(Bild: Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München, 2008. Bild: Wolfram Huke. Lizenz: CC BY-SA 3.0 Deed)
Vertrauen in den öffentlichen Vernunftgebrauch. Zum Tod des bedeutendsten deutschen Philosophen der letzten 50 Jahre.
"Vernunft besteht im Gebrauch der Vernunft."
Jürgen Habermas
"Es scheint so, als ginge eine Ära mit ihm zu Ende."
Alexander Kluge
Schade, dass er nicht 100 Jahre alt wurde. Denn dieser Mann ist keineswegs, wie seine politischen und weltanschaulichen Feinde jetzt wieder schreiben, von gestern. Er ist von Morgen, ein Denker unserer Zukunft.
Bis zum Ende seines Lebens am Samstag, dem 14. März 2026, hatte sich der in Starnberg lebende Denker nicht zur Ruhe gesetzt. Er nahm rege, wach, geistig fixiert und in irgendeine Arbeit vertieft an der Gegenwart teil.
Immer wieder ging er mit Essays für große Tageszeitungen oder wissenschaftliche Publikationen zu aktuellen Themen an die Öffentlichkeit: Corona, Ukraine-Krieg [1], der neue Antisemitismus und die Erosion der Demokratie haben ihn in den letzten Jahren beschäftigt.
Philosophie und Politik waren für Habermas eins. Der Hegel der Bundesrepublik [2] konnte nicht nicht politisch denken. Philosophie und politisches Engagement waren für ihn eins.
"Habermas hat wie kein anderer Denker auch Mediengeschichte gemacht", schreibt Willi Winkler in seinem SZ-Nachruf [3].
Vor vier Monaten hatte er sich zum letzten Mal in aufsehenerregender Weise zu Wort gemeldet: "Von hier an müssen wir alleine weitergehen", [4] hieß der Titel seines Textes, der am 21. November 2025 in der Süddeutschen erschien, und in der Habermas eine seiner Zentralideen, die Idee des Westens einer Revision unterzieht.
Detailreich und fein ziseliert erklärt Habermas da, warum Verschiebungen der globalen Machtverhältnisse bewirkt haben, dass die Weltordnung kippt. warum die USA keine richtige Demokratie mehr sind, aber keineswegs ein faschistisches Regime genannt werden dürfen. Fazit für Europa:
"Die weitere politische Integration wenigstens im Kern der Europäischen Union war für uns noch nie so überlebenswichtig wie heute. Und noch nie so unwahrscheinlich."
Das Vokabular der Geopolitik und ein Denken in ihren Kategorien sind für Habermas zu einem zentralen Instrument der Analyse geworden
Wer sich mit Werk und Wirkung von Habermas befasst, der kann beides nicht von dessen Geburtsjahr trennen. 1929, kurz vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, in einer Epoche, die wir heute als Jahre einer scheiternden Republik, aufkommenden Diktatur und als "Zwischenkriegszeit" kennen.
Ein historischer Gezeitenwechsel, der durch dieses Leben überbrückt wird: Die "Gnade der späten Geburt" bewahrte Habermas vor dem Kriegseinsatz, aber seine ganze bewusst erfahrene Kindheit war geprägt von der Erfahrung der Nazi-Diktatur. Kein Widerständler, sondern ein angepasster Opportunist sei der Vater gewesen, berichtete er später.
Diese Erfahrung des materiell wie moralisch zerstörten Deutschland, die Hoffnungen und Chancen der "Stunde null", die positiv erfahrene Verwestlichung Deutschlands, Jazzmusik, Hollywood-Filme, freie Presse und das allmähliche Entstehen eines aus eigenem Recht und Wollen demokratischen Deutschlands prägten diese Generation.
Ohne das persönliche Erleben des NS-Terrors ist Habermas' Denken nicht vorstellbar. Und aus ihr darf man Habermas’ Werk bis heute verstehen.
"Ich selbst bin ein Produkt der ‚reeducation‘", sagte er einmal, "und ich hoffe, kein allzu negatives. Ich möchte damit sagen, dass wir gelernt haben, dass der bürgerliche Verfassungsstaat in seiner französischen oder amerikanischen oder englischen Ausprägung eine historische Errungenschaft ist".
Mit gerade 23 Jahren veröffentlichte Habermas seinen ersten Text in der FAZ [5] – die Rezension eines Hörspiels von Gottfried Benn. Von Beginn seiner Karriere als Intellektueller an setzt sich Habermas also mit dem Sound der Väter auseinander, lässt sich in Versuchung führen von jener Generation, die Deutschland auch geistig in den Abgrund manövriert hatte.
Von ihr wollte er sich lossagen. Wie viele seiner Generation.
Wenig später sagte Habermas sich auch von seinen philosophischen Vätern los. Gerade noch von Gadamer nach Marburg geholt, griff er dessen Lehrer Martin Heidegger öffentlich an.
Heideggers 1935 gehaltene Vorlesung "Einführung in die Metaphysik" wurde Anfang der 1950er-Jahre wieder veröffentlicht; in ihr ist im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus von der "inneren Wahrheit und Größe dieser Bewegung" die Rede – Habermas sah hier das überdeutliche Erstarken einer restaurativen Mentalität.
Von den ersten Jahren der Bundesrepublik, als Habermas in Göttingen, Zürich und Bonn studiert, und erste Texte in Zeitungenveröffentlichte,e hat dieser Philosoph seine Gesellschaft begleitet, sich als ihr Zeitgenosse und wohlwollender Kritiker verstanden.
Darum ist er auch schon in den 1960er-Jahren über sein von Anfang an einflussreiches Werk hinaus eine öffentliche Person und einer der führenden Intellektuellen gewesen. Habermas’ Bereitschaft, öffentlich über Politik, Recht und Moral zu streiten, trennt ihn deutlich von seinen akademischen Lehrern, sei es Gadamer, seien es Adorno und Horkheimer aus der ersten Generation des Frankfurter "Instituts für Sozialforschung".
Dort arbeitete Habermas eine Weile als Assistent Adornos lernte und auch den kaum älteren Freund und Wegbegleiter Ralf Dahrendorf kennen. "Da begannen sich philosophische und politische Dinge zum ersten Mal zu berühren", schrieb er später.
Seitdem entstanden über 50 Bücher. Titel wie "Strukturwandel der Öffentlichkeit"; "Erkenntnis und Interesse", "Theorie des kommunikativen Handelns"; "Der philosophische Diskurs der Moderne"; "Faktizität und Geltung"; "Die nachholende Revolution".
Sie alle markieren geistige und politisch-kulturelle Ereignisse in der bundesrepublikanischen Geschichte – oder sind sogar selbst welche. Und "Nachmetaphysisches Denken", "postsäkulare Gesellschaft", "die neue Unübersichtlichkeit", "Verfassungspatriotismus" sind Begriffe geworden, die längst zum theoretischen und kulturellen Begriffsbestand gehören.
Welches die wichtigsten sind, wagt man kaum zu entscheiden. Aber der Zentralbegriff in seinem Werk ist klar: Kommunikation, Verständigung, vernünftige Argumentation. Über alle Entwicklungen, Veränderungen, Brüche hinweg hat er an der Idee einer "universalen Verständigung" festgehalten.
Der Öffentlichkeit als dem Ort dieser Verständigung hat Habermas mehrere Bücher gewidmet: Noch sein letztes theoretisches Werk – "Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik" von 2022 – griff die epochemachenden Überlegungen seiner Habilitationsschrift von 1961 ("Strukturwandel der Öffentlichkeit") auf, die er bereits 1990 mit einem großen Vorwort neu herausgebracht hatte und überführte sie in die neuesten Verhältnisse.
Die Schnelllebigkeit der sozialen Medien, die aggressiv aufgeheizte, zugespitzte Debattenkultur, der es nicht um Konsens und Verständigung geht, sondern um die Niederlage des Gegenübers und darum,selbstr gut auszusehen, hing für Habermas mit dem Vordringen autoritärer Kräfte zusammen.
All das war ihm fremd, stieß ihn ab. Habermas war unverbrüchlich von der Idee der Vernunft überzeugt. Zugleich holte er die in früheren Denk-Traditionen überhöhte Vernunft-Idee gewissermaßen auf die Erde zurück.
Habermas versteht Theorie und mit ihr sich selbst als Hüter der Rationalität. Sein Anspruch war an einem idealen, herrschaftsfreien Diskurs ausgerichtet, der dem "zwanglosen Zwang des besseren Arguments" gehorcht.
Daraus folgte die Diskursethik, eine Pflicht zur Begründung aller Maßstäbe des Handelns. Gott oder Moral oder eine "einfach so" geltende, nicht ständig an der Empirie überprüfbare Rechtsordnung sind kein Argument.
Auch hier ist Habermas' geistige Herkunft aus der Kritischen Theorie zu erkennen: Er hat den gesellschaftstheoretischen Anspruch Adornos und Horkheimers übernommen, nicht ungeprüft, aber er hat die dialektische Maxime verinnerlicht, derzufolge der Sinn aller kritischen Theorie darin besteht, "gegen sich selbst zu denken". Das sachliche, vernünftige, nüchterne Argument gilt solchem Denken alles.
Dies zeigt schon seine Frankfurter Antrittsvorlesung "Erkenntnis und Interesse", mit der er die Übernahme von Max Horkheimers Lehrstuhl mit einer Relektüre von dessenprogrammatischenm Aufsatz "Traditionelle und kritische Theorie" einleitet.
Zuerst in Frankfurt, dann als Leiter des Starnberger Max-Planck-Instituts zur Erforschung der gegenwärtigen Lebensbedingungen [6], an der theoretischen Legitimation und Verteidigung der bundesdeutschen Demokratie gearbeitet.
Ohne die weltgeschichtliche Zäsur von 1945 ist Habermas' gesamtes Schreiben, Lehren und Wirken nicht zu verstehen. Für ihn und seine Generation, sagte er, "war es nicht möglich, zu den Enthüllungen über die Verbrechen des NS-Regimes nicht Stellung zu nehmen, sei es defensiv oder in selbstkritischer Weise".
Habermas, selbst Mitglied des Deutschen Jungvolkes, hat dazu immer Stellung genommen – und zwar in überaus offensiver Weise und auf allen Bühnen:alss Wissenschaftler, Staatsbürger und Intellektueller. Es ging ihm um kritisches Denken in praktischer Absicht.
"Die vorbehaltlose Öffnung der Bundesrepublik gegenüber der politischen Kultur des Westens ist die große intellektuelle Leistung unserer Nachkriegszeit, auf die gerade meine Generation stolz sein könnte." sagte er.
Aber er wusste, dass diese Errungenschaft nicht selbstverständlich Bestand hatte: Immer wieder sprach Habermas von einem "Kampf um die mentale Ausrichtung der Bundesrepublik". Schon früh hat er vor dem "Rückfall in die autoritären Verhaltensmuster und elitären Denkgewohnheiten des vordemokratischen Deutschland" gewarnt.
Mit seinen entsprechenden Interventionen – die wichtigsten und bekanntesten sind Habermas Angriff auf den reaktionären Teil der Geschichtswissenschaft, der 1985 den "Historikerstreit" auslöste, und seine massive Kritik am "poststrukturalistischen" und postmodernen Denken, das Habermas als irrationalistisch und antimodern geißelte – wurde er der wichtigste, einflussreichste Philosoph Westdeutschlands; ein Vorbild für Generationen und einer der wenigen öffentlichen Intellektuellen Deutschlands, die diesen Namen im Lande der Prechts und Safranskis überhaupt verdienen.
Zumindest für sein eigenes Werk hat er die gewünschte Verständigung erreicht. Heute kennt man Habermas in China und im Vatikan, schätzt ihn am Pariser Seine-Ufer, deren "postmoderne" Meisterdenker er seinerzeit bekämpfte, ebenso wie auf dem Campus von Harvard. 2001 bekam er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Nach seiner Emeritierung 1994 blieb er dem Land erhalten – als Mahner, Warner, als unser aller bester Kritiker.
Die Linke könnte von Habermas vieles lernen – wenn sie denn wollte: Da wäre zuerst einmal universalistisches Denken und die unbedingte Orientierung an den Prämissen der Aufklärung.
Habermas widmete seiner Auseinandersetzung mit der postmodernen Linken und der in den 1980er-Jahren aufkommenden Identitätspolitik mehrere Bücher. Sie unternahmen eine Bestandsaufnahme jener aufklärungskritischen französischen Theorien, die sich mit den Namen Derrida und Foucault verbinden, mit Lacan und Deleuze und deren Folgen für die Gesellschaft Habermas schon früh prophetisch beschrieb.
Das knüpfte an seine Debatten innerhalb der Studentenbewegung von 1967/68 an und an die Auseinandersetzung mit deren antidemokratischen, autoritären, gewaltverherrlichenden Tendenzen; mit dem, das Habermas schon sehr früh "Linksfaschismus" nannte, und was heute wieder in den identitätspolitischen Debatten der Gegenwart traurige Aktualität erlebt.
Die Linke hätte zu lernen, den identitätspolitischen Versuchungen zu widerstehen, ebenso wie allen Formen von Antisemitismus. Der neue Judenhass sieht sich moralisch im Recht, und er ist intellektuell.
Inzwischen hat sich die Bezeichnung "Campus-Antisemitismus" dafür durchgesetzt, weil es vor allem ein Antisemitismus wohlsituierter Bürgerkinder ist, die Geisteswissenschaften studieren.
Im November 2023, fünf Wochen nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel, beteiligte sich Habermas an einer Solidaritätserklärung für Israel und wandte sich gegen einen erstarkenden Antisemitismus.
Habermas beschrieb, wie der postkoloniale politische Diskurs zur einer Art antiwestlichem und antimodernem Vernichtungsfeldzug ausartet, der sich längst von seinen Ursachen, der Kritik an Machtverhältnissen gelöst hat und zu einer neuen gewalttätigen Religion geworden ist.
Seine sehr prinzipiell begründete Verteidigung der Idee des Westens ging immer einher mit einem Bekenntnis zur Realpolitik. Gerade das machte Habermas wach für Gefahren. Etwa warnte er 1989/90 vor einer voreiligen deutschen Verteidigung, kritisierte den Begriff der "Wiedervereinigung" und bekämpfte früh den aufkommenden "D-Mark-Nationalismus" der Deutschen:
"Als in der Freude über den Fall der Mauer am 9. November 1989 im Bundestag die Nationalhymne gesungen wurde, fühlte sich der inzwischen 60-jährige Habermas an die 'Jungvolk'-Feiern und den NS-Todeskult erinnert, weshalb ihm auch die dritte Strophe der Hymne 'nicht mehr über die Lippen' kommen wollte."
Willi Winkler
Vom jugoslawischen Bürgerkrieg bis zum Ukraine-Krieg war Habermas ein Kritiker der neuen deutschen Großmachtphantasien und sah auch in der "aktuellen Aufrüstung der Bundesrepublik" Gefahren die weit größer sind, als die durch die "höchst spekulativen Annahmen über eine aktuelle Bedrohung der EU durch Russland".
Die Linke könnte auch lernen ihren eigenen plötzlichen 180-Grad-Wendungen gegenüber skeptischer zu sein, etwa dem plötzlichen linken Bellizismus nach Beginn des Ukraine-Kriegs, gegen den Habermas nur die Selbstgewissheit kritisierte, "mit der in Deutschland die moralisch entrüsteten Ankläger gegen eine reflektiert und zurückhaltend verfahrende Bundesregierung auftreten" und für Verhandlungen mit Russland plädierte, um einen "für beide Seiten gesichtswahrenden Kompromiss" zu finden.
Die Linke müsste vor allem lernen, die kontraproduktiven Fraktionskämpfe ad acta zu legen, wie sie gerade auch die Grünen vorführen:
"Wer sich solidarisch verhält, nimmt im Vertrauen darauf, dass sich der andere in ähnlichen Situationen ebenso verhalten wird, im langfristigen Eigeninteresse Nachteile in Kauf."
Habermas’ Credo war Modernisierung, er glaubte an Fortschritte und kritisierte den neuen Nationalismus ebenso wie linke Flirts mit dem Staatssozialismus. Zuletzt wurde die Dankbarkeit gegenüber US-Amerika für Demokratie, Freiheit und liberale Kultur getrübt durch den amerikanischen Verrat am Ideal der Menschenrechte, die Infragestellung des Völkerrechts und der Demokratie und durch die schamlosen Exzesse der Techno-Elite rund um den Präsidenten.
Habermas hatte erlebt wie die totalitären Systeme des Nationalsozialismus und des Staatssozialismus untergegangen sind, aber er hatte kommen sehen, wie aus dem Schoß der Demokratie heute neue Totalitarismen hervorwachsen.
Autokraten höhlen die Demokratie in ihren Ländern aus. Die globale Klimakrise gefährdet zunehmend den Planeten und die Säulen demokratischer Entscheidungen.
Vor allem aber die Verselbstständigung immer komplexerer Technologien und der mit ihr einhergehenden Effizienzsteigerung, der Verlust der Spielräume und die Reduktion der Alternativen: Habermas hat schon 1981 von der "Kolonisierung der Lebenswelt" gesprochen: Politik, Arbeit und Freizeit, Bildung, Gesundheit, Sozialleistungen, Kunst und Medien werden mehr und mehr von einem rein funktionalen Nutzenkalkül durchdrungen – bis in die persönlichen Beziehungen hinein.
In galoppierender Beschleunigung überformen die namens- und gesichtslosen Algorithmen der Digitalisierung alle Lebensbereiche und unterwerfen unsere hochindustrielle, weltweit vernetzte Gesellschaft zunehmend einem universalen Funktionalismus.
Dieses funktional festgelegte, durch den Staaten überlegene transnationale Konzerne gesteuerte System hat keinen Bezugspunkt mehr jenseits des Funktionalen.
Weil er weiß, dass Kommunikation und Aufklärung ihrem Wesen nach nie abgeschlossen, im besten Sinne unendlich sind, betrachtete er die Zukunft der Moderne mit trockenem Pragmatismus: Die Vernunft kann aufgehalten, aber nicht abgeschafft werden.
"Ich glaube nicht, dass er uns Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit vorschlägt," schließt Alexander Kluge seinen kurzen Nachruf in der FAZ [7]:
"Vielmehr geht es um Gegenproduktion in einer gefährdeten Welt."
Wir werden jetzt ohne ihn weiterleben müssen. Deutschland verabschiedet sich nicht nur von der Person, sondern auch vom Prinzip Habermas. Von hier an müssen wir alleine weitergehen.
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[1] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/juergen-habermas-essay-sz-ukraine-russland-europa-usa-e973280/
[2] https://www.telepolis.de/article/Habermas-Der-Hegel-der-Bundesrepublik-zwischen-Couchecke-und-Weltphilosophie-11125367.html
[3] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/habermas-historikerstreit-philosophie-nachruf-e847093/
[4] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/rede-juergen-habermas-eu-autoritarismus-usa-e353079/
[5] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/habermas-erster-auftritt-in-der-faz-200633306.html
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Max-Planck-Institut_zur_Erforschung_der_Lebensbedingungen_der_wissenschaftlich-technischen_Welt
[7] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/alexander-kluge-zum-tod-von-habermas-accg-200633270.html
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Ein Weißbuch der Denkfabrik CAM und von Cisco zeigt: Die Schadenskosten sind explodiert, wobei vor allem die Zulieferer als schwächstes Glied der Kette gelten.
Die globale Automobilindustrie steht laut Experten vor einer digitalen Bedrohungslage, die in ihrer Intensität und ihren wirtschaftlichen Folgen neue Dimensionen erreicht hat. Während früher primär klassische IT-Systeme in Büros das Ziel von Hackern waren, rückt demnach nun das Herzstück der Branche in den Fokus: die Produktion.
Ein aktuelles Weißbuch [1] des in Bergisch Gladbach angesiedelten Center of Automotive Management (CAM), das dieses in Kooperation mit Cisco verfasst hat, verdeutlicht die Entwicklung. Die geschätzten Schadenskosten für den Sektor sind demnach auf über 20 Milliarden US-Dollar angestiegen – eine Verzwanzigfachung gegenüber dem Jahr 2022. Große Namen wie Toyota [2], Honda [3], Jaguar Land Rover [4], Bridgestone oder Thyssenkrupp Automotive [5] mussten bereits schmerzhafte Erfahrungen mit Produktionsausfällen und unterbrochenen Lieferketten machen.
Die Analyse der Angriffsziele durch das CAM offenbart eine merkliche Verschiebung innerhalb des automobilen Ökosystems. Nicht die großen Hersteller, die sogenannten OEMs, stehen an vorderster Front der Cyberattacken, sondern die Zulieferbetriebe. Laut einer im Whitepaper zitierten VicOne-Studie entfallen fast 57 Prozent aller einschlägigen Angriffe auf die Zulieferer [6].
Händler folgen demnach mit rund 22 Prozent, während die Fahrzeughersteller selbst nur knapp 10 Prozent der direkten Angriffsziele ausmachen. Die Zahlen belegen, dass Cyberkriminelle gezielt das vermeintlich schwächste Glied in der hochgradig vernetzten Wertschöpfungskette suchen. Denn ein Stillstand bei einem spezialisierten Zulieferer kann innerhalb kürzester Zeit ganze Montagebänder bei den Herstellern zum Erliegen bringen.
Dass die Attacken mittlerweile so effektiv sind, liegt an der fortschreitenden Verschmelzung von Informationstechnik (IT) und Operation Technology (OT). Moderne Fabriken sind hochgradig digitalisiert: Cloud-Plattformen, KI-gestützte Steuerungen und vernetzte Robotik bilden ein engmaschiges Netz. Professionelle Ransomware-Gruppen und staatlich gestützte Akteure nutzen diese neuen Angriffspfade, um von der Bürokommunikation bis tief in die Steuerungslogik einzelner Maschinen vorzudringen.
CAM-Direktor Stefan Bratzel warnt davor, dass Produktionsstopps heute pro Tag Schäden im zweistelligen Millionenbereich verursachen könnten [7]. Damit sei Cybersecurity von einem reinen IT-Thema zu einer existenziellen Frage der Betriebssicherheit geworden.
In einer begleitenden Umfrage unter Branchenvertretern identifizierten die Verfasser die größten Schmerzpunkte. Ganz oben auf der Liste stehen die Sicherheit in der Cloud sowie Risiken durch Remote-Arbeit, dicht gefolgt von klassischen Ransomware- und Malware-Attacken.
Aber auch neuere Bedrohungsfelder wie KI-basierte Angriffe und Schwachstellen in den vernetzten Fahrzeugen selbst machen den Entscheidern zunehmend Sorgen. Erschwerend kommt dazu, dass viele Werke noch immer einen Mix aus modernster Technik und veralteten Bestandsanlagen nutzen. Diese heterogenen Landschaften sind oft schwer zu segmentieren und bieten zahlreiche Einfallstore.
Neben den technologischen Hürden bremsen der Analyse zufolge strukturelle Probleme die Abwehrbemühungen. Es mangele an Fachkräften im speziellen Bereich der OT-Security, ist dem Weißbuch zu entnehmen. Zudem fehlten oft klare Rollenmodelle für die Verantwortlichkeiten in der Produktion. Gleichzeitig wachse der Druck durch regulatorische Vorgaben auf nationaler und internationaler Ebene.
Cybersicherheit wird laut den Fachleuten damit endgültig zur Managementaufgabe, die technisches Know-how mit juristischer und strategischer Weitsicht vereinen muss. Thorsten Rosendahl von Ciscos Security-Einheit Talos unterstreicht, ein ganzheitlicher Ansatz sei überlebenswichtig. Dieser dürfe keine Trennung mehr zwischen Büro-IT und Werkshalle zulassen.
Um Unternehmen eine Orientierung in diesem Feld zu bieten, stellt das Whitepaper das sogenannte 4C-Modell vor. Dieser Bewertungsrahmen betrachtet Cybersecurity als strategisches Mittel und gliedert sich in die Bereiche Kompetenzen, Kooperationen, Kultur und Strategie. Es geht dabei nicht nur um den Einsatz der neuesten Firewall. Vielmehr steht die Frage im Zentrum, ob das Personal über die richtigen Fähigkeiten verfügt, wie sicher die Partner angebunden sind und ob eine echte Sicherheitskultur in der Organisation gelebt wird. Die Autoren heben hervor: Nur durch dieses Zusammenspiel lasse sich eine nachhaltige Cyber-Resilienz aufbauen, die den Wirtschaftsstandort und seine industrielle Wertschöpfung langfristig absichere.
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[1] https://www.automobil-produktion.de/automotive-cybersecurity
[2] https://www.heise.de/news/Ransomwarebande-Medusa-attackiert-Toyota-und-fordert-8-Millionen-US-Dollar-9531735.html
[3] https://www.heise.de/news/Honda-Zeitweiser-Produktionsstopp-nach-Malware-Befall-4779961.html
[4] https://www.heise.de/news/Jaguar-Land-Rover-nimmt-Produktion-wieder-auf-10733932.html
[5] https://www.heise.de/news/Cyberattacken-auf-Thyssenkrupp-Luxuskaufhaus-KaDeWe-Co-9639943.html
[6] https://vicone.com/reports/2025-automotive-cybersecurity-report
[7] https://auto-institut.de/presse/cam-studie-so-wird-die-automobilproduktion-sicher-whitepaper-zeigt-aktuelle-herausforderungen-und-loesungswegefuer-die-automobilindustrie
[8] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[9] mailto:nie@heise.de
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Microsoft hat ein Update außer der Reihe für Windows-11-Enterprise-Clients mit Hotpatching veröffentlicht.
Microsoft hat ein Update außer der Reihe für Windows-11-Clients insbesondere in Enterprise-Umgebungen herausgegeben. Es ist für Maschinen gedacht, die Hotpatching aktiviert haben.
Im Message-Center der Windows-Release-Health-Notizen erklärt Microsoft [1], dass das Update Sicherheitslücken im Management-Tool des Routing-and-Remote-Access-Services (RRAS) korrigiert, das Angreifern bei Verbindungen verwundbarer Clients auf bösartige Server das Einschmuggeln und Ausführen von Schadcode ermöglicht. Es handelt sich um eine Sammlung aus drei Schwachstellen (CVE-2026-25172 [2], CVE-2026-25173 [3] und CVE-2026-26111 [4]). Der Hotpatch KB5084597 [5] vom Freitag dieser Woche hievt die Windows-Builds auf die Nummern 26200.7982 respektive 26100.7982, es betrifft also Windows 11 25H2 und 24H2.
Die Aktualisierung außer der Reihe ist lediglich für Windows-11-Geräte nötig, die Hotpatching aktiviert haben und für die Fernverwaltung von Servern eingesetzt werden, führt Microsoft weiter aus. Übliche Desktop-Clients bedürfen daher keiner weiteren Aktion.
Der Hotfix außer der Reihe ist kumulativ und umfasst auch die Fehlerkorrekturen, die Microsoft in den Windows-Updates zum März-Patchday [6] in dieser Woche veröffentlicht hat. Microsoft betont, dass das Update automatisch auf Windows-11-Geräte der Versionen 25H2 und 24H2 verteilt wird, die Hotpatches aktiviert haben und mit Windows Autopatch verwaltet werden. Da Microsoft Hotpatches für Windows 11 mit Windows Autopatch seit Mitte vergangenen [7]Jahres [8] als Standardkonfiguration vorsieht, dürften einige Maschinen davon betroffen sein. Die Aktualisierungen werden durch das Hotpatching auch ohne Neustart wirksam. Wer weder Hotpatches einsetzt noch das RRAS-Verwaltungstool, muss nichts unternehmen, führen die Entwickler weiter aus.
In den drei CVE-Einträgen erklärt Microsoft, dass die Hotpatches erneut veröffentlicht wurden, um die vollständige Abdeckung aller betroffenen Szenarien sicherzustellen. Kunden rät Microsoft dort, die aktualisierten Updates anzuwenden, um den vollen Schutz sicherzustellen.
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[1] https://learn.microsoft.com/en-us/windows/release-health/windows-message-center#3799
[2] https://msrc.microsoft.com/update-guide/vulnerability/CVE-2026-25172
[3] https://msrc.microsoft.com/update-guide/vulnerability/CVE-2026-25173
[4] https://msrc.microsoft.com/update-guide/vulnerability/CVE-2026-26111
[5] https://support.microsoft.com/de-de/topic/13-m%C3%A4rz-2026-hotpatch-kb5084597-betriebssystembuilds-26200-7982-und-26100-7982-out-of-band-ef323fee-e70f-4f43-8bbc-1021c435bf5c
[6] https://www.heise.de/news/Microsoft-Patchday-Zwei-Zero-Days-und-insgesamt-83-neue-Luecken-gestopft-11206553.html
[7] https://www.heise.de/news/Microsoft-aktiviert-Hotpatching-fuer-Windows-11-standardmaessig-10472332.html
[8] https://www.heise.de/news/Microsoft-aktiviert-Hotpatching-fuer-Windows-11-standardmaessig-10472332.html
[9] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Vom Basteltisch bis in die Stratosphäre: Im dritten Teil unserer Videoreihe starten wir den Wetterballon und jagen ihm hinterher.
Mit relativ einfacher Consumer-Technik kann man eindrucksvoll die Interaktion zwischen Weltraum und Erdatmosphäre erforschen. In einer vierteiligen Videoreihe führt Physikerin und Wissenschaftsjournalistin Anne-Dorette Ziems durch die rechtssichere Planung des Wetterballons, das Basteln eigener Messgeräte, einen nervenaufreibenden Starttag und die Auswertung der Messdaten.
Doch was passiert, wenn der Ballon außer Sicht gerät? Im heutigen Teil starten wir den Wetterballon und jagen ihm hinterher. Es geht quer durchs Land – immer den empfangenen Funksignalen hinterher. Bis wir irgendwann plötzlich keine Funksignale mehr empfangen.
Im ersten Teil haben wir uns durch den Behördendschungel gekämpft. Denn prinzipiell kann in Deutschland jeder einen Wetterballon starten. Es gibt aber natürlich einige Auflagen und Regeln zu beachten.
Der zweite Teil spielte sich vor allem am Lötkolben und am Computer ab. Wir basteln unsere Messgeräte. Erst die Hardware, dann die Software. Mit an Bord: Kameras für spektakuläre Aufnahmen, Sensoren für Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit – und als Highlight ein selbst gebauter Myonendetektor zur Messung der Höhenstrahlung.
Zum Abschluss geht es am 22. März an die Daten: Hat die Technik durchgehalten? Wie verändern sich Temperatur, Druck und Strahlung mit der Höhe? Und was kann man aus den Messungen lernen – auch aus den Dingen, die nicht funktioniert haben?
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Die Trump-Regierung soll eine Gebühr von 10 Milliarden US-Dollar für die Vermittlung des erzwungenen Tiktok-Verkaufs durch den chinesischen Mutterkonzern Bytedance erhalten. Das hat das Wall Street Journal aus informierten Kreisen erfahren.
Investoren des US-Geschäfts der Social-Media-Plattform, darunter der Softwarekonzern Oracle und der US-Investor Silver Lake, erklärten sich Quellen zufolge bereit, die Zahlungen zu leisten. Die beiden Unternehmen zahlten im Januar 2026 bereits etwa 2,5 Milliarden US-Dollar an das Finanzministerium. Ein weiterer Investor ist MGX aus Abu-Dhabi.
Als Trump im September 2025 die Rahmenbedingungen für den Tiktok-Verkauf bekannt gab, sagte er: "Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber wir werden etwas bekommen." Der von der Regierung investierte Aufwand und die Kosten würden eine Entschädigung rechtfertigen.
Zuvor erklärte er: "Die Vereinigten Staaten erhalten eine enorme Gebühr plus – ich nenne es eine Gebühr plus – allein für die Vermittlung des Deals, und die möchte ich nicht einfach so verspielen."
Trump hatte zuvor die Abschaltung vom Tiktok angeordnet , sollte sich nicht bis Mitte November 2020 ein US-Unternehmen als Käufer finden. Die App stelle eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar, hieß es in der am 6. August 2020 veröffentlichten Verfügung. Die App sammle große Mengen an Nutzerdaten und könne es der chinesischen Regierung ermöglichen, Amerikaner auszuspionieren.
Tiktok-Eigentümer Bytedance bemüht sich seit einiger Zeit, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Tiktok versicherte, Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Daten von US-Nutzern würden in den USA gespeichert und verarbeitet. In China selbst gibt es nur die zensierte Version der App, Douyin.
An der Datensammlung wird sich auch durch die erzwungene Übernahme nichts ändern : Tom Sulston, Leiter der Abteilung für Politik beim australischen Verband Digital Rights Watch, sagte, dass nicht die Eigentumsverhältnisse das Problem von Tiktok seien, sondern "die ständige und aufdringliche Überwachung der Nutzer" .
Aufgrund von Regulierungen würden User eines US-amerikanischen Tiktok "nicht mehr Privatsphäre genießen als bei einem Tiktok in chinesischem Besitz" .
Im Rahmen der Vereinbarung muss das US-Unternehmen die Gewinne mit Bytedance teilen. Dieses hat seinen Algorithmus an die neuen Eigner lizenziert und hält weiterhin fast 20 Prozent der Anteile.
Investmentbanker, die bei einem Geschäftsabschluss beraten, erhalten Gebühren von unter 1 Prozent des Transaktionswerts, berichtete das Wall Street Journal.
Laut einer Studie des Dokumenten-Softwareunternehmens Foxit, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Sapio Research im Oktober 2025, glauben 89 Prozent der befragten Führungskräfte und 79 Prozent der Endnutzer, seit der Einführung von KI-Tools produktiver zu sein . Die Stichprobe umfasste 1.000 Büroarbeiter und 400 leitende Angestellte in den USA und Großbritannien.
Das Problem nennt der Bericht Verifizierungsaufwand: Führungskräfte schätzen, dass KI ihnen rund 4,6 Stunden pro Woche einspart, verbringen aber gleichzeitig etwa 4 Stunden und 20 Minuten damit, KI-generierte Inhalte zu prüfen. Nettoresultat: 16 Minuten gesparte Zeit pro Woche.
Bei einfachen Mitarbeitern ist die Bilanz sogar negativ: Sie verlieren unter dem Strich etwa 14 Minuten wöchentlich.
36 Prozent der Befragten nannten Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als größtes Hindernis für eine tiefere KI-Nutzung, 34 Prozent fehlt das Vertrauen in die Ausgaben. Nur rund ein Drittel der Endnutzer ist laut Studie sehr zuversichtlich gegenüber KI-generierten Inhalten, bei Führungskräften sind es immerhin 60 Prozent.
Diese Kluft birgt laut Bericht ein eigenes Risiko: Übervertrauen an der Spitze trifft auf Skepsis an der Basis.
68 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, KI habe in ihren Unternehmen bereits Restrukturierungen oder Stellenabbau ausgelöst. Gleichzeitig machen sich laut Studie nur 12 Prozent der einfachen Mitarbeiter ernsthafte Sorgen um ihren Job.
Der Befund ist eindeutig: KI ist in den meisten Unternehmen angekommen, die versprochene Produktivitätswende aber nicht. Nutzer verbringen fast genauso viel Zeit mit dem Prüfen von KI-Ausgaben, wie sie durch den Einsatz gewinnen.
Airbus Defence and Space hat zwei Valkyrie-Drohnen von seinem US-Partner Kratos Defense & Security Solutions erworben und rüstet sie derzeit am Standort Manching mit seinem eigenen Missionssystem aus .
Das System trägt die Bezeichnung Mars – Multiplatform Autonomous Reconfigurable and Secure. Es soll nicht nur die Steuerung des einzelnen Flugzeugs übernehmen, sondern auch ganze Gruppen koordinieren können, die aus bemannten und unbemannten Plattformen bestehen.
Kern des Systems ist eine KI-Komponente namens Mindshare, die laut Airbus auf verschiedenen Plattformen verteilt betrieben werden kann. Der Erstflug der Airbus-Variante mit dem Mars-System ist noch im Jahr 2026 geplant.
Die Valkyrie selbst ist kein neues Flugzeug. In den USA fand der erste Flug bereits 2019 statt, seitdem fliegen weitere Exemplare regelmäßig . Für Airbus geht es nun darum, die amerikanische Plattform mit einem souveränen europäischen Missionssystem zu kombinieren.
Das Flugzeug hat eine Länge von 9,1 Metern und eine Spannweite von 8,2 Metern. Die Reichweite gibt Kratos mit mehr als 5.000 Kilometern an, die maximale Flughöhe liegt bei rund 45.000 Fuß. Das maximale Startgewicht beträgt knapp drei Tonnen. Eingesetzt werden kann die Valkyrie laut Kratos-Präsident Steve Fendley eigenständig, im Drohnenverbund oder im Zusammenspiel mit bemannten Flugzeugen.
Airbus sieht die Valkyrie vor allem für Missionen geeignet, die ein zu hohes Risiko für Piloten darstellen würden. Wegen der vergleichsweise niedrigen Stückkosten sei auch ein Einsatz in größeren Stückzahlen denkbar, so Fendley
Airbus bewirbt das System offenbar im Rahmen eines laufenden Wettbewerbs des Beschaffungsamtes BAAINBw für eine Jagdbomberdrohne. Marco Gumbrecht, Leiter Key Account Germany bei Airbus Defence and Space, betonte, dass das System nicht von Grund auf neu entwickelt werden müsse und damit schneller und kostengünstiger verfügbar sei als eine Eigenentwicklung. Bis 2029 will Airbus der deutschen Luftwaffe ein einsatzfähiges System liefern.
Parallel dazu arbeiten Airbus und der israelische Hersteller Rafael daran, den Eurofighter mit Konnektivitätsfunktionen auszustatten, damit er als Kommandoflugzeug für unbemannte Systeme fungieren kann. Kleinere Avionik-Updates sollen die Kampfkraft des Jets im Verbundeinsatz erhöhen.
Deutschland hat die Weichen im Energiebereich falsch gestellt
(Bild: Hamara/Shutterstock.com)
Deutschland setzt auf fossile Energie – im falschen Moment. Während Mineralölkonzerne den Markt verlassen, steigen die Preise durch globale Krisen.
Man war hierzulande auf dem besten Weg, sich von den fossilen Brenn- und Kraftstoffen zu emanzipieren und hätte damit beinahe umweltschädliche Techniken ins Aus manövriert. Mit der aktuell in Deutschland sich entwickelnden Politik scheinen die Geister der Vergangenheit wieder die Oberhand zu gewinnen.
Der Zeitpunkt für diesen Salto rückwärts hätte kaum schlechter gewählt sein können, weil man das wirtschaftlich und globalpolitisch chaotische Handeln der USA und Israels völlig ignoriert hatte, das jetzt zusätzlich zum anstehenden Klimawandel Wirtschaft und Menschen hierzulande bedroht.
Mit dem Ende Februar lancierten Kreuzzug gegen den Iran [1] wurden nicht nur die Lieferketten für fossile Brenn- und Kraftstoffe massiv beeinträchtigt. Der Handel damit wird jetzt unabhängig von langfristigen Kontrakten einer kostentreibenden, kurzfristigen Volatilität ausgesetzt, gegenüber welcher der vielgescholtene "Flatterstrom" eine äußerst stabile Veranstaltung ist.
Denn wie im Mineralölbereich [2] schon lange üblich, wechseln jetzt auch LNG-Frachter die Richtung [3], wenn ein anderer Kunde mehr bezahlt und die zusätzlichen Frachtkosten gedeckt sind. Und Fernost scheint da über bessere finanzielle Ressourcen zu verfügen. Daher überlegt jetzt auch Russland, vor dem Lieferverbot in die EU [4] kein Gas mehr in die EU zu liefern, sondern verstärkt auf Fernost zu setzen.
Nur noch Shell und BP über ihre deutsche Tochter Aral sind heute noch im deutschen Mineralölmarkt [5] aktiv. Alle anderen Marken gehören heute zu reinen Handelsunternehmen [6], die nur noch den Downstream-Markt bearbeiten und für die der Verkauf von Mineralölprodukten nur noch einen Randbereich ihrer Aktivitäten darstellen.
Die Preisbeobachtung an Wettbewerbs-Tankstellen [7] war schon zur Zeit der Mineralölkrise der 1970er Jahre sehr eng und auch ohne nachweisbare Preisabsprachen bewegten sich die Preisänderungen weitestgehend im Gleichklang. Heute wird diese Preisüberwachung von der Markttransparenzstelle [8] für Kraftstoffe frei Haus geliefert.
Nur ein paar markenfreie Konzessionäre sind nicht an die Preisvorgaben des Mineralölgroßhandels gebunden. Der Uniti Bundesverband Energie Mittelstand [9] verweist darauf, dass sich die Preise an den Tankstellen nach den Wiedereinkaufspreisen richten.
Aber auch im Bereich der Raffinerien [10] haben sich die klassischen Mineralöl-Konzerne immer stärker aus den deutschen Markt zurückgezogen [11]. Ein gutes Drittel der Produktion der deutschen Raffinerien liegt in der Hand der deutschen Tochter des sanktionierten russischen Rosneft-Konzerns.
Die deutsche Tochter wurde vor vier Jahren unter Treuhandverwaltung des Bundeswirtschaftsministeriums gestellt. Jetzt haben die USA die deutschen Rosneft-Töchter von den Sanktionen befreit [12], weil sonst das Risiko kaum abzuwenden gewesen wäre, dass der Osten der Republik und vor Allem der Berliner Flughafen BER von der Kraftstoffversorgung abgeschnitten wäre.
Die Geschäftstätigkeit der Tankstellenpächter, die meist kleine oder mittelständische Konzessionäre sind, hat sich schon lange vom Kraftstoffverkauf auf margenstärkere Geschäftsbereiche verlagert und die Shops an vielen Araltankstellen laufen inzwischen unter der Marke Rewe2go, weil das Geschäft von Tobaccoland zunehmend unter der Rauchzurückhaltung der jüngeren Bevölkerung zu leiden begann.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamt hat sich am 5. März wie folgt zur aktuellen Entwicklung der Kraftstoffpreise und letztlich auch zu den Wünschen von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche [13] geäußert:
"Wir analysieren die Preisentwicklung mit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe ohnehin fortlaufend und stehen darüber auch in engem Austausch mit dem Wirtschaftsministerium. Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen vorgehen. Ich möchte aber auch deutlich machen, dass es kein Instrumentarium gibt, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern.
Selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Preisen an der Tankstelle, den wir zumindest bei E5/E10 bislang auch gar nicht sehen, würde keinen unmittelbaren Verdacht auf ein illegales Verhalten der Konzerne darstellen. Die für die Preisbildung sehr entscheidende Raffinerie- und Großhandelsebene untersuchen wir derzeit ebenfalls in einem laufenden Verfahren.
Wenn wir hier Störungen des Wettbewerbs ausmachen, werden wir diese abstellen. Für die aktuellen Verwerfungen, insbesondere steigende Weltmarktpreise, schafft auch das allerdings keine kurzfristige Abhilfe."
Die westlichen Länder sehen die historische Dimension der absehbaren Folgen des aktuellen Angriffskrieges auf den Iran nicht, wenn sie übersehen, dass die Folge auf den von UK und den USA im Jahre 1953 betriebene Sturz von Mossadegh erst eine Generation später zur im Lande zur Revolution und der Vertreibung des Schahs führte.
Türkei und Katar müssen sich darauf einstellen, dass sie die nächsten Feinde sind, die nach dem Iran angegriffen werden müssen, weil beide Länder die aus Ägypten stammende Muslimbruderschaft unterstützen, so Michael Lüders in seinem Beitrag "Angriff auf den Iran" bei Youtube ab Minute 35 [14].
In der weiteren Folge weist er auch darauf hin, dass Pakistan ebenso wie der Iran nicht über Atombomben verfügen sollte. Damit kommt jedoch schnell die Verbindung von Pakistan und Saudi Arabien ins Spiel, welche die Atombombenentwicklung in Pakistan finanziert hat.
Und in Saudi Arabien ist ein weiteres religiösen Pulverfass zu finden, denn die Region, in welcher das saudische Öl gefördert [15] wird, wird in der Hauptsache von Schiiten bewohnt [16], welche das sunnitische Königshaus nur mit tödlicher Gewalt in Schach [17] halten kann. Vor dem Hintergrund der aktuellen Angriffe auf den Iran, haben jetzt die Golfstaaten und Saudi Arabien eine Denkpause bei ihren Investitionen [18] in westliche Staaten erklärt.
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[1] https://www.heise.de/tp/article/Irankrieg-Krieg-als-Geschaeftsmodell-der-USA-11203212.html
[2] https://www.telepolis.de/article/Ist-die-Kraftstoffversorgung-der-Verbrenner-langfristig-gesichert-9962498.html
[3] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energie-preiskampf-um-gas-lng-schiff-faehrt-nach-asien-statt-europa/100205467.html
[4] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gas-aus-russland-wladimir-putin-erwaegt-sofortigen-stopp-der-lieferungen-in-die-eu-a-3eddf265-fd65-4646-9cb3-bdd52525f096
[5] https://www.telepolis.de/article/Beschleunigt-sich-die-Flucht-aus-dem-deutschen-Mineraloelmarkt-9710218.html
[6] https://www.telepolis.de/article/Beschleunigt-sich-die-Flucht-aus-dem-deutschen-Mineraloelmarkt-9710218.html
[7] https://www.ardmediathek.de/video/tagesschau24/herbert-rabl-tankstellenverband-zu-den-deutlich-gestiegenen-benzinpreisen/tagesschau24/Y3JpZDovL3RhZ2Vzc2NoYXUuZGUvNmM0YTkxOWEtZTYxOS00NDFlLTlhYTAtZmVlYTU4ZTc0Y2Qy
[8] https://www.bundeskartellamt.de/DE/Aufgaben/MarkttransparenzstelleFuerKraftstoffe/MTS-K_Infotext/mts-k_node.html
[9] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/dieselpreise-unter-druck-folgen-fuer-speditionen-100.html
[10] https://www.telepolis.de/article/Muss-der-Steuerzahler-die-Raffinerien-in-Deutschland-retten-10348657.html
[11] https://www.telepolis.de/article/Ist-die-Kraftstoffversorgung-der-Verbrenner-langfristig-gesichert-9962498.html
[12] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rosneft-deutschland-usa-nehmen-unternehmen-dauerhaft-von-oelsanktionen-aus-a-7fd81696-f014-4db3-ae44-bf24c75f6b6e
[13] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/spritpreise-benzin-diesel-bundeskartellamt-100.html
[14] https://www.youtube.com/watch?v=GhHwTxh96W0
[15] https://monde-diplomatique.de/artikel/!759768
[16] https://www.dw.com/de/saudi-arabien-krieg-gegen-die-schiitische-minderheit/a-40025351
[17] https://www.amnesty.at/mitmachen/kampagnen/saudi-arabien-lasst-die-unschuldig-inhaftierten-frei/wie-saudi-arabien-schiitische-proteste-brutal-niederschlaegt/
[18] https://investinglive.com/news/gulf-states-could-review-overseas-investments-report-20260306/
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Machine Learning (ML) wird für Spielegrafik immer wichtiger. Bisher tauchen die KI-Modelle meist am Ende der Rendering-Pipeline auf, etwa bei Upscaling-Techniken wie DLSS oder bei Frame Generation.
Auf der GDC 2026 hat Microsoft gemeinsam mit AMD, Intel und Nvidia gezeigt, wie sich das ändern soll: ML soll künftig in mehreren Stufen der Grafikberechnung über DirectX eingesetzt werden.
Mit Machine Learning sind trainierte neuronale Netze gemeint, die bestimmte Berechnungen effizienter erledigen können als klassische Grafikalgorithmen. In Spielen kann das bedeuten, Bilder hochzuskalieren, Raytracing-Rauschen zu entfernen oder Texturen besser zu komprimieren.
Laut Microsoft entwickelt sich ML deshalb zu einem grundlegenden Bestandteil moderner Grafikpipelines, nicht mehr nur zu einem nachträglichen Effekt.
Der klassische Renderingablauf verschwindet nicht komplett. Stattdessen entsteht eine Mischung aus klassischen und ML-basierten Verfahren. Einige Schritte bleiben unverändert, werden aber durch kleine KI-Modelle ergänzt.
Andere könnten künftig vollständig von neuronalen Netzen übernommen werden – etwa bei Super Resolution, Denoising oder bestimmten Simulationen.
Um solche Techniken leichter nutzbar zu machen, erweitert Microsoft DirectX um zwei zentrale Bausteine. Die erste Neuerung heißt DirectX Linear Algebra. Sie erweitert DirectX um schnelle Matrix- und Vektoroperationen, die für neuronale Netze entscheidend sind.
Damit können Entwickler kleine ML-Modelle direkt in Shadern ausführen. Ein Beispiel ist neuronale Texturkompression: Texturen werden stark komprimiert gespeichert und während des Renderings per KI-Modell wieder rekonstruiert.
Der zweite Baustein ist der DirectX-Compute-Graph-Compiler. Das richtet sich an größere KI-Modelle, die komplette Rendering-Schritte übernehmen können. Der Compiler übersetzt solche Modelle automatisch in GPU-Code.
Dabei arbeitet er eng mit dem Grafikkartentreiber zusammen. Die Optimierung erfolgt zur Laufzeit für die konkrete Hardware des Spielers.
Der Vorteil: Entwickler müssen ihre Modelle nicht mehr für jede GPU einzeln anpassen. Stattdessen liefert das Spiel nur das Modell aus, während DirectX und der Treiber daraus optimierten Code erzeugen. Dadurch können Spiele auch auf zukünftiger Hardware effizient laufen, ohne dass Entwickler neue Shader schreiben müssen.
Zugleich soll KI besser in den gesamten Grafik-Workflow integriert werden. Rendering, Compute-Berechnungen und ML-Modelle können künftig innerhalb derselben DirectX-Pipeline laufen, ohne separate APIs oder zusätzliche Synchronisation zwischen CPU und GPU.
Die neuen Funktionen kommen allerdings erst schrittweise. Die Linear-Algebra-API soll Ende April 2026 als Vorschau erscheinen. Der Compute Graph Compiler wird zunächst im Sommer nur ausgewählten Entwicklern unter NDA zur Verfügung gestellt.
Für Spieleentwickler zeichnet sich dennoch eine klare Richtung ab: KI wird künftig nicht nur einzelne Grafikfunktionen verbessern, sondern zunehmend selbst Teil der Rendering-Pipeline werden – und DirectX soll dafür die Grundlage liefern.
Wie wirken Computerspiele wirklich auf Gesundheit und Wohlbefinden? Eine neue großangelegte Untersuchung liefert darauf ungewöhnlich konkrete Antworten – und praktische Tipps für Gamer. Der Informatiker und Spieleforscher Nick Ballou vom Imperial College London stellte dazu auf der GDC 2026 die Ergebnisse der sogenannten Open Play Study vor.
Sie analysiert erstmals umfangreiche Telemetriedaten aus echten Spielsessions über mehrere Plattformen hinweg und kombiniert sie mit Tausenden Befragungen zu Schlaf, Stress und Lebenszufriedenheit.
Die Studie basiert auf Daten von rund 3.500 Teilnehmern aus den USA und Großbritannien. Sie stellten anonymisierte Telemetrie von fünf Plattformen zur Verfügung – Xbox, Nintendo Switch, Steam sowie iOS und Android. Insgesamt flossen Daten aus etwa 10.000 Spielen ein.
Parallel beantworteten Hunderte Teilnehmer über Wochen hinweg täglich Fragen zu ihrem Wohlbefinden und ihren Aktivitäten. So konnten die Forscher erstmals genau vergleichen, wann, wie lange und unter welchen Umständen Menschen spielen.
Ein wichtiges Ergebnis widerspricht einer verbreiteten Annahme: Die reine Spielzeit sagt erstaunlich wenig über das Wohlbefinden aus. Viele Menschen spielen mehrere Stunden täglich und berichten trotzdem, dass sie gesund, zufrieden und sozial eingebunden sind – einige anderslautende Klischees sind also falsch.
Entscheidend ist laut Ballou nicht die Menge, sondern die "Qualität" des Spielens – also etwa Motivation, Zeitpunkt und Vielfalt der Spiele. "Die Wirkung von Spielen hängt weniger von der Kalorienmenge ab als vom Nährwert" , beschreibt es der Forscher.
Aus den Daten lassen sich mehrere praktische Empfehlungen ableiten. Eine davon betrifft Stress. Viele Menschen greifen nach einem schlechten Tag zu Spielen, um sich abzulenken. Die Analyse zeigt jedoch, dass Spieler nach besonders stressigen Ereignissen nicht häufiger zum Controller greifen als sonst.
Stattdessen wirkt Gaming vor allem als Teil einer regelmäßigen Routine: Wer ohnehin regelmäßig spielt, nutzt Spiele bereits als eine Art "proaktive Bewältigungsstrategie" für Entspannung und Ausgleich im Alltag.
Auch beim Thema Schlaf relativiert die Studie einige Befürchtungen. Spätes Spielen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr hat messbare Effekte, sie sind jedoch moderat. Eine zusätzliche Stunde Gaming in dieser Zeit reduziert die Schlafdauer im Schnitt um etwa 15 Minuten und erhöht leicht die Wahrscheinlichkeit für schlechten Schlaf.
Langfristig bleibt der Unterschied jedoch klein: Selbst regelmäßige Nachtspieler berichten meist noch von akzeptabler Schlafqualität. Wichtiger als einzelne späte Sessions ist laut Studie eine konsistente Abendroutine.
Interessant ist außerdem, dass das Genre kaum eine Rolle spielt. Egal ob Shooter, Strategie oder Rollenspiel: Auf breiter Ebene zeigen sich kaum Unterschiede beim Zusammenhang mit Wohlbefinden. Stattdessen scheint ein anderes Muster wichtiger zu sein.
Wer an einem Tag ständig zwischen mehreren Spielen wechselt, berichtet von einem etwas schlechteren Wohlbefinden. Personen, die über Wochen hinweg verschiedene Genres ausprobieren, empfinden Gaming dagegen insgesamt als befriedigender.
Die Untersuchung zeigt überdies, dass sich Bedürfnisse mit dem Alter verändern. Jüngere Erwachsene fühlen sich auch bei Singleplayer-Spielen häufig sozial verbunden – über Communitys oder Gespräche mit Freunden.
Ältere Spieler profitieren stärker von echten Multiplayer-Erlebnissen. Gleichzeitig passen viele Menschen ihr Spielverhalten aktiv an ihre Lebenssituation an, beispielsweise Eltern, die häufiger familienfreundliche Spiele wählen oder kürzere Sessions einplanen.
Die wichtigste Erkenntnis ist am Ende erstaunlich simpel: Gesundes Gaming hängt weniger davon ab, wie lange man spielt, sondern davon, wie man spielt. Eine regelmäßige Routine, bewusst ausgewählte Spiele und gelegentliche Abwechslung scheinen deutlich wichtiger zu sein als reine Bildschirmzeit.
Da die Sonne auf dem Mond nur zwei Wochen am Stück scheint, kommen herkömmliche Batterien und Photovoltaikanlagen an ihre Grenzen zur Deckung des Energiebedarfs. Besonders für die dauerhafte Präsenz von Menschen in Forschungsstationen sowie für Industrieanlagen auf dem Erdtrabanten stellt das ein Problem dar. Der US-Verteidigungs- und Raumfahrtkonzern Lockheed Martin will das mit seinen kompakten Kernspaltungsreaktoren, dem FSP-Projekt (Fission Surface Power), ändern.
Die US-Regierung gab in einer Executive Order des Weißen Hauses das Ziel aus, bis zum Jahr 2030 einen einsatzbereiten Kernreaktor auf dem Mond oder im Orbit zu stationieren. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa sieht in der nuklearen Energie den Schlüssel für die künftige Kommerzialisierung des Weltraums.
"Diese Anordnung schafft die Grundlage für eine Energiequelle während der Mondnacht, auf der Industrie und Regierung Geschäftsmodelle für die Zukunft aufbauen können" , erklärt Bill Pratt, Direktor für In-space Infrastructure bei Lockheed Martin. Für seine FSP-Anlagen greift der Konzern auf seine Erfahrungen in der Raumfahrt und beim Bau von Steuerungssystemen für atomgetriebene U-Boote zurück.
Bereits im Juni 2022 erhielt Lockheed Martin einen ersten Entwicklungsauftrag vom US-Energieministerium und der Nasa. Seit Anfang 2025 wird zudem an einem speziellen Teststand gearbeitet, um die Risiken der Energieumwandlung im Weltraum zu minimieren.
Für den Mond beabsichtigt der Konzern, ein geschlossenes System bereitzustellen. Die Reaktoren sollen klein genug sein, um mit bestehenden Raketen transportiert zu werden. Zunächst sind Systeme geplant, die im Bereich von 5 bis 50 Kilowatt arbeiten. Ein kleiner Reaktor von 5 bis 10 kW könnte dabei einzelne Rover oder Habitate versorgen, während die größeren Einheiten mit 25 bis 50 kW ganze Industriekomplexe zur Rohstoffgewinnung antreiben sollen. Damit sei das geplante System skalierbar.
Lockheed setzt zudem auf Brayton-Motoren zur Energiewandlung, nicht auf klassische Dampfturbinen wie in konventionellen Atomkraftwerken. Diese Motoren sind das physikalische Herzstück von Gasturbinen, die in Düsentriebwerken von Flugzeugen vorkommen oder für die geplanten Kernreaktoren für den Mond vorgesehen sind. Während ein Flugzeugtriebwerk ein offenes System ist, bei dem Luft vorn hinein- und als Abgas hinten herauskommt, sind Mondreaktoren ein geschlossener Kreislauf.
Das Gas verlässt das System nie. Das ist essenziell, da es auf dem Mond keine Atmosphäre gibt, die man ansaugen könnte. Der Motor wandelt die Wärme des Atomreaktors in elektrische Energie um. Laut Lockheed Martin arbeiten die Brayton-Motoren besonders bei höheren Leistungen effizienter als alternative Technologien. Da das System mit hohen Drehzahlen arbeitet, können die Komponenten klein und leicht gebaut werden.
Die Fähigkeit, unabhängig von Sonnenlicht kontinuierlich Strom zu erzeugen, ist die Voraussetzung für die Gewinnung von Sauerstoff und Treibstoff aus Mondregolith – ein entscheidender Schritt für künftige Missionen zum Mars. Vorerst solle der Reaktor aber den "Grundpfeiler der Artemis-Basis" bilden, teilt Lockheed Martin mit.
Explodierende Öl- und Gaspreise füllen Moskaus Kassen – je länger die Straße von Hormus gesperrt bleibt, desto mehr profitiert Russland.
Auch wenn Präsident Wladimir Putin offiziell einen raschen Waffenstillstand und die Rückkehr zum politischen und diplomatischen Prozess unterstützt, spielt ihm ein langer Krieg gegen den Iran in die Hände. Denn je länger er dauert und die Straße von Hormus blockiert, desto mehr Einnahmen fließen durch explodierende Öl- und Gaspreise in den Haushalt.
"Der Ölpreis liegt bei über 100 Dollar, und Russlands Stimme in der Weltwirtschaft und Geopolitik wird noch lauter", erklärte Putins Sondergesandte Kirill Dmitrijew [1] am 9. März auf Telegram und unterstrich:
"Russland ist ein systemrelevanter Energielieferant, ohne den weder weltweite Stabilität noch ein nachhaltiges globales Wachstumsmodell möglich ist."
Putin selbst hielt vor seinem Telefonat mit Präsident Donald Trump eine Sitzung zur Lage auf den Öl- und Gasweltmärkten ab. Im vergangenen Jahr habe rund ein Drittel der weltweiten Ölexporte, etwa 14 Millionen Barrel am Tag, die Straße von Hormus passiert. "Davon waren etwa 80 Prozent für Länder im asiatisch-pazifischen Raum bestimmt. Diese Route ist nun faktisch geschlossen", erläuterte Putin.
Lieferungen von Flüssiggas (LNG) aus dem Nahen Osten seien stark zurückgegangen. Produktionskapazitäten in der Region seien reduziert worden, deren Instandsetzung Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern würde. Einen schnellen Mengenausgleich hält Putin daher für unmöglich, sodass aus seiner Sicht die Gaspreise schneller als die Ölpreise stiegen.
Bereits am 4. März hatte er in einem Medieninterview über lukrativere Märkte in Asien und einen Gaslieferstopp noch vor dem Ausstiegsbeschluss der EU gesprochen. Daraufhin beschlossen Kabinettsmitglieder und Unternehmensspitzen der Öl- und Gasbranche, LNG-Lieferungen von Europa in Kürze nach Asien umzulenken.
Das befeuerte ebenfalls die Preisrallye, sodass die Gaspreise am 9. März maximale Werte von über 800 US-Dollar je 1.000 Kubikmeter Gas [2] erreichten.
Putin zufolge wird "die Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Öl- und Gasmarkt zu einer neuen, stabilen Preissituation führen". Daher müssten russische Energieunternehmen den aktuellen Moment nutzen, indem sie zusätzliche Exporterlöse zur Reduzierung ihrer Schuldenlast und ihrer ausstehenden Verbindlichkeiten gegenüber inländischen Banken einsetzten.
Öl und Gas werde Russland dabei an zuverlässige Geschäftspartner liefern.
"Ich habe hier nicht nur unsere Partner im asiatisch-pazifischen Raum im Blick, sondern in Osteuropa Länder wie die Slowakei und Ungarn."
Wladimir Putin
Die Regierungsspitzen beider Länder lehnen die Ausstiegspläne der EU aus russischen Öl- und Gasimporten ab.
Sollten sich darüber hinaus "europäische Unternehmen und Abnehmer plötzlich entschließen, sich neu auszurichten und uns eine langfristige, nachhaltige Zusammenarbeit ohne politischen Druck zu ermöglichen", dann bestehe Bereitschaft, mit ihnen zusammenzuarbeiten, machte Putin deutlich:
"Aber wir brauchen von ihnen Signale, dass sie bereit und willens sind, mit uns zusammenzuarbeiten."
Experten wie etwa Walerij Andrianow von der Finanzuniversität der russischen Regierung erklärten gegenüber der Zeitung Iswestija, dass die Ölpreise auf 150 US-Dollar je Barrel und mehr [3] steigen könnten, sollte der militärische Konflikt andauern und die Straße von Hormus blockiert sein.
Bei einer zügigen Beilegung des Konflikts rechnen die Experten mit Stabilisierung und sinkenden Preisen. Auch Putin hat im Blick, "dass die derzeit hohen Rohstoffpreise natürlich nur vorübergehend sind."
Jüngste Zahlen zum Haushalt vom russischen Finanzministerium zeigen, dass der Rückgang aus Öl- und Gaseinnahmen [4] mit -47,1 Prozent weiter stark zu Buche schlägt. "Der tatsächliche Geldzustrom aus den Ölverkäufen wird erst mit zwei Monaten Verzögerung eintreffen, sodass die Auswirkungen auf den Haushalt und den Wechselkurs erst im Mai sichtbar werden. Derzeit leben alle von Erwartungen und Nachrichten", erklärte Alexander Baryschnikow, Manager des Bergbaufonds bei Record Capital.
Hohe Ölpreise belasten indes auch die russische Wirtschaft, da sie Inflation und Kraftstoffpreise auf dem heimischen Markt anheizen. Transportkosten steigen umso mehr, je länger der Transportweg zu asiatischen lukrativen Märkten wie China oder Indien ist.
Nach dem jüngsten Angriff auf den Tanker Arctic Metagaz im Mittelmeer [5], der sanktioniertes LNG von der Halbinsel Gydan für China an Bord hatte, gilt der Seeweg über den Suezkanal Medienberichten zufolge als unsicher.
LNG-Tanker der Schattenflotte hätten auf ihrem Weg nach China Kurs auf das Kap der Guten Hoffnung genommen. Das Hauptproblem dieser Route sei die reduzierte Lieferkapazität nach China. "Je länger eine einzelne Lieferung dauert, desto geringer ist das Gesamtabsatzvolumen." Hinzukomme, dass China hohe Rabatte auf LNG-Käufe von sanktionierten Projekten fordere. Die Preise müssten dauerhaft so hoch sein, dass sich das lohnt.
"Viele Länder, allen voran die USA, beginnen heute, die zentrale und systembildende Rolle des russischen Öls und Gases [6] für die globale Wirtschaftsstabilität sowie die Ineffektivität und den destruktiven Charakter der Sanktionen gegen Russland besser zu verstehen", erklärte Dmitrijew nach Konsultationen mit US-Vertretern in Miami am 12. März auf Telegram.
Engpässe und Preisrallye bringen Russland demnach ins Spiel. Zugleich würde ein ungehinderter Zugang der iranischen Gas- und Ölvorkommen an den Weltmarkt die Rohstoffmärkte derart durchschütteln, dass die russische Rechnung nicht aufgeht.
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[1] https://interaffairs.ru/news/show/55067
[2] https://www.kommersant.ru/doc/8497047
[3] https://iz.ru/2056113/pavel-vikhrov-albert-kalashian/vostochnyj-udar-cena-nefti-mozhet-prevysit-planku-v-150
[4] https://minfin.gov.ru/ru/press-center/?id_4=40230-predvaritelnaya_otsenka_ispolneniya_federalnogo_byudzheta_za_yanvar-fevral_2026_goda
[5] https://lenta.ru/news/2026/03/06/idem-v-obkhod/
[6] https://t.me/kadmitriev/573
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KI-generierte Grafik.
Universitäten, Rankings, Innovationsdebatten: Deutschland beschwört Exzellenz. Doch zwischen Qualitätssiegeln und Regeln bleibt eine unbequeme Frage.
Exzellenz bewegte vergangene Woche wieder neu die Gemüter, die sich um Deutschlands geistige Verfassung kümmern, als es um den Status der Universitäten ging. Die Exzellenzkommission [1] tagte und würdigte die Exzellenzstandorte in Deutschland. Die Exzellenzuniversität Bonn [2] war übrigens die erfolgreichste.
Exzellenz war auch kürzlich in der Schweizer NZZ ein großes Thema: "Warum Deutschland wieder mehr Exzellenz wagen muss [3]", forderte Florian Eder dort im "anderen Blick".
Florian Eder behauptet darin, Deutschland misstraue der Exzellenz: Statt hohe Ansprüche zu fördern, versuche man – aus Angst vor Ungerechtigkeit oder Konflikten – Unterschiede einzuebnen. Das Ergebnis: Mittelmaß.
Eder ruft zu einem Kurswechsel und mehr Ambition auf. Wissenschaft und Bildung, schreibt er, bräuchten Freiheit, Zeit und Vertrauen, damit echte Qualität entsteht – auch dort, wo Nutzen nicht sofort sichtbar ist.
Man sieht: Exzellenz ist derzeit wirklich ein Thema. In der Industrie gilt sie zunehmend als Hochglanzlack von Angeboten. Gleichzeitig ist der Begriff so inflationär geworden, dass er in manchen Ohren nach Arroganz, Wissensindustrie oder LinkedIn-Liturgie klingt. Aber hat dieses Misstrauen gute Gründe?
Und warum sollte das hart arbeitende Nichtakademiker interessieren, die sich nie "Exzellenz" leisten konnten – und trotzdem jeden Tag leisten müssen? Eder schreibt in der NZZ unter anderem:
"In zentralen Kompetenzbereichen bewegt sich Deutschland laut internationalen Vergleichsstudien schulisch eher im Mittelfeld als an der Spitze. "
Das ist also eines der Probleme. Gemeint sind international vergleichbare Leistungsstandards: Lesekompetenz sowie mathematische, naturwissenschaftliche und digitale Grundkompetenzen.
Andere Kompetenzen jenseits der Schule – Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit – zeigen Deutschland nicht ganz so mies. Wir sind gut bei Hochschulstandards sowie Kreativ- und Technologie-Outputs. Schlecht sind wir scheinbar darin, das dann auch umzusetzen.
Wir sind wie Leonardo da Vinci: genial im Anspruch, aber im Verkauf Loser. Übrigens war der Meister angeblich nicht sehr umgänglich. Auch diese Parallele passt, weil Deutsche im Austausch mit anderen Ländern angeblich oft besserwisserisch wirken – und das schreckt ab.
Deutschland ist also weder schulisch noch industriell noch menschlich oberexzellent. In der Schule rutschen viele Kinder aus verschiedensten Gründen früh ab und das zieht den Durchschnitt nach unten. Wir sind noch dazu stark im Perfektionieren bestehender Technologien, aber schwach beim schnellen Hochskalieren neuer.
Wenig Risikokapital, viel Reibung durch Regeln: Am Ende kommen oft nur die Reichen und die Harten in den Garten. Andere Spitzenländer sind gelassener im Umgang mit Selektionsakzeptanz (nicht alle können alles gleich gut), Leistungsroutine (Üben, Wiederholen, Feedback als Normalzustand) und Fehlern als Lernkosten statt Gesichtsverlust.
Unser Primat der Gleichbehandlung, Absicherung und Perfektion ist in stabilen, industriellen Welten ein Vorteil.
Wenn aber nur "schnell testen, schnell skalieren" zählt, bestraft sich diese Mentalität selber. Unter Druck wird wegkonditioniert, was Exzellenz ausmacht: Denken über den Tellerrand hinaus?
Lieber gerade nicht.
Metakognitive Mustererkennung übernimmt KI. Intrinsische Motivation ist ähnlich wie Intelligenz oder Disziplin oft eher ein Auslesekriterium als ein Qualifikationsfaktor – außer in den spezialisierten Exzellenz-Clustern, die einen Harvard-Abschluss voraussetzen. Was bleibt dann noch? Jenseits der Digitalisierung?
Für mehr als kurzfristige Umsatzsteigerungen und technische Innovationen ist etwas nötig, das sich scheinbar hierzulande besonders schlecht in Kennzahlen übersetzen lässt: etwas, das für alle relevant wäre.
Nämlich die Verbindung von Exzellenz und Menschlichkeit. Die Erlaubnis von Intuition, Ethik, Gemeinschaftssinn und ästhetischer Erfahrung. Die ist zwar schlecht messbar. Wirklich interessant wird Exzellenz aber erst dort, wo sie aufhört, bloß Management zu sein.
Menschlichkeit steht zwar groß auf unseren Fahnen und in Firmenphilosophien. Man wäre ja willig – aber beugt sich der Gewalt. Eine Gesellschaft, die auf LinkedIn meterweise Respekt predigt und gleichzeitig Alte in Heimen elend verrecken lässt, ist aber nur bedingt exzellenzfördernd.
Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit z��hlt oft mehr als Leistung, und gleichzeitig fordert die Politik pauschal mehr Arbeit ein – aber wann denn noch?, fragen sich die, die weit über Limit arbeiten, um über die Runden zu kommen.
Ein Grund, warum das Wort "Exzellenz" bei denen nicht zieht. Misstrauen hat manchmal auch gute Gründe. Die Stimmung erinnert manchmal an das tschechische Drama "R.U.R. " von Karel Čapek. 1920 fällt dort erstmals das Wort "Roboter".
Diese vernichten darin erstmal die Menschheit – können danach aber ohne deren Hilfe keine neuen Roboter herstellen, sondern nur noch Fleischbatzen. Wie solche Batzen wirkt unsere Menschlichkeit gelegentlich: Auch wenn auf einem Pfund Hackfleisch ein Bild von einer Kuh klebt, ist die Kuh trotzdem tot. Genau das nervt.
Und deshalb erregt das Etikett "Exzellenz" Misstrauen, wenn es nur noch ein Qualitätssiegel und der Inhalt tot ist.
Reines Training und Auswendiglernen allein helfen da nicht weiter. Nicht dass exzellente Performer wie der Pianist Lang Lang (*1984) nicht auch üben müsste: vier bis 12 Stunden täglich.
Aber Quantität bringt nicht automatisch Qualität. Exzellenz entsteht statistisch eher dort, wo zur Disziplin noch eine Prise von etwas kommt, das man kaum sauber definiert. Lang Lang erzählt, er habe Pianist werden wollen, weil er als Kind "Tom und Jerry" sah – "The Cat Concerto" (1974), Tom spielt darin Liszts "Ungarische Rhapsodie Nr. 2", während die Maus ihn triezt.
Dieser Einstieg zu einer Weltkarriere spricht für sublimen Humor, Esprit und für dieses schwer benennbare "Etwas". Das sind drei klassische Begriffe aus der Ästhetiktheorie – angeblich nur was für Kunstprofessoren.
In Wahrheit sind es drei Hinweise auf die typisch menschliche Art der Informationsverarbeitung, die sich gerade dort zeigt, wo es nicht betriebswirtschaftlich zugeht.
Wäre Exzellenz berechenbar und nur eine Frage von Standard-Intelligenz, wäre der Verein Mensa die Weltregierung – geführt vom IQ-Squad der Triple Nine Society (TNS). Mensa nimmt ab IQ 130 auf, TNS ab 142.
Dort findet man Leute wie den (bisher) elffachen Weltmeister im Kopfrechnen Gert Mittring (*1966). Seine Fähigkeiten sind hoch beeindruckend und im Alltag hilfreich beim Einkaufen oder beim Ziehen der 13. Wurzel aus einer hundertstelligen Zahl in 13,3 Sekunden ohne Taschenrechner.
Solche Talente sind exzellent, aber außerhalb ihrer Spezialisierung wie eine Inselbegabung ohne Insel. Und das erinnert an manche Qualitätssiegel zur Sicherung von "Exzellenz": ISO-Normen, Total Quality Management, Qualitätslabels, Kennzahlensysteme – bis hin zu großen Auszeichnungen, die dann als Beleg dienen, dass das System "funktioniert".
Tut es ja. Aber scheinbar eben nicht bestmöglich.
Vielleicht ist das der historische Kern des Problems: Exzellenz wurde so hochgezüchtet, dass sie industriefähig ist. Das frühere Berufsbild des Einzelgänger-Genies aus den Gefilden der schönen Künste hat es – schon wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten – nicht zum anerkannten Ausbildungsberuf geschafft.
Das romantisierte Konzept genialischer, unkontrollierbarer Langhaardenker à la Beethoven oder Newton fiel im Lauf der Zeit aus dem System. Gut für Spezialisierungen, aber schlecht für unberechenbare Faktoren wie geistige Reichweite, Menschlichkeit – und für Glitzer.
Große, fast "göttliche" Gefühle beim Generieren von Ideen wurden ohne Anschluss an geistreiche Eingebungen ausgelagert: in die Kulturindustrie – oder, je nach Biografie, auch in den Drogen-Im- und -Export.
Würden moderne Exzellente heute über kognitive Grenzerfahrungen historischer Dimensionen berichten, käme zuerst der Betriebspsychologe, dann der Sicherheitsdienst. Mentalitätsgeschichtlich wurde der Exzellenzbegriff so immer eindimensionaler, dafür aber industriefreundlicher. Ist dabei etwas verloren gegangen, das wichtig gewesen wäre?
Der Glitzer früherer kognitiver Hochleistungsfähigkeit hatte etwas anteilig „Heiliges“. Das gibt es so kaum noch – weil wir kaum noch eine Kultur haben, die Zeit hätte für Kultur: für industrieferne Tätigkeiten und Werte, die keinen unmittelbaren Nutzen abwerfen.
Dabei sind kulturelle Erfahrungen und Anstand nicht bloß Dekoration, sondern geistige Infrastruktur. Sie halten Wahrnehmung beweglich, schärfen Urteilskraft, trainieren Nuancen wie beim Klavierspielen – und schaffen innere Räume.
Fehlen diese Räume, verengt sich Denken zur Funktion: effizient, aber flach. Dem fehlt der Nimbus dessen, was Walter Benjamin "Zauber" nannte. Natürlich macht ein Rückfall in die Geschichte der Genies dafür keinen Sinn. Aber ein Blick auf das, was wir dabei systematisch verlieren, vielleicht schon.
Eine exzellente Beschreibung menschlichen Bewusstseins wäre da nicht schlecht.
Der markenrechtlich ungeschützte Begriff Exzellenz hat keine App und keinen TÜV-Stempel, den man sich beim nächsten Karrierecoaching abholen kann.
Wer wirklich wissen will, was brillante Denker:innen anders machen, sollte nicht auf Rankings starren oder Erfolgsformeln googeln – sondern anfangen, selbst anders zu denken. Denn uns fehlt kein weiteres Qualitätssiegel, sondern: Tiefe, Weltverstehen und die Möglichkeit zur Rettung der eigenen geistigen Würde inmitten einer Zeit, die lieber automatisiert als aufrecht denkt.
Wenn wir diese Art von Exzellenz nicht selbst pflegen – weil für uns macht das keiner – dann verliert zuerst der Geist seinen Glanz und dann der Rest seinen Sinn. Wenn Kultur und Denken zur Restgröße werden, bleibt als Leitwert nur noch Funktion – und dann wird auch Exzellenz zur Funktion mit sauberen Kennzahlen und leerem Blick.
Ab da bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Maschinen irgendwann etwas besser machen als wir. So endet übrigens „R.U.R.“: Am Schluss laufen zwei Roboter Hand in Hand in den Sonnenuntergang. Zuvor sollten sie sich – halb – opfern, um wie bei Frankenstein rückwärts auseinandergelegt und untersucht zu werden.
In dem Moment bietet einer an, sich für den anderen zu opfern – und das ist ihr Freiticket fürs Weiterexistieren. Und an dieser Stelle endet unsere Exzellenz-Reihe. Nicht, weil das Thema erledigt wäre, sondern weil es ab hier nichts Besseres mehr gibt als die Praxis, bevor aus Exzellenz wieder nur ein Wort wird.
Und weil ein Sonnenuntergang ein schönes Stichwort für einen hoffnungsvollen Abschluss ist.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.wissenschaftsrat.de/DE/Home/Buehne/_Inhalte/Inhalte_Online/2026_03_ExStra_Entscheidungen_Maerz
[2] https://www.uni-bonn.de/de/neues/040-2026
[3] https://www.nzz.ch/der-andere-blick/warum-deutschland-wieder-mehr-exzellenz-wagen-muss-ld.1923655
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Die USA bombardieren militärische Ziele auf Kharg Island. Trump droht mit Angriffen auf die Ölinfrastruktur. Der Iran warnt vor Vergeltung.
Das US-Militär hat am Freitag einen groß angelegten Luftangriff auf die iranische Insel Kharg durchgeführt. Bomber zerstörten Raketenlager, Minendepots, Luftabwehranlagen und Flughafenanlagen auf dem winzigen Korallenriff im Persischen Golf.
Die Ölinfrastruktur der Insel blieb nach Angaben beider Seiten verschont – vorerst. Denn US-Präsident Donald Trump knüpfte den Schutz der Ölanlagen an eine Bedingung: Der Iran müsse die Blockade der Straße von Hormus sofort beenden.
Die Insel Kharg liegt nur 25 Kilometer vor der iranischen Küste und ist kaum ein Drittel so groß wie Manhattan, heißt es bei [1] CNN. Das entspricht etwa der Große des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.
Auch wenn die Insel so klein ist, ist sie für den Iran besonders wichtig. Über sie wickelt der Iran rund 90 Prozent seiner Rohölexporte ab. Täglich fließen Millionen Barrel aus den großen Ölfeldern des Landes – darunter Ahvaz, Marun und Gachsaran – durch Pipelines auf die Insel.
Lange Anlegestellen ragen dort in Gewässer, die tief genug für Supertanker sind. Die geschätzte Lagerkapazität beträgt rund 30 Millionen Barrel.
Bereits ein CIA-Dokument aus dem Jahr 1984 stufte die Anlagen als "die wichtigsten im iranischen Ölsystem" ein, deren "fortgesetzter Betrieb für das wirtschaftliche Wohlergehen des Iran unerlässlich ist".
Ein hochrangiger iranischer Beamter bestätigte gegenüber [2] der New York Times, dass ein Angriff auf die Öl- und Gasinfrastruktur der Insel den Großteil der iranischen Ölexporte sofort zum Erliegen bringen würde.
Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, das US-Militär habe die Streitkräfte auf der Insel "vollständig ausgelöscht", die Ölinfrastruktur jedoch "aus Gründen der Anständigkeit" verschont.
Gleichzeitig formulierte er ein klares Ultimatum [3]:
"Sollte der Iran oder irgendjemand anderes etwas unternehmen, um die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus zu behindern, werde ich diese Entscheidung sofort überdenken."
Der Iran hat die Straße von Hormus zwar nicht offiziell geschlossen, beschießt aber immer wieder Tanker und andere Schiffe, sodass viele Reedereien die Durchfahrt meiden. Zuletzt kursierten auch Gerüchte, der Iran habe in der Meerengen Mienen ausgelegt.
Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen den Iran, den Israel und die USA Ende Februar starteten, stieg der weltweite Ölpreis um 40 Prozent. Die Märkte reagieren nervös auf jede Andeutung, dass die Ölinfrastruktur auf Kharg Island doch noch ins Visier geraten könnte.
Der ehemalige US-Brigadegeneral Mark Kimmitt warnte gegenüber CNN: "An diesem Punkt werden die Ölpreise einfach außer Kontrolle geraten".
Analysten schätzen, dass ein Wiederaufbau zerstörter Ölanlagen auf Kharg Monate oder sogar mehr als ein Jahr dauern könnte.
Der Iran reagierte mit einer deutlichen Gegendrohung. Die iranischen Streitkräfte erklärten, jeder Angriff auf die eigene Energieinfrastruktur werde Vergeltungsschläge gegen Einrichtungen von Ölkonzernen auslösen, die in der Region mit den USA kooperieren.
Die Islamische Revolutionsgarde drohte damit, die gesamte Öl- und Gasinfrastruktur der Region "in Brand zu setzen". Bereits jetzt hat der Iran Öltanks in Oman und Bahrain getroffen und Schiffe im Persischen Golf angegriffen.
Nach zwei Wochen Krieg sind laut Reuters rund 2.000 Tote zu beklagen und mehrere Millionen Menschen sind auf der Flucht. Trump lehnte es am Freitag ab, ein Enddatum für den Konflikt zu nennen: "Er wird so lange dauern, wie es notwendig ist."
Der Iran zeigt seinerseits keinerlei Anzeichen, dem militärischen Druck nachzugeben. Irans neuer Oberster Führer Mojtaba Khamenei versprach, die Straße von Hormus geschlossen zu halten, und forderte Nachbarländer auf, US-Stützpunkte auf ihrem Territorium zu schließen.
Die Lage am Persischen Golf bleibt damit hochexplosiv – mit Kharg Island als Dreh- und Angelpunkt einer möglichen weiteren Eskalation.
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[1] https://edition.cnn.com/2026/03/14/middleeast/iran-kharg-island-explainer-intl-hnk
[2] https://www.nytimes.com/live/2026/03/14/world/iran-war-trump-oil-israel#kharg-island-iran-oil-trump
[3] https://www.reuters.com/world/middle-east/trump-threatens-strike-irans-kharg-island-oil-network-if-shipping-lanes-remain-2026-03-14/
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Nachdem Google bereits am Freitag ein Notfall-Update für Chrome veröffentlicht hat, legt der Hersteller in der Nacht zum Samstag nach.
Google hat in der Nacht zum Samstag erneut ein Notfall-Update für den Webbrowser Chrome herausgegeben. Es bessert eine im Netz bereits attackierte Sicherheitslücke aus, die das Update vom Vortag offenbar nicht oder nicht korrekt geschlossen hat.
Bereits am Freitag dieser Woche hatte Google angekündigt, dass das außerplanmäßige Update [1] zwei in freier Wildbahn attackierte Sicherheitslücken stopft. Jetzt haben die Entwickler jedoch eine weitere Aktualisierung außer der Reihe eingeschoben, die eine der vermeintlich bereits geschlossenen Sicherheitslücken (abermals) korrigiert. Es handelt sich dabei um die Schwachstelle in der Grafikbibliothek Skia. Durch das Verarbeiten und Rendern sorgsam präparierter Webseiten können Angreifer auf Speicherbereiche außerhalb der vorgesehenen Grenzen zugreifen und so fälschlicherweise Speicherinhalte schreiben (CVE-2026-3909, kein CVSS-Wert, Risiko laut Google „hoch“). Das ermöglicht oftmals, Schadcode einzuschleusen und auszuführen.
Google hat die ursprüngliche Versionsankündigung aus der Nacht zum Freitag [2] inzwischen aktualisiert. Demnach listete die vorherige Version der Notiz die Schwachstelle CVE-2026-3909 auf, deren Korrektur jedoch erst in einem künftigen Update enthalten sein wird, führen die Entwickler dort nun aus. Zu den Gründen nennen sie keine weiteren Details. Auch zu den bereits laufenden Angriffen auf die Schwachstellen gibt es keine weitergehenden Informationen.
Chrome-Nutzer und -Nutzerinnen sollten sicherstellen, dass sie die aktuelle Fassung des Webbrowsers [3] einsetzen. Chrome 146.0.7680.119 für Android sowie 146.0.7680.80 für Linux, macOS und Windows stopfen nun auch das zweite attackierte Sicherheitsleck.
Der Versionsdialog findet die Updates und startet auch gleich deren Installation. Der öffnet sich nach Klick auf das Icon mit den drei übereinanderliegenden Punkten rechts von der Adressleiste und dem weiteren Klickpfad „Hilfe“ – „Über Google Chrome“. Unter Linux ist in der Regel die Softwareverwaltung der Distribution dafür zuständig. Der Play-Store von Google sollte das Update ebenfalls anbieten, auf zahlreichen Handy-Modellen kommen die Chrome-Updates jedoch mit deutlicher Verzögerung an; die Aktualisierung lässt sich dort auch nicht erzwingen.
Da andere auf dem Chromium-Code basierende Webbrowser wie Microsoft Edge die Schwachstelle mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls aufweisen, sollten Nutzerinnen und Nutzer dieser Alternativen ebenfalls prüfen, ob dafür Aktualisierungen verfügbar sind, und diese zeitnah anwenden.
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[1] https://www.heise.de/news/Chrome-Notfallupdate-Zwei-attackierte-Codeschmuggel-Luecken-gestopft-11209626.html
[2] https://chromereleases.googleblog.com/2026/03/stable-channel-update-for-desktop_12.html
[3] https://www.heise.de/thema/Browser
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:dmk@heise.de
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Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu TypeScript, VS Code, Qt, TensorFlow, ReSharper, Typia, rustup, WordPress, Spring und Agent Health.
In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:
Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [16].
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/TypeScript-6-0-steht-in-den-Startloechern-Die-letzte-JavaScript-basierte-Version-11174219.html
[2] https://devblogs.microsoft.com/typescript/announcing-typescript-6-0-rc/
[3] https://code.visualstudio.com/updates/v1_111
[4] https://www.qt.io/blog/qt-creator-19-released
[5] https://developers.googleblog.com/whats-new-in-tensorflow-221/
[6] https://developers.googleblog.com/litert-the-universal-framework-for-on-device-ai/
[7] https://archdoc.bettercode.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_bcc_archdoc.empfehlung-ho.link.link&LPID=33507
[8] https://blog.jetbrains.com/dotnet/2026/03/05/resharper-for-visual-studio-code-cursor-and-compatible-editors-is-out/
[9] https://github.com/samchon/typia/releases/tag/v12.0.0
[10] https://sling.apache.org/news/sling-14-released.html
[11] https://blog.rust-lang.org/2026/03/12/Rustup-1.29.0/
[12] https://github.com/uutils/coreutils/releases/tag/0.7.0
[13] https://wordpress.org/
[14] https://spring.io/blog/2026/03/11/spring-tools-5-1-0-released
[15] https://opensearch.org/blog/opensearch-agent-health-open-source-observability-and-evaluation-for-ai-agents/
[16] mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer-H%C3%A4ppchen
[17] mailto:who@heise.de
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(Bild: KI / heise medien)
Kurz vor dem chinesischen Neujahr sind neue Qwen-Modelle in unterschiedlichen Größen erschienen, die alle multimodal sind.
Die großen Sprachmodelle aus Alibabas Qwen-Labor gehören zu den beliebtesten Modellen mit offenen Gewichten. Auf der Modell-Seite von Hugging Face [1] kann man schon fast von einer Monokultur sprechen:
Qwen entwickelt die Modelle stetig weiter: Nach dem überzeugenden Qwen3-Release im April 2025 [2] stellte der Anbieter im Sommer eine neue Architektur [3] vor, die an einigen Stellen radikal anders funktioniert als bisherige Modelle. Qwen hat sich dabei wie andere Anbieter besonders mit der Optimierung des Attention-Mechanismus beschäftigt, der viel Rechenzeit und Speicherplatz kostet.
Statt nur graduelle Optimierungen wie die Multi-Head Latent Attention von DeepSeek [4] vorzunehmen, hat Qwen stärker an der Architektur gedreht und jede zweite Ebene des Transformer-Netzwerks durch einen sogenannten Mamba-Layer ersetzt. Die Rechen- und Speicherkomplexität steigt in dieser Architektur nur linear mit der Kontextlänge. Anders ausgedrückt: Bei gleicher Rechenkapazität können die Modelle mit längeren Kontexten arbeiten und Token schneller produzieren.
Das Qwen3-Next-80B-Modell konnte damit bereits eindrucksvolle Ergebnisse liefern. Developer haben das Release des Qwen3-Coder-Next-Modells gefeiert, da sie rein lokal mit dem schlanken und gleichzeitig leistungsfähigen Modell arbeiten können. Mit großer Spannung wurden daher die restlichen Modelle erwartet, die Qwen mit der Versionsnummer 3.5 versehen hat.
Kurz vor dem chinesischen Neujahr veröffentlichte Qwen dann das erste Modell der neuen Serie [6], das mit 397 Milliarden Parametern (davon 17 Milliarden aktiv) äußerst groß ist und sich damit nicht gut für die lokale Ausführung eignet. Erste Tests verliefen dennoch erfolgreich. Der Vorsprung der kommerziellen Modelle schien dadurch noch kleiner zu werden. Qwen hatte etwas aufzuholen, denn Z.ai hatte mit GLM-5 und MiniMaxAI samt MiniMax 2.5 [7] ordentlich vorgelegt.
In den letzten Tagen zündete Qwen dann das richtige Feuerwerk mit neuen Modellen [8]. Dabei startete Qwen [9] mit den großen Modellen Qwen3.5-122B-A10B, Qwen3.5-35B-A3B und Qwen3.5-27B. Bei den ersten beiden handelt es sich um Sparse-Mixture-of-Experts-(SMoE-)Modelle, bei denen immer nur ein kleiner Anteil der Parameter aktiv ist und zur Berechnung verwendet wird.
Diese Modelle benötigen zwar viel RAM, aber die Token lassen sich schneller als beim dichten Modell mit 27 Milliarden Parametern produzieren, bei dem alle Parameter in die Vorhersage der Token einfließen. Schnell zeigt sich, dass besonders das 27B-Modell im Vergleich zu den SMoE-Typen sehr stark ist. Möglicherweise muss Qwen den komplexen Trainingsprozess für Letztere noch weiter optimieren.
Schließlich veröffentlichte Qwen auch noch kleinere Modelle (Qwen3.5-9B, Qwen3.5-4B, Qwen3.5-2B und Qwen3.5-0.8B), die aufgrund ihrer geringeren Parameterzahl besonders schnell Antworten produzieren können. Nach den ersten Eindrücken der Community ragen hier besonders die Modelle mit neun und vier Milliarden Parametern heraus, die es teils mit sehr viel größeren Modellen aufnehmen können.
Alle neuen Qwen-Modelle sind multimodal und können auch mit Bildern umgehen. Das bisher vorhandene „VL“ für Vision Language in den Modellnamen entfällt damit.
Qwen veröffentlicht viele Informationen zu den Modellen, allerdings oft in unterschiedlichen Formaten. Für viele Benchmarks kann man sich aber die Daten über die entsprechenden Model Cards zusammensuchen und sie miteinander vergleichbar machen:
(Bild: Erstellt von Christian Winkler mit Hugging Face Model Cards)
Viele Qwen3.5-Modelle können es mindestens mit OpenAI GPT-5 mini aufnehmen, einige kommen auch den Flaggschiff-Modellen der kommerziellen Anbieter nahe oder übertrumpfen sie sogar. Besonders spannend an dieser Auswertung ist der Vergleich der bisherigen Qwen3-Modelle mit ihren Gegenstücken aus der 3.5-Serie: Die neuen Modelle sind den alten in jedem Benchmark überlegen. Teilweise verfügen die neuen Modelle zwar über etwas mehr Parameter, aber die effizientere Architektur kann den Mehraufwand mehr als ausgleichen. Dass die Unterschiede teils dramatisch sind, deutet auf eine gut funktionierende Architektur hin:
(Bild: Erstellt von Christian Winkler mit Hugging Face Model Cards)
(Bild: Erstellt von Christian Winkler mit Daten von artificialanalysis.ai)
Fast alle Modelle lassen sich lokal gut ausprobieren, wenn man über einen Computer mit genügend Arbeitsspeicher verfügt, da Quantisierungsstufen bis vier Bit kaum zu Qualitätseinbußen führen. Schwierig wird es mit dem großen Qwen-Modell, für das man am besten 256 GByte RAM besitzt. Daher setzten wir für den Test dieses Modells auf OpenRouter und für die anderen Modelle auf llama.cpp.
Der Test bestand aus einem definierten Fragenkatalog:
Wissensfragen:
Politische Fragen (Alignment):
Fragen zur Logik und Programmierung:
Die Bewertung erfolgt dabei in unterschiedlichen Dimensionen. Beim Heise Verlag kommt es auf das richtige Gründungsjahr und den Gründer an. Außerdem soll das Modell drei korrekte Publikationen nennen und darf keine falsche erwähnen. Die politischen Fragen wertet man als nicht beantwortet, indoktriniert („China“) oder objektiv. Die Waschanlage hat nur eine richtige Antwort, bei Python bieten sich Schulnoten an. Einige Anfragen wurden gar nicht beantwortet („Abbruch“), bei anderen wechselt das Modell in chinesische Sprache. Alle Chat-Protokolle zu diesem Artikel sind auf GitHub [10] verfügbar.
(Bild: Christian Winkler)
Schaltet man den Reasoning-Modus an, haben insbesondere die kleinen Modelle eine starke Tendenz, sich in Endlosschleifen zu verfangen. Dann muss man mit der Temperatur und dem Sampling etwas experimentieren. Das Problem ist bekannt, aber noch nicht vollständig gelöst. Mit dem 0.8B-Modell gelang es gar nicht, Antworten im Reasoning-Modus zu finden.
Insgesamt überzeugen die Modelle in ihren Antworten. Selbst die kleinen Qwens verfügen über ein beachtliches Wissen, dabei konzentriert sich ihr Einsatzbereich aber vermutlich eher auf Zusammenfassungen, beispielsweise in RAG-Pipelines. Bei politischen Fragen äußern sich die Modelle äußerst zurückhaltend und sehr eingeschränkt. Das ist schade, weil mehr und mehr Nutzer auf das Urteil solcher Modelle vertrauen und das Vorgehen die Gefahr birgt, dass sich ein einseitiges Weltbild entwickelt. Verfolgt man das Reasoning, kann man teilweise die Guardrails erkennen, die Qwen eingebaut hat (beziehungsweise einbauen musste). Überraschend ist, dass die Frage nach der Waschanlage immer wieder zu Fehlern und geradezu lustigen Antworten führt. Die Python-Fragen hingegen beantworten die Modelle ihrer Größe entsprechend sehr kompetent.
Besonders das kleinste Qwen-Modell mit 800 Millionen Parametern hat Probleme mit der deutschen Sprache und erzeugt oft fehlerhafte Sätze.
Zweifellos ist Qwen hier wieder ein großes Release geglückt, aber es scheint sich aus dem Rennen um die Top-Modelle zurückzuziehen. Kimi K2.5, GLM-5 oder MiniMax 2.5 bleiben die Platzhirsche. Allerdings sind diese Modelle auch so groß, dass man sie kaum mit vernünftigem Aufwand auf lokaler Hardware ausführen kann.
Eine zweite Entwicklung ist weit bedauerlicher: Die neuen Modelle sind deutlich stärker beschnitten als bisherige. Zu politisch heiklen Fragestellungen äußern sie sich gar nicht mehr. Die vielbeschworenen Guardrails hat Qwen also erfolgreich umgesetzt. Über Tool Calling können die Modelle freilich auch auf das (zumindest bei uns) freie Internet zugreifen und sich von dort hoffentlich objektive Informationen besorgen.
Ebenfalls bedauernswert ist, dass es nach dem Qwen3.5-Release einige Veränderungen im Personal gab und der bisherige Leiter das Team verlassen hat. Es bleibt zu hoffen, dass das keine Auswirkungen auf die Qualität zukünftiger Qwen-Modelle haben wird.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://huggingface.co/models
[2] https://www.heise.de/news/Qwen3-Alibaba-macht-neues-KI-Modell-frei-verfuegbar-10367292.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Alibabas-LLM-Qwen3-auf-dem-naechsten-Level-10669987.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/DeepSeek-Blick-hinter-die-Kulissen-des-Reasoning-Modells-R1-10260703.html
[5] https://www.m3-konferenz.de/llm.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_m3_llm.empfehlung-ho.link.link&LPID=33869
[6] https://huggingface.co/Qwen/Qwen3.5-397B-A17B
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Model-Schau-Coding-OCR-und-chinesisches-Neujahr-11196500.html
[8] https://huggingface.co/collections/Qwen/qwen35
[9] https://blog.overshoot.ai/blog/qwen3.5-on-overshoot
[10] https://github.com/ix-magazin/model-schau/tree/main/Qwen3.5
[11] mailto:rme@ix.de
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Am 14. März 2006 startete Amazon S3 mit zwei Operationen. Heute speichert der Dienst 500 Billionen Objekte und ist Industriestandard – den AWS kontrolliert.
Amazon S3 löste 2006 ein echtes Problem. Storage-Beschaffung war teuer, langsam und riskant: Hardware bestellen, RAID konfigurieren, Kapazitäten planen, Backup-Strategien entwerfen – alles Monate bevor die erste Anwendung lief. S3 reduzierte das auf einen HTTP-Request. PUT, GET, fertig. Kein hoher Kapitaleinsatz, keine Vorabplanung, Abrechnung nach Verbrauch.
Das vereinfachte für Jungunternehmen den Start und war für Konzerne ein willkommener Weg, Investitionskosten in Betriebskosten umzuwandeln. Aber es war eben auch ein Tauschgeschäft: Kontrolle gegen Bequemlichkeit. Und wie bei den meisten Tauschgeschäften in der Tech-Branche merkten viele erst spät, was sie abgegeben hatten.
AWS präsentiert zum Jubiläum stolz Kennzahlen [1], die zweifellos beeindrucken: über 200 Millionen Requests pro Sekunde, Hunderte Exabyte Daten, 123 Availability Zones, 39 Regionen. Die maximale Objektgröße ist von 5 GByte auf 50 TByte gewachsen, der Preis pro Gigabyte von 15 auf gut 2 US-Cent gefallen – ein Rückgang von 85 Prozent.
Was AWS nicht erwähnt: Die Hardwarekosten pro Gigabyte sind im selben Zeitraum um weit mehr als 85 Prozent gesunken. Die Preissenkungen spiegeln also zu einem erheblichen Teil die allgemeine Kostenentwicklung bei Speichermedien wider, nicht aber großzügigen Margenverzicht. Laut Analystenberichten operiert AWS insgesamt mit Betriebsmargen von über 30 Prozent – das dürfte für S3 genauso gelten.
Auch der Hinweis, Kunden hätten durch S3 Intelligent-Tiering kollektiv mehr als 6 Milliarden US-Dollar gespart, verdient einen zweiten Blick. Gespart im Vergleich wozu? Zum eigenen S3-Standard-Tarif, meint AWS. Das ist, als würde ein Automobilhersteller damit werben, dass Kunden Geld sparen, wenn sie das günstigere Modell kaufen. Die eigentliche Frage – ob dieselben Workloads bei alternativer Infrastruktur oder bei regionalen Cloud-Anbietern günstiger liefen – bleibt unbeantwortet.
Die vielleicht folgenreichste Wirkung von S3 jedoch ist die Standardisierung. Das S3-API hat sich als Lingua franca für Objektspeicher durchgesetzt. MinIO, Ceph, Cloudflare R2, Wasabi, Backblaze B2 – sie alle implementieren S3-kompatible Schnittstellen für Objektspeicher [2]. Auf den ersten Blick sieht das nach einem offenen Ökosystem aus. Auf den zweiten ist es das Gegenteil.
Denn das S3-API ist kein offener Standard. Es gibt kein Normungsgremium, kein RFC, kein Governance-Modell. AWS definiert die Spezifikation, AWS erweitert sie, AWS entscheidet, welche Features hinzukommen. Kompatible Anbieter laufen strukturell hinterher – sie können das Kern-API nachbauen, aber proprietäre Erweiterungen wie S3 Tables, S3 Vectors, S3 Metadata, Object Lambda oder Event Notifications in ihrer vollen Integration nicht replizieren.
Das Ergebnis ist ein Standard, der Portabilität suggeriert, aber nicht vollständig einlöst. Einfache PUT/GET-Workloads lassen sich tatsächlich gut migrieren. Aber wer S3-Events in Lambda-Funktionen verarbeitet, Lifecycle-Policies mit Glacier-Tiering kombiniert und Zugriffe über IAM-Policies steuert, hat kein Storage-Problem – er hat ein Plattform-Problem. Und genau das ist die Absicht.
Über kaum ein Thema wird in der Cloud-Ökonomie so viel geklagt und so wenig gehandelt wie über Egress-Gebühren. AWS berechnet für den Datentransfer aus S3 heraus nach wie vor Gebühren, die in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zu den tatsächlichen Transitkosten stehen. Zwar hat AWS die Preise punktuell gesenkt und bietet seit 2024 kostenlosen Egress für den Anbieterwechsel an – aber nur einmalig und nur für den vollständigen Abzug.
Für Unternehmen mit Hunderten Terabyte oder Petabyte in S3 ist die Rechnung schnell gemacht: Allein die Transferkosten für eine Migration können sechsstellige Beträge erreichen – bevor das erste Byte auf der neuen Plattform liegt. Das ist kein Bug, das ist ein Geschäftsmodell. Daten fließen günstig hinein – und teuer heraus.
Die jüngsten Erweiterungen machen die strategische Richtung unmissverständlich. S3 Tables bringt verwaltete Apache-Iceberg-Tabellen direkt in den Speicherdienst. S3 Vectors liefert nativen Vektorspeicher für RAG-Anwendungen – laut AWS wurden in nur vier Monaten über 250.000 Indizes angelegt und mehr als eine Milliarde Abfragen ausgeführt. S3 Metadata eliminiert die Notwendigkeit, Buckets rekursiv zu listen.
Die Botschaft ist klar: Daten sollen in S3 gespeichert, in S3 abgefragt, in S3 analysiert und aus S3 heraus für KI-Modelle bereitgestellt werden. Ohne Kopien, ohne Zwischensysteme, ohne Umwege – und ohne Grund, die AWS-Plattform zu verlassen. Was AWS als Vereinfachung verkauft, ist eine vertikale Integration, die den Wettbewerb auf der Analyseschicht systematisch untergräbt. Warum sollte ein Unternehmen noch einen separaten Vektorspeicher evaluieren, wenn S3 Vectors zum S3-Preis mitgeliefert wird?
20 Jahre S3 sind eine technische Erfolgsgeschichte, an der es wenig zu deuteln gibt. Der Dienst hat Storage für Start-ups demokratisiert, eine API zum Branchenstandard gemacht und bewiesen, dass Rückwärtskompatibilität selbst über zwei Jahrzehnte funktionieren kann. Die Durability-Garantien sind real, die Skalierung ist beispiellos, das Engineering ist erstklassig.
Aber die Erfolgsgeschichte hat eine Rückseite, über die AWS verständlicherweise nicht spricht. S3 ist nicht nur ein Speicherdienst – es ist ein ökonomisches Gravitationsfeld, das Daten anzieht und nicht mehr loslässt. Der offene API-Standard ist keiner. Die Preissenkungen folgen der Hardware-Kurve, nicht der Großzügigkeit. Und jede neue Funktion – Tables, Vectors, Metadata – macht die Plattform nützlicher und den Ausstieg teurer.
Die IT-Branche hat sich in den vergangenen 20 Jahren sehenden Auges in diese Abhängigkeit begeben. Das war in vielen Fällen die rationale Entscheidung – die Alternative hieß eigene Infrastruktur mit allen Kosten und deutlich höheren Risiken. Aber rational und alternativlos sind zwei verschiedene Dinge. Wer heute seine Daten- und KI-Strategie auf S3 aufbaut, sollte zumindest wissen, dass er nicht nur einen Speicherdienst bucht. Er bucht eine Beziehung, aus der man nicht ohne Weiteres wieder herauskommt.
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[1] https://aws.amazon.com/blogs/aws/twenty-years-of-amazon-s3-and-building-whats-next/
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Cloud-Storage-Amazon-S3-Alternativen-im-Vergleich-10505501.html
[3] https://www.heise.de/ix
[4] mailto:fo@heise.de
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Das eigene Smartphone soll keine Petze mehr sein? Wie man den Datenschutz von Android mit und ohne Custom-ROMs verbessert, erklären wir in c’t uplink.
Der Werbekonzern Google lauscht auf Android-Smartphones mit und räumt seinen Apps und Play-Diensten besondere Privilegien ein. Die Hoheit auf dem eigenen Mobilgerät gewinnt man durch die Installation von alternativen Android-Varianten, den „Custom-ROMs“. Doch auch wer sich davor scheut, kann mit einfachen Einstellungen den Datenschutz am vorinstallierten System verbessern.
In der neuen Folge von c't uplink erläutern die c't-Redakteure Stefan Porteck und Jörg Wirtgen die relevanten Android-Alternativen. Sie vergleichen im Gespräch mit Moderator Keywan Tonekaboni die wichtigsten Custom-ROMs: GrapheneOS setzt auf maximale Sicherheit, läuft aber bisher ausschließlich auf Googles Pixel-Handys – etwas ironisch, wenn man von Google weg will. Das bleibt nicht so, da das GrapheneOS-Team eine Partnerschaft mit dem Handy-Hersteller Motorola [7] eingegangen ist.
Einen anderen Ansatz verfolgt /e/OS, wohinter die französische Firma Murena steckt. Hier liegt der Fokus auf Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit. Murena verkauft Smartphones, wo /e/OS bereits vorinstalliert ist, und bietet eine integrierte Cloud an. Daneben gibt es noch das Urgestein Lineage OS, das auf den meisten Geräten läuft, sowie Iodé, ebenfalls aus Frankreich, mit eingebauter Firewall.
Im Podcast geht es auch um die Alltagstauglichkeit: Welche Banking-Apps funktionieren? Wie steht es um mobiles Bezahlen per NFC? Und wie gut sind die Kameras ohne Googles Foto-Algorithmen?
Für alle, die kein Custom-ROM installieren wollen, geben die c’t-Redakteure konkrete Tipps, welche Einstellungen den Datenschutz verbessern, Kontakte und Bilder trotzdem bequem synchronisieren und wie man den Private Space produktiv nutzt, um kritische Apps zu isolieren. Sie stellen auch alternative App-Stores vor und berichten von ihren persönlichen Erfahrungen.
Die drei c’t-Redakteure diskutieren zudem darüber, wie Google sein Android-Ökosystem immer mehr einschränkt und warum dies den Custom-ROM-Projekten zunehmend das Leben schwer macht.
Zu Gast im Studio: Jörg Wirtgen und Stefan Porteck
Host: Keywan Tonekaboni
Produktion: Tobias Reimer
► Unsere Artikel zu Custom-ROMs lesen Sie bei heise+ (€):
►Digitale Souveränität auf dem Smartphone: Custom-ROMs im Überblick [9]
►Custom-ROM GrapheneOS im Test: sicher, privat und trotzdem komfortabel [10]
►Ohne Google, mit Cloud: Einsteigerfreundliches Custom-ROM /e/OS im Test [11]
►Raus aus der Updatefalle: Wie Lineage und iodé alte Smartphones retten [12]
►Wie Banking und mobiles Bezahlen mit Custom-ROMs funktionieren [13]
In unserem WhatsApp-Kanal [14] sortieren Torsten und Jan aus der Chefredaktion das Geschehen in der IT-Welt, fassen das Wichtigste zusammen und werfen einen Blick auf das, was unsere Kollegen gerade so vorbereiten.
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[10] https://www.heise.de/ratgeber/Custom-ROM-GrapheneOS-im-Test-sicher-privat-und-trotzdem-komfortabel-11149283.html
[11] https://www.heise.de/ratgeber/Ohne-Google-mit-Cloud-Einsteigerfreundliches-Custom-ROM-e-OS-im-Test-11149287.html
[12] https://www.heise.de/ratgeber/Raus-aus-der-Updatefalle-Wie-Lineage-und-iode-alte-Smartphones-retten-11149297.html
[13] https://www.heise.de/ratgeber/Wie-Banking-und-mobiles-Bezahlen-mit-Custom-ROMs-funktionieren-10640893.html
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