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Rente: Merz will Lebensarbeitszeit statt Altersgrenze

Von Andreas Donath — 08. März 2026 um 14:50
Nicht das Renteneintrittsalter soll künftig zählen, sondern wie lange jemand tatsächlich gearbeitet hat, fordert Bundeskanzler Friedrich Merz .
Merz will keine starre Rente mit 67 mehr. (Bild: Nadja Wohlleben/Getty Images)
Merz will keine starre Rente mit 67 mehr. Bild: Nadja Wohlleben/Getty Images

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich auf einer CDU-Wahlveranstaltung in Ravensburg gegen ein starres Renteneintrittsalter ausgesprochen: Entscheidend sei nicht, ob jemand mit 61, 65 oder 68 in den Ruhestand gehe, so Merz, sondern wann er mit dem Arbeiten begonnen habe und wie viele Jahre er insgesamt im Beruf gewesen sei. Das berichten der Tagesspiegel und Reuters.

Merz betonte, dass auch die SPD Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Die Sozialdemokraten könnten sich vorstellen, die Rentenhöhe künftig nicht mehr an einem abstrakten Eintrittsalter zu bemessen, sondern an der geleisteten Lebensarbeitszeit. Bereits jetzt weiche die Bundesregierung mit der sogenannten Aktivrente die bisherige Altersgrenze auf: Wer nach Erreichen des Rentenalters freiwillig weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei verdienen.

Die viel diskutierte Rentenhaltelinie von 48 Prozent sei hingegen nicht das Kernthema, so Merz. Wichtiger sei eine frühzeitige private Altersvorsorge. Wer schon früh mit kleinen Beträgen – etwa 50 Euro im Monat – beginne und diese Einzahlungen nie unterbreche, könne bis zum Ruhestand eine sechsstellige Altersversorgung aufbauen. Dieses Vorhaben sei mit der SPD bereits vereinbart.

Reformen noch in dieser Legislaturhälfte

Der Kanzler drängte auf umfassende Sozialreformen noch in diesem Jahr. In der zweiten Hälfte einer Wahlperiode sinke die Reformbereitschaft erfahrungsgemäß deutlich – die verbleibende Zeit müsse daher genutzt werden.

Merz erneuerte zudem seine Forderung, dass in Deutschland insgesamt mehr gearbeitet werden müsse. Konzepte wie Work-Life-Balance und die Vier-Tage-Woche seien kein geeignetes Mittel, um den langfristigen Wohlstand zu sichern. Konkrete Gesetzesinitiativen nannte er nicht.

Ob sich der Ansatz einer lebensarbeitszeitbasierten Rente in der Koalition tatsächlich durchsetzen lässt, bleibt offen. Die SPD hat Offenheit signalisiert – doch zwischen Gesprächsbereitschaft und konkreter Gesetzgebung liegt erfahrungsgemäß ein weiter Weg.

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Mit CVEs: KI findet 100 Firefox-Lücken in zwei Wochen

Von Andreas Donath — 08. März 2026 um 14:30
Anthropics Claude hat in einem internen Test mehr als 100 Sicherheitslücken im Firefox -Browser aufgedeckt. Mozilla reagiert mit verstärktem KI-Einsatz.
Firefox mit KI auf Sicherheit getestet (Bild: Mozilla)
Firefox mit KI auf Sicherheit getestet Bild: Mozilla

Innerhalb von zwei Wochen hat die Anthropic-KI Claude insgesamt mehr als 100 Schwachstellen identifiziert. Vierzehn davon wurden als hochkritisch eingestuft: theoretisch angreifbar unter den richtigen Bedingungen.

Mozilla vergab 22 CVEs und lieferte die Fixes mit Firefox 148 aus. Besonders bemerkenswert: Das Modell fand auch Logikfehler, die klassische Fuzzing-Methoden bislang übersehen hatten.

Den Angaben zufolge dauerte es keine zwanzig Minuten bis zum ersten Fund, nachdem Anthropics Sicherheitsteam den KI-Assistenten Claude Opus 4.6 auf Firefox ansetzte. Als Anthropic den Bug bei Mozilla einreichte, war die Reaktion eindeutig: "Was habt ihr noch? Schickt uns mehr" , soll Mozilla-Ingenieur Brian Grinstead gefordert haben.

Mehr als 100 Bugs, 22 CVEs, zwei funktionierende Exploits

Das Anthropic-Team filterte die Ergebnisse vor der Einreichung. Nur reproduzierbare Bugs mit minimalen Testfällen kamen weiter. Das beschleunigte die Verarbeitung auf Mozillas Seite erheblich: Erste Fixes wurden innerhalb von Stunden nach dem ersten Kontakt eingespielt.

Auf Anfrage des Teams schrieb Claude auch Exploit-Code für die gefundenen Schwachstellen. Zwei davon funktionierten tatsächlich, wären in einer echten Umgebung jedoch durch bestehende Schutzmechanismen von Firefox blockiert worden. Logan Graham, der Leiter von Anthropics Frontier Red Team, zog das Fazit: Claude sei beim Finden von Bugs deutlich stärker als beim Ausnutzen.

Wachsende Lücke zwischen Entdeckung und Gegenwehr

Diese Asymmetrie bereitet Sicherheitsexperten Sorgen. Je besser KI-Modelle werden, desto schneller schließt sich der Abstand zwischen Entdeckung und Ausnutzung: "Die aktuellen Methoden der Cyberabwehr können mit der Geschwindigkeit und Häufigkeit der Angriffe nicht Schritt halten" , sagte Gadi Evron, Chef der KI-Sicherheitsfirma Knostic .

Nicht alle Erfahrungen mit KI-gestützten Bug Reports sind positiv. Das Team hinter der Curl-Software stellte im Januar 2026 sein Bug-Bounty-Programm ein , nachdem weniger als jede zwanzigste Einsendung in 2025 als echt eingestuft wurde.

"KI-Chatbots halluzinieren nach wie vor leicht Sicherheitsprobleme" , erklärte Curl-Entwickler Daniel Stenberg, auch wenn er einräumte, dass leistungsfähige KI-Analysewerkzeuge durchaus echte Lücken fänden.

Mozilla integriert KI-Analyse in interne Workflows

Mozilla hat nach der Zusammenarbeit mit Anthropic bereits begonnen, KI-gestützte Analysen in seine internen Sicherheitsprozesse zu integrieren. Dass die Organisation ausgerechnet Firefox als Testfall wählte – einen Browser, der seit Jahrzehnten intensiv geprüft wird – macht es schwer, die Ergebnisse einfach zu ignorieren. Ob solche Kooperationen zum Standard werden, ist offen.

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Neues Vergütungspaket: Google zahlt Pichai bis zu 692 Millionen US-Dollar

Von Mike Faust — 08. März 2026 um 14:10
Neben leistungsabhängigen Aktienoptionen werden Sundar Pichai auch Anreize für den Erfolg von Waymo und des Drohnen -Startups Wing gesetzt.
Sundar Pichai ist seit dem Jahr 2015 CEO von Google. (Bild: Ludovic MARIN / AFP via Getty Images)
Sundar Pichai ist seit dem Jahr 2015 CEO von Google. Bild: Ludovic MARIN / AFP via Getty Images

Google hat ein neues Vergütungspaket für Konzernchef Sundar Pichai beschlossen. Wie aus einer Meldung an die US-Börsenaufsicht hervorgeht, besteht ein Großteil davon aus leistungsabhängigen Aktienoptionen (Performance Stock Units, PSU) mit einem Zielwert von 126 Millionen US-Dollar, die gleichmäßig in zwei Tranchen aufgeteilt sind.

Der Wert der PSUs bemisst sich nach der Gesamtredite für die Aktionäre der Muttergesellschaft Alphabet im Vergleich zu den restlichen Unternehmen im S&P 100, dem Aktienindex der 100 größten US-amerikanischen Unternehmen. Bei einer deutlichen Überperformance kann die Ausschüttung bis zum Doppelten des Zielwertes betragen, also bis zu 252 Millionen US-Dollar.

Im Laufe der nächsten drei Jahre erhält Pichai zudem gesperrte Aktien im Wert von 84 Millionen US-Dollar, die monatlich freigegeben werden, solange er im Unternehmen bleibt. Hinzu kommt ein Jahresgehalt von zwei Millionen US-Dollar.

Neue Aktienanreize mit Waymo und Drohnen-Startup

Google setzt für Pichai zudem zwei neue Aktienanreize, die an das Wachstum des Betreibers autonomer Taxen Waymo und des Drohnen-Liefer-Startups Wing Aviation geknüpft sind. Für Waymo gilt dabei ein Zielwert von 130 Millionen US-Dollar und für Wing von 45 Millionen US-Dollar. Auch hier können bis zu 200 Prozent des Zielwertes ausgezahlt werden, also bis zu 350 Millionen US-Dollar.

Der Alphabet-Vorstand erklärte dazu: "Waymo und Wing stellen sich enormen Herausforderungen im Bereich des autonomen Fahrens und der Zustellung und haben unter der Leitung von Herrn Pichai große Fortschritte erzielt" , und: "Weitere Anreize für Herrn Pichai liegen im besten Interesse von Alphabet und seinen Aktionären" .

Wenn Pichai die Erwartungen übertrifft, könnte er somit bis zu 692 Millionen US-Dollar erhalten. Die Marktkapitalisierung von Google stieg seit Pichais Antritt als CEO im Jahr 2015 um fast das Siebenfache. Im Jahr 2022 erhielt Pichai eine Gesamtvergütung in Höhe von 226 Millionen US-Dollar , von denen 218 Millionen US-Dollar aus Aktienoptionen bestanden.

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Störungsmeldung vom 06.03.2026 09:00

Von heise online — 06. März 2026 um 09:00

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
06.03.2026 09:00
Region
München (089)
Provider
T-Online
Zugangsart
ADSL

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Pakistan: Die Taliban-Rechnung kommt spät, aber sie kommt

Von Luca Schäfer — 08. März 2026 um 08:00
Ein Mann vor einem schneebedeckten Berg

"Die Geister, die ich rief...": Ein Taliban-Kämpfer blickt über die Landschaft am Hindukusch

(Bild: Lena Ha/Shutterstock.com)

Jahrzehntelang pflegte Islamabad die Taliban wie ein zartes US-Pflänzchen im geopolitischen Treibhaus. Nun hagelt es Raketen auf Kabul — der Bruch hat Gründe.

Die Geduld sei "am Ende", notierte [1] der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif via X. Mit jenen Worten weitete sich der Konflikt zwischen Kabul und Islamabad zu einem heißen Krieg aus. Ende Februar – in der westlichen Welt vom völkerrechtswidrigen Überfall der israelisch-amerikanischen Achse auf den Iran weitgehend überschattet – erklärte [2] Islamabad Kabul den "offenen Krieg".

Seit der erneuten Machtübernahme der Taliban 2021 hatte sich das Verhältnis zwischen beiden Staaten spürbar abgekühlt. Parallel zum massiv eskalierenden Iran-Krieg [3], wegen dem alleine über 330.000 Menschen fliehen mussten [4], droht [5] auch an der afghanisch-pakistanischen Grenze ein humanitäres Desaster.

Laut UN-Angaben sind bereits über 100.000 Menschen auf der Flucht, Tausende Familien in Nangarhar und Kunar ohne Unterkunft [6].

Mit einer möglichen Ausweitung des Iran-Konflikts auf die Nachbarstaaten und der Tatsache, dass Pakistan ein Atomwaffenstaat [7] ist, rückt die Welt erneut näher an ein ausgedehntes Armageddon. Droht die Ausweitung des Flächenbrandes bis an Chinas Grenzen?

Operation Ghazab-ul-Haq

Nach vermehrten Provokationen von der afghanischen Grenze aus, startete Islamabad die Operation Ghazab-ul-Haq [8]: massive Luft- und Artillerieschläge auf afghanisches Territorium, gezielt gegen Stellungen der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP).

Laut pakistanischem Informationsminister [9] Attaullah Tarar wurden 464 TTP-Mitglieder getötet und 665 verletzt, dutzende Stellungen neutralisiert oder eingenommen [10]. Zu beklagen sind jedoch auch mindestens 110 zivile Opfer – die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

In einem Beitrag auf X sagte Tarar, die pakistanischen Streitkräfte hätten 188 Posten zerstört und 31 weitere eingenommen. Die Operation hält nun bereits in der zweiten Woche an, wenn auch mit zuletzt deutlich abnehmender Intensität.

Gemischte Reaktionen

Rückendeckung erhielt Pakistan ausgerechnet aus Washington: Die US-Administration – selbst Aggressor gegen den Iran – unterstützte [11] das "Selbstverteidigungsrecht Pakistans". Die Taliban reagierten gemischt.

Sprecher Zabihullah Mujahid betonte [12] den Willen zum Dialog, während Taliban-Kämpfer gleichzeitig "groß angelegte Offensivoperationen" gegen pakistanische Grenzposten starteten [13]. Es kam zu schweren Gefechten und vereinzelter Einnahme pakistanischer Posten.

Das afghanische Verteidigungsministerium schwor [14] Vergeltung und kündigte eine "angemessene und kalkulierte Antwort" an – was die ohnehin schnell drehende Eskalationsspirale weiter verschärft. Wie jene Antwort – auf Basis der faktischen, militärischen Unterlegenheit der Taliban aussehen könnte, blieb unklar. Brüssel und die UN riefen [15] weitgehend folgenlos, beide Seiten zur Mäßigung auf.

Geister, die man rief

Die Gewalteskalation wirkt plötzlich, lag aber seit Monaten in der Luft – ausgelöst durch eine klassische Tit-for-tat-Dynamik [16], zuletzt befeuert durch den Selbstmordanschlag in Bajaur [17] am 16. Februar 2026. Deren Ursachen jedoch weit zu ergründen sind.

Die historische Vorgeschichte ist dabei entscheidend: Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen suchte Islamabad gezielt nach einer Kraft, die Afghanistan im pakistanischen Sinne – gegen indischen Einfluss, für pakistanische Handelsrouten – offen halten würde. Der damalige Innenminister Naseerullah Babar erklärte [18] später offen: "We created the Taliban" – (Wir [Pakistan] haben die Taliban erschaffen).

Pakistan unterstütze, wie eine Analyse des Thinktank Brookings belegt, [19] die Taliban-Bewegung auf allen Ebenen: mit Beratern, Finanzmitteln und militärischer Hilfe. Entscheidend war dabei die Rolle des Geheimdienstes ISI, der Taliban-Kämpfer trainierte und den Kontakt zum Führungszirkel hielt [20].

Ohne die Flucht zahlloser Taliban nach ihrem, ersten Sturz 2001 ins pakistanische Exil wäre ihre Rückkehr an die Macht 2021 wie ihre aktuelle Renaissance undenkbar gewesen. Doch sobald die Taliban qua Macht über Afghanistan keine Hilfe mehr benötigten, wurden die einstigen Günstlinge lästig.

Islamabad gleicht dem Zaubererlehrlich, dem sein Werk über den Kopf wächst. Die Geister, die es selber – gemeinsam mit dem in entfernter Sicherheit agierenden Washington – rief, wird es schwerlich los.

Pakistanische Taliban

Belastend für das Verhältnis wurde insbesondere die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) [21] – ein 2007 gegründeter Zusammenschluss militanter Gruppen aus pakistanischen Stammesgebieten. Die TTP ist den Taliban zwar nicht weisungsgebunden, dennoch verbindet sie jedoch eine enge, quasi-verwandtschaftliche Beziehung: gemeinsame jihadistische Weltanschauung, paschtunische Herkunft und vergleichbare islamische Staatsziele.

TTP-Kämpfer nutzen [22] die gebirgigen Grenzgebiete Afghanistans als Rückzugsorte für Angriffe auf Pakistan. Die Taliban-Regierung bestreitet offiziell, der TTP Unterschlupf zu gewähren – doch diverse Anschläge, darunter das Peschawar-Schulmassaker 2014, der Angriff auf die Bacha-Khan-Universität 2016 und ein Moschee-Anschlag in Peschawar 2023, belegen, dass Täter aus Afghanistan kamen oder dorthin flohen. Islamabad verlangt unmissverständlich ein Ende afghanischer Verweigerungspolitik.

Innenpolitischer Druck und Eskalation

Die erst 2024 an die Macht gelangte, schwache pakistanische Minderheitsregierung Sharif [23] steht innenpolitisch immens unter Druck: Laut einer Chatham-House-Analyse [24] nahmen Anschläge auf Pakistan alleine 2025 um 34 Prozent zu. Zusätzlich schwelt [25] der Grenzstreit um die Durand-Linie – während Islamabad sich auf die vom British Empire kolonial-verbriefte Grenzziehung beruft, ist diese für Kabul, aus religiös-historischem Impetus, nicht bindend.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch zwischen Indien und China kolonial gezogene Grenzen unumstritten [26] sind – ein in der Region nicht unübliches Muster. Die Regierung Sharif nutzt die Anschlagsserie für außenpolitische Profilierung: Nationale Einheit wird zudem im Kampf gegen den Terrorismus von außen hergestellt [27].

Der multiethnische, multireligiöse pakistanische Zentral-Staat, historisch durch dutzende Staatsstreiche erschüttert, ist schwach und in einem passiven Dauer-Konflikt mit Indien – instabile Grenzen, Binnen-Bedrohungen und ein ausgewachsenes Taliban-Regime, das Attraktion gen Pakistan ausschütteten könnte, kann die zentralstaatliche Regierung in Islamabad kaum tolerieren.

Internationales Haifischbecken

Unabhängig von der moralischen Bewertung der Taliban-Herrschaft hat sich diese in einem halben Jahrzehnt konsolidiert. Sie unterhält Botschaften in Russland, China, Iran, Katar und Pakistan und arbeitet – politisch für Abschiebungen gewollt – sogar mit Berlin zusammen [28].

Durch gezielte Lerneffekte aus ihrer ersten Amtszeit versuchen [29] die Taliban, so etwa durch Tourismus-Propaganda, Stabilität zu garantieren und internationale Isolation zu durchbrechen. Dennoch unterliegen sie weiterhin den Sanktionen Washingtons – 75 Prozent [30] der bis 2021 vorhandenen Staatseinnahmen entfielen durch sie.

Afghanistan ist zudem ein wichtiges Teilstück regionaler Infrastrukturstrategien [31]: Peking kann dabei insbesondere keinerlei Interesse an einem eskalierenden Regionalkrieg verspüren, da chinesische Projekte gefährdet und Funken nach Xinjiang überspringen könnten.

Die weltweite Diplomatie muss – parallel zum Großkonflikt um den Iran – das Grenzfeuer im Keim ersticken: Die TTP müsste gebändigt, Afghanistan durch Sanktionslockerungen zu härterem Vorgehen, gegen Glaubensgenossen, ermutigt und ein bilaterales, international überwachtes Abkommen zwischen Islamabad und Kabul erreicht werden. Dies erscheint aktuell jedoch mehr Wunschtraum als Realität.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11202535

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.jungewelt.de/artikel/518333.s%C3%BCdasien-der-n%C3%A4chste-krieg.html?sstr=taliban
[2] https://www.washingtonpost.com/world/2026/02/27/pakistan-afghanistan-taliban-kabul-war/
[3] https://www.telepolis.de/article/Von-Zypern-bis-Baku-Der-Flaechenbrand-ist-da-11201595.html
[4] https://www.unhcr.org/news/press-releases/unhcr-over-330-000-displaced-recent-hostilities-middle-east-and-beyond
[5] https://www.reuters.com/world/asia-pacific/pakistani-afghan-border-forces-clash-un-says-war-displaces-100000-2026-03-06/
[6] https://8am.media/eng/icrc-thousands-of-families-displaced-in-kunar-and-nangarhar-amid-taliban-pakistan-clashes/
[7] https://www.atomwaffena-z.info/heute/atomwaffenstaaten/pakistan
[8] https://8am.media/eng/pakistans-information-minister-claims-481-taliban-fighters-killed-in-operation-ghazab-ul-haq/
[9] https://www.afintl.com/en/202603033733
[10] https://apnews.com/article/pakistan-afghanistan-fighting-ground-attacks-military-posts-e057780413f84b222c2fe30b3cbcf172
[11] https://www.theguardian.com/world/2026/feb/28/us-backs-pakistans-right-to-defend-itself-against-taliban-after-strikes-on-afghanistan
[12] https://www.theguardian.com/world/2026/feb/28/us-backs-pakistans-right-to-defend-itself-against-taliban-after-strikes-on-afghanistan
[13] https://www.aljazeera.com/news/2026/2/26/afghanistan-says-it-launches-attacks-against-pakistan
[14] https://www.abc.net.au/news/2026-02-23/pakistan-launches-deadly-strikes-against-afghanistan/106374946
[15] https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/politik_ausland_nt/article69a24b1e7c787f6a1cef19fc/eu-rat-ruft-afghanistan-und-pakistan-zur-deeskalation-auf.html
[16] https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/5382/Ickler_diss.pdf?sequence=1&isAllowed=
[17] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Bajaur_attack
[18] https://en.wikipedia.org/wiki/Afghan_Civil_War_%281992%E2%80%931996%29
[19] https://www.brookings.edu/articles/pakistans-problematic-victory-in-afghanistan/
[20] https://www.washingtonpost.com/archive/national/2010/06/15/pakistan-denounces-report-saying-its-intelligence-agency-assists-afghan-taliban/9052e757-62eb-4c73-b65d-a4d54c55e90e/
[21] https://www.dw.com/de/pakistan-schwieriger-umgang-mit-taliban-regime-in-kabul/a-73632035
[22] https://amp.dw.com/de/taliban-steuern-islamabad-und-kabul-auf-einen-krieg-zu/a-74610897
[23] https://www.dw.com/de/news-kompakt-neue-regierung-in-pakistan-steht/a-68315005
[24] https://www.chathamhouse.org/2026/03/afghanistan-and-pakistan-are-facing-open-war-de-escalation-needed
[25] https://www.deutschlandfunkkultur.de/afghanistan-und-die-durand-linie-der-130-jahre-alte-100.html
[26] https://www.srf.ch/news/international/streit-indien-china-delhi-und-peking-entschaerfen-grenzkonflikt-um-ladakh
[27] https://apnews.com/article/pakistan-security-militants-sharif-451a31a1bba866c227d8f07754fffb48
[28] https://www.dw.com/de/deutschland-taliban-afghanistan-botschaft-konsulat-berlin-muenchen-bonn-paesse-arbeitsvertrag/a-75778335
[29] https://www.telepolis.de/article/Armut-Abenteuer-Autoritarismus-Afghanistan-als-Reiseziel-11160410.html
[30] https://www.rescue.org/de/artikel/krise-afghanistan-was-du-wissen-musst#:~:text=Nachdem%20das%20Islamische%20Emirat%20Afghanistan,durch%20und%20stellt%20Medikamente%20bereit.
[31] https://www.jungewelt.de/artikel/518622.infrastruktur-in-zentralasien-mit-dem-zug-durch-afghanistan.html?sstr=taliban

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US-Geheimdienste zweifeln an Trumps Iran-Strategie

Von Matthias Lindner — 07. März 2026 um 20:40
Demonstrant hält Plakat von arrogantem Donald Trump

(Bild: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com)

US-Geheimdienste warnen: Selbst massive Angriffe würden das iranische Machtgefüge nicht brechen – Trump ignoriert die Analyse.

Mitten im laufenden Krieg gegen den Iran stellt US-Präsident Donald Trump weitreichende Machtansprüche: Er will im Prinzip bestimmen, wer das nächste iranische Staatsoberhaupt werden soll.

Doch ein vertraulicher Bericht der US-Geheimdienste, über den die Washington Post berichtet, kommt zu dem Schluss, dass das iranische Machtgefüge selbst einen massiven Angriff überstehen dürfte.

Trump: "Ich muss an der Ernennung beteiligt sein"

In einem Gespräch [1] mit dem Nachrichtenportal Axios machte Trump unmissverständlich klar, dass er den wohl wahrscheinlichsten Kandidaten für die Nachfolge des getöteten Obersten Führers Ali Khamenei ablehnt.

Über dessen 56-jährigen Sohn Mojtaba sagte er: "Khameneis Sohn ist ein Leichtgewicht. Ich muss in die Ernennung einbezogen werden." Der Iran würde "seine Zeit verschwenden", sollte er ohne amerikanische Zustimmung einen neuen Führer bestimmen.

Trump zog dabei eine direkte Parallele zu Venezuela, wo US-Streitkräfte im Januar Präsident Maduro festsetzten und entführten und anschließend Vizepräsidentin Delcy Rodríguez die Regierungsgeschäfte übernahm.

Einen Nachfolger, der die bisherige iranische Politik fortführe, werde er nicht hinnehmen – andernfalls drohe "in fünf Jahren" ein weiterer Krieg. "Wir wollen jemanden, der Harmonie und Frieden in den Iran bringt", so Trump [2].

US-Geheimdienste sehen kaum Chancen für Regimewechsel

Trumps Vorstellungen stehen allerdings im Widerspruch zu den Erkenntnissen seiner eigenen Nachrichtendienste.

Wie die Washington Post unter Berufung auf drei mit dem Inhalt vertraute Personen berichtet, fertigte der National Intelligence Council – das Analysezentrum der 18 US-Geheimdienste – etwa eine Woche vor Kriegsbeginn einen geheimen Lagebericht an.

Dessen Kernaussage [3]: Weder eine begrenzte noch eine umfassende Militäroffensive würde ausreichen, um die fest verankerte Macht von Klerus und Revolutionsgarden zu brechen.

Die Analysten bewerteten die Aussicht, dass die zersplitterte iranische Opposition die Kontrolle übernehmen könnte, als "unwahrscheinlich". Stattdessen würde das System mit eingespielten Verfahren auf den Tod des Obersten Führers reagieren, um die Machtkontinuität zu sichern.

Iran-Expertin Suzanne Maloney von der Brookings Institution ordnete die Einschätzung laut Bericht so ein: "Es gibt keine andere Kraft innerhalb des Iran, die sich der verbleibenden Macht des Regimes entgegenstellen könnte."

Offiziell kein Regimewechsel – doch Trump spricht anders

Innerhalb der US-Regierung klaffen Worte und offizielle Linie auseinander. Kriegsminister Pete Hegseth betont, die Operation "Epic Fury" ziele auf die Zerstörung iranischer Raketen, des Atomprogramms und der Marine – nicht auf einen Sturz der Regierung.

Sprecherin Anna Kelly erklärte dagegen: "Das iranische Regime wird vollständig zerschlagen."

Trump selbst ging noch weiter und sagte gegenüber NBC News über mögliche Nachfolger: "Wir haben einige Leute, von denen ich denke, dass sie gute Arbeit leisten würden." Ob er den Geheimdienstbericht vor Beginn des Einsatzes gelesen hatte, ließ das Weiße Haus auf Anfrage der Washington Post unbeantwortet.

Zusätzlichen Druck erzeugt Israel: Am Dienstag bombardierte die israelische Luftwaffe in der Stadt Qom gezielt das Gebäude, in dem die Expertenversammlung über den nächsten Obersten Führer abstimmen soll.

Teheran erteilt Washington eine klare Absage

Im Iran selbst stößt Trumps Anspruch auf breite Ablehnung. Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb auf der Plattform X: "Das Schicksal des lieben Iran, das kostbarer ist als das Leben, wird allein von der stolzen iranischen Nation bestimmt."

Aus Teheran berichtete Al-Jazeera-Korrespondent Mohamed Vall, die vorherrschende Stimmung in der Bevölkerung lasse sich auf einen Satz verdichten [4]: "So etwas wird nicht wieder vorkommen" – ein Verweis auf den von den USA mitgetragenen Putsch von 1953, der den demokratisch gewählten Premierminister Mohammad Mossadegh stürzte.

Holly Dagres vom Washington Institute for Near East Policy brachte das Dilemma auf den Punkt: "Sich Trump zu beugen, würde allem widersprechen, wofür sie stehen". Die ideologische Prägung der iranischen Führungsschicht mache es nahezu ausgeschlossen, dass sie einem von außen diktierten Machtwechsel zustimme.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11203105

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[1] https://www.axios.com/2026/03/05/iran-leader-trump-khamenei
[2] https://aje.news/0avpno?update=4369072
[3] https://www.washingtonpost.com/national-security/2026/03/07/iran-intelligence-report-unlikely-oust-regime/
[4] https://aje.news/0avpno?update=4369569

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Spritpreise über zwei Euro: Politiker werfen Ölkonzernen Abzocke vor

Von Andrej Simon — 07. März 2026 um 16:00
Anzeige mit Spritpreisen (

Bild: shutterstock.com

Der Krieg gegen Iran treibt die Ölpreise nach oben. Doch an deutschen Tankstellen steigen Benzin und Diesel noch stärker – ein bekanntes Muster.

Die Spritpreise in Deutschland haben die Marke von zwei Euro pro Liter überschritten – doch der Preissprung an der Zapfsäule fällt deutlich stärker aus als beim Rohöl. Hintergrund ist die Eskalation im Nahen Osten, die die Energiemärkte unter Druck setzt.

Saad al-Kaabi, der für Energiefragen zuständige Minister des Golfstaates Katar, warnte vor drastischen Preissteigerungen [1].

Sollte die Meerenge von Hormus zwei bis drei Wochen blockiert bleiben, könne Rohöl auf 150 Dollar je Barrel steigen. Für Gas prognostizierte er 40 Dollar pro Million British Thermal Units – etwa das Vierfache des Wertes vor Kriegsbeginn.

Doch schon jetzt steigen die Preise an deutschen Tankstellen deutlich stärker als die Rohölkosten. Kritiker sehen darin ein bekanntes Muster. Viele werfen der Mineralölwirtschaft vor, die angespannte Lage auszunutzen, um ihre Margen zu erhöhen. "Das ist Abzocke", lautet der Vorwurf.

Zu hören ist er vom Tankstellen-Interessenverband [2] (TIV) und von Politikern – etwa von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke [3] (SPD). Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert laut Welt [4], "dass man denen ‚auf die Finger schlagen‘ müsse, die jetzt Zusatzgewinne auf Kosten der Verbraucher machten". Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) äußerte sich dort ebenfalls kritisch gegen die Mineralkonzerne:

"Wenn man sieht, wie die Ölkonzerne in Windeseile die Preise erhöht haben, dann besteht schon der Verdacht, dass sie den Krieg ausnutzen, um sich die Taschen vollzumachen."

Ähnliche Vorwürfe gab es bereits während der Energiekrise 2022, als die Konzerne ebenfalls von stark steigenden Preisen profitierten, ohne dass sich dies durch die reinen Rohstoffkosten rechtfertigen ließ.

Streit um die wahren Gründe der Spritpreise

Die Mineralölkonzerne weisen die Vorwürfe zurück. Sie begründen die hohen Preise mit gestiegenen Produktpreisen für Benzin und Diesel (Spiegel [5]), einem schwächeren Euro gegenüber dem Dollar sowie höheren Transportkosten durch die blockierten Lieferwege im Nahen Osten.

Fachleute entkräften diese Argumente jedoch: Die höheren Transportraten würden sich zeitlich verzögert auswirken und könnten den aktuellen Preissprung nicht erklären. Der Euro-Kurs sei zudem stabil geblieben.

Vor allem aber kontrollieren die Konzerne über ihre Raffinerien große Teile der Wertschöpfung – und haben damit auch erheblichen Einfluss auf die Preise für Benzin und Diesel.

Tank-Tourismus und politischer Druck

Als Reaktion auf die Rekordpreise hat ein regelrechter Tank-Tourismus in Nachbarländer eingesetzt. In Polen und Tschechien sei der Kraftstoff 30 bis 60 Cent günstiger als in Deutschland [6]. Der Zoll führt deswegen mittlerweile stichprobenartige Kontrollen an den Grenzen durch, um illegale Kraftstoffmengen aufzuspüren.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke [7] kommentierte die Preisentwicklung als nicht nachvollziehbar:

"Kein Mensch versteht, warum die Preise in Deutschland für den gleichen Sprit um 60 Cent höher sind als in Polen."

Bundeswirtschaftsministerin Franziska Reiche kündigte eine Prüfung durch das Bundeskartellamt [8] an.

Allerdings gilt die Handhabe der Behörde als begrenzt. Kritiker sprechen von einem "zahnlosen Tiger", da Preisabsprachen zwischen Konzernen schwer nachweisbar sind und Prüfverfahren sich oft über Jahre hinziehen.

Laut Kartellamtspräsident Andreas Mundt [9] gebe es kein Instrumentarium, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen "quasi auf Knopfdruck" zu verhindern. Gegenüber der Berliner Zeitung [10] äußerte er, dass "selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Tankstellenpreisen keinen unmittelbaren Verdacht auf illegales Verhalten der Konzerne" begründe.

Tankstellenpächter zwischen den Fronten

Besonders schwierig ist die Situation für Tankstellenpächter. Sie bekommen den Frust der Kunden ab, obwohl sie keinen Einfluss auf die Preisgestaltung haben. Die Preise werden von den Mineralölkonzernen vorgegeben. Diese verweisen auf die Risiken des Nahost-Konflikts und rechtfertigen die Aufschläge mit Vorsorge.

Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) widerspricht: Ein Großteil des Kraftstoffs sei längst zu deutlich niedrigeren Preisen eingekauft, raffiniert und bereits in den Tanks der Stationen gelagert.

"Jetzt nehmen die Konzerne einen fetten Schluck aus der Pulle", wird TIV-Sprecher Herbert W. Rabl zitiert (Cannstatter Zeitung [11]). Das grenze an "Unverschämtheit" und sei "Abzocke".

Der Ärger über die Preise entlädt sich laut TIV vor allem an den Tankstellen. Pächter müssten den Frust der Kunden an der Kasse auffangen und in politische Diskussionen einsteigen. Zudem leide das Geschäft: Wer sich über den Spritpreis ärgert, kauft im Shop nichts mehr.

Dabei stammen nur etwa 20 Prozent des Umsatzes aus Provisionen auf Kraftstoff (ein bis zwei Cent pro Liter), rund 60 Prozent aus dem Shop und weitere 20 Prozent aus Zusatzangeboten wie der Wagenwäsche.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.telepolis.de/article/Katar-stoppt-Erdgas-Exporte-und-warnt-vor-monatelangen-Ausfaellen-11202200.html
[2] https://www.cannstatter-zeitung.de/inhalt.steigende-spritpreise-tankstellenbetreiber-prangern-raubtierkapitalismus-an.62239d69-1829-4dfc-928e-6badb41129a5.html
[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/zoll-kontrolliert-tank-touristen-accg-200608383.html
[4] https://www.welt.de/wirtschaft/article69a93260563ae9c42dea4ea4/folgen-des-iran-kriegs-das-geht-nicht-mit-rechten-dingen-zu-kretschmer-bezeichnet-hohe-spritpreise-als-marktversagen.html
[5] https://www.spiegel.de/wirtschaft/spritpreise-wie-mineraloelkonzerne-kasse-mit-dem-iran-krieg-machen-a-1d617637-c86e-4aba-a315-77b4488c7a46
[6] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/zoll-kontrolliert-tank-touristen-accg-200608383.html
[7] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/zoll-kontrolliert-tank-touristen-accg-200608383.html
[8] https://www.berliner-zeitung.de/news/bundeskartellamt-untersucht-preisbildung-doch-sieht-kaum-handhabe-gegen-steigende-spritpreise-li.10022835
[9] https://www.berliner-zeitung.de/news/bundeskartellamt-untersucht-preisbildung-doch-sieht-kaum-handhabe-gegen-steigende-spritpreise-li.10022835
[10] https://www.berliner-zeitung.de/news/bundeskartellamt-untersucht-preisbildung-doch-sieht-kaum-handhabe-gegen-steigende-spritpreise-li.10022835
[11] https://www.cannstatter-zeitung.de/inhalt.steigende-spritpreise-tankstellenbetreiber-prangern-raubtierkapitalismus-an.62239d69-1829-4dfc-928e-6badb41129a5.html

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Atomwaffen: Kann Europa Sicherheit neu denken?

Von Julia Engels — 07. März 2026 um 14:00
Axt mit einem der Strahlen des Atomwarnzeichens als Blatt zerhackt Globus

Frankreich stockt erstmals seit dem Kalten Krieg sein Atomarsenal auf. Doch kann nukleare Abschreckung echte Sicherheit schaffen?

Am 2. März 2026 hat der französische Präsident Emmanuel Macron überraschend eine grundsätzliche Wende in der sicherheitspolitischen Ausrichtung seines Landes angekündigt: Frankreich werde sein Atomwaffenarsenal aufstocken [1] und seine nukleare Abschreckung verstärken.

Dies ist die erste deklarierte Erweiterung des französischen Atomarsenals seit Jahrzehnten und markiert eine strategische Richtungsänderung, die weit über Paris hinaus Wirkung entfalten dürfte.

In einer Rede [2] von der Militärbasis Île Longue aus, einem zentralen Stützpunkt der französischen strategischen Seestreitkräfte, betonte Macron, dass die Welt sich in einer Periode geopolitischer Umbrüche befinde und die Risiken eines nuklearen Konflikts zunehmen würden. Vor diesem Hintergrund sei eine "Härtung" der französischen nuklearen Abschreckung notwendig. Frankreich wolle daher die Zahl seiner Atomwaffen erhöhen – erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges.

Strategische Autonomie als Leitmotiv

Die Ankündigung fügt sich in Macrons langjährige Forderung nach strategischer Autonomie Europas [3] ein. Frankreich versteht seine nukleare Abschreckung traditionell als Kern nationaler Souveränität: als Garantie, im Ernstfall unabhängig von Bündnispartnern handeln zu können.

Seit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist Frankreich die einzige Nuklearmacht innerhalb der EU. Damit kommt seiner force de frappe eine besondere symbolische und politische Bedeutung zu.

Macron hat wiederholt betont, Europa müsse sicherheitspolitisch erwachsen werden. Die Zweifel an der Verlässlichkeit transatlantischer Sicherheitsgarantien, wachsende geopolitische Spannungen und die Erosion klassischer Rüstungskontrollabkommen bilden den Hintergrund dieser Argumentation.

Der Ausbau des Arsenals wird in Paris als Vorsorgemaßnahme präsentiert, als Anpassung an eine Welt, in der Machtpolitik offener und konfrontativer betrieben wird.

Abschreckung in einer fragmentierten Welt

Unklar ist bislang, in welchem Umfang die Aufstockung konkret erfolgen soll. Frankreich verfügt Schätzungen zufolge über rund 290 nukleare Sprengköpfe [4], stationiert auf atomgetriebenen U-Booten sowie in luftgestützten Systemen.

Quantitativ bewegt sich das Arsenal weit unter den Beständen der USA oder Russlands, qualitativ jedoch bleibt es Teil jener globalen Struktur, die auf der Logik gegenseitiger Vernichtungsfähigkeit beruht.

Diese Logik lautet: Sicherheit entsteht durch die glaubwürdige Fähigkeit zur massiven Vergeltung. Doch gerade in einer zunehmend fragmentierten Welt mit multiplen Akteuren, asymmetrischen Konflikten und hybriden Bedrohungsszenarien stellt sich die Frage, wie tragfähig dieses Konzept noch ist.

Abschreckung setzt Rationalität, Berechenbarkeit und stabile Kommunikationskanäle voraus. Die Realität internationaler Politik ist jedoch oft geprägt von Fehleinschätzungen, innenpolitischem Druck und strategischer Unsicherheit.

Jede Modernisierung eines Atomarsenals trägt dazu bei, die Rolle nuklearer Waffen im sicherheitspolitischen Denken zu verfestigen. Sie signalisiert, dass Atomwaffen weiterhin als unverzichtbares Instrument staatlicher Macht betrachtet werden.

Damit verschiebt sich die normative Schwelle: Was einst als Ausnahme galt, erscheint zunehmend als selbstverständlicher Bestandteil strategischer Planung.

Europäische Dimension und politische Signalwirkung

In Berlin und anderen europäischen Hauptstädten wird aufmerksam registriert, dass Paris seine nukleare Rolle neu akzentuiert. Die Diskussion über eine stärkere europäische Sicherheitsarchitektur erhält dadurch zusätzliche Dynamik. Manche sehen im französischen Schritt ein Angebot: eine implizite Erweiterung des nuklearen Schutzversprechens für europäische Partner.

Andere befürchten eine neue Phase atomarer Aufwertungspolitik, die Abrüstungsbemühungen weiter schwächt [5].

Die politische Signalwirkung reicht über Europa hinaus. In einer internationalen Ordnung, in der Rüstungskontrollverträge brüchig geworden sind und neue Mächte nach strategischem Einfluss streben, kann jede Erweiterung eines bestehenden Arsenals als Legitimationsgrundlage für andere Staaten dienen, eigene nukleare Optionen auszubauen. Der Ausbau eines Arsenals ist daher nie rein national.

Atomwaffen sind keine verstärkten konventionellen Waffen. Sie sind Massenvernichtungsinstrumente, deren Einsatz unvorstellbare humanitäre, ökologische und ökonomische Folgen [6] hätte.

Eine einzige Detonation über einer Großstadt würde nicht nur hunderttausende Menschen töten, sondern langfristige gesundheitliche und klimatische Schäden verursachen. Mehrere Einsätze könnten globale Versorgungs- und Klimasysteme destabilisieren.

Abschreckung mag strategisch kalkuliert erscheinen, doch sie basiert auf der permanenten Drohung mit der Auslöschung ganzer Gesellschaften. Diese Drohung wird im politischen Alltag häufig abstrahiert, in Zahlen, Doktrinen und Modernisierungsprogrammen verpackt. Die konkrete Realität – verbrannte Städte, kollabierende Gesundheitssysteme, radioaktive Verseuchung – bleibt dabei ausgeblendet.

Gerade deshalb ist jede politische Entscheidung zur Aufstockung eines Atomarsenals mehr als eine technische Anpassung. Sie ist ein normativer Akt. Sie bekräftigt die Annahme, dass Sicherheit letztlich auf der Bereitschaft beruht, im äußersten Fall massenhaftes Leid in Kauf zu nehmen.

Sicherheit oder permanentes Risiko?

Macrons Ankündigung mag aus machtpolitischer Perspektive folgerichtig erscheinen. In einer Welt wachsender Unsicherheiten setzen Staaten auf Abschreckung, um Verwundbarkeit zu reduzieren.

Doch Abschreckung produziert zugleich ein dauerhaftes Risiko [7]. Solange Atomwaffen existieren, existiert die Möglichkeit ihres Einsatzes – sei es durch Fehlkalkulation, technisches Versagen oder bewusste Eskalation.

Wenn Europa über strategische Autonomie spricht, sollte es sich daher fragen, ob Autonomie wirklich durch mehr atomare Sprengköpfe entsteht oder durch die Stärkung diplomatischer Strukturen sowie neuer Rüstungskontrollinitiativen. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat gezeigt, dass nukleare Abschreckung keinen positiven Frieden schafft, sondern einen Zustand verwalteter Angst.

Wer Atomwaffen ausbaut, verlängert nicht Sicherheit, sondern verlängert die Existenz einer Bedrohung, die im Ernstfall alles zerstören würde, was Sicherheit eigentlich schützen soll. In diesem Sinne markiert die angekündigte Aufstockung weniger eine strategische Innovation als die Fortsetzung einer Logik, die die Welt seit Jahrzehnten in einem Gleichgewicht des Schreckens gefangen hält.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.spiegel.de/ausland/emmanuel-macron-frankreich-erhoeht-die-zahl-seiner-atomsprengkoepfe-a-645cbdab-aeed-4cb9-99a8-b15dc2801ca5
[2] https://www.stern.de/news/frankreich-ruestet-atomar-auf-und-plant-atom-militaeruebungen-mit-deutschland-37184740.html
[3] https://www.sueddeutsche.de/politik/frankreich-macrons-nukleardoktrin-sicherheit-deutschland-li.3395528?reduced=true
[4] https://www.handelsblatt.com/politik/international/frankreich-macron-kuendigt-mehr-atomsprengkoepfe-an/100201010.html
[5] https://www.zdfheute.de/politik/ausland/atomwaffen-europa-nato-russland-usa-frankreich-100.html
[6] https://www.greenpeace.de/frieden/was-bewirkt-atombombe
[7] https://futureoflife.org/resource/accidental-nuclear-war-a-timeline-of-close-calls-german/

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KI als Spiegel: Fehlende Bedeutung in Code und Architektur

Von Heise — 07. März 2026 um 09:30
Menschliche Hand und digitale Hand berühren sich

(Bild: Ole.CNX/Shutterstock.com)

Code und Architektur gelingt es oft nicht, Bedeutung verständlich zu vermitteln. An den Folgen scheitern nicht nur Menschen, sondern auch KI-Modelle.

Programmieren ist längst weniger das Schreiben von Code als vielmehr das Verstehen von Systemen. Jede Codebasis wird weit öfter gelesen als erweitert. Und genau dort zeigt sich ein häufiges strukturelles Defizit: Das „Warum“ der Entscheidungen ist meist unsichtbar.

Wer ein bestehendes System analysiert – ob Mensch oder KI –, trifft zwar auf Klassen und Module, erkennt jedoch nicht unmittelbar, wie diese zusammenhängen und wofür sie stehen. KI-Modelle spiegeln dieses Problem besonders deutlich: Sie erkennen Muster, aber keine Herleitung. Eine aktuelle Übersichtsstudie aus dem Jahr 2025 [2] kommt zu dem Ergebnis, dass ein erheblicher Teil der Fehler in generiertem Code nicht syntaktischer Art ist, sondern logisch-semantischen Fehlannahmen unterliegt. Modelle folgen vorhandenen Strukturen. Wird die zugrunde liegende Bedeutung und Herleitung nicht sichtbar, dann halluzinieren sie – so wie auch Menschen raten oder recherchieren müssten.

Diese Beobachtung zeigt, dass wir Abstraktion perfektioniert, aber Verständlichkeit oft unterschätzt haben.

Der lange Kampf gegen mentale Last

In der Rückschau wirkt die Geschichte der Softwareentwicklung wie ein kontinuierlicher Versuch, mentale Last zu reduzieren. Assembler verließ die Ebene direkter Maschinenbefehle, Hochsprachen entfernten Hardwaredetails, Frameworks umhüllten Komplexität mit wenigen Zeilen Code. Mit jedem Schritt rückte der Fokus weg vom „Wie“ und hin zum „Was“:

Die zunehmende Abstraktion in der Softwareentwicklung verschiebt den Fokus vom „Wie“ zum „Was“: Sie reduziert die syntaktische Last, erschwert aber den direkten Zugang zur fachlichen Bedeutung.
Die zunehmende Abstraktion in der Softwareentwicklung verschiebt den Fokus vom „Wie“ zum „Was“: Sie reduziert die syntaktische Last, erschwert aber den direkten Zugang zur fachlichen Bedeutung.

Die zunehmende Abstraktion in der Softwareentwicklung verschiebt den Fokus vom „Wie“ zum „Was“: Sie reduziert die syntaktische Last, erschwert aber den direkten Zugang zur fachlichen Bedeutung.

Doch die Entlastung ist ambivalent. Abstraktionen sparen Tipparbeit, erzeugen aber zusätzliche Interpretationsarbeit. Eine Funktion wie calculateTotal() versteckt Implementation, aber auch Bedeutung: Welches Total? Welche Regeln? Welche Domäne? Welche Ausnahmen? Eine Zeile Code wird zum mentalen Sprungbrett, das die Lesenden zwingt, das Unsichtbare zu rekonstruieren.

Mit zunehmender Reife der Softwareentwicklung rückte eine neue Art der Schwierigkeit in den Mittelpunkt. Das Schreiben von Code wurde deutlich einfacher, doch das gemeinsame Verständnis der dahinter liegenden Bedeutung anspruchsvoller. Der entscheidende Engpass verlagerte sich von der technischen Umsetzung zur Semantik. Eric Evans beschrieb 2003 in seinem Buch „Domain-Driven Design“ erstmals konsequent, dass die eigentliche Herausforderung in der Softwareentwicklung in der vom Code repräsentierten Bedeutung liegt (vgl. Eric Evans: Domain-Driven Design: Tackling Complexity in the Heart of Software, Addison-Wesley, 2003).

Domain-driven Design (DDD) war ein Durchbruch, denn das Konzept verschob die Diskussion von implementierungsgetriebenen Strukturen hin zur fachlichen Semantik. Konzepte wie Ubiquitous Language, Bounded Contexts und Aggregates stärken das gemeinsame Verständnis über Begriffe und Abläufe. Damit macht DDD ein Problem sichtbar, das bis heute besteht: Bedeutung lässt sich modellieren, bleibt aber in vielen Systemen im fertigen Code nur indirekt erkennbar.

Neben DDD verfolgen auch andere Architekturprinzipien wie Clean Code dieselbe Kernidee: Code verständlich machen. Sie entstanden aus der Einsicht, dass die technische Struktur nur ein Teil des Problems, die eigentliche Hürde aber das Verstehen ist.

Diese Konzepte setzen jedoch voraus, dass das erforderliche fachliche Verständnis bereits vorhanden ist. Sie schaffen eine Struktur, die dieses Wissen abbildet, machen die zugrunde liegenden Entscheidungen im Code selbst aber nur begrenzt sichtbar.

Aus der Forschung: Wie mentale Last entsteht

Mentale Last entsteht überall dort, wo ein System Bedeutung nicht ausdrückt, sondern das Verständnis den Leserinnen und Lesern überlässt. Dieser Effekt ist gut untersucht.

Bei Untersuchungen mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigte sich, dass Codeverständnis mit messbarer kognitiver Belastung einhergeht [3] und dass diese Belastung je nach Verständlichkeit des Codes variiert. Fehlen Orientierung und Kontext, steigt der mentale Aufwand: Das Gehirn muss mehr kognitive Arbeit investieren, um Zusammenhänge herzustellen, die im Code nicht unmittelbar ersichtlich sind.

Scheinbare Banalitäten können schon messbare Auswirkungen haben, wie eine andere Studie zeigt, in der ausgeschriebene Wort-Identifier rund 19 Prozent schneller verstanden wurden [4] als Kürzel oder Einzelbuchstaben.

In der Programmierpraxis zeigt sich mentale Last besonders deutlich in drei Situationen:

1. Unmarkierte Bedeutungswechsel

Beispiel: Ein Vorgang wandelt sich im Code von „Order“ zu „Booking“, ohne dass der Wechsel sichtbar wird. Für das Gehirn bedeutet das einen Kontextsprung. Es fehlt die semantische Markierung, die den Übergang verständlich macht.

2. Implizite Regeln

Beispiel: Ein Parameter darf nur in bestimmten Zuständen gesetzt werden. Das System läuft, aber es drückt nicht aus, welche Annahme gilt. Leserinnen und Leser kompensieren das durch mentale Simulation.

3. Struktur ohne semantische Orientierung

Beispiel: Technische Schichten trennen Abläufe, aber nicht Begriffe. Das Gehirn folgt dem Code, aber nicht dem fachlichen Gedankengang. Orientierung entsteht erst nach mehreren inneren Rekonstruktionsschritten.

Drei Quellen mentaler Last im Code mit einem gemeinsamen Muster: Der Code zeigt Struktur, aber kaum Bedeutung – das Gehirn muss die Lücken füllen.
Drei Quellen mentaler Last im Code mit einem gemeinsamen Muster: Der Code zeigt Struktur, aber kaum Bedeutung – das Gehirn muss die Lücken füllen.

Drei Quellen mentaler Last im Code mit einem gemeinsamen Muster: Der Code zeigt Struktur, aber kaum Bedeutung – das Gehirn muss die Lücken füllen.

Die Beispiele haben ein gemeinsames Muster: Der Code trägt syntaktische Struktur, nicht semantische Bedeutung.

KI als Spiegel

Wie fügt sich nun künstliche Intelligenz (KI) in diese Betrachtungen? Die Geschichte der Softwareentwicklung hat große Fortschritte vom „Wie“ zum „Was“ gemacht. KI soll diesen Weg nun abschließen, indem sie ein Code-Interface in natürlicher Sprache gestaltet. Einstweilen gibt es hier aber noch spürbare Hürden.

Eine der faszinierendsten Eigenschaften von Large Language Models (LLMs) ist, dass sie den Kontext ihres Prompts spiegeln. Eine Studie aus dem Jahr 2023 [5] hat untersucht, welche Arten von Codefehlern LLMs machen. Dabei zeigten sich wiederkehrende Fehlerklassen: falsche Annahmen und inkorrekte logische Richtung. Sprich: keine Syntaxpatzer, sondern Hinweise auf eine fehlende Entscheidungsspur im Kontext. Modelle reproduzieren Struktur, verfehlen aber häufig Bedeutung – ganz so wie es Menschen oft tun, wenn sie ohne Vorwissen in ein System stolpern.

Noch deutlicher wird dieser Effekt, wenn die Lesbarkeit bewusst verschlechtert wird. Bei obfuskiertem Code bricht die Leistung spürbar ein. Erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler können sich in solchen Fällen teilweise mit Erfahrung und analytischem Vorgehen behelfen, arbeiten dabei jedoch langsamer, unsicherer und mit höherem Fehlerrisiko. Hier wird sehr deutlich: Nimmt die Lesbarkeit ab, sinkt die Leistungsfähigkeit – bei Menschen wie auch bei KI-Modellen. Beide sind auf explizite Hinweise angewiesen, um Bedeutung zuverlässig zu erschließen.

Dokumentation und ihre Grenzen

An diesem Punkt entsteht fast reflexhaft der Ruf nach mehr Dokumentation. Kommentare, Wikis oder Architekturentscheidungsprotokolle (Architectural Decision Records, ADRs) sollen erklären, was der Code nicht ausdrückt. Dieser Impuls ist nachvollziehbar, denn er entspringt dem berechtigten Wunsch, Kontext festzuhalten, bevor er verloren geht.

In der Praxis scheitert dieser Ansatz jedoch fast immer am Informationsdrift. Code verändert sich ständig, Texte jedoch seltener. Jede Codeänderung verschiebt kleine Bedeutungen. Nach Wochen ist die Beschreibung nicht mehr präzise, nach Monaten unvollständig – und spätestens nach Jahren beschreibt sie oft nur noch die ursprüngliche Absicht, aber nicht die Realität.

Man kann das als Mangel an Disziplin interpretieren. Realistischer ist, es als strukturelle Eigenschaft von Softwareprojekten zu verstehen. Dokumentation lebt außerhalb der ausführbaren Form. Sie wird nicht kompiliert, nicht getestet und ist in vielen Projekten nicht eng in den Entwicklungsprozess eingebettet. Während der Code sich weiterentwickelt, bleibt die Dokumentation häufig zurück. Die Kluft zwischen dem, was beschrieben wurde, und dem, was tatsächlich gilt, vergrößert sich daher mit der Zeit.

Noch gravierender ist die semantische Entkopplung, die die Dokumentation grundsätzlich erzeugt. Sie erklärt von außen, was im Inneren unsichtbar geblieben ist. Sie versucht, Bedeutung nachträglich zu beschreiben, statt sie in der Struktur selbst sichtbar zu machen. Das sind starke Brüche, die die mentale Last deutlich erhöhen. Dokumentation macht Kontext lesbar, aber kaum erfahrbar. Leserinnen und Leser müssen den Bruch zwischen Text und System im Kopf überbrücken. Die kognitive Energie, die eigentlich eingespart werden sollte, wird dadurch am Ende zusätzlich beansprucht.

Dokumentation bleibt unverzichtbar, gerade deshalb, weil Systeme Bedeutung nur begrenzt ausdrücken. Sie kompensiert jene Stellen, an denen Code nicht erklärt, welche Annahmen gelten oder warum etwas so umgesetzt wurde. Gleichzeitig zeigt sie aber, ob Verständlichkeit eher als Ergänzung behandelt wurde und nicht als Teil des Designs. Texte sollen erklären, was im Code nicht erkennbar ist, und mit jedem neuen Dokument wird deutlicher, an welchen Stellen das System Verständnishilfen benötigt. Dokumentation wird dadurch zu einem Indikator struktureller Schwächen.

Kontrolle statt Verständnis

Der andere große Kompensationsmechanismus zeigt sich aktuell beim Umgang mit KI. Die Maschine scheitert an denselben Stellen wie Menschen, nur schneller und offensichtlicher. Statt das dahinter liegende Problem zu hinterfragen, wird aktuell mit massivem Ressourceneinsatz reagiert und ein neues Paradigma erzeugt. Wozu sollte man Code überhaupt lesen müssen? Warum nicht den Code als Blackbox betrachten?

Die Idee folgt einer evolutionären Logik: Es braucht nur genügend Tests, Constraints und Rechenpower. Dann entwickelt sich das System schon von selbst zu dem, was gewünscht ist.

Der Gedanke klingt verführerisch einleuchtend, führt aber in die gleiche Sackgasse wie all seine Vorgänger, denn Schranken ersetzen keine Bedeutung. Sie verhindern zwar, dass Fehler sofort sichtbar werden, aber nicht, dass sie entstehen. Sämtliche Intelligenz liegt dann in den Testdefinitionen und der Überwachung.

Das wäre vielleicht akzeptabel, wenn diese Tests vollständig sein könnten. Mit wachsender Komplexität steigt aber die Anzahl möglicher Zustände schneller, als sie sich testen oder simulieren lassen. Ein vollständiger Test ist theoretisch denkbar, praktisch aber oft unerreichbar.

Ein Medikament ist ein gutes Beispiel dafür, dass Testen nur funktioniert, wenn man das zugrunde liegende System bereits versteht. Medikamente lassen sich testen, weil Wirkmechanismen, Stoffwechselwege und erwartete Reaktionen grundsätzlich bekannt sind. Wüsste man nicht, welche Arten von Reaktionen auftreten könnten, müsste man eine nahezu unbegrenzte Zahl an Tests durchführen. Obwohl der Mensch keine Blackbox mehr ist, werden dennoch unentdeckte Zustände übersehen.

Genau deshalb treten selbst nach umfangreichen und mehrstufigen Studien manchmal zusätzliche Nebenwirkungen erst Jahre nach der Zulassung auf. Ein vollständiger Test bleibt unerreichbar, wenn sich nicht alle relevanten Szenarien im Voraus bestimmen lassen. Software verhält sich ähnlich. In den Worten von E. W. Dijkstra: „Program testing can be used to show the presence of bugs, but never to show their absence.“

Je weniger man versteht, was im Inneren geschieht, desto mehr müsste man von außen kontrollieren. Das ist keine technische, sondern eine erkenntnistheoretische Konsequenz: Wer Systeme ohne Verständnis betreibt, ersetzt Wissen durch Überwachung. Tests und Constraints werden zu Ersatzhandlungen, die Unsicherheit bekämpfen, aber sie nicht auflösen. Man versucht, Kontrolle zu erzwingen, weil die Systeme sich nicht selbst erklären.

Wenn Code den Kontext seiner Entscheidungen tragen würde – wenn er nachvollziehbar wäre, statt nur überprüfbar –, bräuchte es diesen Aufwand nicht. Die Maschine müsste dann nicht erraten, was gemeint war, sondern könnte darauf aufbauen. Und der Mensch könnte besser lesen und nachvollziehen, was das LLM produziert hat.

Die Aufgabe der nächsten Entwicklungsstufe könnte daher sein: nicht mehr Power und Kontrolle, sondern mehr Verständlichkeit. Nicht „mehr Kommentare“, sondern mehr sichtbare Semantik: Begriffe, Regeln und Übergänge sollen dort erkennbar sein, wo sie gelten. Genau an dieser Stelle wird die Frage praktisch: Welche Gestaltungsentscheidungen reduzieren Rekonstruktion und machen Herleitung im Code nachvollziehbar?

Architektur als Kommunikationssystem: Systeme, die ihre Bedeutung ausdrücken, benötigen weniger Kontrolle; Systeme ohne Sichtbarkeit brauchen Überwachung.
Architektur als Kommunikationssystem: Systeme, die ihre Bedeutung ausdrücken, benötigen weniger Kontrolle; Systeme ohne Sichtbarkeit brauchen Überwachung.

Architektur als Kommunikationssystem: Systeme, die ihre Bedeutung ausdrücken, benötigen weniger Kontrolle; Systeme ohne Sichtbarkeit brauchen Überwachung.

Verständlichkeit systematisch unterstützen

Clean Code und Domain-driven Design haben den entscheidenden Schritt bereits vollzogen: Sie haben Verständlichkeit explizit zum Ziel erklärt und sehen sie nicht nur als Nebeneffekt guter Implementierung an. Sprechende Namen, konsistente Begriffe und eine fachliche Ausrichtung der Struktur sind dabei keine Stilfragen, sondern Träger von Bedeutung.

In der Praxis zeigt sich jedoch eine Grenze: Selbst wenn Begriffe modelliert sind, bleiben Entscheidungen und Herleitungen im Code häufig implizit. Leser müssen Regeln zusammensuchen und Übergänge im Kopf nachzeichnen. Die folgenden Hebel setzen genau an den zuvor skizzierten Quellen mentaler Last an: Implizites sichtbar machen, Bedeutungswechsel markieren und fachliche Orientierung in der Struktur verankern.

Explizitheit als Entlastung: Ein zentraler Schritt ist die Verschiebung von impliziten zu expliziten Strukturen. Sichtbare Parameter und klar benannte Funktionen erzeugen semantische Orientierungspunkte. Der Satz „Explicit is better than implicit“ aus dem Zen of Python beschreibt das nüchtern: Was explizit ausgedrückt ist, muss nicht ergänzt werden. Nebenbei wirkt Explizitheit wie ein Test der eigenen Modellierung: Was sich nicht ausdrücken lässt, ist oft noch nicht klar gedacht.

Übergänge sichtbar machen: Verständlichkeit hängt zudem stark an Übergängen. Schichten trennen nicht nur Zuständigkeiten, sie markieren Bedeutungswechsel. Gerade dort entstehen Brüche: Begriffe ändern ihren Sinn, Verantwortlichkeiten verschieben sich. Architekturansätze wie Ports and Adapters sind hier weniger „Stil“, sondern ein Mittel, diese Übergänge explizit zu machen. Sie zeigen, wo Domänensprache beginnt, wo sie endet und welche Übersetzungen stattfinden.

Bedeutung lokal halten: Ein weiterer Hebel ist die Verkürzung mentaler Wege. Fachliche Fragen benötigen eine nahe Antwortstelle. Wenn eine Regel erst über mehrere Dateien hinweg rekonstruiert werden muss, steigt die mentale Last, selbst wenn der Code lokal sauber wirkt. Architektur kann dagegen bewusst so schneiden, dass Entscheidungen dort sichtbar bleiben, wo sie wirksam sind, und nicht erst nach einer Suchreise.

Sprache als Struktur: Schließlich ist Sprache selbst ein Gestaltungsmittel. Die Forschungsergebnisse zu Vokabularstreuung passen hier direkt in die Praxis: Synonyme erhöhen die Last, konsistente Begriffe senken sie. Ubiquitous Language ist damit nicht „DDD-Dogma“, sondern ein strukturelles Werkzeug: Begriffe werden zu Navigationspunkten. Bedeutungswechsel werden markiert, statt stillschweigend vorausgesetzt.

Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern eine Verschiebung: Weg von nachträglicher Erklärung, hin zu einer Struktur, die Bedeutung selbst trägt. Je sichtbarer Regeln, Übergänge und Begriffe im Code sind, desto weniger müssen Menschen – und Werkzeuge – rekonstruieren.

Architektur lebt von Verständnis

Man hört heute oft, dass der Bedarf an Softwarearchitektinnen und -architekten steigen werde. Gemeint sind meist Rollen, die Entscheidungen treffen, aber kaum noch Code lesen. Architektur soll auf einer abstrakten Ebene entstehen, getrennt vom System, das sie formt.

Hier liegt ein Missverständnis vor, denn Architektur ist kein Planspiel, sondern sie entsteht im System selbst. Wer Entscheidungen trifft, ohne den Code als Träger von Bedeutung zu behandeln, arbeitet mit Hypothesen. Deren Tragfähigkeit zeigt sich erst später in Tests und vor allem im Betrieb. Damit wird deterministische Begründung durch empirische Absicherung ersetzt. Das unterscheidet sich methodisch vom klassischen Engineering.

Würde man stattdessen konsequent die Prinzipien des Engineering anwenden, dann würde daraus folgen, KI so einzubetten, dass Systeme mit mehr Kohärenz und Lesbarkeit entstehen. Systeme, die für Menschen wie auch für KI-Modelle verständlich sind.

Die Zukunft gehört nicht jenen, die nur abstrakt planen, sondern jenen, die Systeme so gestalten, dass sie verstanden werden können. Denn Verständlichkeit ist keine begleitende Eigenschaft. Sie ist die Grundlage von Softwarearchitektur.


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Links in diesem Artikel:
[1] http://nicolaiwolko.ch/blog
[2] https://arxiv.org/html/2503.01245v1
[3] https://www.infosun.fim.uni-passau.de/publications/docs/SPP+17.pdf
[4] https://www.se.cs.uni-saarland.de/publications/docs/HoSeHo17.pdf
[5] https://mapsworkshop.github.io/assets/LLM_Code_Error_Analysis_MAPS2023_camera-ready.pdf
[6] mailto:mai@heise.de

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Developer-Häppchen fürs Wochenende – Kleinere News der Woche

Von Heise — 07. März 2026 um 09:14
Mexikanische Häppchen

(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)

Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Solr, Rust, groff, Go, Python, W3C, Autobase, Open VSX und Swift.

In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • Der Blog Python Insider ist umgezogen [7] und wird nun durch ein Git-Repository unterstützt. Die Blogger haben alle 307 Beiträge mitgenommen, und auch die alten URLs funktionieren und werden weitergeleitet. RSS-Reader sollten den neuen Feed [8] automatisch übernehmen.
  • Das W3C hat einen ersten Public Working Draft von YAML-LD 1.0 [9] veröffentlicht. Er beschreibt YAML-Konventionen, wie Linked Data als YAML serialisiert werden soll, und zwar auf Basis der JSON-LD-Syntax, -Semantik und -APIs.
  • Autobase, das PostgreSQL-Tool für das Clustering [10] von Datenbanken, ermöglicht in Version 2.6 Upgrades im laufenden Betrieb. Dieses Blue-Green-Deployment erfolgt ohne Serverausfall und mit schnellem Rollback in Notfällen.
  • Das alternative Extension-Verzeichnis für VS Code, Open VSX, vermeldet inzwischen 300 Millionen Downloads im Monat [11]. Es beinhaltet über 10.000 Extensions von über 6500 Entwicklern.
  • Für Swift gibt es eine Reihe neuer Pakete [12], zum Beispiel für das Anbieten von GraphQL-APIs, für die Anbindung von Microsoft SQL Server oder für die Suche in Finanzdaten. Außerdem gibt es nun das Tool Swift System Metrics 1, um Daten auf Prozessebene zu sammeln.

Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [13].


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Links in diesem Artikel:
[1] https://solr.apache.org/docs/10_0_0/changes/Changes.html#v10.0.0.added
[2] https://blog.rust-lang.org/2026/03/05/Rust-1.94.0/
[3] https://github.com/golang/go/issues/77273#issue-3845127408
[4] https://www.heise.de/news/Programmiersprache-Go-erlaubt-mit-Version-1-18-generische-Programmierung-6562217.html
[5] https://lwn.net/Articles/1060786/
[6] https://archdoc.bettercode.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_bcc_archdoc.empfehlung-ho.link.link&LPID=33507
[7] https://blog.python.org/2026/03/the-python-insider-blog-has-moved/
[8] http://blog.python.org/rss.xml
[9] https://www.w3.org/news/2026/first-public-working-draft-yaml-ld-1-0/
[10] https://www.postgresql.org/about/news/autobase-260-released-3250/
[11] https://newsroom.eclipse.org/news/announcements/open-vsx-registry-surpasses-300-million-monthly-downloads-industry-leaders-back
[12] https://www.swift.org/blog/whats-new-in-swift-february-2026/
[13] mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer-H%C3%A4ppchen
[14] mailto:who@heise.de

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Neue LG-Fernseher: Neben OLEDs nun auch TVs mit Micro-RGB-LEDs

Von Heise — 07. März 2026 um 10:30

OLED-Spezialist LG hat seine neuen TVs gezeigt, organische Display bekommen bessere Bildqualität, die meisten LCD-TVs werden billiger, eine Gruppe fällt raus.

LG ist vor allem für OLED-TVs bekannt. Die organischen Displays aus den Serien B5, C5 und G5 bekommen ein Update auf B6, C6 und G6, der Hersteller hat sie weiter optimiert, die unverbindlichen Preisempfehlungen bleiben auf dem Niveau vom Vorjahr.

Neu hinzugekommen ist das Wallpaper-TV W6, ein gerade mal neun Millimeter dünnes Display, das mit einer speziellen Halterung an die Wand gehängt wird. Das ist eine Art Revival zum Wallpaper aus 2017 [1], diesmal hat LG das Panel aber mit einem schmalen Metallrahmen stabilisiert und es wird drahtlos angesteuert.

Farbige LEDs im LCD-Backlight

Unter den neuen Highend-Modellen findet sich in diesem Jahr auch ein LCD-TV mit winzigen RGB-LEDs im Backlight. Damit holt LG nach, was Samsung und Hisense vorgemacht haben; beide bieten derartige Boliden bereits an.

Bei der Nomenklatur der mit winzigen LEDs ausgestatteten LCD-TVs macht es LG den Verbrauchern nicht leicht. So sind einzig die MRGB96-Modelle mit farbigen Mini-LEDs im lokal gedimmtem Backlight ausgestattet. Es deckt den Farbraum DCI-P3 laut LG vollständig ab, unterstützt VRR bis 165 Hertz und schafft bei Reduzierung der Bildauflösung auf Full HD per Motion Booster Frameraten bis zu 330 Hertz. Für die Bildoptimierung sorgt der gleiche Chipsatz wie in LGs OLED-Topmodellen.

Mit den TVs aus der Micro RGB96-Serie will nun auch LG LCD-TVs mit farbigen RGB-Mini-LEDs im lokal dimmbaren Backlight anbieten.

(Bild: Ulrike Kuhlmann / heise medien)

Der Hersteller preist die „Micro RGB evo TV“ als Flaggschiff an, das Modell MRGB96 gibt es in 75, 85 und 100 Zoll, also nur mit großen Diagonalen von 1,90 Meter, 2,16 Meter und 2,54 Meter. Auch die Preise sind entsprechend groß, als unverbindliche Preisempfehlung (UVP) nennt LG 6300 Euro und 9000 Euro respektive 10.000 Euro; erfahrungsgemäß fällt der tatsächliche Verkaufspreis aber recht sehr schnell unter die UVP.

Bei den MRGB8-Modellen mit Mini-LEDs handelt es sich dagegen um LCD-TVs mit Edge-Backlight aus weißen LEDs, die über keine oder allenfalls eine Handvoll dimmbarer Zonen verfügen. Spätestens der Preis spiegelt das auch wider: Die Geräte aus der MRGB88-Serie kosten maximal 2000 Euro (UVP) für einen 86-Zöller. Dafür bekommt man kein FALD-Backlight mit mehreren Hundert Dimming-Zonen.

Riesen-TVs für kleines Geld

Unter den neuen QNED-TVs mit farbverstärkenden Quantenpunkten und Edge-LED-Backlight aus herkömmlichen weißen LEDs finden sich einige größere Modelle, etwa den 115QNED93B6 mit 115 Zoll Diagonale (2,90 m) und 2,55 Meter Bildbreite für 6000 Euro, auch dies ein UVP, der voraussichtlich unterboten wird. Wie sehr die TV-Preise im Keller sind, zeigt sich am nächstkleineren QNED93 evo mit 85 Zoll respektive 2,16 Meter Diagonale: Der gut ausgestattete 85QNED93B6A soll gerade mal 1900 Euro kosten. Wer hier bei der Ausstattung ein wenig abspeckt, bekommt einen 85-zölligen QNED81 evo für gerade mal 1650 Euro, UVP versteht sich. Man kann erahnen, wohin sich die Preise für große Fernseher zur Fußball-WM bewegen werden.

Den zur CES angekündigten Bilderrahmenfernseher Gallery TV LX7 [2] wird es ab Juli in 55 und 65 Zoll mit 1,40 Meter und 1,65 Meter Diagonale geben. Als magnetisch haftende Rahmen wird LG weiße Metallleisten sowie Holzleisten anbieten. Der 65-zöllige Gallery TV 65LX7B6LA soll 2000 Euro kosten, der 55-Zöller 55LX7B6LA 1750 Euro, jeweils UVP.

Alle genannten TVs haben 4K-Auflösung mit 3840 × 2160 Pixeln, mindestens einen TV-Tuner, mindestens drei HDMI-Eingänge und die besseren ein 120-Hertz-Panel, wovon insbesondere die Bewegtbildwiedergabe profitiert.


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[1] https://www.heise.de/hintergrund/LG-W7-im-Kurztest-Flexible-Videotapete-3646528.html
[2] https://www.heise.de/news/Bilderrahmenfernseher-von-LG-Schickes-LCD-mit-Wechselrahmen-11129351.html
[3] https://www.heise.de/ct
[4] mailto:uk@ct.de

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Handelskrieg: US-Computersystem mit Zollerstattungen überfordert

Von Friedhelm Greis — 07. März 2026 um 14:22
Hunderttausende Firmen fordern von der US-Regierung die unzulässigen Zölle zurück. Doch das Abbuchungssystem ist auf die Antragsflut nicht eingestellt.
US-Importeure wollen 166 Milliarden US-Dollar an Zöllen zurück. (Bild: Anthony Behar/Sipa USA/Reuters)
US-Importeure wollen 166 Milliarden US-Dollar an Zöllen zurück. Bild: Anthony Behar/Sipa USA/Reuters

Die US-Regierung ist derzeit nicht in der Lage, die Bearbeitung von unzulässigerweise erhobenen Importzöllen zu stoppen. In einer Erklärung (PDF) vom 6. März 2026 räumte die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) ein, dass die bestehenden Verwaltungsabläufe und Technologien "für eine Aufgabe dieser Größenordnung nicht gut geeignet" seien.

Nach der Entscheidung des Obersten Gerichts, das die von US-Präsident Donald Trump ohne Zustimmung des US-Kongresses erhobenen Importzölle für unzulässig erklärte , sei die Behörde "mit einem beispiellosen Umfang an Rückerstattungsforderungen konfrontiert" , schrieb CBP-Direktor Brandon Lord.

Das Verfahren erfordere eine manuelle Bearbeitung, die das Personal daran hindere, die anderen Aufgaben der Behörde in vollem Umfang zu erfüllen. Ein Handelsgericht entschied am 4. März 2026 , dass die entsprechenden Berechnungen der Importzölle gestoppt werden müssten.

Der Erklärung zufolge reichten bis zum 4. März 2026 mehr als 330.000 Importeure bereits mehr als 53 Millionen Anträge auf Rückerstattung ein. Deren Gesamtsumme beläuft sich demnach auf 166 Milliarden US-Dollar.

Neue Softwarelösung geplant

Die Erhebung der Importzölle wird über das elektronische System Automated Commercial Environment (ACE) abgewickelt. Dieses bucht die Zölle innerhalb einer bestimmten Frist bei den Importeuren ab. Die CBP ist der Erklärung zufolge nicht in der Lage, die Einziehung der unzulässigen Zölle automatisch von denjenigen zu trennen, die nicht dem Gerichtsurteil unterliegen. Das sei nur über eine manuelle Prüfung möglich.

Um das Verfahren zu beschleunigen, soll eine neue digitale Lösung für die automatisierte Bearbeitung entwickelt werden. Diese solle mehr als vier Millionen Arbeitsstunden des Personals einsparen. Die Behörde strebe an, die neue Lösung innerhalb von 45 Tagen bereitzustellen. "Der Prozess wird einfacher und effizienter sein als die bestehenden Funktionen, und die CBP wird Anleitungen zur Einreichung von Rückerstattungsanträgen im neuen System bereitstellen" , schrieb Lord.

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Irankrieg: Satellitenfirma Planet Labs pausiert Bildveröffentlichungen

Von Friedhelm Greis — 07. März 2026 um 13:28
Satellitenaufnahmen können dem Iran Aufschluss über den Erfolg seiner Vergeltungsangriffe geben. Angeblich liefert Russland inzwischen Daten.
Aufnahmen von Planet Labs zeigen einen Brand in einem Industriegebiet in Dubai. (Bild: Planet Labs PBC/Reuters)
Aufnahmen von Planet Labs zeigen einen Brand in einem Industriegebiet in Dubai. Bild: Planet Labs PBC/Reuters

Das US-amerikanische Unternehmen Planet Labs will die Veröffentlichung von Satellitenaufnahmen aus dem Nahen Osten vorläufig aussetzen. "Ab sofort werden alle neuen Bilder, die über den Golfstaaten, dem Irak, Kuwait und angrenzenden Konfliktzonen aufgenommen werden, erst nach 96 Stunden in unserem Archiv veröffentlicht" , teilte das Unternehmen dem Portal Ars Technica mit . Man wolle verhindern, dass "gegnerische Akteure" die Daten für Zwecke der "Schadensanalyse" verwendeten, hieß es zur Begründung.

In den vergangenen Tagen zeigten Satellitenaufnahmen dem Bericht zufolge die Folgen iranischer Raketen- und Drohnenangriffe auf Stützpunkte der USA und ihrer Verbündeten in der Region. Gezeigt wurden Schäden am Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain und an einem Frühwarnradar in Katar, das eine Milliarde US-Dollar gekostet haben soll.

Zu den Kunden von Planet Labs gehören laut Ars Technica unter anderem Thinktanks, Nichtregierungsorganisationen, akademische Einrichtungen, Nachrichtenmedien und kommerzielle Nutzer aus der Land-, Forst- und Energiewirtschaft. Allerdings hat Planet Labs auch lukrative Verträge mit dem US-Militär und US-amerikanischen Geheimdiensten abgeschlossen.

US-Militär wird weiter beliefert

Letztere sollen weiterhin beliefert werden: Die Änderung gelte "für alle Nutzer mit Ausnahme autorisierter Regierungsnutzer, die für missionskritische Operationen weiterhin sofortigen Zugriff benötigen" , erklärte das Unternehmen. Die Entscheidung solle dazu beitragen, die Sicherheit von Personen aus den USA und verbündeten Staaten sowie von Zivilisten zu gewährleisten. "Im Verlauf des Konflikts kann sich das betroffene Gebiet verändern" , hieß es weiter. Planet Labs machte keine Angaben dazu, ob die US-Regierung zuvor Druck ausübte.

Der Anbieter betreibt eine Konstellation von mehreren Hundert Erdbeobachtungssatelliten, die mindestens einmal täglich Aufnahmen von jeder Landmasse der Erde machen. Daneben liefert der Dienst Pléiades Neo von Airbus ebenfalls aktuelle Bilder von den Zerstörungen des Krieges.

Inwieweit der Iran über andere Kanäle an hochauflösende Satellitenaufnahmen gelangt, ist unklar. Einem Bericht der Washington Post zufolge liefert Russland dem Land Zielinformationen für Angriffe auf amerikanische Streitkräfte im Nahen Osten. Seit Kriegsbeginn seien die Standorte US-amerikanischer Militäreinrichtungen, darunter Kriegsschiffe und Flugzeuge, übermittelt worden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf drei nicht namentlich genannte US-Regierungsmitarbeiter.

Die USA und Israel starteten am 28. Februar 2026 ohne UN-Mandat ihren Angriff auf den Iran . Mehrere hochrangige Politiker und Religionsführer des Landes, darunter Ajatollah Ali Chamenei, kamen bei den Angriffen ums Leben. Der Iran reagierte mit Drohnen- und Raketenangriffen auf seine Nachbarländer. US-Präsident Donald Trump forderte inzwischen die "bedingungslose Kapitulation" des Landes.

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Gesundheitsgefahr durch Kopfhörer: Nur zwei von 15 Herstellern planen neue Labortests

Von Ingo Pakalski — 07. März 2026 um 13:00
Nur Philips und My First Care reagieren mit neuen Tests auf Untersuchungen zu Gesundheitsgefahren durch Kopfhörer . Viele berufen sich auf die Einhaltung rechtlicher Vorgaben.
Ein Kopfhörer hat besonders viele gesundheitsschädliche Substanzen - Razer antwortet nicht. (Bild: Razer)
Ein Kopfhörer hat besonders viele gesundheitsschädliche Substanzen - Razer antwortet nicht. Bild: Razer

Golem hat bei 15 Herstellern von Kopfhörern nachgefragt, wie sie darauf reagieren, dass von ihren Produkten Gesundheitsrisiken ausgehen können . Einige Anbieter wollen zunächst weitermachen wie bisher; über die Hälfte der angefragten Unternehmen ließ Nachfragen unbeantwortet.

Vor zwei Wochen wurde eine Untersuchung veröffentlicht, wonach viele Kopfhörer bekannter Hersteller gesundheitsschädliche Substanzen enthalten . Die Studie wurde von dem Projekt Toxfree Life for All durchgeführt, das sich dafür einsetzt, auf die Gefährdung durch Chemikalien in Alltagsprodukten hinzuweisen und Bürger darüber aufzuklären.

Lediglich die beiden Unternehmen My First Care und Philips nehmen die aktuelle Untersuchung zum Anlass, ihre Produkte erneut überprüfen zu lassen. Von My First Care hieß es, man nehme die Ergebnisse "sehr ernst" und plane "zusätzliche Labortests speziell für BPA und andere Bisphenole" , um die Konzentrationen der entsprechenden Stoffe zu prüfen.

Das hat My First Care vor

My First Care produziert überwiegend Kopfhörer, die speziell für Kinder konzipiert sind; das Produkt Care Buds Blue wurde als bedenklich bewertet.

"Die Sicherheit und das Wohlergehen von Kindern haben für uns oberste Priorität" , hieß es von dem Unternehmen. Zugleich wurde betont, dass alle Produkte des Herstellers "mit den geltenden EU-Vorschriften für Unterhaltungselektronik entwickelt" worden seien und dabei verbindliche Anforderungen erfüllt würden.

"Es ist wichtig, zwischen dem analytischen Nachweis einer Substanz in einem Strukturmaterial und einer tatsächlichen gesundheitlichen Exposition unter bestimmungsgemäßen Nutzungsbedingungen zu unterscheiden. EU-Sicherheitsbewertungen basieren auf Migrationsgrenzwerten und umfassenden Risikobewertungen und nicht allein auf dem bloßen Vorhandensein einer Substanz" , teilte das Unternehmen zum Ergebnis der Untersuchung mit. Trotzdem will die Firma ihre Produkte nochmals testen.

Philips nimmt seine Produkte unter die Lupe

Das hinter der Marke Philips stehende Unternehmen TP Vision hat nach eigenen Aussagen bereits reagiert und "führt derzeit unabhängige Labortests durch und prüft alle relevanten Komponenten sorgfältig" , hieß es. Der Hersteller betonte ebenfalls, sich an geltende Vorschriften zu halten.

"Die Ergebnisse der Studie nehmen wir sehr ernst" , hieß es weiter. Damit solle sichergestellt werden, "dass unsere Produkte weiterhin sicher sind" .

"Nach Abschluss der Tests werden wir eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie etwaiger daraus resultierender Maßnahmen mit unseren Kunden teilen" , erklärte das Unternehmen. TP Vision war der einzige der 15 angefragten Hersteller, der von sich aus anbot, Golem über die Ergebnisse neuer Labortests auf dem Laufenden zu halten.

Über die Hälfte der angefragten Hersteller beantwortete Nachfragen zu gesundheitsschädlichen Substanzen in ihren Kopfhörerprodukten nicht.

Apple, Beats, Bose, Huawei, JBL, Logitech, Razer und Skullcandy reagierten auch nach über einer Woche Wartezeit nicht auf Nachfragen zu den Ergebnissen der Untersuchung. Besonders pikant dabei: Mit JBL und Skullcandy sind zwei Hersteller darunter, die Produkte speziell für Kinder verkaufen, die im Rahmen der Untersuchung als bedenklich eingestuft wurden.

Razer stellte uns eine Beantwortung unserer Fragen bis Ende Februar in Aussicht. Es kam aber keine Rückmeldung, auch nicht auf erneute Nachfrage. Von Razer stammte der Kopfhörer, bei dem in der Untersuchung besonders viele gesundheitsschädliche Substanzen gefunden wurden .

Fünf der angefragten Hersteller wollen weitermachen wie bisher und betonten allesamt, dass sie sich bei der Produktion ihrer Geräte an gesetzliche Regeln und vorgeschriebene Richtlinien hielten. Aus Sicht des Projekts Toxfree Life for All reichen die rechtlichen Vorgaben und Richtlinien aber nicht aus, um Menschen ausreichend vor gesundheitsschädlichen Substanzen zu schützen.

Jabra widerspricht Aussage der Untersuchung

Jabra stellte als einziger der angefragten Hersteller gleich die ganze Einstufung eines seiner Produkte in Frage: "In diesem Bericht werden bestimmte Ohrhörer und Kopfhörer als Produkte eingestuft, die – nach den eigenen Bewertungskriterien der Projektverantwortlichen – möglicherweise gesundheitliche Bedenken aufwerfen können."

"Diese 'rote' Einstufung bedeutet jedoch nicht, dass das Produkt nach EU-Vorschriften rechtswidrig, unsicher oder nicht konform ist" , teilte uns das Unternehmen mit. "Die Bewertung beruht auf von NGOs festgelegten Grenzwerten und nicht auf gesetzlichen Vorgaben."

Aus wissenschaftlicher und regulatorischer Sicht gebe es keine Hinweise darauf, "dass die in Jabra-Produkten verwendeten Materialien ein Gesundheitsrisiko für Verbraucher darstellen" , betonte der Hersteller und ergänzte: "Jabra-Produkte erfüllen sämtliche einschlägigen EU-Vorgaben zur Materialsicherheit" .

Jabra betont Einhaltung der Grenzwerte

"BPA, BPS und BPB gelten als Substances of Very High Concern (SVHC – besonders besorgniserregende Stoffe). Werden sie in Mengen von mehr als 0,1 Prozent (1 Gramm pro 1.000 Gramm) eingesetzt, bestehen Informationspflichten gegenüber Verbrauchern" , erklärte der Hersteller.

Jabra verwende jedoch für alle Produkte einen strengeren internen Grenzwert von 0,3 Gramm pro 1.000 Gramm. "Beim Modell Elite 10 Generation 2 liegt der Gehalt bei 0,114 Gramm pro 1.000 Gramm – und damit deutlich unter diesem Grenzwert" , betonte der Anbieter und erklärte weiter: "Zusätzlich sind unsere neuesten Produkte nach TCO Certified Generation 10 (Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte) ausgezeichnet, die strengere Anforderungen an Produktsicherheit und chemische Inhaltsstoffe stellt."

Jabra-Produkte seien weiterhin sicher und konform in der Anwendung durch Endnutzer, ergänzt das Unternehmen. "Sollten sich Gesetze oder behördliche Leitlinien ändern, wird Jabra entsprechend reagieren – die Sicherheit der Kunden bleibt dabei höchste Priorität."

Marshall, Samsung, Sennheiser und Sony argumentierten ähnlich wie Jabra.

"Die in unseren Kopfhörern verwendeten Materialien unterliegen strengen behördlichen Kontrollen" , kommentierte Marshall das Ergebnis der Untersuchung. "Alle Modelle werden umfassenden chemischen Tests unterzogen und entsprechen den geltenden EU- und globalen Rechtsvorschriften. Wir ersetzen oder überarbeiten Komponenten, um bedenkliche Stoffe zu reduzieren, sofern dies technisch möglich ist. Produktsicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften haben für uns weiterhin oberste Priorität."

"Motif II ANC entspricht weiterhin vollständig den chemischen Anforderungen und ist sicher in der Anwendung" , hieß es von Marshall, und ergänzend dazu: "Wir arbeiten kontinuierlich mit unseren Lieferanten und Fertigungspartnern zusammen, um die Materialauswahl in unserem gesamten Portfolio zu überprüfen und zu verbessern."

Samsung betont Sicherheit seiner Produkte

"Unsere Geräte werden so entwickelt und geprüft, dass sie in jedem Markt, in dem wir sie anbieten, alle geltenden gesetzlichen Vorgaben erfüllen" , hieß es von Samsung. "Zudem verfolgen wir aufmerksam, wie sich Normen und Vorschriften verändern, und richten uns danach."

"Für Samsung stehen bei allen Produkten Sicherheit und Qualität an erster Stelle" , betonte das Unternehmen, ohne inhaltlich auf die Aussagen der Studie einzugehen. In der Untersuchung wurden die Galaxy Buds Pro 3 als bedenklich eingestuft. "Wir setzen auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Materialien" , hieß es von Samsung ohne nähere Angaben weiter.

Sennheiser: Nicht private Organisationen bestimmen über Grenzwerte

"Alle unsere Kopfhörer werden von akkreditierten, unabhängigen Laboren strengen Tests unterzogen, um die vollständige Einhaltung der geltenden Vorschriften sicherzustellen" , hieß es von Sennheiser. In der Untersuchung wurden drei Produkte des Herstellers als bedenklich eingestuft.

"Sicherheitsanforderungen – einschließlich Stoffbeschränkungen und Expositionsgrenzwerten – werden von den Aufsichtsbehörden festgelegt" , und diese "spiegeln sich in rechtsverbindlichen Rahmenwerken" wider, erklärte Sennheiser. "Unsere Produkte werden entsprechend von akkreditierten, unabhängigen Laboren getestet."

"Unsere Produkte erfüllen alle diese strengen Sicherheitsanforderungen in den Märkten, in denen wir tätig sind" , betonte das Unternehmen und kommentiert die Untersuchung mit den Worten: "EU-Recht und Aufsichtsbehörden – nicht private Organisationen – legen die offiziellen Grenzwerte zur Chemikaliensicherheit sowie die Compliance-Kriterien fest, um die Sicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher zu gewährleisten."

Sony will die Ergebnisse der Studie sorgfältig prüfen

"Wir können bestätigen, dass Produkte von Sony allen geltenden europäischen Vorschriften, gesetzlichen Anforderungen und Industriestandards entsprechen. Die in dem Bericht genannten Stoffe werden gemäß den europäischen Vorschriften ordnungsgemäß gehandhabt und beschränkt" , hieß es von Sony.

Das Unternehmen betonte: "Sony bietet weiterhin sichere und zuverlässige Produkte an, die den einschlägigen gesetzlichen Anforderungen und Industriestandards entsprechen." Ein Sony-Produkt wurde in der Untersuchung als bedenklich eingestuft, andere wurden besser bewertet. "Dennoch nehmen wir die Ergebnisse der Studie ernst und prüfen sie sorgfältig" , erklärte der Hersteller, ohne die weiteren Schritte zu erläutern.

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KI Claude findet in zwei Wochen über 100 Firefox-Bugs

Von Heise — 06. März 2026 um 17:59
Firefox-Symbol auf einem Smartphone. Hintergrund ist lila.

(Bild: David Esser/Shutterstock.com)

In einem internen Test fand Anthropics KI Claude Opus 4.6 binnen zwei Wochen mehr Schwachstellen im Browser Firefox als die Community in zwei Monaten.

Die KI-Entwicklungsfirma Anthropic [1] hat in zwei Wochen mehr Schwachstellen im Browser Firefox gefunden als die Community in zwei Monaten. Dies bestätigten jetzt die für Firefox zuständige Mozilla Foundation und Anthropic laut einem Medienbericht. An dem internen Test zeige sich, wie stark KI beim Aufspüren von Sicherheitslücken zur Verbesserung von Software beitragen könne. Sicherheitsforscher aber warnen: Diese Werkzeuge gelangen auch in die Hände jener, die damit nichts Gutes im Schilde führen.

Das aktuelle KI-Modell Claude Opus 4.6 [2] habe bereits binnen 20 Minuten den ersten Firefox-Bug gefunden, berichtet das Wall Street Journal [3]. In zwei Wochen habe das Modell insgesamt über 100 Fehler aufgespürt, davon 14 mit einem hohen Schweregrad. Zum Vergleich: Mozilla patchte im vergangenen Jahr 73 Bugs, die als hochkritisch oder kritisch gelten.

Beim Ausnutzen ist die KI schwächer

Positiv ist, dass das verwendete KI-Modell beim Aufspüren von Sicherheitslücken gewandter gewesen sei als im Ausnutzen, heißt es. So sei es der KI nur in zwei Fällen gelungen, funktionierende Exploits zu schreiben. Diese hätten aber auch nur in einer Testversion von Firefox funktioniert. Unter realen Bedingungen wären diese durch Sicherheitsmechanismen des Browsers gestoppt worden. Sicherheitsforscher warnen dennoch davor, dass KI zum Wegbereiter wird und Bugs schneller gefunden und ausgenutzt werden können. Auch der Kryptologe Bruce Schneier sieht ein Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern [4] durch den Einsatz von KI-Tools.

Für Entwickler von Open-Source-Projekten liegen beim Auffinden von Bugs per KI allerdings Freud und Leid nah beieinander. Etliche Entwickler klagen über automatisiert abgegebene Fehlerberichte, die auf Halluzinationen der verwendeten KI-Modelle gründen. Hier sei Anthropics Versuch eine Ausnahme gewesen, da nur reproduzierbare Bugs an die Firefox-Entwickler weitergegeben wurden. Um Fehlalarme zu minimieren, setzt das Unternehmen bei seinem neuen Werkzeug Claude Code Security auf eine kontextbasierte Analyse [5] statt auf einen reinen Musterabgleich. Curl-Entwickler Daniel Stenberg beklagte etwa, dass im Jahr 2025 nur einer von 20 gemeldeten Bugs real existierte [6].

Firefox sei als Testobjekt ausgewählt worden, da der Browser durch sein Bug-Bounty-Programm, das seit über 20 Jahren besteht, als intensivst geprüfter Browser der Welt gilt. Damit habe man es der KI nicht leicht gemacht, auf Fehler zu stoßen, was ihre Leistungsfähigkeit untermauern sollte.


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[1]  https://www.heise.de/thema/Anthropic
[2] https://www.heise.de/news/Anthropic-launcht-Claude-Code-Security-Cybersecurity-Aktien-verlieren-11185198.html
[3] https://www.wsj.com/tech/ai/send-us-more-anthropics-claude-sniffs-out-bevy-of-bugs-c6822075
[4] https://www.heise.de/hintergrund/KI-und-Cybersicherheit-Bruce-Schneier-ueber-Wettruesten-und-die-Rolle-Europas-11177077.html
[5] https://www.heise.de/news/Anthropic-launcht-Claude-Code-Security-Cybersecurity-Aktien-verlieren-11185198.html
[6] https://www.heise.de/news/cURL-Maintainer-Habe-die-Nase-voll-wegen-KI-Bug-Reports-10372739.html
[7] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[8] mailto:mki@heise.de

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Social Media: Länder fordern strikten Jugendschutz und IP-Speicherung

Von Heise — 06. März 2026 um 17:17
Jugendliche mit Smartphones

(Bild: View Apart / Shutterstock.com)

Die Ministerpräsidentenkonferenz will Plattformen in die Pflicht nehmen, pocht auf Altersgrenzen und fordert die zügige Einführung der Vorratsdatenspeicherung.

Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) hat auf ihrer jüngsten Sitzung am Donnerstag in Berlin einen Kurswechsel in der digitalen Ordnungspolitik signalisiert. Im Zentrum der Beratungen stand die psychische Gesundheit der jüngsten Nutzergeneration, die nach Ansicht der Länderchefs im digitalen Raum systemischen Risiken ausgesetzt ist. Suchtmechanismen, Desinformation sowie Hass und Hetze nennen sie als zentrale Gefahren, vor denen Kinder und Jugendliche ein Recht auf Schutz haben. Die Politik will dabei vor allem die Betreiber von Social-Media-Plattformen in die Pflicht nehmen, deren wirtschaftliche Interessen künftig hinter dem Kindeswohl zurückstehen müssten.

Ein Pfeiler der Strategie ist die Einführung „altersgestufter Regelungen für den Zugang zu und die Ausgestaltung von“ Social-Media-Angeboten. Die Regierungschefs unterstreichen dabei aber, dass technische Vorgaben allein nicht ausreichen: Sie müssten zwingend von einer systematischen und flächendeckenden Förderung der Medienkompetenz an Schulen begleitet werden. Ziel ist es, Schüler frühzeitig darauf vorzubereiten, verantwortungsvoll und reflektiert mit digitalen Angeboten umzugehen.

Zwischen Verbot und Verantwortung

Lohnend ist der Vergleich des finalen Beschlusses [1] mit einem weitergehenden Entwurf aus Mecklenburg-Vorpommern, der sich für ein partielles Social-Media-Verbot starkmachte. Diese Initiative, die unter anderem am Widerstand von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) scheiterte, wird in einer Protokollerklärung von elf Bundesländern gestützt. Darunter sind Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

Dieses Lager plädiert für ein Konzept des „verantwortungsvollen digitalen Erwachsenwerdens“. Es verlangt auf Basis einer verpflichtenden Altersverifikation eine konkrete Altersuntergrenze von 14 Jahren für den Zugang zu Social-Media-Plattformen.

Zudem sieht dieser restriktivere Kurs einer Ländermehrheit vor, dass Plattformen für Jugendliche bis 16 Jahre verpflichtend altersgerecht ausgestaltet sein müssen, um deren besonderem Schutzbedürfnis Rechnung zu tragen. Weiterer, in der Protokollerklärung nicht aufgegriffener Punkt des Entwurfs aus Schwerin war die Regulierung algorithmischer Empfehlungssysteme: Diese sollten für Nutzer ab 16 Jahren nur noch nach einer bewussten Entscheidung im Sinne eines Opt-in-Modells zulässig sein. Die Länder streben hier nun vorrangig eine Lösung auf EU-Ebene an, um einheitliche Bedingungen im gesamten Binnenmarkt zu schaffen.

Die grundsätzliche Linie der Länder findet auch in der Bundespolitik Widerhall. Auf ihrem Bundesparteitag in Stuttgart beschloss die CDU, dass die Bundesregierung eine gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke einführen soll [2]. Für 14- bis 16-Jährige müssten spezielle, eingeschränkte Jugendversionen der Dienste bereitgestellt werden. Ein Impulspapier der SPD sieht nahezu identische Altersabstufungen vor [3]. Zur technischen Umsetzung der notwendigen Identitätsprüfung hoffen die Sozialdemokraten auf die EUDI-Wallet, was besonders problematisch wäre [4].

Vorratsdatenspeicherung soll rasch kommen

Gegen die Pläne regt sich Widerstand: Tech-Verbände, Kinder- und Bürgerrechtler bezweifeln die Wirksamkeit eines pauschalen Banns. Sie warnen vor einer digitalen Ausgrenzung und der Entstehung unkontrollierter Schattenräume. Die Verfasser einer Studie für das EU-Parlament gossen Wasser in den Wein der Regulierer: Sie kamen zum Schluss, dass eine flächendeckende Altersverifikation in einer liberalen Demokratie kaum rechtssicher und praktisch umsetzbar sei [5]. Der Schutz der Privatsphäre kollidiere dabei mit der notwendigen Identifizierung der Nutzer.

Trotz dieser Bedenken fordern die Länder parallel eine Stärkung des strafrechtlichen Kinderschutzes im Netz [6]. Ein heftig umstrittener Punkt ist dabei der Ruf nach einer IP-Adressdatenspeicherung [7]. Die Länderchefs verweisen auf alarmierende Zahlen aus dem Jahr 2025, wonach über 17.000 Hinweise auf Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs im Sande verlaufen seien, weil die Tatverdächtigen angeblich mangels gespeicherter Daten nicht identifiziert werden konnten. Vor diesem Hintergrund begrüßt die MPK den Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums vom Dezember [8], der eine dreimonatige Speicherpflicht vorsieht. Sie drängt auf eine zügige Verabschiedung des Gesetzes.

International bauen die Regierungschefs auf die Einrichtung eines EU-Zentrums zur Prävention und Bekämpfung sexuellen Missbrauchs. Dieses soll effektive Vorschriften zur Durchsetzung von Schutzmaßnahmen gegenüber Online-Unternehmen aufstellen und koordinieren.


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[1] https://www.rlp.de/fileadmin/02/MPK_Vorsitz/Beschluesse_MPK_5._Maerz_Berlin/TOP_20_Sichere_Nutzung_Sozialer_Medien_-_Befaehigung_und_Schutz_im_digitalen_Raum_gewaehrleisten__mit_Protokollerklaerung.pdf
[2] https://www.heise.de/news/CDU-beschliesst-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-aber-keine-Klarnamenpflicht-11185162.html
[3] https://www.heise.de/news/SPD-will-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-unter-14-11177275.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Social-Media-Verbot-per-EU-Wallet-Was-der-SPD-Plan-bedeuten-wuerde-11183974.html
[5] https://www.heise.de/news/Studie-Altersverifikation-im-Netz-ist-noetig-in-Demokratien-aber-nicht-machbar-9670768.html
[6] https://www.rlp.de/fileadmin/02/MPK_Vorsitz/Beschluesse_MPK_5._Maerz_Berlin/TOP_16_Offensive_zur_Staerkung_des_Kinderschutzes.pdf
[7] https://www.heise.de/news/Vorratsdatenspeicherung-Massive-Kritik-an-Regierungsplaenen-11170683.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-fuer-digitale-Anonymitaet-Hubig-wagt-riskanten-Vorstoss-zur-IP-Speicherung-11123312.html
[9] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[10] mailto:mki@heise.de

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BSI: 11.500 kritische Einrichtungen unter NIS2 registriert

Von Heise — 06. März 2026 um 17:09
Hand mit einem Rotstift an einem bedruckten Papier

(Bild: khunkornStudio / Shutterstock.com)

Zum Registrierungsfristende haben tausende Unternehmen den Prozess abgeschlossen – doch knapp 20.000 fehlen wohl noch.

Bis zum heutigen Stichtag haben sich etwa 11.500 Behörden, Unternehmen und andere kritische Einrichtungen unter dem neuen NIS2-Regime beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registriert. Das teilte ein Sprecher der Bonner Behörde am Nachmittag auf Anfrage von heise online mit.

Über 4.000 der nun beim BSI als Betreiber kritischer Anlagen hinterlegten Akteure hätten die Registrierung innerhalb der vergangenen Woche vollzogen. Mitte Februar hatte die Gesamtzahl noch deutlich niedriger gelegen, bei nur 4.500 [1] Registrierten. Allerdings würden auch mit dem heutigen Stand noch immer um die 18.000 Betreiber wichtiger oder besonders wichtiger Anlagen zu den 29.500 registrierungsverpflichteten fehlen, von denen das Bundesinnenministerium im gesamten Gesetzgebungsprozess ausging.

In den kommenden Tagen dürfte sich genauer zeigen, ob die bisherigen Schätzungen zu hoch gegriffen waren oder ob hier Betroffene in größerer Zahl ihren Meldeverpflichtungen nicht nachgekommen sind. Eine Bewertung der jetzt vorliegenden Zahlen zum Stichtag konnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bislang nicht abgeben.


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[1] https://www.heise.de/news/Ab-jetzt-Bussgelder-moeglich-Stichtag-fuer-NIS2-Registrierungspflicht-11201817.html
[2] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[3] mailto:kbe@heise.de

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KI Claude findet in zwei Wochen über 100 Firefox-Bugs

Von Heise — 06. März 2026 um 17:59
Firefox-Symbol auf einem Smartphone. Hintergrund ist lila.

(Bild: David Esser/Shutterstock.com)

In einem internen Test fand Anthropics KI Claude Opus 4.6 binnen zwei Wochen mehr Schwachstellen im Browser Firefox als die Community in zwei Monaten.

Die KI-Entwicklungsfirma Anthropic [1] hat in zwei Wochen mehr Schwachstellen im Browser Firefox gefunden als die Community in zwei Monaten. Dies bestätigten jetzt die für Firefox zuständige Mozilla Foundation und Anthropic laut einem Medienbericht. An dem internen Test zeige sich, wie stark KI beim Aufspüren von Sicherheitslücken zur Verbesserung von Software beitragen könne. Sicherheitsforscher aber warnen: Diese Werkzeuge gelangen auch in die Hände jener, die damit nichts Gutes im Schilde führen.

Das aktuelle KI-Modell Claude Opus 4.6 [2] habe bereits binnen 20 Minuten den ersten Firefox-Bug gefunden, berichtet das Wall Street Journal [3]. In zwei Wochen habe das Modell insgesamt über 100 Fehler aufgespürt, davon 14 mit einem hohen Schweregrad. Zum Vergleich: Mozilla patchte im vergangenen Jahr 73 Bugs, die als hochkritisch oder kritisch gelten.

Beim Ausnutzen ist die KI schwächer

Positiv ist, dass das verwendete KI-Modell beim Aufspüren von Sicherheitslücken gewandter gewesen sei als im Ausnutzen, heißt es. So sei es der KI nur in zwei Fällen gelungen, funktionierende Exploits zu schreiben. Diese hätten aber auch nur in einer Testversion von Firefox funktioniert. Unter realen Bedingungen wären diese durch Sicherheitsmechanismen des Browsers gestoppt worden. Sicherheitsforscher warnen dennoch davor, dass KI zum Wegbereiter wird und Bugs schneller gefunden und ausgenutzt werden können. Auch der Kryptologe Bruce Schneier sieht ein Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern [4] durch den Einsatz von KI-Tools.

Für Entwickler von Open-Source-Projekten liegen beim Auffinden von Bugs per KI allerdings Freud und Leid nah beieinander. Etliche Entwickler klagen über automatisiert abgegebene Fehlerberichte, die auf Halluzinationen der verwendeten KI-Modelle gründen. Hier sei Anthropics Versuch eine Ausnahme gewesen, da nur reproduzierbare Bugs an die Firefox-Entwickler weitergegeben wurden. Um Fehlalarme zu minimieren, setzt das Unternehmen bei seinem neuen Werkzeug Claude Code Security auf eine kontextbasierte Analyse [5] statt auf einen reinen Musterabgleich. Curl-Entwickler Daniel Stenberg beklagte etwa, dass im Jahr 2025 nur einer von 20 gemeldeten Bugs real existierte [6].

Firefox sei als Testobjekt ausgewählt worden, da der Browser durch sein Bug-Bounty-Programm, das seit über 20 Jahren besteht, als intensivst geprüfter Browser der Welt gilt. Damit habe man es der KI nicht leicht gemacht, auf Fehler zu stoßen, was ihre Leistungsfähigkeit untermauern sollte.


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[1]  https://www.heise.de/thema/Anthropic
[2] https://www.heise.de/news/Anthropic-launcht-Claude-Code-Security-Cybersecurity-Aktien-verlieren-11185198.html
[3] https://www.wsj.com/tech/ai/send-us-more-anthropics-claude-sniffs-out-bevy-of-bugs-c6822075
[4] https://www.heise.de/hintergrund/KI-und-Cybersicherheit-Bruce-Schneier-ueber-Wettruesten-und-die-Rolle-Europas-11177077.html
[5] https://www.heise.de/news/Anthropic-launcht-Claude-Code-Security-Cybersecurity-Aktien-verlieren-11185198.html
[6] https://www.heise.de/news/cURL-Maintainer-Habe-die-Nase-voll-wegen-KI-Bug-Reports-10372739.html
[7] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[8] mailto:mki@heise.de

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heise+ | Fehlplanung im Heimnetz: Warnung vorm Multimediaverteiler

Von Heise — 06. März 2026 um 15:25

Im Multimediaverteiler soll Netzwerkhardware ein dezentes Zuhause finden. Doch in der Praxis erweist er sich als zu eng. Eine Kultur- und Architekturkritik.

Zufrieden schaut das junge Paar den Makler an. Die Wohnung ist hell, ganz frisch saniert und mit vielen zugedrückten Augen für die beiden bezahlbar. Auch Homeoffice ist kein Problem, selbst Glasfaser gibt es schon. Die wurde sogar bis in die Wohnung verlegt – stolz präsentiert der Makler den Übergabepunkt, der sich hinter einer Blechklappe neben der Haustür verbirgt. Hier hat der Elektriker einen sogenannten Multimediakleinverteiler bündig in die Wand eingeputzt. Schick, da könne man ja ein Bild vorhängen, träumt die Mietinteressentin. In der Kiste, auch das wird bei der Besichtigung betont, kommen auch gleich die Netzwerkkabel an, die zu Netzwerkdosen in allen Zimmern der Wohnung führen. Sie enden sauber nebeneinander in einem Patchfeld. Schick, dann bekommt der Spiele-PC eine Kabelverbindung und muss nicht per WLAN ins Netz, träumt der Mietinteressent. Was wie eine zukunftssichere Lösung aussieht, muss sich nun im Alltag bewähren.

Ein paar Wochen später, die Tinte unter dem Mietvertrag ist getrocknet und die Möbel stehen weitgehend in Position. Der Internetanbieter hat ein kleines schwarzes Glasfasermodem zugeschickt. Der alte Router funktioniert noch und kann zusammen mit dem Modem weiter seinen Dienst verrichten [1] [1]. Beim Verkabeln kommen dem neuen Mieter die ersten Zweifel ob des Platzangebots in der Technikkiste. Für einen Router hat der Hersteller Plastiklaschen zur Hochkantmontage vorgesehen. Halb liegt er darin, halb hängt er am Netzwerkkabel. Fürs Modem gibt es keinen angestammten Platz, das wird mit Kabelbindern an die Grundplatte gepfuscht, zum Anschrauben fehlt neben dem Router der Platz. Zwei der drei Schuko-Steckdosen am Grund des Multimediaverteilers sind damit schon belegt – eher zweieinhalb, weil die Steckernetzteile natürlich ungünstig herausragen und die dritte Steckdose blockieren. So oder so ähnlich geht es in vielen Fällen zu. Egal, Klappe zu und Bild davor.

Weder geräumig noch günstig. 450 Euro Listenpreis ruft Hager, Marktführer für Multimediaverteiler, für das Modell mit Stahltür auf. Drei Schuko-Dosen sind eingebaut.

(Bild: hager.com)

WLAN gut geschirmt

Riesig ist die Wohnung nicht, das war preislich nicht drin. Aber etwas verwinkelt und länglich. Beim ersten Frühstück die erste Enttäuschung: In der Küche ist das WLAN-Signal so schwach, dass an ruckelfreies Webradiohören nicht zu denken ist. „Eine Büchse mit Stahltür“, sinniert der Neumieter, „ist für einen Router, der das WLAN in der Wohnung aufspannen soll, vielleicht doch nicht der ideale Ort.“ Hätte man drauf kommen können, und tatsächlich bietet der Hersteller des Multimediaverteilers auch optional eine Kunststofftür an [2] [2]. Optional bedeutet: Pech gehabt, der Vermieter hat die Standardoption mit Stahltür gekauft. Aber selbst wenn nicht: Kunststoff senkt die Dämpfung zwar ein wenig, hilft aber nicht in jeder Wohnung.


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[1] https://www.heise.de/tests/Glasfasermodem-oder-router-Was-rechnet-sich-mehr-fuer-den-Glasfaseranschluss-11066548.html
[2] https://hager.com/de/katalog/produkt/va48w-tuer-volta-apv-4-reihig-kunststoff

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Anzeige: Selbsteinstellende Knipex-Rohr- und Crimpzange kurz billiger

Von Benjamin Gründken — 06. März 2026 um 18:50
Eine automatische Wasserpumpenzange und eine Crimpzange von Knipex sind bei Amazon befristet im Angebot.
Knipex produziert bis heute in Wuppertal. (Bild: Erzeugt mit ChatGPT; Amazon, Knipex; Montage: Golem.de) amazon Affiliate

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Knipex produziert bis heute in Wuppertal. Bild: Erzeugt mit ChatGPT; Amazon, Knipex; Montage: Golem.de

Knipex existiert seit Ende des 19. Jahrhunderts. Damals fertigte man noch Hufbeschlagzangen im Keller des Firmengründers. Dort produziert Knipex längst nicht mehr, dem Standort Cronenberg blieb das Unternehmen treu: Nach wie vor produziert Knipex seine Zangen im heute zu Wuppertal gehörenden Ort.

Made in Germany, das liegt nicht für den Preis einer Tüte Gummibärchen auf dem Grabbeltisch. Crimpzangen, Seitenschneider und Co. sind normalerweise nicht ganz billig. Glücklicherweise findet man im Netz immer wieder spannende Deals für Werkzeuge aus dem Hause Knipex.

Aktuell dabei: die selbsteinstellende Crimpzange 97 53 14 und die selbsteinstellende Wasserpumpenzange SmartGrip.

Selbsteinstellende Crimpzange zum Sparpreis

Die selbsteinstellende Crimpzange 97 53 14 misst 180 Millimeter. Gedacht ist sie laut Knipex für das normkonforme Verpressen von Aderendhülsen nach DIN 46228 Teil 1 + 4. Einzel-Aderendhülsen soll die Zange bis zu einem Querschnitt von 16 mm² und Doppel-Aderendhülsen bis zu einem Querschnitt von 2 x 10 mm² verpressen. Damit deckt das Tool auch Leiter ab, denen der Elektriker nicht jeden Tag begegnet.

Los geht es allerdings schon bei 0,08 mm². Damit richtet sich die in Deutschland hergestellte Zange auch an Bastler und Elektroniker, die mit feinen Drähten hantieren.

Wie man der Produktseite

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entnehmen kann, hat sich die Crimpzange allein im letzten Monat über 300-mal verkauft. Nun kostet sie im zeitlich befristeten Angebot, gültig bis maximal zum 11. März, nur noch 118,95 Euro. Laut Preistracker Keepa waren es bei Amazon im 90-Tage-Mittel noch 128,48 Euro.

KNIPEX Selbsteinstellende Crimpzange für Aderendhülsen

Zum Angebot

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Automatische Wasserpumpenzange für die Profis

Wer auf der Arbeit oder beim Umbauen viel mit der Zange greifen muss, könnte das ständige Einstellen der Rohrzange als nervig empfinden. Die Knipex Cobra

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ist mit ihrer Feinverstellung per Knopfdruck zwar schon eine gute Wahl. Sie stellt sich aber nicht automatisch ein. Hier kommt die SmartGrip ins Spiel.

Die 250 mm große Wasserpumpenzange 85 01 250 wird bei Amazon mit 4,8 von 5 Sternen bewertet. Geeignet ist sie für Links- wie Rechtshänder – auch per Einhandbedienung. Die Härte der Zähne gibt der Wuppertaler Hersteller mit 61 an.

Nach 33 Prozent UVP-Rabatt zahlt man nur noch 34,90 Euro für die SmartGrip

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. Amazon weist diesen Deal als bis zum 15. März befristet aus. Mit 37,10 Euro lag das 90-Tage-Mittel laut Keepa noch leicht höher.

KNIPEX SmartGrip Wasserpumpenzange

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