-Shirt oder Hoodie und Jeans. Ich habe mich jedenfalls sehr wohlgefühlt.

Maker Faire im DACH-Raum

Das klingt doch alles sehr gut! Neue Eindrücke sind ja das Lebenselixier der Maker, das man sich nur von einer Maker Faire abholen kann. Wer in Prag nicht dabei sein konnte oder das als zu weit weg empfand, entdeckt bestimmt im deutschsprachigen Raum noch eine Messe, auf der er sich in das inspirierende Getümmel stürzen kann.

  • 20. – 21. Juni 2026: Maker Faire Solothurn
  • 26. Juni 2026: Maker Faire Wuppertal
  • 15. – 16. August 2026: Maker Faire Hannover
  • 7. – 8. November 2026: Maker Faire Mittleres Rheinland

Für die Messen Solothurn, Wuppertal, Hannover und Rheinland ist nach wie vor der Call for Makers offen. Wer also sein cooles Projekt vorstellen will oder als Bildungseinrichtung die MINT-Trommel rühren möchte, sollte sich das nicht entgehen lassen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11308189

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/ratgeber/Die-Redaktion-auf-der-Maker-Faire-Prag-11308189.html
  2. https://www.heise.de/ratgeber/Bastelprojekt-Genaue-Bewegungsablaeufe-fuer-Roboter-programmieren-10624897.html
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Rueckblick-Maker-Faire-Hannover-2025-ein-Festival-der-Kreativitaet-10636239.html
  4. https://www.heise.de/ratgeber/Roboterwettbewerbe-im-Ueberblick-Regeln-Technik-und-Aufbau-fuer-Einsteiger-10494303.html
  5. https://www.heise.de/ratgeber/Bastelprojekt-Wie-man-Fischertechnik-mit-der-Oxocard-steuert-10314276.html
  6. https://www.heise.de/tests/Igus-ReBeL-Cobot-im-Test-Roboterarm-fuer-kleines-Geld-9768047.html
  7. https://www.heise.de/ratgeber/Pybricks-Lego-Roboter-mit-Python-steuern-9050077.html
  8. https://www.heise.de/ratgeber/Roboter-als-Lernkonzept-fuers-Klassenzimmer-Marco-Duevelmeyer-im-Interview-9591850.html
  9. https://www.heise.de/make
  10. mailto:das@heise.de

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  • 03. Juni 2026 um 07:00

heise+ | Planungshelfer: TimeFinder für Mac, iPhone und iPad im Test

Von Heise
TimeFinder-App

TimeFinder-App.

(Bild: TimeFinder)

TimeFinder plant Aufgaben in enge Terminkalender ein. Wir haben die App für Apple-Geräte getestet.

Um To-dos in einem vollgepackten Terminkalender unterbringen zu können, setzt TimeFinder auf eine zweispaltige Bedienoberfläche: Die linke Spalte enthält alle Aufgaben, die rechte zeigt ein in Zeitslots eingeteiltes Band für die Termine des Tages.

Per Drag & Drop wandern die noch ungeplanten Aufgaben eine nach der anderen in das Zeitraster und werden so zu Terminen.

TimeFinder auf dem iPhone
TimeFinder auf dem iPhone

Indem man einen Termin an einer Ecke fasst und über die gewünschte Anzahl an Zeitslots staucht oder aufzieht, verkürzt oder verlängert man dessen Dauer. Kommt es dabei zu Terminkonflikten, verschiebt die App alle folgenden Aufgaben des Tages automatisch. Kalendereinträge lassen sich zudem von Hand bewegen, um Platz zu schaffen.


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  • 03. Juni 2026 um 08:00

Der Streit um die Medienblase: Wie links sind Deutschlands Journalisten?

Von Telepolis
Journalistin mit Notizblock und Mikrophonen

Bild: Shutterstock.com

Links-grüne Schlagseite? Die Datenlage ist eindeutig – schwieriger ist die Antwort auf die Frage, welche Folgen das tatsächlich hat. Eine Einordnung.

Ist es nur eine Verschwörungstheorie, Journalisten neigten überproportional zu grünen und linken Parteien? In einem Podcast wurde dies erneut behauptet. Die Fakten sind aber eindeutig anders. Ein Problem müsste das dennoch nicht sein, wenn solide gearbeitet wird.

Mit ihrer Aussage, es seien keineswegs die meisten Journalisten in Deutschland politisch links eingestellt, hat die ehemalige Vize-Chefin [1]des Spiegel ein altes Dauerthema einem großen Zuhörerkreis in Erinnerung gerufen.

Denn Amann war Gast im Podcast "Ungeskriptet" von Benjamin "Ben" Berndt, nachdem dieser rund einen Monat zuvor ein viereinhalbstündiges Gespräch mit Björn Höcke gebracht hatte, dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Das Gespräch mit Amann hat allein auf YouTube bisher über eine Million Aufrufe. Der Talk mit Höcke kommt dort auf 5,8 Millionen.

Im Podcast mit Amann geht es viel um journalistisches Selbstverständnis und die Abgrenzung zu anderen Formaten. Berndt versteht sich mit seinem Angebot gerade nicht als Journalist, wird allerdings von zahlreichen Zuhörern und Zuschauern als Journalist wahrgenommen, wie Amann sagt.

Amann, die seit Januar 2026 Chefredakteurin Digital der Funke-Zentralredaktion ist, betonte mehrfach die ihrer Ansicht nach wichtige Aufgabe journalistischer Einordnung. Bevormunden wolle sie damit gerade niemanden, viel mehr Sachverhalte im nötigen Kontext darstellen.

Beim Spiegel war Amann, von Judka Strittmatter in der Berliner Zeitung "als schnellzüngige Abwatscherin 'Falschdenkender' [2]" bezeichnet, unter anderem für Berichterstattung über die AfD und die CDU zuständig. Nach ihrer eigenen Einschätzung ist sie dabei mit den Vertretern dieser Parteien stets fair umgegangen. Die eigene politische Überzeugung sollte also der professionellen Arbeit nicht im Wege stehen.

Doch Ben Berndt sieht im deutschen Journalismus eine Schlagseite.

"Wenn man sich anguckt, wie – empirisch – Journalisten wählen, dann gibt es einen ganz klaren Versatz links-grün. Ganz, ganz klar."

Benjamin Berndt [3]

Darauf interveniert Amann:

"Darf ich da nur ganz kurz, es tut mir leid, aber das wird immer wieder gesagt. Es gab einmal bei Volontären beim - ich glaube - Bayerischen Rundfunk, bei einem Teil der ARD oder vielleicht auch bei der ganzen ARD, (das) weiß ich nicht mehr, da haben nur die Volontärinnen und Volontäre eine Wahl durchgeführt.
Was wäre, wenn jetzt Bundestagswahl wäre, so eine Pseudowahl. Und da war eine klare Mehrheit (für) Rot-Grün.
Diese Studie wird immer wieder herangezogen, um zu sagen, die Journalisten wählen ja alle in überwältigender Mehrheit Rot-Grün.
Und ich sage dir: Guck dir doch mal die Medienlandschaft an. Das größte Verlagshaus in Europa, eines der größten der Welt, ist Axel Springer. Links? Nee! Also wer dominiert denn den Medienmarkt?
(Die) Neue Zürcher Zeitung hat eine große Leserschaft in Deutschland. Links? I don't think so.
FAZ, wo ich angefangen habe (...)"

Melanie Amann

Berndt verzichtet hier auf eine "Einordnung" – vielleicht hatte er für seine Aussage auch keine Unterlagen parat. Denn der Befund zur Linkslastigkeit ist seit vielen Jahren über verschiedene Studien hin konstant.

Die von Amann vage referierte Volontärsbefragung stammt aus dem Jahre 2020, durchgeführt von den ehemaligen ARD-Volontären Lynn Kraemer, Daniel Tautz und Nils Hagemann. Sie hatten damals 183 Journalisten in Ausbildung bei der ARD zu verschiedenen Diversitäts-Merkmalen befragt. Geantwortet hatten 86.

Das Ergebnis zur Parteien-Präferenz beschreiben sie so:

"Wenn bei der nächsten Bundestagswahl nur die öffentlich-rechtlichen Volontär*innen wählen könnten, würden sich die Machtverhältnisse deutlich verschieben: Die Grünen könnten alleine regieren, auf die Linke würde knapp ein Viertel der Stimmen entfallen. Die SPD würde als drittstärkste Partei im Bundestag sitzen, während die CDU nicht einmal über die Fünf-Prozent-Hürde käme."

Aus: "Wie divers ist der ARD-Nachwuchs? [4]"

In Zahlen: 57,1 Prozent der Volontäre votieren für die Grünen, 23,4 Prozent für die Linkspartei, 11,7 Prozent für die SPD, 2,6 Prozent für die Union und 1,3 Prozent für die FDP.

Zum Vergleich: Nach einer Befragung von Infratest dimap vom Mai 2020 unter 18- bis 39-Jährigen lag die Zustimmung zur Union bei etwa 33 Prozent, die Grünen kamen auf 27 Prozent, die SPD auf 13, die Linke auf 9, die AfD auf 8 und die FDP auf 6 Prozent.

Dortmunder Studie und SOEP

Aber auch außerhalb der jungen Gruppe entspricht die Parteien-Präferenz von Journalisten nicht dem Bevölkerungsschnitt. In der Studie "Journalismus & Demokratie [5]", für die im Jahr 2024 525 Journalisten befragt wurden, kamen die Grünen auf einen Zustimmungswert von 41 Prozent, die SPD auf 16, CDU/CSU auf acht Prozent und die Linke auf sechs.

23 Prozent gaben an, keiner Partei zuzuneigen – wo immer sie dann ihr Wahlkreuz setzen, denn das Nichtwählen [6] ist im Journalismus besonders verpönt.

Auch eine Auswertung von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2023 stellt in Übereinstimmung mit anderer Forschungsliteratur fest:

"Journalistinnen und Journalisten neigen der Union deutlich weniger zu als alle Vergleichsgruppen und demgegenüber deutlich mehr den Grünen."

Katja Schmidt, Tanjev Schultz und Gert Wagner, journalistik.online [7]

Parteineigung muss keinen Einfluss haben

In der Diskussion um diesen Unterschied zwischen Journalisten und Gesamtbevölkerung wird immer wieder zweierlei betont: Zum einen seien solche "Verzerrungen" nicht ungewöhnlich, weil sich Berufsgruppen eben oft weit überproportional aus bestimmten Milieus heraus bilden.

Zum anderen komme es auf die persönliche politische Einstellung gar nicht an, solange Journalisten ihren Job nach den Regeln der Kunst machten. Dazu gehört dann etwa: alle Seiten anzuhören, Positionen in Nachrichtenformaten kommentarlos zu referieren, nichts wegzulassen, was der eigenen Meinung widersprechen könnte.

Doch der Einfluss persönlicher Einstellungen kann schon viel früher greifen. Was wird überhaupt thematisiert, womit möchte sich ein Journalist beschäftigen, wo sieht er ein Problem, zu dem er – ergebnisoffen – recherchieren möchte?

Die meisten Journalisten werden bestätigen können, dass schon ein einziges Telefonat mit einem überraschend freundlichen, auf einen persönlich sympathisch wirkenden Pressesprecher kurz vor Abschluss einer Recherche den bis dahin gedachten Dreh einer Geschichte ändern kann.

Was die Parteien-Präferenzen betrifft, lässt sich zumindest eine systematische Verzerrung feststellen bei denen, die im Journalismus – mit was – zu Wort kommen dürfen.

Wer wird in Talk-Shows eingeladen?

Eindrücklich war hier etwa eine Auswertung zu den Talk-Show-Gästen in der Corona-Pandemie. Thorsten Faas und Mona Krewel haben die Sendungen von Maybrit Illner, Anne Will und Hart aber Fair im Zeitraum von Januar 2020 bis Juli 2021 ausgewertet. Mehr als 600 Gästepositionen mit 308 verschiedenen Gästen gab es dabei.

Darunter waren 67 verschiedene Politiker, die zum Teil – wie Karl Lauterbach – zig-fach eingeladen waren. Entsprechend hatten SPD-Vertreter 87 Auftritte, CDU/CSU-Politiker 79, FDP-ler 32, Grüne 23 und Linken-Politiker sieben.

Nur in einer verunglückten Fußnote taucht die Partei AfD auf. Dass sie keinen einzigen Vertreter in den untersuchten Sendungen hatte, wird mit keinem Wort thematisiert, obwohl sie damals die größte Oppositionspartei im Bundestag war.

Im Fazit der Studie heißt es:

"Ein kontroverser Punkt rund um die Pandemie war und ist die Frage, ob und wie mit Meinungsvielfalt umzugehen ist: Sollten Medien in Pandemiezeiten vor allem dazu beitragen, dass Maßnahmen unterstützt werden – im Sinne einer Public Health Agency? Oder sollten Medien und gerade Talkshows ein Raum sein, in dem Maßnahmen kontrovers diskutiert werden?
Zunächst einmal ist dazu festzuhalten, dass Bewertungen der Maßnahmen in den Talkshows sehr präsent sind. Was die Richtung der Bewertungen betrifft, so fallen 68 Prozent davon positiv aus, zehn Prozent ambivalent, 22 Prozent negativ.
An dieser Stelle wird auch das Zusammenwirken von Gästeauswahl und Bewertungen sehr deutlich: Positive Bewertungen werden nämlich vor allem von Seiten der Politik (75 Prozent positive Bewertungen) und der Wissenschaft (72 Prozent positive Bewertungen) abgegeben; deutlich skeptischer äußern sich dagegen Journalist*innen (50 Prozent) und Bürger*innen (48 Prozent)."

Aus: "Corona-Sprechstunde [8]" (Seite 11-12)

Die Verteilung der Gästepositionen auf Parteien spiegelt nun nicht die statistisch erfasste Vorliebe deutscher Journalisten wider.

Aber dass sich unter mehr als 600 Gästen kein einziger AfD-Politiker fand, korreliert zumindest mit den Ergebnissen verschiedener Journalisten-Befragungen.

Auch in der oben zitierten Auswertung des SOEP wird die Partei mit keinem Wort erwähnt. Die Erstautorin schrieb auf Anfrage im Januar 2024 dazu:

"Die AfD fehlt, da - wie Sie richtig vermutet haben - die Fallzahl unter den Journalist*innen, die der Partei zuneigt, zu gering ist, um eine valide Analyse durchführen zu können.Sie finden sich aber auch nicht unter "Sonstige" wieder. Auch die Fallzahl für die Kategorie "Sonstige" ist verschwindend gering. Daher ist es auch nicht erkenntniserweiternd, dies weiter zu analysieren... "

Katja Schmidt


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Links in diesem Artikel:

  1. https://kress.de/news/beitrag/151048-machtkampf-entschieden-melanie-amann-verlaesst-den-spiegel.html
  2. https://www.berliner-zeitung.de/article/jetzt-war-melanie-amman-bei-podcast-hasadeur-ben-berndt-zu-gast-nimmt-sie-ihn-wegen-hoecke-auseinander-10037591
  3. https://youtu.be/Ec_LvceM65g?si=RgTc0xr4pR0-NFye&t=3089
  4. https://www.journalist.de/werkstatt/werkstatt-detail/wie-divers-ist-der-ard-nachwuchs/
  5. https://www.journalismusstudie.fb15.tu-dortmund.de/die-befragungen/journalistinnen-2024/
  6. https://www.telepolis.de/article/Aus-sehr-gutem-Grund-Nichtwaehler-3834637.html?seite=all
  7. https://journalistik.online/ausgabe-3-4-2023/wie-blicken-journalistinnen-und-journalisten-auf-die-welt/
  8. https://rudolf-augstein-stiftung.de/wp-content/uploads/2021/11/studie-corona-sprechstunde-faas-rudolf-augstein-stiftung.pdf

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  • 03. Juni 2026 um 09:00

Waldzustand 2026: Warum viele Bäume weiter geschwächt sind

Von Telepolis
Notfallkoffer zwischen Laub

Nur jeder fünfte Baum ist noch gesund. Was hinter den erschreckenden Zahlen steckt – und ob der Wald sich selbst retten kann.

Von den zurückliegenden trockenen Jahren hat sich der deutsche Wald noch lange nicht erholt. Dürreperioden, Stürme und Überflutungen wechseln sich ab. Hunderttausende Hektar Wald gingen auf diese Weise bereits verloren. Dazu kommt: Vom Sauerland bis zum Harz stehen tausende abgestorbene Nadelbäume.

Nur jeder fünfte Baum ist vollständig gesund. Zu diesem Ergebnis kommt die kürzlich veröffentlichte Waldzustandserhebung [1]. Als gesund bewertet werden gerade mal ein Viertel aller Fichten, 13 Prozent der Kiefern, 21 Prozent aller Buchen sowie 13 Prozent aller Eichen.

Rund ein Drittel der Landesfläche Deutschlands – 11,5 Millionen Hektar – ist mit Wald bedeckt. Die häufigsten Baumarten in den meist gemischten Wäldern sind Fichte (21 Prozent) und Kiefer (22 Prozent), gefolgt von Buche (17 Prozent) und Eiche (12 Prozent).

Bei der Erhebung wurden 38 Baumarten erfasst. Drei Viertel davon entfallen auf die vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche (Stiel- und Trauben-Eiche wurden zusammengefasst). Alle übrigen Baumarten wurden unter der Bezeichnung "andere Nadelbäume" oder "andere Laubbäume" ausgewertet. Überdurchschnittlich betroffen sind ältere Bäume im Alter von mehr als 60 Jahren.

Zustand der Kronen vor allem bei älteren Laubbäumen ist besorgniserregend

In einem gesunden Wald wäre der Himmel durch das Blätterdach nicht zu sehen. Doch in vielen Wäldern lichtet sich das Blätterdach immer mehr. Demnach hat sich der Kronenzustand – wichtiger Zeiger für die Vitalität von Waldbäumen – gegenüber dem Vorjahr kaum verändert.

Überdurchschnittlich betroffen sind ältere Bäume über 60 Jahre. Der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung [2] liegt hier bei 44 Prozent, bei denen unter 60 Jahren dagegen nur bei 17 Prozent. Zwar ist die mittlere Kronenverlichtung bei der Buche nicht mehr ganz so stark, bei der Eiche ist sie dafür etwas mehr ausgeprägt.

Der Erhebung zufolge hat sich die Fruchtbildung dafür bei der Buche deutlich reduziert. Im Vergleich mit anderen Hauptbaumarten sind auch bei der Eiche deutlich häufiger lichtere Kronen zu beobachten.

Geschwächte Eichen leiden stärker unter Käferbefall

Viele Eichen wurden in mehreren trockenen Sommern stark geschwächt, sodass sie sich nicht mehr gegen die Schädlinge wehren konnten und langsam absterben. Eichenprachtkäfer, aber auch Pilzbefall setzen den deutschen Eichen stark zu. Die Larven des Eichenprachtkäfers [3] etwa fressen sich unter die Rinde und überwintern dort ein bis zwei Jahre.

Stürme und der damit einhergehende Befall von Borkenkäfern richten verheerende Schäden an. Ist ein Baum etwa vom Eichenprachtkäfer befallen, kommen oft andere Käfer, wie der Eichenbock – oder der Eichenkernkäfer: Dieser frisst sich bis ins Kernholz, sodass das Holz stark entwertet wird. Als durchschnittlich älteste Baumart ist die Eiche ohnehin besonders anfällig für Schäden durch Insekten oder Krankheiten [4].

Wenn der Wald seine Selbstheilungskräfte aktiviert

Im Darmstädter Westwald recken sich zahlreiche abgestorbene Bäume in den Himmel. Oft stehen sie inmitten lichter, grasbewachsener Flächen. Unter den Dürrejahren 2018 und 2019 hat der Wald mit seinem sandigen Boden besonders gelitten. Allerdings erholt er sich schneller als gedacht, findet Katja Wehner von der TU Darmstadt. Die Expertin für Bodenorganismen beobachtet im Rahmen eines Forschungsprojekts alle Veränderungen [5] im Wald.

Sieben Jahre nach den ersten starken Schäden sei dichter Unterwuchs nachgekommen, mit teilweise bis zu vier Meter hohen Bäumen, erklärt Nico Blüthgen. Für den Ökologen wiederholt sich in diesem Wald, was er auch im ecuadorianischen Regenwald beobachten [6] konnte: Der Wald regeneriert sich von alleine. Oft ist es besser, der Mensch hält sich raus.

Im Wald kehrt langsam das Leben zurück

2020 beschloss die Stadt, den Westwald aus der Nutzung zu nehmen und sich selbst zu überlassen. Seitdem wird kein Holz mehr entnommen, auch kein Totholz. Nur die Wege werden weiterhin gesichert. Die Mortalitätsrate – der Wert, der angibt, wie viele Bäume innerhalb eines Jahres absterben – ist seitdem deutlich gesunken. Der Anteil der toten Bäume am gesamten Westwald hat sich reduziert von 14 auf 7,7 Prozent.

Der Durchschnitt bei hessischen Wäldern liegt bei 0,3 Prozent. Zwar bleibe der Wald damit weiterhin stark geschädigt, betont die Wissenschaftlerin. Doch als sie im Wald anfing zu forschen, habe es deutlich schlimmer ausgesehen. Und auch tote Bäume sind Nahrungsquelle und Wohnraum – etwa für Schwarzspechte.

Der Darmstädter Westwald kühlt nicht nur das aufgeheizte Stadtklima herunter, er schützt die Stadt auch vor den Westwinden, die viel Sand aufwirbeln. Der Boden speichert Regenwasser. Bleibt der Wald sich selbst überlassen, liefert er wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Bäume und Pflanzen sich unter den neuen Bedingungen langfristig durchsetzen. Darüber hinaus bieten naturnahe und artenreiche Wälder Lebensraum für Luchs, Waldkauz, Hase und Reh.

Spät blühende Traubenkirsche hat sich gut ins Ökosystem integriert

Ein künftiger Westwald wird sich deutlich von dem vergangenen unterscheiden. So hat sich die spät blühende Traubenkirsche [7] stark ausgebreitet. Dieser Baum, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, kommt gut mit sandigen Böden und steigender Trockenheit zurecht.

Vielerorts wird er entfernt, unter anderem mit dem Argument, er sei nicht heimisch und trage nicht zur Biodiversität bei und verdränge andere Arten. Fraßschäden an den Blättern zeigen jedoch, dass die Insekten den Baum annehmen. Die Blüten werden von Hummeln besucht, die Früchte von Vögeln gefressen.

Im Schatten der Traubenkirsche entwickeln sich heimische Arten wie etwa Bergahorn, Spitzahorn oder Linde. Auch Insekten wie Mistkäfer und Milben siedeln am Boden und im Totholz. Ob die spät blühende Traubenkirsche oder die neuen Milbenarten in 30 Jahren immer noch im Westwald leben, oder ob sie nur als Starthilfe für andere Arten dienen und welche Tiere und Pflanzen sich am Ende durchsetzen, können die Wissenschaftler noch nicht sagen.

Wie sich ein Wald entwickelt und ob er sich selbst regenerieren kann, hängt von den Standortbedingungen und vom Grad der Schädigung ab. Bei stark geschädigten Wäldern hilft oft nur noch gezielte Aufforstung.

Können nicht heimische Baumarten deutsche Wälder retten?

Die Buche erträgt Trockenheit nur bedingt. Und die Fichte ist für trockene Standorte gänzlich ungeeignet. Pflaumeichen und Esskastanien aus Südeuropa hingegen wachsen auch hierzulande. Sie könnten das Artenspektrum im Wald erweitern.

Das Waldlabor in Köln [8] pflanzt und untersucht nichtheimische Gehölze. Das heißt nicht, heimische Arten zu ersetzen, betont Förster Michael Hundt im Interview [9] mit der ARD. Trockenheitsresistente Arten sollen nur den heimischen Arten beigemischt werden.

Optimal wäre eine Mischung aus hochwachsenden Bäumen wie Spitz- und Feldahorn, Sandbirke, Wald- und Schwarzkiefer, Edelkastanie, Traubeneiche und Walnuss [10]. Diese Arten garantieren einen vitalen und gesunden Bestand, bei dem sich Schädlinge nicht dauerhaft durchsetzen können und große Schäden anrichten.

Überdies wachsen Kirsche, Flaumeiche, Hainbuche, Winterlinde, Hängebirke und Elsbeere besonders gut auf trockenen bis sehr trockenen Böden. Ferner eignen sich Weißtanne und Douglasie [11]für mäßig trockene Waldstandorte.

Nur gesunde Waldökosysteme können im Klimawandel bestehen

Knapp 80 Prozent der geschützten natürlichen Lebensräume in Europa sind geschädigt. Obwohl es im vergangenen Sommer viel Regen gab, reichte die Niederschlagsmenge nicht aus, um die Schäden der vergangenen Dürrejahre auszugleichen [12].

Nun soll ein neues Gesetz bedrohte Ökosysteme wie Moore, Wälder und Auen wieder zu einem gesunden Zustand verhelfen. Die aktuelle EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur [13] könnte dafür den politischen Rahmen bieten.

Im April haben Bund und Länder den Entwurf für den Nationalen Wiederherstellungsplan [14] vorgelegt. Bis September muss der Plan fertiggestellt und bei der EU-Kommission eingereicht werden. Vor allem kommt es darauf an, was davon anschließend praktisch umgesetzt wird.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.tagesschau.de/tagesschau_20_uhr/video-1587218.html
  2. https://www.bmleh.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/waldzustandserhebung.html
  3. https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/insekten/eichenprachtkaefer-und-eichensterben
  4. https://www.bmleh.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/waldzustandserhebung.html
  5. https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-darmstadt-wie-sich-ein-ausgetrockneter-wald-selbst-heilt-100.html
  6. https://www.hessenschau.de/gesellschaft/der-forscher-aus-darmstadt-der-in-den-urwald-ging-und-mit-einer-guten-nachricht-herauskam-v1,regenwald-forschung-darmstadt-100.html
  7. https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/kurzportrait-spaetbluehende-traubenkirsche
  8. https://www.koeln-waldlabor.de/
  9. https://www.tagesschau.de/tagesschau_20_uhr/video-1587218.html
  10. https://www.die-forstpflanze.de/forstpflanzen-fuer-trockene-standorte
  11. https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/trockenheit/baumartenwahl-bei-zunehmender-sommertrockenheit
  12. https://www.nabu.de/news/2026/05/waldzustandsbericht.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=260521-NABU-News
  13. https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/europa/33254.html
  14. https://www.nabu.de/news/2026/04/37148.html

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  • 03. Juni 2026 um 08:00

Explosion der New-Glenn-Rakete: Rückschlag für das Nasa-Mondprogramm

Von Telepolis
Fertigungshalle mit Blue-Origin-Logo

Fertigungshalle von Blue Origin in der Nähe des Kennedy-Space-Centers in Florida

(Bild: The Bold Bureau/Shutterstock.com)

Zwei Tage nach Milliardenverträgen explodiert Blue Origins New Glenn. Nun droht dem US-Mondprogramm eine massive zeitliche Verschiebung.

Die Explosion der New-Glenn-Rakete [1] von Blue Origin am 28. Mai 2026 während eines Triebwerkstests am Startplatz Cape Canaveral hat weitreichende Folgen – für das Unternehmen selbst, für Nasa Artemis-Mondprogramm und für den US-amerikanischen Raumfahrtsektor insgesamt.

Die Rakete explodierte bei einem sogenannten Static-Fire-Test – einem Bodentest, bei dem die Triebwerke gezündet werden, ohne dass die Rakete abheben soll – während der Vorbereitungen für den vierten Flug (NG-4), der Anfang Juni 48 Amazon-Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen sollte.

Fotos des Startplatzes vom 29. Mai zeigen schwere Schäden: Ein Blitzschutzturm kollabierte, der Transportmast der Rakete wurde zerstört, und der Hauptstartturm wies verbogene Metallträger auf.

Blue Origins Geschäftsführer Dave Limp erklärte [2] am 30. Mai in einem Post in sozialen Medien: "Wir haben wieder teilweisen Zugang zu Launch Complex 36 und untersuchen aktiv die Anomalie beim Heißbrand. Wir werden den Startplatz bald räumen und haben einen guten Wiederaufbauplan." Details zu diesem Plan nannte er nicht.

Kein Startplatz, kein Zeitplan

Das unmittelbarste Problem: Blue Origin verfügt über keinen alternativen Startplatz für die New Glenn. Ein benachbarter Platz, LC-36B, sowie ein weiterer am Vandenberg Space Force Base in Kalifornien befinden sich erst in frühen Planungsphasen. Branchenkenner gehen davon aus, dass der Wiederaufbau mindestens ein Jahr dauern wird.

Als Vergleich dient ein ähnlicher Vorfall bei SpaceX: Als 2016 eine Falcon-9-Rakete am Startplatz SLC-40 explodierte, dauerte der Wiederaufbau 15 Monate.

Kiko Donchev, Vizepräsident für Starts bei SpaceX, beschrieb in einem Post vom 31. Mai die Komplexität solcher Aufräumarbeiten: "In den ersten Tagen und Wochen arbeitet man mit dem Skalpell, nicht mit dem Bagger" – um sowohl Beweise für die Unfalluntersuchung zu sichern als auch unbeschädigte Bauteile zu retten.

Frühe Hinweise deuten laut [3] dem Fachportal Ars Technica darauf hin, dass die Ursache im mittleren Triebwerk des Boosters liegt. Sollte sich das bestätigen, hätte dies auch Konsequenzen für das BE-4-Triebwerk, das ebenfalls in der Vulcan-Rakete der United Launch Alliance (ULA) eingesetzt wird – einem Träger, der derzeit ebenfalls nach einer Anomalie am Boden steht.

US-Mondprogramm unter Druck

Besonders schwer wiegt der Ausfall für das Nasa-Artemis-Programm, das Menschen zurück auf den Mond bringen soll – auch im Rennen mit China, das eigene bemannte Mondmissionen und ebenfalls den Aufbau einer bemannten Basis anstrebt.

Nur zwei Tage vor der Explosion hatte die Nasa Blue Origin Verträge in Höhe von 280,4 Millionen US-Dollar für zwei Missionen des Mondlanders Blue Moon Mark 1 vergeben. Der Lander, der bis zu drei Tonnen auf die Mondoberfläche liefern kann, soll auf einer einzigen New-Glenn-Rakete starten. Er ist für vier geplante Nasa-Missionen vorgesehen, darunter die Lieferung von Mondfahrzeugen der Unternehmen Astrolab und Lunar Outpost im Jahr 2028.

Nasa-Administrator Jared Isaacman besichtigte den Startplatz am Tag nach der Explosion aus der Luft und traf sich mit Unternehmensvertretern sowie Firmengründer Jeff Bezos. "Die Nasa ist entschlossen, dem Blue-Team bei der Erholung zu helfen, den Mondlander weiterzuentwickeln und New Glenn so schnell wie möglich wieder startklar zu machen", schrieb Isaacman am 29. Mai.

Die Artemis-III-Mission, die 2027 stattfinden soll und bei der das Orion-Raumschiff im niedrigen Erdorbit mit einem oder beiden Mondlandern – Blue Moon von Blue Origin und Starship von SpaceX – zusammentreffen soll, ist nun erheblich gefährdet.

Laut Ars Technica ist es nahezu ausgeschlossen, dass ein Blue-Moon-Lander innerhalb der nächsten 18 Monate einsatzbereit sein wird. Die Nasa müsste dann entscheiden, ob sie auf Blue Origin wartet oder die Mission allein mit dem SpaceX-Starship durchführt.

Auch die für 2028 geplante Artemis-IV-Mission zur Mondlandung ist betroffen. Mehrere hochrangige Nasa-Beamte hatten zuletzt eine abgespeckte Version des größeren Mark-2-Landers – der keine Betankung im Weltraum erfordert – als bevorzugte Option für Artemis IV betrachtet. Durch den Unfall wächst nun die Abhängigkeit der Nasa von SpaceX und dessen Starship erheblich.

Breite Folgen für die Raumfahrtbranche

Die Explosion trifft auch kommerzielle Kunden hart. Die New Glenn stand für 24 Starts unter Vertrag mit Amazon, wobei jeder Start mindestens 48 Satelliten für das Amazon-Leo-Breitbandnetz transportieren sollte – mehr als ein Drittel der geplanten Gesamtkonstellation von 3.232 Satelliten. Das Projekt liegt bereits hinter dem Zeitplan.

Das Unternehmen AST SpaceMobile, das seine Satelliten für direkten Mobilfunkempfang ebenfalls auf New-Glenn-Raketen starten wollte – bis zu acht pro Flug gegenüber drei auf einer Falcon 9 –, hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Die Aktie des Unternehmens fiel am 29. Mai um fast 15 Prozent.

Da SpaceX mit seinen Falcon-9- und Falcon-Heavy-Raketen nun als einziger US-Anbieter für mittlere und schwere Nutzlasten verbleibt, verschärft sich ein ohnehin angespannter Markt. Eric Romo, Präsident des Unternehmens Impulse Space, warnte auf der Ascend-Konferenz am 20. Mai – noch vor der Explosion – vor einem "schwierigen Zeitraum 2029 und 2030".

Er widersprach zudem der weit verbreiteten Annahme, dass Starship kurzfristig die Startpreise senken werde: SpaceX werde das Starship zunächst primär für eigene Zwecke nutzen, etwa für Starlink-Satelliten und das Nasa Mondprogramm. "Es ist schwer vorstellbar, dass es kurzfristig einen großen Anteil am kommerziellen Raumfahrtmarkt einnimmt", so Romo.

Im Unterschied zu SpaceX, das beim Starship auf ein iteratives Entwicklungsmodell mit bewusst akzeptierten Fehlschlägen setzt, verfolgte Blue Origin mit der New Glenn einen traditionelleren Ansatz. Die erste Stufe hatte in den ersten drei Flügen nahezu fehlerlos funktioniert und galt als ausgereifte Konstruktion – was den Verlust umso schwerer wiegt.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Gewaltige-Explosion-zerstoert-Schwerlastrakete-New-Glenn-von-Blue-Origin-11310763.html
  2. https://x.com/davill/status/2060760334869188846/history
  3. https://arstechnica.com/space/2026/05/heres-why-the-failure-of-blue-origins-new-glenn-rocket-is-so-catastrophic/

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  • 03. Juni 2026 um 06:00

Wie Gödel und Turing die Grenzen von KI vorgezeichnet haben

Von Heise
Muster der Rückseite des 50-Pfund-Scheins (2021) mit Porträt Alan Turings

Der rehabilitierte Mathematiker Alan Turing ziert die Rückseite der seit 2021 gedruckten 50-Pfund-Sterling-Noten.

(Bild: Bank of England)

Halluzinationen von Sprachmodellen sind kein Engineering-Problem: Sie folgen aus mathematischen Grenzen, die seit den 1930er-Jahren bewiesen sind.

Im Studium begegnen einem Namen wie Kurt Gödel [1] und Alan Turing [2] meist mit derselben Mischung aus Respekt und leichter Resignation. Man liest, was sie bewiesen haben, akzeptiert es als beeindruckend und legt das Wissen anschließend in jenes mentale Archiv, das man irgendwo zwischen „interessant“ und „werde ich nie wieder brauchen“ verortet. Dass die Unvollständigkeit der Arithmetik oder die Unentscheidbarkeit des Halteproblems eines Tages mit der Frage zusammenfallen könnten, warum mir ein Chatbot gerade einen Buchtitel halluziniert hat, hätte ich vor einigen Jahren niemandem geglaubt.

Genau das ist aber passiert. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten der letzten drei Jahre zeigen, dass die Halluzinationen von Sprachmodellen kein Implementierungsfehler sind, den man mit mehr Daten oder besserer Architektur wegtrainieren könnte. Sie folgen aus denselben theoretischen Grenzen, an denen einmal das ehrgeizigste Projekt der modernen Mathematik zerbrochen ist. Wer diese Verbindung einmal gesehen hat, liest die aktuelle Debatte um die Zukunft der KI mit deutlich nüchternerem Blick.

Das Versprechen von 1928

Um zu verstehen, warum die Forschungslandschaft der KI heute so ist, wie sie ist, lohnt sich ein Umweg über den Internationalen Mathematikerkongress in Bologna im Jahr 1928. Dort formulierte David Hilbert [3], einer der einflussreichsten Mathematiker seiner Zeit, gemeinsam mit Wilhelm Ackermann ein Forschungsprogramm [4], das die gesamte Mathematik auf eine vollkommen neue Grundlage stellen sollte. Drei Eigenschaften sollten dieses Fundament tragen:

  1. Konsistenz, also die Gewissheit, dass aus den Axiomen keine widersprüchlichen Aussagen abgeleitet werden können.
  2. Vollständigkeit, also die Garantie, dass jede wahre Aussage innerhalb des Systems auch bewiesen werden kann.
  3. Und Entscheidbarkeit, also die Existenz eines Verfahrens, mit dem sich für jede beliebige Aussage in endlich vielen Schritten entscheiden lässt, ob sie aus den Axiomen folgt.

Die dritte Forderung ist als Entscheidungsproblem [5] in die Geschichte eingegangen. Hinter ihr stand eine konkrete Vision. Mathematik sollte mechanisierbar werden. Eine Maschine, die endlich viele Regeln auf endlich vielen Zeichen anwendet, müsste jede mathematische Frage prinzipiell beantworten können. Wer in dieser Vision den Schatten dessen erkennt, was wir heute Computer nennen, liegt nicht falsch. Hilbert dachte den Computer mit, lange bevor es ihn gab.

Sein Optimismus war ungebrochen. Im September 1930 hielt er in Königsberg eine berühmt gewordene Radioansprache, die er mit dem Satz beendete: „Wir müssen wissen, wir werden wissen.“ Es war die letzte große Verkündigung einer Mathematik, die sich selbst noch alles zutraute. Wenige Tage zuvor hatte am selben Ort, auf einer parallel laufenden erkenntnistheoretischen Tagung, ein junger Mann namens Kurt Gödel in einer beiläufigen Bemerkung erstmals jene Ergebnisse skizziert, die Hilberts Programm in den Grundfesten erschüttern sollten. Dass die beiden Ereignisse so dicht beieinander lagen, ist eine historische Pointe, der man nicht zu viel symbolisches Gewicht aufladen sollte. Aber interessant ist sie allemal.

Gödel ohne Formeln

Was Gödel 1930 vorgestellt und 1931 ausführlich publiziert hat, lässt sich erstaunlich gut ohne mathematische Notation erklären. Sein Trick beruht auf einem Verfahren, das jeder verständlich findet, der einmal eine sich selbst aufrufende Funktion gesehen hat: Selbstreferenz. Stellen Sie sich ein hinreichend mächtiges formales System vor, in dem sich arithmetische Aussagen formulieren lassen. Gödel hat gezeigt, wie sich innerhalb eines solchen Systems eine Aussage konstruieren lässt, die in etwa besagt: „Diese Aussage ist im vorliegenden System nicht beweisbar.“

An diesem Punkt sollte man kurz innehalten, weil die Konsequenz unausweichlich ist. Ist die Aussage wahr, dann gibt es eine wahre arithmetische Aussage, die das System nicht beweisen kann. Damit ist das System unvollständig. Ist die Aussage falsch, dann beweist das System eine Aussage, die behauptet, nicht beweisbar zu sein, obwohl sie es offenbar doch ist. Damit ist das System inkonsistent. Es gibt keinen dritten Weg.

Wer den Lügner aus der antiken Philosophie kennt, der sich selbst der Lüge bezichtigt, erkennt das Muster wieder. Was Gödel jedoch geleistet hat, war keine philosophische Spielerei, sondern ein streng formaler Beweis innerhalb der Arithmetik selbst. Er zeigte, dass die Selbstreferenz nicht auf gemeinsprachliche Aussagen beschränkt bleibt, sondern in jedem hinreichend ausdrucksstarken formalen System auftaucht.

Gödel hat damit nicht gezeigt, dass die Mathematik kaputt ist. Er hat gezeigt, dass es prinzipielle Grenzen gibt, an denen jede ausreichend mächtige Theorie auf sich selbst zurückgeworfen wird. Hilberts Vision einer mechanisierbaren, in sich abgeschlossenen Mathematik bekam damit einen Riss, den niemand mehr kitten konnte. Die Konsequenz wurde später so formuliert: Jedes System, das genug Ausdrucksstärke hat, um über sich selbst zu sprechen, hat blinde Flecken, die sich nicht wegoptimieren lassen.

Besonders bemerkenswert an Gödels Ergebnis ist, dass es nicht von einer bestimmten Theorie abhängt. Es gilt für die Arithmetik, für die Mengenlehre, für jede formale Theorie, die ausreichend Ausdrucksstärke besitzt, um die natürlichen Zahlen mitsamt Addition und Multiplikation zu beschreiben. Wer das System tauscht, tauscht nur das Gewand der Grenze, nicht die Grenze selbst. In den Jahrzehnten nach Gödel wurden zahlreiche weitere Sätze bewiesen, die zeigen, dass die Selbstreferenz an erstaunlich (oder erschreckend) vielen Stellen ihren Tribut fordert. Das Halteproblem [6] ist nur das bekannteste Beispiel dafür.

Turing macht Gödel praktisch

Sechs Jahre nach Gödels Beweis erschien in den Proceedings of the London Mathematical Society eine Arbeit, die heute zu den Gründungsdokumenten der Informatik zählt: Alan Turings Aufsatz „On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem“. Turing hatte sich gefragt, was es eigentlich heißt, dass ein Verfahren mechanisch ausführbar ist. Er entwarf dafür ein gedankliches Konstrukt, das wir heute Turing-Maschine nennen, und nutzte es, um Hilberts dritter Forderung den Garaus zu machen. Im selben Jahr und unabhängig von Turing kam Alonzo Church zu einem entsprechenden Ergebnis auf dem Weg über den Lambda-Kalkül.

Turings Resultat ist als Halteproblem bekannt. Es lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Es gibt kein allgemeines Verfahren, das für ein beliebiges Programm und eine beliebige Eingabe entscheiden kann, ob das Programm jemals zum Ende kommt. Diese Aussage klingt zunächst harmlos, ist aber von erheblicher Tragweite. Sie sagt nicht, dass wir bisher kein solches Verfahren gefunden haben. Sie sagt, dass es ein solches Verfahren niemals geben kann.

Wer heute in der Softwareentwicklung arbeitet, lebt mit den Konsequenzen dieses Beweises, ohne sich dessen jeden Tag bewusst zu sein. Statische Codeanalyse stößt bei substanziellen Fragen über das Programmverhalten auf prinzipielle Grenzen. Compiler-Optimierer müssen Heuristiken einsetzen, weil eine vollständige Analyse mancher Codepfade unentscheidbar bleibt. Formale Verifikation funktioniert nur dort wirklich gut, wo man das untersuchte Problem auf entscheidbare Fragmente einschränkt. Wir haben uns daran gewöhnt, mit den Folgen einer mathematischen Grenze umzugehen, ohne sie noch jedes Mal benennen zu müssen.

Verschärft wird die Lage durch ein Ergebnis, das Henry Gordon Rice 1953 bewiesen hat. Sein Satz [7] besagt, dass jede nicht-triviale semantische Eigenschaft eines Programms unentscheidbar ist. Damit ist nicht nur die Frage nach dem Terminieren prinzipiell offen, sondern praktisch jede interessante Frage über das Verhalten von Programmen. Ob ein bestimmter Codepfad jemals durchlaufen wird, ob zwei Programme funktional äquivalent sind, ob ein Programm eine bestimmte Ausgabe niemals produziert: Für all das gibt es kein allgemeines Entscheidungsverfahren. Was dem Berufsalltag in der Softwareentwicklung als zähe Heuristik begegnet, ist im Kern dieselbe Grenze, an die Hilbert 1928 gehofft hatte, nicht zu stoßen.

Mit Turings Arbeit war Hilberts Programm in seiner ursprünglichen Form endgültig erledigt. Konsistenz und Vollständigkeit hatte Gödel zerlegt, die Entscheidbarkeit nahmen Turing und Church mit nach Hause. Das ehrgeizigste mathematische Forschungsprogramm des frühen 20. Jahrhunderts war an seinen eigenen Voraussetzungen gescheitert. Was übrig blieb, war die nüchterne Einsicht, dass auch die Mathematik mit Grenzen leben muss, die sie nicht selbst aufgehoben hat, sondern an denen sie sich vorfindet.

Dieselbe Mauer, neuer Anstrich

Damit kehre ich zu der Frage zurück, die diesen Text ausgelöst hat. Was hat das alles mit Sprachmodellen zu tun?

Im Januar 2024 reichten Ziwei Xu, Sanjay Jain und Mohan Kankanhalli von der National University of Singapore eine Arbeit mit dem Titel „Hallucination is Inevitable: An Innate Limitation of Large Language Models [8]“ ein. Sie formalisieren das Problem in einer formalen Welt, in der Halluzination als Inkonsistenz zwischen einem berechenbaren Sprachmodell und einer berechenbaren Wahrheitsfunktion definiert ist. Ihr zentrales Ergebnis stützt sich auf die Lerntheorie und auf ein Argument, das in seiner Struktur direkt mit den Diagonalisierungsverfahren Cantors und Turings verwandt ist: Sprachmodelle können nicht alle berechenbaren Funktionen lernen. Sobald sie ein breites Spektrum an Problemen lösen sollen, werden sie zwangsläufig halluzinieren. Es gibt keine Trainingsmethode, keine Architekturvariante und keinen Datenumfang, der diese Grenze verschiebt.

Wenige Monate später, im September 2024, legten Sourav Banerjee, Ayushi Agarwal und Saloni Singla mit „LLMs Will Always Hallucinate, and We Need to Live With This [9]“ eine zweite, unabhängige Argumentationslinie vor. Sie gehen direkter zur Sache und stützen sich ausdrücklich auf Gödels ersten Unvollständigkeitssatz sowie auf die Unentscheidbarkeit von Halteproblem, Emptiness-Problem und Acceptance-Problem. Ihre Schlussfolgerung ist noch entschiedener formuliert: Halluzinationen lassen sich nicht durch architektonische Verbesserungen, Datenanreicherung oder Fact-Checking eliminieren, weil sie aus der fundamentalen mathematischen und logischen Struktur dieser Modelle folgen. Sie führen dafür den Begriff der Structural Hallucination ein, der das Phänomen nicht als Fehler, sondern als strukturelle Eigenschaft beschreibt.

An dieser Stelle ist Vorsicht geboten, denn beide Arbeiten verwenden den Begriff der Halluzination in einer formal definierten Weise, die sich nicht vollständig mit dem alltagssprachlichen Gebrauch deckt. Die Aussagen bedeuten nicht, dass jeder zweite Satz eines Sprachmodells falsch sein muss. Sie bedeuten, dass eine perfekte Wahrheitsmaschine, die in beliebigen Domänen zuverlässig korrekte Antworten liefert, mathematisch unmöglich ist. Was die alltägliche Halluzinationsrate angeht, ist mit weiteren Verbesserungen zu rechnen. Was die prinzipielle Eliminierbarkeit angeht, ist mit nichts dergleichen zu rechnen.

Konkret heißt das Folgendes: Selbst wenn ein Sprachmodell auf einer perfekten Datenbasis trainiert würde und über beliebig viele Parameter verfügte, gäbe es immer Fragen, auf die es plausibel klingende, aber falsche Antworten liefern würde. Banerjee, Agarwal und Singla zeigen darüber hinaus, dass jede Stufe des Verarbeitungsprozesses, von der Zusammenstellung der Trainingsdaten über die Faktenwiederherstellung bis zur eigentlichen Textgenerierung, eine von Null verschiedene Fehlerwahrscheinlichkeit aufweist. Diese Fehler summieren sich auf, lassen sich aber an keiner Stelle vollständig vermeiden. Das ist keine empirische Beobachtung, die sich durch bessere Verfahren widerlegen ließe. Es ist ein Ergebnis derselben Art wie die Unmöglichkeit, einen allgemeinen Halteprüfer zu bauen.

Bemerkenswert ist, dass beide Arbeiten unabhängig voneinander zu demselben Schluss gelangen, allerdings über unterschiedliche Wege. Xu, Jain und Kankanhalli argumentieren über die Lerntheorie. Banerjee, Agarwal und Singla argumentieren über die klassische Berechenbarkeitstheorie. Es ist dieselbe Mauer, an die beide Gruppen laufen. Wer mit den Ergebnissen Gödels und Turings vertraut ist, erkennt sie sofort wieder.

Damit gewinnt auch die populäre Forderung, das Problem der Halluzinationen einfach durch mehr Trainingsdaten oder größere Modelle zu lösen, einen anderen Beiklang. Sie ist nicht falsch in dem Sinne, dass größere Modelle nicht besser werden würden. Sie übersieht nur, dass eine Skalierung an dieser Stelle nicht das Problem berührt, das die zitierten Arbeiten beschreiben. Eine Funktion, die nicht lernbar ist, wird nicht durch mehr Parameter lernbar. Eine Frage, die unentscheidbar ist, wird nicht durch mehr Daten entscheidbar. Die Grenze ist keine Frage des Maßstabs, sondern eine Frage der Natur des Verfahrens.

Eine alte Erkenntnis in neuem Gewand

Hilbert hat sein Programm bis zum Lebensende nicht völlig aufgegeben. Auch nachdem Gödel und Turing seine Voraussetzungen widerlegt hatten, hielt er an dem Glauben fest, dass der wissenschaftliche Geist letztlich jede Frage werde beantworten können. Heute klingt diese Haltung beinahe rührend, gewiss aber als historische Anekdote. Man kann sich darin gefallen, sie etwas belustigt zu betrachten und nachsichtig zu schmunzeln über einen großen Geist, der eine bewiesene Grenze nicht akzeptieren wollte.

Bei aller Belustigung sollte man sich dabei aber fragen, was die Forschungslandschaft der nächsten Jahre über uns selbst erzählen wird. Wir bauen mit erheblichem Aufwand Systeme, die immer mehr Sprache aus der Welt aufsaugen und auf immer mehr Parameter verteilen, in der erkennbaren Hoffnung, dass irgendwann die Halluzinationen verschwinden, wenn man nur lange genug skaliert. Die Mathematik der letzten 90 Jahre legt nahe, dass dieser Weg an genau jene Wand stoßen wird, an die Hilbert gestoßen ist. Nicht weil die Modelle zu klein wären, sondern weil das, was wir uns von ihnen erhoffen, in der gewählten Form nicht zu haben ist.

Vielleicht stellt sich in einigen Jahren heraus, dass der heutige Ansatz für KI nicht der richtige war. Vielleicht auch nicht. Aber dass es sich lohnt, die Frage zu stellen, ob wir gerade ein zweites Mal dabei sind, eine bewiesene Grenze zu ignorieren, kann ich nur empfehlen. Die alten Studieninhalte sind vielleicht doch nicht so trocken, wie sie damals schienen.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_G%C3%B6del
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Turing
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hilbert
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Hilbertprogramm
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Entscheidungsproblem
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Halteproblem
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_von_Rice
  8. https://arxiv.org/abs/2401.11817
  9. https://arxiv.org/abs/2409.05746
  10. mailto:manuel.masiero@heise.de

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  • 03. Juni 2026 um 09:00

Microsoft Majorana 2 verspricht zuverlässigere Qubits – Skepsis bleibt

Von Heise
Foto/Rendering des Quantenchips Majorana 2

(Bild: Microsoft)

Microsoft stellt neuen Quantenchip Majorana 2 vor. Das Unternehmen verspricht drastisch verbesserte Stabilität und zieht die Roadmap vor.

Microsoft hat auf der Build-Konferenz seinen Quantenchip [1] Majorana 2 angekündigt. Laut der Ankündigung sollen die Qubits nun 1.000-mal zuverlässiger sein als jene im Vorgängerchip – mit einer mittleren Qubit-Lebensdauer von 20 Sekunden und vereinzelten Werten von bis zu einer Minute. Andere gängige Ansätze messen Qubit-Lebensdauern in Mikrosekunden.

Der entscheidende technische Unterschied zum Vorgänger liegt laut Microsoft im Materialmix [2]: Majorana 2 ersetzt den in Majorana 1 verwendeten Supraleiter Aluminium durch Blei und aktualisiert die aktive Halbleiterregion auf eine Kombination aus Indiumarsenid und Indiumarsenidantimonid. Diese Änderung soll zu einer signifikant robusteren topologischen Phase führen; die sogenannte topologische Lücke, die Qubits vor Umgebungsrauschen und Fehlern schützen soll, sei mehr als doppelt so groß wie beim Vorgänger, sagt Microsoft. Details dazu finden sich in dem wisschenschaftlichen Paper „20 Second Parity Lifetime in an InAs–Pb Tetron Device“ zu Majorana 2 [3]. Auf Basis dieser selbst berichteten Fortschritte hat das Unternehmen seine ursprüngliche Roadmap halbiert und peilt 2029 als Zieldatum für einen skalierbaren, kommerziell nutzbaren Quantencomputer an.

Die Bauelemente in Microsofts Quantenprozessoren bestehen aus sogenannten Tetrons, einem Typ topologischer Qubits aus zwei supraleitenden Nanodrähten mit Majorana-Nullmoden (MZMs) an ihren Enden. MZMs sollen Quanteninformation über die Parität, also die Geradzahligkeit oder Ungeradzahligkeit der Elektronenanzahl in einem Topoleiter-Draht, robust speichern. Fundamentale Operationen werden durch Messungen ausgeführt: Jede Paritätsmessung liefert eine 0 oder eine 1.

Die Rolle von KI bei der Entwicklung

Bei der Entwicklung von Majorana 2 soll Microsofts KI-Plattform Microsoft Discovery eine wesentliche Rolle gespielt haben. Wie Microsoft beschreibt [4], soll das Quantenteam agentenbasierte KI eingesetzt haben, um Arbeitsabläufe zu verwalten, Messungen zu automatisieren, Fertigungsprozesse zu optimieren und bislang unbemerkte Fehler aufzuspüren. Das Erstellen eines topologischen Zustands erfordert das Einstellen von Hunderten Parametern – ein Prozess, der manuell Wochen dauert. KI-Agenten sollen die Zykluszeit erheblich reduzieren.

DARPA-Programm als externer Prüfstein

Als Beleg für externe Validierung verweist Microsoft auf seine Teilnahme am DARPA-Quantenbenchmarking-Programm. DARPA hat Microsoft als eines von nur zwei Unternehmen in die Abschlussphase seines Evaluierungsprogramms für Quantensysteme aufgenommen. In dieser Phase soll Microsoft einen fehlertoleranten Prototyp auf Basis topologischer Qubits entwickeln. Die Bewertung durch DARPA-Experten liefert zumindest einen externen Rahmen, ersetzt jedoch keine unabhängige wissenschaftliche Überprüfung der zentralen Behauptungen.

Kontroverse um Majorana 1

Die Ankündigung muss vor dem Hintergrund einer belasteten Forschungsgeschichte gelesen werden. Microsoft arbeitet seit rund zwei Jahrzehnten an topologischen Qubits auf Basis von Majorana-Zuständen – mit erheblichen Rückschlägen. Ein 2018 in Nature veröffentlichtes Paper eines Microsoft-Teams, das erstmals einen Majorana-Zustand nachgewiesen haben wollte, musste 2021 zurückgezogen werden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die ursprüngliche Datenanalyse wissenschaftlichen Qualitätsstandards nicht genügte.

Beim Nachfolger Majorana 1, den Microsoft im Februar 2025 vorstellte, war die Reaktion der Fachwelt gespalten. Zahlreiche Physiker meldeten erhebliche Zweifel an, ob topologische Qubits in realer Hardware tatsächlich so auftreten wie theoretisch vorhergesagt. Der Kernstreit: Ob die gemessenen Signale eindeutige Belege für Majorana-Nullmoden sind, oder ob sie sich auch durch konventionellere Effekte erklären lassen.

Microsofts Ansatz unterscheidet sich grundlegend von dem seiner Mitbewerber. Während Google mit Willow und IBM mit Nighthawk auf eine wachsende Zahl supraleitender Qubits mit verbesserter Fehlerkorrektur setzen [5], soll Microsofts topologische Architektur inhärent geringere Fehlerraten liefern – und damit den Overhead für Fehlerkorrektur drastisch reduzieren. Beide Mitbewerber streben ebenfalls 2029 als Zieldatum für fehlertolerantes Quantencomputing an.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Quantencomputer
  2. https://quantum.microsoft.com/en-us/insights/blogs/majorana-2-scalable-quantum-processor
  3. https://quantum.scene7.com/is/content/quantum/Majorana-2-Tech-Paperpdf
  4. https://news.microsoft.com/source/features/innovation/majorana-2-microsoft-discovery-agentic-ai
  5. https://www.heise.de/hintergrund/Status-quo-Wie-weit-Quantenhardware-im-Jahr-2026-ist-11157391.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 03. Juni 2026 um 00:42

Trump gibt sich exklusiven Zugriff auf neue KI vor allen anderen

Von Heise
Donald Trump spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung in National Harbor, US-Bundesstaat Maryland, im Hintergrund eine große US-Flagge.

Donald Trump spricht am 24. Februar 2024 auf einer Wahlkampfveranstaltung in National Harbor, US-Bundesstaat Maryland.

(Bild: Jonah Elkowitz/Shutterstock.com)

Geheimes Benchmarking von KI, Zugriff für die US-Regierung vor allen anderen, staatliche Suche nach Software-Bugs. Das und mehr ordnet der US-Präsident an.

Nach einigem Hin und Her hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag doch einen Erlass zum Thema Künstliche Intelligenz veröffentlicht. Er richtet eine ganze Latte neuer Arbeitskreise ein, die sich Themen rund um KI und IT-Sicherheit widmen sollen. Klaffende Lücke bleibt Sicherheit der KI selbst – eine entsprechende Vereinbarung der US-Regierung mit der KI-Branche hat Trump am ersten Amtstag seiner zweiten Amtszeit aufgekündigt [1].

Zwar erklärt er die Förderung von KI-Innovation und Sicherheit zum offiziellen Ziel, ordnet dann aber keine konkreten Maßnahmen zur Stärkung der KI-Sicherheit an. Erreicht werden soll das durch „Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft zwecks Modernisierung von IT-Systemen in Verwaltung und Privatwirtschaft und deren Härtung gegen Bedrohung von außen”. Tatsächlich stellen Insider grundsätzlich die größere Bedrohung [2] dar, neuerdings kommen noch Risiken durch intern aufgesetzte KI-Agenten hinzu.

Trump belässt es bei allgemeinen Befehlen zur „Priorisierung” von IT-Abwehr bei Militär, Geheimdiensten, zivilen Behörden und deren Dienstleistern – binnen 30 Tagen. Nicht näher bezeichnete Bundesprogramme zur „Verbesserung KI-fähiger Abwehrwerkzeuge” sollen ausgeweitet oder gegründet werden. Nebenbei soll der Justizminister verstärkt gegen Straftäter vorgehen, die KI für ihre Machenschaften einsetzen.


Einkaufstour ohne Budget

Und Trump hält Behörden dazu, an Geld auszugeben: Einerseits sollen IT-Sicherheitswerkzeuge und -dienstleistungen beschafft werden, für Behörden des Bundes, der US-Staaten und lokaler Körperschaften, sowie für Betreiber Kritischer Infrastruktur „wie ländliche Spitäler, lokale Banken und lokale Versorgungsunternehmen”. Wer sich darum kümmern soll und aus welchem Budget das zu bedecken wäre, lässt Trump offen. Insofern handelt es sich eher um einen Wunschbrief ans Parlament, das über das Bundesbudget bestimmt.

Andererseits soll sich die Budgetabteilung des Weißen Hauses auf die Suche nach bereits bestehenden Förderprogrammen machen, deren Mittel gewidmet werden können zur Subvention von KI-Entwicklung: konkret fortschrittlicher KI zur Entdeckung von Sicherheitslücken. Die eine oder andere Umwidmung dürfte auch ohne Parlamentsbeschluss zulässig sein, in Summe aber nicht viel bringen.

Geheimdienste und Militär sollen Sicherheitslücken finden

Parallel dazu soll das Finanzministerium gemeinsam mit dem Verteidigungsminister vertreten durch den Geheimdienst NSA, sowie dem Minister für Heimatsicherheit vertreten durch CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency), ein KI-Clearinghouse einrichten. Dieses soll in „freiwilliger Zusammenarbeit” mit der KI-Branche und Betreibern Kritischer Infrastruktur das Scannen nach Software-Sicherheitslücken koordinieren und deeskalieren.

Das Clearinghouse soll auch selbst solche Lücken finden und bestätigen, sowie deren Schließung koordinieren und priorisieren, samt Verteilung von Sicherheitsupdates. Information der Öffentlichkeit schreibt der Erlass nicht vor. Im Endeffekt bedeutet dies, dass NSA und Co Sicherheitslücken suchen, finden, und dann steuern, ob und wann sie bei wem gefixt werden. Von Unterstützung für die darbende Schwachstellendatenbank NVD des NIST [3] ist keine Rede.

Da die KI nicht alles alleine kann, und Elon Musks Doge zahlreiche IT-Experten grundlos gefeuert hat, muss neues Fachpersonal her. Dazu hat die US-Regierung Ende 2025 die „US Tech Force” ausgerufen [4]. Dieses auf Dauer angelegte Programm erlaubt knapp 30 KI-Konzernen, insgesamt zirka 1.000 eigene Mitarbeiter für jeweils zwei Jahre in US-Ministerien zu platzieren, die dafür ausnehmend hohe Gehälter bezahlen. Die meisten der beteiligten Konzerne haben direkt oder indirekt für Donald Trump gespendet. Sein aktueller Erlass sieht vor, die US Tech Force auszuweiten: Die Behörden brauchen mehr Experten für IT-Sicherheit.

Exklusiver Zugriff auf neueste KI

Abschnitt 3 des Erlasses zielt auf exklusiven Vorrang der US-Regierung bei sogenannten „frontier models” ab. Gemeint sind die fortschrittlichsten großen KI-Modelle, also der jeweils neueste Schrei. Sie sollen möglichst nicht mehr direkt auf den Markt kommen, sondern zunächst 30 Tage lang exklusiv der Regierung zur Verfügung gestellt werden.

Auch danach ist kein freier Marktzugang gewünscht: Vielmehr sollen Betreiber und Regierung gemeinsam festlegen, welche vertrauenswürdigen Partner das frontier model verwenden dürfen, „um sichere Innovation zu fördern und die IT-Sicherheit Kritischer Infrastruktur zu stärken”. Der Präsident kann diese Einschränkungen nicht erzwingen, weshalb er ein freiwilliges Framework für KI-Entwickler aufstellen lässt. Sie werden also voluntold, zu Freiwilligen ernannt.

Zuständig ist wieder der vom Clearinghouse bekannte Arbeitskreis aus NSA, CISA und Finanzministerium. Um feststellen zu können, was überhaupt als frontier model gilt, sollen sie einen geheimen Vergleichsmaßstab (Benchmark) ausarbeiten. Daran soll die NSA neue KI-Modelle bewerten, im Geheimen. Stuft sie eines als frontier model ein, soll die NSA KI-Entwickler und Forscher, „soweit angemessen”, informieren.

Teilnehmer des Frameworks dürfen zudem fragen, ob ein KI-Modell, an dem sie gerade arbeiten, voraussichtlich als frontier model gelten wird. Sonst könnte passieren, dass ein Konzern, seine technische Errungenschaft unterschätzend, seine freiwillige Verpflichtung verletzt und die Super-KI kurzerhand veröffentlicht.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Trump-kuendigt-KI-Sicherheit-auf-stoppt-Umweltschutz-und-Infrastruktur-10249761.html
  2. https://www.heise.de/news/Studie-Insider-Bedrohungen-durch-KI-sind-gefaehrlicher-als-externe-Cyberangriffe-10590799.html
  3. https://www.heise.de/news/CVSS-NIST-schraenkt-Bewertung-von-IT-Sicherheitsluecken-ein-11314492.html
  4. https://www.heise.de/news/Tech-Force-US-Konzerne-leihen-Trump-ihre-Mitarbeiter-11115954.html
  5. https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/06/promoting-advanced-artificial-intelligence-innovation-and-security/
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 03. Juni 2026 um 00:01

Es wird eng für x86: Nvidias RTX Spark könnte ARMs PC-Durchbruch sein

Von Johannes Hiltscher
Wenn Microsoft es nicht verbockt, kann RTX Spark ARM als x86-PC-Alternative etablieren. Mehr Auswahl könnte aber für Konsumenten sogar Nachteile bringen.
Wie Gladiatoren schenken sich auch die Hersteller von ARM- und x86-CPUs nichts. (Bild: Olga Solodilova, Pexels; Montage: Golem.de)
Wie Gladiatoren schenken sich auch die Hersteller von ARM- und x86-CPUs nichts. Bild: Olga Solodilova, Pexels; Montage: Golem.de / CC0 1.0

In Rechenzentren hat sich 2025 eine Revolution vollzogen, die an den meisten wohl vorbeigegangen ist: Innerhalb eines Jahres stieg der Marktanteil von ARM-Chips um zwei Drittel, von 15 auf 25 Prozent. Einen großen Anteil daran hatten Prozessoren von Nvidia, die das Unternehmen mit seinen Rechen-GPUs kombiniert. Eine ähnliche Umwälzung deutet sich mit RTX Spark im Consumer-Segment an.

Zwar versuchen Microsoft und Qualcomm bereits seit Jahren, ARM auch im Consumer-Segment als Alternative zu etablieren. Bislang allerdings mit mäßigem Erfolg, den hat nur Apple. Mit RTX Spark könnte sich das ändern, wenn Microsoft es nicht vermasselt. Denn die neuen Chips zwingen sowohl Microsoft als auch andere Entwickler, mehr Arbeit in die Unterstützung der ARM-Plattform zu stecken.

Eine Plattform, die von der gewohnten x86-Umgebung nicht zu unterscheiden ist, erleichtert Kunden den Umstieg. Apple hat es vorgemacht. Nur scheint Microsoft damit wieder einmal Probleme zu haben, wie Berichte von der Computex nahelegen: Hinter vorgehaltener Hand sollen sich Gerätehersteller skeptisch äußern, ob die geplanten Launch-Termine im Herbst zu halten sind.

x86 bleibt nur ein unumkämpfter Markt

Wenn allerdings ein guter Start gelingt, steigert das Sichtbarkeit und Attraktivität von ARM-Systemen. x86 fehlt dann das Alleinstellungsmerkmal, das es lange hatte: Windows läuft darauf.

Auch bei Konsolen, aktuell noch von AMDs Semi-Custom-Chips dominiert, könnte Nvidia und damit ARM langfristig zur Alternative werden. Klassische Systeme mit dedizierter CPU und GPU wären dann die einzig verbleibende x86-Domäne. Intel versucht, durch eine Partnerschaft von Nvidias Stärke zu profitieren, doch der Trend geht in die andere Richtung: Nvidia versucht, immer mehr Bereiche mit eigenen Produkten abzudecken. Intel ist hier klar der Juniorpartner.

Den PC-Markt dominiert x86 aktuell noch deutlich. Doch wenn sich das ändert, haben AMD und Intel ein Problem, denn der Markt wächst kaum. Deutlich mehr Marktanteil für ARM bedeutet Umsatzverluste für die Hersteller von x86-CPUs.

Im Server-Segment sieht es für AMD und Intel aktuell noch gut aus: Der Markt wächst so stark, dass der steigende ARM-Anteil auf ihre Umsätze keine Auswirkungen hat – im Gegenteil. Im PC- und Notebook-Markt könnte das anders aussehen. Die Analysten von Gartner wiesen zwar für das erste Quartal 2026 noch gestiegene Absatzzahlen aus.

Sie gehen aber davon aus, dass diese bereits länger durch Einmaleffekte aufgebläht sind: Upgrades durch das Ende des Windows-10-Supports sowie Lageraufstockung im Vorfeld neuer US-Zölle und zuletzt, um Preissteigerungen zuvorzukommen.

Mehr Konkurrenz klingt erst einmal gut für Verbraucher, könnte aber gerade den gegenteiligen Effekt haben. Zunächst arbeitet Nvidia eifrig daran, ein geschlossenes Ökosystem zu schaffen: Prozessor von Nvidia, KI-Laufzeit von Nvidia, KI-Modelle von Nvidia, KI-Rechenzentren von Nvidia. Zusätzlich könnte gerade im mittleren Preissegment die Auswahl geringer werden.

Konkurrenz oben und unten ...

Auch wenn für Geräte mit RTX Spark noch keine Preise bekannt sind, werden sie sich im Premium-Segment einsortieren. Mit dem N1 soll es zwar eine kleinere Variante geben, aber auch die wird wohl kaum in Geräten unter 1.000 Euro zu finden sein. Dafür sorgen allein die RAM-Preise, 16 GByte wären hier schon sehr knapp dimensioniert.

Gleichzeitig gibt es im Einstiegssegment mit dem Macbook Neo neue Konkurrenz, Qualcomm will den Preisdruck mit den Snapdragon C noch einmal erhöhen. Das Problem dabei: Der Fokus auf die beiden Extreme des Preisspektrums erschwert es, die Mitte abzudecken.

... macht es schwer, die Mittelklasse abzudecken

Zu erkennen ist das bereits an Intels Wildcat Lake und den Panther-Lake. CPUs mit kleinem CPU-Die. Relevantester Unterschied sind zwei P-Cores, die schwächere NPU dürfte für viele Kunden kaum ins Gewicht fallen.

Panther Lake nutzt aber wesentlich aufwendigeres Packaging, was die CPU teurer macht und insgesamt höherwertige Geräte verlangt. Gleichzeitig hat Intel praktisch keine Möglichkeit, teildefekte Dies durch Abschalten von Kernen zu nutzen. Das Panther-Lake-Portfolio zeigt genau das.

Wenn zusätzlich noch der Wettbewerb steigt, werden solche Mittelwege weiter an Attraktivität verlieren. Sie sind nicht nur teuer, sie blockieren auch Fertigungskapazitäten, ohne sich von den Einstiegsmodellen ausreichend abgrenzen zu können.

Die Speicherpreise erschweren die Differenzierung noch zusätzlich. Ob sich eine so weitgehende Deaktivierung der Spitzenmodelle lohnt, dass sie als Ersatz dienen können, ist fraglich. Auf das prestigeträchtige Premiumsegment können die Hersteller dabei ebenso wenig verzichten wie auf den Massenmarkt. Die Mittelklasse ist da noch am ehesten verzichtbar.

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  • 03. Juni 2026 um 09:48

Microsoft warnt: Office 2019 für Mac wird ab Juli nahezu unbrauchbar

Von Marc Stöckel
Bei Office-Anwendungen für MacOS und iOS steht ein Zertifikatswechsel an. Office 2019 bekommt aber kein Update mehr und wird dauerhaft eingeschränkt.
Mac-Nutzer bekommen für Office 2019 kein Update mehr. (Bild: pixabay.com / markusspiske)
Mac-Nutzer bekommen für Office 2019 kein Update mehr. Bild: pixabay.com / markusspiske

Wer unter MacOS Microsoft Office 2019 verwendet und auch in Zukunft Dokumente bearbeiten können möchte, muss sich in den kommenden Wochen nach Alternativen umsehen. Sowohl Microsoft 365 als auch Office 2019 und 2021 werden laut einem Supportdokument ab dem 13. Juli 2026 aufgrund eines ablaufenden Zertifikates in einen eingeschränkten Modus versetzt. Ein Update dagegen gibt es nicht für alle.

Das ablaufende Zertifikat dient laut Microsoft der Validierung der jeweiligen Office-Lizenz. Betroffen sind den Angaben zufolge nur Office-Apps für Apple-Betriebssysteme wie MacOS und iOS, nicht jedoch jene für Android oder Windows.

Betroffene Anwendungen werden gemäß Supportdokument nach dem Ablaufdatum automatisch in einen "Modus mit eingeschränkter Funktionalität" versetzt. Anwender können Office-Dateien dann nur noch öffnen und drucken. Wer Dokumente bearbeiten, speichern oder neu erstellen will, benötigt hingegen ein Update.

Kein Update für Office 2019

Aktualisiert werden müssen sowohl das Betriebssystem als auch die jeweilige Office-App. Microsoft empfiehlt, zuerst MacOS mindestens auf Version 12 (Monterey) und iOS mindestens auf Version 17 zu aktualisieren. Sofern diese Vorgabe erfüllt ist, kann je nach Betriebssystem über den App Store oder die in den Office-Apps integrierte Update-Funktion nach Updates für Microsoft 365 und Office 2021 gesucht werden.

Sobald die Office-Anwendungen aktualisiert sind, können diese wieder in vollem Umfang genutzt werden. Eine Ausnahme ist Office 2019. Der Support dafür lief schon im Oktober 2023 aus, so dass Microsoft für Office 2019 kein Update mehr bereitstellt. Und auch bezüglich Office 2021 weist der Konzern in seinem Dokument auf das nahende Supportende am 13. Oktober 2026 hin.

Microsoft 365 als bevorzugte Alternative

All jenen, die noch Office 2019 für Mac verwenden, empfiehlt Microsoft einen Wechsel zu Microsoft 365: entweder durch Abschluss eines kostenpflichtigen Abos oder durch Nutzung der kostenlos im Browser bedienbaren Webanwendungen von Word, Excel und Powerpoint.

Dass es für MacOS noch ein bis Oktober 2029 unterstütztes Office 2024 gibt, erwähnte der Konzern in seinem Supportbeitrag allerdings nicht. Zudem gibt es abseits des Microsoft-Ökosystems auch noch kostenlos nutzbare Office-Lösungen wie Libreoffice.

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  • 03. Juni 2026 um 09:10

Suchmaschinenoptimierung: Google erlaubt Opt-out für KI-Suchergebnisse

Von Nils Matthiesen
Webmaster erhalten die Option, ihre Domains gezielt von den KI-gestützten Suchfunktionen von Google auszuschließen.
Google bringt Opt-out für KI-Suche (Symbolbild) (Bild: NICOLAS MAETERLINCK / BELGA MAG / Belga / AFP via Getty Images)
Google bringt Opt-out für KI-Suche (Symbolbild) Bild: NICOLAS MAETERLINCK / BELGA MAG / Belga / AFP via Getty Images

Google reagiert auf den anhaltenden Druck von Verlagen und führt eine Änderung für seine KI-gestützten Suchfunktionen ein. Mehr als drei Jahre nach dem Beginn des Rollouts von AI Overviews und rund ein Jahr nach dem US-Start des sogenannten AI Mode für Google-One-AI-Premium-Abonnenten stellt der Suchmaschinenkonzern Websitebetreibern damit eine Option zur Verfügung, mit der sie ihre Domains aus diesen generativen KI-Suchergebnissen ausschließen können.

Die Steuerung erfolgt über einen neuen Schalter innerhalb der Google Search Console. Damit bestimmen Webmaster selbst, ob ihre Webseiten in den KI-Antworten auftauchen oder zur Untermauerung dieser Funktionen herangezogen werden.

Der US-Konzern testet die neue Funktion zunächst mit einer kleinen Gruppe von Domaininhabern im Vereinigten Königreich, bevor eine weltweite Bereitstellung erfolgt. Laut Google hat der Verzicht auf die KI-Funktionen keine Auswirkungen auf das klassische Suchmaschinen-Ranking. Seiten, die sich gegen die Teilnahme entscheiden, erhalten folglich keine Aufrufe oder Impressionen über die generativen KI-Features, werden jedoch außerhalb dieser Funktionen im herkömmlichen Ranking nicht herabgestuft.

Parallel dazu kündigte Google neue Einblicke in der Search Console an, die Webmastern laut dem Blogpost Metriken und mehr Informationen darüber liefern sollen, welche ihrer Seiten in KI-Antworten erscheinen.

Verlage zeigen zunehmenden Unmut

Der Schritt folgt auf wachsende Spannungen zwischen dem Technologiekonzern und den Medienhäusern, welche die Inhalte für die KI-Systeme liefern. Der Chef des Medienunternehmens Condé Nast, Roger Lynch, verdeutlichte das Ausmaß des Unmuts in einem Interview mit dem Branchennetzwerk TBPN. Er habe seine Teams angewiesen, strategisch so zu planen, als ob es keine Websuche mehr gäbe, um Seitenaufrufe und Einnahmen anderweitig zu sichern.

Zwar erwarte man keinen vollständigen Einbruch der Zugriffe auf null, doch dürften Verweise von Google künftig nur noch einen einstelligen Prozentsatz des gesamten Datenverkehrs ausmachen. Bereits im Vorfeld hatte Lynch geäußert, dass die Google-Suche kein bedeutender Traffic-Bringer mehr sei.

Größtes Upgrade der Suchleiste erhöht Druck

Zusätzliche Dynamik erhielt die Debatte durch Googles Entwicklerkonferenz I/O 2026. Dort präsentierte das Unternehmen ein dynamisches Suchfeld, das sich komplexen Anfragen anpasst und neben Videos, Bildern und Dateien sogar geöffnete Browser-Tabs von Chrome verarbeitet.

Google bezeichnete das neue Suchfeld als das größte Upgrade der Suchleiste seit über 25 Jahren. Diese Neuerungen verstärkten in der Medienbranche Befürchtungen über drastische Einbußen bei den klassischen Klickzahlen. Google betont nun, aktiv auf das Feedback von Publishern und Urhebern zu hören. Zudem stehe das Unternehmen im Austausch mit Regulierungsbehörden wie der britischen Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority, um Websitebetreibern passende Werkzeuge bereitzustellen.

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  • 03. Juni 2026 um 09:02

Marvel: Wolverine fährt die Krallen aus

Von Peter Steinlechner
Insomniac Games zeigt neues Gameplay zu Marvel's Wolverine. Der düstere PS5-Exklusivtitel setzt auf brutale Kämpfe und eine Solo-Kampagne.
Artwork von Marvel's Wolverine (Bild: Sony)
Artwork von Marvel's Wolverine Bild: Sony

Nach langer Funkstille hat das Entwicklerstudio Insomniac Games bei einer State of Play einen neuen Blick auf Marvel's Wolverine gewährt.

Statt lediglich einen weiteren Action-Trailer abzuliefern, zeichnete die Präsentation ein Bild davon, was die Entwickler mit ihrem nächsten großen Superheldenspiel vorhaben: ein storygetriebenes Einzelspielerabenteuer, das düsterer und brutaler ausfällt als die Spider-Man-Reihe.

Im Mittelpunkt steht Logan, der eine Gruppe entführter Mutanten retten will. Verantwortlich sind die Reavers, eine cybernetisch aufgerüstete Söldnertruppe, die ihre Gefangenen an den Industriellen Bolivar Trask ausliefern will.

Insomniac greift also bekannte Figuren aus dem X-Men-Universum auf und stellt den Konflikt zwischen Menschen und Mutanten in den Vordergrund. Laut den Entwicklern leben Mutanten in dieser Version des Marvel-Universums im Verborgenen und werden von großen Teilen der Gesellschaft gejagt oder gefürchtet.

Marvel's Wolverine: Verfügbarkeit und Plattformen

Auffällig ist der größere Fokus auf bekannte Mutantenfiguren. Im Trailer und den begleitenden Informationen bestätigt Insomniac Auftritte von Jean Grey, Mystique und Sabretooth. Jean Grey spielt dabei offenbar eine zentrale Rolle und kämpft zeitweise sogar direkt an Wolverines Seite.

Spielerisch setzt Marvel's Wolverine auf schnelle Nahkämpfe, Spezialangriffe und Logans berühmte Heilkräfte. Neu vorgestellt wurden sogenannte Techniken wie der Bull Rush oder der Tornado Spin.

Hinzu kommt ein Wut-System, das mächtige Attacken freischaltet und in einer von den Comics inspirierten Rage-Stufe gipfeln kann. Auch Motorradverfolgungsjagden und größere Actionsequenzen sollen eine wichtige Rolle spielen.

Trotz aller Brutalität betonte Insomniac, dass die Geschichte im Mittelpunkt stehe. Creative Director Marcus Smith beschrieb Wolverine als fokussiertes Einzelspielerabenteuer mit einer weltumspannenden Reise und hohen Einsätzen, bei denen es um mehr als nur die Rettung einiger Mutanten gehe.

Marvel's Wolverine erscheint am 15. September 2026 für Playstation 5. Gerüchten zufolge, zu denen sich Sony allerdings nicht äußerte, wird es möglicherweise auch mit Wartezeit keine PC-Umsetzung geben.

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  • 03. Juni 2026 um 07:27

Anzeige: Souveräne Cloud-Strategie mit STACKIT: Governance und Umsetzung

Von Golem Karrierewelt
Cloud-Souveränität wird zum Architekturthema: Datenhoheit, Governance und Compliance müssen zusammenpassen. Ein Online-Workshop vermittelt praxisnah, wie STACKIT Cloud strategisch bewertet und umgesetzt wird.
Bild: KI-generiert mit Sora

Cloud-Strategien werden zunehmend von Anforderungen an Cloud-Souveränität geprägt. Neben Kosten und Skalierung rücken Fragen nach Datenhoheit, Kontrollmöglichkeiten und nachvollziehbaren Sicherheits- und Compliance-Nachweisen stärker in den Vordergrund. Für IT-Organisationen entsteht daraus die Aufgabe, technische Plattformentscheidungen mit Governance und Betriebsmodellen zu verbinden, ohne Agilität und Time-to-Delivery zu verlieren.

Dabei reicht es nicht aus, Souveränität nur als Vertrags- oder Standortfrage zu behandeln. Entscheidend ist, wie sich Daten-, betriebliche und digitale Souveränität in Architekturprinzipien, Rollen, Richtlinien und Prozessen abbilden lassen. Erst dann wird vergleichbar, welche Cloud-Optionen welche Kontroll- und Auditmöglichkeiten bieten und wie sich Risiken wie Lock-in oder unklare Verantwortlichkeiten reduzieren lassen.

Von Souveränität zu Governance

Im Kontext europäischer Cloud-Strategien spielt die Einordnung von Plattformen im Vergleich zu Hyperscalern eine zentrale Rolle. Dazu gehören Kriterien wie Transparenz über Sicherheitsarchitektur, verfügbare Audit-Informationen, Zugriffskonzepte sowie Möglichkeiten zur Protokollierung und Überwachung. Ebenso wichtig ist ein Governance-Framework, das Anforderungen aus Compliance und internen Richtlinien in umsetzbare Vorgaben für Teams, Plattformbetrieb und Projekte übersetzt.

STACKIT-Funktionen praxisnah bewerten

Wie diese Themen mit der STACKIT-Cloud zusammenhängen, zeigt der Live-Remote-Workshop "STACKIT Cloud – Strategien, Souveränität, Technologie" am 4. August 2026 (weiterer Termin: 15. Oktober 2026). Inhaltlich startet das Training mit den Grundlagen souveräner Cloud-Konzepte und ordnet STACKIT in der europäischen Cloud-Landschaft ein, inklusive eines Vergleichs zu GCP, Azure und AWS. Darauf aufbauend werden zentrale Plattformbereiche behandelt: Compute- und KI-Services, Developer Platform & Runtime, Sicherheitsarchitektur und Netzwerke sowie Datenbanken.

Ergänzend geht es um operative Aspekte wie Zugriffsmanagement und Verwaltungswerkzeuge, Protokolle sowie Monitoring und die Rolle von Audit- und Informationszugängen für Compliance. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung eines passenden Governance-Frameworks für den Einsatz in Unternehmen und die typischen Herausforderungen bei der Umsetzung von Governance-Richtlinien in souveränen Cloud-Umgebungen.

Integration, Change und typische Stolpersteine

Für die praktische Umsetzung werden konkrete Implementierungstipps vermittelt: wichtige Aspekte für den Einsatz in der Unternehmens-IT, Empfehlungen für die Umstellung und die Integration in bestehende IT-Infrastrukturen sowie Best Practices für Change- und Adoption-Management. Abschließend bietet der Workshop Raum für Projektaustausch, Branchenbeispiele und eine Abschlussdiskussion mit offenen Fragen, um Anforderungen und Lösungswege aus der Praxis einzuordnen.

Dozent ist die Rewion GmbH, die Unternehmen bei Cloud- und Modern Workplace-Projekten unterstützt und berät.

Der Kurs

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  • 03. Juni 2026 um 07:15

Retold Vorschau: Rayman Legends bringt die gute Laune in 3D zurück

Von Peter Steinlechner
Aus dem Jump-and-Run-Klassiker wird ein 3D-Abenteuer: Im Hands-on macht die Neuauflage von Rayman Legends Legends einen sehr starken Eindruck.
Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
Artwork von Rayman Legends Retold Bild: Ubisoft

Als Rayman Legends 2013 erschien, entwickelte sich das Jump-and-Run schnell zu einem der meistgelobten Genrevertreter seiner Zeit. Abwechslungsreiche Levels, eine präzise Steuerung und viele überraschende Ideen führten dazu, dass der Titel bis heute Klassikerstatus genießt.

Das macht es nicht einfach für Ubisoft: Wie modernisiert man ein solches Spiel, ohne seine größten Stärken zu verlieren? (Test des Originals auf Golem.)

Nach einer Hands-on-Session mit Rayman Legends Retold fällt der erste Eindruck positiv aus. Die Neuauflage bietet sehr viel mehr als ein paar neue Texturen, stattdessen bekommt das Spiel eine komplett neue technische Basis.

Statt der Ubi-Art-Engine des Originals kommt nun die Snowdrop-Engine zum Einsatz (The Division, Star Wars Outlaws). Gleichzeitig bleibt erstaunlich viel von dem erhalten, was Rayman Legends einst so besonders machte.

Während das Original ein 2D-Plattformer war, präsentiert sich Retold als 3D-Abenteuer. Ubisoft Montpellier und Ubisoft Milan bauen die Spielwelt aber nicht einfach in die dritte Dimension um. Vielmehr hängen die Gebiete stärker zusammen und wirken weniger wie einzelne Levels, sondern eher wie Stationen einer großen Reise.

Optisch hinterlässt die gezeigte Version bereits einen hervorragenden Eindruck. Wasserfälle rauschen im Hintergrund, Burgen thronen über der Landschaft und überall sind kleine Animationen oder Kreaturen zu entdecken – zuckersüß!

Trotz der viel höheren Detaildichte bleibt der märchenhafte Stil erhalten, für den die Reihe seit jeher bekannt ist. Ubisoft spricht selbst von einem handgemachten Ansatz mit besonders vielen Oberflächen- und Materialdetails.

Noch wichtiger als die Grafik ist bei einem Plattformspiel allerdings die Steuerung. Und hier hinterlässt die Hands-on-Version den vielleicht besten Eindruck. Schon nach wenigen Minuten gehen Sprünge, Angriffe und Bewegungen problemlos von der Hand. Die Steuerung wirkt präzise, direkt und ausgesprochen eingängig.

Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
Bild 1/10: Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
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Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
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Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
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Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
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Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
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Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)
Bild 10/10: Artwork von Rayman Legends Retold (Bild: Ubisoft)

Unsere Anspielreise führt zuerst durch das Old Tithe Kingdom. Dort stehen klassische Plattformpassagen im Mittelpunkt. Rayman sammelt die bekannten blauen Wesen ein, bekämpft Gegner und springt durch farbenfrohe Umgebungen.

Auch sein Begleiter Murphy spielt wieder eine wichtige Rolle. Per Knopfdruck verschiebt er Plattformen, schneidet Seile durch oder aktiviert verschiedene Mechanismen. Viele Mechaniken dürften Fans des Originals sofort vertraut vorkommen.

Rayman Legends Retold: Verfügbarkeit und Plattformen

Gleichzeitig nutzt Ubisoft die neue Perspektive für frische Ideen. In einem Abschnitt müssen rotierende Scheiben aktiviert werden, an anderer Stelle werden Gegner durch die Gegend geschleudert oder Sprungpassagen über Hüpfballons gemeistert.

Das Spiel wechselt ständig zwischen unterschiedlichen Mechaniken und verhindert so erfolgreich, dass Routine aufkommt. Dieser kreative Ideenreichtum war bereits eine große Stärke des Originals.

Besonders beeindruckend fallen die neuen Drachenritte aus. Dabei fliegt Rayman auf dem Rücken eines Drachen direkt in die Spielwelt hinein und rast durch aufwendig gestaltete Umgebungen. Ubisoft beschreibt diese Sequenzen als eine Art Achterbahnfahrt voller Tempo und Spektakel.

Hinzu kommen zusätzliche Inhalte. Ubisoft erweitert das Abenteuer um Musiklevel, neue Storyelemente, eine sechste Welt, weitere Plattforming-Abschnitte und eine Spezialfähigkeit namens Power of Light – was das ist, wissen wir noch nicht. Die beliebten Modi Kung Foot und Cave of Trials kehren zurück.

Rayman Legends Retold erscheint laut Ubisoft am 1. Oktober 2026 für Playstation 5, Nintendo Switch 2, Xbox Series X/S und Windows-PC (Steam, Ubisoft Connect und Epic Games Store) zum Preis von 40 Euro.

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  • 03. Juni 2026 um 07:00

Darknet Diaries Deutsch: Nackt im Netz - Teil 1

Von Heise

81 Madisons Nacktfotos wurden online veröffentlicht. Ihre Zwillingsschwester Christine kam ihr zu Hilfe. Es beginnt eine Jagd durch die Abgründe des Internets.

Dies ist der erste Teil von „Nackt im Netz". Der zweite Teil wird in einer Woche veröffentlicht. Im Englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „Revenge Bytes [1]“.

Die deutsche Produktion verantworten Isabel Grünewald und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert [2] werden.

JACK: Okay, gleich vorweg eine inhaltliche Warnung. In dieser Folge geht es um sexuell explizite Themen. Wir sprechen über Nacktheit, und es wird auch geflucht – diese Episode ist also für erwachsene Hörer. Ihr seid gewarnt.

Okay, also – sind schon mal Nacktfotos online geleakt worden? Vielleicht ja. Ihr wisst es vielleicht nur nicht, denn da draußen passieren wirklich verrückte Dinge. Lasst es mich erklären. Erstens hat die Polizei Zugriff auf einige ziemlich heftige Werkzeuge – Datenbanken, die das Internet durchsuchen und dann jede Menge Informationen über eine Person speichern. Das soll wohl Ermittlungen unterstützen, damit Beamte schnell und einfach an alle möglichen Daten zu einer Person kommen. Sie sehen euren Familienstand, eure Adresse, euren Job, euer Gehalt, euer Auto, eure Flugdaten, eure Social-Media-Konten und natürlich auch Fotos von euch. Nun ja, einige Polizisten sind dabei erwischt worden, dieses Werkzeug zu missbrauchen. Ein Beamter wurde dabei ertappt, wie er auf Tinder nach Dates suchte – das ist okay. Polizisten dürfen auf Tinder nach Dates suchen. Aber er hat seine Matches in dieser Polizeidatenbank überprüft. Ein anderer Polizist nutzte die Datenbank, um eine Frau zu stalken, in die er verknallt war, und ein dritter, Bryan, ufff – der versuchte, mit dem Werkzeug Nacktfotos von Frauen zu finden.

Er nutzte seinen Zugang, um Informationen über Frauen zu sammeln, und arbeitete dann mit einem Hacker zusammen, um in deren Konten einzudringen und an Nacktfotos zu kommen. Ja, ein Polizist hat seine Macht missbraucht, um Nacktfotos von Frauen zu stehlen, und versuchte dann, sie damit zu erpressen. Dafür ist er ins Gefängnis gewandert. Aber es spielt eigentlich keine Rolle, ob es nun ein Polizist war oder nicht. Allein die Vorstellung, dass ein Hacker in euer Konto einbrechen und private Fotos von eurem Handy stehlen kann, ist ein riesiges Problem. Ich habe unzählige Geschichten gelesen von Männern, die Kameras an Orten platziert haben, wo sie nichts zu suchen haben – in Damentoiletten, in Umkleiden. Und mit immer kleineren, immer schwerer zu entdeckenden Kameras wird das Problem nicht kleiner. Aber tatsächlich installiert ihr selbst auch jede Menge Überwachungskameras in euren Wohnungen. ADT zum Beispiel ist eine Sicherheitsfirma, bei der ihr Kameras in eurem Zuhause platzieren könnt, um eure Sicherheit zu überwachen. Aber ratet mal: Ein ADT-Mitarbeiter wurde dabei erwischt, wie er seinen Zugriff missbrauchte und Frauen sowie Menschen beim Sex in ihren Wohnungen ausspionierte und Screenshots von ihnen machte.

Ach, und vergessen wir nicht LOVEINT. Der Begriff wird verwendet, wenn Geheimdienstmitarbeiter ihre Spionagebefugnisse nutzen, um ihre Liebespartner auszuspionieren. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen NSA-Mitarbeiter ihren Zugriff auf die nationale Überwachungsinfrastruktur genutzt haben, um zu prüfen, ob ein Partner fremdgeht, oder um jemanden, an dem sie Interesse hatten, genauer im Auge zu haben.

Es gibt also jede Menge Fälle da draußen, die zeigen, wie eure Nacktfotos geleakt werden können, ohne dass ihr irgendetwas falsch gemacht habt. Denkt mal darüber nach, wenn ihr das nächste Mal eine Kamera seht – und wahrscheinlich seht ihr jeden Tag unzählige Kameras. Bei all unseren vernetzten und smarten Geräten sind wir nicht die Einzigen, die sie steuern können. Und die Leute, die Zugriff auf eure Kamera haben, können diesen Zugriff missbrauchen – und sie werden es tun. Vielleicht ist die Kamera auch einfach nur unsicher und jemand, der eigentlich keinen Zugriff haben sollte, kommt rein. Kameras sind heute allgegenwärtig in unserem Leben, macht euch bewusst, dass ihr nicht darauf vertrauen solltet, dass sie euer Privatleben privat halten. Denkt mal an all die Orte, an denen ihr nackt vor einer Kamera seid. Heutzutage nimmt doch jeder sein Handy mit auf die Toilette - - - oder?

Der Albtraum beginnt

JACK: Okay, also – lass uns einfach erstmal kurz’n bisschen kennenlernen. Wie heißt du, und wie sah dein Leben aus, bevor das alles angefangen hat?

MADISON: Ich heiße Madison, und meine Güte, das ist – die erste Frage, die du mir stellst, ist schon ziemlich schwer, weil ich mich kaum noch erinnern kann, wie mein Leben vorher war.

JACK: Madison, kein Problem. Ich versuche zu helfen. Madison ist in Florida aufgewachsen und ging nach der Highschool auf ein College in Florida.

MADISON: Ich habe Marketing und Kommunikation studiert.

JACK: Madison hat eine Zwillingsschwester namens Christine.

CHRISTINE: Ja.

MADISON: Ja, also, meine Zwillingsschwester und ich sind damals auf dasselbe College gegangen.

JACK: Christine wollte Anwältin werden, und an der Uni lernte sie einen Typen kennen.

CHRISTINE: Dana war in einer Verbindung, ich war in einer Mädchenverbindung, und wir wurden für die Homecoming-Feier zusammengelost. Er war damals der Präsident seiner Verbindung, und ich war für meine Verbindung als Homecoming Queen nominiert.

JACK: Dana, was hast du an der Uni gemacht?

DANA: Ich bin Verkehrspilot und war damals in meiner Ausbildung. Ich hab Luffahrt studiert und das Fliegen im College gelernt.

JACK: Dana war damals ziemlich aktiv in seiner Studentenverbindung; er traf sich mit den Jungs, schloss Freundschaft mit ihnen und knüpfte zu ein paar von ihnen andauernde Freundschaften. Christine aber war diejenige, die ihm am meisten gefiel. Dana und Christine fingen dann auch an, sich im College zu verabreden. Manchmal kam sie vorbei und verbrachte auch Zeit mit den Jungs aus der Studentenverbindung. Sie lernte einige von ihnen ziemlich gut kennen, und natürlich lernte Dana mit der Zeit auch Christines Zwillingsschwester Madison kennen.

DANA: Ich weiß nicht, ob du jemals Mary-Kate und Ashley Olsen gesehen hast – aber das waren so ihre Idole, als sie aufwuchsen. Die beiden haben ja so ein Art „wir lösen jeden Fall noch vor dem Abendessen“-Mentalität. So sind Christine und Madison auch seit sie fünf Jahre alt sind.

MADISON: Ich war so um die neunzehn oder zwanzig, und ich erinnere mich, dass ich aufgewacht bin, und – eine Bekannte aus der Highschool hatte mir eine Direktnachricht geschickt: Hey, jemand belästigt dich im Internet und postet Fotos von dir. Ich war nur so: Was? Nein. Schick mir Links. Was ist los?

JACK: Sexuell explizite Bilder von Madison waren öffentlich im Internet gepostet worden - für jeden zu sehen.

MADISON: Auf den Fotos war ich bedeckt, aber – ich nenne das Nip-Slips.

JACK: Diese Fotos entstanden im Rahmen eines Fotoshootings, das sie mit einem Fotografen in Florida gemacht hat. Eigentlich sollten sie keine Nacktszenen zeigen. Aber als sie sich während des Shootings bewegte, wurde ihre Brustwarze auf einigen Fotos teilweise sichtbar – doch das waren Fotos die eigentlich nur bei ihrem Fotografen hätten bleiben sollen. Niemand hätte diesen Nippelblitzer sehen dürfen. Wie konnte das passieren?

MADISON: Ich weiß bis heute nicht genau, wo die Leute die herhatten.

JACK: Wo wurde es gepostet?

MADISON: Also, da war 4chan – das ist die große Plattform, die du sicher kennst.

JACK: Mhm.

MADISON: Eine Zeit lang war es auch moe.com und 4archive, das ist eine Archivseite für 4chan. Dann gibt es motherless.com. Es gibt noch einige weitere, aber 4chan und das 4chan-Archiv sind die größten – diese richtig üblen Webseiten, auf denen sich Leute herumtreiben.

JACK: Okay, also wurden ihre Fotos nicht nur dort hochgeladen, sondern derjenige, der sie postete, schrieb auch noch Sachen wie: Helft mir, mehr Nacktfotos von ihr zu finden – und postete ihren Namen und ihre Daten zusammen mit den Fotos.

MADISON: Ja, ich glaube, es war mein vollständiger Name, mein Snapchat, mein Facebook und meine Telefonnummer.

JACK: Könnt ihr euch vorstellen, aufzuwachen und auf verschiedenen Webseiten Beiträge zu finden mit Fotos von euch, wo ihr teilweise nackt zu sehen seid? Beiträge, in denen jemand andere dazu aufruft, euch ins Visier zu nehmen, euch zu verletzen und mehr Nacktfotos von euch zu beschaffen? Klingt schlimm.

MADISON: Ich glaube, meine erste Reaktion war einfach Schock und Hilflosigkeit, weil ich nicht wusste, wer mir das antun wollte. Das war wahrscheinlich das Schlimmste – dass das jemand war, der mich vielleicht kannte oder auch nicht, der mir aber schaden wollte, und ich keine Ahnung hatte, wer es war. Das war sehr beängstigend.

JACK: Auf 4chan ist jeder anonym. Es gibt also kaum Anhaltspunkte, um herauszufinden, wer das sein könnte. Es ist ein anonymer Nutzer. Da aber in dem Beitrag ihre Social-Media-Profile aufgelistet waren, bekam sie jetzt seltsame Nachrichten und SMS.

MADISON: Das war schrecklich, weil mein Handy zu bestimmten Zeiten buchstäblich nonstop explodierte. Natürlich nie an einem Dienstagmittag, sondern um 3 oder 4 Uhr nachts an einem Montag, wenn man am nächsten Tag arbeiten muss. Es war ziemlich übel. Selbst Kleinigkeiten – das klingt vielleicht blöd, aber um mein Handy ausschalten zu können, musste ich mir einen Wecker kaufen. Unsere Handys sind ja unsere Wecker. Mitten in der Nacht musste ich also mein Handy ausschalten und habe dann verschlafen und kam zu spät zur Arbeit, weil ich einfach mal etwas Schlaf brauchte, um am nächsten Tag einen normalen Tag zu haben. Das Handy war also damals das Schlimmste. Am Anfang habe ich noch geantwortet, wenn mich Leute angeschrieben haben – ich habe versucht, herauszufinden, wer es ist. Damals wusste ich noch nicht, dass es mehrere Leute waren. Es hat wirklich lange gedauert, das ganze Ausmaß zu begreifen – was die Leute vorhatten und wie sie es taten. Es hat mich offensichtlich nicht weit gebracht.

JACK: Aber sie speicherte alles – Nachrichten, Telefonnummern und Benutzernamen –, falls irgendwann ein Sinn darin auftauchen würde. Es war nicht nur einmal. Wer auch immer das gepostet hatte, tat es unermüdlich, immer und immer wieder, Woche für Woche, und führte diese Kampagne gegen sie fort. Das gefiel ihr nicht. Sie wollte nicht, dass ihre Nacktfotos online sind. Sie wollte die Belästigung stoppen, dass die Nachrichten auch aufhören. Aber wie schafft man das?

Weil die Situation peinlich ist, fällt es einem wohl auch schwer, irgendjemanden um Hilfe zu bitten. Was willst du machen – deinen Vater bitten, dabei zu helfen, herauszufinden, wer Fotos von deinen halb entblößten Brustwarzen gestohlen hat? Nein, um Gottes willen. Aber sie hatte einen Freund, und den bat sie um Hilfe. Er fing an, der Sache nachzugehen. Weil sie ihrer Zwillingsschwester Christine so nah stand, wandte sie sich irgendwann panisch an Christine.

CHRISTINE: Okay, lass uns mal kurz durchatmen. Das wird sich legen. Du bist jung. Es ist keine große Sache. Aber dann wurde es immer schlimmer und schlimmer und schlimmer. Also haben wir versucht, es bei der Polizei zu melden. Ich war also irgendwie involviert, habe meiner Zwillingsschwester geholfen, mit der Polizei zu kommunizieren, recherchiert. Zu diesem Zeitpunkt war ich im Jura-Studium oder kurz davor, also – ich war noch keine Profi, aber ich war ein bisschen besser ausgerüstet, um zu recherchieren, Leute zu kontaktieren. So bin ich anfangs reingerutscht – ich wollte einfach meiner Schwester helfen, mit dieser schrecklichen Sache umzugehen.

JACK: Sie mussten sich hinsetzen und erstmal verstehen, wie diese Webseiten überhaupt funktionieren. Und es war für die Schwestern wirklich heftig, sich dafür auf 4chan herumzutreiben, dieser Ort ist einfach grauenhaft.

Die Menge an Gewaltdarstellungen und Pornografie, die sie gesehen haben müssen, hat wahrscheinlich für immer Narben hinterlassen. Es ist ein echt hässlicher Ort. Es ist die Unterwelt des Internets, und sie waren da unterwegs, um die Moderatoren zu finden, fragten sich, warum Beiträge nach einer Weile verschwinden. Wo gehen die hin? Kann man andere Nutzer hier anschreiben? Kann man die Seite bitten, Beiträge zu entfernen? Was ist das für eine merkwürdige Sprache, die die Leute benutzen – Sauce, Winds, Sage? Welche anderen Seiten greifen diese Inhalte ab, hören mit, beobachten, archivieren? Und wie bringt man diese Seiten dazu, Fotos zu entfernen? Hat das alles irgendwelche rechtlichen Konsequenzen? Während Christine das intensiv erforschte, machten Madison und ihr Freund einen Trip in die Florida Keys. Die Florida Keys sind ja für ihre wunderschönen Sonnenuntergänge bekannt, und Madison war am Strand und schaute sich so einen wunderschönen Sonnenuntergang an. Sie zückte ihr Handy und machte ein Foto davon. Sie postete es auf Snapchat und bekam fast augenblicklich eine SMS von einem Fremden auf ihr Handy.

Der Täter ist näher als gedacht

MADISON: Ich bekam eine Nachricht: „Was für ein wunderschöner Sonnenuntergang, den du gerade gesehen hast. Ich hoffe, du hast Spaß in den Keys mit Jeff" – meinem damaligen Freund.

JACK: Was soll das, warum wird sie nicht in Ruhe gelassen und belästigt? Lasst Leute einfach ihren Urlaub genießen, ohne ihnen hinterherzuschleichen. Das hat Madison jedenfalls erschüttert. Sie war völlig durch den Wind. Wer beobachtet ihren Snapchat so genau? Moment mal, das ist eine gute Frage. Wer beobachtet ihren Snapchat?

MADISON: Bei Snapchat sieht man ja, wer die Bilder angesehen hat. Also bin ich sofort auf Snapchat gegangen und habe einen Screenshot von den Leuten gemacht, die das Foto gesehen hatten. Ich dachte: Es muss einer von denen sein – zu dem Zeitpunkt hatten wahrscheinlich 35 Leute es gesehen. Das waren nicht viele Leute, aber eben auch nicht nur eine Person. Also habe ich sofort einen Screenshot gemacht und das mal in der Hinterhand behalten.

JACK: Okay, ein guter Hinweis, denn das schränkt es wirklich ein. Die Belästigung ging nun schon so lange, dass sie ihre Social-Media-Konten auf privat gestellt hatte. Nur Leute, die sie kannte, durften die Fotos sehen, die sie postete. Ihr Belästiger könnte also jemand sein, den sie kannte?

MADISON: Diese 35 Leute waren zu diesem Zeitpunkt meine Verdächtigen, und das war wahrscheinlich vier oder fünf zwei Jahre nach Beginn der Belästigung. Es lief schon eine ganze Weile.

JACK: Zwei Jahre.

MADISON: Ja.

JACK: Zwei Jahre. Oh mein Gott. Wir haben noch nicht mal richtig angefangen, und schon zwei Jahre. Das ist so furchtbar.

MADISON: Ja.

JACK: Zwei Jahre Belästigung. Ich dachte, wir sind erst’n paar Monate drin.

MADISON: Nein.

JACK: So lange so übel belästigt zu werden, das zermürbt einen Menschen. Es ist harte Arbeit, sich durch 4chan zu wühlen oder zu versuchen, die einzelnen Punkte zu verbinden – nichts, was man im Urlaub machen will. Man will sich davon entfernen, nicht den Dreck aufsammeln und daran schnuppern. Sie schickte die Information also an ihre Schwester und versuchte wirklich, sich davon nicht runterziehen zu lassen, aber die belästigenden Beiträge und SMS kamen einfach immer weiter, und immer mehr. Wer auch immer das war, postete weiter auf all diesen Webseiten dieselben Nip-Slip-Fotos und ihre Kontaktdaten, und Leute riefen sie an und schrieben ihr Nachrichten.

MADISON: Ja, und irgendwann legte er nochmal eine Schippe drauf und gab meine Privatadresse heraus, die Social-Media-Profile meiner Eltern, die meiner Schwester und weitere Informationen. Das war ungefähr zur gleichen Zeit wie die Sache in den Keys, vielleicht in derselben Woche oder kurz danach. Er hatte eine Collage aus Fotos und Informationen zusammengestellt – ein paar Nacktfotos von mir, Facebook- und LinkedIn-Profilbilder von mir, meiner Familie, alle ihre Daten unter dem Foto von mir und meiner Familie, meine Privatadresse und verschiedene andere Informationen. Zu dieser Zeit drehte er definitiv auf und langweilte sich wahrscheinlich mit dem, was er vorher gemacht hatte. Meine Privatadresse da draußen zu wissen, war definitiv sehr beängstigend – wenn man weiß, wie viele Leute auf diesen Seiten unschuldige Frauen und Kinder belästigen und ihnen schaden wollen. Das war ein zusätzlicher Angstfaktor.

JACK: Das hat sie natürlich tief erschüttert. Es lähmt einen. Wie soll man sich auf die Arbeit konzentrieren, wenn ständig SMS reinkommen? Wie soll man sich zu Hause entspannen, wenn das Telefon ständig klingelt? Sie bat ihren Freund um Hilfe, und er ging der Sache nach – er stieg sogar ziemlich tief in die Ermittlung ein.

Der Ex-Freund gießt Öl ins Feuer

MADISON: Ich glaube, irgendwann – und wir wissen es eigentlich nicht – ich habe nie wirklich verstanden, was er da gemacht hat, aber irgendwann hat er angeblich versucht, beim IT-Aspekt zu helfen, IP-Adressen aufzuspüren und so. Ich glaube, er hat irgendwie angefangen mit dem Täter zu kommmunizieren und hat mit ihm hin und her geschrieben über E-Mails – das weiß ich definitiv, dass sie sich E-Mails geschrieben haben. Ich glaube, irgendwann – als er und ich uns trennten, aus mehreren Gründen, nicht nur wegen dieser Sache – könnte er einfach gedacht haben: Scheiß drauf, ich schicke ihm einfach noch ein paar zusätzliche Fotos von Madison. Er hat auch ein paar Fotos von meiner Schwester aus einem Fotoshooting geschickt. In dieser Zeit hat er die Situation also – sozusagen Öl ins Feuer gegossen – und alles tausendmal schlimmer gemacht.

JACK: Was zur Hölle? Ihr Freund hat den Typen, der das tat, ausfindig gemacht und ihm noch mehr Fotos gegeben? Was? Okay, ja – wir haben vorher über Nip-Slips gesprochen. Worüber reden wir jetzt?

MADISON: Es war sehr explizites Material. Wir waren in einer Fernbeziehung, also hatte er ein ganzes Arsenal an Sachen aus Videochats zwischen ihm und mir. Sehr explizit – komplette Vagina, ganzer Körper, alles, Videos und Fotos. Es waren also nicht mal nur Fotos.

JACK: Nicht gut. Das war der Stoff, der jetzt immer und immer wieder gepostet wurde, ohne Pause. Sie wusste, dass ihr Freund – jetzt Ex-Freund – derjenige sein musste, der das geleakt hatte, weil er der Einzige war, der diese Bilder und Videos hatte. Zwischen ihnen lief es nicht gut. Es lief sogar richtig schlecht, also war es möglich, dass er das aus Verletzung getan hatte. Aber Moment – die Nacktfotos ihrer Schwester waren auch dabei. Was geht da ab? Wie ist er an die gekommen? Christine, welches Foto hat er von dir gepostet?

CHRISTINE: Es gab ein Foto, von dem ich nicht mal wusste, dass es existiert. Es war ein angedeutetes Boudoir-Fotoshooting.

JACK: Okay, da waren also ein paar Nacktfotos von Christine, und diese Fotos brauchen einen Moment Erklärung, aber das ist es wert . Bei angedeuteten Boudoir-Fotos gibt es keine Nacktheit. Alles ist bedeckt. Das ist der „angedeutete" Teil. Es ist neckisch, es ist anregend, aber es werden keine intimen Körperteile gezeigt. Christine hat die Fotos von dem Shooting, und es waren einfach keine Nacktfotos dabei. Hinzu kommt, dass sie nie irgendwelche Fotos aus diesem Boudoir-Shooting öffentlich geteilt hatte, nichts davon in Social Media gepostet hatte – aber es gab Nacktfotos von ihr aus genau diesem Shooting im Internet. Wie ist das passiert? Inzwischen hatte Christine Dana geheiratet.

DANA: Ich war grob im Bilde, was vor sich ging – die beiden haben das größtenteils unter sich geregelt. Ich meine in so einer Situation gilt ja: Je weniger Leute davon wissen, desto besser. Man kann ja niemandem trauen. Ich hab die dann erstmal machen lassen, aber dann natürlich, als mitbekommen habe, dass die Nacktfotos meiner eigenen Frau online sind, hat das doch sehr meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Un da habe ich angefangen, mich da reinzuhängen. Es fühlte sich zwar falsch an, mich überhaupt damit zu beschäftigen, ich mein es geht um Nacktfotos meiner Schwägerin. Dann noch diese Website, sind einfach schreckliche Orte. Man fühlt sich ja schon komisch, allein wenn man sie anschaut. Aber als Christine im Internet auftauchte und wir wussten, dass das von irgendwem ausgeht, habe ich entschieden, dass das aufhören muss und ich alle Fähigkeiten einsetzen würde, die ich habe, um das hinzubekommen.

JACK: Okay, ein neuer Verbündeter tritt dem Kampf bei – Dana, der Pilot. Erstmal denkt er: Moment, woher kommen diese Fotos? Wie konnte der Unbekannte sie bekommen?

DANA: Bei diesen Shootings machen Fotograf*innen so um die 2.000 Bilder in einer Stunde, und wenn man die alle in ein Bildbetrachtungsprogramm lädt und durchscrollt, ist es im Grunde wie ein Video mit niedriger Bildrate. Die fotografieren ja ständig, mehrere Bilder pro Sekunde. Wenn man die zusammensetzt, ist es fast wie ein Video. Wenn die Model dann ihre Position ändern – also Frauen ihre Brüste mit den Armen verdecken oder was auch immer sie tun bei solchen andeutenden Boudoir-Shootings – irgendwann wechselt man die Position, dreht sich in einem bestimmten Winkel, und plötzlich ist die Brustwarze zu sehen. Was der damalige Freund gemacht hat...

CHRISTINE: Ja, wir nennen die Nip-Slips.

DANA: Also was der Freund gemacht hat: Er ist 1.200 Fotos auf einer CD von meiner Frau durchgegangen und hat die zwei Frames rausgepickt, in denen eine Brustwarze zu sehen war. Er hat sie gefunden, gespeichert und dem Typen geschickt.

JACK: Mann, das ist viel Arbeit – Hunderte von Fotos durchzugehen, um die ein oder zwei mit einem Nip-Slip zu finden. Aber trotzdem – diese Fotos waren auf einer CD in einer Kiste im Haus ihrer Eltern, vermischt mit anderen Fotos von Madison. Christine wusste nicht mal, dass diese Nip-Slips drin waren. Wie ist er also an die Fotos gekommen? Nun, wie ihr vielleicht wisst, sind Fotos auf einer CD ziemlich umständlich zu handhaben. Unsere Laptops und Handys haben keinen Schlitz mehr für CDs. Vor einer Weile ist Madison also einfach diese Kiste durchgegangen, hat einen Stapel CDs genommen und sie auf Dropbox kopiert, um leichter darauf zugreifen zu können. Und Madisons Freund hat sich irgendwie Zugang zu ihrer Dropbox verschafft und sich diese Fotos ihrer Schwester Christine angesehen – wo er diese Nip-Slips fand und hat sie dann diesem Typen, ihren Belästiger, geschickt. Was für ein riesiges Problem, mit dem sie sich jetzt auseinandersetzen müssen. Versteht das bitte: Dass Christines Nacktfotos so im Internet landen, ist das Unwahrscheinlichste, was passieren konnte. Sie hat ja keine Nacktfotos.

Die Tatsache, dass ein paar versehentlich aufgenommene Bilder, von denen sie nicht mal wusste, dass sie existierten, in einer Kiste im Haus ihrer Eltern – sogar offline – irgendwie auf einer Revenge-Porn-Seite landeten, ist so unfaur.

Manche Leute machen in solchen Situationen gerne den Opfern Vorwürfe - Victim-Blaming; ach, du, du schmutziges Mädchen, du, das hast du davon, wenn du Nacktfotos machst. Mit der Einstellung kannst du dich mal richtig gehackt legen.

Christine ist eine gute Person, und wenn so etwas Leuten passieren kann, die alles richtig gemacht haben, dann ist das ganz klar nicht die Schuld des Opfers. Wir sollten ihr und anderen Menschen in dieser Situation helfen, statt ihnen die Schuld zu geben.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Mindestens einmal im Monat schreibt mir ein Typ ne E-Mail und erzählt mir, dass er in einer ähnlichen Situation steckt. Er hat ne Frau online kennengelernt, es ging heiß her, er schickte ihr’n Dick-Pic, es stellte sich aber raus, dass sie eigentlich ein Mann war und nur auf etwas aus war, um ihn damit zu erpressen. Jetzt fragt er mich: Was soll ich tun? Sie wollen, dass ich 500 Dollar zahle, sonst schicken sie mein Nacktfoto an meinen Chef.

Und wisst ihr was? Mit ihm habe ich auch Mitgefühl, denn die Person, die sein Dick-Pic als Lösegeld festhält, bricht einfach das Gesetz. Sie betrügen ihn, erpressen ihn, belästigen ihn, und das gefällt mir nicht. Mir gefällt es nicht, wenn Belästiger mit ihrem Mist davonkommen, egal, wer das Opfer ist. Das Opfer ist irrelevant. Es ist der Kriminelle, der dafür beschuldigt und bestraft werden sollte.

Sorry, bin etwas vom Thema abgekommen. Online-Belästigung ist'n sensibles Thema für mich. Ich habe das Gefühl, dass es völlig außer Kontrolle geraten ist. Jeden Tag gehe ich online und sehe genau sowas, und jedes Mal ist das wie ein Stich ins Herz. Hört auf, Leute zu belästigen, okay? Wir können so viel Besseres mit unserer Zeit anfangen.

Wenn du ein Belästiger bist, hör auf damit. Und ist mir egal, wenn du glaubst, dass dein Verhalten gerechtfertigt ist. Hör einfach auf. Finde einen Weg, das Leben eines anderen positiv zu beeinflussen, nicht negativ. Lass es sein. Lasst uns versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, nicht zu einem schlechteren.

Scham und Sprachlosigkeit

MADISON: Wir haben es vor unseren Eltern verheimlicht, und nicht, weil unsere Eltern – sie sind super hilfsbereite Eltern. Wir kommen nicht aus einer streng katholischen Familie, die uns verstoßen oder ins Internat schicken würde. Aber es war einfach dieser Peinlichkeitsfaktor – wir sind, oder wir denken gerne, dass wir gebildete, kluge Frauen sind, und irgendwie sind wir in diese Situation geraten.

JACK: Ja, und ich kann mir auch nicht vorstellen, meinem Vater zu zeigen, was da draußen vor sich geht. Das wäre wohl die schrecklichste Erfahrung überhaupt.

MADISON: Genau. Egal, wie cool deine Eltern sind, das ist einfach kein Gespräch, das du mit ihnen führen willst.

JACK: Wie haben sie es dann erfahren?

MADISON: Sie haben es eigentlich gemerkt, als sie unaufgeforderte Bilder von mir bekamen. Ich glaube, von meiner Schwester nie, aber definitiv von mir. Aber sie haben das einfach gelöscht, weil sie nicht wussten, wie ernst die Lage war, weil wir es ihnen ja nicht gesagt hatten. Mein Vater meinte nur: Ja, ich habe die paar Sachen, die sie mir geschickt haben, einfach gelöscht, weil es so unangenehm war. Das hat er uns am Anfang gar nicht erzählt.

JACK: Mann, wie schrecklich muss das gewesen sein – als Elternteil zu sehen, dass dir jemand ein Nacktfoto deiner Tochter schickt. Aber dass Madison später erfahren musste, dass ihre Eltern es schon gesehen hatten, sich aber zu sehr, ja, schämten, etwas dazu zu sagen? Was für eine chaotische Situation für alle Beteiligten.

Okay, also Madison und Christine haben jetzt diesen dampfenden Haufen Mist, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen.

MADISON: Ja, und es war einfach – ich glaube nicht, dass – darf ich sagen, dass es scheiße war?

JACK: Ja, leg los.

MADISON: Okay. Ich war so – ich kann fließender sprechen, wenn ich sagen kann, was mir auf der Zunge liegt.

JACK: Auf jeden Fall. Ich denke, diese Folge ist von Anfang an als FSK 16 oder höher eingestuft.

MADISON: Ja, also – zu diesem Zeitpunkt waren Christine, Dana und ich ziemlich gut darin geworden, im Dark Web rumzuschnüffeln, Informationen über uns selbst zu finden, um Take-Downs zu machen und Dinge aufzuräumen. Wir hatten also erfolgreich herausgefunden, wie man Bilder von diesen Webseiten entfernen lässt, und wir machten das ziemlich schnell.

JACK: Auf welche Art, mit welcher Sprache sozusagen sagt ihr: Ey, ich will das entfernt haben?

MADISON: DMCAs ist das Fachwort.

JACK: Das ist interessant, oder? Die meisten Nacktbilder, die so geleakt werden, sind Selfies, und die Sache ist: Wenn du das Foto gemacht hast, hast du automatisch das Urheberrecht daran. Du musst es nicht beim Urheberrechtsamt registrieren oder so. Es ist automatisch dein urheberrechtlich geschütztes Werk. Wenn jemand also ohne deine Erlaubnis ein Foto verwendet, das du gemacht hast, ist das eine Urheberrechtsverletzung. Also klopft auf das Schild. Zeigt auf das Gesetz und sagt: Hey, es ist illegal, das ohne meine Erlaubnis zu posten. Nehmt es runter. Viele Seiten tun das dann. Natürlich war es eine große Hilfe, dass Christine Jura studierte und das wusste, und sie wollte dabei besonders vorsichtig und sicher sein, dass sie dabei mit beiden Beinen auf dem Boden des Gesetzes steht, und das Gesetz also auf ihrer Seite war. Sie sprachen sie mit dem Fotografen, der ihre Fotos gemacht hatte, ob sie das Urheberrecht der Bilder auf sie übertragen lassen können. Das ging klar. Dann ging sie also zum US-Urheberrechtsamt, um sich das Urheberrecht an ihren Nip-Slips übertragen zu lassen, einfach, um über mehr Autorität zu verfügen, die Bilder entfernen zu lassen.

MADISON: In dieser Zeit hatte ich mehrere Arbeitgeber, weil sich das Ganze über einen Zeitraum von acht oder neun Jahren erstreckt hat. Manager wurden in meinem Namen angerufen und belästigt. Sie sahen also bei LinkedIn oder Facebook, wo ich arbeitete, und riefen meinen damaligen Chef an und belästigten ihn und fragten: Wissen Sie, was über sie im Internet steht? Die typische Belästigung, nur an meine damaligen Chefs gerichtet.

JACK: Das... das, ich fass es nicht. Es ist so gruselig, weil es kein Entkommen gibt, oder? Egal, wo du hingehst. Du fährst in den Urlaub – du wirst im Urlaub belästigt. Du gehst zur Arbeit – du wirst auf der Arbeit belästigt. Zu Hause – du wirst zu Hause belästigt.

MADISON: Mhm. Wir haben es schließlich unseren Eltern erzählt, weil Christine und ich eines Tages zusammenbrachen und einfach losheulten und mit unseren Eltern dann darüber gesprochen haben.

JACK: Was hat den Zusammenbruch ausgelöst? Einfach, weil es nonstop war?

MADISON: Ja, ich glaube, es war einfach nonstop und wir haben unser Bestes gegeben, und – die Emotionen kochten hoch. Das Stresslevel war hoch.

JACK: Als du es deinen Eltern gesagt hast, fühlte es sich an – sie wussten nicht – du wusstest nicht, dass sie es wussten.

MADISON: Nein, sie wussten es bis zu einem gewissen Grad, aber sie hatten keine Ahnung, wie schlimm es war, weil sie nur das gesehen hatten, was ihnen zugeschickt wurde. Sie wussten nicht, wie schlimm es tatsächlich war.

JACK: Ja, ich stell’s mir gerade vor, wie – oh mein Gott, das ist also losgegangen, und sie sagten dann: „Ja, wir haben Nachrichten bekommen und wir haben uns damit nicht wohl gefühlt, mit dir darüber zu reden.“

MADISON: Ja, genau.

JACK: So ist das Gespräch verlaufen. Oh mein Gott.

MADISON: Ja, und dann, abgesehen davon...

JACK: Das macht es nur schlimmer, oder? Weil du schon kurz vor dem Zusammenbruch bist und dann denkst: Was? Du hast es auch gesehen? Sie wissen, dass du – ahh. Es wird immer - nicht besser.

MADISON: Ja, nein. Überhaupt nicht.

JACK: Da Christine ja Anwältin ist, wollte sie natürlich das Rechtssystem nutzen, um das zu klären.

CHRISTINE: Ich helfe – also, meine Schwester ging in die Sheriff-Abteilung in Melbourne, Florida, und wurde abgewimmelt. Das ist auch ungefähr die Zeit, in der das Florida-Gesetz gegen einvernehmenslose Pornografie in Kraft tritt. Es ist also nicht nur Belästigung, Stalking, eine Bundesstraftat – es ist zu diesem Zeitpunkt tatsächlich illegal im Bundesstaat Florida, genau das. Wenn man das Gesetz liest, ist es – in Laienbegriffen – absolut für genau diese Situation gemacht.

Sie wird also abgewimmelt, und ich denke: Das ist Schwachsinn. Also werde ich Informationen für sie zusammenstellen. Ich werde das Gesetz für euch ausdrucken. Ich wohnte zu der Zeit nicht in ihrer Nähe, aber ich versuchte, eines Tages mit ihr dort hineinzugehen, als ich in der Stadt war. Aber ich glaube, es war ein Wochenende oder ein Feiertag, und diese Abteilung hatte einfach nicht geöffnet. Also sagte ich: Ich hinterlasse euch diesen Ordner. Du gehst da rein und sorgst dafür, dass dir jemand zuhört. Letztendlich ging sie hinein, und sie hörten ihr wieder nicht zu. Ich erinnere mich, dass ich ihnen danach eine E-Mail schickte und sagte: Hey, ich würde mich freuen, herzukommen und – euren Beamten Schulungen zu diesem neuen Gesetz zu geben. Eure Beamten verstehen das Gesetz offensichtlich nicht. Bitte sorgt für Schulungen. Ich bin eine frisch vereidigte Anwältin, die euch und euren Beamten gerne mit diesem neuen Gesetz helfen würde. Diese E-Mail hat ihnen nicht gefallen, und sie versicherten mir, dass ihre Beamten geschult seien und ihre Arbeit machten.

JACK: Oh, wie frustrierend. Als sie sagte, Madison sei abgewimmelt worden – die Polizei hat nicht mal ihren Namen oder irgendwelche Informationen über die Verbrechen aufgenommen, die sie meldete. Es klang, als ob es ihnen absolut egal war. Aber diese Schwestern waren zäh und klug und ließen sich kein „Nein" als Antwort geben. Hier endet Teil I, seid in der kommenden Woche auch dabei, wenn die Schwestern anfangen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Diese Episode wurde im englischen Original von Jack Rhysider erstellt. Den Text haben Marko Pauli und Isabel Grünewald übersetzt und gesprochen. 

Produktion: Marko Pauli   

Titelmusik: Breakmaster Cylinder 

Dies sind die Darknet Diaries auf Deutsch von Heise Online. 


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  1. https://darknetdiaries.com/episode/140/
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  • 02. Juni 2026 um 16:02

Red-Hat-Infostealer kommt auf mehr als 100.000 Downloads

Von Heise
redhat-Logo

(Bild: tomeqs/Shutterstock.com)

Die Managed Cloud Services von Red Hat waren das Ziel einer Lieferkettenattacke. Dahinter steckt ein Klon des npm-Wurms Mini Shai‑Hulud.

Ende Mai haben Cyberkriminelle in einer Lieferkettenattacke, die mittels eines Mini-Shai-Hulud-Klons erfolgte, bösartige Versionen von npm-Paketen verbreitet. Ziel der Malware, die sich selbst Miasma nennt, waren die Managed Cloud Services von Red Hat. Mittlerweile sind keine bösartigen Paketversionen mehr im Umlauf. Sicherheitsexperten raten dennoch dazu, die Credentials zu rotieren.

Miasma ist eine Variante des Shai-Hulud-Wurms. Sie brachte den Sicherheitsforschern von Socket zufolge [1] 96 bösartige Versionen von 32 npm-Paketen in Umlauf, die sich dem Namespace @redhat-cloud-services zuordnen lassen. Insgesamt gab es drei Angriffswellen, die sich jeweils auf kompromittierte Konten von Projekt-Maintainern zurückführen lassen.

Laut Red Hat wurden alle drei Wellen mittlerweile gestoppt [2]. Dabei betonte der Anbieter, dass die betroffenen Pakete ausschließlich für die interne Entwicklung bestimmt gewesen seien. Ein Einfluss auf Kundenumgebungen oder Produktivsysteme sei bislang nicht festgestellt worden.

Betroffene Pakete sind unter anderem @redhat-cloud-services/vulnerabilities-client, @redhat-cloud-services/tsc-transform-imports, @redhat-cloud-services/topological-inventory-client, @redhat-cloud-services/sources-client und @redhat-cloud-services/rule-components. OX Security hat nachgezählt, dass sie zusammen wöchentlich auf mehr als 100.000 Downloads [3] kommen.

Autogramm in der README.md

Miasma folgt dem klassischen Mini-Shai-Hulud-Schema: Die Malware nutzt gestohlene Credentials, um manipulierte npm-Pakete in der CI/CD-Lieferkette zu platzieren. Die saugen dann eine Vielzahl sensibler Informationen ab, darunter Zugangsdaten zu Amazon Web Services (AWS) sowie SSH-Schlüssel, Crypto-Wallets, npm- und GitHub-Tokens. Die gestohlenen Daten landen verschlüsselt in einem neuen GitHub-Repository, das die Malware anlegt. Von Miasma kompromittierte GitHub-Konten lassen sich an der Textzeile „Miasma : The Spreading Blight“ in der README.md [4] erkennen.

Der Cyberangriff von Miasma folgt dem Infektionsschema anderer Lieferkettenattacken, die unter der Eigenbezeichnung Mini Shai-Hulud laufen und es seit Ende April unter anderem auf npm-Pakete von SAP [5] und TanStack [6] abgesehen haben. Und er könnte mit der Cybergang TeamPCP in Verbindung stehen, die Mitte Mai den Quellcode des npm-Wurms Shai-Hulud auf GitHub veröffentlichte und parallel dazu zu einem Wettbewerb um den größten Supply-Chain-Angriff [7] aufrief. Kurz danach erschienen die ersten Klone, von denen einer kürzlich AntV [8] ins Visier nahm.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://socket.dev/supply-chain-attacks/red-hat-cloud-services-package-compromise
  2. https://access.redhat.com/security/supply-chain-attacks-NPM-packages
  3. https://www.ox.security/blog/new-npm-supply-chain-attack-redhat-cloud-services-compromised/
  4. https://github.com/search?q=Miasma%3A+The+Spreading+Blight&type=repositories&s=updated&o=desc
  5. https://www.heise.de/news/Boesartige-npm-Pakete-SAP-Software-kompromittiert-11280683.html
  6. https://www.heise.de/news/Supply-Chain-Angriff-auf-TanStack-42-Pakete-kompromittiert-11290715.html
  7. https://www.heise.de/news/npm-Wurm-Shai-Hulud-Angriff-der-Klone-11299094.html
  8. https://www.heise.de/news/Hunderte-boesartige-npm-Pakete-im-AntV-Oekosystem-entdeckt-11300242.html
  9. mailto:manuel.masiero@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 14:41

Juni-Patchday bei Samsung: Zahlreiche Sicherheitslücken gestopft

Von Heise
Ein Display, das ein Android-Logo zeigt

(Bild: Bk87 / Shutterstock.com)

Samsung hat sein Security-Bulletin für Juni 2026 veröffentlicht. Der Hersteller verteilt wichtige Sicherheitspatches für zahlreiche Galaxy-Geräte.

Samsung [1] hat sein Security-Bulletin für Juni 2026 veröffentlicht. Demzufolge verteilt der Hersteller in diesem Monat wichtige Sicherheitspatches für zahlreiche Galaxy-Smartphones. Die Aktualisierung dürfte nach und nach für alle Modelle bereitgestellt werden, die noch seitens des Herstellers unterstützt werden. Fünf der gestopften Sicherheitslücken stuft Samsung als „kritisch“ und 28 als „hoch“ ein.

Wie der Konzern auf seiner Webseite zu Sicherheitsupdates [2] schreibt, stammen viele der Patches von Google, die im Security-Bulletin für Juni 2026 aufgelistet [3] sind. Andere Patches betreffen nur Samsung-Geräte. Die Sicherheitslücken im Framework, Kernel und System gefährden Smartphones und Tablets mit Android 14, 15, 16 und 16 QPR2 [4] – letztere Android-Version liefert Samsung seit Mai mit One UI 8.5 [5] für viele Geräte aus.

Kritische Lücken

Durch die kritische Bluetooth-LE-Lücke (CVE-2026-0097) erhalten Angreifer etwa die Möglichkeit, lokale Rechte auszuweiten, ohne dass zusätzliche Ausführungsrechte erforderlich sind. Für die Ausnutzung ist keine Benutzerinteraktion erforderlich, heißt es.

Durch eine weitere adressierte Lücke (CVE-2026-21352) war unter anderem ein Schreibzugriff außerhalb des zulässigen Bereichs möglich, der zur Ausführung von beliebigem Code führen könnte. Die Ausnutzung dieser Schwachstelle erfordert jedoch eine Benutzerinteraktion, bei der das Opfer eine schädliche Datei öffnen muss.

Der Juni-Patch versorgt kompatible Galaxy-Modelle mit insgesamt 44 Fehlerbehebungen, während Modelle mit Exynos-Prozessoren einen zusätzlichen Patch von Samsung Semiconductor erhalten. Neben den seitens Google und Samsung Semiconductor ausgelieferten Patches stellt Samsung Mobile 11 bereit.

Die Updates sollten im Laufe der kommenden Tage auf vielen Galaxy-Geräten angeboten werden. Samsung erklärt ferner, dass die Verfügbarkeit von Sicherheitspatches je nach Region und Modell variieren könne. Updates im monatlichen Rhythmus erhalten bei Samsung zudem nur „wichtige Flaggschiff-Modelle“, während weitere Galaxy-Geräte nur quartalsweise versorgt werden – hierfür bietet Samsung auch eine Übersicht an [6].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11315093

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Samsung
  2. https://security.samsungmobile.com/securityUpdate.smsb
  3. https://www.heise.de/news/Patchday-18-kritische-Sicherheitsluecken-bedrohen-Android-14-15-16-11314546.html
  4. https://www.heise.de/news/Android-16-QPR2-Google-bringt-optimiertes-App-Theming-und-mehr-11100827.html
  5. https://www.heise.de/news/One-UI-8-5-fuer-Galaxy-S25-ist-fertig-Update-bringt-AirDrop-Support-und-mehr-11276947.html
  6. https://security.samsungmobile.com/workScope.smsb
  7. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  8. mailto:afl@heise.de

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  • 02. Juni 2026 um 12:19
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