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Google Meet kommt erstmals zu Apples CarPlay

Von Heise — 07. April 2026 um 12:45
Google Meet in CarPlay

Google Meet in CarPlay: Praktisch unterwegs.

(Bild: Google)

Teams, Telegram oder WhatsApp gibt es seit längerem für die iPhone-Fahrzeugintegration. Nun legt auch Google mit seiner Konferenz-App nach.

Apples CarPlay [1], mit dem sich iPhone-Apps ins Auto holen lassen, erhält einmal mehr einen Softwareschub. Nachdem Apple erstmals Chatbot-Apps mit Sprachsteuerung [2] zugelassen hatte, wodurch eine CarPlay-Variante von ChatGPT [3] verfügbar wurde, kommt nun ein weiteres beliebtes Tool ins Car-Entertainment-System. Wie Google in seinem Workspace-Blog angekündigt [4] hat, lässt sich die Conferencing-Lösung Google Meet in der soeben erschienenen Version 353.0 [5] erstmals direkt in CarPlay verwenden.

Reine Teilnahme als Audio

Wie üblich ist die Variante abgespeckt: So sieht man keine Videodarstellung und kann auch selbst nicht per iPhone-Kamera auftreten, sondern Chats und Konferenzen nur per Sprache folgen. Dazu gibt es eine Übersicht mit geplanten Google-Meet-Treffen, an denen man direkt teilnehmen kann, sowie eine Übergabefunktion vom iPhone. Das heißt: Läuft bereits eine Konferenz auf dem Mobilgerät, muss man sich nur ins Auto begeben, um diese dort dann via CarPlay fortführen zu können.

Google betont, dass Videoinhalte bei Verwendung von CarPlay automatisch deaktiviert werden, ebenso wird die Kamera abgeschaltet. Teilnehmer können Meetings mithören und sich per Mikrofon beteiligen, schreibt Google dazu. Das alles dient dazu, dass sich der Nutzer weiterhin auf das Fahren konzentrieren kann. Apple erzwingt eine solche Umsetzung über seine Entwicklerbedingungen. So sind etwa Video-Apps bislang vollständig verboten [6]. Allerdings arbeitet der Hersteller derzeit daran, diese zumindest im geparkten Zustand zuzulassen. Dabei muss das Fahrzeug allerdings AirPlay für Video beherrschen.

CarPlay vor Android Auto

Interessant an Googles Ansatz ist, dass Meet für CarPlay noch vor der Variante für Android Auto erscheint. Diese sei für die Nutzer „bald“ zu erwarten, schreibt der Konzern. Die Nutzung von Google Meet im Auto steht allen Workplace-Nutzern zur Verfügung, egal ob mit Einzel- oder Mehrplatzlizenz; zudem kann jeder Google-User mit Google-Account Meet in CarPlay verwenden.

Die App ist standardmäßig fürs Auto freigeschaltet, sobald die passende Version auf dem iPhone ist. Nutzer sollten sie sofort auf dem Homescreen finden. Gegebenenfalls muss man einige Seiten nach hinten blättern und das Icon dann nach vorne ziehen, wenn man Meet häufiger verwenden möchte.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11246432

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/thema/Apple-CarPlay
[2] https://www.heise.de/news/CarPlay-in-iOS-26-4-Diese-neuen-Funktionen-gibt-es-11225783.html
[3] https://www.heise.de/news/Dank-iOS-26-4-ChatGPT-per-CarPlay-im-Auto-nutzen-11242997.html
[4] https://workspaceupdates.googleblog.com/2026/04/google-meet-is-now-available-on-carplay.html
[5] https://apps.apple.com/de/app/google-meet/id1096918571
[6] https://www.heise.de/news/iOS-26-4-Beta-Code-Hinweise-auf-CarPlay-Videofunktion-mit-Apple-TV-11179938.html
[7] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
[9] mailto:bsc@heise.de

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Self-Hosted Backend: Appwrite 1.9 bringt MongoDB

Von Heise — 07. April 2026 um 15:41
Appwrite Dashboard mit Projektübersicht, Bandbreitendiagramm und Statistiken für Datenbanken und Authentifizierung.

(Bild: Appwrite)

Appwrite 1.9 bringt MongoDB-Support, ressourcenbasierte API-Keys und Query-Filter für Realtime-Subscriptions. Hinzu kommen Performance- und Compute-Updates.

Appwrite 1.9.0 ist da und unterstützt nun MongoDB, feinere Sicherheitsmechanismen und gezieltere Realtime-Funktionen. Hinzu kommen ein ausgebauter Compute-Bereich und zahlreiche Performance-Verbesserungen.

Bei Appwrite handelt es sich um eine quelloffene Backend-as-a-Service-Plattform (BaaS), die Authentifizierung, Datenbank, Storage, Serverless Functions und Realtime-Kommunikation in einem Paket für den Eigenbetrieb bündelt. Damit richtet sie sich an Teams, die mehr Kontrolle über ihre Backend-Infrastruktur behalten wollen, als es klassische Cloud-BaaS-Dienste erlauben.

MongoDB und Datenbank-Feinschliff

Die zentrale Neuerung: Appwrite unterstützt jetzt MongoDB als Datenbank-Backend. Damit steht neben dem bisherigen TablesDB-Modell erstmals eine dokumentenorientierte Alternative bereit. Entwickler können so dynamische Datenstrukturen abbilden – etwa Event- oder Log-Daten mit variierenden Feldern –, ohne vorher ein Schema anzupassen.

Ferner ergänzt Version 1.9.0 neue String-Typen wie mediumtext und longtext, unterstützt 64-Bit-Integer und zeigt den Speicherverbrauch einzelner Collections an. Dokumentlisten lassen sich zudem mit konfigurierbarer TTL cachen, was bei häufig abgefragten Datenbeständen die Datenbanklast senkt.

Neue Admin-APIs

Administratoren erhalten mehrere neue Schnittstellen: Eine Webhooks-API verwaltet Ereignisbenachrichtigungen zentral. Eine Schedules-API gibt Einblick in geplante Aufgaben und stellt Steuerungsfunktionen bereit. Neu ist auch eine Nutzer-Impersonation (User Impersonation). Damit kann sich ein Admin als ein bestimmter Nutzer anmelden, um Fehler direkt aus dessen Perspektive nachzuvollziehen. Projektvariablen lassen sich jetzt gezielt als öffentlich markieren, etwa um Konfigurationswerte ans Frontend durchzureichen.

Die Realtime-Schnittstelle arbeitet nun gezielter. Clients definieren Subscriptions mit Query-Filtern und empfangen nur noch passende Ereignisse statt sämtlicher Änderungen in einer Collection. Ein Client könnte so ausschließlich Updates für eine bestimmte Nutzer-ID abonnieren. Appwrite liefert außerdem Metriken zu Verbindungen, Nachrichtenaufkommen und Bandbreite.

Feinere Zugriffskontrolle

API-Keys lassen sich ab Version 1.9.0 ressourcenbezogen einschränken. Ein Key kann etwa Lesezugriff auf den Storage erhalten, ohne gleichzeitig die Benutzerverwaltung freizuschalten. JWT-Laufzeiten sind individuell konfigurierbar. Verbesserungen bei CORS, OAuth und Multi-Domain-Support erleichtern Setups mit mehreren Frontends.

Im Serverless-Bereich trennt Appwrite jetzt Build- und Runtime-Ressourcen. Wer rechenintensive Builds mit einer schlanken Runtime kombinieren muss, kann beides unabhängig dimensionieren. Eigene Startkommandos, automatisches Aufräumen alter Deployments und verwaister Ausführungen sowie saubere Worker-Shutdowns sollen den Betrieb stabiler machen.

Storage, Migration und SDKs

Dateien lassen sich jetzt einzeln mit Verschlüsselungs- und Komprimierungsparametern versehen. Listenabfragen geben den gesamten Speicherverbrauch zurück. Neue Migrationstools übertragen Sites und Messaging-Ressourcen zwischen Appwrite-Instanzen. Hinzu kommen ein offizielles Rust-SDK, ein Plugin für die KI-gestützte IDE Cursor sowie ein Agent Skills SDK, das die Integration von KI-Agenten erleichtern soll.

Unter der Haube haben die Entwickler die Architektur auf die modulare Utopia-Plattform umgestellt. Der bisherige Proxy-Container entfällt, Traefik wird direkt angesprochen. Sparse Updates senden nur noch geänderte Attribute, Shared-Memory-Caching via Swoole Tables ersetzt den bisherigen Pro-Worker-Cache und vorverarbeitete Queries beschleunigen häufig genutzte Pfade. Swoole [1] ist eine PHP-Erweiterung für asynchrone Programmierung, die hier für effizientes Shared-Memory-Caching genutzt wird. Diverse Memory Leaks in der Webhook-, Statistik- und Event-Verarbeitung haben die Entwickler behoben.

Upgrade

Appwrite 1.9.0 setzt ein Upgrade von Version 1.8.1 voraus und erfordert eine Datenbankmigration. Diese lässt sich über den neuen Web-Installer, das CLI-Flag --migrate oder manuell per docker compose exec appwrite migrate anstoßen.

Alle Informationen zu Appwrite 1.9.0 finden sich in den Release Notes auf GitHub [2].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11247329

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/Open-Swoole-Schnelle-Webanwendungen-trotz-PHP-7185794.html
[2] https://github.com/appwrite/appwrite/releases/tag/1.9.0
[3] https://www.heise.de/ix
[4] mailto:fo@heise.de

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JSON Alexander: Syntax-Highlighting und Baumdarstellung im Browser

Von Heise — 07. April 2026 um 12:50
Schriftzug

(Bild: TierneyMJ / Shutterstock.com)

Syntax-Highlighting und Baumdarstellung: Das Add-on verbessert die Ansicht von JSON-Daten, insbesondere für API-Entwickler.

JSON Alexander, eine neue Extension für Firefox und Chrome, formatiert automatisch JSON-Daten, die beispielsweise von einer API gesendet wurden. Das Add-on erweitert die rudimentären Darstellungen der Browser insbesondere um Syntax-Highlighting und eine Baum-Ansicht.

Screenshot
Screenshot

JSON Alexander zeigt JSON-Daten übersichtlich formatiert.

(Bild: JSON Alexander)

Das Add-on bietet eine Reihe von Komfortfunktionen, die über die Standarddarstellung der Browser hinausgehen. Neben dem Syntax-Highlighting und den ausklappbaren Strukturbäumen sind das zum Beispiel Zusatzinfos beim Hover über ein Feld oder eine parallele Daten-Ansicht als windows.data in der Konsole.

JS-Autor und Podcaster Wes Bos [1] hat JSON Alexander unter MIT-Lizenz veröffentlicht. Zuvor waren ihm Zweifel am Add-on „Heads Up“ gekommen, das ähnliche Funktionen bietet, weil es laut Bos Webtracking in Webseiten implementiert. Die Redaktion konnte das nicht überprüfen.

Das Add-on ist noch nicht in den Stores der Browser vorhanden, sondern Anwenderinnen und Anwender müssen es von Hand installieren. Bei Firefox müssen sie zusätzlich den JSON-Standardmechanismus deaktivieren. Anleitungen finden sich im Repository [2]. Der Name des Tools spielt auf den US-amerikanischen Schauspieler Jason Alexander [3] an.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11246718

Links in diesem Artikel:
[1] https://syntax.fm/
[2] https://github.com/wesbos/JSON-Alexander
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Jason_Alexander
[4] mailto:who@heise.de

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Software Testing: Als Software-Tester von der Stiftung Warentest lernen

Von Heise — 07. April 2026 um 10:33
Software Testing: So testet Stiftung Warentest

(Bild: Richard Seidl)

Was können Software-Tester davon lernen, wie Stiftung Warentest beim Testen vorgeht? Das bespricht Richard Seidl mit Johannes Stiller.

In dieser Episode spricht Richard Seidl mit Johannes Stiller von Stiftung Warentest über die Testmethoden und Entscheidungsprozesse bei Produktprüfungen. Es geht darum, wie die Stiftung ihre Prüfprogramme entwickelt, welche Kriterien für verschiedene Produkte gelten und wie Teams aus Wissenschaftlern und Marktanalysten zusammenarbeiten. Besonders spannend: die Parallelen zum Softwaretesting, etwa Objektivität, Transparenz und die Perspektive des Nutzers. Wie funktioniert die Auswahl der getesteten Produkte und wie werden subjektive Eindrücke bei Zahnbürsten oder Laptops möglichst vergleichbar gemacht?

Johannes Stiller [2] schloss 2016 seine Promotion im Bereich der nuklearen Kern- und Teilchenphysik in Heidelberg ab. Während dieser Zeit arbeitete er intensiv vor Ort am CERN am ALICE-Experiment. Aufgrund seiner Expertise in Tracking-Algorithmen wechselte er anschließend in die Softwareentwicklung der Automobilindustrie. Ein wesentlicher Meilenstein war seine maßgebliche Beteiligung an den Sicherheitsbremssystemen für das autonome Parkshuttle-System Parkshuttle Rivium. Nach seinem Umzug nach Berlin widmete er sich im VW-Konzern der Serienentwicklung von Fahrassistenzsystemen wie dem Emergency Assist und dem Travel Assist, inklusive der ASPICE-konformen Entwicklung, Prüfung und Freigabe. Seit August 2025 bekleidet Johannes Stiller eine leitende Funktion bei der Stiftung Warentest [3], wobei ihn besonders die Möglichkeit motiviert, vielseitige Themen auf wissenschaftlich fundierter Basis zu bearbeiten.

Software-Testing im Gespräch

Bei diesem Format dreht sich alles um Softwarequalität: Ob Testautomatisierung, Qualität in agilen Projekten, Testdaten oder Testteams – Richard Seidl und seine Gäste schauen sich Dinge an, die mehr Qualität in die Softwareentwicklung bringen.

Die aktuelle Ausgabe ist auch auf Richard Seidls Blog verfügbar: „So testet Stiftung Warentest – Johannes Stiller [4]“.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11246702

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[2] https://www.linkedin.com/in/dr-johannes-stiller-12aa57117/
[3] https://www.test.de/
[4] https://www.richard-seidl.com/de/blog/so-testet-stiftung-warentest
[5] mailto:mai@heise.de

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Darknet Diaries Deutsch: Fahrraddieben auf der Spur - Teil 1

Von Heise — 07. April 2026 um 16:02

In dieser Folge tauchen wir ein in die Welt der gestohlenen Fahrräder. Bryan hilft mit seinem Dienst Bike Index, gestohlene Fahrräder wiederzufinden.

Dies ist der ersteTeil von „Fahrraddieben auf der Spur". Im Englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „Bike Index [1]“.

Die deutsche Produktion verantworten Isabel Grünewald und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert [2] werden.

JACK (Intro): Ich habe einmal den Facebook-Campus besucht. Er liegt in der Bay Area in der Nähe von San Francisco, in Kalifornien. Ja, ich bin einfach mal hingefahren und auf dem Gelände herumgelaufen. Ein Freund war dabei und musste mal, also suchten wir nach einem Weg hinein, fanden aber keinen Zugang zu den Gebäuden. Wir waren auch einfach neugierig, wie es drinnen aussieht. Aber während ich über den Facebook-Campus lief, sah ich jede Menge Fahrräder, die im Facebook-Blau lackiert waren und das Facebook-Logo trugen. Anscheinend ist es im Silicon Valley üblich, dass Tech-Giganten wie Google und Facebook solche Fahrräder auf ihrem Campus einfach frei für alle zur Verfügung stellen. Falls man schnell zu einem Meeting in einem anderen Gebäude muss, schwingt man sich einfach auf eines der Firmenräder und fährt, wohin man will. Das ist super praktisch, um sich auf den großen Firmengeländen zu bewegen.

Nun, da ich schon mal da war und diese Fahrräder da waren, beschloss ich, aufzusteigen und eine Runde zu drehen. Sie sind nicht abgeschlossen und haben keinen Code oder so etwas. Sie stehen einfach rum und jeder kann sie benutzen. Dutzende davon sind über den ganzen Campus verteilt. Also nahm ich mir eines und fuhr damit herum, sauste die Gehwege entlang, heizte um die Ecken und für einen kurzen Moment fühlte ich mich wie eine Facebook-Mitarbeiterin, die an anderen Leuten vorbeizischte, von denen ich annahm, dass sie ebenfalls Angestellte waren. Niemand sagte etwas, und ich ließ das Fahrrad einfach am anderen Ende des Campus stehen. Je mehr Zeit ich im Silicon Valley verbrachte, desto mehr dieser Fahrräder sah ich überall. Leute waren mit Fahrrädern vom Google-Campus zum HP-Campus gefahren, oder man sah Facebook-Fahrräder bei den Cisco-Büros.

Die Fahrräder waren über die ganze Stadt verstreut, und ich nehme an, das liegt daran, dass die Leute von Büro zu Büro fahren und vielleicht drinnen in einem Meeting oder so etwas sind und später zurückfahren. Aber was ich nicht verstehen konnte, war: Warum werden diese Fahrräder, die so nah an San Jose und der Bay Area einfach ohne Kette oder Schloss herumstehen, nicht sofort gestohlen, sobald sie unbeaufsichtigt stehen gelassen werden? Ich meine, ich bin nicht nur eines gefahren, sondern jede Menge. Es wurde zu einer Gewohnheit. Jedes Mal, wenn ich eines sah, stieg ich für eine kleine Spritztour auf. Wenn ich also so einfach aufsteigen und wegfahren konnte, wohin ich wollte, was hält dann irgendjemanden davon ab, sie einfach alle zu stehlen?

Das geklaute Cannondale – wie alles begann

JACK: Ein Hinweis zum Inhalt: Da viele von euch es schätzen, wenn ich euch vorwarne, dass geflucht wird – in dieser Folge wird eine Menge geflucht. Also, vielleicht, ich weiß nicht, hört mit Kopfhörern zu oder was auch immer ihr tut, wenn in der Sendung Schimpfwörter vorkommen. Seid ihr bereit?

BRYAN: Mm-hm.

JACK: Welchen Namen sollen wir für dich verwenden?

BRYAN: Bryan ist okay, so cool bin ich jetzt nicht, dass ich einen Decknamen habe.

JACK: Bryan, wurde dir schon mal ein Fahrrad gestohlen?

BRYAN: Oh ja

JACK: Erzähl mir davon.

BRYAN: Ah, das Schlimmste war, ja, ich erinnere mich mit großem Schmerz daran, das Schlimmste war der Diebstahl meines Cannondale M300, ein Mountainbike. Eines der ersten Räder, für das ich ordentlich Geld ausgegeben hatte. Ich war an der University of Arizona, hab in ner kleinen, ziemlich schäbigen, schlauchförmigen Wohnung gewohnt, alles wurde vorne im Eingangsbereich gelagert. Die Dusche war ganz hinten. Jedenfalls, eines Tages kam ich nach Hause, ging duschen und als ich wieder in den vorderen Teil der Wohnung kam, dachte ich mir: Öh, irgendetwas ist hier anders. Und tatsächlich war jemand durch die Vordertür gekommen, während ich unter der Dusche stand …

JACK: Was?

BRYAN: … und hat mich ausgeraubt, das Fahrrad mitgenommen und war damit abgehauen.

JACK: Während du geduscht hast?

BRYAN: Während ich geduscht habe.

JACK: Wie ist das möglich?

BRYAN: Ich weiß es nicht, aber das war das eine – und es war eines von vielen Rädern, aber das hat mir endgültig den Rest gegeben. Und bis heute, immer wenn ich ein Cannondale M300 die Straße entlangfahren sehe, denke ich: Mistkerl. Ja, das sitzt wirklich tief.

JACK: Ich kann nicht glauben, dass jemand einfach in deine Wohnung gekommen ist, um sowas zu machen, während du geduscht hast.

BRYAN: Ja, das hat wehgetan.

JACK: Hast du versucht, das Fahrrad zu finden?

BRYAN: Ja, habe ich.

JACK: Wo hast du gesucht?

BRYAN: Na ja, man schaut sich um. Man schaut sich vor Ort um. Wir wussten so ungefähr, wo die zwielichtigen Ecken waren, und jedes Mal, wenn dir so etwas gestohlen wurde und du unterwegs bist und eines siehst, das auch nur annähernd die gleiche Farbe hat – da stellen sich dir die Nackenhaare auf und du denkst immer: Ist es das? Ist es das? Du schaust es dir genauer an, aber es gab da in dem Fall nicht viel. Die Kleinanzeigenseite Craigslist hab ich damals beobachtet. Man konnte mit lokalen Fahrradläden sprechen und einfach losziehen und nach dem verdammten Ding suchen, aber …

JACK: Was ist mit der Polizei?

BRYAN: Das war nicht wirklich ne Option. Das ist überhaupt so’ne Sache in Uni-Städten – es gibt die Campus-Polizei und es gibt die offizielle Polizei der Stadt. Ich habe es bei der Campus-Polizei gemeldet, die meinten aber, als ich fragte, was denn eigentlich passiert, wenn es die Stadtpolizei findet, dass das nicht passieren wird, solange ich's denen nicht auch melde. Es sind zwei getrennte Systeme, zwei, die nicht miteinander kommunizieren – was blöd ist.

JACK: Bryan war frustriert, dass es für ihn kaum oder gar keine Hilfe gab, und er wusste, dass er nicht der Einzige war, dem ein Fahrrad gestohlen wurde. Viele Leute müssen sich ebenfalls so frustriert fühlen. Was kann man schon tun? Zu jedem Fahrrad- und Pfandleihgeschäft in der Stadt gehen, ihnen die Seriennummer geben und sagen: „Hey, ruft mich an, wenn jemand versucht, euch dieses Fahrrad zu verkaufen“? Und dann die Polizei und die Campus-Polizei anrufen und in der ganzen Stadt Plakate aufhängen? Es ist wirklich schwer, die Info zu verbreiten, dass einem das Fahrrad gestohlen wurde, und so sieht es aus, falls ihr es seht. Da muss es doch sicher eine bessere Lösung für dieses Problem geben.

BRYAN: In gewisser Weise war dieses Fahrrad der Anstoß für die ganze Sache, die Entstehungsgeschichte. Es war so um die Jahrtausendwende rum, und ich hatte das Glück, genau da Informatik zu studieren. Es war alles neu und die ganze Technik gerade erst da, SMS z.B., es gab viele kostenlose Datenbanken, die Webentwicklung, bei der allerhand Leute mitmachten, PHP – es war einfach das perfekte Zusammentreffen von Umständen, wo jemand wie ich sagen konnte: „Ey, wisst ihr, was ich jetzt mache? Ich erstell einfach ne Datenbank für gestohlene Fahrräder. Warum nicht?“ Es war ja technisch gerade erst möglich geworden. Jeder, der halbwegs durchblickte, konnte sehen, dass Handys in fünf Jahren richtig abgehen würden. Man wusste es, selbst wenn man selbst am Anfang nur diese kleine, miese Webseite hatte. Ich startete also diese Seite namens Stolen Bicycle Registry.

Eine Datenbank gegen Fahrraddiebe

JACK: Was war das – was hat die gemacht?

BRYAN: Man konnte da einfach Marke, Modell, Farbe und Seriennummer eingeben, ein paar Fotos und eine Beschreibung hinzufügen. Es war damals echt die erste kostenlose, offene Datenbank für gestohlene Fahrräder. Es ging allein darum. Alles in dieser Datenbank ist gestohlen.

JACK: Seine Idee war: Wenn dein Fahrrad gestohlen wird, sag ihm Bescheid, und er wird versuchen, jedem in der Stadt zu sagen: „Hey, bevor ihr ein Fahrrad kauft, verkauft oder repariert, schaut zuerst in dieser Datenbank nach.“ Es ist also ein Ort, an dem man ein gestohlenes Fahrrad einfach melden und auch einfach nach gestohlenen Fahrrädern suchen kann. Fahrradläden und Pfandhäuser fingen an, diese Seite zu schätzen, denn sie konnten leicht überprüfen, ob ein Fahrrad als gestohlen gemeldet wurde. Es ist quasi unmöglich, bei jeder Polizeidienststelle im Land nachzufragen, ob dieses Fahrrad gestohlen ist. Aber wenn es eine nette, einfache Webseite gibt, die einem das sagt, macht das die Überprüfung einfacher. Aber würde das wirklich funktionieren? Würde tatsächlich jemand die Seite nutzen, um vor dem Kauf zu prüfen, ob ein Fahrrad gestohlen ist?

BRYAN: Jemand wollte ein Fahrrad über Craigslist kaufen, ließ vorher die Seriennummer durchlaufen, und es war auf meiner Seite gelistet.

JACK: Er konnte dem Opfer sagen: „Hey, jemand hat dein Fahrrad gefunden. Es wird jetzt gerade auf Craigslist angeboten. Schau mal.“ Daraufhin konnte das Opfer sein Fahrrad zurückbekommen.

BRYAN: Wir haben ein Fahrrad wiedergefunden.

JACK: Es hat funktioniert. Die Seite hat einem Besitzer sein gestohlenes Fahrrad zurückgebracht. Und tatsächlich, nicht lange danach wurde ein weiteres gestohlenes Fahrrad gefunden und zurückgegeben. Das war offensichtlich eine gute Idee. Die Seite funktionierte. Das gab Bryan neue Energie, um noch härter daran zu arbeiten, die Seite bekannt zu machen. Er war begeistert, dass er zwei Leuten geholfen hatte, ihre Fahrräder wiederzubekommen.

BRYAN: Ja, es war super, es war ziemlich großartig. Ich meine, damit lässt sich kein Geld verdienen, aber es bringt viel Karma. Es fühlt sich einfach gut an, etwas gebaut zu haben, das die Leute nutzen wollen und das gut funktioniert.

JACK: Er hat es so eingerichtet, dass man, wenn man ein gestohlenes Fahrrad fand, direkt die Person kontaktieren konnte, die es verloren hatte.

BRYAN: Damals konnte man auf der Seite einfach auf einen Button klicken und schreiben: „Hey, ich hab dein Fahrrad gefunden.“ Das schickte eine E-Mail an den Besitzer und stellte den Kontakt her. Ich will ja nicht persönlich jeden einzelnen dieser Fälle bearbeiten. Es ist einfach: Finder trifft Besitzer. Ihr regelt das dann unter euch.

JACK: Er betrieb die Seite weiter und half immer mehr Menschen, ihre Fahrräder wiederzufinden. Nach einer Weile wurde es aber viel Arbeit, um dranzubleiben. Die Seite brachte kein Geld ein. Es war reine Liebhaberei, und er brauchte irgendwie Hilfe.

BRYAN: Ich hab mich ja immer nur um die gestohlenen Räder gekümmert. Aber um 2013 rum gab es einen Fahrradmechaniker aus Chicago namens Seth Herr, der eine Kickstarter-Kampagne ins Leben gerufen hat, die sozusagen das Gegenteil war. Er arbeitete in Fahrradläden, und da verkauften sie jede Menge Fahrräder, und einige wurden gestohlen, dann kamen die Leute zurück, um an die Daten des Fahrrads zu kommen, für die Versicherung, dann mussten immer die Akten durchwühlt werden, Und Seth hat das so richtig genervt. Es war einfach ein echt mühseliger Prozess. Er lernte aber gerade die Programmiersprache Ruby und dann ging er die Sache von der anderen Seite an, er meinte: Lasst uns die die Räder doch einfach in dem Moment registrieren, in dem ich deine Kreditkarte durchziehe und es ‚piep‘ an meinem Kassensystem macht. In dem Moment soll das die Registrierung dann einfach festgehalten sein.“ Du musst dir keine Arbeit machen. Ich muss mir keine Arbeit machen. Es landet einfach in diesem System. Ich dachte mir: „Oh, coole Idee.“

Dann startete er also die Kickstarter-Kampagne und sammelte um die 50.000 Dollar ein. Und ich dachte mir: „Oh Mann, verdammter Mistkerl, ich mach das seit zehn Jahren, und mir hat nie jemand irgendwas gespendet.“ Ich hab ihn dann aber kontaktiert, wir haben uns getroffen und unterhalten und einfach gemerkt, dass wir eigentlich an derselben Sache arbeiten. Ich meinte zu ihm: Du machst den ersten Teil, den nervigen Teil, von meiner Warte aus, bei dem es darum geht, Menschen dazu zu bringen, etwas Neues zu tun, aber du machst es auf ne coole Art, indem du‘s in die Kassensysteme integrierst, und das bringt die Leute einfach zum Mitmachen. Ich mache all diese schräge, kleinteilige, furchtbare Drecksarbeit, die Jagd auf die Bösen – keiner von uns beiden scherte sich jeweils wirklich um den Teil des anderen. Er wollte nichts mit gestohlenen Sachen zu tun haben, und ich nichts mit der Vorab-Registrierung. Also haben wir uns zusammengetan, und vom ersten Tag an hat es funktioniert, es wurde erfolgreich, schrittweise haben wir’s dann zu einem immer besseren System ausgebaut.

JACK: Zusammen gründeten sie die Webseite bikeindex.org, und mit vereinten Kräften wurde ihre Reichweite viel größer, was bedeutete, dass mehr Leute die Seite nutzten und mehr gestohlene Fahrräder wiedergefunden wurden. Sobald Leute von dieser Seite erfuhren, gingen sie dorthin und prüften, ob ein Fahrrad gestohlen war, bevor sie es jemandem abkauften. Und wenn es einen Treffer gab, sagten sie dem Fahrradbesitzer: „Hey, ich glaube, ich habe dein Fahrrad gefunden.“

BRYAN: Zehn Jahre lang haben wir die Leute angebettelt: „Bitte nutzt dieses Ding. Wir sind eine gemeinnützige Organisation. Es ist kostenlos. Wir finden’s einfach gut, Menschen zu helfen. Ihr findet es gut, euren Kunden zu helfen, die Beklauten sind begeistert, ihre Fahrräder zurückzubekommen. Alle gewinnen damit. Es gibt keinen Haken. Wir mussten Blog-Posts schreiben, Vorbereitungen treffen, es war viel – denn es funktioniert nur, wenn eine Menge Leute es nutzen.

JACK: Ist das auf bestimmte Städte beschränkt, oder …?

BRYAN: Es existiert auf der ganzen Welt. Ich mein, der Fokus liegt schon auf den USA und Kanada, aber wir haben auch schon Fahrräder in Australien oder Belgien wiedergefunden. Es gab da einen echten Wendepunkt, ich würde sagen, das war vielleicht 2018, 2019, wo es nicht mehr hieß: „Bitte, bitte, bitte nutzt den Dienst.“

Es wurde zu: Wir haben so viele Daten und so viele Informationen – ich jage jetzt die Bösen. Wenn du zu mir kommst und sagst: „Mir wurde in Seattle mein Fahrrad gestohlen“, war es vorher so: „Bitte nutz Bike Index.“ Jetzt ist es so: „Das sind die vier Ganoven, die du im Auge behalten musst. Pass auf – das sind die Bösen in deiner Postleitzahl, und das weiß ich, weil wir diese Typen schon so lange beobachten.“

Wir hatten einfach so viele Daten darüber, wo Sachen gestohlen wurden, wo sie auftauchten, bei wem sie auftauchten, welche grenzüberschreitend waren – [Musik] es wechselte einfach von „Bitte nutz meinen Dienst“ zu „Ich bin jetzt tatsächlich in der Lage, Muster zu erkennen – ich kann wirklich einige der Abläufe identifizieren.“

Das Szenario, das ich den Leuten immer erzähle, ist: Sagen wir, jemand raubt am Montag dein Haus aus. Bis Montagabend, bevor du überhaupt eine Anzeige bei der Polizei erstatten kannst, je nachdem, in welcher Stadt du bist, ist all dein Kram schon irgendwo zum Verkauf, normalerweise online. Es ist auf ner Kleinanzeigenseite, es ist auf dem Facebook Marketplace oder auf irgendeiner anderen, womöglich zwielichtigen Verkaufs-App. Sie nehmen ja oft alles mit, deine Computer, deine Fahrräder, einfach alles.

Jemand scrollt dann durch eine Kleinanzeigen-App und sieht: „ProllPeter420Bongmeister7 hat all diese Sachen zum Verkauf. Und das da ist, glaube ich, dein Fahrrad.“ Dann geht der zu Bike-Index, schickt ne Nachricht, dass man gerade diesen super-zwielichtigen Typen bei den Kleinanzeigen gesehen hat, und es sieht so aus, als hätte er dein Fahrrad, du hattest ja eines gemeldet und es sieht genau so aus.“ Dann ruft das Opfer des Diebstahls die Kleinanzeigenseite auf und sagt: „Oh ja, das ist mein Fahrrad, aber nicht nur das, da ist auch all mein anderer Kram. Das ist der Typ, der mich ausgeraubt hat.“ Man ist noch nicht mal dazu gekommen, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Manchmal rufen die Opfer dann die Polizei an, und die sagen: „Ja, lasst uns den Kerl holen.“ Boom, alles wird erledigt, und alle sind zum Abendessen wieder da, und es ist ein großartiger Tag, und dann …

JACK: Das muss ein irre tolles Gefühl sein– du kommst nach Hause, merkst, dass deine Sachen gestohlen wurden, und denkst: „Oh mein Gott, oh mein Gott, was soll ich machen?“ Du schaust auf dein Handy und da steht: „Hey, ich glaube, ich hab Dein Zeug gefunden.“ Und du denkst: „Ich habe es doch noch nicht einmal jemandem erzählt.“

BRYAN: Die verrückteren Fälle allerdings sind die, bei denen wir Einbrecher geschnappt haben, bevor die Opfer überhaupt wussten, dass sie ausgeraubt wurden.

JACK: Wow.

BRYAN: Also, der Fall, an den ich denke, das war in Seattle. Es war ein Colnago, ein sehr hochwertiges Fahrrad, das von diesem zwielichtigen Typen zum Verkauf angeboten wurde. Es war auf Bike Index gelistet, aber nicht als gestohlen markiert. Es war nur …

JACK: Also nur registriert.

BRYAN: … vorher registriert worden. Und ein Typ, ein Fahrradjäger, der dieser Sache nachging, fängt an, den Verkäufer zu durchleuchten, und dabei wird das Ganze immer interessanter. Irgendwann denkt er sich: „Ich ruf den Fahrradbesitzer einfach mal an.“ Er erreicht ihn dann auf Hawaii, im Urlaub. Und der, der das Fahrrad und die Sachen entdeckt hat, schickt ihm den Link zu der Kleinanzeigenseite. Und tatsächlich sagt der Mann auf Hawaii dann: „Das ist mein ganzes Zeug. Ich bin nicht Hause. Ich wusste nicht mal – rufen Sie die Polizei.“ Ja, ihm war also nicht mal klar, dass er ausgeraubt worden war. Die Typen hatten es buchstäblich in der Nacht zuvor getan und versuchten nun über die Kleinanzeigen, das Zeug so schnell wie möglich loszuwerden. Das ist dann echt super, ein großartiges Gefühl. Ein Volltreffer. Ich mein, ich hab sonst einen normalen Job und ich mag den, aber er ist jetzt nicht besonders, sagen wir mal die Seele bereichernd. Aber wenn ich ein oder zwei Fahrräder zurückbekomme, bin ich quasi im siebten Himmel, denn man zieht die Nadeln aus dem Heuhaufen.

Die Jagd auf Fahrraddiebe

JACK: Nachdem bikeindex.org [3] ein Jahrzehnt lang bekannt gemacht wurde, hatte es nun seine eigene Energie und Dynamik. Es hatte die kritische Masse erreicht, die es braucht, um Hunderten und sogar Tausenden von Menschen zu helfen, ihre gestohlenen Fahrräder wiederzubekommen.

BRYAN: Jeder Fahrradmechaniker, jeder Fahrradladen, zumindest in den USA nutzt uns, und jede große Marke. Wir haben im Grunde versucht, uns an jedem Ort zu positionieren, an dem ein gestohlenes Rad landen könnte, sei es zur Wartung, zum Neu- oder Gebrauchtverkauf. Wir sind auch an ein Pfandleih-Suchsystem angebunden, sodass, wenn ich dich ausrauben würde und dein Fahrrad nach New York bringe und versuche, es da zu verpfänden, dass es bei uns auftauchen würde. Wir haben einfach jeden in der Rad-Community kontaktiert und gesagt: „Hier ist dieses kostenlose Ding. Bitte sei ein Knotenpunkt in unserem Netzwerk, um nach nach gestohlenen Rädern Ausschau zu halten und bei der Wiederbeschaffung zu helfen“ – und es funktioniert auch immer wieder.

Nehmen wir z.B. an, ein Dieb hat'n Platten, rollt in einen Fahrradladen und sagt da: „Können Sie mir bitte mein Fahrrad flicken?“ Die sagen dann: „Klar“, ziehen nebenbei ihr aber Handy raus, suchen das Rad per Nummer in Bike Index und sehen: Es ist gestohlen.

Wir haben Bike Index für die Gemeinschaft gebaut, wir halten alles zusammen. Jede einzelne Person in dem Rad-Ökosystem kann es nutzen. Wir werden dabei, wie gesagt, nicht bezahlt, wir verdienen kein Geld. Wir wollen nur die Fahrräder sichern und dafür sorgen, dass nicht irgendwelche Diebe Räder verkaufen und dann Tausende damit verdienen.

JACK: Aber auch wenn sie manchmal gestohlene Fahrräder fanden, konnten sie die nicht immer zurückbekommen. Zum Beispiel funktionierte es nicht jedes Mal, die Polizei anzurufen. Selbst wenn man beweisen konnte, dass es das eigene Fahrrad ist und hier die Person ist, die es verkauft, reichte das den Polizisten nicht aus, um das Fahrrad für einen zurückzuholen. Also sagten die Opfer zu Bryan: „Mann, was zum Teufel? Wie bekomme ich mein Fahrrad zurück?“

BRYAN: Was ich den Leuten immer sage, ist: „Okay, dieses Mal haben wir ihn nicht erwischt. Aber wir kriegen ihn beim nächsten Mal.“ Da kommen dann nämlich beobachtete Muster ins Spiel, wir können dem nächsten Opfer sagen: „Oh, wenn du die Polizei anrufst, sag ihnen auch, dass er mit diesen anderen – den ersten paar Leuten – in Verbindung steht.“ Das baut sozusagen einen Fall auf, aber es ermöglicht uns auch, Taktiken und Methoden zu überwachen. Zum Beispiel: Wie schnell postest du das Diebesgut, nachdem du jemanden ausgeraubt hast? Zeigst du Sachen im Hintergrund, die verraten, wo du bist?

Können wir nachforschen, wer du bist, und Informationen darüber finden, wo du sein könntest? Bist du so unclever, Fotos an einem Ort zu machen, der deinen tatsächlichen Standort verrät?

Einmal waren welche echt super lustig – die haben ein Foto von dem Fahrrad zum Verkauf vor ihrem Haus gemacht – das ist in Vancouver passiert – im Hintergrund des Bildes ist tatsächlich die Hausnummer zu sehen.

Wenn wir wissen, wo die Diebe wohnen, können wir dem Diebesopfer erzählen, dass dieser Typ seine Sachen hat. Wenn das Opfer sie wiedererkennt, wird der Dieb in eine Falle gelockt. Die Beklauten melden sich dann bei ihm mit: „Oh, ich bin total an dem Fahrrad interessiert, sieht super aus. Meine Frau würde gerne vorbeikommen“. Der Verkäufer will sich dann natürlich nicht bei sich zu Hause treffen, sondern bei irgendeinem Supermarkt in der Nähe.

Aber stattdessen sind die Beklauten etwa vierzig Minuten da und klopfen einfach direkt an seine Haustür, erschrecken ihn, er kann sich nur wundern: „Woher weißt du, wo ich wohne?“ Aber sie checken’s nie. Man erwischt sie unvorbereitet. Man bringt sie aus dem Konzept. Sie hatten keine Zeit, sich umzusehen, und es jagt ihnen einfach einen Höllenschrecken ein. Normalerweise übergeben sie das Rad dann einfach: „Hier, bitte.“

Die große Mehrheit der Diebe befindet sich übrigens im Umkreis von zwanzig Meilen vom Tatort. Sie verlassen nicht wirklich denselben Bundesstaat oder dieselbe Stadt. Viele Räder werden einfach ein paar Postleitzahlen weiter transportiert und sie versuchen, sie online zu verkaufen oder an ihre Freunde zu verhökern, oder …

JACK: Wo sind also die klassischen Orte, an denen man sie zum Verkauf sieht?

BRYAN: In den USA ist es meistens OfferUp, ohne Zweifel. Scheiß auf die Typen. Sie sind einfach eine chronische, schreckliche Plage – sie sind furchtbar.

JACK: Warum? Warum sagst du, scheiß auf die Typen?

BRYAN: Weil wir seit einem Jahrzehnt versuchen, sie dazu zu bringen, sich um die riesige Menge an gestohlenen Sachen zu kümmern, die bei ihnen angeboten werden. Wir konnten ihnen mit unserem System, mit all unseren Daten zeigen, dass ihre Plattform von vorne bis hinten missbraucht wird. Da treiben sich so viele Gauner rum.

Wenn sie nur etwas für Fahrräder einrichten würden, wie es für Autos schon lange existiert – da werden z.B. die Fahrgestellnummern registriert. Aber für Räder gibt es das nicht, dabei sind einige Fahrräder 10.000 Dollar oder mehr wert. Aber sie lassen es MethFürst472 verkaufen – in Sachen Fahrräder wird da nichts überprüft.

Es ist einfach ein zügellos missbrauchter Ort, und das schon so lange, und es ist ihnen einfach egal, und ich weiß, dass es ihnen egal ist, weil wir seit Jahren mit ihnen in Kontakt stehen und versuchen, sie dazu zu bringen, sich zu kümmern.

Also, OfferUp, Facebook Marketplace, und dann gibt es eine ganze Menge Kleinanzeigananbietern. Es gibt ein paar physische Märkte, aber das ist seltener. In Oakland gibt es zum Beispiel ein paar Flohmärkte, die klassischerweise als echte, super-verrückte Brutstätten voller geklauter Räder bekannt sind. Die große Mehrheit taucht wie gesagt ziemlich nah am eigenen Wohnort wieder auf.

JACK: Er lernte, dass es ein ganzes Lieferketten-Netzwerk für den Markt für gestohlene Fahrräder gibt. Viele gestohlene Fahrräder werden nicht von der Person weiterverkauft, die sie stiehlt. Sie werden gestohlen und dann zu einer Person gebracht, die sie den Dieben schnell abkauft, ohne Fragen zu stellen.

BRYAN: Wir hatten Leute, die brechen in ein Wohnhaus in der Innenstadt ein, fahren einfach nur zum Hafen und verkaufen es da. Das dauert vielleicht zwölf Minuten. Wir haben auch Fälle, wo sie es mitnehmen, verstecken und in den nächsten Tagen verkaufen oder das Ding nach South Portland fahren – zu dem Haus gehen, weil dieser Typ ihnen Drogen im Tausch für das Fahrrad gibt, nicht einmal in Geld umgerechnet. Einfach nur: „Hier sind Drogen. Danke für das Fahrrad.“ Das ist ein Typ, der weiß – du hast mir gerade ein 3.000-Dollar-Fahrrad gegeben. Ich habe dir Drogen im Wert von 30 Dollar gegeben. Ich kann das für einen Tausender verkaufen. Also, all sowas passiert wirklich.

JACK: Es sind aber nicht nur Drogensüchtige, die gestohlene Fahrräder verkaufen. Manche Leute sind einfach naiv.

BRYAN: Hast du dich jemals tief in die Welt der Reseller-Kultur begeben, wie r/flipping?

JACK: Nein.

BRYAN: Das ist im Grunde, du findest einen Artikel, den du vielleicht in Portland kaufen kannst. Sagen wir, so süße Pullover mit Katzen drauf oder so, und es gibt eine Dame, die sie in Portland herstellt. Du kaufst dir zehn davon und gibst 200 Dollar aus – dann stellst du sie auf Etsy und tust so, als wären sie von dir, und machst 2.000 Dollar. Es gibt viele Leute, die sowas machen – die betreiben das als Sport. Sie sagen: „Ich hab diese blöden Puppen bei Walmart für was auch immer gefunden, und dann online verkauft und 28 Dollar daran verdient.“ Es gibt da eine ganze Kultur um dieses Reselling, eine Sache kaufen, sie sofort auf irgendeinem Markt einstellen, weil sie auf diesem Markt nicht verfügbar ist oder was auch immer, und etwas Geld verdienen. Günstig kaufen, teuer verkaufen. Das ist alles. Das ist die ganze Reseller-Kultur.

Aber was daneben ist, ist, dass sie sich wirklich auf Fahrräder eingeschossen haben. Da haben wir also diese sechzehn-, siebzehnjährigen Kids, die nicht verstehen, dass irgendein Junkie ein 3.000-Dollar-Fahrrad auf OfferUp stellt, und es heißt: „Muss so schnell wie möglich weg. Melde dich in den nächsten fünf Stunden“, und es kostet da 200 Dollar. Der Jugendliche denkt sich: „Das kaufe ich für 200 Dollar, denn ich habe ja gerade recherchiert und gesehen, dass ich es für 3.000 Dollar verkaufen kann“ – und sie sind einfach naiv oder dumm, oder es ist ihnen einfach egal, dass es womöglich Diebesgut ist. Alles, was sie wissen, ist: Ich habe 200 Dollar für dieses Ding ausgegeben. Ich bin mir verdammt sicher, dass ich es für 3.000 Dollar verkaufen kann.

Wenn die Polizei nicht hilft, hilft die Community

JACK: Immer wieder entdeckte Bryan Muster, die genau enthüllten, wer die Fahrraddiebe in einer bestimmten Stadt sind.

BRYAN: Was typischerweise passiert, ist: Du wirst ausgeraubt, trägst dein Fahrrad in mein System ein, jemand findet es schließlich und sagt: „Hey Mann, ich glaube, ich habe dein Fahrrad gefunden. Es ist hier und bei diesem Typen.“ Zehn Minuten später kann ich sagen: „Oh ja, den Typen haben wir schon eine Million Mal gesehen.“

Ich kann aber nicht die Polizei anrufen und sagen: „Hey, der Räuber ist XYZ.“ Das Opfer muss es tun. Sie sind diejenigen, die das Verbrechen erlitten haben. Sie sind diejenigen mit der Aktenzeichennummer.

Aber ich kann ihnen die bereits gesammelten Informationen geben, z.B. wenn du anrufst, erwähne diesen oder jenen Namen. Wir können ihnen sozusagen die Zusatzinfos geben, die vielleicht den Ausschlag geben könnten, ob‘s heißt „Wir nehmen nur Ihre Anzeige auf“ oder „Ah, der Typ! Gegen den haben wir einen Haftbefehl. Lasst ihn uns holen.“

Aber tatsächlich ist das bei den Behörden so – weißt du, ich könnte dir Typen zeigen, die wir mit mehreren gestohlenen Gegenständen erwischt haben, doch es ist ihnen meist einfach scheißegal. Niemand kümmert sich darum.

JACK: Das ist so frustrierend – all diese Beweise zu haben, all diese Belege, dass das die Kerle sind und das ist genau, wo sie leben und all diese Dinge, und dann sagt die Polizei einfach …

BRYAN: Da sind Selfies mit lauter belastenden Gegenständen im Hintergrund, quasi eine große Leuchtreklame mit der Aufschrift: Lasst uns Verbrechen begehen. Sie verhalten sich echt nicht besonders schlau. Man bekommt sie eigentlich auf dem Silbertablett serviert, ach, es ist einfach wirklich ärgerlich.

JACK: Warum gibt es dabei solche Probleme?

BRYAN: Ich weiß es nicht. Es gibt einfach kein System, kein echtes Regelwerk, wie damit umzugehen ist.

JACK: Es gibt ein Rechtssystem.

BRYAN: Ja, es gibt die Polizei und ein Rechtssystem. Aber beide sind überlastet. Diese kleineren Geschichten sind einfach nicht so wichtig. Aber selbst wenn wir einem Polizisten den Tipp geben, dass es da diesen Typen gibt, der gestohlene Sachen im Wert von Hunderttausenden von Dollar hat und sie dann tatsächlich entscheiden, sich ihn zu holen – selbst dann behält dieser Type deinen OfferUp-Account. Die Polizei ruft nicht bei OfferUp an und sagt: „Ey, der Kerl ist ein Bösewicht. Sperrt ihn für eure Seite.“ – aber dieser Mechanismus existiert nicht, verstehst du. Wir selbst probieren’s erst gar nicht mehr, fuck it. Es ist klar ersichtlich, dass die Leute in böser Absicht handeln, dass sie Geld verdienen mit gestohlenen Waren. Wir leiten jetzt jedes einzelne Opfer an den Generalstaatsanwalt des Bundesstaates weiter.

Wir empfehlen zugleich eine Beschwerde einzulegen. Wenn Tausende von Leuten Beschwerden einreichen, kriegt dieser verdammte Generalstaatsanwalt vielleicht irgendwann seinen Arsch hoch und tut endlich etwas dagegen.

Aber versucht nicht, mit OfferUp oder dem Facebook Marketplace oder wo auch immer eure gestohlenen Sachen gelistet sind, zu interagieren. Die machen nichts, bestenfalls sperren sie den Account für ne Weile. Wir haben hier einen Typen gefunden, der Drogen verkauft hat, und er hatte ein gestohlenes Fahrrad, das einem Krebspatienten gestohlen wurde, einem 65-jährigen Krebspatienten mit einem blauen Tern-Bike – das ich mit einigen der lokalen Jungs hier zurückgeholt habe. Der Account des Typen war jetzt immer noch aktiv. Dabei verkaufte er Drogen auf der Plattform und er hatte das gestohlene Fahrrad, das wir ihm wieder abgenommen haben. Wir haben Mails geschickt, wo drin stand, was los war.

Es gibt da keinen Mechanismus, um solcherart Bösewichte zu entfernen. Na klar, es gibt größere Probleme auf der Welt. Aber es ist einfach echt ungut, wenn wir ihnen einen Gefallen tun, weißt du? Man könnte ja denken, dass man den Brandstifter, Vergewaltiger, Mörder oder Dieb – eben diese echt bösen Jungs, denen wir da begegnen und von denen wir ihnen erzählen, man würde denken, dass sie doch ein Interesse haben könnten, etwas gegen sie tun. Aber tatsächlich existiert das nicht.

JACK: Das Verrückte ist, wenn jemand ein gestohlenes Fahrrad bei der Polizei meldet, sagt die Polizei oft: „Gehen Sie zu bikeindex.org und registrieren Sie Ihr Fahrrad.“ Aber wenn Bike Index dann der Polizei meldet: „Hey, wir haben den Dieb gefunden“, ignoriert die Polizei sie einfach.

BRYAN: Wir haben einige kanadische Partner, die phänomenal sind, und ich will nicht stereotypisieren, weil man das ja immer über Kanadier sagt, aber sie sind echt super nett. Sie machen ihren Job und sind wirklich engagiert. Und dann haben wir es hier mit amerikanischen Städten zu tun, denen es einfach scheißegal ist. Sie lassen sich nicht stören. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Es gibt da ein paar Beamte, die typischerweise selbst Radfahrer sind, Triathleten oder Wettkampffahrer oder Downhill-Fahrer. Hier und da gibt es da dann mal einen, der sich kümmert, aber insgesamt gesehen, nein, es interessiert niemanden.

JACK: Hier wird dein Dienst also noch wichtiger, denn das ist ja wie Selbstjustiz.

BRYAN: Ja, manchmal. Manches ist super einfach, so Fälle wie, dieser Junge da hat dein gestohlenes Fahrrad gekauft, um es weiterzuverkaufen, um damit Profit zu machen. Wir sagen dann einfach, triff dich mit ihm, verpass ihm eine verbale Abreibung und sag ihm, er soll kein Idiot sein und hol dir dein Fahrrad zurück. Aber wir geben den Leuten auch anderen Rat: „Den Kerl hier haben wir überprüft; und er hat jemanden ermordet. Gib das Fahrrad lieber auf. Nimm den Verlust hin und deine Versicherung in Anspruch, wenn du eine hast. Bei dem solltest du lieber an die Haustür klopfen, er hat echt jemanden umgebracht.

JACK: Die Seite funktioniert so: Opfer geben die Details ihres Fahrrads in die Datenbank ein, wie Farbe, Beschreibung, Seriennummer, alles, was sie haben. Fotos davon sind auch gut. Dann hinterlassen sie ihre Kontaktdaten, E-Mail und manchmal eine Telefonnummer für SMS, mit der Bitte: „Wenn ihr mein Fahrrad seht, lasst es mich wissen.“ Aber das System ist so eingerichtet, dass Bryan alle E-Mails sehen kann, die über die Seite gesendet werden. So kann er sich ab und zu einschalten und alles hinzufügen, was er darüber wissen könnte.

Eine heiße Spur nach Mexiko

BRYAN: 2020, ich arbeite in meinem Keller, überstehe Covid. Mir ist etwas langweilig. Im Sommer 2020 gab's echt viel Zeit totzuschlagen. Dann kommt ne E-Mail über die Seite rein, gerichtet an einen Nutzer. „Hallo, mein Name ist soundso. Ich bin ein Radfahrer aus Mexiko. Tut mir wirklich leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Fahrrad in Mexiko ist. Das Fahrrad wird über eine Facebook-Seite verkauft“, und sie verlinken sie zu einem Typen. „Hier finden Sie Ihr Fahrrad mit dem FOX Transfer-Sattel, der in einem aktuellen Beitrag gepostet wurde. Ich hoffe, diese Information hilft Ihnen. Ich habe übrigens viele weitere Nachrichten an andere gemeldete Räder auf dieser Seite gesendet. Dieser Mistkerl verkauft nur gestohlene Fahrräder, und alle stammen aus Ihrer Gegend. Hoffe, Sie können es wiederbekommen.“

JACK: Dem Opfer wurde sein Fahrrad in der Bay Area gestohlen, in der Nähe von San Francisco. Sein gestohlenes Fahrrad wurde dann in Mexiko auf Facebook zum Verkauf angeboten. Das war nicht die einzige E-Mail. Bryan sah fünf weitere E-Mails von demselben Mann, der verschiedene Opfer benachrichtigte und ihnen allen mitteilte, dass ihr Fahrrad jetzt in Mexiko zum Verkauf stehe. Das fand Bryan seltsam. Er hatte so etwas noch nie über die Grenze gehen sehen.

BRYAN: Weißt du, wir haben ab und zu gesehen, dass sie über die Grenze gehen, aber fünf auf einmal, so boom, boom, boom, alle vom selben Ort, alle aus derselben Gegend – und in der Minute, als wir uns diesen Kerl ansahen, war es einfach nur Treffer, Treffer, Treffer.

JACK: Was er meint, ist, dass er sich die anderen Angebote des Mannes angesehen hat. Er hatte auch andere Fahrräder zum Verkauf, und als Bryan Bike Index durchsuchte, fand er einen Treffer nach dem anderen. Es waren nicht nur fünf Fahrräder. Auf dieser Facebook-Seite wurden viele gestohlene Fahrräder zum Verkauf angeboten, und sie waren alle aus der Bay Area gestohlen worden. Also schrieb einer der Leute, dessen Fahrrad gestohlen worden war, diesem Facebook-Verkäufer in Mexiko. So nach dem Motto: „Hey, du Arsch, du hast mein gestohlenes Fahrrad. Gib es zurück.“

BRYAN: Der Verkäufer hat auf Facebook diese Funktion genutzt, mit der man seine Seite regional sperren kann – man kann im Grunde sagen: „Ich möchte nur, dass Leute aus diesen Ländern meine Seite sehen können.“ Also dachte sich dieser Typ: „Mist, ich habe diese Amerikaner, die sauer auf mich sind.“ Er hat die Seite regional auf Mexiko beschränkt.

JACK: Eine Zeit lang dachte Bryan also, der Typ hätte das Angebot gelöscht, weil es nicht mehr sichtbar war. Aber dann kam jemand auf die Idee, ein VPN zu benutzen, sich nach Mexiko zu verbinden und zu sehen, ob die Angebote noch sichtbar waren. Ja, die Fahrräder standen immer noch zum Verkauf, und man konnte sehen, dass zu diesem Zeitpunkt sogar noch mehr Fahrräder gelistet waren, und auch die waren aus der Bay Area gestohlen.

BRYAN: Wir versuchten gerade, uns einen Reim darauf zu machen – was ist das? Ist das derjenige – kommt er tatsächlich hierher und raubt diese Leute aus? Wer ist das? Warum hat er so viele? Das hat eine ganze Reihe von Dominosteinen ins Rollen gebracht, und man muss es so sagen: das waren die nächsten vier Jahre meines Lebens.

Hier endet der erste von zwei Teilen der Geschichte von Bryan und seinem Bike Index. In der nächsten Woche kommt Teil 2. Darin wird deutlich, dass dieser Dieb da in Mexiko von einem ganz besonderen Kaliber ist und ihr werdet sehen, wie sich Bryan auf seine Spur begibt, um ihn irgendwie zu fassen.

Die Episode wurde im englischen Original von Jack Rhysider erstellt. Den Text haben Isabel Grünewald und Marko Pauli übersetzt und gesprochen.


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[1] https://darknetdiaries.com/episode/153/
[2] https://darknet-diaries-deutsch.podigee.io/
[3] https://bikeindex.org/
[4] mailto:igr@heise.de

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„GPUBreach“: Systemübernahme mit Bitflips in der Nvidia-GPU

Von Heise — 07. April 2026 um 14:56
GPU-Breach-Logo vor Matrix-Regen-Hintergrund

(Bild: heise medien)

Rowhammer-Angriffe auf GPUs können nicht nur Daten zerstören, sondern auch zur Ausweitung der Rechte missbraucht werden.

Rowhammer-Angriffe waren 2015 ein Novum [1]: Durch gezieltes häufiges Lesen lassen sich benachbarte Speicherzellen in DRAM kippen. Das klingt erst mal unspektakulär, lässt sich jedoch zum unbefugten Zugriff auf Speicherbereiche missbrauchen und etwa beim Hauptprozessor zum Verschaffen von root-Rechten oder Ausbrechen aus einer Sandbox missbrauchen. Derartige hardwarebasierte Angriffe haben IT-Forscher inzwischen häufiger aufgespürt, und das Problem ist schlimmer, als zunächst angenommen [2] wurde. Im vergangenen Jahr zeigten IT-Forscher Rowhammer-Angriffe auch auf den inzwischen populären GPUs und nannten das GPUHammer [3]. Nun zeigen IT-Sicherheitsforscher, dass sich mit GPUHammer-Angriffen nicht nur Daten zerstören und so etwa Machine Learning durch Manipulation der Gewichte kompromittieren lassen, sondern echte Rechteausweitung erreichen lässt.

Auf einer eigens dafür angelegten Webseite stellen sie ihren „GPUBreach“ [4] genannten Angriff vor. In der knappen Zusammenfassung erklären sie, dass durch Störung der GPU-Page-Tables CUDA-Kernel ohne weiterreichende Rechte beliebigen GPU-Speicher lesen und beschreiben könne. Das wiederum lasse sich mit neu entdeckten Speicherschutzfehlern der Nvidia-Treiber CPU-seitig verknüpfen. Im Ergebnis kommen die Angreifer so an eine root-Shell, mit der sich das System vollständig kompromittieren lässt. Dazu müsse die IOMMU (Input-Output Memory Management Unit: CPU-Schnittstelle zur Adressübersetzung mit gleichzeitigem DMA-Zugriffsschutz etwa für die Anbindung von PCIe-Geräten) nicht deaktiviert werden, was den Angriff gefährlicher mache.

Mehrere Probleme durch GPUBreach

Die IT-Forscher geben an, dass sie auf einer Nvidia RTX A6000 mit GDDR6-RAM mehrere Angriffe zeigen können. Dazu gehören die GPU-seitige Rechteausweitung, wodurch auch Szenarien mit mehreren Prozessen und Zeit-Teilung (Time-sliced Sharing) betroffen sind. Das Auslesen von geheimen Schlüsseln etwa für Post-Quanten-Kryptografie mit der Nvidia-cuPQC-Bibliothek soll möglich sein. Die Wissenschaftler geben an, dass sie die LLM-Genauigkeit von 80 Prozent auf 0 durch Speichermanipulationen herabsetzen können. Die Rechteausweitung auf der Host-CPU soll mit DMA-Zugriffen möglich sein, da Zugriffe auf Puffer des GPU-Treibers erfolgen. Dabei lässt sich der Treiberstatus stören und ein Fehler im Speicherschutz des Nvidia-Kernel-Treibers ausnutzen, um Schreibzugriff auf den Kernel zu erhalten, mit dem sich wiederum eine root-Shell öffnen lässt.

Zwei weitere GPU-Rowhammer-Angriffe sollen ebenfalls auf dem Symposium vorgestellt werden. Sie nennen sich GDDRHammer und GeForge. GDDRHammer ermöglicht jedoch keine Rechteausweitung zur root-Shell. GeForge könne das zwar auch erreichen, benötige dafür jedoch die Abschaltung der IOMMU, erläutern die IT-Forscher.

Reale Gefährdung

Die IT-Sicherheitsforscher haben Nvidia im Rahmen eines Responsible-Disclosure-Prozesses informiert und im Anschluss auch Google, AWS und Microsoft. Nvidia reagierte mit der Ankündigung einer möglichen Aktualisierung ihrer Sicherheitsmitteilung zur Abwehr von Rowhammer-Angriffen [5] darauf. Google hat dafür eine Belohnung von 600 US-Dollar springen lassen. Um das in Relation zu setzen, sind hochriskante Sicherheitslücken in Google Chrome dem Unternehmen auch mal 43.000 US-Dollar [6] wert. Die Gefahr durch GPUBreach schätzt Google daher nicht sonderlich hoch ein. Das Risiko solcher Schwachstellen ist meist in Cloud-Umgebungen am größten, wo sich Nutzer Rechnerressourcen mit anderen Unbekannten teilen. Unbefugte können die Angriffe dort für bösartige Zwecke missbrauchen und unbefugt auf fremde Ressourcen zugreifen.

Als Schutzmaßnahme hilft das Aktivieren von ECC für den Speicher. Wenn Angriffsmuster mehr als zwei Bits kippen können, was den IT-Forschern zufolge für DDR4- und DDR5-Systeme demonstriert wurde, hilft ECC jedoch auch nicht mehr. Insbesondere auf Laptops und Desktops ist ECC in der Regel ohnehin nicht verfügbar, sodass auf diesen Systemen derzeit kein Schutz besteht.

Links auf das umfassende PDF sowie Codebeispiele laufen derzeit noch ins Leere. Die IT-Forschergruppe will sie aktivieren, wenn sie auf dem 47. „IEEE-Symposium on Security & Privacy“ in Oakland die GPUBreach-Attacken vorgestellt haben, ab dem 13. April 2026.


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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Der-Hammer-mit-dem-Rowhammer-2764420.html
[2] https://www.heise.de/news/Blacksmith-RAM-Sicherheitsluecke-Rowhammer-ist-schlimmer-als-angenommen-6268583.html
[3] https://gpuhammer.com/
[4] https://gpubreach.ca/
[5] https://nvidia.custhelp.com/app/answers/detail/a_id/5671
[6] https://www.heise.de/news/Chrome-Update-stopft-eine-kritische-Luecke-und-28-weitere-11207958.html
[7] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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„BlueHammer“: Zero-Day-Lücke in Windows verschafft erhöhte Rechte

Von Heise — 07. April 2026 um 13:37
Verschwommene Hände an Tastatur

(Bild: Black Salmon/Shutterstock.com)

Windows weist eine Zero-Day-Lücke auf, durch die Angreifer ihre Rechte ausweiten können. Ein Patch steht noch nicht bereit.

Eine Zero-Day-Lücke in Windows verschafft Angreifern erweiterte Rechte im System. Der Entdecker hat ihr den Spitznamen „BlueHammer“ verpasst. Der anonyme mutmaßliche Entdecker hat auf einem eigens dafür eingerichteten Blog [1] einen Link zu einem GitHub-Repository mit dem Handle-Namen „Nightmare Eclipse“ veröffentlicht, das als Proof-of-Concept den Quellcode zum „BlueHammer“-Exploit [2] enthält. Der Entwickler will nicht erklären, wie der Exploit funktioniert: „Ihr Genies könnt das selbst herausfinden.“

Der renommierte IT-Sicherheitsforscher Will Dormann bestätigt auf Mastodon, dass der Exploit funktioniert. Er sei zwar nicht zu hundert Prozent verlässlich, aber gut genug. Dormann vermutet Frust mit dem Microsoft Security Response Center (MSRC) hinter den Umständen der Veröffentlichung. Früher sei mit dem MSRC eine exzellente Zusammenarbeit möglich gewesen. „Um Geld zu sparen, hat Microsoft die begabten Leute gefeuert, was nur noch Paragrafenreiter übrig ließ“. Er wäre nicht überrascht, wenn Microsoft den Fall des Berichterstatters geschlossen hat, weil der kein Video des Exploits übermittelt hat, was inzwischen offenbar eine Anforderung des MSRC sei.

Schwachstelle wohl durch Windows-Defender-Updates

Der Exploit scheint beim Update-Prozess des Windows Defender anzusetzen. Im weiteren Programmfluss setzt der Code dann ein neues Passwort und offenbar Rechte für den Benutzer mittels Zugriff auf die Security Account Manager (SAM)-Datenbank. Im Screenshot, den Will Dormann zum Beleg der Funktionsfähigkeit des Exploits mitliefert, ist auch ein Fenster „Windows Security“ mit einem Scan des Windows Defender zu sehen, was ebenfalls auf den Windows Defender als Einfallstor deutet. Dormann bestätigt das gegenüber BleepingComputer [3] und erklärt, dass der Exploit eine „Time-of-Check Time-of-Use“-Schwachstelle (TOCTOU) und Dateipfad-Wirrungen missbrauche.

Der Exploit verschafft unter Windows 11 Systemrechte. Auf Windows Server haben andere Kommentatoren weniger Erfolg, Dormann zeigt aber auch da, dass Angreifer dadurch immer noch Administratorrechte erlangen können. Der Autor des PoCs räumt auf GitHub auch ein, dass der Code einige Bugs habe, wodurch er nicht funktionieren könne, die er möglicherweise später korrigieren würde.

Microsoft hat derzeit noch kein Update in petto, mit dem sich die Schwachstelle ausbessern ließe. Ein CVE-Schwachstelleneintrag liegt bislang ebenfalls noch nicht vor. Gegenüber BleepingComputer sagte ein Microsoft-Sprecher am Dienstag dieser Woche, dass das Unternehmen sich verpflichtet fühle, Schwachstellenberichten nachzugehen und betroffene Geräte zu aktualisieren, um Kunden so schnell wie möglich zu schützen. Zudem unterstütze Microsoft die koordinierte Schwachstellenveröffentlichung, die am Ende Kunden und IT-Sicherheitsforschern helfe.

Am März-Patchday hatte Microsoft [4] bereits zwei Sicherheitslücken der Kategorie „Zero Day“ geschlossen. Unklar ist, ob die Entwickler sich bis zur kommenden Woche zum nächsten Patchday um die Sicherheitslücke kümmern.


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https://www.heise.de/-11246762

Links in diesem Artikel:
[1] https://deadeclipse666.blogspot.com/2026/04/public-disclosure.html
[2] https://github.com/Nightmare-Eclipse/BlueHammer
[3] https://www.bleepingcomputer.com/news/security/disgruntled-researcher-leaks-bluehammer-windows-zero-day-exploit/
[4] https://www.heise.de/news/Microsoft-Patchday-Zwei-Zero-Days-und-insgesamt-83-neue-Luecken-gestopft-11206553.html
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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heise+ | Speicherkrise 2026: Wie Betrüger bei SSDs und Festplatten zuschlagen

Von Heise — 07. April 2026 um 17:00

Speicher wird knapp, Preise steigen – und gleichzeitig tauchen immer mehr gefälschte oder manipulierte SSDs, Festplatten und Speicherkarten im Handel auf.

Die Lage auf dem Speichermarkt hat sich innerhalb weniger Monate dramatisch verändert. Was lange als günstige Massenware galt, ist plötzlich knapp und teuer. Grund dafür ist vor allem der enorme Bedarf an Massenspeicher für KI-Infrastruktur. Hyperscaler kaufen SSDs und Festplatten in großen Mengen auf, wodurch für klassische Consumer-Produkte weniger übrigbleibt.

Die Auswirkungen sind inzwischen auch im Alltag spürbar: SSD-Preise haben sich seit Herbst 2025 teilweise verdoppelt bis verdreifacht, und selbst einfache Speicherkarten kosten deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Besonders deutlich zeigt sich die Situation bei Sony: Das Unternehmen hat Ende März 2026 die Auslieferung vieler SD- und CFexpress-Karten vorübergehend gestoppt – schlicht, weil ihm der Rohstoff für neue Speicherkarten fehlt.

Doch die steigenden Preise sind nur ein Teil des Problems. Knappheit und hohe Margen machen Betrug mit gefälschten Speichern attraktiv. Und genau das passiert derzeit in zunehmendem Ausmaß.


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https://www.heise.de/-11244181

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/ratgeber/Speicherkrise-2026-Wie-Betrueger-bei-SSDs-und-Festplatten-zuschlagen-11244181.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Stromsparen-bei-grossen-Festplatten-Arrays-11110786.html
[3] https://www.heise.de/ratgeber/Massenspeicherberatung-Festplatten-als-Datenlager-10436445.html
[4] https://www.heise.de/ratgeber/Leitfaden-Der-optimale-Massenspeicher-fuer-Ihre-Anwendung-10436433.html
[5] https://www.heise.de/tests/Massenspeicher-fuer-den-Raspberry-Pi-im-Vergleich-MicroSD-SSD-und-USB-Stick-10256026.html

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Störungsmeldung vom 07.04.2026 11:18

Von heise online — 07. April 2026 um 11:18

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
07.04.2026 11:18
Region
Burbach (Siegerl) (02736)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

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Störungsmeldung vom 07.04.2026 09:15

Von heise online — 07. April 2026 um 09:15

Neue Störungsmeldung für Provider Deutsche Glasfaser

Details

Beginn
07.04.2026 09:15
Region
Langen (bei Bremerhaven) (04743)
Provider
Deutsche Glasfaser
Zugangsart
Modem

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VW Osnabrück: Vom Cabrio zur Kriegsmaschine

Von Marcus Schwarzbach — 07. April 2026 um 08:00
Friedenstaube sitzt auf VW-Logo

Wo heute bei Volkswagen Autos vom Band laufen, sollen bald Raketenabwehr-Teile entstehen. Doch die Belegschaft kämpft zurück.

Ostern ist die Zeit der Friedensmärsche. Verschiedene Aufrufe sollen zur Teilnahme motivieren. Abrüstungsinitiativen und einen Friedensplan für Europa fordert das Netzwerk Friedenskooperative [1]:

"Sozialabbau oder neue Schulden für militärische Aufrüstung auf Kosten von u. a. Bildung, Klimaschutz und dringend benötigten Investitionen, die unser Leben verbessern, sind inakzeptabel."

Die Aufrüstung wird von der Bundesregierung weiter vorangetrieben. Immer mehr Unternehmen sehen in Waffen ein lukrativen Geschäftsmodell. Das scheint auch für den VW-Standort Osnabrück zu gelten.

Der NDR meldet, dass VW und das israelische Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Defence Systems in Osnabrück Teile für das Luftabwehrsystems Iron Dome produzieren sollen [2]. Die Zukunft dieses Werks ist ab Sommer 2027 ungeklärt, laut VW-Vorstand Oliver Blume werden dann keine eigenen Fahrzeuge mehr produziert.

Daniela Cavallo, die Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG, hat sich offen für Rüstungsprojekte gezeigt. Über Rüstungsproduktion in Osnabrück wird seit Längerem spekuliert.

Wo heute noch Porsche und VW-Cabrios vom Band laufen, entsteht vielleicht schon bald ein Zulieferbetrieb für aktuelle und kommende Kriegsschauplätze. Nach Medienberichten könnten für das Raketenabwehrsystem Trucks, Trägerraketen und Generatoren gebaut werden.

Der IG-Metall-Vorstand wartet ab – Gewerkschaftsbasis aktiv

Der IG-Metall-Vorstand positioniert sich nicht bei Umwandlung von Industriebetrieben in Rüstungsunternehmen. Das begrüßen nicht alle Mitglieder, zumal "Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung" ein Ziel laut IG-Metall-Satzung ist.

Viele VW-Beschäftigte hätten auf Lohn verzichtet und seien frustriert wegen der Rüstungspläne, berichtet Lars Hirsekorn [3], Betriebsrat bei VW Braunschweig:

"Ob das die Mehrheit der Beschäftigten ist, wissen wir nicht. Aber es sind viele, und wir erwarten, dass es eine breite und offene Debatte dazu gibt."

"Gerade in der Friedensstadt Osnabrück, die diesen Titel gemeinsam mit Münster aufgrund des Westfälischen Friedens von 1648 trägt, geht es deshalb darum, Druck von unten aufzubauen und gesellschaftliche Mehrheiten zu verschieben", fordert Tobi Rosswog [4], Mitinitiator von "VW steht für Verkehrswende".

Es gibt viele Argumente, die gegen eine Konversion zur Waffenproduktion sprechen. Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie sind unsicherer als in vielen anderen Branchen. Es kann zu Auftragsrückgängen, da die Nachfrage von politischen Entscheidungen abhängt.

Vielen Beschäftigten ist klar: Aufrüstung sorgt nicht für Frieden. Steigende Ausgaben für Militär führen zu Kürzungen im Sozialbereich, Kriegskredite in Form eines Sondervermögens müssen auch bezahlt werden.

Rüstungsproduktion ist mit Kriegen verbunden – eine Entspannung der internationalen Beziehungen kann zu einem Rückgang der Nachfrage und zu Arbeitsplatzverlusten führen. Viele Beschäftigte wollen, dass ihr Job auch im Privatleben Ansehen hat; das ist bei einer Branche, die davon lebt, dass kein Frieden herrscht, schwer möglich.

"Dass innerhalb weniger Monate ein militärisches Modell in Osnabrück entwickelt werden konnte, zeigt, dass die Entwicklungsabteilung vor Ort großes Potential hat", sagt Annika Fuchs [5], Mobilitätsreferentin bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Sie fordert, dieses Potential in klimafreundliche Produkte zu investieren und den Standort in ein Pilotprojekt der Verkehrswende zu verwandeln.

Es gehe darum, Alternativen zu entwickeln:

"Rüstung schafft keine sichere Zukunft! Immer wieder wird behauptet, der Rüstungsboom sichere Arbeitsplätze und nütze der Gesamtwirtschaft. Das ist so nicht haltbar. Dort, wo Produktionskapazitäten von zivil auf militärisch umgestellt werden, gibt es keine vollständige Arbeitsplatzsicherung. […] Organisieren wir uns gemeinsam: Kämpferische Arbeiter:innen, kreative Aktivist:innen und engagierte Zivilgesellschaft."

Tobi Rosswog

Im Osnabrücker Werk werden bereits jetzt Kleinbusse für den öffentlichen Personennahverkehr in Hamburg und Hannover gebaut. Dies könnte ausgebaut werden [6].

Proteste von der IG-Metall-Basis

IG-Metall-Vertrauensleute bei Ford haben deshalb auf ihrer Vollversammlung im Januar 2026 die Erklärung "Nein zur Kriegswirtschaft [7]" beschlossen. Mit dieser Entscheidung positionieren sich die ehrenamtlichen Gewerkschafter deutlich gegen die Umstellung auf Rüstungsproduktion:

"Der IG Metall Vertrauenskörper der Ford-Werke in Köln schaut mit großer Sorge auf die weltweite Aufrüstung und zunehmenden Kriege. In Deutschland werden bereits erste Werke zur Umstellung auf Rüstungsproduktion gesucht. Wer uns damit Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie ausnutzen."


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2025/zeitungsanzeige
[2] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/produziert-vw-osnabrueck-bald-teile-fuer-israels-raketenabwehr,vw-1116.html
[3] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198602.aufruestung-aerger-ueber-ruestungsplaene-bei-vw.html
[4] https://www.imi-online.de/2026/03/24/aufruestung-um-jeden-preis/
[5] https://www.robinwood.de/pressemitteilungen/autoindustrie-darf-nicht-zur-ruestungsschmiede-werden
[6] https://www.zukunftswerk-osnabrueck.de/
[7] https://www.friedenkoeln.de/?p=19552

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Body Drain: Wenn Wohlstand auf fremden Körpern gebaut wird

Von Benjamin Roth — 07. April 2026 um 06:00
Arbeiter auf einer Baustelle an einem Gerüst

Body Drain betrifft verschiedenste Sektoren

(Bild: Chok Explorer/Shutterstock.com)

Nicht nur Köpfe, auch Körper fließen ab: Wohlstandszentren saugen physische Arbeitskraft aus der Peripherie. Was steckt hinter dem Phänomen?

Seit Jahrzehnten beschreibt der Begriff Brain Drain [1] die Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte aus ökonomisch schwächeren Regionen in wohlhabendere Zentren. Ärzte aus Osteuropa, Ingenieure aus Indien oder IT-Spezialisten aus Afrika verlassen ihre Herkunftsländer, weil die Löhne, Arbeitsbedingungen und Lebensperspektiven anderswo deutlich besser sind.

Für die Herkunftsgesellschaften bedeutet dies [2] den Verlust dringend benötigter Expertise, während die Zielländer von bereits ausgebildetem Humankapital profitieren.

Doch neben diesem Abfluss von Wissen existiert ein weniger diskutiertes, aber umso breiteres Phänomen: die systematische Rekrutierung von Körpern. Während der Brain Drain die Köpfe betrifft, lässt sich beobachten, dass wohlhabende Zentren zugleich körperliche Arbeitskraft aus der Peripherie absorbieren – für Tätigkeiten, die hart oder gesundheitsschädlich sind.

Dieser Prozess könnte als Body Drain beschrieben werden: die Extraktion physischer Leistungsfähigkeit aus ärmeren Regionen [3] zur Aufrechterhaltung von Wohlstand und Konsum in den Zentren.

Dieser Body Drain zeigt sich besonders deutlich in drei Bereichen: in der Schwerstarbeit von Saison- und Bauarbeitern, in der globalen Verwertungslogik des Leistungssports sowie in der Sexindustrie, die von Escortdiensten bis hin zu Menschenhandel reicht. In allen Fällen werden Körper mobilisiert, verschlissen und ersetzt.

Schwerstarbeit

Jedes Frühjahr beginnt in Europa die stille Migration der Saisonarbeiter [4]. Tausende Menschen aus Osteuropa, Nordafrika oder Zentralasien reisen in die landwirtschaftlichen Kernregionen, um Spargel zu stechen, Erdbeeren zu pflücken oder Wein zu lesen. Ihre Arbeit ist körperlich extrem belastend: gebückte Haltung über Stunden, monotone Bewegungen, Witterungseinflüsse und Akkorddruck. Ohne sie würde ein bedeutender Teil der Agrarproduktion [5] nicht stattfinden.

Die ökonomische Logik ist klar: Landwirte in wohlhabenden Ländern benötigen billige, flexible Arbeitskräfte, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Lokale Arbeitskräfte sind für diese Tätigkeiten kaum zu gewinnen – nicht nur wegen der niedrigen Vergütung, sondern auch wegen der physischen Belastung. Die Lösung liegt im Import von Körpern, deren Arbeitskraft günstiger ist.

Ähnliches gilt für die Bauindustrie [6]. Auf Großbaustellen in westeuropäischen Metropolen arbeiten Männer aus Südosteuropa, der Türkei oder dem Kaukasus unter gefährlichen Bedingungen: Schwere Lasten, Lärm, Staub und ein erhöhtes Unfallrisiko prägen den Alltag. Subunternehmerketten verschleiern Verantwortung [7], während prekäre Verträge [8] die Arbeiter austauschbar machen.

Bauarbeit ist nicht nur körperlich fordernd, sondern verkürzt nachweislich die gesundheitliche Lebensspanne. Verschleißerscheinungen an Gelenken und Wirbelsäule, Atemwegserkrankungen und Arbeitsunfälle gehören zum Berufsrisiko. Der Wohlstand urbaner Zentren entsteht buchstäblich auf dem Rücken ausländischer Körper.

Auch im Transportsektor [9] zeigt sich der Body Drain deutlich. Fernfahrer aus Osteuropa durchqueren wochenlang den Kontinent, schlafen in ihren Kabinen und arbeiten zu Dumpinglöhnen [10], um Lieferketten aufrechtzuerhalten. Sie sichern den reibungslosen Fluss von Waren, während ihre eigenen Arbeits- und Lebensbedingungen oft unsichtbar bleiben.

Logistikzentren, Schlachthöfe und Hafenanlagen folgen demselben Muster: körperlich belastende Tätigkeiten werden an migrantische Arbeitskräfte ausgelagert. Der globale Warenverkehr basiert somit nicht nur auf Infrastruktur und Technologie, sondern auf der Mobilität und Belastbarkeit von Körpern.

So entsteht eine Arbeitsteilung, in der körperliche Härte externalisiert wird [11]. Die Zentren konsumieren Komfort, während die Peripherie die physischen Kosten trägt.

Leistungssport

Auch der Leistungssport folgt einer globalen Logik der Rekrutierung körperlicher Höchstleistung. Europäische Fußballligen scouten systematisch [12] junge Talente aus Afrika, Lateinamerika oder Osteuropa. Für wenige wird der Transfer zum sozialen Aufstieg, für viele endet der Traum in prekären Karriereschleifen oder frühzeitig zerstörten Körpern.

Der globale Fußballmarkt behandelt junge Athleten als handelbare Ressourcen. Akademien und Scouts investieren früh, selektieren hart und verwerfen schnell. Die körperliche Leistungsfähigkeit wird maximiert, Verletzungen werden in Kauf genommen, und nur ein kleiner Bruchteil erreicht langfristige Stabilität.

Ein besonders sichtbarer, aber selten hinterfragter Assoziationspunkt des Body Drain zeigt sich, wenn Spitzensportlerinnen und -sportler aus peripheren oder semi-peripheren Ländern unter der Flagge wohlhabender Staaten antreten. Talentierte Athleten wechseln Nationalverbände [13], weil Trainingsinfrastruktur, medizinische Betreuung, finanzielle Förderung und Karriereperspektiven in den Zentren deutlich besser sind.

Eiskunstläuferinnen aus Russland oder anderen postsowjetischen Staaten starten für westeuropäische Länder, Langstreckenläufer aus Ostafrika repräsentieren Golfstaaten oder europäische Nationen, und Gewichtheber oder Ringer wechseln dorthin, wo ihnen professionelle Unterstützung und ein gesicherter Lebensunterhalt geboten werden.

Für die Zielländer bedeutet dies Medaillen und Prestige, während Herkunftsländer in die frühe Ausbildung investieren, aber die sportliche Spitzenleistung verlieren. Die Körper der Athleten werden so Teil einer globalen Wettbewerbsökonomie, in der nationale Zugehörigkeit zunehmend flexibel wird – und sportlicher Ruhm dort verbucht wird, wo die Ressourcen konzentriert sind.

Leistungssport erscheint als Bühne individueller Exzellenz, ist aber zugleich Teil einer globalen Ökonomie, die körperliche Leistungsfähigkeit selektiert, verwertet und ersetzt.

Prostitution

Ein besonders drastischer Ausdruck des Body Drain findet sich in der globalen Sexindustrie [14]. Escortagenturen in wohlhabenden Metropolen vermitteln Frauen aus Osteuropa [15], Lateinamerika oder Südostasien, deren Körper zur Ware im internationalen Dienstleistungssektor werden.

Die Nachfrage besteht in den Zentren, während das Angebot aus Regionen mit begrenzten ökonomischen Alternativen stammt. Migration erscheint hier als vermeintliche Chance auf Einkommen, ist jedoch häufig von Abhängigkeiten, Schuldenstrukturen und fehlender sozialer Absicherung geprägt – wenn nicht gar Menschenhandel [16] der Grund für die Zwangsmigration ist.

In Bordellen und Laufhäusern vieler europäischer Städte arbeiten überwiegend migrantische Frauen. Ihre Arbeitsbedingungen sind stark variierend, doch strukturelle Verwundbarkeit bleibt ein gemeinsames Merkmal: Sprachbarrieren, unsicherer Aufenthaltsstatus und wirtschaftlicher Druck erschweren Selbstbestimmung.

Die Grenzen zwischen freiwilliger Sexarbeit und Zwang sind dabei oft schwer zu ziehen. Menschenhandel nutzt ökonomische Notlagen systematisch aus und transformiert Mobilität in Ausbeutung. Hier zeigt sich der Body Drain in seiner brutalsten Form: Körper werden nicht nur genutzt, sondern kontrolliert und entmündigt.

Die betroffenen Frauen [17] hingegen tragen die physischen und psychischen Belastungen [18] häufig allein.

Auswirkungen und Alternativen

Der Body Drain hat tiefgreifende Folgen für die Herkunftsregionen. Wenn junge, körperlich leistungsfähige Menschen abwandern, fehlen sie in lokalen Ökonomien, Familienstrukturen und sozialen Sicherungssystemen. Zurück bleiben alternde Gesellschaften und fragile Entwicklungsdynamiken.

Für die imperialen Zentren bedeutet der Zustrom körperlicher Arbeitskraft Stabilität und Wohlstand. Konsumpreise bleiben niedrig, Infrastruktur wächst, Dienstleistungen bleiben verfügbar. Doch dieser Wohlstand basiert auf externalisierten Kosten und bleibt daher moralisch und politisch prekär. Ferner drückt er die Löhne in den Zentren, erschwert die gewerkschaftliche Organisierung und hemmt das binnenwirtschaftliche Wachstum.

Ein Kampf gegen den Brain Drain, der sich allein auf hochqualifizierte Fachkräfte konzentriert, greift zu kurz. Solange globale Ungleichheiten bestehen, wird auch der Body Drain fortbestehen – als strukturelle Ergänzung zur Abwanderung von Wissen.

Alternativen [19] erfordern mehr als faire Arbeitsbedingungen. Notwendig sind gerechtere Handelsstrukturen, lokale Entwicklungsperspektiven, soziale Sicherungssysteme und eine Neubewertung von Arbeit jenseits globaler Ausbeutungsketten. Eine Welt, die nicht auf dem Verschleiß entfernter Körper beruht, wäre möglich – aber sie verlangt politische Entscheidungen und gesellschaftliche Prioritätenverschiebungen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/WorkingPapers/wp62-fachkraefte-zuwanderung.pdf?__blob=publicationFile&v=11&
[2] https://minor-kontor.de/wp-content/uploads/2021/06/EB_Auswirkungen-auf-die-Herkunftslaender_Webversion.pdf
[3] https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2009/08/international-migration_g1gh9d9f/9789264075740-de.pdf
[4] https://www.deutschlandfunk.de/saisonarbeit-das-system-aus-erntehelfern-und-pflegekraeften-100.html
[5] https://shop.papyrossa.de/epages/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7/Products/701-3
[6] https://www.workrightscentre.org/publications/2025/deja-vu-the-risks-of-migrant-worker-exploitation-in-construction/
[7] https://www.lemonde.fr/en/france/article/2026/02/02/trial-opens-over-illegal-labor-at-construction-site-of-paris-olympic-village_6750056_7.html
[8] https://www.ibanet.org/clint-june-2021-eastern-european-workers-exploitation-construction-regulation-enforcement
[9] https://www.itfglobal.org/en/news/second-wildcat-strike-in-grafenhausen-shines-new-light-continued-human-rights-abuses-in
[10] https://www.opendemocracy.net/en/odr/germany-georgia-uzbekistan-truck-drivers-strike-victory/
[11] https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-2019-severe-labour-exploitation-workers-perspectives_en.pdf
[12] https://www.cies.ch/research/news/news-detail/article/migration-report-the-rise-continues
[13] https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13621025.2018.1477921
[14] https://shop.papyrossa.de/Sass-Katharina-Hg-Mythos-Sexarbeit
[15] https://is.muni.cz/th/i6nxp/Lizalova_bachelor_thesis.pdf
[16] https://fra.europa.eu/en/publication/2019/protecting-migrant-workers-exploitation-eu-workers-perspectives
[17] https://www.frontiersin.org/journals/public-health/articles/10.3389/fpubh.2025.1590151/full
[18] https://www.ilo.org/media/377536/download
[19] https://www.verdi.de/gesundheit-soziales-bildung/arbeitsmigration-braucht-klare-regeln

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heise+ | Euro-Apps: Diese bewährten iPhone-Anwendungen aus der EU sollten Sie kennen

Von Heise — 07. April 2026 um 08:00
Europa in App-Form auf dem iPhone

Europa in App-Form auf dem iPhone.

(Bild: KI / Bearbeitung heise medien)

In Europa entwickelte iPhone-Apps versprechen heimischen Datenschutz und bieten oft mehr als die von Apple vorinstallierten Exemplare. Ein Überblick der Besten.

Das iPhone stattet Apple mit einer langen Liste an guten Apps aus, die den Bedarf vieler Kunden locker abdecken. Dadurch fällt schnell unter den Tisch, dass es spannende Alternativen gibt – auch von Entwicklerteams, die in Europa ansässig sind. Wir haben uns Alternativen zu den zentralen Apple-Apps genau angesehen und besonders interessanteste Kandidaten zusammengestellt. Dabei ging es neben dem Firmensitz der Entwickler primär um die Funktionalität, regelmäßige Updates und ob sich die Software auf dem iPhone bewährt. Eine möglichst nutzer- wie augenfreundliche Bedienoberfläche zählte ebenfalls zu den Auswahlkriterien.

In Europa entwickelte Apps versprechen mitunter besseren Datenschutz sowie DSGVO-Konformität, umfahren aber nicht zwangsläufig sämtliche US-Dienste. Die Grenzen sind nämlich fließend: Viele Apps integrieren SDKs von Drittanbietern, die Daten in die USA übermitteln, und sei es nur für Absturzberichte. Auch im Backend bei Supportsystemen und Newslettern sind US-Anbieter gängig, für die in Apps immer häufiger anzutreffenden KI-Funktionen gilt das ohnehin. Wir haben das – soweit in den Datenschutzerklärungen der Anbieter aufgeschlüsselt – jeweils vermerkt.

Browser

Der norwegische Browser Vivaldi [1] [1] hebt sich mit einer Tableiste – auch in der Hochkantansicht – und einem integrierten Werbeblocker von Safari ab. Adress- und Tableiste finden wahlweise am unteren oder oberen Bildschirmrand ihren Platz. Zudem gibt es praktische Schnelleingaben, um etwa direkt durch Tippen des Buchstabens „w“ im Anschluss die Wikipedia zu durchsuchen; so etwas muss man in Apples Browser erst per Extension nachrüsten. Vivaldi unterstützt Handoff, um die gerade auf dem iPhone betrachtete Seite direkt am Mac im Standardbrowser aufzurufen. Eine Integration von KI-Funktionen lehnt der Hersteller bislang bewusst ab.


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[1] https://vivaldi.com/

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heise+ | High-End-Smartphones: iPhone, Pixel und Galaxy im Vergleich

Von Heise — 07. April 2026 um 07:00

Die Top-Smartphones von Apple, Google und Samsung bringen jeweils Vollausstattung mit, setzen aber trotzdem unterschiedliche Schwerpunkte.

Auf der Suche nach einem High-End-Smartphone führt kein Weg an den drei großen Namen der Branche vorbei. Apple und Samsung ziehen seit Jahren an der Spitze ihre Kreise, der Android-Entwickler Google mischt nun auch schon seit zehn Jahren im Hardwaregeschäft mit. Wir haben die drei aktuellen Topmodelle zum Vergleich gebeten.

Kein Wunder im Luxussegment: Alle drei sind keine Schnäppchen. Apple verlangt zwischen 1449 und 2449 Euro für das iPhone 17 Pro Max [1] [1], Samsung ruft Preise zwischen 1449 und 1949 Euro für das Galaxy S26 Ultra auf. Das Google Pixel 10 Pro XL reißt ein 1299 bis 1429 Euro großes Loch in den Geldbeutel.

Apple und Samsung hatten zuletzt bei ihren Topmodellen auf Titan als Material gesetzt. Davon haben sie sich mit dem iPhone 17 Pro Max und dem Galaxy S26 Ultra wieder verabschiedet. Die Smartphones bestehen aus dem sattsam bekannten Materialmix aus Glas und Aluminium, auch Google baut das Pixel 10 Pro XL so. Während Apple und Samsung das Metall matt gestalten, glänzt der Rahmen des Pixel – und zieht Fingerabdrücke stärker an. Die Verarbeitung aller drei Smartphones ist tadellos, die Gehäuse sind durch die Bank nach IP68 gegen das Eindringen von Staub und Wasser geschützt. Auch das Untertauchen in bis zu anderthalb Meter Tiefe über 30 Minuten verkraftet das Trio, wenngleich nur in Süßwasser.


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[1]  https://www.heise.de/thema/iPhone-17-Pro-Max
[2] https://www.heise.de/ratgeber/High-End-Smartphones-2026-Stagnation-statt-Innovation-11199992.html
[3] https://www.heise.de/tests/High-End-Smartphones-iPhone-Pixel-und-Galaxy-im-Vergleich-11173362.html
[4] https://www.heise.de/tests/Honor-Oppo-Xiaomi-im-Vergleich-High-End-Smartphones-aus-China-11173368.html
[5] https://www.heise.de/tests/Custom-ROM-aus-Deutschland-VollaOS-im-Test-11199960.html
[6] https://www.heise.de/tests/Galaxy-S26-Ultra-im-Test-Samsungs-Gratwanderung-mit-Privacy-Display-11130613.html
[7] https://www.heise.de/tests/Gigaset-GS6-Pro-im-Test-Made-in-Germany-Smartphone-mit-Wechselakku-11155213.html
[8] https://www.heise.de/tests/Realme-GT-8-Pro-High-End-Smartphone-im-Test-11113932.html
[9] https://www.heise.de/tests/Huawei-Pura-80-Ultra-Google-freies-Smartphone-im-Test-11087925.html
[10] https://www.heise.de/tests/Android-Smartphone-Motorola-Edge-70-im-Test-11087921.html
[11] https://www.heise.de/hintergrund/Warum-viele-Smartphones-mit-Riesen-Akkus-nicht-in-Europa-erhaeltlich-sind-11095639.html

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Vom Master zum Jobcenter: Wenn der Titel nicht (mehr) reicht

Von Luca Schäfer — 06. April 2026 um 16:00
Arbeitsagenturlogo auf einem Gebäude

Die Arbeitslosenquote unter Akademikern – lange Zeit sehr niedrig – beginnt inzwischen anzusteigen

(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)

Master gemacht, Bewerbungen geschrieben – doch der Lohn für die Mühen lässt auf sich warten. Warum das akademische Bildungsversprechen versagt. Eine Analyse.

Das erfolgreiche Studium endet allzu oft im Jobcenter. Konkurrenzdruck, angespannte Stellenmärkte sowie regionale und fachspezifische Ungleichgewichte trüben [1] die Aussichten auch für Akademiker erheblich.

2026 stieg [2] die akademische Arbeitslosigkeit das dritte Mal in Folge. Den massivsten Anstieg erlebte Deutschland direkt nach Covid: 2024 waren rund 290.000 akademisch ausgebildete Menschen arbeitslos – ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2023 [3].

Ein Teil dieses Anstiegs erklärt sich durch ukrainische Akademiker, die nach Deutschland ausreisten [4] und aufgrund von Sprach- oder Anerkennungsbarrieren Integrationsprobleme aufwiesen – doch die Gesamttendenz bleibt besorgniserregend.

Noch weitreichender ist der damit verbundene Bruch mit einem zentralen gesellschaftspolitischen Versprechen: Bedeutet [5] Bildung nicht länger soziale Mobilität?

Brotlose Berliner Geisteswissenschaft

Dabei lassen sich ausgeprägte regionale Unterschiede identifizieren.

In Berlin, das national wie international zu den überlaufensten Metropolen zählt und jährlich einen Wanderungsgewinn [6] in der Größe einer Kleinstadt verzeichnet, liegt [7] die akademische Arbeitslosenquote mit 5,6 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Das noch industriell geprägte Baden-Württemberg oder das zentral gelegene Hessen mit Bankenmetropole und dem Frankfurter Flughafen weisen hingegen wesentlich niedrigere Quoten auf.

Dennoch stellen Akademiker nur knapp zehn Prozent aller Arbeitslosen – weit übertroffen vom Anteil der Ausländer, über 30 Prozent Anteil an der Arbeitslosigkeit. [8]

Statistiken der Bundeszentrale für politische Bildung bekräftigen [9] dieses Bild: Zwar sind auch hohe Bildungsabschlüsse von Arbeitslosigkeit bedroht, dominiert wird das Phänomen jedoch nach wie vor von unterdurchschnittlich qualifizierten Erwerbspersonen.

Doch, besorgniserregend, die Gruppe der arbeitslosen Akademiker wächst – von allen Betroffenengruppen am rasantesten.

Historischer Wandel

Der deutsche Arbeitsmarkt war traditionell durch eine Dualität von beruflicher Ausbildung und Hochschulstudium geprägt, wobei das Ausbildungssystem überwog und ihm ein kleiner, spezialisierter, teils elitär sich reproduzierender akademischer Sektor gegenüberstand.

Seit den 1960er Jahren hat sich diese Struktur zugunsten einer stetig steigenden Akademikerquote verschoben. [10] Die Akademisierung traf dabei auf fruchtbaren Boden: Mit dem Humboldtschen Modell aus Forschung, Lehre und angewandtem Wissen hatte sich bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert eine spezifisch-deutsche, akademische Wissenstradition [11]manifestiert, die auf eine enge Verquickung von Theorie und Praxis bestand und die erlernten Schultechniken demnach fortsetzen konnte.

Die seit den 1970er Jahren – auf Basis der verändernden Stellung Deutschlands im Weltmarkt – einsetzende massive Bildungsexpansion [12]besaß Schattenseiten [13]: Mit dem schleichenden Übergang von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft wuchs der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften.

Technologischer Fortschritt sowie gewandelte Anforderungen der Unternehmen ließen wissenschaftlich-theoretisches Know-how zunehmend an die Stelle rein manueller Fertigkeiten treten, waren jedoch auf Wohl und Wehe mit einer starken Weltmarktstellung der deutschen Volkswirtschaft verbunden.

Humankapital und Transaktionskosten

Der britische Ökonom Bryan Caplan argumentiert in seinem Werk "The Case Against Education" [14] – mit einer Tendenz in Richtung Bourdieus Kapitalbegriff –, dass Bildung oft nicht primär Wissen vermittelt, sondern Kompetenzsignale an Arbeitgeber sendet: institutionalisiertes kulturelles Kapital [15]in Form von Zeugnissen und Hochschulabschlüssen.

Ein beidseitig rationaler Mechanismus: Während Arbeitskräfte im hochwertigen Abschluss eine Wertsteigerung ihrer Arbeit erkennen, nutzen Unternehmen die Akademisierung als Qualifikationsfilter – und reduzieren so ihre Transaktionskosten [16] im Matching-Prozess.

Besser qualifizierte Arbeitskräfte versprechen höhere Produktivität, auf Weltmarktniveau konkurrieren Unternehmen um Innovation. Nur wer hochqualifizierte Köpfe in seinen Reihen hat, kann die Vorfront einer wissensbasierten, technologiegetriebenen Produktion behaupten.

Flut und Flucht

Die eingetretene Flut an Akademikern – mittlerweile geht jeder Zweite studieren [17] – wirkte sich auf die anderen Bildungswege aus. Deutsche Konzerne haben seit 2013 sukzessive ihr Ausbildungsangebot zurückgeschraubt [18]: [19] um rund ein Viertel. Klassische duale Ausbildungsgänge, bei denen Auszubildende bereits in der Schulzeit entlohnt werden, waren besonders betroffen – während duale Studiengänge und klassische Vollzeitstudien zunahmen.

Der Verdacht kursiert: Deutsche Unternehmen lagern bewusst aus [20], [21] um Kosten zu sparen. Aktuelle Studien belegen, dass Konzerne duale Studiengänge aus mehreren Gründen, Bindung an das Unternehmen, langfristige Sicherheiten und passgenaue Wissensvermittlung, präferieren.

Die ökonomische Logik dahinter ist simpel: Nach dem Jahresbericht des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Ausbildungsjahr 2022/23 kostete [22] eine betriebliche Ausbildung im Durchschnitt 26.210 Euro brutto jährlich – dem stand ein Ertrag durch die Arbeitsleistung der Auszubildenden von rund 18.124 Euro gegenüber.

Die Ausbildung bleibt – entgegen dem Mantra der billigen Arbeitskraft, also ein Zusatzgeschäft. Erschwerend kommt hinzu, dass rund ein Drittel aller begonnenen Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst wird [23]und 50 Prozent der Betriebe 2024 ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten.

Zugleich hat die Ausbildungsqualität nachgelassen [24]: [25] Laut DGB-Ausbildungsreport beklagen rund 30 Prozent der Auszubildenden Überstunden, 15 Prozent ausbildungsferne Tätigkeiten – und rund 60 Prozent können von ihrer Ausbildungsvergütung nicht allein leben.

Südliche Schattenseiten

Während in Kerneuropa schwächelt, boomen offenkundig Indien und China. Die Volksrepublik hat ihre akademischen Kapazitäten massiv ausgebaut: Mit der Zahl der Hochschulen stieg auch die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen sprunghaft an [26], [27] in vielen Disziplinen ist China heute führend.

Großangelegte staatliche Investitionen in Wissenschaft, Technik und Hochschulbildung haben einen Boom ausgelöst – auch hier mit Schatten. Mit mehr als zwölf Millionen Hochschulabsolventen jährlich steht der Arbeitsmarkt vor gigantischen Absorptionsproblemen. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei fünf Prozent, in der Kohorte der 18- bis 24-Jährigen jedoch viermal so hoch [28]. [29]

Strukturelle Ursachen

Akademische Arbeitslosigkeit ist damit kein primär deutsch-europäisches Phänomen. Dennoch lassen sich spezifische Ursachen und Lösungsansätze benennen: In Deutschland resultiert sie aus einem Zusammenspiel von Verlagerung betrieblicher Ausbildungen an Hochschulen, einer gesellschaftlichen Überakademisierung und auf einer konjunkturellen Schwächephase [30].

Arbeitsämter begegnen dem mit praxisorientierten Praktika, Trainee-Programmen und Mentoring-Stellen. Um Qualifikationsmismatches zu vermeiden, werden Hochschulausbildungen zunehmend mit verpflichtenden Berufspraktika verknüpft – exemplarisch in Lehramts- wie in Ingenieursstudiengängen.

Doch die strukturellen Anpassungsprobleme, die die deutsche Volkswirtschaft im Zuge globaler Marktverschiebungen zu bewältigen hat, dürften mit Minimalkorrekturen kaum aufzufangen sein. Es ist zu befürchten, dass akademische Arbeitslosigkeit mit dem relativen Abstieg der deutschen Wirtschaft weiter zunehmen wird. Zukunft durch Bildung könnte dann neuen Mantren weichen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.welt.de/regionales/sachsen-anhalt/article692d809a392d5c38e385296e/mehr-akademiker-in-sachsen-anhalt-ohne-job.html
[2] https://www.stern.de/capital/arbeitslosenquote-unter-akademikern-steigt-drittes-jahr-infolge-37140398.html
[3] https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Allgemeiner-Teil/Generische-Publikationen/1-7-Arbeitslosigkeit.pdf?__blob=publicationFile
[4] https://www.welt.de/regionales/thueringen/article694e24c7f6fc544dba9b3c0f/von-der-uni-zum-arbeitsamt-experten-sehen-risiken.html
[5] https://www.deutschlandfunkkultur.de/aufstieg-durch-bildung-ein-versprechen-ist-gescheitert-100.html
[6] https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/107-2025
[7] https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2025/10/berufseinsteiger-mit-studium-haben-es-schwer-arbeitsmarkt.html
[8] https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/162491/arbeitslosenquoten-nach-geschlecht-und-staatsangehoerigkeit/
[9] https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61724/arbeitslosenquoten-nach-bildung-und-alter/
[10] https://www.researchgate.net/publication/283799945_The_%27academization%27_of_the_German_qualification_system_Recent_developments_in_the_relationships_between_vocational_training_and_higher_education_in_Germany
[11] https://en.wikipedia.org/wiki/Humboldtian_model_of_higher_education
[12] https://blog.lebensbruecke.de/start/bildungsexpansion
[13] https://www.bwpat.de/ausgabe/34/heisler
[14] https://en.wikipedia.org/wiki/The_Case_Against_Education
[15] https://www.grin.com/document/175691#:~:text=Was%20versteht%20Pierre%20Bourdieu%20unter,weniger%20institutionalisierten%20Beziehungen%20verbunden%20sind.
[16] https://composites-united.com/wie-viel-kostet-ein-personalwechsel-welche-kosten-bei-fluktuation-auf-ihr-unternehmen-zukommen/
[17] https://www.n-tv.de/ticker/KMK-Prognose-Zahl-der-Studienanfaenger-in-Deutschland-geht-2024-und-2025-zurueck-article26039130.html
[18] https://www.personalwirtschaft.de/news/personalentwicklung/deutsche-konzerne-bilden-seit-2013-deutlich-weniger-aus-100372/
[19] https://www.personalwirtschaft.de/
[20] https://www.bibb.de/de/11060.php
[21] https://www.bibb.de/
[22] https://www.bildungsserver.de/onlineressource.html?onlineressourcen_id=64407
[23] https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-08/fachkraeftemangel-ausbildungsmarkt-abruchqoute-dgb
[24] https://www.dgb.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/dgb-ausbildungsreport-2025/
[25] https://www.dgb.de/
[26] https://www.sueddeutsche.de/wissen/china-spitzenreiter-wissenschaft-technologie-li.3322896
[27] https://www.nature.com/
[28] https://www.scmp.com/economy/china-economy/article/3311152/chinas-youth-unemployment-rate-falls-ahead-crunch-graduation-season
[29] https://www.scmp.com/
[30] https://www.reuters.com/sustainability/sustainable-finance-reporting/german-unemployment-remains-unchanged-january-2026-01-30/

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Krieg ohne Namen: Die vergessenen Opfer in der Straße von Hormus

Von Wassilis Aswestopoulos — 06. April 2026 um 15:00
Offener iranischer Schlagbaum läßt griechischen Tanker passieren

3.000 Schiffe stecken in der Straße von Hormus fest. Was bedeutet das für die betroffenen Seeleute? Ein Blick auf einen wenig beleuchteten Aspekt.

Die Straße von Hormus [1] ist in aller Munde. Der natürliche Meereskanal wird vom Iran an der engsten Stelle nach Gusto gesperrt. Tausende Schiffe stecken fest. Die New York Times zitiert eine Studie [2] von S&P Global Market Intelligence und schätzen ihre Zahl auf 3.000 [3].

Rund um den Globus fürchtet man um die Lieferketten, die fossilen Energieträger und Düngemittel. Es herrscht Krieg, nur wird er aus zahlreichen Gründen nicht offiziell als solcher bezeichnet. Leidtragende sind besonders die Matrosen, die wegen des Krieges in der Straße von Hormus festsitzen.

"Ich werde das Wort 'Krieg' nicht verwenden, weil man sagt, dass es keine gute Idee ist, das Wort 'Krieg' zu benutzen", sagte US-Präsident Donald Trump [4] bei einer Veranstaltung der Spendenorganisation der Republikaner im Repräsentantenhaus. Er fügte hinzu "sie mögen das Wort 'Krieg' nicht, weil man dafür eine Genehmigung [vom Kongress] einholen muss. Deshalb werde ich den Begriff 'Militäroperation' verwenden, denn genau das ist es ja auch".

Trump, dessen Wording sich kaum von Putins "militärischer Spezialoperation" unterscheidet, scheint zu ahnen, dass er trotz einer Mehrheit der Republikaner Schwierigkeiten bei einer Abstimmung bekommen könnte.

Amerikanische Medien wie CBS lassen weitere Politiker zu Wort kommen. So meinte der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, kurz nach Beginn der US-amerikanischen und israelischen Kampfhandlungen gegen den Iran auf einer Pressekonferenz:

"Wir befinden uns derzeit nicht im Krieg. Wir sind seit vier Tagen in einer ganz bestimmten, klar definierten Mission."

Für die zivilen Iraner, Israelis, Libanesen und die Bewohner der Golf-Staaten fühlt sich die "Militäroperation" eindeutig als Krieg an. Etwas gelassener aber immer noch angespannt können Türken, Griechen und Zyprioten über die Auswirkungen der Kampfhandlungen sinnieren. Denn ihre Länder waren bislang nur Ziel einzelner Shahed Drohnen [5] des Iran und einiger Raketen [6].

In Zypern wurde die Bevölkerung über Schutzräume und das Verhalten bei Luftangriffen informiert. Kreta lebt wegen der Schlüsselrolle der US-Militärbasis Souda bei Chania in ständiger Alarmbereitschaft [7].

Im übrigen Europa beherrschen die Diskussionen über steigende Spritpreise, die resultierende Inflation der übrigen Verbraucherpreise und der den nächsten Urlaubsflug gefährdende Mangel an Kerosin [8] die Diskussionen.

Auf politischer Ebene gibt es eine Neuauflage der Diskussion zur Abhängigkeit von fossilen Energieträgern [9] und zu den Vorzügen der Nutzung erneuerbarer Energiequellen und der Biolandwirtschaft. Zweifelsohne wären geringere Abhängigkeiten gerade jetzt hilfreich.

Seitens des Irans, der Schiffe von befreundeten Staaten passieren lässt [10] kann der Westen nicht auf Gnade hoffen. Auch bei der viel beschworenen Solidarität westlicher Staaten untereinander zeigt sich, wie volatil die gegenseitigen Versprechen der Sonntagsreden sind.

Pars pro toto zeigt der jüngste Vorfall aus Griechenland, dass man sich gegenseitig die Rohstoffe abluchst, um wirtschaftlich zu überleben. Die drittgrößte griechische Raffinerie, eine Einrichtung der griechischen Firma Motor Oil bei Korinth ist wie kaum eine andere auf iranisches Rohöl angewiesen. Sie bekam nun 700.000 Barrel US-Rohöl [11] welches mit der Eagle Helsinki eigentlich auf dem Kurs nach Rotterdam war.

Es ist die erste derartige Lieferung seit knapp vier Jahren – offensichtlich zahlte man mehr als die Kunden in Rotterdam. Motor Oil verweigerte der griechischen Presse jede Stellungnahme. Für die Seeleute der Eagle Helsinki war diese Tour eine mehr oder weniger unangenehme Umleitung.

Die Crews sind in den meisten Medienberichten kaum eine Erwähnung wert. Die Reeder dagegen schon. So wird Georgios Prokopiou von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als "Der Reeder, der Irans Bomben trotzt [12]" gefeiert.

Prokopiou schaffte es in der laufenden Woche den nunmehr vierten Supertanker, die Pola, ohne Absprache (?) mit den Iranern durch Hormus zu bringen. Vorher gelang es den Tankern Shenlong, Smyrni und Marathi. Der 79-jährige Reeder steht bei solchen Aktionen im Rampenlicht.

Er tritt, wie 2022 nach dem Beginn der russischen Invasion, als der Macher, als ein Siegertyp auf. Damals lieferte er Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck das dringend benötigte LNG-Terminal [13]

Ob er bei der Durchfahrt durch Hormus nicht doch seine Beziehungen zu China nutzt, ist vielen Medien eine Spekulation wert [14].

Fakt ist, dass Reeder wie Prokopiou ein Vielfaches der üblichen Frachtkosten kassieren und dass die Seeleute so eine Tour nicht mit Begeisterung durchführen. Die beiden griechischen Vereinigungen Pemen für die Offiziere und Stefenson für die Matrosen prangern die griechische Regierung und die Reeder an.

"Reeder feilschen weiterhin mit dem Leben von Seeleuten um einen 'guten Fahrpreis' und fordern die Besatzungen auf, 'freiwillig Kriegsgebiete zu durchqueren. Die Regierung lässt sie weiterhin im Stich und ignoriert die Forderungen unserer Gewerkschaften nach Maßnahmen, die den Zugang von Seeleuten zu diesen Gebieten verbieten. Die Seeleute befinden sich in akuter Gefahr, und es wurden bereits Angriffe auf Handelsschiffe verzeichnet, die zu Todesfällen und Verletzungen von Seeleuten geführt haben."

Stefenson

Die Besatzungsmitglieder erfahren, wie der Generalsekretär der Gewerkschaft der Schiffsingenieure Pemen Giannis Maganas gegenüber Telepolis erklärt, erst ein zwei Tage vor einer riskanten Fahrt, worum es geht. Dann sollen sie Erklärungen unterschreiben, dass sie in voller Kenntnis der Risiken, diese freiwillig auf sich nehmen.

Telepolis erkundigte sich danach, was mit denen passiert, die mit Hinweis auf die Kampfhandlungen fristlos kündigen. "Erst einmal kommen die da gar nicht einfach weg. Wie und wo sollen sie von Bord? Die Schiffe laufen schließlich keine Häfen an. Und dann dürfen sie erst dann runter, wenn eine Ablösung gekommen ist. Also müssen sie bleiben", erklärt der Gewerkschaftler die Rechtslage.

Er berichtete, dass allein auf einem Tanker im Golf zehn Seeleute fristlos gekündigt hätten. Gemessen an den üblichen Mannschaftsstärke von 15 bis 25 Personen sei das viel, "man stelle sich vor, zehn auf einem Tanker. Wie viele es auf allen Schiffen sind, das kann man nur vermuten."

Wären die "Militäroperationen" offiziell ein Krieg oder würde die griechische Regierung sie so einstufen, dann müssten die Besatzungsmitglieder, wenn sie es wünschen, von den Schiffen evakuiert werden, bestätigen die griechischen Gewerkschaften.

Weil sie mit ihrem Druck auf die griechische Regierung bislang keinen Erfolg hatten, versuchen sie bislang erfolglos die International Maritime Organization (IMO) eine Sonderorganisation der UNO mit Sitz in London zum Eingreifen zu bewegen, damit der Persische Golf offiziell zum Kriegsgebiet erklärt wird und so die Seeleute aller Nationen evakuiert werden müssten.

Stefenson und Pemen werfen der griechischen nautischen Dachgewerkschaft PNO vor, sie würde wegen Nähe zu den Reedern nicht für die Belange der Seeleute [15] eintreten. Zu den Auswirkungen des Krieges gehört auch die tiefere Spaltung unter Gewerkschaftlern.

Unter den Seeleuten und ihren Angehörigen geht indes die Angst um, dass sich Tragödien der Vergangenheit wiederholen könnten. Schlimme Erinnerungen an die Golfkriege zwischen dem Iran und dem Irak aus dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts kommen auf.

Seinerzeit versuchten beide Seiten, den Öl-Export des Gegners mit Attacken auf die Tanker zu unterbinden. Seeleute aller Nationen verloren damals ihr Leben. Es sind, damals wie heute, Einzelschicksale, die je weiter der Abstand zum Kriegsgebiet ist, von den meisten Menschen nur noch als Statistik wahrgenommen werden.


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https://www.heise.de/-11244067

Links in diesem Artikel:
[1] https://hormuzstraitmonitor.com/
[2] https://www.spglobal.com/market-intelligence/en
[3] https://www.nytimes.com/2026/03/26/business/iran-war-ships-strait-of-hormuz.html
[4] https://www.cbsnews.com/news/trump-says-he-doesnt-want-to-call-iran-conflict-a-war-because-of-need-for-congressional-approval/
[5] https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/britischer-militaerstuetzpunkt-zypern-akrotiri-iran-drohne-gxe
[6] https://www.reuters.com/world/middle-east/turkey-says-nato-defences-downed-fourth-inbound-iranian-missile-2026-03-30/
[7] https://www.aftodioikisi.gr/koinonia/se-katastasi-synagermoy-i-soyda-ekleise-i-vasi-gia-logoys-asfaleias/
[8] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/luftfahrt-airlines-kerosin-ticketpreise-100.html
[9] https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/fachtexte/oel-und-gaspreiskrise-raus-aus-der-fossilen-kostenfalle/
[10] https://www.aa.com.tr/en/europe/certain-vessels-granted-permits-for-transit-via-strait-of-hormuz-amid-limited-maritime-trade/3888282
[11] https://www.skai.gr/news/finance/petrelaio-apo-tis-ipa-eftase-stin-ellada-gia-proti-fora-epeita-apo-tessera-xronia
[12] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/georgios-prokopiou-der-reeder-der-irans-bomben-trotzt-110851008.html
[13] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/das-ist-nicht-nur-deutscher-eigennutz-6852868.html
[14] https://www.stern.de/wirtschaft/irankrieg--warum-die-schiffe-eines-milliardaers-hormus-passieren-duerfen-37268252.html
[15] https://new.pemen.gr/?p=4307

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Schwüle Hitzewellen: Die unterschätzte Todesgefahr aus dem Meer

Von Christoph Jehle — 06. April 2026 um 12:30
Hygro-/Thermometer und Badethermometer

Schwüle Hitzewellen töten Tausende – auch Junge unter 35. Küstengewässer heizen sie an. Was sind die Ursachen des Phänomens?

Die Politik fordert hierzulande auf öffentlichen Druck hin eine deutliche Abkehr vom Klimaschutz, weil dieser das deutsche Wirtschaftswachstum beeinträchtigen würde und Wirtschaftswachstum wichtiger wird als die Gesundheit der Bürger. Wissenschaftliche Erkenntnisse kommen in der aktuellen Gemengelage immer stärker unter Druck von außerhalb.

Unterstützt wird diese Entwicklung immer stärker durch KI-generierte Aussagen, die ihre Begründung nicht aus wissenschaftlichen Analysen beziehen, sondern aus der Häufigkeit ihrer Veröffentlichungen.

Was nicht in diesem KI-Mainstream mitschwingt, wird zusehends seltener wahrgenommen und letztlich für immer mehr Leser schlicht verdrängt, weil es sich weit jenseits ihres Horizontes bewegt.

Dies wird immer stärker zum Problem, weil neuere wissenschaftliche Erkenntnisse in diesem Konvolut kaum noch eine Möglichkeit finden, entdeckt zu werden, wenn sie sich nicht in eine massentaugliche Agenda eingliedern lassen.

Änderungen des Klimas im Umfeld von Küstengewässern als Gesundheitsgefahr

Küsten wurden in den vergangene Jahren meist nur im Zusammenhang mit einem drohenden Meeresspiegelanstieg erwähnt, der jedoch eine für viele Bewohner im Binnenland wenig gefühlte Bedrohung darstellt und schlicht und einfach ausgeblendet wird.

Steigende Meeresoberflächentemperaturen in Küstengewässern sind jedoch laut einer neuen Studie für 50 bis 64 Prozent des Anstiegs großflächig auftretender schwüler Hitzewellen verantwortlich.

Am 24. März 2026 veröffentlichten Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der Princeton University und der Sun Yat-sen University in Nature Geoscience die Studie "Large-scale aggregation of humid heatwaves exacerbated by coastal oceanic warming [1]". Daraus geht hervor, dass die Meeresoberflächentemperaturen an den Küsten ein Frühwarnindikator für großflächige schwüle Hitzeextreme sein können.

Hitzewellen verknüpft mit hoher Luftfeuchtigkeit haben in den vergangenen Jahrzehnten stark an Intensität zugenommen und werden wohl weiter zunehmen, wodurch sich auch das Risiko hitzebedingter Todesfälle erhöht.

Frühere Untersuchungen legen nahe, dass selbst gesunde Menschen bei Feuchtkugeltemperaturen [2] über 31,5° C zusammenbrechen können, da sich der Körper dann nicht mehr durch Schwitzen abkühlen kann.

Feuchtkugeltemperatur, auch als auch Kühlgrenztemperatur bezeichnet, ist die niedrigste Temperatur, die durch Verdunstungskühlung erreicht werden kann. Sie wird mit einem feucht umwickelten Thermometer gemessen und zeigt an, wie effektiv Wasser verdunstet. Sie ist entscheidend für die Beurteilung von Hitzestress, der ab 35° C potenziell tödlich ist.

Das großflächige Auftreten schwüler Hitzewellen, wie sie 2023 in Asien vorkamen, ist bislang jedoch kaum verstanden. Und daher gibt es bislang weder eine Idee, wie man negative Folgen beim Menschen vermeiden könnte, noch eine Strategie, mit der sich Menschen an diese Entwicklung anpassen könnten.

Die schwülen Hitzewellen treffen nicht nur die Alten

Eine Studie [3], die kürzlich in der Fachzeitschrift Science Advances erschienen ist, kommt zu einem unerwarteten Ergebnis [4]. Anhand von Temperatur- und Sterbedaten aus Mexiko ermittelte man, dass 75 Prozent der hitzebedingten Todesfälle in die Altersgruppe unter 35 Jahre fallen, davon ein großer Teil in die Gruppe von 18 bis 35 Jahren.

"Wir sehen einen starken Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Küstengewässer und einer Häufung von schwül-heißen Extremereignissen – insbesondere in den Tropen.

Dort liefern die Ozeane mehr Feuchtigkeit und die Atmosphäre transportiert diese feucht-warme Luft an Land, wodurch die Hitze verstärkt wird", wird der Leitautor der in Nature Geoscience veröffentlichten Studie [5] und PIK-Forscher Fenying Cai [6] zitiert:

"In Regionen, die weiter vom Äquator entfernt sind, spielt auch das Zusammenwirken der Erwärmung von Land und Ozean, gekoppelt mit großräumigen atmosphärischen Wellenmustern, eine wichtige Rolle."

Das internationale Forschungsteam analysierte Klimadaten aus den Jahren 1982 bis 2023 mit Hilfe eines komplexen Netzwerkansatzes und entdeckte starke Zusammenhänge zwischen Land und Ozean.

So ist beispielsweise die Erwärmung im Indischen Ozean mit steigenden Risiken für schwüle Hitze in Südasien und im Nahen Osten verbunden, während die Erwärmung des tropischen Nordatlantiks die Risiken im nördlichen Südamerika verstärkt. Die Studie zeigt auch, dass der Einfluss des Ozeans bei großräumigen Ereignissen stärker ist als bei isolierten lokalen Hitzewellen.

Jürgen Kurths [7] vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Co-Autor der Studie vermerkt dazu:

"Ein besseres Verständnis dieser Wechselwirkungen zwischen Land und Ozean ist der Schlüssel für wirksame Strategien zur Klimaanpassung. Die Meeresoberflächentemperaturen an den Küsten können als potenzieller Frühwarnindikator für großflächige schwüle Hitzeereignisse eine entscheidende Rolle spielen."


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https://www.heise.de/-11243630

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.nature.com/articles/s41561-026-01952-z
[2] https://www.spektrum.de/news/hitze-wie-heiss-ist-zu-heiss-fuer-den-menschlichen-koerper/2041894
[3] https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adq3367
[4] https://www.doccheck.com/de/detail/articles/50223-temperatur-roulette-fuer-wen-wird-es-toedlich
[5] https://www.nature.com/articles/s41561-026-01952-z
[6] https://www.pik-potsdam.de/members/fenyingc
[7] https://www.pik-potsdam.de/members/kurths

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Angreifer können Weboberfläche von WatchGuard Firebox attackieren

Von Heise — 06. April 2026 um 16:21

(Bild: bluebay/Shutterstock.com)

WatchGuard-Firewalls der Firebox-Serie und die Produkte Dimension und WebBlockerServer sind verwundbar. Sicherheitspatches sind verfügbar.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Angreifer WatchGuard Firebox attackieren. Dabei kann Schadcode auf Systeme gelangen. WatchGuard Dimension und WebBlockerServer sind über eine Linux-Kernel-Lücke angreifbar. Sicherheitsupdates stehen zum Download bereit. Bislang gibt es keine Berichte, dass Angreifer die Schwachstellen bereits ausnutzen.

Schadcode-Attacken möglich

Wie aus einer Warnmeldung hervorgeht [1], können entfernte Angreifer eine Sicherheitslücke (CVE-2026-3987 „hoch“) im Fireware OS Web UI von Firebox-Firewalls ausnutzen, um Schadcode im Kontext eines Systemprozesses mit erhöhten Rechten auszuführen. Das klappt aber nur, wenn Angreifer bereits authentifiziert sind.

Davon sind den Entwicklern zufolge Fireware OS 12.6.1 bis einschließlich 12.11.8 und 2025.1 bis einschließlich 2026.1.2 betroffen. Die konkret betroffenen Modelle listet WatchGuard in der Warnmeldung [2] auf. Abhilfe schaffen die Versionen 12.12 und 2026.2.

Root-Lücke

Dimension v2.3 und WebBlockerServer v2.1 laufen auf einer Ubuntu-Version, die von zwei Linux-Kernel-Lücken (CVE-2026-23268 „hoch“, CVE-2026-23269 „hoch“) im Linux Mandatory Access Control (MAC) Framework AppArmor betroffen ist. Der Beschreibung der Schwachstellen zufolge [3] benötigt ein Angreifer Zugriff auf das lokale Dateisystem. Ist das gegeben, kann er sich zum Root-Nutzer hochstufen und so etwa eine DoS-Attacke ausführen. In der Regel erlangen Angreifer als Root auch die volle Kontrolle über erfolgreich attackierte Systeme. Wie eine solche Attacke im Detail ablaufen könnte, ist bislang unklar.

Um den Linux-Kernel für beide WatchGuard-Produkte zu aktualisieren, müssen Admins der Anleitung in einem Supportbeitrag [4] folgen.


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https://www.heise.de/-11246291

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.watchguard.com/wgrd-psirt/advisory/wgsa-2026-00009
[2] https://www.watchguard.com/wgrd-psirt/advisory/wgsa-2026-00009
[3] https://www.watchguard.com/wgrd-psirt/advisory/wgsa-2026-00008
[4] https://techsearch.watchguard.com/KB?type=Article&SFDCID=kA1Vr000000GNQTKA4&lang=en_US
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[6] mailto:des@heise.de

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HCL BigFix: Kryptografische Schlüssel offensichtlich nicht sicher gespeichert

Von Heise — 06. April 2026 um 15:41
Ein symbolischer Updateknopf auf einer Tastatur.

(Bild: Tatiana Popova/Shutterstock.com)

Wichtige Sicherheitspatches schließen zwei Softwareschwachstellen in der Endpoint-Management-Plattform HCL BigFix.

Zwei Sicherheitslücken gefährden HCL BigFix zum Verwalten von Endpoints. Sind Attacken erfolgreich, können Angreifer auf sensible Daten wie kryptografische Schlüssel zugreifen. Sicherheitspatches sind verfügbar.

Verschiedene Gefahren

In einer Warnmeldung führen die Entwickler zwei Sicherheitslücken (BigFix Explorer: CVE-2026-21765 „hoch“, BigFix Server: CVE-2026-21767 „mittel“) auf. Die erste Schwachstelle betrifft die Speicherung von kryptografischen Schlüsseln auf Windows-PCs. Der Beschreibung zufolge sind sie „möglicherweise mit zu großzügigen Dateisystemberechtigungen“ versehen. Was das konkret bedeutet, bleibt unklar. Es ist davon auszugehen, dass Angreifer unbefugt auf die Schlüssel zugreifen können.

Die zweite Lücke ist ein Authentifizierungsfehler, durch den Angreifer Zugriff auf „sensible Bereiche der Anwendung“ bekommen können. Die Entwickler versichern, beide Sicherheitsprobleme in BigFix Platform 11.0.6 gelöst zu haben.


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https://www.heise.de/-11246307

Links in diesem Artikel:
[1] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[2] mailto:des@heise.de

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Blaulicht-Digitalfunk: Bundesregierung hält trotz Kritik an Tetra-Kurs fest

Von Heise — 06. April 2026 um 15:39
Blaulicht, Polizei

Einsatzkräfte fordern beim Digitalfunk Breitband und robuste Rückfallebenen. Der Bund setzt vorerst auf die Modernisierung und Evolution des Bestandsnetzes.

Die Kommunikation der deutschen Sicherheitsbehörden bleibt ein politisches Spannungsfeld zwischen technischem Anspruch und der Realität im Einsatz. So verteidigt die Bundesregierung in ihrer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion den aktuellen Status des Digitalfunks für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Rufen nach einer Rückkehr zu analogen Redundanzsystemen erteilt sie eine klare Absage.

Trotz wiederkehrender Berichte über Funklöcher [1] und einen Netzausfall im Mai 2025 [2] zeichnet das federführende Bundesinnenministerium (BMI) in der Auskunft das Bild eines hochverfügbaren und stabilen Systems [3], das derzeit fit für die Zukunft gemacht werde. Mit über 5000 Basisstationen gilt der hiesige Blaulichtfunk als das weltweit größte Funknetz, das auf dem internationalen Tetra-Standard basiert.

Forscher haben wiederholt Sicherheitslücken bei Tetra ausgemacht [4]. Selbst eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselungslösung ermöglicht demnach Lauschangriffe. Die Bundesregierung betont trotzdem die Leistungsfähigkeit dieser Infrastruktur, die rechnerisch 99,2 Prozent der Fläche Deutschlands abdeckt. Stolz verweist das BMI auf die zeitliche Verfügbarkeit von durchschnittlich 99,97 Prozent. In der Praxis bedeutet dies eine statistische Ausfallzeit von etwa einer Minute pro Tag. Diese Zahlen stehen im Kontrast zu den Erfahrungen vieler Einsatzkräfte vor Ort. Kritiker bemängeln, die digitale Kommunikation stoße in Tunneln, tiefen Kellergeschossen oder stark abgeschirmten Gebäuden an ihre Grenzen [5].

Redundanz ohne Analog-Rückkehr

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Frage nach der Ausfallsicherheit. Die Fragesteller verwiesen explizit auf den großflächigen Blackout des Digitalfunks im Mai, bei dem Polizei und Rettungsdienste über neunzig Minuten lang auf Mobiltelefone oder verbliebene Analogfunkgeräte ausweichen mussten.

Die Exekutive sieht aber trotzdem keinen Bedarf für eine systematische Reintegration analoger Technik, etwa im vormals genutzten 2-Meter-Band. Sie baut stattdessen auf die inhärenten Sicherheitsmechanismen des Tetra-Standards. Dazu gehören der Direktmodus für die Kommunikation von Gerät zu Gerät ohne Basisstation sowie satellitengestützte Anbindungen für mobile Einheiten. Auch externe Lösungen wie Notfunknetze durch Funkamateure spielen in den offiziellen Krisenplänen des Bundes weiterhin keine Rolle, da die vorhandenen Rückfallebenen als ausreichend erachtet werden.

Um den wachsenden Anforderungen an den Datenaustausch gerecht zu werden, arbeitet die Bundesanstalt für Digitalfunk (BDBOS) dem Bescheid zufolge am „Digitalfunk der nächsten Generation“. Ziel ist die Etablierung einer breitbandigen Lösung, die neben der bewährten Sprachkommunikation auch hochauflösende Videoübertragungen und komplexe Datenanwendungen in Echtzeit ermöglicht. Die Deutsche Telekom hat sich dafür schon in Stellung gebracht [6].

Der Weg zum Breitband-Standard

Ein konkretes Abschaltdatum für das aktuelle Tetra-Netz gibt es nicht. Die bewährte Technik soll so lange parallel weiterbetrieben werden, bis das neue Breitbandnetz die einsatzkritischen Anforderungen vollständig übernehmen kann. Bis dahin soll das Bestandsnetz laut der Antwort kontinuierlich gehärtet und auf eine moderne IP-basierte Architektur umgestellt werden, um die Resilienz gegenüber Cyberangriffen und technischen Störungen weiter zu erhöhen.

Die Regierung betont dabei den steten Austausch mit den Ländern und Fachverbänden, um die Modernisierung praxisnah zu gestalten. Erst vor Kurzem erläuterte die Exekutive, der Digitalfunk werde kontinuierlich modernisiert [7]. Ein Pfeiler dabei sei der physische Schutz der Anlagen. Die Regierung plant für die Jahre 2026 bis 2028 demnach etwa verstärkte Investitionen in physische Barrieren und moderne Überwachungstechnik.

Dabei steht etwa der Ausbau von Technikgebäuden des Bundes an, um die sensiblen Knotenpunkte des Netzes besser vor unbefugtem Zugriff oder Sabotage zu schützen. Zudem sollen die Basisstationen gehärtet werden, was eine Verfügbarkeit von bis zu 72 Stunden ohne externe Stromzufuhr gewährleisten könnte. Die finanziellen Mittel in den aktuellen Haushalten von Bund und Ländern hält das BMI für ausreichend. Die Verfügbarkeit und Sicherheit der Systeme genössen bei allen Planungsschritten oberste Priorität.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11246313

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Digitaler-Behoerdenfunk-Bundesrechnungshof-warnt-vor-gefaehrlichen-Luecken-4696447.html
[2] https://www.heise.de/news/Netzwerkproblem-ist-Ursache-fuer-die-Stoerungen-des-digitalen-Behoerdenfunks-10374142.html
[3] https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104958.pdf
[4] https://www.heise.de/news/Digitaler-Behoerdenfunk-Neue-Schwachstellen-bei-Tetra-Verschluesselung-versagt-10515157.html
[5] https://www.heise.de/news/Berliner-Polizei-hat-massive-Probleme-mit-dem-Digitalfunk-3154830.html
[6] https://www.heise.de/news/Telekom-will-neuen-Funk-fuer-Blaulichtorganisationen-liefern-10643816.html
[7] https://sonst-so.blogspot.com/2026/03/krisenfeste-kommunikation.html
[8] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[9] mailto:nen@heise.de

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