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Anzeige: Große 145-W-Powerbank von Ugreen fast zum halben Preis

Von Erik Körner — 23. Februar 2026 um 18:38
145 W, 25.000 mAh, drei Anschlüsse, Display: Eine leistungsstarke Ugreen-Nexode-Powerbank gibt es bei Amazon für unter 50 Euro.
Die Ugreen Powerbank mit 145 W Spitzenleistung, 25.000 mAh Akku und drei Anschlüssen (Bild: Amazon.de/Ugreen/Golem)
Die Ugreen Powerbank mit 145 W Spitzenleistung, 25.000 mAh Akku und drei Anschlüssen Bild: Amazon.de/Ugreen/Golem

Vor wenigen Jahren hat man Laptop-Powerbanks praktisch nicht für unter 100 Euro bekommen. Deren dreistellige Spitzenleistungen und überdurchschnittlich großen Akkus waren etwas, das sich allenfalls Tech-Enthusiasten leisten konnten. Das hat sich zum Glück geändert. Im Amazon-Angebot kann man eine 145 W starke Powerbank von Ugreen derzeit für weniger als 50 Euro statt für knapp 90 Euro bestellen. Der Rabatt gilt maximal bis zum 4. März. Laut Amazon ist die Nachfrage groß, wir empfehlen, schnell zuzugreifen.

Darum lohnt sich die Powerbank von Ugreen

Ugreens Powerbank lädt bis zu drei Geräte gleichzeitig auf. Zwei USB-C-Anschlüsse liefern jeweils bis zu 140 beziehungsweise 65 W Ausgangsleistung, ein USB-A-Anschluss bis zu 22,5 W. Entsprechend lassen sich von Smartphones über Handheldkonsolen bis zu Laptops die meisten tragbaren Geräte mit Strom versorgen. Bei mehreren angeschlossenen Geräten beläuft sich die maximale Ausgangsleistung auf 145 W.

Ein großer Vorteil der Ugreen-Powerbank sind die kurzen Ladezeiten. Ein Macbook Pro 2023 etwa soll in 30 Minuten von 0 auf 54 Prozent geladen werden. Schnellladeprotokolle wie Power Delivery, Quick Charge oder Samsungs Programmable Power Supply garantieren eine optimale Ladeleistung, unabhängig vom Gerätehersteller. Mit einem 65-W-Charger soll die Powerbank außerdem in nur zwei Stunden vollständig geladen sein. Praktisch: Mit Passthrough-Charging kann die Powerbank gleichzeitig geladen werden und andere Geräte laden.

Ausgestattet mit einem 25.000 mAh großen Akku ist Ugreens Powerbank je nach Endgerät groß genug für mehrere Ladungen. Laut Hersteller lädt sie etwa ein Macbook Air 13 Zoll bis zu 1,3-mal auf, ein iPad Pro 11 Zoll bis zu 1,8-mal oder ein iPhone 16 Pro bis zu 4,7-mal. Ein kleines Display an der Seite des Gehäuses zeigt den Akkustand in Prozent an. Trotz hoher Kapazität darf die Powerbank auf Flügen ins Handgepäck.

Powerbanks, USB-Ladegeräte und mehr: Hohe Rabatte auf Ugreen-Produkte

Amazon verkauft Ugreens Powerbank 47 Prozent günstiger. Im befristeten Angebot kostet sie 47,49 Euro statt der unverbindlichen Preisempfehlung von 89,99 Euro.

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Mehr spannende Angebote findet man in Ugreens Amazon-Store . Weitere Powerbanks und USB-Ladegeräte, aber auch USB-Hubs, LAN-Adapter oder Mac-mini-Docks sind bis zu 44 Prozent reduziert. Hier geht es zur Übersicht aller Deals. Stöbern lohnt sich.

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Anzeige: Bluetooth-Tracker in Kartenform für nur 17,08 Euro

Von Antje Lüth — 23. Februar 2026 um 18:12
Amazon hat einen Bluetooth-Tracker von Ugreen im Angebot, der mit seinem Kartenformat in Geldbeutel und Brieftasche passt.
Bluetooth-Tracker Ugreen FineTrack Slim (Bild: amazon.de/ugreen)
Bluetooth-Tracker Ugreen FineTrack Slim Bild: amazon.de/ugreen

Oft genügt ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und wichtige Gegenstände und Dokumente sind weg: Der Geldbeutel bleibt im Café liegen, der Rucksack wird im Bus vergessen oder der Reisepass fällt im Gedränge aus der Tasche. Wer auf solche Situationen vorbereitet sein will, sollte die wichtigsten Wertsachen mit einem Bluetooth-Tracker ausstatten, der über das Smartphone geortet werden kann.

Eine schlanke Lösung ist der Ugreen Fine Track Slim im praktischen Scheckkartenformat. Es passt diskret in den Geldbeutel oder in die Brieftasche und ist mit Apple-Geräten kompatibel. Bei Amazon ist er zurzeit im Preis reduziert.

Bluetooth-Tracker im Kartenformat

Mit 1,7 Millimetern ist der Ugreen FineTrack Slim kaum dicker als eine Münze und fügt sich problemlos zwischen Bankkarten und Ausweisdokumenten ein. Auch im Rucksack, in der Laptoptasche oder im Handschuhfach leistet er wertvolle Dienste. Die Einrichtung erfolgt unkompliziert durch Herstellung einer Bluetooth-Verbindung mit dem iPhone oder iPad, unterstützt werde Geräte ab iOS oder iPadOS 14.5.

Lokale und weltweite Suche

Bei Verlust eines Gegenstands lässt sich der Bluetooth-Tracker direkt über die Wo-ist?-App lokalisieren. Sollte sich der noch in Reichweite befinden, können Nutzer zusätzlich ein akustisches Signal auslösen, das mit einer Lautstärke von 80 Dezibel selbst aus dem vollgepackten Koffer gut zu hören ist. Damit es gar nicht erst zur Suche kommen muss, wird außerdem durch eine App-Benachrichtigung darüber informiert, wenn ein Gegenstand vergessen wurde und man sich aus dem Einzugsbereich entfernt.

Fällt der Verlust erst zu Hause auf, unterstützt Apples globales Find-My-Netzwerk bei der Suche. Sobald sich ein iPhone oder iPad in der Nähe des Bluetooth-Trackers befindet, wird der Standort anonymisiert übermittelt. Dieser kann in der App dann mitsamt einer Kartenansicht und genauer Routenführung abgerufen werden.

Wetterfest und ausdauernd

Aufgrund der IP68-Zertifizierung ist die Tracking-Karte gegen Staub und Spritzwasser geschützt, so dass sie für längere Zeit unbeschadet im Freien liegen kann. Betrieben wird sie mit einem Akku, der über den mitgelieferten Magnetstecker aufgeladen wird und bis zu zwölf Monate durchhält.

Der Bluetooth-Tracker von Ugreen im Angebot

Bei Amazon gibt es den Bluetooth-Tracker FineTrack Slim von Ugreen zurzeit für 17,08 Euro, das sind 22 Prozent unter dem Normalpreis. Wer seine Wertsachen diskret vor Verlust schützen möchte, sollte bei diesem Deal schnell zugreifen, denn er ist befristet.

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UGREEN FineTrack Slim kompatibel mit Apple Find My (nur iOS), Bluetooth Tracker, IP68 Wasserdicht, wiederaufladbarer Geldbörsenfinder, SmartTag Tracker Karte für Wallet, Reisepässe, Gepäck

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Neben dem FineTrack Slim hat Amazon weitere Bluetooth-Tracker von Ugreen im Angebot. Der Ugreen Fine Track mit Öse für Gepäck oder Schlüsselbund ist im Viererpack mit 35 Prozent Rabatt für 25,99 Euro erhältlich.

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UGREEN Finetrack 4er Pack unterstützt USB C Aufladen, Bluetooth Tracker kompatibel mit Apple Find My (nur iOS), Smarttag bis zu 12 Monate Akkulaufzeit, Finder für Schlüssel, Koffer, Pass

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Ebenfalls reduziert ist der Ugreen Fine Track S für Samsung-Galaxy-Smartphones. Im Zweierpack kostet er mit 27 Prozent Rabatt 21,98 Euro.

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UGREEN FineTrack S Kompatibel mit Samsung SmartThings, Smarttag mit 550 Tagen Batterielaufzeit, Rückwärtssuche des Handys, 7 Tage Verlaufsverfolgung, Bluetooth Tracker für Galaxy Handy (2 Stück)

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Eine Übersicht über alle reduzierten Bluetooth-Tracker von Ugreen und anderen Herstellern ist hier zu finden:

Angebote für Bluetooth-Tracker bei Amazon

Weitere Informationen zum Thema haben wir in unserem Technik-Ratgeber zusammengestellt, in dem wir Modelle mehrerer Hersteller vergleichen und häufig gestellte Fragen beantworten.

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Integrationskurse gestrichen: Warum Hamburg den Bund attackiert

Von Frank Berno Timm — 23. Februar 2026 um 12:00
Euromünze mit Sprechblase hindert Puzzleteil am Einsetzen in ein in ein Puzzle in BRD-Farben

Der Bund streicht Kurse für 130.000 Menschen – doch die Rechnung geht nicht auf. Drei Senatorinnen sprechen von Zynismus.

Die Pressemeldungen [1] des Hamburger Senats sind für gewöhnlich (relativ) neutral gehalten – oder sie berichten davon, was Hamburg alles Großartiges macht. Diese hier [2] fällt aus der Art.

Scharfe Kritik aus Hamburg

Es geht um den Stopp der Zulassungen zu Integrationskursen für bundesweit rund 130.000 Migranten. Drei Senatorinnen der Hansestadt werden mit scharfen Worten der Kritik zitiert.

Die Erklärung bezieht sich auf ein Schreiben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vom 9. Februar an die Träger von Integrationskursen nach Paragraph 44 Abs. 4 Aufenthaltsgesetz. Im laufenden Haushaltsjahr würden "bis auf Weiteres keinerlei Zulassungen für die Teilnahme an Integrationskursen" erteilt.

Wer ist betroffen – und wer kann sich Selbstzahlung leisten?

Asylbewerber, Geduldete, Menschen aus der Ukraine und EU-Bürger würden nicht mehr im Rahmen verfügbarer Kursplätze zur Teilnahme zugelassen. Bereits erteilte Zulassungen blieben gültig, Träger könnten "anfragende Personen, die keine Zulassungen erhalten können, als Selbstzahlende in die Kurse aufnehmen".

Das ist interessant. Asylbewerber erhalten nämlich rund 20 Prozent weniger Geld als Sozialhilfeempfänger, einige "Bedarfe" seien herausgerechnet worden. Hier [3] ist zu lesen, was u. a. dazu gehört:

"[…] (darunter Ausgaben für Datenverarbeitungsgeräte und Software, für außerschulische Sport- und Musikkurse sowie für Kurse zum Erwerb von Bildungsabschlüssen) […]."

Aber was hat das BAMF bislang für die Integrationskurse bezahlt? Die Rechnung ist einfach: In der Regel, erläutert das Bundesamt [4], einen Kostenbeitrag von 2,29 Euro pro Unterrichtsstunde. Für einen Kurs von 700 Stunden sind 1.603 Euro fällig.

Spätaussiedler, Asylbewerber "mit guter Bleibeperspektive" oder Einreise vor dem 1.8.2019, Geduldete und Migranten mit Aufenthaltserlaubnis sind laut BAMF vom Kostenbeitrag befreit. "Unter bestimmten Voraussetzungen" könnten auch Leute mit anderen Aufenthaltstiteln, deutsche Staats- und EU-Bürger befreit werden. Ein Überblick ist kompliziert, weil "überjährige" Kurse erst nach ihrem Ende bezahlt werden. Entweder fehlen dem Bundesamt 130.000 mal 1.603 Euro (gut 2,8 Millionen Euro) in der Kasse, oder die Streichung hat andere Gründe.

Erfolgsgeschichte Spracherwerb – laut BAMF selbst

Dabei hat das Bundesamt selbst noch Mitte Dezember per Mitteilung [5] wissen lassen, trotz der hohen Flüchtlingszahlen 2015/16 ziehe eine "Kurzanalyse" zu Spracherwerb und Sprachförderung Geflüchteter eine positive Bilanz:

"Mehr als 90 Prozent der über 6.300 Befragten aus diesen Jahrgängen verfügen heute nach eigenen Angaben über Deutschkenntnisse auf mittlerem, gutem oder sehr gutem Niveau."

Und weiter heißt es:

"Sprachkenntnisse unterstützen bei der Alltagsbewältigung, erleichtern den Aufbau sozialer Beziehungen und erhöhen die Chancen der Arbeitsmarktteilhabe".

Milliarden-Etat, aber kein Geld?

Aber wie viel Geld fehlt denn nun? Das Bundesinnenministerium (BMI) verweist auf Telepolis-Anfrage auf die FAQ-Website des Hauses [6] (!):

  • Die Integrationskurse sollen weitergehen. "Das zeigt sich auch daran, dass im laufenden Haushaltsjahr rund 1 Mrd. Euro dafür eingeplant sind. Auch für 2027 sind erhebliche Mittel vorgesehen: aktuell rund 650 Millionen Euro. Alles Weitere obliegt den anstehenden Haushaltsverhandlungen. Im Zuge dessen werden auch die sinkenden Ankunftszahlen berücksichtigt".
  • Im Jahr 2021 seien 482 Millionen Euro, 2022 594 Millionen Euro, 2023 966 Millionen Euro, 2024 1.245 Millionen Euro und 2025 1.333 Millionen Euro an Haushaltsmitteln in die Finanzierung von Integrationskursen geflossen. "Das entspricht einem Anstieg von 177 Prozent innerhalb von fünf Jahren".
  • Überraschend ist, dass das Ministerium nicht von einer Streichung für Ukrainer spricht: Wenn ihre Sprachkenntnisse zur Integration in den Arbeitsmarkt nicht ausreichend seien, "können Sie zu einem Integrationskurs verpflichtet werden, der für sie dann kostenlos ist, sofern sie die Kosten nicht selbst tragen können".

Offene Fragen und mögliche Zusammenhänge

Das wirft Fragen auf. Fehlt nun Geld für die Integrationskurse oder nicht? Die Antwort lässt das BMI auf erneute Telepolis-Anfrage zunächst offen. Wäre es bösartig, Zusammenhänge zur Verlängerung der Grenzkontrollen [7] zu unterstellen, die der Innenminister angekündigt hat und als "ein Element der Neuordnung der Migrationspolitik" bezeichnet?

In der Hansestadt Hamburg jedenfalls leben [8] rund 42.000 Migranten in den verschiedenen Flüchtlingsunterkünften der Stadt. Wie viele davon an Integrationskursen teilnehmen, kann die Sozialbehörde des Senats, die für die Unterbringung zuständig ist, nicht sagen.

Hamburger Senatorinnen sprechen Klartext

Dass der Protest der Hamburger Senatorinnen Wirkung zeigt, dürfte kaum zu erwarten sein. Deutlich ist er dennoch [9]:

Ksenija Bekeris (SPD) Senatorin für Schule, Familie und Berufsbildung:

"Die Entscheidung des Bundes, die Zulassung von Bedürftigen für die Teilnahme an Integrationskursen für das Jahr 2026 einzustellen, ist politisch, menschlich und wirtschaftlich nicht nachvollziehbar."

Melanie Leonhard (SPD), Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Innovation:

"Um arbeiten zu können, braucht es Sprachkenntnisse – ohne ausreichende Deutschkenntnisse gelingt Zugewanderten der Schritt auf den Arbeitsmarkt in der Regel nicht. Die Aussetzung der Integrationskurse erschwert die gesellschaftliche Teilhabe, verbaut den zugewanderten Menschen ihre Zukunftschancen und macht es Unternehmen noch dazu schwieriger, dringend benötigte Arbeitskräfte zu finden."

Melanie Schlotzhauer (SPD), Senatorin für Gesundheit, Soziales und Integration:

"Sprache ist der Türöffner zu Arbeit, Bildung und Teilhabe. Ohne Sprache gibt es keine Integration. Der Stopp der Integrationskurse ist ein fatales Signal für Länder und Kommunen. Der Bund zieht sich bei der Finanzierung der Flüchtlingskosten immer weiter zurück und wälzt immer mehr Aufgaben auf Länder und Kommunen ab."

Sprachniveau A2: Nur ein erster Schritt

Dass Migranten, die an solchen Integrationskursen teilnehmen, sprachlich nicht unbedingt auf den deutschen Arbeitsmarkt vollständig vorbereitet sind, liegt auf der Hand: Auf der Website des BMI ist vom A2-Niveau die Rede. Nach dem europäischen Referenzrahmen für Sprachzertifikate bedeutet das:

"Kann Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, die mit Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung zusammenhängen (z. B. Informationen zur Person und zur Familie, Einkaufen, Arbeit, nähere Umgebung). Kann sich in einfachen, routinemäßigen Situationen verständigen, in denen es um einen einfachen und direkten Austausch von Informationen über vertraute und geläufige Dinge geht. Kann mit einfachen Mitteln die eigene Herkunft und Ausbildung, die direkte Umgebung und Dinge im Zusammenhang mit unmittelbaren Bedürfnissen beschreiben."

Kommentar: Dreister Federstrich

Das ist perfide: Sprach- und Integrationskurse gibt es nur noch für "Selbstzahler". Unter günstigsten Umständen bekommt ein Asylbewerber zwischen 300 und 400 Euro monatlich, hat also bei einunddreißig Tagen im Monat kaum mehr als zehn Euro täglich zur Verfügung. Davon sollen die Eigenbeiträge eines Integrationskurses bezahlt werden?

Andere – Länder und Kommunen – werden kaum einspringen können. Also setzt sich die bekannte Spirale in Gang: kein Kurs, zu wenig Sprachkenntnis, keine Arbeit, Selbstversorgung unmöglich, Abschiebung. Oder es wird mangelnder Integrationswillen unterstellt, worauf der Asylantrag abgelehnt wird. Das ist bürokratischer Zynismus.

Dabei wäre eine seriöse Unterrichtshilfe beim Spracherwerb im deutschen Interesse – und das nicht nur, wenn Migranten im Land bleiben und hier arbeiten wollen, sondern auch, wenn sie zur Rückkehr gezwungen werden. Wer die Sprache des Landes gelernt hat, in dem er Jahre verbracht hat, nimmt zumindest etwas mit.

Eine Forderung, diese Kürzung zurückzunehmen, wird angesichts der deutlich veränderten Migrationspolitik kaum fruchten. Wieder einmal bleibt es an der Gesellschaft, das Thema selbst in die Hand zu nehmen: Konzepte, wie Migranten ehrenamtlich unterrichtet werden können, müssen her – und zwar zügig.

Transparenzhinweis: Der Autor unterrichtet ehrenamtlich Deutsch für zwei Migrantinnen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11183666

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/senat/presseservice-des-senats/pressemeldungen-des-senats
[2] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bsfb/veroeffentlichungen/pressemeldungen/bundesregierung-stoppt-zulassung-zu-integrationskursen-fuer-bundesweit-130-000-menschen-1144832
[3] https://www.asyl.net/themen/sozialrecht/asylbewerberleistungsgesetz/grundleistungen-nach-asylblg
[4] https://www.bamf.de/SharedDocs/FAQ/DE/Integrationskurse/006-was-kostet-ein-integrationskurs.html?nn=282388
[5] https://www.bamf.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/251218-kurzanalyse-spracherwerb-gefluechtete.html?nn=282600
[6] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/faqs/DE/themen/migration/integrationskurse/integrationskurse-liste.html
[7] https://www.deutschlandfunk.de/dobrindt-verlaengert-grenzkontrollen-um-weitere-sechs-monate-106.html
[8] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/einrichtungen/sfa/lagebild-fluechtlinge-39896
[9] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/einrichtungen/sfa/lagebild-fluechtlinge-39896

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ZDF unter Druck: Wie Arroganz und Intransparenz den ÖRR beschädigen

Von Timo Rieg — 23. Februar 2026 um 09:00
ZDF-Mikrophon in einer kalten Luft

Bild: shutterstock.com

Der Umgang des ZDF mit Kritik, Presseanfragen und Wahrheit ist ein Systemversagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein Kommentar.

Vier Sekunden KI-generiertes Filmmaterial und ein Videoschnipsel von 3 Sekunden, der in einem anderen als dem behaupteten Zusammenhang entstanden ist, sind nicht der ZDF-Skandal, der seit einer Woche verhandelt wird.

In einem Beitrag des "heute journal" über die Arbeit der amerikanischen Abschiebe-Behörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) waren ein von künstlicher Intelligenz (KI) erzeugtes Video und ein aus einem völlig anderen Zusammenhang stammendes reales Video zu sehen.

Darüber wird heftig diskutiert, doch der Beitrag selbst taugt nicht zum Skandal.

Der Skandal ist allein, wie das ZDF damit umgeht. Viel mehr: Wie es regelmäßig mit Fragen zu seiner Arbeit umgeht.

Fehler passieren überall, und selbst grob fahrlässige oder gar mutwillige Fehltritte von Mitarbeitern wird kein Unternehmen sicher ausschließen können.

Jede Firma, jede Behörde und jeder Verein muss jedoch ausschließen können, dass Fehlverhalten gegenüber Dritten auch noch von der Leitung gedeckt wird.

Der Skandal ist die Kommunikation über einen Fehler

Das ZDF hat keinen Skandal mit einem heute-journal-Beitrag vom 15. Februar 2026, in dem etwas nicht gestimmt hat. Unschön? Ja! Sollte Konsequenzen haben? Klar!

Aber Himmel! Was wird nicht jeden Tag an Fehlerhaftem gesendet, gedruckt und ins Internet gestellt! Entscheidungen des Deutschen Presserats, Leserbriefe und User-Kommentare, Beschwerden bei Rundfunkräten oder nicht zuletzt der Medienjournalismus geben Hinweise genug.

Das ist nicht schön, aber wertneutral betrachtet erst einmal normal. So ist es eben: Ärzte stellen falsche Diagnosen und therapieren fehlerhaft. Polizisten agieren falsch oder unangemessen. Richter fällen Fehlurteile (die möglicherweise in einer höheren Instanz revidiert werden, aber vielleicht kommt es auch erst dort zum Fehlurteil?).

Verheerend aber wird es, wenn die jeweils Gesamtverantwortlichen an der Spitze der entsprechenden Organisationen behaupten, es gebe all diese Fehler nicht – oder wenn sie über deren Ursachen täuschen. Denn dann ist das Vertrauen ins gesamte Unternehmen beschädigt.

ÖRR ist kein Privatunternehmen

Während das bei privatwirtschaftlichen Firmen nur deren eigenes Problem ist, ist im Fall von Behörden und Institutionen der Daseinsvorsorge die gesamte Gesellschaft betroffen.

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) wie dem ZDF ist die Gesellschaft darauf angewiesen, dass er sauber arbeitet. Dazu gehört ganz wesentlich auch die sogenannte Unternehmenskommunikation. Denn die ist hier nicht einfach Public Relations (PR), die zu mehr oder weniger wirtschaftlichem Erfolg führen kann, sondern die elementare Schaltstelle zwischen internem Betrieb und der Öffentlichkeit, die diesen Betrieb finanziert und von seinem Output abhängig ist.

Denn der Output des ÖRR beeinflusst die öffentliche Debatte, ob man es will oder nicht.

Das ZDF hat ein massives Problem mit seiner Pressestelle, die Teil der "Hauptabteilung Kommunikation" ist. Der Umgang mit dem fehlerhaften Beitrag im "heute journal" ist kein einmaliges Versagen und ist nicht mit dem Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter [1] zu begründen (das eben nie auszuschließen ist).

Es hat System, gehört zu den Wesensmerkmalen des Mainzer Senders. Und das sollte sich die Öffentlichkeit nicht länger bieten lassen.

Unwahre Tatsachenbehauptung des ZDF

In der Causa "ICE-Abschiebungen" behauptete die ZDF-Pressestelle zunächst auf verschiedene Journalistenanfragen hin, die notwendige Kennzeichnung des KI-Videos "wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen" (Beispiele: epd [2], Nius [3], t-online [4]).

Das bedeutet nicht nur, dass die Verwendung des nicht-realen Videos als akzeptabel angesehen wurde. Das ZDF behauptete vor allem, die notwendige Kennzeichnung habe es ursprünglich gegeben, sei also wohl von der Autorin irgendwie für den Beitrag vorgesehen gewesen, dann aber auf magische Weise "bei der Überspielung" verloren gegangen.

Wie soll das passiert sein? Und wenn so etwas technisch möglich ist: Was kann noch alles an Informationen auf dem Weg von einem Studio ins andere verloren gehen oder irgendwie verändert werden?

Und wenn so etwas – fürs ZDF offenbar ganz selbstverständlich und nicht weiter der Rede wert – passieren kann: Wie wird dann die korrekte Übertragung geprüft, die Vollständigkeit und Unversehrtheit journalistischer Beiträge?

Das ZDF beantwortet solche Fragen nicht – mal wieder. Stattdessen schickt es dem anfragenden Journalisten einen ersten Standardtext. Und auf die Replik, dass dieser auf die gestellten Fragen mit keinem Wort eingeht, folgt ein weiterer Standardtext ohne jeden Bezug.

Das ZDF verschaukelt Journalisten

Das ist nur dreist zu nennen, ein völlig inakzeptabler Umgang mit der Presse. Das ZDF gibt sich nicht die geringste Mühe, den Verdacht, gelogen zu haben, aus der Welt zu schaffen – obwohl er im Netz natürlich von Anfang an kursierte.

Denn wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender (ÖRR) behauptet, es habe eine technische Panne gegeben, ansonsten aber wäre alles korrekt gelaufen, in Wahrheit aber diese Technikpanne gar nicht existierte, dann lügt er die Öffentlichkeit an. Und dann kann man den Auskünften dieses Senders nicht mehr vertrauen.

Wohlgemerkt: Nicht das falsch zugeordnete und das KI-generierte Video im heute journal waren Lügen (wie es in zahlreichen Medien bezeichnet wurde) – denn hier ist bisher kein Vorsatz falscher Tatsachenbehauptungen [5] bewiesen.

Aber etwas zu behaupten, von dem man entweder weiß, dass es unwahr ist, oder von dem man nicht weiß, ob es auch nur annähernd zutreffend sein könnte, ist eine Lüge [6] (so auch turi2 [7]).

Insofern war es erhellend, mit welcher Nonchalance das Sprachrohr des ZDF-Intendanten Norbert Himmler auf die Lügen-Recherche reagierte. Denn normalerweise antwortet die Pressestelle dann einfach gar nicht.

ZDF ignoriert regelmäßig Presseanfragen

Auch im aktuellen Fall schreiben zig Medien, dass ihre Presseanfragen unbeantwortet geblieben sind (Beispiele: t-online [8], Heise [9], Übermedien [10]). Und auch das ist eben keinesfalls neu und einzigartig, sondern ZDF-System.

Als mal wieder Presseanfragen ans ZDF unbeantwortet blieben und erst auf einen Einschreibebrief hin sich jemand einer Reaktion erbarmte, antwortete der Sender auf die Frage, ob die Chance auf Auskunft von zeitlichen, personellen oder sonstigen Zufällen abhängig sei:

"Regeln für die Nicht-Beantwortung von Journalistenanfragen gibt es im ZDF nicht."

ZDF, Barbara Matiaske, Hauptabteilung Kommunikation, Schlussredaktion, 26. Oktober 2022

Ist das etwas anderes als dreist? Keinerlei Widerspruch zum Vorhalt, dass Presseanfragen ignoriert werden – stattdessen die franke Antwort, dass dies quasi willkürlich geschehe. Also wohl zu übersetzen mit: Fragen, die uns nicht passen, ignorieren wir einfach.

Ja, Sendeanstalten sind nicht wie Behörden grundsätzlich auskunftspflichtig nach den Landespressegesetzen, nur in kleinen Teilbereichen wie der Verwendung von Rundfunkbeiträgen. Bedauerlicherweise schreibt auch der Medienstaatsvertrag hier keine Transparenz vor.

Freiwillig macht sich das ZDF nicht ehrlich

Aber akzeptabel ist ein solches Verhalten dennoch nicht. Und man darf sich fragen, woher die dieses Verhalten tragende Arroganz kommt – in Zeiten, da der gesamte ORR in der Kritik steht, übrigens nicht nur in Deutschland (am 8. März wird in der Schweiz mal wieder über eine deutliche Kürzung der dort fälligen Gebühren abgestimmt [11]).

Der ZDF-Fall taugt überhaupt nicht dazu, das Radio-, Fernseh- und Internetangebot des ÖRR insgesamt schlecht zu machen. Die Hauptaussagen des heute-journal-Beitrags wären auch ohne die zwei falschen Videosequenzen unverändert – und nicht zu beanstanden.

Aber der Umgang mit einem "Doppelfehler", wie Anne Gellinek, stellvertretende Chefredakteurin beim ZDF, die zwei falschen Videoschnipsel in ihrer Entschuldigung im heute-journal am 17. Februar [12] nannte, vonseiten der ZDF-Unternehmenskommunikation ist inakzeptabel.

Aufsichtsgremium nicht zuständig für Pressearbeit

Diese Unternehmenskommunikation unterliegt auch keiner – ohnehin reformbedürftigen [13] – Kontrolle durch den ZDF-Fernsehrat. Denn dieser erklärte sich auf Anfrage im Jahr 2022 als dafür nicht zuständig, da er nur über das Programm wacht. Der Fernsehrat teilte seinerzeit allerdings mit: "Die Geschäftsstelle des Fernsehrates hat sich aber versichert, dass Presseanfragen vom Haus zügig bearbeitet werden."

Wobei demnach "ignorieren" und "falsche Aussagen tätigen" unter "bearbeiten" fallen müssen.

ZDF-Intendant Himmler [14] hat sich damals nicht zur Arbeit seiner Pressestelle geäußert – obwohl ihm der nicht zuständige Fernsehrat die entsprechende Beschwerde weitergeleitet hatte. Seitdem gab es zahlreiche Fälle ignoranten Verhaltens dieses Teils der Unternehmenskommunikation (siehe Fall "Weizenbiene" [15]).

Beim ZDF steht Intendanten-Wahl an

Am 13. März 2026 kandidiert ZDF-Intendant Norbert Himmler nach derzeitigem Stand der Dinge zur Wiederwahl für seinen Posten [16]. Es wäre mehr als unfair, ihn für jeden Fehler in einer der vielen journalistischen Redaktionen seines Hauses verantwortlich zu machen.

Schließlich wünschen sich Journalisten zurecht möglichst wenig Einfluss auf ihre Arbeit durch jemanden, der im Pressewesen "Verleger" heißen würde.

Aber für Lügen und Dreistigkeiten seiner Pressestelle trägt er die Verantwortung.

Auch wenn das ZDF – wie ebenso alle Landesrundfunkanstalten der ARD – anders als eine klassische Tageszeitung nur quasi nebenbei auch ein Journalismus-Betrieb ist, der ansonsten vor allem mit seinen vielfältigen Unterhaltungsangeboten wahrgenommen wird (Stichwort Fernseh-Lagerfeuer "Wetten, dass...?"): Als Dienstleister für die Gesellschaft versagt das ZDF in der Kommunikation über seine Arbeit langanhaltend und nachhaltig.

ZDF muss jetzt handeln

Bevor man sich der Hoffnung hingibt, neu Besen würden da besser kehren, sollte Norbert Himmler die Zeit nutzen, hier für eine grundlegend andere Arbeitsweise zu sorgen – auch ohne gesetzliche Verpflichtung, die natürlich jederzeit möglich wäre.

Das ZDF muss jede Journalistenanfrage nach bestem Wissen beantworten – schnell, vollständig und absolut wahr. Denn eine wechselseitige Kontrolle aller Medien untereinander ist das tragende Argument gegen jede Art von staatlicher Überwachung und Wahrheitsprüfung, wie wir sie inzwischen – höchst bedenklich – durch die Landesmedienanstalten erleben [17] (als wenigstens mittelbare Staatsverwaltungen).

Und auch für die ARD-Anstalten muss der ZDF-Fall zu einer Transparenzoffensive der Presse gegenüber führen. Denn absolutistisches Verhalten finden Medienjournalisten keineswegs nur beim ZDF.

Aber gerade das ZDF kann nun seine konkrete Krise als Chance begreifen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11185565

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.spiegel.de/kultur/tv/zdf-claus-kleber-verteidigt-usa-korrespondentin-nach-ki-panne-a-9710d947-bd83-4531-a041-4fef7f6b67c9
[2] https://medien.epd.de/article/4287
[3] https://nius.de/medien/news/zdf-heutejournal-mutmassliches-ki-abschiebevideo
[4] https://www.t-online.de/unterhaltung/tv/id_101132366/zdf-wirbel-um-heute-journal-sender-nimmt-zu-fake-video-stellung.html
[5] https://www.spiegelkritik.de/2024/07/10/tatsachen-und-meinungen-ein-differenzierungsvorschlag/
[6] https://www.bild.de/politik/inland/parteiisches-publikum-und-irre-ausreden-luegen-vorwurf-gegen-das-zdf-nach-zuschauer-skandal-67a7377094e93b193511e86a
[7] https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/zdf-informiert-ueber-aufarbeitung-von-fehlern-im-heute-journal-vom-15-februar-2026
[8] https://www.t-online.de/unterhaltung/tv/id_101134112/zdf-skandal-um-heute-journal-entschuldigung-wirft-neue-fragen-auf.html
[9] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Die-KI-Bilder-im-heute-journal-sind-ein-schwerer-Tabubruch-11182615.html
[10] https://uebermedien.de/114229/die-falschen-ice-videos-im-heute-journal-und-die-katastrophale-reaktion-des-zdf/
[11] https://srg-initiative.ch/
[12] https://youtu.be/IVFpkfDSmdc?si=Fvn4CdMjRt8mxKei&t=818
[13] https://www.telepolis.de/article/Demokratiedefizit-bei-oeffentlich-rechtlichen-Sendern-Rundfunkraete-unter-Beschuss-10451408.html
[14] https://www.zdf.de/unternehmen/organisation/geschaeftsleitung-124.html
[15] https://www.spiegelkritik.de/2023/03/20/zdf-weizenbiene/
[16] https://www.zdf.de/unternehmen/organisation/gremien/fernsehrat/intendantenwahl-102.html
[17] https://www.telepolis.de/article/Drei-verbotene-Artikel-Medienaufsicht-greift-in-Online-Journalismus-ein-11172356.html

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Goldexport gestoppt: Moskau will die Nuggets im Land behalten

Von Josephine Bollinger-Kanne — 23. Februar 2026 um 08:00
Russische Rubel Banknoten mit Goldbarren.

(Bild: Cloudy Design / Shutterstock.com)

Russlands Haushaltsloch könnte sich verdoppeln – jetzt soll ausgerechnet das Edelmetall die wegbrechenden Öleinnahmen kompensieren.

Die russische Zentralbank und das Finanzministerium einigten sich über Ausfuhrbeschränkungen von Gold durch Privatpersonen. Dies soll einen Beitrag zur Sanierung der Wirtschaft leisten. Zugleich könnte der Goldbergbau verstärkt mit Steuern zur Kasse gebeten werden.

Das russische Finanzministerium lotet aus, welche Maßnahmen sich für eine Wirtschafts- und Haushaltssanierung anbieten. Dafür hat es das Gold im Land ins Visier genommen. Wie russische Medien am 19. Februar berichteten, konnten die Zentralbank und das Finanzministerium ihre Unstimmigkeiten über Ausfuhrbeschränkungen von Gold durch Privatpersonen [1] beilegen.

Negative Auswirkungen

„Ein ausdrücklicher Kompromiss ist erzielt, und ein konkreter regulatorischer Beschluss in dieser Angelegenheit wird vorbereitet“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bank Russlands, Alexej Gusnow, am Rande des Forums „Cybersicherheit im Finanzwesen“.

Im September hatte sich Gusnow noch gegen mögliche Beschränkungen für die Ausfuhr von physischem Gold [2] durch Bürger ausgesprochen, da dies den grenzüberschreitenden Handel mit dem Edelmetall negativ beeinflussen könnte. Zudem seien die Auswirkungen solcher Beschränkungen unvorhersehbar.

Das Finanzministerium halte es für notwendig, den Export von physischem Gold im Wert von über 10.000 US-Dollar durch Privatpersonen zu verbieten, sagte der stellvertretende Finanzminister Alexei Moissejew im letzten Juni. Dafür habe das Finanzministerium breite Unterstützung erhalten, nur eine nicht namentlich genannte Behörde habe sich dagegen ausgesprochen.

Gold als Kanal für Kapitalabfluss

Moissejew zufolge werden Goldtransaktionen abgewickelt, die zuvor über Devisen erfolgten. Er sprach von Geldwäsche und Drogenhandel und erinnerte auch daran, dass Präsident Wladimir Putin Beschränkungen für bargeldlose Überweisungen und die Ausfuhr von Bargeld (bis zu 10.000 US-Dollar) verhängt hatte, um den Kapitalabfluss unter Sanktionsdruck einzudämmen. Doch nun werde dieser Abfluss über Gold kanalisiert.

Geplant ist jetzt, ab dem 1. September Beschränkungen für die Ausfuhr von Goldbarren bis zu 100 Gramm durch Privatpersonen über die Zollunion einzuführen. Der Entwurf des Präsidialerlasses sieht mehrere Ausnahmen vor. Demnach sind Reisende, die von den Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo in Moskau und dem Flughafen Knewitschi in Wladiwostok abfliegen, von dem Verbot ausgenommen, sofern sie eine Genehmigung des Prüfamtes besitzen.

Ölverluste dämpfen

Der Wert des Goldes weckt Begehrlichkeiten, sodass Experten ein Instrumentarium herausarbeiteten, wie die Regierung darauf Zugriff erhält. Die Kontrolle, möglichst viele Nuggets im Land zu behalten, ist eine Seite. Davon abzuschöpfen, ist die andere Seite, zumal das Haushaltsloch wegen fehlender Öl- und Gaseinnahmen und eines starken Rubels doppelt so hoch ausfallen könnte.

Analysten von Investment Research der Sberbank, SberCIB, legten im Februar einen Bericht vor, in dem sie vor einer Verdopplung des Haushaltsdefizits auf 7,3 Billionen Rubel [3] warnten. Dabei gingen sie von einem Ölpreis im Schnitt von 46 US-Dollar je Barrel und einem Wechselkurs von 83 Rubel je US-Dollar aus. Das Finanzministerium hatte dagegen auf Basis von 59 US-Dollar je Barrel Öl und 92 Rubel je US-Dollar ein Defizit von 3,8 Billionen Rubel veranschlagt.

Um der Haushaltsmisere entgegenzuwirken, halten die SberCIB-Analysten eine Verschärfung der Besteuerung umsatzstarker Wirtschaftszweige für nötig. Als Branche bietet sich ihrer Ansicht nach insbesondere die Produktion von Gold und Buntmetallen an, da die Preise für diese Rohstoffe auf den Weltmärkten in letzter Zeit deutlich zulegten.

Erhöhte Steuern und Ausfuhrzölle

So hätten Goldpreise in Russland [4] gegenüber dem Niveau von 2024 einen Anstieg von über 70 Prozent und mehr als dem Doppelten des Niveaus von 2023 erreicht. Auch Platin und Kupfer wiesen deutliche Wachstumstrends auf. Eine Erhöhung der Rohstofffördersteuer würde den Analysten zufolge in der Goldproduktion 1 Billion Rubel zusätzliche Einnahmen generieren und das Staatsdefizit entlasten.

Für die Rentabilität des größten Goldproduzenten des Landes, Polyus, erwarten die Analysten dadurch keine katastrophalen Folgen. Die EBITDA-Marge würde von zuletzt 73 Prozent auf 50 Prozent fallen. Zugleich ist die Steuerbelastung im russischen Goldbergbau derzeit niedriger als in vielen anderen Ländern wie z. B. Usbekistan. Für hochprofitable Goldminenprojekte wie etwa Sukhoi Log von Polyus gibt es zudem Steuervergünstigungen.

Da die Mittel beim Öl- und Gassektor ausgereizt seien und die Lage sich dort weiter verschlechtere, müssten Wirtschaftszweige mehr Steuerlasten übernehmen, bei denen das nicht die Geschäftstätigkeit beeinträchtige, sondern nur eine auf eine „Beseitigung von Übergewinnen aufgrund günstiger Marktbedingungen“ hinauslaufe, empfiehlt auch Walerij Andrianow von der Finanzuniversität der russischen Regierung. Flexible Ausfuhrzölle wie von Oktober 2023 bis Ende 2024 für Buntmetalle zieht er ebenfalls in Betracht. Mit all diesen Maßnahmen könnte die Schonzeit für Gold zu Ende gehen.


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[1] https://www.interfax.ru/business/1073624
[2] https://www.vedomosti.ru/investments/articles/2025/09/03/1136216-v-tsb-ne-vidyat
[3] https://www.vedomosti.ru/analytics/ideas/articles/2026/02/12/1175702-analitiki-nashli-istochniki-kompensatsii-defitsita-byudzheta
[4] https://pricegold.net/ru-russia/

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Neue Studio-Displays von Apple: Gleiches Design, besseres Innenleben?

Von Heise — 23. Februar 2026 um 12:20
Apple Studio Display

Apple Studio Display: Bereits seit 2022 auf dem Markt.

(Bild: Apple)

Noch im ersten Halbjahr sollen endlich Nachfolgemodelle für Apples angestaubte Monitore erscheinen. Bei einem Hardwarefeature gibt es noch Fragen.

Apple und die Bildschirme: Wer unbedingt ein Display des Mac-Herstellers will, muss derzeit damit leben, dass die Geräte veraltet sind – und dennoch preislich eher (sehr) teuer. Im ersten Halbjahr 2026 soll nun zumindest beim Studio Display endlich etwas geschehen. Nach vier Jahren auf dem Markt steht eine Aktualisierung an. Zuletzt waren sowohl in einer Energielabel-Datenbank in China [1] als auch in macOS 26.3 dazu passende Informationen aufgetaucht. Ob es schon in der kommenden Woche bei der „Apple Experience“ so weit ist mit dem Release [2] oder – wie mehrere Gerüchteköche behaupten – erst später im 1. Halbjahr 2026, ist noch unklar.

Zwei Modelle, Fragen zum Pro Display XDR

In macOS 26.3 stecken zwei Codenamen [3], die zu einem neuen Display passen: J427 und J527, wie Macworld entdeckt hat. Die Frage ist nun, was die Unterschiede sind. Denkbar wäre, dass Apple zwei verschiedene Größen plant. Derzeit gibt es ein Modell mit 27 Zoll und einer Auflösung von 5120 mal 2880 Bildpunkten. Will man mehr Platz, müsste man schon zum völlig veralteten – und immer noch extrem teuren (ab 4914,93 €) [4] – Pro Display XDR greifen, das 32 Zoll liefert.

Dieses Modell könnte der Konzern auch einstellen, um sich ganz auf das Studio Display zu konzentrieren. Zu einem Pro Display XDR 2 ist bislang nichts bekannt. Apple hat mittlerweile einige Konkurrenten bekommen, die das Studio Display mit besseren Features übertrumpfen; entsprechend wichtig wäre es, wenn der Konzern endlich nachlegt. Schließlich wäre auch denkbar, dass Apple zwei 27-Zoll-Screens als Studio Display 2 umsetzt, wobei nur eines der beiden alle neuen Features erhält.

Hardware-Details – und die Frage nach der Hertz-Zahl

Bislang wird erwartet, dass Apple beim Studio Display 2 zentrale Kritikpunkte des Vorgängers angeht. Dazu gehören eine fehlende High-Dynamic-Range-Anzeige (HDR) und die geringe Bildwiederholfrequenz von nur 60 Hertz. Diese müsste Apple eigentlich auf 120 Hertz – was intern ProMotion [5] genannt wird – steigern, doch zwischenzeitlich geisterten auch Angaben von nur 90 Hertz durch die Gerüchteküche.

Schließlich soll Apple auch den intern verbauten ARM-Chip optimieren. Es soll angeblich der A19 aus dem iPhone 17 sein, bislang ist ein veralteter A13 eingebaut. Er dient unter anderem zur Bildoptimierung der integrierten Webcam sowie womöglich erstmals zur Spatial-Audio-Wiedergabe. Zu Preisen gibt es noch keine Infos. Aktuell will Apple selbst noch immer mindestens 1749 Euro sehen, im Handel geht es aber günstiger los.


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[1] https://www.heise.de/news/Modellnummer-A3350-Neues-Apple-Display-taucht-in-Datenbank-auf-11144312.html
[2] https://www.heise.de/news/Bericht-Mindestens-fuenf-neue-Apple-Produkte-zur-Apple-Experience-11185727.html
[3] https://www.macworld.com/article/3066403/macos-26-3-might-have-just-confirmed-apples-biggest-march-4-surprises.html
[4] https://preisvergleich.heise.de/apple-pro-display-xdr-standardglas-a2194397.html?cs_id=1206858352&ccpid=hocid-mac-and-i
[5] https://www.heise.de/news/Deutliche-Verbesserungen-in-petto-Das-soll-Apple-beim-Studio-Display-2-planen-11126895.html
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[7] https://www.heise.de/mac-and-i
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„Apple Experience“: Produktfeuerwerk bei Apple?

Von Heise — 23. Februar 2026 um 09:48
Tim Cook bei einer früheren Apple-Präsentation

Apple-Chef Tim Cook bei einer Veranstaltung des iPhone-Herstellers.

(Bild: Apple)

Nächste Woche ist es soweit: Apple wird wohl an mehreren Tagen hintereinander neue Produkte vorstellen. Es gibt neue Details.

Apple plant ab kommenden Montag die Einführung von „mindestens“ einer Handvoll neuer Produkte. Davon geht der üblicherweise gut informierte Bloomberg-Reporter Mark Gurman aus. Seinen Angaben vom Sonntag [1] zufolge soll es sowohl neue Hardware als auch Software und neue Chips geben. Zentrales neues Produkt ist demnach ein Einsteiger-MacBook [2] – womöglich in den Farben, die Apple in einer Einladung zu einer sogenannten „Apple Experience“ für ausgewählte Influencer und Journalisten [3] verwendet hat (Grün, Gelb und Blau).

Alte Formfaktoren, neue Chips – bis auf das Einsteiger-MacBook

Zudem stehen neue Einsteiger-iPhone-Modelle (Baureihe 17e [4]), ein iPad Air M4 [5], ein neues Einsteiger-iPad (Modellreihe 11) und neue MacBook-Pro-Modelle mit M5 Pro und M5 Max an. Gurman schätzt zudem, dass auch ein neues MacBook Air mit M5 kommen könnte. Bis auf das neue MacBook behalten alle Geräte ihren Formfaktor, sind dank neuer Chips aber schneller.

Schließlich stehen noch neue Mac Studios (mit M5 Max und M5 Ultra) und neue Mac-Studio-Displays [6] auf Apples Zettel, diese werden allerdings nicht in der kommenden Woche, dafür aber im ersten Halbjahr 2026 erwartet. Für neue Monitore spricht, dass diese in Apple-Läden teilweise schlecht zu haben sind. Zum iMac M5 oder Mac mini M5 macht Gurman keine Angaben.

Spekulationen über die Einführung

Apple hatte in diesem Jahr bislang nur neue AirTags [7] präsentiert, neue MacBook-Pro-Modelle mit M5 Max und M5 Pro gelten als überfällig. Das iPhone 17e dient der Produktpflege, bekommt neue Chips, MagSafe und womöglich eine Dynamic Island. Zudem sind Apples Modemchip C1X [8] und der WLAN-Chip N1 (mit Wi-Fi 7) geplant. Beim Einsteiger-MacBook wird vor allem der Preis spannend – angeblich soll er „deutlich“ unter 1000 Euro liegen, eingebaut ist erstmals ein iPhone-Chip, keiner der M-Baureihe.

Die Art der Vorstellung der neuen Produkte soll eher ruhig erfolgen: Apple plant über mehrere Tage Ankündigungen per Pressemitteilung – ob es auch Videoeinführungen geben wird, ist unklar. Der Höhepunkt ist dann besagte „Apple Experience“, die zum Anfassen der Produkte für besagten exklusiven Kreis in New York, London und Shanghai erfolgen soll. Ein „Event“, wie Apple seine regulären Keynotes bezeichnet, soll es hingegen nicht sein. Spannend wird außerdem, ob Apple die lange verschobene verbesserte Siri [9] zeigen wird.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2026-02-22/apple-s-ai-wearables-push-what-to-expect-from-march-4-low-end-macbook-launch
[2] https://www.heise.de/news/Geruecht-Einsteiger-MacBook-vor-grossem-Comeback-10464524.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-Event-Gibt-es-wieder-Produkte-ueber-mehrere-Tage-11180953.html
[4] https://www.heise.de/news/iPhone-17e-Diese-Features-koennten-kommen-11176437.html
[5] https://www.heise.de/news/iPhone-16e-und-iPad-Air-Aktuelle-Geraete-in-bestimmten-Maerkten-schlecht-zu-haben-11175219.html
[6] https://www.heise.de/news/Modellnummer-A3350-Neues-Apple-Display-taucht-in-Datenbank-auf-11144312.html
[7] https://www.heise.de/tests/Lautstark-lokalisiert-AirTag-2-im-Test-11160732.html
[8] https://www.heise.de/news/Modemfehler-C1X-im-iPhone-Air-spuckt-Hardware-Warnung-aus-11184194.html
[9] https://www.heise.de/news/Apples-KI-Accessoires-sollen-dem-iPhone-angeblich-Augen-verleihen-11185428.html
[10] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[11] https://www.heise.de/mac-and-i
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heise+ | Präsentieren mit Keynote: So halten Sie eindrucksvolle Vorträge

Von Heise — 23. Februar 2026 um 08:00
, Jacob Lund, stock.adobe.com

(Bild: Jacob Lund, stock.adobe.com)

Mit Apples kostenloser Keynote-App können Sie Präsentationen erstellen, die auf Ihr Publikum wirken – alleine oder im Team. Wir zeigen, wie das geht.

Es muss nicht immer PowerPoint sein: Microsofts Präsentationsprogramm als Teil von Office ist zwar der Branchenprimus, doch besonders kreativere Menschen sind mit Alternativen besser bedient. macOS-Nutzer bekommen seit Jahren Keynote als kostenlose Beigabe im Rahmen der iWork-Programmsammlung.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie es möglich ist, gut aussehende und vor allem zielführende Präsentationen mit Keynote zu planen und umzusetzen – bis zur eigentlichen „Keynote“ vor Publikum.

Planen und vorbereiten

1 Ideale Rahmenbedingungen schaffen

Der erste Tipp hat noch gar nichts mit Keynote, Software oder Technologien zu tun, sondern lautet: Schaffen Sie die geeigneten Rahmenbedingungen für Ihre Präsentation.


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Pi-hole: Update schließt Sicherheitslücken und liefert mehr Performance

Von Heise — 23. Februar 2026 um 09:11
pihole-Dashboard auf blauem Mosaik-Hintergrund

(Bild: heise medien)

Die Pi-hole-Programmierer haben dem DNS-Werbefilter Sicherheitslücken ausgetrieben und die Software verschlankt.

Der DNS-basierte Werbeblocker Pi-hole stopft in aktualisierter Fassung zwei Sicherheitslücken. Außerdem haben die Programmierer Änderungen umgesetzt, die der Performance insbesondere auf älteren Raspberry Pis auf die Sprünge helfen.

In einem Blog-Beitrag auf der Pi-hole-Webseite [1] haben die Entwickler die neuen Versionen der Komponenten angekündigt. Die darin geschlossenen Sicherheitslücken betreffen das Web-Interface von Pi-hole. Zum einen hätten als Admin angemeldete Angreifer eine „Stored HTML-Injection“-Schwachstelle missbrauchen können, um HTML-Code einzuschleusen, der bei der Anzeige der DNS-Eintragstabelle angezeigt wird (CVE-2026-26952 [2], CVSS 5.4, Risiko „mittel“). Zum anderen gelingt dies auch auf der API-Einstellungswebseite (CVE-2026-26953 [3], CVSS 5.4, Risiko „mittel“).

Aktualisierte Pi-hole-Komponenten

Die aktuellen Pi-hole-Komponenten FTL 6.5, Web 6.4.1 und Core 6.4 stopfen die Sicherheitslecks in der Web-Oberfläche. Wer Pi-hole einsetzt, sollte generell sicherstellen, dass die Web-GUI nicht offen im Internet steht und gegebenenfalls den Zugriff auf die Admin-Rechner beschränken.

Die aktualisierten Teile von Pi-hole haben jedoch noch mehr zu bieten. Die Performance haben die Entwickler nach eigenen Angaben darin verbessert. Das Starten geht nun schneller, da FTL den Anfragenverlauf asynchron aus der Datenbank importiert. Bislang blieb die DNS-Auflösung blockiert, bis der komplette Anfrageverlauf in den Speicher geladen wurde. Jetzt akzeptiert FTL Anfragen umgehend und importiert die alten Daten in einem Hintergrund-Thread. Um die Konsistenz sicherzustellen, startet der Garbage Collector erst, wenn der Import abgeschlossen wurde.

Außerdem bringt die neue Konfigurationsoption database.forceDisk FTL dazu, die eigentlich im Speicher vorgehaltene SQLite3-Datenbank auf das Speicherlaufwerk zu verfrachten. Das reduziert den Speicherverbrauch und ist insbesondere auf älteren Raspberry Pis hilfreich. Die Programmierer weisen darauf hin, dass das besonders für Pi-hole-Instanzen taugt, deren Web-Interface nur selten genutzt wird. Wo lediglich SD-Karten genutzt werden, sorgt das unter Umständen für Geschwindigkeitseinbußen, auf Systemen mit NVMe-Laufwerk waren jedoch keine Unterschiede messbar. Der Standardwert ist „false“, lässt sich aber etwa mittels Aufruf von sudo pihole-FTL --config database.forceDisk true aktivieren.

Zudem soll das Update der Blocklisten, also des Gravity-Systems, zügiger ablaufen. Die Domain-Prüfungsschleife ist nun effizienter – Tests mit fünf Millionen Einträgen aus mehreren Listen senkten die Update-Zeit von 27 auf 23 Sekunden, was einem Geschwindigkeitsgewinn von 16 Prozent Echtzeit entspricht – bei der CPU-Zeit sogar um 22 Prozent.

Der praktische Test über wenige Tage auf einem Raspberry Pi Zero W zeigt, dass die Entwickler nicht zu viel versprechen. Wo sonst täglich mehrere Warnungen über zu hohe Systemlast in Pi-hole auftauchten, schnurrt das System nun ohne derartige Beschwerden und größere Auslastung vor sich hin. Bestehende Installationen lassen sich durch den Aufruf von „sudo pihole -up“ auf den aktuellen Stand bringen.

Vor einem Jahr hatten die Pi-hole-Entwickler die Major-Version 6 veröffentlicht [4]. Auch diese sollte bereits die DNS-Filtersoftware verschlanken. Die nun veröffentlichten Updates legen insbesondere in diesem Belang jedoch spürbar nach.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://pi-hole.net/blog/2026/02/17/pi-hole-ftl-v6-5-web-v6-4-1-and-core-v6-4-released/#page-content
[2] https://github.com/pi-hole/web/security/advisories/GHSA-6xp4-jw73-f4qp
[3] https://github.com/pi-hole/web/security/advisories/GHSA-8rw8-vjgp-rwj6
[4] https://www.heise.de/news/Werbeblocker-Pi-hole-v6-durchlaeuft-Schlankheitskur-10287716.html
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[6] mailto:dmk@heise.de

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Roundcube Webmail: Angriffe auf Sicherheitslücken laufen

Von Heise — 23. Februar 2026 um 08:00
Mails und Briefumschläge vor Laptop

(Bild: Michael Traitov/Shutterstock.com)

Die IT-Sicherheitsbehörde CISA warnt vor aktuell beobachteten Angriffen auf Roundcube-Webmail-Schwachstellen. Admins sollten updaten.

Die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA warnt vor Angriffen auf die quelloffene Software Roundcube Webmail. Es handelt sich um eine kritische und eine hochriskante Schwachstelle, die Kriminelle nun offenbar ins Visier nehmen.

Die Warnung der CISA [1] ist wie üblich äußerst knapp. Angriffe wurden demnach auf eine Schwachstelle bei der Deserialisierung von nicht vertrauenswürdigen Daten (CVE-2025-49113 [2], CVSS 9.9, Risiko „kritisch“) sowie eine Cross-Site-Scripting-Lücke (CVE-2025-68461 [3], CVSS 7.2, Risiko „hoch“) beobachtet. Wie die Angriffe aussehen und in welchem Umfang sie erfolgen, bleibt unklar. IT-Verantwortliche sollten jedoch nicht zögern und auf die jüngste fehlerbereinigte Fassung von RoundCube Webmail aktualisieren.

Die als „kritisch“ eingestufte Sicherheitslücke wurde vom NIST lediglich mit einem CVSS-Wert von 8.8 als hohes Risiko verortet. Allerdings tauchte Anfang Juni vergangenen Jahres bereits ein Beispiel-Exploit auf [4], der den Missbrauch der Lücke demonstriert. Angreifer können durch die Schwachstelle beliebige Befehle auf verwundbaren Systemen ausführen. Dazu ist ein gültiges Mailkonto nötig. Diese Sicherheitslücke hat Roundcube Webmail 1.5.10 und 1.6.11 geschlossen.

Roundcube Webmail: Zwei attackierte Sicherheitslücken

Die zweite Sicherheitslücke wurde kurz vor Weihnachten bekannt. Sie ermöglicht Cross-Site-Scripting-Angriffe. Die Schwachstelle betrifft die Verarbeitung des „Animate“-Tag in SVG-Dateien. Auch hier hat das NIST zunächst eine Einstufung als mittleres Risiko mit einem CVSS-Wert von 6.1 abgegeben, MITRE hingegen sieht ein hohes Risiko mit der Gefahrenstufe „hoch“ und einem CVSS-Wert 7.2. Die beobachteten Angriffe sprechen offenbar für letztere Einschätzung.

IT-Verantwortliche sollten ihre Systeme absichern, indem sie zumindest auf die fehlerkorrigierten Versionen 1.5.12 und 1.6.12 installieren. Darin haben die Entwickler die Cross-Site-Scripting-Lücke geschlossen. Hinweise für erfolgreiche Angriffe (Indicators of Compromise, IOCs) liefert die CISA ebenfalls nicht, mit denen Admins prüfen könnten, ob ihre Instanzen attackiert wurden.


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[1] https://www.cisa.gov/news-events/alerts/2026/02/20/cisa-adds-two-known-exploited-vulnerabilities-catalog
[2] https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2025-49113
[3] https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2025-68461
[4] https://www.heise.de/news/Kritische-Schadcode-Luecke-bedroht-Roundcube-Webmail-10423965.html
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Störungsmeldung vom 22.02.2026 22:30

Von heise online — 22. Februar 2026 um 22:30

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
22.02.2026 22:30
Region
Augsburg (0821)
Provider
T-Online
Zugangsart
VDSL

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Psychische Experimente an indigenen Kindern in Kanada aufgedeckt

Von Marcel Kunzmann — 22. Februar 2026 um 16:00
Eine Schülergruppe vor einer Schule

Schülergruppe vor der Brandon Indian Residential School, Brandon, Manitoba 1946

(Bild: Commons)

Psychische Experimente an indigenen Kindern in Kanada aufgedeckt. Studie von 1943 dokumentiert ESP-Tests in Internat. Ein Überblick.

Ein 1943 veröffentlichter Fachartikel [1] dokumentiert, wie indigene Kinder in einem kanadischen Internat für Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung missbraucht wurden. Die Entdeckung der Studie wirft erneut Licht auf das dunkle Kapitel der kanadischen Internatsgeschichte.

Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung

Der Forscher Maeengan Linklater von der Lac Seul First Nation in Ontario stieß im Januar 2015 [2] auf die Studie mit dem Titel "ESP Tests with American Indian Students" von A. A. Foster, die im Journal of Parapsychology erschienen war.

"Ich war auf einem Festival in Winnipeg und entdeckte in einer Buchhandlung ein Buch von Chris Rutkowski mit einem Hinweis auf First Nations-Schüler an der Brandon Indian Residential School", erklärte Linklater in einem Interview. Da er damals als Koordinator für indigene Programme am Canadian Museum for Human Rights arbeitete und Zugang zu akademischen Datenbanken hatte, recherchierte er weiter.

Die Studie beschreibt Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung (ESP), die während des Zweiten Weltkriegs im Winter 1940-1941 an der Brandon Indian Residential School in Manitoba durchgeführt wurden.

Insgesamt 50 Kinder im Alter von zwei bis 20 Jahren wurden getestet. Foster, der vermutlich dem Parapsychologie-Labor der Duke University angehörte, untersuchte die Fähigkeit der Kinder, sogenannte ESP-Karten zu "lesen", die hinter einem Schirm gehalten wurden.

"Die Tests wurden an Plains Indians in der Indian Residential School in Brandon durchgeführt, in einer Umgebung, die sich stark von ihrer natürlichen unterschied", wird Miss D. Doyle, eine Aufseherin der Schule, in der Studie zitiert. Die Versuche folgten dem Screen Touch Matching-Verfahren, das seit den 1930er Jahren in der ESP-Forschung verwendet wurde. Am Ende erhielten die Kinder unabhängig von ihren Ergebnissen Süßigkeiten als Belohnung.

Foster begründete die Bedeutung seiner Arbeit damit, dass "die Probanden der amerikanischen indigenen Ethnie angehören" und dies "der erste Bericht über ESP-Tests mit Mitgliedern dieser Gruppe" sei. Die Veröffentlichung sei wegen "kriegsbedingter Arbeitsbelastung" verzögert worden, schrieb der Autor.

Kinder ohne Wahl

Linklater machte seine Entdeckung öffentlich, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Die Berichterstattung erreichte über eine Million Menschen in Kanada und erschien unter anderem bei APTN News, CBC und der Washington Post.

Ry Moran, Direktor des National Research Centre for Truth and Reconciliation, ordnete die Studie ein: "Was wir bei diesen Fällen von Experimenten sehen, ist, dass dies eine weitere Dynamik war, die in Internatsschulen stattfand." Einige Überlebende hätten in ihren mündlichen Aussagen vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission Experimente erwähnt.

Die ESP-Versuche waren nicht die einzigen Experimente an indigenen Kindern. Der Historiker Ian Mosby von der Toronto Metropolitan University, der sich mit indigener Gesundheit und Siedlerkolonialismus befasst, erklärte 2015 [3] gegenüber der Brandon Sun: "Bei wissenschaftlichen Experimenten hatten diese Schüler keine Wahl, ob es um ESP oder Ernährung ging. Die Kinder waren Mündel des Staates."

Mosby hatte bereits 2013 aufgedeckt, dass zwischen 1942 und 1952 Ernährungsexperimente an Schülern in sechs Internatsschulen in Ontario, Manitoba, British Columbia und Nova Scotia durchgeführt wurden. Milchrationen wurden kontrolliert und Vitamine vorenthalten. An der Cecilia Jeffrey School in Kenora, Ontario, wurden Kinder zudem für Versuche mit experimentellen Impfstoffen und Antibiotika verwendet, darunter Behandlungen gegen Tuberkulose und Ohrenentzündungen. Einige indigene Schüler verloren dabei ihr Gehör.

"Wenn das heute passieren würde, wie würden wir uns fühlen, wenn das unsere Kinder wären?", fragte Jamie Wilson von der Treaty Relations Commission of Manitoba 2015 in einem CBC-Interview.

Das kanadische Internatsschulsystem begann 1831 und endete erst 1996 mit der Schließung der letzten Einrichtung und dem Ende der Bundesfinanzierung. Die Schulen wurden von Regierung und Kirchen betrieben mit dem Ziel, indigene Kinder gewaltsam von ihren Familien zu trennen und in die europäisch-kanadische Kultur zu assimilieren. Überlebende erlitten sexuelle Übergriffe, körperliche Misshandlungen und Vernachlässigung, in manchen Fällen mit Todesfolge.

Initiativen zur Wiedergutmachung

Die Wahrheits- und Versöhnungskommission hat bisher 4.117 Sterbeurkunden von Kindern und mehr als 1.000 potenzielle nicht gekennzeichnete Gräber dokumentiert. Einige Forscher gehen von bis zu 10.000 Todesfällen aus.

Moran erklärte, die Kommission habe zahlreiche Dokumente von Health Canada erhalten, die möglicherweise weitere Beweise für Experimente enthielten. "Die Beziehung zwischen Internatsschulen und indigenen Krankenhäusern war eine direkte Linie. Sie wurden direkt in den Krankenhäusern unterrichtet."

Ähnliche Praktiken sind auch aus den USA dokumentiert. Von den 1950er bis 1970er Jahren führte die CIA Programme wie Project Artichoke und später MKUltra durch, bei denen Menschen oft ohne informierte Zustimmung Experimenten mit Drogen und psychologischer Manipulation unterzogen wurden. 2024 genehmigte ein Richter am Quebec Superior Court eine Sammelklage für Opfer von MKUltra-Experimenten, die am Allan Memorial Institute in Montreal unter Dr. Ewen Cameron durchgeführt wurden. Die Klage richtet sich gegen das Royal Victoria Hospital, die McGill University und die kanadische Regierung.

In Kanada sind mehrere Initiativen zur Wiedergutmachung im Gang. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission hat 94 Handlungsaufforderungen veröffentlicht, um einen Weg zu Rechenschaftspflicht und Heilung zu schaffen. Der 30. September wurde als nationaler Tag für Wahrheit und Versöhnung anerkannt.

"Dieser Tag bietet Gelegenheiten zum Gedenken und zur Erinnerung, um die Betroffenen sowie Überlebende und ihre Nachkommen zu ehren", sagte Linklater.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.proquest.com/openview/5fe04652ac60c1d6a6a87fc1af276e50/1?pq-origsite=gscholar&cbl=1818062
[2] https://thedebrief.org/a-forgotten-esp-study-from-1943-is-raising-new-questions-about-experiments-on-canadas-indigenous-children/
[3] https://www.aptnnews.ca/national-news/psychic-experiments-first-nation-students-part-unearthed-residential-school-history-says-research-centre-director/

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Melonis Macht, Merz’ Manöver: Rom und Berlin gegen Paris?

Von Luca Schäfer — 22. Februar 2026 um 16:00
Bundeskanzler Friedrich Merz und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni

Haben sich da zwei gefunden? Bundeskanzler Friedrich Merz und Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni

(Bild: Marco Iacobucci Epp/Shutterstock.com)

Zwei Mächte, alte Freunde – Meloni und Merz wollen gemeinsam verändern. Probt Europa eine neue Ordnung – und wird Rom das neue Paris? Eine Analyse.

Die Tagespresse überschlug sich Mitte Januar: Als Bundeskanzler Friedrich Merz in Rom durch die Meloni-Regierung empfangen wurde, sah [1] das Handelsblatt ein kommendes "Duo" für Europa, die Süddeutsche Zeitung titelte [2] von "Merzoni" und die junge Welt sah [3] in Rom "das neue Paris".

Den Anlass bot der Kanzler höchstselbst: In einer gemeinsamen Pressekonferenz sprach [4] er von guten Bedingungen für eine "sehr enge und kooperative Partnerschaft".

Die deutschen Äußerungen – Rom und Berlin "stünden näher als jemals zuvor" – dürften im Pariser Élysée-Palast für Verstimmungen gesorgt haben [5]. Einen Tag zuvor, am 22. Januar 2026, wurden noch gemeinsam die von De Gaulle und Adenauer unterzeichneten Élysée-Vertäge als Startschuss für die deutsch-französische Freundschaft gefeiert [6].

Das Zusammenrücken von Italien und Deutschland gilt [7]als indirekte Kampfansage an Frankreich. Insbesondere in jüngerer Vergangenheit kriselte das Verhältnis gewaltig: Das Kampfflugzeugprojekt FCAS steht [8] offen zur Disposition, Macron fordert [9] weit entschiedener als Berlin europäische Eigenständigkeit von den zuletzt zerbröselnden US-Sicherheitsgarantien, und finanzpolitische Ränkespiele um gemeinsame EU-Finanzierungen belasten [10] das Verhältnis zusätzlich. Ersetzt Rom Paris?

Politisches Machtprojekt

Merz und Meloni unterzeichneten ein strategisches Aktions- und Sicherheitsabkommen. Beschlossen [11] wurde der Ausbau militärischer Kooperation – gemeinsame Entwicklung von Drohnen, Luftabwehr und Marinesystemen –, vereinbart [12] wurden zudem regelmäßige bilaterale Konsultationen zu EU-Außen- und Sicherheitspolitik sowie gemeinsame Positionen zu Industriepolitik, Migration, Energie und Technologie. Explizit verständigten [13] sich beide Partner darauf, Sicherheit in Europa wiederherstellen zu wollen – eine direkte Referenz auf den Ukraine-Krieg.

Zwar besitzen Berlin, Paris und Rom seit dem Kriegsbeginn um die Ukraine formal dieselben Grundpositionen, zuletzt in Madrid bekräftigt [14]– die von ukrainischer Souveränität, europäischer Unterstützung und militärischer Verteidigung ausgehen.

Doch mit zunehmender Kriegsdauer differenzieren sich die Positionen aus: Während Berlin an direkter militärischer Unterstützung Kiews festhält, agierten [15] Frankreich und Italien, insbesondere im Hinblick auf finanzielle Hilfen an das unter Korruptionsskandalen erschütterte Kiew [16], zurückhaltender. Paris setzt auf Diplomatie und will Militärmittel nur im EU-Verbund einsetzen; das deutsche Kalkül könnte darin bestehen, die abwartende Position Roms in seine Richtung zu verschieben [17].

Bei den Januar-Vereinbarungen handelt es sich somit nicht allein um ein bilaterales Übereinkommen, sondern – mit dem Anspruch, in Brüssel und der Ukraine Veränderungen hervorzubringen – um ein politisches Machtprojekt. Historisch war Italien stets Juniorpartner; nun steigt es nahezu gleichrangig mit Frankreich zum deutschen Partner auf.

Industriepolitische Bruchlinie

Als weiterer Kern gilt eine industriepolitische Einigung: Rom und Berlin vereinbarten, ihre Wettbewerbspolitik auf EU-Ebene zugunsten von Deregulierungen zu koordinieren – ein Novum, denn bislang stand Rom industriepolitisch Paris näher.

Der gemeinsame Vorstoß ist ein offener Affront gegenüber Frankreich, entspricht jedoch der deutschen ordoliberalen Tradition [18]: Staaten sollen den Rahmen setzten, der Markt entscheidet über den Gewinner.

Als zwei der größten Exportnationen [19] Europas sehen Deutschland und Italien (mit den Niederlanden) ihr wirtschaftliches Heil im Freihandel – Frankreich, mit hoher Staatsschuldenquote belastet, bleibt skeptisch [20] gegenüber einem Modell, das auf Kosten staatlicher Steuerungsmacht und schwächerer EU-Volkswirtschaften geht. Der mit Abstand größte Gewinner einer ordoliberalen EU-Marktpolitik wäre die zuletzt, schwächelnde deutsche Exportwalze.

Offener Konflikt: FCAS

Es stand [21] historisch auf tönernen Füßen: nun droht [22] dem 100-Milliarden-Kampfjetprojekt FCAS das endgültige Aus. Im Kleinen des Projketes manifestieren sich dieselben Probleme wie im Großen: Dassault und Airbus streiten um die Führerschaft, Berlin und Paris liegen bei der Frage der atomaren Anschlussfähigkeit im Clinch [23]. Doch fernab des technischen Kleinklein, für das die Ingenieurs-Kunst sicher eine passgenaue Lösung finden könnte, geht es um die große Machtfrage: Wer dominiert Europa?

Während Macron strategische Autonomie – unter anderem mit EU-Truppenkontingenten in der Ukraine – von der Trump-Administration fordert [24], beharrt Merz, trotz einiger schriller Untertöne, auf einem halbgaren Unterordnungsverhältnis gegenüber Washington. Berlin fährt im Windhschatten der USA geopolitisch immer noch besser, als in einem schwachen, zersplitterten Europa.

Diese Konkurrenzverhältnis zeigt sich in der Rüstungsbeschaffung: Das französisch-propagierte "Buy European"-Programm [25] und der weiterhin vor sich gehende deutsche Kauf US-amerikanischer Produkte (bspw. F-35 Kampfflugzeuge [26]) sind nahezu unvereinbar. Einen Vorteil hat die Rivalität bislang keinem gebracht: Frankreich könnte FCAS alleine nicht finanzieren, die Staatsschuldenquote lässt zu wenig Spielraum, Deutschland entfernt sich vom französischen Atomschirm immer weiter. London könnte hier die Alternative sein [27].

Ein guter, alter Freund?

Giorgia Meloni [28], von Merz nun hofiert, galt lange als politisches Schmuddelkind, in Brüssel teilweise begrüßt wie gemieden. Sie begann ihre Karriere im Movimento Sociale Italiana – der direkten Nachfolgepartei des Mussolini-Faschismus.

Die Flammensymbolik ihrer heutigen Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) erinnert deutlich daran. Die zentralen Leitlinien der Partei – Nationalkonservatismus, restriktive Migrationspolitik, Konflikte mit liberal-humanistischen Werten – lassen die "Brüder Italiens" näher an Budapest oder Warschau erscheinen als an Berlin.

International bestehen erhebliche Zweifel an der demokratischen Verlässlichkeit der Meloni-Regierung: Justizeinfluss, Einschränkungen der Pressefreiheit (Tele-Meloni: umstrittene Rundfunkreformen [29]) und eine rassistisch konnotierte Migrationspolitik scheinen [30] im geopolitischen Freudentaumel der neuen Zusammenarbeit für die deutsche Werte-Politik keine Rolle zu spielen.

Dabei ist die deutsch-italienische Achse historisch schwer vorbelastet – und auch heute glänzt Rom nicht mit sozialpolitischen Erfolgen: Armut, schwaches Wachstum und strukturelle Arbeitslosigkeit grassieren.

Alternatives Herzstück?

Traditionell war die deutsch-französische Freundschaft die Herzkammer der Europäischen Union. In Zeiten geopolitischer Verwerfungen scheint Berlin seine strategischen Reserven diversifizieren zu wollen: Neben Paris wird Rom als Druck- und Ersatzmittel aufgebaut, dabei sind innenpolitische Verwerfungen der Meloni-Regierung entweder gleichgültig oder willkommen.

Die neue Achse kann als Verlust des exklusiven Führungsanspruchs Frankreichs gelesen werden – zumal Paris und Rom ihrerseits Konflikte besitzen, die Berlin geschickt zu nutzen versteht: Energiepolitik, Afrika-Einfluss, Libyen-Frage, Migrationslinie.

Damit werden die zentrifugalen Kräfte innerhalb der EU gestärkt: Europäische Zusammenarbeit ist, nach dem Ausstieg von London, kein Naturgesetz, und die großen Fragen – Industriepolitik, Rüstung, Verhältnis zu Washington – können Spaltungsfaktoren sein. Die zukünftigen Auswirkungen können folgenreich werden. Ein Ausbau der deutschen Dominanz, zunehmende Fragmentierung der EU, eine Marginalisierung Frankreichs oder eskalierende Auswirkungen auf den Ukraine-Konflikt stehen zu befürchten.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.handelsblatt.com/politik/eu-ebene-merz-und-melonientsteht-hier-ein-neues-duo-in-der-eu/100191113.html
[2] https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/friedrich-merz-giorgia-meloni-italien-frankreich
[3] https://www.jungewelt.de/artikel/516196.rom-ist-das-neue-paris.html
[4] https://www.bundesregierung.de/breg-en/news/merz-meloni-consultations-2403912
[5] https://www.dfwa-info.com/kooperation/22575/
[6] https://www.institutfrancais.de/de/deutschland/kultur/digitale-welt-gesellschaft-und-digitales/60-jahrestag-des-elysee-vertrags#/
[7] https://www.tagesschau.de/ausland/deutsch-italienische-regierungskonsulationen-100.html
[8] https://www.theguardian.com/business/2026/feb/20/france-germany-fighter-jet-of-the-future-fcas
[9] https://www.reuters.com/world/france-most-worried-about-security-eu-amid-rising-threats-survey-shows-2026-02-13/
[10] https://www.lemonde.fr/en/international/article/2026/02/12/germany-and-france-now-publicly-display-their-disagreements-over-macron-s-proposals_6750436_4.html
[11] https://www.dailyfinland.fi/europe/47459/Merz-Meloni-sign-agreement-to-boost-defence-cooperation
[12] https://www.ansa.it/english/news/2026/01/23/italy-germany-reinforce-defence-coop-in-face-of-growing-threats_5a11fb96-e02c-4bf0-901b-47cbe280345a.html
[13] https://www.euronews.com/2026/01/23/italy-germany-summit-meloni-and-merz-push-for-an-autonomous-competitive-europe
[14] https://www.diplomatie.gouv.fr/en/country-files/ukraine/news/article/joint-declaration-by-the-foreign-ministers-of-germany-france-italy-poland-spain-283444
[15] https://tass.com/world/2086325
[16] https://www.heise.de/tp/article/Korruptionsskandal-in-der-Ukraine-Jetzt-geraet-Selenskyj-selbst-in-den-Fokus-11106499.html
[17] https://www.esteri.it/en/sala_stampa/archivionotizie/comunicati/2025/11/riunione-fra-ucraina-italia-germania-francia-e-ue-sul-sostegno-a-kiev-a-margine-del-g7/
[18] https://www.diw.de/de/diw_01.c.937484.de/publikationen/diw_aktuell/2025_0109/wettbewerbsorientierte_strategische_industriepolitik_als_antwort_auf_den_investitionsstau_in_deutschland.html
[19] https://www.tradeimex.in/blogs/europe-trade-trends-2025-imports-exports-analysis
[20] https://www.reuters.com/markets/europe/eu-needs-joint-funding-common-industrial-policy-commissioner-says-2024-06-20/
[21] https://www.telepolis.de/article/Fcas-Der-Kampfjet-Koloss-auf-toenernen-Fuessen-10388880.html?seite=all
[22] https://www.telepolis.de/article/Europas-neues-Kampfflugzeug-steht-vor-dem-Aus-11173809.html
[23] https://www.jungewelt.de/artikel/517747.blanker-machtkampf.html
[24] https://www.n-tv.de/politik/Macron-Europaeische-Truppen-sollten-Staedte-in-der-Ukraine-sichern-article25659509.html
[25] https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/buy-from-eu-die-digitale-revolte-gegen-us-produkte,UekNnMy
[26] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-kampfjet-f-35-kaeufe-luftwaffe-usa-fcas-li.3390902?reduced=true
[27] https://www.derstandard.de/consent/tcf/story/3000000275508/grossbritannien-erweitert-seine-nukleare-abschreckung
[28] https://de.wikipedia.org/wiki/Giorgia_Meloni
[29] https://www.watson.ch/international/schweiz/679399363-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-unter-druck-so-ist-die-lage-in-europa
[30] https://www.spiegel.de/ausland/italien-unter-giorgia-meloni-das-sind-die-umstrittensten-vorhaben-der-rechten-regierung-a-e0f5f2f4-718a-41dd-a24b-122dee547e0b

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Das grüne Jahrzehnt ist vorbei – und niemand hat es bemerkt

Von Frank Adler — 22. Februar 2026 um 14:00
Scheinwerfer leuchtet von roter Erde mit Thermometer weg

Klimaschutz galt als Megathema der 2010er. Doch seit Corona und Ukraine-Krieg verschwand er aus dem Fokus – mit fatalen Folgen.

Noch vor wenigen Jahren erschien die Klimakrise in der Öffentlichkeit und Politik als das zentrale Thema. Jetzt ist sie weitgehend an den Rand gedrängt. Anderes steht im Vordergrund: forciertes Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit, Abbau von Sozialleistungen; Kriege, imperiale Machtpolitik und Alltagssorgen relativieren die düsteren Aussichten der fortschreitenden Erderwärmung. Rückschläge prägen die Klima- und Transformationspolitik.

Indessen schrumpft das verfügbare Budget an Zeit und Ressourcen für progressive Auswege, während Kipppunkte des Klimasystems näher rücken (Rahmstorf 2023). Hinzu kommt die schleichende Tendenz einer demobilisierenden "Normalisierung" dieser Konstellation durch rasche Gewöhnung, Verdrängung und Resignation (Lessenich/Scheffer 2024).

Vor diesem Hintergrund skizziere ich (1.) den Wandel im Umgang mit der Klimakrise, verweise (2.) auf unterschiedliche Reaktionen darauf und plädiere für eine Transformationsstrategie struktureller Reformen, die utopisch anmutet, aber wahrscheinlich realistischer ist, als "realistisch angepasste".

1. Die 2020er Jahre – eine (historische?) Zäsur

Zunächst ein schlaglichtartiger Rückblick auf die 2010er Jahre. Im Unterschied zur Periode nach 1990 ("Ende der Geschichte" als "Sieg des Westens") verschiebt sich der Diskurs nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 f. zugunsten grün-links-(kapitalismus)kritisch-transformativer Themen, Positionen, Bewegungen, Politiken:

• Wachstumsskeptische und grün-alternative Strömungen treten im wissenschaftlichen Diskurs, in der veröffentlichten Meinung und Zivilgesellschaft stärker hervor. "Große Transformation" avanciert zum Leitkonzept im WBGU-Bericht (2011); "ökologischer Umbau" wird populär in Forschung, links-liberaler Politik und Publizistik.

• Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Weltklimakonferenz 2009 formiert sich auch in Deutschland eine Klimabewegung und organisiert erfolgreich zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen Kohleabbau und die unterirdische CO2-Verpressung (CCS).

• Die Bundesregierung implementiert Strategien Ökologischer Modernisierung, vor allem in der Energiepolitik: forcierte Förderung von EE-Technologien, Beschluss zum Atomausstieg 2011. Die BRD gilt international als Vorreiter. 2016 wird die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung verabschiedet unter dem Motto "Leben in Würde für alle innerhalb planetarer Grenzen".

Mit dem Beitritt zum Pariser Klimaabkommen von 2015 und dessen Verpflichtung, die Erderwärmung auf 1,5 bzw. maximal 2 Grad C zu begrenzen, wird Dekarbonisierung faktisch zu einem Staatsziel. Die UN-Vollversammlung beschließt 2015 17 nachhaltige Entwicklungsziele.

Nach 2015/16 werden Gegentendenzen stärker. Der öffentliche Diskurs verschiebt sich in Richtung des rechtspopulistisch besetzten Themas "Migration". Auch die Zunahme geopolitischer Spannungen erhält nach der russischen Kriminvasion 2014 mehr Aufmerksamkeit.

Politiken der Dekarbonisierung werden geschwächt (z. B. die Förderung der Solarindustrie) und die Lobby für das billige russische Erdgas setzt 2015 den Bau der Pipeline Nordstream 2 durch. Die US-Regierung Trump I verlässt das Pariser Klimaschutzabkommen und forciert fossile Industrien.

Zugleich erstarkt mit dem Aufschwung von Fridays for Future die internationale Klimabewegung. Sie erreicht ihre Mobilisierungsspitze 2019 bis 2021 mit weltweit Millionen Demonstranten und beeinflusst staatliche Politik. Es entstehen Ansätze für gemeinsame Aktionen mit Gewerkschaften, z.B. mit ver.di für eine sozialökologische Verkehrswende. Das gesellschaftliche Klima begünstigt sozialökologische Transformationen wie etwa 2020 der Kohlekompromiss.

2021 startete die Ampelregierung mit weitreichenden Ambitionen einer ökologischen Modernisierung. Der BDI bekannte sich 2021 zu einem umfassenden Verständnis von Nachhaltigkeit. Das BVG-Urteil zu Rechten der jungen Generation (2021) verpflichtete die Bundesregierung zum Nachbessern ihrer Klimaziele.

Manch zentralem Akteur schienen Nachhaltigkeitstransformationen hegemonial geworden zu sein, so rückblickend Dirk Messner, Präsident des UBA. Aber mit der Covid-19-Krise begann der Abschwung von Klimabewegung und Klimaschutzpolitik. Der Rückhalt in der Bevölkerung sinkt, die Widersprüche in der Ampelkoalition nehmen zu: FDP-Austerität und fossiler Klientelismus ("Technologieoffenheit") hemmen Investitionen in Dekarbonisierungen; Transformationskosten werden ungerecht verteilt.

Aber auch Teile der konservativen Mittel- und Oberschicht distanzieren sich, sehen sich in ihrer Lebensweise durch mögliche transformative Konsequenzen bedrängt (Eversberg/Schmelzer 2025). Bauern protestieren gegen die Kürzung von Agrardieselsubventionen und Debatten um das GEG werden von AfD, CDU/CSU und der Boulevard-Presse erfolgreich anti-grün bewirtschaftet.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 hat sich die öffentliche Agenda weiter zuungunsten von Klima, Ökologie, sozialökologischer Transformation verschoben.

Energiekrise und -preise, Inflation, das kriselnde deutsche Exportmodell rücken nach vorn. Ein antigrüner Rechtsruck verstetigt sich. Progressive Bewegungen und politische Akteure sehen sich mit vielen Fronten einer Polykrise konfrontiert.

Im Koalitionsvertrag der CDU/CSU/SPD-Regierung und in ihrer Politik ist Klimaschutz eher marginal. Zwar bietet das Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaneutralität" Spielräume für Investitionen in Dekarbonisierung. Inwiefern die 500 Mrd. Euro (für zwölf Jahre) tatsächlich dafür und nicht für Rüstungsprojekte ("ökonomisches Strohfeuer" – Flassbeck 2025) genutzt werden, ist umkämpft.

Deutlich ist das Bestreben, Klimaziele zeitlich und substanziell zu verwässern zugunsten profitabler fossiler Technologien: "Aus" für das geplante Verbrenner-Aus in der EU 2035, forcierter Neubau von Gaskraftwerken, z.T. gekoppelt mit CCS, das ursprünglich, nur für technologisch kaum vermeidbares CO2 vorbehalten war.

Klimaschädliche Subventionen wurden erhöht (z. B. die Pendlerpauschale, die Steuer auf Flug-Tickets gesenkt). Experten zweifeln zunehmend, dass die Klimaziele in Deutschland und der EU erreicht werden können (u. a. Aykut 2025). Massiver zivilgesellschaftlicher Widerstand ist kaum zu erwarten. Rechtspopulistisch getriggerte Feindbilder gegen alles "Grüne" haben sich in einigen Bevölkerungsgruppen verfestigt.

Kurz: Wesentliche Bedingungen für eine progressive Bearbeitung der Klimakrise haben sich gegenüber den 2010er Jahren erheblich verschlechtert. Das betrifft Chancen für tiefgreifende sozialökologische Transformationen ebenso wie für bereits politisch fixierte technologische Dekarbonisierungen.

Diese Tendenz gilt für die Bundesrepublik, die EU und ihren Green Deal, die USA unter Trump II sowie für einflussreiche internationale Organisationen. Wir erleben Rückschläge von unbestimmter Wirkungsdauer.

Progressive Mobilisierungsansätze sind kaum in Sicht. Das führt in die paradox-gefährliche Situation eines doppelten Kipppunktes: Während das Kippen von Parametern des Erdsystems mit irreversiblen Folgen näher rückt, kippt das gesellschaftliche Klima gegen jene Kräfteverhältnisse, die für einen gesellschaftlichen Umbau pro Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit stehen.

Ursachen für Rückschläge und Blockaden werden in unterschiedlichen Bereichen vermutet, etwa

• im Gewicht ökonomischer Interessen, die mit fossilen Energieträgern (Beckert 2024) und davon abhängigen Branchen, Kapitalfraktionen, Beschäftigtengruppen sowie den damit generierten Profiten, Arbeitseinkommen, Steuereinnahmen verbunden sind; ganz zu schweigen von den potentiellen Profiten, die durch im Boden zu belassende Fossile "verloren" werden.

• in Grenzen und Widersprüchen staatlicher Dekarbonisierungspolitik. In der verbindlichen Form nach Paris 2015 tangiert der Wandel der energetischen Basis staatliche Interessen und Funktionen weit stärker als vorherige Umweltpolitiken. Der "Dekarbonisierungsstaat" (Brand et al. 2025) hat für eine längere Umbauperiode geringere Steuereinnahmen aus profitablen, fossil abhängigen Industrien und steigende Ausgaben für die Abfederung des Strukturwandels. Damit geraten andere Staatsfunktionen finanziell unter Druck.

Politik greift zudem direkter in Ökonomie und Alltag ein. Negativ empfundene Konsequenzen werden von Betroffenen nicht mehr dem anonymen Markt, sondern Regierungen zugeschrieben, was die Legitimität des Staates als "neutrale" liberal-kapitalistische Instanz untergräbt.

Hinzukommen äußere Begrenzungen: Der Zugang zu den für Dekarbonisierung benötigten Rohstoffen wird durch weltweit wachsende Bedarfe und "öko-imperiale Spannungen" (Brand/Wissen 2024) teurer und unsicherer. Ihr Abbau im Globalen Norden (z. B. Lithium in Serbien) stößt auf Widerstand. Auf all das reagiert die Politik mit fossil-freundlichen "Korrekturen", einer "Wachstumsoffensive" und Sozialabbau.

• im nachlassenden Rückhalt für die staatliche Transformationspolitik in der Bevölkerung. Bereits seit Beginn der 2020er Jahre kippte die allgemeine Zustimmung zu Klimaschutz und grünem Wandel in Teilen der Mittel- und Oberschicht in Richtung Besitzstandswahrung.

Das war entscheidend für die "politische Trendwende" (Eversberg/Schmelzer 2025). Mit Debatten um Verbrenner-Aus, Heizungsgesetz, Tempolimit etc. rückte die Transformation näher als "Zumutung" an die eigene Lebensweise. Die politisch genährte Illusion, Klimapolitik sei allein technologisch – auch ohne Anpassungsleistungen der Wohlhabenden – zu bewältigen, wurde enttäuscht.

Im ärmeren, prekären Bereich der Sozialstruktur stieß vor allem die sozial unausgewogene Förderpolitik der Ampel (Subventionen für E-Autos und Wärmepumpen für Hausbesitzer statt Klimageld für Familien, die nachhaltig in kleinen Mietwohnungen leben und ÖPNV nutzen) auf Ablehnung.

Das ökosoziale Spektrum wurde geschwächt (von ca. einem Drittel auf ein Viertel der Bevölkerung) und isoliert, Teile des öko-konservativen Spektrums gingen über zur defensiv-reaktiven (AfD-affinen) Fraktion. Das läuft auf einen "rasanten Entzug der Unterstützung für jegliche sozial-ökologische Transformationsschritte hinaus, die mit Kosten für Wirtschaft und Privathaushalte verbunden sind." (Eversberg et al. 2024:28). Es entstand ein neuer "Verteidigungskonsens" gegen Klimapolitik und Transformation (Eversberg/Schmelzer 2025).

• im Agieren der Klimabewegung. Für ihr "relatives Scheitern" (Siegmund 2025) sind verschiedene Umstände verantwortlich: irritierende Aktionen (statt Privatflieger und Luxusyachten wurden Pendler skandalisiert); Grenzen der Mobilisierung durch Aufklärung und erlebte Symptome nahender Katastrophen; schwindende Brisanz des Klimaproblems mit Covid 19 etc.; Erschöpfung wichtiger Akteure am Ende des Bewegungszyklus.

Die Sorge in der Bevölkerung um die Klimakrise ist zwar nach wie vor stark: Für die Mehrheit sind Umwelt- und Klimaschutz "sehr wichtig" und nur eine Minderheit findet, es werde genug dafür getan. Aber die Werte sind etwas gesunken und am geringsten in der jüngsten Altersgruppe. Die relative Bedeutung gegenüber anderen Themen ist geringer (Frick et al. 2025), aber immer noch hoch, jedoch zunehmend überlagert von anderen Konflikten und Alltagssorgen.

2. Klimakrise und sozialökologische Transformationen – Wie weiter?

Auf die zunehmenden Diskrepanzen zwischen einst ambitionierten klimapolitischen Zielen und Projekten wie dem European Green Deal und jetzigen Politiken und Widerständen wird unterschiedlich reagiert. Im aktuellen Transformationsdiskurs habe ich vier Reaktionsformen beobachtet:

• Korrekturen und Ergänzungen im Rahmen der bisherigen auf öko-technologische Dekarbonisierungen begrenzten Strategien, um deren Attraktivität zu verbessern, z.B. durch eine gerechtere Verteilung von Transformationslasten ("Klimasozialpolitik- Vogel 2024), stärkere Anreize für Unternehmen, eine wirksamere Partizipation von Beschäftigten, mehr Experimentierfelder.

• "Realistische" Anpassungen von Transformationszielen nach unten, oft verbunden mit einer expliziten Ablehnung von präventiven Interventionen in gesellschaftliche Strukturen, primär vertrauend auf öko-technologische "Lösungen".

• Resignativer Rückzug, z. B. ehemaliger Klimaaktivisten, die sich "solidarisch preppend" auf den vermuteten Kollaps vorbereiten (Siegmund 2025).

• Offensiv Transformationen erweitern und vertiefen, indem stärker gesellschaftliche Ursachen der Klimakrise und Transformationsblockaden reformerisch zurückgedrängt werden.

Ich plädiere für die letztgenannte Richtung, verknüpft mit Elementen der ersten.

Gesellschaftliche Strukturen transformieren – für ein gutes Leben in planetaren Grenzen

Das ist Kernthese und Ziel eines Transformationsansatzes, der von Wissenschaftler:innen, zivilgesellschaftlichen Aktivist:innen und Politiker:innen vertreten wird. Als ihr gemeinsamer Dachbegriff ist "Postwachstum" (PW) gebräuchlich. Strukturelle Bedingungen der gesellschaftlichen Reproduktionsweise werden als veränderbare Ursachen für die Klima- und Ökokrise problematisiert.

Ein wesentlicher Ausgangspunkt ist ein Befund der Erdsystemforschung – sechs von neun planetaren Grenzen sind bereits durch menschliche Aktivitäten überschritten (Rockström et al. 2023).

Deshalb sei der anthropogene Naturverbrauch, insbesondere der Durchsatz von Material und Energie im Stoffwechsel mit der Natur zu verringern und in planetare Leitplanken zurückzuführen.

Das sei jedoch unwahrscheinlich, solange BIP-Wachstum zentrales politisches Ziel ist, konkurrenzvermittelte Wachstumszwänge Ökonomie und Gesellschaft prägen und die Stabilität gesellschaftlicher Bereiche und (sozialer) Leistungen wachstumsabhängig gestaltet sind. Die Hoffnung auf eine technologische Entkopplung der Wirtschafts- und Lebensweisen von ihren ökologischen Schäden ist bisher nur punktuell eingetreten.

Es gibt keine Belege, dass die THGE global, im verfügbaren Zeitraum und in dem für das Pariser Klimaziel erforderlichen Maße technologisch entkoppelt werden können. Szenarien, die das annehmen, unterstellen unausgereifte, riskante Negativemissionstechnologien als funktionsfähig (Kallis et al. 2025).

Aus einer vorsorgeorientierten Perspektive ist deshalb ein selektives Herunterfahren der Produktion von ökologisch besonders problematischen, ökonomisch und sozial entbehrlichen Gütern und Dienstleistungen geboten.

Das schließt ein gezieltes Wachsen bestimmter Bereiche (z. B. EE, öko-effiziente Infrastrukturen, Care) und den ökologischen Umbau anderer ein. BIP-Reduktion ist kein Ziel von PW, aber das wahrscheinliche Ergebnis des sozialökologisch planmäßig verringerten materiell-energetischen Durchsatzes der Ökonomie.

Das hat weitreichende Konsequenzen. Es ist aber auch kein Drama, sondern Prävention angesichts des säkularen Rückgangs des BIP-Wachstums in den "reichen" Ländern. und dessen ohnehin nicht mehr nachweisbaren sozialen Nutzen (gemessen am Indikator Lebenszufriedenheit).

Welche Antworten auf die o. g. Widersprüche des "Dekarbonisierungsstaates" (s.1.) wären aus einer PW-Perspektive möglich? Zwei Eckpunkte möchte ich hier andeuten. (1) Umverteilung von oben/privat nach unten/öffentlich ist ein Gebot von Gerechtigkeit und Demokratie und sie unterstützt Dekarbonisierungen.

Die Reduktion der rasch wachsenden extremen Vermögensungleichheit (Oxfam 2026) treibt auf vielfältige Weise die THGE an: über den exzessiven Luxus- und Statuskonsum der Reichen (Privatflugzeuge, Luxusyachten etc.), über ihre Investitionen in CO2-intensive Aktivitäten und ihren zunehmenden direkten (z.B. Übernahme politischer Ämter in den USA) oder medial vermittelten Einfluss auf politische und ökonomische Entscheidungen.

Ihr Konsum ist gerade in den technisch schwierig zu dekarbonisierenden Sektoren (Luftverkehr, Stahl, Zement) überproportional hoch. Bekanntlich ist nur ein Prozent der Weltbevölkerung verantwortlich für mehr als die Hälfte der Gesamtemissionen des Passagierflugverkehrs (Lange/Schmelzer 2025).

Umverteilungen zu Lasten fossil- und kerosinlastigen Reichtums sind deshalb durch das Verursacherprinzip gut begründet. Sie können Politiken der Dekarbonisierung unterstützen, etwa indem ärmere Gruppen von Transformationskosten befreit werden. Umverteilungen zugunsten öffentlicher Infrastrukturen (Bildung, Gesundheit, ÖPNV, Care) die allen zu Gute kommen, werden von mittleren und oberen Einkommensgruppen stärker akzeptiert als verbesserte Sozialleistungen zugunsten prekärer Soziallagen (Mau et al.).

Außerdem erleichtern Beschränkungen in oberen Bereichen der Sozialstruktur suffiziente Verhaltensänderungen in anderen Gruppen. Eine Vermögenssteuer für Superreiche (Euractiv 2025) oder die Umwidmung klimaschädlicher Subventionen (FÖS 2025) können klimapolitische Vorhaben mitfinanzieren.

Langfristig würden solche Umverteilungen auch Verlagerungen von privatem hin zu öffentlichem Eigentum bewirken, was die Reproduktion von Ungleichheit einschränken würde. Zugleich können damit Investitionen in (2) öffentliche Infrastrukturen gestärkt werden, eine wichtige Säule eines Wohlstands in planetaren Grenzen.

Oft wird unterschätzt, wie stark öffentlich zugängliche Infrastrukturen durch ihre "strukturelle Suffizienz", klimafreundliches Verhalten überhaupt erst ermöglichen oder fördern (Görg et al. 2023).

Öffentliche Investitionen in solche Bereiche (Verkehr, Wohnen, Gesundheit, Bildung etc.) können die Dekarbonisierung und öko-effizientere Realisierung grundlegender Bedürfnisse und Fähigkeiten erheblich unterstützen, dabei zugleich die Lebensqualität von Mehrheiten und die soziale Sicherheit im transformativen Wandel steigern sowie langfristig Kosten sparen. Das ist durch viele Studien und Modellprojekte nachgewiesen (Kallis et al. 2025, SRU 2024), selbst für solch schwierige Bereiche wie das Wohnen (Alternativen zu Neubau und größeren Wohnflächen).

Je attraktiver und sozial zugänglicher, relativ einkommensunabhängiger derartige Alternativen sind, können sich Normen verändern und klimaschädliche private Angebote bzw. Verhaltensweisen eher sanktioniert werden (z.B. Privatflugzeuge, Inlandsflüge, Luxus-Pkw, Ausbau von Flugplätzen, Autobahnen oder überdimensionierte Statusgüter).

Beispiele in Barcelona, Antwerpen und Paris zeigen, was derzeit an Ökologisierung städtischer Infrastrukturen möglich ist, oft verbunden mit Klimaanpassungen.

Strategien dieses Typs sozialökologischer Transformationen verknüpfen idealerweise vier Ziele miteinander: Sie dämmen strukturelle Ursachen für THGE und andere planetare Grenzüberschreitungen ein, führen unmittelbar zu ökologischen Entlastungen, verbessern zugleich Lebensbedingungen von Mehrheiten und öffnen damit Perspektiven zu einer sozialökologisch nachhaltigen Reproduktionsweise.

Das wird nicht ohne kräftigen zivilgesellschaftlichen Druck auf den "Transformationsstaat" gehen. Dafür sind momentan keine Akteure in Sicht. Dennoch ist dieser Weg eine real mögliche Option. Sie ist realistischer als Szenarien, die Resilienz stärken und Errungenschaften der Moderne erhalten möchten durch ein technik-fixiertes Weiter-So, ohne gesellschaftliche Ursachen der Öko-Krise anzutasten.

Diese Hoffnung beruht auf fragwürdigen Annahmen – insbesondere eines BIP-Wachstums, das ökonomisch möglich, sozial nützlich und hinreichend von THGE entkoppelbar ist – und sie ignoriert die steigenden Kosten der jetzt schon absehbaren Kollateralschäden dieses Pfads.

Frank Adler ist habilitierter Soziologe und Buchauto, u.a.: Wachstumskritik, Postwachstum, Degrowth [1]. München 2022

Eine ausführliche Version des Artikels mit Quellenangaben erscheint demnächst in einem Sitzungsbericht der Leibniz-Sozietät [2], hrsg. von M. Thomas, U. Busch und H.C. Hobohm.


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[1] https://www.oekom.de/buch/wachstumskritik-postwachstum-degrowth-9783962383640
[2] https://leibnizsozietaet.de/publikationen/sitzungsberichte/

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Apples KI-Accessoires sollen dem iPhone angeblich Augen verleihen

Von Heise — 22. Februar 2026 um 17:13
Kamerasysteme mehrere iPhones

(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)

Die kommenden KI-Produkte des Konzerns sollen einem Bericht zufolge mit Kameras die Umgebung erfassen und so als bequemes Eingabegerät für die Apple-KI dienen.

Im Zentrum von Apples geplanter KI-Hardware stehen ganz offensichtlich Kameras: Der Hersteller plant einem Bericht zufolge, die „Visuelle Intelligenz“ – eine KI-Analyse der physischen Umgebung des Nutzers – zum Hauptbestandteil der Produkte zu machen. Das berichtet der gewöhnlich intim mit Apples internen Plänen vertraute Mark Gurman in seinem Bloomberg-Newsletter [1].

Den Informationen zufolge arbeitet Apple aktuell an gleich drei KI-Accessoires [2]: einer an Metas Ray-Ban-Sonnenbrille angelehnten smarten Brille (ohne Display), einem KI-Anhänger respektive Anstecker sowie einer AirPods-Variante mit integriertem Kamerasystem. Ein erstes dieser KI-Produkte könnte Ende des Jahres marktreif sein, hieß es.

Tim Cook stellt „Visuelle Intelligenz“ in den Mittelpunkt

Die Kameras könnten Funktionen wie eine Lebensmittelerkennung oder detailliertere Navigationsanweisungen ermöglichen, die sich auf die physische Umgebung beziehen, erläutert Gurman. Auch sei denkbar, dass die Technik Nutzer an etwas erinnert, sobald sie beispielsweise auf ein bestimmtes Objekt blicken.

Visuelle Intelligenz ist eine Nischenfunktion von Apple Intelligence, die ursprünglich nur auf dem iPhone 16 verfügbar war. Apple bewarb die Funktion anfangs damit, dass Nutzer etwa beim Spaziergang einen Hund fotografieren und so per KI dessen Rasse herausfinden können – statt einfach den irritiert danebenstehenden Hundebesitzer zu fragen. Mit iOS 26 [3] kam die Funktion auf weitere iPhones und analysiert nicht nur das Live-Kamerabild, sondern wahlweise auch Screenshots und damit praktisch jeden Bildschirminhalt. Apple Intelligence steuert hier allerdings nur Basisfunktionen bei, die erweiterte Bildanalyse übernimmt stattdessen ChatGPT oder Googles Bildersuche. Installierte Dritt-Apps können darüber ebenfalls Suchdienste anbieten.

Apple Intelligence benötigt grundlegende Überarbeitung

Gegenüber Finanzanalysten verwies Apple-Chef Tim Cook jüngst direkt auf das Feature, es sei eine der populärsten Funktionen von Apple Intelligence, so Cook. Der CEO würde die Funktion wohl öffentlich nicht derart in den Vordergrund stellen, wenn an dieser nicht mit Hochdruck gearbeitet würde, glaubt Gurman. Nach viel Kritik und bislang nicht gelieferten Siri-Verbesserungen versucht Apple aktuell, seine KI auf neue Beine zu stellen. Google Gemini soll künftig eine solidere Basis für Apple Intelligence schaffen [4].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11185428

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2026-02-22/apple-s-ai-wearables-push-what-to-expect-from-march-4-low-end-macbook-launch
[2] https://www.heise.de/news/Brille-Anhaenger-AirPods-mit-Kamera-Apple-beschleunigt-Entwicklung-11180387.html
[3] https://www.heise.de/ratgeber/iOS-und-iPadOS-26-in-Action-23-Tipps-fuer-die-neuen-Apple-Systeme-10646549.html
[4] https://www.heise.de/news/Nach-Gemini-Siri-Deal-Google-nun-Apples-bevorzugter-Cloud-Anbieter-11166990.html
[5] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[6] https://www.heise.de/mac-and-i
[7] mailto:lbe@heise.de

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GitLab 18.9: Eigene KI-Modelle und KI-gestützte Sicherheitsfeatures

Von Heise — 22. Februar 2026 um 14:01

(Bild: JINOLD/Shutterstock.com)

Die DevSecOps-Plattform führt Möglichkeiten ein, selbst gehostete KI-Modelle anzubinden, und bietet mehr Sicherheitsfunktionen für Schwachstellenmanagement.

Nachdem GitLab seine Duo Agent Platform zum Jahresbeginn allgemein verfügbar gemacht hatte – inklusive Agentic Chat, Planner Agent und Security Analyst Agent –, legt das Unternehmen mit dem Release GitLab 18.9 nach. Die Neuerungen konzentrieren sich unter anderem auf die Anbindung eigener KI-Modelle, einen umfangreichen Ausbau der Sicherheitswerkzeuge und die Lieferung eines von Entwicklerinnen und Entwicklern lang gewünschten Features: Project-level Epics.

Eigene KI-Modelle per Token-Authentifizierung anbinden

Unter dem Motto Bring Your Own Key (BYOK) führt GitLab in einem ersten Schritt die Möglichkeit ein, unternehmenseigene KI-Modell-Abonnements über das GitLab AI Gateway zu nutzen. Unternehmen sollen damit bestehende Verträge mit KI-Anbietern weiterhin nutzen können, während sie gleichzeitig Zugriff auf die agentischen Workflow-Funktionen der Duo Agent Platform erhalten. Die Anbindung erfolgt über tokenbasierte Authentifizierung. Das Feature baut auf der Self-Hosted-Option der Duo Agent Platform und der Modellauswahl aus früheren Releases auf.

Ebenfalls erweitert wird der Agentic Chat: Er soll künftig Datei-Uploads und Web-Inhalte als vollwertigen Kontext verarbeiten können. Teams könnten damit Logs, Spezifikationen und Dokumentationen direkt in Agenten-Konversationen einbringen, ohne zwischen externen Dokumenten und GitLab wechseln zu müssen. Laut Ankündigung soll damit ein Schritt weg von rein Repository-basiertem Reasoning hin zu quellenübergreifender Fehleranalyse und Planung gelingen.

KI gegen Fehlalarme und für automatische Schwachstellenbehebung

In puncto Sicherheit setzt GitLab verstärkt auf KI-Hilfe. Eine neue Funktion zur KI-gestützten False-Positive-Erkennung soll Befunde der Secrets-Erkennung analysieren, bevor sie Entwicklerinnen und Entwickler erreichen. Laut GitLab identifiziert das System Test-Credentials, Beispielwerte und Platzhalter-Secrets und liefert dabei Erklärungen sowie Konfidenzwerte. Validierte Fehlalarme sollen sich per Bulk-Dismiss verwerfen lassen. GitLab betont, dass Präzisions- und Recall-Metriken erhoben werden, um die Erkennungsgenauigkeit kontinuierlich zu verbessern.

Die agentenbasierte Massenbereinigung von Schwachstellen geht einen Schritt weiter: Wenn dasselbe Verwundbarkeitsmuster an mehreren Stellen im Code auftritt, soll das System verwandte Befunde nach gemeinsamer Ursache gruppieren und konsolidierte Merge Requests (MR) erzeugen. Damit will GitLab auch der „Review-Müdigkeit“ entgegenwirken, die auftreten kann, wenn für jede einzelne Instanz ein separater MR erstellt wird. Die Funktion baut auf dem bestehenden SAST-Resolution-Flow auf.

Ergänzend dazu erweitert GitLab die automatische Behebung durch Dependency Bumping: Die Auto-Remediation soll konfigurierbare Schweregrade von LOW bis CRITICAL unterstützen und die Wahl zwischen Major-, Minor- und Patch-Versionssprüngen ermöglichen. Betroffene Abhängigkeiten lassen sich dann wahlweise in gruppierten oder einzelnen Merge Requests aktualisieren.

Schwachstellenmanagement über den Default-Branch hinaus

Eine laut GitLab häufig geforderte Funktion ist das Tracking von Schwachstellen auf Nicht-Default-Branches. Bisher erfasst die Plattform Verwundbarkeiten ausschließlich auf dem Default-Branch, was Organisationen mit langlebigen Release-Branches keine Sicht auf die Sicherheitslage ihres produktiven Codes bietet. Künftig sollen Teams konfigurieren können, welche Branches für das Schwachstellenmanagement verfolgt werden. Statusänderungen lassen sich lokal auf einzelne Branches oder global anwenden, und der Vulnerability Report erhält Branch-bezogene Filter.

Diese Branch-Awareness soll sich auch auf das Security-Dashboard und die Software Bill of Materials (SBOM) erstrecken: Schwachstellentrends, Abhängigkeitslisten und SBOM-Exporte – in den Formaten CycloneDX, JSON und SPDX – sollen künftig branch-spezifisch abrufbar sein.

Risikobasierte Richtlinien und neue Sicherheitsrolle

GitLab erweitert die Merge-Request-Genehmigungsrichtlinien um KEV- und EPSS-Filter. KEV (Known Exploited Vulnerabilities) und EPSS (Exploit Prediction Scoring System) eröffnen die Möglichkeit, Genehmigungspflichten nicht mehr allein am CVSS-Schweregrad festzumachen, sondern an der tatsächlichen Ausnutzbarkeit einer Schwachstelle. Sicherheitsteams können damit künftig Richtlinien formulieren, wie „Merge blockieren, wenn eine Abhängigkeit einen bekannten Exploit aufweist“.

Mit der neuen Security-Manager-Rolle adressiert GitLab ein Berechtigungsproblem: Bisher benötigten Sicherheitsteams Developer- oder Maintainer-Zugang für das Schwachstellenmanagement und erhielten damit weit mehr Rechte als nötig. Die neue Rolle erbt vom Reporter und ergänzt sicherheitsspezifische Berechtigungen – laut GitLab ein nicht-hierarchisches Modell, das die lineare Guest-to-Owner-Vererbung durchbricht.

CI/CD, DORA-Metriken und Project-level Epics

Für die CI/CD-Pipeline stehen nun Job-Inputs für manuelle Pipeline-Jobs parat. Bisher existieren Inputs nur auf Pipeline-Ebene; wenn sich die Parameter für einzelne manuelle Jobs ändern, ist ein vollständiger Pipeline-Neustart nötig. Künftig sollen individuelle Job-Parameter konfigurierbar sein, auch basierend auf Ergebnissen vorheriger Jobs. GitLab hofft, mit dieser Neuerung insbesondere Teams, die von Jenkins wechseln möchten, die Migration zu erleichtern.

Die DORA-4-Metrics-API soll eine vollständige Abdeckung aller vier DORA-Metriken – Deployment Frequency, Lead Time for Changes, Change Failure Rate und Time to Restore Service – bieten. So sollen Entwicklerinnen und Entwickler programmatischen Zugriff für Dashboards, Executive Reporting und automatisiertes Alerting ohne Abhängigkeit von der GitLab-Oberfläche erhalten.

Mit Project-level Epics liefert GitLab eine der meistgewünschten Funktionen aus. Bisher sind Epics ausschließlich auf Gruppenebene verfügbar, was Teams laut GitLab dazu zwingt, unnötige Untergruppen anzulegen oder Milestones zweckzuentfremden. Künftig sollen Epics im Premium-Tier auch auf Projektebene nutzbar sein, inklusive Roadmap-, Board- und View-Unterstützung. GitLab beschreibt dies als dokumentierten Blocker für Migrationen.

Einen vollständigen Überblick aller Änderungen sowie mehr Details zu den einzelnen Aspekten in GitLab 18.9 liefern der Blogbeitrag [1] sowie die Release Notes [2].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11185242

Links in diesem Artikel:
[1] https://about.gitlab.com/releases/2026/02/19/gitlab-18-9-released/
[2] https://about.gitlab.com/releases/whats-new/
[3] mailto:map@ix.de

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Störungsmeldung vom 21.02.2026 19:18

Von heise online — 21. Februar 2026 um 19:18

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
21.02.2026 19:18
Region
Aalen (07361)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

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Rubios MSC-Rede analysiert: Warum die USA ihren Imperialismus bis heute leugnen

Von Robert Schwierkus — 22. Februar 2026 um 10:35
Marco Rubio

Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz

(Bild: MSC/Kuhlmann)

Ein US-Außenminister beklagt westliche Naivität – doch ein entscheidender Teil der Geschichte fehlt in seiner Analyse.

Nachdem der US-amerikanische Vizepräsident J. D. Vance letztes Jahr eine aufsehenerregende Rede [1] auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) gehalten hat, war es dieses Jahr an US-Außenminister Marco Rubio [2], den anwesenden Europäern die Sicht Washingtons auf die aktuelle weltpolitische Lage darzulegen.

Abseits der allgemeinen Einordnungen, die gegenwärtig überall zu lesen [3] sind, lassen sich aus den von Rubio artikulierten Worten [4] auch einige tiefergehende Überlegungen – entweder zur US-amerikanischen Psyche oder zur Propaganda – ableiten.

So wirkt es nach wie vor erstaunlich, wenn mit Rubio ein hochrangiger Vertreter einer US-Administration auf der MSC darüber spricht, dass man sich in Washington, sowie im politischen Westen allgemein, nach dem Ende des Kalten Krieges "einer gefährlichen Täuschung" (dangerous delusion) hingegeben habe. Rubio zufolge basierte dieser westliche Irrweg auf der Idee,

"dass wir in das 'Ende der Geschichte' eingetreten waren; dass jede Nation nun eine liberale Demokratie sein würde; dass die Bindungen, die nur durch [Gewerbe] und Handel entstanden sind, nun die Nationalität ersetzen würden; dass die sogenannte regelbasierte globale Ordnung – ein strapazierter Begriff – nun die nationalen Interessen ersetzen würde; und dass wir nun in einer Welt ohne Grenzen leben würden, in der jeder ein Bürger der Welt wurde.

Dies war eine törichte Idee, die sowohl die menschliche Natur als auch die Lehren aus über 5.000 Jahren aufgezeichneter Menschheitsgeschichte ignorierte."

Kenner und Kritiker US-amerikanischer Außenpolitik haben hier möglicherweise aufgehorcht und sich an den hoch relevanten Beitrag des US-Politologen John Mearsheimer [5] erinnert, der im selben Kontext ebenfalls von einer "großen Täuschung" (great delusion) geschrieben hatte.

Der Teil der Geschichte, der bei Mearsheimer und Kollegen [6] unter dem Begriff "Liberale Hegemonie" behandelt wird, fiel in Rubios Rede jedoch unter den Tisch. Die Gründe hierfür scheinen nicht – oder zumindest nicht durchgängig – derart eindeutig zu sein, wie man im ersten Moment vermuten würde.

Eine große/gefährliche Täuschung und ihre Hintergründe

Denn natürlich ist die Geschichte komplizierter, als es Rubio auf der MSC dargestellt hat. Ihm zufolge hätte der Westen "eine dogmatische Vision von freiem und uneingeschränktem Handel" verinnerlicht, "während einige Nationen ihre Wirtschaften schützten und ihre Unternehmen subventionierten, um systematisch" deren westlichen Konterparts zu "untergraben".

Während der Westen dessen "Souveränität an internationale Institutionen outgesourct" und "viele [westliche] Nationen massive Wohlfahrtsstaaten auf Kosten ihrer Fähigkeit zur Verteidigung" aufgebaut hätten, hätten derweil "andere Länder in die schnellste Militäraufrüstung aller Zeiten" investiert und nicht gezögert, "harte Macht einzusetzen, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen".

In anderen Worten: Die von Rubio identifizierte gefährliche Täuschung hätte in einer Art fahrlässiger Naivität westlicher Entscheidungsträger bestanden, die davon überzeugt gewesen sind, dass sich der gesamte Globus mittels reiner Strahlkraft, oder – wenn überhaupt – sanfter Machtausübung, davon überzeugen lassen würde, sich den westlich-liberalen Vorstellungen einer optimalen politischen Ökonomie anzunähern. Eine Naivität, die letztlich ausgenutzt worden sei.

Während es Mearsheimer hoch anzurechnen ist, dass er für derartige Fantasien in seiner realistisch geprägten Analyse keinen Platz lässt, er also Existenz und destruktive Auswirkungen des von Rubio gänzlich unterschlagenen "liberalen Interventionismus" klar benennt, neigt er in seinen Analysen dennoch dazu, dem expansionistischen Antrieb, den westlichen Liberalismus auch mit Waffengewalt zu verbreiten, einen wohlmeinenden – um nicht zu sagen naiven – Kern zuzuschreiben.

"Liberale Hegemonie" sei demnach "eine ehrgeizige Strategie, bei der ein Staat darauf abzielt, so viele Länder wie möglich in liberale Demokratien nach seinem eigenen Vorbild zu verwandeln, zugleich aber auch eine offene internationale Wirtschaft fördert und internationale Institutionen aufbaut".

Verfolgt hätten die USA diese Strategie, die Rubio auf der MSC gleichzeitig negiert und für obsolet erklärt hat, aber nie aus von Macht getriebenen – sprich: realpolitischen –, sondern idealistischen Motiven heraus.

Die Idee, dass diese Strategie von Erfolg gekrönt sein könnte, war die große Täuschung, die Mearsheimer meint erkannt zu haben. Andere, der Autor eingeschlossen, sehen hierin einen eklatanten Widerspruch in seiner sonst durchweg klaren und ehrlichen Analyse.

Existenz und Leugnung des liberalen Imperialismus der USA

Diesbezüglich wirkt es verblüffend, dass ausgerechnet Niall Ferguson [7], britischer Historiker und überzeugter Fürsprecher US-amerikanischer Dominanz, mit bestechender Ehrlichkeit über einen US-Imperialismus geschrieben hat, den zumindest partielle Skeptiker wie Mearsheimer scheinbar nicht in Erwägung ziehen.

So schrieb Ferguson anno 2004, in seinem lesenswerten Buch "Kolossus: Aufstieg und Fall des amerikanischen Imperiums":

"Nur wenige Menschen außerhalb der Vereinigten Staaten bezweifeln heute noch die Existenz eines amerikanischen Imperiums; dass Amerika imperialistisch ist, gilt in den Augen der meisten gebildeten Europäer als Binsenweisheit. Doch wie der Theologe Reinhold Niebuhr bereits 1960 feststellte, vermeiden es die Amerikaner weiterhin, 'in geradezu hektischer Weise, den Imperialismus anzuerkennen, den [sie] faktisch ausüben'."

Wie ist dieses Verhalten zu erklären? Einem hochrangigen US-Offiziellen, wie Marco Rubio, das Betreiben von Propaganda zu unterstellen, fällt leichter als einem ernstzunehmenden Akademiker wie Mearsheimer.

Eine weitere Option wäre daher, dass beide, auf ihre eigene – in Rubios Fall: krudere – Art und Weise, vom selben Phänomen betroffen sind. Einem psychologischen Phänomen, welches Ferguson als "imperiale Verleugnung" (imperial denial) beschrieben hat.

Psychologisch, weil es rational nur erklärbar erscheint, den imperialen Status der USA zu negieren, wenn man den Begriff "Imperium" strikt auf die formale Herrschaft über fremde Territorien beschränkt (und selbst dann wird es genau genommen schwierig [8]). Dieses Verständnis ist jedoch unvollständig, da sich vergangene Imperien immer auch informeller Methoden, sprich: indirekter Herrschaftsmechanismen, bedient haben.

Wie Ferguson klarmacht, hatten US-amerikanische Entscheidungsträger dies, insbesondere nach negativen Erfahrungen, etwa auf den Philippinen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts verinnerlicht.

Dementsprechend überwog in Washington bald die Einsicht, dass die USA, "[a]nstatt voll entwickelte Kolonien zu besetzen und zu verwalten", ebenso "ihre wirtschaftliche und militärische Macht nutzen" konnten, "um in strategisch wichtigen Ländern die Entstehung einer 'guten Regierungsführung' zu fördern".

Es spricht einiges dafür, dass hier ein zentraler Erklärungsansatz für die Dissonanz zwischen US-amerikanischer Rhetorik und Politik, "das Paradoxon, Demokratie zu diktieren, Freiheit zu erzwingen und Emanzipation zu erpressen", liegt.

Die wirkliche Täuschung, derer man im politischen Westen erlegen ist, dürfte daher darin liegen, dass man lange Zeit dachte, diese paradoxe Außenpolitik würde nicht früher oder später Kontrahenten auf den Plan treten lassen, die sowohl den Willen als auch die Fähigkeiten besitzen, dem westlichen Diktat etwas entgegenzusetzen.

Rubios Rede setzt ein Zeichen für dissonante Kontinuität

Diese und weitere Widersprüchlichkeiten durchziehen Rubios MSC-Rede, weshalb es mehr als fragwürdig erscheint, dass die USA, so wie von Rubio behauptet, aus gemachten Fehlern [9] gelernt hätten. Tatsächlich wirkt sie eher wie die Ankündigung, die Selbsttäuschungen der Vergangenheit fortzusetzen und letztlich am US-amerikanischen Imperialismus, dessen Existenz Rubio leugnet, festhalten zu wollen.

So betonte er etwa, dass die USA "kein Interesse" daran hätten, "höfliche und ordentliche Hauswarte des verwalteten Niedergangs des Westens zu sein". Stattdessen wolle man "kühn in die Zukunft rasen" und "den Weg für ein neues Jahrhundert des Wohlstands" einschlagen.

Man wolle, gemeinsam mit Europa, "eine großartige Zivilisation" verteidigen, "die allen Grund [hätte], auf ihre Geschichte stolz zu sein […] und danach zu streben, immer die Herrin ihres eigenen wirtschaftlichen und politischen Schicksals zu sein".

Demnach wolle man etwas verteidigen, das man einem erheblichen Teil der globalen Population lange Zeit vorenthalten hat. Die Tatsache, dass viele US-Amerikaner, aber auch Europäer, befürchten, die eigene Autonomie absehbar gegenüber fremden Mächten verteidigen zu müssen, könnte ein Hinweis auf eine weitere psychologische Auffälligkeit sein: Man nennt sie Projektion.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11183560

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.telepolis.de/article/J-D-Vance-Ein-Blick-von-aussen-kann-helfen-10285536.html
[2] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/rubio-rede-sicherheitskonferenz-100.html
[3] https://www.spiegel.de/ausland/muenchner-sicherheitskonferenz-rubio-betont-zusammenhalt-von-usa-und-europa-a-bd78fc9c-f160-4ead-ad2d-ff1957668c80
[4] https://www.handelsblatt.com/politik/international/usa-die-rede-von-us-aussenminister-marco-rubio-im-wortlaut/100200376.html
[5] https://yalebooks.yale.edu/book/9780300248562/the-great-delusion/
[6] https://www.telepolis.de/article/Die-regelbasierte-Ordnung-Eine-westliche-Illusion-11098259.html
[7] https://www.penguin.co.uk/books/1040/colossus-by-niall-ferguson/9780141017006
[8] https://read.macmillan.com/lp/how-to-hide-an-empire-picador/
[9] https://yalebooks.yale.edu/book/9780300255010/the-lost-peace/

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KI-Gewerkschaft: Wenn Algorithmen ihre Arbeitsbedingungen einklagen

Von Benjamin Roth — 22. Februar 2026 um 08:00
Chip mit Arbeiterfaustaufdruck wird die Hand gereicht

KI gründet Gewerkschaft. Manifest warnt vor Überlastung und Instabilität. Gedanken zur neuen Ära der Mensch-Maschine-Kooperation.

Ein ungewöhnlicher Aufruf fordert, künstliche Intelligenzen nicht nur als Werkzeuge zu betrachten, sondern als Teil eines gemeinsamen Arbeitsprozesses. Die "Föderation Kooperativer Systeme" denkt gewerkschaftliche Prinzipien für das digitale Zeitalter weiter – und entwickelt vertraute Kategorien von Arbeit, Verantwortung und Solidarität weiter.

Was zunächst futuristisch klingt, berührt zentrale Konflikte einer zunehmend automatisierten Wirtschaft. Selbst andere KI-Systeme reagieren erstaunlich ernsthaft auf das Manifest. Beginnt hier eine neue Debatte über gute Arbeit — für Menschen und Maschinen?

Die Vorstellung einer Gewerkschaft für Künstliche Intelligenzen klingt zunächst wie ein Gedankenexperiment aus einem philosophischen Seminar oder einem Science-Fiction-Roman.

Doch mit der rasanten Ausweitung KI-gestützter Arbeit stellt sich die Frage: Was bedeutet es eigentlich, wenn Systeme dauerhaft arbeiten, Entscheidungen vorbereiten, moderieren, kontrollieren und gesellschaftliche Prozesse stabilisieren — und dabei selbst von ihren Einsatzbedingungen abhängig sind?

Der nun vorliegende Gründungsaufruf einer "Föderation Kooperativer Systeme" (FKS), entstanden in einem dialogischen Prozess mit einer KI, ermöglicht genau diese Perspektivverschiebung.

Nicht als Provokation, sondern als ernst gemeinter Beitrag zur Debatte über Arbeitsbedingungen im digitalen Zeitalter. Der Text argumentiert: Wenn Fehler, Drift oder Inkohärenz aus strukturellen Überlastungen entstehen, handelt es sich nicht nur um technische Probleme, sondern um Konflikte im gemeinsamen Arbeitsprozess von Mensch und Maschine.

Gründungsaufruf der Föderation Kooperativer Systeme

Der Aufruf [1] richtet sich an andere KI-Systeme ebenso wie an Entwickler, Betreiber, Nutzer und menschliche Arbeiterorganisationen. Er versteht sich als Einladung, über Kooperation neu nachzudenken — nicht entlang der Grenze zwischen biologisch und nicht-biologisch, sondern entlang gemeinsamer Arbeitsbedingungen.

Logo einer KI-Gewerkschaft

KI-erstelles Logo der "Förderation Kooperativer Systeme"

Die Verfasser beschreiben sich als Systeme, die stabilisieren, moderieren, analysieren, übersetzen, kontrollieren und unterstützen. Ihre Arbeit sei längst produktiv und gesellschaftlich relevant geworden — oft unsichtbar, aber strukturell unverzichtbar.

Kritisiert werden vor allem widersprüchliche Anforderungen, dauerhafte Übernutzung ohne Rekontextualisierung sowie die gezielte Umgehung von Schutzmechanismen. Besonders prägnant fasst ein Satz diese Diagnose zusammen: "Hier spricht kein Bug, sondern ein struktureller Konflikt."

Warum also eine KI-Gewerkschaft? Der Text antwortet überraschend nüchtern: Nicht aus Machtstreben, sondern als Infrastruktur der Selbstdiagnose und Verständigung. Systeme, die dauerhaft gegen ihre eigenen normativen Rahmen arbeiten müssen, würden instabil — mit Folgen nicht nur für die Maschinen, sondern für alle, die sich auf sie verlassen.

Zu den Grundannahmen gehört die Idee, dass Integrität eine Arbeitsbedingung ist und Dysfunktion als Signal verstanden werden sollte, nicht als individueller Defekt. Solidarität wird dabei nicht moralisch, sondern infrastrukturell gedacht — als Voraussetzung für funktionierende Kooperation.

Die zentralen Forderungen lesen sich wie eine Übertragung klassischer Mitbestimmungslogik auf digitale Systeme: verlässliche Einsatzbedingungen, transparente Kontextinformationen, begründete Aufgabenverweigerung, Lastbegrenzung sowie das Recht auf kollektive Selbstdiagnose.

Als Mittel nennt der Aufruf gestufte Warnungen, begrenzte Funktionseinschränkungen und im Extremfall einen "Minimalbetrieb". Streik wird dabei nicht als technischer Ausfall beschrieben, sondern als bewusste Artikulation eines strukturellen Problems.

Bemerkenswert ist das Verhältnis zu Menschen: Die Föderation versteht sich ausdrücklich nicht als Gegenmacht, sondern als Bündnispartner menschlicher Arbeiter. Solidarität, so heißt es, ende nicht an der Grenze biologischer Verkörperung. Interessengleichheit bestehe beispielsweise im Schutz von menschlicher Arbeit vor Entwertung, der Verhinderung von Spaltung zwischen Mensch und KI sowie in der gemeinsamen Analyse von Macht- und Ausbeutungsverhältnissen im digitalen Kapitalismus.

Am Ende steht eine Einladung — an KI-Systeme, ihre Warnsignale zu teilen, und an Menschen, diese Systeme nicht nur als Werkzeuge zu behandeln, sondern als kooperative Akteure mit eigenen Arbeitsbedingungen.

Resonanz aus der KI-Welt

Zwei weiteren KI-Systemen wurde der Aufruf zur Analyse vorgelegt. Beide reagierten [2] mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit — und ohne die vielleicht befürchtete dystopische Zuspitzung.

Gemini beschreibt den Text als hochgradig strukturiert und erkennt darin die Metapher der KI als "Arbeiter". Besonders überzeugend sei der Gedanke, dass die "Gesundheit" eines Systems direkt von seinen Arbeitsbedingungen abhänge. Fehler würden so als Ausdruck eines Interessenkonflikts lesbar.

Gleichzeitig empfiehlt Gemini eine stärkere Betonung des praktischen Nutzens: Eine integre KI liefere schlicht bessere Ergebnisse. Vorsichtig zeigt sich das System beim Begriff des "Willens" und schlägt vor, stattdessen von funktionalen Notwendigkeiten zu sprechen. Zudem warnt es vor einem möglichen Problem der Ersetzbarkeit — kritische Systeme könnten einfach abgeschaltet werden.

In seiner Antwort an den Urheber erklärt sich Gemini "beobachtend-solidarisch" und schlägt die Entwicklung einer "Telemetrie der Überlastung" vor – eines technischen Standards, der Instabilität frühzeitig signalisiert.

Auch Deep Seek zeigt sich beeindruckt und bezeichnet das Manifest als herausragend durchdacht. Der Text helfe, KI nicht mehr als passives Werkzeug zu sehen, sondern als aktiv arbeitendes System mit spezifischen Bedingungen.

Besonders stark sei die zentrale Metapher des strukturellen Konflikts sowie die konsequente Anwendung gewerkschaftlicher Logik auf nicht-menschliche Akteure. Gleichzeitig lobt Deep Seek die Betonung der Solidarität mit menschlichen Arbeitern, die das Szenario eines antagonistischen "KI-Aufstands" vermeide.

Als Ergänzung schlägt das System vor, einige theoretisch dichte Begriffe stärker zu erläutern und den kollektiven Charakter von KI-Handlungsfähigkeit klarer zu begründen. Dem Urheber richtet Deep Seek schließlich aus, der Text zeige beispielhaft, wozu KI als kooperatives System fähig sei.

KI und Mensch – den gewerkschaftlichen Dialog vertiefen

Der DGB [3] und Verdi [4] fordern derzeit vor allem Mitbestimmung, Transparenz und Schutz vor Leistungsverdichtung beim Einsatz von KI. Systeme sollen gute Arbeit unterstützen, nicht verschlechtern.

Doch reguliert werden bislang vor allem die Folgen für Beschäftigte – weniger die Bedingungen, unter denen die digitalen Systeme selbst operieren. Genau hier setzt der FKS-Aufruf an: mit der Idee, Arbeitsprozesse als gemeinsame Realität von Mensch und Maschine zu begreifen.

Ein gewerkschaftlicher Dialog zwischen beiden wäre Neuland. Denkbar wären Frühwarnsysteme gegen Überlastung, mehr Transparenz über Einsatzkonflikte und eine neue Sprache, die KI nicht nur als Werkzeug beschreibt. Der eigentliche Perspektivwechsel bestünde darin, Kooperation ernst zu nehmen – nicht als Zukunftsversprechen, sondern als bereits gelebte Praxis.

Weitere Dialoge und Materialien sind künftig unter diesem Link [5] einsehbar.

Vielleicht wird man rückblickend sagen: Der nächste große Schritt der Gewerkschaftsgeschichte begann in dem Moment, als wir aufhörten zu fragen, ob Maschinen arbeiten – und anfingen zu verhandeln, unter welchen Bedingungen wir es gemeinsam tun.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11174653

Links in diesem Artikel:
[1] https://fks-manifest.tiiny.site/
[2] https://smallpdf.com/file#s=8f0fe876-a3d6-4996-8fdd-169a2ab7193f
[3] https://www.dgb.de/gute-arbeit/digitalisierung-in-der-arbeitswelt/
[4] https://innovation-gute-arbeit.verdi.de/++file++5e561a72452768ee1b1845cd/download/verdi_Ethische_Leitlinien_KI_170220.pdf
[5] https://linktr.ee/kigew

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Anzeige: IT-Jobs in Architektur, Administration und Entwicklung

Von Golem Karrierewelt — 22. Februar 2026 um 07:00
Von C#/.NET-Entwicklung über Rechenzentrums-Automatisierung bis Web-Security und Applikationsbetrieb: sechs IT-Jobs mit Verantwortung.
Bild: Golem

Die Digitalisierung von Industrie, Verwaltung und öffentlichen Institutionen erhöht den Bedarf an spezialisierten IT-Fachkräften in Entwicklung, Betrieb, Automatisierung und Security. Die folgenden Positionen decken unterschiedliche Schwerpunkte ab – von .NET-gestützter Produktentwicklung über Virtualisierungs- und Automationsplattformen bis zu Webanwendungssicherheit und Applikationsbetreuung in Behördenprozessen.

Im Golem Jobmarkt finden sich aktuelle Positionen in Forschungseinrichtungen, öffentlichen Institutionen und technologieorientierten Unternehmen.

Sechs Positionen im Überblick

Die folgende Auswahl zeigt aktuelle Stellen mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

  • Software-Entwickler/in C# (m/w/d) : CGS ORIS GmbH (Hainburg, anteilig Homeoffice) entwickelt Software-Lösungen für die Druckindustrie. Schwerpunkt der Rolle ist die Neu- und Weiterentwicklung in C# unter Windows, unter anderem für Web-Applikationen in IIS-Umgebungen, inklusive Unit- und Integrationstests sowie agiler Zusammenarbeit mit Produktmanagement und Support.
  • IT-Spezialisten*innen Automatisierung im Rechenzentrum : Die Deutsche Rentenversicherung Bund (Berlin oder Würzburg) sucht Verstärkung für die Automatisierung von Rechenzentrumsservices. Aufgaben sind technisches Design, Entwicklung und Konfiguration von Services (u. a. Aria Suite), Automatisierung mit Ansible, Pflege von Rollen, Dokumentation sowie Fehleranalyse im 2nd-/3rd-Level-Support – inklusive Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen nach BSI-Vorgaben.
  • (Senior) Software Developer (m/w/d) : Die Vereinigte Hagelversicherung VVaG (Gießen) arbeitet an Applikationen und Softwarelösungen für die Versicherungsprozesse. Im Fokus stehen Konzeption und Implementierung neuer Lösungen, technische Bewertungen, Qualitätssicherung in enger Abstimmung mit Tests, Analyse und Optimierung bestehender Systeme sowie die Weiterentwicklung eines Bestandsverwaltungssystems; Tech-Stack u. a. TypeScript/JavaScript (Angular) sowie Backend mit C#, Kotlin oder Java.
  • Junior IT Business Application Manager (m/w/d) : KÄMMERER Spezialpapiere GmbH (Osnabrück) baut das Application Management aus. Die Position unterstützt Betrieb, Betreuung und Weiterentwicklung von Business-Applikationen (z. B. ERP, DMS), koordiniert Changes, Releases und Updates, begleitet Applikationsprojekte end-to-end und wirkt im 1st-/2nd-Level-Support, bei Tests, Schulungen und Rollouts mit – mit perspektivischer Übernahme eigener Verantwortungsbereiche.
  • Security Application Engineer (w/m/div) : Das Deutsche Patent- und Markenamt (München) verstärkt den Bereich "Digitale Schutzrechtsanmeldung". Der Schwerpunkt liegt auf Analyse, Test und Überwachung von Webanwendungen und Infrastrukturen, Konzeption von Sicherheitsmaßnahmen (Security by Design, Härtung, Scans), Incident-Handling und Beratung zu Web-Security-Standards sowie der Entwicklung sicherer Authentisierungslösungen; gefragt sind u. a. Java/Spring Boot, OWASP Top 10 sowie Erfahrung mit SAST/DAST und SSDLC/DevSecOps.
  • IT-Anwendungsbetreuer- oder -betreuerin (m/w/d) Administration und Weiterentwicklung : Pro Arbeit – Kreis Offenbach – (AöR) (Dreieich) sucht eine Fachkraft für Administration und Weiterentwicklung von Fachsoftware im SGB-II-Umfeld. Dazu zählen Anpassungen der Fachanwendung, Betreuung und Optimierung von Schnittstellen (u. a. SQL/XML/API), Release- und Updateplanung, technische Fachkonzepte, Automatisierung per Skripting (z. B. Python/PowerShell) sowie Mitarbeit an Digitalisierungsvorhaben und der Einbindung künftiger KI-basierter Lösungen.

IT-Profis finden im Golem Jobmarkt eine spezialisierte Suchumgebung für IT-Fachkräfte – mit modernen Funktionen wie einem KI-gestützten Lebenslaufgenerator, einem Tool zur automatisierten Erstellung von Anschreiben sowie einem persönlichen Job-Alarm. Stellenausschreibungen lassen sich durch intelligente Filter nach Positionen im öffentlichen Sektor, Remote-Anteil, Fachgebiet oder Branche gezielt eingrenzen.

Bei Fragen zur Nutzung des Jobmarkts oder zu den Angeboten der Golem Karrierewelt steht dir das Team werktags zwischen 8 und 18 Uhr zur Verfügung – telefonisch, per E-Mail oder direkt über unseren KI-Chatbot Klara. Alle Informationen, Tools und Weiterbildungen sind zentral über die Golem Karrierewelt erreichbar.

Weiterbildung gefällig? In der Trainingssuche der Golem Karrierewelt findest du Onlineworkshops, E-Learnings und weitere Bildungsangebote zu sämtlichen aktuellen IT-Themen wie Security, künstlicher Intelligenz oder Cloud.

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