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4A Games: Metro 2039 kehrt zurück in die Tunnel

Von Peter Steinlechner — 16. April 2026 um 19:15
Düsterer, direkter und technisch überarbeitet: Metro 2039 verabschiedet sich von Artjom und geht wieder in den Untergrund.
Artwork aus Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Artwork aus Metro 2039 Bild: 4A Games

Das ukrainische Entwicklerstudio 4A Games setzt seine Shooter-Reihe mit Metro 2039 fort. Der Titel erscheint im Winter für Playstation 5, Xbox Series X/S und Windows-PC und bleibt ein reines Einzelspieler-Spiel mit Fokus auf Story, Survival und Atmosphäre.

Die Handlung spielt rund 25 Jahre nach dem Atomkrieg. Die Überlebenden sind unter einem Regime vereint, das von dem Spartaner Hunter angeführt wird. Er verspricht ein Leben auf der Oberfläche, tatsächlich bleiben die Menschen jedoch im Metro-System gefangen und werden durch Propaganda und Gewalt kontrolliert.

Im Vergleich zum Vorgänger Metro Exodus (2019) verschiebt sich der Fokus wieder stärker in Richtung enge, lineare Abschnitte im Metro-System. Während Exodus größere, offenere Gebiete bot, setzt Metro 2039 stärker auf klaustrophobische Levels, klassische Exploration sowie die Mischung aus Schleichen, Ressourcenmanagement und Gefechten.

Anders als in den Vorgängern steht außerdem nicht Artjom im Mittelpunkt. Stattdessen übernimmt mit "The Stranger" erstmals ein vollständig vertonter Held die Hauptrolle. Das soll die Inszenierung direkter machen und Dialoge stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Figur wird von Albträumen geplagt und kehrt "an einen Ort zurück, an den sie nie zurückkehren wollte" , wie es in der Präsentation heißt.

Die Atmosphäre soll deutlich düsterer werden als in Exodus. Laut den Entwicklern geht es stärker um Konsequenzen von Krieg, Unterdrückung und individuelle Entscheidungen. Wörtlich ist von den "Kosten des Schweigens" und dem "Preis der Freiheit" die Rede.

4A Engine massiv überarbeitet

Diese Ausrichtung hängt offenbar auch eng mit der realen Situation des Studios zusammen: 4A Games arbeitet unter Kriegsbedingungen weiterhin teilweise in der Ukraine, was die Entwicklung und die inhaltliche Ausrichtung direkt beeinflusst hat; eine Niederlassung hat ihren Sitz auf Malta.

Metro 2039 basiert erneut auf der hauseigenen 4A Engine. Die Entwickler haben laut eigener Aussage zentrale Rendering-Systeme von Grund auf überarbeitet, darunter insbesondere die Raytracing-Implementierung.

Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Bild 1/5: Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Bild 2/5: Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Bild 3/5: Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Bild 4/5: Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)
Bild 5/5: Artwork von Metro 2039 (Bild: 4A Games)

Ziel sei eine höhere Effizienz bei gleichzeitig gesteigerter Bildqualität. Bereits Metro Exodus gehörte zu den frühen Titeln mit umfangreicher Raytracing-Nutzung; darauf baut das neue Spiel auf, soll aber einen Schritt weiter gehen in Bezug auf Beleuchtung und Performance.

Ein Schwerpunkt bleibt die Gestaltung glaubwürdiger Umgebungen. Räume werden nicht modular zusammengesetzt, sondern gezielt gebaut und mit Details versehen, die konkrete Ereignisse andeuten. Die Entwickler sprechen von "eingefrorenen Momenten" , etwa einem verlassenen Tisch oder einer Szene kurz vor einem Kampf, die ohne Dialog Hinweise auf das Geschehen geben.

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Anzeige: Makita-Werkzeugkoffer im Makpac bei Amazon am günstigsten

Von Benjamin Gründken — 16. April 2026 um 19:12
Ein in der Vergangenheit oft ausverkaufter Werkzeugkoffer von Makita ist bei Amazon derzeit am günstigsten.
Bei Handwerkzeug denken viele an Wera und Hazet. Doch auch Makita bietet derlei. (Bild: Erzeugt mit ChatGPT; Amazon, Makita; Montage: Golem.de) amazon Affiliate

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Bei Handwerkzeug denken viele an Wera und Hazet. Doch auch Makita bietet derlei. Bild: Erzeugt mit ChatGPT; Amazon, Makita; Montage: Golem.de

Makita ist hauptsächlich für seine Akkus und das 18-Volt-Ökosystem aus Akkuschraubern, Gartengeräten und Bohrhämmern bekannt. Das Sortiment der Japaner erschöpft sich jedoch nicht darin. Handwerkzeuge gehören fest zu Makitas Portfolio.

Ein Beispiel dafür ist das 120-teilige Werkzeug-Set Makita E-08713 im Makpac der Größe 1. Dieses enthält zahlreiche Bits, eine Ratsche, Schraubenschlüssel und Stecknüsse. Das Set war schon mehrmals bei Amazon vergriffen und kostet gerade den besten Preis unter den im Preisvergleich gelisteten Shops.

Was steckt drin im Makita-Werkzeugkoffer im Makpac?

Die 120 Teile des Werkzeugkoffers setzen sich hauptsächlich aus Bits und Stecknüssen zusammen. Angesprochen werden Schrauber und Bastler, die zum Beispiel in der Garage an ihren Fahrzeugen schrauben oder häufiger Schuppen und Gartenhäuser umbauen.

Natürlich muss man die Bits und Nüsse irgendwie zum Zuge bringen. Deshalb gehört eine Ratsche in 3/8 Zoll zum Lieferumfang. Verlängerungen findet man ebenfalls im Makpac. So auch einen magnetischen Ringmaulschlüssel.

Ebenfalls vorhanden sind sieben Ringmaulschlüssel, ein Innensechskantschlüssel-Set und zwei Zündkerzen-Stecknüsse in 16 und 21 Millimeter. Stecknüsse gibt es einige. Das Bit-Sortiment ist 50-teilig und deckt Profile wie Torx und PZ ab.

Bester Preis laut Preisvergleich

Gerade kostet das mit 4,7 von 5 Sternen bewertete Werkzeug-Set von Makita bei Amazon 65,89 Euro. Zusammen mit Gotools ruft Amazon

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unter den 63 Shops mit einer Offerte im Golem-Preisvergleich, powered by Geizhals, den derzeit besten Vergleichspreis auf. Andere nehmen wenigstens 71,71 Euro. Zudem zeigt der Preistracker Keepa, dass das Set mit Verkauf und Versand via Amazon im vergangenen Jahr oft vergriffen war. Auch im März 2026 war der Koffer immer wieder nicht lagernd erhältlich.

Makita E-08713 Werkzeug-Set

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Eine Alternative ist das Werkzeug-Set E-10883. Hier gibt es zwar kein Makpac, aber 221 Teile, zum Beispiel zwei Ratschen in 1/2 und 1/4 Zoll, Steckschlüsseleinsätze, Bits, Zündkerzeneinsätze, Verlängerungen, Adapter, Steckschlüssel- und Schraubendreher-Bits, Ringmaulschlüssel und ein Innensechskantschlüssel-Set. Das Set kostet bei Amazon den aktuell besten Vergleichspreis in Höhe von 92,99 Euro

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. Formal ist zwar Voelkner noch 1,32 Euro günstiger, der Shop verlangt aber Versandkosten.

Makita E-10883 Werkzeug-Set 221-teilig

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Nicht spannend genug? Weitere Makita-Sets findet man bei Amazon in der Übersicht.

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Verbraucherzentrale NRW: Netzagentur soll Minderung bei niedriger Datenrate klären

Von Achim Sawall — 16. April 2026 um 18:57
Laut den Verbraucherschützern liegt es an der Bundesnetzagentur , Klarheit zu schaffen, welche Entschädigung Mobilfunknutzer erhalten, wenn die Datenrate viel zu niedrig ist.
Gutes Netz gefragt: Mann fotografiert auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt am Main. (Bild: KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP via Getty Images)
Gutes Netz gefragt: Mann fotografiert auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt am Main. Bild: KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP via Getty Images

Verbraucherschützer fordern, dass die Bundesnetzagentur Klarheit dazu schafft, was Netzbetreiber ihren Kunden bei zu geringer Datenrate zahlen müssen. Das sagte Erol Burak Tergek, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Golem am 16. April 2026 auf Anfrage. "Rechtssicherheit kann nur geschaffen werden, wenn die Bundesnetzagentur eine Berechnungsmethode veröffentlichen würde, auf die sich alle Betroffenen berufen könnten" , betonte Tergek.

In dieser Woche hatte die Bundesnetzagentur mit einer neuen App und einer Verfügung angekündigt, den Nachweis einer zu niedrigen Datenrate im Mobilfunk einfacher zu machen.

Laut Tergek formuliert das Gesetz nur die Voraussetzung für eine Minderung, jedoch nicht, wie sie zu berechnen ist. Die Bundesnetzagentur fasse nur verschiedene Berechnungsmodelle zusammen, ohne selbst eines vorzuschlagen. Die Folge davon sei, dass Anbieter unterschiedliche Modelle nutzten und für Verbraucher wenig rechtliche Einwendungsmöglichkeiten bestünden. Tergek: "Eine Klage ist aufgrund des geringen Streitwerts oft nicht verhältnismäßig, so dass die Betroffenen die niedrigen Minderungen hinnehmen müssen."

Verbraucherzentrale NRW: Minderungsbetrag vergleichsweise hoch ansetzen

Laut Tergek bleibt bei der Minderung im Mobilfunk abzuwarten, wie die Anbieter reagieren. "Wir fordern, dass die Anbieter kompromissbereit sind und faire Minderungen bei einer nachgewiesenen Minderleistung anbieten. Da die Abschläge im Mobilfunk sehr hoch bemessen sind und dadurch eine Minderung nur bei einer gravierenden Schlechtleistung in Betracht kommt – Abzug von 75 bis 90 Prozent der vereinbarten Leistung -, dürfte der Minderungsbetrag vergleichsweise hoch anzusetzen sein" , sagte er.

Matthias Podolski, Sprecher der Bundesnetzagentur, erklärte Golem, die Höhe der Minderung "kann sich von Einzelfall zu Einzelfall unterscheiden. Zu empfehlen ist eine Einigung im Dialog mit dem Anbieter. Verbraucher können im Streitfall bei der Bundesnetzagentur einen Schlichtungsantrag stellen. Kommt keine gütliche Einigung zustande, müssen gegebenenfalls die Zivilgerichte entscheiden." Zudem verwies er auf das Sonderkündigungsrecht, wodurch mehrere konkurrierende Netzbetreiber und zahlreiche Anbieter zur Auswahl stünden, zu denen gewechselt werden könne. Insofern habe das Sonderkündigungsrecht im Mobilfunk die Stellung der Verbraucher aus Sicht der Behörde verbessert.

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Störungsmeldung vom 16.04.2026 17:30

Von heise online — 16. April 2026 um 17:30

Neue Störungsmeldung für Provider O2

Details

Beginn
16.04.2026 17:30
Region
Dorfen Stadt (08081)
Provider
O2
Zugangsart
VDSL

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Störungsmeldung vom 16.04.2026 10:50

Von heise online — 16. April 2026 um 10:50

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
16.04.2026 10:50
Region
Michelstadt (06061)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

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Counterpoint-Vorhersage: Apple reißt Foldable-Markt an sich

Von Heise — 16. April 2026 um 11:12
Mensch mit Foldable

Mensch mit Foldable (nicht von Apple): Das iPhone Ultra wird im Herbst erwartet.

(Bild: Karlis Dambrans / Shutterstock)

Das iPhone Ultra soll ab September Apples erstes Falt-Handy werden. In Nordamerika könnte es laut Marktforschern schnell Samsung & Co. überholen.

Wenn Apple mit seinem iPhone Ultra [1] im kommenden Herbst erstmals auf den Foldable-Markt vordringt, könnte der Hersteller schnell Marktanteile gewinnen. Davon geht zumindest das üblicherweise zuverlässige Marktforschungsunternehmen Counterpoint in einer in dieser Woche veröffentlichten Prognose aus. Allein in den USA könnte Apple demnach noch 2026 bis zu 46 Prozent des Gesamtmarktes an sich nehmen. Dank dem iPhone Ultra (das möglicherweise auch anders [2] heißt) soll der Markt für Falt-Handys zudem stark wachsen – laut Counterpoint bis zu 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders viel Druck werde dabei auf Google mit seinem Pixel Fold [3] ausgeübt, aber auch Samsung und Motorola könnten mit ihren Foldables Marktanteile verlieren, schreibt Counterpoint.

Markt wird umgepflügt, meint Counterpoint

Bei Google sieht Counterpoint trotz möglicherweise überarbeiteter Hardware eine Marktanteilsschrumpfung von 5 Prozent auf 3 Prozent im Jahr 2026. Der Marktanteil von Motorola mit seinen Razr-Foldables gehe gar um fast die Hälfte (von 44 auf 23 Prozent). Auch für Samsung sagt Counterpoint Verkaufsverluste voraus: Der Marktanteil werde von 51 auf 29 Prozent zurückgehen, auch wenn der Konzern global bei Foldables besser aufgestellt sei und selbst ein Pass-ähnliches Faltbares [4] wie Apple plant.

Counterpoint hat mit seiner Prognosestudie nur auf den nordamerikanischen Markt geschaut. In anderen Weltregionen könnte Apple mehr oder weniger Marktanteil erzielen. In den USA werde Apple die Richtung des Marktes „signifikant ändern”, so Counterpoint-Analystin Liz Lee. Foldables sind aktuell allerdings sowieso nur ein Nischengeschäft.

Was passiert in China?

Der Foldable-Markt ist komplexer als andere Smartphone-Segmente. So werden viele Topmodelle aus China nicht in den USA oder Europa angeboten. So verkauft etwa Huawei seine Geräte nicht in den Vereinigten Staaten. Oppo, das mit dem Find N6 [5] zuletzt mit einem ersten nahezu „faltenfreien“ Foldable auf den Markt kam, bringt seine Geräte außerhalb Chinas nur langsam raus. Es kommt also zu Marktverzerrungen, weil nicht alle Geräte in allen Ländern verfügbar sind.

Spannend ist daher, wie sich der chinesische Markt entwickelt, wo immer wieder auch besondere Foldables – etwa Trifolds [6] – erschienen waren. Apple ist allerdings hervorragend positioniert, besonders teure Produkte in den Markt zu drücken. Der Konzern wird angeblich mindestens 2000 US-Dollar pro Ultra verlangen, mit mehr Speicher könnte es in Richtung 2800 Dollar gehen. Die Euro-Preise dürften bei Vollausstattung die 3000er-Marke knacken.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11258867

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/iPhone-Ultra-Neues-zu-moeglichen-Preisen-Technik-und-Verfuegbarkeiten-11254203.html
[2] https://www.heise.de/news/iPhone-Foldable-Namensfragen-Mockups-und-moegliche-Verschiebung-11247703.html
[3] https://www.heise.de/news/Pixel-10-Pro-Fold-Foldable-ist-so-wasser-und-staubfest-wie-ein-Smartphone-10553245.html
[4] https://www.heise.de/news/Faltbares-Apple-Handy-Kommt-der-Formfaktor-des-iPhone-mini-als-Pass-zurueck-11125785.html
[5] https://www.heise.de/news/Foldable-Find-N6-Oppo-buegelt-die-Falte-aus-11213537.html
[6] https://www.heise.de/news/Nach-nur-drei-Monaten-Samsung-stellt-Verkauf-des-Galaxy-Z-TriFold-ein-11214319.html
[7] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
[9] mailto:bsc@heise.de

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Mac: Native App für Gemini, Claude Code parallelisiert

Von Heise — 16. April 2026 um 10:34
Gemini-App auf dem Mac

Gemini-App auf dem Mac.

(Bild: Google)

Google und Anthropic rüsten auf dem Mac auf: Gemini kommt erstmals als eigene Anwendung, während Claude Code gleichzeitige Sessions beherrscht.

Seit Längerem schon gibt es native Apps von Claude, Claude Code, Perplexity oder ChatGPT für den Mac [1]. Google mit Gemini fehlte bislang. Das hat der Internetriese nun geändert: In der Nacht zum Donnerstag wurde die erste native App für das KI-System freigegeben. Die Anwendung läuft ab macOS 15 alias Sequoia und kostet nichts, solange man mit einem Gratis-Account zurechtkommt.

Shortcut und generative Modelle

Ähnlich wie ChatGPT oder Claude versucht sich Google mit der Gemini-App für macOS [2] an einer tieferen Integration ins System. Die App ist durch einen Tastaturbefehl zu erreichen, der an die macOS-Systemsuche Spotlight erinnert: Statt Command + Leertaste ist es Option + Leertaste. Ein vollständiges Gemini-Fenster erhält, wer zusätzlich die Umschalttaste drückt. Die App ist zudem via Dock und Menüleiste erreichbar. Wie bei der Konkurrenz lassen sich auch Bildschirminhalte und einzelne Fenster freigeben, damit Gemini diese analysieren kann und „kontextbezogene Hilfe“ bietet, so Google. Integriert sind außerdem generative Modelle für Bilder und Video, also Nano Banana [3] und Veo, die sich „mit einem Klick“ aufrufen lassen sollen. Weitere Google-Werkzeuge wie NotebookLM, aber auch Dateien, Drive und Fotos sind eingebaut, auch wenn letztere drei nicht zur KI-Suite gehören.

Google hat im Gegensatz zu Perplexity-Computer [4] und anderen Ansätzen wie OpenClaw derzeit noch keine Desktop-Automatisierungen eingebaut. Diese sind aber künftig geplant. „Wir legen den Grundstein für einen wirklich persönlichen, proaktiven und leistungsstarken Desktop-Assistenten – in den kommenden Monaten werden wir Ihnen weitere Informationen dazu mitteilen“, schreibt das Unternehmen. Bestehende Gemini-Accounts von Mobilgeräten können weiterverwendet werden.

Session-Player Claude Code

Neben der Gemini-App für macOS tut sich im Hinblick auf Mac-KI auch etwas beim Google-Konkurrenten Anthropic. Dort hat man nun dem Desktop-Client von Claude Code [5] neue Möglichkeiten verschafft. Er kann nun Sessions parallelisiert anzeigen und abfahren, Terminal-Fenster einblenden, mit verschiedenen Repos interagieren und mehr.

Ein YouTube-Video der neuen Features [6] wirkt anfangs recht chaotisch, da viele Entwickler mit parallelen Sessions arbeiten, ist der neue Funktionsumfang aber willkommen. Dabei gilt es zu beachten, ein ausreichend großes Claude-Paket abonniert zu haben. Die App ist auch für Windows und Linux zu haben, unter macOS und Linux kam nun auch SSH-Support hinzu.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11259974

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/KI-zu-Befehl-So-kontrollieren-Sie-mit-Kuenstlicher-Intelligenz-Ihren-Mac-11162430.html
[2] https://gemini.google/mac/
[3] https://www.heise.de/tests/Nano-Banana-ausprobiert-Die-beste-kostenlose-KI-Bildbearbeitung-von-Google-10621377.html
[4] https://www.heise.de/news/Perplexity-baut-Personal-Computer-auf-Mac-mini-Basis-11209166.html
[5] https://claude.com/blog/claude-code-desktop-redesign
[6] https://www.youtube.com/watch?v=rWaQSQEm_aY
[7] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
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heise+ | Orion im Test: Der Browser, der Chrome & Firefox vereint

Von Heise — 16. April 2026 um 10:00

Orion nutzt die Rendering-Engine von Apples Browser Safari, unterstützt Chrome- und Firefox-Erweiterungen und hält weitere nützliche Überraschungen bereit.

Der Browser ist die meistgenutzte Anwendung auf dem Rechner – und gleichzeitig die, über die sich viele am wenigsten Gedanken machen. Oftmals kommt so die vorinstallierte App oder einen Chrome-Klon zu Einsatz. Denn fast alle „alternativen“ Browser nutzen den technischen Unterbau von Googles Browser.

Das Unternehmen Kagi geht einen anderen Weg. Es setzt bei seinem Browser Orion auf das technische Fundament von Apples Safari-Browser und bettet sich gut in die Mac-OS-Welt ein. Auf die bei anderen Browsern allgegenwärtigen KI-Beigaben verzichtet der Hersteller bewusst.

Ich nutze den Browser seit ein paar Wochen als Standardbrowser und zeige, wo sich Orion bewährt hat. An einigen Stellen muss man ihn mit Erweiterungen aufrüsten. Und es gibt ein paar Details, bei denen der neue Browser noch nicht rund läuft.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11229328

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Orion-im-Test-Der-Browser-der-Chrome-Firefox-vereint-11229328.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/Bookmark-Manager-Links-sammeln-und-clever-organisieren-11213553.html
[3] https://www.heise.de/ratgeber/YouTube-per-Bookmarklet-ohne-peinliche-Uebersetzungen-nutzen-11150540.html
[4] https://www.heise.de/tests/Comet-fuer-Android-Wie-Perplexitys-KI-Browser-die-Google-Suche-ersetzen-will-11099570.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/So-nutzen-Sie-Bookmarklets-zum-Automatisieren-im-Browser-11081590.html
[6] https://www.heise.de/ratgeber/WhatsWeb-Webseiten-Scanner-im-Test-11078848.html
[7] https://www.heise.de/ratgeber/KI-Browser-Was-hinter-den-Trojanische-Surfbrettern-steckt-10973803.html
[8] https://www.heise.de/tests/Smarter-surfen-Sieben-Browser-mit-KI-Funktionen-im-Vergleich-10665754.html
[9] https://www.heise.de/tests/Smarter-surfen-Sieben-Browser-mit-KI-Funktionen-im-Vergleich-10665754.html
[10] https://www.heise.de/hintergrund/Ungestoert-surfen-Werbung-Banner-Tracking-und-andere-Quaelgeister-loswerden-10501676.html

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Schweiz als Atomlabor: Zwischen Altlasten und neuen Reaktorträumen

Von Heise — 16. April 2026 um 09:45
Schweizer Kreuz wird in Zeichen für Radioaktivität gemorpht

Die Schweiz steht vor einem Milliarden-Grab: Alte AKW sollen länger laufen – und neue Reaktortypen wecken große Versprechen.

Noch gibt es keine praktikable Lösung für den Umgang mit den Resten von sechs Jahrzehnten Kernkraftabenteuer, da werden schon neue Forderungen aufgemacht. So fordert Brüssel angesichts durch den Iran-Krieg gestiegener Ölpreise einen Ausbau der Atomkraftwerke.

Ein Vorreiter dieser Bewegung scheint die Schweiz zu werden. Dort stehen einerseits die Stromkonzerne Axpo [1] und Alpiq [2] unter Druck, die Laufzeit der neueren Schweizer AKW Leibstadt und Gösgen zu verlängern, weil sie für eine sichere Energieversorgung der Schweiz länger laufen müssten als die bislang konzipierten 60 Jahre.

"Laut früheren Schätzungen der ETH braucht es für einen um zehn Jahre längeren Betrieb Investitionen von rund einer Milliarde Franken pro AKW", meldete [3] das SRF am 4. April dieses Jahres. An diesen Kosten und den damit verbundenen finanziellen Risiken müsse sich der Staat, so die Betreiber, beteiligen.

Der Bund ist von diesem Vorschlag gar nicht begeistert, denn Gösgen [4] und Leibstadt [5] würden inzwischen mit der Stromproduktion Gewinn machen. Zum anderen gehöre die Axpo großen Kantonen und die sollen laut Energieminister Albert Rösti die Forderung nicht nach Bern verschieben. Auch bei Alpiq ist im Übrigen die öffentliche Hand beteiligt.

Die Stromkonzerne Axpo und Alpiq drücken aufs Tempo, denn im Falle von Gösgen brauche es bis 2029 eine Entscheidung, ob das AKW länger als 60 Jahre laufen solle. Falls dies erwartet werde, brauche es eine lange Vorlaufzeit für die dafür nötigen Investitionen.

Für den angefallenen Atommüll will die Schweiz am Hochrhein an der Grenze bei Hohentengen (Kreis Waldshut) ein Atommüllendlager [6] bauen. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra [7]) hatte bereits 2022 entschieden, dass das Lager in einem Gebiet namens Nördlich Lägern [8] im Kanton Zürich gebaut werden solle. Der Bauantrag, das sogenannte Rahmenbewilligungsgesuch, läuft.

Interessanterweise soll sich der Untergrund nur auf der Schweizer Seite für ein Atommüllendlager eignen. Der durch den Hochrhein getrennte Bereich auf deutscher Seite soll als Endlager im Gegensatz zum schweizerischen Areal nicht geeignet sein.

Die Bauarbeiten für das Endlager der Nagra sollen 2045 starten. Das ausgewählte Gebiet und die deutschen Gemeinden jenseits des Hochrheins sind schon heute durch die dort verlaufenden Einflugschneisen für den Flughafen Zürich-Kloten stark beeinträchtigt.

Flüssigsalzreaktoren zur Müllbeseitigung

Als Alternative zur Atommüllendlagerung wird immer wieder der Einsatz von Flüssigsalzreaktoren zur Diskussion gestellt. Integral Molten Salt Reactors (IMSR), welche die Firma Terrestrial Energy [9] als "a clean energy alternative to fossil fuels" bezeichnet, werden schon seit geraumer Zeit [10] von dem in den USA und in Kanada angesiedelten Unternehmen entwickelt.

Dual Fluid hat jetzt den nächsten Schritt zur Realisierung seiner Idee zur energetischen Nutzung des vorliegenden Atommülls angetreten.

Das deutsch-kanadische Unternehmen Dual Fluid [11] hat mit der Regierung von Ruanda [12] eine Vereinbarung über den Bau eines Testreaktors unterzeichnet. Bei dem geplanten Projekt handelt es sich um eine neuartige Form eines Flüssigsalzreaktors, den sogenannten Dual-Fluid-Reaktor (DFR).

Dual-Fluid-Reaktoren sollen bis zu 100 Mal effizienter bei der Brennstoffnutzung sein als bisherige Typen. In den Reaktoren werden flüssige Kernbrennstoffe verwendet, weshalb es weder zu Kernschmelzen kommen könne wie in Fukushima noch zu Reaktor-Explosionen wie in Tschernobyl.

Auf Basis einer theoretischen Demonstration soll man zeigen können, dass ein solches System funktioniert. Was bislang fehlt, ist ein sogenannter Demonstrator, der zeigen könnte, dass man in der theoretischen Bewältigung keine Facette übersehen habe. Ein Demonstrator gilt als Vorstufe zu einem Prototyp.

In Ruanda sollen die Genehmigungsbehörden deutlich offener für neue Technologien sein als ihre Pendants in Deutschland.

Materialbelastung in der Praxis noch nicht gesichert

In den Leitungen der beiden Kreisläufe fließen flüssige Metalle mit bis zu 1.000 Grad Celsius. Das erfordert außergewöhnlich robuste Materialien. Korrosion und Beschädigung an den Kreisläufen sind zumeist das größte Problem bei diesen Konzepten. Große internationale Investoren halten sich bei dem Projekt in Ruanda offensichtlich bislang zurück.

Mit einem Realisierungsvorschlag für ihr Konzept eines Flüssigsalzreaktors scheint die dänische Firma Copenhagen Atomics [13] inzwischen deutlich weiter als das Projekt in Ruanda.

Im Schweizer Villigen planen sie ihre Revolution bei der Entwicklung neuer Atomtechnik. Villigen liegt im Schweizer Kanton Aargau. Dort ist das Paul-Scherrer-Institut [14] (PSI) angesiedelt, ein multidisziplinäres Forschungszentrum für Natur- und Ingenieurwissenschaften. Es beschäftigt sich auch mit Nukleartechnik.

Im benachbarten Würenlingen steht zudem das eidgenössische Zwischenlager für radioaktive Abfälle, das auch als Zwilag [15] bekannt ist. Etwas flussabwärts an der Aare befinden sich zudem Beznau 1 und 2, die ältesten Atommeiler der Schweiz. Der nicht unwesentliche Vorteil der Lage besteht darin, dass Kernkraft dort kein Reizthema ist, da viele Anwohner auch kostengünstige Fernwärme aus den Reaktoren beziehen.

Ein Problem der Flüssigsalzreaktoren ist der Einsatz von flüssigem Salz. Dieses greift die Metalllegierungen an und die Neutronenstrahlung macht Metalle brüchig. Die Lebensdauer der Kleinkraftwerke wird deshalb nur rund fünf Jahre betragen. Dann ist nach den vorliegenden Angaben ein Austausch nötig.

Wird die erste Anlage am PSI angesiedelt, könnte man von einem Forschungsprojekt ausgehen, für das kein umfangreiches Bewilligungsverfahren benötigt würde. Bewilligungstechnisch hätte man damit mit dem Konkurrenzprojekt in Ostafrika gleichgezogen, könnte jedoch auf ein deutlich qualifizierteres Umfeld zugreifen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11256743

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.axpo.com/ch/de.html
[2] https://www.alpiq.com/de/
[3] https://www.srf.ch/news/schweiz/staatshilfe-fuer-alte-akw-axpo-forderung-laesst-energieminister-roesti-leer-schlucken
[4] https://www.kkg.ch/
[5] https://www.kkl.ch/home
[6] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/weitere-fortschritte-bei-den-plaenen-fuer-schweizer-endlager-im-grenzgebiet-hochrhein-100.html
[7] https://nagra.ch/
[8] https://nagra.ch/wissensforum/noerdlich-laegern-das-standortgebiet-fuer-das-geologische-tiefenlager-der-schweiz/
[9] https://www.terrestrialenergy.com/
[10] https://www.telepolis.de/article/Rueckkehr-der-Kernkraft-in-Deutschland-7255478.html
[11] https://dual-fluid.com/
[12] https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/dual-fluid-reaktor-ruanda-kernkraftwerk-atomkraft-100.html
[13] https://www.copenhagenatomics.com/
[14] https://www.psi.ch/de
[15] https://www.zwilag.ch/

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Wie der Cyberraum die Logik strategischer Stabilität verschiebt

Von Heise — 16. April 2026 um 08:00
Kontrolllampen mit zerbröselnden Icons für

Cyberangriffe zerstören keine Städte, untergraben aber die Gewissheiten atomarer Abschreckung. Was wie technische Störung aussieht, könnte ein Angriff sein.

Die globale Sicherheitsordnung fußt auf der Annahme, dass strategische Stabilität [1] durch kalkulierbare Gegenseitigkeit entsteht. Besonders im nuklearen Bereich gilt das Prinzip der Abschreckung als historisch bewährt: Die Fähigkeit zur gesicherten Zweitschlagkapazität soll verhindern, dass Konflikte überhaupt erst eskalieren. Diese Stabilität war nie eine Frage von Waffen, sondern eine Frage von Kommunikation und Vertrauen in Systeme.

Dieser unsichtbare Grundstock gerät im digitalen Zeitalter unter Belastung. Der Cyberraum führt keine Waffenkategorie ein, die sich in bestehende Modelle einfügt. Er verändert jedoch die Konditionen, unter denen Rationalität funktioniert.

Wenn Stabilität von Informationsintegrität abhängt

Atomare Abschreckung [2] setzt voraus, dass wichtige Systeme resilient funktionieren: Frühwarnung, Kommunikation, Lagebilder, Entscheidungswege. Diese Infrastruktur ist nicht nur technisch relevant, sondern politisch konstitutiv. Sie bestimmt, ob ein Ereignis als Gefährdung erkannt, bewertet und beantwortet werden kann.

Mit der Digitalisierung dieser Systeme wächst ihre Verwundbarkeit gegenüber Manipulationen, die wenig zerstörerisch wirken müssen, um massiv zu sein. Minimale Störungen in Datenflüssen, Zeitverzögerungen oder Signalverfälschungen können die Wahrnehmung strategischer Lagen verändern. Somit verschiebt sich der Fokus von der Waffenkraft hin zur Informationsintegrität.

Unsicherheit als strategisches Werkzeug

Der gravierende Einschnitt ist, dass Unsicherheit im Cyberraum keineswegs ein Nebeneffekt ist, sondern strategisch nutzbar wird [3]. Während klassische Abschreckung auf Drohung beruht, operieren Cyberfähigkeiten häufig in einem Feld, in dem Absicht, Herkunft und Wirkung bewusst verschleiert bleiben.

Das führt zur paradoxen Entwicklung: Stabilität wird selten ausschließlich durch Stärke erzeugt, vielmehr durch die Kontrolle von Unsicherheit. Staaten müssen nicht lediglich abschrecken. Sie müssen parallel mit dem permanenten Risiko leben, nicht zu wissen, ob sie bereits Ziel einer Operation waren.

Diese Form der Unsicherheit ist qualitativ anders als zuvor, weil sie nie episodisch auftritt, sondern dauerhaft strukturell präsent ist.

Die Auflösung klarer Eskalationsstufen

Klassische Abschreckungslogik [4] basiert auf Eskalationsstufen, die zumindest theoretisch unterscheidbar bleiben: konventioneller Konflikt, begrenzter Krieg, nukleare Schwelle. Diese Struktur ermöglicht Steuerung, da Akteure wissen, wo sie sich befinden.

Cyberoperationen unterlaufen diese Staffelung. Ein Angriff kann zeitgleich Spionage, Sabotage und infrastrukturelle Störung sein. Sein Effekt kann lokal limitiert beginnen und systemisch enden, ohne dass der Übergang eindeutig markiert ist.

Es entsteht ein Konfliktmodus, in dem Eskalation kaum als Stufenmodell sichtbar wird, eher als stetiger Prozess der Verdichtung von Unsicherheit.

Die Krise der Attribution als strategisches Problem

Ein bedeutsamer Aspekt dieser Entwicklung ist die wachsende Schwierigkeit der Zuschreibung. In militärischen Konflikten ist das Dilemma der Verantwortlichkeit umkämpft, aber technisch meist relativ greifbar. Im Cyberraum ist das Gegenteil der Fall: Technische Spuren sind oft mehrdeutig, absichtlich verschleiert oder bloß mit hoher Unsicherheit interpretierbar.

Diese Situation produziert eine Misere. Reaktionen müssen entschieden werden, bevor Gewissheit hergestellt werden kann. Oder sie bleiben aus und riskieren Verwundbarkeit. Bei beiden Optionen wird Unsicherheit zum Handlungsproblem.

Im Zuge dessen verschiebt sich Sicherheitspolitik von einer Logik der Reaktion zur Logik der Verdachtsbewirtschaftung.

Die Digitalisierung der Abschreckungssysteme als Risiko

Besonders kritisch wird der Prozess dadurch, dass die Kernsysteme nuklearer Abschreckung immer häufiger digitalisiert sind. Frühwarnsysteme, Kommunikationsnetze und Entscheidungsarchitekturen sind auf komplexe IT-Infrastrukturen angewiesen, die wiederum potenziell angreifbar sind.

Dabei muss ein Angriff nicht direkt auf atomare Waffen zielen, um Wirkung zu entfalten. Es reicht, die Informationsumgebung zu destabilisieren, in der Entschlüsse getroffen werden. Winzige Verzerrungen in Daten oder Zeitabläufen können in hochsensiblen Situationen erhebliche Folgen haben.

Das Risiko ist mitnichten die Zerstörung von Abschreckungskapazität, vielmehr die etwaige Verzerrung ihrer Wahrnehmung.

Strategische Stabilität ohne epistemische Sicherheit

Die Verschiebung gründet darauf, dass strategische Stabilität kaum mehr von materiellen Kapazitäten abhängt, sondern von epistemischer Sicherheit – also konkret, ob Systeme zuverlässig verstanden werden können.

Der Cyberraum greift genau diese Ebene an. Er erzeugt Situationen, in denen Informationen unpräzise sind, Ursachen nur vage zugeordnet werden können und Ereignisse mehrere plausible Analysen zulassen.

So bildet sich ein Status, in dem Stabilität nicht gänzlich verschwindet, aber ihr Fundament drastisch modifiziert wird: Sie wird abhängig von Interpretationskompetenz statt von Deutlichkeit.

Die Normalisierung des Unsicheren

Langfristig mündet dieser Trend in der Verschiebung sicherheitspolitischer Normalität. Während Unsicherheit im früheren Abschreckungsmodell berechenbar blieb, wird sie in der digitalen Ära zum latenten Zustand.

Das heißt nicht zwangsläufig mehr Krieg, aber ein Umbruch der Bedingungen, unter denen Frieden definiert wird. Frieden wird weniger zum Zustand robuster Ordnung als zum Prozess kontinuierlicher Risikoverwaltung.

Die eigentliche Transformation liegt in keiner Weise in neuartigen Waffen. Sie gründet auf neuem Boden strategischer Politik: der Normalisierung von Unsicherheit als strukturellem Dauerzustand.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bpb.de/themen/europa/russland-analysen/nr-393/318630/analyse-strategische-stabilitaet-im-21-jahrhundert/#:~:text=In%20der%20klassischen%20Definition%20stellt%20strategische%20Stabilit%C3%A4t,ohne%20Anreize%20f%C3%BCr%20einen%20Ersteinsatz%20zu%20schaffen
[2] https://www.heise.de/tp/article/Nukleare-Abschreckung-Ohne-Transparenz-wird-sie-zum-Risiko-11245820.html
[3] https://www.deutschlandfunk.de/cyberattacken-und-wie-staaten-darauf-reagieren-100.html
[4] https://www.deutschlandfunkkultur.de/nukleare-abschreckung-als-strategie-kann-das-nicht-rational-sein-100.html

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Russlands Schattenflotte: Großbritannien als Zaungast vor der eigenen Küste

Von Heise — 16. April 2026 um 06:00
Ein Schiff mit Matrosen an Deck

Matrosen an Deck der HMS Dragon

(Bild: Kevin Shipp/Shutterstock.com)

Russlands Tanker durchqueren den Ärmelkanal, während Großbritannien machtlos zuschaut. Warum der Iran-Krieg diese Entwicklung beschleunigt. Ein Gastbeitrag.

Es gibt kaum etwas, das britische Politiker so sehr in Rage bringt, wie die Erwähnung von Russlands "Schattenflotte". Doch die erfolglose Verfolgung russischer Tanker im Ärmelkanal in der vergangenen Woche zeigt, dass Großbritannien kaum Mittel hat, um dagegen vorzugehen.

Am 9. April wurden zwei russische "Schatten"-Öltanker von einer russischen Marinefregatte durch den Kanal eskortiert [1]. Sie waren mit allerlei Waffen, darunter auch Antischiffsraketen, bewaffnet. Die Royal Navy konnte lediglich einen Hilfstanker aufbieten, der hilflos hinterherfuhr. Der Daily Telegraph berichtete [2] über diese "heroische" Operation vom Deck eines 12 Meter langen Fischerboots aus, das im Kielwasser des Tankers folgte.

Machtlose Marine

Ian Proud
Unser Gastautor Ian Proud
(Bild: RS [3])

Es zeichnet sich ein regelmäßiges Muster ab, bei dem die Royal Navy Schiffe entsendet, die den besser bewaffneten [4] russischen Marineeskorten unterlegen sind.

Die Unfähigkeit der Royal Navy, russische Tanker herauszufordern, hat Proteststürme von Oppositionspolitikern, darunter auch dem ehemaligen Premierminister Boris Johnson [5], ausgelöst. Inzwischen hat der britische Generalstaatsanwalt entschieden, dass britische Kräfte russische Schiffe wohl nicht entern dürfen [6], um sie festzusetzen, da dies gegen internationales Recht verstoßen könnte.

Die politische Botschaft ist dennoch eindeutig: Selbst wenn Großbritannien Soldaten entsenden würde, um eskortierte russische Tanker zu entern, könnten diese beschossen werden, ohne dass es wirksame militärische Mittel gäbe, der russischen Marine etwas entgegenzusetzen. Die Royal Navy ist außerstande, Macht zu projizieren – selbst in unmittelbarer Nähe der eigenen Küsten.

Eine britische Fregatte und ein Hubschrauber vertrieben russische U-Boote, die offenbar über Unterseekabeln lauerten [7]. Dies verschaffte dem angeschlagenen Verteidigungsminister John Healey etwas Luft. Im Pressesaal der Downing Street informierte er daraufhin die Medien [8] über die Operation. Doch das wird kaum ausreichen, um das wachsende Gefühl nationaler Blamage [9] und die Wut über den beklagenswerten Zustand der britischen Streitkräfte zu dämpfen.

Labour in Schwierigkeiten

Der ohnehin stark verzögerte Verteidigungsinvestitionsplan [10] wird ganz offensichtlich bis nach den anstehenden Kommunalwahlen im Mai zurückgehalten, da er vermutlich weitere Projekte auflisten wird, die sich Großbritannien nicht leisten kann oder einstellen sollte, anstatt wirkliche Neuerungen zu bringen.

Wenn er veröffentlicht wird, wird er, so meine Prognose, für die Labour-Regierung, die unter katastrophalen Umfragewerten [11] leidet, zur politischen Demütigung. Nur noch ein Fünftel der Bevölkerung würde sie wählen – ein historischer Tiefstand für eine Regierungspartei.

Der Fall der HMS Dragon [12] ist beispielhaft für den Verfall der britischen Marine: Der einzige Luftverteidigungszerstörer, den Großbritannien hastig aus der Wartung holte und verspätet ins Mittelmeer entsandte, um defensive Operationen gegen den Iran zu unterstützen, wurde von technischen Problemen geplagt und musste erneut zur Reparatur ins Dock.

Russland schickt Kriegsschiffe zur Eskorte

Russland hingegen wurde ermutigt. Nachdem Moskau seine Flotte in den letzten Jahren deutlich vergrößert hat [13], ist es zunehmend in der Lage, die Gewässer vor Europa zu dominieren und britische sowie europäische Schiffe zu bedrohen. So warnte [14] im Mai 2025 ein russisches Kampfflugzeug ein estnisches Schiff, das versuchte, einen russischen Tanker zu stoppen.

Nach der Beschlagnahmung eines russischen Tankers [15] auf dem Weg nach Kuba durch US-Streitkräfte im Januar und dem Entern eines Schattentankers [16] durch Frankreich am 20. März hat man sich dort offenbar entschieden: "Jetzt reicht’s!" – und schickt schwer bewaffnete russische Kriegsschiffe zur Eskorte von Öltankern.

Wirkungsloses Sanktionsregime

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine versuchen westliche Verbündete, Russlands Kriegswirtschaft zu schwächen, indem sie die Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen begrenzen. Diese machen etwa zwei Drittel der Exporte aus.

Da laut Schätzungen [17] rund 80 Prozent des russischen Öls per Schiff transportiert werden, schien es 2022 zumindest sinnvoll, das Netzwerk sogenannter "Schatten"-Tanker ins Visier zu nehmen: alternde russische Tanker mit undurchsichtigen Versicherungs- und Flaggenkonstruktionen. Doch vier Jahre später hat sich dieses Vorhaben als völlig bedeutungslos erwiesen. Nun wirkt es sogar kontraproduktiv.

Eines muss klar sein: Der Export russischen Öls war nie vollständig sanktioniert. Vielmehr führten die G7 im Dezember 2022 eine Preisobergrenze von 60 Dollar pro Barrel ein, um Russlands Einnahmen zu begrenzen. Im Juli 2025 senkte Europa diese Grenze weiter auf 47,60 Dollar, während die USA bei 60 Dollar blieben.

Trotz aller Beteuerungen hat Europa während des Ukrainekriegs weiterhin russisches Öl im Wert von mehreren Milliarden Euro importiert [18]. Russlands größte Abnehmer, China und Indien, kauften zu reduzierten Preisen [19] unterhalb der G7-Obergrenze. Der drittgrößte Kunde, die Türkei [20], hat seine Importe nahezu unverändert gehalten und balanciert geschickt auf dem schmalen Grat der Preisbeschränkungen.

Unterm Strich haben Russlands Exporterlöse seit 2022 offenbar nicht gelitten. Im ersten Jahr des Ukrainekriegs erzielte Russland mit 238 Milliarden US-Dollar seinen größten Leistungsbilanzüberschuss aller Zeiten [21]. Seitdem liegen die Exporte über dem historischen Durchschnitt.

EU und USA driften auseinander

Der Iran-Krieg hat die G7-Preisobergrenze nun jedoch faktisch bedeutungslos gemacht. Globale Käufer, die mit Treibstoffrationierungen [22] konfrontiert sind, zahlen jeden Preis, um an Öl zu kommen. Es ist daher klar, dass Russland 2026 erneut einen Geldsegen aus Ölexporten ziehen wird. Erste Analysen deuten sogar darauf hin, dass sich Russlands Steuereinnahmen aus Ölverkäufen im April verdoppeln könnten [23].

Seit Beginn des Kriegs im Iran hat Russland die Lage weiter verschärft, indem es sich weigert [24], Öl an Länder zu verkaufen, die die G7-Preisobergrenze unterstützen.

Mit dieser Politik sichert Russland sich eine bevorzugte Stellung gegenüber Entwicklungsländern und nimmt ihnen jeden Anreiz, Preisgrenzen durchzusetzen – gerade in Zeiten knapper Versorgung. Gleichzeitig setzt sie insbesondere Europa und Japan unter Druck, die unter steigenden Preisen und einem verknappten Angebot leiden.

In einer Zeit, in der die USA Sanktionen auf russische Öllieferungen vorübergehend gelockert haben [25], ist dies ein weiteres Zeichen für das Auseinanderdriften der amerikanischen und europäischen Russlandpolitik.

Die noch ungelöste [26] Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Ungarn über Öllieferungen durch die beschädigte Druschba-Pipeline mag jene Eurokraten begeistern, die glauben, russische Energie um jeden Preis meiden zu müssen. Die britische Aufregung darüber, dass wir russische Tanker im Ärmelkanal nicht stoppen können, zeigt jedoch vor allem, dass unsere Politiker den Blick für die strategischen Ziele gegenüber Russland und die Frage, ob unsere Politik Putin mehr schadet als uns selbst, verloren haben.

Derzeit ist glasklar: Unsere Volkswirtschaften leiden unter Energieknappheit, während im Kreml die Kassen klingeln und Russlands Marine die Wellen vor Britannien beherrscht.

Ian Proud war von 1999 bis 2023 Mitglied des diplomatischen Dienstes von Großbritannien. Von Juli 2014 bis Februar 2019 war er als Wirtschaftsberater an der britischen Botschaft in Moskau tätig. Vor kurzem veröffentlichte er seine Memoiren mit dem Titel "A Misfit in Moscow: How British diplomacy in Russia failed, 2014–2019" und ist als Non-Resident Fellow am Quincy Institute tätig.

Dieser Text erschien zuerst bei unserem Partnerportal Responsible Statecraft [27] auf Englisch.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.telegraph.co.uk/news/2026/04/08/russia-warship-mocks-starmer-in-channel/?msockid=22cdb8267f7a6494023caf0c7e906568
[2] https://x.com/TomCotterillX/status/2042256753937514606?s=20
[3] https://responsiblestatecraft.org/author/ianproud/
[4] https://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/russian-ship-english-channel-navy-b2906449.html
[5] https://www.express.co.uk/news/uk/2192360/real-reason-navy-wont-board-russian-ships
[6] https://www.lbc.co.uk/article/navy-blocked-from-boarding-russian-tankers-in-channel-as-putin-humiliates-starme-5HjdXXH_2/
[7] https://www.bbc.co.uk/news/articles/cre13qn9z7do
[8] https://responsiblestatecraft.org/media/
[9] https://www.gbnews.com/news/royal-navy-german-ships-nato-mission
[10] https://www.telegraph.co.uk/politics/2026/04/05/defence-spending-plan-delay-threatens-2bn-investment-loss/?msockid=22cdb8267f7a6494023caf0c7e906568
[11] https://www.economist.com/interactive/2025-british-politics
[12] https://www.bbc.co.uk/news/articles/c4gxw7px8glo
[13] https://responsiblestatecraft.org/russian-navy-build-up/
[14] https://www.marineinsight.com/russian-fighter-jet-violates-estonian-airspace-after-navy-attempts-to-stop-sanctioned-tanker/
[15] https://www.bbc.co.uk/news/live/cwynjdqgellt
[16] https://www.france24.com/en/france/20260320-french-navy-seizes-oil-tanker-sailing-from-russia-accused-of-flying-false-flag-in-mediterranean
[17] https://www.rusecrets.com/articles/how_russian_oil_and_gas_exports_are_currently_structured
[18] https://energyandcleanair.org/publication/eu-imports-of-russian-fossil-fuels-in-third-year-of-invasion-surpass-financial-aid-sent-to-ukraine/
[19] https://www.reuters.com/markets/commodities/key-points-about-russias-shadow-fleet-oil-tankers-2025-05-15/
[20] https://oilprice.com/Energy/Energy-General/Turkeys-Diversification-from-Russian-Crude-Is-More-Illusion-Than-Exit.html
[21] https://cbr.ru/eng/statistics/macro_itm/external_sector/pb/
[22] https://www.aninews.in/news/world/asia/countries-enforce-sweeping-curbs-amid-global-energy-crisis-triggered-by-west-asia-conflict20260323202646/
[23] https://www.reuters.com/business/energy/iran-war-doubles-russias-main-oil-revenue-9-bln-april-reuters-calculations-show-2026-04-09/
[24] https://www.trtworld.com/article/c5918cc57711
[25] https://edition.cnn.com/2026/03/13/energy/us-russia-sanctions-relief-oil-hnk-intl
[26] https://www.reuters.com/business/energy/ukraine-finish-druzhba-oil-pipeline-repairs-spring-zelenskiy-says-2026-04-10/
[27] https://responsiblestatecraft.org/uk-russia-shadow-fleet/

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Störungsmeldung vom 16.04.2026 09:31

Von heise online — 16. April 2026 um 09:31

Neue Störungsmeldung für Provider Telecolumbus

Details

Beginn
16.04.2026 09:31
Region
Plauen (03741)
Provider
Telecolumbus
Zugangsart
Kabel

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Chrome-Update stopft 31 Sicherheitslücken, davon fünf kritische

Von Heise — 16. April 2026 um 07:47
Chrome-Logo mit Achtung-Schild vor Matrix-Hintergrund; alles vom Winde verweht.

(Bild: heise medien)

Updates für Google Chrome aus der Nacht zum Donnerstag schließen 31 Sicherheitslücken. Fünf davon gelten als kritisches Risiko.

Wer mit Chrome und Chromium-basierten Webbrowsern unterwegs ist, sollte sicherstellen, den aktuellen Softwarestand einzusetzen. Google hat Updates veröffentlicht, mit denen die Entwickler 31 Sicherheitslücken schließen. Fünf davon gelten als kritisch, sie erlauben Angreifern das Einschleusen von Schadcode.

In der Versionsankündigung listen Googles Entwickler [1] die Schwachstellen auf. Manipulierte Webseiten können einen Heap-basierten Pufferüberlauf im WebGL-Backend ANGLE auslösen und dadurch aus der Sandbox ausbrechen (CVE-2026-6296 [2], CVSS 9.6, Risiko „kritisch“). Der Fehlerbericht war Google 90.000 US-Dollar wert, das ist damit eine der bislang höchsten Auszahlungen für eine Chrome-Sicherheitslücke.

Die Proxy-Komponente erlaubt ebenfalls aufgrund einer „Use-after-free“-Schwachstelle, dass Angreifer in „privilegierter Netzwerk-Position“ mit sorgsam präparierten Webseiten aus der Sandbox ausbrechen (CVE-2026-6297 [3], CVSS 8.3, Risiko „hoch“, laut Google aber „kritisch“). In der Grafikbibliothek Skia können manipulierte HTML-Seiten einen Heap-basierten Pufferüberlauf provozieren, der sensible Informationen aus dem Prozessspeicher entweichen lässt (CVE-2026-6298 [4], CVSS 4.3, Risiko „mittel“, laut Google „kritisch“).

Zahlreiche Schwachstellen in Chrome

Eine „Use-after-free“-Lücke beim Prerendering von Webseiten in Chrome [5] ermöglicht zudem das Einschleusen von Schadcode mit präparierten Webseiten (CVE-2026-6299 [6], CVSS 8.8, Risiko „hoch“, laut Google „kritisch“). In der „Extended Reality“-Komponente (XR) von Chrome auf Android können Angreifer zudem mit manipulierten HTML-Seiten Lesezugriffe außerhalb vorgesehener Speicherbereiche aufgrund einer „Use-after-free“-Lücke auslösen (CVE-2026-6358 [7], CVSS 8.8, Risiko „hoch“, laut Google „kritisch“).

Weitere 22 Sicherheitslücken stufen die Entwickler als hohes Risiko ein, vier zudem als mittleren Bedrohungsgrad. Die Schwachstellen will Google in den Versionen Chrome 147.0.7727.101 für Android und Linux sowie 147.0.7727.101/102 für macOS und Windows ausgebessert haben. Immerhin: Google erwähnt nichts davon, dass die Schwachstellen bereits im Internet attackiert würden.

Aktualisierte Software installieren

Ob der Browser bereits aktuell ist, lässt sich im Versionsdialog feststellen. Der findet sich nach Klick auf das Browser-Menü, das sich hinter dem Symbol mit drei übereinander gestapelten Punkten rechts der Adressleiste verbirgt, und dort weiter über „Hilfe“ zu „Über Google Chrome“. Steht ein Update zur Verfügung, lädt der Dialog es herunter und bietet die Installation an. Unter Linux macht das in der Regel die Softwareverwaltung der Distribution. Auf Android-Smartphones kommt es jedoch oftmals zur verzögerten Auslieferung.

Da andere Browser wie Microsofts Edge auf dem Chromium-Code basieren, dürften sich die Schwachstellen auch darin finden. Auch hier sollten Nutzerinnen und Nutzer daher prüfen, ob Aktualisierungen bereitstehen, und diese anwenden.

Derzeit häufen sich die entdeckten und geschlossenen Sicherheitslücken in Chrome. Erst vergangene Woche haben die Entwickler sogar 60 Sicherheitslecks in Chrome [8] geschlossen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11259775

Links in diesem Artikel:
[1] https://chromereleases.googleblog.com/2026/04/stable-channel-update-for-desktop_15.html
[2] https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-6296
[3] https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-6297
[4] https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-6298
[5] https://www.heise.de/thema/Chrome
[6] https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-6299
[7] https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-6358
[8] https://www.heise.de/news/Google-Chrome-147-Update-stopft-60-Sicherheitsluecken-davon-zwei-kritische-11249800.html
[9] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[10] mailto:dmk@heise.de

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Samsung setzt auf LCDs, Bilderrahmen und Fußballfans

Von Heise — 16. April 2026 um 06:37

Organische Displays gelten bislang als das Non-plus-Ultra im TV. Samsung will die LCD-Technik mit winzige LEDs pushen und nutzt OLEDs als Bilderrahmen.

Samsung, der koreanische Marktführer bei Fernsehern, bringt nach eigenen Angaben OLED-TVs und LCD-TVs künftig auf dieselbe Qualitätsstufe. Aber natürlich nicht irgendwelche LCDs, sondern solche mit Micro-RGB-LEDs im Backlight.

Die winzigen Leuchtdioden in den LCD-TVs von Samsung bestehen aus einem Cluster aus roten grünen und blauen Dioden in einem gemeinsamen Gehäuse, jedes Farbsegment misst laut Samsung etwa 100 Mikrometer in der Länge – deshalb Samsungs Bezeichnung als MicroRGB-LEDs. Die ursprüngliche Idee von Micro-LEDs war, dass die Kantenlänge des gesamten LED-Gehäuses bis zu 100 Mikrometer misst. Aber um solche Haarspalterei soll es hier nicht gehen (ein menschliches Haar ist zwischen 40 bis 100 Mikrometer dünn).

Winzige RGB-Leuchtdioden im Backlight von Samsungs MicroRGB-LED-TVs leuchten durch die LCD-Schicht, der Energiebedarf liegt laut Samsung deutlich unter dem von TVs mit weißen Micro-LEDs.

(Bild: Ulrike Kuhlmann / heise medien)

RGB-LED macht den Unterschied

Entscheidender ist, dass Samsung für die mit farbigen Micro-LEDs ausgestatteten LCD-TVs eine ebenso gute Bildqualität verspricht wie für Geräte mit selbstleuchtenden OLED-Panels. In einer Präsentation konnten wir uns von der enormen Farbsättigung der neuen Modelle überzeugen. Die kräftigen Farben wirken sich auch positiv auf die Kontrastwahrnehmung aus, wobei der Schwarzwert der MicroRGB-LED-TVs ohnehin sehr gut ist. Allerdings bleibt es bei einer, wenn auch geringen Blickwinkelabhängigkeit der Darstellung.

In diesem Jahr bietet Samsung zwei LCD-TV-Serien mit MicroRGB-LEDs im Backlight an: R95H und R85H, jeweils in 65 Zoll, 75 Zoll und 85 Zoll; in der 85er-Reihe finden sich zusätzlich ein 100 Zöller und ein 55 Zöller. Die R95H-Modelle haben mehr Dimming-Zonen, nutzen eine bessere CPU, besitzen eine mattierte, spiegelfreie Oberfläche und ein leicht abweichendes Design mit mittig platziertem Stand.

Die LCD-TVs aus Samsungs R95H-Serie erzeugen mit winzigen RGB-LEDs im Backlight beeindruckende Farben.

(Bild: Ulrike Kuhlmann / heise medien)

Aus Samsung-Sicht ist die verstärkte Zuwendung zu den LCDs nachvollziehbar, denn die eigene QD-OLED-Fertigung ist teuer und in der Diagonale begrenzt. Alternativ kommt derzeit nur Konkurrent LG Display als Lieferant von WOLEDs in Frage. LCD-Panels stellt Samsung zwar nicht selbst her, hat aber durch die eigene Backlight-Entwicklung mehr Möglichkeiten, sich vom Mitbewerb abzusetzen.

OLED-TV als Bilderrahmen

Aktuell hat das Unternehmen noch vier OLED-TV-Serien im Programm, eine davon (S95H) ist die Fortführung der Vorjahresgeräte (S95F). Das Topmodell, der schicke S99H, ist in Diagonalen von 55 bis 85 Zoll erhältlich. Sein mattiertes Display hängt wie ein Bild in der etwas breiteren TV-Einfassung. Er erreicht laut Samsung eine um 35 Prozent höhere Spitzenleuchtdichte, was sich in HDR-Sequenzen bemerkbar macht.

Der S99H beeindruckt nicht nur mit inneren (Bild-)Werten, auch äußerlich macht er richtig was her.

(Bild: Ulrike Kuhlmann / heise medien)

Bis auf den explizit als Bilderrahmenfernseher angebotenen The Frame Pro [1] werden derzeit keine TV-Modell mit Samsungs One Connect-Box ausgeliefert. Die Topmodelle R95H und S99H lassen sich optional um eine drahtlose One-Connect-Box erweitern. Dann stehen zusätzlich zu den vier HDMI-Eingängen im TV vier weitere in der Box zur Verfügung. Die drahtlose Signalbox kostet einige hundert Euro, was sich offenbar selbst bei den teureren TV-Geräten nicht gerechnet hat.

Das fein mattierte Display des OLED-Topmodells S99H hängt wie ein Bild im TV-Rahmen.

(Bild: Ulrike Kuhlmann / heise medien)

Aber: Samsung erlaubt am S99H den Bilderrahmenmodus, er darf also über längere Zeit denselben Bildinhalt anzeigen. Das ist ein absolutes Novum bei Fernsehern mit organischem Display. Bislang aktivieren OLED-TVs nach kurzer Anzeige eines Standbilds automatisch einen im Wesentlichen schwarzen Bildschirmschoner. Die Bilderrahmenfunktion wird zwar anders als beim Frame nicht automatisch aktiviert, wenn der Fernseher in den Ruhezustand wechselt. Der Fernseher gibt aber Zugriff auf Samsungs Art Store, um Kunstwerke oder auch eigene Bilder anzuzeigen. Wir haben nachgefragt, wie Samsung mit möglichem Einbrennen nach exzessivem Gebrauch der Bilderrahmenfunktion umgehen will. Eine Antwort steht noch aus.

Samsung hat seinen neuen OLEDs nach eigenen Angaben eine dickere organische Leuchtschicht spendiert, wobei „dicker“ im Grunde ein zusätzlicher Layer bedeutet, was auch zusätzlich kostet. Im Gegenzug leuchten die TVs heller beziehungsweise benötigen bei gleicher Leuchtdichte ein Drittel weniger Energie als die Vorjahresmodelle.

Neue Pixelstruktur erst 2027

Trotz der Modellvielfalt scheint es so, als wolle Samsung die QD-OLED-Fertigung für den TV-Bereich nicht weiter ausbauen. Die kürzlich angekündigte Änderung der Pixelstruktur von im Dreieck angeordneten Subpixeln (sogenannte Diamond-Struktur) in die für LCDs üblichen RGB-Streifen wird im Monitorbereich erst im kommenden Jahr kommen, erklärte uns ein Samsung-Mitarbeiter. Ob sie bei Fernsehern jemals eingesetzt wird, ließ der Hersteller offen.

Angesichts des verstärkten Hangs zum MicroRGB-LED-Backlight im LCD-TV scheint uns das aber fraglich, denn es würde enorme Investitionskosten erfordern, die sich im preissensitiven TV-Segment kaum wieder einspielen ließen. Und nicht zuletzt dürfte die starke Konkurrenz aus China dagegensprechen, die den Markt derzeit mit niedrigen Preisen quasi von hinten aufrollt.

Samsung hat auch echte RGB-LED-Displays im Programm, also Displays, in denen für jeden Bildpunkt eine LED zuständig ist. Die großen Schirme fallen aber weniger unter die Rubrik „Fernseher“, sondern werden eher als Public Displays angeboten.

(Bild: Ulrike Kuhlmann / heise medien)

Fußballkommentatoren gesucht

Ein witziges Gimmick neben den vielen KI-Funktionen zur leichteren Bedienung des TVs hat Samsung seinen 2026er-Geräten spendiert: den KI-Fußballmodus. Mit ihm kann man während einer Übertragung entweder die Stadiongeräusche herunterdrehen, um den Kommentar besser zu verstehen. Oder man dreht dem Kommentator den Saft ab und kommentiert das Spiel stattdessen selbst.

Das Ganze funktioniert im Fußballmodus in einem Untermenü über zwei Slider. Und weil die Funktion auch für andere Gelegenheiten hilfreich sein kann, hat Samsung sie zusätzlich im Modus AI-Sound integriert, um Hintergrundgeräusche oder Sprache zu reduzieren oder zu verstärken.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11259689

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/The-Frame-Pro-im-Test-Bilderrahmenfernseher-von-Samsung-11110989.html
[2] https://www.heise.de/ct
[3] mailto:uk@ct.de

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Bericht: Grok stand angeblich kurz vor App-Store-Rauswurf

Von Heise — 15. April 2026 um 18:07
Zwei Finger tippen auf einem Smartphone auf die Grok-App

(Bild: Talukdar David/Shutterstock.com)

Einem Medienbericht zufolge stand die KI-App Grok kurz vor dem Ausschluss aus Apples App Store. Grund waren uneinvernehmlich erstellte Deepfake-Nacktbilder.

Der Vorwurf, der aus Kreisen der Politik und von Nutzern erhoben wurde, wog schwer: Fassen Apple und Google die Apps von finanz- und reichweitenstarken Unternehmen selbst bei eklatanten Verstößen gegen die App-Store-Regeln mit Samthandschuhen an? Dieser Verdacht ist in der Vergangenheit schon mit Blick auf die Apps von Meta laut geworden. Als jedoch bekannt wurde, dass das KI-Modell Grok uneinvernehmlich erstellte Deepfake-Nacktbilder von Frauen [1] und mutmaßlich auch von Kindern ermöglichte, schüttelten Kritiker nur noch mit dem Kopf. Wieso duldeten Apple und Google dies?

In einem nicht öffentlichen Brief an US-Senatoren, der jetzt durch NBC News veröffentlicht [2] wurde, tritt Apple dem Eindruck entgegen, dass das Unternehmen untätig geblieben sei. Sowohl xAI als Herausgeber der KI Grok als auch X als soziales Netzwerk, das Grok integriert, seien nach Beschwerden und Medienberichten kontaktiert worden. Auch habe Apple Verstöße gegen die Richtlinien festgestellt und den Firmen ein Ultimatum gestellt. Nur wenn sie ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Content-Moderation umsetzen, bleibe ihnen der Rauswurf erspart. Auf politischer Ebene wird bereits über ein Verbot von KI-Systemen für Deepfakes [3] ohne Zustimmung diskutiert.

Grok angeblich kurz vor Rauswurf

X und xAI haben zwischenzeitlich reagiert und das Erstellen von Deepfakes erschwert. Laut NBC News sollen die Schutzmechanismen weiterhin umgehbar sein. Veröffentlichungen in einem Ausmaß von vor einigen Monaten waren zuletzt aber nicht mehr festzustellen. xAI habe Apple unter anderem Einschränkungen der Bildbearbeitungsfunktionen und stärkere Zugriffsbeschränkungen versprochen.

Laut dem Bericht soll Grok auch tatsächlich kurz vor dem Rauswurf gestanden haben. Während bei X rasch nachgebessert wurde, habe sich der Entwickler der Grok-App Zeit gelassen. In der Öffentlichkeit war von alledem freilich nichts zu bemerken: Apple äußerte sich öffentlich zu den Vorgängen nicht. Kritiker beharren indessen darauf, dass der iPhone-Hersteller im Falle eines Einzelentwicklers oder Start-ups die Regeln konsequenter durchsetzen würde. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Apple Updates für Vibe-Coding-Apps blockiert [4], weil diese gegen technische Richtlinien verstießen.


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[1] https://www.heise.de/news/Sexualisierte-Deepfakes-von-Grok-Betroffene-Minderjaehrige-klagen-in-den-USA-11213108.html
[2] https://www.nbcnews.com/tech/tech-news/apple-threat-remove-grok-app-store-deepfake-letter-musk-x-ai-rcna331677
[3] https://www.heise.de/news/EU-Ausschuss-unterstuetzt-Verbot-von-Deepfake-faehigen-KI-Systemen-mit-Ausnahmen-11216979.html
[4] https://www.heise.de/news/Apple-blockiert-Updates-fuer-Vibe-Coding-Apps-11216714.html
[5] https://www.heise.de/mac-and-i
[6] mailto:mki@heise.de

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Luminar: KI-Tools für präzise Retusche und schönes Bokeh

Von Heise — 15. April 2026 um 15:32
Vergleichsbild einer Frau mit und ohne Retusche

Das überarbeitete Werkzeug „Skin AI“ trennt zwischen Haut- und Gesichtsretusche, um wie hier die Haut zu glätten.

(Bild: Skylum)

Luminar hat seine KI-gestützte Bildbearbeitung um neue und verbesserte Werkzeuge für die Porträtretusche und möglichst natürliche Hintergrundunschärfe ergänzt.

Der Softwarehersteller Skylum bemüht sich mit der neuen Version der KI-Bildbearbeitung Luminar 1.27 um möglichst naturgetreue Hautretusche, authentisches Bokeh und natürliche Übergänge bei Masken. Die neuen Funktionen sind laut Hersteller sowohl auf dem Desktop als auch auf Mobilgeräten einheitlich verfügbar. Luminar synchronisiert die Bearbeitungen zwischen den Geräten. Fotografen sollen dadurch nahtlos wechseln und weiterarbeiten können.

Porträtbearbeitung mit Skin AI und Face AI

Das überarbeitete Werkzeug „Skin AI“ trennt zwischen Haut- und Gesichtsretusche. Nutzer können so einzelne Bereiche bearbeiten, ohne das gesamte Gesicht zu verändern. Ein Blemish-Removal-Regler ersetzt die bisherige Checkbox zum Entfernen von Hautunreinheiten. Ziel ist ein natürlicher Look, der störende Details reduziert, aber die Hautstruktur erhält.

Per Regler statt wie bisher per Checkbox retuschiert Luminar 1.27 Hautunreinheiten.

(Bild: Skylum)

Das Face-AI-Werkzeug erkennt selbsttätig Gesicht, Augen und Mund. Es kann in der neuen Version Augenringe abschwächen. Das soll auch bei leicht gedrehten Gesichtern zuverlässig funktionieren.

Das Face-AI-Werkzeug schwächt in der neuen Version Augenringe ab.

(Bild: Skylum)

Natürlich maskierte Übergänge

Die neue Mask-Feather-Funktion sorgt für weiche Übergänge bei lokalen Anpassungen. Indem sie Übergänge zwischen bearbeiteten und unveränderten Bildbereichen glättet. Helligkeitskorrekturen oder Retuschen sollen damit natürlicher wirken.

Die Mask-Feather-Funktion glättet Übergänge zwischen bearbeiteten und unveränderten Bildbereichen.

(Bild: Skylum)

Bokeh-KI für mehr Tiefe im Bild

Der Filter „Bokeh AI“ bildet den Look lichtstarker Objektive nach. Er zeichnet den Hintergrund bei Porträts oder Tieraufnahmen weich und verleiht ihnen damit mehr Tiefe. Die Technik erzeugt mehrstufige Tiefenkarten, um die Geometrie der Szene vorherzusagen und Motive sowie Vorder- und Hintergrund zu trennen. So entsteht im Bestfall eine natürliche Unschärfe mit sanften Lichtpunkten.

Der Filter „Bokeh AI“ zeichnet den Hintergrund weich und verleiht Fotos damit mehr Tiefe.

(Bild: Skylum)

Preise und Verfügbarkeit

Das Update steht ab sofort für Windows und macOS sowie als Mobil-App für iOS, Android und ChromeOS zur Verfügung. Luminar kostet 140 Euro. Registrierte Nutzer erhalten das Update auf Version 1.27 kostenlos.

Siehe auch:


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[1] https://www.heise.de/download/product/skylum-luminar?wt_mc=intern.red.download.tickermeldung.ho.link.link
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Adobe Premiere Pro und After Effects: Präzise Farbsteuerung, schnelle Masken

Von Heise — 15. April 2026 um 15:00

Im „Color Mode“ von Premiere Pro lassen sich Farben für mehrere Clips simultan ändern.

(Bild: Adobe)

Mit einer neuen Farbsteuerung, KI-gestützter Maskierung und einer neuen Suchfunktion bringt Adobe nützliche Werkzeuge für professionelle Videocutter.

Die Videobearbeitungssoftware Adobe Premiere Pro 26.2 hat eine neu entwickelte Umgebung zur Farbkorrektur erhalten. After Effects 26.2 soll Personen und Objekte dank KI sauber maskieren und verfolgen können. Und die Cloud-Plattform Frame.io streamt künftig Videoinhalte.

Premiere Pro: Farbkorrektur im Color Mode

Nutzer können im „Color Mode“ Farbkorrekturen direkt im Schnitt erledigen, ohne in eine separate Umgebung wechseln zu müssen. Das Video bleibt in voller Größe sichtbar.

Zuerst passt man Belichtung, Kontrast oder Farbtemperatur an. Danach bearbeitet man einzelne Bildbereiche oder entwickelt Looks. Premiere Pro zeigt an, ob eine Anpassung nur einen Clip betrifft oder eine ganze Sequenz beeinflusst. Der Color Mode soll mit dem Anspruch der Nutzer wachsen. Einsteiger sollen mit wenigen Reglern arbeiten und Profis komplexe Farblooks entwickeln können.

Über Räder für Kontrast, Belichtung, Farbtemperatur, Balance und Sättigung beeinflusst der Color Mode in Premiere Pro 26.2 die Farbstimmung eines Videos.

(Bild: Adobe)

Überblick bei komplexen Projekten

Eine neue Suchfunktion hilft Anwendern, die mit umfangreichen Projekten arbeiten. Sie macht die Timeline nicht nur oberflächlich, sondern bis auf Clip-Ebene durchsuchbar. Premiere Pro legt dazu einen Index mit Clipnamen, Spuren, Effekten, Markern und weiteren Metadaten an. Die Suche lässt sich außerdem nach Clips, Effekten oder Markern filtern.

After Effects: KI-gestützte Maskierung

Neben der Farbkorrektur hat Adobe KI-Werkzeuge zur Objektauswahl und Maskierung ergänzt. Bewegte Motive sollen sich schnell freistellen, Kanten präzise bearbeiten und feine Details wie Haare sauber erfassen lassen. Adobe kombiniert dabei Bildanalyse, Objekterkennung und Bewegungsverfolgung, um typische Objekte wie Menschen, Gesichter, Kleidung oder Gegenstände zu erkennen.

After Effects 26.2 soll Motive schneller und präziser freistellen und verfolgen können als zuvor.

(Bild: Adobe)

Frame.io streamt Videos

Eine neue Desktop-Anwendung für den Cloud-Dienst Frame.io Drive bindet Videoprojekte wie ein lokales Laufwerk ein. Dateien sollen sich damit ohne Download oder Synchronisation in Premiere Pro, Photoshop oder After Effects nutzen lassen. Statt Dateien zu verschicken oder zu kopieren, greifen Teams gleichzeitig auf eine gemeinsame Datenbasis zu. Damit entfallen Probleme wie Versionskonflikte oder verzögerte Datenübertragung. Die Inhalte werden bei Bedarf gestreamt, ein Zwischenspeicher sorgt für flüssige Wiedergabe.

Preise und Verfügbarkeit

Die Updates für Premiere Pro und After Effects stehen laut Adobe ab sofort für Kunden der Creative Cloud zum Download zur Verfügung. Die Frame.io-App will Adobe schrittweise und zunächst nur für Unternehmenskunden einführen. Das Komplett-Abo Creative Cloud Pro kostet 78 Euro monatlich. Ein Einzelabo von Adobe Premiere Pro oder After Effects kostet jeweils 26 Euro pro Monat.

Siehe auch:


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Europas Chemieindustrie kämpft ums Überleben

Von Heise — 15. April 2026 um 15:35
Luftbild einer Chemiefabrik

(Bild: dongfang / Shutterstock.com)

Steigende Energiekosten und die Hormus-Blockade gefährden Europas Grundchemie. Werke schließen, Preise explodieren.

Die deutsche und europäische Chemieindustrie steht vor einer existenziellen Krise. Wie Bloomberg berichtet, hat die Blockade der Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs die Produktion von Grundchemikalien wie Ethylen, Propylen und Ammoniak in Europa zunehmend unrentabel gemacht.

Europäische Ethylenkontrakte erreichten laut Independent Chemical Information Service (ICIS) [1] im April 2026 einen Rekordwert von 1595 Euro pro Tonne – ein Anstieg um 450 Euro gegenüber dem Vormonat.

Die Folgen treffen die gesamte Wertschöpfungskette: BASF hat die Preise [2] für Waschmittel-Inhaltsstoffe um rund 30 Prozent angehoben, Evonik kündigte laut Bloomberg höhere Preise für Futtermittelzusätze an.

Zwischen 2022 und 2025 wurden laut dem Branchenverband Cefic erhebliche Teile der chemischen Industrie stillgelegt, insgesamt etwa neun Prozent der gesamten europäischen Produktionskapazität.

Der Sektor erwirtschaftete [3] 2024 einen Umsatz von 635 Milliarden Euro und beschäftigte 1,2 Millionen Menschen – doch Europas globaler Marktanteil ist inzwischen auf dreizehn Prozent geschrumpft, während China mit 46 Prozent dominiert.

Erdgas als Achillesferse der Ammoniakproduktion

Besonders greifbar werden die Risiken bei der SKW Stickstoffwerke Piesteritz, Deutschlands größtem Ammoniakproduzenten. Erdgas macht über 70 Prozent der Produktionskosten für Ammoniak aus.

Bereits 2022 musste das Unternehmen die Produktion vorübergehend einstellen, weil steigende Gaspreise die Herstellung unrentabel machten – damals fielen allein dadurch 40 Prozent des deutschen AdBlue-Marktes aus [4].

Hinzu kommen 40 Millionen Euro, die SKW im Jahr 2025 für CO2-Emissionszertifikate zahlen musste – Kosten, die internationale Wettbewerber laut Bloomberg nicht tragen [5].

"Wir konzentrieren uns in erster Linie auf das Überleben, denn genau darum geht es", sagte SKW-Geschäftsführer Carsten Franzke gegenüber Bloomberg. "Der Boden unter uns beginnt sich zu verschieben, die Wände bröckeln."

Europäische Flüssiggasimporte kosten zwei- bis dreimal so viel wie Gas in den USA. Und Naphtha-basierte Cracker-Margen sind seit geraumer Zeit unter Druck und hin und wieder negativ geworden.

EU-Allianz gegen die Abwärtsspirale

Die EU hat im Oktober 2025 [6] die Critical Chemicals Alliance (CCA) gegründet, um kritische Moleküle wie Ammoniak, Ethylen und Methanol zu identifizieren und die Versorgungssicherheit zu stärken.

Doch die Mitgliedstaaten sind uneins über den richtigen Ansatz. Frankreich und andere Länder wollen einzelne Substanzen als strategisch einstufen und gezielt fördern. Deutschland lehnt das ab.

"Die Diskussion darüber, was überhaupt bevorzugt werden könnte, ist ein Ansatz, den wir in der deutschen Chemieindustrie nicht wirklich mögen", sagte VCI-Vertreter Matthias Blum gegenüber Bloomberg. Der Branchenverband fordert stattdessen niedrigere Energiekosten und weniger Bürokratie.

Iris Herrmann von der Beratungsfirma Oliver Wyman warnt laut Bloomberg vor einer Kettenreaktion: Die Notwendigkeit, Grundstoffe zu importieren, "löst eine Abwärtsspirale aus, in der die Kunden der chemischen Industrie abwandern".

Benedikt Frank, Partner von Kearney, ergänzt laut Bericht, dass normale europäische Prozesse dafür "zu langsam" seien. Auch BMW beobachte Lieferrisiken bei Klebstoffen, Lacken und Frostschutzmitteln inzwischen "genau".

Dünger, Lebensmittel, Lebenshaltungskosten

Die Auswirkungen reichen weit über die Chemieindustrie hinaus. Harnstoffdünger kostet aktuell 600 bis 650 US-Dollar pro Tonne – ein Anstieg von über 100 US-Dollar seit Kriegsbeginn. Die Lagerbestände bei Stickstoffdüngern liegen nur bei rund 60 Prozent der normalen Einlagerungsquote.

Wie Telepolis in einer aktuellen Analyse [7] aufzeigt, warnen Experten bereits vor einer drohenden globalen Nahrungsmittelkrise, ausgelöst durch das Zusammenspiel von Düngerknappheit, Klimaeffekten und geopolitischen Blockaden.

"Wenn wir hier in Deutschland die zehn Grundchemikalien nicht mehr haben – weil wir sie verlieren oder die Lieferketten zusammenbrechen –, haben wir ein ernstes Problem", warnt SKW-Manager Franzke.

IGBCE-Chef Michael Vassiliadis mahnt zudem, dass Ammoniak-Importe nicht nur Abhängigkeiten vertiefen, sondern auch erhebliche neue Infrastrukturen für den Transport des giftigen Gases erfordern würden. Die Zeit für europäische Grundsatzdebatten wird knapp.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.icis.com/explore/resources/news/2026/03/31/11193802/europe-ethylene-cp-rises-a-record-450-tonne-for-april-on-middle-east-conflict/
[2] https://www.basf.com/global/de/media/news-releases/2026/03/p-26-052
[3] https://cefic.org/facts-and-figures-of-the-european-chemical-industry/
[4] https://www.telepolis.de/article/Hohe-Gaspreise-Spediteure-warnen-vor-Ausfall-Hunderttausender-LKW-7256270.html
[5] https://www.bloomberg.com/graphics/2026-europe-chemicals-iran-war/
[6] https://single-market-economy.ec.europa.eu/news/commission-announces-launch-critical-chemicals-alliance-strengthen-europes-chemical-sector-2025-10-28_en
[7] https://www.heise.de/tp/article/Wenn-Geopolitik-und-Klima-gemeinsam-die-Ernte-vernichten-11255913.html

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Chinas Wasserstoff-Turboprop absolviert Erstflug: Meilenstein oder Fernziel?

Von Heise — 15. April 2026 um 14:00
Flugzeug auf Startbahn

Der Erprobungsflug ist am 4. April erfolgt

(Bild: CGTN/Facebook)

Ein Frachtflugzeug flog erstmals mit einem Wasserstoff-Triebwerk der Megawatt-Klasse. Experten sehen wichtigen Schritt – warnen aber vor zu hohen Erwartungen.

China hat nach eigenen Angaben den weltweit ersten Flugtest eines wasserstoffbetriebenen Turboprop-Triebwerks der Megawatt-Klasse durchgeführt.

Am 4. April hob ein unbemanntes Frachtflugzeug mit einem Gewicht von rund 7,5 Tonnen am Flughafen der Stadt Zhuzhou in der zentralchinesischen Provinz Hunan ab und absolvierte einen 16-minütigen Testflug, wie der chinesische Triebwerkhersteller Aero Engine Corporation of China [1] (AECC) mitteilte [2].

Das Flugzeug wurde vom AEP100 angetrieben, einem in China eigenständig entwickelten Turboprop-Triebwerk, das mit flüssigem Wasserstoff betrieben wird. Während des Fluges legte die Maschine eine Strecke von 36 Kilometern zurück, erreichte eine Geschwindigkeit von rund 220 km/h und flog in einer Höhe von etwa 300 Metern.

Laut AECC lief das Triebwerk während des gesamten Fluges stabil, alle geplanten Manöver wurden absolviert und das Flugzeug kehrte sicher zum Flughafen zurück.

Vom Labor in die Luft

Dem Erstflug waren umfangreiche Bodentests vorausgegangen [3]. Ende März hatte das vom AECC Hunan Aviation Powerplant Research Institute in Zhuzhou entwickelte Triebwerk sämtliche Bodenversuche bestanden, wie die chinesische Global Times berichtete.

Bei den Zündungs- und Leistungstests unter Bodenbedingungen hätten alle Kennwerte des Triebwerks und des Flüssigwasserstoff-Transportsystems im Normbereich gelegen.

Experten der AECC bewerteten den erfolgreichen Erstflug als Nachweis dafür, dass China nun über eine vollständige technologische Kette für wasserstoffbetriebene Flugtriebwerke verfüge – von den Kernkomponenten bis zur Integration in ein Gesamtsystem. Der Flug markiere den Übergang von der experimentellen Forschung hin zur praktischen Ingenieursanwendung.

Einsatz zunächst bei Drohnen und Insellogistik

Ein Turbiprop-Triebwerk
Modell des wasserstoff-basierten Turboprop-Antriebs
(Bild: China Daily/X [4])

Kurzfristig soll die Technologie vor allem im Bereich des sogenannten Niedrigflugbetriebs zum Einsatz kommen: bei unbemannten Frachtflügen und der Versorgung abgelegener oder schwer zugänglicher Regionen wie Inseln. Mittelfristig könnten Regionalflugzeuge folgen, langfristig auch größere Passagiermaschinen – so die Einschätzung der am Projekt beteiligten Fachleute.

Die Entwicklung soll zudem Impulse für die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette geben: von der Produktion von grünem Wasserstoff über Verflüssigung, Lagerung und Transport bis hin zu Betankungsinfrastruktur und der Fertigung von Hochleistungskomponenten und neuen Materialien.

Experte mahnt zur Vorsicht

Nicht alle teilen den Optimismus uneingeschränkt. Wang Yanan, Chefredakteur der in Peking erscheinenden Fachzeitschrift Aerospace Knowledge, ordnete die Entwicklung nüchterner ein. Flüssigwasserstoff-Triebwerke befänden sich weltweit noch in einem frühen Erkundungsstadium, sagte Wang gegenüber der Global Times.

Einschränkungen bei der Lebensdauer der Komponenten, den Speicherkosten, der Energiedichte und der Sicherheit machten einen Einsatz in der kommerziellen Passagierluftfahrt auf absehbare Zeit unwahrscheinlich.

"Um bestehende Triebwerkssysteme zu ersetzen, müssen neue Technologien zwei Kernbedingungen erfüllen: Sie müssen die Dekarbonisierung vorantreiben und gleichzeitig sicherstellen, dass Kosten, Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht hinter das heutige Niveau zurückfallen", erklärte Wang. Selbst die Eignung für den aufkommenden Niedrigflugbetrieb sei noch nicht hinreichend nachgewiesen.

Sinkende Wasserstoffkosten als Schlüssel

Ob sich die Technologie auch wirtschaftlich durchsetzen kann, hängt nach Einschätzung der beteiligten Experten maßgeblich von den Produktionskosten für grünen Wasserstoff ab. Fallen diese weiter, würden wasserstoffbetriebene Triebwerke sowohl ökonomisch als auch unter dem Gesichtspunkt der Energiesicherheit zunehmend attraktiv.

Flüssiger Wasserstoff gilt wegen seiner hohen Energiedichte und seiner emissionsfreien Verbrennung als vielversprechender Kandidat für die Dekarbonisierung der Luftfahrt. Der erfolgreiche Testflug in Zhuzhou zeigt, dass die Technologie grundsätzlich funktioniert. Bis sie den konventionellen Kerosinantrieb ablösen kann, ist es allerdings noch ein weiter Weg.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Aero_Engine_Corporation_of_China
[2] https://news.cgtn.com/news/2026-04-05/Megawatt-hydrogen-turboprop-engine-completes-maiden-flight-in-China-1M5w0iIbEpG/p.html
[3] https://www.globaltimes.cn/page/202603/1357798.shtml
[4] https://x.com/ChinaDaily/status/2041048264167018770/photo/1

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GKV-Sparpaket: Was Warkens 20-Milliarden-Plan für Versicherte bedeutet

Von Heise — 15. April 2026 um 13:30
Ein Stethoskop liegt neben einem Taschenrechner und Quittungen auf einem Holztisch.

(Bild: Billion Photos / Shutterstock.com)

Gesundheitsministerin Warken plant massive GKV-Einsparungen. Kliniken, Kassen und Opposition kritisieren – Versicherte müssen mit Mehrbelastungen rechnen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sorgt für Furore. Sie möchte im Gesundheitswesen sparen und hat dafür ein entsprechendes Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) um rund 20 Milliarden Euro im Jahr 2027 entlasten werden soll.

Grundlage ist der Bericht der von Warken einberufenen FinanzKommission Gesundheit, die 66 Empfehlungen erarbeitet hat. Ziel sei es, eine "Beitragsspirale" zu stoppen und steigende Zusatzbeiträge zu verhindern. Doch von Krankenhäusern über Krankenkassen bis zur Opposition hagelt es Kritik.

Der Hintergrund ist dramatisch: Ohne Reformen droht der GKV laut Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums [1] bis 2027 eine Finanzlücke von circa 15 Milliarden Euro, bis 2030 sogar von rund 40 Milliarden Euro.

Als Haupttreiber gelten Ärzte, Kliniken und die Pharmaindustrie, für die immer mehr ausgegeben werden muss. Auch die versicherungsfremden Leistungen, die aus Kassenbeiträgen statt aus Steuermitteln finanziert werden, gehören demnach zu den Kostentreibern.

Familienversicherung und Zuzahlungen im Visier

Besonders brisant für alle, die über die GKV versichert sind: Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der Familienversicherung soll eingeschränkt werden. Konkrete Ausnahmen – etwa für Kinder – sind bislang nicht im Detail kommuniziert worden. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) warnt vor einem "falschen Signal" und sozialen Härten für Familien.

Ferner sollen die Zuzahlungen für Medikamente steigen. Gerade einkommensschwache Haushalte dürften davon überproportional betroffen sein – eine Sorge, die mehrere Kassenverbände und Patientenschutzorganisationen teilen.

Weitere Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausgaben bei Praxen, Kliniken und in der Pharmabranche zu beschränken. Welche Folgen das für die Versorgung der Patienten haben wird, muss sich dann zeigen. Schon heute kennen viele Patienten das Phänomen, dass ihr Hausarzt pünktlich zur Mitte des Quartals die Praxis schließt und scheinbar Urlaub feiert. Erst zum neuen Quartal wird wieder geöffnet.

Der Hintergrund ist, dass schon heute viele Ärzte darüber klagen, dass es sich für sie nicht mehr lohnt, neue Patienten aufzunehmen oder die Praxis das ganze Quartal über geöffnet zu haben. Im Gespräch mit Ärzten wird immer wieder betont, dass sie ab einem gewissen Punkt kostenlos arbeiten müssten. Und gerade in Regionen, die nicht mit Ärzten gesättigt sind, führt das schnell zu einem Engpass bei der Versorgung.

Jetzt soll die sogenannte Meistbegünstigungsklausel für Krankenhäuser gestrichen und die teuren Zuschläge für die Terminvermittlung bei Fachärzten abgeschafft werden. Im Bereich Digitalisierung empfiehlt die Kommission unter anderem, die Vergütung von Ärzten für die elektronische Patientenakte (ePA) ab 2027 zu streichen – das allein könnte rund 600 Millionen Euro jährlich einsparen, da die Prozesse zunehmend automatisiert laufen.

Kliniken warnen vor "staatlich veranlasstem Kliniksterben"

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagiert mit ungewöhnlich scharfen Worten. DKG-Chef Gerald Gaß nannte die Pläne [2] "maßlos, realitätsfern und brandgefährlich".

Insbesondere auf dem Land drohten Klinikschließungen, die zu längeren Wegen für Patienten und einer ausgedünnten Notfallversorgung führen würden.

Der Verfassungsanspruch auf gleichwertige Versorgung in Stadt und Land werde damit unterlaufen. Einen Ausgleich – etwa durch weniger Bürokratie – sehe das Paket nicht vor.

Kassen sehen unfaire Lastenverteilung

Auch die großen Krankenkassen üben deutliche Kritik. DAK-Chef Andreas Storm sprach [3] von einer "extremen Schlagseite" und einer unfairen Lastenverteilung. AOK-Chefin Carola Reimann monierte, dass mehr als ein Drittel der Einsparungen von Beitragszahlern getragen werden solle.

Jens Baas von der Techniker Krankenkasse (TK) begrüßte zwar einzelne Elemente wie neue Rabattverträge für Arzneimittel, mahnte aber an, zuerst alle Sparpotenziale auf der Ausgabenseite auszuschöpfen, bevor Versicherte stärker belastet werden.

Aus der Opposition kommen ebenfalls kritische Töne. Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen nannte das Paket "unausgewogen und eine echte Enttäuschung" – Lobbys würden geschont, während Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Hauptlast trügen.

Die Linke fordert als Alternative die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, was höhere Beiträge für Gutverdiener und damit eine Umverteilung zugunsten von Geringverdienern bedeuten würde. Die SPD als Koalitionspartner prüft die Vorschläge noch, betont aber, dass es keine weiteren Leistungskürzungen geben dürfe.

Ferdinand Gerlach, stellvertretender Vorsitzender der FinanzKommission, verteidigte den Kurs: Die Hauptquelle der Einsparungen liege bei den Leistungserbringern, nicht bei den Beitragszahlern. Ohne Reformen würden die Zusatzbeiträge weiter steigen – und damit die Belastung der Versicherten erst recht.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzkommission-gesundheit
[2] https://www.n-tv.de/ticker/Krankenhaeuser-warnen-vor-schlechterer-Versorgung-wegen-geplanter-Gesundheitsreform-id30714131.html
[3] https://www.spiegel.de/wirtschaft/krankenkassen-warken-konkretisiert-sparplaene-fuer-20-milliarden-euro-a-9b9eeefd-022b-4596-98e0-a3c8a2ee578c

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