Ellen's new flat, where she moved after separating from her husband, felt like a fresh beginning. She could come and go as she liked, cook the food she wanted – or not at all. But one morning, in the kitchen, enjoying the warm sun bathing the room, the peaceful contentment was broken by the sound of loud rap music.
The lyrics were threatening. Was it a neighbour? Walking to another room, she found the source was a speaker inside her own home, though the track was not on her playlists. The music stopped, replaced by silence again, but the unease continued.
(Bild: SharkNinja / heise medien)
Ein IT-Sicherheitsforscher hat eine Schwachstelle in Shark-Saugrobotern entdeckt, die die Übernahme aus dem Internet ermöglicht.
Millionen von Shark-Saugrobotern der Firma SharkNinja sind anfällig für das Einschleusen von Schadcode und die Übernahme aus dem Internet. Ein IT-Sicherheitsforscher hat unzureichende Autorisierungs- und Authentifizierungsprüfungen in den serverseitigen Diensten entdeckt, die das ermöglichen. Offenbar hat SharkNinja die Schwachstelle noch immer nicht ausgebessert.
In einem Blogbeitrag beschreibt der IT-Forscher [1], wie er sich in die Innereien seines Shark-Saugroboters vorgearbeitet hat. Der Einstieg gelang über das Terminal an der seriellen Debug-Schnittstelle, wodurch root-Zugriff über den U-Boot-Bootloader möglich wurde. Von dort hangelte er sich weiter vor und erlangte schließlich SSH-Zugriff.
Dadurch gelangte er weiter an die Adresse des von Shark genutzten API-Endpoints im AWS-IoT-Core-MQTT-Broker. Dort findet eine TLS-Authentifizierung statt. Jedes Gerät hat einen eigenen privaten Schlüssel, der dafür zum Einsatz kommt. Mit dem gelingt jedoch auch das Registrieren an Topics mittels Wildcard, wodurch Millionen von MQTT-Nachrichten zwischen Servern und anderen Geräten in der gleichen Region des Angreifers sichtbar werden. Es zeigte sich, dass mit dem privaten Schlüssel die Registrierung an Topics beliebiger Geräte möglich ist. Und dort lässt sich dann eine Funktion zum Ausführen von Befehlen auf dem Gerät aufrufen. Lediglich die leicht erhältliche Seriennummer des Zielgeräts ist dafür nötig. Mit einem zweiten Shark-Saugroboter verifizierte er die Schwachstelle, es gelang, darüber eine Webshell einzuschleusen.
Der Timeline des Blogbeitrags zufolge versuchte der IT-Forscher, im Rahmen von Responsible Disclosure zu handeln. Jedoch blieb seit vergangener Woche eine versprochene Antwort vom Hersteller SharkNinja aus. Die Schwachstelle ist demnach weiterhin vorhanden. Auf eine diesbezügliche Anfrage an SharkNinja durch heise security konnte das Unternehmen noch nicht unmittelbar reagieren. Zum Schutz vor Angriffen müssten Besitzerinnen und Besitzer von Shark-Saugrobotern diese vom Internet trennen. Ein regulärer Saugbetrieb dürfte offline jedoch nicht möglich sein.
Die Cloud-Systeme von jüngeren Internet-of-Things-Geräten weisen oftmals haarsträubende Sicherheitslücken auf. Mitte Februar stieß ein Tüftler etwa auf eine Sicherheitslücke bei DJI-Saugrobotern [2], die ihm Zugriff auf tausende Geräte ermöglichte. Dass es sich nicht nur um theoretische Gefahren handelt, zeigte Ende 2024 eine Schwachstelle, die die Fernsteuerung und Übernahme der Kontrolle von Ecovacs-Saugrobotern [3] ermöglichte.
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Infineon eröffnet eine große Fab in Dresden. Elon Musk kritisiert die Benennung von Chip-Fertigungstechnik. Neue RAM-Varianten versprechen mehr Speed.
Da muss man Elon Musk mal recht geben: Die Bezeichnungen von Halbleiter-Fertigungsverfahren sind reines Marketing – c’t-Leser wissen das schon längst. Mit den kleinsten physischen Strukturbreiten auf den jeweiligen Chips haben die Namen von Herstellungsverfahren wie Intel 18A, Samsung SF2 oder TSMC N2 nichts zu tun. Musk schlägt vor, die Benennung sollte künftig wieder die tatsächliche Größe der kleinsten Strukturen aufgreifen und beispielsweise die kleinste Anzahl der Atome nennen, die sich damit anordnen lässt.
Anlass der Kritik von Elon Musk war die von IBM auf dem VLSI-Symposium 2026 vorgestellte „7-Ångström-Technik“. Die verspricht zwar tatsächlich erhebliche Vorteile, vor allem durch die vertikale Stapelung von n- und p-Kanal-Feldeffekttransistoren. Aber wie IBM selbst in einem Querschnittsbild aus dem Rasterelektronenmikroskop zeigt, haben die dünnen Blättchen (Sheets) der Nanosheet-Transistoren eine Stärke von 15 Silizium-Atomlagen. Und da der Abstand zwischen den Gitterebenen eines Siliziumkristalls je nach dessen Orientierung zwischen 3,14 und 5,43 Å beträgt, entspricht das 47 bis 81 Å, also 4,7 bis 8,1 Nanometer (1 Å = 0,1 nm). Fertigungspartner von IBM ist die japanische Firma Rapidus, die aber zunächst die schon 2021 von IBM angekündigte „2-Nanometer“-Technik umsetzt. Das 7-Å-Verfahren folgt frühestens 2030.
Um ganz andere Dimensionen geht es in der nagelneuen „Smart Power Fab“ von Infineon in Dresden. Denn die verarbeitet Silizium-Wafer zu Leistungshalbleitern, bei denen starke Ströme, niedriger Widerstand und geringe Schaltverluste wichtiger sind als feinste Strukturen. Obwohl: Ein paar logische Schaltungen, Sensoren und analoge Messverstärker will Infineon durchaus integrieren. Denn „Smart Power“ bezieht sich auch auf neuartige Bauelemente wie „ProFET Wire Guard“ mit eingebauter Messtechnik, die Schmelzsicherungen in modernen Autos ersetzen. Doch vor allem will Infineon vom KI-Boom profitieren und baut möglichst schnell zusätzliche Kapazitäten für Leistungshalbleiter auf, die in den Stromversorgungen von KI-Beschleunigern sitzen.
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Das "Octagon" ist das größte Kommanzozentrum des Nahen Ostens
(Bild: Präsidentschaft der Arabischen Republik Ägypten/YouTube)
Ägypten hat ein Kommandozentrum eröffnet, das selbst das Pentagon in den Schatten stellt. Doch es gibt Kritik an dem Bauprojekt. Ein Überblick.
Ägyptens Militärregime sorgt nach dem im letzten Jahr eröffneten "Grand Egyptian Museum" für ein weiteres Bau-Superlativ: In der neuen Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo wurde am 4. Juli ein neues strategisches Kommandozentrum eingeweiht [1] – das sogenannte "Oktagon".
Präsident Abdel Fattah al-Sisi eröffnete den Komplex in Militäruniform und sprach von einem "bedeutenden Sprung" für Ägyptens Kommando- und Kontrollsysteme. Kritiker hingegen stellen die Prioritätensetzung angesichts der angespannten Wirtschaftslage des Landes in Frage. Was soll mit dem Bau bezweckt werden?
Das Oktagon ist nach Angaben der ägyptischen Regierung der größte militärische Hauptquartiersbau im Nahen Osten. Der Komplex erstreckt sich über rund 22.000 Feddan – umgerechnet etwa 34 Quadratmeilen – und umfasst bebaute Flächen von über 4,6 Millionen Quadratmetern.
Zum Vergleich: Das US-amerikanische Pentagon, das als das weltgrößte einstöckige Bürogebäude gilt, nimmt mit seinem Hauptgebäude lediglich rund 29 Acres ein. Das Oktagon würde damit knapp die Hälfte der Gesamtfläche der Stadt Washington D.C. bedecken.
Der Komplex besteht aus acht Gebäuden in Oktagonfigur, die in ihrer Formgebung an altägyptische Architektur angelehnt sind, sowie zwei zentralen Kommandogebäuden, mit denen sie durch gesicherte Korridore verbunden sind. Die Gesamtanlage beherbergt das Verteidigungsministerium, den Generalstab der ägyptischen Streitkräfte sowie verschiedene Teilstreitkräfte und Verwaltungsabteilungen.
Laut dem staatlichen Informationsdienst Ägyptens handelt es sich dabei nicht um ein gewöhnliches Hauptquartier, sondern um ein "integriertes Zentrum für Krisenmanagement und intelligente Führung", das gleichzeitig als "miniaturisierter Verwaltungs- und Verteidigungsknotenpunkt" fungiere.
Technologisch soll das Oktagon als zentrales Bindeglied zwischen militärischer Führung und staatlichen Institutionen dienen.
Al-Sisi beschrieb die Anlage in seiner Eröffnungsrede als mit "fortschrittlicher technologischer Infrastruktur, sicheren Kommunikationssystemen und überlegenen Fähigkeiten zur Informationsgewinnung und -analyse" ausgestattet. Sie verknüpfe Führungs- und Ausführungsebenen in einem einzigen Rahmen, der "höchste Grade an Integration, Genauigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit" ermögliche.
Ägyptische Beamte bezeichnen das Hauptquartier als "digitales Gehirn" des Staates. Neben operativen Zentren integriert es Krisenmanagementeinrichtungen, gesicherte Kommunikation, Logistikkoordination, Geheimdienstanalyse und Datenverwaltung unter einem Dach.
Ziel sei es, Reaktionszeiten zu verkürzen, die Koordination zwischen den verschiedenen Teilstreitkräften zu verbessern und die Kommandokontinuität auch unter außergewöhnlichen Umständen – einschließlich konventioneller Konflikte, Cyberangriffe oder großer nationaler Notlagen – zu gewährleisten.
Die Einweihungszeremonie wurde auf YouTube live übertragen [2] und beinhaltete neben Reden auch ein Nachtkonzert sowie eine Drohnenshow. Die ägyptische Luftwaffe führte eine Flugschau mit verschiedenen Kampfflugzeugen durch, darunter F-16 Block 52, MiG-29, Rafale und Mirage, sowie Frühwarnflugzeuge vom Typ E-2C Hawkeye, C-130-Hercules-Transportmaschinen und Kamow-Kampfhubschrauber.
Al-Sisi trat dabei in Militäruniform auf – ein seltenes öffentliches Auftreten in dieser Rolle. Er betonte, das Kommandozentrum sei "nicht allein mit der Bewältigung militärischer Lagen beauftragt", sondern stelle "eine grundlegende Säule in der Fähigkeit des Staates dar, Herausforderungen und außergewöhnliche Umstände zu bewältigen".
Die Eröffnung fällt in eine Phase erhöhter regionaler Instabilität. Kriege und Konflikte in Gaza, im Libanon und zwischen den USA sowie Israel auf der einen und dem Iran sowie mit ihm verbündeten Gruppen auf der anderen Seite haben die strategische Lage im Nahen Osten grundlegend verändert. Hinzu kommen anhaltende Instabilität in Libyen und Sudan sowie maritime Sicherheitsherausforderungen im Roten Meer.
Gawdat Bahgat, Professor an der National Defense University in Washington, sagte [3] gegenüber dem Fachmedium Breaking Defense, die Eröffnung sei "ein wesentlicher Beitrag zu und eine Projektion von Ägyptens militärischen Fähigkeiten". Er schränkte jedoch ein: "Der Bau an sich bedeutet noch nichts – viel wichtiger ist, wie er betrieben wird und welchen tatsächlichen Mehrwert er für die Verteidigungshaltung des Landes bringt. Das muss sich erst noch zeigen."
Bahgat verwies darauf, dass Ägypten das größte Militär der arabischen Welt unterhalte und seine Streitkräfte kontinuierlich modernisiere. "Die Kriege in Gaza, im Libanon und mit dem Iran haben eine neue strategische Landschaft im Nahen Osten geschaffen. Mit mehr als 100 Millionen Einwohnern, einer langen Geschichte und strategischen Lage wird Ägypten immer ein zentraler Akteur in der Nahostpolitik sein", sagte er.
Das Oktagon ist Teil von Ägyptens umfassendem Vorhaben, Schlüsselinstitutionen des Staates in die seit 2015 im Bau befindliche, noch namenlose neue Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo zu verlagern. Ministerien, Parlament, Justizinstitutionen und nun auch das strategische Kommandozentrum wurden schrittweise dorthin umgesiedelt.
Damit soll Kairo entlastet, die institutionelle Koordination gestärkt und die Sicherheit staatlicher Einrichtungen erhöht werden. Das Oktagon gilt als weiterer Schritt bei der Etablierung der neuen Hauptstadt als operativem Kern des ägyptischen Staates – und als Ausdruck von Präsident al-Sisis Leitbild einer "Neuen Republik".
Trotz der strategischen Begründung hat das Projekt erhebliche Debatten ausgelöst. Ägypten kämpft weiterhin mit hoher Inflation, wachsender Staatsverschuldung, Devisenmangel und zunehmendem Druck auf die Haushaltseinkommen.
Kritiker werfen der Regierung vor, mit Großprojekten wie der Neuen Verwaltungshauptstadt und dem Oktagon die öffentliche Verschuldung in die Höhe zu treiben, während viele Ägypterinnen und Ägypter mit steigenden Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben.
Befürworter der Regierung halten dem entgegen, nationale Sicherheitsinfrastruktur könne nicht wegen vorübergehender wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeschoben werden. Moderne Verteidigungsfähigkeiten und belastbare Kommandosysteme seien langfristige strategische Investitionen, die für die Stabilität in einer zunehmend unberechenbaren Region unerlässlich seien.
Eine öffentliche Debatte über Kosten und Finanzierung des Projekts hat die ägyptische Regierung nicht geführt.
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(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)
Macht das Modell den entscheidenden Unterschied? Google zumindest scheint eher auf den richtigen Rahmen zu setzen als das eigene Top-Modell. Eine Analyse.
Aktuell ist eine der spannendsten Fragen für den Einsatz von KI nicht nur im Bereich Security, sondern für alle anspruchsvollen Themen: Was ist der wesentliche, treibende Faktor für die praktische Leistungsfähigkeit von KI-Systemen [1]? Das Modell oder die richtige Orchestrierung mit einem ausgefeilten Harness? Benötigen wir überhaupt noch viel bessere LLMs? Oder sollten wir uns vielmehr darauf konzentrieren, aus dem, was wir haben – und uns leisten können – das Beste herauszuholen?
Bislang verlief die Front weitgehend entlang der Geschäftsmodelle – pro Harness argumentierten fast ausschließlich Firmen, die selbst kein eigenes Frontier-Modell haben, und deshalb fast schon zwangsläufig ihre (Geschäfts-)Perspektive bei Modell-unabhängigen Produkten auf Basis einer ausgefeilten Arbeitsumgebung sehen. Besonders sichtbar wird das aktuell im Bereich Security mit Start-ups wie AISLE [2] und XBOW [3] sowie bei IronCurtain [4] von Ex-Googler Niels Provos. Aber auch Konzerne wie Microsoft haben sich hier festgelegt: „Der Harness erledigt die Arbeit, das Modell ist nur eine Eingabe“, heißt es in der Vorstellung [5] ihres agentischen Security-Helfers MDASH. Gemeinsam ist allen: Sie haben kein eigenes Top-Modell am Start.
Der extreme Gegenpol war und ist Anthropic, die sehr viel Wert darauf legen, dass das Modell der treibende Faktor ist. Sie fokussieren ihre Kommunikation folglich darauf, wie herausragend gut Mythos und Fable seien. „Verboten gut“ war da ein echtes Geschenk für deren PR-Strategen. Die grundlegende These ist, dass ein zu komplexer Harness den Fähigkeiten der aktuellen und kommenden Top-Modelle potenziell eher im Weg stehe. So betonte etwa Anthropics Nicholas Carlini bei der Vorstellung von Mythos mehrfach, dass er im Wesentlichen das LLM nur noch auf ein Repository [6] ansetze und dann seinen Job machen lasse. Der Harness gibt dabei nur den Startpunkt und grobe Leitplanken vor – den Job, einschließlich eines Großteils der Orchestrierung, erledigt das LLM weitgehend autonom.
Irgendwo dazwischen positioniert sich OpenAI. Die haben eigene Top-Modelle, spannen die für ernsthafte Security-Arbeiten aber im Rahmen von Aardvark [7], mittlerweile in Codex Security umbenannt, in einen überaus elaborierten Harness ein. Das Projekt profitiert von der Expertise von Dave Aitel, einem der ersten prominenten Hacker, der sich ganz der Offensive Security verschrieben hatte und mit Canvas eines der ersten kommerziellen Exploit-Frameworks entwickelte. Doch Codex Security ist ein geschlossenes Gesamtsystem, das komplett auf OpenAIs GPTs setzt; Modellunabhängigkeit ist auch hier Fehlanzeige.
Und jetzt kommt Google – selbst Betreiber eines Frontier-Modells – und stellt Mantis Skills vor, ein portables „Toolkit for Building Security Review Harnesses“. Sie präsentieren damit eine Architektur für kontinuierliche, auf Wunsch sogar autonome Security-Evaluierung und -Optimierung inklusive Auto-Patching. Dabei dokumentieren sie nicht nur Architektur und Design von Mantis offen zugänglich, sondern stellen sogar die Kern-Elemente als Open-Source zur freien Verfügung – auch für Wettbewerber und Startups in diesem Bereich. Ihr eigentliches, darauf aufbauendes Produkt ist damit nicht komplett offengelegt – aber das ist eine andere Geschichte.
Der Clou an dem Ganzen ist: Obwohl Google mit Gemini ein großes Frontier-Modell am Start hat, ist Mantis konzeptionell Modell-unabhängig angelegt und lässt sich prinzipiell mit LLMs der Konkurrenz oder sogar lokal betriebenen Open-Weight-Modellen nutzen. Die Autoren des Projekts empfehlen sogar explizit eine Kombination unterschiedlicher Modelle für verschiedene Aufgaben – vor allem auch aus den immer wichtiger werdenden Kosten-Effizienz-Gründen.
Natürlich macht Google das nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Wer die Referenzarchitektur pflegt, prägt Schnittstellen und Ökosystem – und kann die produktionsreife Variante sowie Compute und Betrieb in der eigenen Cloud monetarisieren. Wer dabei an Chrome und Android denken muss, hat das Konzept verstanden. Allerdings sollte ich an der Stelle erwähnen, dass Mantis derzeit in erster Linie ein praktisches Engineering-Projekt ist; ein strategisches Commitment der Konzernführung, dass das die neue Google-Linie für KI ist, gibt es derzeit noch nicht.
Trotzdem ist Mantis bereits jetzt ein großer Schritt, der nicht nur die Frage „Harness oder Modell?“ in einem neuen Licht erscheinen lässt. Darüber hinaus ist es ein schlauer Move von Google, die im Rennen um die Führung im KI-Markt letztens etwas abgeschlagen wirkten. Claude, Fable, GPT, Gemini oder lieber DeepSeek, Qwen und Llama? Egal – solange du Mantis (oder dessen Nachfolger) benutzt, wäre Google wieder einmal der eigentliche Gewinner. Ich bin gespannt, ob Google dem ersten Schritt mit Mantis echtes Commitment folgen lässt.
Nachtrag: Wer noch Googles ehemalige Maxime „Don't be evil“ im Kopf hat und denkt, besser Google als OpenAI oder gar Elon Musk, dem sei diese Lektüre [9] empfohlen. Da beschreibt ein DeepMind-Forscher, wie sehr ihn der Verkauf an Google und die anschließende kontinuierliche Aufweichung der ethischen Prinzipien des Projekts beunruhigt. Mittlerweile hat Google DeepMind einen geheimen Vertrag mit dem Pentagon, der diesem sehr weitreichende Nutzungsrechte einräumt.
Diese Analyse schrieb Jürgen Schmidt ursprünglich für den exklusiven Newsletter von heise security PRO [10], wo er jede Woche das Geschehen in der IT-Security-Welt für Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen einordnet.
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(Bild: heise online / dmk)
Microsoft verteilt ein ungeplantes Windows-Update. Es soll Probleme beheben, die insbesondere bei Dell-Computern aufgetreten sind.
In der Nacht zum Sonntag hat Microsoft angefangen, ein außerplanmäßiges Update für Windows 11 zu verteilen. Es soll insbesondere Performanceprobleme ausbessern, die der Hersteller auf einigen Dell-Computern bestätigt hat.
Das Update mit dem KB-Eintrag KB5121767 hebt Windows 11 25H2 respektive 24H2 auf die Betriebssystem-Build-Nummer 26200.8894 und 26100.8894. Laut der Microsoft-Versionsankündigung [1] behebt es ausschließlich das Performanceproblem, das Microsoft in der Nacht zum Donnerstag [2] eingeräumt hat.
Nach der Installation der Update-Vorschau aus dem Juni dieses Jahres sei es auf einer begrenzten Anzahl an Dell-Computern zur Anzeige von gelben Ausrufezeichen im Gerätemanager beim „Intel Innovation Platform Framework Processor Participant“-Treiber gekommen. In einigen Fällen führt das auf betroffenen Systemen zu Performanceeinbußen, erhöhtem Stromverbrauch oder Änderungen im Systemverhalten, erklärte Microsoft die Auswirkungen.
Wie Microsoft ausführte, geht das Problem auf eine Inkompatibilität zwischen dem Intel-Treiber und der mit der Juni-Update-Vorschau eingeführten [3] neuen Windows-USB-C-Verbindungsmanager-Schnittstelle zurück. In der Folge hatte Microsoft die Verteilung des Windows-Sicherheitsupdates aus dem Juli auf betroffenen Maschinen gestoppt. Die können der aktuellen Versionsankündigung zufolge das Update jetzt doch installieren, da das außerplanmäßige Update Korrekturen für das Problem enthält.
Nur auf diesen Systemen müssen Admins und Nutzerinnen und Nutzer aktiv werden und es installieren, erklärt Microsoft weiter. Jedoch wird das Update auch auf vielen anderen Maschinen angeboten, welche die frühe Installation von optionalen Windows Updates aktiviert haben, also unter den Windows-Update-Einstellungen die Option „Erhalten Sie Updates, sobald sie verfügbar sind“ aktiviert haben. Dort fordert das Update nun ebenfalls einen Rechnerneustart an.
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Die Nutzung von Videosprechstunden wächst bei Senioren. TeleClinic-Chef Benedikt Luber spricht im Interview über Hürden, Technik und einen Datenschutzvorfall.
Üblicherweise geht man davon aus, dass telemedizinische Angebote vor allem jüngere und technikaffine Menschen erreichen. Ältere Menschen würden dagegen weiterhin hauptsächlich in die Arztpraxis gehen und dort oft mehr Zeit benötigen [1] als die jüngeren Patienten.
Nach Angaben vom Telemedizinanbieter TeleClinic greifen zunehmend jedoch auch ältere Menschen auf Angebote zurück, bei denen sie medizinische Hilfe aus der Ferne eigenständig über Smartphone oder PC nutzen. Dass Seniorinnen und Senioren der Digitalisierung im Gesundheitswesen insgesamt offener gegenüberstehen, zeigt auch eine Umfrage, die Bitkom Anfang des Jahres veröffentlicht hat [2].
(Bild: Teleclinic)
Wie sich die aktive Nutzung von Videosprechstunden bei älteren Menschen über die Jahre entwickelt hat, darüber haben wir mit Benedikt Luber, Managing Director von TeleClinic, gesprochen.
TeleClinic hat der Redaktion von heise Zahlen zur Nutzung der Telemedizin vorgelegt. Da kamen Sie unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Nutzung seit 2021 bei der Gruppe der über 65-Jährigen deutlich gestiegen ist. Hat Sie das überrascht und können Sie die Zahlen noch etwas ins Verhältnis setzen?
Ja, das hat uns tatsächlich etwas überrascht. Das ist das stärkste relative Wachstum aller Altersgruppen und widerlegt ein Stück weit die häufig geäußerte Annahme, Telemedizin sei vor allem etwas für junge, technikaffine Menschen in Großstädten.
Interessant war für uns außerdem, dass wir nicht nur die „fitten“ 65-Jährigen sehen. Wir haben uns die Alterskohorten genauer angesehen und können sagen, dass sich die Nutzung relativ gleichmäßig über die Gruppen 65 bis 75, 75 bis 85 und sogar 85 plus verteilt. Das zeigt, dass Telemedizin inzwischen auch bei sehr alten Menschen ankommt und nicht nur von einer kleinen, besonders digitalaffinen Gruppe genutzt wird.
Über unsere Plattform wurden inzwischen mehr als vier Millionen Videosprechstunden durchgeführt. Insgesamt sehen wir über alle Altersgruppen hinweg weiteres Wachstum, bei den älteren Nutzerinnen und Nutzern allerdings überproportional.
Wie kommen ältere Menschen mit der Technik zurecht?
Der Einstieg dauert manchmal etwas länger als bei jüngeren Nutzern. Das überrascht auch nicht. Häufig unterstützen Kinder oder Enkel beim ersten Einrichten der App. Gleichzeitig machen Funktionen wie das Einscannen der Gesundheitskarte die Nutzung auch für ältere Menschen einfacher.
Entscheidend ist aber: Die Technik ist heute kein grundsätzliches Hindernis mehr. Wir sehen sehr deutlich, dass ältere Menschen bereit sind, digitale Angebote zu nutzen, wenn diese einfach gestaltet sind.
Deshalb investieren wir derzeit stark in sprachbasierte Bedienkonzepte. Langfristig sollte sich nicht mehr der Mensch an die Technik anpassen müssen, sondern die Technik an den Menschen. Gerade für ältere Nutzerinnen und Nutzer kann das ein großer Fortschritt sein.
Ihren Zahlen zufolge sprechen ältere Menschen länger mit dem behandelnden Arzt. Es hieß ja in der Vergangenheit immer wieder, dass Anbieter wie TeleClinic vor allem unkomplizierte Fälle aus den Hausarztpraxen herausziehen.
Genau. Unsere Daten zeigen, dass Videosprechstunden mit Menschen ab 65 Jahren durchschnittlich rund 13 Minuten dauern. Das ist mehr als doppelt so lang wie der Videosprechstunden-Durchschnitt.
Für uns ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass ältere Patientinnen und Patienten eben nicht nur mit einer kurzen Rezeptanfrage kommen. Sie haben häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig, komplexere Fragestellungen oder benötigen schlicht mehr Gesprächszeit.
Ein Vorteil der Videosprechstunde kann dabei sein, dass Ärztinnen und Ärzte häufig nicht immer unter dem Druck eines vollen Wartezimmers stehen. Seit einiger Zeit können Videosprechstunden unter bestimmten Voraussetzungen auch aus dem Homeoffice [3]erbracht werden. Dadurch entsteht häufig mehr Raum für das eigentliche Gespräch.
Mit welchen Anliegen kommen ältere Menschen typischerweise zu Ihnen?
Typische Anwendungsfälle sind chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, Rezeptverlängerungen bei Dauermedikationen oder stabile Krankheitsverläufe. Dazu kommen einfache Infekte ohne Warnzeichen, Hautveränderungen, die sich anhand von Fotos gut beurteilen lassen, oder allgemeinmedizinische Fragestellungen.
Daneben sehen wir durchaus auch psychosoziale Anliegen. Gerade ältere Menschen nutzen die Videosprechstunde zunehmend als niedrigschwelligen Zugang zur medizinischen Versorgung, wenn sie kurzfristig ärztlichen Rat benötigen.
Relevant wird künftig auch das Thema Zweitmeinung. Mit dem GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz soll sie vor bestimmten Eingriffen verpflichtend werden, und das lässt sich sehr gut telemedizinisch abbilden. Bevor eine größere Operation ansteht, kann eine Patientin oder ein Patient Befunde und Bildgebung hochladen, und eine erfahrene Fachärztin oder ein Facharzt bewertet aus der Ferne, ob der Eingriff wirklich notwendig ist.
Auch im Bereich der Vitalparameter-Erfassung entwickelt sich einiges. Je mehr Messwerte sich zuverlässig aus der Ferne erfassen lassen, desto mehr Behandlungsanlässe eignen sich künftig für die Telemedizin. Das ist ein Bereich, der sich in den nächsten Jahren sicher noch deutlich weiterentwickeln wird.
Sowohl mit dem GeDIG als auch mit der Notfallreform und dem geplanten Primärversorgungssystem sollen digitale Erstkontakte und Telemedizin fest eingebunden werden. Wie könnte das konkret aussehen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?
Auf dem Papier ist tatsächlich schon vieles vorgezeichnet. Im Primärversorgungssystem sollen Versicherte künftig neben dem Hausarzt und der 116117 auch einen digitalen Zugangsweg wählen können, bei dem Erst- beziehungsweise Bedarfseinschätzung, elektronische Überweisung und digitale Terminvermittlung, wenn möglich per Telemedizin, zu einem Service zusammengeführt werden. Auch in der Notfallreform ist vorgesehen, dass Kassenärztliche Vereinigungen künftig verpflichtend rund um die Uhr telemedizinische Beratung anbieten müssen, bevor überhaupt ein Rettungswagen oder ein persönlicher Termin notwendig wird.
Das ist aus unserer Sicht genau die richtige Richtung. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt aber in der konkreten Ausgestaltung: Wie genau werden Bedarfseinschätzung, Terminvermittlung und Überweisung technisch miteinander verzahnt? Und wie offen ist dieses System am Ende tatsächlich für unterschiedliche Anbieter?
Wichtig ist uns dabei vor allem, dass es nicht nur einen einzigen Zugangsweg gibt, sondern mehrere gleichwertige Einstiegsmöglichkeiten – über die Kassenärztlichen Vereinigungen, über die Krankenkassen-Apps, aber eben auch über etablierte private Anbieter wie uns, sofern einheitliche Qualitätskriterien erfüllt werden. Genau das leben wir bereits heute in der Praxis, etwa in unserer Zusammenarbeit mit der KV Niedersachsen. Wenn diese Systeme durch einheitliche Schnittstellen und Standards miteinander vernetzt sind, kann daraus eine funktionierende digitale Versorgung entstehen.
Sie arbeiten bereits mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen zusammen. Wie funktioniert dieses Modell?
Wer dort den ärztlichen Bereitschaftsdienst über die 116117 kontaktiert, wird zunächst mithilfe des Systems SmED [4] medizinisch eingeschätzt. Ergibt diese Ersteinschätzung, dass eine Videosprechstunde geeignet ist, wird zunächst ein Tele-Arzt zugeschaltet. Nur wenn dieser feststellt, dass eine Behandlung aus der Ferne nicht ausreicht, fährt anschließend der Bereitschaftsdienst zum Patienten.
Inzwischen wurden über dieses Modell mehr als 100.000 Behandlungen durchgeführt. Über 80 Prozent der Fälle konnten vollständig telemedizinisch abgeschlossen werden. Nur bei rund 20 Prozent musste anschließend noch ein Fahrdienst ausrücken, der dann von der Johanniter-Unfall-Hilfe übernommen wird.
Das zeigt aus unserer Sicht sehr gut, welches Potenzial Telemedizin bei der Entlastung des Bereitschaftsdienstes und der Notaufnahmen haben kann. Aus unserer Sicht ist dieses Modell durchaus auch ein Vorbild dafür, wie sich ähnliche Strukturen künftig auf andere KV-Regionen übertragen lassen könnten.
Derzeit wird ja auch wieder über die sogenannte Telefon-AU diskutiert, also die telefonische Krankschreibung, die zeitweise ausgesetzt und dann wieder eingeführt wurde. Können sich Anbieter von Videosprechstunden wie TeleClinic eigentlich freuen, wenn die Telefon-AU wieder eingeschränkt oder abgeschafft würde, weil dann mehr Patientinnen und Patienten auf die Videosprechstunde ausweichen müssten?
Das ist ein sehr berechtigter Punkt, und ich verstehe, warum das kontrovers diskutiert wird. Erst einmal zur Einordnung: Es gibt Auswertungen, die zeigen, dass weder die telefonische noch die videobasierte Krankschreibung ein relevanter Treiber der Krankheitstage in Deutschland sind. Aus einer Analyse des ZI und der Barmer wissen wir, dass telefonische Krankschreibungen bei etwa 0,8 bis 1 Prozent aller Krankschreibungen lagen, bei der Videosprechstunde waren es sogar nur 0,1 bis 0,4 Prozent.
Jetzt gibt es aber Überlegungen, die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag wieder einzuführen. Für uns ist dabei vor allem wichtig, dass das nicht zum Nadelöhr wird, gerade für Menschen ohne festen Hausarzt oder in unterversorgten Regionen. Genau das befürchten ja auch viele Ärztinnen und Ärzte, dass es zu einer massiven Überlastung der Praxen führen könnte.
Ich würde es deshalb nicht sagen, dass wir uns über mehr Zulauf durch eine strengere Regelung freuen. Uns geht es darum, dass ein guter digitaler Versorgungseinstieg zur Verfügung steht, wenn Menschen ihn brauchen. Wichtig ist außerdem, dass für Krankschreibungen per Videosprechstunde ohnehin klare Vorgaben gelten. Laut G-BA, dem höchsten Beschlussgremium im Medizinwesen, darf eine Erstbescheinigung per Video nur einmalig und für maximal drei Tage ausgestellt werden, und es muss vorher eine strukturierte Ersteinschätzung erfolgen. Das ist also kein Freifahrtschein, sondern reguliert wie jede andere Versorgungsform auch.
Aus aktuellem Anlass: Nina Warken hat angekündigt [5], die Fragebogen-Krankschreibung verhindern zu wollen. Das betrifft TeleClinic ja nicht, oder?
Nein, eine Krankschreibung basierend auf Fragebögen wird über die technischen Dienste der TeleClinic nicht ermöglicht. Approbierte, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte führen eine echte ärztliche Videosprechstunde mit strukturierter Ersteinschätzung und vollumfänglicher audiovisueller Behandlung über unseren zertifizierten Videodienst durch. Dabei werden insbesondere die strengen G-BA-Vorgaben und Qualitätskriterien nach Anlage 31c Bundesmantelvertrag zur Videosprechstunde eingehalten.
Was wäre für Sie der wichtigste Schritt, damit Telemedizin wirklich in der Regelversorgung ankommt?
Ich glaube, es kommt vor allem darauf an, dass wir jetzt konsequent dranbleiben. Die technischen Grundlagen entstehen gerade erst richtig, und parallel braucht es ein Vergütungssystem, das digitale Versorgung fair abbildet. Wenn das gelingt, bin ich zuversichtlich, dass Telemedizin in einigen Jahren ganz selbstverständlich zur Versorgung dazugehört – gerade auch für ältere Menschen, wie wir das in unseren Zahlen ja bereits sehen.
Wie könnte eine gerechte Vergütung aussehen?
Das heutige Vergütungssystem orientiert sich stark an der klassischen Quartalsversorgung durch den Hausarzt. Das passt nicht immer zu digitalen Erstkontakten, die häufig einzelne akute Anliegen betreffen.
Deshalb braucht es aus unserer Sicht eine eigenständige, faire Vergütung für telemedizinische Erstkontakte innerhalb der gesetzlichen Versorgung. Ärztinnen und Ärzte sollten durch Telemedizin weder benachteiligt noch bevorteilt werden. Entscheidend sollte sein, dass die jeweils passende Versorgungsform vergütet wird.
Darüber hinaus stellt sich aber noch eine grundsätzlichere Frage. Unser Gesundheitssystem vergütet heute überwiegend die Behandlung bereits bestehender Erkrankungen. Langfristig müsste Prävention deutlich stärker honoriert werden. Wenn Ärztinnen und Ärzte dazu beitragen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder sogar zu verhindern, sollte sich das auch im Vergütungssystem widerspiegeln. Solche Ansätze werden unter dem Begriff „Value Based Healthcare“ seit Längerem diskutiert.
Vor wenigen Tagen gab es einen Datenschutzvorfall bei TeleClinic. Was genau ist passiert?
Am 10. Juli kam es aufgrund eines technischen Fehlers in einer Caching-Komponente für einen Zeitraum von rund 30 Minuten zu einer fehlerhaften Anzeige von Daten. Betroffen waren insgesamt 60 Nutzerinnen und Nutzer. Einzelnen angemeldeten Personen wurden zeitweise personenbezogene Daten anderer Nutzer angezeigt.
Niemand konnte sich in fremde Konten einloggen oder im Namen anderer Personen handeln. Auch Änderungen an fremden Konten waren zu keinem Zeitpunkt möglich. Nicht betroffen waren Diagnosen, Rezepte, Atteste sowie Zugangs- oder Zahlungsdaten. Sichtbar werden konnten lediglich personenbezogene Stamm- und Versichertendaten sowie Terminübersichten. Nach der Auswertung unserer Zugriffs- und Telemetriedaten gibt es außerdem keine Hinweise darauf, dass die Daten weiterverbreitet oder missbräuchlich genutzt wurden.
Unsere Monitoring-Systeme haben den Fehler innerhalb weniger Minuten erkannt. Parallel ging auch eine erste Rückmeldung eines Nutzers ein. Aus Vorsicht haben wir die betroffenen Systeme sofort eingeschränkt, den Fehler innerhalb von 20 Minuten behoben und anschließend weitere technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt, um eine Wiederholung auszuschließen.
Anhand unserer Zugriffs- und Telemetriedaten konnten wir genau nachvollziehen, welche Inhalte in welchem Zeitraum angezeigt wurden und welche Personen betroffen waren. Alle 60 Betroffenen haben wir dann anschließend persönlich informiert, und den Vorfall haben wir auch an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet. Die Aufsichtsbehörde hat uns zwischenzeitlich den Abschluss des Verfahrens ohne weitere Maßnahmen bestätigt.
Natürlich ist unser Anspruch, dass ein solcher Fehler gar nicht erst passiert. Gleichzeitig wäre es nicht ehrlich zu behaupten, dass sich in hochkomplexen IT-Systemen technische Fehler mit absoluter Sicherheit ausschließen lassen. Entscheidend ist deshalb, wie ein Unternehmen mit einer solchen Situation umgeht. Für uns gehören dazu ein engmaschiges Monitoring, eine schnelle technische Reaktion, vollständige Transparenz gegenüber den Betroffenen und eine gründliche Analyse der Ursachen. Nach jedem Vorfall werden technische und organisatorische Prozesse überprüft und weiterentwickelt.
Datenschutz und Informationssicherheit sind für digitale Gesundheitsangebote die Grundlage für Vertrauen. Dieses Vertrauen entsteht nicht nur dadurch, dass Systeme zuverlässig funktionieren, sondern auch dadurch, dass offen und nachvollziehbar kommuniziert wird.
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(Bild: Sabine Küster-Reeck)
Vor 80.000 Jahren explodierte hier die Erde: Heute lockt die Vulkaneifel mit idyllischen Maaren, Wanderwegen und erfrischenden Badeseen.
Im äußersten Westen Deutschlands liegt der Natur- und Geopark Vulkaneifel. Dort, wo die Natur vor allem durch ihre abwechslungsreiche und schöne Gestalt beeindruckt, war es nicht immer so ruhig und idyllisch. Mehr als 80.000 Jahre ist es her, als gewaltige Detonationen riesige Krater in die Landschaft sprengten.
Der Untergrund der Eifel war in Aufruhr. Doch auch aufgebrachte Vulkane beruhigen sich einmal wieder und im Laufe der Zeit sammelte sich Regen- und Grundwasser in den Kratern. So entstand eines der schönsten und beliebtesten Ausflugsziele für viele Wanderer und Erholungssuchende: Die Eifeler Maare.
Seit langer Zeit sind die feurigen Aktivitäten im Inneren unseres Planeten bekannt. So detonierte am Morgen des 27. August 1883 der Vulkan Krakatau südlich der Insel Sumatra. Er explodierte mit der unvorstellbaren Kraft von 7.000 Hiroshimabomben und hinterließ ein Bild der Verwüstung.
Eine der höchsten Flutwellen, von der die Wissenschaft bis heute Kenntnis hat, türmte sich auf und tötete mehr als 30.000 Menschen. Im weit entfernten Frankreich, über 18.000 Kilometer entfernt, konnte man noch nach 32 Stunden die Nachwehen jener Flutwelle spüren.
Durch diese erneute Detonation im "pazifischen Feuerring", der etwa 1.000 noch immer aktive Vulkane umfasst, veränderte sich das Klima in Europa. Die Durchschnittstemperatur sank damals um über 3 Grad Celsius. Als das "Jahr ohne Sommer", ging nur wenige Jahrzehnte zuvor, 1815 der gewaltige Ausbruch des Tambora [1] in die Geschichte ein. Ein vulkanischer Winter begann, der weite Teile Europas und Nordamerikas fest im Griff hatte.
Im Juli und im August fiel Schnee, Missernten waren die Folge und viele hungernde und ihrer Existenz beraubte Menschen sahen sich gezwungen auszuwandern. Eine der größten Auswanderungswellen in die "neue Welt" begann.
Der Himmel über Europa und Nordamerika leuchtete in phantastischen Farben. Die spektakulären Sonnenuntergänge mit ihren fast psychedelischen Farben, wurden von berühmten Künstlern wie John Constable und Caspar-David Friedrich in ihren Gemälden für die Nachwelt dokumentiert.
Weit entfernt vom pazifischen Feuerring, dennoch aber bis heute aktiv, ist die vulkanische Aktivität in der Eifel. Aber auch hier gab es vor rund 13.000 Jahren mindestens 35 schwere Ausbrüche im Gebiet des Laacher Sees, dicht gelegen am wunderschönen Kloster Maria-Laach.
Diese Eruptionen waren sogar noch deutlich stärker als jene des Mount St. Helens 1980, oder des Pinatubo 1991. Man zählt sie zu den stärksten Paroxysmen (Bezeichnung für einen sehr heftigen Ausbruch) im Quartär Mitteleuropas.
Feine Aschen wurden von den Winden 1.100 km weit nach Norden und bis zu 600 km weit nach Süden verfrachtet; nachzuweisen in Moorprofilen in Mecklenburg Vorpommern, auf Rügen, auf Gotland, um Genf und in Norditalien.
In der wunderschönen, vielfältigen Vulkaneifel geht es in der Gegenwart nun etwas ruhiger zu. Schon früh siedelten hier Menschen, die erkannten, dass die Vulkanböden aufgrund enthaltener Mineralien ausgesprochen fruchtbar sind und das Wasser lange speichern. So konnten sie den nährstoffreichen Böden gute Ernten abgewinnen.
Das kleine Dorf Meerfeld, gelegen direkt am Meerfelder Maar, liegt in der Nähe des idyllischen Erholungsortes Manderscheid im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Schon im Jahre 1877 schenkte Kaiser Wilhelm I., den Meerfeldern 12.000 Reichsmark. Dieses Geld sollten die Bewohner in die Landgewinnung investieren.
So wurden Teile des Maarkessels künstlich entwässert und der Seespiegel auf diese Weise um zwei Meter abgesenkt. Heute liegt der Vulkansee Meerfelder Maar auf einer Höhe von 335 Metern über dem Meeresspiegel, hat eine Wasseroberfläche von 24 Hektar und ist rund 18 Meter tief. Man kann das Zeugnis einer gewaltigen Eruption mitten in Europa bis heute umwandern.
Das tiefblaue Wasser des Sees und die abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Rad- und Wanderwegen laden zu jeder Jahreszeit zu einer intensiven Erkundung ein.
Geologie zum Nachlesen: Wie die Maare der Vulkaneifel entstanden sind
Wer sich intensiver mit Vulkanismus beschäftigen möchte kann zum Beispiel im eindrucksvollen Buch von Prof. Hans Pichler, "Vulkangebiete der Erde" zur Entstehungsgeschichte der Maare nachlesen:
"Ein hydrovulkanischer entstandener, meist mit einem See gefüllter Sprengtrichter wird als 'Maar' bezeichnet. Mit Durchmessern von weniger als 100 Metern bis zu mehr als 1.500 Metern und Tiefen von etwa 10 Metern bis zu 200 Metern stellen diese oft in ebenem Gelände auftretenden, morphologischen Hohlformen eine eigene Art vulkanischer Gebilde dar. Ihr Durchmesser ist durch die Tiefe des Explosionsherdes vorgegeben.
Das ausgeworfene Material bildet rund um den Sprengtrichter einen 10 bis etwa 40 Meter mächtigen Ring, der aus einer- oder zahlreichen Schichten bestehen kann, je nachdem, ob das Maar durch eine einzige Explosion oder einer Folge vieler Eruptionen entstanden ist.Maare sind also selbstständige Vulkane von trichterartiger bis schüsselförmiger Gestalt, eingetieft in beliebigen Untergrund. Sie sind durch Gaseruption vorwiegend in einem Eruptionszyklus entstanden.
Zu den bekanntesten dieser oft wassergefüllten quartären 'Hohlformen' zählen neben dem Meerfelder Maar die beiden Schalkmehrener Maare bei Daun, der Dreiser Weiher und das Pulvermaar. Das Meerfelder Maar und seine Umgebung stehen heute unter Naturschutz."
Von dem hübschen Erholungsstädtchen Manderscheid ausgehend, führt eine steile Straße bergab zu dem Dörfchen Meerfeld. Gleich unterhalb des Ortes liegt das Meerfelder Maar [2]. Die Bezeichnung "Maar" stammt vermutlich von dem lateinischen Wort mare (Meer) und wurde von dem Trierer Gymnasiallehrer Johann Steiniger (1794 – 1878) etabliert.
In brütender Hitze umrunden wir den See. Noch immer ist sehr eindrucksvoll zu erkennen, dass sich hier einst ein Vulkan befand. Der mit dichtem Mischwald bewachsene Krater ist noch gut zu erkennen. Das Meerfelder Maar ist nur eines von 77 in der Vulkaneifel nachgewiesenen Maaren und bereits 80.000 Jahre alt. Es ist das größte Maar der Westeifel.
Der jüngste Ausbruch eines Vulkanes in der Eifel liegt gerade einmal 10.900 Jahre zurück. Viele verschwitzte Wanderer, die es in diesem Sommer mit tropischen Temperaturen aufnehmen müssen, sind versucht, ihre Tour zu unterbrechen, um die Badeanstalt aufzusuchen, die sich am Maar befindet. Schließlich hat man hier die Chance, in einem erloschenen Vulkan zu schwimmen!
Urlauber und Anwohner suchen an diesem schönen Flecken Erde bei 36 Grad Celsius ein wenig Schatten und Abkühlung im sauberen Wasser. Der See ist unterteilt in einen Bereich für Schwimmer und einen Bereich, der langsam zuwächst und für zahlreiche Fische wie den Döbel und den Flussaal und viele Watvögel ein Biotop bietet.
Aus den erdgeschichtlich begründeten geologischen Voraussetzungen resultieren die heutigen flachbödigen, kalkhaltigen (basischen) Böden der heutigen Kalktriften. (Trift=Viehtrieb). Es existieren Bedingungen, die speziellen Pflanzengesellschaften einen Lebensraum bieten.
Dazu zählen viele Orchideenarten wie das Knabenkraut (Dactylorhiza) oder das Waldvögelein (Cephalanthera damasonium).Das Ufer des Maars wird gesäumt von Feuchtwiesen, Seggenrieden und einer breiten Schilfzone im Süden, die vielen Tieren einen geschützten Lebensraum bietet.
Für eine Wanderung um das Meerfelder Maar ist keine außergewöhnliche Kondition erforderlich. Die Dauer variiert je nach gewählter Route. Der einfache Rundweg direkt am Seeufer ist ca. 2,6 km lang und dauert etwa 45 Minuten. Ein beliebter, etwas längerer Panoramarundweg (z. B. Mit Abstecher zum Aussichtsturm "Landesblick") umfasst etwa 6,3 km. Dieser Weg nimmt etwa zwei Stunden Gehzeit in Anspruch.
Eine Wanderung macht durstig. Von Meerfeld ist es mit dem Auto oder dem Rad nicht mehr weit zu einer bekannten Mineralquelle. Nach nur 16 km über die L16 erreichen wir den kleinen Ort Wallenborn. Passiert man das einladende Gasthaus "Landhaus zum Brubbel", findet sich ein Büdchen, wo man ein geringes Eintrittsgeld entrichtet, um den Wallenborner Brubbel zu bewundern.
Wallenborn liegt in einem weiten Talkessel am östlichen Rand der Kyllburger Waldeifel, etwa zwölf km entfernt von Daun. In der "Eifilia Illustrata" (historisch geographische Beschreibung der Eifel) von Georg Bärsch ist über Wallenborn zu lesen:
"Es befinden sich hier mehrere Mineralquellen und Mofetten (Austrittsstelle für vulkanisches Kohlendioxidgas (CO2)), wovon der Ort seinen Namen erhalten hat. Es sind hier acht sprudelnde Quellen, welche man 'Brubbeldreis' nennt und die ebenso wie der Brubbeldreis bei Gerolstein schwefelhaltig und Insekten tödlich sind."
Ebendiese Insekten aber, machen uns dessen ungeachtet an jenem brutheißen Tag ziemlich zu schaffen. Während wir an der Absperrung aus Balsaltblöcken warten, wann "Brubbel" sich die Ehre gibt, tief aus dem Erdinnern emporzusteigen, fallen zahlreiche Stechfliegen über unsere nackten Beine her und tun sich an humanoidem Blut gütlich.
Dann endlich, nach etwa 20 Minuten Wartezeit gluckert es und die Fontaine steigt empor. "Brubbel" hat jedenfalls seinen Namen rechtmäßig erworben. Nicht ganz so gewaltig wie sein Vetter Old Faithfull in Nordamerika- und vor allem nicht so heiß, gibt der kleine Geisir doch ein nettes Spektakel zum Besten. Wer möchte, kann danach im benachbarten "Gasthaus zum Brubbel" auch einen "Brubbelkuchen" genießen, der mit dem kohlensäurehaltigen Wasser des Geisirs zubereitet wird.
Nahe des kleinen Ortes Bettenfeld steigen wir aus dem Auto und schon wieder sind sie da: Myriaden kleiner, fast tropisch nervender Insekten, die unsere Wanderung um den Kratersee von Windsborn [3] begleiten sollen.
Dieser kleine See wird ausschließlich durch Niederschlag gespeist und verlandet sichtlich. Sein Seewasser ist leicht gelblich verfärbt und mit einem PH-Wert von 5-6 leicht sauer. Er ist der einzige ständig mit Wasser gefüllte Kratersee der Eifel und nördlich der Alpen. Viel Kondition braucht es nicht, den See zu umrunden, nur ein gutes Insektenspray!
Wir laufen circa eine Stunde lang um den See durch einen dicht bewaldeten Pfad, müssen uns oft bücken und unter tief hängenden Zweigen durchkriechen. Von dichter Vegetation ist der Kratersee umgeben. Rund um das Gewässer sind noch die Schweißschlacken (vulkanisches Auswurfmaterial) zu erkennen, aus denen sich der Berg aufgetürmt.
Ein besonderer Lebensraum findet sich hier für zahlreiche Pflanzen und Insekten. Der Fieberklee treibt am Rande des Sees im Mai und Juni viele weiße Blüten aus. Das rot blühende Sumpfblutauge kann man im Juli bewundern. Zum Schwimmen ist der See nicht geeignet, denn schon jetzt ist gut zu erkennen, dass der Kratersee von außen nach innen verlanden und sich zu einem Hochmoor entwickeln wird.
Wunderschön anzusehen sind die zahllosen Libellen, die am See ihren Lebensraum gefunden haben. Eine kurze, aber schöne und lehrreiche Wanderung. Ein kleines Stückchen Tropenfeeling heutzutage in der Vulkaneifel, die einst aber auch als "Preußisch Sibirien" bekannt war.
Die Eifel war nämlich seinerzeit als unwirtlich und rau verschrien. Doch ließ sich ein berühmter Wanderer nicht davon abschrecken und suchte mehrfach diese Gegend auf: Alexander von Humboldt war bekannt für seine Leidenschaft für Fossilien, von denen er in der Umgebung von Gees bei Gerolstein [4] so viele fand, dass er verzweifelt nach einem Behältnis für den Transport suchte.
Er fand die Lösung, indem er einigen Bauersfrauen auf den umliegenden Feldern ihre Wollsocken abkaufte, in denen er seine Fossilien verstauen konnte.
So war und ist die Vulkaneifel bis heute ein wunderschönes Ziel, um die Erdgeschichte und die Natur die daraus entstand, zu studieren und sich auf zahllose Wanderungen zu begeben, um diese Schönheit auch im Kleinen zu finden.
"Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen."
Johann-Wolfgang von Goethe
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Kaffee als Longevity-Mittel? Forscher weisen im Zellmodell nach, dass Polyphenole und nicht Koffein zelluläre Schutzprogramme starten.
Wer morgens eine Tasse Kaffee genießt, tut dies wahrscheinlich, um munter zu werden. Die belebende Wirkung ist bekannt und wird geschätzt. Doch Kaffee wirkt im Körper auf vielfältige Weise und mitunter auch positiv auf die Gesundheit.
Seit Jahrzehnten zeigen Beobachtungsstudien, dass Kaffeetrinker tendenziell länger leben und seltener an Krebs, Parkinson oder Stoffwechselstörungen erkranken. Den biologischen Mechanismus dahinter, der diese Wirkung erklären könnte, kannte allerdings niemand so genau.
Ein Team der Texas A&M University um den Pharmakotoxikologen Stephen Safe hat nun in der Fachzeitschrift Nutrients eine mögliche Erklärung [1] präsentiert: den Kernrezeptor NR4A1, ein Protein, das Genaktivität bei zellulärem Stress reguliert.
Das Besondere an diesem Rezeptor: Er reagiert auf Substanzen in der Nahrung und steuert Reparaturprogramme in nahezu jedem Gewebe. Safe bezeichnet NR4A1 als "Nährstoffsensor". Gegenüber der Pressestelle seiner Universität [2] erklärte er:
"Wenn man fast jedes Gewebe schädigt, reagiert NR4A1, um diesen Schaden zu mindern. Entfernt man diesen Rezeptor, ist der Schaden größer."
Die Forscher untersuchten gebrühten Kaffee mit Bohnen aus verschiedenen Ländern. Sie kamen etwa aus Honduras, Mexiko, Guatemala und Kolumbien.
Zubereitet wurde der Kaffee so, wie es im Alltag üblich ist: Gemahlener Kaffee oder Espresso-Pulver wurde in kochendes Wasser gegeben, acht bis zehn Minuten umgerührt und dann gefiltert.
Anschließend prüften die Wissenschaftler, welche Inhaltsstoffe des Kaffees an den Rezeptor NR4A1 binden können. Dafür nutzten sie zwei etablierte Labormethoden.
Das Ergebnis: Mehrere Pflanzenstoffe im Kaffee, vor allem Polyphenole, binden deutlich an diesen Rezeptor. Am stärksten war die Bindung bei Kaffeesäure. Auch Ferulasäure, Chlorogensäure, p-Cumarinsäure sowie die Kaffeeinhaltsstoffe Kahweol und Cafestol zeigten eine klare Wirkung.
Für die Wahl, ob man lieber entkoffeinierten oder normalen Kaffee trinkt, dürfte folgendes Ergebnis entscheidend sein: Zwar dockte Koffein an NR4A1 an, löste aber in den untersuchten Zellen kaum eine Wirkung aus.
Safe bilanzierte: "Die Polyhydroxy- und Polyphenolverbindungen sind viel aktiver". Und dieses Ergebnis korreliert mit früheren großen Bevölkerungsstudien, die feststellen, dass entkoffeinierter Kaffee ähnlich gut schützt wie normaler.
Als Zellmodelle dienten NR4A1-responsive Rh30-Krebszellen und RAW264.7-Makrophagen. Die Kaffee-Polyphenole hemmten das Tumorwachstum und dämpften Entzündungssignale über den IkBα-Signalweg.
Entscheidend: Schalteten die Forscher NR4A1 per RNA-Interferenz aus, verschwanden diese Effekte weitgehend – ein starkes Indiz, dass der Rezeptor den Wirkweg vermittelt.
Trotzdem warnt Safe vor voreiligen Schlüssen. Die Studie ist rein mechanistisch, alle Versuche fanden in vitro statt. Die eingesetzten Wirkstoffkonzentrationen lagen teils über dem, was nach einer normalen Tasse Kaffee im Blut messbar ist.
An den gängigen Empfehlungen zum Kaffeekonsum ändere sich deshalb vorerst nichts.
Es ist auch nicht notwendig, mehr Kaffee als üblich zu trinken, denn viele der gesunden Substanzen sind auch in Obst und Gemüse zu finden. Eine stärker pflanzenbasierte Kost dürfte den NR4A1-Rezeptor ebenfalls positiv beeinflussen.
Das Team arbeitet bereits an synthetischen Verbindungen, die gezielter auf NR4A1 einwirken als natürliche Nahrungsbestandteile. Ziel sind neue Therapien gegen Krebs und andere altersbedingte Erkrankungen.
Safe fasste zusammen: "Wir haben den Zusammenhang hergestellt, müssen aber noch besser verstehen, wie wichtig dieser Zusammenhang ist".
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Saarbrücken: Die Saar-Promenade. Foto: Christian Bartels
Eine historische Spurensuche in Saarbrücken zeigt, wie Kriege, die Nachbarschaft zu Frankreich und die autogerechte Stadt das Stadtbild prägten. Teil 1.
Das Saarland ist ein deutsches Bundesland von der Größe des Saarlands (die – ähnlich wie ein Fußballfeld – öfter als Vergleichsgröße [1] herangezogen wird, als dass das Saarland selbst in überregionalen Berichten vorkommt).
Seine Hauptstadt ist mit gut 180.000 Einwohnern also auch nicht besonders groß. Aber verkehrsgünstig liegt sie: Saarbrücken besitzt einen Flughafen, einen ICE-Bahnhof (wer per Zug nach Paris reist, weiß: Hinter Saarbrücken nehmen die Züge Fahrt auf; was auf der Rückfahrt dann freilich umgekehrt gilt ...) und eine Autobahn mitten in der Stadt.
Sie führt durch Saarbrückens Zentrum an der Saar entlang, die als Fluss ja auch noch einen gewissen Verkehrsweg darstellt.
Auf der anderen Seite, parallel zur konsum-brutalistischen, aber belebten und von vergleichsweise wenig Leerstand geprägten Fußgängerzone, verläuft eine abends schön sonnige Promenade an der Saar entlang. Gegenüber rauscht der Autoverkehr.
Das kann ziemlich deutsch wirken – und tatsächlich ist die prominent im Stadtbild platzierte Autobahn ein Prestige-Projekt der autogerechten 1960er-Jahre, nachdem das damals neueste Bundesland der BRD beigetreten war.
Um Platz zu schaffen, wurde das Saarbrücker Schloss auf einem Felsen auf der südlichen Saarseite versetzt und sein Park zum terrassierten Garten verkleinert. Das Schloss wie die ganze, zuletzt im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Stadt sind Hybride aus alten und altertümelnden, modernen und modern gewesenen Bestandteilen.
Seine aktuelle, im März 1989 fertiggestellte Form verdankt das Schloss Gottfried Böhm, dem Kölner Spezialisten [2] für Vergangenheits-Brutalismus-Mixturen.
Die Vorgängerbauten wurden oft zerstört: ein Renaissanceschloss 1677 im Zuge der Eroberungskriege des "Sonnenkönigs", der barocke Nachfolgebau des Hofbaumeisters Stengel 1793 im Zuge der französischen Revolution, die funktional gedachten Nachfolgebauten, die zuletzt der Gestapo dienten, dann 1944.
Vor wenigen Jahrzehnten wurden unterirdische Befestigungsanlagen noch älterer Epochen freigelegt, die sich nun als Kasematten [3] besichtigen lassen. Das Museum lohnt einen Besuch, auch wenn es sich, vielleicht in Selbstüberschätzung seiner Attraktivität, ein kompliziertes Timeslot-System gegeben hat.
Wie hochmittelalterliche runde Türme aus großen Buckelquader-Steinen durch umso eckigere Bastionen ersetzt wurden, lässt sich gut sehen. Und dass Saarbrückens Burgschloss sich trotz jeweils moderner Verteidigungssysteme dennoch niemals lange verteidigen ließ, auch.
Bis zur französischen Revolution war Saarbrücken im kleinteiligen Machtgeflecht des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation Residenz der kleinen Grafschaft Nassau-Saarbrücken. Die einst weit verzweigte Adelssippe der Nassauer (die sogar der Haupstadt der Bahamas ihren Namen gab, welcher allerdings von einer Kleinstadt an der Lahn her rührt [4]...) ist als Auftraggeber inzwischen wiederaufgebauter Barockbauten durchaus noch präsent.
Aus erbdynastischen Zufällen repräsentiert sie in der Nachbarschaft immer noch: Die Großherzöge des gut 80 Kilometer entfernten Luxemburg sind Nassauer.
"Den vielleicht schönsten Ausblick auf Saarbrücken" habe man von der Schlossmauer über Autobahn, beteuert [5] die Tourismuswerbung. Zumindest lässt sich gut sehen, wie im dicht besiedelten, verkehrsreichen Saarland Stadtkerne zusammengewachsen sind.
Auf der nördlichen Saarseite wuchs St. Johann mit Alt-Saarbrücken zusammen, im Osten liegt Brebach mit dem Halberg. Am Antennenmast, der über Bäume emporragt, lässt sich der mit 280 Metern nicht besonders hohe Berg gut erkennen. Er bietet aufschlussreiche Einblicke.
Auf dem "Historischer Halberg"-Rundweg [6] begegnet man Zeugnissen aus der Römerzeit, in der die Region auch schon dicht besiedelt war (auf dem schnellsten Weg von der Île-de-France mit Paris zum Rhein lag sie eben schon immer) über Feudalismus und Frühindustrialisierung, Westwall-Bunker der Nazizeit bis in die Gegenwart.
Zu feudalen Zeiten stand oben auf dem Halberg ein Nassau-Saarbrücker Lustschloss. Dort lebte die Gattin des letzten regierenden Fürsten Ludwig deshalb, weil dieser sich mit Mätressen (wie vor allem der womöglich ursprünglich leibeigenen, ausgerechnet im Revolutionsjahr 1789 von Gnaden des bald darauf guillotinierten Königs zur Herzogin geadelten "Gänsegretel von Fechingen" [7]) vergnügte.
Barocke Bauten wie die schöne Ludwigskirche auf dem Ludwigsplatz verdanken sich ihm aber auch. Das dekadente Rokoko verkörperte dieser Ludwig wohl reacht idealtypisch.
In der Revolution wurde auch das Halberg-Schloss zerstört, weshalb sich im 19. Jahrhundert Bergwerks-Industrielle dort sich ein neues errichten ließen. Genau wie das Ruhrgebiet war das Saarland auf dem Wiener Kongress, der 1814/15 die Weltordung nach Napoleon und fürs lange 19. Jahrhundert festlegte, den Preußen im weit entfernten Berlin zugeschlagen worden.
Weder die Preußen noch die Saarländer waren mit der Regelung zunächst besonders glücklich. Dass beide westdeutschen Regionen binnen weniger Jahrzehnte dank Kohle und Stahl zu Europas wichtigsten Industrieregionen aufsteigen und Preußen zur Industrie-Supermacht machen würden, hatten wiederum die Diplomaten in Wien nicht geahnt. Sonst hätten sie wohl anders entschieden.
Wie an der Ruhr die Krupps und Thyssens, stiegen auch an der Saar Familien wie die bürgerlichen, später geadelten Stumms zu superreichen Oligarchen auf, die insbesondere an Kaiser Wilhelms II. Rüstungsbemühungen verdienten.
Und mehr noch als im Ruhrgebiet war nach den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts der unmittelbare Nachbar Frankreich scharf darauf, die Industrie und die Region unter Kontrolle zu bekommen. Nach 1945 residierte im nun unzerstörtenn Halberg-Schloss der französische Gouverneur Grandval.
Als das Saarland dann doch der BRD beitrat, musste es natürlich auch der ARD beitreten. Heute sendet vom Halberg aus einer der eher wenigen Anlässe, aus denen das Saarland überregional wahrgenommen wird – nicht gerade vom Publikum, aber zumindest von allen, die sich für Medienpolitik interessieren.
Die Frage, ob es für ein Eine-Million-Einwohner-Bundesland eine Mini-Rundfunkanstalt wie den Saarländischen Rundfunk (SR) braucht, zählt zu den wiederkehrenden Aufregern um die föderalistische ARD. All dem lässt sich in dichtem, an heißen Tagen schön schattigen Wald auf dem Halberg nachspüren.
Übrigens wurde SR-Intendant Martin Grasmück vor kurzen ohne große Beachtung wiedergewählt.
"Die Frankreich-Berichterstattung stehe etwa nicht nur im Gesetz, sondern sei ihm auch eine 'Herzensangelegenheit'. 'Wir sind die Anstalt, die am französischsten geprägt ist', unterstrich er."
Tatsächlich wird im Saarland Frankophilie sowohl sichtlich gelebt als auch an allen Ecken und Enden behauptet. Was auch damit zu tun haben dürfte, dass der große Nachbar Frankreich dort im 20. Jahrhundert sozusagen gleich zweimal demokratisch gedemütigt wurde ...
Weiter geht's im zweiten Teil, unter anderem mit einem Streifzug nach Saarlouis.
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Airbus hat begonnen, eine erste Gruppe kritischer Anwendungen von Amazon Web Services zu Scaleway zu verlagern. Der französische Cloudanbieter übernimmt damit einen Teil der Systeme im Rahmen von Airbus' Strategie zur digitalen Souveränität.
In dieser ersten Phase wechseln 70 Anwendungen in die französische Cloud. Insgesamt zählt Airbus rund 900 Systeme zu jenen, die für das Unternehmen als geschäftskritisch gelten, intern als Minimum Viable Company bezeichnet. Zu den betroffenen Anwendungen gehören ERP-Systeme, CRM-Werkzeuge sowie Programme für Fertigungssteuerung und Produktlebenszyklus-Management. Alle liefen bislang auf AWS.
Catherine Jestin, Digitalchefin von Airbus, erklärte, die Wahl von Scaleway sei das Ergebnis einer Ausschreibung, die Anfang 2026 gestartet wurde. Ausschlaggebend seien technische Leistung und finanzielle Konditionen gewesen, die im Vergleich zu großen Hyperscalern überzeugt hätten.
Jestin ergänzte, Scaleway habe zugesagt, Airbus in die Entwicklung seiner künftigen Produkt-Roadmap einzubinden. Dieser Punkt habe bei der Bewertung Gewicht gehabt. Airbus hatte zuvor darauf hingewiesen, dass europäische Cloudanbieter in der Regel deutlich kleiner sind als ihre amerikanischen Pendants. Einen passenden Partner für Verteidigungs- und Industrieanwendungen zu finden, sei deshalb keineswegs selbstverständlich gewesen.
Nicht alle Anwendungen werden verlagert. Skywise, die Plattform von Airbus zur Sammlung und Auswertung von Luftfahrtdaten, bleibt ebenso bei AWS wie ein System zur Bearbeitung technischer Kundenanfragen.
Jestin beschrieb den Schritt als Versuch, kritische Datenbestände dem Zugriff ausländischer, extraterritorialer Gesetze zu entziehen, ohne dabei Leistung und Ausfallsicherheit für die Industrieprozesse zu gefährden.
Der US Cloud Act erlaubt es amerikanischen Behörden, auf Daten zuzugreifen, die im Ausland gespeichert sind, sofern das jeweilige Unternehmen seinen Hauptsitz in den USA hat. Der Standort der Server spielt dabei keine Rolle.
Die Spannungen zwischen den USA und mehreren europäischen Regierungen seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit fallen zeitlich mit einem wachsenden Interesse europäischer Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen an digitaler Souveränität zusammen. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang lässt sich daraus jedoch nicht zwingend ableiten.
AWS, Microsoft und Google haben jeweils versucht, diesen Bedenken mit eigenen souveränen Cloudangeboten für europäische Kunden zu begegnen. Ein Microsoft-Manager sagte dennoch vor einem französischen Gericht unter Eid aus, das Unternehmen könne Souveränität im Rahmen der bestehenden Vereinbarungen nicht vollständig garantieren.
Trotz des Wechsels zu Scaleway plant Airbus nicht, sich generell von nicht-europäischen Anbietern zu verabschieden. Das Unternehmen nutzt weiterhin Software von Microsoft und Google sowie Salesforce, Coupa und Workday für andere Funktionsbereiche.
Laut Jestin werden solche Entscheidungen einzeln getroffen. Ausschlaggebend sei vor allem, wie sensibel die jeweiligen Daten seien.
Mit einer Vereinbarung zur Auszahlung von Boni in Rekordhöhe konnte Samsung im Mai 2026 Streiks abwenden. In der Halbleitersparte Samsung Device Solutions (DS) sollen 10,5 Prozent des operativen Gewinns an die Angestellten ausgezahlt werden. Die verteilen sich allerdings sehr ungleich auf die sieben Abteilungen von Samsung DS.
Am stärksten profitieren Angestellte der Speichersparte, die dank Speicherkrise zuvor ungekannte Gewinne einfährt. Wie die Finanzzeitung Business Korea berichtet, führt dies zu Verstimmungen unter den Angestellten der weniger großzügig bedachten Abteilungen. Laut einer Umfrage des Samsung-Ablegers der Gewerkschaft United Enterprise Labor Union denken 81,5 Prozent der Angestellten der Foundry-Sparte (Halbleiterfertigung) über einen Jobwechsel nach.
Die Unzufriedenheit scheint groß zu sein: 62 Prozent der Befragten geben ihre Bereitschaft zum Jobwechsel als "sehr hoch" an. Ähnlich hoch ist die Unzufriedenheit bei Samsung LSI (Chipentwicklung) mit 75,4 Prozent, auch beim Halbleiterentwicklungszentrum ziehen über 60 Prozent der Angestellten einen Jobwechsel in Erwägung. In der Speichersparte hingegen ist der Wert mit knapp 33 Prozent deutlich niedriger.
Hierfür dürften die Boni ein ausschlaggebender Faktor sein: Laut Business Korea bekommen Angestellte von Samsung Memory mit einem Jahresgehalt von 100 Millionen Won (rund 59.000 Euro) 2026 600 Millionen Won (rund 353.000 Euro) zusätzlich.
Angestellte von Samsung Foundry und LSI stehen mit 210 Millionen Won (rund 123.000 Euro) bei gleichem Jahresgehalt eigentlich gar nicht so viel schlechter dar. Mitarbeiter der Abteilung Device Experience (DX), welche Haushaltsgeräte, Fernseher und Smartphones entwickelt, erhalten lediglich 6 Millionen Won (rund 3.500 Euro). Als ungerecht dürften die Angestellten der anderen Halbleiterbereiche insbesondere empfinden, dass ihre Kollegen hauptsächlich von Preissteigerungen infolge der Speicherkrise und nicht von besonderer Leistung profitieren.
Auf Basis der Umfrage will die United Enterprise Labor Union, die größte Gewerkschaft bei Samsung Electronics, ihre zukünftige Strategie für Lohnverhandlungen planen. Insgesamt nahmen 8.297 Angestellte an der Umfrage teil.
Bis zu 42-mal längere Laufzeit kann ein Programmierfehler verursachen, der zeitweise im amdgpu-Treiber vorhanden war. Und den haben die Ubuntu-Entwickler in das nächste Release ihres Linux-Kernels (7.0.0-28.28) übernommen, wie sie in einem Forenbeitrag mitteilen. Betroffen sind einige Anwendungen, die AMDs Programmierumgebung Rocm (g+) verwenden, um die GPU zum Rechnen oder für KI zu nutzen.
Wie das Portal Phoronix berichtet, ist der zugrundeliegende Fehler bereits korrigiert. Wie aus dem Commit-Log von Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman hervorgeht, führte eine Änderung bei der Verwaltung heterogenen Speichers im amdgpu-Treiber zu langen, sinnlosen Wartezyklen. Aufgetreten war das Problem im Kernel 7.0.12, korrigiert wurde es bereits durch das nächste Patch-Release 7.0.13.
Für die Ubuntu-Entwickler war es entsprechend schlicht ungünstiges Timing. Für sie habe aber, so die Aussage im Forenbeitrag, das Ausspielen wichtiger Sicherheits-Updates Vorrang gehabt. Spiele sollen von dem Programmierfehler nicht oder zumindest weniger stark betroffen sein, auch bei Rocm-Anwendungen können die Auswirkungen variieren.
Für Ubuntu-Nutzer, die Rocm zum Rechnen oder für KI verwenden, gibt es einen relativ einfachen Workaround: Einfach den alten Kernel weiter nutzen. Üblicherweise behalten Linux-Distributionen mindestens eine ältere Kernel-Version, welche über den Bootloader ausgewählt werden kann.
Mit dem nächsten veröffentlichten Kernel will das Ubuntu-Team das Problem dann beseitigen. Betroffen sind Nutzer von Ubuntu 26.04 sowie des Hardware Enablement (HWE) Stack von Ubuntu 24.04, der ebenfalls auf den Kernel 7.0 migriert wird.
(Bild: Kemarrravv13 / Shutterstock)
Mehrere Dutzend ehemalige Apple-Beschäftigte sollen Geschäftsgeheimnisse an OpenAI weitergegeben haben. Sie bekamen Post von Apple.
Im Streit zwischen Apple und OpenAI über mutmaßlich preisgegebene Geschäftsgeheimnisse des iPhone-Herstellers kommen neue mögliche Fälle ans Licht. Nach einer Klage gegen zwei ranghohe Überläufer von Apple zu OpenAI haben Apples Anwälte weitere Ex-Beschäftigte kontaktiert, die jetzt bei dem KI-Hersteller arbeiten. Auch sie sollen ihr Apple-Insiderwissen bei OpenAI preisgegeben haben. OpenAI entwickelt ein Gerät speziell für die Nutzung mit Künstlicher Intelligenz – und setzt dabei vermehrt auf abgeworbenes Apple-Personal.
Die Financial Times (FT) berichtet [1] konkret über rund 40 Personen, die per Brief aufgefordert worden sein sollen, bestimmte Dokumente und Korrespondenz aufzubewahren. Die Briefempfänger wurden demnach auch zu Terminen mit den Anwälten von Apple geladen. Damit wären etwa zehn Prozent der 400 Personen, die von Apple zu OpenAI gewechselt sind, jetzt im Visier ihres Ex-Arbeitgebers. Die FT beruft sich auf mehrere, nicht näher genannte Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind.
Vorangegangen war eine Klage von Apple gegen zwei ehemalige ranghohe Mitarbeiter [2]. Einer ist Tang Tan, vormals Apple-Designer, heute Hardware-Chef von OpenAI. Er war der bisher ranghöchste Überläufer, arbeitete mehr als 20 Jahre bei Apple und verantwortete vor seinem Wechsel das Design des iPhones und der Apple Watch. Sein neuer und alter Kollege Chang Liu war acht Jahre lang bei Apple als leitender Ingenieur tätig und arbeitete an einigen der sensibelsten Produktentwicklungsprogramme von Apple mit, wie es in Apples Klage [3] heißt. Heute ist er ebenfalls für OpenAI tätig.
Als Apple Liu kontaktierte, um ihn zu bitten, die Vertraulichkeitserklärung von Apple zu unterzeichnen, einen Termin für ein Austrittsgespräch zu vereinbaren und zu bestätigen, dass er seine Geräte zurückgegeben und die übrigen Austrittsformalitäten erfüllt habe, soll er laut Klage nicht reagiert haben. Liu soll bei OpenAI über seinen Apple-Dienstrechner auf Daten des iPhone-Herstellers zugegriffen haben. Die sogenannten „Exit Interviews“ sind bei Apple Befragungen für Mitarbeiter, die gekündigt haben. Tan und Liu sollen ihren Neukollegen Tipps gegeben haben, wie sie in diesen Interviews am besten durch die Sicherheitsüberprüfungen kommen.
Möglicherweise haben sich die 40 Personen, die jetzt Post von Apples Anwälten bekommen haben, ähnlich wie Liu nach seinem Arbeitgeberwechsel verhalten. Bewerbungskandidaten von Apple sollen Tan und Konsorten sogar gebeten haben, Apple-Bauteile zum Bewerbungsgespräch mitzubringen – was Apple natürlich streng verbietet, inklusive rigoroser Sicherheitsprotokolle. Apple sieht in all dem eine Strategie von OpenAI.
OpenAI sieht derweil „keine Beweise“ für Diebstahl geistigen Eigentums [4]. Für das Unternehmen kommen die rechtlichen Probleme zur Unzeit: In diesem Jahr plant es seinen Börsengang [5]. Zudem dürfte die Entwicklung eigener Hardware durch hunderte Ex-Apple-Leute noch viel Stoff für weitere juristische Auseinandersetzungen liefern und damit alles andere als leicht werden.
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Symbolbild
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Nach dem Kampfjet FCAS wackelt auch der gemeinsame Zukunftspanzer MGCS. Das Projekt schrumpft zur Technologie-Hülle.
Deutschland und Frankreich sind Verbündete, die es nicht so oft schaffen, in dieselbe Richtung zu gehen. Am Freitag tagte der Deutsch-Französische Ministerrat und beide Seiten vereinbarten wieder einmal, in Fragen von Rüstung und Verteidigung enger kooperieren zu wollen.
Doch bei genauerem Hinsehen entsteht der Verdacht, dass beide Seiten bei einem weiteren gemeinsamen Projekt getrennte Wege gehen. Gemeint ist das Main Ground Combat System (MGCS), so wie der Panzer der Zukunft eigentlich heißen soll.
Dass jetzt Schluss damit sein könnte, vermuten die Kollegen vom Fachmagazin Hartpunkt. Sie sind in der Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums [1] über einen Satz gestolpert, der sie aufhorchen ließ.
Deutschland und Frankreich wollen demnach lediglich eine "plattformunabhängige Technologie" für bemannte und unbemannte gepanzerte Plattformen entwickeln. Vom gemeinsamen Chassis für eine ganze Fahrzeugfamilie – Kanonenplattform, Flugkörperplattform, Kampfunterstützungsplattform –, wie es noch im Memorandum of Understanding vom April 2024 vorgesehen war, ist jetzt keine Rede mehr.
Wie Hartpunkt betont, waren eigentlich acht Säulen für die Entwicklung [2] geplant. Übrig bleibt jetzt wohl nur noch eine, das "digitale Nervensystem" für vernetzte Operationsführung.
Den Rest weiterhin als "Main Ground Combat System" zu bezeichnen, sei eine "Beleidigung des Intellekts" jeder Person, die sich mit dem Sachverhalt auskenne, schreibt Hartpunkt-Autor Waldemar Geiger.
Die Parallele zum Luftkampfsystem FCAS (Future Combat Air System) drängt sich auf. Dort einigten sich Berlin und Paris zuletzt ebenfalls nur noch auf die gemeinsame Entwicklung der Vernetzungsebene – der sogenannten Combat Cloud –, während die Kampfflugzeuge selbst getrennte Wege gehen sollen.
Die Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich sind im Grunde lange bekannt, und sie reichen weit über den Horizont der Industriepolitik hinaus. Das Problem ist, dass beide Länder grundlegend unterschiedliche Einsatzdoktrinen verfolgen.
Frankreich bevorzugt etwa einen leichteren Kampfpanzer, der sich schnell per Luft- oder Seetransport in Übersee-Einsatzgebiete verlegen lässt – auf Kosten eines geringeren Schutzes für die Besatzung. Für Einsätze in den ehemaligen afrikanischen Kolonien wäre ein solcher Panzer durchaus geeignet.
Deutschland setzt dagegen traditionell auf maximale Panzerung, was nicht zuletzt daher rühren dürfte, dass man mangels ehemaliger Kolonien mit Einsätzen auf dem europäischen Kontinent rechnet. Ein Beispiel für diese Doktrin ist der Leopard 2, der je nach Variante über 60 Tonnen [3] wiegt, was erhebliche Anforderungen an Straßen, Schienen und Brücken stellt.
Hinzu kommen Differenzen in der Frage, wie Sicherheit in Zukunft organisiert werden soll. Die Strategie der Bundesrepublik setzt dabei auf die Integration in Nato-Strukturen und der Systemkompatibilität mit den USA, was sich etwa im Kauf von F-35-Kampfjets für die nukleare Teilhabe manifestiert.
Frankreich dagegen strebt eine von Washington unabhängige Verteidigungsfähigkeit an. Für Paris soll ein künftiger Kampfjet zugleich als Atomwaffenträger und auf Flugzeugträgern einsetzbar sein – Anforderungen, die Berlin schlicht nicht teilt.
Die Stiftung Wissenschaft und Politik bezeichnete FCAS bereits 2020 als "Lackmustest" [4] dafür, ob Europa nationale Interessen zugunsten gemeinsamer Sicherheit zurückstellen könne. Diesen Test bestehen beide Seiten derzeit nicht.
Auch auf industrieller Ebene blockieren Rivalitäten den Fortschritt. Bei der Säule 2 – Kanone, Turm, Munition – stehen sich Rheinmetall mit einer 130-mm-Kanone und KNDS mit dem 140-mm-Ascalon-Turm gegenüber.
Der Kompromiss vom April 2024: Jede Nation entwickelt zunächst ihr eigenes System, dann wird verglichen. Tests standen laut einem Statusupdate [5] noch Ende August 2025 aus. Das Fachmagazin Europäische Sicherheit & Technik forderte bereits Ende 2023, MGCS "in seiner jetzigen Form zu begraben".
Längst treiben beide Seiten Alternativen voran. In Deutschland genehmigte das Bundeskartellamt eine Kooperation von KNDS Deutschland und Rheinmetall unter dem Projektnamen Leopard 3.
Rheinmetall erhielt zudem von Ungarn einen Entwicklungsauftrag über 288 Millionen Euro für den Panther KF51.
Und das MARTE-Projekt – ein von der EU mit 20 Millionen Euro gefördertes Programm für einen europäischen Kampfpanzer unter deutscher Führung mit elf Partnerländern – kommt bezeichnenderweise ohne Frankreich [6] aus.
Die Einführung des MGCS wird frühestens ab 2045 erwartet, der vollständige Abschluss erst für 2050. Beobachter halten diesen Zeitrahmen angesichts der aktuellen Bedrohungslage für illusorisch – alle kursierenden Zeitachsen für eine mögliche militärische Konfrontation in Europa liegen deutlich davor.
Ein vollständiger Lebenszyklus-Kostenplan liegt ebenfalls nicht vor. Zum Vergleich: Beim FCAS rechnen Studien damit, dass sich die Kosten über den Lebenszyklus von 100 Milliarden auf 1,1 bis 2 Billionen Euro vervielfachen.
Für die Panzertruppen der Bundeswehr könnte das stille Scheitern des MGCS in seiner Ursprungsform dennoch eine Chance sein. Deutschland hätte freie Hand, eigene Systeme voranzutreiben, ohne Rücksicht auf den zähen Ausgleich mit Paris.
Was als europäisches Vorzeigeprojekt strategischer Autonomie begann, endet vorläufig als Lehrstück darüber, dass gemeinsame Absichtserklärungen keine gemeinsamen Panzer bauen.
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Durch Verkettung einer SQL-Injection- und einer API-Lücke können Angreifer Code einschleusen. WordPress hat ein Update veröffentlicht, die Finder einen Hotfix.
Sicherheitsforscher haben zwei Sicherheitslücken in WordPress gefunden, die sich zu einem Exploit verketten lassen und dann das Einschleusen von Schadcode ermöglichen. Administratoren des beliebten Blog-Systems sollten zügig updaten oder ein Mini-Plugin als Notfallflicken einspielen.
Eine kritische SQL-Injection-Lücke (CVE-2026-60137) hat einen CVSS-Wert von 9,1/10 und kann durch Angreifer aus der Ferne ausgenutzt werden. Die Lücke betrifft den author__not_in-Parameter von WP_Query, der nicht korrekt validiert wird.
Die zweite der beiden Sicherheitslücken haben die Forscher von Searchlight Cyber [1] entdeckt – und dem Trend gehorchend direkt mit einem Spitznamen versehen: „WP2Shell“. Die Sicherheitslücke mit der CVE-Kennung CVE-2026-63030 ist für sich genommen „nur“ mit einem hohen Risiko bedacht (CVSS 7.5/10) und basiert auf einem Fehler im REST-API des freien CMS. Nur wenige Details sind bekannt, doch der API-Endpunkt /wp-json/batch/v1 scheint der Schuldige zu sein.
Die Finder haben unter wp2shell.com [2] eine Prüfmöglichkeit für Blogbetreiber veröffentlicht. Sie erlaubt eine erste Einschätzung und enthält einen praktischen Flicken: Ein wenige Zeilen PHP-Code umfassendes WordPress-Plugin, das die schadhafte API-Route mit einer Authentifizierung versieht. Wer sein WordPress nicht sofort auf den neuesten Stand bringen kann – die empfohlene Vorgehensweise –, sollte zu diesem Behelf greifen.
Problematisch ist die Verkettung beider Lücken – sie führt zu einer Möglichkeit, Code ohne vorherige Anmeldung in verwundbare WordPress-Installationen einzuschleusen. Derlei Sicherheitslücken sind leicht automatisierbar und können etwa zu Großangriffen führen: Derzeit sind etwa 500 Millionen Installationen von WordPress im Internet zu finden.
Das WordPress-Team hat bereits reagiert und neue Versionen publiziert [3]:
Versionen vor WordPress 6.8 sind nicht betroffen. Admins sollten die Aktualisierung schnellstmöglich einspielen – es ist zu erwarten, dass Angreifer die Sicherheitsflicken mit KI-Hilfe analysieren und noch am Wochenende erste Exploitversuche starten.
Das freie CMS WordPress erfreut sich vor allem durch sein reichhaltiges Angebot an Vorlagen und Plugins großer Beliebtheit. Letztere sind häufiges Einfallstor für Sicherheitslücken [4], ein Fehler im Kern der Software ist mittlerweile seltener geworden.
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Mehr Datenschutz, weniger Kosten: Was ist mit einem lokalen KI-Server möglich? Gibt es Einschränkungen oder überwiegen die Vorteile?
Egal, ob man gern ausufernde Gespräche mit einem Chatbot führt, jede Menge Bilder generiert oder Programmierprojekte mit KI umsetzen will: Die Token schwinden wie Eis in der Sonne und das Ganze geht schnell ins Geld. Mal ganz abgesehen davon, dass gerade im beruflichen Kontext Vorsicht geboten ist, welche Daten man an die Onlinedienste weitergibt.
Lokale KI-Modelle sind da die deutlich bessere Wahl: Die Kosten sind besser kalkulierbar, weil man nur in Hardware investieren und kein Abo bei KI-Firmen abschließen muss. So muss man nicht mehr jedes Token auf die Goldwaage legen. Und um den versehentlichen Abfluss von Daten braucht man sich dann keine Sorgen machen. Auch die Abhängigkeit sinkt: Wer die eigene Arbeit oder die eines Unternehmens von fremder KI-Infrastruktur abhängig macht, ist Preissteigerungen und Ausfällen schlicht ausgeliefert und kann nicht eben mal wechseln.
In dieser Folge des c’t uplink sprechen wir darüber, was mit einem lokalen KI-Server möglich ist, ab welcher Hardware das Spaß macht und welche coolen Dinge ein solcher KI-Server tun kann. Jan Mahn berichtet von seinen Erfahrungen beim Aufsetzen eines LLM-Servers für kleine Teams. [7] Dabei wird aus einer Linux-Maschine mit ordentlicher GPU ein KI-Server mit Open-Source-Software wie Ollama und Open WebUI. Er verrät auch, welche Hardware dafür nötig ist.
Jan-Keno Janssen wiederum hat für ein c’t-3003-Video mit agentischer KI experimentiert [8] und lässt Hermes Agent sein Linux-System konfigurieren oder das Hintergrundbild ändern. Im c’t uplink sprechen wir über die Möglichkeiten und auch darüber, welche Risiken agentische Systeme bergen.
► Mitdiskutieren auf dem heise & c't Discord-Server [9]
Zu Gast im Studio: Jan Mahn, Jan-Keno Janssen
Host: Liane M. Dubowy
Produktion: Tobias Reimer
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Apple-Chef Tim Cook bei einer früheren Produktvorstellung.
(Bild: Apple)
Nvidia war dank KI-Chips ein Jahr lang das wertvollste Unternehmen. Doch Apple holte zuletzt stark auf.
Apple hat sich am Freitag nach mehr als einem Jahr den Titel des wertvollsten Unternehmens an der Börse zurückgeholt – zumindest für kurze Zeit. Den Ausschlag gab im frühen US-Handel ein Kursrückgang von knapp vier Prozent bei der Aktie des Chipkonzerns Nvidia, der zuletzt die Rangliste anführte. Danach kam Nvidia auf einen Börsenwert von etwa 4,84 Billionen Dollar, während es bei Apple rund 4,9 Billionen Dollar waren. Wenig später reduzierte sich das Minus der Nvidia-Aktie etwas und der Chipkonzern hatte die Nase wieder knapp vorn.
Die Aktie des iPhone-Konzerns hatte zuletzt deutlich zugelegt [1]. Auslöser dafür war unter anderem die Anfang Juni vorgestellte neue Version der Assistenzsoftware Siri mit Künstlicher Intelligenz. Sie wird allgemein im Herbst eingeführt, Testnutzer zeigten sich aber bereits beeindruckt. In der Europäischen Union wird es die neue Software auf iPhone und iPad zunächst nicht geben. Apple verweist auf Datenschutz-Bedenken wegen der europäischen Forderung, die Betriebssysteme für andere KI-Anbieter zu öffnen.
Beobachter sehen in der Aktie des iPhone-Konzerns eine Art „Hedge“ gegen die aufziehende KI-Blase: Apple fährt gute Gewinne mit Hardware und Diensten ein, ist aber gleichzeitig deutlich weniger in Rechenzentren und Dienstleister in dem Bereich investiert als die Konkurrenz. Mark Bronzo von Rye Strategic sieht es so: „Auf dem Markt tobt ein Kampf, und derzeit profitiert Apple davon, da es nicht in jenem Sturm steckt, in dem sich der Rest der KI-Branche befindet“, sagte er diese Woche der Finanznachrichtenagentur Bloomberg [2].
Die jetzige Entwicklung könnte maßgeblich das Bild von Tim Cooks letzten Monaten als Apple-CEO prägen. Dieser übergibt im September das Ruder an Hardware-Chef John Ternus [3].
Nvidia wurde vor rund einem Jahr zum Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert dank der exorbitanten Nachfrage nach Chips des Konzerns für den Betrieb Künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen knackte als Erstes auf der Welt die 5-Billionen-Dollar-Marke bei der Marktkapitalisierung [4]. Nur wenige Monate zuvor hatte Microsoft Apple von der Spitze verdrängt.
Zuletzt sorgte – wie schon einmal zuvor – ein neues chinesisches KI-Modell [5] für einen Kursdämpfer bei Nvidia. Anleger stellen sich darauf ein, dass Künstliche Intelligenz mit weniger Rückgriff auf Nvidia-Chips weiterentwickelt werden könnte als bisher angenommen. Chinesische KI-Firmen haben aktuell nur Zugang zu älteren und weniger leistungsstarken Nvidia-Chipsystemen. [6]
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Russland stoppt alle Diesel-Exporte, fast 60 Prozent der Raffineriekapazität stehen still. Auch an deutschen Zapfsäulen klettert dadurch der Preis.
Wenn in Omsk eine Raffinerie brennt, wird es an der Zapfsäule in Hessen teurer. Was erst einmal wie eine gewagte These klingt, beschreibt die aktuelle Lage auf den globalen Energiemärkten allerdings ziemlich präzise.
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Raffinerien in Russland in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet. Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht in ihrem jüngsten Marktbericht [1] von massiven, dokumentierten Angriffen auf russische Raffinerien.
Allein im Juni 2026 zählte die IEA mindestens zehn Treffer. Fast jede große Anlage im Westen Russlands sei inzwischen getroffen worden, viele davon mehrfach.
Lange hatte Moskau versucht, die Situation zu übertünchen. Doch am 8. Juli zog der Kreml die Notbremse: Vizepremier Alexander Novak verkündete in einer Regierungssitzung, die im Fernsehen übertragen wurde, ein vollständiges Exportverbot für Diesel [2], zunächst befristet bis Ende Juli. Ein Exportverbot für Diesel [3] hatte der Kreml schon einmal 2023 verhängt.
Russland werde jetzt auch damit beginnen, Kraftstoff zu importieren, erklärte Novak weiter. Es sei „klar, dass die aktuelle Situation an den Tankstellen in der Bevölkerung Besorgnis auslöst“.
Dieses Eingeständnis ist für Beobachter durchaus bemerkenswert. Schließlich verschleiert Moskau die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs gegen die Ukraine seit 2022 systematisch. Selbst Statistiken, aus denen man die Folgen ablesen könnte, wurden eingestellt.
Das verleitet auch zu Spekulationen bei westlichen Geheimdiensten. Laut Axios vermuten sie zudem [4], dass auch die Zahlen, die noch veröffentlicht werden, geschönt sind. Ein Exportverbot für den weltweit größten Diesel-Lieferanten lässt sich allerdings schlecht verbergen.
Die Analysten von S&P Global Energy CERA beziffern das Ausmaß der Schäden in einer detaillierten Auswertung [5]: Ende Juni lagen demnach mehr als 2,5 Millionen Barrel pro Tag an Raffineriekapazität still – über ein Drittel der Gesamtkapazität von 6,9 Millionen Barrel.
In der Woche bis zum 10. Juli stieg der Wert sogar auf über 4 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht fast 60 Prozent.
Zwischen dem 1. März und dem 10. Juli nahm die Ukraine Anlagen mit einer Nennkapazität von insgesamt 5,6 Millionen Barrel pro Tag ins Visier. Mindestens zwölf Raffinerien wurden mehr als zweimal attackiert.
Besonders kritisch war der Treffer in der Raffinerie in Omsk am 6. Juli – nicht nur deshalb, weil sie mit rund 440.000 Barrel pro Tag [6] die größte Raffinerie des Landes ist. Sie ist auch die, die von allen anvisierten Anlagen am weitesten von der Ukraine entfernt liegt.
Die Moskauer Raffinerie Kapotnja, die ��ber ein Drittel des Kraftstoffbedarfs der Hauptstadtregion deckt [7], fiel nach dem dritten Treffer seit März komplett aus. Die Reparaturen ziehen sich hin, denn westliche Sanktionen blockieren den Nachschub an Katalysatoren, Steuerungssystemen und Spezialpumpen.
Die Folgen im russischen Alltag sind drastisch: Von Moskau bis Sibirien stehen Autofahrer stundenlang an leeren Zapfsäulen [8], Tankstellen rationieren den Verkauf, in manchen Regionen verlangen unabhängige Anbieter 50 Prozent über dem normalen Preisniveau.
Die Krise trifft längst auch Landwirtschaft, Logistik und öffentlichen Nahverkehr – und befeuert paradoxerweise die Nachfrage nach chinesischen Elektroautos [9].
Die knapper werdenden Raffineriekapazitäten in Russland treffen Europa auf Umwegen, schließlich importiert die Europäische Union schon seit 2023 kein Diesel, Benzin, Bitumen oder andere Raffinerieprodukte aus Russland.
Der Mechanismus funktioniert so: Russlands bisherige Hauptabnehmer – die Türkei, Brasilien, Ägypten und mehrere afrikanische Staaten – müssen sich anderweitig versorgen. Viele wenden sich an die USA, deren Destillatexporte in der ersten Juliwoche [10] mit 1,7 Millionen Barrel pro Tag einen saisonalen Rekordwert erreichten.
Die US-Lagerbestände sanken gleichzeitig um fast 5 Millionen Barrel auf rund 103,6 Millionen Barrel – etwa 7 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
Diese globale Umverteilung verknappt das Angebot am für Deutschland entscheidenden Handelsplatz Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA). Der physische ARA-Diesel-Crack kletterte am 13. Juli auf 70,3 Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit dem 23. März.
Im Mittelmeerraum lag der Platts-Referenzpreis bei 1149,25 Dollar pro Tonne – 34,50 Dollar über dem nordwesteuropäischen Niveau.
Europa importiert im Normalfall zusätzlich zur eigenen Produktion fast 1 Million Barrel Diesel pro Tag. Das knappere Angebot auf den Weltmärkten lässt natürlich die Preise steigen.
Verschlimmert wird die Situation aber noch durch den Krieg gegen den Iran, schließlich kamen bislang 27 Prozent der europäischen Importe aus dem Nahen Osten. Diese Mengen fehlen seit der faktischen Blockade der Straße von Hormus ebenfalls.
Der Iran-Krieg und die ukrainische Drohnenkampagne wirken als doppelter Preistreiber, allerdings auf unterschiedlichen Ebenen.
Die teilweise Sperrung der Straße von Hormus – Transitroute für rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs – drückt den Rohölbasispreis nach oben. Nach dem Bruch des Waffenstillstands am 7. und 8. Juli stieg Nordsee-Rohöl von rund 68 auf 77 Dollar pro Barrel.
Die russischen Raffinerieausfälle hingegen treiben gezielt die Preise für fertige Kraftstoffe: Diesel-Futures an der New Yorker Börse NYMEX sprangen am 8. Juli um 11,6 Prozent auf 154,71 Dollar pro Barrel – der größte Tageszuwachs seit März 2022.
Tom Kloza, Chef-Energieberater bei Gulf Oil, brachte es demnach auf den Punkt:
„Diesel ist das einzige Produkt, das jeder im Auge behalten muss. Die Lage war schon vor dem russischen Verbot angespannt, und jetzt haben wir eine sehr, sehr starke Konstellation für den mittleren Bereich des Ölpreises.“
Die Carnegie-Stiftung wies im April in einer Analyse [11] allerdings auf ein Paradox hin: Trotz sinkender Exportmengen stiegen Russlands Öleinnahmen, weil der Preisanstieg die Verluste mehr als kompensierte. Die wöchentlichen Erlöse verdoppelten sich demnach gegenüber dem Februarniveau nahezu.
Ein nachhaltiger Schaden entsteht für Russland erst dann, so die Carnegie-Stiftung, wenn die Angriffe Russland zwingen, die Förderung dauerhaft zu drosseln.
Deutsche Autofahrer spüren die Verwerfungen an den Energiemärkten längst. Nach Daten des ADAC [12] vom 16. Juli liegen die Kraftstoffpreise in allen Bundesländern deutlich über der Marke von 2 Euro pro Liter.
Super E10 kostete an dem Tag im günstigsten Bundesland, dem Saarland, 2,052 Euro, in Sachsen als teuerstem Land 2,097 Euro. Diesel liegt zwischen 2,080 Euro in Berlin und 2,126 Euro in Hessen.
Der ADAC hält das Niveau für „zu hoch“ und verweist darauf, dass der Rohölpreis die Aufschläge nicht vollständig rechtfertigt. Die Spanne zwischen teuerstem und günstigstem Bundesland fällt mit 4,5 bis 4,6 Cent eher gering aus, was ein Indiz dafür sein könnte, dass der Preisdruck vom Weltmarkt kommt und nicht von lokalen Faktoren.
Ob in absehbarer Zeit Entwarnung gegeben werden kann, hängt von zwei Unbekannten ab: Gelingt eine Deeskalation im Iran-Konflikt, könnten sich die Rohölmärkte entspannen. Die IEA rechnet für das Jahresende mit einem Angebotsüberschuss – sofern der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus wieder in Gang kommt.
Die Raffineriekrise in Russland dürfte dagegen länger anhalten. Solange westliche Sanktionen den Zugang zu Ersatzteilen blockieren und die Ukraine ihre Drohnenangriffe fortsetzen kann, bleibt Diesel weltweit knapp.
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