Google schiebt die Gaming-Umgebung Agones in die CNCF
Von Heise — 23. März 2026 um 11:32
(Bild: cybrain / Shutterstock.com)
Google übergibt das Multiplayer-Framework für Kubernetes der Cloud Native Computing Foundation.
Die Gaming-Erweiterung für Kubernetes, Agones, kommt zur Cloud Native Computing Foundation (CNCF) und startet dort im Status einer Sandbox.
Laut CNCF-Blog [4] ist das Open-Source-Projekt ein fester Bestandteil der Games-Industrie, der erste offizielle Partner war von Anfang an Ubisoft. 250 Entwicklerinnen und -Entwickler beteiligen sich an Agones, was sich unter dem Dach der CNCF weiter ausbauen soll.
Das von Google 2017 ins Leben gerufene Projekt [5] dient dem Bereitstellen von Multi-Player-Games in der Kubernetes-Welt. Entwicklerinnen und Entwickler brauchen damit eine Anwendung nur einmal zu bauen und können sie überall bereitstellen, wobei sowohl lokale als auch Cloud-Komponenten zum Einsatz kommen können.
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Links in diesem Artikel: [1] https://clc-conference.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283 [2] https://clc-conference.eu/cfp.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283 [3] https://clc-conference.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283 [4] https://www.cncf.io/blog/2026/03/23/agones-moves-to-the-cncf-a-new-era-for-open-source-multiplayer-game-infrastructure/ [5] https://www.heise.de/news/Google-entwickelt-Spiele-Hosting-Erweiterung-fuer-Kubernetes-3994578.html [6] mailto:who@heise.de
heise+ | Wie ich mit KI-Hilfe ein Elektroauto kaufte und was ich dabei lernte
Von Heise — 23. März 2026 um 15:49
Bei der Auswahl eines E-Autos gibt es viel zu bedenken und zu prüfen. Taugt eine KI als Recherchepartner für den Kauf? Ja, aber …
Knapp drei Jahre lang haben wir es geschafft, mit unserer fünfköpfigen Familie ohne Auto auszukommen. Eigentlich klappte das sehr gut, denn die Kinder können zur Schule laufen oder nehmen für andere Ziele so wie ich die Straßenbahn – die Haltestelle liegt quasi nebenan – oder fahren mit dem Rad. Doch zuletzt wurde es immer schwieriger, Termine, spontane Verabredungen oder Not- und Unfälle ohne Auto zu bewältigen.
Ein Verbrenner kam nicht mehr infrage, ein Neukauf ebenso wenig. Doch welches gebrauchte E-Auto passt zur Situation? Auf gings in die Recherche, doch schnell wurde deutlich, wie lang es her war, dass das Thema Autokauf zuletzt auf der Tagesordnung stand.
Also begann das Experiment, sich von einer KI beraten zu lassen. Das Nutzungsprofil war klar: Die tägliche Pendelstrecke zur Arbeit ist rund 35 Kilometer lang. Das Auto wird nie voll besetzt sein, und in die Stadt geht es ohnehin nur mit den Öffis. Für längere Strecken gibt es die Bahn. Zu diesen Eckdaten bekam Perplexity, das im Forschungsmodus lief, noch weitere Kriterien: mindestens vier Sitze, Baujahr oder Erstzulassung bis Ende 2022, Preisklasse zwischen 10.000 und 20.000 Euro, hohe Zuverlässigkeit aus Langzeiterfahrungen, kompakt. Zu jedem Vorschlag sollte der Bot die typischen Macken und Nachteile nennen, die beim geforderten oder genannten Modelljahr auftreten können. Das Experiment warf einige interessante allgemeingültige Erkenntnisse für derartige Recherchen ab.
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/ratgeber/Wie-ich-mit-KI-Hilfe-ein-Elektroauto-kaufte-und-was-ich-dabei-lernte-11205526.html [2] https://www.heise.de/hintergrund/Elektroautos-Infrastruktur-fuer-mehr-als-400-kW-Ladeleistung-entsteht-11166426.html [3] https://www.heise.de/tests/Start-Skoda-Enyaq-RS-Dauertest-Wie-es-ein-E-SUV-in-den-Fuhrpark-geschafft-hat-11150037.html [4] https://www.heise.de/news/Magnetschwebebahn-Verkehrsminister-Schnieder-plant-das-Comeback-auf-Stelzen-11211284.html
Vergiftetes "Rotes Gold": Erdbeeren aus Spanien und Ägypten belasten die Umwelt
Von Susanne Aigner — 23. März 2026 um 08:00
Aus südlichen Anbauländern werden Erdbeeren in die EU transportiert. Transport und Pestizide schaden Klima und Umwelt. Am besten schmecken heimische Früchte.
Der Exportwert von Erdbeeren hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt, auf rund 650 Millionen Dollar, laut ägyptischem Exportverband für Lebensmittel. Der Aufschwung kam in den letzten Jahren, als neue, ertragreiche Sorten nach Ägypten kamen, die besser zum heimischen Klima passen, erklärt Yasser Hammad im Interview [1] mit der ARD.
Der Unternehmer leitet im Nildelta, die fruchtbarsten Region Ägyptens, einen Erdbeeranbaubetrieb. Seine Erdbeeren entsprechen europäischen Marktanforderungen und sind sie deutlich günstiger, weil die Lohnkosten im ägyptischen Erdbeeranbau niedriger sind. Die hohe Nachfrage führt dazu, dass Pflücker oft in zusätzlichen Schichten arbeiten müssen.
In Ägypten ist im Winter Erntezeit, denn im Sommer ist es viel zu heiß. Auch das macht die ägyptischen Erdbeeren so attraktiv für den Export nach Europa. In Deutschland als wichtiger Abnehmer kommen sie in der Regel als Tiefkühlware an.
Nur zehn bis fünfzehn Prozent der in Ägypten kultivierten Erdbeeren werden im Inland verbraucht. Für die Umwelt wäre es besser, wenn ägyptische Erdbeeren von Ägyptern gekauft und verzehrt werden. Für gutsituierte ägyptische Familien ist ein Biohof mit Erdbeeren zum Selber Pflücken ein nettes Ausflugsziel. Doch im Land am Nil bleiben Bio-Erdbeeren die Ausnahme.
Knappes Gut Wasser wird für Exportfrüchte verbraucht
Das ägyptische Nildelta gehört zu den am dichtesten bebauten Regionen der Welt. Um die Fläche entlang des Nils konkurrieren Menschen, Industrie und Landwirtschaft. Die einheimische Bevölkerung mit Wasser zu versorgen, wird angesichts der wachsenden Bevölkerung immer schwieriger.
Für den Nahrungsmittelanbau stehen ganze vier Prozent der Landesfläche zur Verfügung. Der Rest des Landes – mehr als 90 Prozent – besteht aus Wüste. Damit Weizen, Zuckerrohr, Obst und Gemüse überhaupt wachsen können, rotieren rund um die Uhr Bewässerungsanlagen, die aus nur drei Quellen gespeist werden. Eine davon ist das Nubische-Sandstein-Aquifersystem.
Der größte natürliche Grundwasserspeicher der Welt befindet sich hundert Meter unter dem Boden. Zahlreiche Pumpstationen sollen das Wasser an die Oberfläche befördern [2]. Mit dem Export von Lebensmittel generiert das Land einige Milliarden US-Dollar. Mit Exportfrüchten wie Erdbeeren wird auch das kostbare Wasser exportiert.
Anbau und Export ägyptischer Erdbeeren belasten Umwelt und Klima
Erdbeeren sind anfällig für Pilzkrankheiten, weshalb sie mit Pestiziden behandelt werden. Zwar regeln verschiedene Vorschriften der ägyptischen Behörden den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Doch oft sind gefährliche Pestizide zugelassen, und es gibt weniger Kontrollen, kritisiert Corinna Hölzel, Pestizidexpertin des BUND.
Sie rät vom Kauf ägyptischen Erdbeeren ab, vor allem wegen der schlechten Klimabilanz. Erdbeeren aus dem Süden werden mit dem Flugzeug in die EU eingeflogen oder mit LKW ins Land gekarrt. Sie müssen so schnell wie möglich nach dem Pflücken gegessen werden, sonst bekommen sie Druckstellen und verderben.
Das bedeutet einen enormen logistischen Aufwand. Mineraldünger und Pestizide, hergestellt aus fossilen Rohstoffen, machen den größten negativen Umweltfaktor aus. Plastikverpackungen belasten die Umwelt zusätzlich.
Ägyptische Erdbeeren wurden an der Grenze zurückgewiesen
Bei der Einfuhr in die EU müssen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln unterhalb bestimmter Grenzwerte liegen. Doch die Kontrollen sind nur stichprobenhaft. Wer sie überschreitet, dem drohen keine allzu harten Konsequenzen.
So wurden Ende Januar dieses Jahres an der polnischen Grenze tiefgefrorene Erdbeeren aus Ägypten zurückgewiesen, denn bei Kontrollen waren Rückstände des in der EU verbotenen Pflanzenschutzmittels Oxamyl festgestellt worden. Daraufhin gab das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF [3]) eine Warnung heraus.
Oxamyl [4]ist seit 2023 auf dem europäischen Markt verboten. Dennoch wurde bereits im letzten November in einer anderen Sendung tiefgefrorener Erdbeeren aus Ägypten sowohl Oxamyl als auch Ametocetradin gefunden.
Die polnische Inspektionsbehörde [5] für Landwirtschaft und Lebensmittelqualität hält regelmäßig Lieferungen aus Ägypten wegen Schimmel, Verderb oder dem Nachweis verbotener Pflanzenschutzmittel zurück. Die wiederholten Funde verschärften die Kontrollen der Importe von tiefgefrorenem Obst.
Ägypten war mit mehr als 74 Prozent der Gesamtimporte im vergangenen Jahr der größte Lieferant tiefgefrorener Erdbeeren nach Polen. Allein im letzten Jahr wurden 59.700 Tonnen von dort nach Polen verschifft. Zeitgleich ging die inländische Produktion für die Verarbeitung [6] wegen niedriger Preise erheblich zurück.
Spanische Früherdbeeren mit Pestizidcocktails
2023 untersuchte Öko-Testspanische und ägyptische Erdbeeren [7] – insgesamt 14 Produkte – aus deutschen Discountern. In den bei Norma gekauften "ungenügenden" Erdbeeren wurden gleich sieben Pestizide gefunden.
In zwei als ungenügend bewerteten Produkten steckten gleich mehrere besonders bedenkliche Spritzmittel oberhalb von Spuren-Gehalten. Eines davon war Ethirimol, ein bienentoxisches Fungizid, das in der EU eigentlich verboten ist.
Entweder sei es illegal auf dem spanischen Feld gespritzt worden oder es habe sich zu Bupirimat abgebaut, das als krebserregend eingestuft, heißt es im Bericht. Ähnlich verhalte es sich mit dem Insektizid Cyflumetofen, das in den bei Penny gekauften Erdbeeren gefunden wurde.
In einer Bio-Erdbeeren-Packung wurde Spinosad nachgewiesen. Zwar sei das Mittel im Bio-Anbau unter bestimmten Bedingungen erlaubt, dennoch sei es wegen seiner Giftigkeit für Bienen problematisch.
Nur fünf Produktproben waren frei von Pestiziden, zwei davon wurden mit "gut" bewertet. Auch Erdbeer-Marmelade ist nicht frei von Pestiziden [8], wie Öko-Test im vergangenen Jahr herausfand. Analysiert wurden insgesamt 25 Erdbeer-Fruchtaufstriche, darunter neun Bio-Produkte. Mehr als die Hälfte der Produkte schnitt immerhin mit "sehr gut" oder "gut" ab, darunter waren alle Bio-Produkte.
Lange Transportwege, immenser Wasserverbrauch
Über eine Strecke von rund 2.500 Kilometern werden die Beeren per Lkw nach Deutschland transportiert und produzieren somit immense Kohlendioxid-Mengen. Dazu kommt: Um ein einziges Kilo Erdbeeren zu produzieren, werden rund 300 Liter Wasser verbraucht.
Der größte Teil der im oben genannten Test untersuchten Erdbeeren kam aus der andalusischen Provinz Huelva. Dort wachsen die Erdbeeren in riesigen Monokulturen unter Plastikplanen. Später landen große Teile der Folien auf illegalen Müllhalden, in die Umwelt und gelangen in die Nahrungsketten.
Weil das vorhandene Wasser nicht mehr ausreicht, bohren Landwirte immer tiefere Brunnenlöcher – viele davon illegal. Damit graben sie dem nahe gelegenen Nationalpark Coto de Doñana buchstäblich das Wasser ab. Das riesige Feuchtgebiet dient als Rastplatz für rund sechs Millionen Zugvögel auf dem Weg in ihre afrikanischen Winterquartiere.
Heimische Erdbeeren kaufen und erst kurz vor dem Verzehr waschen!
Auch der Kauf spanischer Bio-Erdbeeren im Frühjahr ist keine Alternative. Zwar sind sind die Bio-Früchte weitestgehend pestizidfrei. Doch auch sie haben lange Transportwege und verbrauchen viel Wasser [9] im Anbau.
Deutsche Früherdbeeren hingegen wachsen nur in energieintensiven Gewächshäusern. Damit belasten sie die Umwelt noch stärker.
Am besten geduldet man sich bis zum Start der deutschen Erdbeersaison Ende Mai: Heimische Erdbeeren enthalten reichlich Vitamin C, Folsäure und Mineralstoffe wie Kalium, Eisen, Magnesium und Kalzium.
Heimische Früchte schmecken besser, weil sie "vollreif" geerntet werden. Auch die Stiftung Warentest empfiehlt heimische Erdbeeren. In Südeuropa angebaute Sorten sind oft auf gute Transportfähigkeit gezüchtet, dafür sind sie weniger aromatisch. Zudem verlieren Importfrüchte mit der Zeit ihre Inhaltsstoffe.
Vor dem Verzehr sollte man die Erdbeeren in einer Schüssel mit kaltem Wasser kurz waschen [10], rät die Stiftung Warentest. Ein harter Wasserstrahl kann die zarten Früchte beschädigen. Erst danach sollte das Grün entfernt werden, sonst dringt Wasser in die Früchte ein. Werden sie vor der Lagerung gewaschen, verderben sie schneller.
Mehr als die Hälfte der Erdbeeren ist Importware
Der pro Kopfverbrauch von Erdbeeren [11] lag zuletzt bei 3,3 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Rund 41 Prozent des hiesigen Erdbeerbedarfs können durch heimische Ware gedeckt werden, der Rest wird importiert – davon etwa die Hälfte als Frischware (ohne Verarbeitungsprodukte).
Schätzungsweise rund 100.000 Tonnen Erdbeeren [12] werden jedes Jahr nach Deutschland importiert. Spanien ist für Deutschland laut Statistischem Bundesamt mit über 60 Prozent das wichtigste Lieferland für frische Erdbeeren, gefolgt von Griechenland, den Niederlanden, Israel, Neuseeland und Mexiko. Von November bis März kommen Erdbeeren außerdem aus Ägypten und Marokko.
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Deutschland braucht bis 2045 bis zu 600 GWh Batteriespeicher. Doch der Ausbau hinkt hinterher. Wer zahlt am Ende die Zeche für die neuen Gaskraftwerke?
Die Zunahme der Investitionen in Erneuerbare und deren natürlichen Fluktuationen müssen in den Netzen mit Hilfe technischer Maßnahmen aufgefangen werden. Der Zubau von Gaskraftwerken ist der von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche derzeit präferierte Ansatz. Ob sich diese Lösung auf längere Sicht wirtschaftlich darstellen lässt, erscheint bislang jedoch nicht gesichert.
Weder lässt sich absehen, dass sich für die fossilen Kraftwerke genügend Investoren finden, noch gibt es einen Ansatz, wie die für fossiles Gas künftig zu bezahlenden CO2-Abgaben auf die mit Erdgas zu betreibenden Kraftwerke und über den Merit Order Effekt auch auf die übrigen Stromerzeuger auswirken wird.
Auch die Folgen der aktuell geforderten Grüngasquote bei der Gasversorgung und die Beschaffung des Grüngases sind ebenso wenig eingepreist wie die irrlichternde US-Politik, die wohl eine längere Phase der Unsicherheit bei der Versorgung mit Erdgas und den geforderten Preisen mit sich bringen könnte.
Batteriespeicher als Lösung
Um das deutsche Stromnetz zu stabilisieren, beziehungsweise mit den benötigten Flexibilitäten zu versehen, sollte Deutschland seine installierte Batteriespeicherkapazität von derzeit rund 22 Gigawattstunden (GWh) auf bis zu 600 GWh bis zum Jahre 2045, wenn Deutschland nach bisheriger Planung klimaneutral sein will, erhöhen.
Nur so lassen sich die Stromnetze wirksam entlasten und die Energiewende auch systemstabil umsetzen. Die aktuell immer wieder auftretende Netzüberlastung ist dabei keinesfalls die Folge eines zu schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien, sondern vor allem das Ergebnis eines über viele Jahre hinweg verzögerten Netzausbaus, der mit der Dynamik der Erzeugung nicht Schritt gehalten hat.
Durchschnittlicher Preis für Li-Ionen-Akkumulatoren nach Zelltyp
Da gleichzeitig die Systemkosten für große Batteriespeicher in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind und langfristig um mehr als 60 Prozent unter dem früheren Niveau liegen könnten, muss die Energiewirtschaft jetzt handeln.
Aus dieser Entwicklung ergibt sich ein erheblicher Investitions- und Infrastrukturbedarf im Energiesystem. Ökologisch als auch ökonomisch sind die Investitionen letztlich nicht nur spannend, sondern auch vielversprechend.
Denn nur mit den Investitionen in große Batteriespeicher kann das Stromnetz stabil bleiben, auch wenn der Stromverbrauch steigt, nicht zuletzt durch Wärmepumpen, die inzwischen 70 Prozent der Heizungen bei Neubauten ausmachen. Hinzu kommt die zunehmende Zahl der Autofahrer, die auf E-Mobile umsteigen, und immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung [3] auf Grundlage veröffentlichter Verbrauchsdaten und Langfristszenarien maßgeblicher Institutionen wie Bundesnetzagentur, BMWK, BDEW, Fraunhofer ISE sowie energieökonomischer Klimaneutralitäts-Szenarien.
Der Bruttostromverbrauch dürfte sich nach verschiedenen Szenarien bis 2045 von derzeit rund 512 Terawattstunden (TWh) auf in der Spitze 1.300 TWh mehr als verdoppeln. Treiber neben der, wenn in Deutschland auch gemächlichen Umstellung auf Elektromobilität, der überwiegenden Nutzung von Wärmepumpen in Neubauten, der verstärkten Elektrifizierung in der Industrie nicht zuletzt die politisch geforderten und unterstützten zusätzlichen Rechenzentrumsleistungen.
Deutliche Lücke zwischen Bestand und notwendigem Ausbau
Die installierte Batteriespeicherkapazität ist in den vergangenen Jahren zwar dynamisch – von 0,2 GWh im Jahr 2018 auf rund 22 GWh zur Jahresmitte 2025 gewachsen.
Gemessen an den diskutierten Zielpfaden und den bereits seit zwei Jahren stetig wachsenden Phasen, in welchen negative Preise am Strommarkt bezahlt werden, bleibt der Ausbau jedoch deutlich hinter dem notwendigen und zukünftig absehbaren Bedarf zurück.
Batteriespeicher übernehmen dabei zentrale Funktionen, die bisher von zentralen fossilen Großkraftwerken übernommen werden. Sie gleichen kurzfristige Schwankungen aus Wind- und Solarstrom aus, stabilisieren Frequenz und Netzbetrieb und erhöhen die Flexibilität im Gesamtsystem.
Großer Vorteil gegenüber den von Regierungsseite favorisierten Gaskraftwerken ist die schnelle Reaktionsgeschwindigkeit bei Strommangel oder -überschuss.
Sinkende Systemkosten
Die Kombination aus wachsender Systemrelevanz und sinkenden Hardwarepreisen macht Speicherprojekte zugleich wirtschaftlich immer attraktiver.
Neben zusätzlicher Speicherkapazität rückt dabei vor allem die Art des Einsatzes in den Fokus: Die netzdienlichen Anwendungen wie Regelenergie, also der Notfallpuffer des Stromnetzes, Flexibilitätsproblem und netzstabilisierende Dienstleistungen gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil sie Erzeugung, Netz und Verbrauch effizient miteinander ausgleichen.
Regionale Konzentration
Regional konzentriert sich der Ausbau derzeit stark auf die westlichen Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Diese vereinen mehr als die Hälfte der installierten Leistung, während der gesamte Speicher-Markt strukturell weiterhin fragmentiert ist, denn ein Großteil entfällt auf dezentrale Klein- und Hausspeicher in Privatbesitz.
Großskalige Batteriespeicherprojekte haben bislang noch einen vergleichsweise geringen Anteil. Nach Einschätzung von Experten wird der beschleunigte Ausbau von Batteriespeichern damit zu einer zentralen infrastrukturellen Aufgabe der kommenden Jahre.
Der Netzanschluss von Speichern wird teurer
Da die Speicher in wirtschaftlicher Konkurrenz zu den von der Bundesregierung geplanten Gaskraftwerken stehen, ist damit zu rechnen, dass sich die Anschlussbedingungen für netzeingebundene Batteriespeicher [4] künftig deutlich verschlechtern und es für finanzkräftige Stromkunden immer attraktiver wird, sich vom öffentlichen Stromnetz abzukoppeln und auf sogenannte Inselversorgung umzusteigen.
Die Kosten der öffentlichen Stromversorgung wird sich dann im Wesentlichen auf die Kunden verlagern, die diese Möglichkeiten nicht besitzen.
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Links in diesem Artikel: [1] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Average-battery-cell-price-b.png [2] https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de [3] https://cav-partners.de/2026/02/23/deutschland-benoetigt-bis-2045-rund-zu-600-gwh-batteriespeicher-cav-analyse-zeigt-ausbau-nur-mit-verstaerktem-privatem-kapital-realisierbar/ [4] https://www.chip.de/news/haushalt-garten/mehr-kosten-fuer-heimspeicher-sie-treffen-privathaushalte-hart_e9a56872-d072-4f3f-9ffc-f7dc3b0509b7.html
heise+ | Apple MacBook Neo im Test: schick, rasant – und günstig
Von Heise — 23. März 2026 um 07:00
Das MacBook Neo hat einen Smartphone-Prozessor, fährt aber trotzdem Kreise um Windows-Notebooks mit x86-CPUs: Im Mainstream sind neue Zeiten angebrochen.
Mit dem Start des MacBook Neo bricht eine neue Ära bei Notebooks an: für Apple, weil das Unternehmen ab sofort mit einem 700-Euro-Notebook in neuen Preisregionen nach Kunden fischt. Und für alle anderen Notebookhersteller, weil Apple im hart umkämpften Massenmarkt ein Produkt auf die Beine stellt, das sie so nicht liefern können.
Das liegt daran, dass Apple seine Trümpfe voll ausspielt. Das Neo hat einen aktuellen Prozessor – aber nicht aus der Notebook-, sondern aus der Smartphonewelt. Der Apple A18 Pro debütierte 2024 im iPhone 16 Pro und bekommt jetzt ein zweites Leben im MacBook Neo. Unsere Benchmark-Ergebnisse zeigen, dass Apple bei CPUs für akkubetriebene Geräte jeglicher Art führt: Bei Rechenlast auf einem Einzelkern ist der A18 Pro ebenso flott wie der gezielt für MacBooks entwickelte M3 (Jahrgang 2023) und bei kurzer Last auf allen sechs Kernen immer noch so schnell wie der Achtkerner M1 von 2020. Erst nach minutenlanger Dauerlast zeigen sich Unterschiede.
Das ist bereits beachtlich, doch die volle Dimension wird erst ersichtlich, wenn man aktuelle Notebookprozessoren von AMD, Intel und Qualcomm zum Vergleich heranzieht. Im Cinebench 2024 kommt der A18 Pro auf 140 Punkte bei Last auf einem Kern (Singlethreading); Intels nagelneues 2026er-Flaggschiff Core Ultra X9 385H erzielte bei uns bloß 127 Punkte. Sogar hochgezüchtete Exemplare wie Core Ultra 9 275HX oder Ryzen 9 9955X3D, die Desktop-Baureihen entstammen und ausschließlich in ebenso sündhaft teuren wie schweren Gaming-Notebooks zum Einsatz kommen, kommen gerade einmal auf rund 130 Punkte. Die 2024er-Prozessoren Core Ultra 7 258V und Ryzen AI 7 350 für kompakte Notebooks schaffen je nach System 110 bis 120 Punkte.
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/tests/Apple-MacBook-Neo-im-Test-schick-rasant-und-guenstig-11168637.html [2] https://www.heise.de/hintergrund/Verkaufsstopp-bei-Acer-und-Asus-Was-es-mit-dem-Patentstreit-auf-sich-hat-11186102.html [3] https://www.heise.de/tests/Asus-ZenBook-Duo-mit-Intels-neuem-Core-Ultra-X9-388H-im-Test-11137702.html [4] https://www.heise.de/tests/Framework-12-im-Test-Reparaturfreundlicher-Laptop-10794860.html [5] https://www.heise.de/tests/ThinkBook-Plus-G6-Notebook-mit-ausrollbarem-OLED-Bildschirm-im-Test-11081373.html [6] https://www.heise.de/tests/Framework-Laptop-16-Aufruestbares-Gaming-Notebook-im-Test-10963107.html [7] https://www.heise.de/tests/Fuenf-guenstige-Office-Notebooks-mit-USB4-im-Test-10634647.html [8] https://www.heise.de/tests/Lenovo-IdeaPad-Slim-3-mit-24-Stunden-Laufzeit-und-Copilot-im-Test-10539204.html
Die Bundeswehr zwischen Aufrüstung, Personalproblemen und dem Kampf um Glaubwürdigkeit von innen. Ein Telepolis-Interview mit Major a.D. Florian Pfaff.
Quo vadis Bundeswehr? Angesichts des Ukrainekriegs und der Kriege im Nahen Osten erlebt sie eine massive Aufrüstung, während dieses Jahr ein (zunächst freiwilliger) Wehrdienst wieder eingeführt wurde. Jenseits der sicherheitspolitischen Neuausrichtung kämpft die Truppe mit internen Problemen: Personalmangel, rechtsextremistische und sexistische Vorfälle belasten das Bild der Armee.
Eine kritische Stimme in der Armee selbst ist der Arbeitskreis Kritische Soldaten / Darmstädter Signal, der die Entwicklung aus friedenspolitischer [1] und demokratischer [2] Perspektive hinterfragt.
Im Interview analysiert Major a.D. Florian Pfaff [3] die Folgen der aktuellen Aufrüstung, die seiner Meinung nach nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu gesellschaftlicher Spaltung führt. Zudem thematisiert er die Personalprobleme der Truppe, die er in der Realität von Angriffskriegen begründet sieht.
Pfaff: Unser Grundsatz ist: Sicherheit ist mehr als militärische Stärke. Der Arbeitskreis respektiert die Rolle der Bundeswehr als Bestandteil der Verteidigung unserer demokratisch verfassten Gesellschaft auf der Basis des Grundgesetzes und des Völkerrechts.
Wir sehen uns als kritische Begleiter der Politik hinsichtlich des Auftrags der Streitkräfte, ihrer Bindung an Recht und Moral, der Umsetzung des Konzepts des Staatsbürgers in Uniform, sowie nichtmilitärischer Alternativen der Konfliktbewältigung und Friedensförderung.
▶ Wir erleben in Deutschland zurzeit eine militärische Aufrüstung und Zuspitzung der Außenbeziehungen. Wie ordnen Sie diese Entwicklungen ein und welche Risiken sehen Sie für die Bundeswehr?
Pfaff: Die Zuspitzung lässt sich auch in der Innenpolitik feststellen. Statt gesellschaftlicher Konsensbildung erleben wir eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung.
Solange die Bundeswehr de facto Angriffskriege führt, läuft sie Gefahr, dass ihr das Personal ausgeht und das verbleibende immer mehr aus Leuten besteht, die bereit sind, unmoralisch und gesetzeswidrig zu handeln.
Die Unterdrückung von Kritik [7] wirkt sich in allen Bereichen negativ aus – nicht nur das Material betreffend, sondern auch gutes Personal.
▶ Jüngst wurde ein Wehrdienst eingeführt [8], deutschlandweit erhalten Schüler seit dem 1. Januar ihre Bereitschaftserklärungen. Wie haben Sie die Debatte wahrgenommen und welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für die Bundeswehr?
Pfaff: Die Zahl der Freiwilligen ist zwar durch die Massenbefragung gestiegen, aber bei weitem nicht so, dass die Personalprobleme damit lösbar wären. Ich sehe vor allem, dass es nicht um ein friedliches Miteinander geht, sondern der Fokus ausschließlich auf militärischer Stärke liegt. Das führt dann aber zur Aufrüstung der Gegenseite.
Mit "guter Nachbarschaft" hat das nichts zu tun. Nur die würde zu Sicherheit führen. Es droht also nicht Freundschaft, sondern noch mehr Kampf und Terror, im schlimmsten Fall Eskalation zu noch größeren Kriegen bis zu einem Atomkrieg.
Die Herausforderung besteht darin, wie man den Druck aushält und die Wahrheit vermitteln kann.
▶ Die Bundeswehr steht wegen sexistischen [9] und rechtsextremistischen [10] Vorfällen in der Kritik. Woran sehen Sie die wesentlichen Ursachen für diese Phänomene und wie könnte die Bundeswehr ihnen von innen besser entgegentreten?
Pfaff: Das Hauptproblem ist das falsche Vorbild von ganz oben. Demonstrative Missachtung des nationalen und internationalen Rechts und Ablehnung verbindlicher Urteile entstehen ja nicht unten. Um den Fisch zu retten, müsste man zuerst den kranken Kopf heilen.
▶ Ihr Arbeitskreis hat eine lange Bestehensgeschichte, stand in vergangenen Jahren aber auch schon einmal vor der Auflösung. Mit welchen Problemen sind Sie bei Ihrer Arbeit konfrontiert und welche Perspektiven sehen Sie trotz alledem?
Pfaff: Wir bekommen kaum noch Aktive aus der Bundeswehr. Wir und unsere Argumente werden von der Bundeswehr, zum Teil auch vom Staatsschutz und den Mainstream-Medien bekämpft. Eine Mitgliedschaft wird als Karrierehinderns empfunden – leider zu Recht.
Vor allem die Propaganda und mediale Gehirnwäsche funktionieren sehr gut. Derzeit sowie kurz- und mittelfristig haben wir damit zwar kein Problem. Langfristig droht uns aber tatsächlich die Auflösung oder Reduzierung bis zur medialen Bedeutungslosigkeit.
Ich sehe zwei Lösungen. Entweder wir schaffen es, mit unseren guten Argumenten Einsicht zu erzeugen, damit die Verantwortlichen in der Politik zur Vernunft kommen – oder es müssen so viele Menschen davon überzeugt werden, dass größere militärische Stärke nicht zu mehr Sicherheit führt, dass die betreffenden Politiker, die den Niedergang – nicht nur der Bundeswehr, sondern auch der Wirtschaft – bewirken, ersetzt werden.
Ich nehme an, dass es auf das Letztere hinausläuft, denn der Niedergang wird von immer mehr Menschen wahrgenommen. Immer mehr Menschen begreifen weltweit die Ursachen des Malheurs.
Dabei helfen uns vor allem die sozialen Medien und die "Mund-zu-Mund-Beatmung".
An die rein theoretische Möglichkeit, dass der Rechtsstaat das Problem auf die eigentlich dafür vorgesehene Weise intern löst – durch eine Anklage der Straftäter und Verurteilung durch Gerichte – glaube ich nicht. Die Staatsanwaltschaften unterstehen den Akteuren und wo kein Kläger, da bekanntlich kein Richter.
Niemand sollte verzagen oder die Geduld verlieren!
Benjamin Roth sprach mit Florian Pfaff. Pfaff ist Pädagoge und Major außer Dienst bei der deutschen Bundeswehr. 2003 verweigerte er die Mitwirkung am Irakkrieg [11] und wurde dafür degradiert [12]. 2005 wurde er rehabilitiert, 2013 in den Ruhestand versetzt. Seit 2019 ist er Sprecher des Arbeitskreises kritische Soldaten / Darmstädter Signal.
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Länger arbeiten, weniger Pausen: Folgen eines neuen Arbeitszeitgesetzes?
Von Marcus Schwarzbach — 22. März 2026 um 14:00
Merz will Arbeitszeiten verlängern – doch viele Beschäftigte sind jetzt schon am Limit. Was das für die Arbeitswelt bedeutet.
Die Agenda von Bundeskanzler Friedrich Merz lässt sich für die Arbeitswelt leicht beschreiben: Die Beschäftigten sollen mehr arbeiten. Länger am Tag, indem die Zehn-Stunden-Höchstarbeitszeitgrenze abgeschafft wird, und länger, indem Rentenansprüche gekürzt werden. Die Arbeitsbedingungen in den Betrieben werden dabei kaum thematisiert.
Beispiele, wie die alltägliche Situation im Arbeitsleben ist, gibt es reichlich. Der Druck auf Pflegekräfte wird immer größer, die Arbeitsbedingungen in Sozial- und Gesundheitsberufen haben sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Das zeigt eine Analyse [1] von Anja Hall und Ana Santiago-Vela vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung erfolgte.
Beschäftigte in diesem Bereich fühlen sich weiterhin stärker belastet als Beschäftigte in anderen Berufen. Dies gilt sowohl für die Arbeitsintensität als auch für die physischen Arbeitsbelastungen. Viele Beschäftigte denken deshalb darüber nach, die Branche zu verlassen, was den bestehenden Personalmangel noch verschärfen würde.
Die Arbeitsbelastungen können weitgehende folgen haben. Deshalb ist Burnout "bittere Realität für viele Pflegekräfte" berichtet [2] die Online Pflege Akademie:
"Um Burnout in der Pflege nachhaltig zu begegnen, müssen wir verstehen, woher der enorme Druck kommt. Die Hauptursache liegt oft im systemischen Personalmangel, der die Arbeitsbelastung für das verbliebene Pflegepersonal ins Unermessliche steigert. Wenn Sie die Arbeit von zwei Kollegen übernehmen müssen, ist Stress vorprogrammiert.
Dieser ständige Zeitdruck führt dazu, dass die eigentliche Pflege am Menschen zu kurz kommt. Dieses Missverhältnis zwischen dem Wunsch zu helfen und der Realität der Fließbandarbeit ist ein zentraler Treibstoff für Burnout in der Pflege. Die Unzufriedenheit wächst, und die Motivation sinkt rapide."
Gefährdungsbeurteilung vorgeschrieben – aber von Unternehmen oft ignoriert
Über 75 Prozent der Krankenpfleger und 67 Prozent der Altenpfleger sagten nach einer Umfrage des DGB, dass sie ihren Beruf unter den aktuell schweren Bedingungen wahrscheinlich nicht bis zur Rente ausüben können. Probleme bestehen aber nicht nur im Pflegesektor. Im Durchschnitt leidet jeder zweite Beschäftigte im Dienstleistungssektor – quer durch alle Branchen – unter Arbeitshetze und Zeitdruck, berichtet die Gewerkschaft Verdi [3].
"Der wirksame Schutz der Arbeitnehmer*innen vor jenen Fehlbelastungen und Beanspruchungen, die gesundheitlich relevant sind, zählt zu den zentralen Herausforderungen der Zeit."
Bereits heute bestehen Pflichten der Unternehmen, die Arbeitsbedingungen zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Eine Gefährdungsbeurteilung im Betrieb ist vom Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben. Diese soll Gefahren aus Sicht der Beschäftigten ermitteln, auch bei psychischen Belastungen. Arbeitsverdichtung, Zeitdruck und Stress prägen vielerorts den Arbeitsalltag.
Angesichts des enormen Präventionspotenzials ist die geringe Umsetzungsrate von nur rund 28 Prozent gegenüber den seit Jahren steigenden Fehlzeiten durch psychische Diagnosen für den BDP kaum nachvollziehbar.
Um die Ursachen für die Überlastung zu finden, ist es wichtig, die Beschäftigten in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Mitarbeiterbefragungen oder Workshops mit den betroffenen Beschäftigten finden in den Betrieben jedoch, wenn überhaupt, meist nur auf Druck von Betriebsräten oder Gewerkschaften statt.
Tarifverträge als Gegenmaßnahme stossen auf Widerstand der Unternehmer
In Tarifverhandlungen fordern Gewerkschaften deshalb zunehmend nicht nur mehr Lohn, sondern auch Maßnahmen gegen Stress am Arbeitsplatz. Die Arbeitsbedingungen verschieben Prioritäten der Belegschaften.
Mehr freie Zeit kann wichtiger sein als mehr Geld – deshalb sehen immer mehr Tarifverträge Wahlmöglichkeiten vor. Die Beschäftigten können entscheiden, ob sie eine Sonderzahlung oder freie Zeit haben möchten.
Je nach Tarifvertrag beinhaltet die Option etwa zusätzliche Urlaubstage oder eine verkürzte Wochenarbeitszeit, etwa in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemischen Industrie oder bei der Deutschen Bahn.
"Mehr Zeit kann besser sein als mehr Geld. So sieht es die Mehrheit der Beschäftigten, denen ein Tarifvertrag eine Wahloption zwischen mehr Freizeit und mehr Lohn ermöglicht."
Hans-Böckler-Stiftung
Konkret haben sich 59 Prozent der Befragten ausschließlich für mehr Zeit entschieden, sechs Prozent für eine Kombination aus mehr Zeit und Geld und 35 Prozent ausschließlich für mehr Geld. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung [5] von Alexandra Mellies, Anja Abendroth, Florian Zimmermann, Kevin Ruf und Yvonne Lott für das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
Die Analyse enthält Angaben von rund 1.900 Arbeitenden, die nach Abschluss der Tarifrunde eine Wahlmöglichkeit hatten. Besonders häufig entscheiden sich dafür Beschäftigte in Betrieben, die ein belastendes Arbeitsklima haben.
Auch in aktuellen Tarifrunden sind Arbeitsbedingungen bedeutsam. "Die Fahrer sind am Ende ihrer Kräfte [6]", sagte Gewerkschaftssekretär Serat Canyurt bereits zu Beginn der Gespräche im Berliner Nahverkehr.
Neben freien Tagen zur Entlastung fordert die Belegschaft der Berliner Verkehrsbetriebe die Einhaltung der Mindestruhezeit von elf Stunden und eine maximale Schichtlänge von zwölf Stunden. Zudem sollen die Wendezeiten auf sechs Minuten erhöht werden. Dieser Kampf für bessere Arbeitsbedingungen trifft auf den Widerstand der Unternehmensvertreter.
Nach bundesweiten Februar-Streiks im öffentlichen Nahverkehr hat der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Steffen Kampeter, eine Einschränkung des Streikrechtes gefordert. Die gewerkschaftlichen Aktivitäten seien ein "plumper Erpressungsversuch [7]", so Kampeter.
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-warum-viele-an-den-ausstieg-denken-75244.htm [2] https://www.onlinepflegeakademie.de/blog/burnout-in-der-pflege-warnsignale-erkennen-und-neue-berufliche-wege-finden [3] https://www.verdi.de/arbeit-recht/ueberlastungsanzeige-gefaehrdungsanzeige-gefaehrdungsbeurteilung-schutz-am-arbeitsplatz-durchsetzen [4] https://www.bdp-verband.de/aktuelles/detailansicht/fachliche-empfehlungen-zur-gefaehrdungsbeurteilung-vorbereitungsveranstaltung [5] https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-rund-60-prozent-der-beschaeftigten-entscheiden-sich-fuer-mehr-zeit-74541.htm [6] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1195820.tarifverhandlungen-und-bvg-kurze-pause-zum-pinkeln-an-der-endhaltestelle.html [7] https://www.zeit.de/arbeit/2026-03/streik-nahverkehr-arbeitgeberpraesident-steffen-kampeter-gxe
Europa rüstet militärisch auf – und lässt seine Demokratie digital verrotten. Eine europäische Medienoffensive ist entscheidend für den "European way of life".
Eine "Europäische Medienplattform" fordert der schwarz-rote Koalitionsvertrag. Aber keiner weiß, was das eigentlich sein soll, die Ideen schwanken zwischen selbstorganisierten "interaktiven" Modellen und einer Art transnationaler Mediathek.
Aber soll eine solche Medienplattform nur zugänglich machen, was es ohnehin schon gibt, oder soll sie auch selber produzieren, also zum Beispiel arte für ganz Europa werden, ja: in die Welt expandieren?
Das ist eine der zentralen Fragen, die mittlerweile nicht nur von Medienpolitikern, sondern auch von Initiativen "von unten" verfolgt werden. Diskutiert wurden sie vergangene Woche beim "Medienpolitischen Kongress 2026 [1]" der Berliner Landesvertretung des Bundeslands Baden-Württemberg.
Haben Demokratien die Kraft für den großen Wurf?
Jedenfalls bloß keine Kathedrale. Also keine zu großen, zu teuren, zu langfristigen und "auf dem Reißbrett" entworfenen Vorhaben. Darauf zumindest konnten sich scheinbar alle Teilnehmer des Kongresses einigen. Aber warum eigentlich nicht?
Immerhin sind Kathedralen eines der wenigen Bauwerke, die vom Mittelalter heute noch stehen geblieben sind. Kathedralen sind robust, groß und nachhaltig, sie machen was her, bieten Platz für alle und verschiedene Altäre und Seitenflügel für jeden Geschmack, oft sogar einen Kreuzgang als Meeting Point, aber immer zusammengefasst unter einem gemeinsamen Dach – das wäre doch alles gar nicht so schlecht für die angestrebte Medienplattform.
Das Problem ist vielleicht eher, dass die Demokratien in ihrem derzeitigen Zustand gar nicht in der Lage wären, eine Kathedrale zu bauen. Darum fürchten sie schon die bloße Idee. Denn jeder entsprechende Plan würde zerredet und dann in den paritätisch und divers besetzen Gremien so lange kleingeschmirgelt, bis am Schluss nur noch ein großer Sandhaufen übrig bliebe.
Angst prägt das Denken
In der Praxis prägt Angst das Denken vieler Akteure: Angst vor der eigenen Courage, Angst vor den Konsumenten, die auch Wähler sind, und angeblich mehrheitlich gegen den Ausbau der öffentlich-rechtlichen Sender eingestellt sind, und vor allem Gebühren vermeiden wollen.
Aber hat es nicht gerade in der Schweiz eine bemerkenswerte Volksabstimmung gegeben, die das Gegenteil zu belegen scheint?
Die dortige von rechtspopulistischen Kreisen veranlasste sogenannte "Halbierungsinitiative" zur Kürzung und Deckelung der Rundfunkgebühren wurde bei einer Volksabstimmung am 8. März mit sehr deutlicher Mehrheit von über 60 Prozent abgelehnt. So ist die Finanzierung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) dauerhaft gesichert.
Vor allem aber gibt es unter den europäischen Medienpolitikern Angst vor dem Kampf mit den US-Konzernen, den man mit der Gründung einer Medienplattform aufnehmen müsste. Der Europäische DMA [2] (digital markets act [3]) bietet dafür im Prinzip viele Möglichkeiten und gibt der Europäischen Kommission starke juristische und medienpolitische Instrumente an die Hand.
Die Kommission kann formelle Untersuchungen und Verfahren einleiten, sie kann Geldbußen und Zwangsgelder verhängen, und sie kann dauerhafte politische Auflagen beschließen, wie den Verkauf von Unternehmensteilen, das Verbot bestimmter Geschäftsmodelle und in letzter Konsequenz die "nukleare Option" einer Konzern-Zerschlagung.
Aber es sind vor allem Anhänger des ökonomischen Neoliberalismus, die sich solchen möglichen Maßnahmen verweigern. Man hat Angst, sich mit den US-amerikanischen Medienplattformen anzulegen.
Eine europäische Medienverteidigungsgemeinschaft?
Trotzdem kann man sich auch auf europäischer Ebene in medienpolitischen Fragen nicht mehr lange um die echten Probleme herumdrücken: die einseitige Konzernmacht, das Qualitätsdumping und die daraus folgenden mittelfristigen Gefahren für die Demokratie.
Man muss sich einigen – das ist das Problem in Deutschland wie in Europa. Entscheidungsfreudiges Durchregieren wäre darum eigentlich auch für demokratische Akteure angesagt, bevor es die anderen machen. Wenn die Demokratie nämlich nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, die den kleinstmöglichsten Kompromissnenner übersteigen, stehen andere schon bereit.
Tatsächlich braucht Europa aber noch mehr: Nämlich eine Art europäische Medienverteidigungsgemeinschaft, die auch finanziell gut ausgestattet ist, und nicht nur als Abwehrbollwerk, sondern als Gestalter öffentlichen Raums auftritt. Anstatt militärisch aufzurüsten, sollte man vielleicht medienpolitisch aufrüsten.
Nur ein Leopard-Panzer weniger in die Ukraine und das Geld dafür in den Medienpolitik – das wäre eine großartige medienpolitische Initiative.
"European way of life" für die Welt
Wie eine solche europäische Medienverteidigungsgemeinschaft in der Praxis aussehen könnte, skizzierte der Berliner auf der Veranstaltung der Berliner Medienwissenschaftler Christian Neuberger [7] (FU-Berlin).
In kreativer und eigenständiger Weise griff Neuberger die Hauptthesen des am vergangenen Wochenende verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas zum "Strukturwandel der Öffentlichkeit" auf, und formulierte sie in die Zukunft gerichtet auf die europäische Situation um.
Die Medienpolitik in Europa, so Neuberger, müsse ihre defensive Grundhaltung ablegen. Medien, Texte, Filme, Plattformen könnten auch als attraktive Soft Power begreifen, mit der sich Werte und Lebensweisen global vorführen und verbreiten lassen: den "European way of life".
Diese Idee europäischer Soft Power und ihrer Institutionen gewinnt in den letzten Monaten, in denen sich Europa geopolitisch konsolidiert, zunehmend an Bedeutung: Nur eine von Sonntagsreden über Völkerrecht und "regelbasierte" Ordnung garnierte Militarisierung wird Europa als außenpolitischen Akteur immer weiter an den Rand des Geschehens drängen.
Auf dem Weg zu einer "transnationalen Öffentlichkeit" in Europa
Neuberger skizzierte zunächst eine krisenhafte Ausgangslage: Eine "transnationale europäische Öffentlichkeit" gebe es zurzeit nicht. Gerade die größeren EU-Staaten denken noch immer in nationalstaatlichen Kategorien.
"Es fehlen Paneuropäische Medien. Es fehlt eine konsequente europäische Ausrichtung der Politik-Berichterstattung der jeweiligen nationalen Medien."
Es fehlt auch ein gemeinsamer europäischer Diskurs.
Eine europäische Öffentlichkeit müsse aber das Ziel auch aller Medienpolitik sein: das Abstreifen nationaler Verengungen des Denkens und des Geschmacks und der Fixierungen auf Standortpolitik.
Als Beispiel nannte Neuberger den in Berlin stattfindenden, europäischen Gipfel für Digitale Souveränität [8] am 18. November 2025. Das Ziel, dass Europa die Spielregeln der digitalen Welt selbst mitbestimmen will, scheint klar. Aber wie das geschehen könnte, ist derzeit völlig offen. Europa ist einstweilen Spielball zwischen den USA und Asien.
Neuberger empfahl für den Umgang mit den gern beschworenen "europäischen Werten" und dem von ihm selbst ins Spiel gebrachten Begriff des "European way of life" einen weniger "appellhaften", stärker "analytischen" Umgang.
Ein europäischer öffentlicher Raum
Schon um diesen Umgang diskursiv zu verhandeln, also für eine Debatte um die Zukunft Europas müsse eine Debattenplattform für – ganz im Sinne Habermas' – rationale herrschaftsfreie Meinungsbildung" institutionell verankert werden. Es geht in einem ersten Schritt um Zugang und um das Organisieren und Kuratieren von Diskussionen. Neuberger nannte als konkretes praktisches Beispiel solcher Initiativen die radiosphere [9] (Radiocentric platform).
Das langfristige Ziel eines "European public space" für die digitale Öffentlichkeit des gemeinsamen Europas, der in der Lage sein wird, die lokalen und nationalen Öffentlichkeiten zusammenzubringen, enthält für Neuberger mehrere Elemente.
Ein "journalistisch kuratierter Kernbereich" müsse die klassische Aufgabe der Informationsvermittlung erfüllen. Überdies brauche man Möglichkeiten des Diskurses und dessen Moderation. Und: Medien-Archive. Aufgabe einer solchen Plattform sollte auch die "Kontextualisierung" der Themen und Debatten sein.
Für ein derart ehrgeiziges Vorhaben ist für Neuberger klar:
"Es braucht Geldgeber; es braucht Kuratoren; es braucht die diskursive Prüfung von Inhalten."
Nur durch den gezielten Aufbau einer solchen digital organisierten, transnationalen europäischen Öffentlichkeit und ihrer Institutionen, durch den gezielten Aufbau von europäischen Medien, lässt sich für Neuberger der grassierenden Aushöhlung der Demokratie und dem Aufstieg rechtsextremer Parteien entgegenarbeiten.
Denn auch "Kommunikatives Handeln" (Jürgen Habermas) ist vor allem Handeln.
Eine neue Rationalität, eine Neublüte der Wissenschaften und Künste
Robert Suckale (1943-2020), deutscher Kunsthistoriker und Mittelalterforscher, schrieb über die gotischen Kathedralen:
"Die gotische Architektur ist Ergebnis höchst komplexer Vorgänge... Wir begegnen einer außerordentlich dynamischen Gesellschaft, die auf fast allen Gebieten Neues versuchte. Die Welt der Gotik war weder so heil, wie manche glauben, noch war ihre Kirchenbaukunst nur Glaubenssache. Religion und Politik waren ... vermengt; der Kirchenbau ist immer auch öffentlicher Bau. ...
Wir sehen die gotische Architektur eher als einen sinnfälligen Ausdruck des Aufbruchs Frankreichs und dann Europas im 12. und 13. Jahrhundert, als Teil dieses Neubeginns, dem wir neben einer neuen Rationalität in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft auch die Neublüte der Wissenschaften und Künste verdanken."
Europa braucht neue Kathedralen.
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Elon Musks Halbleiterfertigung: Die Terafab wird ein Tera-Fail mit Ansage
Von Johannes Hiltscher — 22. März 2026 um 14:58
Auf einer Science-Fiction-Vision baut Elon Musk die Pläne für seine Halbleiterfertigung auf. Was fehlt, sind ein Konzept und die Möglichkeit zur Umsetzung.
Elon Musk stellt seine Pläne für die Terafab vorBild:
SpaceX
Ein Terawatt an KI-Chips will Elon Musk künftig im Jahr herstellen, die Solarzellfertigung soll analog skaliert werden. Für die Umsetzung der Vision müsste – so geht es aus der Vorstellung von Musks Plänen hervor – die Fertigungskapazität an High-End-Prozessknoten um grob den Faktor 50 steigen.
Da Samsung, TSMC und vermutlich auch Intel einen entsprechenden Ausbau abgelehnt haben, will Musk den nun selbst in die Hand nehmen. In Austin, Texas, soll seine Terafab gebaut werden.
In seinem gut 25-minütigen, über X gestreamten Vortrag vor SpaceX-Mitarbeitern ging Musk allerdings nur sehr abstrakt auf die Pläne ein. Neben der groben Kapazität – sie lässt sich auf rund 2,5 bis 3 Millionen Wafer-Starts pro Monat abschätzen – gab Musk einen sehr allgemeinen Ausblick auf die Fähigkeiten der Terafab. So soll sie Logik- und DRAM-Prozesse fertigen und über Advanced Packaging sowie eine eigene Maskenfertigung verfügen. Alles vom Wafer bis zum fertigen Chip unter einem Dach.
Musk will alles alleine machen
Nach Musks Vorstellung soll das um eine Größenordnung schnellere Zyklen bei der Entwicklung von Prozessen und Chips ermöglichen. Das alles soll offensichtlich ohne externen Partner aufgebaut werden.
Von null einen Leading-Edge-Fertigungsprozess aufzubauen, ist bereits eine kaum schaffbare Herausforderung. Daher holte sich etwa Rapidus, das in Japan eine 2-nm-Fertigung aufbaut, Hilfe von IBM .
Start-up-Mentalität hat ihre Grenzen
Rapidus plant den Start der Serienfertigung für 2027 , brauchte also selbst mithilfe von IBM rund fünf Jahre nach Projektstart. Elon Musk stellte nicht einmal einen erfahrenen Projektleiter aus der Halbleiterbranche vor, der sein Projekt unterstützt.
Hinzu kommt, dass ein komplettes Ökosystem skaliert werden muss, um Musks Vorstellungen überhaupt möglich zu machen. Denn es genügt nicht, ein Dutzend große Reinräume zu bauen, auch wenn Musk meint, die nicht zu brauchen . Eine Halbleiterfabrik ist etwas anderes als ein Gigawatt-Rechenzentrum, das Musk innerhalb weniger Monate hochziehen lassen kann. Für die wesentlich anspruchsvolleren Gebäude gibt es eine überschaubare Anzahl an Firmen, die sie planen und bauen können.
Und wenn die Fabrik, kurz Fab, steht, wird es richtig problematisch: Eine Halbleiterfabrik muss mit Maschinen bestückt werden, die Maschinen benötigen Verbrauchsmaterial, dessen Rohstoffe gefördert werden müssen, es müssen Menschen in der Fab arbeiten. All das skaliert relativ linear mit der Größe einer Fab, und die gesamte Lieferkette kann nicht kurzfristig auf ein Vielfaches skaliert werden.
Vorstellen kann man sich viel, in der realen Welt existieren aber reale Beschränkungen, die sich nicht einfach aufheben lassen.
Musks Projekt wird allein dadurch ausgebremst, dass die Maschinenbauer ASML, Lam Research, Tokyo Electron und weitere ihre Produktion nicht einmal schnell vervielfachen können. Gleiches etwa bei den Produzenten der Silizium-Wafer – die wiederum auf Lieferanten entsprechender Maschinen und Rohstoffe angewiesen sind. Elon Musk scheint stets vom Ende zu denken und dabei die komplexeste Lieferkette der Welt zu übersehen.
Selbst, wenn die Fab eingerichtet sein sollte, fehlt noch immer das Know-how für Halbleiterfertigung in zwei sehr verschiedenen Disziplinen. Auch Advanced Packaging und Maskenfertigung sind wesentlich komplexer, als sie auf den ersten Blick wirken mögen.
In der Fertigung werden nicht nur dutzende Materialien verwendet – allein Kontaktierungen und Leiter bestehen aus mehreren Schichten; die Prozesse, in denen sie verarbeitet werden, haben viele Parameter. Und ein Fehler in einem Schritt kann den gesamten Prozess ruinieren.
Das von Null aufbauen zu wollen, ist einfach zum Scheitern verurteilt – denn beliebig erhöhen lässt sich die Iterationsgeschwindigkeit nicht. Viele Analysen sind kleinteilige Arbeit mit dem Elektronenmikroskop. Vielleicht will Musk aber auch den Weg gehen, der bei KI verfolgt wird.
Bild 1/4: Ein gerendertes Bild der Terafab gibt es bereits. (Bild: SpaceX)
Bild 2/4: Die Chips aus der Terafab sollen in Teslas, Optimus und Weltraumrechenzentren landen. (Bild: SpaceX)
Bild 3/4: Elon Musks Vision der Zukunft. (Bild: SpaceX)
Bild 4/4: Aktuell finden sich sieben Stellenausschreibungen zur Terafab bei Tesla. (Bild: Tesla)
Halbleiterfertigung ist weder KI noch Rakete
Möglicherweise ist Musks Vorstellung, dieses Wissen einfach einkaufen zu können. Bei KI überbieten sich die großen Entwickler ja auch mit lukrativen Angeboten, um die klügsten Köpfe anzuziehen. Im Halbleiterbereich scheitert dies aber daran, dass die Verträge erfahrener Mitarbeiter nach ihrem Ausstieg erst einmal die Tätigkeit für einen Konkurrenten untersagen, bei TSMC etwa für üblicherweise 18 Monate.
Damit versuchen die Fertiger, ihr Prozesswissen, den Hauptwert der Unternehmen, zu schützen. Nach zwei aufsehenerregenden Fällen bei TSMC von Industriespionage sowie einer ehemaligen Führungskraft, die Geschäftsgeheimnisse an Intel verraten haben soll , dürfte die Sensibilität noch einmal größer worden sein.
Zwar sind die groben Aufbauten moderner Halbleiter teils bekannt, es bleiben aber die vielen Prozessparameter. Zudem verfügt jeder Halbleiterhersteller über eine Vielzahl an Patenten. Auch durch diesen Dschungel muss sich ein neuer Hersteller bewegen. Das ist ein weiterer Grund, warum es ohne Partner kaum geht: Ein Partner bringt auch ein entsprechendes Patentportfolio mit.
Was kostet das alles?
Neben den technischen Problemen gibt es noch ein weiteres: Musks Vorstellung ist unglaublich teuer. Ein exaktes Preisschild lässt sich nicht an die Terafab kleben, es wären aber definitiv mehrere Hundert Milliarden US-Dollar.
Das ist allerdings das kleinere Problem – wenn es einen gesellschaftlichen Konsens gäbe, wäre ein solches Projekt durchaus umsetzbar. Der Ökonom John Maynard Keynes sagte einst: "Alles, was wir tatsächlich zustande bringen, können wir uns leisten" . Fraglich nur, ob es die gibt, denn Musks Vorstellungen würden das irdische Ökosystem immens belasten. Für Musk spielt das keine Rolle, er sieht die Zukunft der Menschheit schließlich im All.
Den Großteil von Musks Vortrag zur Terafab machten entsprechend Geschichten von seiner Vision einer interstellaren Zivilisation aus. In der gebe es dank Billionen Robotern "Überfluss für alle" .
Wer sich fragt, wo all die Chips denn hin sollen: Ein Terawatt an Rechenleistung will Musk allein in Form von Weltraumrechenzentren jährlich ins All schießen. Bereits in seiner sehr optimistischen Abschätzung, in der 100 kW Rechenleistung nur eine Tonne Masse haben, würde das bis zu 50.000 Starship-Starts im Jahr erfordern. Und die Weltraumrechenzentren werden nach wenigen Jahren wohl in der Atmosphäre verglühen.
Zusätzlich sollen noch Chips für jährlich 1 bis 10 Milliarden Optimus sowie Teslas Autopiloten gefertigt werden. Im Vortrag durfte dann auch ein Video des Massentreibers auf dem Mond nicht fehlen, den Musk so mag. Man muss Elon Musk zugestehen, dass er bereits einige Visionen erfolgreich umsetzen konnten, die andere für zu groß oder unrealistisch hielten. Aber der Hyperloop oder die Boring Company zeigen, dass große Pläne auch scheitern können, wenn sie zu komplex sind. Das gleiche Schicksal wird die Terafab ereilen.
Musks Science Fiction hat Charme
Zugegeben, es ist schwer, sich der Attraktivität der von Musk beschriebenen schönen neuen Welt zu entziehen.
Auf den Boden der Tatsachen holt einen allerdings, dass die Vision der raumfahrenden Spezies das Konkreteste an Musks Plänen für die Terafab ist. Die Vorstellung vom Massentreiber auf dem Mond ist konkreter als die der Fab, welche überhaupt erst einmal mit ihrem gigantischen Output helfen soll, die Startkosten so weit zu senken, dass eine Besiedelung des Alls finanziell möglich wird.
Bild 1/4: Ein gerendertes Bild der Terafab gibt es bereits. (Bild: SpaceX)
Bild 2/4: Die Chips aus der Terafab sollen in Teslas, Optimus und Weltraumrechenzentren landen. (Bild: SpaceX)
Bild 3/4: Elon Musks Vision der Zukunft. (Bild: SpaceX)
Bild 4/4: Aktuell finden sich sieben Stellenausschreibungen zur Terafab bei Tesla. (Bild: Tesla)
Das einzig Konkrete an der Terafab sind aktuell sieben Stellenausschreibungen auf der Homepage von Tesla. Sieben. Lassen wir das auf uns wirken. Bereits OpenAI scheiterte mit seinen Fab-Plänen , die weitaus realistischer waren als die von Elon Musk. TSMC hätte, so der Plan, als Partner fertige Prozesse und Erfahrungen beim Betrieb von Fabs mitgebracht. Elon Musk hat nichts davon. Die Terafab wird ebenfalls scheitern.
OpenAI: Werbung in ChatGPT bislang nicht erfolgreich
Von Michael Linden — 22. März 2026 um 13:34
OpenAI testet Anzeigen in ChatGPT mit Branchenriesen wie WPP und Dentsu – doch das Rollout lahmt, und die Partner werden unruhig.
Einblendung von Werbung in ChatGPTBild:
OpenAI
Drei der weltgrößten Werbekonzerne – WPP, Omnicom und Dentsu – nehmen an OpenAIs Werbepiloten für ChatGPT teil. Der Einstieg hat seinen Preis: Zwischen 200.000 und 250.000 US-Dollar mussten Firmen ausgeben, um dabei zu sein – rund doppelt so viel wie bei vergleichbaren Experimentalformaten üblich, wie CNBC berichtet .
Volumen steigt, aber der Zeitplan wackelt
Das Pilotprogramm sollte noch bis Ende März 2026 laufen – doch mehrere Quellen berichten laut CNBC, dass es zunehmend unwahrscheinlicher wird, die zugesagten Budgets rechtzeitig auszugeben. Nicht verbrauchte Mittel sollen zurückerstattet werden, waren aber während des gesamten Quartals blockiert und standen für andere Kanäle nicht zur Verfügung. OpenAI gab an, das gemächliche Tempo sei Absicht: Man wolle das Nutzererlebnis verfeinern, bevor das Programm ausgeweitet werde.
Zahlen des Analyseunternehmens Sensor Tower zeigen laut CNBC immerhin Wachstum: Mitte März wurden rund 600 Prozent mehr Anzeigen ausgeliefert als Anfang des Monats, rund fünf Prozent der mobilen ChatGPT-Nutzer wurden bis dahin erreicht.
Das Rennen gegen Google hat begonnen
Analysten von Truist sehen 2026 als mögliches Wendejahr für KI-gestützte Werbung – mit einem Potenzial von über 30 Milliarden US-Dollar für OpenAI bis 2030. Dieses Jahr könnte der Umsatz noch unter einer Milliarde bleiben.
Während OpenAI vorsichtig testet, hält Google eine Position, die nur schwer einzuholen ist: Rund 252 Milliarden US-Dollar Suchanzeigenerlös werden dort für dieses Jahr prognostiziert, so CNBC.
Lieferflatrate für Joybuy: Reduzierte Abogebühren für Joyplus gelten bis Ende Juni
Von Ingo Pakalski — 22. März 2026 um 12:17
Verwirrung beim neuen Onlineshop Joybuy : Die Einführungspreise für die Lieferflatrate Joyplus gelten doch länger als zunächst genannt.
Derzeit gibt es die Joybuy-Lieferflatrate Joyplus zum Angebotspreis.Bild:
JD.com
Die reduzierten Abopreise für die Lieferflatrate Joyplus des neuen Onlineshops Joybuy gelten doch länger als zunächst angegeben wurde . Auf Nachfrage von Golem erklärte der Betreiber JD.com, dass die reduzierten Abopreise für Joyplus doch nicht am 16. April 2026 enden werden. Stattdessen sollen diese noch bis "mindestens Ende Juni 2026" gelten.
JD.com sicherte zu, dass alle Abonnenten von Joyplus "mindestens 30 Tage im Voraus informiert" werden, wenn es zu "Preisänderungen" am Abo kommt. Falls Abonnenten damit nicht einverstanden sind, hätten sie genügend Zeit, "ihr Abonnement vor der nächsten Verlängerung zu kündigen und so neue Preise zu vermeiden" .
Generell kann das Abo Joyplus zunächst 30 Tage kostenlos ausprobiert werden. Danach gilt laut Angaben von JD.com garantiert der Einführungspreis für Joyplus von monatlich 3,99 Euro. Später kostet das Abo dann den regulären Preis von 9,99 Euro pro Monat. Damit wird das Joybuy-Abo teurer als Amazons Prime-Abo, das es für monatlich 8,99 Euro gibt und bei dem zusätzlich zur Lieferflatrate unter anderem ein werbefinanziertes Videostreamingabo enthalten ist.
Als Jahresabo bleibt Joyplus auch nach Ende des Einführungspreises preiswerter als das Amazon-Prime-Abo, das pro Jahr 89,90 Euro kostet. Joyplus gibt es derzeit für 19,99 Euro pro Jahr, danach fallen dann 59,99 Euro an.
Preise für Studenten
Studenten bekommen Joyplus derzeit für 2,99 Euro monatlich; der reguläre Preis beträgt später 8,99 Euro monatlich. Zum Vergleich: Amazons Prime-Abo gibt es für Studenten für 4,49 Euro monatlich und es kann auch von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 22 Jahren in Anspruch genommen werden.
Es gibt von Joyplus allerdings auch ein Jahresabo für Studenten, das zunächst für 14,99 Euro zu haben ist, danach steigt der Preis auf 19,99 Euro. Das Jahresabo von Prime für Studenten kostet 44,90 Euro.
Ohne Joybuy-Konto weiterhin keine Informationen zu den Abopreisen
JD.com betont, dass alle Kosten für Joyplus "während des Registrierungs- und Abonnementprozesses klar und transparent angezeigt" werden. Das bedeutet: Wer sich für Joyplus interessiert, erfährt von den Abogebühren nichts, wenn Interessenten kein Joybuy-Konto besitzen. Und dadurch, dass der Anbieter neu auf dem Markt ist, dürften viele Interessenten noch kein Konto besitzen.
Knapp zwei Monate nach dem Marktstart von Joybuy wird JD.com zur "weiteren Verbesserung der Transparenz" alle Abopreise "auch für nicht eingeloggte Nutzer" anzeigen, erklärte das Unternehmen Golem auf Nachfrage. Ab Mai 2026 sollen also Interessenten alle relevanten Informationen zum Abo ohne Kundenkonto direkt auf den Webseiten des Unternehmens erhalten.
Zero-Day erlaubt Codeausführung in WindChill und FlexPLM
Von Heise — 22. März 2026 um 15:19
(Bild: janews/Shutterstock.com)
Der Hersteller warnt und bittet Admins, dringend ihre Instanzen mit einer Notlösung abzusichern. Ein Patch steht noch aus.
Die Software Windchill und FlexPLM enthält ein Sicherheitsleck, das Codeausführung erlaubt. Der Hersteller ruft dringend dazu auf, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen – ein Patch ist zur Stunde noch nicht verfügbar.
Informationen zur Sicherheitslücke sind spärlich, weder eine CVE-Kennung noch Warnungen der nationalen CERTs (Computer Emergency Response Team) sind verfügbar. Der Hersteller und seine Partner scheinen jedoch beunruhigt: Sie vergeben die Höchstwertung von 10.0 Punkten auf der CVSS-Skala und drängen Kunden, umgehend zu reagieren.
Offenbar versteckt der Fehler sich in der Deserialisierung der Servlets /servlet/WindchillGW/com.ptc.wvs.server.publish.Publish und /servlet/WindchillAuthGW/com.ptc.wvs.server.publish.Publish. Sind diese für einen Angreifer zugänglich, etwa weil der Windchill-Server aus dem Internet erreichbar ist, kann er Code einschleusen und ausführen.
Notlösung: Zugriff per Apache-Konfiguration einschränken
Bis ein Patch zur Verfügung steht, sollen Admins zu einer Notlösung greifen. Wie der Windchill-Dienstleister EAC in einer Aussendung an seine Kunden beschreibt, ist dazu eine Konfigurationsänderung des Apache-Webservers notwendig. Das, so EAC, sollte unverzüglich geschehen, um die Gefahr eines Exploits zu neutralisieren.
Erstellen einer neuen Konfigurationsdatei <APACHE_HOME>/conf/conf.d/90-app-Windchill-Auth.conf. sofern bereits eine Datei mit dem Präfix 90- oder höher existiert, sollte die neue Datei die höchste Ziffer erhalten, um als letzte Datei geladen zu werden)
In diesen folgende Direktiven einbauen: <LocationMatch "^.*servlet/(WindchillGW|WindchillAuthGW)/com\.ptc\.wvs\.server\.publish\.Publish(?:;[^/]*)?/.*$">Require all denied</LocationMatch>
Webserver mittels der bekannten Befehle neustarten.
Offenbar aktive Angriffe – Admins sollten die Augen offenhalten
Obgleich der Hersteller behauptet, keine Kenntnis über erfolgreiche Angriffe zu haben, nennt Dienstleister EAC einige „Indicators of Compromise [2]“ (IOC). Es muss also bereits Angriffe gegen Windchill- oder FlexPLM-Server gegeben haben. Aus den IOCs ergibt sich, dass Angreifer nach erfolgreichem Exploit Dateien mit Schadcode auf den Server hochladen, typischerweise Webshells. Von PTC selbst betriebene Instanzen sind bereits geschützt.
Unsichere Deserialisierung ist ein bekanntes Einfallstor für Exploits und beliebt bei Cyberkriminellen und staatlichen Angreifern. Erst vor wenigen Tagen fügte die US-Cybersicherheitsbehörde eine weitere Deserialisierungslücke in Microsoft Sharepoint [3] zu ihrer Datenbank der Known Exploited Vulnerabilities hinzu.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11220521
Links in diesem Artikel: [1] https://www.ptc.com/en/support/article/CS466318?_gl=1*196gmri*_gcl_au*Njc4ODc0NTE4LjE3NzQxNzI5NTc.*_ga*MTY0OTgyOTM1NC4xNzc0MTcyOTU2*_ga_7NMP2MSYPM*czE3NzQxNzI5NTYkbzEkZzAkdDE3NzQxNzI5ODQkajMyJGwwJGgw&as=0 [2] https://support.eacpds.com/hc/en-us/article_attachments/47430019070996 [3] https://www.heise.de/news/Warnung-vor-Angriffen-auf-Cisco-FMC-SharePoint-und-Zimbra-11217003.html [4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp [5] mailto:cku@heise.de
Im Message-Center der Windows-Release-Health-Notizen [4] kündigt Microsoft die Problemlösung mit dem ungeplanten Update an. Dort erklären die Entwickler nochmals, dass nach der Installation der März-Updates einige Anwender sich möglicherweise nicht in ihre Microsoft-Apps und -Dienste einloggen können und eine „Kein Internet“-Fehlermeldung erhalten, selbst dann, wenn definitiv eine Internetanbindung aktiv ist. Das verhindert den Zugriff auf Dienste und Apps wie Microsoft Teams Free oder OneDrive. Betroffen sind lediglich Microsoft-Konten-Login-Szenarien, Entra-ID zur App-Authentifizierung – was etwa in größeren Unternehmen zum Einsatz kommt – ist nicht betroffen.
Am 21. März 2026, also am späten Abend vom Samstag dieser Woche, hat Microsoft ein außerplanmäßiges Update veröffentlicht, um das Problem zu lösen. Es handelt sich demnach um ein kumulatives Update, das den Schutz und die Verbesserungen enthält, die das Sicherheitsupdate vom 10. März 2026 bereits mitbringt.
Notfallupdate für Windows 11
Das Notfallupdate steht für Windows 11 25H2 und 24H2 bereit. Es trägt die KB-Nummer KB5085516 [5] und hebt die Betriebssystem-Versionen auf die Stände 26200.8039 respektive 26100.8039. Es wird als optionales Update über Windows Update verteilt. Rechner, bei denen die Option „Erhalten Sie die neuesten Updates, sobald sie verfügbar sind“ aktiviert wurde, laden es bereits herunter und fordern zum Neustart der Maschine auf. Ansonsten lässt es sich über die Windows-Einstellungen unter „Windows Update“ finden.
Wer das Windows [6]-Sicherheitsupdate vom März wegen des Problems deinstalliert hat, sollte das nun bereitstehende Notfallupdate zügig installieren. Es schließt bekannte Sicherheitslücken im Betriebssystem, die andernfalls bösartigen Akteuren Angriffsfläche bieten.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11220371
Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/thema/Microsoft [2] https://www.heise.de/news/Windows-Update-Probleme-Login-in-private-Microsoft-Konten-schlaegt-fehl-11218896.html [3] https://www.heise.de/news/Microsoft-Patchday-Zwei-Zero-Days-und-insgesamt-83-neue-Luecken-gestopft-11206553.html [4] https://learn.microsoft.com/en-us/windows/release-health/windows-message-center#3806 [5] https://support.microsoft.com/de-de/topic/21-m%C3%A4rz-2026-kb5085516-betriebssystembuilds-26200-8039-und-26100-8039-out-of-band-09e85404-1cb6-4ed4-9ca5-3e40d74307b9 [6] https://www.heise.de/thema/Windows [7] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp [8] mailto:dmk@heise.de
c't-Videoreihe: Das haben wir aus unserem Wetterballon-Flug gelernt (Teil 4)
Von Heise — 22. März 2026 um 09:00
Vom Basteltisch bis in die Stratosphäre: Im vierten Teil unserer Videoreihe werten wir die Daten aus dem Wetterballon aus.
Mit relativ einfacher Consumer-Technik kann man eindrucksvoll die Interaktion zwischen Weltraum und Erdatmosphäre erforschen. In einer vierteiligen Videoreihe führt Physikerin und Wissenschaftsjournalistin Anne-Dorette Ziems durch die rechtssichere Planung des Wetterballons, das Basteln eigener Messgeräte, einen nervenaufreibenden Starttag und die Auswertung der Messdaten.
Zum Abschluss geht es an die Daten: Hat die Technik durchgehalten? Wie verändern sich Temperatur, Druck und Strahlung mit der Höhe? Und was kann man aus den Messungen lernen – auch aus den Dingen, die nicht funktioniert haben?
Im ersten Teil haben wir uns durch den Behördendschungel gekämpft. Denn prinzipiell kann in Deutschland jeder einen Wetterballon starten. Es gibt aber natürlich einige Auflagen und Regeln zu beachten.
Der zweite Teil spielte sich vor allem am Lötkolben und am Computer ab. Wir basteln unsere Messgeräte. Erst die Hardware, dann die Software. Mit an Bord: Kameras für spektakuläre Aufnahmen, Sensoren für Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit – und als Highlight ein selbst gebauter Myonendetektor zur Messung der Höhenstrahlung.
Doch was passiert, wenn der Ballon außer Sicht gerät? Im dritten Teil starteten wir den Wetterballon und jagten ihm hinterher. Es ging quer durchs Land – immer den empfangenen Funksignalen hinterher. Bis wir irgendwann plötzlich keine Funksignale mehr empfingen.
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Türkei: Baykar K2 Kamikazedrohne mit 2.000 km Reichweite vorgestellt
Von Michael Linden — 21. März 2026 um 14:06
Baykar bringt mit der K2 eine Loitering Munition der Schwergewichtsklasse – mit über 2.000 Kilometern Reichweite und GPS -unabhängiger Navigation.
Baykar K2Bild:
Baykar
Der türkische Drohnenhersteller Baykar hat die Kamikazedrohne K2 öffentlich vorgestellt und dabei Testvideos veröffentlicht, die Schwarmflüge mit fünf Einheiten in verschiedenen Formationen zeigen. Das Unternehmen spricht von einem autonomen Navigationsanteil. Ob die gezeigte Koordination tatsächlich einem vollwertigen Schwarm entspricht oder eher einer Parallelformation, lässt sich anhand des Materials nicht abschließend beurteilen, wie Defence-Network berichtet .
Die K2 ist als Starrflügler mit Heckpropeller ausgeführt und bringt ein Startgewicht von 800 Kilogramm mit, wovon 200 Kilogramm auf den Gefechtskopf entfallen. Die Spannweite beträgt 10 Meter, die Länge 5,1 Meter. Optisch fällt die Drohne durch nach hinten angewinkelte Tragflächen und zusätzliche Canard-Flügel am Rumpfvorderteil auf, die an einen Hammerhai erinnern.
Reichweite über 2.000 Kilometer, GPS-unabhängig
Laut Hersteller soll die K2 mehr als 2.000 Kilometer Reichweite erreichen, über 13 Stunden in der Luft bleiben und eine Reisegeschwindigkeit von mehr als 200 km/h halten können. Die Navigation erfolgt nach Baykars Angaben über eine Kombination aus Satellitenverbindung und einer Terrain-referenzierten visuellen Navigation, die auch ohne GPS-Signal funktionieren soll. Damit wäre die Drohne grundsätzlich resistent gegenüber einer elektronischen Störung der Satellitennavigation.
Die Sensorik umfasst ein elektrooptisches und infrarotfähiges Gimbal-Kamerasystem für den Einsatz bei Tag und Nacht. Die Datenübertragung soll sowohl im Line-of-Sight- als auch im Beyond-Line-of-Sight-Betrieb über Satellit funktionieren.
Schwerer als Shahed, ähnliche Reichweite
Im Vergleich mit bekannten Systemen fällt die K2 durch ihre deutlich höhere Nutzlast auf. Die iranische Shahed-136, die im Ukraine- und Irankrieg massenhaft eingesetzt wird, trägt einen Gefechtskopf von 50 bis 90 Kilogramm bei einer ähnlichen Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern. Die israelische Harop kommt auf 23 Kilogramm, das US-System Lucas auf rund 18 Kilogramm. Lediglich die russische Geran-5 bewegt sich mit geschätzten 90 Kilogramm Gefechtskopf in einer ähnlichen Gewichtsklasse, ist dabei aber deutlich schneller.
Das Unternehmen aus Istanbul hat in den vergangenen Jahren mit Exporterfolgen bei der Bayraktar TB2 und dem Kauf des italienischen Herstellers Piaggio Aerospace international Aufmerksamkeit erhalten.
USA: Autofahrer mit Alkohol-Testsystemen ausgesperrt
Von Tobias Költzsch — 21. März 2026 um 13:02
In den USA können viele Autofahrer aktuell ihre Fahrzeuge nicht nutzen – Grund ist ein Cyberangriff auf einen Alkoholtestanbieter.
Ein Atemalkoholtestgerät (Symbolbild)Bild:
PAUL J. RICHARDS/AFP via Getty Images
Das Unternehmen Intoxalock aus den USA verkauft Alkohol-Atemanalysegeräte, die in das Fahrzeug installiert werden. Fahrer, die wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt wurden, müssen damit vor dem Fahrtantritt beweisen, dass sie nüchtern sind. Sind sie es nicht, wird die Zündung gesperrt. Seit gut einer Woche sitzen aber zahlreiche Kunden grundlos fest und können ihre Autos nicht mehr nutzen.
Verantwortlich dafür ist ein Cyberangriff auf das Unternehmen, wie Intoxalock auf seiner Webseite bekannt gab und worüber Techcrunch berichtete. Demnach sind die Systeme immer noch gestört, so dass die vorgeschriebene Kalibrierung nicht vorgenommen werden könne. Denn die Atemtester müssen regelmäßig neu kalibriert werden, ansonsten wird der Start des Fahrzeugs unterbunden.
Über die Probleme berichten zahlreiche Nutzer auch auf Reddit. Zu Beginn der Störung sei noch unklar gewesen, was dahintersteckt. Einigen Betroffenen zufolge war Intoxalock zu dieser Zeit telefonisch nicht erreichbar.
Systemprobleme offenbar noch nicht gelöst
Auf seiner Webseite gab das Unternehmen jetzt bekannt gegeben, dass Intoxalock-Nutzer einen zehntägigen Aufschub für die Kalibrierung bekommen. In einigen Bundesstaaten wird diese Verlängerung aber nicht gewährt.
Fahrern, die bereits ausgesperrt wurden, bringt die Verlängerung allerdings wohl nichts. Sie müssen ihre Autos abschleppen lassen und zu einer Werkstatt bringen, um dort die neue Kalibrierung vornehmen zu lassen – wenn sie denn wieder funktioniert. Eine Autowerkstatt berichtet bereits, dass ihr Parkplatz voller Fahrzeuge sei, die auf eine Neukalibrierung warten.
Intoxalock zufolge arbeite man immer noch an der Behebung des Problems. Um was für einen Cyberangriff es sich genau handelte, ist noch unbekannt. Intoxalock werde die Kosten tragen, die direkt durch den Systemausfall entstanden sind, so das Unternehmen.