FreshRSS

🔒
✇ c't-Themen

Das Anker Solix Power Dock wächst mit: Mehrfachsteckdose für Balkonkraftwerke

Von Heise — 04. April 2026 um 10:10

Das Anker Solix Power Dock kann man ohne Elektriker auf 32 Panels mit 14 kWp, 64 kWh Akku und Wallboxen erweitern. Auch vorhandene Balkonkraftwerke erkennt es.

Das Anker Solix Power Dock schließt eine Lücke bei Solaranlagen, und zwar zwischen Balkonkraftwerken und der PV auf dem Dach. Balkonkraftwerke kosten teils unter 300 Euro, dürfen aber nur 800 Watt liefern. Die Photovoltaik auf dem Dach liefert viel mehr, aber muss aufwendig geplant werden und kostet eher über 10.000 Euro.

Das Power Dock muss man einmal zusammen mit einem Elektriker anschließen und anmelden, kann es dann aber alleine erweitern. Man kann ein bestehendes Balkonkraftwerk einbinden, neue Balkonkraftwerke direkt anschließen, zwei Wallboxen einstöpseln – und das System mit Modulen von Anker ausbauen: So ein Solarmodul steuert maximal acht PV-Panels mit 3,6 kW an, hat 2,7 kWh Akku und lässt sich um fünf Akkumodule mit weiteren je 2,7 kW erweitern. Bis zu vier dieser Türme sind möglich, insgesamt also 32 Panels mit 14,4 kW Leistung und Akkus mit 64 kWh Kapazität.

Diese Folge von c’t Phasenlage klärt unter anderem, was genau man anschließen kann, welche auch älteren Solarbanks von Anker funktionieren und welche Messmethoden das Power Dock unterstützt. Sie finden c’t Phasenlage auf YouTube [2], auf Peertube [3] und auf den gängigen Podcast-Plattformen [4].

c’t Phasenlage stellt Energiethemen wie Photovoltaik, Solarakkus, Balkonkraftwerke, dynamische Stromtarife, Wärmepumpen und Smart Home miteinander verzahnt dar und sammelt dazu das Know-How der Redaktionen von c’t, heise+ und den anderen heise-Magazinen. Alle zwei Wochen soll ein Video erscheinen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11245507

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/ct
[2] https://www.youtube.com/@ctphasenlage
[3] https://peertube.heise.de/c/ct_phasenlage_videos/videos
[4] https://ct-phasenlage.podigee.io/
[5] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[6] mailto:jow@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ iMonitor Internetstörungen

Störungsmeldung vom 03.04.2026 22:13

Von heise online — 03. April 2026 um 22:13

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
03.04.2026 22:13
Region
Bremen (0421)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

✇ Telepolis

Eleonore von Aquitanien: Zweimal Königin, dreimal mächtiger als jeder Mann

Von Michael Lindner — 03. April 2026 um 18:10
Eine Frau mit einem Kelch in der Hand

Eleonore auf einem Historiengemälde aus dem 19. Jahrhundert

(Bild: National Museum Wales/Commons)

Eleonore von Aquitanien herrschte über Reiche und Männer. Ihre Macht wuchs mit jeder Krone. Was machte sie zur vielleicht ehrgeizigsten Frau ihrer Zeit?

Königin von Frankreich, Königin von England, Königin der Troubadore – Eleonore hatte viel zu tun. Als junges Mädchen wurde sie mit einem jungen Prinzen verheiratet, der Ludwig hieß und der nächste König von Frankreich werden sollte. Ludwig war 16 Jahre alt, Eleonore 13. Die Hochzeit fand am Sonntag, dem 25. Juli 1137, in der Kirche Saint-André in Bordeaux statt.

Bordeaux hatte schon dem gallischen Stamm der Bituriger als Zentralort gedient. In der Römerzeit wurde Burdigala zur Hauptstadt der Provinz Gallia Aquitania. Als günstiger Übergang über die Garonne entwickelte sich die Metropole zu einer blühenden Handelsstadt mit strategischer Bedeutung. Zu Eleonores Zeit gehörte sie als Hauptstadt des Herzogtums Aquitanien zum französischen Königreich.

Eleonore soll sehr schön, klug, willensstark und leidenschaftlich gewesen sein. Aber was die Zeitgenossen wirklich interessierte: sie war die Erbtochter eines riesigen Herzogtums im Südwesten Frankreichs.

Einzigartiges Erbe

Aquitanien übertraf die königlich-französischen Besitzung zwischen Paris und Orléans bei Weitem. Als Herzogin von Aquitanien und der Gascogne sowie als Gräfin von Poitiers mit Anspruch auf die Grafschaft Toulouse vereinte sie eine Macht in ihrer Person, die im Königreich einzigartig war. Als ihr Vater, Herzog Wilhelm, im April 1137 überraschend mit nur 38 Jahren starb, erkannte König Ludwig VI. von Frankreich sofort die Chance durch eine Heirat seinen Einflussbereich beträchtlich zu erweitern.

Zwei Personen auf einem Pferd
Wandgemälde aus dem späten 12. Jh., wiederentdeckt 1964. Die linke Figur stellt Eleonore dar, bei der rechten handelt es sich möglicherweise um ihre Tochter Johanna
(Bild: Commons [1])

Herzog Wilhelm, dessen einziger Sohn bereits sieben Jahre zuvor verstarb, wünschte ebenfalls eine Verbindung mit dem Königshaus. Das bedeutete Schutz für die noch minderjährige Eleonore sowie hohes Ansehen für die Familie, zu der noch ihre jüngere Schwester und ihr Onkel Raimund von Poitiers, ab 1136 Fürst von Antiochia gehörte.

Kurz nach der Hochzeit starb auch König Ludwig VI. und sein Sohn wurde als Ludwig VII. zwei Wochen später (8. August 1137) König von Frankreich und Eleonore Königin. Was für ein Tempo – innerhalb von vier Monaten Vollwaise, dann Gräfin und Herzogin und zum Schluss Königin von Frankreich. Was sollte da noch kommen?

Trennung trotz päpstlichem Schlichtungsversuch

Als Eleonore heiratete, war sie ein junges Mädchen, als sie zehn Jahre später 1147 mit ihrem königlichen Gemahl auf einen Kreuzzug ins Heilige Land zog, eine erwachsene Frau. Das hatte Folgen. Sie lernte Konstantinopel, die Hauptstadt des byzantinischen Reiches samt dem Kaiserhof mit seiner verwirrenden höfischen Pracht und den aufwendigen Herrschaftsritualen kennen.

Mindestens ebenso tiefen Eindruck hinterließ bei ihr der Aufenthalt in Antiochia, einem Kreuzfahrerfürstentum, im Folgejahr. Dort herrschte seit 1136 ihr Onkel Raimund, gutaussehend und gut gebaut, groß und blond, ein tapferer Ritter und Liebhaber der provenzalisch-okzitanischen Dichtkunst wie sein legendärer Vater, der den Beinamen der Troubadour trug. An Raimunds Hof in Antiochia sprach man die Langue dʼoc, die Muttersprache Eleonores aus ihrer südfranzösischen Heimat.

Ihren Onkel kannte sie noch aus den Kindheitstagen, die sie im Schloss lʼOmbrière in Bordeaux verbracht hatten. In dieser Atmosphäre fühlte sie sich wohl. Ihr königlicher Gemahl, der Nordfranzose, verstand sie nicht – weder ihre Sprache noch ihre politischen Pläne.

Es kam zu Bruch: Eleonore hielt zu ihrem Onkel Raimund, beide planten die türkischen Seldschuken in Aleppo anzugreifen, um später Edessa, das Ziel des Kreuzzuges, zurückzuerobern. König Ludwig wollte lieber in Jerusalem beten. Er nahm Eleonore gegen ihren Willen mit. Sein Angriff auf Damaskus ging gründlich daneben, wie der gesamte Kreuzzug. Die Rückreise traten beide getrennt voneinander an.

Eleonore verlangte die Trennung wegen zu naher Verwandtschaft. Papst Eugen III. versuchte noch zu schlichten. Am Ende vergeblich: im März 1152 – im benachbarten Reich wählten die Fürsten gerade Friedrich Barbarossa zum rex Romanorum – wurde die Ehe Eleonores mit dem französischen König Ludwig annulliert. Ihre beiden Töchter allerdings musste sie aufgeben, sie blieben beim Vater.

Mächtiger als der König von Frankreich

Nur zwei Monate später, am 18. Mai desselben Jahres – Eleonore hielt ihr atemberaubendes Tempo bei – hatte sie einen neuen Gemahl: Heinrich Plantagenet, den Herzog der Normandie und Grafen von Anjou. Zusammen mit Eleonores Besitzungen, Aquitanien, der Gascogne und Poitiers, war das Paar deutlich mächtiger als der König von Frankreich. Sie beherrschten den ganzen Westen des Landes, von der Normandie bis an die Pyrenäen.

Eine historische Karte von Frankreich
Frankreich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts
(Bild: Sémhur/Commons [2]/CC3.0 [3])

Und es ging so weiter: am 17. August 1153 wurde Eleonore und Heinrich der erste Sohn mit Namen Wilhelm geboren, im Februar 1155 der zweite mit Namen Heinrich. Dazwischen – so als wäre es nichts – wurden Heinrich und Eleonore in England in der Westminister Abbey gekrönt, er zum englischen König, sie zur englischen Königin. Nach der französischen trug sie nun die Krone Englands.

Da sie ihrem Gemahl regelmäßig weitere Erben schenkte, 1157 Richard (später Löwenherz genannt), 1158 Gottfried, 1166/67 Johann sowie einige Töchter, war auch die Thronfolge in England gesichert. Ihrem Ex, König Ludwig VII. von Frankreich, passte das überhaupt nicht: der König von England hatte mehr Land auf der Insel und in Frankreich, als er selbst, dazu eine Frau, die ihresgleichen suchte.

Während Heinrich II. von England und seiner Gemahlin Eleonore alles zu gelingen schien – im September 1157 stellten sie auch noch zu Kaiser Friedrich Barbarossa ein freundschaftliches Verhältnis her, ging ihm alles nur schwer von der Hand: der Kreuzzug misslungen, bisher keinen männlichen Erben, sein Vasall, der König von England, so übermächtig, dass er ihm auch noch 1158 die Bretagne überlassen musste.

Krieg in der Ehe

Aber Ludwig von Frankreich erwies sich als zäh. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen, als Heinrich und Eleonore 1159 zu einem Feldzug gegen den Grafen von Toulouse rüsteten. Ludwig stellte sich an die Seite seines Lehnsmannes, dem er Schutz versprach. Sie hielten stand. König Heinrich zog sich im Herbst zurück: hohe Kosten und kein Ertrag. Eleonore war tief enttäuscht. Ihre Ansprüche auf Toulouse blieben nur auf dem Papier bestehen. Dennoch gedieh das Zusammenleben der Eheleute noch einige Jahre gut.

Um den Jahreswechsel 1166/67 wurde ihnen erneut ein Sohn geboren. Es war das letzte Kind, dass die mittlerweile über 40jährige Eleonore zur Welt brachte. Innerhalb von 13 Jahren hatte sie ihrem Gemahl, König Heinrich II. Plantagenet von England, neun Kinder geboren. Eine erstaunliche Leistung. Nicht alle überlebten. Drei der Knaben wurden später Könige von England: Heinrich der Jüngere († 1183), Richard Löwenherz († 1199), Johann ohne Land († 1216). Mathilde, die älteste von drei Töchtern, heiratete den mächtigsten Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, Heinrich den Löwen, den Herzog von Sachsen und Bayern.

König Heinrich dankte es Eleonore schlecht, dass sie ihm eine so reiche Kinderschar beschied. Im Jahr ihrer letzten Schwangerschaft 1166 brachte er sich von einem walisischen Feldzug eine Geliebte mit, die schöne Rosamunde (Clifford), auch the fair Rosamund genannt. Sie war nicht einmal halb so alt wie Eleonore. Das war zu viel für die stolze, leidenschaftliche Aquitanierin. Von jetzt an herrschte Krieg zwischen den Eheleuten.

Eleonore zog sich in ihre südfranzösischen Besitzungen zurück, ihr Sohn Richard wurde dort 1172 zum Herzog von Aquitanien und Grafen von Poitou erhoben. Seinen älteren Bruder Heinrich ließ der Vater zwar 1170 zum Mitkönig krönen, stattete ihn aber nur unzureichend aus. Als Heinrich 1173 18 Jahre alt wurde und immer noch keine Teilhabe an der Regierung erlangen konnte, verschworen sich die drei ältesten Söhne König Heinrichs II. von England – Heinrich d. J., Richard, Gottfried – gemeinsam mit ihrer Mutter Eleonore gegen ihren Vater.

König Ludwig VII. von Frankreich, der Lehnsherr der drei für Anjou, Aquitanien, die Bretagne, Maine, die Normandie sowie Touraine, und Schwiegervater des jungen Heinrichs, dazu der König von Schottland und englische Hochadlige unterstützten aus Eigeninteresse die Rebellion. Aber Heinrich Plantagenet wurde ihrer Herr. Gestützt auf die Normandie, die ihm treu blieb, und seine Geldressourcen rekrutierte er 20.000 Brabanzonen, Söldner aus Brabant, und reihte militärische Erfolge aneinander. Er ließ seine Ehefrau Eleonore und den schottischen König gefangen nehmen und inhaftieren. Seine Söhne und der französische König baten nach 18 Monaten Kampf um Waffenstillstand oder Frieden.

Fit wie ein Turnschuh

Eleonore erlangte ihre Freiheit erst wieder, als ihr Ehemann am 6. Juli 1189 starb. Nur einige Monate in den Jahren 1184/85 war ihre Haft etwas gelockert worden. Inzwischen starben ihre Söhne, König Heinrich d. J. 1183 und Herzog Gottfried 1186. Ihr Lieblingssohn Richard wollte sie befreien lassen, doch das hatte sie bereits selbst getan. Im Triumphzug zog sie als Königin von England durchs Land und bereitete die Krönung Richards zum englischen König vor.

Sie musste dabei die Gegnerschaft ihres jüngsten Sohnes Johann kompensieren. Der missgünstige, bösartige, verräterische King John aus den Geschichten um Robin Hood, der seinen Bruder Richard Löwenherz um den Thron bringen will, während der im Heiligen Land gegen Sultan Saladin kämpft, ist dieser Johann. Sein Beiname "ohne Land" (Lackland, Sans-Terre) spielt darauf an, dass er ursprünglich als Letztgeborener bei der Erbteilung, die sein Vater König Heinrichs II. Plantagenet 1169 vornahm, leer ausging.

Eleonore war 1189 beim Tod ihres zweiten, königlichen Gemahls 67 Jahre alt und offensichtlich fit wie ein Turnschuh. Bis zu ihrem Tod im Alter von 80 Jahren am 31. März oder 1. April 1204 wirkte sie unermüdlich für ihren Sohn König Richard, nach dessen Tod für den unseligen Johann, der das beeindruckende Reich, das sie mit ihrem zweiten Gemahl Heinrich 1152/54 begründet hatte, verspielte. Der einzige Sohn ihres ersten Gemahls Ludwig von Frankreich namens Philipp II. August eroberte fast die gesamten französischen Besitzungen der Plantagenets.

Eleonore war eine unvergleichliche Frau in einer Zeit, in der Frauen in fast jeder Hinsicht benachteiligt waren. Es gibt immer Männer, die nicht damit umgehen können, dass eine Frau erfolgreicher ist als sie selbst: Sie musste eine Dämonin gewesen sein, denn nur mit übernatürlichen Kräften konnte sie Männer besiegen. Sie war eine Ehebrecherin, die unnatürliche sexuelle Praktiken nutzte, deren männliche Opfer ihr hilflos ausgeliefert waren. Und stieß sie auf weiblichen Widerstand, wurde sie zur Mörderin.

Als die schöne Rosamunde Clifford jung starb, steckte natürlich Eleonore dahinter, obwohl die in Haft ihres königlichen Ehemanns saß. Aber solche "Nebensächlichkeiten" interessierten die misogynen Urheber solcher Hass- und Hämebotschaften nicht. Zum Glück gab es auch Männer, die Eleonore sehr schätzten: die okzitanischen Troubadoure, die ihr ein bleibendes Denkmal in der Literatur verschafft haben.

Literatur:

  • Régine Pernoud, Königin der Troubadore. Eleonore von Aquitanien (1979).
  • Ralph V. Turner, Eleonore von Aquitanien. Königin des Mittelalters (2012).

Dieser Artikel erschien auf Telepolis erstmals am 18. November 2025.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11083567

Links in diesem Artikel:
[1] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alienor-d-aquitaine_et_jean_sans_terre.jpg
[2] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frankreich_1154-DE.svg
[3] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

Sind OLEDs jetzt komplett unproblematisch? | c't 3003

Von Heise — 03. April 2026 um 16:00

Sind OLED-Monitore jetzt Mainstream? c't 3003 hat 646 Stunden mit einem aktuellen Modell verbracht. Einbrennen, Helligkeit & Textschärfe im Real-Check!

OLED-Monitore dominieren die Verkaufscharts, aber sind sie auch alltagstauglich? c’t 3003 hat den MSI MPG322URXD 646 Stunden lang als Hauptmonitor genutzt – für Gaming und Textarbeit. Das Ergebnis hat uns überrascht.

Transkript des Videos

(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)

Guck mal hier, ich bin hier auf einer Preissuchmaschine und guck mir die meist angeklickten Monitore an. Hm, Platz 1 OLED, Platz 2 OLED, Platz 3 auch OLED, Platz 4 OLED, ah ja, Platz 5 ist ohne OLED, zumindest im Namen, ah, okay, ist auch ein OLED. Ja, okay, einen einzigen Monitor gibt es in den Top 10, der nicht OLED ist. Und das liegt vermutlich auch nur daran, dass der mit 159 Euro extrem preisgünstig ist.

Ja, ich muss zugeben, dass ich nicht so richtig doll im Monitor-Game drinstecke, und deswegen einigermaßen überrascht war, wie populär OLED inzwischen geworden ist. Sind OLEDs jetzt tatsächlich Mainstream? Hatten die nicht immer noch Probleme mit Einbrennen und mit zu niedriger Helligkeit für so sonnendurchflutete Räume? Ja, das gucken wir uns jetzt alles mal an. Ich habe mir den für mich am besten passenden OLED besorgt. Ich habe den ein halbes Jahr lang als Hauptmonitor intensiv getestet, genau 646 Stunden lang. Außerdem zeige ich euch, ganz wichtig, wie ihr den für euch passenden Monitor findet. Und da habe ich wirklich sehr konkrete Tipps, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Monitore gehören übrigens zu den Computerteilen, die nicht teurer geworden sind in den letzten Monaten. Nice, bleibt dran.

Liebe Hackerinnen, liebe Internetsurfer, herzlich willkommen hier bei...

Ja, wenn man ehrlich ist, Hardware kaufen ist ja eigentlich erstmal vorbei, nachdem die Computerhersteller alle beschlossen haben, dass sie nur noch an KI-Rechenzentren liefern wollen und alle anderen völlig egal sind. Aber was ich festgestellt habe, Monitore sind nicht teurer geworden. Und da trifft sich das ganz gut, dass ich meinen 27-Zöller irgendwie zu klein und auch zu kontrastarm fand. So ein Ultra-Wide-Teil wollte ich aber nicht haben, weil ich bei mir die zugegeben sehr spezifische Anwendung habe, dass ich ständig Bildschirmaufnahmen für unsere 3003-Videos mache und unsere Videos sind halt im Seitenverhältnis 16:9 und nicht 21:9. Okay, ja, ja, ja, man kann auch mit 21:9 Monitoren 16:9 capturen. Das bedeutet aber, dass ich da ständig rumkonfigurieren müsste und dazu habe ich keine Lust. Außerdem finde ich 16:9 sowieso irgendwie ganz gut, weil es mein Sichtfeld ausfüllt und ich nicht die ganze Zeit hin und her gucken muss. Aber hey, das ist mein Geschmack, kann bei euch alles total anders aussehen.

Ich bin auf jeden Fall auf geizhals.de gegangen und obwohl ich das schon lange benutze, war ich wirklich überrascht, wie detailliert man da die Dinge filtern kann, wenn man da so richtig reingeht. Und das ist jetzt eine ehrliche Aussage von mir, obwohl, und jetzt Disclaimer, mein Arbeitgeber Heise Mehrheitsaktionär bei Geizhals ist. Übrigens auch Alleingesellschafter da bei billiger.de und guenstiger.de. Okay, über die Namen können wir nochmal sprechen. Die populärste Preissuchmaschine hierzulande ist übrigens Idealo. Die gehört mehrheitlich dem Axel-Springer-Konzern. Idealo kann man natürlich auch benutzen bei der Monitorsuche, aber ganz ehrlich, Geizhals ist vor allem bei Technik-Sachen viel detaillierter. Das sage ich als Keno, nicht als Heise-Mitarbeiter. Und ich finde auf jeden Fall auch, dass die Geizhals-Website sehr gut zu Heise und c't passt. Die verschwendet keine Energie auf Design. Funktion folgt Form. Ganz wichtig.

Hat man das Ding aber einmal gecheckt, ist das wirklich super praktisch. Guck mal, ich klicke hier auf Monitore und dann gibt es da über 3000 Produkte, aber ich grenze das jetzt ein und klicke dann halt das an, was mir wichtig ist. Also ich weiß, dass mir 27 Zoll zu klein sind. Also 31,5 Zoll und maximal bis 37,5 Zoll, weil mehr kriege ich nicht auf meinen Schreibtisch. Und 16:9 will ich auch, hatte ich am Anfang gesagt, also klicke ich das an und dann bleiben noch 384 Modelle übrig. Das ist schon mal deutlich weniger. Außerdem will ich 4K-UHD-Auflösung, aha, nur noch 209. Bildwiederholfrequenz habe ich jetzt keine extrem starke Meinung, aber ich will glaube ich mehr als 60, also ab 120. Und jetzt das Wichtigste, kein IPS oder VA, das ist alles LCD, nein, ich will ja OLED. Zack, runter auf 46.

Ja, und da muss ich erstmal runterscrollen, weil da erstmal so für mich eher unwichtige Sachen kommen. Für mich dann aber wichtig, der USB-C-Teil. Ich will da Laptops und andere Sachen über USB-C anschließen, die dann nicht nur geladen werden, sondern ich auch Tastatur und so verwenden kann, die am Monitor hängen. Also so klassische Dockingstation-Funktion, halt ohne Dockingstation, nur mit dem Monitor. Das Bild soll natürlich auch übertragen werden über USB-C. Das ist für mich praktisch, weil ich sehr oft unterschiedliche Geräte teste und so kann ich die mit einem Kabel anschließen und muss da nicht so ewig rumfummeln. Ich klicke also hier auf DisplayPort inklusive USB-C zweimal und Power Delivery. Ab 65 Watt würde ich mal sagen, das reicht mir, um die Teile aufzuladen. Und dann sind wir auf einmal schon bei 23 Geräten.

So, und jetzt wird es richtig interessant. Das ist so ein Klassiker bei Displays und auch bei Notebooks. Also ist mir schon öfter aufgefallen. Ich checke dann ganz oft nicht, wo die Unterschiede bei so leicht unterschiedlichen Typbezeichnungen sind. Also UXWRD versus UXURXDE versus UXWRD. Aber auch hier ganz schön Acer Predator X32 X5 BMIIPHUZX. Okay, ganz easy, ne? Also wenn da jetzt ein Buchstabe anders ist, wie unterscheidet sich das Gerät dann? Aber was man jetzt machen kann, und das ist in diesem Fall echt für mich das Killer-Feature, also ihr klickt hier auf diese beiden Pfeile und dann wird das Gerät zur Vergleichsliste hinzugefügt und dann klickt ihr alle an, die ihr vergleichen wollt, also für euch in die engere Auswahl kommen und dann werden hier die Unterschiede gelb markiert. Ja, super, und jetzt kann ich auch die Unterschiede sehen bei den leicht veränderten Typbezeichnungen. Wie gesagt, funktioniert nicht nur bei Monitoren, funktioniert auch super mit Laptops unter anderem und auch bei Fernsehern und bei allen möglichen Dingen. Super praktisch.

Ja, und da ist mir dann auch aufgefallen, dass nur einer der Monitore, die hier bei mir in der engeren Auswahl waren, über USB-C DisplayPort 2.1a unterstützt. Was ich schon sehr gerne hätte, weil es ist nicht garantiert, dass die älteren Standards 4K mit 120Hz ohne DSC können. DSC, wenn ihr euch das jetzt fragt, das ist so eine theoretisch fürs Auge unsichtbare Kompression, die aber manchmal Probleme macht. Zum Beispiel habe ich schon mal beobachtet, wenn man mit Alt-Tab aus dem Spiel raustappt und der Bildschirm dann ein paar Sekunden schwarz wird. Also meistens ist DSC kein Problem, aber wenn ich das irgendwie vermeiden kann, dann nehme ich doch lieber DisplayPort 2.1a, weil da geht es ohne Kompression. Und deswegen habe ich mich dann am Ende für den MSI MPG 322URX DE entschieden.

Ja, klick mal auf bestellt. So schnell ist der da. Nice. Und beim Auspacken kickt hier direkt meine Grobmotoriker-Panik ein. Wie fragil ist das Ding bitte? Und sind OLEDs sowieso? Ja, ich check, dass das nice aussieht, wenn es quasi keinen Rahmen gibt. Aber beim Handling muss man da wirklich extrem aufpassen. Auch so Fingerabdrücke sind sofort brutal zu sehen und müssen vorsichtig weggeputzt werden. Und das finde ich, sollte man wirklich immer sagen bei OLEDs. Wenn ihr irgendwas richtig Robustes haben wollt, was man auch ein bisschen grob behandeln kann und was ihr öfter von A nach B tragen wollt, dann sind vor allem so große OLEDs vielleicht nichts für euch. Das ist wirklich oft sehr filigran alles. Ist ja auch logisch, OLEDs brauchen halt keine Hintergrundbeleuchtung, weshalb die extrem dünn gebaut werden können. Das ist ja auch einer der Vorteile. Und das ist meistens natürlich auch kein Problem, wenn ihr das irgendwo fest installieren wollt. Aber ich sag das trotzdem einfach mal dazu, wenn ihr oft auf LANs oder so geht, dann vielleicht besser ein Monitor mit einem stabileren Gehäuse. Wie bei LCDs. Hier seht ihr hier deutlich den Unterschied bei meinem alten LCD-Monitor.

So, das jetzt hier zum Gehäuse. Aber wie ist das Bild denn jetzt? Und ey, ja, das ist super. Ich muss ehrlich sagen, dass das ein riesiger Unterschied gegenüber meinem 4K IPS LCD ist. Guck mal hier, das sind die beiden untereinander. Oben mein alter 27 Zöller mit IPS LCD und unten der 32 Zöller mit OLED. Und das sieht man auch deutlich. Das Schwarz ist halt schwarz und nicht grau. Und die Farben kicken auch richtig rein. Aber wenn man die Vorhänge aufzieht und die Sonne reinkommt, dann sieht man auch, das Display spiegelt definitiv mehr als bei meinem alten Monitor. Das ist jetzt nicht so schön in hellen Umgebungen, aber was ich dann doch erstaunlich fand, die Helligkeit reichte auch bei dem OLED für helle Räume, also wo die Sonne reinknallt. Das sind hier beide Monitore bei voller Helligkeit untereinander, also geht schon. Aber so richtig Spaß macht der OLED halt vor allem in dunklerer Umgebung, das muss man schon sagen.

Und dafür lacht ihr mich jetzt vermutlich aus. Mein alter Monitor hatte maximal 60 Hertz und ich dachte, dass man auch nicht unbedingt mehr braucht für so Büroarbeit. Aber 120 bzw. 240 Hertz ist ein Game Changer. Das habe ich also wirklich in dem Moment, wo ich den OLED angeschlossen habe, sofort gemerkt. Und das Interessante ist, das ist nie nur beim Gaming so, sondern das ist auch schon bei ganz normalen Sachen wie Fenster hin und her schieben, Maus bewegen. Es ist einfach alles viel, viel, viel geschmeidiger und ich will da nicht mehr von weg. Die Frage ist, ob man wirklich mehr als 120 Hertz braucht. Mein Testmonitor hat hier 240 Hertz. Ich bin mir nicht so sicher, ob man den Unterschied 120, 240, ob das so einen Riesenunterschied macht. Sollen wir das mal detailliert testen? Also bis wann Menschen das überhaupt wahrnehmen können? Gerne in die Kommentare schreiben. Aber auf jeden Fall 120 Hertz, das will man schon haben. Also ich zumindest.

Ja okay, und was ich auch noch loben kann, ist die Blickwinkelabhängigkeit. Die ist nämlich nicht vorhanden. Das Teil sieht von allen Seiten super aus. Das ist bei guten LCDs zwar auch besser geworden, aber so gut wie OLED, schwierig. Wir müssen aber natürlich jetzt noch zu den zwei OLED-Elefanten im Raum kommen. Und das ist zum ersten einmal die ungleichmäßige Pixelmatrix, beziehungsweise konkreter. Ich habe bei früheren OLEDs so eine gezackte Textdarstellung wahrgenommen, beziehungsweise Farbsäume. Das war auf jeden Fall bei älteren OLEDs immer ein Problem. Aber ganz ehrlich, ich könnte jetzt das große Fass aufmachen, das alles im Detail erklären. Aber bei dem OLED-Monitor hier ist das für mich kein Problem. Obwohl die RGB-Subpixel nicht gleichmäßig angeordnet sind, sondern ungleichmäßig. Bei der weniger blaue und rote Subpixel als grüne verwendet werden. Das ist so, aber ich kann es nicht wahrnehmen. Guck mal hier, das ist einmal Text auf dem LCD und das ist einmal Text auf dem OLED. Also wenn ich mir einbilde, dann kann ich auf dem OLED so ganz leichte Farbsäume sehen. Also in dieser Videoaufnahme, bloß im Auge, beim normalen Arbeiten nicht. Aber ich kann mir das auch bei dem LCD einbilden, ehrlich gesagt. Ich finde sogar, dass das Bild hier in dieser Aufnahme sogar bei den OLEDs ein bisschen gleichmäßiger aussieht. Aber wie gesagt, das ist ganz dicht dran mit der Kamera. Ihr seid ja mindestens 30 Zentimeter weg davon und dann nehme zumindest ich das alles nicht mehr wahr. Deshalb ist das meines Erachtens kein Problem. Wenn das für euch trotzdem ein Thema ist und ihr Angst davor habt, dass ihr das wahrnehmt, dann könnt ihr auch einfach noch ein bisschen abwarten, denn sowohl Samsung als auch LG, also die OLED-Panel-Hersteller, Die haben beide angekündigt, bei den kommenden Modellen die Subpixel klassisch anzuordnen. Also in der RGB-Matrix, beziehungsweise gleichmäßiger. Ich habe einen Heise-Artikel dazu verlinkt, wenn euch das interessiert. Aber wie gesagt, meines Erachtens macht auch die aktuelle Generation, zumindest bei dieser hohen Auflösung, ganz wichtig, kein Problem. Also bei geringeren Auflösungen und bei den 21:9, da kann man es vielleicht wahrnehmen, aber hier bei meinem 4K-Monitor eben nicht.

Und jetzt der zweite Elefant im Raum, Einbrennen. Ein Riesenthema, immer schon, und zwar gerade bei für Büroarbeiten genutzten Monitoren. Ich sag mal, ich schreibe ständig Texte in, ja, Nextcloud Office. Checkt ihr, checkt ihr, ich habe nicht Microsoft Word gesagt. Ja, und da habe ich das Fenster oft an der gleichen Stelle und dann habt ihr natürlich auch immer die Icons vom User Interface an der gleichen Stelle. Und das war ja immer so gefährliches Territory bei OLED. MSI hat aber in dem Monitor, den ich getestet habe, etliche Funktionen eingebaut, die das verhindern sollen, zum Beispiel Pixel Shift. Damit nicht immer die gleichen Pixel die gleichen Farben darstellen müssen, wird das Bild alle zwei Minuten um wenige Pixel verschoben. Hatte ich die ganze Zeit an, ist mir nicht einmal aufgefallen. Das gleiche gilt für Static Screen Detection, Taskbar Detection und Logo Detection. Der Monitor prüft die ganze Zeit, ob es irgendwelche Bildelemente gibt, die sich lange Zeit nicht verändern und dimmt die dann etwas runter. Kann man alles abstellen? Habe ich nicht abgestellt? Hatte ich alles auf Standard? Habe ich nicht einmal wahrgenommen.

Jetzt kommt was, was mir aufgefallen ist, nämlich OLED Care 2.0. Sobald der Monitor vier Stunden gelaufen ist und in den Standby geht, dann läuft so eine Pixel-Auffrischung, wobei dann so Helligkeitsunterschiede ausgeglichen werden. Das heißt, wenn einzelne Pixel viel heller geleuchtet haben als andere, werden die anderen auch gealtert, eben damit gleichmäßig altert. Also angenommen, ihr habt acht Stunden an dem Bildschirm arbeitete und das Teil schaltet sich dann ab, weil ihr Feierabend macht, dann wird nach ungefähr zehn Minuten automatisch dieser OLED-Care-Modus aktiviert und dieser Prozess dauert so eine Viertelstunde immer. Und in vielen Fällen kriegt ihr das also gar nicht mit, weil das passiert nur, wenn der Monitor in Standby geht. Aber wenn ihr während dieses Prozesses wiederkommt und an den Rechner geht, dann wundert ihr euch womöglich, warum der Monitor auf einmal kein Bild anzeigt. Ihr könnt dann den Einschaltknopf drücken und dann wird der Prozess abgebrochen. Ihr könnt wieder ganz normal daran arbeiten oder spielen. Das lässt sich viermal abbrechen. Dann beim fünften Mal, wenn ihr es beim fünften Mal abbrechen wollt, dann zwingt euch der Monitor dazu. Dann müsst ihr also diese Viertelstunde warten. Ich hatte das in meinem halben Jahr mit diesem Monitor nicht einmal, dass ich das nicht abbrechen konnte. Also ich hatte das schon, dass der in diesen Care-Modus gegangen bin, als ich mal wiedergekommen bin oder so, aber dann habe ich es immer manuell abgebrochen und dann hat er den Care-Modus halt gemacht, wenn ich dann das nächste Mal Pause gemacht habe. Also diese viermal beziehungsweise fünfmal habe ich nicht einmal ausgekostet, dass ich da diesen Modus anschalten musste.

Ich habe mir übrigens am Ende des halben Jahres auch ganz genau mit einfarbigen Bildschirminhalten angeguckt, ob ich ein Brennmuster sehen kann und ich habe keine gefunden. Wie gesagt, nach 646 Betriebsstunden und laut Monitor 82 Auffrischungsvorgängen. Aber offenbar auch nach längerer Zeit passieren keine schlimmeren Dinge. Also der YouTube-Channel Monitors Unboxed hat das nämlich zwei Jahre lang ausprobiert. Interessanterweise mit dem Vorgängermodell von dem, was ich hier getestet habe, dem MPG 321 statt MPG 322. Die benutzen beide das gleiche von Samsung hergestellte OLED-Panel Und ja, da kann man bei genauem Hingucken was erkennen, richtig viel ist das nicht. Was ich ganz interessant finde, obwohl da 659 dieser Auffrischungsvorgänge durchgelaufen sind, ist die SDR-Maximalhelligkeit nur von 243 auf 238 Nits runtergegangen. Das ist ziemlich wenig. Also für mich heißt das, Einbrennen macht mir persönlich keine großen Sorgen. Gibt bei MSI auch noch eine 3-Jahres-Einbrenn-Garantie.

Ich könnte jetzt auch nochmal alle kleinen, kleinen Gaming-Funktionen hier durchhecheln, aber da habe ich ehrlich gesagt keine Lust zu, weil da sind die meisten auch eher quatschig. Also vor allem die Bildverbesserungsfunktionen, die sehen meiner Meinung nach gruselig aus. Okay, man kann eine sogenannte Optix-Funktion anschalten, da wird ja der mittlere Teil des Bildschirms so vergrößert, hilft womöglich bei Shootern. Ja, habe ich nicht verwendet, wir Profis brauchen das nicht, ne, wisst ihr? Ne, keine Ahnung.

Was ich aber wirklich oberpraktisch finde, die USB-Hub-Funktion. Man hat halt einmal eine USB-C Buchse plus zweimal USB-A und einmal USB-B. Und da kann ich dann einfach zum Beispiel mein Notebook über ein USB-C Kabel anschließen. Und dann wird das aufgeladen, das Bild wird übertragen, mein Audio Interface ist verbunden, was am Monitor hängt mit Mikrofon und Lautsprechern und meine Tastatur, die auch über USB am Monitor hängt auch. Will ich einen anderen Rechner benutzen, stöpsel ich einfach mein eines USB-C Kabel um und zack, fertig. Das geht übrigens auch unter Linux, hier zum Beispiel mit meinem Framework Laptop hier. Und das auch übrigens problemlos mit 240 Hertz. Kurioserweise geht das mit meiner Linux-Maschine sogar besser als mit meinem Apple MacBook Air M2. Das kann nämlich nur 120 Hertz, aber das liegt nicht am Monitor, sondern an Apple. Für 240 Hertz braucht man Pro, Max oder Ultra bei Apple. Ja, okay.

Mein Fazit. Wäre das kein Testgerät, was ich zurückschicken muss, würde ich den Monitor auf jeden Fall behalten. Ich muss mir mal überlegen, ob ich jetzt wirklich 850 Euro auf den Tisch legen will dafür. Aber mir hat das alles schon sehr gut gefallen. Also das super tintige Schwarz, die 32 Zoll Größe, die USB-C Hub-Funktion, vor allem die 240 Hertz. Ich habe echt Probleme, jetzt wieder zurück zu meinem alten 27 Zöller mit 60 Hertz zu gehen. Die Sachen, die ich für mich kritisieren würde, sind an erster Stelle ganz klar die krass spiegelnde Oberfläche. Die stört mich interessanterweise am meisten von allen Kritikpunkten. Also deutlich mehr als die etwas geringere Helligkeit. die reicht für mich auch, wenn die Sonne richtig reinknallt. Aber die Spiegelungen, die nerven mich. Ja, und ich finde auch etwas beunruhigend, dass das Teil so papierdünn ist und ich hätte echt Angst, wenn ich damit umziehen müsste. Ja, okay, ist vielleicht eine Spezialangst bei mir. Ja, und diese Zwangspausen mit der OLED-Auffrischung, ah, das ist so ein Mini-Ärgernis, was mich letztendlich nicht so richtig nervt. Weil das kann man ja eben viermal abbrechen, bis man dazu gezwungen wird, diese Viertelstunde zu warten. Und das habe ich bei mir immer hingekriegt. Also klar, wenn ihr jetzt so Leute seid, die irgendwie 30 Stunden am Stück gamen oder so, aber also normalen Nutzungszyklen sollte das eigentlich immer passen, dass das dann gemacht wird, wenn ihr den Monitor gerade nicht benutzt. Achso, der Monitor hat übrigens auch keinen Lüfter, falls euch das noch interessiert. Da gibt es ja manchmal Geräte, die manchmal so unangenehme Geräusche machen, ist hier nicht der Fall.

Ja, am Ende muss man sich halt einfach selbst überlegen, ob man sich so einen Luxusmonitor gönnen will. Es ist ja alles super individuell. Es gibt natürlich auch gute Monitore, die deutlich günstiger sind oder auch mal auf dem Gebrauchmarkt gucken. Ich würde aber sagen, dass ich glaube ich an anderer Stelle eher sparen würde als am Monitor. Ist aber wie gesagt meine Meinung. Wie seht ihr das? Gerne in die Kommentare schreiben. Ich lese das alles, zumindest an den ersten Tagen nach Veröffentlichung. Und ja, tschüss.

c't 3003 [1] ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11245290

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.youtube.com/channel/UC1t9VFj-O6YUDPQxaVg-NkQ
[2] https://www.heise.de/ct
[3] mailto:jkj@ct.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ c't-Themen

Sind OLEDs jetzt komplett unproblematisch? | c't 3003

Von Heise — 03. April 2026 um 16:00

Sind OLED-Monitore jetzt Mainstream? c't 3003 hat 646 Stunden mit einem aktuellen Modell verbracht. Einbrennen, Helligkeit & Textschärfe im Real-Check!

OLED-Monitore dominieren die Verkaufscharts, aber sind sie auch alltagstauglich? c’t 3003 hat den MSI MPG322URXD 646 Stunden lang als Hauptmonitor genutzt – für Gaming und Textarbeit. Das Ergebnis hat uns überrascht.

Transkript des Videos

(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)

Guck mal hier, ich bin hier auf einer Preissuchmaschine und guck mir die meist angeklickten Monitore an. Hm, Platz 1 OLED, Platz 2 OLED, Platz 3 auch OLED, Platz 4 OLED, ah ja, Platz 5 ist ohne OLED, zumindest im Namen, ah, okay, ist auch ein OLED. Ja, okay, einen einzigen Monitor gibt es in den Top 10, der nicht OLED ist. Und das liegt vermutlich auch nur daran, dass der mit 159 Euro extrem preisgünstig ist.

Ja, ich muss zugeben, dass ich nicht so richtig doll im Monitor-Game drinstecke, und deswegen einigermaßen überrascht war, wie populär OLED inzwischen geworden ist. Sind OLEDs jetzt tatsächlich Mainstream? Hatten die nicht immer noch Probleme mit Einbrennen und mit zu niedriger Helligkeit für so sonnendurchflutete Räume? Ja, das gucken wir uns jetzt alles mal an. Ich habe mir den für mich am besten passenden OLED besorgt. Ich habe den ein halbes Jahr lang als Hauptmonitor intensiv getestet, genau 646 Stunden lang. Außerdem zeige ich euch, ganz wichtig, wie ihr den für euch passenden Monitor findet. Und da habe ich wirklich sehr konkrete Tipps, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Monitore gehören übrigens zu den Computerteilen, die nicht teurer geworden sind in den letzten Monaten. Nice, bleibt dran.

Liebe Hackerinnen, liebe Internetsurfer, herzlich willkommen hier bei...

Ja, wenn man ehrlich ist, Hardware kaufen ist ja eigentlich erstmal vorbei, nachdem die Computerhersteller alle beschlossen haben, dass sie nur noch an KI-Rechenzentren liefern wollen und alle anderen völlig egal sind. Aber was ich festgestellt habe, Monitore sind nicht teurer geworden. Und da trifft sich das ganz gut, dass ich meinen 27-Zöller irgendwie zu klein und auch zu kontrastarm fand. So ein Ultra-Wide-Teil wollte ich aber nicht haben, weil ich bei mir die zugegeben sehr spezifische Anwendung habe, dass ich ständig Bildschirmaufnahmen für unsere 3003-Videos mache und unsere Videos sind halt im Seitenverhältnis 16:9 und nicht 21:9. Okay, ja, ja, ja, man kann auch mit 21:9 Monitoren 16:9 capturen. Das bedeutet aber, dass ich da ständig rumkonfigurieren müsste und dazu habe ich keine Lust. Außerdem finde ich 16:9 sowieso irgendwie ganz gut, weil es mein Sichtfeld ausfüllt und ich nicht die ganze Zeit hin und her gucken muss. Aber hey, das ist mein Geschmack, kann bei euch alles total anders aussehen.

Ich bin auf jeden Fall auf geizhals.de gegangen und obwohl ich das schon lange benutze, war ich wirklich überrascht, wie detailliert man da die Dinge filtern kann, wenn man da so richtig reingeht. Und das ist jetzt eine ehrliche Aussage von mir, obwohl, und jetzt Disclaimer, mein Arbeitgeber Heise Mehrheitsaktionär bei Geizhals ist. Übrigens auch Alleingesellschafter da bei billiger.de und guenstiger.de. Okay, über die Namen können wir nochmal sprechen. Die populärste Preissuchmaschine hierzulande ist übrigens Idealo. Die gehört mehrheitlich dem Axel-Springer-Konzern. Idealo kann man natürlich auch benutzen bei der Monitorsuche, aber ganz ehrlich, Geizhals ist vor allem bei Technik-Sachen viel detaillierter. Das sage ich als Keno, nicht als Heise-Mitarbeiter. Und ich finde auf jeden Fall auch, dass die Geizhals-Website sehr gut zu Heise und c't passt. Die verschwendet keine Energie auf Design. Funktion folgt Form. Ganz wichtig.

Hat man das Ding aber einmal gecheckt, ist das wirklich super praktisch. Guck mal, ich klicke hier auf Monitore und dann gibt es da über 3000 Produkte, aber ich grenze das jetzt ein und klicke dann halt das an, was mir wichtig ist. Also ich weiß, dass mir 27 Zoll zu klein sind. Also 31,5 Zoll und maximal bis 37,5 Zoll, weil mehr kriege ich nicht auf meinen Schreibtisch. Und 16:9 will ich auch, hatte ich am Anfang gesagt, also klicke ich das an und dann bleiben noch 384 Modelle übrig. Das ist schon mal deutlich weniger. Außerdem will ich 4K-UHD-Auflösung, aha, nur noch 209. Bildwiederholfrequenz habe ich jetzt keine extrem starke Meinung, aber ich will glaube ich mehr als 60, also ab 120. Und jetzt das Wichtigste, kein IPS oder VA, das ist alles LCD, nein, ich will ja OLED. Zack, runter auf 46.

Ja, und da muss ich erstmal runterscrollen, weil da erstmal so für mich eher unwichtige Sachen kommen. Für mich dann aber wichtig, der USB-C-Teil. Ich will da Laptops und andere Sachen über USB-C anschließen, die dann nicht nur geladen werden, sondern ich auch Tastatur und so verwenden kann, die am Monitor hängen. Also so klassische Dockingstation-Funktion, halt ohne Dockingstation, nur mit dem Monitor. Das Bild soll natürlich auch übertragen werden über USB-C. Das ist für mich praktisch, weil ich sehr oft unterschiedliche Geräte teste und so kann ich die mit einem Kabel anschließen und muss da nicht so ewig rumfummeln. Ich klicke also hier auf DisplayPort inklusive USB-C zweimal und Power Delivery. Ab 65 Watt würde ich mal sagen, das reicht mir, um die Teile aufzuladen. Und dann sind wir auf einmal schon bei 23 Geräten.

So, und jetzt wird es richtig interessant. Das ist so ein Klassiker bei Displays und auch bei Notebooks. Also ist mir schon öfter aufgefallen. Ich checke dann ganz oft nicht, wo die Unterschiede bei so leicht unterschiedlichen Typbezeichnungen sind. Also UXWRD versus UXURXDE versus UXWRD. Aber auch hier ganz schön Acer Predator X32 X5 BMIIPHUZX. Okay, ganz easy, ne? Also wenn da jetzt ein Buchstabe anders ist, wie unterscheidet sich das Gerät dann? Aber was man jetzt machen kann, und das ist in diesem Fall echt für mich das Killer-Feature, also ihr klickt hier auf diese beiden Pfeile und dann wird das Gerät zur Vergleichsliste hinzugefügt und dann klickt ihr alle an, die ihr vergleichen wollt, also für euch in die engere Auswahl kommen und dann werden hier die Unterschiede gelb markiert. Ja, super, und jetzt kann ich auch die Unterschiede sehen bei den leicht veränderten Typbezeichnungen. Wie gesagt, funktioniert nicht nur bei Monitoren, funktioniert auch super mit Laptops unter anderem und auch bei Fernsehern und bei allen möglichen Dingen. Super praktisch.

Ja, und da ist mir dann auch aufgefallen, dass nur einer der Monitore, die hier bei mir in der engeren Auswahl waren, über USB-C DisplayPort 2.1a unterstützt. Was ich schon sehr gerne hätte, weil es ist nicht garantiert, dass die älteren Standards 4K mit 120Hz ohne DSC können. DSC, wenn ihr euch das jetzt fragt, das ist so eine theoretisch fürs Auge unsichtbare Kompression, die aber manchmal Probleme macht. Zum Beispiel habe ich schon mal beobachtet, wenn man mit Alt-Tab aus dem Spiel raustappt und der Bildschirm dann ein paar Sekunden schwarz wird. Also meistens ist DSC kein Problem, aber wenn ich das irgendwie vermeiden kann, dann nehme ich doch lieber DisplayPort 2.1a, weil da geht es ohne Kompression. Und deswegen habe ich mich dann am Ende für den MSI MPG 322URX DE entschieden.

Ja, klick mal auf bestellt. So schnell ist der da. Nice. Und beim Auspacken kickt hier direkt meine Grobmotoriker-Panik ein. Wie fragil ist das Ding bitte? Und sind OLEDs sowieso? Ja, ich check, dass das nice aussieht, wenn es quasi keinen Rahmen gibt. Aber beim Handling muss man da wirklich extrem aufpassen. Auch so Fingerabdrücke sind sofort brutal zu sehen und müssen vorsichtig weggeputzt werden. Und das finde ich, sollte man wirklich immer sagen bei OLEDs. Wenn ihr irgendwas richtig Robustes haben wollt, was man auch ein bisschen grob behandeln kann und was ihr öfter von A nach B tragen wollt, dann sind vor allem so große OLEDs vielleicht nichts für euch. Das ist wirklich oft sehr filigran alles. Ist ja auch logisch, OLEDs brauchen halt keine Hintergrundbeleuchtung, weshalb die extrem dünn gebaut werden können. Das ist ja auch einer der Vorteile. Und das ist meistens natürlich auch kein Problem, wenn ihr das irgendwo fest installieren wollt. Aber ich sag das trotzdem einfach mal dazu, wenn ihr oft auf LANs oder so geht, dann vielleicht besser ein Monitor mit einem stabileren Gehäuse. Wie bei LCDs. Hier seht ihr hier deutlich den Unterschied bei meinem alten LCD-Monitor.

So, das jetzt hier zum Gehäuse. Aber wie ist das Bild denn jetzt? Und ey, ja, das ist super. Ich muss ehrlich sagen, dass das ein riesiger Unterschied gegenüber meinem 4K IPS LCD ist. Guck mal hier, das sind die beiden untereinander. Oben mein alter 27 Zöller mit IPS LCD und unten der 32 Zöller mit OLED. Und das sieht man auch deutlich. Das Schwarz ist halt schwarz und nicht grau. Und die Farben kicken auch richtig rein. Aber wenn man die Vorhänge aufzieht und die Sonne reinkommt, dann sieht man auch, das Display spiegelt definitiv mehr als bei meinem alten Monitor. Das ist jetzt nicht so schön in hellen Umgebungen, aber was ich dann doch erstaunlich fand, die Helligkeit reichte auch bei dem OLED für helle Räume, also wo die Sonne reinknallt. Das sind hier beide Monitore bei voller Helligkeit untereinander, also geht schon. Aber so richtig Spaß macht der OLED halt vor allem in dunklerer Umgebung, das muss man schon sagen.

Und dafür lacht ihr mich jetzt vermutlich aus. Mein alter Monitor hatte maximal 60 Hertz und ich dachte, dass man auch nicht unbedingt mehr braucht für so Büroarbeit. Aber 120 bzw. 240 Hertz ist ein Game Changer. Das habe ich also wirklich in dem Moment, wo ich den OLED angeschlossen habe, sofort gemerkt. Und das Interessante ist, das ist nie nur beim Gaming so, sondern das ist auch schon bei ganz normalen Sachen wie Fenster hin und her schieben, Maus bewegen. Es ist einfach alles viel, viel, viel geschmeidiger und ich will da nicht mehr von weg. Die Frage ist, ob man wirklich mehr als 120 Hertz braucht. Mein Testmonitor hat hier 240 Hertz. Ich bin mir nicht so sicher, ob man den Unterschied 120, 240, ob das so einen Riesenunterschied macht. Sollen wir das mal detailliert testen? Also bis wann Menschen das überhaupt wahrnehmen können? Gerne in die Kommentare schreiben. Aber auf jeden Fall 120 Hertz, das will man schon haben. Also ich zumindest.

Ja okay, und was ich auch noch loben kann, ist die Blickwinkelabhängigkeit. Die ist nämlich nicht vorhanden. Das Teil sieht von allen Seiten super aus. Das ist bei guten LCDs zwar auch besser geworden, aber so gut wie OLED, schwierig. Wir müssen aber natürlich jetzt noch zu den zwei OLED-Elefanten im Raum kommen. Und das ist zum ersten einmal die ungleichmäßige Pixelmatrix, beziehungsweise konkreter. Ich habe bei früheren OLEDs so eine gezackte Textdarstellung wahrgenommen, beziehungsweise Farbsäume. Das war auf jeden Fall bei älteren OLEDs immer ein Problem. Aber ganz ehrlich, ich könnte jetzt das große Fass aufmachen, das alles im Detail erklären. Aber bei dem OLED-Monitor hier ist das für mich kein Problem. Obwohl die RGB-Subpixel nicht gleichmäßig angeordnet sind, sondern ungleichmäßig. Bei der weniger blaue und rote Subpixel als grüne verwendet werden. Das ist so, aber ich kann es nicht wahrnehmen. Guck mal hier, das ist einmal Text auf dem LCD und das ist einmal Text auf dem OLED. Also wenn ich mir einbilde, dann kann ich auf dem OLED so ganz leichte Farbsäume sehen. Also in dieser Videoaufnahme, bloß im Auge, beim normalen Arbeiten nicht. Aber ich kann mir das auch bei dem LCD einbilden, ehrlich gesagt. Ich finde sogar, dass das Bild hier in dieser Aufnahme sogar bei den OLEDs ein bisschen gleichmäßiger aussieht. Aber wie gesagt, das ist ganz dicht dran mit der Kamera. Ihr seid ja mindestens 30 Zentimeter weg davon und dann nehme zumindest ich das alles nicht mehr wahr. Deshalb ist das meines Erachtens kein Problem. Wenn das für euch trotzdem ein Thema ist und ihr Angst davor habt, dass ihr das wahrnehmt, dann könnt ihr auch einfach noch ein bisschen abwarten, denn sowohl Samsung als auch LG, also die OLED-Panel-Hersteller, Die haben beide angekündigt, bei den kommenden Modellen die Subpixel klassisch anzuordnen. Also in der RGB-Matrix, beziehungsweise gleichmäßiger. Ich habe einen Heise-Artikel dazu verlinkt, wenn euch das interessiert. Aber wie gesagt, meines Erachtens macht auch die aktuelle Generation, zumindest bei dieser hohen Auflösung, ganz wichtig, kein Problem. Also bei geringeren Auflösungen und bei den 21:9, da kann man es vielleicht wahrnehmen, aber hier bei meinem 4K-Monitor eben nicht.

Und jetzt der zweite Elefant im Raum, Einbrennen. Ein Riesenthema, immer schon, und zwar gerade bei für Büroarbeiten genutzten Monitoren. Ich sag mal, ich schreibe ständig Texte in, ja, Nextcloud Office. Checkt ihr, checkt ihr, ich habe nicht Microsoft Word gesagt. Ja, und da habe ich das Fenster oft an der gleichen Stelle und dann habt ihr natürlich auch immer die Icons vom User Interface an der gleichen Stelle. Und das war ja immer so gefährliches Territory bei OLED. MSI hat aber in dem Monitor, den ich getestet habe, etliche Funktionen eingebaut, die das verhindern sollen, zum Beispiel Pixel Shift. Damit nicht immer die gleichen Pixel die gleichen Farben darstellen müssen, wird das Bild alle zwei Minuten um wenige Pixel verschoben. Hatte ich die ganze Zeit an, ist mir nicht einmal aufgefallen. Das gleiche gilt für Static Screen Detection, Taskbar Detection und Logo Detection. Der Monitor prüft die ganze Zeit, ob es irgendwelche Bildelemente gibt, die sich lange Zeit nicht verändern und dimmt die dann etwas runter. Kann man alles abstellen? Habe ich nicht abgestellt? Hatte ich alles auf Standard? Habe ich nicht einmal wahrgenommen.

Jetzt kommt was, was mir aufgefallen ist, nämlich OLED Care 2.0. Sobald der Monitor vier Stunden gelaufen ist und in den Standby geht, dann läuft so eine Pixel-Auffrischung, wobei dann so Helligkeitsunterschiede ausgeglichen werden. Das heißt, wenn einzelne Pixel viel heller geleuchtet haben als andere, werden die anderen auch gealtert, eben damit gleichmäßig altert. Also angenommen, ihr habt acht Stunden an dem Bildschirm arbeitete und das Teil schaltet sich dann ab, weil ihr Feierabend macht, dann wird nach ungefähr zehn Minuten automatisch dieser OLED-Care-Modus aktiviert und dieser Prozess dauert so eine Viertelstunde immer. Und in vielen Fällen kriegt ihr das also gar nicht mit, weil das passiert nur, wenn der Monitor in Standby geht. Aber wenn ihr während dieses Prozesses wiederkommt und an den Rechner geht, dann wundert ihr euch womöglich, warum der Monitor auf einmal kein Bild anzeigt. Ihr könnt dann den Einschaltknopf drücken und dann wird der Prozess abgebrochen. Ihr könnt wieder ganz normal daran arbeiten oder spielen. Das lässt sich viermal abbrechen. Dann beim fünften Mal, wenn ihr es beim fünften Mal abbrechen wollt, dann zwingt euch der Monitor dazu. Dann müsst ihr also diese Viertelstunde warten. Ich hatte das in meinem halben Jahr mit diesem Monitor nicht einmal, dass ich das nicht abbrechen konnte. Also ich hatte das schon, dass der in diesen Care-Modus gegangen bin, als ich mal wiedergekommen bin oder so, aber dann habe ich es immer manuell abgebrochen und dann hat er den Care-Modus halt gemacht, wenn ich dann das nächste Mal Pause gemacht habe. Also diese viermal beziehungsweise fünfmal habe ich nicht einmal ausgekostet, dass ich da diesen Modus anschalten musste.

Ich habe mir übrigens am Ende des halben Jahres auch ganz genau mit einfarbigen Bildschirminhalten angeguckt, ob ich ein Brennmuster sehen kann und ich habe keine gefunden. Wie gesagt, nach 646 Betriebsstunden und laut Monitor 82 Auffrischungsvorgängen. Aber offenbar auch nach längerer Zeit passieren keine schlimmeren Dinge. Also der YouTube-Channel Monitors Unboxed hat das nämlich zwei Jahre lang ausprobiert. Interessanterweise mit dem Vorgängermodell von dem, was ich hier getestet habe, dem MPG 321 statt MPG 322. Die benutzen beide das gleiche von Samsung hergestellte OLED-Panel Und ja, da kann man bei genauem Hingucken was erkennen, richtig viel ist das nicht. Was ich ganz interessant finde, obwohl da 659 dieser Auffrischungsvorgänge durchgelaufen sind, ist die SDR-Maximalhelligkeit nur von 243 auf 238 Nits runtergegangen. Das ist ziemlich wenig. Also für mich heißt das, Einbrennen macht mir persönlich keine großen Sorgen. Gibt bei MSI auch noch eine 3-Jahres-Einbrenn-Garantie.

Ich könnte jetzt auch nochmal alle kleinen, kleinen Gaming-Funktionen hier durchhecheln, aber da habe ich ehrlich gesagt keine Lust zu, weil da sind die meisten auch eher quatschig. Also vor allem die Bildverbesserungsfunktionen, die sehen meiner Meinung nach gruselig aus. Okay, man kann eine sogenannte Optix-Funktion anschalten, da wird ja der mittlere Teil des Bildschirms so vergrößert, hilft womöglich bei Shootern. Ja, habe ich nicht verwendet, wir Profis brauchen das nicht, ne, wisst ihr? Ne, keine Ahnung.

Was ich aber wirklich oberpraktisch finde, die USB-Hub-Funktion. Man hat halt einmal eine USB-C Buchse plus zweimal USB-A und einmal USB-B. Und da kann ich dann einfach zum Beispiel mein Notebook über ein USB-C Kabel anschließen. Und dann wird das aufgeladen, das Bild wird übertragen, mein Audio Interface ist verbunden, was am Monitor hängt mit Mikrofon und Lautsprechern und meine Tastatur, die auch über USB am Monitor hängt auch. Will ich einen anderen Rechner benutzen, stöpsel ich einfach mein eines USB-C Kabel um und zack, fertig. Das geht übrigens auch unter Linux, hier zum Beispiel mit meinem Framework Laptop hier. Und das auch übrigens problemlos mit 240 Hertz. Kurioserweise geht das mit meiner Linux-Maschine sogar besser als mit meinem Apple MacBook Air M2. Das kann nämlich nur 120 Hertz, aber das liegt nicht am Monitor, sondern an Apple. Für 240 Hertz braucht man Pro, Max oder Ultra bei Apple. Ja, okay.

Mein Fazit. Wäre das kein Testgerät, was ich zurückschicken muss, würde ich den Monitor auf jeden Fall behalten. Ich muss mir mal überlegen, ob ich jetzt wirklich 850 Euro auf den Tisch legen will dafür. Aber mir hat das alles schon sehr gut gefallen. Also das super tintige Schwarz, die 32 Zoll Größe, die USB-C Hub-Funktion, vor allem die 240 Hertz. Ich habe echt Probleme, jetzt wieder zurück zu meinem alten 27 Zöller mit 60 Hertz zu gehen. Die Sachen, die ich für mich kritisieren würde, sind an erster Stelle ganz klar die krass spiegelnde Oberfläche. Die stört mich interessanterweise am meisten von allen Kritikpunkten. Also deutlich mehr als die etwas geringere Helligkeit. die reicht für mich auch, wenn die Sonne richtig reinknallt. Aber die Spiegelungen, die nerven mich. Ja, und ich finde auch etwas beunruhigend, dass das Teil so papierdünn ist und ich hätte echt Angst, wenn ich damit umziehen müsste. Ja, okay, ist vielleicht eine Spezialangst bei mir. Ja, und diese Zwangspausen mit der OLED-Auffrischung, ah, das ist so ein Mini-Ärgernis, was mich letztendlich nicht so richtig nervt. Weil das kann man ja eben viermal abbrechen, bis man dazu gezwungen wird, diese Viertelstunde zu warten. Und das habe ich bei mir immer hingekriegt. Also klar, wenn ihr jetzt so Leute seid, die irgendwie 30 Stunden am Stück gamen oder so, aber also normalen Nutzungszyklen sollte das eigentlich immer passen, dass das dann gemacht wird, wenn ihr den Monitor gerade nicht benutzt. Achso, der Monitor hat übrigens auch keinen Lüfter, falls euch das noch interessiert. Da gibt es ja manchmal Geräte, die manchmal so unangenehme Geräusche machen, ist hier nicht der Fall.

Ja, am Ende muss man sich halt einfach selbst überlegen, ob man sich so einen Luxusmonitor gönnen will. Es ist ja alles super individuell. Es gibt natürlich auch gute Monitore, die deutlich günstiger sind oder auch mal auf dem Gebrauchmarkt gucken. Ich würde aber sagen, dass ich glaube ich an anderer Stelle eher sparen würde als am Monitor. Ist aber wie gesagt meine Meinung. Wie seht ihr das? Gerne in die Kommentare schreiben. Ich lese das alles, zumindest an den ersten Tagen nach Veröffentlichung. Und ja, tschüss.

c't 3003 [1] ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11245290

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.youtube.com/channel/UC1t9VFj-O6YUDPQxaVg-NkQ
[2] https://www.heise.de/ct
[3] mailto:jkj@ct.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

DACH-Raum: Wer sind die wichtigsten Tech-Köpfe?

Von Andrea Pawlowski — 03. April 2026 um 16:00
Deutschsprachige Tech-Fluencer sind schwer zu finden – oder nicht? Wer sind deine großen Vorbilder?
Wem würdest du ein Denkmal errichten? (Bild: Lisa from Pexels)
Wem würdest du ein Denkmal errichten? Bild: Lisa from Pexels

Die Tech-Welt wird nicht nur von großen Unternehmen und bekannten Namen geprägt – sondern vor allem von Menschen: Entwicklerinnen, Analysten, Youtubern, Hackerinnen, Gründern, Aktivistinnen und klugen Stimmen, die Debatten anstoßen und neue Perspektiven eröffnen.

Wer sind die wichtigsten dieser Leute für dich? Wer inspiriert dich, bei wem interessiert dich besonders, was er oder sie denkt, wen sollte man kennen?

Uns interessieren auch, aber nicht nur die üblichen Verdächtigen, wir suchen nach Persönlichkeiten aus der DACH-Region, die euch wirklich geprägt haben – egal ob sie große Reichweiten haben oder eher in Nischen unterwegs sind.

Wir meinen zum Beispiel:

  • Tech-Youtuber und Creators, die komplexe Themen verständlich machen
  • wichtige Stimmen aus Open Source, IT-Security oder KI
  • Entwicklerinnen und Entwickler mit besonders spannenden Projekten
  • Menschen aus der Netzkultur oder digitalen Zivilgesellschaft
  • Speaker und Denker, die ihr auf Konferenzen erlebt habt
  • Insider-Tipps: Personen, die (noch) viel zu wenige kennen

Kurz: Wer sind die Köpfe, die man kennen sollte, wenn man sich für Technologie, Digitalisierung und Netzpolitik im DACH-Raum interessiert?

Achtung: Wir möchten eure Erlebnisse eventuell zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. Unser Tool bietet völlige Anonymität. Bitte achtet auch bei euren Beiträgen darauf, sie so zu anonymisieren, dass wir sie im Artikel unterbringen können, ohne größere Änderungen vornehmen zu müssen.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Laserwaffe: Royal Navy setzt Dragonfire auf Kriegsschiffen ein

Von Andreas Donath — 03. April 2026 um 15:00
Großbritannien wird 2027 als erstes europäisches Nato-Mitglied eine einsatzfähige Schiffs -Laserwaffe in Dienst stellen – und das fünf Jahre früher als geplant.
Bereits 2023 wurde Dragonfire vorgestellt. (Bild: UK Ministry of Defence)
Bereits 2023 wurde Dragonfire vorgestellt. Bild: UK Ministry of Defence

Im März 2026 hat der britische Verteidigungsstaatsminister Vernon Coaker bekanntgegeben, dass das Dragonfire-Programm vorgezogen wird, wie Army Recognition berichtet .

Statt in den frühen 2030er Jahren sollen die ersten Systeme bereits 2027 auf Typ-45-Zerstörern der Royal Navy installiert sein. Der Hersteller MBDA erhielt bereits im November 2025 einen Produktionsauftrag für die ersten zwei Einheiten.

Laser statt Munition

Dragonfire ist ein 50-kW-Faserlaser, entwickelt von MBDA UK, Leonardo UK , Qinetiq und dem Defence Science and Technology Laboratory. Das System bündelt mehrere Laserquellen zu einem einzigen Strahl und richtet ihn über einen stabilisierten Turm mit adaptiver Optik auf Ziele. Bei Tests auf den Hebriden traf der Laser eine Britische Pfundmünze auf einen Kilometer Entfernung. Als Energiequelle dient die Schiffsstromversorgung, kinetische Munition braucht es nicht.

Kosten schlagen Raketeneinsatz

Ein Dragonfire-Abschuss kostet rund zehn Pfund (11,46 Euro) an Strom. Eine Aster-Rakete, die derzeit Drohnen und Projektile abwehrt, kann Hunderttausende Pfund kosten. Die Royal Navy sieht in Dragonfire ein Mittel gegen Massenangriffe billiger Drohnen, ohne dabei teure Raketenvorräte verbrauchen zu müssen. Das Programm ist auf bis zu 200 Millionen Pfund veranschlagt und soll bis 2027 für die Ausrüstung von vier Schiffen dienen. Anwendungen für gepanzerte Fahrzeuge und das künftige GCAP-Kampfflugzeug sind bereits in der Entwicklung.

Dragonfire reiht sich ein in eine wachsende Klasse von militärischen Laserwaffen. Das US-Militär setzt das Helios-System ein und plant, einen Laser der 300-kW-Klasse auf einem Zerstörer zu testen. Der israelische Iron Beam und das US-amerikanische Odin sind ebenfalls in der Entwicklung. Wenn die Technologie ausgereift ist, wird die gerichtete Energie voraussichtlich einen großen Einfluss auf die Verteidigungsfähigkeit haben.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Apache-Lizenz: Google Gemma 4 in vier Modellgrößen veröffentlicht

Von Andreas Donath — 03. April 2026 um 14:30
Google veröffentlicht die vierte Generation seiner quelloffenen KI-Modellfamilie Gemma – mit erweitertem Funktionsumfang und einer neuen Lizenz.
Gemma 4 ist da. (Bild: Google)
Gemma 4 ist da. Bild: Google

Gemma 4 ist da . Kurz vor dem Osterwochenende hat Google seine neuen Open-Weight-Modelle veröffentlicht. Das sind KI-Sprachmodelle, deren trainierte Gewichte öffentlich zugänglich sind und lokal betrieben werden können, im Gegensatz zu rein cloudbasierten Diensten wie Gemini.

Mit Gemma 4 wechselt Google auf die Apache-2.0-Lizenz und räumt damit einen der größten Kritikpunkte an der bisherigen Reihe aus dem Weg: Die frühere Gemma-Lizenz hatte kommerzielle Deployments für viele Organisationen erheblich erschwert.

Vier Modelle, zwei Zielgruppen

Die neue Generation umfasst vier Varianten : das 26B-Mixture-of-Experts-Modell und ein 31B-Dense-Modell für leistungsstarke Hardware sowie die Edge-optimierten Varianten E2B und E4B für Smartphones, Raspberry-Pi-Boards und ähnliche Geräte. Das 31B-Modell belegt laut Google aktuell Platz drei auf dem Arena-AI-Leaderboard für offene Modelle, das 26B-Modell Platz sechs – wobei sich diese Einordnung im Alltagsbetrieb noch beweisen muss.

Die größeren Modelle sind auf eine einzelne Nvidia-H100-GPU ausgelegt, quantisierte Versionen sollen auch auf Consumer-Hardware laufen. Das 26B-MoE-Modell aktiviert beim Inferenz nur 3,8 Milliarden seiner Parameter – was laut Google gegenüber vergleichbar großen Dense-Modellen spürbar schnellere Token-Generierung bringt. Die Edge-Varianten entstanden in Zusammenarbeit mit Googles Pixel-Team, Qualcomm und Mediatek.

Apache 2.0 als entscheidende Weichenstellung

Die frühere Gemma-Lizenz hatte kommerzielle Deployments für viele Organisationen erschwert. Apache 2.0 gibt Entwicklern nun deutlich breitere Rechte bei Nutzung, Modifikation und Distribution – ein Schritt, der die praktische Einsetzbarkeit grundlegend verändert, wenn man Google glaubt.

Alle vier Modelle unterstützen multimodale Eingaben mit Bild und Video, die Edge-Modelle zusätzlich Audio. Die Kontextfenster reichen von 128.000 Token bei den Edge-Varianten bis zu 256.000 Token bei den größeren Modellen. Strukturierte JSON-Ausgabe und Function-Calling sind modellübergreifend enthalten. Trainiert wurde über mehr als 140 Sprachen hinweg.

Die Modelle sind ab sofort über Hugging Face , Kaggle und Ollama verfügbar, mit direkter Kompatibilität für vLLM, llama.cpp, MLX und Keras.

Google gibt in seinem Blogpost an, dass Gemma-Modelle seit dem Start der ersten Generation über 400 Millionen Mal heruntergeladen wurden und die Community mehr als 100.000 Modellvarianten erstellte. Ob Gemma 4 diesen Schwung fortsetzt, wird die praktische Nutzung in den kommenden Wochen zeigen.

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Südkaukasus: Irankrieg als Katalysator?

Von Adil Shamiyev — 03. April 2026 um 15:00
Kaukasus Landkarte

Der Irankrieg könnte den Südkaukasus zur globalen Schlüsselregion aufsteigen lassen - oder zum Opfer einer umfassenden humanitären Krise machen. Eine Analyse.

Der Iran wird derzeit völkerrechtswidrig von den Vereinigten Staaten und Israel angegriffen. Bombardements von Tausenden Zielen im Iran haben eine Kettenreaktion ausgelöst, die zu Gefechten an mehreren Fronten im Nahen Osten geführt hat.

Einen besonders einschneidenden Wendepunkt stellt die Tötung von Ayatollah Ali Khamenei dar, die das regionale Machtgefüge nachhaltig verändern könnte. Als Reaktion greift Teheran US-Stützpunkte, Einrichtungen in der Golfregion sowie Israel mit Raketen und Drohnen an.

In diesem Kontext rückt eine Nachbarregion des Konflikts in den Fokus: der Südkaukasus. Der Konflikt unterstreicht die wachsende Bedeutung der Diversifizierung von Handels- und Transportrouten. Insbesondere die transkaspische internationale Transportroute – der sogenannte "Mittlere Korridor [1]" – gewinnt an strategischer Relevanz.

Der "Mittlere Korridor"

Eingebettet zwischen Russland und dem Iran verläuft diese Route durch den Südkaukasus, über das Kaspische Meer bis nach Zentralasien. Historisch etabliert, hat sie in den letzten Jahren wieder deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen und Investitionen auf sich gezogen.

In der vergangenen Woche hat sich dieser Korridor zudem von einer reinen Transitroute zu einem humanitären Korridor entwickelt.

Da Flughäfen in der Region aufgrund von Drohnen- und Raketenangriffen zeitweise geschlossen waren und der zivile Luftverkehr den iranischen Luftraum umging, spielten Nachbarländer eine entscheidende Rolle. Armenien, Aserbaidschan und Turkmenistan – allesamt an den Iran grenzend und an den Korridor angebunden – unterstützten die Evakuierung ausländischer Staatsangehöriger.

Bereits Tausende Zivilisten konnten über diese Länder in Sicherheit gebracht werden, und bei anhaltenden Kämpfen dürfte ihre Zahl weiter steigen.

Aserbaidschan

Im Zentrum der Entwicklungen steht Aserbaidschan. Als einziges Land, das sowohl an Russland als auch an den Iran grenzt, nimmt es eine Schlüsselrolle in potenziellen Handelsrouten zwischen Europa und Asien ein, die die Kontrolle Moskaus und Teherans umgehen. Bereits heute fungiert das Land als wichtiger Transitknoten für Energie aus dem kaspischen Raum.

Über die Pipeline Baku–Tiflis–Ceyhan gelangt Öl aus Kasachstan auf die Weltmärkte. Perspektivisch könnte auch Gas aus Turkmenistan über eine transkaspische Verbindung und den Südlichen Gaskorridor nach Europa fließen – ein Schritt, der die Abhängigkeit Europas von russischer Energie deutlich verringern würde.

Die geopolitische Bedeutung Aserbaidschans spiegelt sich auch in aktuellen politischen Signalen wider. Nachdem vermutlich iranische Drohnen die Exklave Nachitschewan angegriffen [2] hatten, forderte Präsident Ilham Aliyev eine Entschuldigung aus Teheran und drohte andernfalls mit einer entschlossenen Reaktion. Gleichzeitig verurteilte das White House die Angriffe scharf und bezeichnete Aserbaidschan ausdrücklich als "Partner" – eine Wortwahl, die auf eine strategische Annäherung hindeutet.

Trotz dieser Spannungen sendet Baku zugleich Signale der Deeskalation. Wenige Tage nach dem Drohnenangriff stellte Aserbaidschan rund 30 Tonnen humanitäre Hilfe [3] für den Iran bereit, darunter Lebensmittel, Trinkwasser und medizinische Güter.

Baku will Deeskalation

Die Lieferung erfolgte nach einem Telefonat zwischen Präsident Ilham Aliyev und dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian, in dem Teheran jede Verantwortung für den Angriff zurückwies. Gleichzeitig hob Baku Beschränkungen an der Grenze auf und betonte, keine Angriffe auf iranisches Territorium zuzulassen.

Diese parallele Strategie aus Abschreckung und Kooperation verdeutlicht den Versuch Aserbaidschans, eine weitere Eskalation zu vermeiden.

US-Zugang zu zentralasiatischen Märkten

Auch neue Infrastrukturprojekte unterstreichen die wachsende Bedeutung der Region. So wurde mit der "Trump Route for International Peace and Prosperity [4]" (Tripp) ein Korridor vorgeschlagen, der Aserbaidschan über Nachitschewan mit der Türkei und Europa verbinden soll. Ziel ist es, Energie, Rohstoffe und Handelsgüter über eine Route zu transportieren, die Russland und den Iran umgeht.

Das Projekt geht über eine regionale Verbindung hinaus: Tripp würde einen zentralen Abschnitt des Mittleren Korridors vervollständigen und den Zugang der Türkei zum Kaspischen Raum sichern.

Damit erhielten die USA direkten Zugang zu zentralasiatischen Märkten und Ressourcen. Gleichzeitig könnte die Route zusätzliche Investitionen aus dem Westen und der türkischen Welt anziehen, Russlands Einfluss relativieren und den Korridor insgesamt widerstandsfähiger gegenüber politischen und wirtschaftlichen Störungen machen.

Die ethnische Dimension

Über die Rolle als Transitland hinaus beinhalten die aserbaidschanisch-iranischen Beziehungen auch eine ethnische Dimension. Aserbaidschaner stellen die größte Minderheit im Iran und sind tief in dessen politische und wirtschaftliche Strukturen eingebunden. Sie besetzen wichtige Positionen im religiösen Establishment, im Militär und in der Verwaltung. Auch Mojtaba Khamenei, der neue religiöse Führer des Iran, wird dieser ethnischen Gruppe zugerechnet.

Vor diesem Hintergrund wäre ein Szenario der Zersplitterung des iranischen Staates für Aserbaidschan trotz möglicher kurzfristiger Vorteile besonders riskant. Zwar könnte ein geschwächter Iran Baku größere Handlungsspielräume eröffnen und den Einfluss von Aserbaidschan und der Türkei stärken, zugleich würden jedoch schwer kalkulierbare Erwartungen unter den iranischen Aserbaidschanern entstehen.

Langfristig überwiegen jedoch klar die Risiken. Kulturelle Nähe bedeutet nicht automatisch politische oder gesellschaftliche Übereinstimmung. Instabilität im Iran könnte Erwartungen schüren, die Baku kaum erfüllen kann. Und jede tatsächliche oder wahrgenommene Einmischung würde das Risiko von Gegenmaßnahmen und einer regionalen Eskalation erhöhen.

Zwischen nationalen Ambitionen und Pragmatismus

In diesem Zusammenhang sollte Aserbaidschan seine Grenzsicherheit stärken und sich auf mögliche Flüchtlingsbewegungen sowie Sicherheitsbedrohungen vorbereiten, ohne das Gleichgewicht zwischen nationalen Ambitionen und strategischem Pragmatismus zu verlieren.

Ein alternatives Szenario wäre eine Machtübernahme durch Hardliner oder das Militär im Iran. Auch wenn dies politisch unerwünscht wäre, würde es für Baku ein gewisses Maß an Berechenbarkeit schaffen.

In diesem Fall könnte Aserbaidschan seine Infrastrukturprojekte schrittweise weiterentwickeln und die Kooperation mit der Türkei vertiefen, ohne eine offene Konfrontation zu riskieren. Dennoch bliebe das grundlegende Misstrauen Teherans bestehen – insbesondere angesichts der engen [5] Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Israel, die im Iran als sicherheitspolitische Bedrohung wahrgenommen werden.

Georgien und Armenien

Direkte Schäden des aktuellen Iran-Krieges in Georgien sind unwahrscheinlich, doch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar. Steigende Energiepreise erhöhen den Druck auf Transport und Logistik, während globale Spannungen die Inflation anheizen.

Gleichzeitig wächst die strategische Bedeutung Georgiens als Transitland: Eine anhaltende Instabilität im Persischen Golf könnte Energie- und Handelsströme verstärkt über den transkaspischen Korridor lenken. Dies würde Georgiens Rolle stärken, zugleich aber seine Verwundbarkeit gegenüber geopolitischem Wettbewerb erhöhen.

Mittelfristig zeichnen sich mehrere Szenarien ab. Eine weitere Eskalation könnte den gesamten Südkaukasus destabilisieren, da der Iran enge Beziehungen zu Armenien unterhält und zugleich mit Aserbaidschan konkurriert. Georgien gerät damit in ein Spannungsfeld zwischen seiner pro-westlichen Ausrichtung und einer zunehmend instabilen Nachbarschaft.

Die Zukunft der georgisch-iranischen Beziehungen

Ein erneuertes Atomabkommen erscheint derzeit unwahrscheinlich, während ein möglicher Machtwechsel im Iran sowohl Risiken als auch Chancen für Tiflis birgt.

Daher hängt die Zukunft der georgisch-iranischen Beziehungen maßgeblich von der inneren Entwicklung des Iran ab. Ein demokratischer Wandel mit anschließender Annäherung an den Westen würde Georgiens Rolle als "Grauzonen-Vermittler" beenden und die wirtschaftlichen Beziehungen transparenter machen.

Gleichzeitig würde Russlands Einfluss durch den Bedeutungsverlust iranischer Transitkorridore sinken. Für den georgischen Staat wäre dies stabilisierend, auch wenn es innenpolitische Anpassungen erfordern würde.

Der Zerfall des iranischen Staates würde hingegen erhebliche Risiken mit sich bringen. Migration, Handelsstörungen sowie Sicherheitsbedrohungen wie Schmuggel und organisierte Kriminalität könnten zunehmen. Georgien würde in diesem Fall zu einer Pufferzone regionaler Instabilität werden, ohne daraus langfristige Vorteile zu ziehen.

Am problematischsten scheint jedoch die Etablierung eines Hardliner-Regimes im Iran. In diesem Fall könnten sich die Beziehungen zwischen Tiflis und Teheran vertiefen und stärker strategisch ausrichten, etwa in den Bereichen Handel, Logistik und Sanktionen.

Dies würde den Einfluss autoritärer Akteure wie Russland und China verstärken und den Druck des Westens auf Georgien erhöhen – mit möglichen Folgen für Wirtschaft, EU-Perspektive und staatliche Souveränität.

Armenien

Bislang ist Armenien das einzige Nachbarland Irans, das nicht direkt von militärischen Angriffen betroffen ist. Auch künftig bleibt die Wahrscheinlichkeit unmittelbarer Sicherheitsvorfälle – etwa durch Raketenüberflüge oder Drohnenangriffe – vergleichsweise gering.

Risiken könnten jedoch mittel- bis langfristig aus US-armenischen Projekten entstehen, die Iran als bedrohlich wahrnehmen könnte, etwa geplante Technologieprojekte oder eine mögliche US-Truppenpräsenz im Rahmen des Tripp-Korridors. Der Krieg hat zudem die skeptische Haltung Teherans gegenüber solchen Initiativen verstärkt.

Langfristig könnte eine Instabilität im Iran auch Armeniens militärische und logistische Verbindungen beeinträchtigen, insbesondere bei Waffenlieferungen aus südlichen Märkten wie Indien.

Strukturelle Risiken bleiben erheblich

Wirtschaftlich sind die direkten Auswirkungen bislang begrenzt, doch strukturelle Risiken bleiben erheblich. Zwar macht der Handel mit Iran nur rund 3,6 Prozent des Gesamtvolumens aus, dennoch ist Armenien bei bestimmten Gütern – etwa Bitumen, Zement oder Energie – stark abhängig.

Über 20 Prozent des Außenhandels verlaufen über iranisches Territorium, darunter wichtige Importe aus China sowie Exporte in den Nahen Osten. Eine langfristige Unterbrechung dieser Routen könnte Inflation und Versorgungsengpässe auslösen.

Besonders sensibel ist der Energiesektor. Armenien importiert Gas aus Iran im Austausch gegen Strom. Störungen der iranischen Energieinfrastruktur könnten daher direkte Auswirkungen auf Preise und Versorgung haben.

Auch der Tourismus wäre betroffen: Iranische Besucher zählen zu den wichtigsten Gruppen, und ihr Wegbleiben könnte das Wirtschaftswachstum bremsen.

Sorge vor Flüchtlingen

Hinzu kommt die humanitäre Dimension. Ein Zusammenbruch staatlicher Strukturen im Iran könnte zu Flüchtlingsbewegungen führen und die ohnehin begrenzten Kapazitäten im Sozial- und Gesundheitswesen Armeniens stark belasten. Bereits in den vergangenen Jahren wurde das System durch mehrere Flüchtlingswellen stark beansprucht.

Selbst moderate Zuwanderung könnte soziale Spannungen verstärken, insbesondere wenn ethnische Dynamiken politisch instrumentalisiert werden. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Angehörige iranischer Sicherheitsstrukturen im Falle politischer Umbrüche Zuflucht suchen. Solange staatliche Strukturen im Iran stabil sind, bleibt das Risiko eines massiven Flüchtlingszustroms jedoch gering.

Sollte sich der Konflikt jedoch ausweiten, könnte sich das jedoch schnell ändern. Aus politischer Sicht bleibt daher Vorsorge entscheidend – sowohl im Bereich humanitärer Hilfe als auch zur Stärkung gesellschaftlicher Resilienz.

Fazit

Trotz der Bedeutung der Azeris in Religion und Politik des Iran dürfte sich die Umsetzung des Tripp-Projekts auf unbestimmte Zeit verzögern. Gleichzeitig hängt der Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht ausschließlich von den Vereinigten Staaten ab. Die wachsende Bedeutung des Mittleren Korridors eröffnet beiden Ländern die Möglichkeit, Konnektivität auch bilateral voranzutreiben.

Um dieses Potenzial auszuschöpfen, sollten Aserbaidschan, Armenien und Georgien den Korridor jedoch gemeinsam als kooperativen Raum gestalten und den Einfluss externer Akteure ausbalancieren. Ein abgestimmtes Vorgehen könnte nicht nur die Leistungsfähigkeit des Mittleren Korridors stärken, sondern auch die Entwicklung der Nord-Süd-Verbindung [6] fördern.

Unter diesen Voraussetzungen hätte der Südkaukasus die Chance, sich von einem Schauplatz geopolitischer Konkurrenz zu einem eigenständigen strategischen Akteur zu entwickeln – als Region, die eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen Europa und Asien aktiv mitgestaltet.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11244308

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.german-economic-team.com/newsletter/chancen-und-herausforderungen-des-mittleren-korridors/
[2] https://www.euronews.com/2026/03/05/iranian-drones-strike-azerbaijans-razi-airport-in-nakhchivan
[3] https://www.aa.com.tr/en/world/azerbaijan-sends-humanitarian-aid-to-iran-amid-regional-escalation/3857773
[4] https://www.geopoliticalmonitor.com/power-tripp-the-trump-route-and-the-logic-of-transactional-diplomacy/
[5] https://en.wikipedia.org/wiki/Azerbaijan%E2%80%93Israel_relations
[6] https://en.wikipedia.org/wiki/International_North%E2%80%93South_Transport_Corridor

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Ukraine-Krieg zeigt: Warum ein US-Bodenkrieg im Iran zum Risiko wird

Von Lars Lange — 03. April 2026 um 12:00
Szene zeigt, wie mehrere Drohnen über einer Wüstenbasis kreisen und Explosionen auslösen, während im Vordergrund ein Soldat die Angriffe über Monitore steuert.

KI-generierte Grafik

Während das Pentagon Truppen verlegt, wächst eine strategische Lücke: Iran und Russland setzen auf Drohnen – die USA holen nur langsam auf. Eine Einschätzung.

Das Pentagon bereitet, vielen Anzeichen nach, Bodenoperationen im Iran vor — möglicherweise seit Wochen.

Wie die Washington Post [1] berichtet, umfassen die Planungen angeblich Kommandounternehmen durch Spezialkräfte und konventionelle Infanterie sowie mögliche Operationen entlang der iranischen Küste, darunter die Einnahme strategisch wichtiger Inseln im Persischen Golf.

Vom Luftkrieg zur Bodenoption – und zur entscheidenden Frage

Tausende US-Soldaten und Marineinfanteristen sind bereits in die Region verlegt worden. Das 31. Marine-Expeditions-Korps mit rund 2.200 Mann wurde laut Washington Post in den vergangenen Wochen in die Region beordert.

Wie es aussieht, hat die seit dem 28. Februar laufende US-israelische Luftkampagne nach mehr als vier Wochen weniger erreicht, als es die Ankündigungen des US-Präsidenten verstehen ließen. Es gibt einige Probleme, und die sind nicht klein.

Die Straße von Hormus ist für die Schifffahrt gesperrt. Das hat weltweite Auswirkungen. Und überdies dauern die iranischen Drohnen- und Raketensalven gegen Golfstaaten, US-Stützpunkte und Israel an. Die Aufgabe des iranischen Atomprogramms bleibt eine offene Frage.

Offenbar wird, dass in Washington der Druck steigt, militärisch nachzulegen. Stellt sich die Frage: Wie gut wären die USA auf eine Bodenoperation im Drohnenzeitalter vorbereitet?

Ukraine-Krieg zeigt: Billige Drohnen schlagen teure Panzer – und werden unterschätzt

Zu bedenken ist: Der Krieg in der Ukraine hat die Regeln des Bodenkampfes neu geschrieben. Die FPV-Drohne — ein handelsüblicher Quadkopter mit Kamera und Sprengstoff — kann einen Kampfpanzer im Wert von Millionen Dollar zerstören.

Laut Aussage [2] von General Christopher Cavoli, damals Oberbefehlshaber des US-Europakommandos, vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats wurden allein auf russischer Seite schätzungsweise 3.000 Kampfpanzer sowie 9.000 gepanzerte Fahrzeuge vernichtet. Als Hauptwaffe der ukrainischen Seite identifizierte Cavoli die Einwegdrohne zum Herstellungspreis von rund 400 Dollar.

Armin Papperger, Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, einem der weltgrößten Panzerhersteller, zeigte sich gegenüber The Atlantic [3] davon unbeeindruckt. "Das ist wie mit Lego spielen", wird er zitiert. Und weiter:

"Was ist die Innovation der Ukraine? Sie haben keinen technologischen Durchbruch. Sie machen Innovationen mit ihren kleinen Drohnen und sagen: 'Wow!' Das ist großartig. Na und. Aber das ist nicht die Technologie von Lockheed Martin, General Dynamics oder Rheinmetall."

Der Krieg kippt: Masse schlägt Hightech

Im Artikel von The Atlantic wundert man sich, dass Rheinmetall bis heute keine Schutzvorrichtungen gegen Drohnenangriffe für seine Panzer entwickelt hat.

Allem Anschein nach steht der Konzernchef damit exemplarisch für eine strukturelle Unfähigkeit westlicher Militärapparate, die neuen Schlachtfeldrealitäten anzuerkennen. Was in der Ukraine gerade passiert, gilt wohl als Behelfslösung von Amateurstaaten.

Was aus dem Iran kommt, gilt als Bedrohung zweiter Klasse. Der Krieg in der Ukraine und der Krieg gegen den Iran zeigen allerdings, wie gefährlich diese Haltung ist.

Denn wir sehen eine grundlegende Verschiebung im Charakter des Krieges: Wirkung wird nicht mehr primär durch komplexe Plattformen erzeugt, sondern durch massenhaft verfügbare, präzise und verlusttolerante Wirkmittel. Drohnen, Sensoren und günstige Angriffssysteme bilden ein Gefechtsfeld, auf dem nicht mehr einzelne Systeme dominieren, sondern ihre Skalierung. Und bald schon ihre Vernetzung.

Russland und Iran vernetzen ihre Kriegsführung – mit Lehren aus dem Ukraine-Krieg

Der Iran hat das offenbar verinnerlicht. Am 17. Januar 2025 unterzeichneten Russland und Iran in Moskau einen Zwanzigjahresvertrag über eine umfassende strategische Partnerschaft, der unter anderem engere Geheimdienstkooperation, gemeinsame Militärübungen und die Entwicklung militärisch-technischer Zusammenarbeit vorsieht.

Vor allem aber bestätigte Russlands Präsident Wladimir Putin bei der Unterzeichnung öffentlich, was westliche Geheimdienste seit Jahren vermuteten: Moskau informiere Teheran regelmäßig über den Verlauf des Ukraine-Krieges, wie Reuters [4] berichtete.

Russland hatte ab 2022 iranische Shahed-Drohnen in der Ukraine eingesetzt, sie dort weiterentwickelt — mit verbesserter Navigation, Antijamming-Systemen, teils Jet-Antrieb, teils KI-Steuerung — und liefert nun verbesserte Varianten zurück [5] an den Iran.

Der britische Militärgeheimdienst stufte es laut AP als nahezu sicher ein, dass Russland den Iran vor Kriegsbeginn mit Training und Informationen über Drohnentechnologie und elektronische Kriegsführung versorgt hat.

Iran baut seine Drohnenstreitkräfte systematisch aus

Erst im Januar 2025 integrierte die iranische Armee nach Angaben der Staatszeitung Tehran Times [6] 1.000 neue Drohnen in ihre Kampfverbände — darunter Systeme für Aufklärung, Angriff und elektronische Kriegsführung.

Eine weitere Tranche folgte im Januar 2026, deren technische Spezifikationen nach offiziellen iranischen Angaben ausdrücklich aus den Erfahrungen des Zwölf-Tage-Krieges vom Juni 2025 abgeleitet wurden.

Im Mai 2025 präsentierte die iranische Armee in Zahedan drei neue Drohnentypen: den Homa, einen VTOL-Aufklärer für elektronisch umkämpften Luftraum, den Dideban für koordinierte Schwarmeinsätze, und den Shahin-1 — eine FPV-Suiziddrohne gegen mobile Ziele. Brigadegeneral Kioumars Heidari, Kommandeur der Heereslandstreitkräfte, brachte die Strategie auf eine Formel, die Tehran Times [7] zitierte:

"Unsere Vision ist es, eine Streitmacht aufzubauen, die auf diesen Technologien aufgebaut ist."

US-Stützpunkte werden zur Zielscheibe

Dass die Anstrengungen erfolgreich gewesen sein könnten, zeigen die jüngsten Ereignisse im Irak: Am 24. März 2026 veröffentlichten iranisch unterstützte irakische Milizen Videoaufnahmen eines Angriffs auf die Victory Base am Flughafen Bagdad, einen formal an die irakische Regierung übergebenen, aber weiterhin von US-Kräften genutzten Komplex.

Das Filmmaterial, das mit einer glasfasergesteuerten [8] FPV-Drohne aufgenommen wurde, zeigt einen US-amerikanischen Black-Hawk-Hubschrauber sowie ein Sentinel-Luftüberwachungsradar als Ziele. Dem Fachmagazin The War Zone [9] zufolge handelte es sich um den ersten bekannten erfolgreichen Angriff dieser Art auf ein US-Militärluftfahrzeug.

Bereits Mitte März hatte eine mit dem Iran verbündete Miliz eine FPV-Drohne fast zwei Minuten lang ungehindert über das Gelände der US-Botschaft in Bagdad fliegen [10] lassen. Gegenmaßnahmen waren in keinem der Fälle zu erkennen.

Unsichtbar für Radar und Jamming: Die nächste Drohnengeneration

Glasfasergesteuerte FPV-Drohnen senden keine Funksignale — sie sind damit immun gegen elektronische Kampfführung und Jamming, die bisher als erste Verteidigungslinie gegen kleine Drohnen galten. Sie können in Bodennähe fliegen, wo herkömmliche Radarsysteme blind sind, und Spulen mit bis zu fünfzig Kilometern Glasfaserkabel erlauben Angriffe aus großer Entfernung.

Russland hatte diese Technologie ab März 2024 in der Ukraine eingeführt und damit entscheidende taktische Vorteile erzielt. Dass iranisch unterstützte Milizen sie nun in Bagdad einsetzen, legt nach Einschätzung von Forbes nahe, dass Russland entweder Drohnen direkt geliefert oder technisches Know-how weitergegeben hat.

Die USA lernen – aber sie stehen noch am Anfang

Auch das Militärkommando der USA zieht Lehren aus dem Ukraine-Krieg. Oberst Donald Ray Neal, Kommandeur des 2. Kavallerieregiments, der größten US-Kampfformation in Europa, beschrieb bei einem Pressegespräch [11] im März 2026 offen, was seine Einheit von ukrainischen Soldaten gelernt hat: den koordinierten Einsatz von Drohnen, Gegendrohnenmaßnahmen und elektronischer Kriegsführung als integriertem System.

Das Projekt "Flytrap", mit dem das Regiment offensive Drohnenabwehrfähigkeiten entwickelt, läuft seit 2025 — die nächste Iteration ist für Mai 2026 in Litauen geplant, mit rund sechzig verschiedenen Geräten von sechzig Anbietern.

Dass ein solches Programm noch in der Erprobungsphase steckt, sagt viel über den Stand der Dinge.

Beim Marinekorps sieht es kaum anders aus. Erst Ende 2025 genehmigte es sechs neue Pilotlehrgänge [12] für kleine unbemannte Systeme, darunter erstmals einen Lehrgang für den tödlichen Einsatz von Angriffsdrohnen. Die ersten FPV-Teams der US-Marines befinden sich laut Wall Street Journal [13] noch in einer frühen Ausbildungsphase.

Michael Kofman, Senior Fellow an der Carnegie Endowment for International Peace, brachte den Befund gegenüber dem Wall Street Journal auf den Punkt:

"Wir befinden uns noch in den frühen Phasen, in denen das US-Militär versucht, die FPV-Technologie zu verstehen und ihre Auswirkungen zu begreifen. Wenn man sich die verfügbaren Abwehrfähigkeiten ansieht, haben wir noch einen langen Weg vor uns, bis wir dort sind, wo die Ukraine heute steht."

Selbstbewusstsein in Washington – Zweifel bei Experten

US-Präsident Trump hat da eine andere Wahrnehmung. Auf das Angebot Kiews, Drohnenexpertise bereitzustellen, antwortete er im März 2026 lapidar:

"Wir brauchen ihre Hilfe bei der Drohnenabwehr nicht. Wir wissen mehr über Drohnen als irgendjemand sonst."

Der ehemalige ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin sah das anders.

"Keine Streitkräfte sind auf diese Herausforderung vorbereitet, nicht die Amerikaner und nicht die Europäer", sagte er dem Wall Street Journal. "Nicht technisch, nicht mental und nicht von der Erfahrung her."

Ein struktureller Vorsprung – und viele offene Fragen

Die genauen Fähigkeiten des Iran im Bereich der Drohnenkriegsführung sind von außen nicht vollständig zu beurteilen. Was sich jedoch aus den verfügbaren Quellen ergibt: Teheran hat vier Jahre Zeit gehabt, die Lektionen des Ukraine-Krieges mit russischer Unterstützung systematisch auszuwerten und in die eigenen Streitkräfte zu integrieren.

Iran besitzt augenscheinlich als eines der wenigen Länder weltweit eine eigenständige Fertigungskapazität für FPV-Kampfdrohnen. Und man hat diese Technologie bereits an regionale Verbündete weitergegeben, die sie gegen US-Ziele einsetzen.

Die USA hingegen stehen vor einer strukturellen Herausforderung, die sich nicht in wenigen Wochen beheben lässt: Ihre Militärdoktrin, ihre Beschaffungslogik und ihre Ausbildung sind auf ein Schlachtfeld ausgerichtet, das es in dieser Form nicht mehr gibt. Die Transformation läuft — aber sie läuft hinterher.

Ob der Iran seine Drohnenfähigkeiten tatsächlich so tief in seine Streitkräfte integriert hat, wie es die jüngsten Ereignisse andeuten, wird sich erst im Ernstfall zeigen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11245488

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.washingtonpost.com/national-security/2026/03/28/trump-iran-ground-troops-marines/
[2] https://www.theatlantic.com/national-security/2026/03/who-needs-tanks-age-drones/686540/
[3] https://www.theatlantic.com/national-security/2026/03/who-needs-tanks-age-drones/686540/
[4] https://www.reuters.com/world/iranian-president-arrives-moscow-treaty-signing-with-putin-tass-says-2025-01-17/
[5] https://apnews.com/article/russia-iran-drones-shahed-war-israel-ukraine-840b4f885d99714bdb7813c0d56213cf
[6] https://www.tehrantimes.com/news/508653/Army-receives-1-000-new-drones-in-move-that-allows-it-to-command
[7] https://www.tehrantimes.com/news/513423/An-army-built-on-drones-top-commander-affirms-as-Iran-unveils
[8] https://www.criticalthreats.org/analysis/iran-update-march-25-2026
[9] https://www.twz.com/air/drone-attack-on-parked-u-s-army-black-hawk-in-iraq-a-harbinger-of-whats-to-come
[10] https://www.forbes.com/sites/davidhambling/2026/03/16/fpv-drone-attack-on-us-victory-base-in-iraq-is-a-stark-warning/
[11] https://www.army.mil/article/290948/2nd_cavalry_regiment_army_current_operations_engagement_tour_media_roundtable
[12] https://news.usni.org/2026/01/16/marines-training-to-field-small-drones-in-combat-units-by-years-end?utm_source=chatgpt.com
[13] https://www.wsj.com/world/middle-east/iran-drone-warfare-russia-ukraine-b7369cf6

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Chinas Antike: Die vergessene Autobahn

Von Uwe Kerkow — 03. April 2026 um 10:00
Gesamtansicht der Ausgrabung der Terrakotta-Armee  des Mausoleums von Qín Shǐhuángdì.

Die lebenden Vorbilder der Terrakottaarmee sind über die Qin-Straße marschiert.

(Bild: chasethestorm.com, shutterstock)

Vor 2200 Jahren baute China eine Straße, die so breit war wie moderne Autobahnen. Archäologen haben nun einen gut erhaltenen Abschnitt gefunden.

Das alte China ist für architektonische Meisterleistungen wie die große Mauer oder den heute noch in Betrieb befindlichen Kaiserkanal bekannt. Doch Straßen konnte das Reich der Mitte ebenfalls bauen – in Dimensionen, die den Vergleich mit römischen Bauwerken aus der Antike nicht zu scheuen brauchen.

Kürzlich haben chinesische Archäologen einen neuen, 13 Kilometer langen Abschnitt der legendären Qin-Straße freigelegt, wie das Forschungsinstitut für Kulturerbe von Yulin in der Provinz Shaanxi mitteilt [1]. Die Entdeckung liefert neue Belege für das 2200 Jahre alte Straßenprojekt, das einst fast 900 Kilometer durch Nordchina verlief.

Die Ausgrabungen zeigen raffinierte Bautechniken: gerade ausgerichtete Grabenpassagen, gestampfte Erdverstärkungen an den Hängen, ein sorgfältig verdichtetes Straßenbett und aufgefüllte Täler. Die Straße war durchschnittlich etwa 40 Meter breit. Das reicht für vier Fahrspuren und entspricht den Dimensionen moderner Autobahnen.

Ein Feldherr baut für den Kaiser

Kaiser Qin Shihuang [2] gab den Bau in Auftrag, nachdem er 221 vor Christus die sechs rivalisierenden Königreiche erobert und China zum ersten Mal geeint hatte. Der Herrscher befahl General Meng Tian, eine Straße zu bauen, die die Guanzhong-Ebene – das Herzland der Qin-Dynastie – mit der Großen Mauer im Norden verbinden [3] sollte.

Meng führte 300.000 Mann der besten Truppen der Qin an, beaufsichtigt von Fu Su, dem ältesten Sohn des Kaisers. Die Straße sollte in erster Linie militärischen Zwecken dienen [4]: den Transport von Soldaten und Nachschub an die Grenzen zu den nomadischen Völkern beschleunigen und die Inspektionsreisen des Kaisers in den gefährlichen Norden erleichtern.

Den berühmten Ausspruch von US-General Omar Bradley, "Amateure reden über Strategie, Profis über Logistik", hat man demnach offensichtlich schon im alten China beherzigt.

Der Historiker Sima Qian, der während der frühen Han-Dynastie die Straße bereiste, hinterließ die frühesten und detailliertesten Aufzeichnungen über das Projekt. Nach seinen Angaben erstreckte sich die Straße von Liangwudi im Kreis Chunhua in Shaanxi bis nach Baotou in der Inneren Mongolei.

Nur zweieinhalb Jahre Bauzeit

Die Arbeiten dauerten nur etwa zweieinhalb Jahre, weil Kaiser Qin Shihuang im Jahr 210 vor Christus plötzlich starb. Trotz der kurzen Bauzeit wurde der Hauptteil der Straße fertiggestellt. Das Ergebnis war eine ebene Straße mit einer Breite von 20 bis 60 Metern, je nach Gelände. Entlang der Straße wurden Dutzende von Kurierstationen, Pässe und Festungen errichtet.

Die Bauherren versuchten, die Hänge sanft zu gestalten, die Straße gerade zu führen und ihre Oberfläche stabil zu machen. Die Mischung für das Straßenbett enthielt Kies und große Mengen an "gekochter Erde" – Erdreich, das auf hohe Temperaturen erhitzt wurde, teilweise um alle Pflanzen und Tiere abzutöten. Reiswasser diente als Bindemittel. Steinwalzen machten die Straßenoberfläche eben und kompakt.

"Speer und Pfeil" zur Großen Mauer

Wang Zijin, ein Historiker an der Renmin-Universität in Peking, der auf die Qin- und Han-Dynastien spezialisiert ist, sagt [5], die Straße habe auch als Verteidigungsbefestigung für Xianyang dienen können, falls feindliche Streitkräfte die Große Mauer durchbrochen hätten. Die Straße verlief entlang des Ziwu-Gebirgszuges und überblickte das Tal auf beiden Seiten – die Hauptroute für Eindringlinge aus dem Norden.

"Die Große Mauer ist wie ein Schild, während die gerade Straße wie ein Speer ist. Und wenn die Große Mauer ein Bogen ist, ist die gerade Straße ein Pfeil", sagte Wang.

Die Straße spielte während der gesamten Han-Dynastie bis etwa 200 Jahre nach Christus eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Stabilität im Norden, weil der Herrscher über die Straße schnell Truppen entsenden konnte.

Über 2000 Jahre in Betrieb

Die Straße blieb bis zum Ende der Qing-Dynastie im Jahr 1911 in Betrieb. Über mehr als 2000 Jahre diente sie als Transportader für kommerziellen, kulturellen und religiösen Austausch zwischen den Han-Bauern im Süden und den nomadischen Völkern des Nordens.

Zhang Haibin, ein Forscher bei der Kulturverwaltung der Baotou-Regierung, sagte, die Straße habe vielen Menschen aus dem Süden erst ermöglicht, sich in der Hetao-Ebene niederzulassen, was den Einfluss der Han-Bevölkerung in einer Region verstärkte, in der zuvor die mongolischen und Hui-Ethnien dominierten.

Wang Junmin, ein Bauer im Dorf Liangwudi, dem Startpunkt der Straße, sagte: "Obwohl die Straße heutzutage nicht mehr genutzt wird, hat sie im Leben der örtlichen Bewohner weiterhin Bedeutung. Viele unserer Häuser und Höfe wurden mit antiken Ziegeln und Dachziegeln gebaut, die in ihrer Nähe gefunden wurden. Sie sind von guter Qualität und selbst heute ideale Baumaterialien."

Von Gras überwuchert

Erst 1962 wurden Archäologen auf die Straße aufmerksam, als eine nationale Zeitung einen Essay eines lokalen Reporters zu diesem Thema veröffentlichte. In den 1970er und späten 1980er Jahren organisierten Archäologen, Historiker und Künstler Feldforschungstouren entlang der verbliebenen Straße. Ihre Erkenntnisse stimmten weitgehend mit Sima Qians Aufzeichnungen überein.

In den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts stellten Shaanxi, Gansu und die Innere Mongolei, die drei Provinzen, durch die die Straße verläuft, einzelne Abschnitte unter staatlichen Schutz und verwandelten einige davon in touristische Attraktionen. Trotz dieser Maßnahmen liegt ein Großteil der einst belebten Straße unter Gras begraben.

Heute können Besucher entlang des Ziwu-Gebirgszuges noch immer Überreste sehen: Der Kamm des Gebirges ist entweder mit kurzem Gras bedeckt oder kahl, was ihn wie einen 10 bis 60 Meter breiten Gürtel aussehen lässt, der sich entlang der Länge des Gebirges schlängelt.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11244613

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.scmp.com/news/china/science/article/3337302/chinese-archaeologists-discover-well-preserved-section-2200-year-old-4-lane-highway
[2] https://www.planet-wissen.de/geschichte/archaeologie/archaeologie_in_china/qin-shihuangdi-der-erste-kaiser-von-china-100.html
[3] https://www.chinadaily.com.cn/global/img/attachement/jpg/site1/20190502/a41f726719b21e34773624.jpg
[4] https://www.chinadaily.com.cn/global/2019-05/02/content_37464912.htm
[5] https://www.seetaoe.com/details/31721.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Google Drive: Ransomware-Erkennung und Dateiwiederherstellung

Von Heise — 03. April 2026 um 08:30
Google Drive auf einem Smartphone, links daneben ein Laptop und ein Stift

(Bild: Mongta Studio/Shutterstock.com)

Google Drive erhält zwei neue Sicherheitsfunktionen: eine Ransomware-Erkennung und eine massenhafte Dateiwiederherstellung.

Google hat für Google Drive zwei neue Sicherheitsfunktionen allgemein freigegeben: eine Ransomware-Erkennung und eine massenhafte Dateiwiederherstellung. Nach einer Beta-Phase, die im September 2025 startete, stehen beide Funktionen nun zur Verfügung.

Die Ransomware-Erkennung arbeitet im Desktop-Client von Drive. Erkennt der Client verdächtige Aktivität, stoppt er automatisch die Synchronisation. Das überarbeitete KI-Modell erkennt dabei laut Google 14-mal mehr Infektionsarten als noch in der Beta-Phase. Der Nutzer sieht eine Warnung auf seinem Rechner und erhält ebenfalls eine E-Mail; der zuständige Administrator bekommt parallel eine E-Mail und einen Alert im Security Center der Admin Console. So soll verhindert werden, dass verschlüsselte Dateien in die Cloud wandern und dort intakte Versionen überschreiben.

Zusätzlich können Nutzer jetzt mehrere Dateien mit einem Schlag auf einen früheren Stand zurücksetzen – etwa auf den Zeitpunkt vor einem Ransomware-Befall. Das erspart das mühsame Wiederherstellen einzelner Dateien und soll laut Googles Ankündigung [1] dafür sorgen, dass Betroffene kein Lösegeld zahlen müssen.

Standardmäßig aktiviert

Beide Funktionen sind standardmäßig aktiv. Administratoren können sie in der Admin Console unter den Einstellungen für Drive und Docs auf Ebene einzelner Organisationseinheiten ein- oder ausschalten. Für die vollständige Alert-Funktionalität der Erkennung setzt Google mindestens Version 114 von Drive for Desktop voraus. Bei älteren Versionen pausiert die Synchronisation im Verdachtsfall zwar ebenfalls, die Desktop-Benachrichtigung fehlt jedoch.

Die Dateiwiederherstellung steht allen Google-Workspace-Kunden, Workspace-Individual-Abonnenten und Nutzern mit privatem Google-Konto offen. Die Ransomware-Erkennung beschränkt Google [2] dagegen auf ausgewählte Tarife: Business Standard und Plus, die Enterprise-Editionen Starter, Standard und Plus sowie Education Standard und Plus und Frontline Standard und Plus.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11244868

Links in diesem Artikel:
[1] https://workspaceupdates.googleblog.com/2026/03/ransomware-detection-and-file-restoration-for-Google-Drive-now-generally-available.html
[2] https://www.heise.de/thema/Google
[3] https://www.heise.de/ix
[4] mailto:fo@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Desolate FCC-Vorgabe: „Freedom Router“ für US-Verbraucher

Von Heise — 03. April 2026 um 07:30

Ab sofort lassen die USA für Verbraucher nur noch im Inland hergestellte Router zu. Die Vorgaben des FCC sind jedoch unrealistisch und sicherheitsmäßig heikel.

Wie jüngst von der Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) beschlossen wurde, dürfen in den USA neue Router für den Verbrauchermarkt nur noch verkauft werden, wenn sie komplett lokal entwickelt und gefertigt wurden [1]. Die Crux: Es gibt weder Produzenten noch Geräte, die diese Vorgaben erfüllen.

Bereits genehmigte Routermodelle dürfen zwar weiterhin verkauft und vorhandene Exemplare weiter genutzt werden. Sie bekommen aber nur noch bis zum 1. März 2027 Sicherheitsupdates. Als Grund für das umfassende Verbot erklärte die FCC, die ausländischen Verbraucher-Router stellten ein „inakzeptables Risiko für die nationale Sicherheit“ dar.

Made in USA

Dass die Made-in-USA-Vorgaben der FCC unrealistisch sind, zeigt sich schon beim Blick in hiesige Router für Konsumenten. So lässt etwa die Deutsche Telekom ihren Speedport-7-Router von Arcadyan mit Mediatek-Funkchips herstellen, die zugehörigen Repeater namens „WLAN-Verstärker“ mit Qualcomm-WLAN-Bausteinen dagegen bei WNC. Beide Firmen sind in Taiwan beheimatet, betreiben aber nicht nur Fabriken, sondern auch Entwicklungsbüros in China und anderen asiatischen Ländern.

Die Funkchips im Speedport-7-Router der Telekom stammen von Mediatek, gebaut wird der Router von Arcadyan, beide Firmen sind in Taiwan beheimatet, haben aber auch Fabs in China und anderen asiatischen Ländern.

(Bild: Bild: Deutsche Telekom)

In manch asiatischem Routermodell steckt eine mit heißer Nadel aus Open-Source-Quellen zusammengestrickte Firmware. Dass der Hersteller eine Backdoor in die Firmware einpflanzt, ist zwar nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Denn dann benötigt die Software womöglich mehr Platz, als der ursprünglich vorgesehene billige Flash-Baustein bietet, vielleicht auch mehr RAM; beides treibt die Kosten und ist gerade angesichts der gestiegenen Speicherpreise unrealistisch.

Unsicher auch ohne Backdoor

Dabei braucht es meist gar keine Backdoor, es genügen die fast im Monatsrhythmus aufpoppenden Lücken, um das Internet mit einem per Botnet ausgelösten Distributed-Denial-of-Service weltweit empfindlich zu stören. Wenn die vorhandenen Router keine Sicherheitsupdates mehr bekommen, stehen die Scheunentore für Schädlinge weit offen. Außerdem: Welche Geheimnisse fänden sich in einem privaten Router, abgesehen von mehr oder weniger nützlichen Metadaten? Der hindurchgehende interessante Verkehr läuft schließlich, schwer knackbar, TLS-geschützt. Deshalb wäre es effizienter, dessen Quelle oder Senke – also den Server beziehungsweise das Endgerät – zu kompromittieren.

Es bleibt das Risiko, dass der private Router als Sprungbrett ins interne Netz dient. Doch auch da ist es effizienter, die Betriebssystem-Monokulturen und Apps zu unterwandern und das Login gleich mit aufzuschnappen.

Hinzu kommt: Die „Freedom-Router“ werden unweigerlich ausnutzbare Bugs haben, denn Programmierer sind Menschen und Menschen machen Fehler. Die Lücken werden womöglich sogar zahlreicher, wenn man die Firmware der KI überantwortet, weil es daheim zu wenig kompetente Entwickler gibt, um wenigstens die KI-Ergebnisse zu prüfen. Wie sich der Graben zwischen Hier-gebaut-Anspruch und Kompetenz-weit-weg überbrücken lässt, verrät die Regulierungsbehörde nicht.

Kritische Ausnahmeanträge

Unternehmen können zwar Ausnahmegenehmigungen für ihre Router beantragen, müssen dabei aber umfassend über Lieferketten und Interna informieren, etwa zu Firmenstruktur, Partnern und Joint Ventures, Eigentümern sowie Management. Sie müssen für jedes einzelne Modell alle Bestandteile des Routers samt Herkunftsland deklarieren, wo es entwickelt, gefertigt und zusammengebaut wird, woher Firmware und Software kommen und vor allem eine Rechtfertigung, warum das Gerät nicht in den USA produziert wird.

Zusätzlich muss jeder Ausnahmebewerber einen „detaillierten, zeitlich verpflichtenden Plan zur Etablierung oder Erweiterung der Produktion in den USA“ für das jeweilige Modell vorlegen, samt bereits ausgegebener und geplanter Investitionssummen, Geldquellen und exakter Zeitreihen sowie Meilensteine. Genehmigungen werden aber nur befristet erteilt.

Abgesehen von der Preisgabe wettbewerbsrelevanter Informationen bleibt fraglich, ob sich dieser Aufwand bei Routern für den Verbrauchermarkt, die in der Regel geringe Margen abwerfen, für die Anbieter überhaupt rechnet.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11241349

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/USA-verbieten-alle-neuen-Router-fuer-Verbraucher-11222044.html
[2] https://www.heise.de/ct
[3] mailto:uk@ct.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Auslegungssache 156: Datenschutz-Dauerbrenner Microsoft 365

Von Heise — 03. April 2026 um 06:10

Im c't-Datenschutz-Podcast nehmen sich die Hosts mit einem Experten die aktuellen datenschutzrechtlichen Baustellen von Microsoft 365 vor – wieder einmal.

In Episode 156 des c't-Datenschutz-Podcasts Auslegungssache widmen sich Redakteur Holger Bleich und heise-Verlagsjustiziar Joerg Heidrich einem Thema, das die Datenschutzwelt umtreibt wie kaum ein anderes: Microsoft 365. Zu Gast ist Kai Korte, Geschäftsführer der lexICT GmbH [1], Rechtsanwalt für IT- und Datenschutzrecht in Hannover und Lehrbeauftragter an der Hochschule Hannover.

Zunächst beleuchten die drei eine auffällige aktuelle Entwicklung: Die Zahl der Datenschutzbeschwerden hat sich bei einigen Aufsichtsbehörden nahezu verdoppelt, wie aus den neuen Tätigkeitsberichten hervorgeht. Baden-Württemberg verzeichnete 2025 einen Anstieg von rund 4000 im Jahr 2024 auf über 7600, Hamburg von 2600 auf 4200. Mehrere Behörden führen das auch auf KI-generierte Beschwerden zurück. Betroffene lassen sich offenbar per Chatbot fertige Texte erstellen und schicken diese an die Aufsicht. Die Behörden warnen, dass sie an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Kai Korte
Kai Korte

Rechtsanwalt Kai Korte podcastet in der Auslegungssache

Ebenfalls Thema ist ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Auskunftsrecht [2]. Im Fall „Brillen Rottler“ entschied das Gericht, dass bereits ein erster Auskunftsantrag als rechtsmissbräuchlich eingestuft werden kann. Ein Mann hatte sich zum Newsletter eines Optikers angemeldet und nur 13 Tage später ein umfassendes Auskunftsersuchen gestellt. Der EuGH setzt allerdings hohe Hürden: Der Verantwortliche muss objektiv nachweisen, dass der Antragsteller gar nicht die Ziele des Datenschutzrechts verfolgt, und er muss zusätzlich eine missbräuchliche Absicht belegen. Korte warnt davor, das Urteil vorschnell zu verallgemeinern, es bleibe ein Ausnahmefall.

Minenfeld Microsoft 365

Dann steigen die drei ins Hauptthema ein: Microsoft 365. Bleich macht zunächst deutlich, wie komplex das Produktuniversum ist [3]. Hinter dem Namen verbergen sich zahlreiche Einzelprodukte – von Office-Anwendungen bis zu Teams und SharePoint. Die Preise reichen von knapp 11 Euro pro Nutzer und Monat für kleinere Unternehmen bis über 55 Euro im großen Enterprise-Paket. Viele Sicherheitsfunktionen sind nur in den teuren Varianten enthalten und Microsoft verschiebt regelmäßig Features zwischen den Paketen.

Datenschutzrechtlich bleibt Microsoft 365 ein Minenfeld. Zwar nimmt der US-Konzern am Transatlantic Data Privacy Framework teil, was den Datentransfer in die USA formal absichert. Korte weist aber darauf hin, dass der Cloud Act und weitreichende Zugriffsbefugnisse US-amerikanischer Behörden weiterhin problematisch sind. Microsoft sichert vertraglich zu, Daten europäuscher Unternehmen innerhalb der EU zu speichern -– die sogenannte EU Data Boundary. Doch Wartungszugriffe aus den USA sind weiterhin möglich und ein Microsoft-Chefjustiziar räumte öffentlich ein [4], dass man sich einem US-Herausgabebeschluss kaum widersetzen könnte.

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Verarbeitung von Telemetrie- und Diagnosedaten. Microsoft sammelt im Hintergrund umfangreich Metadaten – Anmeldezeiten, Gesprächsdauern, Teilnehmerlisten, Nutzeraktivitäten. Welche Datenfelder genau erfasst werden und was damit geschieht, bleibt weitgehend intransparent. Der hessische Datenschutzbeauftragte hat Ende 2025 einen Bericht veröffentlicht, der den Einsatz von Microsoft 365 in öffentlichen Stellen unter bestimmten Bedingungen für möglich erklärt [5]. Allerdings hat er sich dabei ausschließlich auf Microsofts eigene Angaben verlassen, ohne die Datenflüsse technisch zu überprüfen.

Pragmatisch betrachtet: Einsatz ist möglich

Bleich verweist zudem auf Microsofts Zusatzprodukte Sentinel und Purview, mit denen Unternehmen das Verhalten ihrer Mitarbeiter analysieren können – bis hin zur KI-gestützten Erkennung potenzieller Whistleblower oder Datendiebe (hören Sie speziell hierzu die Episode 123 der Auslegungssache [6]). Korte räumt ein, dass Purview ein mächtiges Sicherheitswerkzeug sei, warnt aber vor dem schmalen Grat zwischen legitimer Sicherheitsüberwachung und unzulässigem Profiling von Beschäftigten.

Ob Unternehmen vor dem Einsatz von Microsoft 365 eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen müssen, beantwortet Korte differenziert: Die Aufsichtsbehörden fordern das zwar, doch bei kleineren Unternehmen ohne besondere Datenkategorien sei das nicht zwingend erforderlich. Sinnvoll sei es aber allemal, sich einen Überblick über die verarbeiteten Daten zu verschaffen. Pragmatisch betrachtet könne man Microsoft 365 nutzen, solange man die Risiken kenne und die Konfiguration im Griff habe.

Am Ende bleibt die Frage nach Alternativen. Bleich weist auf Nextcloud-basierte Lösungen hin und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Für die alltägliche Arbeit in größeren Unternehmen reichen diese Produkte nicht an Microsoft 365 heran. Eine neue Initiative namens „Euro-Office“ [7] von Ionos und Nextcloud soll im Sommer starten, doch ob sie den Rückstand aufholen kann, bleibt abzuwarten.

Korte ergänzt, dass auch das OpenDesk-Projekt für die öffentliche Verwaltung ein Schritt in Richtung digitale Souveränität sei. Die drei sind sich einig: Europäische Alternativen sind dringend nötig, aber noch nicht konkurrenzfähig. Die Abhängigkeit von Microsoft bleibt vorerst bestehen – und damit bleiben auch die datenschutzrechtlichen Bauchschmerzen.

Episode 156:

Hier geht es zu allen bisherigen Folgen:


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11244970

Links in diesem Artikel:
[1] https://lexict.de/kai-korte.html
[2] https://curia.europa.eu/site/upload/docs/application/pdf/2026-03/cp260038de.pdf
[3] https://www.microsoft.com/de-de/microsoft-365/business/microsoft-365-plans-and-pricing?market=de
[4] https://www.heise.de/news/Nicht-souveraen-Microsoft-kann-Sicherheit-von-EU-Daten-nicht-garantieren-10494684.html
[5] https://datenschutz.hessen.de/presse/hbdi-microsoft-365-kann-datenschutzkonform-genutzt-werden
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Auslegungssache-123-Neue-Dimensionen-der-Mitarbeiterueberwachung-10181275.html
[7] https://www.heise.de/news/Microsoft-Alternative-Nextcloud-und-Ionos-entwickeln-quelloffenes-Euro-Office-11227544.html
[8] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[9] https://www.heise.de/thema/auslegungssache
[10] https://www.heise.de/ct
[11] mailto:hob@ct.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

Neu in .NET 10.0 [17]: NuGet-Pakete und Einstellungen für File-based Apps

Von Heise — 03. April 2026 um 09:00
C#-Zeichen

(Bild: Pincasso/Shutterstock)

Informationen, die bei normalen .NET-Projekten in der Projektdatei .csproj liegen, setzt man in File-based Apps mit einer Präprozessor-Direktive.

Das direkte Übersetzen und Starten von C#-Dateien nennt Microsoft File-based Apps [1]. Für Informationen, die üblicherweise in der .csproj-Projektdatei liegen, hat Microsoft für File-based Apps eine eigene Syntax eingeführt.

Die Syntax beginnt mit der Raute # (eine Präprozessor-Direktive in C# [2]) gefolgt von einem Doppelpunkt (aus der Sicht des C#-Compilers eine zu ignorierende Direktive):

  • Festlegung des SDKs: #:sdk Microsoft.NET.Sdk.Web. Bei der Angabe des SDK kann man ab Preview 6 auch die Versionsnummer nach @ angeben, beispielsweise #:sdk Aspire.AppHost.Sdk@9.3.1
  • Referenz auf ein NuGet-Paket: #:package Console@0.48.* [3]
  • Referenz auf Projekte: #:project ./ClassLib/ClassLib.csproj
  • Build-Eigenschaften, z. B. Versionsnummer: #:property Version=1.1.2 (vor Preview 6 noch ohne Gleichheitszeichen, sondern mit Leerzeichen als Trennung)
  • File-based Apps verwenden im Standard den NativeAOT-Compiler. Wenn man ihn mit #:property PublishAot=false deaktiviert, wird der Just-in-Time-Compiler verwendet.
Screenshot NuGet
Screenshot NuGet

Auf NuGet.org gibt es inzwischen zu jedem Paket eine Registerkarte „File-based Apps“ mit der passenden Syntax zur Einbindung des Pakets in eine eigenständige C#-Datei (Abb. 1).

Weitere Features von Files-based Apps sind:

  • Man kann eine Datei .settings.json im gleichen Ordner mit den Settings für die File-based App anlegen.
  • Man kann in der Datei .run.json im gleichen Ordner ein Launch-Profil für die File-based App anlegen.
  • Man kann dotnet build Dateiname.cs oder dotnet restore Dateiname.cs ausführen.
  • Man kann solche File-based Apps mit dotnet publish cs zu einer ausführbaren Datei (.EXE) übersetzen.
  • Innerhalb einer File-based App können Entwicklerinnen und Entwickler seit Preview 6 den Standort der Datei mit AppContext.GetData("EntryPointFileDirectoryPath") und den ganzen Pfad zur ausgeführten C#-Datei mit GetData("EntryPointFilePath") bestimmen. Das funktioniert allerdings nur mit File-based Apps, nicht in normalen, projektbasierten C#-Anwendungen.

Es gibt aber in .NET 10.0 noch keine Möglichkeit, in einer File-based App eine andere .cs-Datei direkt einzubinden. Das ist für .NET 11.0 geplant.

Folgender Code zeigt ein Beispiel einer File-based App mit zwei referenzierten NuGet-Paketen:

#!/usr/bin/env dotnet
#region Einstellungen für File-based App
// https://www.nuget.org/packages/humanizer/
#:package Humanizer@2.14.1 
// https://www.nuget.org/packages/Spectre.Console/
#:package Spectre.Console@0.*
#:property LangVersion=preview
#:property Version=1.2.0
#:project ./ClassLibrary/ClassLibrary.csproj
#endregion
using Spectre.Console;
using Humanizer;

var title = "C# Script v" + System.Reflection.Assembly.GetExecutingAssembly().GetName().Version +
" mit " + System.Runtime.InteropServices.RuntimeInformation.FrameworkDescription + "\n" +
AppContext.GetData("EntryPointFilePath");

// Header
AnsiConsole.Write(
    new Panel(title)
        .Header("[yellow]File-based App[/]", Justify.Center)
        .Border(BoxBorder.Rounded)
        .BorderStyle(new Style(foreground: Color.Green))
        .Padding(1, 1, 1, 1)
);

// Parameter auflisten
foreach (var arg in args)
{
    Console.WriteLine($"Argument: {arg}");
}

Console.WriteLine();

// Daten
(Data net80, Data net90, Data net10) = GetData();

// Textausgabe in Wochen
var dotNet8Released = DateTimeOffset.Parse(net80.Release);
TimeSpan dotNet8Since = DateTimeOffset.Now - dotNet8Released;
Console.WriteLine($"It has been {dotNet8Since.Humanize()} since .NET {net80.Version} was released.");

var dotNet9Released = DateTimeOffset.Parse(net90.Release);
TimeSpan dotNet9Since = DateTimeOffset.Now - dotNet9Released;
Console.WriteLine($"It has been {dotNet9Since.Humanize()} since .NET {net90.Version} was released.");

var dotNet10Released = DateTimeOffset.Parse(net10.Release);
TimeSpan dotNet10Since = DateTimeOffset.Now - dotNet10Released;
Console.WriteLine($"{dotNet10Since.Humanize()} since .NET {net10.Version} release.");

Console.WriteLine();

// Zeichne Balken für die Anzahl der Tage seit der Veröffentlichung
var bar = new BarChart()
    .Width(100)
    .AddItem("Days since .NET 8.0 release", dotNet8Since.TotalDays, Color.Red)
    .AddItem("Days since .NET 9.0 release", dotNet9Since.TotalDays, Color.Blue)
    .AddItem("Days since .NET 10.0 release", dotNet10Since.TotalDays, Color.Purple);
AnsiConsole.Write(bar);

Console.WriteLine();

// Lokale Funktion
static (Data, Data, Data) GetData()
{
    var net80 = new Data
    {
        Version = "8.0",
        Release = "2023-11-14"
    };
    var net90 = new Data
    {
        Version = "9.0",
        Release = "2024-11-12"
    };
    var net10 = new Data
    {
        Version = "10.0",
        Release = "2025-11-11"
    };
    return (net80, net90, net10);
}

// Datenklasse
class Data
{
    public required string Version { get; set; }
    public string Release { get; set; }
}
Screenshot Codebeispiel
Screenshot Codebeispiel

Der Screenshot zeigt die Ausgabe beim Starten des Beispielcodes (Abb. 2).


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11244587

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-10-0-13-Kompilieren-und-Starten-einzelner-C-Dateien-11201372.html
[2] https://www.dotnet-lexikon.de/Pr%C3%A4prozessor/lex/10419
[3] mailto:Spectre.Console@0.48.*
[4] mailto:rme@ix.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ c't-Themen

Desolate FCC-Vorgabe: „Freedom Router“ für US-Verbraucher

Von Heise — 03. April 2026 um 07:30

Ab sofort lassen die USA für Verbraucher nur noch im Inland hergestellte Router zu. Die Vorgaben des FCC sind jedoch unrealistisch und sicherheitsmäßig heikel.

Wie jüngst von der Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) beschlossen wurde, dürfen in den USA neue Router für den Verbrauchermarkt nur noch verkauft werden, wenn sie komplett lokal entwickelt und gefertigt wurden [1]. Die Crux: Es gibt weder Produzenten noch Geräte, die diese Vorgaben erfüllen.

Bereits genehmigte Routermodelle dürfen zwar weiterhin verkauft und vorhandene Exemplare weiter genutzt werden. Sie bekommen aber nur noch bis zum 1. März 2027 Sicherheitsupdates. Als Grund für das umfassende Verbot erklärte die FCC, die ausländischen Verbraucher-Router stellten ein „inakzeptables Risiko für die nationale Sicherheit“ dar.

Made in USA

Dass die Made-in-USA-Vorgaben der FCC unrealistisch sind, zeigt sich schon beim Blick in hiesige Router für Konsumenten. So lässt etwa die Deutsche Telekom ihren Speedport-7-Router von Arcadyan mit Mediatek-Funkchips herstellen, die zugehörigen Repeater namens „WLAN-Verstärker“ mit Qualcomm-WLAN-Bausteinen dagegen bei WNC. Beide Firmen sind in Taiwan beheimatet, betreiben aber nicht nur Fabriken, sondern auch Entwicklungsbüros in China und anderen asiatischen Ländern.

Die Funkchips im Speedport-7-Router der Telekom stammen von Mediatek, gebaut wird der Router von Arcadyan, beide Firmen sind in Taiwan beheimatet, haben aber auch Fabs in China und anderen asiatischen Ländern.

(Bild: Bild: Deutsche Telekom)

In manch asiatischem Routermodell steckt eine mit heißer Nadel aus Open-Source-Quellen zusammengestrickte Firmware. Dass der Hersteller eine Backdoor in die Firmware einpflanzt, ist zwar nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Denn dann benötigt die Software womöglich mehr Platz, als der ursprünglich vorgesehene billige Flash-Baustein bietet, vielleicht auch mehr RAM; beides treibt die Kosten und ist gerade angesichts der gestiegenen Speicherpreise unrealistisch.

Unsicher auch ohne Backdoor

Dabei braucht es meist gar keine Backdoor, es genügen die fast im Monatsrhythmus aufpoppenden Lücken, um das Internet mit einem per Botnet ausgelösten Distributed-Denial-of-Service weltweit empfindlich zu stören. Wenn die vorhandenen Router keine Sicherheitsupdates mehr bekommen, stehen die Scheunentore für Schädlinge weit offen. Außerdem: Welche Geheimnisse fänden sich in einem privaten Router, abgesehen von mehr oder weniger nützlichen Metadaten? Der hindurchgehende interessante Verkehr läuft schließlich, schwer knackbar, TLS-geschützt. Deshalb wäre es effizienter, dessen Quelle oder Senke – also den Server beziehungsweise das Endgerät – zu kompromittieren.

Es bleibt das Risiko, dass der private Router als Sprungbrett ins interne Netz dient. Doch auch da ist es effizienter, die Betriebssystem-Monokulturen und Apps zu unterwandern und das Login gleich mit aufzuschnappen.

Hinzu kommt: Die „Freedom-Router“ werden unweigerlich ausnutzbare Bugs haben, denn Programmierer sind Menschen und Menschen machen Fehler. Die Lücken werden womöglich sogar zahlreicher, wenn man die Firmware der KI überantwortet, weil es daheim zu wenig kompetente Entwickler gibt, um wenigstens die KI-Ergebnisse zu prüfen. Wie sich der Graben zwischen Hier-gebaut-Anspruch und Kompetenz-weit-weg überbrücken lässt, verrät die Regulierungsbehörde nicht.

Kritische Ausnahmeanträge

Unternehmen können zwar Ausnahmegenehmigungen für ihre Router beantragen, müssen dabei aber umfassend über Lieferketten und Interna informieren, etwa zu Firmenstruktur, Partnern und Joint Ventures, Eigentümern sowie Management. Sie müssen für jedes einzelne Modell alle Bestandteile des Routers samt Herkunftsland deklarieren, wo es entwickelt, gefertigt und zusammengebaut wird, woher Firmware und Software kommen und vor allem eine Rechtfertigung, warum das Gerät nicht in den USA produziert wird.

Zusätzlich muss jeder Ausnahmebewerber einen „detaillierten, zeitlich verpflichtenden Plan zur Etablierung oder Erweiterung der Produktion in den USA“ für das jeweilige Modell vorlegen, samt bereits ausgegebener und geplanter Investitionssummen, Geldquellen und exakter Zeitreihen sowie Meilensteine. Genehmigungen werden aber nur befristet erteilt.

Abgesehen von der Preisgabe wettbewerbsrelevanter Informationen bleibt fraglich, ob sich dieser Aufwand bei Routern für den Verbrauchermarkt, die in der Regel geringe Margen abwerfen, für die Anbieter überhaupt rechnet.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11241349

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/USA-verbieten-alle-neuen-Router-fuer-Verbraucher-11222044.html
[2] https://www.heise.de/ct
[3] mailto:uk@ct.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Nach 25 Jahren: Alte Solarmodule erreichen 87 Prozent der Originalleistung

Von Mario Petzold — 03. April 2026 um 10:45
Neu verkabelte polykristalline Solarzellen aus dem Jahr 2000 sind über zwei Jahre intensiv getestet worden. Sie wären weiter nutzbar.
Wieder aufgebaute Solarzellen arbeiten nach 25 Jahren weiter verlässlich. (Bild: UFSC)
Wieder aufgebaute Solarzellen arbeiten nach 25 Jahren weiter verlässlich. Bild: UFSC

Ein Forschungsteam der Bundesuniversität von Santa Catarina, Brasilien, hat eine Solaranlage nach 23 Jahren im Betrieb demontiert, geprüft und für umfangreiche Tests auf dem Universitätsgelände wieder aufgebaut. Nicht ganz ein Drittel der Module musste wegen Beschädigungen aussortiert werden.

Im Ergebnis erreichten die übrigen Module, die von 2000 bis 2023 auf einer Insel vor der Atlantikküste Brasiliens im Einsatz waren, eine Leistung von 86,8 Prozent im Vergleich zum Originalzustand. Der Wert beruht auf Messungen, die über zwei Jahre hinweg bis 2025 durchgeführt wurden.

Weit oberhalb des garantierten Zustands

Laut der Studie, die in Solar Energy Advances veröffentlicht wurde, besagte die Herstellergarantie, dass die Module nach 20 Jahren noch bei mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung hätten liegen müssen. Der jährliche Leistungsverlust durch Alterung hätte demnach bei 1,1 Prozent liegen dürfen. Er betrug laut der Messung aber im Durchschnitt nur 0,7 Prozent, bei einigen Solarmodulen sogar nur 0,4 Prozent.

Das ist umso bemerkenswerter, als dass die Photovoltaikanlage während ihres Betriebs deutlich intensiverer Bestrahlung ausgesetzt war als beispielsweise in Mitteleuropa. Die jährliche Sonnenscheindauer in Florianópolis unweit des ursprünglichen Einsatzortes ist um ein Drittel höher als in Köln. Dementsprechend mehr Betriebsstunden haben die Module hinter sich.

Weiterverwendung unwahrscheinlich

Das Forschungsteam zeigt sich zwar davon überzeugt, dass die Solaranlage problemlos noch weitere Jahre genutzt werden könnte, sieht aber viel zu starke Konkurrenz durch neue Solarmodule. Diese seien wesentlich günstiger, hätten eine deutlich höhere Leistung pro Fläche und zudem eine Herstellergarantie.

In den letzten zehn Jahren dagegen seien keine großen Leistungssprünge mehr zu beobachten gewesen, so dass die Hoffnung besteht, dass in Zukunft eine wirtschaftlich lohnende Zweitverwertung von geprüften und reparierten Solarmodulen möglich ist.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Patrouillierende Flugabwehrwaffe 358: Iran setzt Loitering SAM gegen US-Drohnen ein

Von Andreas Donath — 03. April 2026 um 10:30
Die iranische 358- Rakete ist eine besondere Hybridwaffe, die Drohnentechnologie mit Flugabwehrfähigkeit verbindet. Für die USA wird das zum Problem.
Iranische Flugabwehrwaffe 358 (Bild: United Nations)
Iranische Flugabwehrwaffe 358 Bild: United Nations

Als weltweit erstes operatives patrouillierendes Boden-Luft-Flugkörpersystem hat die 358-Rakete die asymmetrische Kriegsführung grundlegend verändert: Die Waffe im geschätzten Wert von 20.000 bis 70.000 US-Dollar zerstört routinemäßig amerikanische MQ-9-Reaper-Drohnen im Wert von 32 Millionen US-Dollar. Das geschieht offenbar auch im aktuellen Irankrieg, wie Bloomberg berichtet.

Seit der Erstbeschlagnahmung durch die US Navy im November 2019 wurde die 358 von Huthis , Hisbollah und irakischen Milizen eingesetzt und schoss nachweislich zahlreiche westliche und israelische Drohnen ab. Iran bestätigte die Existenz der Waffe erst im September 2023 und stellte Anfang 2025 den verbesserten Nachfolger 359 vor.

Die 358 ist primär eine Boden-Luft-Waffe, keine Luft-zu-Luft-Munition im klassischen Sinne. Sie wird von einfachen Schienenstartrampen am Boden abgefeuert.

Eine Rakete, die wartet

Sie besteht aus einem schlanken, raketenförmigen Flugkörper mit Canard-Konfiguration und Schmetterlingsflossen am Heck, die aerodynamisch an die russische R-27-Luft-Luft-Rakete erinnert. Das vollständige System umfasst bis zu 16 Flügel und Flossen, wobei der Bediener die Flügelkonfiguration je nach Einsatzzweck anpassen kann. Die Waffe wird in drei Teilen transportiert und im Feld montiert.

Mit einer Länge von rund 2,7 m, einem Durchmesser von 150 mm und einem Gesamtgewicht von 58 kg ist die 358 kompakt genug, um auf handelsüblichen Lkw transportiert und abgefeuert zu werden.

Der Gefechtskopf wiegt 10 kg und ist als Splitter-Sprengkopf mit einem Wirkradius von rund 30 m ausgelegt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 700 km/h, die Einsatzreichweite beträgt 100 km bei einer Einsatzhöhe von bis zu 8.500 m.

Die Patrouillierzeit wird je nach Quelle mit 15 bis 50 Minuten angegeben, wobei die kürzere Zahl aus unabhängiger westlicher Analyse stammt. Gestartet wird die 358 per Festbrennstoff-Booster, der nach dem Ausbrennen abgetrennt wird. Ein kleiner Turbojet übernimmt danach den Reiseflug.

Das Marschflugtriebwerk der 358 wurde vom UN-Expertenpanel für den Jemen eindeutig identifiziert: Es handelt sich um die AMT Titan, eine kommerziell erhältliche Mikro-Gasturbine der niederländischen Firma AMT Netherlands B.V. aus Geldrop bei Eindhoven.

Dieses Triebwerk wurde ursprünglich für RC-Modellflugzeuge und kleine UAV entwickelt und leistet 392 Newton Schub bei 98.000 Umdrehungen pro Minute. Es wiegt nur 3.350 Gramm und kostet rund 12.000 Euro. Es handelt sich um ein handelsübliches Produkt ? keine iranische Kopie, sondern direkt beschafftes Material.

Die Beschaffungskette wurde anhand der Seriennummern der bei den US-Navy-Beschlagnahmungen 2019 und 2020 sichergestellten Triebwerke rekonstruiert. AMT Netherlands hatte die Triebwerke an zwei Firmen in Hongkong geliefert: HSJ Electronics und Vista Automation & Communication.

Beide Unternehmen gehören derselben Person, Zhang Hongfeng. Mindestens eine der Firmen hatte einen in Iran ansässigen Mitarbeiter.

Die niederländischen Exportlizenzen untersagten ausdrücklich den Weiterverkauf oder Reexport – diese Auflage wurde ignoriert. Der Trägheitsnavigationssensor vom Typ Xsens MTi-100 stammt ebenfalls aus den Niederlanden und wurde über ähnliche Kanäle beschafft.

Die konkret nachgewiesene China- und Hongkong-Verbindung bei der 358 betrifft die Weiterleitung niederländischer Komponenten über Hongkonger Scheinfirmen, nicht die Lieferung originär chinesischer Bauteile. Das US-Finanzministerium verhängte zwischen 2023 und 2025 wiederholt Sanktionen gegen in China und Hongkong ansässige Unternehmen , die Bauteile für Irans Drohnen- und Raketenprogramme beschafft hatten – zuletzt im Februar 2025 gegen sechs Firmen in Hongkong und Shenzhen, darunter Dingtai Industrial Technology und Shenzhen Zhiyu International Trade. Diese Sanktionen betreffen jedoch das gesamte iranische UAV-Programm.

Radarloser Infrarot-Suchkopf

Das Lenksystem der 358 arbeitet vollständig ohne Radaremission – eine Eigenschaft, die sie für konventionelle SEAD-Taktiken, also die Bekämpfung feindlicher Flugabwehr, nahezu unsichtbar macht. In der Nase sitzt ein bildgebender Infrarot-Suchkopf, der Wärmesignaturen von Luftzielen autonom erfasst und verfolgt. Ergänzt wird er durch einen TV-Sensor für sichtbares Licht als Dual-Mode-Fähigkeit.

Hinter dem Nasensuchkopf befindet sich das auffälligste Merkmal der 358: ein ringförmiges Array von Sensoren um den Rumpf. Die New York Times berichtete 2020 unter Berufung auf US-Militärquellen von einem Dutzend Infrarotlinsen in einem Ring um die Rakete, die in der Lage sein sollen, die Infrarot-Gegenmaßnahmen von Koalitions-Hubschraubern zu überwinden.

Experten beschreiben 16 Laserziel-Sensoren für eine 360-Grad-Erfassung. The War Zone analysierte, dass es sich möglicherweise um zwei Reihen auf unterschiedlichen Wellenlängen handelt – eine für IR-Lenkung, eine für den Laser-Annäherungszünder.

Die 358 operiert in drei Modi: Im gelenkten Modus lokalisieren bodengestützte Wärmebildkameras oder Radare das Ziel und lenken die Rakete in den Zielbereich, wo der Infrarot-Suchkopf übernimmt. Im autonomen Modus wird die 358 in einen Luftraum mit hoher Wahrscheinlichkeit feindlicher Fluggeräte geschossen und patrouilliert in einer Acht-Formation, bis sie ein vorprogrammiertes Zielprofil erkennt. Im halbautonomen Modus kann ein Bediener über eine Telemetrieverbindung die Flugbahn in der Endphase korrigieren.

Die 358 wurde der Öffentlichkeit erstmals durch die bereits beschriebene Waffenbeschlagnahmung der US Navy bekannt . Am 25. November 2019 stoppte die USS Forrest Sherman die Dhau Al-Raheeb im Golf von Aden und beschlagnahmte zwei 358-Raketen zusammen mit Komponenten von Marschflugkörpern, Seezielflugkörperteilen und rund 13.000 Sprengkapseln.

Centcom bezeichnete die 358 als einzigartig iranisches Design – im Gegensatz zu anderen iranischen Waffen, die russische oder chinesische Vorbilder kopieren. Am 9. Februar 2020 sicherte die USS Normandy drei zusätzliche 358-Raketen von einer weiteren Dhau.

Weitere Beschlagnahmungen folgten: Die britische Fregatte HMS Montrose sicherte am 28. Januar und 25. Februar 2022 komplette 358-Bausätze von kleinen Booten südlich des Iran. Am 21. Oktober 2021 fand die 52. Brigade der irakischen Volksmobilisierungskräfte eine vollständig montierte 358 nahe dem Militärflugplatz Tuz Khormatu – laut Michael Knights vom Washington Institute eine unverhohlene Drohung gegen Aufklärungsflugzeuge der Koalitionsstreitkräfte .

Einsatz vom Jemen über den Libanon bis Syrien

Die Huthis bezeichnen die 358 als Saqr, arabisch für Falke, und haben sie zur wichtigsten Flugabwehrwaffe ihres Arsenals entwickelt. Operative Feldtests begannen vermutlich bereits 2016 bis 2017. Im Juni 2021 wurde erstmals verifizierbar ein US-Scan-Eagle-UAV über dem Distrikt Serwah in der Provinz Marib abgeschossen. Am 14. Januar 2022 traf eine 358 eine chinesische Wing Loong II der Saudis.

Am 8. November 2023 wurde eine MQ-9 Reaper vor der jemenitischen Küste abgeschossen. Seitdem haben die Huthis nach eigenen Angaben über 20 MQ-9 Reaper abgeschossen, wobei unabhängige Quellen mindestens 14 bestätigte Verluste seit 2022 nennen. Die Huthis paradierten die Saqr-1 erstmals am 21. September 2022 in Sanaa und stellten 2023 die leicht modifizierte Variante Saqr-2 vor .

Im Libanon setzte die Hisbollah die 358 ab Oktober 2023 gegen israelische Drohnen an der Nordgrenze ein. Am 25. Oktober 2023 wurde eine 358 gegen ein israelisches UAV abgefeuert und von einem US-Patriot-System abgefangen. Am 18. November 2023 veröffentlichte die Hisbollah das Video eines Treffers auf eine Hermes 450. Im April 2024 zerstörten 358-Raketen zwei israelische Drohnen vom Typ Hermes 900 und Hermes 450 .

In Syrien wurde im September 2021 eine Boden-Boden-Variante der 358 durch Iran-nahe Milizen in Idlib eingesetzt . In einem Fall soll eine 358 eine türkische TAI Aksungur über Syrien abgefangen haben .

Das Alleinstellungsmerkmal der 358 liegt in ihrer Rolle als patrouillierende Flugabwehrwaffe. Nahezu alle anderen Loitering Munitions weltweit – Switchblade, Harop, Shahed-136, Lancet – greifen Bodenziele an. Die 358 greift nach oben an.

Der Shahed-136 wiegt mit rund 200 kg fast das Vierfache und ist für Bodenangriffe mit einer Einwegreichweite von bis zu 2.000 km ausgelegt, aber mit nur 185 km/h viel zu langsam, um Luftziele zu bekämpfen. Der US-amerikanische Switchblade 600 ist mit 22,7 kg deutlich leichter und für Panzerbekämpfung konzipiert, kann aber keine Luftziele angreifen.

Der israelische IAI Harop mit 135 kg und bis zu 1.000 km Reichweite ist auf Radarbekämpfung spezialisiert und greift ebenfalls nur Bodenziele an. Die 358 ist mit rund 700 km/h schneller als alle genannten Vergleichssysteme, weil sie bewegliche Luftziele abfangen muss. Ihre Patrouillierzeiten sind deutlich geringer als bei klassischen Loitering Munitions, und ihr Einsatz kann – im Gegensatz zu Switchblade und Harop – nicht abgebrochen und auf ein neues Ziel umgelenkt werden.

Der entscheidende taktische Vorteil bleibt ihre Radarlosigkeit: konventionelle SEAD-Maßnahmen greifen nicht . Russische Analysten stufen die 358 als wirksam gegen UAV und Hubschrauber ein, aber als ungeeignet gegen schnelle Kampfjets, außer bei einer sehr spezifischen Abschussgeometrie.

Die 358 wurde Russland vorgeführt, aber abgelehnt

Im September 2023 besuchte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu Teheran und wurde von IRGC-Luftwaffen-Kommandeur Brigadegeneral Amir-Ali Hajizadeh persönlich durch eine IRGC-Waffenausstellung geführt, bei der die 358 erstmals offiziell vom Iran vorgestellt wurde. Laut Defense Express hat der Iran die 358 Russland 2023 aktiv angeboten, Russland lehnte jedoch ab.

Der Einsatz einer 358 wurde in der Ukraine nicht dokumentiert. Im Gegensatz dazu lieferte der Iran nachweislich Tausende Shahed-136 sowie im September 2024 Fath-360-Kurzstreckenraketen an Russland.

Was kommt als Nächstes? – Der Nachfolger 359

Offizielle Kostenangaben zur 358 existieren nicht. Analytische Schätzungen reichen von unter 50.000 bis zu 120.000 US-Dollar. Die Kosten-Asymmetrie – eine 358 für vielleicht 30.000 bis 50.000 US-Dollar gegen einen MQ-9 Reaper für 32 Millionen US-Dollar – zeigt Irans Strategie billiger, aber nützlicher Waffen. Die modulare Bauweise mit kommerziellen Komponenten deutet auf relativ einfache Skalierbarkeit hin. Ob die USA mittlerweile Irans Fähigkeit, die Drohne in Massen zu bauen, dezimiert haben, ist nicht bekannt.

Die wichtigste Entwicklung seither ist die Vorstellung der 359-Rakete – eines vergrößerten Nachfolgers mit 150 km Reichweite, bis zu 1.000 km/h Geschwindigkeit, über 9.000 m Einsatzhöhe und einem wahrscheinlich iranisch produzierten Toloue-10-Turbojet. Die entscheidende Neuerung: Die 359 kann per Fallschirm geborgen und wiederverwendet werden. Sie soll AWACS, Luftbetankungsflugzeuge und höher fliegende Drohnen bekämpfen. Erstmals auf iranischem Boden wurde die 359 am 8. Januar 2025 während der Großübung Great Prophet 19 abgefeuert . Ob sie im aktuellen Krieg eingesetzt wurde, ist unbekannt.

Die 358 hat drei grundlegende Veränderungen bewirkt, die über ihren unmittelbaren taktischen Nutzen hinausgehen. Sie hat nicht-staatlichen Akteuren erstmals eine glaubwürdige Flugabwehrfähigkeit gegeben, die zuvor Staaten mit komplexer Radarinfrastruktur vorbehalten war. Sie hat die Verwundbarkeit westlicher Drohnen schlagartig offengelegt. Und sie zeigt, wie kommerzielle Off-the-Shelf-Technologie – eine niederländische Modellflug-Gasturbine, ein niederländischer Trägheitssensor, einfache IR-Sensoren – zu einer kampferprobten Waffe kombiniert werden kann, die Milliarden-Dollar-Systeme bedroht.

Defense Express argumentierte im Januar 2026, dass die Ukraine das 358-Konzept studieren solle, um russische Jet-Drohnen zu bekämpfen. Die 358 mag als Nischenwaffe begonnen haben – doch sie hat das Potenzial, eine neue Waffenkategorie zu definieren.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Anzeige: Rund um Ostern - Amazon Fire TV QLED 55 Zoll unter 500 Euro

Von Claus Ludewig — 03. April 2026 um 10:20
Bei Amazon gibt es die neueste Generation des Fire TV Omni QLED-TVs im Bestpreis-Angebot, so dass 55 Zoll unter 500 Euro kosten.
Amazon bietet den 55 Zoll großen Fire TV Omni QLED-TV aktuell zum Tiefstpreis an. (Bild: Erzeugt mit Dall-E; Amazon) amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Amazon bietet den 55 Zoll großen Fire TV Omni QLED-TV aktuell zum Tiefstpreis an. Bild: Erzeugt mit Dall-E; Amazon

Neben den Fire TV Sticks gibt es direkt von Amazon auch smarte Fernseher, die quasi einen Fire TV Stick direkt eingebaut haben. Schließlich setzen diese Fernseher auf das gleiche Betriebssystem. Das Top-Modell hört dabei auf die Bezeichnung Fire TV Omni. Diesen Smart-TV gibt es wahlweise mit LED-Hintergrundbeleuchtung oder als Mini-LED-TV. Rund um Ostern verkauft Amazon den aktuellen Fire TV Omni QLED mit 55 Zoll für weniger als 500 Euro. Doch das Angebot gilt nur für kurze Zeit.

Wie gut ist das aktuelle Angebot?

Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung verkauft Amazon die neueste Generation des Fire TV Omni QLED-TVs F602D mit 55 Zoll für nur 499 Euro

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
. Dabei handelt es sich um ein befristetes Angebot, welches bis zum 9. April 2026 gültig ist. Wie ein Blick in den Amazon-Preisverlauf zeigt, gab es diesen Smart-TV in Deutschlands beliebtester Bildschirmgröße noch nie günstiger bei Amazon. Laut PCGH-Preisvergleich stellt dieser Preis zugleich auch den Tiefstpreis dar; es gab den Fernseher noch nie günstiger.

Amazon QL55F602D Fire TV Omni QLED-Serie

Jetzt zum Tiefstpreis

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Was hat der Fire TV Omni QLED-TV zu bieten?

Im Gegensatz zum Mini-LED-TV F700 bietet der QLED-TV F602D nur eine Bildschirmwiederholrate von 60 Hz statt 144 Hz. Falls auf dem smarten Fernseher jedoch keine Spiele gespielt werden, genügt auch 60 Hz für Filme und Fernsehsendungen. Für eine möglichst gute Farbdarstellung setzt der Fire TV Omni QLED auf die Quantum-Dots-Technologie. Dabei sind Quantum Dots (Quantenpunkte) winzige Nanokristalle, nur wenige Nanometer groß, die in Rot oder Grün leuchten, wenn sie mit Licht bestrahlt werden. Die blaue Farbe wird mittels LED-Hintergrundbeleuchtung realisiert. Durch die Nanokristall-Folie wird der LCD-Bildschirm mit natürlicheren Farben aufgewertet.

Mit Full-Array-Local-Dimming und Dolby Vision

Die 55 Zoll große Variante des Fire TV Omni QLED kommt mit Full-Array-Local-Dimming daher, also einem LED-Backlight, das über die gesamte Breite des Bildschirms verteilt ist, statt nur an den Bildschirmrändern verbaut zu sein. Durch mehr Dimmingzonen kann der Prozessor die LED-Hintergrundbeleuchtung graduell steuern, so dass ein besseres Kontrastverhältnis sichtbar wird. Zudem werden so auch der erweiterte Farbraum HDR10 sowie Dolby Vision möglich.

Mit Fire TV

Wie es der Name bereits andeutet, setzt der Fire TV Omni QLED F602D auf das Betriebssystem Fire OS, wobei hier (noch) die auf Android-basierende Version installiert ist.

Als Anschlüsse stehen 3x HDMI 2.0 und 1x HDMI 2.1 inklusive eARC parat. Zudem gibt es einen digitalen, optischen Audioanschluss und 1x USB 3.0.

Mögliche Alternative

Noch günstiger als der Amazon Fire TV Omni QLED F602D ist der TCL 55T6C des chinesischen Herstellers TCL. Die Baureihe T6C setzt ebenfalls auf Fire OS als Betriebssystem und kommt laut eigenen Angaben ebenfalls mit Quantum Dots daher. Diese sind aber offenbar nicht verbaut, zumindest legt dies eine Klage von Samsung nahe, die sich auf bestimmte TCL-Modelle bezieht.

Der 55 Zoll große Smart-TV TCL 55T6C

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
kostet bei Amazon im aktuellen Angebot nur 339 Euro. Doch dieses Angebot gilt nur noch bis zum Ostersonntag, den 5. April 2026. Laut dem Preistracker Keepa gab es diesen smarten Fernseher in diesem Kalenderjahr noch nie günstiger bei Amazon. Selbst der historische Amazon-Tiefstpreis ist bis auf einen Euro Unterschied erreicht.

Preis, Daten und Fakten zum Amazon Fire TV Omni QLED-TV F602D

  • Mit dem F602D bietet Amazon einen Fire TV Omni QLED-Fernseher an, der quasi einen Fire TV Stick integriert hat.
  • Dank FALD-Backlight und Quantum Dots soll die Farbdarstellung besser als bei einem herkömmlichen LED-TV sein.
  • Im aktuellen Angebot verkauft Amazon die neueste Generation des Fire TV Omni QLED-TVs F602D mit 55 Zoll
    Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
    für nur 499 Euro, was den niedrigsten Amazon-Preis für diesen Fernseher darstellt.
  • Doch Vorsicht: Dieses aktuelle Tiefstpreis-Angebot gilt nur noch bis zum 9. April 2026.

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Reisekrankheit: Mit den richtigen Songs entspannt in den Urlaub

Von Bernd Müller — 02. April 2026 um 23:30
Mädchen hört während einer Busfahrt Musik und wird nicht reisekrank.

(Bild: Viktoriia Hnatiuk / Shutterstock.com)

Forscher entdecken: Fröhliche Songs senken Reiseübelkeit um 57 Prozent. Doch eine Musikrichtung macht alles noch schlimmer.

Endlich in den lang ersehnten Urlaub [1]starten – und dann das: Kaum schaukelt das Schiff auf den Wellen oder schlängelt sich das Auto durch die Serpentinen, meldet sich die Reisekrankheit. Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerzen können die schönste Reise vermiesen. Doch es gibt eine einfache Lösung – Musik gegen Reisekrankheit.

Was ist Reisekrankheit (Kinetose) und welche Symptome gibt es?

Rund ein Drittel aller Menschen ist besonders anfällig für die Beschwerden, die Mediziner als Kinetose bezeichnen. Reisekrankheit entsteht, wenn widersprüchliche Sinneseindrücke das Gleichgewichtsorgan im Innenohr überfordern.

Besonders bei längeren Autofahrten, Flügen oder Bootsreisen kommt es häufig zu Reiseübelkeit.

Typische Reisekrankheitssymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel beim Autofahren, Blässe und Kopfschmerzen. Auch Kreislaufprobleme können auftreten. Frauen sind häufiger betroffen, vermutlich aufgrund hormoneller Einflüsse. Selbst Tiere leiden darunter: Hunde hecheln oft, wenn sie Auto fahren müssen. Obwohl die Beschwerden meist harmlos sind, stellen sie für die Betroffenen eine erhebliche Belastung dar.

Gleichgewichtsorgan gerät durcheinander

Reisekrankheit entsteht, wenn widersprüchliche Sinneseindrücke das Gleichgewichtsorgan im Innenohr überfordern.

Ob bei einer holprigen Busfahrt, einem Flug durch Turbulenzen oder einem 3D-Kinobesuch [2]: Wenn die Augen eine Bewegung wahrnehmen, die der Körper nicht spürt, kommt es zum Konflikt. Die Folge sind die typischen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Blässe und Schwindel. Auch Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme können auftreten.

Besonders häufig trifft es Frauen, was vermutlich mit hormonellen Einflüssen zusammenhängt. Selbst Tiere bleiben nicht verschont: Hunde hecheln oft, wenn sie Auto fahren müssen. Zwar ist die Reisekrankheit in der Regel harmlos, doch für die Betroffenen ist sie eine echte Belastung.

Forscher testen Musik im Fahrsimulator

Umso erfreulicher ist es, dass Wissenschaftler der Southwest University in China nun eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit gefunden haben: Musik. In ihrer Studie [3] brachten sie Probanden mithilfe eines Fahrsimulators gezielt in einen Zustand der Reisekrankheit. Anschließend bekamen verschiedene Gruppen unterschiedliche Musikstile zu hören.

Das erstaunliche Ergebnis [4]: Fröhliche Melodien linderten das Unwohlsein am effektivsten. Die Beschwerden gingen um ganze 57 Prozent zurück. Fast genauso gut wirkte sanfte Musik mit einer Verbesserung von rund 56 Prozent. Auch leidenschaftliche Klänge zeigten einen moderaten Effekt und reduzierten die Symptome um circa 48 Prozent.

Überraschenderweise erwies sich traurige Musik sogar als kontraproduktiv: Die schwermütigen Töne halfen weniger als gar keine Beschallung. Eine mögliche Erklärung: Fröhliche Musik lenkt von den Beschwerden ab und aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn.

Sanfte Klänge wirken entspannend und bauen Stress [5] ab, der die Symptome verstärken kann. Traurige Lieder scheinen dagegen negative Gefühle zu triggern und das Unwohlsein noch zu fördern.

Gehirnaktivität verändert sich

Mithilfe von EEG-Messungen [6] stellten die Forscher zudem fest, dass sich die Gehirnaktivität [7] im Hinterhauptslappen verändert, wenn Patienten unter Reisekrankheit leiden. Parallel zur Linderung der Symptome normalisierte sich auch die Hirnaktivität wieder.

Musik hat somit einige Vorteile gegenüber Medikamenten: Sie ist kostengünstig, nebenwirkungsfrei und lässt sich ganz individuell anpassen. Zwar basiert die aktuelle Studie auf einer recht kleinen Probandenzahl und fand im Simulator statt. Doch die chinesischen Wissenschaftler planen bereits weitere Untersuchungen unter realen Bedingungen.

Fröhliche Klänge für den Urlaub

Wer nicht auf die nächsten Forschungsergebnisse warten will, kann die Erkenntnisse schon jetzt für sich nutzen. Die Experten raten Reisenden, die unter Seekrankheit oder anderen Formen der Kinetose leiden, unterwegs fröhliche oder sanfte Musik zu hören. So lassen sich die Beschwerden auf einfache Weise selbst lindern.

Dank Kopfhörern und Smartphone [8] ist die musikalische Behandlung in Bus, Bahn, Flugzeug und auf dem Schiff jederzeit möglich. Mit den richtigen Klängen im Ohr steht dem erholsamen Urlaub nichts mehr im Weg. Die ungeliebte Reisekrankheit könnte damit endlich der Vergangenheit angehören.

Der Artikel erschien auf Telepolis erstmals am 4. September 2025.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10631900

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Leisure-Sickness-Das-unterschaetzte-Phaenomen-der-Urlaubskrankheit-10488579.html
[2] https://www.netdoktor.de/krankheiten/reisekrankheit/
[3] https://www.frontiersin.org/journals/human-neuroscience/articles/10.3389/fnhum.2025.1636109/full
[4] https://www.eurekalert.org/news-releases/1095350
[5] https://www.heise.de/tp/article/Selbstgemachter-Druck-Warum-immer-mehr-Deutsche-unter-Stress-im-Job-leiden-9864694.html
[6] https://www.heise.de/tp/article/Hirn-Test-koennte-sexuelle-Nebenwirkungen-von-Antidepressiva-vorhersagen-10759555.html
[7] https://www.heise.de/tp/article/Gedankenlesen-ist-keine-Science-Fiction-mehr-10596905.html
[8] https://www.heise.de/tp/article/Zwei-Stunden-taeglich-Japans-Antwort-auf-die-Handy-Sucht-11080269.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

❌