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Amazon: Es wird keinen neuen Fire TV Stick mit Fire OS geben

Von Ingo Pakalski — 19. April 2026 um 11:09
Amazons Entwicklerunterlagen machen es offiziell: Alle künftigen Fire TV Sticks laufen mit Vega OS – einschließlich der damit verbundenen Beschränkungen.
Nach dem neuen Fire TV Stick HD werden auch alle künftigen Fire TV Sticks mit Vega OS laufen. (Bild: Amazon)
Nach dem neuen Fire TV Stick HD werden auch alle künftigen Fire TV Sticks mit Vega OS laufen. Bild: Amazon

Amazon fällt mit einem sonderbaren Kommunikationsverhalten auf: Obwohl das Unternehmen in Entwicklerunterlagen offiziell bereits seit Oktober 2025 darauf hinweist, dass keine neuen Fire TV Sticks mit Vega OS erscheinen werden, tut das Unternehmen bei Pressenachfrage so, als ob das noch nicht entschieden sei.

Vergangene Woche zitierte Lowpass etliche Quellen mit dem Hinweis, dass Amazon auch nach dem neuen Fire TV Stick HD alle künftigen Modelle aus der Fire-TV-Stick-Produktreihe nur noch mit Vega OS auf den Markt bringen wolle. Auf Nachfrage des Magazins wollte Amazons Presseabteilung das nicht bestätigen.

Ars Technica bemerkte, dass Amazon in Entwicklerunterlagen auskunftsfreudiger ist : "Angefangen mit dem Fire TV Stick 4K Select werden alle künftigen Fire TV Sticks auf Vega laufen" , heißt es darin.

Neue Fire-TV-Geräte mit Fire OS nicht ausgeschlossen

Als Amazon mit dem Fire TV 4K Select im Herbst 2025 ein erstes Fire-TV-Gerät mit Vega OS vorstellte, betonte das Unternehmen, dass weiterhin neue Fire-TV-Produkte mit Fire OS erscheinen werden . Amazon bietet auch Smart-TVs an, und mit dem Fire TV Cube gibt es ein weiteres externes Streaminggerät. Nach den derzeit vorliegenden Informationen werden neue Modelle noch mit Fire OS laufen.

Das aktuelle Modell des Fire TV Cube (g+) kam Ende 2022 auf den Markt und es wäre möglich, dass im Herbst 2026 ein überarbeitetes Modell erscheint.

Trotz Vega OS steigt der Gerätepreis

Laut Amazon ist Vega OS vornehmlich für Produkte entwickelt, die möglichst preiswert angeboten werden sollen. Davon merken Kunden bei der Vorstellung des neuen Fire TV Stick HD allerdings nichts. Das neue Modell kommt sogar zum gleichen Preis wie das Vorgängermodell auf den Markt. Käufer erhalten also keine geringeren Anschaffungskosten.

Ganz im Gegenteil: Der Fire TV Stick HD ist bei der Hardwareausstattung sogar eindeutig schlechter, so dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich verschlechtert. Denn Amazon lässt beim neuen Modell sowohl das USB-Netzteil als auch die HDMI-Verlängerung weg. Allein für das Netzteil verlangt Amazon 20 Euro , und die HDMI-Verlängerung ist im deutschen Amazon-Shop nicht zu finden. In den USA kostet der HDMI-Extender 5,99 US-Dollar. Wer diese Dinge benötigt, zahlt also beim neuen Modell rund 25 Euro mehr als beim Fire-TV-Modell mit Fire OS.

Vega OS hat im Vergleich mit Fire OS viele Nachteile

Im Test des Fire TV Stick 4K Select (g+) zeigten sich viele Nachteile. Es war das erste Fire-TV-Modell mit Vega OS: Die sonst üblichen Toneinstellungen Nachtmodus und Dialogverstärkung sowie alle Alexa-Heimkinofunktionen fehlten, und es gab kein Matter Casting. Außerdem dekodiert das Select-Modell keine Dolby-Signale mehr, was bei der Alexa-Nutzung zu unschönen Effekten führt.

Generell bieten Geräte mit Vega OS kein Sideloading von Apps mehr. Es können also nur Apps aus Amazons Store installiert werden. Die Auswahl an Apps für Vega OS ist dabei wesentlich geringer als für Geräte mit Fire OS. Im Unterschied zu bisherigen Fire-TV-Geräten mit Fire OS lassen sich zudem keine USB-Speicher mehr an den Vega-OS-Geräten betreiben.

Bei der Vorstellung des zweiten Fire-TV-Modells mit Vega OS unternimmt Amazon alles, um den Einsatz des Betriebssystems zu verschweigen. Weder in Pressematerialien noch auf der Produktseite taucht der Begriff auch nur einmal auf. Lediglich der Hinweis auf das fehlende Sideloading liefert Eingeweihten den entscheidenden Hinweis, dass es sich um ein Gerät mit Vega OS handelt.

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Störungsmeldung vom 19.04.2026 09:16

Von heise online — 19. April 2026 um 09:16

Neue Störungsmeldung für Provider 1&1

Details

Beginn
19.04.2026 09:16
Region
Regensburg (0941)
Provider
1&1
Zugangsart
VDSL

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Störungsmeldung vom 19.04.2026 08:30

Von heise online — 19. April 2026 um 08:30

Neue Störungsmeldung für Provider Deutsche Glasfaser

Details

Beginn
19.04.2026 08:30
Region
Sulzbach Saar (06897)
Provider
Deutsche Glasfaser
Zugangsart
FTTH

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✇ Telepolis

China: Drei Satelliten reichen, um die US-Marine zu überwachen

Von Telepolis — 18. April 2026 um 16:00
Mehrere Schiffe von Satelliten aus gesehen

China verfügt inzwischen über die Fähigkeit, die US-Marine lückenlos zu überwachen

(Bild: Aerial Viewer/Shutterstock.com)

Drei Satelliten genügen China, um die US-Marine zu orten. Rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Washington zeigt sich über die Fähigkeiten besorgt.

China hat nach eigenen Angaben erstmals einen Satelliten in geosynchronem Orbit (GEO) – also in rund 35.800 Kilometern Höhe – erfolgreich eingesetzt, um ein sich bewegendes Schiff dauerhaft zu verfolgen. Das berichtet [1] die in Hongkongn erscheinende South China Morning Post unter Berufung auf eine von chinesischen Wissenschaftlern veröffentlichte Fachstudie.

Weniger als drei Kilometer Abweichung

Konkret veröffentlichte China im vergangenen Monat Radarbilder des unter japanischer Flagge fahrenden Öltankers Towa Maru, der rund 340 Meter lang und 60 Meter breit ist und damit in etwa die Ausmaße eines Flugzeugträgers hat.

Der Tanker befand sich dabei in den umstrittenen Gewässern des Südchinesischen Meeres nördlich der Spratly-Inseln. Es ist das erste Mal, dass ein SAR-Satellit (Synthetic Aperture Radar – ein Radarsystem, das hochauflösende Bilder auch durch Wolken und bei Nacht liefert) in dieser Umlaufbahn ein fahrendes Schiff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich beobachtet hat.

Der dabei gemessene Positionsfehler beim Tanker lag laut der Studie bei rund drei Kilometern. Bei vier weiteren, namentlich nicht genannten Schiffen betrug der Fehler sogar nur 1,6 Kilometer – eine Genauigkeit, die nach Einschätzung der Forscher in Kombination mit ergänzenden Überwachungsdaten für den Einsatz von Anti-Schiff-Raketen ausreicht.

Abwägung zwischen Effizienz und Genauigkeit

Hu Yuxin, Forscher an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und Leiter des Projektteams, schrieb in einem begutachteten Beitrag im Fachjournal Journal of Radars, der Positionsfehler in den realen Messdaten sei etwas größer als in den Simulationen.

Dies sei vor allem auf Bahnfehler und atmosphärische Einflüsse zurückzuführen, nicht allein auf algorithmische Grenzen. Dennoch habe China "die langfristige kontinuierliche Verfolgung beweglicher Schiffsziele durch geosynchrone SAR-Satelliten von der Vorstellung in die Realität überführt", so Hu und seine Kollegen.

Technisch gelang dies durch einen neuartigen Algorithmus, der die Analyse riesiger Datensätze in viele kleine Aufgaben aufteilt, die jeweils in sehr kurzen Zeitfenstern separat verarbeitet werden.

So können die schwachen Signale fahrender Schiffe aus dem starken Hintergrundrauschen der Meereswellen herausgefiltert werden. Die Forscher beschreiben dabei eine Abwägung zwischen Effizienz und Genauigkeit, die sie nach dem Prinzip des konfuzianischen "Maßhaltens" gefunden hätten.

Besorgnis in Washington

Militärisch ist die Tragweite erheblich: Theoretisch würden bereits drei solcher Satelliten ausreichen, um rund um die Uhr und bei jedem Wetter weltweit strategisch wichtige Ziele – darunter US-amerikanische Flottenverbände – zu überwachen.

Andere Länder müssten für eine vergleichbare Abdeckung Hunderte oder sogar Tausende Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen einsetzen. Hinzu kommt: Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen sind anfälliger für elektromagnetische Waffenangriffe, während Satelliten in hohen Umlaufbahnen deutlich geschützter sind.

Die USA, die über das weltweit fortschrittlichste Militär verfügen, betreiben ihre Radarsatelliten bislang nur in Höhen von wenigen hundert Kilometern. Das US-Militär hatte bereits nach dem Start des ersten chinesischen GEO-SAR-Satelliten – Ludi Tance 4-01, 2023 gestartet und offiziell als Erdbeobachtungssystem zur Katastrophenvorsorge deklariert – tiefe Besorgnis geäußert. Diese Befürchtungen haben sich laut South China Morning Post nun bestätigt.

China arbeitet nach öffentlich zugänglichen Informationen bereits an einer nächsten Generation leistungsfähigerer Hochorbit-SAR-Satelliten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11255194

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.scmp.com/news/china/science/article/3349862/3-satellites-track-all-chinese-radar-images-confirm-us-military-fears?module=top_story&pgtype=homepage

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Ransomware-Angriffe fordern Ermittler heraus

Von Heise — 18. April 2026 um 11:48

(Bild: WhataWin/Shutterstock.com)

Ransomware-Banden setzen auf KI und das Darknet, um kritische Infrastruktur zu treffen. Ermittler in Koblenz agieren zunehmend proaktiv.

Im Kampf gegen Computerkriminalität sind im vergangenen Jahr deutlich weniger Ermittlungsverfahren an der Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz bearbeitet worden. Während im Jahr 2023 noch 2439 Ermittlungsverfahren gegen bekannte Beschuldigte abgeschlossen wurden, waren es im Jahr 2024 rund 1650 und im Jahr 2025 dagegen nur 371, wie der Leiter der LZC, Oberstaatsanwalt Jörg Angerer, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Weniger Verfahren – warum?

Die Gesamtzahl der bearbeiteten Verfahren dürfte jedoch deutlich höher sein, da auch „häufig“ Verfahren gegen unbekannte Täter geführt werden, wie Angerer weiter sagte. „Die deutlichen Unterschiede in den Eingangszahlen resultieren daraus, dass nach Abschluss eines größeren Verfahrenskomplexes üblicherweise eine große Zahl von Folgeverfahren anfallen, die abgearbeitet werden müssen“, erklärte Angerer.

Gibt es in einem Jahr keinen größeren Komplex, ist die Zahl der Verfahren demnach insgesamt geringer. Zudem war die Stelle 2025 nicht voll besetzt und konnte daher weniger Verfahren bearbeiten, wie Angerer ausführte. In der LZC sei man bei Cyber-Attacken nur in Verfahren mit besonderer Bedeutung befasst: Das sei etwa dann der Fall, wenn Unternehmen oder Behörden betroffen seien, die zu den „kritischen Infrastrukturen“ (Kritis) gehörten und so als besonders schützenswert gelten würden. Zu Kritis zählen beispielsweise Krankenhäuser [1] oder Energieunternehmen.

Hack-and-leak als wachsendes Problem

Bei den Verfahren handele es sich vor allem um Ransomware-Attacken. Bei einem Ransomware-Angriff verschlüsseln die Täter die Daten ihrer Opfer und versuchen, ein Lösegeld zu erpressen. Häufig drohen die Kriminellen auch mit der Veröffentlichung von vertraulichen Daten im Netz, die zuvor bei dem Angriff erbeutet wurden. Angerer zufolge veröffentlichen Ransomware-Gruppierungen erfolgreich durchgeführte Angriffe oft im Internet auf eigenen Leak-Portalen, also ihren Enthüllungsseiten. „Auf diesen Portalen bieten sie auch die erlangten Daten zum Verkauf an oder veröffentlichen diese“, sagte der Experte.

Diese Blogs seien meist im Darknet zu finden. Herausforderungen in der Strafverfolgung von Cybercrime-Delikten seien die Auswertung von Massendaten, die zunehmende Verschlüsselung von Kommunikation und die Verwendung von KI durch die Täter [2], so Angerer. Das erfordere mehr Zeit und mehr Personal. „Die Auswertung der sichergestellten Daten wird in naher Zukunft ohne KI-Unterstützung nicht mehr möglich sein“, sagte der LZC-Leiter.

Kriminelle Akteure auch mit staatlichem Hintergrund

Staatliche und terroristische Angriffe fallen nicht in die Zuständigkeit der LZC. Doch die Trennung sei nicht immer leicht, sagte Angerer. „Da kriminelle, staatliche und terroristische Cyber-Angriffe jedoch im Wesentlichen identisch ablaufen, ist häufig nicht klar erkennbar, wer hinter dem jeweiligen Angriff steht“, sagte er. Noch schwieriger wird es demnach, da einige Akteure sowohl kriminell aktiv sind, als auch eine gewisse Nähe zu bestimmten Staaten aufweisen [3].

„Überschneidungen in der Motivation sind daher nicht unüblich“, sagte der Experte. Ein wesentlicher Unterschied zu lokalen Staatsanwaltschaften: Die LZC agiert in der Regel nicht reaktiv, sondern proaktiv. Was bedeutet, dass sie nicht nur auf Strafanzeigen reagiert, sondern aktiv geeignete Ziele wie etwa kriminelle Foren sucht und Verfahren gegen die Betreiber einleitet, wie Angerer ausführte. Grund sei, dass derartige Foren meist nicht angezeigt würden, weil es keine Geschädigten gebe.


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https://www.heise.de/-11263064

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Naechster-Cyberangriff-auf-Krankenhaus-Caritas-Klinik-Dominikus-betroffen-9616113.html
[2] https://www.heise.de/news/Nordkoreanische-Cyberkriminelle-setzen-KI-generierte-PowerShell-Backdoor-ein-11154421.html
[3] https://www.heise.de/news/Warnung-aus-UK-Russische-Cyberkriminelle-kapern-Router-zum-Passwort-Klau-11247959.html
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:nie@heise.de

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Durchblick bei Technik & Features moderner Monitore | c’t uplink

Von Heise — 18. April 2026 um 17:19

Wie ist der Stand der Technik aktueller Bildschirme – und worauf muss man achten, wenn man im Jahr 2026 einen Monitor kaufen will?

Monitore sind preiswert wie nie zu haben – oder extrem hochauflösend, kontrast- und farbstark und auch flexibel in Sachen Anschlussmöglichkeiten. Wer einen Monitor kaufen will oder muss, steht daher vor allerhand Abkürzungen von WQHD, 4K, 16:10 und 21:9 über HDMI, Displayport und USB-C mit PD bis hin zu sRGB, DCI-P3, AdobeRGB und HDR1000. Und hat möglicherweise ein paar Fragezeichen überm Kopf schweben.

Angelehnt an unseren vor kurzem erschienenen Vergleichstest von 5K- und 6K-Monitoren mitsamt Kaufberatung sprechen wir in dieser Folge des c’t uplink über all diese Features – und welche davon überhaupt für welche Zielgruppen wichtig, essenziell oder völlig egal sind.

Zu Gast im Studio: Benjamin Kraft, Ulrike Kuhlmann
Host: Jan Schüßler
Produktion: Tobias Reimer

► Mehr zu hochauflösenden Monitoren [8] lesen Sie bei heise+ (€).

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Lunar Gateway: Das (vorläufige) Aus für die Mond-Raumstation

Von Patrick Klapetz — 18. April 2026 um 14:31
Mit dem Stopp des Projekts schwindet die Glaubwürdigkeit der USA als Partner in der internationalen Raumfahrt .
Illustration vom Lunar Gateway am Mond (Bild: NASA/Alberto Bertolin)
Illustration vom Lunar Gateway am Mond Bild: NASA/Alberto Bertolin

Die Nasa gab am 24. März 2026 den vorläufigen Stopp für das Lunar-Gateway-Projekt bekannt, das bisherige Herzstück der Artemis-Missionen. Die Raumstation sollte als Umstiegspunkt für Mondlandungen dienen, weicht nun jedoch einer Neuausrichtung des Programms zugunsten einer schnelleren Oberflächenpräsenz.

In der Umlaufbahn des Erdtrabanten wird es demnach vorerst keine Station geben. Die zukünftigen Mondastronauten sollen direkt vom Orion-Raumschiff an die Landefähre andocken und umsteigen.

Jedoch war das Gateway ein Gemeinschaftsprojekt, ähnlich wie die Internationale Raumstation ISS. Sowohl die Europäer als auch Japaner , Kanadier und die Vereinigten Arabischen Emirate sollten Module und Technologien bereitstellen.

Der Verlust von Missionszeit durchs Gateway-Aus

Besonders die europäische Raumfahrtbehörde Esa trifft die Entscheidung hart: Ihre Module I-Hab, View und Link sind exakt auf das Gateway zugeschnitten. Die Zukunft dieser bereits laufenden Entwicklungen muss nun bis zur Ratstagung im Juni 2026 politisch geklärt werden.

Vertraglich sind die genannten Länder immer noch Partner des Artemis-Programms. Die Nasa stellte in Aussicht, die ausgewählten Gateway-Technologien und die finanzielle Mittel dafür in die Entwicklung einer dauerhaften Präsenz auf der Mondoberfläche einfließen zu lassen.

Die Module sind allerdings für den Einsatz in der Schwerelosigkeit konzipiert. Es wären also eine massive Umplanung als Oberflächen-Habitat und hohe Umrüstungskosten nötig.

Ohne das Gateway in der strategisch günstigen Halo-Umlaufbahn (NRHO) entfällt nicht nur ein stabiler Kommunikations-Hub für den Südpol des Mondes und eine kontinuierliche Sicht auf diesen, sondern auch die Basis für Langzeitmissionen. Statt auf bis zu 90 Tage im All ist der Aufenthalt der Crew in der Orion-Kapsel auf maximal 21 Tage limitiert. Besonders für Langzeitmissionen auf der Mondoberfläche wäre die Station ein wichtiger Vorteil.

Lunar Gateway als Milliardengrab?

Die ersten Elemente des Gateways sollten voraussichtlich 2027 starten, wodurch der operative Betrieb erst ab 2028 möglich gewesen wäre. In den ursprünglichen astronautischen Mondlandeplänen spielte die Mond-Raumstation ohnehin keine Rolle, da Raumschiff und Landefähre auch während Artemis III ( mittlerweile Artemis IV ) ohne Zwischenstopp am Gateway aneinander andocken sollen.

Das Gateway-Programm hätte laut einer Analyse des spanischen Tech-Nachrichtenmagazins Tyn die internationale Zusammenarbeit gestärkt und einen beitragsbasierten Rahmen geboten, wie es von der ISS bekannt ist.

Der Stopp (und die mögliche Streichung) schwächt das Modell, verlagert die Zusammenarbeit hin zu eher bilateralen oder missionsspezifischen Vereinbarungen und untergräbt das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die langfristige Programmführung der USA.

Gestärkt wird durch die Neuausrichtung hingegen das kommerzielle Weltraum-Ökosystem. Immerhin will die Nasa ab 2027 monatliche robotische Mondlandemissionen im Zuge ihres kommerziellen lunaren Nutzlastprogramms CLPS durchführen.

Die Anfangsinvestitionen der Nasa für das Gateway beliefen sich für die Jahre von 2019 bis 2025 auf etwa 4,4 Milliarden US-Dollar. Weitere Milliarden waren bis zum Ende des Jahrzehnts veranschlagt.

Dem gegenüber soll das Infrastrukturprogramm für die Mondoberfläche einen Umfang von etwa 20 Milliarden US-Dollar haben. Immerhin stärkt die Verlagerung hin zu einer vorrangigen Oberflächenarchitektur (Surface First) die Bedeutung des Aufbaus einer Mondbasis am lunaren Südpol . Dort will auch China eine Station errichten und wird mit der bevorstehenden robotischen Mission Chang'e-7 ab Sommer 2026 nach Wassereis suchen.

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Full Self Driving: Tesla rät zu "Geduld" nach 7 Jahren Wartezeit auf FSD

Von Tobias Költzsch — 18. April 2026 um 13:40
Ein niederländischer Model-3 -Besitzer hat Tesla 2019 6.400 Euro für FSD gezahlt – wird es aber wohl nicht bekommen.
FSD (Supervised) in einem Model 3 (Bild: Friedhelm Greis/Golem)
FSD (Supervised) in einem Model 3 Bild: Friedhelm Greis/Golem

Der Niederländer Mischa Sigtermans hat bei Tesla nachgefragt, wann er Full Self Driving (FSD) für sein 2019 gekauftes Model 3 bekommen werde. Das berichtet Electrek . Hintergrund ist, dass die niederländische Zulassungsbehörde das teilassistierte autonome Fahren FSD (Supervised) von Tesla erstmals in Europa zugelassen hat. Allerdings bekommen Besitzer von Tesla-Modellen mit der HW3-Hardware kein FSD.

Um ein solches Fahrzeug handelt es sich bei Sigtermans Model 3. Auf die Frage beim Tesla-Kundenservice, wann sein HW3-Auto FSD bekommt, konnte ihm kein Zeitpunkt genannt werden – und auch nicht, ob es überhaupt erscheinen werde.

Als er nach dem versprochenen kostenlosen Hardware-Upgrade fragte, wurde ihm geantwortet, dass es diesbezüglich keine Informationen für Europa gäbe. Elon Musk hatte Anfang 2025 erklärt, dass FSD nicht auf HW3 laufen würde und die Hardware ausgetauscht werden müsse.

Sigtermans solle sich einfach noch gedulden

Nachdem Sigtermans dem Bericht zufolge gebeten hatte, mit einem Tesla-Sprecher verbunden zu werden, wurde ihm als finale Antwort mitgeteilt, dass er sich einfach noch gedulden müsse. Anschließend wurde der Anruf beendet und die Support-Anfrage als gelöst geschlossen.

Sigtermans hatte bereits zuvor eine Kampagne gestartet, in der er weitere Betroffene für eine Sammelklage sucht. Bislang sollen sich um die 3.000 Besitzer von HW3-Teslas gemeldet haben, die jeweils 6.800 Euro an Schadensersatz fordern. Die Forderung soll als EU-Sammelklage eingereicht werden.

Beim Kauf hatte Sigtermans das Geld für FSD bezahlt, nicht FSD Supervised, wie der Dienst nun genannt werden muss. Trotz des Namens handelt es sich nicht um autonomes Fahren; Fahrer müssen weiterhin bereit zum Eingreifen sein. Sigtermans besteht aber offenbar darauf, für sein Geld echtes FSD zu bekommen.

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Rechenzentren: Tech-Firmen sollen gegen Informationspflicht lobbyiert haben

Von Tobias Költzsch — 18. April 2026 um 13:05
Details zur Umweltbilanz von Rechenzentren in Europa sind unter Verschluss – offenbar haben Tech-Konzerne erfolgreich Lobby betrieben.
Ein Rechenzentrum von Amazon nahe Saragossa in Spanien (Bild: VALENTIN BONTEMPS/AFP via Getty Images)
Ein Rechenzentrum von Amazon nahe Saragossa in Spanien Bild: VALENTIN BONTEMPS/AFP via Getty Images

Tech-Konzerne wie Microsoft und Amazon sollen durch Lobbyarbeit eine entscheidende Änderung an der Informationspflicht zu Rechenzentren erreicht haben. Wie die Zeit berichtet, sollen in den entsprechenden Vorschriften Geheimhaltungsklauseln zu Umweltaspekten durchgesetzt worden sein, die wortgleich mit Vorschlägen von Microsoft und der Lobbyvereinigung Digital Europe sind.

Digital Europe gehören unter anderem Amazon, Google und Meta an. Den Recherchen zufolge wurde das europäische Gesetz, demzufolge Unternehmen Kennzahlen wie Wasserverbrauch und Energieeffizienz von Rechenzentren an die Kommission melden und so offenlegen müssen, 2024 auf Druck der Branche geändert.

Seitdem gelten diese Informationen als vertraulich und dürfen nicht mehr für einzelne Rechenzentren veröffentlicht werden. Zahlreiche von der Zeit befragte Rechtsexperten sehen in dieser Vorgehensweise einen Bruch der Transparenzvorschriften der EU sowie der Aarhus-Konvention. Diese regelt den Zugang zu Umweltinformationen.

Mitgliedstaaten sollen Informationen nicht weitergeben

Der Recherche zufolge soll ein Vertreter der Kommission den Mitgliedstaaten sogar nahegelegt haben, Informationsanfragen aus der Öffentlichkeit zu einzelnen Rechenzentren abzulehnen.

2023 wurde die Energieeffizienz-Richtlinie der EU überarbeitet, um der wachsenden Anzahl an Rechenzentren in Europa gerecht zu werden. Diese benötigen eine große Menge an Energie; für die Kühlung der Anlagen ist zudem viel Wasser notwendig. Anfang 2024 haben Microsoft und Digital Europe identische neue Artikel vorgeschlagen, die eine Geheimhaltung der entsprechenden Informationen enthielten.

Die Formulierung fand sich in der überarbeiteten Richtlinie schließlich nahezu wortgleich wieder. Auf Nachfrage der Zeit erklärt die Kommission, dass ihr Vorschlag immer eine Vertraulichkeitsklausel enthalten habe. Doch auch auf andere Regelungen sollen Tech-Konzerne Einfluss genommen haben, etwa bezüglich der Genehmigungen von größeren Bauvorhaben.

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Putin, der Imperialismus und die Lücken im westlichen Narrativ

Von Telepolis — 18. April 2026 um 14:00
Goldener Doppeladler mit Krone auf einem blauen Zierstab

Ein goldener Doppeladler mit Krone, Symbol imperialer Macht.

(Bild: SSV.Photo / Shutterstock.com)

Westliche Narrative blenden einen entscheidenden Faktor aus: Wie sehr hat die NATO-Politik Russlands Kurs erst mitgeformt? (Teil 2)

Im ersten Teil der vorliegenden Betrachtung ging es darum, einige allgemeine Einsichten über Imperien und deren Bedeutung in der menschlichen Entwicklungsgeschichte zu etablieren sowie Aspekte dieser Einsichten auf den europäischen Status quo zu übertragen. Wie in der dortigen Einleitung nahegelegt, spielen insbesondere die russischen und US-amerikanischen Nationen, die beide über eine lange imperiale Tradition verfügen, eine besondere kontextuelle Rolle für Europa.

Dementsprechend wird es im Folgenden um den Versuch gehen, das gegenwärtige außenpolitische Gebaren Moskaus in einen realistischen Kontext zu dessen imperialer Geschichte und dessen internationale Umgebung zu setzen. Dies erscheint, insbesondere auch im deutschsprachigen Raum, als notwendig, da bezüglich russischer Politik zahlreiche Missverständnisse und Vorurteile – sowohl gewollt als auch ungewollt – den Diskurs beherrschen. Die Figur Alexander Dugins [1] und dessen konventionelle Einordnung stellen hier lediglich ein prominentes Beispiel von vielen dar.

Eingeleitet werden und wurden Positionen [2], die den russischen Angriffskrieg in der Ukraine schlicht als eine "Brutalversion" eines zurückgekehrten und – wichtig – intrinsisch bedingten imperialen Machtstrebens einrahmen, gerne mit Formulierungen wie: "Vor dem Februar 2022 war es um den Imperialismus still geworden." Offenbar würden wir [3] seither "in einem neuen Zeitalter des Imperialismus" leben, in dem Russland folgerichtig "das erste Land [sei], das den wiedererweckten Imperialismus in vollen Zügen ausleb[e]." Diese Logik zu hinterfragen, wird einen wichtigen Aspekt des dritten Teils zum US-Imperialismus darstellen.

"Angetrieben [werde] das imperiale Projekt Russlands", Herfried Münklers [4]Bestätigung dieser Logik entsprechend, "durch die Erinnerung an Glanz und Größe des Zarenreichs sowie den politischen Einfluss, den es seit dem 18. Jahrhundert auf die Verhältnisse Mitteleuropas hatte." Immer wieder wird in diesem Kontext betont, dass das russische Agieren sich nahezu gänzlich über ein aus sich selbst heraus entstehendes Streben nach Dominanz erklären lasse. Doch wie überzeugend sind solche Einschätzungen tatsächlich, wenn sie einer differenzierten Betrachtung unterworfen werden?

Der russische Imperialismus im europäischen Kontext

In diesem Zusammenhang schadet es nicht zu verstehen, dass der russische Imperialismus historisch im Kontext einer allgemeinen globalen Expansion europäischer Mächte zu verstehen ist, die sich grob über die letzten 500 Jahre erstreckt hat. Die oft zumindest implizit transportierte Botschaft, dass Russland hier eine Sonderrolle eingenommen hätte, oder gar als von Europa separiertes Phänomen zu verstehen wäre, erscheint ebenso ahistorisch wie die Vorstellung, dass Europäer allgemein die Urheber imperialer Politik [5] gewesen wären:

Imperialismus wird [demnach] oft als die Erbsünde der europäischen Völker betrachtet, die eine unschuldige Welt korrumpierten. Seine wahren Ursprünge sind jedoch weitaus älter und liegen in einem Prozess, der nahezu universell in menschlichen Gesellschaften anzutreffen ist.

Ferner würde "[e]ine realistische Betrachtung", John Darwin zufolge, "Russland – ähnlich wie Spanien oder das Habsburgerreich – als einen jener Grenzstaaten betrachten, die eine Vorreiterrolle bei der Expansion Europas gespielt haben." Dementsprechend hat auch Russland, wie die meisten Staaten mit kolonialer Vergangenheit, die imperiale Ausdehnung mit dem Anspruch – oder Vorwand – etikettiert, die eigene und überlegene Kultur zu verbreiten, sich auf einer "zivilisierenden" Mission zu befinden.

Diesbezüglich haben sich auch die russischen Methoden nicht von denen anderer europäischer Imperien unterschieden. Das heißt, sie [6] "unterwarfen und russifizierten […] indigene Völker wie Jakuten, Ewenken und Burjaten, töteten diejenigen, die revoltierten, erzwangen Abgaben in Form von Fellen, oktroyierten ihnen das orthodoxe Christentum und die russische Sprache auf." Gleichwohl stellt sich die Geschichte zwischen Russland und der Ukraine [7] komplexer dar, als von denjenigen behauptet wird, die den Krieg schlicht auf derselben Ebene einordnen wollen.

Dies hat insbesondere mit den gemeinsamen slawischen Ursprüngen und der Vergangenheit unter dem Dach der Sowjetunion zu tun – die, wie Niall Ferguson [8] angemerkt hat, entgegen der meisten konventionellen Perspektiven, ebenfalls als Teil europäisch-imperialer Geschichte zu verstehen ist:

Während des gesamten Kalten Krieges wurden die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten als 'der Ostblock' bezeichnet. Aber es gibt gewiss gute Gründe zu sagen, dass die Sowjetunion ebenso sehr ein Produkt der westlichen Zivilisation war wie die Vereinigten Staaten. […] Und ihre geographische Ausdehnung war nicht weniger das Produkt europäischer Expansion und Kolonisierung als die Besiedlung Amerikas.

In gewisser Hinsicht erscheint es daher naheliegend, das russische Vorgehen in der Ukraine primär als Ausprägung von dessen imperialer Tradition zu verstehen. Gleichzeitig ist es die bequemere Option, die einen Schuldanteil westlicher und ukrainischer Entscheidungsträger, sowie reale Unterschiede zwischen historisch-imperialen und sowjetischen Hierarchien, die ihre Bedeutung in der post-sowjetischen Ära natürlich nicht gänzlich verloren haben, kategorisch ausblendet.

"Fluch des Imperiums" oder westliche Selbstgefälligkeit?

Eine immer wiederkehrende Auffälligkeit ist diesbezüglich, dem post-sowjetischen Russland eine hartnäckige Affinität zu imperialer Machtpolitik, oder, in den Worten des Historikers Martin Schulze Wessel [9], eine Art "imperialen Fluch" zuzuschreiben. Dieser Idee zufolge sei es den Russen bis heute "nicht gelungen, die Idee der russischen Nation von der imperialen Tradition Russlands zu trennen", so wie es etwa die übrigen europäischen Nationen nach 1945 erfolgreich getan hätten.

In diesem Sinne basiert auch Schulze Wessels "Fluch"-Theorie auf der Annahme, dass es Moskau, wie "bereits im 18. Jahrhundert", in erster Hinsicht "um die Beherrschung des ostmitteleuropäischen Vorfeldes" gehen würde. Damals wie heute "spielten imperiale Infrastrukturen eine große Rolle." Immer wieder stößt man hier auf dieselben Erklärungsschemata, die darauf bestehen, Russland einen intrinsisch – also aus sich selbst heraus – begründeten imperialen Antrieb zuzuschreiben. Die russische Außenpolitik sei mehr oder weniger autark von ihrer Umwelt interpretierbar.

Derartige Erklärungsansätze erscheinen jedoch unrealistisch. So behauptet nicht einmal Sergei Radtschenko [10], kremlkritischer Experte für sowjetische Geschichte, dass Moskau im Kalten Krieg unabhängig vom Rest der Welt agiert hätte, obwohl es ungleich mächtiger gewesen ist. Ganz im Gegenteil hätten "[a]nhaltende Unsicherheiten, Illusionen von Größe und das Verlangen nach Anerkennung [durch Washington] [...] Moskau auf einen halsbrecherischen Kurs zur globalen Macht" getrieben.

Wie wahrscheinlich ist es also, dass das schwächere post-sowjetische Russland anfing, zunehmend losgelöst vom umliegenden internationalen System, und insbesondere von seinem westlichen Gegenüber, zu agieren? Diesbezüglich gilt es sich bewusstzumachen, dass es sich um eine langfristig gepflegte Tradition in westlichen Politikdiskursen handelt, die Ursachen für die zunehmenden Spannungen mit Moskau zu externalisieren. So schrieb Stephen Cohen [11], intimer Kenner russischer Geschichte und Politik (sowie persönlicher Freund Gorbatschows), bereits 2009:

Die Schuld für die nach dem Ende des Kalten Krieges verlorene Chance dem Kreml zuzuschreiben, ist bei US-Politikern, Mainstream-Leitartiklern und den meisten einflussreichen Akademikern zur Orthodoxie geworden. Einige verweisen auf wiedererstarkte zaristische oder sowjetische Traditionen (also auf das Wesen Russlands), andere auf Putin, aber alle auf Moskau allein. […]

Wenn diese Erklärung zuträfe, schiene es, als könne Washington nichts tun, um eine noch schlechtere Beziehung zu Moskau zu verhindern. Aber sie trifft nicht zu, oder zumindest lange nicht vollständig. Der neue Kalte Krieg und die Verschwendung des post-sowjetischen Friedens begannen nicht in Moskau, sondern in Washington.

Diese Perspektive in den Kontext des US-amerikanischen Imperialismus einzubetten, wird Bestandteil des folgenden Teils sein. Hier wird es abschließend darum gehen, noch etwas klarer herauszustellen, dass das russische Vorgehen in der Ukraine im Kontext US-amerikanischer Außenpolitik verstanden werden sollte, sofern man sich nicht einseitigen Erklärungen hingeben will [12], die letztendlich keinen Beitrag zu einem diplomatischen Lösungsansatz leisten, sondern die bereits weit fortgeschrittene Eskalationsspirale antreiben.

Russischer Revanchismus als Reaktion auf westliche Hegemonialpolitik

In diesem Sinne muss einerseits klargestellt werden, dass die russische Politik gegenüber der Ukraine unleugbare imperialistische Züge [13] trägt. So lässt sich zweifellos argumentieren, dass es sich um imperialistische Politik handelt, "wenn eine Nation sich entgegen internationalen Standards und völkerrechtswidrig in die Angelegenheiten anderer Nationen und Regionen einmischt, um eigene Interessen durchzusetzen. […] Das passiert zum Beispiel in der Ukraine."

Andererseits ist kaum zu leugnen, dass die Behauptungen, die russische Elite um Putin würde primär so vorgehen, weil sie sich ein russisch geprägtes Imperium zurückwünscht, oder sich von der vermeintlich blühenden Demokratie in der Ukraine bedroht gefühlt hat, bei genauerer Betrachtung unseriös wirken. Ebenso wie die USA hat sich auch Russland im Laufe der Zeit zu einem föderal organisierten Nationalstaat [14] entwickelt, bei dem die Grenzen zwischen imperialer Hierarchie und Gleichberechtigung zwischen nationalen Minderheiten etc. zunehmend verschwommen sind.

Das bedeutet nicht, dass es keinerlei imperialen Antrieb mehr in Moskau geben würde. Russland ist und bleibt voraussichtlich eine Großmacht, die ihre Interessen auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus vertreten wird. Möchte man das glaubhaft kritisieren, sollte man es nicht einseitig und auf Basis realitätsfremder Analyse tun. Es erscheint letztlich unglaubwürdig, die Eskalation des Konflikts in der Ukraine als einseitig von Moskau heraufbeschworen darzustellen.

So kommt auch Iwan Katschanowski, im Kontext einer längeren Studie [15], zum Schluss, "dass der russische Imperialismus ein bedeutender Faktor in Putins Politik gegenüber der Ukraine war, aber der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine nachgeordnet gewesen ist." Dass der Ankündigung einer formalen Abkehr von dieser Mitgliedschaft seitens der Ukraine faktisch eine von 2016 bis 2022 abgelaufene umfassende Militärreform [16] gegenüberstand, die nicht nur die Kapazitäten des ukrainischen Militärs erheblich ausbaute, sondern es auch "interoperabel" mit der Nato machte, wird von Beobachtern, die diesem Argument kritisch gegenüber stehen, gerne ignoriert.

Leider handelt es sich hierbei um ein allzu verbreitetes Phänomen in westlichen Politikdiskursen, wenn es darum geht, den eigenen Anteil an der Entstehung des Zweiten Kalten Krieges, sowie des heißen Krieges um die Ukraine, anzuerkennen. Diesbezüglich konkludierte Richard Sakwa [17], in einer aktuellen Studie zum russisch-ukrainischen Krieg:

Der politische Westen erwies sich schon unter Gorbatschow und noch stärker während Jelzins Präsidentschaft als feindselig gegenüber Russlands wahrgenommenen nationalen Interessen. Die Nato-Erweiterung und ihre verstärkte Sicherheitspartnerschaft mit der Ukraine entfachten imperialistische, ethnonationalistische und revanchistische Tendenzen innerhalb Russlands. Die Entwicklung Dimitri Medwedews vom Aushängeschild liberaler Reformen zum verbitterten Antiwestler ist ein exemplarisches Beispiel für diesen Trend.

Trotz dieser wieder entfachten Tendenzen, wirkt es schlussendlich zu kurz gegriffen [18], dem russischen Handeln schlicht einen "aggressiven Nationalismus" einzuhauchen und auf die "imperialen Ziele" Moskaus abzustellen. Wie eingangs angemerkt, stimmen die oft klischeehaft wirkenden Einordnungen russischer Politik und Ideologie eher selten mit der Realität überein. So ergibt es erneut Sinn, sich etwas tiefgehender mit der Frage zu beschäftigen, welche Art politischer Ideologie gegenwärtig tatsächlich dominant in Moskauer Diskursen ist [19].

Eine interessante Parallele ist mit Blick auf den anschließenden Teil zum US-amerikanischen Imperialismus, dass es auch in Bezug auf diesen üblich ist, ihn, in diesem Fall positiv, verzerrt darzustellen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.telepolis.de/article/Alexander-Dugin-Putins-Vordenker-oder-marginalisierte-Randfigur-11125350.html
[2] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/russlands-imperialismus-versuch-putins-endspiel-zu-verstehen-19800007.html
[3] https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2025/04/russischer-nationalismus-wladimir-putin-imperialismus-ukraine
[4] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wiederkehr-der-imperien-wie-positioniert-sich-europa-110627865.html
[5] https://www.penguin.co.uk/books/54403/after-tamerlane-by-john-darwin/9780141010229
[6] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ukraine-im-abwehrkampf-machen-wir-russland-wieder-klein-110272880.html
[7] https://monde-diplomatique.de/artikel/!5966802
[8] https://www.penguin.co.uk/books/184625/civilization-by-ferguson-niall/9780141987934
[9] https://www.spiegel.de/geschichte/historiker-ueber-den-russischen-imperialismus-russland-betreibt-machtpolitik-mit-langem-atem-a-128e3a81-d812-4765-a44e-accc62219f50
[10] https://www.cambridge.org/core/books/to-run-the-world/6C2B9062482ECE81680C78DDDB08BE5D
[11] https://cup.columbia.edu/book/soviet-fates-and-lost-alternatives/9780231148962/
[12] https://www.telepolis.de/article/Deutsche-Ukraine-Experten-Gefangen-in-der-moralischen-Echokammer-10419502.html
[13] https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2025-02/russland-kolonialismus-krieg-ukraine-kasachstan
[14] https://monde-diplomatique.de/artikel/!5966802
[15] https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-031-98724-3
[16] https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14751798.2023.2201017
[17] https://www.rienner.com/title/The_Russo_Ukrainian_War_Follies_of_Empire
[18] https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2025/04/russischer-nationalismus-wladimir-putin-imperialismus-ukraine
[19] https://www.telepolis.de/article/Zivilisationismus-Russlands-Weg-jenseits-westlicher-Modelle-11125354.html

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Stromausfall: Wenn die Zivilisation auf Pause gedrückt wird

Von Telepolis — 18. April 2026 um 12:00
NATO-Stern mit verlängertem Zacken steht auf Ziffernblatt 5 vor 12

Ein längerer Stromausfall könnte Deutschland in den Kollaps treiben – und das ist nur eines der Szenarien, die Experten beunruhigen.

Hochindustrialisiert und extrem verwundbar, so lauten die kennzeichnenden Attribute der heutigen Zivilisation. Dichte Ballungszentren mit großer Industriekonzentration prägen im Besonderen die Situation in Mitteleuropa. Es hat sich eine hochkomplexe, digitale Lebens- und Arbeitswelt über Vernetzung, Arbeitsteilung, Mobilität und Automation entwickelt.

Die Interoperabilität fast aller Arbeitsbereiche durch verschiedenste Kommunikations- und automatisierte Informationssysteme trägt zwar zur Produktions- und Effizienzsteigerung bei, erhöht aber gleichzeitig die Störanfälligkeit und Verwundbarkeit des Gesamtsystems.

Die Gefahren durch Cyberangriffe auf lebenswichtige Versorgungseinrichtungen einer Gesellschaft wie Strom, Wasser und Logistik sind allgegenwärtig.[1] Hacker-Angriffe auf die EDV-Systeme des Deutschen Bundestages, Stadtverwaltungen, Banken und Industrieunternehmen waren schon erfolgreich.

Ohne diese Infrastruktur sind Industriestaaten weitgehend handlungsunfähig. Allein ein längerer Stromausfall würde die gesamte elektronische und elektrisch gesteuerte Infrastruktur (bspw. Pipelines, Kraftwerke usw.) lahmlegen und alle wichtigen Lebens- und Arbeitsbereiche einer Gesellschaft empfindlich beeinträchtigen.

Um aber die großen Elektrizitätswerke und die Schaltzentralen zu zerstören, bedarf es keiner Atomwaffen. Es reichen "chirurgische" Einsätze mit zielgenauen konventionellen Waffen.

Dies belegen die russischen Angriffe auf Elektrizitäts- und Umspanneinrichtungen in der Ukraine deutlich. Auch der Trinkwasser-, Fernwärme- und Nahrungsmittelversorgung droht in solchen Fällen der Kollaps. Eine hochindustrialisierte Zivilisation ohne Stromversorgung bedeutet Chaos und Desorganisation des gesellschaftlichen Lebens.

Schon 2010 formulierte das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag[2], dass ein längerer Stromausfall in Deutschland und "die dadurch ausgelösten Folgen […] einer nationalen Katastrophe gleich[käme]. Diese wäre selbst durch eine Mobilisierung aller internen und externen Kräfte und Ressourcen nicht beherrschbar, allenfalls zu mindern".

Es reicht völlig aus, nur die lebenswichtigen Nervenzellen der Industriestaaten zu zerstören, um den ökonomischen und ökologischen Kollaps eines Staates herbeizuführen.

Die Nato-Staaten haben sich entschlossen, als Reaktion auf den völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine ihre Streitkräfte massiv aufzurüsten. Dem Aggressor soll damit abschreckend vor Augen geführt werden, dass ein Angriffskrieg im Besonderen keinen Erfolg haben würde

Diese Wehrhaftigkeit scheint die einzige Option zu sein, der Aggression erfolgreich begegnen zu können. Das kann durchaus gelingen – birgt aber unkalkulierbare Risiken. Der Krieg könnte jederzeit auch eskalieren.

"Wenn morgen bei uns Krieg wäre", lautet das neue Buch von Hauke Friedrichs und Rüdiger Barth. Sie spielen ein realistisches Kriegsszenario bei einem Krieg zwischen Russland und der Nato durch.

"Nach einem Jahr Krieg wird Deutschland ein anderes Land sein, Tod und Zerstörung sind allgegenwärtig. […] Tausende Tote und Verwundete täglich haben ihre Spuren in die Gesellschaft gegraben. Trauer, Leid,Verlust verändern die Art, wie wir miteinander umgehen, wie wir miteinander sprechen."[3]

Hauke Friedrichs, Rüdiger Barth

Das ist eine realistische Beschreibung von Krieg und dessen katastrophale Folgen. Die Autoren fordern von der Gesellschaft, sich umfänglich darauf vorzubereiten und Schutzmaßnahmen zu treffen. Nicht berücksichtigt wird ein möglicher Einsatz von Atomwaffen.

Nato antwortet mit offensiver Militärstrategie

Auf die Verwundbarkeit moderner Industriestaaten reagiert die Nato mit einer offensiven Militärstrategie. Im Verteidigungsfall sollen gegnerische Aufmarschräume und Militärbasen mit weitreichenden Waffensystemen auf dem Territorium des Angreifers bekämpft und zerstört werden.

In 2026 ist die Stationierung von US-Marschflugkörper vom Typ Tomahawk in Deutschland geplant. Sie können im Tiefflug mit ca. 2.000 km Reichweite in gegnerisches Gebiet eindringen und militärische Ziele, darunter auch Kommandostellen, Bunker und Radaranlagen zerstören.

Die strategische Grundlage bildet das US-Konzept der "Multi-Domain Operations" (MDO):

"Mit fünf spezialisierten US-Einheiten, sogenannten Multi-Domain Task Forces (MDTF) soll die Umsetzung gesichert werden. Diese sind rund um den Globus stationiert, im Pazifik, der Arktis, in Nahost, Alaska und Europa. Der europäische Standort für MDTF ist das hessische Wiesbaden. […] Ziel ist es, das militärische Initiativrecht zu sichern und den Gegner bereits vor einem möglichen Angriff entscheidend zu schwächen."[4]

Johannes Varwick

Des Weiteren lagern in Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe ca. 20 steuerbare Atombomben, die von deutschen Piloten mit Tornados, zukünftig mit modernen F-35 Bombern in weitreichende Ziele transportiert und zur Explosion gebracht werden können.

"Steadfast Noon [1]" lautete das Nato-Übungsszenario, an dem 2024 rund von acht Luftwaffenstützpunkten mehr als 60 Flugzeugen eingesetzt waren. Darunter waren moderne Kampfjets, Langstreckenbomber, aber auch Überwachungs- und Tankflugzeuge.

Die Bundeswehr plant die Anschaffung von 1.000 modernen Kampfpanzern für die Landstreitkräfte. Militärstrategisch sind Kampfpanzer Angriffswaffen und werden herkömmlich offensiv zur gegnerischen Landnahme eingesetzt. Die Strategie der Nato zielt darauf ab, ein Eindringen des Angreifers durch eine offensive Angriffsstrategie zu verhindern. Damit verbunden wäre ein Eskalationsrisiko, das zu einem Atomkrieg in Europa führen könnte.

Präemptive Enthauptungsschläge werden von Multi Domain Task Force in Wiesbade geplant!

Vom Standort Wiesbaden werden folglich mit der Multi Domain Task Force präemptive Enthauptungsschläge geplant und wenn notwendig auch durchgeführt. Der Öffentlichkeit ist diese Strategieplanung der Nato kaum bekannt. Die damit verbundenen Risiken natürlich auch nicht.

Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Russland diese Planungen bekannt sind und darauf in gleicher Weise reagieren wird. Aus diesem Sicherheitsdilemma entwickelt sich ein beiderseitiges, stetiges Bedrohungsempfinden. Eine gefährliche Entwicklung, die zu einem Rüstungswettlauf führen und in einen Krieg eskalieren könnte.

Völkerrechtlich ist diese schleichende Änderung der Nato-Strategie höchst problematisch.

"Eine Selbstverteidigung gegen potentielle Bedrohungen ist als Abwehrrecht nicht universalisierbar. […] Wenn jeder dem anderen aufgrund von Furcht zuvorkommen darf, ohne dass dessen Absicht zum Angriff tatsächlich außer Zweifel steht, intensiviert sich die gegenseitige Bedrohungswahrnehmung und damit die vermeintliche Notwendigkeit, als Erster loszuschlagen. Denkt man die Doktrin der präventiven Selbstverteidigung zu Ende, kann man nur eine Konsequenz ziehen, nämlich dass sie völkerrechtlich und moralisch inakzeptabel ist."[5]

Lothar Fritsche

Der in Norfolk, Virginia (USA) stationierte deutsche Viersterne-General, Christian Badia schätzt die Kriegsgefahr in Europa als hoch ein. Das Rote Telefon aus dem Kalten Krieg zwischen Russland und den USA gebe es nicht mehr. Es bestehe ein großes Risiko von Fehleinschätzungen, die zu einer ungewollten Eskalation des Krieges führen könne.

Es wäre dringend geboten, die Öffentlichkeit über die Änderung der Nato-Strategie und die damit verbundenen Risiken aufzuklären. Von der Bundesregierung ist das natürlich nicht zu erwarten. Die Friedens- und Konfliktforschung, im Besonderen Völkerrechtler:innen und NGOs müssten die Zivilgesellschaft umfassend informieren und zum Protest aufrufen.

Literatur

[1] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) (2023): Cybergefahren. Homepagebeitrag, bbk.bund.de. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)(2022): Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland. BSI-LB22/511, bsi.bund.de.

[2] Webseite des Ministeriums, bmk.gv.at.Petermann, T. et al (2010): Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung. Endbericht zum TA-Projekt. Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Arbeitsbericht Nr. 141, November 2010.

[3] Hauke Friedrichs, Rüdiger Barth, "Wenn morgen bei uns Krieg wäre", Heyne Verlag München 2026, S. 132/133

[4] Johannes Varwick, Stark für den Frieden, Westend Verlag 2026, S. 141

[5] Lothar Fritze, Die Moral des Bombenterrors. Alliierte Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg, München 2007, S. 19

Rolf Bader, geb. 1950, Dipl. Pädagoge, Offizier a. D. der Bundeswehr, ehemals Geschäftsführer der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung e. V. (IPPNW).


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[1] https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_100509018/nato-beginnt-uebung-steadfast-noon-zur-verteidigung-mit-atomwaffen.html

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Russlands Su-75: Warum Perfektion im Luftkampf zur Schwäche wird

Von Telepolis — 18. April 2026 um 11:05
Foto eines Su 75-Modells auf einer Ausstellung

(Bild: Foto: kremlin.ru / President of the Russian Federation /  CC BY 4.0 Deed)

Russlands neuer Kampfjet folgt einer Logik, die den Westen grundlegend herausfordert – und die kaum jemand erwartet hat. Eine Einschätzung

Anfang 2026 soll es soweit sein: Der neue russische Kampfjet Su-75 Checkmate wird seinen Erstflug absolvieren. Das kündigte Sergey Chemezov, Chef des staatlichen Rüstungskonzerns Rostec, auf der Dubai Airshow 2025 an, wie The War Zone [1] berichtet.

Der Prototyp befindet sich mittlerweile in der Endmontage und geht in die Phase der Bodentests über, meldete Army Recognition [2] am 20. November 2025.

Technische Spezifikationen und Design

Der Su-75 Checkmate ist als leichter, einstrahltriebiger Tarnkappenjäger konzipiert. Die technischen Daten, die die United Aircraft Corporation (UAC) auf der Dubai Airshow vorlegte, nennen ein maximales Startgewicht von rund 26.000 Kilogramm.

Das Flugzeug soll bis zu 7.400 Kilogramm an Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen transportieren können – verteilt auf mehrere Außenlaststationen unter den Flügeln sowie in drei internen Waffenschächten. Die Höchstgeschwindigkeit wird zwischen Mach 1,8 und Mach 2 angegeben, angetrieben von einem Triebwerk mit 142-160 Kilonewton Schub.

Army Recognition nennt detailliertere Maße: 17,7 Meter Länge, 11,8 Meter Spannweite. Die Kampfreichweite liege bei etwa 3.000 Kilometern, die Überführungsreichweite ebenfalls bei rund 3.000 Kilometern, die Dienstgipfelhöhe bei 16.500 Metern. Als Triebwerk soll ein Derivat des Saturn AL-51 Turbofans zum Einsatz kommen, das effizienter und leichter sein soll als frühere russische Jägertriebwerke.

Die Bewaffnung soll ein breites Spektrum umfassen können: Luft-Luft-Raketen wie R-77 und R-74M, Luft-Boden-Raketen wie Kh-38 und Kh-59MK2, Seezielraketen wie Kh-35E, gelenkte Bomben verschiedener Klassen sowie optional Kanonenbehälter. Das Missionssystem beruht auf einer offenen Avionik-Architektur mit bordeigener Diagnostik, einem kostengünstigen AESA-Radar und multispektralen optischen Zielsystemen.

Seit der Erstvorstellung 2021 spricht die UAC von einer ganzen Produktfamilie: einer einsitzigen Grundversion, einer zweisitzigen Variante für Training oder Angriffsmissionen und einer vollständig unbemannten Version. Auf der Dubai Airshow 2025 war ein deutlich weiterentwickeltes Modell der unbemannten Checkmate-Variante zu sehen.

Insgesamt zeigt die Su-75, ähnlich wie die Su-57, Merkmale mit reduzierter Radarsignatur, wobei der Fokus offenbar auf der Verringerung der Signatur aus der frontalen Hemisphäre liegt, weniger auf einer Rundum-Tarnkappenwirkung, so The War Zone.

Größenmäßig bewegt sich die Su-75 damit in einer ähnlichen Klasse wie die F-35A Lightning II. Beide Muster sind als einstrahlige Mehrzweckkampfflugzeuge ausgelegt, die Tarnkappeneigenschaften mit einer für diese Klasse hohen Einsatzreichweite und Waffenlast kombinieren.

Produktion und industrielle Zusammenarbeit

Russland arbeitet an einer gemeinsamen Produktion der Su-75 Checkmate mit Belarus, wie Army Recognition [3] unter Berufung auf RIA Novosti berichtete. Für Belarus würde die Teilnahme an diesem Tarnkappenjägerprogramm einen erheblichen qualitativen Fortschritt für seine Luft- und Raumfahrtindustrie bedeuten.

Die Einbeziehung von Belarus als Industriepartner kann als pragmatische Maßnahme angesehen werden, um Entwicklungskosten zu teilen, Produktionsrisiken zu mindern, die Lieferkette unter Sanktionen abzusichern und den industriellen Fußabdruck des Programms über russisches Territorium hinaus zu erweitern. Für Russland würde die Delegation eines Teils der Su-75-Produktion nach Belarus Minsks strategische Ausrichtung stärken und Sanktionen teilweise umgehen, indem belarussische Industriekapazitäten genutzt werden.

Indien-Aspekt: Angebote und zurückhaltende Reaktion

Russlands jüngster Vorstoß zur Ausweitung der Verteidigungskooperation – einschließlich Angeboten für den Su-57-Tarnkappenjäger, Langstreckendrohnen und U-Boote – stieß in Indien auf verhaltene Reaktionen, berichtet die indische Zeitung The Hindu [4]. Indien habe nicht viel Interesse an den von Russland angebotenen Ausrüstungen gezeigt, sagte ein hochrangiger Beamter gegenüber The Hindu. Man konzentriere sich sehr stark auf die Entwicklung indigener Produkte.

Beim jüngsten Treffen zwischen Putin und Modi in Indien materialisierten sich trotz hoher Erwartungen keine öffentlichen Verteidigungsankündigungen, schreibt The Hindu weiter. Während 19 Handelsabkommen unterzeichnet wurden, gab es keinen Durchbruch bei der Su-57 oder Russlands S-500-Luftverteidigungssystem. Verteidigungsminister Rajnath Singh habe am 7. Dezember 2025 in Leh hervorgehoben, dass Indiens Verteidigungsproduktion und Verteidigungsexporte in den letzten Jahren deutlich gestiegen seien.

Die russischen Angebote könnten stillschweigend auch die Su-75 Checkmate einschließen, berichtet EurAsian Times [5]. Gemeinsame Entwicklung würde echte Eigentümerschaft liefern und das Programm vor US-Sanktionen schützen. Die lokale Produktion der Su-75 könnte Indiens Lücke bei Jägern der fünften Generation schließen und Exporteinnahmen generieren wie bei der russisch/indischen Koproduktion Brahmos, einem Überschall-Marschflugkörper, so die EurAsian Times.

Ein Paradigmenwechsel im Kampfflugzeugbau

Vieles deutet darauf hin, dass die Su-75 Checkmate in die Flugerprobung eintreten und darüber hinaus weiterentwickelt wird. Russland verfügt derzeit über weniger als 20 serielle Su-57-Flugzeuge bei einer Produktionsrate von zwei bis vier Maschinen pro Jahr, wie der Fachblog 19FortyFive [6] berichtet – ein Umstand, der der Su-75 auch für die russischen Luftstreitkräfte selbst strategische Relevanz verleiht. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten produzieren jährlich mehr als 150 F-35, China über 50 J-20.

Sukhoi nennt für die Su-75 einen angestrebten Stückpreis von 25 bis 30 Millionen US-Dollar – ein Niveau, das in etwa dem Preis eines Leopard-2-Kampfpanzers entspricht und, sollte es realisiert werden können, eine neue Kostenklasse für Kampfflugzeuge markieren würde.

Der eigentliche konzeptionelle Bruch – ein Paradigmenwechsel im Kampfflugzeugbau – liegt im Designansatz der Su-75. Die Checkmate ist nicht als klassischer bemannter Jagdflugzeugtyp konzipiert, der nachträglich um autonome Funktionen erweitert wird, sondern als große Hochleistungs-Kampfdrohne, die von Beginn an auch für einen bemannten Betrieb ausgelegt ist. Der Pilot ist damit keine technische Voraussetzung der Plattform, sondern eine Option.

Im deutlichen Gegensatz zur westlichen Entwicklungslinie

Dieser Ansatz steht im deutlichen Gegensatz zur westlichen Entwicklungslinie, die weiterhin auf extrem aufwendige Tarnkappenplattformen setzt. Die Su-75 deutet eine Abkehr von der Vorstellung an, dass maximale Stealth-Eigenschaften allein den entscheidenden militärischen Vorteil bringen. Stattdessen rücken Autonomie, Kosten, Skalierbarkeit und Verlusttoleranz in den Vordergrund – Faktoren, die sich in aktuellen Konflikten als zunehmend relevant erwiesen haben.

Grundlegend unterscheidet sich dieser Ansatz auch von westlichen und chinesischen Programmen, die bemannte Kampfflugzeuge mit separaten unbemannten Begleitsystemen kombinieren – dem „Loyal-Wingman“-Konzept. Bei der Su-75 dagegen wird Autonomie nicht ausgelagert, sondern in einer einzigen Plattform konzentriert.

Gerade im unbemannten Betrieb liegt das disruptive Potenzial des Programms. Der Wegfall von Pilotenausbildung, Einsatzbeschränkungen und personalintensiver Infrastruktur würde die Betriebskosten nochmals deutlich senken und zugleich eine höhere Risikoakzeptanz im Einsatz ermöglichen.

Autonomie ist hier kein Zusatz, sondern der Kern des Konzepts. Dass westliche Programme diesen Weg bislang nicht gehen, ist weniger eine technische als eine strukturelle Entscheidung. Sie ist Ergebnis von Trägerdoktrinen, multinationalen Beschaffungsprogrammen und dem Anspruch, Kampfflugzeuge als zentrale Führungsplattformen in komplexen Verbundsystemen zu betreiben. Unbemannte Systeme werden dabei bewusst als separate Ergänzung ausgelegt, was hohe Anforderungen an Vernetzung, Logistik und Finanzierung nach sich zieht.

Die Su-75 ist dabei als Exportflugzeug konzipiert. Sie richtet sich an Staaten, die keinen Zugang zu westlichen Hochtechnologiesystemen haben oder bewusst eine andere Beschaffungslogik verfolgen: weniger Integrationstiefe, geringere Kosten, dafür maximale Flexibilität zwischen bemanntem und unbemanntem Einsatz.

Ob dieses Modell unter den Bedingungen von Sanktionen, begrenzten Produktionskapazitäten und wachsendem internationalen Wettbewerb tragfähig ist, bleibt abzuwarten. Sollte es jedoch gelingen, die angekündigten Leistungsdaten und den Preisrahmen tatsächlich umzusetzen, würde die Su-75 weniger ein Gegenentwurf zur F-35 sein als ein fundamental anderes Verständnis von Kampfflugzeugen im Zeitalter autonomer Kriegsführung.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.twz.com/air/russia-insists-su-75-checkmate-fighter-will-fly-next-year
[2] https://www.armyrecognition.com/news/aerospace-news/2025/belarus-and-russia-strengthen-defense-ties-with-joint-su-75-stealth-fighter-production-plan
[3] https://www.armyrecognition.com/news/aerospace-news/2025/belarus-and-russia-strengthen-defense-ties-with-joint-su-75-stealth-fighter-production-plan
[4] https://www.thehindu.com/news/national/india-response-to-russian-push-for-su-57-long-range-drones-and-submarines/article70380636.ece
[5] https://www.eurasiantimes.com/not-just-su-57-russia-may-be-silently-pushing-su-75-checkmate-to-india-ahead-of-modi-putin-meeting/
[6] https://www.19fortyfive.com/2025/12/russias-su-57-felon-stealth-fighter-might-not-be-a-stealth-fighter/

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Störungsmeldung vom 18.04.2026 12:32

Von heise online — 18. April 2026 um 12:32

Neue Störungsmeldung für Provider 1&1

Details

Beginn
18.04.2026 12:32
Region
Mainz (06131)
Provider
1&1
Zugangsart
VDSL

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Developer-Häppchen fürs Wochenende – Kleinere News der Woche

Von Heise — 18. April 2026 um 09:23
Mexikanische Häppchen

(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)

Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Azure MCP Server, Angular, nbgitpuller, MantisBT, ESLint, Servo, NiFi, Symfony und GitLab.

In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • Microsoft veröffentlicht Azure MCP Server 2.0 als stabile Version [1] und führt vor allem die Möglichkeit ein, den Server selbst gehostet und remote als zentralen Dienst für die eigenen Teams zu betreiben. Zusätzlich bringt das Update mehr Sicherheit, bessere Performance sowie erweiterte Unterstützung für Unternehmens- und Compliance-Szenarien.
  • VoidZero stellt einen experimentellen Angular-Compiler [2] vor, der mithilfe von AI und einer Rust-basierten Toolchain (Oxc) entwickelt wurde und offenbar deutlich schnellere Kompilierzeiten erreichen kann. Neu ist vor allem der Ansatz, Template-Compilation direkt in Rust statt über den TypeScript-Compiler umzusetzen, was je nach Projekt spürbare Geschwindigkeitsvorteile bringen soll.
  • nbgitpuller [3], ein Tool zum einfachen Verteilen von Jupyter-Notebooks per Link, erhält eine überarbeitete User Experience (UX) mit kontextbezogenen Fehlermeldungen, die Probleme beim Synchronisieren verständlicher erklären sollen. Zudem führen neue Optionen wie „Proceed without syncing“ und „Backup and resync“ wohl zu einem einfacheren Umgang mit Fehlern und weniger Abhängigkeit vom Terminal.
  • MantisBT, ein Open-Source-Bugtracker zur Verwaltung von Fehlern und Aufgaben in Softwareprojekten, hebt mit Version 2.29 [4] die Mindestanforderung auf PHP 8.1 an und stellt die Unterstützung für ältere Versionen wie PHP 7.4 und 8.0 ein.
  • Das Tool für statische JS-Codeanalyse ESLint ist in Version 10.2.0 [7] erschienen. Es bietet durch die neue Eigenschaft meta.languages Support für an Sprachen orientierte Regeln: Autorinnen und Autoren von Regeln können damit explizit festlegen, für welchen Sprachen eine Regel gültig ist. Sollte sie für eine nicht unterstützte Sprache aktiviert werden, gibt ESLint einen Laufzeitfehler aus.
  • Die in Rust geschriebene Browser-Engine Servo ist mit dem 0.1.0-Release als Library auf crates.io [8] verfügbar. Derzeit plant das Team jedoch nicht, den Demobrowser servoshell, der die Engine nutzt, ebenfalls auf crates.io zu veröffentlichen.
  • Die Plattform zur Datenflussautomatisierung Apache NiFi 2.9.0 führt Konnektoren ein [9] und bietet eine Anbindung an Google Cloud Storage für das Tabellenformat Apache Iceberg.
  • Symfony UX [10], die Frontend-JavaScript-Libraries für das PHP-Framework Symfony, räumt in Version 3.0 vor allem Altlasten auf, die in Version 2.x bereits als veraltet (deprecated) gekennzeichnet waren, darunter die Pakete Swup, LazyImage, Typed und TogglePassword.
  • GitLab und Google Cloud geben den Ausbau ihrer Partnerschaft [11] bekannt: Developer-Teams können nun agentische Projekte auf der Basis von Googles Vertex AI in ihre DevSecOps-Workflows bei GitLab integrieren. Zudem können Unternehmen das GitLab AI Gateway direkt in der Google Cloud betreiben.

Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [12].


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[1] https://devblogs.microsoft.com/azure-sdk/announcing-azure-mcp-server-2-0-stable-release/
[2] https://voidzero.dev/posts/oxc-angular-compiler
[3] https://blog.jupyter.org/better-sharing-ux-with-nbgitpuller-and-contextual-error-handling-18eb5c83dc1b
[4] https://mantisbt.org/blog/archives/mantisbt/827
[5] https://enterjs.de/ai.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ejs_ai.empfehlung-ho.link.link&LPID=34830
[6] https://enterjs.de/tickets.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ejs_ai.empfehlung-ho.link.link&LPID=34830#AI
[7] https://eslint.org/blog/2026/04/eslint-v10.2.0-released/
[8] https://servo.org/blog/2026/04/13/servo-0.1.0-release/
[9] https://cwiki.apache.org/confluence/display/NIFI/Release+Notes#ReleaseNotes-Version2.9.0
[10] https://symfony.com/blog/symfony-ux-3-0-0-released
[11] https://about.gitlab.com/de-de/blog/gitlab-and-vertex-ai-on-google-cloud/
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(g+) Tipps für die Jobsuche - Teil 3: Die fünf typischen Bewerberfehler und wie man sie vermeidet

Von Markus Kammermeier — 18. April 2026 um 10:00
Im letzten Teil dieser Reihe blicken wir auf die häufigsten Fehler, befassen uns mit KI als Helfer und geben einen 3-Schritte-Plan für eine erfolgreiche Bewerbung.
Einen Job auf Knopfdruck finden? Schön wär's. (Bild: niekverlaan/Pixabay)
Einen Job auf Knopfdruck finden? Schön wär's. Bild: niekverlaan/Pixabay

Bei vielen, die heute einen Job suchen, ist das letzte Mal schon lange her. Inzwischen hat sich einiges geändert: wie Firmen suchen, wie Bewerber sich präsentieren müssen. Wir wollen ITlern auf Jobsuche zu besseren Bewerbungschancen verhelfen.

In Teil 1 dieser Reihe ging es vor allem um die Art, wie Bewerber sich heute präsentieren sollten (g+) , in Teil 2 um den Bewerbungsprozess inklusive ATS (g+) . Der dritte befasst sich nun damit, was Bewerber alles falsch machen können und wie sich KI sinnvoll einsetzen lässt.

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Klimakrise: Planet im Stress

Von Dirk Eidemüller — 18. April 2026 um 09:00
Der Mensch beeinflusst den Zustand der Erde nicht nur durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Neue Forschung zeigt, wie dringend wir gegensteuern müssen.
So sah die Erde für die Astronauten der Artemis-II-Mission aus. (Bild: Nasa)
So sah die Erde für die Astronauten der Artemis-II-Mission aus. Bild: Nasa

Dieser Golem-Plus-Text ist 24 Stunden lang frei verfügbar.

Immer wieder wird infrage gestellt, ob der Einfluss des Menschen auf unseren Planeten einzigartig ist. Mitunter wird bestritten, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wird – obwohl die wissenschaftliche Beweislage eindeutig ist und mit elementaren physikalischen Kenntnissen vom Prinzip her nachvollzogen werden kann.

Doch neben den steigenden Temperaturen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Parameter, bei denen sich der negative Einfluss des Menschen bemerkbar macht. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat das in seinem Planetary Health Check ausführlich untersucht.

"Bei den meisten planetaren Belastungsgrenzen spitzt sich die Lage weiter zu," sagt Boris Sakschewski , Wissenschaftler am PIK . "Letztes Jahr wurden sieben von neun planetaren Belastungsgrenzen überschritten, eine mehr als im Vorjahr. Hierbei handelt es sich um die Ozeanversauerung, die jetzt ebenfalls den als sicher erachteten Bereich verlassen hat."

Alarmierendes Bild

Insgesamt zeichnet der Bericht ein alarmierendes Bild. Nur bei zwei Belastungsgrenzen gibt es positive Entwicklungen: Sowohl bei der Ozonschicht als auch bei den Aerosolen bleibt die Lage konstant beziehungsweise hat sich sogar leicht verbessert. "Dazu muss man wissen, dass dies kein Zufallsergebnis ist, sondern das Ergebnis internationaler Abkommen, die über die Jahre und Jahrzehnte sehr positive Wirkung gezeigt haben. Die Ozonschicht, die uns vor der UV-Strahlung der Sonne schützt, war durch die Fluorchlorkohlenwasserstoffe aus Kühlschränken, Klimaanlagen, Spraydosen etc. teilweise schon stark zersetzt worden. Das Montreal-Abkommen hat diese Stoffgruppe streng geregelt und dadurch zum Schutz der Ozonschicht geführt," sagt Sakschewski. Ähnlich sieht es mit internationalen Abkommen aus, die etwa den Einsatz stark aerosolproduzierender Treibstoffe im Schiffsverkehr regulieren.

Doch bei den anderen Belastungsgrenzen bleiben solche internationalen Abkommen leider aus – beziehungsweise gestaltet sich die Diplomatie als äußerst schwerfällig. "Eines der Kardinalprobleme ist natürlich der Klimawandel" , sagt der Forscher. "Er sorgt für eine Bandbreite von Problemen von Wetterextremen bis zum Meeresspiegelanstieg."

Die menschengemachten Treibhausgasemissionen sind der größte Treiber für Umweltprobleme und den Verlust von Biodiversität.

Die Forscher identifizierten aber noch weitere Belastungsgrenzen. Jede für sich kann unseren Planeten destabilisieren. So ist zum Beispiel die Ozeanversauerung ein Prozess, der ebenfalls durch CO₂-Emissionen angetrieben wird. Diese Grenze wurde nun erstmalig überschritten.

Durch den steigenden CO₂-Gehalt in der Atmosphäre wird auch mehr CO₂ im Ozeanwasser gelöst. Das führt primär zur Versauerung, also mehr Kohlensäure im Wasser, und sorgt dafür, dass bestimmte Lebewesen wie Muscheln oder manche Korallen ihre kalkhaltigen Schalen nicht mehr wie gewünscht ausbilden können – einfach, weil das etwas saurer gewordene Wasser den Kalk angreift.

Unterschiedliche Wassertemperaturen haben auch eine Auswirkung auf die Versauerung. Während kälteres Wasser mehr CO₂ aufnehmen kann und daher stärker von Versauerung betroffen ist, spielt in wärmeren Regionen die Kombination aus höheren Temperaturen, geringerer Pufferkapazität und weiteren Stressfaktoren – etwa durch marine Hitzewellen – eine große Rolle. Diese unterschiedlichen regionalen Bedingungen verstärken insgesamt den Druck auf marine Ökosysteme weltweit.

Das hat auch massive Auswirkungen auf Korallenriffe. Die Korallenbleichen werden zwar durch zu hohe Temperaturen hervorgerufen. Aber bei einem steigenden Säuregehalt geht vielerorts auch die Fähigkeit zur Regeneration verloren, weil dies die Bildung der Kalkskelette behindert.

Biodiversität schützt

"Auch bei den anderen Belastungsgrenzen sehen wir stabil schlechte Trends, etwa beim Eintrag menschengemachter Substanzen, den biogeochemischen Kreisläufen oder bei der Integrität der Biosphäre" , sagt Sakschewski. Diese Faktoren hängen alle eng zusammen.

So ist etwa das Ausbringen von Pestiziden oder Düngemitteln mit dem Verlust von Biodiversität verknüpft. Und damit gehen auch wichtige Selbstheilungskräfte von Ökosystemen verloren, die wir gerade bei steigenden Temperaturen dringend brauchen.

Der Forscher appelliert deshalb: "Wir müssen alle besser werden, was den Schutz des Klimas und der Umwelt betrifft. Dabei dürfen wir nie vergessen, dass Klimaschutz gleichzeitig Umweltschutz ist und umgekehrt."

Resiliente Ökosysteme können dem Klimawandel besser standhalten und ihn abmildern. Neben einer schnellen und massiven Reduzierung der Treibhausgasemissionen benötigen wir also ausgedehnte Naturschutzgebiete – sowohl zu Land wie auf den Weltmeeren.

Doch beim Blick in die Erdgeschichte zeigt sich, dass immer wieder Massenaussterben und große Veränderungen in der Biosphäre stattgefunden haben. Das wirft die Frage auf: Lassen sich solche Veränderungen mit dem aktuellen Einfluss des Menschen vergleichen?

Diesem Problem geht ein anderes Team um Simon Darroch vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt nach . Zu diesem Team gehören Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Disziplinen – von der Geochemie über die Paläontologie bis hin zur Klimaforschung.

Darroch sagt: "Wir haben nach zahlreichen Diskussionen herausgefunden, dass wir zwischen zwei Ebenen unterscheiden müssen: dem klassischen 'Ecosystem Engineering' und dem 'Earth System Engineering'."

Ersteres beschreibt, wie manche Lebewesen durch ihre Tätigkeit lokal ihr ganzes Ökosystem mitgestalten. Ein Beispiel hierfür ist der Biber, der durch den Bau von Dämmen seine Umgebung unter Wasser setzt und dadurch Auenlandschaften erzeugt. Das schafft Lebensraum für zahlreiche andere Arten.

Ein anderes Beispiel sind die Herden großer pflanzenfressender Tiere, die Gras- und Savannenlandschaften erzeugen. Dazu zählen nicht nur Ziegen, Büffel oder Elefanten, sondern etwa vor vielen Jahrmillionen auch die Sauropoden, die zu den pflanzenfressenden Dinosauriern zählen. Doch auch wenn diese Tiere ganze Landschaften verändern können, ist ihr Einfluss auf die gesamte Erde doch sehr begrenzt.

Genau darum geht es beim Earth System Engineering. Das sind Prozesse, die wichtige Parameter auf dem ganzen Planeten verschoben haben, also global und über viele Jahrmillionen. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Große Sauerstoffkatastrophe. Vor rund 2,4 Milliarden Jahren wurde sie durch Cyanobakterien hervorgerufen, die große Mengen an Sauerstoff erzeugten, der sich dann in der Atmosphäre anreicherte. Bis dahin bestand die Erdatmosphäre vor allem aus Stickstoff, Kohlendioxid und Wasserdampf.

Massenaussterben und warum es verhindert werden sollte

Der Sauerstoff war für viele Lebewesen giftig, da sie ihn nicht gewohnt waren. "Das hat vermutlich zu einem Massenaussterben vieler – damals noch primitiver – Spezies geführt" , erklärt Darroch. Auf der anderen Seite hat das Aufkommen von frei verfügbarem Sauerstoff aber erst die Evolution ganz neuer Spezies ermöglicht. Die Große Sauerstoffkatastrophe ist vermutlich das heftigste Einzelereignis, das man zum Earth System Engineering zählt.

Neben der Sauerstoffproduktion zählen zum Earth System Engineering zum Beispiel auch das Bilden von dichten Wäldern – die das Klima des ganzen Planeten beeinflussten – oder die Durchmischung von Bodenschichten durch Bodentiere wie Würmer und Ameisen. Auf diese Weise haben Wälder über die Jahrmillionen gigantische Mengen Kohlendioxid aus der Luft aufgenommen und im Untergrund fixiert. Aktuell ist die Menschheit dabei, diese fossilen Energieträger rasant wieder in großem Maßstab in die Atmosphäre zu befördern.

Damit ändern sich die planetaren Rahmenbedingungen – wie oben bei den planetaren Belastungsgrenzen angesprochen. "Viele Spezies sterben aus, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern – vor allem, wenn sie sich sehr rasch ändern" , so Darroch. "Andere wiederum schaffen es, sich anzupassen. Dann können auch neue Arten entstehen, wenn ökologische Nischen frei werden. Uns interessiert dabei insbesondere, welche dieser Prozesse welche ökologischen Folgen hatten. Also wir wollen untersuchen, inwiefern die Prozesse für die Weiterentwicklung des Lebens hinderlich waren oder das Entstehen neuer Arten befördert haben."

Unwiederbringlich verloren

Die Wissenschaftler wollen eine umfangreiche Datenbank erstellen, um solche Fragen in einfachen und didaktisch illustrativen Grafiken darstellen zu können, und zwar über Hunderte Millionen Jahre. Dazu müssen sie viele fossile Daten auswerten. Es wird interessant sein zu sehen, inwieweit der menschliche Einfluss damit vergleichbar ist.

Dabei ist stets zu bedenken, dass es viele Jahrtausende oder gar Jahrmillionen dauert, bis sich neue Spezies entwickeln und an neue Rahmenbedingungen anpassen. Für unsere Kinder und Enkel und für viele weitere Generationen sind deshalb nicht nur die einmal verlorenen Spezies unwiederbringlich verloren. Es wird geradezu ewig dauern, bis Menschen wieder eine derart vielfältige und artenreiche Natur erleben können – falls es dann noch Menschen gibt.

Dirk Eidemüller ist freiberuflicher Wissenschaftsjournalist in Berlin. Er schreibt vor allem über Naturwissenschaft, Technik, Energie- und Klimathemen.

Dieser Artikel erscheint bei Golem Plus, weil ...
... er anhand aktueller Forschung globale Zusammenhänge und die langfristigen Konsequenzen umweltschädlichen menschlichen Handelns beschreibt und damit zu einem tieferen Verständnis der Klimawandelfolgen beiträgt.

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Apple-Läden bekommen Hardware zum Zurücksetzen der Apple Watch

Von Heise — 17. April 2026 um 13:56
Apple Watch Series 11

Eine Apple Watch der Series 11 zeigt den Schlafwert.

(Bild: Apple)

Mangels physischem Zugang können User Apples Computeruhr nicht komplett resetten. Die Läden bislang auch nicht – das soll sich nun ändern.

Wer seine Apple Watch „kaputtgespielt“ hat, steht derzeit vor einem Problem: Es gibt im Gegensatz zu den meisten anderen Apple-Geräten keine Möglichkeit, die Computeruhr in allen Fällen zurückzusetzen und einem Software-Restore zu unterziehen. Der Grund: Der physische Zugriff per Kabel ist Nutzern nicht möglich, die Apple Watch wird drahtlos aufgeladen und auch drahtlos mit Software beschickt (via WLAN oder Mobilfunk) und ist daher besonders geschützt. In der Uhr versteckte sich zwar vor einigen Jahren ein interner Anschluss [1], der war aber nur für Apple selbst zugänglich und soll seit der Series 7 [2] nicht mehr existieren. Deshalb ist Spezialtechnik notwendig, die Apple bislang nur in seinen eigenen Reparaturzentren vorhielt. Weder Apples Ladengeschäfte noch autorisierte Servicepartner (ASPs) hatten die Hardware. Einem Bericht zufolge soll sich das allerdings künftig ändern.

„Repair Dock“ im Anflug

Apple-Retail-Quellen, die mit Macrumors gesprochen haben, gaben an, dass die Computeruhr bei Software-Fehlern demnächst nicht mehr an ein Servicezentrum des Konzerns eingeschickt werden müsse, was ASPs und Apple-Läden derzeit noch zugemutet wird.

Derzeit wird demnach ein sogenanntes Repair Dock [3] vorbereitet, das mit einem Mac verbunden wird, der dann die Software auf der Apple Watch wiederherstellen kann. „Software-basierte Reparaturen gehen so viel schneller”, hieß es. Dazu gehören Probleme bei Updates, die zum Bricking führen, Bootschleifen und andere Software-Fehler.

Wiederherstellung durch Nutzer – aber nicht immer

Zwar kann seit watchOS 8.5 und iOS 15.4 [4] ein Drahtlos-Restore via iPhone angestoßen werden. Dieser funktioniert allerdings bei weitem nicht in allen Fällen. So muss ein spezieller Restore-Prompt auf der Watch auftauchen. Bei schwerwiegenden Problemen wird dieser aber erst gar nicht erreicht und Apples Spezialtechnik muss her. Aktuell ist noch unklar, ab wann die Repair Docks an die Apple-Läden und Reparaturpartner verschifft werden.

Nutzer dürften es merken, wenn sie plötzlich nicht mehr bis zu einer Woche (oder auch länger) warten müssen und der Apple-Supporter im Store die Wiederherstellung am selben Tag durchführen kann. Welche Hardware genau in den Geräten steckt, ist unbekannt.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11261193

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Apple-Watch-kann-angeblich-ueber-versteckten-Anschluss-geladen-werden-2632217.html
[2] https://www.heise.de/news/Apple-Watch-Series-7-groesseres-Display-flacheres-Gehaeuse-6191947.html
[3] https://www.macrumors.com/2026/04/15/apple-stores-apple-watch-software-restore/
[4] https://www.heise.de/news/Mit-iOS-18-iPhone-kann-iPhone-16-wiederherstellen-9947036.html
[5] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[6] https://www.heise.de/mac-and-i
[7] mailto:bsc@heise.de

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OpenAI kontert Anthropic mit großem Codex-Update

Von Heise — 17. April 2026 um 13:42
OpenAI-Logo auf Bildschirm, davor Hand mit Smartphone in Silhouette

(Bild: Henry Franklin / Shutterstock.com)

OpenAI rüstet Codex auf: Der Assistent steuert nun andere Apps, merkt sich Vorlieben und übernimmt laufende Arbeit im Hintergrund.

OpenAI hat seine Codex-Anwendung für Desktops mit einem großen Update erweitert. Die wichtigste Neuerung ist die Computernutzung im Hintergrund: Codex soll Anwendungen auf dem eigenen Rechner direkt bedienen können, indem es Bildschirminhalte erkennt, klickt und Texte eingibt. Laut OpenAI können mehrere Agenten parallel im Hintergrund arbeiten, ohne andere Apps zu stören. Die Funktion ist zunächst auf macOS beschränkt und soll bald auch in der EU verfügbar werden.

Zusätzlich arbeitet die Codex-Anwendung künftig direkt mit dem Web: Eine integrierte Browseransicht erlaubt es, Seiten zu kommentieren und dem Agenten so gezielt Anweisungen zu geben. Die Anwendung kann nun zudem Bilder generieren und direkt im Arbeitsprozess verfeinern, etwa für Entwürfe von Benutzeroberflächen, Mockups oder Spielgrafiken. Ergänzend baut OpenAI die Integration in bestehende Werkzeuge aus: Mehr als 90 neue Plug-ins verbinden Codex mit Diensten wie Jira, GitLab Issues oder der Microsoft Suite. So kann der Assistent mehr Kontext aus verschiedenen Anwendungen einbeziehen und darüber auch Aktionen ausführen.

OpenAI bringt zudem eine Vorschau auf eine Erinnerungsfunktion: Die Anwendung kann sich künftig Vorlieben, Korrekturen und bereits gesammelte Informationen merken. Das soll helfen, künftige Aufgaben schneller und mit weniger zusätzlicher Anleitung zu erledigen. Darauf aufbauend soll die App proaktiv Vorschläge machen, etwa für nächste Arbeitsschritte, und relevante Aufgaben aus verschiedenen Diensten bündeln und priorisieren. Die meisten dieser Funktionen werden ab sofort verfügbar gemacht, die Erinnerungsfunktion soll in der EU in Kürze folgen.

Mit Codex Richtung „Super-App“

Das Codex-Update ist Teil einer größeren Strategie, die die Entwicklung einer „Super-App“ [1] vorsieht, die die Coding-Plattform Codex, den Chatbot ChatGPT und den Atlas-Browser [2] in einer einzigen Desktop-Anwendung kombinieren soll.

Ähnliche agentische Arbeitsfunktionen wie OpenAI bündelt Anthropic bereits in seiner Claude-App mit Cowork und Claude Code. Mit dem jüngsten Codex-Update schließt OpenAI nun in mehreren Bereichen zum großen Konkurrenten auf, setzt aber auch eigene Akzente. Anthropic hatte mit „Computer Use“ bereits im Oktober 2024 den Grundstein gelegt und die Funktion im März 2026 auch in Claude Cowork und Claude Code integriert [3]. OpenAI zieht mit vergleichbaren Funktionen in der Codex-App nach, hebt dabei aber vor allem die parallele Hintergrundarbeit mehrerer Agenten und die Fähigkeit hervor, Aufgaben über längere Zeiträume eigenständig fortzuführen.

Die Ankündigung erfolgte am selben Tag wie die Veröffentlichung von Opus 4.7 [4], Anthropics neuestem Modell.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11262364

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/OpenAI-Super-App-soll-ChatGPT-und-andere-KI-Funktionen-zusammenfuehren-11219286.html
[2] https://www.heise.de/tests/ChatGPT-Atlas-ausprobiert-Browser-mit-ganz-viel-KI-und-einigen-Schwachstellen-11074084.html
[3] https://www.heise.de/news/Claudes-Computer-Use-kommt-in-Cowork-und-Code-11222192.html
[4] https://www.heise.de/news/Befolgt-Anweisungen-substanziell-besser-Anthropic-gibt-Opus-4-7-frei-11261267.html
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[6] mailto:tobe@heise.de

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Apple erhöht Recycling-Anteil in Produkten – aber immer noch nur bei 30 Prozent

Von Heise — 17. April 2026 um 13:24
Goldig: Leiterplatten bestehend aus Recylingmaterial

Goldig: Leiterplatten bestehend aus Recylingmaterial. Die Vergoldung ist bereits bei 100 Prozent.

(Bild: Apple)

Es gibt durchaus Materialien, bei denen Apple zu 100 Prozent auf Recyclinganteil setzt. Über die gesamte Produktpalette hinweg sind es jetzt 30 Prozent.

Apple will die Quote an recycelten Rohstoffen und Herstellungsmaterialien, die für seine Produkte verwendet werden, weiter erhöhen. Der Konzern teilte im Rahmen seines neuen „Umweltfortschrittsberichts“ mit, den bislang „höchsten Anteil an recycelten Materialien aller Zeiten in seinen Produkten” erreicht zu haben. Das Problem: Über die gesamte Modellpalette sind dies bislang nur 30 Prozent. Allerdings gibt es bei einzelnen Gerätebestandteilen eine deutlich höhere Quote.

Kobalt, Gold, Papier

In Verpackungen will Apple schon seit längerem keinen Kunststoff mehr verwenden, dies wurde nun auch bei den letzten noch verbliebenen Geräten umgesetzt. Die Verpackungen auf Faserbasis könnten problemlos recycelt werden, zum Anteil an Altpapier machte Apple keine Angaben, Frischpapier werde aber „verantwortungsvoll“ beschafft. In Akkus sollen „ab sofort“ 100 Prozent recyceltes Kobalt stecken. Die seltenen Erden für Magneten sind ebenfalls zu 100 Prozent wiedergewonnen – das ist angesichts weltweiter Verknappungen auch wirtschaftlich sinnvoll.

Bei Leiterplatten verwendet Apple nun zu 100 Prozent recycelte Vergoldungen samt Lötzinn. Apple gab an, durch Verpackungsumstellungen „mehr als 15.000 Tonnen Plastik“ eingespart zu haben. Besonders große Kartons lassen sich für das Recycling zusammenfalten. Displayschutzfolien wurden durch papierbasierte Materialien ersetzt oder ganz weggelassen.

Müll maschinell erfassen

Apple berichtet im Umweltfortschrittsbericht, der hier nachgelesen [1] werden kann, auch über neuartige Recyclinganlagen. Im sogenannten Advanced Recovery Center in Kalifornien steht demnach „Cora“, die dank fortschrittlicher Sensorik eine „Präzisionszerkleinerung” mit höheren Raten der Materialrückgewinnung erlaubt.

„Apple hat zusätzlich A.R.I.S.entwickelt, ein neues, auf maschinellem Lernen basierendes Erkennungssystem, das Recyclingunternehmen dabei unterstützt, Elektronikschrott effizient zu klassifizieren und zu sortieren“, so das Unternehmen. Ein technisches Paper [2] zu dem System wurde frei veröffentlicht. A.R.I.S. läuft auf einem Mac mini, das System wird gerade mit verschiedenen Partnern aus der Müllbranche getestet, um möglichst auch bei anderen Unternehmen zum Einsatz zu kommen. Apple gibt seine Umwelttechnologie traditionell auch an Konkurrenten weiter, falls diese sie wünschen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11262217

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.apple.com/environment/
[2] https://machinelearning.apple.com/research/automated-recycling-identification-system
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[4] https://www.heise.de/mac-and-i
[5] mailto:bsc@heise.de

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Altersvorsorgedepot: Förderung oder Gebührenfalle?

Von Telepolis — 17. April 2026 um 15:00
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(Bild: gopixa / Shutterstock.com)

Experten streiten: Frisst der Kostendeckel die staatliche Förderung auf – oder hat die Kritik entscheidende Faktoren schlicht vergessen?

Das neue Altersvorsorgedepot [1]ist noch nicht einmal gestartet, da tobt bereits ein handfester Methodenstreit um seine Wirtschaftlichkeit.

Das Vergleichsportal Verivox hatte Anfang April mit einer Modellrechnung für Aufsehen gesorgt: Bei voller Ausschöpfung des gesetzlichen Kostendeckels von einem Prozent pro Jahr könne die staatliche Förderung komplett von Gebühren aufgezehrt werden. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) weist diese Darstellung nun als "systematisch schlecht gerechnet" zurück.

Der Bundestag hatte die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge [2] am 27. März 2026 beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Sparer erstmals staatlich gefördert in ETFs und Aktienfonds investieren können – ohne die teure Beitragsgarantie der alten Riester-Rente. Der gesetzliche Kostendeckel liegt bei maximal einem Prozent der jährlichen Gesamtkosten. Die Zustimmung des Bundesrats steht allerdings noch aus.

Verivox rechnet mit kostenfreiem Vergleichsdepot

In seiner Modellrechnung [3] verglich Verivox ein gefördertes Altersvorsorgedepot mit einer Kostenquote von einem Prozent gegen ein ungefördertes ETF-Depot, das faktisch als kostenfrei modelliert wurde.

Das Ergebnis: Ein heute 25-Jähriger, der monatlich 150 Euro bei 7,5 Prozent Jahresrendite spart, käme im geförderten Depot bei einem Prozent Kosten auf rund 480.000 Euro bis zum Rentenbeginn [4] mit 67 Jahren. Ohne Förderung, aber auch ohne Kosten, stünden dagegen etwa 496.000 Euro zu Buche – rund 16.000 Euro mehr.

"Das neue Altersvorsorgedepot ist ein echter Paradigmenwechsel", sagte Oliver Maier, Geschäftsführer des Verivox Finanzvergleichs. Allerdings warnte er:

"Kosten in Höhe von 1 Prozent klingen zwar überschaubar. Doch über die Jahre und Jahrzehnte fließt bei dieser Kostenquote so viel Vermögen ab, dass es die gesamte staatliche Förderung mehr als aufzehren kann."

Bei einem kürzeren Anlagehorizont sieht die Rechnung günstiger aus: Ein heute 45-Jähriger hätte im geförderten Depot mit einem Prozent Kosten immerhin noch rund 13.000 Euro mehr als im ungeförderten Vergleich.

DIA: Künstliche Kostenschere und fehlende Steuerbetrachtung

Das DIA hält Verivox gleich mehrere methodische Schwächen vor, wie aus einer Stellungnahme des Instituts [5] hervorgeht.

"Ein kostenfreies ETF-Depot existiert in der Realität nicht", betonte DIA-Sprecher Peter Schwark. Selbst günstige ETFs verursachten laufende Kosten von typischerweise 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr.

"Wer 1,0 Prozent gegen null rechnet, erzeugt eine künstliche Kostenschere."

Als "größten blinden Fleck" bezeichnet das DIA die fehlende Steuerbetrachtung. Verivox hatte Steuern in der Modellrechnung ausdrücklich ausgeklammert.

Im ungeförderten ETF-Depot fallen jedoch laufend Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen und die Vorabpauschale an. Im geförderten Altersvorsorgedepot bleiben Erträge in der Ansparphase dagegen steuerfrei, Umschichtungen zwischen Fonds lösen keine Steuerpflicht aus. Erst bei der Auszahlung ab 65 Jahren wird der persönliche Einkommensteuersatz fällig – der im Ruhestand in der Regel deutlich niedriger liegt als während des Erwerbslebens.

"Bei den Renditeannahmen von Verivox kostet die Besteuerung des ETF‑Depots fast zwei Prozentpunkte Rendite – ein Effekt, der jede diskutierte Kostendifferenz überlagert", so Schwark.

Hinzu komme der sogenannte intertemporale Progressionseffekt: Beiträge werden typischerweise bei höherem Steuersatz geleistet, als die späteren Auszahlungen versteuert werden müssen.

Förderung kann sich primär für Familien lohnen

Die tatsächliche Förderstruktur des Altersvorsorgedepots geht über die von Verivox angesetzte Grundzulage deutlich hinaus. Neben der Grundförderung von bis zu 540 Euro pro Jahr erhalten Familien zusätzlich bis zu 300 Euro je Kind. Mittelbar Zulageberechtigte (z.B. nicht erwerbstätige Ehegatten von Förderberechtigten) erhalten einen Bonus von 175 Euro, Berufseinsteiger unter 25 Jahren einmalig 200 Euro.

Eine Familie mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen könnte so auf eine Gesamtförderung von über 1300 Euro jährlich kommen.

Konkrete Produktangebote von Banken und Brokern gibt es bislang noch nicht – der offizielle Start ist erst für Januar 2027 vorgesehen. Neben Banken und Versicherern dürften hauptsächlich Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder Smartbroker mit aggressiver Preisgestaltung den Markt bearbeiten.

Branchenexperten erwarten laut einem Bericht von Telepolis [6] bis zu zehn Millionen potenzielle Nutzer. Ob die tatsächlichen Kosten dann wirklich am gesetzlichen Deckel kratzen oder deutlich darunter liegen, wird der Wettbewerb zeigen. Die Wahrheit dürfte – wie so oft – zwischen den Extrempositionen von Verivox und DIA liegen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11262535

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Rente-mit-ETFs-Fuer-wen-sich-die-staatliche-Foerderung-wirklich-lohnt-11114422.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Wie-gross-ist-die-Rentenluecke-in-Deutschland-wirklich-10629750.html
[3] https://www.verivox.de/presse/neues-altersvorsorgedepot-gebuehren-koennen-die-staatliche-foerderung-komplett-aufzehren-1121515/
[4] https://www.heise.de/tp/article/Gesetzliche-Rente-Rentensystem-Rentenpunkte-und-Vorsorge-einfach-erklaert-10621605.html
[5] https://www.dia-vorsorge.de/presse/dia-widerspricht-verivox-altersvorsorgedepot-wird-systematisch-schlecht-gerechnet/
[6] https://www.telepolis.de/article/Altersvorsorge-Depot-Bis-zu-600-Euro-jaehrlich-vom-Staat-fuer-Aktien-und-ETF-Investments-9980303.html

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