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Die Beschwerdestelle des Eco-Verbands meldet einen traurigen Rekord bei Darstellungen sexuellen Missbrauchs – und sieht keine Alternative zur Einzelfallprüfung.
Die Zahl der Beschwerden über Inhalte bei jeder Form von Hostern im Netz ist weiter hoch: 51.358 Mal wurden 2025 Hinweise an die Beschwerdestelle des Internetwirtschaftsverbands eco gegeben. 30 Jahre nach dem Start der ersten Meldestelle für rechtswidrige Internetinhalte ist die Zahl der berechtigten Meldungen in einem besonders problematischen Bereich auf Rekordniveau. Die Änderungen durch den Digital Services Act [1] spielen dabei kaum eine Rolle.
Die berechtigten Meldungen von Darstellungen sexuellen Missbrauchs und anderer Inhalte aus dem Bereich der Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen haben gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2023 noch einmal um fast 50 Prozent zugenommen. Von den für rechtswidrig befundenen 30.035 Inhalten im Jahr 2025 wurden alle in Deutschland gehosteten entfernt – und immerhin 98,58 Prozent aller dieser Inhalte weltweit, berichtet die Eco-Beschwerdestelle. „Selbstregulierung funktioniert“, und das auch international, betont Alexandra Koch-Skiba, die die Internet-Beschwerdestelle [2] seit Jahren leitet. Einen Grund dafür sieht sie in der internationalen Zusammenarbeit der Anbieter im „Inhope“-Netzwerk, das seit vielen Jahren den länderübergreifenden Austausch koordiniert [3]. Doch die Zahlen sind nicht nur gestiegen, der Zeitraum bis zur Löschung hat sich auch deutlich verlängert.
Die Verbreiter würden sich verschiedener Verschleierungstaktiken bedienen, um eine Auffindbarkeit der beanstandeten Inhalte für Dritte zu erschweren, erklärt Alexandra Koch-Skiba, von notwendigen Referrern über zulässige oder verbotene IP-Adressräume bis hin zu technisch ausgereifteren Verfahren. Im Regelfall würde ihr Team zwar Mittel und Wege finden, die jedoch den zeitlichen Aufwand pro Fall erhöhen würden. Auch Massenmeldungen vieler Inhalte auf einmal würden zeitliche Auswirkungen haben. Sprich: Die Fallbearbeitung dauert länger.
Die von der Beschwerdestelle veröffentlichten Daten zeigen, dass bis zur Löschung von Inhalten erstmals bei weniger als 70 Prozent der für rechtswidrig erachteten Inhalte binnen einer Woche die Löschung stattfand. „Löschen statt sperren“ und die Straftaten auch zur Anzeige zu bringen sei auch 2026 die richtige Strategie [4], meint der Geschäftsführer des Eco-Internetwirtschaftsverbands Alexander Rabe. Und sagt: „Keine Internetsperre wird Menschen aufhalten, die diesen menschlichen Abgründen folgen wollen.“ Nach vier Wochen sind laut den Zahlen eben doch fast alle Inhalte, die rechtswidrig waren, entfernt.
Dabei gibt es vor allem vier Hauptquellen für die Meldungen an die Eco-Internetbeschwerdestelle: Fast die Hälfte aller Hinweise kam von anderen Beschwerdestellen, die im Inhope-Netzwerk agieren. Die zweithäufigste Quelle ist mit über 15.000 Fällen die eigene Recherche – also weitere Inhalte, die meist beim Nachspüren nach ersten Hinweisen mitentdeckt wurden, heißt es in dem Jahresbericht der Beschwerdestelle. Über 4.000 Mal kamen Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern mit Namensnennung, 5.000 Mal wurde von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, anonyme Hinweise zu geben.
Anders als bei Fällen der Darstellungen sexuellen Missbrauchs oder verwandter Straftaten fällt die Bilanz der Meldestelle zu verfassungsfeindlichen Inhalten aus: Die Internetnutzer seien sensibilisiert und würden sich nicht scheuen, aktiv zu werden, wenn sie auf bedenkliche Inhalte stoßen, erklärt Alexandra Koch-Skiba. Doch vieles sei eben von der Meinungsfreiheit gedeckt, auch wenn es geschmacklos sei. Ganze neun Fälle tatsächlich verfassungsfeindlicher Inhalte seien es im vergangenen Jahr gewesen, die den Anbietern aus juristischer Sicht mitgeteilt worden wären, ein weiterer starker Rückgang gegenüber dem Spitzenwert von gut 150 Fällen im Jahr 2017.
Eine gründliche Prüfung sei unerlässlich, sagt Koch-Skiba, wenn es um den Umgang mit Inhalten gehe. Automatisierte Inhaltefilter seien aus ihrer Erfahrung heraus als problematisch zu erachten. Unterschiede in der Rechtslage würden dabei nicht nur bei Meinungsäußerungen oder klassisch jugendschutzrelevanten Inhalten eine Rolle spielen. Selbst bei Fragen wie Links zu Missbrauchsdarstellungen gebe es gravierende Unterschiede. Zudem gebe es schon im deutschen Recht allein Abgrenzungsproblematiken zwischen verschiedenen Tatbestandsvarianten und anderen Rechtsvorschriften. Die Internetbeschwerdestelle ist dabei bislang kein sogenannter „Trusted Flagger“, ein besonders „Vertrauenswürdiger Hinweisgeber“ unter dem Digital Services Act, dem Digitale-Dienste-Gesetz der EU.
Dessen deutscher Koordinator bei der Bundesnetzagentur Johannes Heidelberger erklärte die Unterschiede; „Bei uns kann man im Gegensatz zur Eco-Beschwerdestelle keine Inhalte melden“, erklärt Johannes Heidelberger. Der Digital Services Coordinator nehme Verstöße gegen die Vorschriften des DSA entgegen – aber nicht die Meldung zu einzelnen Inhalten.
Mit dem Digital Services Act der EU, der seit Februar 2024 für alle Anbieter gilt, wurden die Pflichten der Anbieter erstmals seit der 1995 auf den Weg gebrachten E-Commerce-Richtlinie überarbeitet. Insbesondere für große Anbieter ergaben sich daraus erweiterte Sorgfaltspflichten, wenn es etwa um das Melden und Verarbeiten von Meldungen durch Nutzer zu Inhalten Dritter gab. Das grundsätzliche Prinzip von Notice-and-Action, wie es die vom Eco betriebene Internetbeschwerdestelle mit der Benachrichtigung von Betreibern durchführt, blieb dabei jedoch unangetastet: ab Kenntnisnahme können die Anbieter auch für Inhalte Dritter haften, wenn sie auf die Meldung nicht reagieren.
Für die Anbieter mit mehr als 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern ist unter dem DSA die EU-Kommission als Aufsichtsbehörde zuständig. Die nationalen Behörden sollen als Scharnier in die jeweiligen Länder agieren, die Koordination zu Anbietern, Strafverfolgungsbehörden und anderen staatlichen Stellen leisten und zudem die kleineren Anbieter beaufsichtigen. Man habe Aufsichtsverfahren gegen Anbieter aus Deutschland durchgeführt, unter anderem im Bereich des Onlinehandels, berichtete der deutsche DSC-Leiter Johannes Heidelberger. „Wir sehen noch an vielen Stellen bei der Umsetzung des DSAs durch die Diensteanbieter Luft nach oben“, sagt Heidelberger. Er hoffe auf weitere, wegweisende Entscheidungen. „Angesichts unserer äußerst dünnen personellen Ausstattung finde ich es erstaunlich, wie viel wir geschafft bekommen.“
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[1] https://www.heise.de/thema/Digital-Services-Act
[2] https://beschwerdestelle.eco.de/
[3] https://www.heise.de/news/IT-Verbaende-wollen-verschaerft-gegen-Gewalt-im-Internet-vorgehen-62196.html
[4] https://www.heise.de/news/Provider-halten-Kinderporno-Sperren-fuer-unverhaeltnismaessig-1070689.html
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Apple hat vor kurzem ein Creator-Abo-Bundle herausgebracht. MotionVFX könnte hier eine sinnvolle Ergänzung sein.
(Bild: Apple)
Apple übernimmt mit MotionVFX einen der wichtigsten Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins. Die 70 Mitarbeiter sollen zum iPhone-Hersteller wechseln.
Apple hat die Firma MotionVFX übernommen und damit einen der größten Anbieter für Video-Effekte, Titel und Plug-ins. Viele Nutzer der Apple-Videoschnitt-Software Final Cut Pro greifen auf die Dienste des 2009 gegründeten Unternehmens zurück. Laut einigen Branchendiensten gilt MotionVFX als Marktführer in seinem Segment. Was genau Apple mit MotionVFX vorhat, lassen beide Firmen aber noch offen. Auch der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.
MotionVFX bestätigte den Kauf als Neuigkeit auf seiner Website. Das Unternehmen war laut Medienberichten vorher schon Partner von Apple. Apple selbst hat sich noch nicht dazu geäußert, was aber eine übliche Vorgehensweise des iPhone-Herstellers ist. Als im November 2024 bekannt wurde, dass Apple die Fotobearbeitungs-App Pixelmator übernimmt [1], ließ der Käufer seine Pläne zunächst auch offen. Erst vor wenigen Wochen wurde Pixelmator in das neue Creator Studio von Apple integriert [2].
Apples Abo-Bundle für Kreativinhalte könnte auch der künftige Bestimmungsort von MotionVFX werden. Bislang hat Final Cut Pro nur eine etwas umfangreichere Grundausstattung an Effekten, Einblendungen und Titeln zu bieten. MotionVFX könnte die Regale um zahlreiche Premium-Vorlagen auffüllen, die ein Abo von Final Cut gegenüber dem Einmalkauf attraktiver machen. Aktuell existieren beide Varianten: Nutzer können wahlweise die Software mieten oder kaufen.
Mit dem Kauf schmälert Apple indirekt aber auch die Attraktivität der Videoschnitt-Lösungen seiner Mitbewerber. MotionVFX bot nämlich nicht nur Erweiterungen für Final Cut Pro an, sondern auch für DaVinci Resolve und Adobe Premiere Pro. Wie beim Kauf der Wetter-App Dark Sky im Jahr 2020 [3] dürften die Angebote für die Konkurrenz mit dem Aufkauf über kurz oder lang eingestellt werden. Gegenwärtig ist noch das komplette bisherige Angebot verfügbar.
Zu MotionVFX gehören 70 Mitarbeiter, die allesamt zu Apple wechseln. Das im südpolnischen Bielsko-Biała beheimatete Unternehmen wurde von Szymon Masiak gegründet. In letzter Zeit hat es auch viele Erweiterungen mit KI-Unterstützung entwickelt, darunter KI-gestütztes Upscaling von Videos, Surface-Tracking oder automatisches 3D-Tracking. Auch dies würde gut zu Apples jüngster Strategie passen, Final Cut um Funktionen mit Machine-Learning zu ergänzen.
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[1] https://www.heise.de/news/Fotobearbeitung-Pixelmator-Apple-will-Entwickler-Team-uebernehmen-10002066.html
[2] https://www.heise.de/tests/Pixelmator-Pro-Neue-Version-fuer-Apple-Creator-Studio-im-Test-11183248.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-kauft-sich-beliebte-Wetter-App-4694561.html
[4] https://www.heise.de/mac-and-i
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Amazon S3 erlaubt jetzt kontogebundene Bucket-Namen. Das beendet Bucketsquatting bei neuen Buckets und vereinfacht die Namensvergabe in Multi-Account-Setups.
Amazon Web Services (AWS) hat Account Regional Namespaces für Amazon S3 General Purpose Buckets eingeführt. Damit können Kunden Bucket-Namen in einem reservierten Namespace pro Konto und Region erstellen – die bisher geltende global eindeutige Namensvergabe wird damit optional. Die Funktion steht seit dem 12. März 2026 in 37 AWS-Regionen bereit, darunter die Frankfurter Region eu-central-1.
Wie AWS in seinem Blog [1] erläutert, folgen die neuen Bucket-Namen dem Schema <prefix>-<account-id>-<region>-an. Ein Beispiel: mybucket-123456789012-us-east-1-an. Das Suffix aus Konto-ID, Region und dem Kürzel an wird dabei auf die maximal erlaubten 63 Zeichen des Bucket-Namens angerechnet, sodass die verfügbare Präfixlänge je nach Region variiert. Nur der jeweilige Kontoinhaber kann Buckets mit seinem Suffix erstellen – andere Konten erhalten einen entsprechenden Fehler.
AWS behebt damit ein zentrales Problem: das sogenannte Bucketsquatting (auch Bucketsniping). Dabei registrieren Angreifer gelöschte oder vorhersagbare globale Bucket-Namen, um Datenverkehr abzufangen oder Dienste zu stören. Weil viele Organisationen vorhersehbare Namenskonventionen wie myapp-us-east-1 verwenden, war das Risiko bislang hoch. Die neue Funktion verhindert dies bei neuen Buckets vollständig, da die Namen kontoexklusiv reserviert sind.
AWS stellt einen neuen Condition Key s3:x-amz-bucket-namespace bereit, mit dem Administratoren die Nutzung der Account Regional Namespaces über IAM-Policies oder Service Control Policies (SCP) erzwingen können. In Multi-Account-Setups innerhalb von AWS Organizations lässt sich so organisationsweit sicherstellen, dass nur noch kontogebundene Bucket-Namen erstellt werden. AWS empfiehlt, die neuen Namespaces standardmäßig für alle neuen Buckets zu verwenden, sofern keine zwingenden Gründe dagegen sprechen.
In der AWS-Management-Console lässt sich beim Einrichten eines Buckets „Account Regional namespace“ direkt als Namespace-Option auswählen. Über die AWS CLI legt man ein Bucket im neuen Namespace wie folgt an: aws s3api create-bucket --bucket mybucket-123456789012-us-east-1-an --bucket-namespace account-regional --region us-east-1. Für Python-Entwickler bietet AWS im Blog ein Boto3-Beispiel mit dynamischer Namensgenerierung über STS. CloudFormation unterstützt die Funktion bereits mit den Parametern BucketNamespace und BucketNamePrefix. Terraform-Support ist hingegen noch in Arbeit – ein entsprechendes GitHub-Issue wurde am 12. März 2026 eröffnet.
Bestehende S3-Buckets bleiben von der Neuerung unberührt. Eine Umbenennung vorhandener Buckets ist nicht möglich; wer migrieren möchte, muss neue Buckets im regionalen Namespace erstellen und die Daten etwa per aws s3 sync übertragen. Alle S3-Features und APIs sind mit den neuen Namespaces vollständig kompatibel, Änderungen an bestehenden Anwendungen sind laut AWS nicht nötig. Zusätzliche Kosten fallen für die Nutzung der Account Regional Namespaces nicht an.
Ausgenommen von der Verfügbarkeit sind derzeit lediglich die Regionen Middle East (Bahrain) und Middle East (UAE). Amazons Objektspeicher S3 [2] feierte erst kürzlich sein 20-jähriges Bestehen – die neuen Namespaces schließen nun eine seit Jahren bekannte Sicherheitslücke im Namenskonzept des Dienstes.
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https://www.heise.de/-11212376
Links in diesem Artikel:
[1] https://aws.amazon.com/blogs/aws/introducing-account-regional-namespaces-for-amazon-s3-general-purpose-buckets/
[2] https://www.heise.de/meinung/20-Jahre-Amazon-S3-Der-goldene-Kaefig-der-Cloud-Aera-11210784.html
[3] https://www.heise.de/ix
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Ursprünglich mit kostenpflichtiger Schiene für Unternehmen geplant, ist die Alpha-Version von Vite+ nun quelloffen erschienen.
Vite+ Alpha ist erschienen – quelloffen unter MIT-Lizenz. Der Hersteller VoidZero, der auch das quelloffene JavaScript-Build-Tool Vite entwickelt, hatte Vite+ im letzten Jahr zunächst als für Unternehmen kostenpflichtiges Angebot angekündigt. Bei Vite+ handelt es sich um ein Kommandozeilentool, das eine einheitliche Toolchain für die Webentwicklung bieten soll.
Wie VoidZero angibt, hat es sich entgegen der ersten Ankündigung im Oktober 2025 für die vollständige Open-Source-Veröffentlichung von Vite+ entschieden. Zunächst sollte Vite+ für größere Unternehmen kostenpflichtig sein [1], dagegen für individuelle Entwicklerinnen und Entwickler, Open-Source-Projekte sowie kleine Unternehmen kostenfrei. Der Hersteller begründet diesen Richtungswechsel unter anderem mit der ermüdenden Debatte darüber, welche Features kostenfrei und welche kostenpflichtig sein sollten. Auch Feedback von der Community spielte in die Entscheidung hinein.
Laut Evan You, dem Entwickler von Vue.js und Vite sowie Gründer von VoidZero, haben sich im JavaScript-Umfeld die Tooling-Komplexität und die Performance für Unternehmen zu Flaschenhälsen entwickelt [4]. An dieser Stelle soll Vite+ als einheitliche Toolchain Abhilfe schaffen, mit dem Ziel, Webentwicklung leichtgewichtiger, einfacher und schneller zu gestalten.
Vite+ ist ein Kommandozeileninterface, das die Technologien Vite, Vitest, Oxlint, Oxfmt, Rolldown, tsdown sowie den neuen Task Runner namens Vite Task kombiniert. Damit soll es das Erstellen von Webprojekten vollständig abdecken – inklusive Testing, Linting, Formatierung und Verwaltung von Runtime und Paketmanager. Zum Konfigurieren aller Tools dient eine einzige vite.config.ts-Datei im Root des Projekts.
In Vite+ können Entwicklerinnen und Entwickler Befehle wie vp env zum Verwalten von Node.js – global oder je Projekt –, vp install zum Installieren von Dependencies, vp check für das Linting mit Oxlint, das Formatieren von Code mit Oxfmt und das Type-Checking mit tsgo oder vp build für das Erstellen von Produktions-Builds mit Rolldown und Oxc verwenden.
Wie VoidZero ausführt, funktionieren alle diese Befehle out-of-the-box nahtlos miteinander und sind mit allen Frameworks im Vite-Ökosystem kompatibel, beispielsweise React, Vue oder Svelte. Die Migration auf Vite+ [5] soll am einfachsten funktionieren, wenn Entwickler bereits die kürzlich erschienene Version Vite 8.0 [6] verwenden.
Alle weiteren Details zum Alpha-Release von Vite+ sind im VoidZero-Blog zu finden [7].
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11212241
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Webentwicklung-Vite-als-einheitliche-JavaScript-Toolchain-geplant-10770073.html
[2] https://enterjs.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[3] https://enterjs.de/tickets.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[4] https://www.heise.de/news/Webentwicklung-Vite-als-einheitliche-JavaScript-Toolchain-geplant-10770073.html
[5] https://voidzero.dev/posts/announcing-vite-plus-alpha#migrating-a-project-to-vite
[6] https://www.heise.de/news/JavaScript-Build-Tool-Vite-8-0-beschleunigt-mit-Rust-basiertem-Bundler-Rolldown-11210341.html
[7] https://voidzero.dev/posts/announcing-vite-plus-alpha
[8] mailto:mai@heise.de
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Apple hat vor kurzem ein Creator-Abo-Bundle herausgebracht. MotionVFX könnte hier eine sinnvolle Ergänzung sein.
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Apple übernimmt mit MotionVFX einen der wichtigsten Anbieter für Video-Effekte und Plug-ins. Die 70 Mitarbeiter sollen zum iPhone-Hersteller wechseln.
Apple hat die Firma MotionVFX übernommen und damit einen der größten Anbieter für Video-Effekte, Titel und Plug-ins. Viele Nutzer der Apple-Videoschnitt-Software Final Cut Pro greifen auf die Dienste des 2009 gegründeten Unternehmens zurück. Laut einigen Branchendiensten gilt MotionVFX als Marktführer in seinem Segment. Was genau Apple mit MotionVFX vorhat, lassen beide Firmen aber noch offen. Auch der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.
MotionVFX bestätigte den Kauf als Neuigkeit auf seiner Website. Das Unternehmen war laut Medienberichten vorher schon Partner von Apple. Apple selbst hat sich noch nicht dazu geäußert, was aber eine übliche Vorgehensweise des iPhone-Herstellers ist. Als im November 2024 bekannt wurde, dass Apple die Fotobearbeitungs-App Pixelmator übernimmt [1], ließ der Käufer seine Pläne zunächst auch offen. Erst vor wenigen Wochen wurde Pixelmator in das neue Creator Studio von Apple integriert [2].
Apples Abo-Bundle für Kreativinhalte könnte auch der künftige Bestimmungsort von MotionVFX werden. Bislang hat Final Cut Pro nur eine etwas umfangreichere Grundausstattung an Effekten, Einblendungen und Titeln zu bieten. MotionVFX könnte die Regale um zahlreiche Premium-Vorlagen auffüllen, die ein Abo von Final Cut gegenüber dem Einmalkauf attraktiver machen. Aktuell existieren beide Varianten: Nutzer können wahlweise die Software mieten oder kaufen.
Mit dem Kauf schmälert Apple indirekt aber auch die Attraktivität der Videoschnitt-Lösungen seiner Mitbewerber. MotionVFX bot nämlich nicht nur Erweiterungen für Final Cut Pro an, sondern auch für DaVinci Resolve und Adobe Premiere Pro. Wie beim Kauf der Wetter-App Dark Sky im Jahr 2020 [3] dürften die Angebote für die Konkurrenz mit dem Aufkauf über kurz oder lang eingestellt werden. Gegenwärtig ist noch das komplette bisherige Angebot verfügbar.
Zu MotionVFX gehören 70 Mitarbeiter, die allesamt zu Apple wechseln. Das im südpolnischen Bielsko-Biała beheimatete Unternehmen wurde von Szymon Masiak gegründet. In letzter Zeit hat es auch viele Erweiterungen mit KI-Unterstützung entwickelt, darunter KI-gestütztes Upscaling von Videos, Surface-Tracking oder automatisches 3D-Tracking. Auch dies würde gut zu Apples jüngster Strategie passen, Final Cut um Funktionen mit Machine-Learning zu ergänzen.
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[1] https://www.heise.de/news/Fotobearbeitung-Pixelmator-Apple-will-Entwickler-Team-uebernehmen-10002066.html
[2] https://www.heise.de/tests/Pixelmator-Pro-Neue-Version-fuer-Apple-Creator-Studio-im-Test-11183248.html
[3] https://www.heise.de/news/Apple-kauft-sich-beliebte-Wetter-App-4694561.html
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Bild: Ansgar Scheffold auf Unsplash
Bürger beraten über politische Entscheidungen. Mehrere Tage diskutieren sie konkrete Probleme. Gewählt wird hier niemand. Die Teilnehmer werden ausgelost.
Eine Polemik, die in kaum einer Diskussion um Bürgerräte fehlt, ist der Verweis darauf, das Sowjet-System sei gescheitert, weshalb man keine neuen Versuche mit "Räten" brauche. Denn "Sowjet" ist eben der russische Begriff für Rat.
Doch mit Arbeiter- und Soldatenräten haben Bürgerräte so wenig zu tun wie der Deutsche Bundesrat (die sogenannte Länderkammer in der Gesetzgebung), der Schweizer Bundesrat (Regierung) oder ein Landrat (oberster Kommunalbeamter).
Bürgerräte werden zu einer konkreten Frage einberufen. Diese Frage stammt meist aus Politik oder Verwaltung, etwa zur Neugestaltung einer Brachfläche, Renovierung oder Neubau einer Schule oder zur lokalen Umsetzung von Klimaschutz.
Anders als bei Bürgerentscheiden können die Menschen hier nicht nur Ja oder Nein sagen. Sie beschäftigen sich stattdessen intensiv mit allen Vorschlägen, diskutieren Vor- und Nachteile, Wirkungen und Nebenwirkungen, Wünsche oder Befürchtungen von Betroffenen, um am Ende gut informiert und im Wissen um ihre Stellvertreterrolle eine Entscheidung vorzuschlagen.
Denn die Mitglieder eines Bürgerrats werden nicht gewählt, sondern ausgelost. Bei kommunalen Bürgerräten sind dies in der Regel alle wahlberechtigten Bürger, teilweise aber auch alle Einwohner ab einem bestimmten Alter (z.B. ab 14 oder 16). Dazu werden softwaregestützt die Meldedaten genutzt.
Für landes- oder bundesweite Bürgerräte werden aus Gründen der Praktikabilität zumeist zunächst einige Kommunen oder Bezirke per Los bestimmt, aus denen dann wiederum jeweils eine bestimmte Zahl an Mitgliedern für das Verfahren gelost wird.
Weil damit alle Einwohner (im entsprechenden Alter) dieselbe Chance auf Auslosung haben und somit alle Teilnehmer ohne eigene Leistung in den Bürgerrat gelangt sind, verstehen sich fast alle tatsächlich als Vertreter der gesamten Bürgerschaft.
Da die Teilnahme nicht verpflichtend ist, müssen immer mehr Bürger eingeladen werden, als tatsächlich benötigt werden. Um hier Verzerrungen zu minimieren, werden zum Teil mit der Bereitschaftserklärung zur Mitwirkung ein paar sozio-ökonomische Daten erhoben, die potentiellen Mitglieder danach gruppiert und aus diesen Gruppen dann in den tatsächlichen Gesellschaftsverhältnissen entsprechenden Quoten erneut ausgelost.
Um eine möglichst hohe Zusagequote zu erreichen, muss die Teilnahme an einem Bürgerrat attraktiv und möglichst jedem Ausgelosten möglich sein. Dazu gehören die Zahlung einer Aufwandsentschädigung bzw. die Kompensation von Einkommensausfall, Kinderbetreuung, benötigte Assistenzdienste und anderes mehr.
Im Ergebnis entsprechen solche Bürgerräte in ihrer Zusammensetzung dann wesentlich mehr der Vielfalt ihrer Region, als dies bei anderen Bürgerbeteiligungsverfahren oder auch gewählten Gremien der Fall ist.
Der Ablauf von Bürgerräten ist bisher nicht kodifiziert. Anders als bei der wesentlich älteren, ähnlichen Methode "Planungszelle" nach Peter Dienel, die sehr standardisiert [1] ist, firmieren unter dem Begriff Bürgerrat eine Vielzahl von Verfahren [2].
Vor allem die medial besonders beachteten Bürgerräte orientierten sich bisher an Citizens' Assemblies aus Irland mit einer Teilnehmerzahl von etwa 160 Bürgern, die Fachinformationen vor allem im Plenum erhalten und dann in moderierten Kleingruppen Detailfragen beraten.
Während bei Planungszellen alle Kleingruppen (dort stets fünf Personen und immer ohne Moderation) parallel dieselben Fragen diskutieren, werden bei Bürgerräten häufig verschiedene Details parallel verhandelt, wobei sich die Teilnehmer manchmal sogar selbst für eine sie besonders interessierende Themengruppe entscheiden können.
Bürgerräte dauern in der Regel mehrere Tage, oft aufgeteilt auf zwei oder mehr Wochenenden, wobei zumindest einzelne Parts auch digital stattfinden können.
Mit der Organisation und Durchführung sollte eine entsprechende Firma für Beteiligungsverfahren beauftragt werden. Dies sichert nicht nur die fachliche Qualität, sondern auch die Unabhängigkeit, die bezweifelt werden kann, wenn beispielsweise eine Stadtverwaltung, die beraten werden soll, selbst Regie führt.
Zu den wesentlichen Aufgaben einer solchen Firma (technisch "Durchführungsträger" genannt) gehört die Programmplanung eines Bürgerrats, also die Übersetzung der gestellten Frage in handhabbare Beratungseinheiten von etwa anderthalb Stunden, die Suche nach und Einladung von Referenten (Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter, Betroffene) oder die Aufbereitung von weiteren benötigten Informationen, was auch Exkursionen beinhalten kann.
Auch der Einladungsprozess und die gesamte Organisation der Rahmenbedingungen - von der Verpflegung bis zu Fahr- und Betreuungsdiensten - obliegt diesem Durchführungsträger. Entsprechend teuer sind solche Bürgerräte.
Herzstück von Bürgerräten wie allen anderen aleatorischen Bürgerbeteiligungsverfahren sind die Gespräche in den Kleingruppen, für die auch die weitaus meiste Zeit zur Verfügung steht. Denn hier tauschen sich eben Menschen miteinander aus, die in einer solchen Konstellation sonst kaum einmal zusammentreffen.
Schüler und Rentner, Analphabeten und Professoren, AfD- und Grünen-Anhänger können hier an einem Tisch sitzen und ihre gegebenenfalls sehr unterschiedlichen Sichtweisen darlegen. In den üblichen Befragungen der Teilnehmer nach einem Bürgerrat im Rahmen einer Evaluation wird gerade dieser Austausch außerhalb des üblichen Sozialkreises als besonders bereichernd betont.
Selbst in einer reinen Gruppe Jugendlicher [3], die sich aber aus allen Bildungsschichten zusammensetzte, wurde diese gesellschaftliche Vielfalt von zahlreichen Teilnehmern als neue und gewinnbringende Erfahrung bezeichnet.
Um in den Beratungsgruppen mit fünf bis zehn Bürgern keine Hierarchien entstehen zu lassen und immer wieder neue Sichtweisen zu ermöglichen, werden diese während eines Bürgerrats immer wieder neu per Los oder nach einem Tauschschema zusammengesetzt.
Die Begleitforschung zeigt, dass auch ohne Moderation durch dieses Verfahren jeder angemessen zu Wort kommt, potentielle Vielredner von den übrigen Mitgliedern einer Kleingruppe gebremst werden und selbst Schüchterne das Wort ergreifen.
Denn hier sind keine Fensterreden möglich, stattdessen gibt es einen Austausch auf Augenhöhe. Da jede Gesprächseinheit unter einer neuen Frage- oder Aufgabenstellung steht, gibt es auch weder Möglichkeit noch Notwendigkeit, eine bereits gefasste Meinung von Runde zu Runde neu zu vertreten, wie dies in parteipolitischen Prozessen üblich ist.
Nach mehreren Tagen des Austauschs wird am Ende eines Bürgerrats zusammengetragen, worauf man sich gemeinsam verständigen konnte. Diese Empfehlungen werden dann zusammen mit der Dokumentation des gesamten Prozesses in einem sogenannten Bürgergutachten zusammengefasst (siehe beispielsweise das Gutachten [4] zum "Bürgerrat Demokratie [5]").
Die Ergebnisse von Bürgerräten sind für Politik und Verwaltung zwar nicht bindend. Doch aufgrund des Aufwands und der öffentlichen Wahrnehmung müssen Politiker schon überzeugend begründen, wenn sie deutliche Empfehlungen eines von ihnen selbst beauftragten Bürgerrats in ihre weiteren Arbeit nicht berücksichtigen wollen.
Allerdings sind Bürgerräte ohnehin gerade bei Fragen sinnvoll, in denen sich die Politik zuvor nicht einig geworden ist. Dann vergibt sich keine Partei etwas, wenn sie sagt: Wir machen es jetzt so, wie es die ausgelosten Bürger vorgeschlagen haben.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11211762
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.oekom.de/buch/die-qualitaet-von-buergerbeteiligungsverfahren-9783865812476
[2] https://www.aleatorische-demokratie.de/buergerrat-buergerparlament-und-andere-begriffe-aleatorischer-demokratie/
[3] https://www.aleatorische-demokratie.de/youth-citizens-jury/
[4] https://www.aleatorische-demokratie.de/gutachten-des-buergerrats-demokratie-veroeffentlicht-podcast-erschienen/
[5] https://www.telepolis.de/article/Buergerrat-Demokratie-Informieren-diskutieren-abstimmen-4545026.html
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(Bild: monticello, shutterstock)
Nicht jedes Fett macht krank. Welche Fette wirklich schaden und welcher Küchenfehler selbst gesundes Öl gefährlich macht.
Fette haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als verantwortlich für Übergewicht und Herzkrankheiten. Doch Fachleute sind sich einig: Fett ist lebensnotwendig. Die Frage ist nicht, ob wir Fett essen sollen, sondern welches.
Fett erfüllt im Körper zahlreiche wichtige Aufgaben. Es liefert Energie, schützt Organe wie die Nieren als Polster und isoliert den Körper gegen Kälte. Ohne Fett können die Vitamine A, D, E und K gar nicht erst verdaut werden. Diese fettlöslichen Vitamine sind für Sehkraft, Knochenaufbau und Immunsystem unverzichtbar.
Zudem benötigt der Körper Fett für den Aufbau von Zellmembranen. Bestimmte Fettsäuren kann der Mensch nicht selbst herstellen – sie müssen daher zwingend über die Nahrung aufgenommen werden.
Und Fett ist ein wichtiger Geschmacksträger: Eine Gemüsesuppe mit einem Klecks Sahne schmeckt viel besser als ohne.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt [1] Erwachsenen, höchstens 30 Prozent der täglichen Energie in Form von Fett aufzunehmen. Bei einem Energiebedarf von 2000 Kilokalorien entspricht das zwischen 60 und 80 Gramm Fett pro Tag. Tatsächlich essen viele Menschen in Deutschland jedoch deutlich mehr.
Das ist ok, solange die Gesamtenergiezufuhr stimmt und kein Übergewicht droht. Entscheidend ist vor allem die Zusammensetzung der Fette. Ernährungsmedizinerin Silja Schäfer sagt dazu [2]: "Der große Nachteil bestimmter gesättigter Fette ist, dass sie den Cholesterinspiegel stark ansteigen lassen, wenn wir zu viel davon zu sich nehmen. Sie können so ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen."
Fette bestehen aus verschiedenen Fettsäuren. Es gibt gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Gesättigte Fettsäuren sind überall mit Wasserstoffatomen besetzt – sie sind "satt". Ungesättigte Fettsäuren haben dagegen freie Stellen in ihren Molekülketten.
Gesättigte Fettsäuren kommen überwiegend in tierischen Lebensmitteln vor: in Butter, Sahne, Schweineschmalz, Fleisch und Wurstwaren. Auch Kokosfett enthält viele gesättigte Fettsäuren. Diese Fette sind bei Raumtemperatur meist fest und lassen sich hoch erhitzen – das macht sie zum Braten oder Frittieren geeignet.
Ungesättigte Fettsäuren gelten [3] als gesünder für das Herz, den Blutdruck und das Immunsystem. Sie sind bei Raumtemperatur in der Regel flüssig und kommen vor allem in pflanzlichen Ölen wie Raps- oder Olivenöl vor. Sie tragen dazu bei, den Cholesterinspiegel zu senken und Entzündungen im Körper zu reduzieren.
Ungesättigte Fettsäuren wirken sich positiv auf den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und das Immunsystem aus. Sie vermindern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders wertvoll sind die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in Leinsamen und Fisch enthalten sind.
Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren gehören Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen – sie sind essenziell. Die Alpha-Linolensäure, eine Omega-3-Fettsäure, steckt in Lein-, Raps- und Walnussöl. Die Omega-6-Fettsäure Linolsäure findet sich in Sonnenblumen-, Soja- und Maiskeimöl sowie in Margarine.
Linolsäure ist zwar essenziell, zu viel davon schadet dem Körper aber und kann Entzündungen fördern. Deshalb empfehlen Ernährungswissenschaftler heute zum Kochen vermehrt Omega-3-haltiges Rapsöl statt Sonnenblumenöl. Die sogenannte Omega-Balance zwischen Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren ist wohl entscheidend für Immunprozesse im Körper.
Omega-3-Fettsäuren sind auch in fettreichen Seefischen wie Hering, Makrele und Lachs enthalten. Heimische Fische wie Saibling liefern ebenfalls diese wertvollen Fettsäuren.
Besonders problematisch sind sogenannte Transfette. Sie entstehen, wenn ungesättigte Fettsäuren industriell hoch verarbeitet sowie stark oder mehrfach erhitzt werden, etwa beim Backen oder Frittieren. In diversen Fertiggerichten und Fast Food wie Burgern oder Pommes frites stecken Transfette.
Transfette erhöhen den Cholesterinspiegel und können dadurch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Wenn dauerhaft zu viel LDL-Cholesterin im Blut ist, nimmt das Risiko für Ablagerungen an den Gefäßwänden, die sogenannte Arteriosklerose, zu. Damit steigt die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Transfette können auch ungewollt in der eigenen Küche entstehen, wenn hitzeempfindliche ungesättigte Fette – etwa Olivenöl – beim Braten oder Frittieren zu stark erhitzt werden. Sie stehen außerdem im Verdacht, den Appetit auf Ungesundes zu steigern.
Transfette kommen jedoch auch natürlicherweise [4] in Milch und Fleisch von Wiederkäuern vor. Im Pansen dieser Tiere wandeln Mikroorganismen Fettsäuren aus der Nahrung um. Deshalb enthalten Milchfett sowie das Depotfett von Wiederkäuern nennenswerte Mengen an Transfetten.
Deren chemische Struktur unterscheidet sich allerdings von industriellen Transfetten.
In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren die Gehalte an Transfetten in Lebensmitteln deutlich reduziert. Margarine enthielte Mitte der 1990er Jahre durchschnittlich 17 bis 22 Prozent Transfette, 2008 waren es weniger als zwei Prozent. Auch in industriell hergestellten Backwaren, Knabberartikeln und Kartoffelchips liegen die Mengen bezogen auf den Gesamtfettgehalt heute meist unter zwei Prozent.
In der Europäischen Union gilt seit einigen Jahren ein Grenzwert: Lebensmittel, die für den Endverbraucher bestimmt sind, dürfen maximal zwei Gramm industrielle Transfette pro 100 Gramm Fett enthalten.
Beim Braten und Frittieren werden hohe Temperaturen bis zu 180 Grad Celsius erreicht. Daher ist es wichtig, hitzestabiles Öl oder Fett zu verwenden. Raffiniertes Rapsöl etwa ist eine gute Wahl. Es enthält weniger freie Fettsäuren als kaltgepresstes, was zu einem höheren Rauchpunkt führt.
Der Rauchpunkt ist die Temperatur, bei der Öle oder Fette unter Hitzeeinwirkung zu rauchen beginnen. Raucht Öl beim Braten, können unerwünschte Nebenprodukte in der Pfanne landen. Für das Braten mit hohen Temperaturen eignen sich auch hitzebeständige Fette wie Butterschmalz oder natives Kokosöl. I
In der kalten Küche, etwa für Salate, sollte man zu Leinöl oder Nussölen greifen. Kaltgepresstes Öl hat oft einen ausgeprägteren Geschmack und kann bestimmten Gerichten ein gewünschtes Aroma verleihen. Raffiniertes Öl ist dagegen weitgehend geruchs- und geschmacksneutral.
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sind kalt gepresstes und raffiniertes Öl fast gleichwertig. Beide weisen ein fast identisches Fettsäuremuster auf. Kaltgepresstes Öl punktet in der Regel beim Gehalt an Vitamin E. Bei der Verarbeitung werden Öle aus Pflanzensamen extrahiert und gereinigt. Dabei werden unerwünschte Stoffe, aber auch Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Aromastoffe entfernt.
Butter und Margarine enthalten beide ungefähr 80 Prozent Fett und liefern etwa 750 Kilokalorien pro 100 Gramm. Daher sollten sie sparsam verwendet werden. Butter verfügt über reichlich gesättigte Fettsäuren. Margarine, insbesondere aus Raps- oder Sojaöl, enthält mehr ungesättigte Fettsäuren und moderne Margarinen enthalten durch neue Herstellungsverfahren kaum noch Transfette.
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[1] https://www.dge.de/blog/2023/fett-in-der-ernaehrung-fakten-rund-um-die-bedeutung-von-fett-fuer-den-koerper/
[2] https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gute-Fette-schlechte-Fette-Welche-sind-gesund,gutefette100.html
[3] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/info/fette.html
[4] https://www.dge.de/wissenschaft/fachinformationen/trans-fettsaeuren-und-die-gesundheit/
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Maschinelle Hanfernte in Frankreich
Baumwolle frisst Wasser, Hanf wächst fast von selbst. Doch die Superfaser war jahrzehntelang verboten. Was steckt dahinter?
Baumwolle ist eine beliebte Faser für die Herstellung von Bekleidungsstoffen. Sie wird jedoch in Deutschland aus klimatischen Gründen nicht kommerziell angebaut, denn die Pflanze benötigt viel Wärme und eine lange, frostfreie Zeit, um ihre Kapseln auszubilden.
Zudem gilt sie als extrem wasserintensiv. So sollen für Ein Kilogramm Baumwolle im Schnitt etwa 11.000 Liter Wasser verbraucht werden.
Die Produktion eines T-Shirts soll auf dieser Berechnungsgrundlage rund 2.700 Liter Wasser [1] benötigen. Der Anbau in trockenen Regionen erfordert massive, oft umweltschädliche Bewässerung und zusätzlich durch die Weiterverarbeitung durch Färben und Bleichen. Die Spitzenreiter beim Wasserverbrauch sind jedoch die Jeans.
Für die Produktion, Veredelung und Färbung einer einzigen Jeans werden laut Epson- [2]Studie durchschnittlich etwa 18.000 Liter Wasser benötigt. Ähnlich hoch ist der Wasserverbrauch bei Hoodies mit 14.364 Litern.
Es folgen Hemden und Blusen mit 12.863 Litern und Jacken mit 11.672 Litern. Wie die aktuelle Studie von Epson ermittelt hat, berichteten in Deutschland 77 Prozent der Befragten, dass sie sich mit dem Thema Wasserfußabdruck noch nie auseinandergesetzt haben.
Die oft im Zusammenhang mit dem Wasserbedarf des Baumwollanbaus in Verbindung gebrachte Austrocknung des Aralsee wird heute meist auf die wenig umweltfreundliche Wirtschaftsweise der Sowjetunion zurückgeführt. Hauptanbaugebiete für Baumwolle sind Indien, China, USA, Pakistan und Usbekistan und da oft Gebiete mit ausgeprägter Wasserknappheit.
Zu den Nachteilen der Baumwolle zählt, dass sie leicht knittert. Daher wird sie oft mit synthetischen Fasern in sogenannten Mischgeweben [3] verarbeitet. Diese wiederum lassen sich mechanisch kaum wieder nach Materialien auftrennen und somit nur schlecht recyclen. Hier bleibt nur das aufwendigere chemische Recycling.
Die Kosten dafür [4] werden auf kurz oder lange den Herstellern auferlegt werden. In der Folge könnten umweltfreundlichere Textilien hierzulande zum Einsatz kommen.
Und in diesem Zusammenhang beginnt man sich auch in Deutschland wieder an einen Textilrohstoff zu erinnern, der bis vor knapp 100 Jahren sich großer Beliebtheit erfreute und dann vor allem juristisch gegen die Kunstfasern verlor.
Mit dem Aufkommen synthetischer Fasern und der Kunststoffindustrie auf Erdölbasis wurde Hanf als Konkurrenz angesehen. Die Verbotshistorie von Nutzhanf ist sehr eng mit der Entwicklung dieser Kunstfaser- und Kunststoffindustrie verbunden. Hanf galt als Konkurrenzprodukt zu neuartigen synthetischen Materialien, die in den 1930er Jahren aufkamen.
Mit dem Marihuana Tax Act von 1937, bei dem es sich offiziell um ein Steuer- und Registrierungsgesetz handelte, wurden nicht nur die Weichen für die weltweite Drogen-Politik gestellt, sondern auch die Verdrängung der Hanffasern eingeläutet.
Harry Anslinger, der erste Leiter des Federal Bureau of Narcotics (FBN) von 1930 bis 1962, war nicht nur der Architekt der Cannabis-Prohibition. Seine Arbeit prägte den frühen amerikanischen "War on Drugs", der als Kollateralschaden auch den Nutzhanfanbau verbot, weil sich die Pflanzen nicht so einfach von einander unterscheiden ließen.
Das Verbot betraf Nutzhanf, also Faserhanf mit unter 0,3 Prozent THC-Gehalt, obwohl dieser keine Rauschwirkung hat. Dennoch fiel der Nutzhanf beispielsweise in Deutschland von 1982 bis 1995 unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG [5]), um den Missbrauch von Cannabis als Rauschmittel zu unterbinden.
Moderne Nutzhanfsorten sind jedoch THC-arm und seit Mitte der 1990 mit Auflagen wieder legalisiert, da Landwirtschaft und Industrie ein starkes Interesse an dem vielseitigen Rohstoff haben.
Mit Wirkung zum 16. April 1996 wurde dann auch in Deutschland das seit 1982 im Betäubungsmittelgesetz bestehende pauschale Hanfanbauverbot für den Nutzhanf aufgehoben. Daher unterliegt die Aufsicht über den Hanfanbau heute nicht dem Justizministerium, sondern dem Gesundheits- oder dem Landwirtschaftsministerium.
Der Nutzhanfanbau ist in Deutschland streng reglementiert [6] und es werden nur 17 Sorten angebaut, deren Samen größtenteils aus Frankreich kommen, wo der Anbau nicht verboten war.
Auf den ersten Blick spricht vieles für den Nutzhanf und letztlich gegen die Baumwolle als Textilfaser. Sein ökologischer Fußabdruck ist vor allem wegen seines geringeren Wasserverbrauchs viel kleiner, der Ertrag pro Hektar dafür viel größer.
Zudem ist kaum eine andere Pflanze so universell nutzbar wie der sehr reißfeste Hanf. Man kann daraus neben Kleidung, Nahrung, Heilmitteln, Ölen, Papier, Baustoffen sogar Energie gewinnen. Und er kommt anders als Baumwolle gänzlich ohne Chemie aus. Ja es gibt in der Europäischen Union nicht einmal Pflanzenschutzmittel, die für den Hanfanbau zugelassen wären.
Doch so einfach sich der Nutzhanf auch hierzulande anbauen lässt, so schwierig ist seine Weiterverarbeitung verglichen mit Baumwolle. Denn das Wissen um die Hanfverarbeitung ist während des Hanfverbots verloren gegangen und der Hanf hat wie Leinen Bastfasern und deren Gewinnung ist sehr arbeitsintensiv.
Wenn Deutschland den Anbau von Nutzhanf und seine Verarbeitung nicht fördern will und damit hilft, eine Alternative zu den wenig umweltfreundlichen Kunstfasern zu etablieren, wird auch dieser Bereich seine Heimat in China finden, wo schon heute die Hanftextilien etabliert sind.
China ist heute der weltweit führende Produzent von Hanftextilien und investiert massiv in die Entwicklung feinerer Hanffasern.
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[1] https://klassewasser.de/content/language1/html/9252.php
[2] https://press.epson.eu/de/news/deutsche-kleiderschraenke-verbrauchen-696-074-liter-wasser/#:~:text=Deutsche%20Kleiderschr%C3%A4nke%20verbrauchen%20696.074%20Liter%20Wasser%20D%C3%BCsseldorf%2C,f%C3%BCr%20die%20Herstellung%20aller%20Kleidungsst%C3%BCcke%20in%20einem
[3] https://www.verbraucherzentrale-hessen.de/plastiksparen/mikroplastik-aus-kunstfaser-kleidung-53227
[4] https://www.telepolis.de/article/Baumwollrecycling-Innovative-Technologien-fuer-nachhaltige-Textilwirtschaft-10235170.html
[5] https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/
[6] https://www.ble.de/DE/Themen/Landwirtschaft/Nutzhanf/nutzhanf_node.html
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(Bild: KI / heise medien)
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[1] https://www.heise.de/news/1Password-erhoeht-Abopreise-deutlich-11188959.html
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Die Ukraine wehrt jede Nacht russische Drohnen ab – jetzt wird dieses Know-how zum Handelsgut für Geld und Technologie.
Es gibt wohl kein Land, das so viel Erfahrung im Krieg mit Drohnen hat, wie die Ukraine und Russland. Und es ist diese Erfahrung, die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jetzt als diplomatisches Kapital nutzen möchte.
Laut Reuters erklärte er [1] gegenüber Reportern, dass Kiew drei Spezialteams in den Nahen Osten entsandt hat. Einmal nach Katar, dann in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi-Arabien und zu einem US-Stützpunkt in Jordanien.
Dort sollen sie zeigen, wie Drohnenabwehrsysteme gegen iranische Kamikaze-Drohnen funktionieren und effektiv angewandt werden können.
Es ist aber nicht Altruismus, der die Regierung in Kiew dazu veranlasst hat. Vielmehr erhofft man sich für die Dienste Geld und Technologie als Gegenleistung.
"Für uns sind heute sowohl die Technologie als auch die Finanzierung wichtig", sagte Selenskyj. Er betonte, dass langfristige Drohnenabkommen mit den Golfstaaten verhandelt werden könnten.
Die genaue Gegenleistung stehe bisher nicht fest. "Es geht hier nicht darum, an Operationen beteiligt zu sein. Wir befinden uns nicht im Krieg mit dem Iran", stellte er klar.
Die Golfstaaten setzen große Mengen teurer Luftabwehrraketen gegen iranische Shahed-Drohnen ein. Die Ukraine hingegen schießt jede Nacht russische Drohnen mit günstigeren Mitteln ab – darunter kleinere Abfangdrohnen und elektronische Störgeräte.
Dieses Know-how weckt internationales Interesse: Laut Selenskyj baten auch die USA, europäische und afrikanische Staaten um Unterstützung. US-Präsident Donald Trump erklärte allerdings, Washington brauche keine ukrainische Hilfe beim Abschuss von Drohnen.
Selenskyj kritisierte zudem, dass einige ukrainische Unternehmen und ausländische Regierungen versucht hätten, Geschäfte mit Anti-Drohnen-Ausrüstung ohne Zustimmung aus Kiew abzuschließen.
Einen geplanten Drohnenvertrag mit den USA im Wert von 35 bis 50 Milliarden Dollar habe Washington bislang nicht unterzeichnet.
Gleichzeitig sorgt sich Kiew um die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die eigenen Luftabwehrbestände und den Friedensprozess. "Wir würden es sehr bedauern, wenn sich die Vereinigten Staaten wegen des Nahen Ostens von der Ukraine-Frage abwenden würden", sagte Selenskyj.
Die Befürchtung ist nicht unbegründet: Die für Anfang März geplante Verhandlungsrunde in Abu Dhabi fiel nach den völkerrechtswidrigen US-amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran aus.
Ein neuer Termin steht nicht fest. Washington schlug ein Treffen in den USA vor, doch Russland lehnte den Ort ab.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bestätigte gegenüber der [2] Financial Times: "Es ist klar, dass Amerikas Aufmerksamkeit derzeit auf den Nahen Osten gerichtet ist".
Moskau zieht derweil Vorteile aus der Situation. Steigende Ölpreise durch den Iran-Krieg bescheren dem Kreml laut EU-Diplomaten zusätzliche Einnahmen von bis zu 150 Millionen Dollar pro Tag.
Gleichzeitig lockerten die USA Sanktionen und ihren Druck auf Indien, kein russisches Öl zu kaufen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow räumte die Gesprächspause ein: "Die Amerikaner haben andere Prioritäten, und das ist verständlich".
Europäische Staats- und Regierungschefs versuchen gegenzusteuern. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing Selenskyj in Paris, um dem "Eklipse-Effekt" des Iran-Kriegs entgegenzuwirken.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz warb im Weißen Haus für stärkeren Druck auf Moskau – Trump zeigte sich jedoch wenig gesprächsbereit.
Auf dem Schlachtfeld sieht Selenskyj die Lage dennoch nicht aussichtslos. Das ukrainische Militär gehe davon aus, dass eine geplante russische Frühjahrsoffensive "bereits gescheitert" sei.
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[1] https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/zelenskiy-says-ukraine-wants-money-technology-return-middle-east-drone-help-2026-03-15/
[2] https://www.ft.com/content/c4fa2378-516b-4689-a4cf-69163ff2d31a
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Naturschützer warnen: Weniger Wölfe könnten die Zahl der Nutztierrisse sogar erhöhen – und das neue Gesetz ist rechtlich umstritten.
Damit Wölfe künftig leichter bejagt werden können, sollen diese in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden [1]. So lautet der jüngste Beschluss des Bundestages. Auch wenn die Rückkehr des Wolfes in Deutschland als Erfolg der Artenschutzpolitik gelte, gebe es wegen dessen zunehmender Ausbreitung immer mehr Konflikte zwischen Wölfen und Nutztieren, so die Begründung.
"Bis zum Almauftrieb ist der Wolf im Jagdgesetz", glaubt Bundesagrarminister Alois Raine [2]r (CSU). Der Almauftrieb findet im Allgäu von Mitte Mai bis Juni statt. Bislang durften nur mit Sondergenehmigung und unter bestimmten Auflagen einzelne Problemwölfe erlegt werden.
Die EU-Staaten hatten den Schutzstatus des Wolfes im Sommer 2025 bereits von "streng geschützt" auf "geschützt" gesenkt und so die Voraussetzung für Änderungen im Jagdrecht geschaffen. Die neue Regelung soll es nun ermöglichen, sogenannte Problemwölfe abzuschießen.
Besonders in Rheinland-Pfalz wurde in den vergangenen Monaten immer wieder Damwild sowie Schafe und Ziegen gerissen – so etwa im Kreis Kusel [3]oder in Bad Kreuznach [4]. Allein in der nördlichen Landeshälfte waren 55 Weidetiere – durch Angriffe von Wölfen verletzt worden, einige so schwer, dass sie geschlachtet werden mussten.
Allerdings waren die meisten Tiere nicht durch spezielle, wolfsabweisende Schutzzäune abgesichert. Weitere zwölf Weidetiere waren nach Wolfsangriffen verschwunden, wie aus den Daten [5] des Koordinationszentrums Luchs und Wolf (Kluwo) hervorgeht.
Die meisten Wolfsangriffe gab es jedoch im Kreis Neuwied, im Kreis Altenkirchen und im Westerwaldkreis. Dort leben drei Wolfsrudel, die in diesem Jahr alle Nachwuchs bekamen. Auch im Rhein-Lahn- oder Rhein-Hunsrück-Kreis ziehen immer wieder einzelne Wölfe durch.
Im hessischen Driedorf wurden letztes Jahr um die Weihnachtszeit sieben tote Schafe auf einer Weide entdeckt. Der elektrisch geladene Schutzzaun, der am Tag zuvor noch überprüft worden war, sei an mehreren Stellen zerfetzt gewesen [6], wie Schäfer berichten.
Ein Wolf war bereits zum Abschuss freigegeben worden, weil er zweimal innerhalb kurzer Zeit einen Schutzzaun überwunden und Weidetiere getötet hatte. Doch mit Klage der Naturschutzinitiative [7] e. V. (NI) mit Sitz im Westerwald wurde die Abschussgenehmigung durch das Verwaltungsgericht Koblenz im Dezember 2024 kurzfristig gestoppt.
Wolfsrisse sind für die Tierhalter auch psychisch enorm belastend, betont Werner Neumann, Vorsitzender des Landesverbands der Schaf- und Ziegenhalter in Rheinland-Pfalz. Der Anblick getöteter, zerrissener oder halb toter Tiere sei für die Schäfer nicht leicht zu ertragen.
Auch in der Uckermark wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Wolfsrisse gezählt. Waren es 2023 noch rund hundert Nutztiere betroffen, waren es 2024 bereits etwa doppelt so viele. Im Laufe des letzten Jahres waren die Zahlen wieder etwas zurückgegangen. In diesem Jahr seien Abschüsse zwar genehmigt, jedoch noch nicht durchgeführt worden.
Es gehe nicht darum, "wahllos Wölfe zu schießen", wie Frank Bretsch, Vize-Landrat der Uckermark, betont. [8] Man wolle nur sogenannte schadensstiftende Wölfe töten – solche, die es gelernt hätten, wolfsabweisende Maßnahmen zu überwinden. Nach der neuen Regelung darf die Kreisverwaltung nun eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss erteilen.
Thomas Volpers, Vizevorsitzender des BUND Brandenburg, hält die geplante Entnahme einzelner Wölfe für eine nachvollziehbare "Verzweiflungstat". Auch wenn er davon überzeugt ist, dass ein Abschuss die Sozialstruktur der Rudel gefährdet. Herdenschutz allein reiche jedoch nicht immer aus. Eine pauschale Abschussquote lehnt er zwar ab, hält aber einzelne Entnahmen – ähnlich wie beim Biber [9] für praktikabel.
Der aktuelle Gesetzesentwurf verstoße nicht nur gegen EU-Recht, er sei auch "handwerklich defizitär und damit streitträchtig", erklärt der Nabu [10], der gemeinsam mit weiteren Verbänden ein Rechtsgutachten beauftragte. Denn es würden damit keine schnelleren Entscheidungen ermöglicht. Auch blieben am Ende für die Jäger rechtliche Unsicherheiten. Nebenbei werden wertvolle Ressourcen verschwendet.
Die eigentlich notwendigen Ziele, Rechtssicherheit für Weidetierhalter zu schaffen und effektiven Herdenschutz flächendeckend voranzutreiben, würden mit der geplanten Änderung verfehlt, so die Kritik. In den wenigen Fällen, in denen Wölfe auffälliges Verhalten durch Überwindung von Herdenschutz zeigen, könne man auch im Rahmen des Bundesnaturschutzrechts handeln.
Was als Schutz für Weidetiere verkauft wird, sei eine gefährliche Fehlentscheidung, erklärt Björn Ellner, Vorsitzender des Nabu in Brandenburg. Weniger Wölfe bedeuten nicht automatisch weniger Nutztierrisse. Werden Rudelstrukturen durch Abschüsse gestört, könne die Zahl der Risse sogar steigen. Er befürwortet stattdessen mehr Elektrozäune und Herdenschutzhund [11].
Es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Bejagung von Wölfen das Risiko für Übergriffe auf Weidetiere senke, wenn sie nicht gerade auf großer Fläche ausgerottet werden, argumentiert auch die Naturschutzinitiative [12] (NI). Denn die Anzahl der Wölfe korreliere keineswegs mit der Anzahl der Übergriffe auf Weidetiere.
Im Gegenteil, durch eine Bejagung entstünden neue Risiken. Die soziale Struktur werde durch Tötung eines Mitgliedes geschwächt, so dass umherziehende "Wanderwölfe" leichter ins Revier eindringen können. Sie könnten die Nutztierübergriffe sogar noch steigern.
Mit dem von Bauern- und Jagdverbänden und Politikern geforderten Abschuss von 40 Prozent der Welpen, die ohnehin nur eine Überlebensrate von etwa 50 Prozent haben, wäre die Ausrottung jedoch vorprogrammiert [13], kritisiert die NI.
So werde die erneute Ausrottung von Bauern-, Weidetierhalter- und Jagdverbänden sowie Politikern zumindest billigend in Kauf genommen, erklärt Gabriele Neumann, Stellvertretende Vorsitzende und Projektleiterin Wildkatze und Karnivoren in einer aktuellen Pressemitteilung [14].
Der Wolf steht durch seine Einstufung in Anhang V weiterhin unter dem Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL). Eine Bejagung sei nur möglich, wenn sich der Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand befinde, weiß der der Biologe Wolfgang Epple, Wissenschaftlicher Beirat der NI. Doch dies sei nicht der Fall.
Auch dem angeblichen Verlust der Scheu vor dem Menschen sei mit Jagd nicht zu begegnen. Es gebe keinerlei Belege dafür, dass Wölfe ihre natürliche Scheu verloren hätten. Auch gebe es keinen Nachweis dafür, dass die Bejagung von Wölfen die Fluchtdistanz vor Menschen erhöhe.
Nur ein flächendeckender und konsequenter Herdenschutz könne Nutztiere vor Übergriffen schützen und Risse auf ein Mindestmaß reduzieren, ist die Naturschutzinitiative überzeugt. In Deutschland liegt der Herdenschutz nach dem Tierschutzgesetz [15] in der Verantwortung der Tierhalter.
Glaubt man Gabriele Neumann von der NI, gab es bei Übergriffen während der letzten fünf Jahre nur in wenigen Fällen einen vollständigen Herdenschutz. So war bei 47 dokumentierten Rissen im letzten Jahr lediglich in zwei Fällen ein entsprechender Herdenschutz nachweisbar. 2016 bis 2020 war bei keinem der insgesamt 15 Übergriffe ein vollständiger Schutz vorhanden. Dies sei eine unverantwortliche Vernachlässigung der Weidetiere, kritisiert die Naturschutzinitiative [16].
Einer Auflistung des Nabu zufolge [17] können die Förderprogramme der einzelnen Bundesländer stark variieren. Fast alle Länder finanzieren Herdenschutzhunde zumindest teilweise. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, NRW und Baden-Württemberg wird sogar ihre Ausbildung finanziert.
So werden etwa in Bayern bei Investitionen in mobile und feste Elektrozäune [18] bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Aufwendungen gefördert. Bei Investitionen in Herdenschutzhunde werden bis zu 3.000 Euro je Hund zzgl. Zubehör sowie ggf. die Umsatzsteuer gezahlt.
In Rheinland-Pfalz steht außerdem das Koordinationszentrum Luchs und Wolf [19] (Kluwo) den Tierhaltern beratend zur Seite.
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[1] https://www.tagesschau.de/inland/regional/rheinlandpfalz/swr-wolf-kommt-ins-bundesjagdgesetz-was-bedeutet-das-fuer-den-westerwald-100.html
[2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/wolf-ins-jagdrecht-wie-brandenburg-an-einem-plan-fur-eine-wolfsjagd-arbeitet-15328047.html
[3] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/grosse-resonanz-infoveranstaltung-wolf-in-kusel-100.html
[4] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/mehrere-schafe-in-vg-nahe-glan-moeglicherweise-von-wolf-gerissen-100.html
[5] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/woelfe-haben-dieses-jahr-55-weidetiere-im-norden-des-landes-getoetet-100.html
[6] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/wolfsrudel-laemmer-gerissen-liebenscheid-westerwald-driedorf-100.html
[7] https://naturschutz-initiative.de/wir/
[8] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/03/neuregelung-abschuss-wolf-uckermark.html
[9] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/03/neuregelung-abschuss-wolf-uckermark.html
[10] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/26885.html
[11] https://www.tagesspiegel.de/berlin/wolf-ins-jagdrecht-wie-brandenburg-an-einem-plan-fur-eine-wolfsjagd-arbeitet-15328047.html
[12] https://naturschutz-initiative.de/wir/
[13] https://naturschutz-initiative.de/aktuell/pressemitteilungen/ni-fordert-weidetierhalter-muessen-ihre-tiere-schuetzen/
[14] https://naturschutz-initiative.de/aktuell/pressemitteilungen/naturschutzinitiative-e-v-ni-der-wolf-gehoert-nicht-ins-jagdrecht/
[15] https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__2.html
[16] https://naturschutz-initiative.de/aktuell/pressemitteilungen/ni-fordert-weidetierhalter-muessen-ihre-tiere-schuetzen/
[17] https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/wolf/200429_nabu_wolf_infografik_laendervergleich_ergebnistabelle.pdf
[18] https://www.stmelf.bayern.de/foerderung/foerderung-herdenschutz-wolf/index.html
[19] https://fawf.wald.rlp.de/forschung-und-monitoring-unsere-aufgaben/koordinationszentrum-luchs-und-wolf
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(Bild: Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München, 2008. Bild: Wolfram Huke. Lizenz: CC BY-SA 3.0 Deed)
Vertrauen in den öffentlichen Vernunftgebrauch. Zum Tod des bedeutendsten deutschen Philosophen der letzten 50 Jahre.
"Vernunft besteht im Gebrauch der Vernunft."
Jürgen Habermas
"Es scheint so, als ginge eine Ära mit ihm zu Ende."
Alexander Kluge
Schade, dass er nicht 100 Jahre alt wurde. Denn dieser Mann ist keineswegs, wie seine politischen und weltanschaulichen Feinde jetzt wieder schreiben, von gestern. Er ist von Morgen, ein Denker unserer Zukunft.
Bis zum Ende seines Lebens am Samstag, dem 14. März 2026, hatte sich der in Starnberg lebende Denker nicht zur Ruhe gesetzt. Er nahm rege, wach, geistig fixiert und in irgendeine Arbeit vertieft an der Gegenwart teil.
Immer wieder ging er mit Essays für große Tageszeitungen oder wissenschaftliche Publikationen zu aktuellen Themen an die Öffentlichkeit: Corona, Ukraine-Krieg [1], der neue Antisemitismus und die Erosion der Demokratie haben ihn in den letzten Jahren beschäftigt.
Philosophie und Politik waren für Habermas eins. Der Hegel der Bundesrepublik [2] konnte nicht nicht politisch denken. Philosophie und politisches Engagement waren für ihn eins.
"Habermas hat wie kein anderer Denker auch Mediengeschichte gemacht", schreibt Willi Winkler in seinem SZ-Nachruf [3].
Vor vier Monaten hatte er sich zum letzten Mal in aufsehenerregender Weise zu Wort gemeldet: "Von hier an müssen wir alleine weitergehen", [4] hieß der Titel seines Textes, der am 21. November 2025 in der Süddeutschen erschien, und in der Habermas eine seiner Zentralideen, die Idee des Westens einer Revision unterzieht.
Detailreich und fein ziseliert erklärt Habermas da, warum Verschiebungen der globalen Machtverhältnisse bewirkt haben, dass die Weltordnung kippt. warum die USA keine richtige Demokratie mehr sind, aber keineswegs ein faschistisches Regime genannt werden dürfen. Fazit für Europa:
"Die weitere politische Integration wenigstens im Kern der Europäischen Union war für uns noch nie so überlebenswichtig wie heute. Und noch nie so unwahrscheinlich."
Das Vokabular der Geopolitik und ein Denken in ihren Kategorien sind für Habermas zu einem zentralen Instrument der Analyse geworden
Wer sich mit Werk und Wirkung von Habermas befasst, der kann beides nicht von dessen Geburtsjahr trennen. 1929, kurz vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, in einer Epoche, die wir heute als Jahre einer scheiternden Republik, aufkommenden Diktatur und als "Zwischenkriegszeit" kennen.
Ein historischer Gezeitenwechsel, der durch dieses Leben überbrückt wird: Die "Gnade der späten Geburt" bewahrte Habermas vor dem Kriegseinsatz, aber seine ganze bewusst erfahrene Kindheit war geprägt von der Erfahrung der Nazi-Diktatur. Kein Widerständler, sondern ein angepasster Opportunist sei der Vater gewesen, berichtete er später.
Diese Erfahrung des materiell wie moralisch zerstörten Deutschland, die Hoffnungen und Chancen der "Stunde null", die positiv erfahrene Verwestlichung Deutschlands, Jazzmusik, Hollywood-Filme, freie Presse und das allmähliche Entstehen eines aus eigenem Recht und Wollen demokratischen Deutschlands prägten diese Generation.
Ohne das persönliche Erleben des NS-Terrors ist Habermas' Denken nicht vorstellbar. Und aus ihr darf man Habermas’ Werk bis heute verstehen.
"Ich selbst bin ein Produkt der ‚reeducation‘", sagte er einmal, "und ich hoffe, kein allzu negatives. Ich möchte damit sagen, dass wir gelernt haben, dass der bürgerliche Verfassungsstaat in seiner französischen oder amerikanischen oder englischen Ausprägung eine historische Errungenschaft ist".
Mit gerade 23 Jahren veröffentlichte Habermas seinen ersten Text in der FAZ [5] – die Rezension eines Hörspiels von Gottfried Benn. Von Beginn seiner Karriere als Intellektueller an setzt sich Habermas also mit dem Sound der Väter auseinander, lässt sich in Versuchung führen von jener Generation, die Deutschland auch geistig in den Abgrund manövriert hatte.
Von ihr wollte er sich lossagen. Wie viele seiner Generation.
Wenig später sagte Habermas sich auch von seinen philosophischen Vätern los. Gerade noch von Gadamer nach Marburg geholt, griff er dessen Lehrer Martin Heidegger öffentlich an.
Heideggers 1935 gehaltene Vorlesung "Einführung in die Metaphysik" wurde Anfang der 1950er-Jahre wieder veröffentlicht; in ihr ist im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus von der "inneren Wahrheit und Größe dieser Bewegung" die Rede – Habermas sah hier das überdeutliche Erstarken einer restaurativen Mentalität.
Von den ersten Jahren der Bundesrepublik, als Habermas in Göttingen, Zürich und Bonn studiert, und erste Texte in Zeitungenveröffentlichte,e hat dieser Philosoph seine Gesellschaft begleitet, sich als ihr Zeitgenosse und wohlwollender Kritiker verstanden.
Darum ist er auch schon in den 1960er-Jahren über sein von Anfang an einflussreiches Werk hinaus eine öffentliche Person und einer der führenden Intellektuellen gewesen. Habermas’ Bereitschaft, öffentlich über Politik, Recht und Moral zu streiten, trennt ihn deutlich von seinen akademischen Lehrern, sei es Gadamer, seien es Adorno und Horkheimer aus der ersten Generation des Frankfurter "Instituts für Sozialforschung".
Dort arbeitete Habermas eine Weile als Assistent Adornos lernte und auch den kaum älteren Freund und Wegbegleiter Ralf Dahrendorf kennen. "Da begannen sich philosophische und politische Dinge zum ersten Mal zu berühren", schrieb er später.
Seitdem entstanden über 50 Bücher. Titel wie "Strukturwandel der Öffentlichkeit"; "Erkenntnis und Interesse", "Theorie des kommunikativen Handelns"; "Der philosophische Diskurs der Moderne"; "Faktizität und Geltung"; "Die nachholende Revolution".
Sie alle markieren geistige und politisch-kulturelle Ereignisse in der bundesrepublikanischen Geschichte – oder sind sogar selbst welche. Und "Nachmetaphysisches Denken", "postsäkulare Gesellschaft", "die neue Unübersichtlichkeit", "Verfassungspatriotismus" sind Begriffe geworden, die längst zum theoretischen und kulturellen Begriffsbestand gehören.
Welches die wichtigsten sind, wagt man kaum zu entscheiden. Aber der Zentralbegriff in seinem Werk ist klar: Kommunikation, Verständigung, vernünftige Argumentation. Über alle Entwicklungen, Veränderungen, Brüche hinweg hat er an der Idee einer "universalen Verständigung" festgehalten.
Der Öffentlichkeit als dem Ort dieser Verständigung hat Habermas mehrere Bücher gewidmet: Noch sein letztes theoretisches Werk – "Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik" von 2022 – griff die epochemachenden Überlegungen seiner Habilitationsschrift von 1961 ("Strukturwandel der Öffentlichkeit") auf, die er bereits 1990 mit einem großen Vorwort neu herausgebracht hatte und überführte sie in die neuesten Verhältnisse.
Die Schnelllebigkeit der sozialen Medien, die aggressiv aufgeheizte, zugespitzte Debattenkultur, der es nicht um Konsens und Verständigung geht, sondern um die Niederlage des Gegenübers und darum,selbstr gut auszusehen, hing für Habermas mit dem Vordringen autoritärer Kräfte zusammen.
All das war ihm fremd, stieß ihn ab. Habermas war unverbrüchlich von der Idee der Vernunft überzeugt. Zugleich holte er die in früheren Denk-Traditionen überhöhte Vernunft-Idee gewissermaßen auf die Erde zurück.
Habermas versteht Theorie und mit ihr sich selbst als Hüter der Rationalität. Sein Anspruch war an einem idealen, herrschaftsfreien Diskurs ausgerichtet, der dem "zwanglosen Zwang des besseren Arguments" gehorcht.
Daraus folgte die Diskursethik, eine Pflicht zur Begründung aller Maßstäbe des Handelns. Gott oder Moral oder eine "einfach so" geltende, nicht ständig an der Empirie überprüfbare Rechtsordnung sind kein Argument.
Auch hier ist Habermas' geistige Herkunft aus der Kritischen Theorie zu erkennen: Er hat den gesellschaftstheoretischen Anspruch Adornos und Horkheimers übernommen, nicht ungeprüft, aber er hat die dialektische Maxime verinnerlicht, derzufolge der Sinn aller kritischen Theorie darin besteht, "gegen sich selbst zu denken". Das sachliche, vernünftige, nüchterne Argument gilt solchem Denken alles.
Dies zeigt schon seine Frankfurter Antrittsvorlesung "Erkenntnis und Interesse", mit der er die Übernahme von Max Horkheimers Lehrstuhl mit einer Relektüre von dessenprogrammatischenm Aufsatz "Traditionelle und kritische Theorie" einleitet.
Zuerst in Frankfurt, dann als Leiter des Starnberger Max-Planck-Instituts zur Erforschung der gegenwärtigen Lebensbedingungen [6], an der theoretischen Legitimation und Verteidigung der bundesdeutschen Demokratie gearbeitet.
Ohne die weltgeschichtliche Zäsur von 1945 ist Habermas' gesamtes Schreiben, Lehren und Wirken nicht zu verstehen. Für ihn und seine Generation, sagte er, "war es nicht möglich, zu den Enthüllungen über die Verbrechen des NS-Regimes nicht Stellung zu nehmen, sei es defensiv oder in selbstkritischer Weise".
Habermas, selbst Mitglied des Deutschen Jungvolkes, hat dazu immer Stellung genommen – und zwar in überaus offensiver Weise und auf allen Bühnen:alss Wissenschaftler, Staatsbürger und Intellektueller. Es ging ihm um kritisches Denken in praktischer Absicht.
"Die vorbehaltlose Öffnung der Bundesrepublik gegenüber der politischen Kultur des Westens ist die große intellektuelle Leistung unserer Nachkriegszeit, auf die gerade meine Generation stolz sein könnte." sagte er.
Aber er wusste, dass diese Errungenschaft nicht selbstverständlich Bestand hatte: Immer wieder sprach Habermas von einem "Kampf um die mentale Ausrichtung der Bundesrepublik". Schon früh hat er vor dem "Rückfall in die autoritären Verhaltensmuster und elitären Denkgewohnheiten des vordemokratischen Deutschland" gewarnt.
Mit seinen entsprechenden Interventionen – die wichtigsten und bekanntesten sind Habermas Angriff auf den reaktionären Teil der Geschichtswissenschaft, der 1985 den "Historikerstreit" auslöste, und seine massive Kritik am "poststrukturalistischen" und postmodernen Denken, das Habermas als irrationalistisch und antimodern geißelte – wurde er der wichtigste, einflussreichste Philosoph Westdeutschlands; ein Vorbild für Generationen und einer der wenigen öffentlichen Intellektuellen Deutschlands, die diesen Namen im Lande der Prechts und Safranskis überhaupt verdienen.
Zumindest für sein eigenes Werk hat er die gewünschte Verständigung erreicht. Heute kennt man Habermas in China und im Vatikan, schätzt ihn am Pariser Seine-Ufer, deren "postmoderne" Meisterdenker er seinerzeit bekämpfte, ebenso wie auf dem Campus von Harvard. 2001 bekam er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Nach seiner Emeritierung 1994 blieb er dem Land erhalten – als Mahner, Warner, als unser aller bester Kritiker.
Die Linke könnte von Habermas vieles lernen – wenn sie denn wollte: Da wäre zuerst einmal universalistisches Denken und die unbedingte Orientierung an den Prämissen der Aufklärung.
Habermas widmete seiner Auseinandersetzung mit der postmodernen Linken und der in den 1980er-Jahren aufkommenden Identitätspolitik mehrere Bücher. Sie unternahmen eine Bestandsaufnahme jener aufklärungskritischen französischen Theorien, die sich mit den Namen Derrida und Foucault verbinden, mit Lacan und Deleuze und deren Folgen für die Gesellschaft Habermas schon früh prophetisch beschrieb.
Das knüpfte an seine Debatten innerhalb der Studentenbewegung von 1967/68 an und an die Auseinandersetzung mit deren antidemokratischen, autoritären, gewaltverherrlichenden Tendenzen; mit dem, das Habermas schon sehr früh "Linksfaschismus" nannte, und was heute wieder in den identitätspolitischen Debatten der Gegenwart traurige Aktualität erlebt.
Die Linke hätte zu lernen, den identitätspolitischen Versuchungen zu widerstehen, ebenso wie allen Formen von Antisemitismus. Der neue Judenhass sieht sich moralisch im Recht, und er ist intellektuell.
Inzwischen hat sich die Bezeichnung "Campus-Antisemitismus" dafür durchgesetzt, weil es vor allem ein Antisemitismus wohlsituierter Bürgerkinder ist, die Geisteswissenschaften studieren.
Im November 2023, fünf Wochen nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel, beteiligte sich Habermas an einer Solidaritätserklärung für Israel und wandte sich gegen einen erstarkenden Antisemitismus.
Habermas beschrieb, wie der postkoloniale politische Diskurs zur einer Art antiwestlichem und antimodernem Vernichtungsfeldzug ausartet, der sich längst von seinen Ursachen, der Kritik an Machtverhältnissen gelöst hat und zu einer neuen gewalttätigen Religion geworden ist.
Seine sehr prinzipiell begründete Verteidigung der Idee des Westens ging immer einher mit einem Bekenntnis zur Realpolitik. Gerade das machte Habermas wach für Gefahren. Etwa warnte er 1989/90 vor einer voreiligen deutschen Verteidigung, kritisierte den Begriff der "Wiedervereinigung" und bekämpfte früh den aufkommenden "D-Mark-Nationalismus" der Deutschen:
"Als in der Freude über den Fall der Mauer am 9. November 1989 im Bundestag die Nationalhymne gesungen wurde, fühlte sich der inzwischen 60-jährige Habermas an die 'Jungvolk'-Feiern und den NS-Todeskult erinnert, weshalb ihm auch die dritte Strophe der Hymne 'nicht mehr über die Lippen' kommen wollte."
Willi Winkler
Vom jugoslawischen Bürgerkrieg bis zum Ukraine-Krieg war Habermas ein Kritiker der neuen deutschen Großmachtphantasien und sah auch in der "aktuellen Aufrüstung der Bundesrepublik" Gefahren die weit größer sind, als die durch die "höchst spekulativen Annahmen über eine aktuelle Bedrohung der EU durch Russland".
Die Linke könnte auch lernen ihren eigenen plötzlichen 180-Grad-Wendungen gegenüber skeptischer zu sein, etwa dem plötzlichen linken Bellizismus nach Beginn des Ukraine-Kriegs, gegen den Habermas nur die Selbstgewissheit kritisierte, "mit der in Deutschland die moralisch entrüsteten Ankläger gegen eine reflektiert und zurückhaltend verfahrende Bundesregierung auftreten" und für Verhandlungen mit Russland plädierte, um einen "für beide Seiten gesichtswahrenden Kompromiss" zu finden.
Die Linke müsste vor allem lernen, die kontraproduktiven Fraktionskämpfe ad acta zu legen, wie sie gerade auch die Grünen vorführen:
"Wer sich solidarisch verhält, nimmt im Vertrauen darauf, dass sich der andere in ähnlichen Situationen ebenso verhalten wird, im langfristigen Eigeninteresse Nachteile in Kauf."
Habermas’ Credo war Modernisierung, er glaubte an Fortschritte und kritisierte den neuen Nationalismus ebenso wie linke Flirts mit dem Staatssozialismus. Zuletzt wurde die Dankbarkeit gegenüber US-Amerika für Demokratie, Freiheit und liberale Kultur getrübt durch den amerikanischen Verrat am Ideal der Menschenrechte, die Infragestellung des Völkerrechts und der Demokratie und durch die schamlosen Exzesse der Techno-Elite rund um den Präsidenten.
Habermas hatte erlebt wie die totalitären Systeme des Nationalsozialismus und des Staatssozialismus untergegangen sind, aber er hatte kommen sehen, wie aus dem Schoß der Demokratie heute neue Totalitarismen hervorwachsen.
Autokraten höhlen die Demokratie in ihren Ländern aus. Die globale Klimakrise gefährdet zunehmend den Planeten und die Säulen demokratischer Entscheidungen.
Vor allem aber die Verselbstständigung immer komplexerer Technologien und der mit ihr einhergehenden Effizienzsteigerung, der Verlust der Spielräume und die Reduktion der Alternativen: Habermas hat schon 1981 von der "Kolonisierung der Lebenswelt" gesprochen: Politik, Arbeit und Freizeit, Bildung, Gesundheit, Sozialleistungen, Kunst und Medien werden mehr und mehr von einem rein funktionalen Nutzenkalkül durchdrungen – bis in die persönlichen Beziehungen hinein.
In galoppierender Beschleunigung überformen die namens- und gesichtslosen Algorithmen der Digitalisierung alle Lebensbereiche und unterwerfen unsere hochindustrielle, weltweit vernetzte Gesellschaft zunehmend einem universalen Funktionalismus.
Dieses funktional festgelegte, durch den Staaten überlegene transnationale Konzerne gesteuerte System hat keinen Bezugspunkt mehr jenseits des Funktionalen.
Weil er weiß, dass Kommunikation und Aufklärung ihrem Wesen nach nie abgeschlossen, im besten Sinne unendlich sind, betrachtete er die Zukunft der Moderne mit trockenem Pragmatismus: Die Vernunft kann aufgehalten, aber nicht abgeschafft werden.
"Ich glaube nicht, dass er uns Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit vorschlägt," schließt Alexander Kluge seinen kurzen Nachruf in der FAZ [7]:
"Vielmehr geht es um Gegenproduktion in einer gefährdeten Welt."
Wir werden jetzt ohne ihn weiterleben müssen. Deutschland verabschiedet sich nicht nur von der Person, sondern auch vom Prinzip Habermas. Von hier an müssen wir alleine weitergehen.
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[1] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/juergen-habermas-essay-sz-ukraine-russland-europa-usa-e973280/
[2] https://www.telepolis.de/article/Habermas-Der-Hegel-der-Bundesrepublik-zwischen-Couchecke-und-Weltphilosophie-11125367.html
[3] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/habermas-historikerstreit-philosophie-nachruf-e847093/
[4] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/rede-juergen-habermas-eu-autoritarismus-usa-e353079/
[5] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/habermas-erster-auftritt-in-der-faz-200633306.html
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Max-Planck-Institut_zur_Erforschung_der_Lebensbedingungen_der_wissenschaftlich-technischen_Welt
[7] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/alexander-kluge-zum-tod-von-habermas-accg-200633270.html
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Ein Weißbuch der Denkfabrik CAM und von Cisco zeigt: Die Schadenskosten sind explodiert, wobei vor allem die Zulieferer als schwächstes Glied der Kette gelten.
Die globale Automobilindustrie steht laut Experten vor einer digitalen Bedrohungslage, die in ihrer Intensität und ihren wirtschaftlichen Folgen neue Dimensionen erreicht hat. Während früher primär klassische IT-Systeme in Büros das Ziel von Hackern waren, rückt demnach nun das Herzstück der Branche in den Fokus: die Produktion.
Ein aktuelles Weißbuch [1] des in Bergisch Gladbach angesiedelten Center of Automotive Management (CAM), das dieses in Kooperation mit Cisco verfasst hat, verdeutlicht die Entwicklung. Die geschätzten Schadenskosten für den Sektor sind demnach auf über 20 Milliarden US-Dollar angestiegen – eine Verzwanzigfachung gegenüber dem Jahr 2022. Große Namen wie Toyota [2], Honda [3], Jaguar Land Rover [4], Bridgestone oder Thyssenkrupp Automotive [5] mussten bereits schmerzhafte Erfahrungen mit Produktionsausfällen und unterbrochenen Lieferketten machen.
Die Analyse der Angriffsziele durch das CAM offenbart eine merkliche Verschiebung innerhalb des automobilen Ökosystems. Nicht die großen Hersteller, die sogenannten OEMs, stehen an vorderster Front der Cyberattacken, sondern die Zulieferbetriebe. Laut einer im Whitepaper zitierten VicOne-Studie entfallen fast 57 Prozent aller einschlägigen Angriffe auf die Zulieferer [6].
Händler folgen demnach mit rund 22 Prozent, während die Fahrzeughersteller selbst nur knapp 10 Prozent der direkten Angriffsziele ausmachen. Die Zahlen belegen, dass Cyberkriminelle gezielt das vermeintlich schwächste Glied in der hochgradig vernetzten Wertschöpfungskette suchen. Denn ein Stillstand bei einem spezialisierten Zulieferer kann innerhalb kürzester Zeit ganze Montagebänder bei den Herstellern zum Erliegen bringen.
Dass die Attacken mittlerweile so effektiv sind, liegt an der fortschreitenden Verschmelzung von Informationstechnik (IT) und Operation Technology (OT). Moderne Fabriken sind hochgradig digitalisiert: Cloud-Plattformen, KI-gestützte Steuerungen und vernetzte Robotik bilden ein engmaschiges Netz. Professionelle Ransomware-Gruppen und staatlich gestützte Akteure nutzen diese neuen Angriffspfade, um von der Bürokommunikation bis tief in die Steuerungslogik einzelner Maschinen vorzudringen.
CAM-Direktor Stefan Bratzel warnt davor, dass Produktionsstopps heute pro Tag Schäden im zweistelligen Millionenbereich verursachen könnten [7]. Damit sei Cybersecurity von einem reinen IT-Thema zu einer existenziellen Frage der Betriebssicherheit geworden.
In einer begleitenden Umfrage unter Branchenvertretern identifizierten die Verfasser die größten Schmerzpunkte. Ganz oben auf der Liste stehen die Sicherheit in der Cloud sowie Risiken durch Remote-Arbeit, dicht gefolgt von klassischen Ransomware- und Malware-Attacken.
Aber auch neuere Bedrohungsfelder wie KI-basierte Angriffe und Schwachstellen in den vernetzten Fahrzeugen selbst machen den Entscheidern zunehmend Sorgen. Erschwerend kommt dazu, dass viele Werke noch immer einen Mix aus modernster Technik und veralteten Bestandsanlagen nutzen. Diese heterogenen Landschaften sind oft schwer zu segmentieren und bieten zahlreiche Einfallstore.
Neben den technologischen Hürden bremsen der Analyse zufolge strukturelle Probleme die Abwehrbemühungen. Es mangele an Fachkräften im speziellen Bereich der OT-Security, ist dem Weißbuch zu entnehmen. Zudem fehlten oft klare Rollenmodelle für die Verantwortlichkeiten in der Produktion. Gleichzeitig wachse der Druck durch regulatorische Vorgaben auf nationaler und internationaler Ebene.
Cybersicherheit wird laut den Fachleuten damit endgültig zur Managementaufgabe, die technisches Know-how mit juristischer und strategischer Weitsicht vereinen muss. Thorsten Rosendahl von Ciscos Security-Einheit Talos unterstreicht, ein ganzheitlicher Ansatz sei überlebenswichtig. Dieser dürfe keine Trennung mehr zwischen Büro-IT und Werkshalle zulassen.
Um Unternehmen eine Orientierung in diesem Feld zu bieten, stellt das Whitepaper das sogenannte 4C-Modell vor. Dieser Bewertungsrahmen betrachtet Cybersecurity als strategisches Mittel und gliedert sich in die Bereiche Kompetenzen, Kooperationen, Kultur und Strategie. Es geht dabei nicht nur um den Einsatz der neuesten Firewall. Vielmehr steht die Frage im Zentrum, ob das Personal über die richtigen Fähigkeiten verfügt, wie sicher die Partner angebunden sind und ob eine echte Sicherheitskultur in der Organisation gelebt wird. Die Autoren heben hervor: Nur durch dieses Zusammenspiel lasse sich eine nachhaltige Cyber-Resilienz aufbauen, die den Wirtschaftsstandort und seine industrielle Wertschöpfung langfristig absichere.
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[1] https://www.automobil-produktion.de/automotive-cybersecurity
[2] https://www.heise.de/news/Ransomwarebande-Medusa-attackiert-Toyota-und-fordert-8-Millionen-US-Dollar-9531735.html
[3] https://www.heise.de/news/Honda-Zeitweiser-Produktionsstopp-nach-Malware-Befall-4779961.html
[4] https://www.heise.de/news/Jaguar-Land-Rover-nimmt-Produktion-wieder-auf-10733932.html
[5] https://www.heise.de/news/Cyberattacken-auf-Thyssenkrupp-Luxuskaufhaus-KaDeWe-Co-9639943.html
[6] https://vicone.com/reports/2025-automotive-cybersecurity-report
[7] https://auto-institut.de/presse/cam-studie-so-wird-die-automobilproduktion-sicher-whitepaper-zeigt-aktuelle-herausforderungen-und-loesungswegefuer-die-automobilindustrie
[8] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[9] mailto:nie@heise.de
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Microsoft hat ein Update außer der Reihe für Windows-11-Enterprise-Clients mit Hotpatching veröffentlicht.
Microsoft hat ein Update außer der Reihe für Windows-11-Clients insbesondere in Enterprise-Umgebungen herausgegeben. Es ist für Maschinen gedacht, die Hotpatching aktiviert haben.
Im Message-Center der Windows-Release-Health-Notizen erklärt Microsoft [1], dass das Update Sicherheitslücken im Management-Tool des Routing-and-Remote-Access-Services (RRAS) korrigiert, das Angreifern bei Verbindungen verwundbarer Clients auf bösartige Server das Einschmuggeln und Ausführen von Schadcode ermöglicht. Es handelt sich um eine Sammlung aus drei Schwachstellen (CVE-2026-25172 [2], CVE-2026-25173 [3] und CVE-2026-26111 [4]). Der Hotpatch KB5084597 [5] vom Freitag dieser Woche hievt die Windows-Builds auf die Nummern 26200.7982 respektive 26100.7982, es betrifft also Windows 11 25H2 und 24H2.
Die Aktualisierung außer der Reihe ist lediglich für Windows-11-Geräte nötig, die Hotpatching aktiviert haben und für die Fernverwaltung von Servern eingesetzt werden, führt Microsoft weiter aus. Übliche Desktop-Clients bedürfen daher keiner weiteren Aktion.
Der Hotfix außer der Reihe ist kumulativ und umfasst auch die Fehlerkorrekturen, die Microsoft in den Windows-Updates zum März-Patchday [6] in dieser Woche veröffentlicht hat. Microsoft betont, dass das Update automatisch auf Windows-11-Geräte der Versionen 25H2 und 24H2 verteilt wird, die Hotpatches aktiviert haben und mit Windows Autopatch verwaltet werden. Da Microsoft Hotpatches für Windows 11 mit Windows Autopatch seit Mitte vergangenen [7]Jahres [8] als Standardkonfiguration vorsieht, dürften einige Maschinen davon betroffen sein. Die Aktualisierungen werden durch das Hotpatching auch ohne Neustart wirksam. Wer weder Hotpatches einsetzt noch das RRAS-Verwaltungstool, muss nichts unternehmen, führen die Entwickler weiter aus.
In den drei CVE-Einträgen erklärt Microsoft, dass die Hotpatches erneut veröffentlicht wurden, um die vollständige Abdeckung aller betroffenen Szenarien sicherzustellen. Kunden rät Microsoft dort, die aktualisierten Updates anzuwenden, um den vollen Schutz sicherzustellen.
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[1] https://learn.microsoft.com/en-us/windows/release-health/windows-message-center#3799
[2] https://msrc.microsoft.com/update-guide/vulnerability/CVE-2026-25172
[3] https://msrc.microsoft.com/update-guide/vulnerability/CVE-2026-25173
[4] https://msrc.microsoft.com/update-guide/vulnerability/CVE-2026-26111
[5] https://support.microsoft.com/de-de/topic/13-m%C3%A4rz-2026-hotpatch-kb5084597-betriebssystembuilds-26200-7982-und-26100-7982-out-of-band-ef323fee-e70f-4f43-8bbc-1021c435bf5c
[6] https://www.heise.de/news/Microsoft-Patchday-Zwei-Zero-Days-und-insgesamt-83-neue-Luecken-gestopft-11206553.html
[7] https://www.heise.de/news/Microsoft-aktiviert-Hotpatching-fuer-Windows-11-standardmaessig-10472332.html
[8] https://www.heise.de/news/Microsoft-aktiviert-Hotpatching-fuer-Windows-11-standardmaessig-10472332.html
[9] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Vom Basteltisch bis in die Stratosphäre: Im dritten Teil unserer Videoreihe starten wir den Wetterballon und jagen ihm hinterher.
Mit relativ einfacher Consumer-Technik kann man eindrucksvoll die Interaktion zwischen Weltraum und Erdatmosphäre erforschen. In einer vierteiligen Videoreihe führt Physikerin und Wissenschaftsjournalistin Anne-Dorette Ziems durch die rechtssichere Planung des Wetterballons, das Basteln eigener Messgeräte, einen nervenaufreibenden Starttag und die Auswertung der Messdaten.
Doch was passiert, wenn der Ballon außer Sicht gerät? Im heutigen Teil starten wir den Wetterballon und jagen ihm hinterher. Es geht quer durchs Land – immer den empfangenen Funksignalen hinterher. Bis wir irgendwann plötzlich keine Funksignale mehr empfangen.
Im ersten Teil haben wir uns durch den Behördendschungel gekämpft. Denn prinzipiell kann in Deutschland jeder einen Wetterballon starten. Es gibt aber natürlich einige Auflagen und Regeln zu beachten.
Der zweite Teil spielte sich vor allem am Lötkolben und am Computer ab. Wir basteln unsere Messgeräte. Erst die Hardware, dann die Software. Mit an Bord: Kameras für spektakuläre Aufnahmen, Sensoren für Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit – und als Highlight ein selbst gebauter Myonendetektor zur Messung der Höhenstrahlung.
Zum Abschluss geht es am 22. März an die Daten: Hat die Technik durchgehalten? Wie verändern sich Temperatur, Druck und Strahlung mit der Höhe? Und was kann man aus den Messungen lernen – auch aus den Dingen, die nicht funktioniert haben?
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Die Trump-Regierung soll eine Gebühr von 10 Milliarden US-Dollar für die Vermittlung des erzwungenen Tiktok-Verkaufs durch den chinesischen Mutterkonzern Bytedance erhalten. Das hat das Wall Street Journal aus informierten Kreisen erfahren.
Investoren des US-Geschäfts der Social-Media-Plattform, darunter der Softwarekonzern Oracle und der US-Investor Silver Lake, erklärten sich Quellen zufolge bereit, die Zahlungen zu leisten. Die beiden Unternehmen zahlten im Januar 2026 bereits etwa 2,5 Milliarden US-Dollar an das Finanzministerium. Ein weiterer Investor ist MGX aus Abu-Dhabi.
Als Trump im September 2025 die Rahmenbedingungen für den Tiktok-Verkauf bekannt gab, sagte er: "Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber wir werden etwas bekommen." Der von der Regierung investierte Aufwand und die Kosten würden eine Entschädigung rechtfertigen.
Zuvor erklärte er: "Die Vereinigten Staaten erhalten eine enorme Gebühr plus – ich nenne es eine Gebühr plus – allein für die Vermittlung des Deals, und die möchte ich nicht einfach so verspielen."
Trump hatte zuvor die Abschaltung vom Tiktok angeordnet , sollte sich nicht bis Mitte November 2020 ein US-Unternehmen als Käufer finden. Die App stelle eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar, hieß es in der am 6. August 2020 veröffentlichten Verfügung. Die App sammle große Mengen an Nutzerdaten und könne es der chinesischen Regierung ermöglichen, Amerikaner auszuspionieren.
Tiktok-Eigentümer Bytedance bemüht sich seit einiger Zeit, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Tiktok versicherte, Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Daten von US-Nutzern würden in den USA gespeichert und verarbeitet. In China selbst gibt es nur die zensierte Version der App, Douyin.
An der Datensammlung wird sich auch durch die erzwungene Übernahme nichts ändern : Tom Sulston, Leiter der Abteilung für Politik beim australischen Verband Digital Rights Watch, sagte, dass nicht die Eigentumsverhältnisse das Problem von Tiktok seien, sondern "die ständige und aufdringliche Überwachung der Nutzer" .
Aufgrund von Regulierungen würden User eines US-amerikanischen Tiktok "nicht mehr Privatsphäre genießen als bei einem Tiktok in chinesischem Besitz" .
Im Rahmen der Vereinbarung muss das US-Unternehmen die Gewinne mit Bytedance teilen. Dieses hat seinen Algorithmus an die neuen Eigner lizenziert und hält weiterhin fast 20 Prozent der Anteile.
Investmentbanker, die bei einem Geschäftsabschluss beraten, erhalten Gebühren von unter 1 Prozent des Transaktionswerts, berichtete das Wall Street Journal.
Laut einer Studie des Dokumenten-Softwareunternehmens Foxit, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Sapio Research im Oktober 2025, glauben 89 Prozent der befragten Führungskräfte und 79 Prozent der Endnutzer, seit der Einführung von KI-Tools produktiver zu sein . Die Stichprobe umfasste 1.000 Büroarbeiter und 400 leitende Angestellte in den USA und Großbritannien.
Das Problem nennt der Bericht Verifizierungsaufwand: Führungskräfte schätzen, dass KI ihnen rund 4,6 Stunden pro Woche einspart, verbringen aber gleichzeitig etwa 4 Stunden und 20 Minuten damit, KI-generierte Inhalte zu prüfen. Nettoresultat: 16 Minuten gesparte Zeit pro Woche.
Bei einfachen Mitarbeitern ist die Bilanz sogar negativ: Sie verlieren unter dem Strich etwa 14 Minuten wöchentlich.
36 Prozent der Befragten nannten Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als größtes Hindernis für eine tiefere KI-Nutzung, 34 Prozent fehlt das Vertrauen in die Ausgaben. Nur rund ein Drittel der Endnutzer ist laut Studie sehr zuversichtlich gegenüber KI-generierten Inhalten, bei Führungskräften sind es immerhin 60 Prozent.
Diese Kluft birgt laut Bericht ein eigenes Risiko: Übervertrauen an der Spitze trifft auf Skepsis an der Basis.
68 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, KI habe in ihren Unternehmen bereits Restrukturierungen oder Stellenabbau ausgelöst. Gleichzeitig machen sich laut Studie nur 12 Prozent der einfachen Mitarbeiter ernsthafte Sorgen um ihren Job.
Der Befund ist eindeutig: KI ist in den meisten Unternehmen angekommen, die versprochene Produktivitätswende aber nicht. Nutzer verbringen fast genauso viel Zeit mit dem Prüfen von KI-Ausgaben, wie sie durch den Einsatz gewinnen.