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heise+ | Hörhilfe mit vollem Sound: Kleiner Lautsprecher kommt direkt aufs Trommelfell

Von Heise

Ein neues Hörgerät soll vollen Musikgenuss erlauben. Ein deutsches Start-up setzt dazu einen Piezolautsprecher aufs Trommelfell – das hat nicht nur Vorteile.

Ein neues Konzept für Hörgerätetechnik beruht auf einer winzigen linsenförmigen Silikonkapsel, die unmittelbar auf dem Trommelfell aufliegt und Schallvibrationen direkt überträgt. 50 Testnutzer leben mit dieser Technik bereits seit einem Jahr.

Die neuartige Technik der sogenannten Hörkontaktlinse [1] [1] überträgt Klänge mit mehr Obertönen und mit deutlich mehr tiefen Frequenzen, als klassische Hörgeräte es können. Damit kann der Träger oder die Trägerin nicht nur Gesprochenes verstehen, sondern auch Stimmen unterscheiden und musikalisch einen deutlich volleren Sound hören.

Testteilnehmer berichten von erfreulichen Hörerlebnissen. Wir erklären die Besonderheiten der neuen Technik und für wen sie geeignet ist. Ein Tonmeister berichtet, was er mit Hörkontaktlinsen auf seinen Trommelfellen erlebt hat.


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https://www.heise.de/-11292049

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  1. https://www.heise.de/hintergrund/Hoerkontaktlinse-uebertraegt-Klaenge-unverzerrt-6350930.html

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  • 06. Juli 2026 um 10:00

heise+ | Eve-Nachrüstset für smarte Rollos im Test: Automatisches Abschatten

Von Heise
Eve Motionblinds Upgrade Kit

Eve Motionblinds Upgrade Kit: Nützlich auch für kompaktere Rollos.

(Bild: Eve)

Besonders im Sommer ist es wichtig, Räume schattig zu halten. Über das Nachrüstset von Eve lassen sich Fensterrollos per Apple Home und Matter steuern.

Rollos sind die einfachste Möglichkeit, Schatten in Wohnräume zu bringen. Doch muss man diese auch 2026 händisch bedienen? Natürlich nicht. Auch bestehende Installationen lassen sich nachträglich smart machen. Unser Testgerät von Eve macht es möglich.

Sich morgens von Sonnenstrahlen im Gesicht wecken lassen und abends zum Sonnenuntergang das Fenster abdunkeln? Oder per Sprachbefehl das Fenster abschatten? All das geht mit automatisierten Rollos.

Doch montagefertige Komplettlösungen sind teuer. Nachrüstmotoren, etwa ein 2023 von Eve vorgestelltes Modell [6] [6], waren aber für viele schlanke Rollowellen aus dem Möbelhaus oder dem Baumarkt zu dick.


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https://www.heise.de/-11349244

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  1. https://www.heise.de/tests/Smart-Home-Aktoren-von-Wago-im-Test-Mit-16-Ampere-und-Matter-11302642.html
  2. https://www.heise.de/hintergrund/Alexa-Amazons-generative-KI-fuer-das-Smart-Home-ausprobiert-11280967.html
  3. https://www.heise.de/tests/Homey-Pro-Mini-im-Test-Lokale-Steuerzentrale-als-Home-Assistant-Alternative-11075572.html
  4. https://www.heise.de/ratgeber/Eigene-Matter-Geraete-bauen-Einstieg-mit-ESP-und-Arduino-11116697.html
  5. https://www.heise.de/tests/Ring-Doorbell-Plus-im-Test-Mehr-Cloud-Funktionen-vielleicht-bald-Biometrie-10640149.html
  6. https://www.heise.de/tests/Smarte-Rollos-Eve-MotionBlinds-im-Kurztest-7077076.html

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  • 06. Juli 2026 um 08:00

EU Inc.: Warum Gewerkschaften und Notare vor der neuen Rechtsform warnen

Von Telepolis
Eine Hand hält einen Stift und unterschreibt ein Dokument auf einem Schreibtisch.

(Bild: New Africa / Shutterstock.com)

Kein Mindestkapital, freier Sitz: Die geplante EU Inc. soll Gründungen erleichtern. Kritiker sehen darin jedoch ein Einfallstor für Lohndumping.

Pläne auf EU-Ebene, die Gründung einer "EU Inc." zu ermöglichen, sorgen für Aufregung. Das verwundert zunächst. Denn Unternehmensrecht und damit die Rahmenbedingungen zur Gründung von Unternehmen sind für die meisten Menschen wenig interessant.

Eckpunkte der Neuregelung sind eine vollständig digitale Gründung innerhalb von 48 Stunden, der Verzicht auf jegliche Mindestkapitalanforderungen und die Möglichkeit, den Firmensitz frei zu wählen – egal, wo der Betrieb arbeiten lässt.

Die vorgelegten Papiere gefährden jedoch Arbeitnehmerrechte: Die Neuerung soll es ermöglichen, Löhne nun indirekt durch Anteile am Unternehmen auszuzahlen. Und geringes Haftungskapital kann dazu führen, dass Beschäftigte bei Firmenschließung nicht mal mehr eine Abfindung einklagen können.

Löhne in Aktien statt Geld: Gewerkschaften kritisieren "EU Inc." scharf

Das Europäische Gewerkschaftsinstitut (ETUI) [1] kritisiert den "EU Inc."-Vorschlag der EU-Kommission scharf. Wurde für eine neue Gesellschaftsform anfangs geworben, um Unternehmensgründern den Start mit neuen Geschäftsideen zu erleichtern, ist im aktuellen Entwurf keine Rede mehr von einer Begrenzung.

"Entscheidend ist, dass ihr Umfang nicht auf Start-ups oder Scale-ups beschränkt ist, die laut Befürwortern schwer zu definieren sind. Im Gegenteil, nach dem aktuellen Vorschlag stünde sie jedem Unternehmen zur Verfügung, unabhängig von Sektor, Größe oder Alter", kritisieren die Arbeitsrechtsexperten.

Die Risiken verdeutlichen Ideen zu "Employee Stock Option Plans (ESOP)". Statt den Lohn auf ein Konto zu überweisen, können Unternehmen die Beschäftigten mit Firmenanteilen bezahlen.

Diese aktienbasierte Vergütung verschiebt das unternehmerische Risiko auf das Personal. Arbeitnehmer tragen somit das Verlustrisiko, ohne die gleichen Mitspracherechte wie klassische Aktionäre zu haben.

Gerade bei neu gegründeten Unternehmen ist der Börsenwert schwankend; die Optionspläne bieten Arbeitgebern die Möglichkeit, Löhne zu senken oder aufzustocken, ohne dass diese Praxis Mindestlohn- oder Tarifstandards verletzen würde, kritisiert das gewerkschaftliche Institut ETUI.

Firma in Schieflage: Warum Beschäftigte im Insolvenzfall leer ausgehen könnten

Die geplante Rechtsform "EU Inc." ermöglicht weiterhin die Gründung einer Firma, ohne dass ein vorgeschriebenes Mindeststammkapital erforderlich ist. Das kann für die Beschäftigten in Krisenzeiten zu einer großen Gefahr werden.

"Im Insolvenzfall fehlt es damit an jeder substanziellen Haftungsgrundlage, während die Haftungsbeschränkung uneingeschränkt bestehen bleibt. Dies birgt erhebliche Risiken, da wirtschaftliche Verluste auf Gläubiger, Beschäftigte und die Allgemeinheit verlagert werden können", kritisiert der DGB in einer Stellungnahme [2].

Ist kein Geld da, kann keine Abfindung nach dem Kündigungsschutzgesetz oder per Sozialplan durch den Betriebsrat durchgesetzt werden.

Der DGB sieht die Pläne deshalb als "Angriff auf Rechte der Beschäftigten" [3]. Die "EU Inc." könnte genutzt werden, um die Arbeitnehmermitbestimmung in Aufsichtsräten auszuhöhlen.

Denn nach dem Drittelbeteiligungsgesetz (DrittelbG) [4] können in Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten Vertreter der Belegschaft in den Aufsichtsrat gewählt werden; den Arbeitnehmern steht ein Drittel der Aufsichtsratsposten zu. Nach dem Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) [5] gilt dies paritätisch ab 2.000 Beschäftigten; hier steht den Arbeitnehmern die Hälfte der Aufsichtsratsposten zu.

Das könnten jetzt Manager aber mit den Neuerungen unterlaufen. Der DGB schreibt dazu:

"Problematisch an dem Gesetzesvorschlag ist u. a. die mögliche Aufspaltung zwischen Satzungssitz und der operativen Tätigkeit eines Unternehmens. So soll es einem Unternehmen ermöglicht werden, sich bewusst dafür zu entscheiden, sich in Mitgliedstaat A mit schwacher oder keiner Unternehmensmitbestimmung [6] zu registrieren, obwohl es tatsächlich in Mitgliedstaat B operiert. Die 'EU Inc.' könnte also genutzt werden, um das nationale kollektive Arbeitsrecht und hier insbesondere die Arbeitnehmermitbestimmung im Aufsichtsrat auszuhöhlen."

Delaware als Vorbild: Steueroase-Modell für die EU?

Die Strategie der EU-Kommission kritisiert Özlem Alev Demirel, Europaabgeordnete der Linkspartei. Denn der Entwurf nimmt sich einen Bundesstaat in den USA zum Vorbild. In einem Beitrag für die Zeitung nd [7] schreibt Demirel:

"Die 'Delaware Inc.', eine auf dem besonders kapitalfreundlichen Gesellschaftsrecht des US-Bundesstaates Delaware beruhende Unternehmensform, hat den Bundesstaat zur beliebtesten Steueroase in den USA gemacht. Aus diesem Grund sind mehr als die Hälfte der börsennotierten US-Unternehmen in Delaware gemeldet, meist allerdings als reine Briefkastenfirmen."

Davon profitieren Konzerne wie General Motors, McDonald's, Goldman Sachs oder Alphabet (Google). Der Bundesstaat lockt mit kapitalfreundlichen Vorgaben: unkomplizierte Firmengründung und wenig öffentliche Berichtspflichten, ergänzt um geringe Unternehmenssteuern.

Andere Bundesstaaten werden so unter Druck gesetzt, Steuern für Kapitaleigner weiter zu senken. Das scheint das Vorbild der EU-Kommission zu sein. Denn so wird die Wettbewerbslogik, die schon jetzt das Handeln der EU-Institutionen bestimmt, auf die Ebene des Unternehmensrechts ausgeweitet.

Soziale Standards und ökologische Auflagen werden nicht als schützenswerte Güter betrachtet, bemängelt die EU-Abgeordnete.

Notare schlagen Alarm: Zu wenig Schutz vor Identitätsdiebstahl und Strohmännern

Auch Notare üben Kritik.

"Der Gründungsprozess, den die EU-Kommission vorgeschlagen hat, ist anfälliger für Missbrauch und sieht nicht den gleichen Standard der öffentlichen Präventivkontrolle vor", sagt Milan Bayram, Hauptgeschäftsführer der Bundesnotarkammer, gegenüber der Deutschen Börse [8].

Die vorgesehene Kontrolle wird deutlich abgespeckt – etwa im Vergleich zur Online-Gründung einer GmbH hierzulande. Denn dabei prüfe der Notar bei einer Videokonferenz und durch Auslesen des Personalausweises, dass es sich um die richtige Person handelt.

"So kann der Notar ausschließen, dass ein Identitätsdiebstahl vorliegt, dass ein Strohmann eingesetzt wird oder Unbefugte ein E-ID-Gerät nutzen. Das ist bei der EU Inc. nicht gegeben", sagt Bayram.


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https://www.heise.de/-11354290

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  1. https://www.etui.org/publications/innovation-or-evasion-how-28th-regime-eu-inc-undermines-collective-rights-and-shifts
  2. https://www.dgb.de/fileadmin/download_center/Stellungnahmen/SN_DGB_EU_Inc_final_8.5.2026.pdf
  3. https://www.dgb.de/aktuelles/news/eu-inc-angriff-auf-rechte-der-beschaeftigten/
  4. https://www.gesetze-im-internet.de/drittelbg/BJNR097410004.html
  5. https://www.gesetze-im-internet.de/mitbestg/BJNR011530976.html
  6. https://www.dgb.de/politik/wirtschaft-und-transformation/mitbestimmung/#c5527
  7. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1200659.unternehmensrecht-in-der-eu-regime-frontalangriff-auf-beschaeftigte.html
  8. https://live.deutsche-boerse.com/nachrichten/Notare-warnen-vor-EU-Inc-Nicht-genug-Missbrauchsschutz-08b3657d-99f5-404e-be2b-8a6fc4b03486

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  • 06. Juli 2026 um 08:00

Europas Energiezukunft: Führt der Weg künftig über Griechenland?

Von Telepolis
Ölplattform mit Chevron-Logo

Ein Ölbohrplattform des US-Konzerns Chevron

(Bild: impromptuwitz/Shutterstock.com)

Griechenland könnte Europas neue Energiedrehscheibe werden. Ein Abkommen mit den USA wurde kaum beachtet. Doch warum blieben Vorkommen jahrzehntelang ungenutzt?

Unter dem Eindruck des beginnenden US-amerikanisch-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran und der Turbulenzen auf den internationalen Energiemärkten geriet ein Abkommen weitgehend aus dem Blickfeld der deutschen Öffentlichkeit. Dabei könnte das im Februar zwischen Griechenland und den Vereinigten Staaten geschlossene Energieabkommen [1] die europäische Energieversorgung langfristig prägen.

Griechenland und die Rückkehr zur Offshore-Exploration

Am 16. Februar 2026 unterzeichnete Griechenland vier Vereinbarungen zur [2] Kohlenwasserstoffexploration [3] mit dem US-Energiekonzern Chevron in Kooperation mit dem griechischen Unternehmen Helleniq Energy. Die Verträge umfassen Explorationsrechte in vier Offshore-Blöcken mit erheblichem Erdgaspotenzial südlich des Peloponnes und Kretas im östlichen Mittelmeer.

Das Konsortium aus Chevron und Helleniq Energy war dabei der einzige Bieter im Ausschreibungsverfahren. Gemäß den Bedingungen der Vereinbarung [4] wird das US-Unternehmen eine Beteiligung von 70 Prozent an der Konzession erwerben und die Rolle des Betreibers übernehmen, während das griechische Unternehmen einen vergleichsweise niedrigen Anteil von 30 Prozent behalten wird.

Mit den geplanten geophysikalischen und seismischen Untersuchungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 kehrt Griechenland nach mehr als vier Jahrzehnten zur groß angelegten Offshore-Kohlenwasserstoffexploration zurück.

Bereits im November hatte die griechische Regierung ein ähnliches Abkommen [5] mit ExxonMobil, Energean und Helleniq Energy für Block 2 im Ionischen Meer geschlossen. Dort werden erste Probebohrungen Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.

Der neue Energiekorridor nach Osteuropa

Die Vereinbarungen sind Teil einer umfassenderen energiepolitischen Neuausrichtung. Griechenland positioniert sich zunehmend als Energieknotenpunkt für Südosteuropa. Eine zentrale Rolle spielt dabei der sogenannte Vertikale Korridor [6].

Über dieses Netzwerk soll Erdgas – darunter auch Flüssigerdgas (LNG) aus den Vereinigten Staaten – von den griechischen LNG-Terminals in Alexandroupolis und Revithoussa über Bulgarien und Rumänien bis in die Ukraine und andere Märkte Mittel- und Osteuropas transportiert werden.

Die USA unterstützen diese Strategie ausdrücklich, da sie sowohl der Diversifizierung europäischer Energiequellen als auch der Erschließung neuer Absatzmärkte für amerikanisches LNG dient.

Europas Abschied von russischer Energie

Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Strategie der Europäischen Union, ihre Energieversorgung grundlegend umzustrukturieren. Mit dem im Mai 2025 vorgelegten REPowerEU-Fahrplan [7] verfolgt die EU das Ziel einer vollständigen energiewirtschaftlichen Abkopplung von Russland.

Im Januar dieses Jahres beschlossen die EU-Mitgliedstaaten endgültig ein Importverbot [8] für russisches Erdgas. Spätestens ab dem 1. November 2027 soll kein russisches Gas mehr in die Europäische Union eingeführt werden dürfen.

Für Deutschland bedeutet dies einen tiefgreifenden Wandel. Das industrielle Exportmodell der Bundesrepublik basierte über Jahrzehnte auf vergleichsweise günstiger Energie aus Russland. Die steigenden Energiekosten gelten als ein wesentlicher Faktor für die anhaltenden Probleme der deutschen Industrie. Vor diesem Hintergrund gewinnen neue Fördergebiete im Mittelmeerraum erheblich an Bedeutung.

Der lange Streit um die Rohstoffe der Ägäis

Dabei stellt sich die Frage, warum die griechischen Vorkommen nicht bereits früher erschlossen wurden. Weder die Regierung von Konstantinos Karamanlis zwischen 2004 und 2009 noch die Regierung von Giorgos Papandreou bis 2011 verfolgten öffentlich eine offensive Förderstrategie. Gleichzeitig entwickelte sich die Levante-Region zu einem neuen Zentrum der Erdgasförderung [9]. Israel fördert seit 2012 Erdgas aus Offshore-Feldern. Teile der dortigen Vorkommen reichen bis in die ausschließlichen Wirtschaftszonen Zyperns und Ägyptens.

Der Publizist Dirk Müller verweist in seinem Buch "Showdown" [10] auf die geopolitische Dimension dieser Entwicklung. Als der amerikanische Konzern Noble Energy 2011 [11] mit der Suche nach Erdgas vor der Küste Zyperns begann, entsandte die Türkei Kriegsschiffe in die Region.

Der damalige türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan machte deutlich, dass Ankara bereit sei, seine Ansprüche auf mögliche Energievorkommen notfalls auch militärisch zu verteidigen.

Die unerledigte Frage der Ausschließlichen Wirtschaftszonen

Nach Ansicht des griechisch-amerikanischen Ökonomieprofessors Theodore Kariotis [12] liegt der Kern des griechisch-türkischen Konflikts seit Jahrzehnten in den vermuteten Erdöl- und Erdgasvorkommen der Ägäis.

Im Zentrum steht die Frage der Abgrenzung des Festlandsockels und der Ausschließlichen Wirtschaftszonen. Nach dem Seerechtsübereinkommen [13] der Vereinten Nationen könnte Griechenland aufgrund seiner zahlreichen Inseln Anspruch auf große Teile der rohstoffreichen Meeresgebiete der Ägäis erheben.

Als Griechenland 1995 das Seerechtsübereinkommen ratifizierte, erklärte die türkische Regierung eine entsprechende Ausweitung griechischer Hoheitsrechte zum Casus Belli [14]. Der damalige griechische Industrieminister Evangelos Kouloumbis bezeichnete den Widerstand der Türkei wiederholt als das zentrale Hindernis für die Erschließung der Offshore-Vorkommen.

Die Geschichte der griechischen Kohlenwasserstoffexploration [15] reicht jedoch deutlich weiter zurück. Bereits während des Zweiten Weltkriegs förderte die deutsche Besatzungsmacht Erdöl in Griechenland zur Versorgung ihrer Militärfahrzeuge.

Im Jahr 1968 vergab die griechische Militärjunta Förderrechte auf einer Fläche von rund 60.000 Quadratkilometern an internationale Ölkonzerne wie British Petroleum, Exxon und Chevron. Die Konzessionen liefen über Zeiträume von bis zu 36 Jahren. Auch die Türkei vergab Ende der 1960er Jahre Explorationsrechte an ihre staatliche Erdölgesellschaft in mehreren Gebieten der Ägäis.

Warum wurde jahrzehntelang nicht gefördert?

Bemerkenswert ist, dass die griechisch-türkischen Spannungen allein nicht erklären können, weshalb die Förderung über Jahrzehnte ausblieb. Selbst südlich von Kreta, wo keine unmittelbaren Territorialkonflikte mit der Türkei bestehen, kam es nicht zu einer umfassenden Erschließung möglicher Vorkommen.

Eine mögliche Erklärung verweist auf die Dynamik der globalen Energiemärkte. Die Erschließung großer neuer Fördermengen könnte unter bestimmten Bedingungen zusätzlichen Druck auf die Weltmarktpreise ausüben. Gleichzeitig sind Offshore-Projekte mit hohen Investitionskosten verbunden und lohnen sich häufig erst bei dauerhaft hohen Energiepreisen.

Energie braucht militärische Kontrolle

Hinzu kommen militärische und geopolitische Faktoren. 2013 führten Griechenland, Israel und die Vereinigten Staaten gemeinsame Luft- und Seemanöver [16] zur Sicherung potenzieller Öl- und Gasplattformen im östlichen Mittelmeer durch. Gleichzeitig verstärkte auch Russland seine maritime Präsenz in der Region.

Die Frage der Ressourcenförderung ist damit unmittelbar mit der Frage der militärischen Kontrolle verbunden. Die Ausdehnung griechischer ausschließlicher Wirtschaftszonen würde umfangreiche Sicherungsmaßnahmen [17] erfordern: Kriegsschiffe mit großer Reichweite, maritime Überwachungssysteme, Aufklärungsflugzeuge und Satellitenkapazitäten. Ein erheblicher Teil möglicher Einnahmen aus der Rohstoffförderung müsste daher in die Kontrolle und Absicherung dieser Gebiete reinvestiert werden.

Die Ökonomisierung der Meere

Die Entstehung der ausschließlichen Wirtschaftszonen selbst verweist auf die enge Verbindung von Geopolitik und Ökonomie. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kontrollierten Staaten lediglich schmale Küstenstreifen. Erst mit der Entwicklung moderner Offshore-Technologien begannen die Staaten, ihre Ansprüche auf See auszuweiten.

Das Seerechtsübereinkommen von 1982 [18] schuf schließlich die Grundlage für die heutigen AWZs. Aus politökonomischer Perspektive bedeutete dies die Umwandlung großer Teile der Weltmeere in ökonomisch verwertbare Territorien.

Der aktuelle griechisch-amerikanische Deal steht somit nicht isoliert da. Er ist Teil einer umfassenderen Neuordnung der europäischen Energieversorgung, der Konkurrenz um Rohstoffe im östlichen Mittelmeer und der strategischen Auseinandersetzung um Einflusszonen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland, der Europäischen Union und regionalen Mächten wie der Türkei.

Zwei Nato-Staaten, zwei Energiepolitiken

Bemerkenswert ist dabei, dass Griechenland und die Türkei trotz ihrer Mitgliedschaft in der Nato zunehmend unterschiedliche energiepolitische Strategien verfolgen. Während Athen

seine Rolle als Partner amerikanischer und europäischer Energieinteressen ausbaut, verfolgt Ankara mit Projekten wie TurkStream [19] und einer eigenständigen Regionalpolitik stärker das Ziel energiepolitischer Eigenständigkeit.

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der griechischen Schuldenkrise, der Eingriffe von EU und Troika sowie des Aufstiegs von Syriza stellt sich damit erneut die Frage nach der wirtschaftlichen und politischen Souveränität des Landes. Die Kontrolle über Energieversorgung bedeutet stets auch Kontrolle über Infrastruktur, Handelsströme und sicherheitspolitische Räume. Der Fall Griechenlands zeigt, wie eng Energiepolitik, Geopolitik und militärische Macht miteinander verflochten sind.


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https://www.heise.de/-11349517

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  1. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energie-chevron-startet-die-gas-erkundung-vor-griechischen-inseln/100200753.html
  2. https://www.offshore-energy.biz/chevron-joins-helleniq-in-eastern-mediterranean-offshore-block/
  3. https://www.offshore-energy.biz/chevron-joins-helleniq-in-eastern-mediterranean-offshore-block/
  4. https://www.offshore-energy.biz/chevron-joins-helleniq-in-eastern-mediterranean-offshore-block/
  5. https://www.helleniqenergy.com/en/media/press-releases/new-era-hydrocarbon-exploration-greece-exxonmobil-farms-block-2
  6. https://www.trade.gov/market-intelligence/greece-energy-and-vertical-corridor-connects-us-lng-europe
  7. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/de/ip_25_1131/IP_25_1131_DE.pdf
  8. https://www.dw.com/de/eu-russland-gas-import-verbot-erdgas-gaslieferungen-ungarn-slowakei-ukraine-krieg-energie/a-75663206
  9. https://www.derstandard.at/story/1376534089547/griechenland-und-die-oelmilliarden
  10. https://www.amazon.de/Showdown-Kampf-Europa-unser-Geld/dp/3426276054
  11. https://www.derstandard.at/story/1376534089547/griechenland-und-die-oelmilliarden
  12. https://www.lunapark21.net/reichtum-und-fluch-der-energievorkommen-griechenland-und-die-ressourcenkontrolle-im-oestlichen-mittelmeer/
  13. https://www.un.org/depts/los/convention_agreements/convention_overview_convention.htm
  14. https://www.mfa.gr/en/foreign-policy/foreign-policy-issues/issues-of-greek-turkish-relations/territorial-sea-casus-belli/
  15. https://www.lunapark21.net/reichtum-und-fluch-der-energievorkommen-griechenland-und-die-ressourcenkontrolle-im-oestlichen-mittelmeer/
  16. https://hellenicnavy.gr/koini-askisi-ellados-israil-ipa-noble-dina/
  17. https://www.hudson.org/sites/default/files/researchattachments/attachment/1459/2015_03_us_policyandthe_strategic_relationshipof_greece_cyprusand_israel_power_shiftsinthe_eastern_mediterranean.pdf
  18. https://www.un.org/depts/los/convention_agreements/convention_overview_convention.htm
  19. https://www.telepolis.de/article/Syriens-Wiederaufbau-Das-Milliardenspiel-der-Maechte-11222661.html

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  • 06. Juli 2026 um 06:00

Video: Das passiert mit Social-Media-Accounts nach dem Tod

Von Heise

Wer möchte, dass die eigenen Accounts nach dem Tod verschwinden, muss selbst aktiv werden. Wie man richtig vorsorgt, erklären wir im Video.

Was passiert mit E-Mail-Konten, Social-Media-Profilen, Chats und privaten Fotos nach dem Tod? Sie werden vererbt. Das hat der Bundesgerichtshof 2018 in einem Urteil bestätigt. Die Mehrheit der Deutschen kümmert sich zu Lebzeiten aber kaum um ihren „Digitalen Nachlass“ – zum Nachteil der Angehörigen.

Wie kommen Hinterbliebene nun an Accounts und ihre Daten? Wie veranlasst man die Löschung von Nutzerkonten? Und wie sorgt man vor, damit die Liebsten nicht im Wirrwarr aus Formularen, Vollmachten und Erbscheinen versinken? Das erklären wir im Video.


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  • 05. Juli 2026 um 10:00

Störungsmeldung vom 05.07.2026 18:00

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone DSL

Details

Beginn
05.07.2026 18:00
Region
Mainz (06131)
Provider
Vodafone DSL
Zugangsart
VDSL

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  • 05. Juli 2026 um 18:00

Nato-Gipfel in Ankara: US-Druck auf Europas zersplitterte Rüstungsindustrie

Von Telepolis
Eine Flagge mit dem Nato-Symbol weht im Wind vor blauem Himmel.

(Bild: BearFotos / Shutterstock.com)

Die europäische Rüstungsindustrie stößt an ihre Kapazitätsgrenzen. Beim Nato-Gipfel in Ankara droht zudem neuer Streit um US-Sperren für KI.

Beim Nato-Gipfel in Ankara, der am 7. Juli 2026 beginnt, treffen zwei Spannungslinien aufeinander: Die europäischen Verbündeten geben zwar so viel für Verteidigung aus wie nie zuvor, aber sie können das Geld nicht schnell genug in einsatzbereite Waffen umwandeln.

Gleichzeitig hält US-Präsident Donald Trump ein neues Druckmittel in der Hand, um die Verbündeten auf Linie zu bringen: die Kontrolle über militärisch nutzbare KI-Modelle von US-Tech-Konzernen.

Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete [1] die Ausgabensteigerungen der europäischen Partner und Kanadas gegenüber dem Wall Street Journal (WSJ) als "Trump Trillion". Die Nato-Mitglieder (ohne die USA) erhöhten ihre Militärausgaben im vergangenen Jahr laut Nato um 20 Prozent auf 574 Milliarden Dollar.

Deutschland steigerte laut SIPRI um 24 Prozent auf 114 Milliarden Dollar und plant bis 2029 rund 161,8 Milliarden Euro – von derzeit rund 2 Prozent auf 3,5 Prozent des BIP. Trump schrieb dennoch auf Truth Social, die USA hätten "keinen Nutzen" von der Nato-Mitgliedschaft.

Kompatibilitäts-Krise: Warum mehr Geld die Panzer-Probleme nicht löst

Das Kernproblem formulierte Rutte nüchtern: "Wir erreichen im Grunde genommen die Grenze der Aufnahmekapazität". Mit anderen Worten: Die europäischen Nato-Länder stellen zwar Gelder zur Verfügung, aber die Produktionskapazitäten bleiben weit hinter den Wünschen zurück. Wohl auch deshalb bestellten die Europäer bei US-Firmen Waffen im Wert von rund 300 Milliarden US-Dollar.

Das hat dazu geführt, dass etwa die Preise für eine 155-mm-Artilleriegranate – eine der grundlegendsten Munitionsarten der Nato – deutlich gestiegen sind. Seit 2022 haben sie sich mehr als vervierfacht.

Reserve-Pläne verschärfen den Fachkräftemangel in Deutschland

Die begrenzten Kapazitäten der Industrie sind aber nur ein Engpass. Ein weiterer ist aus Nato-Sicht die fehlende Bereitschaft vieler Europäer, in den Streitkräften zu dienen.

Die Situation dürfte in den kommenden Jahren noch prekärer werden, denn durch den demografischen Wandel verschärft sich der Fachkräftemangel und damit auch die Konkurrenz zwischen Wirtschaft und den Streitkräften.

Schon heute warnen etwa DIHK und Arbeitgeberverbände in Deutschland [2], dass die neuen Regeln zum Aufbau einer militärischen Reserve den Fachkräftemangel verschärfen können. Sie wollen erreichen, dass Firmen die Teilnahme ihrer Beschäftigten an Wehrübungen ablehnen können.

Leopard 2, Abrams & Co.: Das Problem mit der Kompatibilität der Panzer

Matthew Whitaker, US-Botschafter bei der Nato, drängt auf eine weitere Zentralisierung der europäischen Rüstungsindustrie, die viel zu sehr zersplittert sei.

Das Wall Street Journal trug jetzt das Argument der vielen Panzermodelle vor, welche die Verteidigungsfähigkeit der Nato-Länder negativ beeinflussen würden. Das hatten zuvor auch Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik [3] betont, so etwa Jeannette zu Fürstenberg, Moritz Schularick, Nico Lange, René Obermann und Thomas Enders.

Militärexperten hatten aber entgegnet, dass nicht 14 Panzermodelle die europäischen Armeen dominieren, sondern fünf: Leopard 2, M1 Abrams, K2, Leclerc und Ariete. Und das Problem seien nicht die verschiedenen Modelle, sondern die vielen Varianten im Bereich Elektronik, Feuerleittechnik und Sensorik, die die Panzer der einzelnen Armeen wenig kompatibel zu den Modellen anderer Armeen machen.

Vor diesem Hintergrund betonte Whitaker gegenüber dem WSJ, dass es nicht darum gehe, einfach viel Geld auszugeben. "Letztendlich geht es um die Fähigkeiten, die mit diesen Ausgaben erworben werden."

Das begleitende Nato-Verteidigungsindustrieforum [4] soll am 7. Juli Aufträge und Kooperationsvereinbarungen im Milliardenwert bringen.

Anthropics "Claude Mythos" als geopolitischer Hebel

Parallel zur konventionellen Aufrüstung verschärft sich ein zweiter Konflikt, nämlich der über die Nutzung von fortschrittlichen KI-Systeme wie etwa Claude Mythos von Anthropic. Aber auch OpenAI hat neue Systeme angekündigt, die für Militär und Geheimdienste von Interesse sind.

Während US-Dienste die neuen Modelle testen, hat US-Präsident Donald Trump kürzlich Ausländern den Zugang zu ihnen verboten, auch die Verbündeten verärgerte [5]. Claude Mythos kann Sicherheitslücken schneller identifizieren als Menschen. Und diese Fähigkeiten können genutzt werden, um die eigene Sicherheit zu stärken oder auch um die Schwächen der Gegner auszunutzen.

Das britische AI Security Institute bestätigte [6] in Tests, dass Claude Mythos mehrstufige Angriffe auf Netzwerke durchführen kann. Das KI-Modell konnte autonom Schwachstellen finden und auszunutzen.

Deutschland und andere europäische Verbündete drängen seit April auf Zugang zu Claude Mythos. Die Trump-Regierung verhängte im Juni zunächst Exportkontrollen auf die cyberfähigsten Anthropic-Modelle, lockerte diese nach G7-Gesprächen aber teilweise wieder.

Um die Bedenken der Europäer hinsichtlich der KI-Nutzung zu zerstreuen, kündigte US-Senatorin Jeanne Shaheen an, am Gipfel teilnehmen zu wollen. Ob daraus in Ankara verbindliche Zusagen werden, bleibt allerdings offen: Wie Politico berichtet, gilt die KI-Frage intern als nicht konsensreif genug für offizielle Verhandlungen.


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  1. https://www.wsj.com/world/nato-is-fixing-its-cash-flow-problem-now-it-needs-to-turn-money-into-munitions-1440bd35
  2. https://www.heise.de/tp/article/Schluss-mit-freiwillig-Was-das-neue-Bundeswehr-Gesetz-fuer-Firmen-bedeutet-11350565.html
  3. https://www.heise.de/tp/article/EU-Panzerflotte-Warum-der-Panzerzoo-Mythos-in-die-Irre-fuehrt-11287065.html
  4. https://www.nato.int/en/news-and-events/events/event-programmes/2026/07/2026-ankara-nsdif
  5. https://www.politico.com/news/2026/07/04/ai-security-nato-access-00984758
  6. https://www.aisi.gov.uk/blog/our-evaluation-of-claude-mythos-previews-cyber-capabilities

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  • 05. Juli 2026 um 17:25

Ertrinken im Sommer: Warum Männer sterben und Kinder nicht schwimmen lernen

Von Telepolis
Junge Frau am Badestrand im Englischen Garten, München

Bild: Shutterstock.com

Immer mehr Menschen können nicht sicher schwimmen, Schwimmbäder verschwinden und riskantes Verhalten kostet Leben. Warum die Zahl der Badetoten wieder steigt.

Am Hitze-Wochenende Ende Juni 2026 ertranken in Deutschland 26 Menschen – ausnahmslos Männer. Schwimmbäder schließen, Kinder lernen nicht mehr schwimmen, und Eltern unterschätzen die Gefahren. Ein Überblick über ein wachsendes Problem.

An einem einzigen Wochenende Ende Juni 2026 starben in Deutschland 26 Menschen beim Baden – alle waren männlich. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zählte die Toten zwischen Freitag und Sonntag, wie Die Zeit [1] berichtete. Unter den Opfern waren mehrere Kinder. Schon in den Hitzetagen zuvor hatte es mindestens sieben weitere Todesfälle gegeben.

Dass ausschließlich Männer und Jungen ertranken, sei kein Zufall, so Michael Hohmann, Präsident des hessischen Landesverbands der DLRG: Selbstüberschätzung spiele eine zentrale Rolle (FAZ [2]). Hinzu kämen Alkohol und der Umstand, dass manche Nichtschwimmer sich aus Scham dennoch ins Wasser wagten.

Ertrinken geschieht lautlos

Im vergangenen Jahr ertranken laut DLRG [3] mindestens 393 Menschen in Deutschland, 82 Prozent davon waren Männer. Die meisten Unglücke ereigneten sich in Seen, Flüssen und Bächen.

Die Gefahren seien oft unsichtbar, warnt Michael Hohmann. Strömungen träten häufig erst fern vom Ufer auf. Hinzukommt der Temperaturunterschied zwischen bis zu 40 Grad heißer Luft und rund 25 Grad warmem Wasser, der Krämpfe sowie Kreislaufprobleme auslösen könne.

Ertrinken verläuft zudem meist lautlos. Betroffene hätten oft weder Kraft zum Schreien noch zum Winken, berichten Rettungsschwimmer. Häufig verhindere zusätzlich ein Stimmritzenkrampf jeden Hilferuf. Der Kopf tauche nur noch kurz auf und ab, bevor die Person untergehe, schildert ein Münchner Rettungsschwimmer der Welt [4]: "Bei diesem Verhalten dauert es nur noch ein paar Sekunden, bis eine Person einfach untergeht."

Besonders gefährdet seien ältere Menschen mit Vorerkrankungen, junge Männer und Nichtschwimmer – vor allem Kinder.

Handy am Beckenrand

Aus Freibädern wird zunehmend berichtet, dass kleine Kinder ohne Aufsicht im Wasser sind. Als Ursache wird häufig das Smartphone genannt.

DLRG-Präsident Hohmann spricht von einer "Vollkasko-Mentalität". Viele Eltern erwarteten, dass Bademeister die Aufsicht übernehmen würden. Das sei personell unmöglich.

Auch die KölnBäder [5] beobachten das. An einem sommerlichen Wochenende greife das Team im Stadionbad regelmäßig zehn bis fünfzehn Kinder ohne erkennbare Aufsicht auf. "In den allermeisten Fällen spielt dabei das Smartphone eine Rolle."

Ein Schwimmbad sei keine Betreuungseinrichtung, betont Sprecherin Judith Jussenhofen. In Einzelfällen müssten sogar Polizei oder Jugendamt eingeschaltet werden.

Seepferdchen reicht nicht

Bei Kindern ohne sichere Schwimmkenntnisse sollte die Aufsichtsperson höchstens eine Armlänge entfernt sein, fordert Hohmann.

Auch das Seepferdchen sei kein Freibrief, sagt Schwimmlehrerin Jui Grabisch gegenüber der Augsburger Allgemeinen [6]. Es bescheinige lediglich erste Wassergewöhnung. Als sicherer Schwimmer gelte ein Kind erst mit dem bronzenen Schwimmabzeichen.

Schwimmbäder schließen

Weniger Schwimmbäder bedeuten weniger Schwimmer. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind bereits 75 Bäder dauerhaft geschlossen [7]. 61 Prozent der Betreiber meldeten 2024 erhebliche Investitionsrückstände.

Laut DLRG sank die Zahl der Schwimmbäder bundesweit von rund 7.800 im Jahr 2000 auf heute etwa 6.000 [8]. Rund die Hälfte gilt als sanierungsbedürftig. Bleiben Investitionen aus, könnte in den kommenden drei Jahren etwa jedes siebte öffentliche Schwimmbad schließen, warnt DLRG-Sprecher Martin Holzhause.

Christian Kuhn von der Bäderallianz spricht von einer "desaströsen" Lage [9]. Der Sanierungsbedarf liege zwischen zehn und 20 Milliarden Euro.

Kinder lernen nicht mehr schwimmen

Die DLRG schätzt, dass sechs von zehn Grundschulkindern keine sicheren Schwimmer sind. Der Anteil der Nichtschwimmer habe sich in den vergangenen Jahren sogar verdoppelt.

Sportlehrer Andreas Wetterling [10] beobachtet seit der Schließung des Freibads in Bosenheim, dass deutlich weniger Kinder schwimmen können. Gleichzeitig fehlen vielerorts Lehrschwimmbecken. Wartelisten von sechs Monaten bis über einem Jahr sind keine Seltenheit.

Bund und Länder gefordert

Die Bäderallianz [11] fordert ein dauerhaftes Förderprogramm des Bundes mit einer Milliarde Euro jährlich. Niedersachsen investiert bereits wieder in Lehrschwimmbecken und stellt dafür in diesem Jahr 15 Millionen Euro bereit.

NRW-Innenministerin Daniela Behrens [12] bezeichnet eine funktionierende Schwimminfrastruktur als wichtigen Baustein für Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe.

Gefahren im Wasser

Die meisten tödlichen Unfälle ereignen sich an unbewachten Badestellen. Besonders gefährlich sind Flüsse wie Rhein oder Main.

Am Rhein kommen sogenannte Buhnen hinzu – Steinbauwerke, die unter Wasser kaum zu erkennen sind. Sie erzeugten einen lebensgefährlichen Sog und könnten selbst geübte Schwimmer nach unten ziehen, warnt Hohmann.

Hinzu kommt, dass viele ihre Kräfte überschätzen. Anders als im Freibad sind in Seen oder Flüssen oft mehr als 100 Meter bis zum Ufer zurückzulegen.

Was tun im Notfall?

Rettungsschwimmer empfehlen: Im Zweifel lieber einmal zu viel die 112 wählen als einmal zu wenig. Anschließend sollten andere Badegäste aufmerksam gemacht und vorhandene Rettungsmittel genutzt werden.

Von einem unüberlegten Sprung ins Wasser, um zur Rettung zu eilen, rät die DLRG ab. Es sind Strömungen zu beachten und Menschen in Panik könnten ihren Retter unter Wasser drücken.

Wer selbst einen Krampf bekommt, sollte sich auf den Rücken drehen, ruhig bleiben, möglichst wenig Kraft verbrauchen, damit man laut um Hilfe rufen kann.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-06/badetote-deutschland-dlrg-maenner-baden-gxe
  2. https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/bei-badeunfaellen-sterben-meist-maenner-accg-200989062.html
  3. https://www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/statistik-ertrinken/
  4. https://www.welt.de/gesundheit/plus6a20102e9d434f719fddf4b8/baden-im-sommer-ertrinken-sieht-ganz-anders-aus-als-im-film.html
  5. https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/panorama_nt/article6a49bc320b14ed961bb52404/handy-am-beckenrand-bademeister-ermahnen-eltern.html
  6. https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/seepferdchen-reicht-nicht-so-schuetzen-eltern-ihre-kinder-vorm-ertrinken-114619525
  7. https://www.sportschau.de/regional/swr/swr-kein-geld-kein-schwimmbad-keine-schwimmer-gefahr-fuer-kinder-waechst-100.html
  8. https://taz.de/DLRG-Praesidentin-Ute-Vogt/!6104440/
  9. https://www.sportschau.de/die-lage-unserer-baeder-ist-desastroes%2Chintergrund-baederallianz-100.html?utm_source=openai
  10. https://www.swr.de/sport/mehr-sport/schwimmbaeder-geschlossen-situation-rlp-bw-100.html
  11. https://www.tagesschau.de/inland/schwimmen-baeder-foerderung-100.html?utm_source=openai
  12. https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/fortsetzung-des-sportstatteninvestitionsprogramms-land-investiert-2026-weitere-25-millionen-euro-in-lehrschwimmbecken-und-vereinsgebundene-sportstatten-251209.html

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  • 05. Juli 2026 um 16:00

Sany e263: China-Gigant will europäische E-Lkw um 30 Prozent unterbieten

Von Telepolis
Sany-LKW vor China-Flagge, in der die Sterne mit Elektrizitäts-Blitz kombiniert sind

Der chinesische Hersteller Sany bringt den Elektro-Lkw e263 nach Europa. Dank Putzmeister-Service soll er hiesige Marken beim Preis massiv schlagen.

Ein chinesischer Gigant greift nach Europas Lkw-Markt – und verspricht, die hiesigen Hersteller um bis zu 30 Prozent zu unterbieten. Kein Wunder, dass immer mehr europäische Lkw-Nutzer für preisattraktive, innovative Elektro-Lkw nach Fernost schauen.

Der Blick gen Osten hat auch damit zu tun, dass die europäische Herstellerlandschaft dünner geworden ist: Iveco soll von Tata übernommen [1] werden und kooperiert mit Ford Trucks und der Ford Otosan, einem Joint Venture der Ford Motor Company mit der türkischen Koç Holding. Übrig geblieben sind so neben der zum Volkswagen-Konzern zählenden Traton Group nur noch Mercedes-Benz Trucks sowie die Volvo Trucks zusammen mit der französischen Renault Trucks.

Im Gegensatz zu Fernverkehrs-Lkw ist die Reichweite auch im Regional- und Verteilerverkehr kein Problem. 500 Kilometer pro Tag dürften mehr als genügen.

Ob jetzt deutsche Lkw-Hersteller auch im Bereich der Elektro-Sattelzugmaschinen mit Importzöllen geschützt werden müssen, damit sie nicht den Kürzeren ziehen, wird die Entwicklung der nächsten Monate zeigen.

Sany e263: Chinas Baumaschinen-Gigant greift an

Der chinesische Sany-Konzern, in der Rangliste Yellow Table von HKL auf Platz 6 [2] der weltweit größten Baumaschinenhersteller und europäischer Zentrale mit Entwicklung und Vertrieb in Bedburg, ist in Europa schon länger im Bereich der Baumaschinen aktiv. Er hatte im Jahre 2012 die deutsche Putzmeister-Gruppe übernommen, deren Wettbewerber Schwing im selben Jahr an die ebenfalls chinesische Firma XCMG verkauft wurde.

Der Hersteller aus dem chinesischen Changsha ist in Deutschland für seine Betonpumpen am bekanntesten, erweiterte sein Portfolio im Laufe der Jahre jedoch um weitere Produkte wie Bagger, Radlader oder Mobilkräne. Nun schickt er seine batterieelektrische Sattelzugmaschine "e263 4x2 [3]" ins Rennen. Die Auslieferung hat Berichten zufolge [4] schon begonnen.

Längst gehören in China aber auch Lastwagen zum Programm, wo Sany auf durchaus beeindruckende Zahlen verweisen kann. Über 21.000 Lkw mit batterieelektrischem Antrieb will man im vergangenen Jahr allein in China ausgeliefert haben und damit nach eigenen Angaben auf dem Heimatmarkt klar an der Spitze stehen.

Anders als bei anderen Lkw-Marken wie Superpanther oder Windrose, die sich bislang schon in Europa gezeigt haben, handelt es sich bei Sany also eher um einen Giganten als um ein Start-up.

Und der will sich künftig ein großes Stück vom Kuchen des europäischen Marktes der Elektro-Sattelzugmaschinen herausschneiden. Im Jahr 2025 lieferte Sany nach eigenen Angaben in China über 21.000 Elektro-Zugmaschinen aus, die Gesamtbetriebszahl erreichte 50.000 Fahrzeuge. Bisherige Zielländer waren Südamerika, Südafrika, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Thailand, Indonesien, Australien und Vietnam.

Das Modell mit dem etwas sperrigen Namen e263 4x2 gelangt als Komplettfahrzeug nach Europa. Die technischen Daten passen auf den ersten Blick gut ins Marktumfeld. Direkt an der Hinterachse positioniert finden sich zwei Elektromotoren, die gebündelt 420 kW Dauerleistung oder kurzzeitig sogar 730 kW an die Antriebsräder abgeben.

Zwischengeschaltet ist ein Zweigang-Getriebe, das seinen Platz an der von Sany selbst entwickelten E-Achse hat.

636-kWh-Batterie von EVE Energy: Die Technik des e263

Der verbaute Energiespeicher ist ein 636-kWh-Lithium-Eisenphosphat-Akku von Eve Energy mit einer nutzbaren Kapazität von 623 kWh, was einer Gesamtenergienutzungsrate von 98 Prozent entspricht.

Nach Angaben von Sany eTrucks liegt der Energieverbrauch des e263 bei einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen zwischen 0,9 und 1,2 kWh pro Kilometer, was mit vergleichbaren Modellen übereinstimmt. Hohe Werte verspricht Sany auch beim Nachladen der Akkus, das mit bis zu 400 Kilowatt an der CCS-Ladesäule erfolgt.

Putzmeister & Alltrucks: Das deutsche Werkstattnetz für den China-Lkw

Wie zu erwarten wird die Sparte Sany eTrucks von Putzmeister auf dem europäischen Markt unterstützt, die für die lokale Anpassung der Fahrzeuge und den Aufbau des Kundendienstnetzwerks verantwortlich zeichnet. Der e263 wird in Europa von der freien Kette "Alltrucks" mit europaweit rund 650 Werkstätten [5] gewartet und repariert, die mit chinesischen Anbietern durchaus erfahren ist. Und Sany kann bei der Ersatzteillogistik auf Putzmeister zurückgreifen.

Als Preis nennt Sany bislang noch keine konkreten Zahlen, verspricht aber, die hiesigen Anbieter von E-Lastwagen um bis zu 30 Prozent unterbieten zu wollen. Und vor diesem Hintergrund dürften manche, meist optische Schwächen weniger ins Gewicht fallen. Dazu zählt offensichtlich das selbst entwickelte und gefertigte Fahrerhaus. Seine Optik wirkt modern und hebt sich mit der komplett geschlossenen Front durchaus positiv aus der Masse der Lkw auf deutschen Straßen heraus.

Praxis-Check: Billiges Hartplastik, aber geniale analoge Bedienung

Als Kritikpunkte gelten der nachträglich unten angebrachte Stahlträger, der offensichtlich für die hiesigen Anforderungen der passiven Sicherheit benötigt wird, sowie die analogen Außenspiegel, die bei vielen Elektro-Lkw schon durch ein Kamerasystem ersetzt worden sind.

Auch das eher billig wirkende Hartplastik des Innenraums scheint noch nicht auf der Höhe seiner europäischen Wettbewerber angekommen zu sein.

Wichtiger als diese eher optischen Mängel dürften bei einem Nutzfahrzeug allerdings neben dem Preis die intuitive und sichere Bedienbarkeit sein und hier scheint der e263 durchaus Pluspunkte zu sammeln. Denn im Sany werden wichtige Funktionen, wie die Steuerung für Heizung/Lüftung oder die Differenzialsperre, noch über analoge und damit kinderleicht bedienbare Drehknöpfe beziehungsweise Schalter organisiert.

Am rechten Lenkstockhebel wird die Fahrtrichtung vorgegeben, bevor man den Taster der serienmäßig elektronisch gesteuerten Feststellbremse in der Mittelkonsole nach hinten drückt.


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  1. https://www.ivecogroup.com/media/corporate_press_releases/2026/may/iveco_group_2026_first_quarter_results
  2. https://www.constructionbriefing.com/news/yellow-table-2026-worlds-biggest-construction-oems-revealed-/8120453.article?zephr_sso_ott=0jHWIu
  3. https://de.wedoany.com/shortnews/211247.html
  4. https://www.electrive.com/2026/06/04/sany-delivers-long-haul-electric-trucks-in-europe/
  5. https://alltrucks.com/en/

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  • 05. Juli 2026 um 14:00

Nvidia-CEO: Jensen Huangs signierte Lederjacke wird versteigert

Von Oliver Nickel
Das Auktionshaus geht davon aus, dass die handsignierte Jacke des Nvidia-CEOs für mehr als 40.000 Euro verkauft wird.
Jensen Huang trug die auktionierte Jacke auf diversen Events. (Bild: Getty Images/I-Hwa Cheng)
Jensen Huang trug die auktionierte Jacke auf diversen Events. Bild: Getty Images/I-Hwa Cheng

Die schwarze Lederjacke ist mittlerweile ein Markenzeichen des Nvidia-CEO Jensen Huang geworden. Er trägt sie immer dann, wenn eine neue große Ankündigung auf der Bühne stattfindet. Besonders passionierte und vor allem wohlhabende Fans können sich ein Exemplar von Huangs Lederjacke ersteigern, die der CEO wohl selbst auch getragen hat.

Das Auktionshaus Sotheby's versteigert das Kleidungsstück als "The Jensen Jacket". Die Webseite schätzt, dass sie für etwa 40.000 bis 60.000 US-Dollar, umgerechnet etwa zehn Geforce RTX 5090 oder 40.000 Euro, verkauft wird. Laut Auktionsbeschreibung trug Jensen Huang diese Lederjacke mehr als zehn Jahre lang auf Events und zu Präsentationen auf der Bühne. Dieses spezielle Exemplar wurde zudem von Huang auf der Innenseite handsigniert.

Jacke von Tom Ford

Die Jacke selbst wurde größtenteils aus geschwärztem Leder gefertigt und stammt von der Luxusmarke Tom Ford, die unter anderem auch für Herren- und Damenparfüms bekannt ist. Handelsübliche Lederjacken dieses Herstellers kosten aktuell zwischen 2.000 und 8.000 Euro. Die Preise variieren je nach Modell allerdings stark. Das speziell vom Nvidia-CEO getragene Modell wird nicht mehr im Sortiment des Herstellers gelistet.

Externe Institute haben die Echtheit der Jacke unter anderem mittels Fotovergleichen verifiziert. Zudem wurde auch die Authentizität der Handschrift extern nachgeprüft. Der für die Jacke gezahlte Preis soll an eine gemeinnützige Organisation namens Edge Institute gespendet werden. Die arbeitet daran, Communities von tech-begeisterten Menschen aufzubauen und ihr Zusammenleben in sogenannten Edge Cities zu ermöglichen.

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  • 05. Juli 2026 um 12:50

Produkte eingestellt: Es wird kein günstiges Microsoft Surface Go mehr geben

Von Oliver Nickel
Microsoft hat die Surface-Go-Reihe offenbar eingestellt. Die Tablets und Laptops waren vor allem wegen ihres geringen Preises beliebt.
Der Surface Laptop Go 3 wurde 2023 vorgestellt. (Bild: Microsoft)
Der Surface Laptop Go 3 wurde 2023 vorgestellt. Bild: Microsoft

Microsoft hatte mit dem Surface Go und dem Surface Laptop Go zwei preisgünstigere Versionen des Tablets und des Notebooks im Angebot. Offenbar wird es nach der vierten Generation des Surface Go und der dritten Generation des Laptop Go aber keine neuen Geräte mehr geben. Laut Informationen des Magazins Windows Central wurden beide Produkte eingestellt.

Die Einstellung der Go-Reihe kommt nicht unbedingt überraschend. Letzten Endes hatte Microsoft die letzten beiden Modelle im Jahr 2023 vorgestellt. Das ist fast drei Jahre her. Offenbar plante Microsoft aber eine fünfte Generation des Surface Go für den Verkauf an Unternehmenskunden und mit ARM-Prozessor, die allerdings nie realisiert wurden, da die Kundschaft zu diesem Zeitpunkt keinen Bedarf an Windows on ARM sah.

Das Surface Go und der Surface Laptop Go waren die letzten Geräte von Microsoft, die in einem ähnlichen Preissegment wie das aktuell enorm erfolgreiche Macbook Neo angesiedelt waren. Zum Release gab es das Surface Go für etwa 600 Euro zu kaufen, während der Laptop Go noch 900 Euro kostete. Beide Geräte wurden von Microsoft zudem mit diversen Ersatzteilen bestückt, die sich leicht durch die Nutzer austauschen ließen.

Nur noch teure Surface-Geräte

Mittlerweile verkauft Microsoft nur noch das Surface Pro und den Surface Laptop in mehreren verschiedenen Größen. Selbst die günstigsten Versionen, bei denen Microsoft auch wieder zu 8 statt 16 GByte RAM zurückkehrt, kosten mehr als 1.000 Euro. Selbst nach Preiserhöhungen ist das Apple Macbook Neo für mittlerweile 800 merklich günstiger.

Auch ein neues Surface Go würde aufgrund der hohen Speicherpreise wohl noch einmal merklich mehr Geld kosten, auch wenn die Akzeptanz für Windows 11 auf Snapdragon-Chips mittlerweile etwas höher ist. Deshalb hätten sich die Geräte wohl nicht mehr gelohnt.

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  • 05. Juli 2026 um 11:55

Alternative zu Notepad: Winziger Texteditor für Windows benötigt etwa 2,5 Kilobyte

Von Oliver Nickel
Einem ehemaligen Microsoft-Entwickler gefällt der Bloat im aktuellen Notepad nicht. Deshalb hat er eine sehr kompakte Alternative entwickelt.
Dave Plummer hat einen winzigen Texteditor gebaut. (Bild: Youtube/Daves Garage)
Dave Plummer hat einen winzigen Texteditor gebaut. Bild: Youtube/Daves Garage

Der ehemalige Microsoft-Entwickler Dave Plummer hat einen eigenen Texteditor für Windows erstellt, der besonders wenig Speicherplatz benötigt. Sein Projekt Tinyretropad orientiert sich am Notepad, wie es auf älteren Windows-Versionen genutzt werden konnte. Mit dem Programm können Notizen erstellt, gespeichert und Nachrichten kopiert werden. Besonders ist eher, wie klein das Programm ist: Die ausführbare .exe-Datei belegt etwas mehr als 2,5 KByte oder 2.686 Bytes auf dem Datenträger.

Diese kleine Dateigröße erreicht Plummer vor allem dadurch, dass er sich zu großen Teilen auf existierende APIs und GUI-Elemente innerhalb von Windows, speziell Richedit50W stützt. Das Betriebssystem kann bereits Elemente wie Drop-Down-Menüs, simple Buttons, Fenster und Edit-Felder darstellen. Das Tinyretropad greift auf solche Elemente zu und verbindet sie zu einem funktionierenden Programm.

Copy, Paste und Dropdown-Menü

Das Programm setzt auf nur eine Schriftart, Courier, und ermöglicht das Schreiben und Speichern von Text. Es können zudem Textstellen markiert und Strings in den Text hineinkopiert werden. Ein per Rechtsklick erreichbares Dropdown-Menü hilft bei der schnellen Formatierung, während die Menüleiste Dateiübergreifende Optionen und Formatierungen anbietet.

Auch konnte Plummer in die 2,5 KByte eine Such- und Ersetz-Funktion samt eigenem Dialogfenster integrieren. Dazu kommen Druckkomponenten, die teilweise noch auf uralten Windows-Komponenten basieren. "Das ist, als würde man eine Luke im Boden öffnen und ein viel älteres Betriebssystem darunter finden", sagt Plummer in einem Youtube-Video.

Das Weglassen von Features und die Nutzung von nativen Windows-Komponenten reichen allerdings nicht aus. Erst mithilfe des in der Demoszene beliebten Kompressionstools Crinkler konnte die Dateigröße so klein gehalten werden.

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  • 05. Juli 2026 um 11:00

Anzeige: IT-Jobs in Administration, Infrastruktur und Entwicklung

Von Golem Karrierewelt
Im RZ-Betrieb in der Stadtverwaltung, in der Netzwerkinfrastruktur von Stadtwerken oder in der Sachbearbeitung im Berliner Digitalfunk warten anspruchsvolle Positionen.
Bild: Golem

Die Modernisierung kommunaler und öffentlicher IT-Infrastruktur erfordert zunehmend Fachkräfte mit Erfahrung in Systemadministration, Netzwerktechnik und Anwendungsentwicklung. Die folgenden Positionen decken ein breites Spektrum ab – von der Rechenzentrumsverwaltung bis zur Planung von Digitalfunk-Infrastruktur für Sicherheitsbehörden.

Im Golem Jobmarkt finden sich aktuelle Positionen in Forschungseinrichtungen, öffentlichen Institutionen und technologieorientierten Unternehmen.

Sechs neue IT-Positionen im Überblick

Im Folgenden findest du eine Auswahl an aktuellen Top-Positionen:

  • Anwendungsentwickler*in – Collaboration-Tools (m/w/d): Die Deutsche Rentenversicherung Bund besetzt am Standort Würzburg eine Stelle für die Entwicklung und Pflege von Collaboration-Anwendungen. Kenntnisse in Java sowie idealerweise in Atlassian-Produkten und HCL Notes sind willkommen.
  • Projektmanager Handwerk & Digitalisierung (m/w/d): Die Regh Holding GmbH in Duisburg ist auf der Suche nach einer Fachkraft für die Digitalisierung interner Prozesse – von ERP-Systemen über digitales Onboarding bis zur Optimierung von Verwaltungsabläufen in einem gewachsenen Handwerksunternehmen.
  • Senior Netzwerk- und Infrastrukturadministrator (m/w/div.): Die Stadtwerke Dachau suchen eine erfahrene Persönlichkeit für die technische Leitung ihrer Netzwerkumgebung. Die Position umfasst Firewall- und VPN-Administration, Virtualisierung sowie die Steuerung externer Dienstleister – hybrid, mit Vergütung nach TV-V.

IT-Profis finden im Golem Jobmarkt eine spezialisierte Suchumgebung für IT-Fachkräfte – mit modernen Funktionen wie einem KI-gestützten Lebenslaufgenerator, einem Tool zur automatisierten Erstellung von Anschreiben sowie einem persönlichen Job-Alarm. Stellenausschreibungen lassen sich durch intelligente Filter nach Positionen im öffentlichen Sektor, Remote-Anteil, Fachgebiet oder Branche gezielt eingrenzen.

Bei Fragen zur Nutzung des Jobmarkts oder zu den Angeboten der Golem Karrierewelt steht dir das Team werktags zwischen 8 und 18 Uhr zur Verfügung – telefonisch, per E-Mail oder direkt über unseren KI-Chatbot Klara. Alle Informationen, Tools und Weiterbildungen sind zentral über die Golem Karrierewelt erreichbar.

Weiterbildung gefällig? In der Trainingssuche der Golem Karrierewelt findest du Onlineworkshops, E-Learnings und weitere Bildungsangebote zu sämtlichen aktuellen IT-Themen wie Security, künstlicher Intelligenz oder Cloud.

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  • 05. Juli 2026 um 07:00

WM-Debakel & Nagelsmann-Aus: Wie der deutsche Fußball jetzt umdenken muss

Von Telepolis
Enttäuschte deutsche Fußball-Fans

Bild: Shutterstock.com

Deutschland scheitert in der schwächsten WM-Gruppe, Bundestrainer Nagelsmann wirft hin. Welches Erfolgsmodell der DFB jetzt kopieren muss. WM-Blog – Folge 11.

"Aber das Meer ist nicht nur ein Feind des Menschen, der ihm fremd ist, sondern auch ein Teufel für seine eigenen Nachkommen; schlimmer als die persische Armee, die ihre eigenen Gäste ermordete; verschont es nicht die Kreaturen, die es selbst hervorgebracht hat."

Herman Melville, "Moby Dick"

Gut zwei Wochen vor dem WM-Finale am 18. Juli erreicht die Fußball-Weltmeisterschaft allmählich in ihre Zielgerade. Das Sechzehntelfinale ist beendet, nur noch 16 von 104 WM-Spielen stehen aus, und nur noch 16 von 48 Mannschaften sind im Wettbewerb übrig geblieben.

Das Imperium des Weltfußballs hat zurückgeschlagen

Damit hat sich das Bild endgültig geklärt: Das Imperium des Weltfußballs hat zurückgeschlagen und den Zwergenaufstand der vermeintlich bunten, neuen Fußballwelt beendet. Die Machtverhältnisse sind wiederhergestellt und der Weltfußball hat seine Normalität zurückerlangt.

Denn im letzten Match des Sechzehntelfinales schied mit Ghana auch die letzte von ursprünglich sechs verbliebenen schwarzafrikanischen Mannschaften aus. Ebenfalls ausgeschieden sind alle asiatischen und osteuropäischen und fast alle arabischen und orientalischen Mannschaften sowie bis auf Gastgeber Mexiko auch alle Mittelamerikaner.

Das Märchen vom neuen Fußball-Süden: Die Grenzen der Sportswashing-Milliarden

Vorbei ist es damit wieder einmal mit dem Hype über die angeblich "neue Stärke" des afrikanischen Fußballs, die schon 1990 nach einigen Überraschungserfolgen Kameruns behauptet wurde, und seitdem zu den – von interessierten Kreisen wie der Fifa gepushten, aber faktenfernen – beliebtesten Narrativen der Fußball-Geopolitik gehört.

Ähnlich wie die angeblich neue Stärke des arabischen Fußballs – wo es sich doch vor allem um die Stärke der Petrodollars handelt, mit denen sich autokratische Regimes in den Weltfußball einkaufen; so wie man ja auch im Fall der Elfenbeinküste und des Kongo begründete Zweifel an deren demokratischer Fassade hegen darf.

Im Ergebnis spielen jetzt die tatsächlich starken, traditionsreichen Fußballnationen weitgehend wieder unter sich – für den Fußball ist das trotz aller Fußballromantik eine gute Nachricht. Denn sie beweist: Geld allein schießt keine Tore.

Nationalmannschaften aus dem Frankenstein-Labor

Denn bei den von vielen Fußballromantikern geliebten und bewunderten Teams der Dritten Welt handelt es sich größtenteils um künstlich zusammengestellte Teams, um Nationalmannschaften gewissermaßen aus dem Labor.

Gerade die Überraschungsmannschaften von Kap Verde und Curaçao wurden größtenteils aus Emigrantenkindern in der ganzen Welt einzeln zusammengesucht und gegen viel Geld mit Staatsbürgerschaften versehen: nicht viel anders als Söldnerheere seit dem Dreißigjährigen Krieg.

Die Spieler Kap Verdes spielen in Portugal, in den Niederlanden und den anderen europäischen Ligen; einige von ihnen traten auch in der dritten, vierten oder fünften Liga Deutschlands auf. Die Spieler Curaçaos stammen fast sämtlich aus den Niederlanden. Und auch Teams etablierter Fußballnationen wie die Elfenbeinküste, Ghana oder Senegal bestehen aus Spielern, die oft eine europäische Doppelstaatsangehörigkeit haben und in den Ligen Frankreichs, Spaniens und Italien, seltener auch mal in der Premier League kicken.

Gleiches gilt für die beiden erfolgreichsten Nationen, die dem Kontinent Afrika zugerechnet werden, obwohl es sich bei Marokko und Ägypten eher um arabische Mannschaften handelt: Fast alle ihre Spieler spielen in europäischen Spitzenklubs – kein Wunder, dass sie mit ihren Mannschaftskameraden der anderen Nationalteams halbwegs mithalten können.

Auch die angeblich so neuen Fußball-Länder Katar und Saudi-Arabien sind genau genommen zusammengekaufte Legionäre, Gastarbeiter des Weltfußballs.

Argentinien zeigte der deutschen Mannschaft ihre Fehler

Im vorletzten Match in der Nacht auf Samstag zeigten die Argentinier der deutschen Nationalmannschaft, wie man gegen einen kleinen, bissig-engagierten Gegner spielen muss. Dabei war Kap Verde viel stärker als Paraguay.

Mit einem keineswegs "vogelwilden" (Bastian Schweinsteiger), sondern disziplinierten und engagierten Auftreten zwangen sie, wie wohl drückend unterlegen, den Fußballweltmeister in die Verlängerung und verlangten Messi und Co alles ab.

Die Argentinier spielten gewohnt klar und hart, aber auch sehr ruhig, für den Geschmack des Autors dieser Zeilen ein bisschen zu ruhig. Und die Spieler von Kap Verde wurden nicht müde. Die Elf wirkte teilweise, als ob sie einen Mann mehr hätte. Immer wenn Argentinien schließlich führte, schafften sie es nicht, davonzuziehen, ließen sich ärgerlich zurückfallen und bauten so den Gegner zweimal wieder auf.

Trotzdem behielt der Weltmeister die Kontrolle und gewann.

Zwei weitere Wochen eskapistischen Glücks

So geht der nette regenbogenbunte, postkoloniale Weltfußball zu Ende und landet in den Gesetzmäßigkeiten des 20. Jahrhunderts. In diesen wird die WM noch zwei weitere Wochen eskapistischen Glücks spenden und die Fans aller Länder vereinen in jenem Zwischenreich, das Herman Melville in "Moby Dick" in seiner Beschreibung der Äquatorfahrt ähnlich beschwor:

"Die warm-kühlen, klaren, klingenden, duftenden, überfließenden, redundanten Tage waren wie Kristallkelche persischen Sirups, aufgeschichtet - mit Rosenwasserschnee bedeckt. Die sternenübersäten und stattlichen Nächte schienen hochmütige Damen in juwelenbesetzten Samten, die zu Hause in einsamer Stolz die Erinnerung an ihre abwesenden, siegreichen Grafen, die goldgehelmten Sonnen, hegten! Für den schlafenden Menschen war es schwer, zwischen solch gewinnenden Tagen und solch verführerischen Nächten zu wählen."

So geht es ins Achtelfinale!

Die Gruppensieger-Illusion: Warum Deutschlands Vorrunde völlig wertlos war

Überhaupt zeigt sich die Schwäche der deutschen Mannschaft nicht allein an ihrem eigenen miserablen Abschneiden, sondern auch an der Tatsache, dass im Sechzehntelfinale bereits alle deutschen Gruppengegner ausgeschieden sind. Sowohl Ecuador hatte gegen Mexiko keine Chance, als auch am Tag davor die Elfenbeinküste gegen Norwegen.

Dies zeigt neben anderen Dingen, dass die Gruppe E, in der sich die Deutschen als Gruppenerster qualifizierten, eine der schwächsten der Vorrunde gewesen ist.

Ähnliches könnte man auch über die Gruppe F sagen, in der ebenfalls drei Mannschaften weiterkamen, die nun bereits sämtlich ausgeschieden sind: Schweden chancenlos beim 0:3 gegen die Franzosen, Japan und die Niederlande – immerhin denkbar knapp und unglücklich gegen Brasilien und Marokko. Alles in allem haben sich mit Ausnahme des deutschen Debakels sämtliche favorisierten Teams durchgesetzt.

Das Ego eines Trainers

Sehenden Auges ist der deutsche Fußball in die Katastrophe gestürzt. Sehenden Auges hat man den Misserfolg in Kauf genommen, nur um dem Ego eines Bundestrainers Genüge zu tun.

Denn Julian Nagelsmann traf viele seiner Entscheidungen ganz allein und verzichtete auf andere Stimmen nur aus dem einen einzigen Grund: Weil er auf Ratschläge Dritter, auf Urteile von Experten, und Stimmungen unter Fans und Berichterstattern nicht hören wollte.

Stattdessen tat er sie sämtlich als "Druck von außen" ab. Das war falsch, aber es ist sein gutes Recht. Ein Bundestrainer wird nicht an seinem Charakter, seiner Sozialkompetenz und auch nicht allein an miserabler Kommunikationsfähigkeit gemessen, sondern an Ergebnissen.

Diese Ergebnisse sprachen am Ende allerdings für sich – und gegen den Trainer. Es war schon falsch, das Ausscheiden im Viertelfinale bei der Heim-EM 2024 als Erfolg abzubuchen.

Die eigentümliche Überheblichkeit dieses Trainers zeigte sich bereits in diesem Sommer 2024 in seiner Reaktion auf das damalige Scheitern: Denn man ist gegen den späteren Europameister Spanien ausgeschieden, und dies ganz zurecht und verdient.

Man hat sich aber diese Niederlage immer wieder schöngeredet, indem man sich auf eine einzige Schiedsrichterentscheidung, die möglicherweise falsch war, herausgeredet hat. Wer weiß denn, ob die Deutschen einen möglichen Elfmeter gegen Spanien überhaupt verwandelt hätten? Das könnte man sich in Fußballdeutschland einmal fragen.

Am Montag haben sie beim Elfmeterschießen drei von sechs Versuchen verschossen.

Was nun? Was tun?

Nach Nagelsmann: Jetzt muss man den deutschen Fußball grundsätzlich neu denken

Es klang wie eine Drohung. Und es war eine, als Julian Nagelsmann im ZDF sagte: "Ich bin keiner, der wegläuft."

Also musste man ihn dann eben wegtragen. Oder wegfahren. Oder es liefen alle anderen vor ihm weg. Klar ist jedenfalls: Nagelsmann ist jetzt weg!

Und dies kann nur der Anfang einer grundsätzlichen Reorganisation und eines Neuaufbaus des deutschen Fußballs sein. Der deutsche Fußball steht wieder da, wo er 2004 stand, als Jürgen Klinsmann zum Bundestrainer berufen wurde.

Die Fußballausbildung muss besser werden. Vor allem muss Deutschland seine Vorstellung von Fußball neu justieren, von Weltmeister Argentinien, Europameister Spanien und Ex-Weltmeister Frankreich lernen, was erfolgreiches und schönes Spiel ausmacht. Daraus ist dann eine Idee des deutschen Fußballs zu entwickeln, eine Strategie und taktische Varianten: Wie will Deutschland spielen? Wie reagiert man flexibel und elastisch auf Herausforderungen?

Man muss also den deutschen Fußball ganz grundsätzlich neu denken. Anstatt wieder nur kurzfristige Lösungen bis zum nächsten Turnier zu suchen.

Wie in Spanien muss ein bestimmtes möglichst elastisches und kreatives grundsätzliches Fußballmodell entworfen und verfeinert und in allen Jugendmannschaften gelehrt und gelebt werden.

Nur dann wird Deutschland in der Lage sein, fußballerisch wieder zu den großen Fußballnationen aufzuschließen – und vielleicht könnte der Rest der Gesellschaft dann sogar wieder etwas vom Fußball lernen.


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  • 04. Juli 2026 um 16:00

Schrödingers Souverän: Das Volk zwischen Wahl und Wirkung

Von Telepolis
Schachtel mit Reichstag-Aufdruck und Klebeband mit

Echte Macht liegt nicht bei Wahlen, sondern in Kommissionen. Dort wird längst entschieden, was später überhaupt noch wählbar ist.

"Dem deutschen Volke"

Über dem Westportal des Reichstags steht dieser Satz seit 1916 in Bronze, geschmolzen aus erbeuteten französischen Kanonen aus den Befreiungskriegen 1813-1815. Wilhelm II. wollte den Schriftzug nicht.

Wilhelm II. verhinderte die Inschrift zunächst; erst im Ersten Weltkrieg gab er den Widerstand auf [1]. Ein Kaiser, der seine Macht von Gottes Gnaden ableitete, sollte einem Gebäude die Widmung "dem Volke" aufzwingen lassen! Die Inschrift war keine freiwillige Selbstbeschränkung monarchischer Macht, sondern ein politisches Zugeständnis in einer Zeit wachsender Forderungen nach parlamentarischer Beteiligung.

Schon die Inschrift [2] markiert deshalb weniger den Triumph der Volkssouveränität, als den Beginn eines Spannungsverhältnisses zwischen staatlicher Autorität und dem Anspruch politischer Mitbestimmung.

Über hundert Jahre später formuliert Artikel 20 Absatz 2 des Grundgesetzes die Sache präziser, aber nicht grundsätzlich anders:

"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen [...] ausgeübt."

Bemerkenswert ist dabei der zweite Satz, nicht der erste. Er deklariert die Souveränität nicht nur, er kanalisiert sie sofort in "besondere Organe" – und auf Bundesebene faktisch fast ausschließlich in Wahlen, kaum in Abstimmungen. Das Volk bleibt Souverän. Seine Möglichkeit, diesen Status unmittelbar wirksam werden zu lassen, beschränkt sich jedoch weitgehend auf den Wahlakt. Dazwischen regieren die Institutionen in seinem Namen.

An dieser Stelle liegt ein möglicher Einwand nahe. Die Bundesrepublik ist keine plebiszitäre, sondern eine repräsentative Demokratie. Das Grundgesetz verspricht gerade nicht, dass Bürger fortlaufend über politische Entscheidungen abstimmen. Es verspricht vielmehr, dass politische Macht über Wahlen legitimiert und anschließend durch gewählte Repräsentanten ausgeübt wird.

Die folgende Kritik richtet sich deshalb nicht gegen die Existenz repräsentativer Verfahren. Sie richtet sich gegen die Frage, wie groß die Distanz zwischen formaler Legitimation und tatsächlicher politischer Entscheidungsfindung werden darf, bevor die repräsentative Vermittlung ihre vertrauensbildende Wirkung verliert.

Die Katze im Karton

Schrödingers Katze [3] ist tot und lebendig zugleich, solange niemand die Box öffnet. Genau das ist der Zustand der deutschen Volkssouveränität zwischen zwei Wahlterminen: Sie existiert in einer Superposition.

Verfassungsrechtlich quicklebendig als Legitimation, Artikel 20 ist nicht verändert, niemand bestreitet ihn offen. Funktional erscheint das Volk jedoch häufig nur noch als letzte Legitimationsinstanz, sichtbar erst dann, wenn Wahlen bestehende Machtverhältnisse infrage stellen.

Die Box wird selten geöffnet. Nicht aus Angst vor dem Ergebnis, sondern vor dem Geruch. Wenn die Box doch geöffnet wird – durch eine Wahlüberraschung, einen Leak oder ein Volksbegehren –, kollabiert die Superposition meist zuverlässig in dieselbe Richtung.

Schrödingers Souverän mag lebendig oder tot sein, auf jeden Fall ist er verwaltungsseitig bereits inventarisiert. Die Verfahren lassen Beteiligung zu, häufig jedoch erst in einem Stadium, in dem wesentliche Vorentscheidungen bereits getroffen wurden. Zwischen formaler Volkssouveränität und tatsächlicher politischer Steuerung entsteht zunehmend eine Distanz.

Als die Baden-Württemberger 2011 über Stuttgart 21 abstimmten, waren Finanzierung, Planung und Bau bereits weit fortgeschritten; der Finanzierungsvertrag war 2009 geschlossen, der Baubeginn auf 2010 angelegt, und abgestimmt wurde 2011 politisch über den Ausstieg des Landes, nicht abstrakt über "Stuttgart 21 ja oder nein".[1]

Als die Berliner 2021 mehrheitlich für "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" votierten, folgten Kommissionen, Gutachten und Prüfverfahren, aber keine unmittelbare Umsetzung; der Senat setzte 2022 eine Expertenkommission ein, deren Auftrag gerade die verfassungsrechtliche Prüfung und rechtssichere Wege der Vergesellschaftung waren.[2]

Im Diskurs entstand in beiden Fällen der Eindruck, als die wichtigen Entscheidungen längst in Schubladen lägen, vorverdaut in Ausschüssen, glattgezogen in Fraktionen, juristisch eingehegt als "Prüfung", "Dialogprozess" oder "Umsetzungsfragen".[3]

Der Eindruck ist berechtigt. Komplexe Infrastruktur- oder Vergesellschaftungsprojekte können nicht ohne Vorplanung zur Abstimmung gestellt werden. Das Problem besteht deshalb nicht in der Existenz von Vorentscheidungen, sondern in der Frage, ab welchem Punkt politische und finanzielle Pfadabhängigkeiten so stark geworden sind, dass spätere Beteiligung faktisch nur noch zwischen bereits stark eingeschränkten Optionen wählen kann.

Böse Zungen mit Volkes Stimme raunten dann, das Volk dürfte noch feststellen, dass es beteiligt wurde; aber entschieden würde ja doch "da oben".

Ob dieser Eindruck jeweils gerechtfertigt war, ist für die folgende Betrachtung sogar zweitrangig. Das politische Kapital besteht darin, dass er entstand. Demokratien leben nicht allein von korrekten Verfahren, sondern auch vom Vertrauen in deren Legitimität.

Der Parteienstaat als heimlicher Souverän

Gerhard Leibholz überprägte in den fünfziger Jahren den Begriff des "Parteienstaats", um eine Verfassungswirklichkeit zu beschreiben[4], die das Grundgesetz selbst zurückhaltender formuliert:

Artikel 21 GG sagt, Parteien "wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit". Mitwirken – nicht bestimmen, nicht besitzen. Die politische Praxis hat ihre Rolle jedoch weit über diese Mitwirkung hinaus wachsen lassen.[5]

Die Verhältniswahl mit Listenplätzen verlagert einen erheblichen Teil politischer Karrieren von den Wahlkreisen in die Parteien. Der Einfluss des Wählers auf die konkrete Regierungsbildung endet mit der Sitzverteilung, die eigentliche Machtkonfiguration entsteht erst in den Koalitionsverhandlungen. Deren Ergebnis, der Koalitionsvertrag, bestimmt mehr über die nächsten vier Jahre als jedes Wahlprogramm.

Die Parteienfinanzierung speist sich aus Staatsmitteln, nicht primär aus Mitgliedsbeiträgen. Dadurch werden die Parteien finanziell weniger abhängig von ihrer gesellschaftlichen Verankerung. Katz und Mair nannten das treffend "Cartel Parties": Parteien, die nicht mehr nur im Staat wirken, sondern zunehmend mit ihm verschmelzen und trotz politischer Konkurrenz gemeinsame institutionelle Interessen entwickeln.

Zyniker könnten darin weniger einen politischen Wettbewerb als eine Form organisierter Bestandssicherung erkennen: Konkurrenz um Plätze am Tisch bei gleichzeitigem Konsens darüber, dass der Tisch bestehen bleiben muss.[6]

Betrachtet man diese Entwicklungen zusammen, erscheint die Formulierung des Grundgesetzes beinahe zu zurückhaltend. Aus dem verfassungsrechtlichen Mitwirken ist eine Stellung entstanden, die sich in Teilen selbst reproduziert und institutionell absichert.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, wie man die Parteien abschafft. Moderne Massendemokratien kommen ohne Parteien nicht aus. Die Frage lautet vielmehr, wie man ihre inneren Machtstrukturen wieder stärker an die Wähler und Wahlkreise rückbindet.

Heute entscheidet häufig nicht der Wähler über politische Karrieren, sondern vorgelagerte Gremien: Kreisvorstände, Landesvorstände, Findungskommissionen und Listenparteitage. Dort wird festgelegt, wer überhaupt aufgestellt wird, welche Kandidaten aussichtsreiche Listenplätze erhalten und wer realistische Chancen auf ein Mandat besitzt. Die Wahl bestätigt oft nur noch eine Vorauswahl, die längst getroffen wurde.

Eine demokratische Erneuerung müsste daher weniger bei den Wahltagen, als bei den Nominierungsverfahren ansetzen. Offene Vorwahlen nach amerikanischem Vorbild, Mitgliederentscheide über Listenplätze, verbindliche Urwahlen für Spitzenkandidaten oder stärkere Direktwahlanteile würden Macht dorthin zurückverlagern, wo sie demokratisch legitimiert werden kann: näher an die Bürger und weiter weg von den parteiinternen Schaltstellen.

Der Souverän verliert seine Rolle nicht erst am Wahltag. Er verliert sie bereits dort, wo entschieden wird, zwischen welchen Personen und Positionen er später überhaupt noch wählen darf. Je näher diese Entscheidungen an die Mitglieder, Wahlkreise und Wähler zurückverlagert werden, desto schwerer wird es für kleine politische oder wirtschaftliche Zirkel, den Zugang zu Mandaten dauerhaft zu kontrollieren.

Eine solche Rückbindung würde allerdings nicht ausreichen. Ebenso wichtig wäre eine Stärkung der individuellen Verantwortung des Abgeordneten. Es kann nicht sein, dass ein Kandidat seinen Wahlkreis gewinnt und trotzdem nicht in den Bundestag einzieht, weil das Zweitstimmenergebnis seiner Partei ihn nicht mehr "deckt".

Bei der Bundestagswahl 2025 betraf dies 23 Wahlkreissieger; sie hatten in ihren Wahlkreisen die meisten Erststimmen erhalten, erhielten aber wegen fehlender Zweitstimmendeckung kein Mandat, weil das Wahlrecht den Wahlkreissieg dem Zweitstimmenergebnis der Partei unterordnet.[7]

Das eherne Gesetz der Oligarchie

Das Grundgesetz kennt bis heute keinen Fraktionszwang, die politische Praxis hingegen sehr wohl.[8] Es kennt das freie Mandat. Was politisch als Fraktionsdisziplin praktiziert wird, darf rechtlich nie zur Weisung werden. Wer dem eigenen Gewissen folgt, darf daraus keine dauerhaften politischen Nachteile befürchten müssen.

Hinzu kommt die Gefahr institutioneller Verfestigung. Schon Robert Michels[9] beschrieb die Tendenz großer demokratischer Organisationen, eigene Führungsapparate auszubilden und zu stabilisieren. Amtszeitbegrenzungen für Führungsfunktionen könnten deshalb helfen, politische Eliten stärker zu erneuern.

Schlussendlich ist Transparenz keine Nebensache, sondern Voraussetzung für Vertrauen. Bürger müssen nachvollziehen können, welche Interessen auf politische Entscheidungen einwirken und welche Verbindungen ihre Repräsentanten außerhalb des Mandats unterhalten.

Die nicht aufhörenden Debatten über Nebeneinkünfte, Aufsichtsratsmandate, Beraterverträge und Lobbykontakte zeigen jedoch, dass das Problem weit über einzelne Personen hinausreicht. Politische Legitimität hängt nicht allein von Entscheidungen ab, sondern auch von der Nachvollziehbarkeit ihrer Entstehung und den Interessen, die auf sie einwirken.

Das alles bedeutet selbstverständlich nicht, dass Parteien, Kommissionen oder Koalitionsverträge grundsätzlich problematisch wären.

Moderne Massendemokratien kommen ohne Parteien nicht aus. Kommissionen bündeln Fachwissen, Koalitionsverträge schaffen politische Handlungsfähigkeit und stabile Mehrheiten. Die Alternative zu diesen Institutionen wäre nicht mehr Demokratie, sondern häufig schlicht weniger Regierbarkeit.

Gerade deshalb stellt sich die eigentliche Frage. Nicht, ob diese Institutionen existieren sollen, sondern wie ihre Macht an den Souverän rückgebunden bleibt, statt sie zu entfesseln. Die Herausforderung besteht nicht darin, Hinterzimmer abzuschaffen. Die Herausforderung besteht darin, zu verhindern, dass dort bereits entschieden wird, was später öffentlich nur noch in feierlichen Kulissen bestätigt werden soll.

Amüsanterweise zeigt sich diese Logik dort am deutlichsten, wo man sie am wenigsten vermutet. Bei jener Partei, die sich als Korrektiv des Parteienkartells inszeniert.

2018 enthob der AfD-Bundesvorstand den vollständig demokratisch gewählten Landesvorstand Niedersachsen seines Amtes[10], nicht einzelne Funktionäre, nein, das gesamte Organ, unter Berufung auf eine Ausnahmeklausel des Parteiengesetzes, deren Anwendung in dieser Form schon damals als bemerkenswerter Eingriff in die innerparteiliche Demokratie diskutiert wurde. An die Stelle des Landesparteitags, der allein zur Abwahl befugt gewesen wäre, setzte die Bundesebene ihre eigene Entscheidung.

Wer einer Partei, die das Establishment der Vorstrukturierung anklagt, automatisch mehr unmittelbare Mitbestimmung zutraut, macht ausgerechnet den Bock zum Gärtner. Das Strukturproblem überlebt den Parteienwechsel. Das Problem liegt nicht bei einer einzelnen Partei, sondern in einer politischen Logik, die lagerübergreifend wirkt.

Auch hier wird der Souverän vor allem beschworen. Sein Name steht auf den Programmen, seine Zustimmung wird vorausgesetzt, seine Stimme wird zitiert. Gefragt wird er gerne. Gehört wird er deutlich selektiver.

Schrödingers Souverän bleibt damit auch hier in seiner eigentümlichen Superposition: allgegenwärtig als Legitimationsquelle und zugleich erstaunlich abwesend, sobald er die erwarteten Ergebnisse nicht liefert.

Gerade deshalb sollte man vorsichtig sein, aus dieser Diagnose eine rechte Fundamentalkritik der Demokratie abzuleiten. Autoritäre und populistische Bewegungen leben häufig von der Behauptung, demokratische Vermittlungsverfahren seien bloße Fassade und der wahre Volkswille werde durch Parteien, Parlamente, Gerichte oder Medien blockiert.[11]

Daraus entsteht die Versuchung, demokratische Vermittlung durch unmittelbare Akklamation, Führungsanspruch oder plebiszitäre Vereinfachung zu ersetzen.[12]

Der Missbrauch eines Prinzips widerlegt jedoch nicht das Prinzip selbst.

Der Lackmustest

Die Rückverlagerung politischer Auswahlentscheidungen näher an die Bürger ließe sich dabei sehr konkret als Lackmustest des Demokratiewillens der Parteien verstehen. Wer die Erneuerung der Demokratie ernst meint, muss beantworten, wie viel Kontrolle die Parteiapparate künftig noch über politische Karrieren ausüben sollen.

Sind Parteien bereit, die Auswahl ihrer Kandidaten durch Vorwahlen stärker für die Wähler zu öffnen? Sind sie bereit, ihren Mitgliedern mehr Einfluss auf Listenplätze einzuräumen? Sind sie bereit, die dauerhafte Verfestigung politischer Karrieren durch institutionelle Begrenzungen zu erschweren?

Sind sie bereit, zentrale politische Vorentscheidungen einer verbindlichen Dokumentations- und Veröffentlichungspflicht zu unterwerfen?

Transparenz ist kein Allheilmittel. Aber ohne nachvollziehbare Entscheidungswege bleibt demokratische Kontrolle auf Vermutungen angewiesen. Dass politische Aufzeichnungen selbst höchste Machtpositionen kontrollierbar machen können, zeigte nicht zuletzt die Watergate-Affäre um Richard Nixon.

Die konkreten Antworten mögen unterschiedlich ausfallen. Entscheidend ist die Richtung. Wer mehr Volkssouveränität fordert, muss bereit sein, Macht aus den parteiinternen Schaltstellen zurück an Mitglieder, Wahlkreise und Wähler zu verlagern.

Gerade daran wird sich zeigen, ob die Parteien ihre Rolle als Vermittler zwischen Volk und Staat verstehen oder als Verwalter eines politischen Betriebs, der sich selbst reproduziert.

Je größer die Distanz zwischen formaler Legitimation und tatsächlicher Entscheidungsfindung wird, desto stärker entsteht eine Doppelstruktur politischer Herrschaft.

Nach außen regiert der Normenstaat mit seinen transparenten Verfahren, Fristen und Zuständigkeiten. Neben den formalen Verfahren gewinnen mit der Zeit jedoch jene informellen Arenen an Bedeutung, in denen politische Entscheidungen vorbereitet, abgestimmt und vorstrukturiert werden, bevor sie die offiziellen Entscheidungswege durchlaufen.

Die Struktur erinnert entfernt an eine Beobachtung Ernst Fraenkels in seinem Werk "Der Doppelstaat".[13] Die Unterscheidung zwischen den sichtbaren Verfahren politischer Herrschaft und jenen Räumen, in denen politische Entscheidungen faktisch vorbereitet werden.

Die Existenz solcher informellen Arenen zeigt sich nicht zuletzt daran, dass politische Vorentscheidungen häufig öffentlich bekannt werden, bevor die zuständigen Institutionen formell entschieden haben.

Was offiziell noch geprüft wird, wird in Berlin nicht selten bereits als Indiskretion verhandelt. Der Leak wird damit zum un- oder auch zum beabsichtigten Protokoll politischer Vorentscheidungen.

Die digitale Öffentlichkeit fügt dieser Entwicklung eine weitere Ebene hinzu. Politische Institutionen strukturieren den Raum möglicher Entscheidungen, digitale Plattformen zunehmend den Raum möglicher Wahrnehmungen. Ihre Geschäftsmodelle beruhen nicht auf Ausgewogenheit, sondern auf Aufmerksamkeit. Belohnt werden Reichweite, Empörung, Konflikt und emotionale Bindung.

Dadurch entsteht eine Rückkopplungsschleife: Institutionelle Vertrauenskrisen liefern den Rohstoff, die Aufmerksamkeitsökonomie verstärkt ihn. Nicht weil digitale Plattformen politische Unzufriedenheit erzeugen, sondern weil sie jene Inhalte bevorzugen, die starke Reaktionen hervorrufen.

Die Popularisierung rechtspopulistischer Narrative erscheint vor diesem Hintergrund weniger als Ursache der Krise denn als ökonomisch begünstigte Verbreitungsform bereits vorhandener Zweifel. Die institutionellen Ursachen der Vertrauenskrise liegen damit tiefer als die digitalen Kanäle, durch die sie sichtbar wird.

Selbst dort, wo neue Formen der Bürgerbeteiligung entstehen, verschwindet dieses Problem nicht automatisch. Organisationen, die mehr direkte Demokratie, Volksentscheide oder Bürgerbeteiligung fordern, stehen vor demselben Dilemma wie Parteien und Verbände. Auch sie benötigen Strukturen, Finanzierung, Kampagnenführung und professionelle Entscheidungsprozesse.

Mit wachsender Größe entsteht damit zwangsläufig die Gefahr jener institutionellen Verselbständigung, die sie ursprünglich überwinden wollten. Die eigentliche Herausforderung kann deshalb nicht darin bestehen, die bestehenden Eliten durch neue Eliten zu ersetzen.

Die Herausforderung besteht darin, Verfahren zu schaffen, die Macht unabhängig von ihren jeweiligen Trägern kontrollierbar, transparent und rückbindbar halten. Demokratie ist kein Zustand, sondern die permanente Organisation von Misstrauen gegenüber jeder Form konzentrierter Macht.

Informelle Abstimmung bleibt in komplexen Demokratien unvermeidlich. Problematisch wird sie dort, wo die politische Vorstrukturierung so weit reicht, dass die formalen Verfahren nur noch zwischen bereits vorbereiteten Optionen wählen. In diesem Moment verschiebt sich politische Macht vom sichtbaren Entscheidungsverfahren auf die vorgelagerte Auswahl dessen, worüber überhaupt noch entschieden werden kann.[14]

Arno Schmidt spottete bereits in seiner Gelehrtenrepublik [4] über die Vorstellung einer neutralen Herrschaft der Experten. Wer die Optionen festlegt, ist nicht weniger politisch als derjenige, der später zwischen ihnen abstimmt. Die Frage lautet deshalb nicht, ob Experten politischen Einfluss ausüben sollen, sondern wie transparent und kontrollierbar dieser Einfluss bleibt.

Ein aktuelles Beispiel: die Rentenkommission

Man muss nicht abstrakt bleiben. Die Alterssicherungskommission, die der Bundesregierung bis Ende Juni 2026 Reformvorschläge vorlegen solle, tagte – so ist es öffentlich kommuniziert – bewusst "ohne Kameras und Pressekonferenzen". Bereits die Konstruktion des Gremiums ist ein politischer Vorgang.

Acht Wissenschaftler, drei Parteivertreter, zwei Vorsitzende [5] erarbeiten Reformvorschläge für die Zukunft eines Systems, das von vielen Beitragszahlern als individuelles Leistungsversprechen wahrgenommen wird. Beitrag gegen Anspruch, Lebensleistung gegen Lebensstandard im Alter.

Als die "Bild" über eine Rente mit 70 berichtete, dementierten Kommissionsmitglieder umgehend – nicht, dass über das Thema gesprochen werde, sondern dass es schon eine Festlegung gebe. Die SPD-Sozialpolitikerin Annika Klose hatte eine Anhebung des Renteneintrittsalters zuvor als "rote Linie" bezeichnet.

Das Thema bleibt trotzdem auf dem Tisch [6]. Genau darin zeigt sich die Logik informeller Vorstrukturierung. Die Kommission trifft keine Entscheidungen. Sie bestimmt jedoch maßgeblich, welche Optionen später überhaupt als politisch verantwortbar, finanzierbar oder alternativlos gelten. Macht liegt hier nicht in der Abstimmung, sondern in der Festlegung der Optionen, worüber später überhaupt abgestimmt werden kann.

Hinzu kommt ein zweiter Umstand, der in Expertengremien häufig übersehen wird. Experten beantworten selten beliebige Fragen. Sie beantworten die Fragen, die ihnen gestellt werden. Bereits die Auswahl der Kommissionsmitglieder, die Formulierung des Auftrags und die Definition des Problems beeinflussen den Rahmen möglicher Ergebnisse.

Gerade deshalb sind Experten nicht unpolitisch. Sie ersetzen politische Entscheidungen nicht, sondern verlagern einen Teil der politischen Auseinandersetzung auf die Ebene der Problemdefinition und der Optionenbildung.

Noch aufschlussreicher als die jetzt vorgelegten Vorschläge[15] ist häufig die Frage, welche Vorschläge überhaupt nicht erscheinen. Die Alterssicherungskommission legte zahlreiche Reformoptionen vor.

Nicht Gegenstand der Debatte war jedoch eine grundlegende Rückkehr zu früheren Organisationsprinzipien der Rentenversicherung als Rentenkasse oder eine umfassende Revision jener politischen Entscheidungen, die das bestehende System über Jahrzehnte geprägt haben.

Ob solche Optionen sachlich sinnvoll wären, ist dabei zunächst zweitrangig. Bereits die Festlegung dessen, was als realistische Reformoption gilt und was nicht, ist selbst ein politischer Vorgang.

Die eigentliche Macht von Expertengremien liegt also häufig nicht darin, Antworten zu liefern, sondern darin, die Fragen festzulegen. Wer den Suchraum definiert, entscheidet bereits mit darüber, welche Lösungen später als vernünftig, verantwortbar oder überhaupt denkbar erscheinen.

Die wirksamste Vorentscheidung ist oft nicht die Auswahl zwischen Optionen, sondern die Entscheidung darüber, welche Optionen niemals zur Auswahl stehen werden.

Die Öffentlichkeit erfährt oft nur, welche Lösungen innerhalb eines bereits definierten Korridors diskutiert werden. Was als offene Debatte erscheint, betrifft dann oft nicht mehr die Frage, welche Optionen existieren, sondern lediglich, welche der bereits zugelassenen Optionen gewählt werden soll. Die eigentliche Vorentscheidung wurde zu diesem Zeitpunkt längst außerhalb der öffentlichen Debatte getroffen.

Genau hier entsteht das eigentliche Legitimationsproblem. Nicht weil Experten beraten, sondern weil die politische Vorstrukturierung ihrer Arbeit häufig unsichtbar bleibt. Der Bürger begegnet den Ergebnissen dieser Prozesse häufig erst dann, wenn sie als Sachzwang, Reformnotwendigkeit oder alternativlose Option in die politische Arena zurückkehren. Die Entscheidung bleibt formal demokratisch.

Die Auswahl dessen, worüber überhaupt entschieden werden kann, ist es weit weniger. Die politische Vorstrukturierung von Entscheidungen ist kein neues Phänomen. Wo Macht über Regeln verfügt, entsteht stets die Versuchung der Willkür, kurzfristige Handlungsspielräume höher zu gewichten als langfristiges Vertrauen.

Genua, Madrid, London

Die ökonomische Verfassungsgeschichte kennt dieses Muster seit Jahrhunderten. Die spanische Krone Philipps II. erklärte im 16. Jahrhundert wiederholt die Zahlungsunfähigkeit, setzte Schuldverträge aus und zwang ihre Gläubiger in Neuverhandlungen.[16]

Kurzfristig funktionierte das erstaunlich gut: Genuesische Bankiers finanzierten die Monarchie weiter und kalkulierten das politische Risiko in ihre Konditionen ein.[17]

Langfristig jedoch hatte jeder Vertragsbruch seinen Preis.[18] Kredit wurde teurer, Laufzeiten wurden kürzer, die Abhängigkeit des Souveräns von seinen Geldgebern wuchs.[19]

Was als Machtdemonstration begann, endete als Verlust von Verhandlungsmacht. Die Lehre lautet nicht, dass Staaten bestehende vertragliche Ansprüche niemals verändern können, sondern, dass sie den Preis dafür selten selbst festlegen. Jede politische Neuinterpretation bestehender Erwartungen mag kurzfristig vernünftig erscheinen. Langfristig verändert sie das Vertrauen auf das das System angewiesen ist.

England nach 1688 ging den entgegengesetzten Weg [7]. Die Krone band sich selbst – kein Zugriff auf privates Vermögen ohne Parlament, unabhängige Gerichte, verlässliche Verfahren [8].

Das Ergebnis war kein Machtverlust, sondern ein Vertrauensgewinn. North und Weingast haben gezeigt, dass gerade diese Selbstbindung Englands Kreditwürdigkeit stärkte und dem Staat Zugang zu erheblich größeren Finanzmitteln [9] verschaffte.

Wo die spanische Monarchie ihre Kreditwürdigkeit riskierte [10], riskiert der moderne Parteienstaat die Legitimität [11], von der seine Umverteilungsfähigkeit abhängt. Der Unterschied liegt im Objekt des Vertrauens, nicht im Mechanismus seines Verbrauchs.

Historische Analogien ersetzen keinen Beweis. Die spanischen Staatsbankrotte des 16. Jahrhunderts unterscheiden sich selbstverständlich grundlegend von modernen Sozialstaaten.

Der Vergleich dient deshalb nicht der Gleichsetzung, sondern der Illustration eines allgemeinen Mechanismus: Institutionen leben von Vertrauen, und Vertrauen reagiert empfindlich auf die Wahrnehmung veränderter Regeln.

Jede versicherungsfremde Leistung [12] aus Beitragsmitteln [13], jede wesentliche Vorentscheidung in Kommissionen und Verhandlungsrunden außerhalb öffentlicher Kontrolle [14], jede offiziell bestrittene und faktisch dennoch vorbereitete [15] Reform [16] mag für sich genommen rational erscheinen.[20]

In ihrer Summe verändern solche Maßnahmen jedoch die Erwartungen der Bürger [17]. Aus Vertrauen wird Skepsis, aus Skepsis Misstrauen. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

Ein umlagefinanziertes System lebt nicht allein von gesetzlichen Zahlungspflichten, sondern von der Überzeugung, dass Normen eingehalten werden, die Regeln berechenbar, die Lasten fair verteilt und die Verfahren legitim sind. Werden diese Voraussetzungen beschädigt, verliert das System nicht sofort seine Einnahmen, wohl aber die Grundlage seiner Akzeptanz.

Der Staat sägt dann nicht an seiner Finanzierungsbasis, sondern an etwas Fundamentalerem: an der Legitimität, auf der seine Finanzierungsbasis überhaupt beruht.

Wie sagte schon Norbert Blüm [18] so schön und bereute es später: "De Rente is sischer!"

Es ist daher zu begrüßen, dass die Rentenkommission die Fragen der Kapitaldeckung und der langfristigen Finanzierbarkeit wieder auf die politische Tagesordnung setzt. Zu lange wurde über die Verteilung bestehender Lasten diskutiert, ohne die strukturellen Probleme des Systems offen anzusprechen.

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, Reformen zu vermeiden, sondern sie so zu gestalten, dass Vertrauen erhalten bleibt. Denn auch die beste Reform scheitert, wenn die Bürger den Eindruck gewinnen, dass über ihre Ansprüche entschieden wird, ohne dass sie an der Entscheidung selbst beteiligt sind.

Die Brandmauer als Selbstbestätigung

Und damit zur Brandmauer. Eine Abgrenzung gegenüber extremistischen Parteien ist demokratisch nichts Ungewöhnliches. Problematisch wird die Abgrenzung erst dann, wenn sie als Ersatz für die politische Auseinandersetzung dient.

Die kollektive Weigerung der etablierten Parteien, mit der AfD zu kooperieren, wird von ihren Verteidigern als Schutz der Verfassung vor einer extremistischen Kraft begründet, ein legitimes Argument, das diese Analyse nicht bestreitet.

Ebenso wenig bestreitet diese Analyse, dass sich in der AfD Positionen und Strömungen sammeln, die mit den Grundprinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht vereinbar sind. Die eigentliche politische Frage beginnt jedoch erst dahinter.

Warum wird die AfD trotz dieser Widersprüche zur FDGO von immer mehr Wählern als politische Option betrachtet?

Wer diese Entwicklung ausschließlich als Problem der Wähler oder der AfD externalisiert, verwischt die Verantwortung der etablierten Parteien. Der Erfolg einer Protestpartei ist stets auch ein Indikator für die Schwächen des bestehenden Systems.

Wo Bürger den Eindruck gewinnen, dass politische Entscheidungen in Gremien, Kommissionen und Parteiapparaten vorstrukturiert werden, wächst die Bereitschaft, selbst dann nach Alternativen zu suchen, wenn diese erhebliche politische Risiken mit sich bringen.

Die Brandmauer lässt sich dabei auch anders lesen, nämlich als die sichtbarste und geschlossenste Demonstration eines kartellartigen Selbstverständnisses. Parteien, die sich sonst öffentlich bekämpfen, handeln hier als Einheit, wie eine Gemeinschaft, die über ihre Konkurrenz hinweg ihre gemeinsamen institutionellen Interessen verteidigt.

Für Bürger, die bereits den Eindruck einer kartellartigen politischen Struktur haben, wirkt die Brandmauer nicht als Gegenbeweis, sondern als Bestätigung ihrer Wahrnehmung. Sie bestätigt das Bild, das die Rentenkommission bereits nahelegte: eine politische Klasse, die zusammenhält, wenn es um den Erhalt ihrer Verfügungsmacht geht, und sich erst danach wieder in Konkurrenz aufspaltet.

Jede weitere Bekräftigung der Brandmauer, ohne dass die zugrunde liegende Vertrauenskrise - Rente, Beitragsverwendung, Kommissionsintransparenz - adressiert wird, wirkt nicht abschreckend, sondern bestätigend. Sie wird als weiterer Beleg gelesen, nicht als Gegenargument. Die Wahrnehmung eines geschlossenen politischen Kartells verstärkt genau jene Erzählungen, von denen die AfD politisch lebt.

Die Hoffnung auf den richtigen Führer ist scheinbar politisch verführerisch, historisch jedoch selten objektiv erfolgreich gewesen. Die Lösung besteht nicht darin, die richtigen Personen zu finden. Die Lösung besteht darin, Institutionen so zu gestalten, dass niemand dauerhaft unkontrolliert Macht akkumulieren kann.

Die Wahlbox wird voraussichtlich in 2029 wieder geöffnet. Die Frage wird nicht sein, ob der Souverän noch lebt. Die entscheidende Frage wird sein, was er überhaupt noch wählen kann. Und gefährlicher noch wird die Frage: Und was geschieht mit diesem Land, wenn ein wachsender Anteil der Wähler glaubt, diese Frage bereits beantwortet zu haben.

Die vorliegende Kritik richtet sich nicht gegen die repräsentative Demokratie. Sie richtet sich gegen die Gefahr, dass sich zwischen den formalen Verfahren demokratischer Legitimation und den tatsächlichen Mechanismen politischer Vorstrukturierung eine wachsende Distanz bildet.

Demokratien scheitern selten daran, dass ihre Regeln verschwinden. Sie scheitern häufiger daran, dass immer weniger Menschen glauben, diese Regeln würden noch den tatsächlichen Ort politischer Macht beschreiben.

Weiterhin wird nicht behauptet, dass politische Vorstrukturierungen vermeidbar wären. Jede moderne Massendemokratie benötigt Parteien, Ausschüsse, Experten, Fraktionen und informelle Abstimmung. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Vorstrukturierung existiert, sondern wie stark sie demokratisch rückgebunden, transparent und korrigierbar bleibt.

Eine Demokratie scheitert nicht daran, dass Entscheidungen vorbereitet werden. Sie gerät dort in Schwierigkeiten, wo dieselben institutionellen Machtzentren dauerhaft bestimmen, welche Entscheidungen überhaupt noch vorbereitet werden dürfen.

Deutschland hat nach 77 Jahren Bundesrepublik eine ungewöhnliche Kombination aus parteilicher Listenmacht, Koalitionsverhandlungen, Fraktionsdisziplin, Parteienfinanzierung, Lobbyismus, Kommissionswesen und schwachen plebiszitären Korrekturen auf Bundesebene, die zusammen eine besonders starke politische Vorstrukturierung erzeugen, die "Dem Deutschen Volke" sicher nicht entgangen ist.

Denn die eigentliche politische Sprengkraft von Schrödingers Souverän liegt nicht in seinem Zustand, sondern in der wachsenden Unsicherheit über ihn. Die Frage ist nicht, ob der Souverän lebt oder tot ist. Die Frage ist, warum immer mehr Menschen den Eindruck gewinnen, dass die Box verschlossen bleiben sollte.

Fußnoten

[1] Landesregierung Baden-Württemberg, Beteiligungsportal, "Volksabstimmung zu Stuttgart 21"; außerdem zur Ausstiegslogik: Wissenschaftliche Dienste des Bundestages, Ausstieg aus dem Projekt "Stuttgart 21", WD 3 – 3000 – 426/10.

[2] Zur faktischen Fraktionsdisziplin: Deutscher Bundestag, Grundgesetz-Serie [19] zum Bundestag; dort wird beschrieben, dass die Fraktionsdisziplin nur ausnahmsweise aufgehoben wird.

[3] Gerhard Leibholz: "Parteienstaat und repräsentative Demokratie. Eine Betrachtung zu Art. 21 und 38 des Bonner Grundgesetzes", in: Deutsches Verwaltungsblatt (DVBl.), 1951, S. 1 ff.

[4] Gerhard Leibholz: "Parteienstaat und repräsentative Demokratie. Eine Betrachtung zu Art. 21 und 38 des Bonner Grundgesetzes", in: Deutsches Verwaltungsblatt (DVBl.), 1951, S. 1 ff.

[5] Die Verhältniswahl [20] mit Listenplätzen entscheidet über Karrieren in Parteizentralen, nicht primär in Wahlkreisen [21]. Die Regierungsbildung erfolgt nicht durch das Volk, sondern durch Koalitionsverhandlungen; deren Ergebnis, der Koalitionsvertrag [22], legt fest, was die Regierung in den nächsten vier Jahren durchsetzen will. Die bpb erklärt Koalitionsverhandlungen als Einigung der Parteien auf gemeinsame Regierungsziele; im Koalitionsvertrag steht, was die Regierung in den nächsten vier Jahren durchsetzen möchte. Der Koalitionsvertrag [23] ist zwar rechtlich nicht bindend, politisch aber der zentrale Arbeitsplan der Koalition.

[6] Die zentrale These lautet nicht, dass Parteien identisch seien, sondern dass sich etablierte Parteien zunehmend auf staatliche Finanzierung, öffentliche Ressourcen und institutionelle Privilegien stützen und dadurch eher wie ein Kartell agieren, das den Zugang neuer Wettbewerber erschwert.Katz, Richard S.; Mair, Peter (2009): The Cartel Party Thesis: A Restatement. In: Perspectives on Politics, Vol. 7, Nr. 4, S. 753–766.

[7] Deutscher Bundestag, "23 Erststimmensieger ziehen nicht ins Parlament ein [24]", 2025; Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, WD 3 - 3000 - 015/25, "Nichtzuteilung von Wahlkreismandaten bei fehlender Zweitstimmendeckung", 11. März 2025; Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 30. Juli 2024, 2 BvF 1/23 u.a., zur grundsätzlichen Verfassungsmäßigkeit der Zweitstimmendeckung.

[8] Art. 38 Abs. 1 Satz 2 Grundgesetz: Abgeordnete sind "Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen".

Vgl. auch Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, WD 3 – 3000 – 042/13, Fraktionsdisziplin und Abgeordnetenstatus gemäß Art. 38 GG, 2013: Das freie Mandat schützt Abgeordnete auch vor Inpflichtnahme durch Partei oder Fraktion.

[9] Vgl. Robert Michels, Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie, 1911. Michels beschreibt dort die Tendenz großer demokratischer Organisationen, eigene Führungsapparate auszubilden, die sich mit der Zeit verselbständigen und ihre Stellung sichern. Diese These wurde später als "ehernes Gesetz der Oligarchie" bekannt.

Vgl. dazu auch bpb, "Brauchen wir eine Amtszeitbegrenzung für Bundeskanzler? [25]", APuZ, 2021, zur Debatte über Amtszeitbegrenzungen als Mittel gegen Machtverfestigung.

[10] Vgl. Sophie Schönberger, "Innerparteiliche Demokratie und autoritäre Führungsstruktur: zur Absetzung des AfD-Landesvorstands in Niedersachsen [26]", Verfassungsblog, 2. Februar 2018;

Tagesspiegel, "AfD-Bundesspitze entmachtet Landesvorstand in Niedersachsen [27]", 19. Januar 2018;

taz, "AfD-Landesvorstand abgesetzt: Es hat sich ausgehampelt [28]", 21. Januar 2018.

[11] Vgl. Jan-Werner Müller, Was ist Populismus?, Suhrkamp 2016; ders., "Populist Constitutions – A Contradiction in Terms? [29]", Verfassungsblog, 23. April 2017;

[12] Carl Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus, 1923; zur Einordnung Schmitts vgl. die Stanford Encyclopedia of Philosophy, "Carl Schmitt", Abschnitt zu Demokratie und Identität von Herrscher- und Volkswillen.

[13] Der Doppelstaat, Ernst Fraenkel, Der Doppelstaat. Recht und Justiz im 'Dritten Reich', 1941.

[14] Vgl. zum Koalitionsvertrag [30] als politischem Vorentscheid vor der parlamentarischen Einzelgesetzgebung: Koalitionsvertrag 2021–2025, "Mehr Fortschritt wagen", insb. Abschnitt "Arbeitsweise der Koalition";

zur Vorprägung durch das Projektstadium bei Stuttgart 21: Landesregierung Baden-Württemberg, "Volksabstimmung zu Stuttgart 21", sowie Wissenschaftliche Dienste des Bundestages, Ausstieg aus dem Projekt Stuttgart 21 [31], WD 3 – 3000 – 426/10;

zum Berliner Volksentscheid "Deutsche Wohnen & Co. enteignen [32]" und der anschließenden Delegation an eine Expertenkommission: Expertenkommission Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen, Abschlussbericht 2023; Z

zur Corona-Bund-Länder-Konferenz [33] als exekutivem Vorentscheidungsformat: BT-Drs. 19/32222;

zur Eurokrise und unzureichenden Unterrichtung des Bundestages über ESM/Euro-Plus-Pakt: BVerfG, Urteil [34] vom 19. Juni 2012, 2 BvE 4/11.

[15] BMAS Rentenkommission 2026 [35]: Der Arbeitsauftrag der Kommission [36] war im Übrigen bereits relativ eng vordefiniert und bewegte sich zwischen nachhaltiger Sicherung der Alterssicherung, gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge, Finanzierung und Beitragsbasis, sowie Reformoptionen innerhalb dieses Rahmens.

[16] Mauricio Drelichman / Hans-Joachim Voth: Lending to the Borrower from Hell [37]. Dort werden die Zahlungseinstellungen Philipps II. von 1557, 1560, 1575 und 1596 behandelt.

[17] Drelichman/Voth zeigen gerade, dass die Genueser Bankiers trotz wiederholter Zahlungseinstellungen weiter Kredit vergaben. Ebda und Álvarez-Nogal / Chamley zur Krise 1575–1577. (Philip II against the Cortes and the Credit Freeze of 1575–1577.)

[18] North/Weingast zur Bedeutung glaubwürdiger staatlicher Verpflichtungen für Kreditmärkte. Constitutions and Commitment (PDF)

[19] Ebda. North/Weingast Constitutions and Commitment (PDF) Drelichman/Voth Lending to the Borrower from Hell

[20] Vgl. Bundesrechnungshof zu versicherungsfremden Leistungen und mangelnder Transparenz in der gesetzlichen Rentenversicherung; Wolfgang Rudzio/bpb zum informellen Regieren und Koalitionsausschuss; Tagesschau und ZDFheute zur dementierten Debatte über eine mögliche "Rente mit 70"


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  1. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/1894-12-05-125-jahre-reichstag-670328
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Dem_deutschen_Volke
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gelehrtenrepublik
  5. https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2026/auftaktsitzung-der-alterssicherungskommission.html
  6. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/rente-rentenkommission-70-vorschlaege-100.html
  7. https://www.cambridge.org/core/journals/journal-of-economic-history/article/constitutions-and-commitment-the-evolution-of-institutions-governing-public-choice-in-seventeenthcentury-england/2E0D2B2D3490BE5C556D836ACB096362
  8. https://gould.usc.edu/centers/class/class-workshops/usc-legal-studies-working-papers/documents/04_2_paper.pdf
  9. https://www.lse.ac.uk/asset-library/information/wp164.pdf
  10. https://www.crei.cat/wp-content/uploads/users/working-papers/voth_borrowerfromhell_nov.pdf
  11. https://access.gesis.org/dbk/37545
  12. https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2023/hauptband-2023/09-volltext.pdf?__blob=publicationFile&v=4
  13. https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2023/hauptband-2023/09-volltext.html
  14. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/31300/informelles-regieren-koalitionsmanagement-der-regierung-merkel/
  15. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/debatte-rente-renteneintrittsalter-100.html
  16. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/debatte-rente-renteneintrittsalter-100.html
  17. https://www.bpb.de/themen/soziale-lage/rentenpolitik/
  18. https://www.youtube.com/watch?
  19. https://www.bundestag.de/parlament/grundgesetz/gg-serie-04-bundestag-634566
  20. https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/informationen-waehler/wahlsystem.html
  21. https://www.bundestag.de/parlament/bundestagswahl/erst-zweit-stimme-1043134
  22. https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/320643/koalitionsverhandlung-koalitionsvertrag/
  23. https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/561301/koalitionsvertrag/
  24. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw09-wahlkreis-unbesetzt-1055568
  25. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/343511/brauchen-wir-eine-amtszeitbegrenzung-fuer-bundeskanzler/
  26. https://verfassungsblog.de/innerparteiliche-demokratie-und-autoritaere-fuehrungsstruktur-zur-absetzung-des-afd-landesvorstands-in-niedersachsen/
  27. https://www.tagesspiegel.de/politik/afd-bundesspitze-entmachtet-landesvorstand-in-niedersachsen-8515432.html
  28. https://taz.de/AfD-Landesvorstand-abgesetzt/%215475835/
  29. https://laviedesidees.fr/Populism-is-a-Form-of-Anti-Pluralism
  30. https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf
  31. https://www.bundestag.de/resource/blob/417686/7b90210a5b3c73dc5f67022bc000f356/WD-3-426-10-pdf.pdf
  32. https://www.berlin.de/kommission-vergesellschaftung/_assets/abschlussbericht_vergesellschaftung-grosser-wohnungsunternehmen-230627.pdf
  33. https://dserver.bundestag.de/btd/19/322/1932222.pdf
  34. https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2012/06/es20120619_2bve000411.html
  35. https://www.bmas.de/DE/Soziales/Rente-und-Altersvorsorge/Rentenreform-2025/Rentenkommission-2026/rentenkommission-2026.html
  36. https://www.bmas.de/DE/Soziales/Rente-und-Altersvorsorge/Rentenreform-2025/Rentenkommission-2026/rentenkommission-2026.html
  37. https://www.crei.cat/wp-content/uploads/users/working-papers/voth_borrowerfromhell_nov.pdf

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  • 04. Juli 2026 um 14:00

Indien baut die Bahn neu – und eine Großmacht gleich mit

Von Telepolis
Plakatähnliche Grafik zeigt indische Züge, Berge, Landschaften und eine Karte Indiens

KI-generierte Grafik

Die Infrastruktur einer künftigen Großmacht: Indien modernisiert sein Schienennetz, trennt Güter- und Personenverkehr und baut eine eigene Bahnindustrie auf.

Wer heute in Mumbai in den Zug nach Ahmedabad steigt, braucht sechs Stunden. Ende des Jahrzehnts sollen es zwei sein – durch einen 21 Kilometer langen Tunnel, der streckenweise unter dem Meeresgrund der Thane-Bucht verläuft, Indiens erster Unterwassertunnel.

Der Mumbai-Ahmedabad High Speed Rail Corridor, 508 Kilometer lang und nach japanischem Shinkansen-Vorbild gebaut, ist das Herzstück der indischen Hochgeschwindigkeitsambitionen. Finanziert überwiegend durch einen Kredit der japanischen Entwicklungsagentur JICA, sollen die Gesamtkosten bei 17 Milliarden Dollar [1] liegen.

Ursprünglich für 2023 geplant, soll nun 2027 zumindest der Abschnitt Surat-Vapi eröffnen, die Volllinie 2029.

Die Regierung lässt es dabei nicht bewenden. Im Budget 2026-27 kündigte Finanzministerin Nirmala Sitharaman sieben weitere Hochgeschwindigkeitskorridore an, fast 4.000 Kilometer, mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet rund 190 Milliarden Dollar [2]. Sie sollen Delhi über Varanasi bis Siliguri führen und im Süden ein Dreieck aus Chennai, Bengaluru und Hyderabad bilden.

Nach Angaben der Times of India [3] entwickelt Indien dafür erstmals eigene Baunormen statt ausländischer Standards, ausgelegt auf 350 Kilometer pro Stunde – teils mit unterirdischen Stationen bis tief in die Innenstädte hinein.

Ein gewaltiges Bauprogramm also. Und doch nicht der Kern dessen, was sich derzeit auf Indiens Schienen wirklich abspielt.

Der eigentliche Umbau fährt auf den alten Gleisen

Denn während die Öffentlichkeit auf den Hochgeschwindigkeitszug starrt, vollzieht sich der eigentliche Umbau der indischen Eisenbahn woanders: im mehr als 68.000 Kilometer langen Bestandsnetz.

Dort werden gerade Schienen erneuert, Weichen ausgetauscht, Signalanlagen digitalisiert und Güterzüge von den Personenstrecken getrennt – in einem Ausmaß [4], das öffentlich kaum wahrgenommen wird, aber die tägliche Realität von mehr als 20 Millionen Fahrgästen betrifft.

Jahrzehntelang überlastet

Dass Indiens Schienennetz heute so intensiv saniert werden muss, hat eine lange Vorgeschichte [5]. Zwischen 1950 und 2016 wuchs die Streckenlänge um gerade einmal 23 Prozent – während der Personenverkehr um 1.344 Prozent und der Güterverkehr um 1.642 Prozent zunahmen. Das Netz wurde also über Jahrzehnte hinweg immer intensiver befahren, ohne im gleichen Tempo mitzuwachsen.

Ein Grund dafür liegt in der Tarifpolitik: Personenfahrkarten wurden politisch günstig gehalten, die Verluste über den Güterverkehr querfinanziert. Das trieb Fracht auf die Straße und ließ der Bahn kaum Überschüsse für eigene Modernisierung. Wie eng der finanzielle Spielraum zeitweise war, zeigt der sogenannte Betriebskoeffizient, das Verhältnis von Betriebsausgaben zu Einnahmen: 2021/22 lag er bei 107,4 Prozent [6]– die Bahn gab also mehr aus, als sie einnahm.

Die Generalüberholung beginnt

Wie umfangreich diese nachgeholte Sanierung inzwischen ausfällt, zeigen die Zahlen der jüngsten Jahresbilanz des Eisenbahnministeriums: Allein 2025 wurden 6.880 Streckenkilometer [7] mit neuen Schienen versehen und weitere 7.051 Kilometer vollständig erneuert, dazu über 9.000 Weicheneinheiten ausgetauscht.

Seit 2014 kamen laut Ministerium mehr als 34.000 Kilometer neue Gleise hinzu, im Schnitt gut acht Kilometer täglich – doppelt so schnell wie im Jahrzehnt zuvor. Der Anteil des Netzes, der mit mindestens 110 Kilometern pro Stunde befahren werden kann, stieg [8] dem zufolge von 40 auf 80 Prozent.

Indien erneuert also nicht nur einzelne Prestigeachsen, sondern hebt das gesamte Betriebssystem der Bahn auf ein neues Niveau.

Auch bei der Elektrifizierung hat Indien mittlerweile aufgeholt und andere große Bahnnationen überholt: Nach Angaben des Ministeriums [9] sind inzwischen 99,2 Prozent des Breitspurnetzes elektrifiziert. Wie schnell dieser Umbau finanziell an Fahrt aufgenommen hat, lässt sich an der Investitionskurve ablesen, die das Fachmagazin International Railway Journal [10] nachgezeichnet hat.

Von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro im Haushaltsjahr 2004/05 stiegen die staatlichen Kapitalausgaben für die Bahn auf gut 9 Milliarden Euro 2014/15 und liegen mittlerweile bei etwa 27 Milliarden Euro. Innerhalb von zwei Jahrzehnten hat sich das Investitionstempo damit in etwa verzwanzigfacht.

Die Güterzüge bekommen ihre eigenen Gleise

Der vielleicht folgenreichste Umbau betrifft den Frachtverkehr. Jahrzehntelang teilten sich schwere Güterzüge und schnelle Personenzüge auf den wichtigsten Korridoren dieselben Gleise – mit dem Ergebnis, dass beide Systeme einander ausbremsten.

Die indische Lösung heißt "Dedicated Freight Corridor": eigene Trassen für den Güterverkehr, die schwere und langsame Züge aus dem Bestandsnetz herausnehmen und dort Kapazität für den Personenverkehr freimachen. Es ist eine Hochleistungsfrachtbahn – und für das Gesamtsystem womöglich wichtiger als jede Hochgeschwindigkeitsstrecke.

Die beiden großen Korridore zwischen Ludhiana und Sonnagar im Osten sowie zwischen dem Hafen JNPT bei Mumbai und Dadri im Westen sind inzwischen fast vollständig in Betrieb, mit täglich mehr als 400 Zügen, wie das Eisenbahnministerium [11] in seiner Jahresbilanz festhält.

Im laufenden Haushaltsjahr erreichte Indien nach eigenen Angaben erstmals die Marke von einer Milliarde Tonnen Frachtaufkommen und wurde damit, hinter China, zum zweitgrößten Frachtbahnbetreiber der Welt, noch vor den USA.

Als Nächstes soll ein dritter, deutlich längerer Korridor [12] entstehen: rund 2.100 Kilometer zwischen Dankuni bei Kalkutta und Surat in Gujarat, quer durch Westbengalen, Jharkhand, Odisha und Maharashtra. Er würde erstmals den industriellen Osten direkt mit dem Westen verbinden, ohne den Umweg über die längst überlasteten zentralindischen Hauptstrecken.

Wird schwerer Güterverkehr von den Hauptachsen genommen, gewinnt der Personenverkehr dort automatisch an Kapazität und Zuverlässigkeit. Es ist die wohl unauffälligste, aber wirkungsvollste Form der Netzentlastung, die Indien derzeit betreibt.

Schienen bis an die Grenzen

Es gibt einen dritten Umbau: die Bahnstrecken an den Rändern des Landes, im Himalaya und im Nordosten, entlang der Grenzen zu China, Myanmar und Bangladesch. Hier geht es nicht primär um Wirtschaftlichkeit, sondern um das, was man territoriale Integration nennen könnte.

Das deutlichste Beispiel liegt in Sikkim. Die im Bau befindliche Strecke zwischen Sivok in Westbengalen und Rangpo im Bundesstaat Sikkim soll die Region erstmals ans nationale Breitspurnetz anschließen – auf gut 40 Kilometern liegen 14 Tunnel und 13 Brücken, wie die Times of India [13] berichtet. Parallel läuft bereits die Vermessung für eine Verlängerung bis Gangtok und weiter zum Nathu-La-Pass, direkt an der Grenze zu Tibet.

Eine vergleichbare Logik verfolgt die Bahnlinie zwischen Jiribam und Imphal in Manipur, die während der jüngsten Unruhen im Bundesstaat als Versorgungsader diente und bis Ende 2028 vollendet sein soll.

Größere Dimension in Kaschmir

Die 272 Kilometer lange Udhampur-Srinagar-Baramulla-Strecke, nach dreißigjähriger Bauzeit im Juni 2025 von Premierminister Modi eröffnet, verkürzt die Fahrzeit zwischen Jammu und dem Kaschmirtal von sechs auf drei Stunden – durch 36 Tunnel und über die Chenab-Brücke, mit 359 Metern über dem Flussbett die höchste Eisenbahnbrücke [14] der Welt, höher als der Eiffelturm.

Diese Strecken sind ausdrücklich strategische Bahnen für schnellere Truppenverlegungen in den sicherheitspolitisch sensibelsten Regionen des Landes.

Vom Lokimporteur zum Exporteur

Zur neuen Eisenbahnpolitik gehört auch, dass Indien die materielle Basis dieses Umbaus zunehmend selbst herstellt. Im westbengalischen Chittaranjan steht die größte Elektrolokomotiven-Fabrik der Welt, die im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekord von 700 Loks produzierte – und im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025/26 mit 800 Einheiten noch einmal übertraf.

Landesweit kamen laut Eisenbahnministerium allein zwischen Januar und November 2025 rund 1.542 neue Elektrolokomotiven [15] aus indischer Produktion, mehr als in den USA und Europa zusammen.

In Marhowra etwa produziert Wabtec Dieselloks – mit einem bemerkenswerten Nebeneffekt: Das Werk hat kürzlich einen Exportauftrag über 400 Millionen Dollar für 150 Lokomotiven nach Guinea an Land gezogen, die ersten Lieferungen sind bereits erfolgt. Aus einem Land, das Lokomotiven über Jahrzehnte importierte, ist binnen weniger Jahre ein Exporteur geworden.

Mehr als ein Verkehrsprojekt

Indiens Eisenbahnbau zielt auf den Kern staatlicher Leistungsfähigkeit: ein dichteres Bestandsnetz, eigene Frachtkorridore, strategische Grenzbahnen und eine Industrie, die Lokomotiven selbst produziert und exportiert.

Gerade darin unterscheidet sich Indiens Ansatz von der reinen Prestige-Logik großer Infrastrukturprojekte. Der Staat baut nicht nur schnelleres Reisen für eine zahlungskräftige Minderheit, sondern versucht, die alte Eisenbahn wieder zum effizienten Betriebssystem eines kontinentalen Landes zu machen.

Wenn dieser Umbau gelingt, wird Indiens Bahn zusätzliche Funktionen erfüllen: als Verdichter des Binnenmarkts, als Entlaster der Straßen, als Instrument territorialer Durchdringung – und als strategische Infrastruktur eines Landes, das sich selbst zunehmend als Großmacht organisiert.


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  1. https://www.eurasiantimes.com/indias-long-delayed-mumbai-ahmedabad-bullet-train-to-begin-services-in-2027/?amp
  2. https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=2226302
  3. https://timesofindia.indiatimes.com/india/for-7-new-bullet-train-corridors-govt-aims-standard-design-for-structures-tunnels/articleshow/132021656.cms
  4. https://www.drishtiias.com/daily-updates/daily-news-editorials/indian-railways-on-the-fast-track-to-transformation
  5. https://prsindia.org/policy/report-summaries/safety-and-security-in-railways
  6. https://prsindia.org/budgets/parliament/demand-for-grants-2023-24-analysis-railways
  7. https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=2209199
  8. https://www.drishtiias.com/daily-updates/daily-news-editorials/indian-railways-on-the-fast-track-to-transformation
  9. https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=2209199
  10. https://www.railjournal.com/in_depth/the-rise-and-rise-of-indian-rail-investment/
  11. https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=2209199
  12. https://newsonair.gov.in/railways-initiated-fast-track-action-to-complete-dankuni-surat-dedicated-freight-corridor/
  13. https://timesofindia.indiatimes.com/city/kolkata/final-location-survey-begins-for-train-line-to-nathu-la/articleshow/129811096.cms
  14. https://www.ispp.org.in/indian-railways/
  15. https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=2209199

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  • 04. Juli 2026 um 12:00

Developer-Häppchen fürs Wochenende – kleinere News der Woche

Von Heise
Mexikanische Häppchen

(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)

Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Flux, Dragonfly, Endive, Kotlin Notebook, Spring AI, SharePoint, VS Code, Kai, CMake und W3C.

In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • Das Projekt Kotlin Notebook [7] wird ab IntelliJ IDEA 2026.2 eingestellt. JetBrains hatte es 2023 [8] analog zu Jupyter Notebooks als interaktive Plattform für Kotlin-Code gestartet. Das Plug-in wird weiterhin als Open-Source-Projekt verfügbar sein, damit die Community es weiterentwickeln kann.
  • Für die jetzt verfügbare Version 2 von Spring AI [9] hat das Team die Basis des Tools in den letzten Monaten komplett umgebaut, um „neue Maßstäbe in Bezug auf Umfang, Qualität und Konsistenz zu setzen, was eine nachhaltige Weiterentwicklung des Projekts ermöglichen soll.“ Im Kern basiert es auf Spring Boot 4.0/4.1 und Framework 7.0. Neu ist eine komplette Null-Absicherung mit JSpecify, MCP-Unterstützung und ein Fokus auf Agenten.
  • Als Minor Release enthält Version 1.23.2 von SharePoint Framework [10] in erster Linie Bugfixes und schließt bekannte npm-Sicherheitslücken. Mit dabei ist aber auch die Vorbereitung für das neue Listenpanel‑Override, das sich in manifest.json mit isPanelExperienceEnabled aktivieren lässt.
  • Neu bei Visual Studio Code 1.127 [11] sind Agenten, die Web‑Apps direkt im Browser bauen und testen. Zudem bekommt Microsofts Code-Editor sichereres, domainspezifisches Browsen und kann Agentensessions besser organisieren.
  • Embarcadero verhilft seinem für Delphi und C++Builder optimierten KI-Assistenten Kai [12] mit Version 1.0.1 zu mehr Stabilität und Performance. Verbessert wurde auch die Integration in RAD Studio.
  • Das quelloffene und plattformunabhängige Build-System CMake [13] behebt mit Version 4.3.4 mehrere Fehler und verbessert Modultests. Außerdem korrigiert das Release diverse Toolchain‑ und Hilfe-Dokumentationsprobleme und stellt wieder die volle Unterstützung für ARM64 und TLS‑freie curl‑Builds her.
  • Die Arbeitsgruppe „Verifiable Credentials“ des W3Cs hat heute den First Public Working Draft für die Spezifikation „Verifiable Credential Forgery Defense“ [14] veröffentlicht. Dabei geht es um die nachträgliche Authentifizierung von Credentials, die quantenkryptografisch unsicher sind, aber nicht erneuert werden können. Zur zusätzlichen Absicherung sollen Witness Lists zum Einsatz kommen.

Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [15].


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  1. https://fluxcd.io/blog/2026/06/flux-v2.9.0/
  2. https://www.cncf.io/blog/2026/06/30/dragonfly-v2-5-0-is-released/
  3. https://foojay.io/today/endive-1-0-wasm/
  4. https://bytecodealliance.org/articles/endive-and-the-next-chapter-of-webassembly-on-the-jvm
  5. https://ai.pod.inside-agile.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_kipo.empfehlung-hplus.link.link&LPID=34760
  6. https://ai.pod.inside-agile.de/tickets.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_kipo.empfehlung-hplus.link.link&LPID=34760
  7. https://blog.jetbrains.com/idea/2026/06/kotlin-notebook-sunset/
  8. https://www.heise.de/news/Entwicklungsumgebung-Kotlin-Notebook-fuer-IntelliJ-IDEA-gestartet-9207496.html
  9. https://spring.io/blog/2026/06/12/spring-ai-2-0-0-GA-available-now
  10. https://learn.microsoft.com/en-us/sharepoint/dev/spfx/release-1.23.2
  11. https://code.visualstudio.com/updates/v1_127
  12. https://blogs.embarcadero.com/kai-1-0-1-is-now-available/
  13. https://www.kitware.com/cmake-4-3-4-available-for-download/
  14. https://www.w3.org/news/2026/first-public-working-draft-verifiable-credential-forgery-defense-v1-0/
  15. mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer-H%C3%A4ppchen
  16. mailto:mai@ix.de

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  • 04. Juli 2026 um 09:12

U.S. Navy: Kampfflugzeuge-Reparatur aus dem Drucker

Von Andreas Donath
Statt Wochen in der Instandsetzung zu verlieren, sollen beschädigte Kampfjets bald an Ort und Stelle repariert werden. Die U.S. Navy testet dafür eine 3D-Drucktechnik.
F/A-18 Super Hornet (Bild: U.S. Navy)
F/A-18 Super Hornet Bild: U.S. Navy / CC0 1.0

Die U.S. Navy erprobt eine neue Methode, um beschädigte F/A-18 Super Hornets zu reparieren. Ingenieure der Naval Air Warfare Center Aircraft Division (NAWCAD) und des Fleet Readiness Centers Southwest (FRCSW) haben ein 3D-Druckverfahren entwickelt, mit dem Wartungsteams Verbundstoffteile direkt flicken können, ohne die Arbeit an ein Reparaturdepot auszulagern.

Labor und Bodentests bestand der Ansatz bereits. Ein Flugtest an einem einsatzfähigen Flugzeug sei für diesen Sommer geplant, wie Verantwortliche des Programms mitteilten.

U.S. Navy will Jets dort reparieren, wo sie fliegen

Schäden an Verbundwerkstoffen, etwa Risse in den Triebwerksklappen, setzten Hornets in der Vergangenheit oft lange außer Gefecht. Solche Reparaturen erfordern normalerweise spezialisierte Techniker und Materialien, die nicht überall verfügbar sind, wo die Maschinen stationiert sind.

Diese Lücke könne Jets deutlich länger am Boden halten als rein mechanische Probleme, so die U.S. Navy. Es ziehe Flugzeuge aus dem Dienst und belaste Lieferketten, die auf den Transport von Teilen über weite Strecken angewiesen seien.

NAWCAD-Commander Rear Admiral Todd Evans erklärte, das Ziel der neuen Methode sei es, Reparaturfähigkeiten näher an die tatsächlichen Einsatzorte der Flugzeuge zu bringen. Er beschrieb das Vorhaben als Versuch, einen komplizierten Reparaturprozess so zu vereinfachen, dass er direkt an vorgeschobenen Stützpunkten stattfinden kann. So müssten die Maschinen nicht mehr andernorts gewartet werden.

Evans bezeichnete das Projekt als Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit der Staffeln von externer Unterstützung. Eine fertige Lösung sei es aber noch nicht, betonte er.

Gedruckte Patches statt langer Wartezeiten

Die Reparatur selbst besteht aus 3D-gedruckten Verbundstoff-Patches, die direkt auf beschädigte Flugzeugoberflächen aufgebracht werden. Die Entwicklungsteams geben an, konkrete Anwendungsschritte und Prüfverfahren entwickelt zu haben, um sicherzustellen, dass die Patches den Sicherheitsstandards für den Flugbetrieb entsprechen. Endgültige Ergebnisse stehen jedoch noch aus. Der bevorstehende Flugtest soll diese liefern.

Bewährt sich das Verfahren unter realen Flugbedingungen, könnte es an Geräte anknüpfen, die die U.S. Navy bereits im Einsatz hat. Der Dienst betreibt derzeit 3D-Drucker an 22 Wartungsstandorten weltweit. Diese Infrastruktur könnte theoretisch Reparaturen vor Ort ohne größere Zusatzinvestitionen ermöglichen.

Dieses bestehende Druckernetzwerk ist einer der Gründe für den vorsichtigen Optimismus der Verantwortlichen. Statt neue Kapazitäten von Grund auf aufzubauen, würde das Programm größtenteils auf bereits vorhandene Hardware zurückgreifen und sie für eine Aufgabe nutzen, für die sie ursprünglich nicht geplant war.

Offen ist bislang, wie sich der Prozess auf unterschiedliche Arten von Verbundstoffschäden skalieren lässt und welche Ausbildung Matrosen benötigen würden, um die Reparaturen eigenständig durchzuführen.

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  • 04. Juli 2026 um 15:35

Kraftfahrt-Bundesamt: Auto-Neuzulassungen im Juni deutlich gestiegen

Von Andreas Donath
Mehr Elektroautos, mehr private Käufer, weniger Diesel und Benziner: Das Kraftfahrt-Bundesamt zieht für Juni 2026 eine positive Halbjahresbilanz.
E-Auto-Zulassungen steigen. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
E-Auto-Zulassungen steigen. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat seine Zahlen für Juni 2026 vorgelegt. Demnach wurden 296.378 Personenkraftwagen neu zugelassen. Das entspricht einem Anstieg von 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Private Halterinnen und Halter trugen maßgeblich zu diesem Ergebnis bei. Ihre Neuzulassungen legten um 28,6 Prozent zu und erreichten einen Anteil von 36,6 Prozent. Gewerbliche Zulassungen stiegen um 9,4 Prozent, ihr Anteil lag bei 63,4 Prozent.

Für das erste Halbjahr 2026 verzeichnet die Behörde insgesamt 1.484.393 Neuwagen. Das ist ein Plus von 5,8 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025.

Deutsche Marken mit unterschiedlicher Entwicklung

Bei den deutschen Herstellern zeigte sich im Juni ein gemischtes Bild. Smart erzielte mit 176,3 Prozent das größte Plus, der Marktanteil blieb mit 0,3 Prozent jedoch gering. Mini legte um 59,7 Prozent zu und kam auf einen Anteil von 1,7 Prozent. BMW und Audi verzeichneten zweistellige Steigerungen von 18,6 beziehungsweise 17,1 Prozent. Auch Ford, Mercedes-Benz und VW meldeten Zuwächse zwischen 5,9 und 7,5 Prozent.

Rückläufig entwickelten sich dagegen Opel mit minus 14,8 Prozent und Porsche mit minus 3,6 Prozent. VW blieb sowohl im Juni als auch im ersten Halbjahr die anteilstärkste Marke insgesamt, mit 17,2 beziehungsweise 18,4 Prozent.

Unter den Importmarken mit größerem Marktanteil fiel vor allem Tesla auf. Der Hersteller verzeichnete ein Plus von 317,6 Prozent und kam auf einen Anteil von 2,6 Prozent. BYD folgte mit einem Zuwachs von 273,7 Prozent und 2,1 Prozent Marktanteil.

Auch Seat, Renault, Škoda, Dacia, Fiat und Kia meldeten zweistellige Steigerungsraten. Škoda blieb dabei die anteilstärkste Importmarke, sowohl im Juni als auch im Halbjahresvergleich.

Bei den Fahrzeugsegmenten dominierten die SUVs mit einem Anteil von 37,5 Prozent im Juni, das Segment wuchs um 26,9 Prozent. Kleinwagen folgten mit 12,9 Prozent Anteil, die Kompaktklasse kam trotz eines Rückgangs von 5,0 Prozent auf Platz drei. Das stärkste prozentuale Wachstum verzeichnete das Segment der Minis mit 62,7 Prozent.

Elektromobilität legt weiter zu

Bei den Antriebsarten setzte sich der Trend zur Elektromobilität fort. 84.057 rein elektrische Fahrzeuge wurden im Juni zugelassen, ein Plus von 78,2 Prozent. Ihr Anteil lag bei 28,4 Prozent.

Hybridfahrzeuge kamen auf 115.527 Neuzulassungen und einen Zuwachs von 16,8 Prozent. Benzinfahrzeuge verzeichneten dagegen einen Rückgang von 16,8 Prozent, Dieselfahrzeuge einen Rückgang von 5,1 Prozent.

Auch Nutzfahrzeuge und Gebrauchtmarkt im Plus

Auch am Nutzfahrzeugmarkt zeigten sich im Juni durchweg positive Ergebnisse. Kraftomnibusse verzeichneten ein Plus von 38,9 Prozent, Zugmaschinen insgesamt legten um 13,0 Prozent zu. Bei den Krafträdern stiegen die Neuzulassungen um 32,4 Prozent.

Insgesamt wurden im Juni 359.189 Kraftfahrzeuge und 26.919 Kfz-Anhänger neu zugelassen. Im ersten Halbjahr kamen damit 1.792.069 Kraftfahrzeuge zur Zulassung, ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Auf dem Gebrauchtfahrzeugmarkt zeigte sich im Juni ebenfalls eine positive Entwicklung, während die Halbjahresbilanz durchweg Rückgänge auswies. Insgesamt wechselten in den ersten sechs Monaten 3.763.560 Kraftfahrzeuge und 216.425 Kfz-Anhänger ihren Halter.

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  • 04. Juli 2026 um 14:40

Video Game History Foundation: Disc-Aus hat kaum Auswirkungen auf Spielearchivare

Von Mike Faust
Ein Großteil der in den vergangenen 20 Jahren veröffentlichten Spiele erschien ohnehin nur digital. Das Problem für Archivare liegt woanders.
Spiele-Discs einfach nur in ein Regal zu stellen, ist schon lange keine geeignete Archivierungsmöglichkeit mehr. (Bild: Video Game History Foundation)
Spiele-Discs einfach nur in ein Regal zu stellen, ist schon lange keine geeignete Archivierungsmöglichkeit mehr. Bild: Video Game History Foundation

Der Gründer der Video Game History Foundation, Frank Cifaldi, sieht im Ende der physischen Datenträger für Playstation-Spiele nur geringe Auswirkungen für die Arbeit von Archivaren. Wie Cifaldi in einem Beitrag auf Bluesky äußerte, wurde ein Großteil der Videospiele in den vergangenen 20 Jahren ohnehin nur digital veröffentlicht.

Hinzu komme, dass viele Spiele, die auf Discs erschienen, bereits am ersten Tag durch Patches verändert würden und die physische Version somit ebenfalls nicht das Erlebnis widerspiegele, das tatsächlich gespielt worden sei. Museen und Archive hätten sich unter anderem deshalb bereits seit Längerem auf die Sicherung rein digitaler Inhalte vorbereitet.

Weiterhin sei die unzureichende Gesetzgebung für die Archivierung von Softwareinhalten problematisch, meint Cifaldi. Die Spieleindustrie erwarte von Institutionen wie der Video Game History Foundation, dass Inhalte über ihre Distributionsplattformen heruntergeladen würden.

Kopierschutzmaßnahmen sind das größere Problem

Digitale Kopien, die durch Nutzeraccounts an derartige Plattformen gebunden sind, lassen sich durch die eingesetzten Kopierschutzmaßnahmen allerdings nicht legal archivieren, ohne dass dabei gegen geltendes Recht verstoßen wird. Darauf zu hoffen, dass etwa ein GTA VI durch ein Museum heruntergeladen werde und nach 50 Jahren immer noch spielbar sei, sei keine Lösung für Archivare, so Cifaldi weiter.

Neben Kopien von Spielen sammelt das Video Game History Museum auch Entwicklerdokumente, Kataloge, Magazine und anderes Material zur Geschichte der Videospiele. Ein ähnliches Projekt in Deutschland, die Internationale Computerspielesammlung (ICS), musste wegen der im April 2026 ausgelaufenen Projektförderung vorläufig eingestellt werden.

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  • 04. Juli 2026 um 13:45
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