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Apples neue Betriebssysteme: Dann ist mit den Public Betas zu rechnen

Von Heise
iOS 27, macOS 27, iPadOS 27, watchOS 27 und visionOS 27

iOS 27, macOS 27, iPadOS 27, watchOS 27 und visionOS 27: Offiziell ab Herbst, Beta für alle beginnt im Juli.

(Bild: Apple)

Momentan dürfen nur registrierte Entwickler an die Betas von Apples 27er Systemen. Die Public Beta benötigt aber zum Glück nicht mehr lange.

Während Apple mit iOS 26, macOS 26 und Co. [1] auf große Umbaumaßnahmen etwa beim Design (Stichwort: Liquid Glass [2]) setzte, sollen iOS 27, iPadOS 27 [3], macOS 27 [4] und Co. vor allem der Produktpflege dienen, die die Systeme um Fehler bereinigt sowie teils deutlich beschleunigt [5]. Wer unter iOS 26, Tahoe und den anderen Systemen aufgrund der Apple-Veränderungen leidet, kann sich also freuen. Allein: Testen darf man die Systeme bislang nur, sofern man ein registrierter Entwickler [6] ist. Allerdings steht die öffentliche Beta-Phase kurz bevor: Von Apple wurde einmal mehr der Juli als Starttermin genannt. Ein Überblick, wann es so weit sein könnte – und was zu beachten ist.

Beta-Verteilung und möglicher Release-Termin

Zunächst einmal dies: Sobald Apple die Betaversionen bereitstellt, werden sie über das zentrale Beta-Portal [7] verteilt. Dabei ist eine Hinterlegung des Apple-Accounts notwendig, auf dem dann der Download freigegeben wird, dieser erfolgt jeweils wie gewohnt über die Systemeinstellungen, man muss dort nur „Beta“ anhaken. Wichtig ist, dass man möglichst ein zusätzliches Gerät für die Beta zur Verfügung hat. Zwar erscheinen die Developer-Vorabversionen bereits recht stabil – Apple hat in dieser Woche die dritte Variante [8] bereitgestellt –, doch stecken in Betas oft Fehler, die Datenverlust verursachen können. Mancher vorsichtige Mensch nutzt daher auch einen eigenen Apple-Account für die Beta, um nicht iCloud-Daten zu gefährden (was vor mehreren Jahren einmal vorkam [9]).

Public Betas wird es laut Apple für iOS 27, iPadOS 27, macOS 27 alias Golden Gate, tvOS 27, watchOS 27 sowie die HomePod-Software 27 und die neue AirPods-Firmware [10] (mit Funktionen wie einem Equalizer) geben. In den vergangenen Jahren erschienen Public Betas zu unterschiedlichen Juli-Terminen. iOS 16 kam schon am 11. Juli, iOS 27 an einem 12. des Monats. Bei iOS 26 hatte sich Apple jedoch mehr Zeit genommen: Es kam erst am 24. Juli. iOS 18 wiederum erschien zur Monatsmitte. Aufgrund der Tatsache, dass die neuen 27er Systeme weniger „revolutionär“ sind als im vergangenen Jahr, würden wir eher auf einen früheren als späteren Termin tippen.

Welche Geräte genutzt werden können – und das Siri-AI-Thema

Apple unterstützt mit iOS 27 alle iPhones ab dem iPhone 11, für Apple Intelligence braucht es weiterhin iPhone 15 Pro oder neuer, alle Siri-AI-Features bekommen Nutzer ab dem iPhone 17 Pro, Pro Max und Air. In der EU wird Siri AI, das es zum Start nur in US-englischer Sprache gibt, auf iPhone und iPad anfangs nicht angeboten [11], hier laufen Verhandlungen. (Details zur Kompatibilität mit dem iPad listet Apple hier [12].)

Auf dem Mac läuft macOS 27 nur noch auf Apple-Silicon-Maschinen. watchOS 27 [13] schneidet den Support für Apple Watch Series 8 und Ultra 1 ab, auch die SE 2 arbeitet damit nicht. Für Siri AI gibt es eine eigene Warteliste [14].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11357729

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/ratgeber/iOS-und-iPadOS-26-in-Action-23-Tipps-fuer-die-neuen-Apple-Systeme-10646549.html
  2. https://www.heise.de/hintergrund/Liquid-Glass-Apples-neue-Oberflaeche-fuer-iOS-26-macOS-26-und-Co-im-Detail-10487350.html
  3. https://www.heise.de/news/iOS-27-Mehr-Tempo-besserer-Schutz-neue-Siri-11321931.html
  4. https://www.heise.de/news/macOS-27-Golden-Gate-Liquid-Glass-Feinschliff-bessere-Performance-Siri-AI-11321827.html
  5. https://www.heise.de/news/Neue-Betriebssysteme-Apple-verspricht-erhebliche-Beschleunigung-11326339.html
  6. https://www.heise.de/news/iOS-26-Developer-Beta-2-Apple-entglast-das-iPhone-wieder-etwas-10457229.html
  7. https://beta.apple.com/
  8. https://www.heise.de/news/Dritte-Entwickler-Beta-von-iOS-27-Das-ist-neu-11356725.html
  9. https://www.heise.de/news/iOS-13-Public-Beta-kann-zu-iCloud-Datenverlust-fuehren-4467269.html
  10. https://www.heise.de/news/AirPods-Firmware-Beta-und-iOS-27-Das-ist-neu-bei-Apples-Stoepseln-11346950.html
  11. https://www.heise.de/hintergrund/Siri-AI-Warum-EU-iPhones-leer-ausgehen-11348496.html
  12. https://www.apple.com/de/os/ipados/
  13. https://www.heise.de/news/tvOS-27-und-watchOS-27-Das-ist-neu-bei-Apple-TV-und-Apple-Watch-11322662.html
  14. https://www.heise.de/news/Bericht-Apple-erwaegt-Warteliste-fuer-neue-Siri-Beta-11320164.html
  15. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  16. https://www.heise.de/mac-and-i
  17. mailto:bsc@heise.de

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  • 08. Juli 2026 um 11:49

Apples Safari bekommt MCP-Server – Test läuft

Von Heise
Safari von Apple

Icon des Safari-Browsers.

(Bild: Apple)

Mit speziellen KI-Browsern und via Plug-ins lässt sich MCP bereits nutzen. Nun legt Apple es direkt in Safari nach.

KI-Experimente im Browser gehen nun auch mit Apples Safari: Mit der in diesem Monat vorgestellten Technology Preview 247 für macOS wird erstmals ein Model-Context-Protocol-Server direkt in dem Web-Werkzeug mitgeliefert. Das dürfte insbesondere User interessieren, die aktuell noch mit Chrome und passenden Extensions / Plug-ins [1] arbeiten, den Google-Browser aber eigentlich im Alltag nicht nutzen wollen. Alternativen KI-Browsern wie Atlas [2], Comet [3] oder Dia [4] wird hingegen aus Datenschutzgründen oft kein ausreichendes Vertrauen entgegengebracht.

Agent bekommt Safari-Zugriff

Schon im Januar wurde bekannt, dass Apple an einem KI-Browser [5] arbeitet – beziehungsweise Safari entsprechend umbauen will. Mit macOS 27 [6] kommt im Herbst unter anderem die Möglichkeit, Tabs automatisch zu gruppieren, sowie einen agentischen Veränderungsalarm [7] zu nutzen, der etwa neue Preise erkennt. Der MCP-Server sollte dann ebenfalls freigeschaltet sein. Wie Apples WebKit-Team in seiner Einführung zum neuen MCP-Server [8] schreibt, soll sich jeder MCP-fähige Client damit verbinden lassen.

„Indem Sie Ihren Agenten mit einem Safari-Browserfenster verbinden, kann dieser die Benutzererfahrung Ihrer Nutzer nachbilden und erhält so die Informationen, die er benötigt, um Fehler selbstständiger zu beheben – beispielsweise Zugriff auf das DOM, Netzwerkanfragen, Screenshots und Konsolenausgaben“, so die Macher. Die Safari Technology Preview 247 lässt sich bei Apple herunterladen [9].

Weniger Klicken und schnelleres Debugging

Als Anwendungsfälle nennt das WebKit-Team etwa das Debugging von Web-Apps, das Testen auf Kompatibilität zu Safari, die Performance-Analyse und Überprüfungen im Bereich der Barrierefreiheit, die sich allesamt agentisch automatisieren oder zumindest leichter und schneller durchführen lassen. Agenten können zudem jeden User State prüfen, egal welches Seitenelement untersucht werden soll.

Das WebKit-Team nennt insgesamt 17 Werkzeuge, die Agenten nutzen können, darunter Screenshots, Tab-Wechsel, Seiteninfos und mehr. In seiner Dokumentation zeigt Apple zudem, wie man Claude, Codex sowie andere MCP-fähige Coding-Systeme in Safari einbindet. Wie der Browser selbst ist auch die Technology Preview kostenlos; ein Apple-Entwickleraccount ist nicht notwendig.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11356777

Links in diesem Artikel:

  1. https://github.com/ChromeDevTools/chrome-devtools-mcp
  2. https://www.heise.de/news/Ein-Browser-fuer-ChatGPT-OpenAI-gibt-Chrome-Konkurrenten-Atlas-fuer-macOS-frei-10793833.html
  3. https://www.heise.de/news/KI-Browser-Comet-von-Perplexity-nun-frei-verfuegbar-10711943.html
  4. https://www.heise.de/news/Arc-The-Browser-Company-erwaegt-Verkauf-oder-Open-Sourcing-10411421.html
  5. https://www.heise.de/news/Apple-bastelt-an-KI-Browser-Projektstatus-unklar-11154972.html
  6. https://www.heise.de/news/macOS-27-Golden-Gate-Liquid-Glass-Feinschliff-bessere-Performance-Siri-AI-11321827.html
  7. https://www.heise.de/news/macOS-27-Golden-Gate-Liquid-Glass-Feinschliff-bessere-Performance-Siri-AI-11321827.html
  8. https://webkit.org/blog/18136/introducing-the-safari-mcp-server-for-web-developers/
  9. https://developer.apple.com/safari/technology-preview/
  10. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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  • 08. Juli 2026 um 10:52

Dritte Entwickler-Beta von iOS 27: Das ist neu

Von Heise
iOS 27

iOS 27: Schneller und runder, laut Apple.

(Bild: Apple)

Noch immer dürfen reguläre Nutzer iOS 27 nicht testen, doch Apple bereitet die Public Beta vor. Für Entwickler kam nun die dritte Vorabversion.

Apple hat in dieser Woche eine weitere Auflage seiner Entwickler-Beta von iOS 27 [1] vorgestellt – und schraubt weiter an bereits angekündigten, aber nur teilweise umgesetzten Features. Die Arbeit erfolgt in Vorbereitung der ersten Public Beta [2] des neuen iPhone-Betriebssystems, die noch in diesem Monat erwartet wird. Die Developer-Vorabversionen sind zumeist noch etwas „rau“, werden sie doch gleich zur Entwicklerkonferenz WWDC im Juni vorgestellt, ohne dass es zuvor externe Tester gegeben hätte.

Siri-Stimme endlich einstellbar

iOS 27 Developer Beta 3 steht für alle registrierten Apple-Entwickler [3] kostenlos zum Download bereit. Die Neuerungen betreffen unter anderem Siri AI [4], die Erinnerungen-App, eine neue „Live-Erkennung“-Funktion für Sehbehinderte und mehr. Bei der Siri-Stimme, die Apple erstmals konfigurierbar macht, ist es nun erstmals möglich, tatsächlich etwas zu verändern – nachdem in den ersten zwei Betas die Regler jeweils nicht aktiv waren.

Nun kann man nicht nur eine von zwei laut Apple besonders realistischen Stimmen auswählen, sondern auch deren Sprechgeschwindigkeit und „Expressivität“, also die Sprechmelodie. Es bleibt dabei, dass es nur zwei US-englische Stimmen gibt: Eine männliche und eine weibliche. Künftig dürften hier weitere hinzukommen, wobei Siri AI zum Start im Herbst sowieso zunächst offiziell nur auf US-Englisch funktioniert. Die verbesserte Siri-Stimme wird auf dem Gerät erzeugt, was bedeutet, dass nicht alle iPhones diese unterstützen – explizit geht sie nur auf iPhone 17 Pro, 17 Pro Max und Air [5].

Live-Erkennung, Liquid Glass und AirPods-Neuerungen

Im Bereich der Barrierefreiheit hat Apple eine neue „Live-Erkennung“ (Live Recognition) freigeschaltet. Diese kann Dinge über die Kamera-App erkennen – inklusive der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Idee dabei [6] ist, dass sich Sehbehinderte ihre Umgebung beschreiben lassen können. Es ist möglich, eine Standardfrage einzustellen, etwa „Was ist das?“.

In der Erinnerungen-App hat Apple am Liquid-Glass-Design geschraubt und liefert ein neues Icon. Die Fotos-App lässt das An- und Abschalten eines Sterne-Ratings zu. Die Kurzbefehle-App hat nun eine Standardeinstellung für klassische, „geklickte“ Shortcuts und solche, die man mittels KI erstellt. AirPods-Nutzer können Transparenz- und Geräuschunterdrückung besser einstellen (Zwischenstufe). Kleinere Neuerungen betreffen die Home-Screen-Animation (nochmals flüssiger) und die Karten-App (Erläuterung, wo die Routen-Präferenz jetzt gelandet ist).


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11356725

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/iOS-27-Mehr-Tempo-besserer-Schutz-neue-Siri-11321931.html
  2. https://beta.apple.com/
  3. https://developer.apple.com/
  4. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Apple-verspricht-umfassenden-KI-Neustart-fuer-Apple-Intelligence-11322101.html
  5. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Was-in-der-Beta-geht-und-was-noch-nicht-11341222.html
  6. https://www.heise.de/news/Mit-KI-Apple-stellt-neue-Funktionen-fuer-Barrierefreiheit-vor-11298952.html
  7. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  8. https://www.heise.de/mac-and-i
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  • 08. Juli 2026 um 10:22

Krank zur Arbeit: Warum die neue Attest-Debatte in Deutschland fehlgeht

Von Telepolis
Kranke Frau versucht zu arbeiten, aber es geht nicht, weil sie zu verschnupft ist. Vor ihr stehen Taschentücher, ein paar sind benutzt.

(Bild: PeopleImages / Shutterstock.com)

Fast jeder arbeitet mal krank. Während die Politik die Attestpflicht verschärfen will, warnt die BKK vor teuren psychischen Langzeitfolgen.

Krank ins Büro, Kopfschmerzen schnell mit einer Pille wegdrücken, bloß nicht in der Firma anrufen: Für die überwältigende Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland gehört Präsentismus zum Alltag.

Bestätigt wird das durch eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des Verbraucherportals Allright unter 2.000 Erwerbstätigen. Die Zahlen zeigen die Situation deutlich: Rund 95,2 Prozent der Befragten haben schon mindestens einmal gearbeitet, obwohl sie sich krank fühlten. 72 Prozent hatten dabei das Gefühl, sich für ihre Krankmeldung rechtfertigen zu müssen.

Die Erhebung fällt in eine politisch aufgeladene Phase: Die schwarz-rote Koalition will die Attestpflicht auf den ersten Krankheitstag vorziehen [1] und die telefonische Krankschreibung abschaffen.

Doch Daten des BKK Dachverbands legen nahe, dass diese Maßnahmen am eigentlichen Kostentreiber vorbeigehen.

Arbeitsrecht beim Krankmelden: Was Chefs wirklich fragen dürfen

Auffällig ist, wie stark der Rechtfertigungsdruck nach Alter variiert. Unter den 18- bis 29-Jährigen geben 82,1 Prozent an, sich schon für eine Krankmeldung vor dem Arbeitgeber erklären zu müssen.

Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 50,7 Prozent. Frauen berichten mit 76,5 Prozent deutlich häufiger von solchem Druck als Männer mit 67,1 Prozent.

Paul Krusenotto, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Allright, ordnet das ein: "Die Zahlen zeigen, dass viele Beschäftigte Krankheit im Job offenbar nicht als legitimen Ausnahmezustand wahrnehmen, sondern als etwas, das sie rechtfertigen müssen. Das ist arbeitsrechtlich und gesellschaftlich ein Warnsignal."

Dabei müssten die Beschäftigten ihren Arbeitgebern nur mitteilen, dass sie vorübergehend arbeitsunfähig seien. Die genaue Diagnose gehe diese grundsätzlich nichts an. Trotzdem wurden laut Umfrage 57,8 Prozent schon nach dem konkreten Grund ihrer Krankmeldung gefragt.

Milliarden-Kosten durch Krankengeld: BKK warnt vor psychischen Ausfällen

Die BKK-Alleinvorständin Anne-Kathrin Klemm richtet den Blick auf die Langzeitfolgen: "Es sind die langen, oft Muskel-Skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden".

Psychische Erkrankungen machen zwar nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, dauern aber im Schnitt über fünf Wochen – Tendenz steigend. Das Krankengeld, das erst ab dem 43. Krankheitstag greift, summiert sich inzwischen auf 21,6 Milliarden Euro jährlich.

Die häufigsten Ausfallursachen – Atemwegsinfekte – fallen finanziell dagegen kaum ins Gewicht. CDA-Chef Dennis Radtke warnte deshalb vor einer Kultur des Misstrauens: Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, man halte die Menschen für faul.

Außerdem müsste auch berücksichtigt werden, dass Menschen, die heute einen Tag fehlten, künftig gleich drei oder fünf Tage ausfallen könnten, wenn der Gang zum Arzt zur Pflicht werde.

Die Regierung konkretisierte ihre Pläne trotz breiter Kritik [2] bereits teilweise.

Lohnfortzahlung im EU-Vergleich: Was die Studie der Uni Bamberg zeigt

Eine Studie der Universität Bamberg [3] mit knapp 20.000 Beschäftigten in 35 europäischen Ländern zeigt: In Staaten mit großzügiger Lohnfortzahlung ab dem ersten Tag liegt der Anteil der krank gearbeiteten Tage im Schnitt acht Prozentpunkte niedriger.

So arbeiten in Deutschland Beschäftigte an rund 21 Prozent ihrer Krankheitstage weiter – in Spanien, Frankreich oder Großbritannien etwa sind es über 55 Prozent.

86,1 Prozent der Befragten fordern laut Allright-Umfrage, dass Arbeitgeber mehr Verantwortung übernehmen sollten, damit Kranke sich tatsächlich krankmelden.

Dass strukturelle Überlastung längst über einzelne Fehltage hinausgeht, belegt auch eine DGB-Studie [4]: 40 Prozent der Beschäftigten glauben nicht, ihren Beruf bis zur Rente durchzuhalten.

Klemm mahnt: "Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange". Wird das nicht berücksichtigt, dann kann es noch teurer werden. "Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter", so Klemm weiter.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11357687

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Debatte-um-Fehlzeiten-Arztbesuch-statt-Telefonat-11352338.html
  2. https://www.heise.de/tp/article/Attest-ab-Tag-eins-Regierung-relativiert-umstrittene-Plaene-nach-Kritik-11352614.html
  3. https://www.stb-web.de/news/article.php/id/26720
  4. https://www.heise.de/tp/article/Handwerk-Pflege-Bau-Hier-ist-die-Rente-mit-67-fuer-die-meisten-unerreichbar-11355194.html

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  • 08. Juli 2026 um 11:00

Chameneis Beisetzung: Wie Teheran Einheit inszeniert

Von Telepolis
Menschenmenge in einer Straße

Die Beisetzung Chameneis dauert mehrere Tage

(Bild: Hussein Kassir/Shutterstock.com)

Millionen säumen Irans Straßen, während Chameneis Sarg durchs Land zieht. Trauer und Trotz vermischen sich zur Machtdemonstration. Doch eine Frage bleibt offen.

Das letzte Geleit für den im israelisch-amerikanischen Angriffskrieg getöteten obersten religiösen Führer [1] des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, gerät zur politischen Massendemonstration.

Der iranische Staat inszeniert [2]die Feierlichkeiten mit großem Aufwand: Seit vergangenem Donnerstag finden [3] in der schiitischen Theokratie Trauerfeiern für den am ersten Kriegstag ermordeten obersten "Wegweiser" [4] statt. Chamenei starb [5] bei einer US-israelischen Bombardierung. Mit ihm verschieden eine Tochter, eine erst 14 Monate alte Enkelin, eine Schwiegertochter und ein Schwiegersohn.

Der Trauerakt begann [6] mit der Aufbahrung der Särge in der zentral gelegenen Teheraner Großmoschee Mosalla – inmitten einer Phase zäher US-iranischer Verhandlungen, die jüngst wieder militärisch eskalierte [7].

Dabei fielen zwei Dinge auf: Zum einen defilierte [8] auch die sonst streng im Verborgenen gehaltene Ehefrau Chameneis samt Familie am gläsernen Sarg vorbei. Zum anderen fehlte erneut [9]der designierte Nachfolger, sein vierter Sohn Modschtaba.

Laut iranischen Medien ist auch nicht vorgesehen, dass er das Totengebet des Vaters leitet – obwohl das die tradierte, schiitische Staatsräson eigentlich vorschreibt. Alle übrigen Würdenträger nahmen teil [10]: Offizielle der Revolutiosngarden, Kleriker, Präsident Peseschkian, Parlamentspräsident Ghalibaf sowie die drei anderen Söhne des Ermordeten.

Das befeuert Spekulationen über den Gesundheitszustand des nun mächtigsten Mannes im Kriegsland: Wahrscheinlich ist Modschtaba Chamenei schwer [11], möglicherweise im Gesicht, entstellt, geistig aber klar – bisherige Stellungnahmen wurden meist von TV-Sprechern verlesen.

Rotes Millionen-Spektakel

Das Fehlen des neuen Wegweisers tut dem Millionenauflauf [12] keinen Abbruch. Am offenen Sarg defilierten [13] im Staatsfernsehen übertragen Militärs Seite an Seite mit Vertretern ethnischer Minderheiten vorbei – Bilder der christlichen, jüdischen und orthodoxen Vertreter am Sarg gingen um die Welt.

Danach zog [14] die Trauerkolonne per Lkw durch Teheran weiter ins geistige Zentrum Qom, um zum Wochenende im an der afghanischen Grenze gelegenen Maschhad anzukommen. Dutzende Bilder aus staatlichen wie privaten Kanälen belegen [15]: Millionen säumen den letzten Weg. Viele lassen ihren Emotionen freien Lauf [16] – neben den obligatorischen "Tod Amerika/Israel"-Rufen sind auf traditionell roten schiitischen Trauer-Fahnen die persischen Worte für Rache und Vergeltung zu lesen.

Genaue Zahlen liegen bislang nicht vor, doch dürfte es sich um ein Ereignis handeln, das weltweit Superlative sprengt [17]. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad folgten [18] wohl allein in Teheran mehr als 15 Millionen Menschen dem Zug; bis zur letzten Station rechnen die Behörden mit rund 35 Millionen Teilnehmern.

Zum Vergleich: Der Iran hat aktuell rund 93 Millionen Einwohner – rechnerisch hätte also jeder Dritte kondoliert. Bei der Beisetzung von Ayatollah Chomeinis säumten [19] rund 10,3 Millionen Menschen die Straßen. Die Mekka-Wallfahrt ist aktuell auf 1,7 Millionen Pilgernde limitiert [20], die 72 Vorrundenspiele der laufenden Fußball-WM verfolgten [21] rund 4,6 Millionen Menschen live im Stadion. Alle drei Ereignisse werden vom iranischen Trauerzug damit deutlich in den Schatten gestellt.

Westliche Wünsche

Westliche Medien insinuieren [22] vor allem einen Zwangscharakter. Das Spektakel sei reine "Machtdemonstration", die Zeremonie werde [23] von "Sorgen vor einem Anschlag" überschattet.

Richtig ist: Die Berichte von vor Ort und die hohen Teilnahmezahlen lassen sozialen Druck als primäre Erklärung eher unwahrscheinlich wirken. Das iranische Außenministerium gab zudem bekannt [24], dass Delegationen aus mehr als 100 Staaten teilnahmen, darunter [25] der pakistanische Premier Sharif, der türkische Vizepräsident Yilmaz und hochrangige chinesische Vertreter.

Dennoch ist korrekt, dass die Führung die Feierlichkeiten als Signal nutzt: Sie zeigen erneut ein hohes Sendungsbewusstsein. Die Prozession nach Qom steht für klerikale Legitimation, Teheran für einen funktionierenden Staat; Maschhad, Chameneis Geburtsort, führt beides in der Imam-Reza-Moschee zusammen.

Die Staatsrhetorik nutzt [26] den vom US-Krieg ausgelösten Rally-around-the-flag-Effekt: Chamenei wird kaum als Politiker, sondern zunehmend als Märtyrer dargestellt. Ein iranischer Nationalismus verdrängt [27] Systemkritik, da viele Iraner zwar das Regime – aber eben auch einen ausländischen Angriff ablehnen. In der äußeren Bedrohung sitzt die Führung fester im Sattel denn je.

Kultur-Kontrastprogramm

Nahezu zur gleichen Zeit feierten [28]die USA ihren 250. Geburtstag. Die eigens geschaffene, überparteiische Amerika250-Organisation verschwand faktisch in der Bedeutungslosigkeit, während die Trump-Administration mit einer Freedom250-Kampagne den Nationalfeiertag zur Präsidentenshow umfunktionierte [29].

Selbst konservative Stimmen kritisierten [30] die Vereinnahmung des Jubiläums. An vielen Orten entstanden alternativ-kritische Feiern, die Guantánamo, Ku-Klux-Klan, Kriege und Völkermord thematisierten. Während der Iran trotz aller, berechtigter Kritik an der Blutrünstigkeit des Regimes geeint wirkt, zeigen die USA zunehmend gesellschaftliche Risse.

Nach Trumps Intervention [31] bei Duzfreund Infantino wegen der Roten Karte für US-Stürmer Balogun könnte auch das Ablenkungsmittel "Brot und Spiele", insbesondere nach dem Ausscheiden der US-Boys, an Reiz einbüßen.

Geeinte Führung?

Doch zurück in den Iran. Dort ist die Führung intakt und hat die Kontrolle zurückgewonnen. Der Luftraum wurde weiträumig gesperrt – aus Sorge vor einem israelischen Angriff auf die Wagenkolonne, dieser käme einem unfassbaren Affront gleich.

Zugleich liefert die Zeremonie neue Ansätze zur Analyse der iranischen Elite. Mit Chameneis Tod könnte ein neuer Gründungsmythos entstehen: Der Revolutionsführer wird vom Staatslenker zum Märtyrer umgedeutet, was innere Spannungen hinter dem Narrativ nationaler Verteidigung zurücktreten lässt.

Wie geschlossen die Führung wirklich ist, bleibt fraglich. Chamenei lehnte Verhandlungen [32] oftmalig ab – aus seiner Sicht seien sie "weder rational, noch intelligent, noch ehrenhaft", wie er rückblickend über das Atomabkommen von 2015 urteilte.

Modschtaba Chamenei setzt [33] diesen Hardliner-Kurs fort, distanziert sich vom angeblichen Memorandum of Understanding und stimmte dem Verhandlungsprozess bislang nur unter massivem Vorbehalt zu.

Gemischte Signale

Dass die Verhandlungen dennoch weiterlaufen, spricht für eine geschwächte Position des klerikalen Anführers – politische Vertreter nutzen die Beerdigung als geschickte Bühne. Aus iranischer Sicht könnten Gespräche nach der Beisetzung sogar leichter fallen: Sie ließen sich dann als offensiv geführte Verhandlung statt als Kapitulation darstellen – erst Stärke zeigen, dann verhandeln.

Die Signale bleiben trotzdem gemischt: Ein Angriff auf die Trauergemeinde würde das Fass endgültig zum Überlaufen bringen. Aber auch ohne israelische Eskalation ist eine zweite Lesart denkbar: Weil Diplomatie in den Feierlichkeiten kein zentrales Thema ist (im Gegenteil, es wird rhetorisch gemieden) spricht vieles für ein weiteres Erstarken der Revolutionsgarden.

Sie gingen bereits aus dem Tod Soleimanis, den "Frauen, Leben, Freiheit"-Protesten und dem Junikrieg 2025 gestärkt hervor – sie sind die eigentlichen Gewinner der US-israelischen Aggression.

Während die diplomatische Führung an Verhandlungen festhält und sich über das schwache Nein des Nachfolgers hinwegsetzen könnte, dürfte die Macht der Revolutionsgarden gerade durch einen verhinderten Modschtaba Chamenei deutlich wachsen. Chameneis gewaltsamer Tod hinterlässt damit auch posthum politische Spuren – weit über den Millionen-Trauerzug hinaus.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11357575

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-chamenei-tot-102.html
  2. https://kurier.at/politik/ausland/iran-ayatollah-ali-khamenei-trauerfeierlichkeiten-beisetzung/403174797
  3. https://www.tagesschau.de/ausland/iran-teheran-trauerfeier-100.html
  4. https://parstoday.ir/de/news/world-i103996-gro%C3%9Fe_resonanz_arabischer_nutzer_auf_die_trauerfeier_f%C3%BCr_den_get%C3%B6teten_f%C3%BChrer_der_islamischen_revolution_im_irak_ausdruck_von_trauer_um_imam_khamenei
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6tung_von_Ali_Chamenei
  6. https://www.stern.de/news/leichnam-von-chamenei-zur-aufbahrung-in-die-mosalla-von-teheran-gebracht-37642428.html
  7. https://www.aljazeera.com/news/2026/7/7/us-says-strikes-launched-as-explosions-heard-in-southern-iran
  8. https://www.deutschlandfunk.de/trauerzug-fuer-getoeteten-ajatollah-chamenei-fortgesetzt-sarg-in-gelehrtenstadt-ghom-eingetroffen-100.html
  9. https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-trauerfeier-chamenei-100.html
  10. https://www.focus.de/politik/ausland/sarg-von-ali-chamenei-im-iran-erstmals-oeffentlich-gezeigt_a5c90faa-cb38-4df9-b760-03abdccc0643.html
  11. https://www.spiegel.de/ausland/iran-oberster-fuehrer-mojtaba-khamenei-offenbar-schwer-verletzt-aber-klar-im-kopf-a-916e8432-91e3-4f9a-9220-7db1e1377e2a
  12. https://www.welt.de/politik/ausland/article6a4b9c267edf43f08dbcfa33/iran-millionen-menschen-bei-trauerzug-fuer-ajatollah-ali-chamenei-in-teheran.html
  13. https://www.tagesanzeiger.ch/chamenei-millionen-bei-trauerfeier-in-teheran-433575858999
  14. https://www.reuters.com/video/watch/idRW560806072026RP1/
  15. https://www.nzz.ch/fotografie/das-ende-einer-aera-die-bilder-von-khameneis-beisetzung-in-teheran-ld.10014167
  16. https://kurier.at/politik/ausland/iran-ayatollah-ali-khamenei-trauerfeierlichkeiten-beisetzung/403174797
  17. https://www.jungewelt.de/artikel/525487.islamische-republik-abschied-vom-zweiten-wegweiser.html
  18. https://www.fr.de/politik/chamenei-trauerfeier-iran-erwartet-millionen-trauernde-warnung-an-feinde-zr-94382361.html
  19. https://www.youtube.com/watch?v=rB6Vp3_ghI8
  20. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1183279/umfrage/anzahl-der-pilger-waehrend-des-haddsch-nach-herkunft/
  21. https://www.zdfheute.de/sport/fussball-wm/fussball-wm-2026-zuschauerzahlen-hotdogs-essen-verkauf-100.html
  22. https://orf.at/stories/3435403/
  23. https://www.focus.de/politik/ausland/20-millionen-trauergaeste-und-viel-angst-vor-attentaten_11381c79-19f8-4c20-bbb1-f419d3a6af29.html
  24. https://www.deutschlandfunk.de/internationale-staatsgaeste-zu-begraebnis-von-getoetetem-obersten-fuehrer-chamenei-eingetroffen-102.html
  25. https://www.aljazeera.com/news/2026/7/3/irans-khamenei-funeral-which-world-leaders-are-attending
  26. https://www.telepolis.de/article/Rally-round-the-flag-Effekt-Warum-Krisen-Regierungen-staerken-11207167.html
  27. https://www.theguardian.com/world/2026/jul/07/millions-mourners-iran-regime-social-base
  28. https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/jun/10/america-250-maga-christian-nationalism
  29. https://english.elpais.com/usa/2026-06-16/a-fourth-of-july-for-trump-all-about-the-controversy-surrounding-americas-250th-anniversary.html
  30. https://www.kpbs.org/news/national/2026/07/02/house-democrats-accuse-trump-of-hijacking-americas-250th-birthday-for-his-own-gain
  31. https://www.heise.de/tp/article/Trumps-FIFA-Intervention-UEFA-und-Belgien-entsetzt-ueber-aufgehobene-Sperre-11355413.html
  32. https://www.jungewelt.de/artikel/525487.islamische-republik-abschied-vom-zweiten-wegweiser.html
  33. https://www.jpost.com/middle-east/iran-news/article-899886

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  • 08. Juli 2026 um 10:30

Benjamin Berndt vs. LMA: Eskaliert der Zensur-Streit um das Höcke-Interview?

Von Telepolis
Mikrophon

Bild: Shutterstock.com

Die Landesanstalt für Medien NRW wirft Podcaster Benjamin Berndt eine Sorgfaltspflichtverletzung im Gespräch mit Björn Höcke vor. Nun droht ein Rechtsstreit.

Die Landesanstalt für Medien NRW hat den Podcaster Benjamin Berndt aufgefordert, eine Passage in seinem Interview mit AfD-Politiker Björn Höcke zu überarbeiten - und alle seine bisher über 300 Gespräche auf die Einhaltung journalistischer Sorgfalt hin zu überprüfen.

Höcke hatte gegen Ende des viereinhalb stündigen Gesprächs unter anderem gesagt:

"Also keiner wusste, dass ʼalles für D.ʼ das Motto der SA war, weil man konnte es nicht wissen, denn die SA hatte kein Motto, en passant (...)

Ich habe ja hunderte Zuschriften gekriegt von Professoren der Neueren Geschichte und die (schreiben) ʼhabe ich noch nie gehört, das ist mir völlig unbekanntʼ. Wie gesagt, auch die Fachwissenschaftler konnten es nicht wissen, weil es kein Motto der SA gab.

Also dieses Urteil ist auch ein krasses Fehlurteil, wenn man es auf der Grundlage von Paragraph 86a Strafgesetzbuch ʼZeigen verfassungsfeindlicher Symboleʼ exekutiert. Aber noch mal, es gibt keinen Katalog dieser verfassungsfeindlichen Symbole (...)."

Björn Höcke im Podcast "ungeskritpet" [1]

Darin sieht die Landesmedienanstalt (LMA) eine Falschbehauptung. Im Interview mit dem Spiegel [2] äußerte sich deren Direktor Tobias Schmid, der zuvor bei RTL für Medienpolitik zuständig war.

Spiegel: Höcke hat darin (im Podcast-Gespräch) behauptet, Hitlers SA hätte überhaupt kein Motto gehabt, auch nicht "Alles für Deutschland" – ein Spruch, den der AfD-Politiker gern benutzt.

Tobias Schmid: Und das ist nachweislich falsch, Herr Höcke wurde wegen der Verwendung rechtskräftig verurteilt. Wenn solche Aussagen in einem journalistischen Format fallen, hat man die Aufgabe, sie zu kontextualisieren.

Berndt müsse die Stelle nicht unbedingt aus dem Video herausschneiden, führt Schmid weiter aus. Er könne die Aussage auch mit einem Kommentar, einer Bauchbinde im Video oder ähnlichem "kontextualisieren".

Gegenangriff mit Anwalt Steinhöfel

Grundlage für das Tätigwerden der LMA ist der Medienstaatsvertrag (MStV), der in § 19 vorschreibt, Telemedien "haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen zu entsprechen" und:

"Nachrichten sind vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen."

§19 MStV

In § 109 MStV wird die zuständige LMA angewiesen, bei Verstößen "die erforderlichen Maßnahmen" zu treffen: "Maßnahmen sind insbesondere Beanstandung, Untersagung, Sperrung, Rücknahme und Widerruf."

Bisher hat die LMA die Podcastfolge nur beanstandet, Berndt soll sich dazu äußern bzw. Abhilfe schaffen. Doch der hat sich einen Rechtsanwalt genommen – wie er etwas stolz verkündete [3]: denselben, den auch Elon Musk gerade in einer ganz anderen Sache [4] beauftragt hat, nämlich Joachim Steinhöfel, manchen noch gesichtsbekannt aus Werbespots [5] für Media Markt.

Steinhöfel war just kurz nach Höcke und vor dem Schreiben der LMA selbst Gast bei Berndt [6] und sprach dort über die Grenzen der Meinungsäußerungsfreiheit.

Zur rechtlichen Gegenwehr sagte Schmidt im Spiegel-Interview:

"Wir werden dessen Schreiben prüfen und, wenn uns seine Einschätzungen nicht überzeugen, ein förmliches Verfahren einleiten."

Die Aufsichtskompetenz der LMA: Juristisch höchst umstritten

Die Aufsichtskompetenz der LMA über Medieninhalte ist juristisch höchst umstritten. Denn die grundgesetzliche Pressefreiheit kennt keine staatliche Kontrolle. Sollten Inhalte strafrechtlich relevant sein, sind die Strafgerichte zuständig, für persönliche Betroffene gibt es die Zivilgerichte.

Auch wenn immer wieder betont wird, das Zensurverbot des Grundgesetztes meine nur die "Vor-Zensur", also die Notwendigkeit einer staatlichen Genehmigung vor der Veröffentlichung, so ist doch klar, dass auch eine nachträgliche Zensur die Pressefreiheit deutlich beschränken würde.

Mit den heutigen technischen Mitteln müsste da auch längst nicht mehr ein so großer Zeitabstand liegen, wie nun im Fall des Höcke-Podcasts, der immerhin schon am 29. April 2026 erschienen ist und allein auf YouTube über sechs Millionen Abrufe verzeichnet.

Systemfremde Aufsicht

Wie systemfremd die inhaltliche Aufsicht durch die 14 Landesmedienanstalten ist, zeigt sich mit Blick auf die klassische Presse. Für sie gelten die Landespressegesetze, jedes Bundesland hat sein eigenes. Einige davon kennen auch für die gedruckte Presse eine "Sorgfaltspflicht [7]" - allerdings keine unmittelbaren Sanktionen bei Verstößen.

Eine unrichtige Aussage kann nicht vom Staat - oder einer irgendwie als "staatsfern" verstandenen Behörde wie einer LMA - sanktioniert werden. Bei strafbaren Inhalten müssen eben Staatsanwälte aktiv werden, ansonsten müssen Betroffene den zivilrechtlichen Weg gehen.

Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) unterliegt keiner solchen Kontrolle – sonst stünde er auch im Verdacht, ein "Staatsfunk" zu sein. Zuständig sind hier die jeweiligen Rundfunkräte [8], wie das Bundesverwaltungsgericht 2025 [9] nochmal deutlich gemacht hat.

Privatrechtlicher Rundfunk wurde daher mit seiner Einführung eigens geregelt. Und im Zuge der Digitalisierung – und kritisch gesprochen damit einhergehend der Auflösung des Problems begrenzter Sendefrequenzen - wurden nach und nach die meisten relevanten Internetangebote auch als Rundfunk oder Telemedium verstanden.

In der aktuellen Definition des MStV [10]: "Rundfunk ist ein linearer Informations- und Kommunikationsdienst". Wer davon noch nicht betroffen ist, fällt ggf. unter den Begriff "Telemedien", denn der umfass "alle elektronischen Informations- und Kommunikationsdienste, soweit sie nicht Telekommunikationsdienste nach § 3 Nr. 61 des Telekommunikationsgesetzes sind, die ganz in der Übertragung von Signalen bestehen, oder telekommunikationsgestützte Dienste nach § 3 Nr. 63 des Telekommunikationsgesetzes oder Rundfunk nach Satz 1 und 2 sind."

Kontroll-Paradoxon: Warum die staatliche Aufsicht über Online-Medien verfassungsrechtlich wackelt

Wer von den journalistischen Sorgfaltspflichten des MStV erfasst ist, unterliegt der behördlichen Kontrolle. Es sei denn, das Medium konnte sich erfolgreich einer anerkannten Organisation der Selbstkontrolle wie dem Deutschen Presserat [11] anschließen.

Der Unterschied im Ergebnis ist frappierend. Während der Presserat bei einem Verstoß gegen die Sorgfaltspflichten maximal eine öffentliche Rüge aussprechen kann, können LMA sogar die Löschung oder Sperrung von Beiträgen verlangen. Zudem sind die behördlichen Verfahren mit Kosten verbunden.

So führt der Beck-Online-Kommentar Informations- und Medienrecht [12] von Hubertus Gersdorf und Boris Paal als verfassungsrechtliche Bedenken gegen die LMA-Kompetenzen den Gleichbehandlungsgrundsatz an, benennt aber auch viel Literatur, die Probleme bei der grundgesetzlichen Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit sieht.

Doch ob solche verfassungsrechtlichen Bedenken [13] letztlich zutreffen oder nicht, kann nur das Bundesverfassungsgericht [14] entscheiden.

Und das kann dauern. Denn zum einen gehen die LMA verhältnismäßig selten gegen konkrete journalistische Angebote vor. Schmid spricht im Spiegel-Interview von einem "niedrigen zweistelligen Bereich" an Hinweisschreiben, die seine Behörde bisher an Online-Medien versandt habe.

Zudem scheinen viele Verfahren im Sande zu verlaufen. Entweder knickt der Telemedien-Anbieter stillschweigend ein. Denn bis zu einem Verfahren mit der zuständigen LMA vergeht bisher so viel Zeit, dass es wirtschaftlich meist irrelevant sein dürfte, ob ein Beitrag weiterhin überhaupt noch oder nur verändert im Netz stehen darf.

Oder eine LMA verfolgt das Ganze nicht weiter, sei es, weil sie sich von der Position des kritisierten Mediums hat überzeugen lassen, sei es, weil auch sie keine Lust auf die gerichtliche Auseinandersetzung hat.

Ein negatives Votum des Bundesverfassungsgerichts würde die Macht der Landesmedienanstalten deutlich beschränken.

Denn ein Vorwurf, der häufig zu vernehmen ist, lautet: Die LMA wollten mit ihrem Vorgehen gegen einzelne Medien Zeichen setzen, eine Art "Drohkulisse" aufbauen, die auch anderen Journalisten zeigt, dass es unangenehm werden kann, wenn wir dir eine Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten vorwerfen.

Tobias Schmid selbst sagt:

"Ich fände es ausdrücklich schade, wenn YouTuber keine journalistischen Gespräche mehr führen würden. Aber zu wissen, dass Meinungsfreiheit Grenzen hat, ist für Menschen mit so großer Reichweite ja vielleicht auch eine interessante Erkenntnis."

Tobias Schmid [15]


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11357435

Links in diesem Artikel:

  1. https://youtu.be/VO3QuFZ5rFg?si=iit-YRwPphsW_RQK&t=15878
  2. https://www.spiegel.de/kultur/der-podcaster-ben-ungeskriptet-soll-ein-gespraech-mit-bjoern-hoecke-nachtraeglich-bearbeiten-ist-das-zensur-a-5773fef9-570a-46d0-add7-a8442f44785c?sara_ref=re-so-x-rss
  3. https://www.youtube.com/watch?v=s8pRCW2AvQ0
  4. https://www.welt.de/vermischtes/article6a30fcdf7e682fc37fbfbdd4/zdf-entfernt-nach-musk-abmahnung-passage-in-moderation-gigantische-fehlleistungen-sagt-steinhoefel.html
  5. https://www.youtube.com/watch?v=xzVVfos0sOA
  6. https://open.spotify.com/episode/0j9BtYcYD1hAtH9sQXCYef
  7. https://medienstrafrecht.de/landespressegesetz/landespressegesetz-mecklenburg-vorpommern-lprg-m-v/
  8. https://www.telepolis.de/article/Oeffentlich-rechtliche-Rundfunkraete-Parteibuch-statt-Publikumsnaehe-10298596.html
  9. https://www.telepolis.de/article/Rundfunkbeitrag-Wenn-Gerichte-die-Qualitaet-des-OeRR-pruefen-muessen-10717251.html
  10. https://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/user_upload/Rechtsgrundlagen/Gesetze_Staatsvertraege/Medienstaatsvertrag_MStV.pdf
  11. https://www.presserat.de/selbstverpflichtung-onlinemedien.html
  12. https://beck-online.beck.de/?vpath=bibdata%5Ckomm%5Cbeckokinfomedien_18%5Ccont%5CBECKOKINFOMEDIEN.htm
  13. https://www.telepolis.de/article/Drei-verbotene-Artikel-Medienaufsicht-greift-in-Online-Journalismus-ein-11172356.html
  14. https://www.bundesverfassungsgericht.de/DE/DasBundesverfassungsgericht/Verfahrensarten/KonkreteNormenkontrolle/konkrete-normenkontrolle_node.html
  15. https://www.spiegel.de/kultur/der-podcaster-ben-ungeskriptet-soll-ein-gespraech-mit-bjoern-hoecke-nachtraeglich-bearbeiten-ist-das-zensur-a-5773fef9-570a-46d0-add7-a8442f44785c?sara_ref=re-so-x-rss#ref=rss

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  • 08. Juli 2026 um 09:30

Freie Alternative zu Jira: OpenProject 17.6 integriert XWiki

Von Heise
Blick auf einen Schreibtisch mit verschiedenen Dokumenten und bunten Klebezetteln.

(Bild: sabthai/Shutterstock.com)

Die neue Version von OpenProject bindet XWiki ein, bringt Sprint-Ziele und erweitert Backlogs, Meetings und Administration. Dazu kommen Sicherheitsupdates.

Mit Version 17.6 verbindet das Projektmanagement-Tool OpenProject die eigene Open-Source-Plattform mit der Wissensmanagement-Software XWiki. Zudem baut das Release die Scrum-Funktionen aus, verbessert Meetings und Administration und bringt mehrere sicherheitsrelevante Änderungen sowie zahlreiche Fehlerkorrekturen.

Wichtigste Neuerung [1] ist die XWiki-Integration, die als Enterprise-Erweiterung für alle Kunden mit Corporate-Plan bereitsteht. Administratoren binden XWiki als externen Wiki-Provider ein, woraufhin Work Packages einen eigenen Wiki-Tab erhalten. Darüber zeigt OpenProject passende Wiki-Seiten an, legt neue an oder verknüpft bestehende Dokumente. Auch Querverweise zwischen beiden Systemen sind möglich: Entwickler greifen direkt aus einem Ticket auf Architektur- oder Betriebsdokumentation zu, und aus Wiki-Seiten führen Links zu den zugehörigen Aufgaben.

Laut dem Projekt richtet sich die Integration unter anderem an Organisationen, die proprietäre Kombinationen wie Jira und Confluence durch eine Open-Source-Lösung ersetzen wollen. Auch das integrierte Wiki von OpenProject erhält Verbesserungen: Es lässt sich künftig selbst als Wiki-Anbieter nutzen und über denselben neuen Reiter in Work Packages einbinden. Kleinere Installationen benötigen damit keine separate Wiki-Plattform mehr.

Sprint-Ziele und Backlog Buckets

Im Bereich Scrum erweitert OpenProject die Backlog-Funktionen. Neu sind Sprint-Ziele, die sich beim Anlegen oder Bearbeiten eines Sprints festlegen lassen und anschließend für alle sichtbar im Sprint-Header erscheinen. Das soll Teams helfen, einzelne Aufgaben stärker an einem gemeinsamen Ziel auszurichten.

Hinzu kommt eine Übersicht sämtlicher Sprints eines Projekts. Sie zeigt Status, Laufzeiten und die Zahl der enthaltenen Work Packages. Außerdem lassen sich sogenannte Backlog Buckets nun direkt in Work Packages verwalten sowie in Tabellen filtern, gruppieren und sortieren. Diese Buckets dienen als Kategorien innerhalb des Product Backlogs, etwa um technische Schulden, Infrastrukturarbeiten oder Kundenanforderungen zu trennen, bevor sie in einen Sprint wandern. Das Teilen von Sprints (Sprint Sharing) ist zudem nun bereits im Basic Enterprise Plan enthalten – bisher war das Feature dem teureren Corporate-Plan vorbehalten.

Für Besprechungen führt OpenProject eine Funktion ein, mit der sich Tagesordnungspunkte direkt in Work Packages umwandeln lassen. Die Verknüpfung zwischen Meeting und Aufgabe bleibt erhalten.

Administration und semantische Kennungen

Version 17.6 erweitert zudem die Administrationsfunktionen. Projektverantwortliche schalten Kostenarten künftig projektbezogen frei oder deaktivieren sie. Außerdem verwendet OpenProject projektbezogene semantische Kennungen nun durchgängig in CSV-, Excel- und PDF-Exporten für Meetings und Zeiterfassungen. Solche sprechenden Kennungen ersetzen numerische IDs etwa durch „ERP-2026“ oder „CRM-MIGRATION“. Nicht mehr benötigte Kennungen lassen sich künftig wieder freigeben.

Sicherheit und API-Änderungen

Auch technisch bringt das Release einige Änderungen. CSV-Exporte maskieren jetzt Steuerzeichen, um Angriffe über Tabellenkalkulationen (CSV- oder Spreadsheet-Injection) zu erschweren. Die LDAP-Anbindung unterstützt zusätzliche Attribute für die Gruppensynchronisierung und schützt besser gegen Brute-Force-Angriffe. Zudem gelten die bereits eingeführten SSRF-Schutzmechanismen nun auch für Integrationen wie Nextcloud oder XWiki. Wer solche Dienste ausschließlich über private IP-Adressen betreibt, muss sie künftig auf eine Ausnahmeliste setzen.

Darüber hinaus überarbeitet das Projekt die Struktur seiner Meeting-API mit neuen Endpunkten und geänderten Ressourcenpfaden. Bestehende API-Integrationen müssen Anwender daher gegebenenfalls anpassen.

Neben den neuen Funktionen enthält OpenProject 17.6 zahlreiche Fehlerkorrekturen und Verbesserungen in Bereichen wie Dokumentenverwaltung, Barrierefreiheit, Mobilansicht und API.

OpenProject ist eine Open-Source-Plattform für Projektmanagement und Zusammenarbeit. Sie kombiniert klassische Projektplanung und agiles Arbeiten mit Ticketverwaltung („Work Packages“), Gantt-Diagrammen, Dokumentation, Meetings und Zeiterfassung. Die Software läuft auf eigener Infrastruktur und richtet sich vor allem an Unternehmen und Behörden, die Wert auf Datenhoheit legen.


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https://www.heise.de/-11357205

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.openproject.org/de/docs/release-notes/17-6-0/
  2. https://www.heise.de/ix
  3. mailto:axk@heise.de

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  • 08. Juli 2026 um 11:30

Samsung Galaxy Unpacked am 22. Juli: 3 Foldables, 2 Uhren und 1 Brille erwartet

Von Heise
Screenshot aus der Einladung zum Galaxy Unpacked Event

Das Motto des Galaxy-Unpacked-Events am 22. Juli 2026: „A New Shape Unfolds.“

(Bild: Samsung)

Samsung lädt für den 22. Juli zum „Galaxy Unpacked“ nach London. Erwartet werden neue Foldable-Modelle, Smartwatches und möglicherweise eine smarte Brille.

Samsung [1] lädt zum Unpacked-Event am 22. Juli. Der Hersteller nutzt seine seit Jahren stattfindenden Unpacked-Events im Sommer, um neue Foldable-Modelle und Smartwatches zu präsentieren. Kurioserweise veröffentlicht Samsung die Einladung zu seinem Event am selben Tag wie Google zum Pixel-11-Event [2], das jedoch erst im August stattfindet.

Neuer Formfaktor

„Am 22. Juli veranstaltet Samsung Electronics das ‚Galaxy Unpacked‘ in London, Großbritannien – einer Stadt, die sich nicht dadurch weiterentwickelt, dass sie Trends hinterherläuft, sondern indem sie diese selbst setzt“, heißt es in der Einladung. Der Hersteller lädt dazu ein, „die neuesten Modelle des Galaxy-Portfolios“ aus der Kategorie der Foldables vorzustellen.

In diesem Jahr scheint Samsung sein Foldable-Sortiment nicht nur um ein neues Fold und Flip zu aktualisieren, sondern auch mit einem extrabreiten Galaxy Z Fold 8 zu erweitern. Schon im Vorfeld der Einladung zum Unpacked-Event hat Samsung damit begonnen, seine nächste Foldable-Generation anzuteasern. Den Fokus legt der Hersteller dabei offenbar auf eine zusätzliche Bauform, bei der es sich um ein Foldable im Galaxy-Z-Fold-Format handelt, das etwas breiter und weniger hoch ist. Auch der Teaserclip zum Event deutet diesen neuen Formfaktor durch das abgerissene Ticket spielerisch an. Apples im September erwartetes erstes Foldable soll einen ähnlichen Formfaktor besitzen.

Das neue, breite Foldable soll Gerüchten zufolge den Namen Galaxy Z Fold 8 tragen, während das „klassische“ Z Fold den Zusatz Ultra erhalten soll und damit „Galaxy Z Fold 8 Ultra“ heißen könnte.

Abseits der Foldables sind Samsung zufolge noch neue Uhren zu erwarten. Diese bestätigte Samsung schon im Zuge der Ankündigung der überarbeiteten Health-App [4]. Gerüchten zufolge wird es eine Galaxy Watch 9 und eine Galaxy Watch Ultra 2 geben. Ebenso kursieren Hinweise [5] auf neue Ohrstöpsel namens Galaxy Buds On.

Kommt die Brille?

Auch Samsungs erste intelligente Brille könnte der Hersteller im Zuge des Unpacked-Events zeigen. Zumindest wäre die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, die im Mai zusammen mit Google präsentierte neue Gerätekategorie [6] auf Basis von Android XR zur Schau zu stellen, bevor sie im Herbst in den Handel kommen soll.

Samsung bietet für die Veranstaltung einen Livestream an, der am 22. Juli 2026 ab 15:00 Uhr sowohl auf dem YouTube-Kanal des Herstellers als auch auf der offiziellen Website verfolgt werden [7] kann.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11357613

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Samsung
  2. https://www.heise.de/news/Google-Pixel-11-Serie-wird-am-12-August-enthuellt-11357485.html
  3. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  4. https://www.heise.de/news/Samsung-Health-Umfangreiches-Update-fuer-Gesundheits-App-mit-KI-angekuendigt-11318755.html
  5. https://www.androidauthority.com/samsung-galaxy-buds-able-possible-name-3684560/
  6. https://www.heise.de/news/Google-zeigt-erste-Bilder-kommender-Smart-Glasses-11299810.html
  7. https://www.samsung.com/de/unpacked/
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
  9. mailto:afl@heise.de

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  • 08. Juli 2026 um 10:48

C++: Variadische Templates mithilfe von C++20-Konzepten beschränken

Von Heise
Gezeichneter Schraubenschlüssel mit Zahnrädern

(Bild: Fransizka Panter)

Mit den Concepts aus C++20 kann man auch variadische Template-Parameter einschränken.

Heute möchte ich einen Aspekt der C++20-Konzepte beleuchten: Sie helfen dabei, den Datentyp eines variadischen Typ-Template-Parameters auf einen bestimmten Typ für alle Datentypen in der Menge einzuschränken.

Ich habe auf meinem englischen Blog bereits einige Artikel zu C++20-Konzepten veröffentlicht:

Angenommen, es gibt ein Funktions-Template Sum, das eine beliebige Anzahl von Parametern annehmen kann, deren Werte die Funktion addiert und das Ergebnis zurückgibt. Eine Implementierung mit einem C++17-Faltausdruck sieht folgendermaßen aus:

template<typename T, typename... Ts>
auto Sum(const T& val, const Ts&... vals)
{
  return (val + ... + vals);
}

Die Implementierung funktioniert, lässt aber die Tür weit offen für die Verwendung von Sum mit gemischten Datentypen:

Sum(2, 3, 4, 5);    // #A
Sum(2, 3, 4, 5.6);  // #B

Ich bin mit #A zufrieden; aber ich möchte nicht, dass #B kompiliert wird. Wenn ich bei C++17 bleibe, kann ich Sum mithilfe eines static_assert und Type Traits einschränken:

template<typename T, typename... Ts>
auto Sum(const T& val, const Ts&... vals)
{
  static_assert((std::is_same_v<T, Ts> and ...));

  return (val + ... + vals);
}

Ein Problem dieser Umsetzung liegt auf der Hand: Nutzer von Sum wissen nichts von der Einschränkung – es sei denn, sie schauen sich die Implementierungsdetails an. Das sollten sie nicht tun müssen. Dokumentation kann helfen, aber das Ziel ist es, so viel Dokumentation wie möglich im Code selbst zu belassen.

Es könnte ein weiteres Problem geben, wenn man eine andere Situation lösen würde. Was ist, wenn man Überladungen zulassen möchte? Mit static_assert ist dieser Weg komplett versperrt. Für den hier vorgestellten Fall mag das in Ordnung sein. Aber selbst hier: Was ist, wenn man eine Überladung für gemischte Gleitkommatypen zulassen will?

Konzepte zur Rettung

Wenn du Konzepte ins Spiel bringst, kann eine mögliche Lösung wie folgt aussehen:

template<typename T, std::same_as<T>... Ts>
auto Sum(const T& val, const Ts&... vals)
{
  return (val + ... + vals);
}

Ich verwende hier das Konzept std::same_as, um die Datentypen in Ts auf denselben Typ wie T zu beschränken. Das std::same_as funktioniert hier mit nur einem Parameter, da Konzepte die Fähigkeit haben, Lücken von links nach rechts zu füllen, und genau das macht der Compiler hier.

Variadische Parameter desselben Datentyps

Man kann sogar sagen, dass man ein variadisches Funktions-Template für einen einzigen bestimmten Datentyp wie int haben möchte.

Die Sum-Implementierung ändert sich wie folgt:

auto Sum(const std::same_as<int> auto&... vals) { return (vals + ...); }

Konzepte sind ein großartiges, leistungsstarkes Werkzeug für deinen generischen Programmier-Werkzeugkasten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11307070

Links in diesem Artikel:

  1. https://andreasfertig.com//blog/2020/09/cpp20-concepts-subsumption-rules/
  2. https://andreasfertig.com//blog/2020/08/cpp20-concepts-testing-constrained-functions/
  3. https://andreasfertig.com//blog/2020/07/how-cpp20-concepts-can-simplify-your-code/
  4. https://andreasfertig.com//blog/2022/01/cpp20-filling-blanks/
  5. mailto:rme@ix.de

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  • 08. Juli 2026 um 10:00

Anzeige: Noise-Cancelling-Kopfhörer mit 94 Stunden Akku zum Aktionspreis

Von Vedat Friedrich Bayramogullari

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Gutes Noise-Cancelling (ANC) und eine brauchbare Akkulaufzeit lassen sich Hersteller oft teuer bezahlen – Preise im dreistelligen Bereich sind keine Seltenheit. Dass es auch deutlich budgetfreundlicher geht, zeigt Edifier. Der Audio-Hersteller hat bei Amazon aktuell zwei seiner Over-Ear-Modelle im Preis gesenkt. Beide punkten mit Ausdauer und aktiver Geräuschunterdrückung, richten sich aber an leicht unterschiedliche Budgets.

Ausdauer-Champion mit Hi-Res-Audio: Der Edifier W830NB

Das Aushängeschild der aktuellen Aktion ist der Edifier W830NB. Das Modell liefert mit deaktiviertem ANC eine beachtliche Spielzeit von bis zu 94 Stunden. Ist die Geräuschunterdrückung (bis zu -45 Dezibel) permanent aktiv, sind es immer noch sehr gute 54 Stunden. Android-Nutzer profitieren zudem vom unterstützten LDAC-Codec für eine hochauflösende Audioübertragung mit 990 kbps. Ein Blick in die Amazon-Rezensionen (4,4 Sterne) zeigt: Käufer schätzen vor allem den natürlichen, ausgewogenen Klang ohne künstlichen Bass-Boost sowie den Verzicht auf fehleranfällige Touchflächen zugunsten echter physischer Tasten.

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auf 39,98 Euro (UVP: 54,99 Euro). Hier bleiben knapp 15 Euro Ersparnis im Geldbeutel. Für unter 40 Euro liefert das Gerät Multipoint-Bluetooth (gleichzeitige Verbindung mit PC und Handy), einen zuschaltbaren Game-Mode für geringe Latenzen und immerhin 45 Stunden Akkulaufzeit.

Auch dieses Modell kommt bei der Amazon-Community gut an (4,3 Sterne). Besonders die enorme Bluetooth-Reichweite durch mehrere Wände hindurch und die klare Mikrofonqualität bei Anrufen werden oft gelobt. Der einzige Kompromiss, den einige Nutzer anmerken: Für echte Bass-Enthusiasten könnte das Tiefton-Fundament kräftiger ausfallen – für Podcasts und alltäglichen Musikgenuss reicht es jedoch völlig.

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Beide Amazon-Deals sind planmäßig auf den 19. Juli befristet und können im Anschluss wieder auf ihr vorheriges Preisniveau zurückkehren. Weitere Deals zu ANC-Kopfhörern gibt es bei Amazon

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  • 08. Juli 2026 um 12:17

Neue Pauschalgebühr: Temu und Co. dürften sich auf neue EU-Zollregel einstellen

Von Tobias Költzsch, dpa
Neue EU-Zollregeln sollen Billigimporte aus China eindämmen. Doch große Onlinehändler werden wohl ihre Lieferketten anpassen.
Die Zahl der Pakete von Temu und Co. nimmt seit Jahren zu. (Bild: Nikos Pekiaridis via Reuters Connect)
Die Zahl der Pakete von Temu und Co. nimmt seit Jahren zu. Bild: Nikos Pekiaridis via Reuters Connect

Die neuen EU-Zollregeln für Billigimporte aus China dürften den Boom von Onlineplattformen wie Temu oder Shein kaum bremsen. Für den Luftfrachtstandort Leipzig/Halle erwartet die DHL Group allenfalls kurzfristige Auswirkungen. Größere Onlinehändler werden ihre Waren wohl künftig verstärkt gesammelt in die Europäische Union einführen, dort verzollen und anschließend innerhalb Europas weiterverteilen, teilte das Unternehmen auf Anfrage der dpa (Deutsche Presse-Agentur) mit.

Seit dem 1. Juli gilt auch für Bestellungen aus Nicht-EU-Staaten im Wert von unter 150 Euro eine pauschale Zollgebühr von drei Euro je Warengruppe. Die Abschaffung der Zollfreigrenze soll mehr Chancengleichheit im europäischen Handel ermöglichen und den Wettbewerb mit europäischen Anbietern stärken.

Dass asiatische Shoppingplattformen ihren Marktanteil weiter ausbauen, zeigen aktuelle Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (BEVH). Im zweiten Quartal 2026 entfielen 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze in Deutschland auf Temu, Shein und Ali Express – so viel wie nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigerten die Plattformen ihre Umsätze um mehr als 20 Prozent. Nach Angaben der DHL Group setzen einige größere Onlinehändler bereits auf das neue Logistikmodell mit den gesammelten größeren Sendungen.

Flughafen Leipzig/Halle rechnet nur kurzfristig mit Rückgängen

Am Flughafen Leipzig/Halle spielt der Onlinehandel aus China eine zunehmende Rolle. Kurzfristig rechnet der Flughafen mit einem Rückgang des Frachtvolumens im unteren bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Mittelfristig dürften sich die Lieferketten jedoch anpassen.

Der Handelsverband Deutschland begrüßte die neue Zollgebühr als "ein sinnvolles Signal für mehr Chancengleichheit im europäischen Handel". Sie allein werde jedoch nicht verhindern, dass weiterhin unsichere Produkte, falsch deklarierte Waren oder Verstöße gegen europäische Verbraucher-, Umwelt- und Produktsicherheitsstandards auf den Binnenmarkt gelangten. "Die Zollgebühr gleicht lediglich einen finanziellen Wettbewerbsnachteil aus, sie kann eine wirksame Marktüberwachung nicht ersetzen", sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp.

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  • 08. Juli 2026 um 12:13

Assassin's Creed Black Flag Resynced: Mehr Arrr als Assassine!

Von Tim Elsner
Wird Assassin's Creed Black Flag Resynced frischen Wind in die Segel von Ubisoft blasen – oder ist es nur fauliges Wasser in neuen Fässern?
Assassin's Creed Black Flag Resynced legt einen der beliebtesten Teile der Serie neu auf. (Bild: Ubisoft)
Assassin's Creed Black Flag Resynced legt einen der beliebtesten Teile der Serie neu auf. Bild: Ubisoft

Assassin's Creed Black Flag Resynced ist ein Paradoxon: Viele Dinge, wie der winzige Wendekreis unseres Schiffs, wirken geradezu absurd komisch, die Gameplay-Mechaniken teilweise altbacken, das "Assassin's" im Titel grenzt an Etikettenschwindel und die Komplexität von Nebenquests und Basis-Management hat in etwa die Fahrtiefe eines Riffs. Aber genau wegen dieses Designs könnte Assassin's Creed Black Flag Resynced der dringend benötigte frische Wind in den Segeln vom schwer angeschlagenen Ubisoft sein.

In Assassin's Creed Black Flag Resynced sind wir meuchelnd durch die Karibik gesegelt und hatten riesigen Spaß mit dem Remake eines der beliebtesten Teile der Assassin's-Creed-Reihe. Das "Resynced" im Titel fällt dabei aus dem klassischen Schema von Remake und Remastered.

Dieser kleine Wortunterschied ist aber wichtig, denn "Remastered" bedeutet in der Regel ein HD-Texturpack und Support für neue Betriebssysteme oder Controller. Böse Zungen würden auch von einem schnellen Cashgrab mit minimalem Aufwand sprechen. Ein Remake hingegen impliziert eine echte Neuauflage, mit angepassten Mechaniken und neuer Technik.

"Resynced" fällt eindeutig in die zweite Kategorie, es enthält laut Ubisoft sogar keine einzige Zeile Code des ursprünglichen Spiels. Wir behandeln Assassin's Creed Black Flag Resynced in diesem Test daher eher als neues Spiel, auch wenn der Preis mit 60 Euro leicht unter den Preisen aktueller Releases liegt. Die genauen Unterschiede zum Original besprechen wir im vorletzten Abschnitt.

Unser Protagonist Edward am Steuer der Jackdaw, unseres Piratenschiffs. Je nach Erfolg im Gefecht befindet sich das Schiff in einem mehr oder weniger guten Zustand, wobei wir uns spätestens beim nächsten gesungenen Shanty der Crew schon nicht mehr über eine Beinahe-Niederlage ärgern (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 1/6: Unser Protagonist Edward am Steuer der Jackdaw, unseres Piratenschiffs. Je nach Erfolg im Gefecht befindet sich das Schiff in einem mehr oder weniger guten Zustand, wobei wir uns spätestens beim nächsten gesungenen Shanty der Crew schon nicht mehr über eine Beinahe-Niederlage ärgern (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Das historische Havanna ist einer der Hauptorte der Handlung und vollgestopft mit großen und kleinen Ablenkungen, wirkt dabei aber stimmig und lebendig (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 2/6: Das historische Havanna ist einer der Hauptorte der Handlung und vollgestopft mit großen und kleinen Ablenkungen, wirkt dabei aber stimmig und lebendig (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Serientypisch sind auch die Sprünge von hohen Aussichtspunkten wieder mit dabei, diesmal häufig auch ins Wasser oder in einen Haufen Palmwedel - eines der sonst eher seltenen Serienmerkmale im Spiel (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 3/6: Serientypisch sind auch die Sprünge von hohen Aussichtspunkten wieder mit dabei, diesmal häufig auch ins Wasser oder in einen Haufen Palmwedel - eines der sonst eher seltenen Serienmerkmale im Spiel (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
In Städten treffen wir ab und zu auf besondere Situationen oder Nebenquests. Die Lebendigkeit der Welt ist zwar lange nicht auf dem Level eines Red Dead Redemption 2, als Kulisse für ein Piratenabenteuer aber trotzdem stimmig (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 4/6: In Städten treffen wir ab und zu auf besondere Situationen oder Nebenquests. Die Lebendigkeit der Welt ist zwar lange nicht auf dem Level eines Red Dead Redemption 2, als Kulisse für ein Piratenabenteuer aber trotzdem stimmig (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Die Seegefechte sind der klare Höhepunkt des Gameplays. Eine saftige Breitseite zu treffen, das Holz des Gegners splittern und seine Segel reißen zu sehen, um anschließend beim Entern Chaos an Deck zu stiften, ist eine grandiose Erfahrung (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 5/6: Die Seegefechte sind der klare Höhepunkt des Gameplays. Eine saftige Breitseite zu treffen, das Holz des Gegners splittern und seine Segel reißen zu sehen, um anschließend beim Entern Chaos an Deck zu stiften, ist eine grandiose Erfahrung (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Auch an Land, etwa bei der Eroberung von Befestigungen, sorgen die hervorragenden Beleuchtungseffekte, der Sound von Musketen und Säbeln sowie der hohe Chaosfaktor für dichte Atmosphäre (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 6/6: Auch an Land, etwa bei der Eroberung von Befestigungen, sorgen die hervorragenden Beleuchtungseffekte, der Sound von Musketen und Säbeln sowie der hohe Chaosfaktor für dichte Atmosphäre (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).

Wenig Assassin's Creed

Wir schlüpfen in Black Flag in die Rolle von Edward Kenway, einem Waliser (keinem Briten!), der auf der Suche nach dem großen Reichtum im Goldenen Zeitalter der Piraterie den Weg in die Seefahrt eingeschlagen hat. In seiner Haut sind wir der Kapitän unseres eigenen Piratenschiffs und bereisen die Karibik inklusive Kuba und Jamaika und säbeln uns durch die etwa 25 Stunden lange Haupthandlung.

Dabei geht aber erstmal einiges des ursprünglichen Assassinen-Gefühls verloren. Die Orte, in denen das ursprüngliche Serienfeeling noch am ehesten greifbar wird, sind die Städte, allen voran Havanna. Hier gibt es die serientypischen Nebenaktivitäten, oftmals als Ubisoft-Formel verpönt: Aussichtstürme wollen erklommen, Zielpersonen assassiniert und Dinge gesammelt werden. Das ist alles ziemlich seicht – vom Annehmen etwa einer Attentatsquest bis zum Säbel im Hals der Zielperson vergehen, wenn wir uns sputen, selten mehr als zwei Minuten.

Auch das Einsammeln von Shantys, Seemannsliedern, die unsere Crew auf hoher See anstimmt, geht extrem schnell und ist in der Regel keine große Herausforderung. Selbst das Erklimmen der Türme schafft jeder Grobmotoriker mit zwei Augenklappen: Klettertaste gedrückt halten und den Stick nach vorne drücken, und schon kraxelt unser Protagonist Edward Kenway die Kirche hinauf und sucht sich selbst seine Griffe, nur selten müssen wir minimal die Richtung anpassen.

Die Kollegen Nathan Drake und Lara Croft aus Tomb Raider und Uncharted bieten hier deutlich mehr.

Aber genau dieses Manko von seichten Nebenquests und eher einfach gehaltenen Mechaniken ist einer der größten Vorteile: Es lässt Raum für den eigentlichen Star des Spiels, denn die Magie steckt nicht in den Quests, sondern in der Welt und dem Setting.

Die Atmosphäre von Black Flag in den Städten, mit Musikern, rufenden Personen und täglichem Ablauf ist zwar stimmig, aber das wirkliche Highlight in Sachen Stimmung findet auf hoher See statt. Während wir mit dem Schiff zwischen Inseln steuern, sehen wir häufig Delfine, springende (und bejagbare) Wale und können sehen, wie sich das Wetter langsam vom blauen Sommertag zum Sturm entwickelt.

Wenn dann noch unsere Crew eines der grandiosen Seemannslieder anstimmt, ist die Immersion perfekt. Dazu gehört auch die tolle Soundkulisse, wo Geräusche wie Kanonen und Säbel schön saftig klingen und sowohl die deutschen als auch die englischen Sprecher durchweg einen guten Job machen.

Zur Atmosphäre tragen auch die historischen Figuren bei. Wer als Kind schon von Black Beard und Co. gehört hat, freut sich über ein Wiedersehen mit vielen bekannten und gut geschriebenen Charakteren. Das gilt auch für unseren Protagonisten Edward, der eine gut gemachte Charakterentwicklung vollzieht und stets glaubwürdig wirkt.

Die alte Tempelritter-Kiste ...

Weniger authentisch ist das aufgesetzt wirkende Templer-gegen-Assassinen-Szenario der Handlung. Es fühlt sich stellenweise an, als hätte jemand in der Piraten-Lego-Kiste ein paar Figuren von einem anderen Set vergessen.

Die größte Stärke von Black Flag liegt aber in den piratentypischen Aktivitäten, etwa dem Bekriegen und Entern von Schiffen. Wir schießen andere Schiffe mit viel Munition und Waffen zunächst manövrierunfähig, bevor wir sie entern.

Die Waffengattungen sind dabei clever über das Schiff verteilt. Wer über den Bug guckt und ein Schiff verfolgt, benutzt automatisch eher die mast- und segelbrechenden Kugeln; wer nach hinten schaut, verteilt explosive Fässer. Das System funktioniert intuitiv, ohne dass man sich zu sehr bemuttert fühlt.

Die Kämpfe zu Fuß folgen dagegen einem simplen Schema von Angreifen, Blocken und Ausweichen. Das fühlt sich wenig komplex an, macht aber trotzdem Spaß, da so etwa das Erstürmen einer Festung flott und chaotisch und wenig taktisch ist. Gleichzeitig gibt es etwa die Takedown-Mechanik, mit der wir nach einem gelungenen Konter einen Gegner – und seinen Nachbarn gleich mit – durch einen Finisher-Move von den Holzbeinen hauen können. Das trägt zum guten Tempo bei, ohne sich zu unfair anzufühlen, gerade bei größeren Gruppen von Gegnern.

Trotzdem bleibt das für Resynced komplett neu gemachte Kampfsystem angenehm fordernd und bestraft es, wenn wir mal nicht aufpassen – wir haben sowohl zu See als auch an Land öfter mal den Todesbildschirm gesehen, was uns aber nie unfair oder frustrierend vorkam. Abseits des gelegentlichen Blockens und Ausweichens ist das Kämpfen aber wenig planvoll, ohne größere Combos, nötige Taktiken oder nennenswerte Bosskämpfe.

Auch das Flottenmanagement, bei dem wir gekaperte Schiffe für uns arbeiten lassen, bietet wenig Tiefgang, ist aber eine coole Abwechslung für zwischendurch. Wirtschaftsmanagement in ultraleicht.

Resynced enthält einige neue Inhalte, etwa neue Offiziere für unser Schiff samt dazugehöriger Quests (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 1/7: Resynced enthält einige neue Inhalte, etwa neue Offiziere für unser Schiff samt dazugehöriger Quests (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Wir können eine ganze Piratenflotte aufbauen und kommandieren, um an zusätzliche Ressourcen für den Ausbau unserer Insel und die Verbesserung unseres Schiffes zu gelangen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).<br>
Bild 2/7: Wir können eine ganze Piratenflotte aufbauen und kommandieren, um an zusätzliche Ressourcen für den Ausbau unserer Insel und die Verbesserung unseres Schiffes zu gelangen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).<br>
Neue Seemannslieder für unsere Crew sammeln wir in kleinen Passagen über den Häuserdächern. Weil das sowohl leicht als auch relativ schnell geht, ist es eine willkommene Abwechslung (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 3/7: Neue Seemannslieder für unsere Crew sammeln wir in kleinen Passagen über den Häuserdächern. Weil das sowohl leicht als auch relativ schnell geht, ist es eine willkommene Abwechslung (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 4/7:
Mit erlegten Tieren können wir mehr Inventarplätze für Kugeln, Blasrohrmunition und Co. schaffen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 5/7: Mit erlegten Tieren können wir mehr Inventarplätze für Kugeln, Blasrohrmunition und Co. schaffen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Der Detektivmodus ist zwar praktisch, um Gegner zu erspähen, wird aber angenehmerweise nur selten wirklich benötigt - mehr Zeit, um die Szenerie zu genießen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 6/7: Der Detektivmodus ist zwar praktisch, um Gegner zu erspähen, wird aber angenehmerweise nur selten wirklich benötigt - mehr Zeit, um die Szenerie zu genießen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Fehler sind uns nur selten vor den Bug gekommen, nur einzelne kleine Glitches. Das Spiel läuft auf der getesteten PlayStation 5 Pro ansonsten flüssig und sauber (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 7/7: Fehler sind uns nur selten vor den Bug gekommen, nur einzelne kleine Glitches. Das Spiel läuft auf der getesteten PlayStation 5 Pro ansonsten flüssig und sauber (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).

Lieber Seemannsgarn als Realismus

Generell setzt Assassin's Creed Black Flag Resynced eher auf leichte Kost als auf Realismus. Es will eben ein spaßiges Piratenspiel sein, keine Simulation. Das bemerkt man auch daran, dass sich die Jackdaw, unser Piratenschiff, in Sekunden beschleunigen und bremsen lässt und den Wendekreis eines VW Polo hat.

Genauso sind die Stealth-Passagen, in der Regel optional, recht simpel gehalten, was mit an der dummen Gegner-KI liegt. Der gute alte Wachenhaufen, hier eher ein Freibeuter-Gebüsch, funktioniert nach wie vor. Ein Beispiel: Wache Nummer eins wird erstochen, daraufhin Wache zwei: "Oh, da liegt eine Leiche, ich gehe mal schauen." Wache zwei wird dann neben seinem Kollegen erstochen. Und dann kommt Wache Nummer drei um die Ecke, und schaut sich erstmal aus der Nähe an, warum da denn zwei Wachen tot auf dem Boden direkt neben dem Gebüsch liegen. Absolut dämlich und wenig realistisch, aber trotzdem spaßig.

Der Punkt ist aber, dass es gar keinen Realismus braucht, damit Black Flag Spaß macht. Und diese Selbstreflexion merkt man den Entwicklern in ihrem Spiel durch und durch an.

So treibt gefühlt der Inhalt einer halben Handelsflotte in Kisten auf dem Wasser umher, samt gestrandeter Crew auf Flößen, die wir einsammeln können. Auch sehen wir vorher am kräuselnden Wasser, wo der nächste Blitz im Sturm einschlägt. Natürlich ist ein den Blitzen ausweichendes Schiff völliger Humbug, sorgt aber dafür, dass wir uns beim Umhersegeln nie langweilen. Lästig werden derlei kleine Ablenkungen nicht.

Unser Schiff aufzurüsten und zumindest leicht mit Segeln und Co. anzupassen, ist dabei die wohl größte Motivation. Wir brauchen neben Geld auch Materialien wie Eisen oder Holz, um unseren Bug zu verstärken oder mehr Kanonen für noch saftigere Breitseiten freizuschalten.

Das kommt uns aber kaum wie ein Grind vor, da gerade die ersten Stufen recht günstig sind und Gold sehr großzügig in der Welt verteilt ist. Wer regelmäßig in der Nähe befindliche Kisten abklappert und die eine oder andere kurze Assassinen-Mission macht, wird nie längere Zeit sparen müssen.

Wie in modernen Spielen üblich, gibt es natürlich auch eine Art Detektivmodus, der Gegner und wichtige Objekte hervorhebt. In der Praxis haben wir den aber selten benutzt, weil die meisten Hinweise und Rätsel auch so gut funktionieren. Wir hängen also nicht für längere Abschnitte in einer Grau-Rot-Sicht fest, sondern bleiben in der immersiven Welt, die auch dank des vielen Krimskrams in der Welt schön voll wirkt.

Resynced gegen das Original

Neben der bereits erwähnten komplett neuen Codebasis sind vor allem die Assets und deren Dichte im Spiel deutlich aufgewertet: Anstelle teilweise recht leerer Sandbänke wie im Original strotzen die Strände vor kleinen Details und Vegetation. Unser Schiff hat sichtbar mehr Knoten und Haken und allgemeinen Kram an Deck stehen, und die damals wegweisende Beleuchtung wurde noch weiter verbessert.

Black Flag sieht nicht immer perfekt, aber durchweg stimmig aus – zwar nicht wie ein AAAA-Titel, aber zumindest gerüchteweise mit einigen der Assets eines solchen. Denn das gefloppte Skull and Bones, ebenfalls ein Werk von Ubisoft Singapur, soll als Teilespender gedient haben.

Inhaltlich sind vor allem die Animus-Passagen, also die Rahmenhandlung in der Gegenwart, in denen in die Vergangenheit der Assassinen-Ahnen abgetaucht wird, überflüssig geworden. Nur kleinere Überbleibsel wie der futuristische Ladebildschirm und bestimmte Stichwörter oder Nebenaufgaben deuten noch auf die Gegenwartsepisoden hin – kein großer Verlust, da Black Flag auch so genug Abwechslung bietet und die Passagen häufiger Kritikpunkt am Original waren. Die wenigen übrig gebliebenen Hinweise stören nicht besonders, Neulinge zucken höchstens kurz mit den Achseln, warum denn da "desynchronisiert" und nicht "game over" steht.

Das Alter des Grundspiels merkt man dem Spiel an einigen Designentscheidungen an, etwa aufgrund fehlender automatischer HP-Regeneration oder an fehlenden RPG-Elementen wie dem Verteilen von Skillpunkten. Das stört das Gameplay aber überhaupt nicht, sondern hebt es eher von der Konkurrenz ab – wir empfinden vieles davon als angenehm retro. Die früher wirklich störenden Aspekte wie die nicht überspringbaren Schleichpassagen lassen sich jetzt auch alternativ mit roher Gewalt lösen.

Neue Missionen im Remake – geprüft!

Neben diesen Verbesserungen gibt's einige neue Waffen für sowohl Edward als auch die Jackdaw, einige neue Missionen, auch im späteren Teil des Spiels, kurze Alternativ-Szenarien (Rifts) sowie neue Offiziere für das Schiff. Überall sind kleine Änderungen, neue Nebencharaktere und Verbesserungen eingesprenkelt, ohne zu sehr abzulenken oder aufzufallen: Wir mussten selbst beim Test immer wieder googlen, was es in der ursprünglichen Version schon gab. Und das ist überraschend viel Neues. Genau so geht Remake!

Das ist alles nichts Weltbewegendes, erweitert das Spiel aber um ein paar sinnvolle Kleinigkeiten und modernisiert es, ohne das ursprüngliche Erlebnis massiv zu verwässern. Und der neue, sehr seichte und völlig optionale Basisausbau mit ein paar praktischen Geschäften gehört schließlich seit Assassin's Creed Brotherhood zur Serie dazu und macht das Piratendasein angenehmer. Selbst Puristen können bei den sinnvollen Ergänzungen hier kaum motzen.

Assassin's Creed Black Flag Resynced erscheint am 9. Juli 2026 für Windows, Xbox Series X/S und in der von uns getesteten PS5-Variante für 60 Euro in der Standardversion. Alle Upgrades für Deluxe und Collector's Edition sind rein kosmetischer Natur, genau wie die aktuell verfügbaren zusätzlich kaufbaren Inhalte. Das Spiel ist ein reines Singleplayer-Erlebnis und von der USK ab 16 Jahren freigegeben.

Fazit

Auf dem Papier ist Black Flag mit seinen Kämpfen, Nebenbeschäftigungen und Quests größtenteils ziemlich durchschnittlich und spieltechnisch oft flach wie eine Sandbank. Trotzdem hat Black Flag zwei Stärken, dank derer wir den Ausflug in die Karibik in jeder Minute genossen haben.

Die erste Stärke liegt in der Welt und im Setting selbst, denn als Freibeuter zur See zu fahren, ist eine Wahnsinnsfreude, eben auch dank der starken Eingrenzung von Realismus und dem Fokus auf Atmosphäre. Wenn man angespannt auf den perfekten Moment zur Kanonen-Breitseite wartet, um dann mit dem Seil den Gegner zu entern und über Bord zu werfen, ist der fehlende Realismus egal – Fluch der Karibik und Co., die die modernen Vorstellungen von Piraten geprägt haben, waren schließlich auch keine Meilensteine der historischen Authentizität.

Die zweite Stärke klingt erstmal paradox, denn sie liegt darin, dass Black Flag nichts wirklich überragend gut macht. Es macht dabei aber auch nichts wirklich schlecht und nimmt sich selbst im Gameplay nicht besonders ernst. Durch den hohen Grad an Abwechslung spielt es sich herrlich kurzweilig: Kaum wird uns beim Schiffekapern durch den recht repetitiven Ablauf langweilig, finden wir eine neue Insel und machen dort erstmal die nächsten Attentatsmissionen. Und bevor diese aufgrund ihrer Einfachheit eintönig werden, sind wir schon wieder auf hoher See und freuen uns über die neu gefundenen Shanties.

Das Spiel ist eine tolle Erfahrung in einer nahtlosen Welt, die extrem viel Abwechslung bietet, ohne sie aufzuzwingen. Wer Black Flag damals gemocht oder verpasst hat und Action Adventures oder Piraten etwas abgewinnen kann, wird sich in der technisch sauberen Neuauflage mit vielen sinnvollen Neuerungen in der digitalen Karibik sehr wohlfühlen.

Dr. Tim Elsner hält Vorträge zum Thema KI und hat eine Firma gegründet, die zwischen LLMs, Computer Vision und Co. berät und selbst an neuen Modellen entwickelt. Seine lange Leidenschaft für Videospiele und deren Tests hat ihn dazu gebracht, dem Ruf der Freiheit zu folgen und den Review-Code von Black Flag Resynced zu kapern.

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  • 08. Juli 2026 um 12:00

Störungsmeldung vom 08.07.2026 08:30

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
08.07.2026 08:30
Region
Gießen (0641)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
VDSL

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  • 08. Juli 2026 um 08:30

Sicherheitsalbtraum Wechselrichter: Hoymiles lässt Nachbarschaften verstummen

Von Heise
Photovoltaikanlagen auf einem Ziegeldach

(Bild: reisezielinfo/Shutterstock.com)

Schwere Funkschwachstellen bei Hunderttausenden PV-Anlagen erlauben laut Forschern das Abschalten im Vorbeifahren und sogar die physische Zerstörung der Geräte.

Der Ausbau der dezentralen Energieerzeugung offenbart immer [1] wieder Defizite bei der IT-Sicherheit [2] marktführender Hardware. Im Fokus steht erneut [3] die chinesische Firma Hoymiles, die nach eigenen Angaben rund 20 Prozent des europäischen Marktes für Mikrowechselrichter bedient. Diese sind in Balkonkraftwerken und kleineren Dachsolaranlagen verbaut. Der Sicherheitsforscher Benedikt Heinz alias Hunz hat zusammen mit dem Chaos Computer Club (CCC) weitreichende Sicherheitslücken aufgedeckt: Mit einfachen Mitteln aus der elektronischen Grabbelkiste und wenig Know-how ist es demnach möglich, Solaranlagen in der Nachbarschaft im Vorbeifahren zu manipulieren, abzuschalten oder dauerhaft unbrauchbar zu machen.

Das Problem liegt laut den Schwachstellenbeschreibungen [4] in den Funkprotokollen [5], über die die Wechselrichter der HM- sowie der HMS- und HMT-Serien mit den zugehörigen Steuereinheiten kommunizieren. Der Austausch erfolgt unverschlüsselt über die Frequenzbänder 868 MHz und 2,4 GHz. Hobby-Bastler und Open-Source-Projekte wie OpenDTU [6] oder AhoyDTU [7] gingen bisher davon aus, dass Angriffe zumindest die Kenntnis der individuellen Seriennummer des Geräts voraussetzen. Doch Hunz entdeckte eine undokumentierte Funktion in der Firmware. Wird dieser Rundrufbefehl ausgesendet, antworten alle erreichbaren Hoymiles-Wechselrichter in der Umgebung und übermitteln ihre Seriennummer im Klartext per Funk.

Massenhafte Lokalisierung und Fernsteuerung

Bei experimentellen Tests reichte ein modifizierter, handlicher Scanner aus, um innerhalb von 20 Minuten zwei Dutzend fremde Wechselrichter samt ihrer eindeutigen Identifikationsnummern und Modell-IDs zu lokalisieren. Da die Reichweite der Funksignale mehrere hundert Meter betragen kann, ließe sich eine solche Angriffshardware sogar problemlos auf eine Drohne montieren, um ganze Wohngebiete systematisch zu erfassen.

Sobald ein Angreifer im Besitz der Seriennummern ist, steht ihm das ganze Spektrum der Gerätefernsteuerung offen. Da die Integrität der Datenpakete nur durch simple Prüfsummen geschützt wird, die sich bei Modifikationen mathematisch leicht neu berechnen lassen, existiert keine echte Authentifizierung.

Ein Angreifer kann die Wechselrichter nach Belieben ein- oder ausschalten und Leistungslimits manipulieren. Über den ungeschützten Funkbefehl zur Aktualisierung der Firmware lässt sich sogar Schadsoftware einschleusen. Der Forscher demonstrierte das anhand eines eigenen Test-Programms, das die Relais und LEDs des Wechselrichters in Dauerschleife schaltete. Werden gezielt sensible Netzparameter verändert oder die internen Speicherbereiche des Bootloaders gelöscht, drohen Brände, elektrische Unfälle oder die Zerstörung des Geräts. Das lässt sich danach nur noch durch Öffnen des Gehäuses reparieren.

Ignoranz der Behörden und CCC-Appell

Hersteller Hoymiles reagierte im Rahmen des Disclosure-Prozesses irritiert bis gar nicht und stellte bisher keinen Patch zur Verfügung. Auch staatliche Aufsichtsbehörden winkten ab: Mögliche plötzliche Leistungseinbrüche im Gigawatt-Bereich durch ein koordiniertes Abschalten von Solaranlagen könnten von den Netzbetreibern abgefangen werden. Der CCC warnt indes vor einem systemischen Risiko [8] und einer Wild-West-Manier beim Ausbau des Internet of Things (IoT). IT-Sicherheit im Energiesektor dürfe nicht erst bei Großkraftwerken anfangen, sondern müsse auch im Vorgarten und auf dem Balkon gelten.

Die Hacker fordern verbindliche Mindeststandards und ein Verbot von Einspeisegeräten in der EU, die Firmware-Updates ohne kryptografische Authentifizierung via Funk akzeptieren. Bis echte Patches vorliegen, bleibt Betreibern als Notlösung nur, über die Original-Software ein Diebstahlschutzpasswort zu vergeben, die Abfrageintervalle in Open-Source-Tools drastisch zu erhöhen oder die Solarmodule physisch vom Wechselrichter zu trennen.


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  1. https://www.heise.de/news/APsystems-Cloud-Schwachstelle-ermoeglichte-Firmware-Austausch-11198819.html
  2. https://www.heise.de/news/Balkonkraftwerke-Sicherheitsluecken-in-Verwaltungsplattform-Solarman-entdeckt-9828784.html
  3. https://www.heise.de/news/Hoymiles-Bedrohliche-Luecken-in-der-S-Miles-Cloud-9319500.html
  4. https://www.ccc.de/system/uploads/382/original/hoymiles_dtu_vuln.pdf
  5. https://www.ccc.de/system/uploads/383/original/hm_grid_firmware.pdf
  6. https://www.opendtu.solar/
  7. https://ahoydtu.de/
  8. https://www.ccc.de/updates/2026/blinkenlights-hoymiles
  9. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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  • 07. Juli 2026 um 17:30

OpenSSH stärkt SSH gegen heutige und künftige Angriffe

Von Heise
Schloss vor blauem Hintergrund

(Bild: Andrew Derr/Shutterstock.com)

OpenSSH 10.4 behebt mehrere Sicherheitslücken in SSH, SCP und SFTP. Zudem gibt es Protokollverschärfungen und experimentelle Post-Quantum-Signaturen.

Mit OpenSSH 10.4 ist eine neue Version der weitverbreiteten SSH-Implementierung erschienen. Im Mittelpunkt stehen mehrere Sicherheitskorrekturen für SSH-, SCP- und SFTP-Komponenten sowie Protokollverschärfungen, die Angriffsflächen verkleinern sollen. Ferner führt das Projekt erstmals experimentelle Unterstützung für ein hybrides Post-Quantum-Signaturverfahren ein.

OpenSSH ist die Referenzimplementierung des SSH-Protokolls. Sie gehört auf Linux- und BSD-Systemen sowie vielen weiteren Unix-ähnlichen Plattformen zur Standardausstattung.

Sicherheitskorrekturen für SSH, SCP und SFTP

Ein Schwerpunkt der neuen Version liegt auf der Behebung mehrerer sicherheitsrelevanter Fehler. So konnte ein bösartiger SFTP-Server Downloads unter bestimmten Umständen an einen anderen Speicherort als den vorgesehenen umleiten. Auch beim Kopieren von Dateien zwischen zwei entfernten Systemen mit scp verhindert OpenSSH 10.4 nun, dass ein manipulierter Server Dateien außerhalb des vorgesehenen Zielverzeichnisses ablegt. Zudem behebt OpenSSH 10.4 einen Fehler im internen SFTP-Server (internal-sftp, nicht der Standard): Bei langen Kommandozeilen wurden Argumente ab der zehnten Position still verworfen – sicherheitsrelevante Optionen an diesen Stellen wurden damit ignoriert.

Weitere Korrekturen betreffen den SSH-Server sshd. Die Entwickler schließen unter anderem eine potenzielle Denial-of-Service-Schwachstelle vor der Authentifizierung, sofern GSSAPI-Authentifizierung aktiviert ist (sie ist standardmäßig deaktiviert). Außerdem beseitigt die Version Fehler bei der Durchsetzung von Authentifizierungsverzögerungen und korrigiert eine Konstellation, in der DisableForwarding=yes Tunnelverbindungen entgegen der Dokumentation nicht zuverlässig unterband.

Auch der SSH-Client erhält Sicherheitskorrekturen. Unter anderem wurde ein möglicher Use-after-free-Fehler während eines Schlüsselaustauschs beseitigt, falls ein Server seinen Hostschlüssel während einer erneuten Schlüsselvereinbarung wechselt.

Strengeres Protokoll und mehr Robustheit

OpenSSH 10.4 verschärft außerdem das Verhalten während eines sogenannten Key-Reexchange. Dabei handeln Client und Server während einer bestehenden Verbindung neue Sitzungsschlüssel aus, etwa um kryptografisches Material regelmäßig zu erneuern. Sendet eine Gegenstelle während dieses Vorgangs unerlaubte Protokollnachrichten, trennt OpenSSH die Verbindung künftig sofort. Bislang wurden solche Nachrichten gepuffert, was zu sinnlos belegtem Speicher führen konnte.

Diese strengere Umsetzung orientiert sich an den Vorgaben des SSH-Protokolls. Allerdings weisen die Entwickler darauf hin, dass ältere oder nicht RFC-konforme Implementierungen dadurch unter Umständen die Verbindung verlieren.

Darüber hinaus ersetzt OpenSSH den bisherigen Wildcard-Matcher durch eine Implementierung auf Basis eines nicht deterministischen endlichen Automaten (NFA). Damit vermeiden die Entwickler exponentielle Laufzeiten bei bestimmten Suchmustern und verbessern die Robustheit gegenüber ungünstigen Eingaben.

Experimentelle hybride Post-Quantum-Signaturen

Als wichtigste funktionale Neuerung führt OpenSSH die experimentelle Unterstützung für ein kombiniertes Signaturverfahren aus ML-DSA-44 und Ed25519 ein. Der hybride Ansatz soll sowohl gegen klassische als auch gegen zukünftige Angriffe durch Quantencomputer absichern. Solche Kombinationen sind eine Übergangslösung, solange Post-Quantum-Verfahren noch schrittweise eingeführt und standardisiert werden.

Standardmäßig bleibt die Funktion deaktiviert. Administratoren müssen sie explizit über die Konfiguration aktivieren, etwa für HostKeyAlgorithms oder PubkeyAcceptedAlgorithms. Neue Schlüssel lassen sich mit ssh-keygen -t mldsa44-ed25519 erzeugen.

Weitere Änderungen

Die Entwickler weisen zudem auf einige potenziell inkompatible Änderungen hin. So gibt sshd -G Konfigurationsdirektiven künftig wieder mit gemischter Groß- und Kleinschreibung aus, etwa PubkeyAuthentication statt ausschließlich Kleinbuchstaben. Skripte, die die bisherige Ausgabe auswerten, müssen Nutzer gegebenenfalls anpassen.

Unter Linux behandelt OpenSSH Fehler beim Aktivieren der Sicherheitsmechanismen SECCOMP und NO_NEW_PRIVS nun als schwerwiegend. Der Server startet in diesem Fall nicht mehr, sondern bricht ab. Systeme ohne diese Funktionen sollen stattdessen bereits beim Kompilieren ohne Sandbox-Unterstützung gebaut werden.

Daneben enthält OpenSSH 10.4 zahlreiche Fehlerkorrekturen und interne Verbesserungen, unter anderem für FIDO-Token, ssh-agent, die Konfigurationsverarbeitung des SSH-Servers sowie verschiedene kryptografische Routinen. Laut Release Notes [1] sollen diese Änderungen vor allem Stabilität und Wartbarkeit verbessern.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11356381

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  1. https://www.openssh.org/txt/release-10.4
  2. https://www.heise.de/ix
  3. mailto:fo@ix.de

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  • 07. Juli 2026 um 14:29

Zimbra Collaboration Suite: Kritische Lücke macht Classic Web Client angreifbar

Von Heise
Finger tippt auf Update-Button

(Bild: Artur Szczybylo/Shutterstock.com)

Admins aufgepasst: Ein Update der Zimbra Collaboration Suite kann Mail-basierte Angriffe auf den Classic Web Client abschmettern.

Die Zimbra-Entwickler haben im Zuge eines Patch Release Updates auf Version 10.1.19 der Zimbra Collaboration Suite (ZCS) auf ein mögliches Sicherheitsrisiko aufmerksam gemacht. Laut Patch Release Notes [1] kann die zugrundeliegende Schwachstelle ausschließlich über die Komponente Classic Web Client missbraucht werden, wird in diesem Kontext allerdings als „kritisch“ bezeichnet.

Die betreffende, bislang nicht mit einer CVE-ID bezeichnete Lücke könnte demnach von Angreifern missbraucht werden, um speziell präparierte E-Mails zu verschicken. In ZCS-Versionen vor 10.1.19 könnte darin enthaltener, schädlicher Programmcode möglicherweise bereits beim Öffnen der betreffenden Mail zur Ausführung kommen.

Wie das Zimbra-Team etwas vage ausführt, könnten sich Angreifer auf diesem Wege unbefugten Zugriff auf Mailbox-, Session- oder Account-Informationen verschaffen. Wie aus den separat veröffentlichten Release-Notes zu 10.1.19 [2]hervorgeht, handelt es sich technisch wohl um einen Stored-Cross-Site-Scripting-Angriff.

Weitere Update-Informationen

Admins tun auch dann gut daran, die ZCS auf den neuesten Stand zu bringen, wenn der Classic Web Client im Unternehmen nicht zum Einsatz kommt. Erst vor wenigen Monaten hat die US-Sicherheitsbehörde vor aktiven Angriffen auf die Collaboration Suite gewarnt. [3] Auch damals hatten die Übeltäter eine Cross-Site-Scripting-Lücke im Visier. Im Hinblick auf den aktuellen Lückenfund bislang zwar keine Exploitversuche bekannt; dennoch ist es ratsam, zeitnah zu handeln.

Endanwender verwundbarer ZCS-Versionen sollten derweil auf die Nutzung des Classic Client verzichten und alternativ etwa auf den Modern Client umschwenken, bis das Update eingespielt wurde.

Upgrade-Anleitungen, je nach Ausgangsversion, sind den Release Notes zu entnehmen [4].

//Update 07.07.26, 14:52: Anriss und Text nach Leserfeedback angepasst (Update-Verantwortung liegt bei den Admins).


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Links in diesem Artikel:

  1. https://blog.zimbra.com/2026/07/patch-release-update-zimbra-10-1-19/
  2. https://wiki.zimbra.com/wiki/Zimbra_Releases/10.1.19
  3. https://www.heise.de/news/Warnung-vor-Angriffen-auf-Cisco-FMC-SharePoint-und-Zimbra-11217003.html
  4. https://wiki.zimbra.com/wiki/Zimbra_Releases/10.1.19
  5. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  6. mailto:ovw@heise.de

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  • 07. Juli 2026 um 14:06

40 Jahre AVM/Fritz: Vom BTX-Bastelprojekt zur Router-Ikone

Von Heise
AVM-Mitgründer und Technikleiter Peter Faxel zeigt eine größere Ausführung des ISDN-Controllers B1

AVM-Mitgründer und Technikleiter Peter Faxel zeigt eine größere Ausführung des ISDN-Controllers B1.

(Bild: AVM / Fritz)

Zählt man das erste Jahr als Studentenprojekt, ist Fritz jetzt 40 Jahre alt. Los ging es als „Audiovisuelles Marketing“.

Was als Studentenprojekt in Berlin begann, ist heute Marktführer in deutschen Wohnzimmern: Die FRITZ! GmbH, manchen besser bekannt unter ihrem früheren Namen AVM [1], feiert ihr 40-jähriges Bestehen.

Die vier damaligen Studenten Johannes Nill, Peter Faxel, Ulrich Müller-Albring und Jörg-Detlef Gebert gründeten AVM nach eigenen Angaben [2] im Jahr 1986. Damals handelte es sich allerdings noch um ein Bastelprojekt. Erst am 26. August 1987 erfolgte die erste Eintragung im Handelsregister als AVM Projektvertrieb Kommunikationsysteme GmbH. Der Hauptsitz befindet sich seitdem in Berlin.

Vom BTX-Dienstleister zum ISDN-Pionier

Das Kürzel AVM war ein Überbleibsel aus den Anfangstagen als BTX-Dienstleister und stand für „Audiovisuelles Marketing“. Die vier Gründer wollten Mitte der 1980er-Jahre das damals neue Integrated Services Digital Network (ISDN) nutzen, um den Bildschirmtext (BTX) der Deutschen Bundespost dem damals noch jungen PC-Markt zugänglich zu machen. Nach den ersten Entwicklungsaufträgen wurden ab 1988 eigene Produkte entwickelt.

Mit ISDN-Profikarten wie der A1 und insbesondere der B1 gelang AVM der Durchbruch: Die aktive ISDN-Karte B1 wurde laut eigenen Angaben zum weltweit meistgekauften aktiven ISDN-Controller. Aktiv heißt, dass die Karte mit einem eigenen digitalen Signalprozessor (DSP) die Daten verarbeitet hat. Die passiven A1-Modelle waren dafür auf den PC-Hauptprozessor angewiesen. Zu den Kunden von AVM zählten namhafte Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Datev und Novell. Erste Karten kamen für den ISA-Bus (Industry Standard Architecture), spätere Ausführungen für den Peripheral Component Interconnect (PCI). Bis 2013 hat AVM B1-Controller produziert [3].

AVMs ISDN-Controller (0 Bilder) [4]

[5]

1995 folgte mit der Fritzcard der erste Ableger mit Endkundenfokus. Kosteten die vorherigen Profimodelle teils mehrere tausend Deutsche Mark (DM), war die Fritzcard ab etwa 200 DM erhältlich. Ebenfalls mit dabei: eigene Fritz-Software. AVMs deutscher Marktanteil bei ISDN-Karten soll im Jahr 2004 auf einen Spitzenwert von 80 Prozent geklettert sein.

Die Fritzbox räumt auf

Der eigentliche Wendepunkt in der Firmengeschichte kam 2004. Bis dahin brauchte man für Internet per DSL und Telefonie hinter der „Postbuchse“ noch einen Gerätewust: Splitter, Analogtelefon oder ISDN-Anlage mit Telefonen, für schnurlose Geräte eine DECT-Basis und als Internetzubringer ein DSL-Modem und einen einfachen Router.

Diesem Wirrwarr machte AVM in zwei Etappen ein Ende: Am 18. März 2004 kündigte die Firma auf der damals weltgrößten IT-Messe CeBIT die erste Fritzbox an. Sie integrierte Modem und Router und reduzierte so das Geraffel merklich. In den folgenden Jahren wanderten immer mehr Funktionen in die Box: die ISDN-Technik, WLAN für Mobilgeräte kam hinzu und später schluckte die Box auch die DECT-Basis. Am Schluss stand nur noch ein Gerät da, mit der Fritzbox 7270 war 2007 der moderne All-in-one-Router geboren. Moderne Geräte kommen zusätzlich mit Smart-Home-Integration, Mesh-WLAN und natürlich Glasfaser-Unterstützung.

Zeitstrahl mit den wichtigsten AVM- und Fritzprodukten
Zeitstrahl mit den wichtigsten AVM- und Fritzprodukten

Zeitstrahl mit den wichtigsten AVM- und Fritzprodukten. Fritzboxen sind seit Jahren das wichtigste Geschäftsfeld für die Firma.

(Bild: Fritz)

Der Erfolg gab dem Konzept recht: 2010 erreichte die Fritzbox in Deutschland mit 68 Prozent ihren höchsten Router-Marktanteil. Geholfen hat dabei das Geschäft mit den Internetanbietern: AVM vertreibt seine Router auch an Provider, die sie ihren Kunden gegen eine Monatsmiete oder gratis bereitstellen, mal als Original, mal als schwarzer „Homeserver“.

Im Jahr 2024 haben sich derweil die Besitzstrukturen geändert: Damals hat Imker Capital Partners über die Luxemburger Tochterfirma Rucio Investment die Mehrheit von AVM übernommen [6]. Die Gründer haben sich aus Altersgründen aus dem Geschäft zurückgezogen. Unter der neuen Führung strebt Fritz unter neuem Namen auch die Internationalisierung an, inklusive eigenem Webshop [7]. Dort soll es zum Jubiläum Rabattaktionen und Angebote geben.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/AVM-gibt-seinen-Namen-auf-10509753.html
  2. https://about.fritz.com/presse/presseinformationen/2026/07/40-jahre-fritz-ein-berliner-unternehmen-schreibt-technikgeschichte
  3. https://www.heise.de/news/AVM-beendet-Produktion-seines-ersten-ISDN-Profi-Controllers-2063970.html
  4. https://www.heise.de/bilderstrecke/5112964.html?back=11357023;back=11357023
  5. https://www.heise.de/bilderstrecke/5112964.html?back=11357023;back=11357023
  6. https://www.heise.de/news/Einer-der-weltweit-groessten-Investoren-uebernimmt-AVM-9796123.html
  7. https://www.heise.de/news/Fritzboxen-Co-Fritz-eroeffnet-im-Oktober-eigenen-Onlineshop-10675284.html
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&amp;wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 07. Juli 2026 um 17:12

Agentic AI fürs Smart Home: openHAB 5.2 bringt Chat-Interface und MCP-Server

Von Heise
Ein Bot sitzt vor einem Modellhaus

(Bild: Rainald Menge Sonnentag / KI / iX)

Die Open-Source-Plattform openHAB bietet eine Anbindung an LLMs für Abfragen und Steuerung via Chat sowie einen eigenen MCP-Server für Agentic AI.

Die Open-Source-Plattform openHAB öffnet sich in Version 5.2 für LLMs und Agentic AI. Die Plattform zur Smart-Home-Steuerung bringt eine Anbindung an Sprachmodelle und führt den openHAB MCP Server ein.

LLM-Chat statt Regelwerk für die Steuerung

Das UI von openHAB bringt ein neues Chat-Interface, das sich direkt an die einzelnen Geräte der Plattform anbinden lässt. Für Aufgaben zur Gerätesteuerung zeigt das Chat-Interface das zugehörige Widget an.

Chat-Interface openHAB mit Widget
Chat-Interface openHAB mit Widget

Das Widget für das Licht erscheint beim Steuern des Geräts im Chat.

(Bild: openHAB)

openHAB bietet Tools, um die einzelnen Geräte an das LLM anzubinden, um den Status abzurufen oder Steuerbefehle zu senden.

Die User entscheiden, welche Geräte für das Chat-Interface ansprechbar sind. Der Parameter permission in den voiceSystem-Metadaten der einzelnen Items (die Smart-Home-Einheiten in openHAB) [1] kennt drei Einstellungen: NO_ACCESS, READ_ONLY und READ_WRITE.

Gedächtnis und Tools für das LLM

Die Plattform speichert den Verlauf des Chats und kann ihn dem LLM bei weiteren Aufrufen mitgeben. Wie weit sich openHAB den Chatverlauf merkt und ihn weitergibt, lässt sich in den Einstellungen festlegen. Der System-Prompt für das LLM ist ebenfalls anpassbar.

Ein Tooling-Framework öffnet den LLMs den Zugang zu den Geräten und weiteren Informationen. Drei Tools bringt Version 5.2 von Haus aus mit: get-date-time gibt die Zeit und das Datum bezogen auf die aktuelle Zeitzone zurück, item-get-state ruft den Status eines Items ab und item-send-command schickt einen Befehl an ein Item.

Chat with openHAB
Chat with openHAB

Das Chat-Interface bietet Zugang zu den einzelnen Geräten und Informationen im Smart-Home-System.

(Bild: openHAB)

openHAB ist zwar an kein bestimmtes LLM gebunden, bietet zum Start allerdings zunächst nur eine Anbindung an Google Gemini. Bindings für OpenAI und dazu kompatible Modelle sind in Kürze geplant.

Agentic AI mit dem openHAB MCP Server

Einen Schritt weiter als die LLM-Anbindung geht der openHAB MCP Server, der die Plattform für Agentic AI öffnet. Die KI-Agenten können die Geräte steuern und verwalten.

Außerdem lassen sich die KI-Agenten nutzen, um eigene Regeln für openHAB zu erstellen. Dabei hat man die Wahl zwischen Regeln für wiederkehrende Aufgaben und einmaligen Regeln. Letztere löscht der Agent nach der Ausführung selbsttätig.

Die Agenten können wahlweise direkt über das Netzwerk, über die openHAB-Cloud oder eine Node.js-Bridge mit openHAB kommunizieren. Damit die Agenten mit der Plattform interagieren können, benötigen sie ein openHAB-API-Token. Weitere Informationen zur Anbindung und Authentifizierung finden sich in der Dokumentation zum openHAB MCP Server [2].

Funktionen jenseits von KI

Neben der LLM- und Agentic-AI-Anbindung bringt openHAB 5.2 zahlreiche weitere Ergänzungen. Unter anderem lassen sich Komponenten für das UI neuerdings in YAML erstellen. Außerdem hat das openHAB-Team die DSL (Domain Specific Language) zum Erstellen von Regeln erweitert.

Weitere Neuerungen wie die dauerhaft angezeigte Log-Konsole und die erweiterten Charts lassen sich dem openHAB-Blog [3] entnehmen. Die vollständige Liste der Neuerungen findet sich in den Release Notes [4].


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.openhab.org/docs/concepts/items.html
  2. https://www.openhab.org/addons/integrations/mcp/
  3. https://www.openhab.org/blog/2026-07-05-openhab-5-2-release.html
  4. https://github.com/openhab/openhab-distro/releases/tag/5.2.0
  5. mailto:rme@ix.de

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  • 07. Juli 2026 um 11:57

iOS 27 Beta 3: Siri AI greift erstmals auf Daten aus Dritt-Apps zu

Von Heise
Siri AI

(Bild: Apple)

Erste Tests von iOS 27 Beta 3 zeigen: Siri AI kann bereits Informationen aus Drittanbieter-Apps abrufen. Apple profitiert dabei von vorhandenen APIs.

Mit der dritten Beta-Version von iOS 27 erhält Apples KI-verbesserte Sprachassistenz Siri AI [1] jetzt offenbar auch die Möglichkeit, Informationen von Dritt-Apps zu beziehen. Testern gelang es, per Sprachsteuerung Daten aus ersten einzelnen Apps abzufragen. Damit zeigt sich auch ein großer Vorteil für den Start, aus dem Apple seinen Nutzen ziehen kann: Durch Verwendung vorhandener Schnittstellen werden bei Veröffentlichung von iOS 27 wahrscheinlich bereits viele Apps über Siri ansteuerbar sein. Damit muss Apple zumindest für einfachere Abfragen keine speziellen neuen Siri-APIs einführen.

Mehreren Testern der Developer-Beta 3 gelang es laut 9to5Mac [2], den aktuellen Ladestand eines Teslas via Siri in Erfahrung zu bringen. Dies funktionierte aber bislang nur mit der App Tessie, nicht mit der offiziellen Tesla-App. Tessie greift über Schnittstellen auf die Daten des Fahrzeugs zu und bietet Nutzern mehr Datenansichten und Funktionen als die App des Herstellers. Ein anderer Tester berichtete, er habe den Ladestand seines Ford mittels der Hersteller-App abfragen können.

App Intents als Grundlage

In den ersten beiden Betas konnten Tester ausschließlich Daten aus Apple-eigenen Apps abfragen. Um erstmals auszuprobieren, wie sehr der neue persönliche Kontext die Qualität der Antworten der Sprachassistenz verbessert, genügte das zunächst. Da viele Nutzer aber für E-Mails oder Kommunikation andere Apps nutzen, ist die Unterstützung von Dritt-Apps eine wichtige Erweiterung, die jetzt offenbar die erste Hürde genommen hat.

Apple nutzt für die Kommunikation mit Dritt-Apps das App-Intents-Framework. Dies war bislang die Grundlage dafür, dass Apps Daten und Funktionen für die Kurzbefehle (Shortcuts) bereitstellen können. Auch die Suche per Spotlight und das Anbieten von Widgets, die auf Sperrbildschirm und Homescreen platziert werden können, hingen von dieser Schnittstelle ab. Mit iOS 27 sollen die App Intents in einer erweiterten Form auch Siri AI mit Informationen bedienen. Neu sind Funktionen für Streaming-Antworten, Dialoge über mehrere Schritte und erweiterte Datentypen. App-Entwickler können darauf basierende Apps aber derzeit noch nicht im App Store anbieten. Erst mit dem finalen Release des großen Softwareupdates von Apple können sie auch auf dem neuen iOS-27-SDK basierende Apps für den App Store einreichen.

SiriKit wird in Rente geschickt

Für Grundfunktionen scheint aber auch die bisherige Implementierung durchaus auszureichen. Die App Intents wurden mit iOS 16 im Jahr 2022 eingeführt. Im Zuge des Siri-Umbaus schickt Apple die Schnittstelle SiriKit gleichzeitig in Rente. Diese existierte seit 2016 und war XML-basiert. Künftig sind die App Intents der einzige Weg für Siri AI.

EU-Nutzer werden sich auf iPhone und iPad erstmal gedulden müssen [3], da Apple wegen der laufenden Diskussionen mit der EU-Kommission hier vorerst auf eine Veröffentlichung verzichtet. Dafür wird Siri AI aber im Herbst in der EU auch auf dem Mac und der Vision Pro erscheinen – vorerst allerdings nur in US-Englisch.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11357051

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Apple-verspricht-umfassenden-KI-Neustart-fuer-Apple-Intelligence-11322101.html
  2. https://9to5mac.com/2026/07/07/siri-ai-can-pull-info-from-third-party-apps-in-the-latest-developer-beta/
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Siri-AI-Warum-EU-iPhones-leer-ausgehen-11348496.html
  4. https://www.heise.de/mac-and-i
  5. mailto:mki@heise.de

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  • 07. Juli 2026 um 17:22

watchOS 27: Apple holt Siri AI in neuer Beta auf die Watch

Von Heise
Siri AI auf der Apple Watch

Siri AI auf der Apple Watch: Gibt’s leider nur für neuere Modelle.

(Bild: Apple)

Apple hat erstmals die Smartwatch-Variante des neuen KI-Systems freigegeben. Es gibt eine neue Siri-AI-App. Wie viel lokal auf dem Gerät läuft, bleibt unklar.

Entwickler dürfen nun erstmals die neue Siri AI [1] auf der Apple Watch testen. Die in der Nacht zum Dienstag erschienene dritte Beta von watchOS 27 [2] enthält erstmals die dafür notwendige neue Siri-AI-App samt entsprechender Integration in das Betriebssystem. Es bleibt zunächst unklar, ob es wie bei macOS 27 [3], iOS 27 und iPadOS 27 eine Warteliste [4] gibt oder die Funktion sofort zur Verfügung steht. Da die Apple Watch im Gegensatz zu iPhone und iPad nicht von der EU-Kommission reguliert [5] wird, steht Siri AI auch in Europa zur Verfügung. Allerdings ist die einzige zugelassene Hauptsprache derzeit US-Englisch, auch wenn man versuchen kann, mit dem neuen Chatbot in deutscher Sprache zu kommunizieren und dabei des Öfteren zielführende Antworten erhält.

Siri AI auf der Apple Watch nur auf bestimmten Modellen

Apple hatte sich mit watchOS 27 entschieden, beliebte Apple-Watch-Modelle nicht mehr mit dem neuen Betriebssystem zu versorgen [6], darunter Series 8 und die erste Generation der Ultra. Apples Verteidigung der vielfach kritisierten Entscheidung [7] nannte unter anderem die fehlende ausreichende Rechenleistung für Siri AI.

Allerdings lief die Sprachassistentin bislang auf der Apple Watch gar nicht lokal, sondern gab Anfragen an das verbundene iPhone weiter. Ob sich das mit watchOS 27 tatsächlich ändert, ist unklar. Es wird spekuliert, dass Siri AI die in neueren Apple-Watch-Modellen (ab Series 9, Ultra 2 und SE 3) integrierte KI-Einheit (Neural Engine) benötigt. Am Hauptspeicher hat sich zwischen den Varianten offenbar nichts geändert.

Neues KI-System prominent platziert

Am leichtesten zu finden ist die neue Siri-AI-App über eine neue Steuerfunktion [8], die Apple in watchOS 27 eingebaut hat: Drückt man auf die digitale Krone, tauchen nun fünf ausgewählte Anwendungen auf. In der Mitte ist das Siri-AI-Icon platziert. Zu allen Apps im Raster (Grid) oder der Listenansicht kommt man mit einem weiteren Knopfdruck.

Apple will also, dass die User die Sprachassistentin schnell finden und nutzen. Natürlich ist auch ein Aufruf mit der Stimme möglich, wenn man dies nicht abgeschaltet hat. Die Darstellung von Siri AI ist aufgrund der kleinen Bildschirmgröße nicht perfekt, Nutzer sollten sich darauf einstellen zu scrollen. Anfragen finden sich später auch in der Siri-AI-App für iPhone, iPad und Mac.


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https://www.heise.de/-11356351

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Apple-verspricht-umfassenden-KI-Neustart-fuer-Apple-Intelligence-11322101.html
  2. https://www.heise.de/news/tvOS-27-und-watchOS-27-Das-ist-neu-bei-Apple-TV-und-Apple-Watch-11322662.html
  3. https://www.heise.de/ratgeber/Tipp-Siri-AI-Warteschlange-auf-dem-Mac-ueberspringen-11339349.html
  4. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Was-in-der-Beta-geht-und-was-noch-nicht-11341222.html
  5. https://www.heise.de/hintergrund/Siri-AI-Warum-EU-iPhones-leer-ausgehen-11348496.html
  6. https://www.heise.de/news/Anforderungen-fuer-iOS-27-und-Co-Zoepfe-abgeschnitten-Siri-AI-teilbeschraenkt-11322631.html
  7. https://www.heise.de/news/Abgesaegte-Apple-Watch-Ultra-Apple-verteidigt-harten-Schnitt-11339065.html
  8. https://www.heise.de/news/watchOS-27-Neue-Navigationsart-soll-Nutzung-beschleunigen-11333311.html
  9. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  10. https://www.heise.de/mac-and-i
  11. mailto:bsc@heise.de

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  • 07. Juli 2026 um 14:51
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