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Apple Vision Pro: Werbebudget um 95 Prozent gekürzt

Von Heise — 02. Januar 2026 um 14:26
Vision Pro mit Komponenten

(Bild: Apple)

Nach enttäuschenden Verkaufszahlen zieht Apple die Reißleine: Das Unternehmen kürzt das Werbebudget. Es gibt auch Angaben zu Stückzahlen.

Apples Vision Pro hat seit dem Verkaufsstart 2024 [1] durchaus für Aufmerksamkeit gesorgt – hauptsächlich wegen des hohen Preises, aber auch als neues Aushängeschild für Apples Einstieg in Mixed Reality.

Vielleicht ist die Technologie aber doch nicht die Hardware der Zukunft. Wie die Financial Timess berichtet [2], ist die Nachfrage beim zweiten Modell, der Vision Pro M5 [3], die im Oktober erschienen war, schwächer als gedacht. Apple reagiert darauf, indem das Unternehmen sowohl das Marketingbudget als auch die Produktionskapazitäten für das Gerät reduziert, schreibt die WIrtschaftszeitung.

Apple Vision Pro: Hohe Erwartungen, schwache Nachfrage

Die Vision Pro war 2024 als bahnbrechende Technologie vorgestellt worden, mit Features wie immersivem 4K-Display, Hand- und Augensteuerung sowie enger Verzahnung ins Apple-Ökosystem.

Analysten und Apple selbst hatten große Erwartungen [4] an das Produkt. Noch vor einem Jahr rechnete man mit einer halben Million verkauften Geräte für 2025.

Den nun absehbaren Verkaufszahlen zufolge hat die Brille diese Erwartungen jedoch nicht erfüllt. Laut FT gingen seit Markteinführung nur 390.000 Exemplare über die Ladentheke. Im Weihnachtsgeschäft hat sich die Vision Pro – das neue Modell – nur 45.000-mal verkauft.

Damit lagen die Absatzzahlen weit hinter den Prognosen. Das hat Apple jetzt dazu veranlasst, weitreichende Maßnahmen zu ergreifen.

Apple kürzt das Werbebudget um mehr als 95 Prozent

Apple hat eigenen Angaben zufolge das ursprünglich fürs Vision-Pro-Marketing vorgesehene Budget enorm gekürzt. In Märkten wie den USA und Großbritannien will das Unternehmen die Werbeausgaben um mehr als 95 Prozent reduzieren.

Parallel zur fast vollständigen Streichung der Marketingausgaben hat Apple auch seine Produktionsplanung angepasst. Branchenkreise berichten, dass Apple die Anzahl der herzustellenden Vision-Pro-Einheiten nach unten korrigiert hat. Das M2-Modell soll zwischenzeitlich nicht mehr produziert [5] worden sein, die M5-Variante kam als Überraschung. Neben dem beschleunigten Chip sollte auch ein bequemeres Band [6] das Gerät attraktiver machen.

Meta und Co: Markt für VR-Brillen schrumpft

Mit schleppenden Verkaufszahlen bei VR-Headsets ist das Unternehmen nicht allein. Der weltweite Markt für VR-Headsets schrumpfte 2025 laut FT um 14 Prozent. Marktführer ist Meta mit über 80 Prozent Anteil.

Dessen Quest-Brillen kosten zwar im Gegensatz zur Vision Pro deutlich weniger, bieten aber auch weniger Funktionen. Auch Meta musste zuletzt seine Marketingausgaben für das VR-Headset reduzieren. Zuletzt kam von Samsung [7] ein Vision-Pro-Klon mit Android XR auf den Markt.

Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de [8] erschienen. Bearbeitung: Ben Schwan


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11127425

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Apple-Vision-Pro-im-ausfuehrlichen-Test-Wackliger-Blick-in-die-Zukunft-9629236.html
[2] https://www.ft.com/content/ab817ba1-15ec-473f-b609-5b5016b3258d
[3] https://www.heise.de/tests/Apple-Vision-Pro-M5-im-Test-Doppelt-haelt-besser-10793698.html
[4] https://t3n.de/news/500000-verkaufte-apple-vision-pro-zukunft-1662276/
[5] https://www.heise.de/news/Vision-Pro-Welche-Zukunft-hat-Apple-im-Blick-10223674.html
[6] https://www.heise.de/news/Ausprobiert-Apples-neues-Dual-Band-aus-Strickgewebe-an-alter-Vision-Pro-11070843.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Kein-Beben-auf-dem-XR-Markt-Auch-Samsung-Galaxy-XR-wird-es-schwer-haben-11075308.html
[8] https://t3n.de/news/vision-pro-flop-apple-1723656/
[9] https://www.heise.de/mac-and-i
[10] mailto:jle@heise.de

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D-Ticket-App endlich mit Apple-Wallet-Support – wenn man weiß wo

Von Heise — 02. Januar 2026 um 14:10
D-Ticket-App von HanseCom

D-Ticket-App von HanseCom: Nützlich, um schnell ans Deutschlandticket zu gelangen – und jetzt endlich etwas nützlicher auf dem iPhone.

(Bild: HanseCom)

Seit 2023 hatten Nutzer der D-Ticket-App von HanseCom auf Apple-Wallet-Unterstützung gehofft. Nun ist sie da. Nach etwas Suchen.

Frohe Kunde zum neuen Jahr: Ohne die Nutzerschaft in den Release Notes ihrer App zu informieren, hat der Verkehrssoftwarespezialist HanseCom eine Unterstützung für die Apple Wallet auf dem iPhone in seine D-Ticket-App [1] implementiert. Der Wunsch, diese einzubauen [2], besteht bereits seit gut drei Jahren. Technische Gründe, warum es so lange nicht klappte, konnte die Firma nicht mitteilen. „Bald bequem in Apple Wallet aufbewahren“ hatte der Entwickler schon im Frühjahr 2023 angekündigt.

E-Mail-Rechnung oder Neubestellung

Nun ist der Wallet-Support aber da – wie lange er schon umgesetzt ist, ließ sich zunächst nicht prüfen. Es ist allerdings denkbar, dass es bereits im Herbst geschah, da die Funktion leicht übersehen werden kann. So taucht der Apple-Wallet-Support nur an zwei Stellen für Nutzer direkt sichtbar auf: Wenn man ein frisches Deutschlandticket löst (dann erfolgt eine direkte Information) sowie in den E-Mail-Rechnungen, wo sich ein Link zum Anlegen der Karte befindet (auch für Google Wallet). Da letztere nicht bei allen Nutzern auf dem Handy, sondern auf Mac oder PC landen, ist dieser leicht zu übersehen beziehungsweise nur mit Mühen aufs Handy übertragbar.

Laut D-Ticket-App-FAQ gibt es aber noch einen anderen Weg: Man muss sich tief ins Einstellungsmenü in den Bereich „Meine Verträge“ begeben und dort dann suchen (siehe Screenshot). Wo man hingegen nicht fündig wird, ist beim Ticket selbst – dort taucht nur der QR-Code auf, jedoch kein Link zum Hinterlegen in der Wallet. Diese Bedienentscheidung dürfte dazu geführt haben, dass viele User das neue Feature noch nicht mitbekommen haben.

Nicht alle Verkehrsbetriebe – aber das ist letztlich egal

Leider unterstützt die D-Ticket-App bei der Wallet-Nutzung nicht alle Verkehrsbetriebe – wobei für den Kunden letztlich egal ist, welchen man wählt, denn das Ticket gilt ja deutschlandweit. „Du kannst die Wallet-Funktion derzeit nutzen, wenn du bei einem der folgenden Verkehrsunternehmen registriert bist: Bahnen der Stadt Mohnheim (BSM), Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG), Hagener Straßenbahn (HST), moBiel, Mecklenburg-Vorpommersche-Verkehrsgesellschaft (MVVG), Neubrandenburger Stadtwerke (neu.sw), NEW mobil Mönchengladbach, Ruhrbahn Mülheim, Ruhrbahn Essen, Stadtbus Dormagen (SDG), Städtische Nahverkehrsgesellschaft (SNG) Suhl/Zella-Mehlis, Stadtwerke Neuss, Stadtwerke Solingen, Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB), VGV Velbert, Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), Verkehrsverbund Vogtland (VVV), Verkehrsunternehmen Wartburgmobil (VUW), Wuppertaler Stadtwerke (WSW), ZVON Oberlausitz-Niederschlesien“, heißt es. Verwirrenderweise klappte es beim Kurztest in der Mac & i-Redaktion aber auch mit der OVG Oberhavel Verkehrsgesellschaft mbH.

Nett: Das Wallet-Ticket aktualisiert sich nach der Hinterlegung brav autonom. „Wenn du das Ticket einmal in die Wallet geladen hast, aktualisiert es sich automatisch, solange dein Abonnement aktiv ist.“ Die D-Ticket-App ist nützlich, wenn man schnell ein Deutschlandticket benötigt: Sie erlaubt die Verwendung von Kreditkarten und Paypal-Zugängen und verkauft das aktuelle Ticket auch im aktuellen Monat – man wird also nicht zum Vorverkauf gezwungen.


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https://www.heise.de/-11127429

Links in diesem Artikel:
[1] https://apps.apple.com/de/app/deutschlandticket-app/id6444052227
[2] https://www.heise.de/news/Deutschlandticket-Offizielle-App-noch-ohne-Apple-Wallet-8980944.html
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Googles YouTube-App für tvOS: Fehlende Features und nervige Bedienung

Von Heise — 02. Januar 2026 um 10:12
YouTube auf tvOS

YouTube auf tvOS: Oft verwendet, aber für Google offenbar ein Stiefkind.

(Bild: Google)

Nutzer von Apples Multimediabox verwenden die offizielle YouTube-App oft intensiv. Bedienung und Pflege bleiben aber inkonsistent.

Apple-TV-Geräte dürften zu den beliebtesten Streamingboxen im Handel zählen – trotz des vergleichsweise hohen Preises ab 169 Euro, wenn man direkt beim Hersteller kauft. Die Geräte hängen zumeist am Hauptfernseher der Wohnung und dienen insbesondere zur Wiedergabe von Streamingangeboten. Apples hauseigene TV-Anwendung, die weitere Angebote erschließt, wird viel verwendet, hinzu kommen eigene Apps wie etwa die von Netflix oder Amazon Prime. Und besonders beliebt ist Googles YouTube: Wie unter iOS und iPadOS gibt es hier einen offiziellen tvOS-Client [1]. Wer sich dessen App-Store-Beipackzettel ansieht, wird allerdings feststellen, dass er wenig und vor allem unklar gepflegt wird: 2025 etwa ganze zweimal (im Juli und September), was Google folgerichtig wie folgt beschreibt: „Wir haben Fehler behoben, die Leistung gesteigert, den Müll runtergebracht und den Rasen gemäht – Zeit für ein Nickerchen.“

Empfehlungen nicht speicherbar

Dieses „Nickerchen“ bedeutet, dass der Konzern Probleme und Bedieninkonsistenzen nicht behebt. So kann man aus den Standardmenüs heraus – und auch aus der Suche – aufgefundene Videos per langem Klick auf die Watchlist setzen, wie man dies gewohnt ist.

Werden in einem laufenden Video hingegen weitere passende Filme empfohlen, geht das nicht mehr: Ein langer Klick ist hier nicht möglich, kurz geklickt läuft das neue Video sofort los und man verliert den Stand des alten. In der Praxis heißt dies, dass sich User die Empfehlungen abfotografieren müssen, um sie dann später händisch zu suchen (was unter tvOS bekanntermaßen auch mit Spracherkennung eher nervt).

Unmotiviertes Hin- und Herspringen

Hinzu kommen weitere Probleme wie die inkonsistente Übernahme der Wiedergabeposition von anderen Geräten trotz Login. Hat man eine bestimmte Position im Video etwa auf einem iPhone oder im Browser erreicht, läuft das Video auf Apple TV einfach von vorne los. Auch der Player an sich ist unschön gelöst: Ein Vor- und Zurückspringen ist nicht einfach mit den entsprechenden Tasten möglich, sondern nur, wenn man das Video anhält. Schließlich gibt es regelmäßig Berichte über Inkompatibilitäten mit neuen tvOS-Versionen [2], da Google wie erwähnt kaum Produktpflege betreibt.

Seit der letzten Version aus dem vergangenen September ist der Player noch etwas unschöner geworden, teilweise wird beim Vor- oder Zurückspulen wild zwischen Videoabschnitten gesprungen. Google scheint sich mit dem tvOS-Client für YouTube also nicht viel Mühe zu geben – obwohl dieser vergleichsweise viele User haben dürfte. Die App ist kostenlos, man kann sich aber auch mit seinem Premium-Account einloggen und ist somit zahlender Zuschauer.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11126907

Links in diesem Artikel:
[1] https://apps.apple.com/de/app/youtube/id544007664?platform=tv
[2] https://support.google.com/youtube/thread/375442883/youtube-playback-delay-and-black-screen-on-apple-tv-since-tvos-26?hl=en
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Bürgergeld: Müssen Jobcenter günstige Wohnungen nachweisen?

Von Bernd Müller — 02. Januar 2026 um 17:30

Bernd Müller

Ordner mit der Aufschrift

(Bild: nitpicker / Shutterstock.com)

Ein BSG-Urteil verschiebt die Beweislast bei Mietobergrenzen. Was das für Betroffene in angespannten Wohnungsmärkten bedeutet.

Die Szene wiederholt sich in deutschen Großstädten täglich: Steht eine Wohnung zur Besichtigung, kommen dutzende Bewerber, manchmal bilden sich lange Schlangen vor den Häusern.

Unter den Interessenten sind Familien, Studenten – und Menschen, die Bürgergeld [1] beziehen. Für Letztere endet die Suche oft im Frust. Denn was das Jobcenter [2] als "angemessen" definiert, existiert auf dem realen Markt häufig nur auf dem Papier.

Der Konflikt: Richtwert trifft Realität

Ein alleinstehender Mann aus Berlin-Neukölln erlebte diesen Widerspruch zwischen 2015 und 2016 am eigenen Leib. Seine monatliche Miete betrug 584 Euro. Das Jobcenter bewilligte jedoch nur 449 Euro – gestützt auf die Berliner Ausführungsvorschriften Wohnen.

Der Betroffene wandte ein: Zu diesem Betrag seien Wohnungen praktisch nicht zu bekommen. Allerdings fehlten ihm Belege für eigene Suchaktivitäten.

Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg (L 14 AS 1570/20 [3]) erkannte seinen Einwand teilweise an. Zwar sei die Berechnung der Nettokaltmiete methodisch korrekt, doch habe die Behörde nicht belegt, heißt es im Terminbericht des Bundessozialgerichts [4], dass entsprechender Wohnraum [5] tatsächlich existiere.

Die Entscheidung aus Kassel

Das Bundessozialgericht kassierte dieses Urteil am 27. November 2025 (Az. B 4 AS 28/24 R) und schickte den Fall zurück. Die Richter formulierten einen neuen Prüfmaßstab:

  • Stützt sich ein Jobcenter auf ein methodisch fundiertes Konzept, entfällt die Pflicht, die reale Verfügbarkeit von Wohnraum gesondert zu belegen.
  • Das Konzept selbst muss die Marktverhältnisse bereits abbilden.
  • Gerichte kontrollieren lediglich, ob die gewählte Methode nachvollziehbar und plausibel erscheint.

Die Fakten im Überblick

  • Ausgangslage: Tatsächliche Miete 584 Euro, anerkannt wurden 449 Euro.
  • Kernfrage: Muss das Jobcenter nachweisen, dass Wohnungen zum Richtwert verfügbar sind?
  • BSG-Antwort: Nicht separat – wenn das Konzept methodisch trägt.
  • Konsequenz: Der Streit verlagert sich auf Datengrundlagen und Berechnungswege.

Was Betroffene jetzt wissen sollten

Die Entscheidung verändert die Ausgangslage für beide Seiten. Jobcenter können sich künftig stärker auf ihre Berechnungsmodelle berufen, ohne konkrete Wohnungsangebote vorweisen zu müssen.

Für Leistungsbezieher bedeutet das: Wer die Mietobergrenze angreifen will, muss das Konzept selbst hinterfragen.

Relevante Ansatzpunkte wären laut Portal [6] gegen-hartz.de etwa:

  • Stammen die verwendeten Daten aus einem aktuellen Zeitraum?
  • Bildet der gewählte Vergleichsraum die lokalen Verhältnisse realistisch ab?
  • Werden Wohnungen im unteren Preissegment angemessen berücksichtigt?

Gleichzeitig wächst der Dokumentationsdruck. Wer argumentiert, keine passende Unterkunft zu finden, muss seine Bemühungen lückenlos nachweisen können. Pauschale Hinweise auf einen angespannten Markt genügen nicht mehr.

Vorübergehender Schutz bleibt möglich

Auch nach diesem Urteil gilt: Übersteigen die tatsächlichen Kosten den Richtwert, können sie unter bestimmten Umständen weiter übernommen werden. Das setzt jedoch voraus, dass ein Wohnungswechsel nachweislich unmöglich oder unzumutbar ist. Die Beweislast liegt beim Antragsteller, betont gegen-hartz.de.

Beim Sozialhilfeverein Tacheles heißt es [7] schließlich:

"Diese Rechtsprechung wird voraussichtlich zu einer steigenden Anzahl von Klagen gegen die Kosten der Unterkunft führen. 2026/2027 könnten zu 'Jahren der KdU-Klagen' werden."

Der nächste Schritt

Das Landessozialgericht muss nun erneut prüfen, ob das Berliner Konzept die Frage der Wohnraumverfügbarkeit methodisch ausreichend berücksichtigt. Das BSG gab einen Hinweis mit auf den Weg: Die Zahl der nachfragenden Haushalte lasse sich zumindest näherungsweise ermitteln. Ein pauschaler Rückgriff auf Wohngeldwerte sei derzeit nicht angezeigt.

Offen bleibt, was diese Verschiebung für den Alltag bedeutet: Gewinnt die statistische Methodik künftig Vorrang vor der konkreten Marktbeobachtung – und was heißt das für Menschen, die in angespannten Städten verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum suchen?


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11127641

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Buergergeld-Nur-das-Existenzminimum-bleibt-10858683.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Buergergeld-Reform-Ploetzlich-droht-der-voellige-Leistungsentzug-11053745.html
[3] https://www.sozialgerichtsbarkeit.de/entscheidungen/176642
[4] https://www.bsg.bund.de/SharedDocs/Verhandlungen/DE/2025/2025_11_27_B_04_AS_28_24_R.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Ost-West-Gefaelle-Leerstand-von-Wohnungen-bis-zu-zehn-Prozent-in-Ostdeutschland-10262138.html
[6] https://www.gegen-hartz.de/urteile/brgergeld-jobcenter-mssen-bezahlbare-wohnungen-nicht-mehr-genau-belegen
[7] https://www.tacheles-sozialhilfe.de/newsticker/tacheles-rechtsprechungsticker-kw-48-2025.html

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Zuckersteuer: Schleswig-Holstein prescht vor, der Bund bremst

Von Christoph Jehle — 02. Januar 2026 um 14:00

Christoph Jehle

Prozent-Zeichen aus Zuckerwürfeln

Hersteller könnten Rezepturen ändern statt Preise zu erhöhen – das zeigt das Beispiel Großbritannien mit halbiertem Zuckerkonsum.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CD) kündigte kürzlich eine Bundesratsinitiative für eine deutsche Zuckersteuer [1] an.

"Eine Zuckersteuer ist politisch und ökonomisch längst geboten, weil zu starker Zuckerkonsum erhebliche gesundheitliche Probleme und damit auch enorme gesellschaftliche Kosten verursacht", erklärte Günther in einem Interview [2] mit der Welt. Im Jahr 2026 wolle er das Thema im Bundesrat angehen.

Gesunde Lebensmittel sind in Deutschland bislang noch kein Thema

Die Politik in Deutschland spricht bislang nicht über die steigende Zahl ungesunder industriell erzeugter Lebensmittel, die sich nicht nur in den Einkaufswägen der Privatkunden finden, sondern immer häufiger auf den Tischen der bürgerlichen Gastronomie.

Und dort sollen sie künftig von einer Absenkung der Mehrwertsteuer profitieren, was vor dem Hintergrund, dass viele Gastronomen inzwischen Convenience Food auftischen, das auch zu Hause weit preiswerter in der Mikrowelle erhitzt werden kann, nicht wirklich Erfolg versprechend scheint.

Die CDU verhindert bislang die Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland, weil man, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger erklärte [3], den Leuten nicht mit zu vielen Verboten in ihre persönlichen Entscheidungen hineinregieren dürfe.

Großbritannien hatte nach dem Brexit mehr Möglichkeiten, sich um die Gesundheit zu sorgen

Während die EU-Mitgliedsstaaten sich einfach hinter der nicht näher definierten EU-Bürokratie zurückziehen können und so mancher Kuhhandel im Tausch gegen andere Vergünstigungen auf Forderungen nach gesünderen Lebensmitteln zum Scheitern bringt, konnte das Vereinigte Königreich im Interesse einer potenziellen Kostenreduzierung im staatlichen Gesundheitswesen NHS mit seinen vier eigenständigen Organisationen in England, Wales, Schottland und Nordirland sich mit seiner Idee von einer Zuckersteuer einfacher durchsetzen, als dies auf dem Kontinent bislang gelang.

Seit 2018 gibt es in Großbritannien eine Steuer auf Zucker in Erfrischungsgetränken wie Limonaden. Daher halbierte sich die Zuckermenge, die Kinder dort durch derartige Getränke zu sich nehmen, innerhalb eines Jahres nach Einführung der Steuer. Hersteller von Softdrinks zahlen in Großbritannien abhängig vom Zuckergehalt zusätzliche Abgaben.

Nach Angaben der Organisation Foodwatch habe die Steuer bereits dazu geführt, dass Getränkehersteller in Großbritannien den Zuckergehalt in ihren Produkten deutlich gesenkt haben. Die Zuckerabgabe hat sich somit in Großbritannien nicht preistreibend, sondern gesamtgesellschaftlich sogar kostensenkend ausgewirkt.

Neuer Anlauf gegen überzuckerte Lebensmittel

In der Lebensmittelindustrie kommt der preiswerte Rohstoff Zucker, der nicht nur aus Zuckerrüben und Zuckerrohr erzeugt wird, sondern auch aus Pflanzen wie Ahorn, Palmen oder durch Extraktion aus Mais- oder Kartoffelstärke einerseits als Süßungsmittel zum Einsatz, in vielen Fällen jedoch auch als Konservierungsmittel. Dadurch lassen sich diese industriell erzeugten Lebensmittel auch ungekühlt deutlich länger lagern.

Was für Industrie und Handel ein deutlicher wirtschaftlicher Vorteil ist, trifft die Konsumenten und letztlich das Gesundheitswesen mit durchaus unerwünschten, aber meist unbedachten Folgen. Laut Michael Stolpe [4], Experte für Gesundheitsökonomie am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, hat hoher Zuckerkonsum eine Reihe von gesundheitlichen Folgen.

Neben dem allgemein bekannten Karies sei er ein Risikofaktor für viele Krankheiten [5], wie Diabetes Typ 2, Herzkreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall. Neuere Forschungen zeigten jetzt, dass Zucker wahrscheinlich auch für neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer verantwortlich sein kann, was das Gesundheitssystem mit hohen Kosten belastet. Eine Zuckersteuer könnte daher einen positiven Effekt auf die Gesundheitskosten haben.

Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, hat mit seiner angekündigten Gesetzesinitiative zur Einführung einer bundesweiten Steuer für besonders zuckerhaltige Lebensmittel den Ball wieder aufgenommen. Er will über seine Landesregierung im ersten Quartal 2026 eine Bundesratsinitiative anstoßen.

Im Bund gibt es massiven Widerstand gegen eine Zuckersteuer

Wie die Tagesschau meldet, lehnt [6] "Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer eine Initiative für eine bundesweite Zuckersteuer strikt ab. Er sei kein Freund von Verboten, sagte der Rainer der Rheinischen Post."

Bei Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten habe man eine freiwillige Reduktionsstrategie mit der Lebensmittelwirtschaft vereinbart und die wirke. Hinsichtlich des inzwischen offensichtlichen Übergewichts bei Kindern betonte der Minister, dass dabei viele Faktoren eine Rolle spielen würden, unter anderem zu wenig Bewegung und zu viele elektronische Medien.

Auch die SPD steht einer Zuckersteuer kritisch gegenüber. Das Bundesfinanzministerium sieht derzeit keine Grundlage für die Einführung einer solchen Steuer. Eine solche sei im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen. Auch die Linken-Chefin Ines Schwerdtner sieht eine Zuckersteuer eher kritisch und setzt auf mehr Regularien und Kennzeichnungspflichten für die Hersteller.

Zucker verursacht laut Studie Gesundheitskosten in Milliardenhöhe

Zuvor hatte auch der Ärzteverband Marburger Bund [7] die Bundesregierung dazu aufgefordert, eine Steuer auf Zucker einzuführen. Eine von Greenpeace beauftragte Studie [8] aus dem vergangenen April errechnete, dass der Zuckerkonsum in Deutschland jährlich Gesundheitskosten von knapp zwölf Milliarden Euro verursacht.

Vor dem Hintergrund der ungelösten Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens, sollte man besser das Thema Fehlernährung angehen, als eine Leistungseinschränkung für die Versicherten. Vielleicht kommt die Erkenntnis von den Britischen Inseln über Kiel dann auch noch in Berlin an.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11127162

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-schleswig-holstein-draengt-auf-bundesweite-zuckersteuer-a-bfe3cb49-9fc8-465d-bb86-6adc1d4de339
[2] https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/panorama_nt/article694858f2ba368aa0126a0194/laengst-geboten-guenther-will-bundesweite-zuckersteuer.html
[3] https://www.heise.de/-10240330
[4] https://www.kielinstitut.de/de/expertinnen-und-experten/michael-stolpe/
[5] https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/zuckersteuer-daniel-guenthers-vorschlag-erntet-kritik,shnews-726.html
[6] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/zuckersteuer-debatte-100.html
[7] https://www.marburger-bund.de/bundesverband/pressemitteilung/marburger-bund-nikotin-alkohol-und-zucker-hoeher-besteuern
[8] https://www.greenpeace.de/publikationen/Versteckte%20Kosten%20der%20Ern%C3%A4hrung_0.pdf

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1926: Als die Zukunft noch verboten weit offen war

Von Rüdiger Suchsland — 02. Januar 2026 um 13:00

Rüdiger Suchsland

Plakatähnliche Stadtszene aus dem Berlin der 1920er

KI generierte Grafik

Warum ein scheinbar ruhiges Jahr der Weimarer Republik unsere Gegenwart der Dauerkrisen besser spiegelt als die großen Katastrophendaten.

Vor hundert Jahren schien die Geschichte einmal kurz innezuhalten und Pause zu machen. Das Jahr 1926 war ein Augenblick der Ruhe in den turbulenten Zwanzigerjahren.

Dabei war es zugleich durchaus alles Mögliche, an das man erinnern könnte und sich in den folgenden Jahrzehnten erinnert hat.

Fritz Langs "Metropolis" kam in die Kinos, die damals noch "Lichtspieltheater" hießen. "Babe Ruth" nannte man den berühmtesten Boxer der Welt. Josephine Baker besuchte Berlin und erfand dort den Bananentanz, der sie zum Weltstar machte, den der irritiert-faszinierte Harry Graf Kessler so kommentierte: "Ultramodern und ultraprimitiv, ein Mittelprodukt zwischen Urwald und Wolkenkratzer."

Leni Riefenstahl war noch eine Schauspielerin und begann ihre ersten Karriereschritte.

Ernest Hemingway zog nach Paris. Greta Garbo drehte ihren einzigen deutschen Film: "Die freundlose Gasse" von Georg Wilhelm Pabst. Franz Kafkas Roman "Das Schloss" wurde postum veröffentlicht – gegen den Willen des Autors.

Die deutschen Reichskanzler hießen Luther und Marx.

Und trotzdem wirkt dieses "Jahr am Rand der Zeit" (Hans Ulrich Gumbrecht) in der Erinnerung seltsam gesichtslos; es scheint kein wirkliches Profil zu haben. Gumbrecht, deutscher Literaturwissenschaftler in Kalifornien, findet genau hierin das Spannende und Repräsentative dieses Jahres 1926.

Jede Woche neue "historische" Ereignisse

Geschichte ist immer. Und seit einigen Jahren geschehen quasi jede Woche neue "historische" Ereignisse. Spätestens mit der Pandemie begann es, dann kam der Ukraine-Krieg, die Inflation und KI.

Donald Trump kehrte zurück, Friedrich Merz kam auch, und man ahnt nur, was da bald womöglich noch alles kommen mag. Da ist die Vorstellung, die Geschichte könne mal stillstehen und einfach Pause machen, eine tröstliche.

Genau dieser Trost ereignete sich vor 100 Jahren. "Ein Jahr am Rand der Zeit [1]" hat Hans Ulrich Gumbrecht sein Buch über das Jahr 1926 genannt.

Es erschien schon vor 28 Jahren in den USA, wo der Deutsche Gumbrecht seit Langem lebt. Der Suhrkamp Verlag hat es zunächst 2001 auf Deutsch als – heute längst vergriffener – Hardcover und jetzt pünktlich zur Jahreswende auch als Taschenbuch herausgebracht. Damals, Ende der 1990er – daran muss man unbedingt erinnern –, war Gumbrecht der allererste, der das machte, was heute längst Mode geworden ist: Bücher über einziges Jahr zu schreiben.

Ob 1913, 1923, 1939 oder 1979 – vielen Jahren des 20. Jahrhunderts wurde seitdem ein eigenes Buch gewidmet. Aber keines dieser so porträtierten Jahre ist so unscheinbar wie 1926, das Jahr des Zenits der Weimarer Republik.

Boxkämpfe, Aufzüge, Haargel, Filmstars - und Sensationen

"Versuchen Sie nicht am Anfang anzufangen, denn dieses Buch hat keinen Anfang" – steht am Anfang des Buchs.

Gumbrecht öffnet den Zeittunnel des Jahres 1926, wo der Quantenphysiker Erwin Schrödinger die nach ihm benannte Wellengleichung veröffentlichte, die ihm ein paar Jahre später den Nobelpreis sicherte, in er die Realitäten dieses Jahres in einer Parallelmontage erkundet: Bars, Boxkämpfe, Filmpaläste, Aufzüge, Automobile, Flugzeuge, Haargel, Stierkämpfe, Filmstars, Tanzmoden und das überraschende Wiederauftauchen von König Tutanchamun nach dreitausendjähriger Abwesenheit.

Gegensatz-Denkpaare wie "Handeln versus Ohnmacht" und "Zusammengebrochene Codes" wie "Ewigkeit" und "Tragik" spielen eine tragende Rolle.

Das Jahr 1926 ist für Gumbrecht ein "Emblem der Zufälligkeit". Zugleich fächert er das Jahr lexikalisch auf: Das ist keineswegs ein Zufallsprinzip, sondern nur eine äußerliche, abstraktere "Ordnung des Diskurses" (Michel Foucault). Sie verweigert sich der Chronologie und Hermeneutik der Historiker ebenso wie Geschichtsphilosophien. Könnte aber von einem Poststrukturalisten stammen: Sowohl "Amerikaner in Paris" wie "Völkerbund" sind "Mythen des Alltags" (Roland Barthes) der Zwanziger Jahre.

Der Zufall, auf den es hier ankommt, ist der von sich ergebenden Gleichzeitigkeiten. Was die Vorführung einer "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" (Ernst Bloch) ermöglicht.

Der Autor entfaltet diese Welt in Form einer Landkarte aus Verbindungen. Den Lesern werden dabei multiple Reiserouten angeboten: Je nach Gusto können sie über ein Link-artiges Verweissystem verschiedenen Wegen von einem Thema zum nächsten folgen, dabei nach Lust und Laune hin- und herblättern oder der Reihe nach lesen. So taucht man schließlich vollständig ein in die Aktivitäten, Vergnügungen und Denkmuster der Bürger des Jahres 1926.

Das Gefühl, im Jahr 1926 zu sein

Dabei kommt die aktuelle Politik kaum vor, die Wirtschaft nur selten. Es geht um Lebensgefühle, darum, so Gumbrecht, diese Vergangenheit "zu berühren, zu riechen und zu schmecken".

"Man sollte das Gefühl haben, 'im Jahr 1926' zu sein. Je unmittelbarer und sinnlich spürbarer diese Illusion wird, in desto höherem Maße wird Ihre Lektüre das Hauptziel des Buches erfüllen."

Man erlebt scheinbar Banales wie einen legendären Boxkampf, hört, wie Adolf Hitler enge Hosen an jungen Männern verurteilt, und Thomas Mann sich ein Automobil anschafft, zugleich Boxen, Jazz und Kino als "Verrohung und Verflachung" verurteilt.

Wir erfahren, was es heißt, ein "hässlicher Amerikaner" in Paris zu sein, wie der Massentourismus begann, wie der "Fordismus" der neuen Fließbänder Menschen in Maschinen verwandelt, die einem Zeitregiment unterworfen sind, während es den Herren oben auf dem Dach glänzend geht.

Ilja Ehrenburg schwärmte über Charlie Chaplin, der in seinen Filmen auch davon erzählt: "Ich glaube, es gibt kein erhabeneres Schauspiel als den letzten Film des genialen Filmschauspielers: 'Goldrausch' mit seiner menschlichen Trauer, den unvermeidlichen Lumpen, mit Schnee, Hunger und Liebe."

Sehr gegenwärtige Erfahrungen

Es sind sehr gegenwärtige Erfahrungen, auf die man hier trifft: Eine rasante Modernisierung, neue Medien (das Radio; das Telefon; das Kino), eine Flut von Bildern und anderen Sinnesreizen und vor allem die Unsicherheit über die kommenden Dinge.

1926 ist das Gegenteil von jener "Neuen Sachlichkeit", die damals gerade zur Mode geworden war, es war ein Zauber und ein Glücksversprechen, das sich manchmal noch mitteilt, wenn man zum Beispiel einen der alten Filme sieht, oder einem Schlager hört, oder die meist lebensfroh bunten – Bilder einer Ausstellung über die Zwanziger.

Alles war neu. Die Zukunft war verboten weit offen, und man merkt den Menschen das Vergnügen und das sinnliche Glück an, in diesen hedonistischen, "tranzendental obdachlosen" Zeiten zu leben.

Aber in diesem Jahr blieben die Katastrophen noch aus.

Weil die Zukunft sich uns entzieht, und wir nicht wissen, was das Jahr 2026 bringen wird, kann der Blick zurück, hundert Jahre in die Vergangenheit sogar so etwas wie Trost spenden. Genießen wir ihn. Von da an ging's bergab.

Literatur: Hans Ulrich Gumbrecht: "1926. Ein Jahr am Rand der Zeit"; Suhrkamp Verlag, Berlin 2025. 554 Seiten


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[1] https://www.suhrkamp.de/buch/hans-ulrich-gumbrecht-1926-t-9783518475317

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Von der KI-Verordnung bis zum Data Act: Europas neue Datenordnung

Von Heise — 02. Januar 2026 um 12:06
EU-Flagge auf Computerchip

(Bild: Ivan Marc / Shutterstock.com)

Was die neue europäische Datenordnung – von der KI-Verordnung bis zum Data Act – bedeutet, erklärt Niklas Mühleis in seiner Keynote von der data2day 2025.

In seiner Keynote auf der data2day 2025 [1] gibt Niklas Mühleis einen vollständigen Überblick über die Flut neuer Digitalgesetze der Europäischen Union – und verdeutlicht, welche konkrete Datenstrategie die EU damit verfolgt.

Von der Regulierung Künstlicher Intelligenz (AI Act) über den Data Governance Act bis hin zum brandaktuellen Data Act ordnet Mühleis die verschiedenen Gesetze nicht nur ein, sondern gibt auch einen leicht verständlichen Überblick über die wichtigsten Neuerungen.

Der Vortrag präsentiert Antworten [2] auf eine Reihe von Fragen, etwa warum der Data Act als Meilenstein für die europäische Datenökonomie gilt und wie diese Regulierungen die tägliche Arbeit mit Daten verändern werden. Anhand praxisnaher Beispiele und klarer Empfehlungen von Niklas Mühleis erhalten Zuhörende die Gelegenheit, sich fit zu machen für die neue Daten-Ära.

Niklas Mühleis
Niklas Mühleis

Niklas Mühleis ist Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Heidrich Rechtsanwälte aus Hannover, die auf IT-Recht, Datenschutz und KI-Recht spezialisiert ist. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, technische und rechtliche Entwicklungen zu begleiten und fungiert dabei nicht selten als Dolmetscher zwischen den Sprachen der Technik und der Juristen. Er berät Mandanten vom kleinen Tech-Startup über den mittelständischen IT-Dienstleister bis hin zum Versicherungskonzern. Zudem veröffentlicht er seit Jahren Fachartikel in der c’t, iX und weiteren Zeitschriften, ist Herausgeber eines Buches zum KI-Recht, hält bundesweit Vorträge, engagiert sich bei der Förderung von Start-ups und hat Lehraufträge für Datenschutz an der Hochschule Hannover sowie am Niedersächsischen Studieninstitut.


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[1] https://www.data2day.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_data2day.empfehlung-ho.link.link
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Neu in .NET 10.0 [4]: Neue Operatorüberladungen in C# 14.0

Von Heise — 02. Januar 2026 um 09:00

(Bild: Pincasso/Shutterstock)

C# 14.0 bietet auch Operatorüberladungen für zusammengesetzte Zuweisungsoperatoren.

Operatorüberladungen beherrscht die Programmiersprache C# seit ihrer ersten Version aus dem Jahr 2002 mit dem Schlüsselwort operator.

In C# 14.0 hat Microsoft dabei nun eine Verbesserungsmöglichkeit entdeckt: Entwicklerinnen und Entwickler können jetzt für die zusammengesetzten/verkürzten Zuweisungsoperatoren (engl. Compound Assignment Operators) +=, -=, *=, /=, %=, &=, |=, ^=, <<=, >>= und >>>= eigene Operatorimplementierungen definieren.

Bisher wurden hier immer die Operatorimplementierungen des Basisoperators (also + bei +=, - bei -=, & bei &= usw.) aufgerufen. Das passiert auch weiterhin, aber nur, wenn es keine eigene Operatorimplementierung für den Compound Assignment Operator gibt.

Das erlaubt mehr Kontrolle über die Speichernutzung: Bei den zusammengesetzten/verkürzten Zuweisungsoperatoren kann man die Operation zwischen zwei Objekten so implementieren, dass kein neues Objekt erzeugt wird, sondern ein bestehendes Objekt weiterverwendet wird.

Die Compound Assignment Operators sind (anders als andere Operatoren) nicht static und geben void zurück, da sie das Objekt selbst manipulieren.

Folgender Codeausschnitt verwendet die User Defined Compound Assignment Operators:

namespace NET10_Console;

/// <summary>
/// Klasse mit Operatorüberladung für +, ++ und +=
/// </summary>
public class Kontostand
{
 public string IBAN { get; set; }
 public decimal Betrag { get; set; }

 public Kontostand(string iBAN, decimal betrag)
 {
  Betrag = betrag;
  IBAN = iBAN;
 }

 // ALT: Operatorüberladung für +
 public static Kontostand operator +(Kontostand a, Kontostand b)
 {
  if (a == null || b == null)
   throw new ArgumentNullException();

  return new Kontostand(a.IBAN, a.Betrag + b.Betrag);
 }

 // NEU: Operatorüberladung für ++ 
 public void operator ++()
 {
  this.Betrag += 1;
 }

 // NEU: Operatorüberladung für += 
 public void operator +=(decimal b)
 {
  this.Betrag += b;
 }

 public override string ToString()
 {
  return $"Konto {IBAN}: {Betrag:c}"; // formatiert als Währung


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Tesla-Aktie: Die Kluft zwischen Börse und Geschäft wächst

Von Matthias Lindner — 01. Januar 2026 um 21:40

Matthias Lindner

Ein Tesla-Auto-Logo

(Bild: Tobias Arhelger / Shutterstock.com)

Analysten haben ihre Prognosen für 2026 drastisch gesenkt – die Zahlen liegen weit unter den ursprünglichen Erwartungen.

Die Tesla-Aktie erlebte in der zweiten Jahreshälfte 2025 einen bemerkenswerten Aufschwung. Getrieben wurde diese Entwicklung von Elon Musks Versprechen autonomer Fahrzeuge [1]. Viele Anleger zeigten sich davon begeistert.

Doch während sie dieser Vision folgten, zeichnen Analysten inzwischen für 2026 ein deutlich pessimistischeres Bild. Die Kluft zwischen Börsenkurs und operativem Geschäft wird größer.

Kursrallye trotz schwacher Verkaufszahlen

Die Marktkapitalisierung von Tesla ist in nur acht Monaten um mehr als 915 Milliarden US-Dollar gestiegen, als die Aktie Mitte Dezember ein neues Allzeithoch erreichte. Firmenchef Elon Musk betonte, wie Bloomberg erklärt [2], verstärkt die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und Robotik.

Die Verkaufszahlen erzählen allerdings eine andere Geschichte. Trotz Rekordauslieferungen im dritten Quartal verkaufte das Unternehmen in den letzten sechs Monaten des Jahres wahrscheinlich weniger Fahrzeuge als im Vorjahr.

"Tesla-Investoren konzentrieren sich darauf, wie das Unternehmen in fünf, zehn oder 15 Jahren aussehen könnte, und lassen das, was sie kurzfristig sehen, völlig außer Acht", sagte ein Analyst gegenüber Bloomberg.

Drastisch gesenkte Erwartungen

Für das vierte Quartal 2025 prognostizieren Analysten laut Bericht 440.907 Auslieferungen – ein Minus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Tesla veröffentlichte in einem ungewöhnlichen Schritt eigene Schätzungen von nur 422.850 Fahrzeugen, was einem Rückgang von 15 Prozent entspricht, berichtet [3] Bloomberg.

Noch drastischer fällt die Vorschau für 2026 aus. Vor zwei Jahren rechneten Analysten mit über drei Millionen Auslieferungen. Inzwischen liegt der Durchschnitt bei rund 1,8 Millionen Fahrzeugen. Die von Tesla kommunizierten Werte deuten laut Bloomberg sogar auf etwa 1,6 Millionen hin – ein zweiter jährlicher Absatzrückgang in Folge.

Mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig

Das Jahr 2025 begann schwach. Die Produktionsumstellung für das neu gestaltete Model Y belastete die Auslieferungen. Hinzu kam eine Gegenreaktion auf Musks polarisierende Rolle in der Trump-Regierung. Im April war die Aktie im Jahresverlauf um 45 Prozent gefallen.

Die Erholung setzte erst ein, als Musk den Fokus wieder auf die Robotaxi-Vision legte. Im Juni startete Tesla in Austin einen Fahrdienst mit Model-Y-Fahrzeugen unter Aufsicht von Sicherheitsbeauftragten. Bereits am ersten Tag verstießen die Fahrzeuge gegen Verkehrsregeln, was Untersuchungen der Bundesbehörden nach sich zog.

Autonomie-Versprechen unter Druck

Das als "Full Self-Driving [4]" vermarktete System erfordert weiterhin menschliche Aufsicht. In Kalifornien droht dem Unternehmen eine 30-tägige Aussetzung der Verkaufslizenz wegen des Vorwurfs, die beworbenen Fähigkeiten zu übertreiben.

In China bieten Wettbewerber wie BYD und Xiaomi ähnliche Assistenzsysteme als Serienausstattung an. In Europa fehlt Tesla die behördliche Genehmigung für FSD [5], während chinesische Anbieter dort an Dynamik gewinnen [6]. Analysten erwarten, dass BYD weltweit zum fünften Mal in Folge mehr batterieelektrische Fahrzeuge verkauft.

Hürden für 2026

Der Wegfall der US-Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge in Höhe von 7.500 US-Dollar belastet die Aussichten. Musk kündigte "einige schwierige Quartale" an. Als Gegenmaßnahme brachte Tesla Model-Y- und Model-3-Varianten für unter 40.000 US-Dollar auf den Markt.

Gene Munster von Deepwater Asset Management sieht die Messlatte klar: Musk müsse "nur dafür sorgen, dass sich das Autogeschäft im nächsten Jahr stabilisiert, um die Investoren zufriedenzustellen".

Erwartet wird eine Stagnation oder ein Wachstum von bis zu fünf Prozent – ein bescheidener Rahmen für ein Unternehmen, das einst zweistellige Wachstumsraten versprach.


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[1] https://www.heise.de/tp/article/Oma-wird-nicht-ueberfahren-3253998.html
[2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-01-01/tesla-sales-outlook-darkens-despite-musk-s-self-driving-euphoria
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-30/tesla-tsla-compiles-downbeat-average-estimates-for-its-vehicle-sales
[4] https://www.heise.de/tp/article/Tesla-droht-Verkaufsstopp-in-Kalifornien-wegen-Autopilot-Werbung-11118233.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Tesla-verliert-in-Europa-massiv-VW-zieht-vorbei-11095399.html
[6] https://www.heise.de/tp/article/Elektroauto-Markt-Europas-Kehrtwende-beim-Verbrenner-Aus-nutzt-besonders-China-11118854.html

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Neuralink kündigt Massenproduktion von Hirnimplantaten ab 2026 an

Von Bernd Müller — 01. Januar 2026 um 20:20

Bernd Müller

Das Logo der amerikanischen Neurotechnologie-Firma, die von Elon Musk gegründet wurde, um eine implantierbare Gehirn-Computer-Schnittstelle, Neuralink, zu entwickeln, ist auf dem Bildschirm zu sehen.

(Bild: Kemarrravv13 / Shutterstock.com)

Ein ehemaliger FDA-Prüfer soll es möglich machen – doch die Behörde hat bisher noch kein einziges Hirnimplantat zugelassen.

Elon Musk [1] kündigte an, dass sein Unternehmen Neuralink mit der "Massenproduktion" von Gehirn-Computer-Schnittstellengeräten [2] beginnen wird. Bis 2026 soll der chirurgische Eingriff [3] vollständig automatisiert ablaufen, teilte Musk [4] laut Reuters auf der Plattform X mit.

Das Unternehmen wollte das allerdings nicht bestätigen, heißt es weiter.

Vom Einzelfall zur Industrialisierung

Die Mitteilung markiert einen Punkt, an dem die klinische Erprobung in die industrielle Fertigung übergeht.

Neuralink entwickelt Implantate, die Menschen mit Rückenmarksverletzungen helfen sollen. Der erste Patient nutzte das Gerät bereits, um Videospiele zu spielen, im Internet zu surfen, in sozialen Medien zu posten und den Cursor auf einem Laptop zu bewegen.

Das Unternehmen startete 2024 mit klinischen Studien am Menschen, nachdem es Sicherheitsbedenken der US-Gesundheitsbehörde FDA ausgeräumt hatte. Die FDA hatte den Antrag 2022 zunächst abgelehnt.

Zwölf Implantate weltweit im Einsatz

Derzeit tragen zwölf Personen mit einer schweren Lähmung Implantate von Neuralink. Sie steuern damit digitale und physische Werkzeuge durch Gedanken. Die Zahl stieg [5] von sieben Implantaten, die das Barrow Neurological Institute im Juni gemeldet hatte.

Die Patienten trugen die Implantate über 2.000 Tage und sammelten 15.000 Nutzungsstunden an. Im Sommer hatte Neuralink zudem angekündigt eine klinische Studie in Großbritannien durchführen zu wollen. Dabei sollten das University College London Hospital und das Newcastle Hospital eingebunden werden.

FDA-Experte wechselt zu Neuralink

Um mit der Zulassung zügig voranzukommen, hatte Neuralink im Dezember David McMullen als Leiter Medical Affairs eingestellt. McMullen war laut [6] Bloomberg zuvor Direktor des FDA-Büros für neurologische und physikalische Medizinprodukte – jener Abteilung, die Anträge für Gehirn-Computer-Schnittstellen prüft.

Seine Aufgabe: sicherstellen, dass die Technologie "verantwortungsbewusst und in großem Umfang" zum Einsatz kommt. Zum damaligen Zeitpunkt war kein BCI-Gerät von der FDA für den langfristigen kommerziellen Einsatz zugelassen. Neuralink plant, das Gerät bis 2030 bei einem gesunden Menschen [7] einzusetzen.

650 Millionen Dollar für den Hochlauf

Im Juni sicherte sich Neuralink 650 Millionen US-Dollar in einer Finanzierungsrunde. Das Geld soll helfen, die Produktion hochzufahren, bei der Automatisierung der Chirurgie voranzukommen sowie klinischer Programme auszuweiten. Der Schritt zur Massenproduktion bleibt allerdings ohne konkrete Angaben zu Stückzahlen oder Fertigungsstandorten.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Von-Tesla-zu-SpaceX-Wie-sich-Elon-Musk-Vermoegen-auf-638-Milliarden-entwickelte-11116552.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Gedankenlesen-ist-keine-Science-Fiction-mehr-10596905.html
[3] https://www.heise.de/tp/article/Telechirurgie-Roboter-gestuetzte-Medizin-als-Loesung-fuer-die-Versorgung-von-Kriegsverletzten-9703270.html
[4] https://www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/musk-says-neuralink-start-high-volume-production-interface-devices-by-2026-2026-01-01/
[5] https://www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/musks-neuralink-says-12-people-have-received-its-implants-2025-09-09/
[6] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-09/neuralink-hires-fda-brain-chip-regulator-to-lead-medical-affairs
[7] https://www.heise.de/tp/article/Gehirndoping-und-Neuroenhancement-Fakten-und-Mythen-4995894.html

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39C3: Rollstuhl-Security – Wenn ein QR-Code alle Schutzmechanismen aushebelt

Von Heise — 01. Januar 2026 um 12:58
Elfy in ihrem M25-Rollstuhl von Alber

(Bild: media.ccc.de, CC BY 4.0)

Eine IT-Sicherheitsforscherin deckt auf, wie der QR-Code eines Rollstuhls zum Generalschlüssel für alle Komfortfunktionen wird.

Die IT-Sicherheitsforscherin und Rollstuhlnutzerin Elfy beschäftigte sich aus persönlicher Betroffenheit intensiv mit dem e-motion M25 von Alber. Was sie dabei antrieb, war nicht zuletzt die Preispolitik des Herstellers: Für Funktionen wie das Umschalten des Fahrmodus (99 Euro), ein höheres Geschwindigkeitslimit (99 Euro) oder die Fernbedienung per App (99 Euro) werden saftige Aufpreise fällig; eine spezielle Bluetooth-Fernbedienung kostet sogar bis zu 595 Euro. Elfy wollte wissen, ob diese Komfortfunktionen technisch wirklich abgesichert sind – oder ob der Zugang in Wahrheit viel einfacher ist.

Komfortfunktionen hinter Bezahlschranken

In ihrem Vortrag auf dem 39. Chaos Communication Congress (39C3) [1] erklärte Elfy, dass sämtliche Komfort- und Premiumfunktionen des M25 – wie etwa höhere Geschwindigkeit, der Wechsel zwischen Fahrmodi oder die App-basierte Fernsteuerung – ausschließlich per Software und kostenpflichtige Freischaltungen aktiviert werden. Elfy betonte, dass die Hardware ihrer Ansicht nach durchweg identisch sei und sich die Unterschiede nur durch die Software-Freischaltung ergäben. Zur Hardware sagte sie wörtlich: „Die Hardware ist eigentlich wirklich gut, sie tut, was sie soll, und funktioniert wirklich bequem und praktisch."

Der Hersteller betone in offiziellen Dokumenten und gegenüber Behörden wie der der Food and Drug Administration (FDA) in den USA, dass sämtliche Bluetooth-Kommunikation „verschlüsselt" und damit sicher sei. In einem Schreiben an die FDA heißt es: „All wireless communications is encrypted." (Alle kabellosen Kommunikationen sind verschlüsselt.) Für Nutzer bedeute dies jedoch in erster Linie eine Preisschranke, keine tatsächliche Sicherheit, so Elfy.

QR-Code als Generalschlüssel

Kern der Sicherheitsarchitektur beim e-motion M25 ist ein 22-stelliger QR-Code („Cyber Security Key"), der gut sichtbar auf jeder Radnabe angebracht ist. Die offizielle App scannt diesen Code bei der Ersteinrichtung und leitet daraus deterministisch den AES-128-Schlüssel für die Bluetooth-Kommunikation ab. Elfy erklärte dazu: „Der AES-Key für jedes Rad ist ein QR-Code, der auf der Radnabe aufgeklebt ist." Und weiter: „Mit diesem Key kann man komplett den Rollstuhl übernehmen."

Es gebe keine zusätzliche Absicherung, etwa durch Salt, Hardwarebindung oder ein weiteres Geheimnis im Gerät. Jeder mit einer Kamera könne theoretisch den QR-Code abfotografieren und das Rad steuern. Elfy ergänzte: „Und das nennen die dann Cyber Security Key." Die genaue Methode der Schlüsselableitung und die technischen Details sind im zugehörigen GitHub-Repository dokumentiert [2].

Verschlüsselung: AES als Feigenblatt

Technisch kommt laut Hersteller und Analyse von Elfy eine standardisierte AES-128-Verschlüsselung im CBC-Modus zum Einsatz. Elfy sagte dazu: „Das Schöne daran ist, dass die Kryptografie eigentlich in Ordnung ist. Es ist AES-128-CBC." Doch entscheidend sei: Es gibt keine Integritäts- oder Authentizitätsprüfung der Nachrichten. „Sie benutzen einfach den Standardkram, PKCS7-Padding, und das war's", so Elfy. Weder ein Message Authentication Code (MAC) noch ein Authenticated Encryption-Modus (AEAD) werde verwendet.

Das mache das System nicht nur anfällig für Replay- und Manipulationsangriffe, sondern ermögliche auch das gezielte Bit-Flipping in verschlüsselten Nachrichten. Auch Initialisierungsvektoren würden nicht für jede Nachricht neu generiert. Elfy sagte: „An mehreren Stellen hatte ich das Gefühl, sie kennen die Grundlagen, aber haben dann aufgehört, über Probleme nachzudenken." Die Implementierung der Verschlüsselung ist offen einsehbar [3].

Protokoll und Reverse Engineering

Das proprietäre Protokoll zwischen App, Fernbedienung und Antrieb sei laut Elfy überraschend einfach aufgebaut. Im Vortrag sagte sie: „In der Theorie ist das wirklich keine komplizierte Sache. Es gab ein paar lustige Designentscheidungen, aber es ist grundlegendes Zeug. Es ist nicht kompliziert." Nachrichten enthalten Service-IDs, Parameter und Nutzdaten. Die gesamte Struktur hat Elfy auf GitHub dokumentiert [4].

Für die Analyse habe Elfy die Android-App dekompiliert, Firmware und Traffic mitgeschnitten und daraus ein Python-Toolkit erstellt. Elfy berichtete: „Ich habe die Fernbedienung ersetzt, das sind mehrere hundert Zeilen Python-Code, die mit meinem Rollstuhlantrieb sprechen. Ich konnte die Parkfunktion ersetzen. Ich konnte einige Wartungsfunktionen ersetzen. Ich habe den Dealer Mode ersetzt, und dieser Selbstfahr-Modus kann auch komplett gemacht werden."

Elfy wies darauf hin, dass sich die teuren Fernbedienungen in der Hardware kaum von günstigeren Varianten unterscheiden: „Die Hardware dieser Fernbedienung ist nahezu identisch. Die teurere Variante ist ein Boolean-Flag in der Konfigurations-Software des Herstellers. Und sie vermarkten das als zwei verschiedene Produkte."

Software-Paywalls und Händlerfunktionen

Die Premiumfeatures würden rein softwareseitig durch die App freigeschaltet. Elfy sagte dazu: „Die Bezahlung schaltet nur die grafischen Benutzeroberflächen in der App frei. Am Antrieb selbst ändert sich nichts. Es werden nur bestimmte Teile der Anwendung sichtbar, die ohne Bezahlung nicht sichtbar sind."

Auch Händler- und Wartungsfunktionen seien nicht durch Hardware geschützt. Elfy erklärte: „Man muss das Passwort kennen. Es war nicht besonders gut versteckt. Das Passwort war in einigen PDFs im Internet. Aber ich habe das Passwort im Klartext aus der Android-App bekommen."

Universelle Schwachstelle mit weitreichenden Folgen

Elfy wies darauf hin, dass diese Schwachstelle alle M25-Systeme betreffe: „Ich habe auf diesem Kongress schon zwei oder drei andere außer meinem gesehen. Also scannt bitte nicht die QR-Codes anderer Leute. Denn ihr könntet Schaden anrichten."

Die Verschlüsselung werde so zur reinen Formsache, während die Zugangskontrolle auf einem offen einsehbaren Sticker beruht. Elfy betonte, dass AES-128 nur so lange sicher sei, wie der Schlüssel geheim bleibe – im Falle des M25 sei der Schlüssel aber ganz offen als QR-Code auf dem Rad sichtbar.

Kritischer Blick auf Medizintechnik

Elfys Vortrag machte deutlich, dass starke Algorithmen allein keine Sicherheit garantieren. Ohne durchdachtes Schlüsselmanagement und robuste Protokolle bleibe die Kontrolle über das eigene Gerät letztlich beim Hersteller – es sei denn, Nutzer greifen selbst zu Werkzeugen wie Elfys offenen Python-Toolkit [5]. Die vollständige Analyse, Skripte und Dokumentation finden sich ebenfalls im GitHub-Repository [6].


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[1] https://events.ccc.de/congress/2025/hub/en/event/detail/pwn2roll-who-needs-a-599-remote-when-you-have-wheelchair-py
[2] https://github.com/roll2own/m5squared#getting-your-keys
[3] https://github.com/roll2own/m5squared/blob/main/m25_crypto.py
[4] https://github.com/roll2own/m5squared/tree/main/doc
[5] https://github.com/roll2own/m5squared
[6] https://github.com/roll2own/m5squared/tree/main/doc
[7] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&amp;wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[8] mailto:vza@heise.de

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heise+ | c’t-Story: Der Klang von Papier

Von Heise — 01. Januar 2026 um 07:00

Eine simple Einkaufsfahrt in winterlichem Schneegestöber endet oft woanders als geplant. Mancher findet dabei etwas Großartiges, nach dem er nie gesucht hätte.

Ein Freund von Familienfesten war ich noch nie. Schon als Kind hatte ich die gestellte Fröhlichkeit meiner Eltern bei solchen Gelegenheiten gehasst – und ganz besonders Onkel Oliver. Er kam jedes Mal mit einem anderen SUV und machte sich über die Klimakrise lustig. Damals gab es um die Jahreswende nirgends Schnee.

Das ist heute anders. Eingehüllt in einen dicken Wollmantel, mit einer Mütze, die mir bis über die Ohren reicht, kämpfe ich mich zu Fuß durch die Elemente. Meine Laune ist so tief gesunken wie die Temperaturen. Ein paar Straßen weiter steht mein zehn Jahre alter E-Kleinwagen, dessen Akku bei der Kälte schlappgemacht hat. Noch bevor ich einen Abschleppwagen rufen konnte, folgte mein Smartphone dem Vorbild des Wagens und versagte ebenfalls den Dienst. Zu allem Übel wird der Schneefall jetzt so heftig, dass ich kaum noch etwas erkennen kann.

Ich war losgefahren, um für meine Tochter Angelina einen Oskar zu kaufen. Das ist eine Art Nachfolger der früheren Tamagotchis, nur KI-gesteuert. Sie muss ein solches Ding unbedingt ganz schnell haben, denn Taylor-Sophie, ihre Cousine, die bei Angelinas anstehender Geburtstagsfeier dabei sein wird, hat ebenfalls eines. Also habe ich mich zähneknirschend auf dem Weg gemacht. Und nun werde ich wahrscheinlich in einer unbarmherzigen Schneeböe mein Ende finden.


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[1] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Der-Klang-von-Papier-11080843.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Smarte-Traenen-10497055.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Das-neue-Modell-11060412.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Dr-k-i-Zahnbaer-10749044.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Fern-von-sich-selbst-10749050.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Das-Ende-der-perfekten-Vermessung-10689437.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Das-Erbe-10643408.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Die-Rueckkehr-der-Dinge-10638124.html
[9] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Waltraud-siegt-10559753.html
[10] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Ein-Quaentchen-Glueck-10516016.html

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Pelz ohne schlechtes Gewissen – geht das überhaupt?

Von Susanne Aigner — 01. Januar 2026 um 14:00

Susanne Aigner

Nerzmantel und Nerz

Nerzmantel und Nerz. Bilder: Lauretta_Jayne / Doug White Photography / Shutterstock.com

Discounter verkaufen ihn als Kunstpelz, Vintage-Händler feiern ihn als nachhaltig – doch was stimmt wirklich?

Im November hatte die Tierrechtsorganisation Aninova [1] einer Filiale von Aldi Süd vorgeworfen, Weihnachtsartikel mit echtem Pelz zu verkaufen, obwohl dieser als Kunstpelz ausgewiesen war. Konkret ging es um Haarklammern mit Rentierohren, -geweih und schwarzen Puscheln.

Aktivisten hatten entdeckt, dass die Tierhaut in Form von Leder zu erkennen war – für sie ein klarer Hinweis auf echten Pelz. Die Verpackung enthielt jedoch keine Hinweise auf die Verwendung tierischer Materialien. Der in China gefertigte Artikel kostete einen Euro.

Nun hat sich Discounter als "Fur Free Retailer" selbst verpflichtet, keine Produkte aus echtem Tierfell zu verkaufen. Die Initiative setzt sich für einen ethischen Konsum ein.

Gemäß der europäischen Textil-Kennzeichnungsverordnung [2] von 2011 müssen Stoffe wie Pelz, Leder, Horn, Federn oder Perlen mit dem Vermerk "Enthält nicht-textile Bestandteile tierischen Ursprungs" ausgewiesen sein. Sollten die Kleidungsstücke nicht korrekt gekennzeichnet sein, können sie von Kunden zurückgegeben werden.

Auf Nachfrage des BR verwies der Discounter auf den Lieferanten, die Würzburger Firma J. E. Schum, die ihrerseits versicherte, dass in den Produkten "kein Echtpelz sowie keine weiteren tierischen Fasern verarbeitet" worden seien. Bis geklärt ist, um welche Art von Pelz es sich letztendlich handelt, wurde der Artikel vorsorglich aus dem Verkauf genommen [3].

Echtpelz ist oft günstiger als Kunstpelz

Das Beispiel zeigt, wie sehr trotz aller gesetzlichen Bestimmungen Betrug und Intransparenz im Handel mit Pelz- oder vermeintlichen Pelzprodukten an der Tagesordnung ist.

Galt Echtpelz früher als teuer und edel, ist er heute oft billiger zu haben als gut gemachtes Kunstfell. Das liegt auch an der Massentierhaltung, in der niedrige Tierschutzstandards gelten. Die hier billig produzierten Pelze werden fälschlicherweise als Kunstpelz deklariert.

So täuschen Hersteller die Kunden, indem sie sie in dem Glauben lassen, sie kaufen eine tierfreundliche Alternative. Es sei deutlich aufwendiger, diese Produkte künstlich herzustellen und aus Erdöl nachzubauen, betont Markus Muschkiet, Professor für Textillogistik an der Hochschule Niederrhein. Fallen die Pelze als Nebenprodukte in der Lebensmittelherstellung an, sind sie ohnehin billiger als Kunstpelze.

Pelzträger lebten früher gefährlich

Wer sich noch in den 1990er Jahren mit einem Pelz auf der Straße sehen ließ, musste damit rechnen, beschimpft oder mit Farbbeuteln oder anderen Dingen beworfen zu werden. Mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen macht die Tierschutzorganisation Peta seit Jahren auf das enorme Tierleid aufmerksam.

Mit Erfolg: Einige Luxusmarken verzichten seither auf Echtfell in ihren Kollektionen. 2019 gab die letzte Pelztierfarm in Deutschland, [4] in der tausende Nerze in winzigen, verschmutzten Gitterkäfigen gehalten wurden, ihren Betrieb auf.

Kunstpelze aus Chemiefasern – teuer und umweltschädlich

Als Ersatz für den in der Herstellung problematischen Echtpelz hat sich Kunstpelz im Handel weitgehend etabliert. Sogenannte Fake Fur-Pelze oder Funktionsjacken bestehen zum großen Teil aus synthetischen Fasern, sogenannten Nanogarnen. Synthetische Chemiefasern sind höchst bedenklich für die Umwelt, denn sie werden aus Rohöl hergestellt.

Ob beim Tragen, Reinigen oder Waschen – ständig wird Mikroplastik [5] in die Umwelt abgesondert. Auch was das Recycling angeht, sind Chemiefasern problematisch. Zudem sind moderne Fake-Fur-Mäntel teuer: Die Preise liegen zwischen 300 Euro bis zu 3.000 Euro. Mit Luxuslabel kostet ein Mantel auch gerne mal 7.000 Euro.

Alte Pelze aus Omas Zeiten erleben ein Comeback

Was tun mit Großmutters altem Nerz, der seit 50 Jahren ungenutzt im Kleiderschrank hängt? Er ist zwar nicht mehr modern, jedoch für die Kleidersammlung unter Umständen zu wertvoll.

Der Versicherungskaufmann Sebastian Brüning aus Mühldorf am Inn findet es schade, wenn Pelzmäntel in Kleiderschränken verrotten. [6]Deshalb handelt er im Nebenberuf mit gebrauchten Pelzen. Die teilweise 70 Jahre alten Mäntel seien oft wie neu und hätten eine hervorragende Qualität, schwärmt er.

Einen Pelzmantel herzustellen, war einst alte Handwerkskunst. Der Mantel sollte über Generationen hinweg weiter vererbt werden.

Für Vintage-Pelze hat sich mittlerweile ein regelrechter Markt entwickelt. Im Internet werden gebrauchte Persianer inzwischen ab 30 Euro aufwärts angeboten. Bis zum fluffigen großen Nerzmantel ab 80 Euro gibt es alles zu kaufen. Bedenkt man, was die Pelze vor 60 Jahren ihre Besitzer gekostet haben, scheinen diese Preise moderat.

Vintage-Label für alte, geprüfte Pelze

Wer zu Hause noch einen Nerz-, Zobel-, Chinchilla-, Fuchs- oder Designerpelz hat, kann ihn von Pelz- oder Modeexperten bewerten [7] und einen fairen Marktwert anhand von Kriterien wie Alter, Abnutzung und Design ermitteln lassen.

Das Schweizer Unternehmen Furmark [8] hat eine Marktlücke entdeckt und ein "umfassendes, weltweites sowie lückenloses Zertifizierungssystem" eingeführt. Furmark garantiert seinen Kunden, die Tierschutz- und Umweltstandards für seine Naturpelzprodukte konsequent einzuhalten.

Inzwischen hat der internationale Pelzverband ein neues Label namens Furcycle entwickelt, das die Herkunft, Qualität und Sicherheit von Vintage-Pelzen und gut erhaltenen Pelze aus zweiter Hand dokumentiert. Dafür muss kein Tier mehr sterben und es wäre nachhaltiger als eine neu produzierte Kunststoffjacke.

We Prefur – Pelze mit guter Ökobilanz?

Die Kaufhaus-Ketten hätten Pelze in Verruf gebracht, glaubt Wolfgang Lastner. Denn sie verkauften früher massenhaft Pelze aus Asien, deren Herkunft höchst zweifelhaft gewesen sei, erklärt der Vizepräsident des Zentralverbands des Kürschner-Handwerks. Mit seinem eigenen Label "We Prefur [9]" will er den guten Ruf des Pelzes wieder herstellen.

Das Label, das mit "natural & fair" wirbt, verspricht Transparenz. Kürschner aus Europa produzieren "langlebige, hochwertige Kleidung nachhaltig, ressourcenschonend und nach höchsten ökologischen Standards". Das Öko-Label garantiert, dass die Pelze nicht aus Pelztierfarmen stammen, sondern nur aus der Jagd und der Schädlingsbekämpfung.

Diese Felle würden ohnehin anfallen, weil bestimmte Tiere wegen Überpopulation bejagt werden müssten, so das Argument. So seien etwa Waschbär, Bisam, Nutria, Enok, aber auch Rotfuchs, Marder, Dachs zu einer Plage geworden, da sie keine natürlichen Feinde haben.

Bevor das Label gegründet wurde, seien höchstens zehn Prozent solcher Felle verarbeitet worden. Immerhin seien rund 440.000 Füchse hierzulande in der letzten Jagdsaison erlegt worden. Inzwischen verwerte man rund 50 Prozent davon.

Deutscher Tierschutzbund lehnt Echtpelze prinzipiell ab

Das Label "We Prefur" sei reines Marketing und folge der Argumentation der großen Jagdverbände, widerspricht Hester Pommerening, Pressesprecherin beim Deutschen Tierschutzbund. Das Argument, die Jagd sorge für ein ökologisches Gleichgewicht, sei eine absurde Rechtfertigung – und schlicht falsch.

Die meisten Pelztiere sind fleischfressende Beutegreifer. Lasse man den Bestand von Fuchs, Dachs & Co. in Ruhe, reguliere sich dieser von selbst. Die Jagd führe eher dazu dass man "die Population in die Höhe treibt, weil die Tiere den Druck auszugleichen versuchen".

Auch die Ökobilanz eines Pelzes sei nicht so gut, wie von "We Prefur" behauptet. So seien etwa 140 Arbeitsschritte nötig, um das Fell eines Tieres weich und seidig und das Leder geschmeidig zu machen. Für die Produktion eines echten Pelzes sei sechsmal so viel Energie nötig wie zur Herstellung eines künstlichen Webpelzes.  [10]

Fangeisen oder Käfighaltung: Pelztiere müssen qualvoll sterben

Rotfüchse, Kojoten, Wildkaninchen, Marder oder Waschbären werden weltweit mit verschiedenen Fallen für die Pelzproduktion gefangen. Die Fangeisen bestehen meist aus Fangbügeln, welche die Tiere einklemmen und schwer verletzen. Die Tiere kämpfen oft Stunden oder gar Tage unter Schmerzen um ihr Überleben.

Glaubt man dem Deutschen Tierschutzbund [11] sterben jährlich weltweit etwa 21 Millionen Tiere, darunter Nerze, Füchse, Marderhunde, Chinchillas und Kaninchen, für die Pelzindustrie. Ihr kurzes Leben vegetieren sie in engen Drahtkäfigen aus Gitterrosten, bevor sie auf brutale Weise getötet werden, berichtet der Tierschutzbund.

Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sieht im aktuellen Haltungssystem für Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas kaum Verbesserungsmöglichkeiten. Deshalb will sie nun den Weg für EU-weite Einschränkungen in der Pelztierhaltung [12] ebnen.

Wie unterscheidet man echten Pelz von Kunstpelz?

Wenn man leicht über den Pelz pustet, legt sich bei Echtpelz das dicke Deckhaar zur Seite und die leicht gekräuselte und feine Unterwolle kommt zum Vorschein. Kunsthaar ist starrer und unbeweglicher, häufig gleichlang und etwas klebrig im Griff. Während Kunstfell in gewebten Stoff genäht ist, fühlt sich der Untergrund von Echtfell oft natürlich an, denn es handelt sich um Leder, die Haut des Tieres.

Echtpelz wird mitsamt der Tierhaut verarbeitet. Kommt beim Auseinanderziehen der Haare am Ansatz Leder [13]zum Vorschein, handelt es sich um echtes Tierfell. Echtpelzhaare verbrennen genauso wie menschliches Haar mit Horngeruch. Kunstfell schmilzt dagegen zu kleinen Kugeln [14]und riecht nach verbranntem Plastik.


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[1] https://aninova.org/
[2] https://www.ihk-muenchen.de/ihk/Medien/Merkblatt-Textilkennzeichnung_2022.pdf
[3] https://www.br.de/nachrichten/bayern/echtpelz-statt-kunstpelz-aldi-sued-nimmt-produkt-aus-sortiment,V2teViU
[4] https://www.peta.de/neuigkeiten/cool_timeline/letzte-deutsche-pelzfarm-schliesst/
[5] https://www.br.de/nachrichten/wissen/mikroplastik-wandert-ins-gehirn-plastik,UbHIzoj
[6] https://www.br.de/nachrichten/bayern/fr-f-pelz-tragen-ja-oder-nein,V3kGILJ
[7] https://www.valuemystuff.com/de/kategorien/mode-vintage/vintage-pelzmaentel
[8] https://www.swissfur.ch/nachhaltigkeit-furmark/
[9] https://halfmann-pelzmanufaktur.de/weprefur/
[10] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/12/pelze-tragen-nachhaltigkeit-pelzmantel.html
[11] https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/tierschutz-im-alltag/pelz/
[12] https://euractiv.de/news/eu-naehert-sich-pelzverbot-nach-vernichtendem-bericht/
[13] https://www.peta.de/themen/echtpelz-oder-kunstpelz/
[14] https://www.stylight.de/Magazine/Fashion/Fake-Fur-Von-Echtem-Pelz-Unterscheiden/

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Exzellenz macht uns dumm

Von Urs Rathmann — 01. Januar 2026 um 12:00

Urs Rathmann

Grafik zeigt einen Kopf, über den ein Pokal gehlaten wird, der aber explodiert

KI generierte Grafik

Wie ein verheißungsvolles Schlagwort Denken ruiniert, Bildung industrialisiert und am Ende genau das zerstört, was es zu retten vorgibt.

Genauso, wie sich heutzutage markenrechtlich vogelfrei jeder Stammtisch spontan zu einer Akademie emporschwingen kann, wabert heutzutage das Lexem Exzellenz qualitätsungesichert durch den Sprachgebrauch vermag aber all dieser Unbill zum Trotze alleine schon beim Lesen den silberhellen Glockenklang von bestmöglicher Qualität und geistiger Rettung zu verleihen.

Zu epochalen Umbrüchen wie derzeit tönt dann bei der Berufung von Exzellenz-Texten so etwas wie orchestrale Hintergrundmusik zu Zitaten interessanter Denker wie Aristoteles, Steve Jobs und Mac Gyver, die Tipps zu Klima-, Energie- und persönlichen Problemen geben.

Solange konkrete Visiten solcher Denker aber ausbleiben, sind wir gerade jetzt mehr denn je darauf angewiesen zu verstehen, wie nach derzeitigem Stand der Dinge bestmögliches Denken funktioniert, das sowohl in Einzeldisziplinen, als auch in Hybrid-Sportarten wie Triathlon oder Realität stark macht.

Weil durch die genannten und viele andere Nöte der Zeitdruck steigt. Während gleichzeitig durch KI und ökonomische Aspekte Bildung immer mehr zur Bildungsindustrie wird – und damit zu kognitiven Erosionen und Ausschwemmung systemrelevanter Inhalte führt wie bei der Begradigung der Flüsse während der Industrialisierung zum Ausspülen von Phosphor und Stickstoff aus den Böden.

Anders gesagt: Wir optimieren uns in bester Absicht auf der Jagd nach Exzellenz mit den derzeit angesagten Techniken kaputt. Und es mutet nur bedingt systemrelevant an, was neben Psychologen auch Kreative und Hoch- und Höchstbegabungsvereine über exzellente Extrembedingungen des Denkens kommunizieren.

Die bekannten Betriebseigenschaften der Exzellenz

"Exzellenz ist keine Fähigkeit. Sie ist eine Einstellung", schrieb einst Ralph Marston, 1907-1967, Autor und Speaker, der ab 1995 jeden Tag einen Motivationsspruch veröffentlichte. Es sind meist zwei Gründe, wegen deren sich Menschen für Exzellenz interessieren.

Die meisten hätten gerne mehr davon. Wenige andere haben davon so viel, dass sie schwer vermittelbar sind mit der Normalität und dann Fachbücher über Exzellenz sichten zur Analyse des Verstandenwerdens oder zu ihrer eigenen Belustigung.

Natürlich unterrichten viele Nichtbetroffene es trotzdem. Denn es wird auch Kardiologen nicht abverlangt, selbst einen Herzinfarkt gehabt zu haben, um operieren zu dürfen. Aber es hat strategische Vorteile.

Excellence und Qualität in der Führung von Menschen entstehen laut deren Aussagen, wenn Wertschätzung, Wahrnehmung und Achtsamkeit Arm in Arm wo daherkommen. Das waren lange Zeit die funktionalsten Leitwerte für Qualität. Excellence ist aber mehr als das. Vor allem geht sie nicht in jedem Fall auch automatisch mit Freundlichkeit einher. Es gibt beides.

Die zwei Seiten der Exzellenz von Daniel Düsentrieb bis Darth Vader

Dementsprechend gibt es außer in Waldorfschulen fast immer verschiedene Meinungen über die Relevanz sozialer Kompetenzen im Hinblick auf Exzellenz. Einige Forscher gehen davon aus, dass soziale Umgangsformen und Empathiefähigkeit ein Zeichen von Intelligenz und damit Zugangsvoraussetzung von Exzellenz sind, so wie bei Albert Schweitzer oder Muhammed Yunus.

Albert Schweitzer (1875–1965) war Arzt, Philosoph, Theologe und Musiker mit manchmal Katzen auf und einem Reh neben dem Klavier. Er hat den Friedensnobelpreis dafür bekommen, dass er seine vielversprechende Karriere in Europa dafür aufgegeben hat, um im afrikanischen Lambaréné in Gabun ein Krankenhaus aufzubauen und Bedürftigen zu helfen.

Für dessen Finanzierung stand er in Zeiten des Kalten Krieges wie ein Profi-Diplomat in einem Buch von John le Carré mit verschiedensten Seiten im diplomatischen Austausch. Seine Philosophie setzt auf universelle Verantwortung für das Wohl aller Lebewesen, grundgelegt durch eine prinzipielle „Ehrfurcht vor dem Leben“, die ihm klar wurde beim Anblick einer Herde Nildpferde.

Schweitzers späterer Friedensnobelpreiskollege Muhammed Yunus (* 1940) ist der Erfinder des Mikrokredits. Die Grameen Bank des Sozialunternehmers, Autors, Redners und Professors für Ökonomie hat seit der Gründung über 30 Milliarden Dollar an mehr als 9,5 Millionen Menschen gegeben (Stand 2022), dies sonst nie eine Chance gehabt hätten.

97 Prozent davon sind Frauen und die Rückzahlungsrate beträgt über 96 Prozent. Damit hat er nicht nur gezeigt, dass soziales Engagement ein wirksames Instrument zur Armutsbekämpfung ist, sondern dass sich das auch finanziell lohnt.

Es sei denn, man ist vergesslich: Yunus konnte darum 2006 die Taxifahrt in Oslo zur Nobelpreisverleihung nicht bezahlen. Aber ein Mitarbeiter der norwegischen Regierung erkannte ihn und half aus.

Die dunkle Seite der Macht

Diesen überaus liebenswerten Vertretern zutiefst menschlicher Exzellenz stehen Gegenbeispiele entgegen wie Thomas Edison oder Steve Jobs.

"The only way to do great work ist to love, what you do", meinte ausgerechnet letzterer, das Computergenie, das Mitarbeiter schlecht zu behandeln liebte, seine Tochter aber nicht; er verleugnete bis zu einem DNA-Test die Vaterschaft und benannte stattdessen einen Computer nach ihr.

Dem Erfinder und Unternehmer Edison (1847 - 1931) verdanken wir u.a. wegen seiner 1093 Patente eine eigens nach ihm benannte Kreativitätstechnik, den ersten Phonographen, die Filmkamera, die Nutzbarmachung der Glühbirne und angeblich auch den elektrischen Stuhl.

Der war ursprünglich dafür gedacht, den Konkurrenten Tesla mitsamt seiner Idee der Wechselstrom-Technologie zu diskreditieren und er ließ dafür Tiere mit Strom töten von Katzen und Hunden bis hin zu einem Elefanten.

Hätte Edison Tesla vereinbarungsgemäß bezahlt, also Tesla noch bei Edison angestellt war, wäre es vielleicht nicht zu diesem Zwist gekommen. Aber Edison war jemand der nicht nur die Ideen seiner Mitarbeiter als eigene vermarktete, sondern sich auch im Umgang mit Ehefrau und Kindern tendenziell eher subexzellent präsentierte.

Auch Elon Musk macht es seinem Umfeld nicht leicht, weder seinen manchmal zeitgleich genutzten Partnerinnen noch den geschätzt elf Kindern und seinen Mitarbeitern, von denen er 100 Arbeitsstunden pro Woche erwartet.

Die Mischformen beider Extreme sind am interessantesten. Wie oft sitzt man nicht vor Menschen, so gutherzig, dass sie einer unbegrenzten Festanstellung beim Weihnachtsmann würdig schienen, und so klug, dass man geneigt wäre, sie als Berater der eigenen Tätigkeit zu buchen – wenn nicht aus anderen Quellen von den zweiten Gesichtern solcher Industrieschauspieler viel bekannt wäre.

Nichtsdestotrotz sind solche ethischen Grenzgestalten oft kurz- und mittelfristig sehr leistungsfähig. Langfristig nicht.

Wenn Federn durch die Haut brechen

Zusammenfassend zeigt sich Exzellenz also alleine schon bei dieser Nachfrage nach den menschlichen Hintergrundvoraussetzungen als ein weit gefasster, um nicht zu sagen wertneutraler bis kontextabhängiger Begriff. Umso interessanter scheint mir, dass alle exzellenten Denker, denen ich begegnen durfte oder über die ich gelesen habe, dieser Sorte immer etwas gemeinsam zu haben schienen.

Nennen Sie es "Tiefe" oder "Breite", "Charisma" oder "Inspiration". Diese Menschen sind auf je verschiedene Arten "anders" als andere, aber die von ihnen ausgehende Wirkung ist immer gleich. Das betrifft auch die Produkte und Gedanken solcher Menschen, die ähnlich wirken.

Theoretische Psychologen wurden diese Wirkung Schönheitsempfinden nennen. Wer selbst dafür keine Worte hat, kann sich locker, welche von Platon ausleihen.

Der hat dieses Wirkung im Phaidros (251a-c) beschrieben als eine Gefühl, als ob die Seele Flügel bekäme und wachsen wollte, wie ein sanfter Schmerz, eine Mischung aus Sehnsucht und Freude, als ob einem Federn durch die Haut brächen.

Mit so blumigen Metaphern sind wir zwar in der Analyse keinen Deut weiter – aber jeder weiß, was gemeint ist. Damit wiederum kommen wir unabhängig von menschlichen Qualitäten und der scheinbaren Unmöglichkeit einer punktgenauen Definition von Exzellenz zu der Folgefrage: Was macht, exzellentes Denken rein technisch, also systemisch und neurophysiologisch aus?

Und das klären wir demnächst.


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Lastwagengruppe: China testet mobile elektromagnetische Drohnenkatapulte

Von Andreas Donath — 31. Dezember 2025 um 19:01
Aufnahmen aus einer chinesischen Werft zeigen ein mobiles elektromagnetisches Katapultsystem für Drohnen , auf einem LKW montiert.
LKW-Anhänger mit Katapult und Drohne (Bild: Chinesisches Internet/TWZ)
LKW-Anhänger mit Katapult und Drohne Bild: Chinesisches Internet/TWZ

China scheint mobile Drohnenkatapulte zu bauen, die per elektromagnetischer Kraft arbeiten und auf LKW montiert sind. Ein solches Exemplar wurde auf dem Hudong-Zhonghua-Gelände in Shanghai fotografiert, wie The War Zone berichtet .

Die Bilder, die seit vergangener Woche online kursieren, zeigen mindestens drei achtachsige Lastwagenanhänger mit ungewöhnlicher Konfiguration. Die Anhänger sind offenbar dafür konstruiert, verbunden zu werden und eine durchgehende ebene Fläche zu bilden. Auf dem hinteren Lkw-Anhänger sitzt ein Drohnenprototyp, dessen Bugrad wohl in einem Katapultschlitten fixiert ist. Wie das System mit Strom versorgt wird, ist nicht erkennbar.

Über jedem Anhängerrad sind radzylindrische Trommeln angebracht, die Teil eines selbstnivellierenden Federungssystems sein könnten, um die einzelnen Teile der Startbahn miteinander zu verbinden.

Entwicklung mobiler Starttechnologie

Satellitenbilder von Planet Labs vom 28. Dezember 2025 zeigen vier Lkw, die an einem Pier der Werft aufgereiht stehen. Trotz niedriger Auflösung trägt ein Fahrzeug eindeutig eine Drohne. Mehrere weitere Drohnenprototypen sind an anderen Stellen des Piers zu sehen.

Das chinesische Unternehmen Tiantao Technology hatte laut The War Zone im August 2025 Pläne für ein modulares elektromagnetisches Katapultsystem vorgestellt. Das Konzept beinhaltet zehnachsige Segmente, die einige Designelemente mit den nun fotografierten Lkw von Hudong-Zhonghua gemeinsam haben, obwohl deutliche Unterschiede bestehen. Die achtachsige Version könnte eine frühere Entwicklungsphase darstellen.

Nach Angaben von Tiantao Technology soll das System Fluggeräte bis 2,2 Tonnen handhaben können. Das Unternehmen gibt an, die Gesamtlänge der Startstrecke könne je nach Anforderung zwischen 20 und 60 Metern liegen. Chinas amphibisches Angriffsschiff Sichuan Typ 076 verfügt ebenfalls über ein elektromagnetisches Katapult.

Die elektromagnetische Katapulttechnologie bietet Vorteile gegenüber dampfbetriebenen Lösungen, darunter schnellere Rücksetzzeiten zwischen den einzelnen Starts und eine präzisere Kraftverteilung. Ein bodengestütztes System wäre besonders für Inseloperationen im Pazifikraum relevant. Die Inseln könnten dann als unsinkbare Flugzeugträger verwendet werden, ohne dass verwundbare Start- und Landebahnen erforderlich sind.

Das Konzept weist Parallelen zu historischen Entwicklungen auf. Das U.S. Marine Corps betrieb während des Vietnamkriegs das Short Airfield for Tactical Support -System, das trägertypische Katapulte und Fanghaken auf dem Land ermöglichte.

Das Short Airfield for Tactical Support-System geht auf Versuche mit Holzplanken im Zweiten Weltkrieg und perforierten Stahlmatten im Koreakrieg zurück. Kernstück der SATS-Anlage ist die AM-2-Matte, ein 3,8 cm dickes Aluminiumpanel mit rutschfester Beschichtung, das im Ziegelsteinmuster verlegt wird. Die Matten werden auf Paletten angeliefert und können mit Gabelstaplern verlegt werden, wobei im Vietnamkrieg nur eine Crew von 16 Mann erforderlich war.

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New York City: Bürgermeister-Amtseinführung mit Raspberry-Pi-Verbot

Von Andreas Donath — 31. Dezember 2025 um 18:30
Neben Waffen und Drohnen steht nun auch der beliebte Raspberry-Pi auf der Liste verbotener Gegenstände. Die Maker-Community ist irritiert.
Raspberry Pi 5 (Bild: Johannes Hiltscher/Golem)
Raspberry Pi 5 Bild: Johannes Hiltscher/Golem

Der designierte Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, plant für seine Amtseinführung eine öffentliche Party. Alle Stadtbewohner sind eingeladen. Doch die Veröffentlichung der Verbotsliste sorgt für Aufsehen: Neben Waffen, Sprengstoff und Drohnen taucht dort auch der Raspberry Pi auf, berichtet The Register.

Raspberry Pi zwischen Laserpointern und Flipper Zero

Auf der Liste der untersagten Gegenstände findet sich der kleine Einplatinencomputer in illustrer Gesellschaft: Laserpointer, der umstrittene Flipper Zero und weitere Geräte vervollständigen die Aufzählung. Die Maker-Plattform Adafruit machte auf die ungewöhnliche Aufnahme des Raspberry Pi in der Liste aufmerksam.

Flipper Zero als Vorbild für Verbote

Der Flipper Zero polarisiert bereits seit seiner Markteinführung. Für die einen ist er ein Lernwerkzeug zum Verständnis von Funksignalen, für andere ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Das Gerät verfügt über RFID- und NFC-Module, mit denen sich theoretisch Zugangskarten klonen und Smartphones unbenutzbar machen lassen.

Raspberry-Pi-Computer bieten vergleichbare oder sogar erweiterte Funktionen. Allerdings benötigen sie zusätzliche Komponenten und kommen nicht im kompakten, batteriebetriebenen Taschenformat wie spezialisierte Sicherheitstest-Tools daher.

Smartphones bleiben erlaubt

Adafruit kritisiert das Verbot als inkonsistent. Moderne Smartphones verfügen über leistungsstarke Prozessoren, mehrere Funkmodule und umfangreiche Programmiermöglichkeiten. Sie könnten theoretisch für dieselben Zwecke missbraucht werden, die bei einem Raspberry Pi Sicherheitsbedenken auslösen.

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xAI-Expansion: Musk kauft Rechenzentrum-Anlage in Mississippi

Von Andreas Donath — 31. Dezember 2025 um 18:02
Elon Musks KI-Firma xAI expandiert weiter – direkt neben dem Colossus-Datencenter in Memphis kommt nun eine neue Anlage hinzu.
xAI baut aus (Bild: xAI)
xAI baut aus Bild: xAI

Das KI-Unternehmen xAI von Elon Musk hat laut Grundbucheinträgen einen großen Gebäudekomplex in Southaven im US-Bundesstaat Mississippi erworben. Die neue Anlage liegt nur wenige Kilometer südlich der Staatsgrenze zu Tennessee, wo xAI bereits das Colossus-Rechenzentrum in Memphis betreibt.

Die Nachricht stammt von der Fachpublikation The Information , die entsprechende Unterlagen einsehen konnte. Musk will am Standort Memphis das nach eigenen Angaben größte KI-Rechenzentrum der Welt aufbauen. Neben dem bestehenden Colossus-Komplex entsteht dort bereits eine zweite Anlage mit der internen Bezeichnung Colossus 2. Den Kauf der Anlage bestätigte Musk mittlerweile auf X.

Was ist geplant? – Eine halbe Million Nvidia-Chips

Die Dimensionen des Projekts sind beachtlich. Musk schrieb Anfang 2025 auf seiner Plattform X, dass Colossus 2 letztendlich 550.000 Chips von Nvidia aufnehmen soll. Branchenkenner schätzen die Investitionskosten für eine solche Ausstattung auf mehrere Dutzend Milliarden US-Dollar. XAI hat bislang keine konkreten Zahlen genannt.

Die aggressive Expansion spiegelt einen Branchentrend wider: Rechenleistung ist zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor in der KI-Entwicklung geworden. Tech-Konzerne konkurrieren massiv um Chipmengen und Infrastruktur für das Training komplexer KI-Modelle.

Bloomberg News berichtete bereits im Frühjahr, dass xAI rund 20 Milliarden US-Dollar über eine Mischung aus Krediten und Eigenkapital einsammeln wolle. Ein Teil davon fließt in den Kauf von Nvidia-Prozessoren für Colossus 2 .

Warum Mississippi? – Strategische Lage nutzt Memphis-Infrastruktur

Die Entscheidung für Southaven deutet auf logistische oder regulatorische Vorteile hin. Die Stadt liegt direkt südlich von Memphis und könnte xAI erlauben, bestehende Infrastruktur und Stromnetz-Anbindungen zu nutzen, während gleichzeitig unterschiedliche Förderprogramme der Bundesstaaten zum Tragen kommen.

Rechenzentren benötigen enorme Strommengen. Die Nähe zu Memphis ermöglicht möglicherweise gemeinsame Ressourcennutzung bei gleichzeitiger Lastverteilung über verschiedene Energieversorger.

XAI lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Das Unternehmen kommuniziert generell wenig über operative Pläne – abgesehen von gelegentlichen Social-Media-Posts des Firmengründers.

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Ostrich-Effekt: Ab wann Menschen unangenehme Wahrheiten meiden

Von Matthias Lindner — 31. Dezember 2025 um 16:19

Matthias Lindner

Grafik, die einen Strauß zeigt, der seinen Kopf in den Sand steckt.

(Bild: Shaurya_Nigam / Shutterstock.com)

Aus neugierigen Fragestellern werden plötzlich Informationsvermeider – Forscher haben herausgefunden, wann genau dieser Wandel einsetzt.

Der sogenannte Ostrich-Effekt [1](oder auch: Vogel-Strauß-Effekt) beschreibt ein Phänomen, das viele Eltern aus ihrem eigenen Alltag kennen: Man steckt den Kopf in den Sand, wenn Informationen unangenehm werden. Der Arzttermin [2] wird verschoben, die Waage gemieden, kritische Nachrichten [3] ausgeblendet.

Doch wann genau entwickelt sich dieses Vermeidungsverhalten? Eine aktuelle Studie der University of Chicago liefert überraschende Antworten – und zeigt, dass der Wandel früher einsetzt als gedacht.

Von der Neugier zur Vermeidung

Forscher um die Postdoktorandin Radhika Santhanagopalan untersuchten in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht wurde, wie sich das Informationsverhalten von Kindern mit dem Alter verändert.

Die zentrale Frage: Wann werden aus neugierigen Kleinkindern, die endlose Fragen stellen, Menschen, die unbequeme Wahrheiten lieber nicht wissen wollen?

Die Ergebnisse sind für Eltern aufschlussreich. Während Fünf- und Sechsjährige noch aktiv nach Informationen suchten, zeigten Kinder zwischen sieben und zehn Jahren bereits deutliche Tendenzen, Informationen strategisch zu meiden – besonders dann, wenn diese negative Gefühle auslösen könnten.

"Um die Ursprünge von Entscheidungsverhalten zu verstehen – und wie es sich im Laufe der Zeit verändert –, sind Kinder die einzige Bevölkerungsgruppe, die Aufschluss darüber geben kann", erklärte Santhanagopalan laut einer Mitteilung [4] der University of Chicago.

Fünf Gründe für den Ostrich-Effekt

Für ihre Untersuchung entwickelten die Wissenschaftlerinnen – neben Santhanagopalan arbeiteten die Professorinnen Jane Risen von der Booth School of Business und Katherine Kinzler vom Fachbereich Psychologie mit – fünf kindgerechte Szenarien.

Diese sollten verschiedene Motive für Informationsvermeidung abbilden: die Vermeidung negativer Emotionen wie Angst oder Enttäuschung, das Ausweichen vor negativen Informationen über die eigene Beliebtheit und Kompetenz, der Schutz vor Herausforderungen eigener Überzeugungen, das Bewahren persönlicher Vorlieben und das Handeln im Eigeninteresse.

Ein Beispiel verdeutlicht das Vorgehen: Jedes Kind sollte sich seine Lieblingssüßigkeit und die am wenigsten gemochte Süßigkeit vorstellen. Anschließend wurden die Kinder gefragt, ob sie ein Video darüber sehen wollten, warum der Verzehr dieser Süßigkeit schlecht für die Zähne ist.

"Wir haben festgestellt, dass jüngere Kinder wirklich Informationen suchen wollten, während ältere Kinder diese Vermeidungstendenzen zeigten", berichtete Santhanagopalan [5] laut Medical Xpress.

Schulnoten als Ausnahme vom Ostrich-Effekt

Bemerkenswert ist eine Ausnahme: Bei Informationen über die eigene Kompetenz zeigte sich der Ostrich-Effekt nicht. Kinder aller Altersgruppen hatten keine Angst davor, zu erfahren, ob sie in einem Test schlecht abgeschnitten hatten.

Santhanagopalan vermutet, dass dies mit der in Schulen geförderten Wachstumsmentalität zusammenhängen könnte. Kinder erhielten ständig die Botschaft, dass sie ihre Fähigkeiten durch Anstrengung verbessern können – und wüssten daher, dass sie das Ergebnis potenziell verändern könnten.

Wenn Unwissenheit zum moralischen Spielraum wird

Besonders aufschlussreich war ein Experiment zum sogenannten moralischen Spielraum [6]. Dabei wurden Kindern zwei Eimer mit Aufklebern präsentiert – einer bot ihnen selbst mehr Sticker als der andere. Wie viele Aufkleber ihr Partner aus jedem Eimer bekommen würde, blieb verborgen. Vor der Wahl konnten die Kinder erfahren, wie viele Sticker der Partner erhalten würde.

Obwohl diese Information kostenlos war, vermieden ältere Kinder zunehmend, sie zu erfahren. "Der moralische Spielraum ermöglicht es ihnen, die für sie selbst vorteilhafte Belohnung zu wählen und gleichzeitig die Illusion von Fairness aufrechtzuerhalten", erklärte Santhanagopalan. Dieser Schleier der Unwissenheit erlaube es ihnen, im Eigeninteresse zu handeln, ohne sich schuldig fühlen zu müssen.

Was Eltern tun können

Zu viel Vermeidungsverhalten kann problematische Folgen haben, warnt die Forscherin. Es könne zu politischer Polarisierung [7] oder ideologischer Verhärtung [8] beitragen.

Um den Ostrich-Effekt bei Kindern zu reduzieren, empfiehlt Santhanagopalan Eltern, gemeinsam mit ihren Kindern zu reflektieren, warum sie bestimmte Informationen meiden – möglicherweise priorisieren sie kurzfristigen Komfort gegenüber langfristigen Vorteilen.

Hilfreich könne es sein, unangenehme Informationen als nützlich und wertvoll umzudeuten. Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein Eingreifen, solange Kinder noch jung sind, sie vor Vermeidungsfallen bewahren könnte. Auch die Fähigkeit, ein gewisses Maß an Unsicherheit zu tolerieren und sogar zu akzeptieren, könne dabei helfen, nicht dem Ostrich-Effekt zum Opfer zu fallen.

Wenn alles andere fehlschlägt, rät die Wissenschaftlerin zu einer einfachen Strategie: Tun Sie das, was Kinder von Natur aus am besten können – folgen Sie Ihrer Neugier.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde zuerst am 02. November 2025 veröffentlicht.


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[1] https://www.heise.de/tp/article/Warum-Patienten-Gesundheitsinfos-meiden-Ursachen-Folgen-und-Loesungen-10966171.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Arzttermin-gegen-Bargeld-Die-neue-Normalitaet-im-deutschen-Gesundheitssystem-10518313.html
[3] https://www.heise.de/tp/article/Millionen-Deutsche-leben-in-Parallelwelten-und-wissen-nichts-voneinander-11087180.html
[4] https://news.uchicago.edu/story/origins-ostrich-effect
[5] https://medicalxpress.com/news/2025-09-ostrich-effect-age.html
[6] https://www.heise.de/tp/article/Studie-warnt-Kuenstliche-Intelligenz-verleitet-Menschen-zu-unehrlichem-Verhalten-10666687.html
[7] https://www.heise.de/tp/article/Wie-Algorithmen-in-sozialen-Medien-unbemerkt-politische-Emotionen-steuern-11096627.html
[8] https://www.heise.de/tp/article/TikTok-Wie-Misstrauen-gegen-Staat-und-Medien-viral-geht-10674299.html

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Störungsmeldung vom 29.12.2025 10:30

Von heise online — 29. Dezember 2025 um 10:30

Neue Störungsmeldung für Provider 1&1

Details

Beginn
29.12.2025 10:30
Region
Berlin (030)
Provider
1&1
Zugangsart
VDSL

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Störungsmeldung vom 28.12.2025 18:43

Von heise online — 28. Dezember 2025 um 18:43

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
28.12.2025 18:43
Region
Langwedel (Kr Verden) (04232)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

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