Anzeige: Externes DVD- und CD-Laufwerk für unter 20 Euro
Von Erik Körner — 03. Mai 2026 um 13:45
Ein externes DVD- und CD-Laufwerk von Amicool ist bei Amazon wieder zum niedrigsten Preis seit Jahren im Angebot.
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Das externe DVD- und CD-Laufwerk von Amicool zum Sparpreis bei AmazonBild:
Amazon.de/Amicool/Golem
Ob vorgebaute PCs oder Laptops: Wenige Rechner kommen noch mit einem optischen Laufwerk für CDs und DVDs. Auch bieten kaum Gehäuse überhaupt noch einen entsprechenden Slot. Zugegeben, zwischen Steam, Netflix und Spotify ist man längst nicht mehr auf physische Kopien angewiesen, ärgerlich ist es trotzdem – vor allem, wenn man seine Mediensammlung gern selbst besitzen möchte. Immerhin lässt sich das Problem leicht beheben. Ein externes DVD- und CD-Laufwerk von Amicool ist bei Amazon derzeit für unter 20 Euro im Angebot. Laut Preistracker Keepa war der Topseller seiner Kategorie seit Jahren nicht günstiger. Der Deal läuft bis spätestens zum 10. Mai.
Das bietet das externe DVD- und CD-Laufwerk von Amicool
Das externe DVD- und CD-Laufwerk von Amicool eignet sich zur Sicherung und zum Kopieren von Daten, Installieren von Software, Filmeschauen und (Retro-)Gaming, ähnlich wie eingebaute Modelle. Es misst nur 140 mal 140 mal 17 mm, hat ein rund 20 cm langes Kabel mit USB-C- und USB-A-Stecker samt eingebettetem Kabelkanal auf der Unterseite und kommt mit einem Auswurfknopf, Zwangsauswurfsloch und einer Kontrollleuchte.
Dank seiner USB-3.0-Schnittstelle überträgt das externe DVD- und CD-Laufwerk laut Daten mit bis zu 5 GBit pro Sekunde, umgerechnet 625 MByte. Das entspricht ungefähr 16 Sekunden Verarbeitungszeit bei einer 10 GByte großen Datei. Es unterstützt die meisten gängigen CD- und DVD-Rom-Formate und Medientypen. CDs soll das Laufwerk mit bis zu 24x-Geschwindigkeit beschreiben, DVDs mit bis zu 8x-Geschwindigkeiten. Eine genaue Liste aller unterstützten Formate und ihrer jeweiligen Geschwindigkeiten findet man auf der Produktseite.
Laut Amicool funktioniert das externe DVD- und CD-Laufwerk unter Windows, macOS und Linux. Konkret ist es mit allen Windows-Versionen ab Windows 2000 und allen macOS-Versionen kompatibel. Leider macht der Hersteller keine Angaben zu Linux-Distributionen. Treiber braucht es für die Ersteinrichtung nicht. Die USB-Verbindung genügt zur Stromversorgung. Wichtig: Das Laufwerk ist ausschließlich für PCs und Laptops gedacht. Autoradios, Smartphones, Projektoren oder Tablets unterstützt es nicht.
Amicool bei Amazon: Jetzt externes DVD- und CD-Laufwerk zum Tiefpreis sichern
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von Amicool kostet bei Amazon 19,73 Euro. Ohne Angebot hat man laut Keepa zuletzt 25,99 Euro gezahlt. Wer nach Alternativen suchen oder Preise vergleichen möchte, findet in dieser Übersicht
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alle derzeit reduzierten externen Laufwerke bei Amazon. Stöbern lohnt sich.
Gaming: AMD bringt HDMI-2.1-Unterstützung in Linux-Treiber
Von Johannes Hiltscher — 03. Mai 2026 um 13:35
AMD - GPUs waren wegen Lizenzproblemen unter Linux jahrelang künstlich eingeschränkt. Das ändert sich bald.
AMD-GPUs wie diese Radeon RX 9070 XT beherrschen HDMI 2.1 bald auch unter Linux.Bild:
Sapphire/Montage: Golem.de
Wer unter Linux mit AMD-GPU spielt, kennt sicher den größten Nachteil gegenüber Windows: Der freie Radeon-Treiber unterstützt nur HDMI 2.0 und damit niedrigere Auflösungen und Bildwiederholraten als das Windows-Pendant.
Das führte etwa Valves Steam Machine vor Augen, die trotz HDMI-2.1-Hardware nur mit dem Vorgänger klassifiziert war . Doch AMD scheint diese Beschränkung nun anzugehen: Wie das Linux-Newsportel Phoronix bemerkte , haben AMD-Entwickler erste Patches für den Linux-Kernel eingereicht, die HDMI 2.1 zumindest teilweise in den freien Treiber bringen.
Laut Commit-Nachricht erweitern die Patches den amdgpu-Treiber aber vorerst nur um Fixed Rate Link (FRL). FRL ermöglicht bei HDMI 2.1 höhere Datenraten, es ersetzt das zuvor genutzte TMDS (Transition-minimized Digital Signaling).
Offenbar hat AMD nach Jahren Probleme mit dem HDMI Forum geklärt, das den Standard entwickelt und verwaltet. Das Forum stellte sich gegen den Open-Source-Treiber , da es sein geistiges Eigentum gefährdet sah. Die HDMI-Standards sind nicht frei zugänglich.
Dass entsprechender Code bereits existierte, könnte es den AMD-Entwicklern einfacher gemacht haben, vom HDMI Forum das Okay für offizielle Unterstützung zu bekommen. Wann der neue Code in den Linux-Kernel übernommen wird, ist noch offen. Er muss zunächst noch den Review-Prozess durchlaufen. Phoronix erwartet, dass er frühestens im Kernel 7.2 eingepflegt wird.
Marktdominanz: Huawei verdrängt Nvidia vom chinesischen KI-Markt
Von Johannes Hiltscher — 03. Mai 2026 um 12:29
Nach dem zeitweiligen Aus hat Nvidia Probleme, in China wieder Fuß zu fassen. Davon profitiert insbesondere Huawei .
Ein gerendertes Bild des älteren KI-Beschleunigers Ascend 910 von HuaweiBild:
Huawei
Einst war Nvidia in der Volksrepublik China uneingeschränkter Marktführer bei KI-Hardware. Auch leistungsbeschränkte Hardware änderte daran nichts. Infolge des faktischen Exportverbots für Nvidias H20 hat sich die Situation mittlerweile aber gewandelt.
Wie die Financial Times (FT) berichtet , dominiert mittlerweile Huawei mit einem Anteil von 60 Prozent den chinesischen Markt für KI-Hardware. Dem Bericht zufolge erwartet das Unternehmen dort 2026 einen Umsatz von 12 Milliarden US-Dollar mit seinen KI-Chips.
Das ist zwar weniger als die Hälfte dessen, was Nvidia in einem Quartal an Gewinn macht, aber ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahresumsatz von 7,5 Milliarden US-Dollar. Die Hardware von Huawei ist zudem zumindest bislang deutlich günstiger als Nvidias GPUs .
Fertigungskapazität beschränkt Huawei
Dabei scheint das Unternehmen die Nachfrage nicht einmal decken zu können: Ein Informant deutete gegenüber der FT an, der Umsatz könne noch höher ausfallen, wenn sich die Produktionskapazitäten günstig entwickelten.
Huaweis Aufstieg liegt nicht nur an einem ausgebauten Hardware-Angebot (g+) . Vielmehr konnte Nvidia laut FT bislang keine der bestellten H200 ausliefern.
Gegen eine Umsatzbeteiligung von 25 Prozent erteilte die US-Regierung Nvidia die Erlaubnis, in die Volksrepublik zu exportieren. Es soll aber weiter Probleme mit dem Zoll geben, obwohl zuvor berichtet wurde, diese seien gelöst .
Nvidia-Hardware in China unerwünscht
Zudem drängt die chinesische Regierung Unternehmen zur Nutzung heimischer Hardware. Besonders bei der Inferenz scheint das auch zu funktionieren. So wurde etwa Deepseek-V4 nicht nur für Hardware von Huawei, sondern auch von sieben anderen Unternehmen aus der Volksrepublik veröffentlicht.
Zumindest beim Training sollen chinesische KI-Entwickler aber noch Nvidia-Hardware bevorzugen. Laut einigen Berichten wurde auch Deepseek-V4, wie Deepseek-V3, auf Nvidia-Hardware trainiert.
Huawei will 2026 allerdings mit dem Ascend 950DT einen explizit auf KI-Training ausgerichteten Beschleuniger auf den Markt bringen. Die zentrale Frage ist, ob das Unternehmen die oft kritisierte Qualität seiner Software steigern kann.
Ob Tomb Raider, Mario Kart, medizinische Bildgebung, die ISS – sie alle müssen ständig Drehungen und Orientierungen im dreidimensionalen Raum berechnen. Dabei hat sich gezeigt, dass ein vierdimensionales Zahlensystem – die Quaternionen – dafür besonders geeignet ist.
Obwohl Quaternionen zunächst wie abstrakte Mathematik wirken, haben sie einen enormen Einfluss auf unsere technologische Welt. Ohne sie wären viele Entwicklungen der 3D-Grafik und Animation, insbesondere der Boom der 1990er Jahre, kaum möglich gewesen. Was nach Science-Fiction klingt, ist in Wirklichkeit ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Mathematik unsere moderne Welt prägt.
Wie dreht man eigentlich mathematisch?
Jegliche Drehungen in einem Raum beliebiger Dimension erfolgen immer nach dem gleichen Schema: Man benötigt eine Raumachse, um die man drehen will, und einen Winkel, der angibt, um wie viel man drehen will. Im zweidimensionalen Raum mit nur einer Höhe und einer Länge erfolgt die Drehung immer um die Achse entlang der Breite, die senkrecht auf der Ebene steht.
Betrachtet man Objekte im dreidimensionalen Raum, stellen Höhe, Breite und Länge elementare Rotationsachsen dar. Eine Drehung um eine beliebige Achse im Raum kann dabei immer als eine Hintereinanderausführung dieser Elementardrehungen aufgefasst werden.
Mathematisch beschreibt man diese Elementardrehungen mithilfe von Drehmatrizen. Drehmatrizen sind lediglich eine Art von Tabellen mit gleich vielen Zeilen und Spalten, wobei die jeweilige Anzahl durch die Dimension des Raumes gegeben ist.
Die Rotation eines Objektes erfolgt, indem man es durch viele verbundene Punkte darstellt und die Koordinaten jedes Punktes mit den Drehmatrizen multipliziert. Die Multiplikation mit Matrizen ist lediglich eine Abfolge von Multiplikationen und Additionen von Zahlen nach einem bestimmten Schema.
Die Matrix und ihre Probleme
Multiplikationen und Additionen nach einem bestimmten Schema klingt nach einer einfachen Aufgabe für heutige Computer. Weshalb benutzt man dann also keine Drehmatrizen mehr, um Bewegungen durch den Computer zu beschreiben? Dazu schauen wir uns die Steuerung einer Videospielfigur in einer dreidimensionalen Welt an.
Um die Immersion einer realistischen Bewegung aufrechtzuerhalten, müssen Bewegungen kontinuierlich und nicht ruckartig verlaufen. Daher dreht man eine Figur nicht einmalig um einen festen Winkel, sondern unterteilt die Drehung in viele Mini-Drehungen.
Diese Minidrehungen bestehen nicht mehr aus ganzzahligen Drehwinkeln wie zum Beispiel 1°, 2° oder 3°, sondern aus Kommazahlen. Bei Kommazahlen ergeben sich immer Rundungsfehler, die fatale Konsequenzen haben, wenn sie nicht korrigiert werden: Eine Rotation um 9,25°, zuerst im Uhrzeigersinn und danach wieder zurück, würde das gedrehte Objekt nicht mehr in seine ursprüngliche Position zurückbringen, sondern leicht versetzt.
Diese kleinen Fehler summieren sich bei jeder Drehung und führen zu optischen Deformationen. Zur Korrektur dieser Fehler muss der Computer nach jeder noch so kleinen Drehung die Drehmatrizen anpassen, um die Abweichungen zu kompensieren. Das führt schnell zu einer erhöhten Rechenleistung des Computers.
Wenn die Rotation feststeckt, geht nichts mehr
Ein anderes nicht zu verhinderndes Problem ist der Gimbal Lock. Bei bestimmten Drehwinkeln fallen zwei der drei Rotationsachsen im dreidimensionalen Raum zusammen. Dadurch kann man das Objekt nur noch um zwei Achsen unabhängig drehen, was die Drehung des Objekts stark einschränkt und zu instabilen Bewegungen führt.
Wie kann man diese Probleme umgehen?
Bereits im 17. und 18. Jahrhundert überlegten sich Mathematiker, ob man Drehungen im zweidimensionalen Raum auf eine andere Art und Weise beschreiben kann. Dabei stießen sie auf eine verblüffende Symmetrie. Drehungen in der zweidimensionalen Ebene lassen sich mithilfe von zweidimensionalen Zahlen beschreiben: den komplexen Zahlen!
Genauso wie die Koordinaten eines Punktes in einem zweidimensionalen Koordinatensystem aus zwei Zahlen bestehen, ist eine komplexe Zahl nicht eine einzelne Zahl. Eine komplexe Zahl besteht aus zwei separaten Teilen, einem realen und einem imaginären Teil. Hierbei ist der reale Teil eine ganz normale Zahl, aber der imaginäre Teil enthält noch zusätzlich den Buchstaben i.
i steht für imaginär
Der Buchstabe i ist eine besondere Zahl mit der Eigenschaft, dass sie, mit sich selbst multipliziert, den Wert -1 ergibt. Da das Quadrat einer "gewöhnlichen" Zahl immer positiv ist, nennt man i die imaginäre Einheit. Gerade diese ungewöhnliche Eigenschaft erweist sich jedoch als äußerst nützlich.
Eine komplexe Zahl besteht aus zwei Teilen und lässt sich daher gut mit einem Punkt in einem zweidimensionalen Koordinatensystem vergleichen. Verbindet man diesen Punkt mit dem Ursprung, erhält man einen Pfeil. Auf dieselbe Weise kann man auch eine komplexe Zahl als Pfeil in einem zweidimensionalen Koordinatensystem darstellen.
Ähnlich wie bei dem Partyspiel Flaschendrehen, bei dem eine Flasche als Pfeil auf dem Boden liegt und gedreht wird, lassen sich auch komplexe Zahlen als Pfeile drehen. Mathematiker haben erkannt, dass eine solche Drehung besonders einfach ist: Man multipliziert die komplexe Zahl mit einer speziell gewählten anderen komplexen Zahl. Deren Realteil ist der Kosinus und deren Imaginärteil der Sinus des gewünschten Drehwinkels. Durch diese Multiplikation wird die komplexe Zahl um genau diesen Winkel gegen den Uhrzeigersinn gedreht.
Bild 1/3: Drehung der komplexen Zahl z0 (grüner Pfeil) um den Winkel 90° gegen den Uhrzeigersinn zu der neuen Zahl (roter Pfeil). Die Pfeile sind bis auf die Orientierung identisch. (Bild: Stefan Ruloff)
Bild 2/3: Vertauschung der Reihenfolge der 90°-Rotationen im Uhrzeigersinn des Rubik's Cube führt zu unterschiedlichen Ausgangsorientierungen. (Bild: Stefan Ruloff)
Bild 3/3: Drehung des Vektors A um den Winkel φ zu dem Vektor B: Zuerst benötigt man die Rotationsachse, die senkrecht auf der grauen Kreisfläche steht, die die beiden Punkte A und B als Randpunkte enthält. Danach drehtman die Koordinaten des Vektors A um die Drehachse um den Winkel φ underhält die Koordinaten des Punktes B. (Bild: Stefan Ruloff)
Aus zwei mach drei!
Diese elegante Darstellung von Drehungen in der Ebene faszinierte den irischen Mathematiker und Physiker Sir William Rowan Hamilton (1805-1865) Anfang des 19. Jahrhunderts so sehr, dass er versuchte, das Konzept auf den dreidimensionalen Raum zu übertragen.
Seine Idee war einfach: So, wie komplexe Zahlen Drehungen in zwei Dimensionen beschreiben, sollten "dreidimensionale Zahlen" Drehungen im Raum ermöglichen. Diese nannte er superkomplexe Zahlen. Dazu führte Hamilton eine zweite imaginäre Einheit j ein, die ähnliche Eigenschaften wie i besitzt. Damit stellte sich jedoch eine neue Frage: Wie verhalten sich diese beiden imaginären Einheiten bei der Multiplikation? Die Beantwortung dieser Frage war entscheidend, um Drehungen im dreidimensionalen Raum mathematisch beschreiben zu können.
Das Problem der Multiplikation von Tripeln
Um Rotationen mit Zahlentripeln zu beschreiben, musste zunächst geklärt werden, wie die Grundrechenarten auf diese Zahlen wirken. Addieren und Subtrahieren funktionierten noch wie bei komplexen Zahlen, doch die Multiplikation bereitete Hamilton großes Kopfzerbrechen.
Unabhängig vom Ansatz führte die Multiplikation der imaginären Einheiten i und j zweier Tripel nicht mehr zu einem Tripel. Das wäre so, als würde man die Zahlen 2 und 3 miteinander multiplizieren und erhielte statt 6 keine Zahl mehr, sondern etwas völlig anderes.
Das war ein ernstes Problem, denn ohne wohldefinierte Rechenregeln lassen sich keine Rotationen beschreiben. Dennoch gab Hamilton nicht auf und war überzeugt, eine Lösung zu finden.
Jahrelang zerbrach sich Hamilton den Kopf über das Problem, doch alle Versuche scheiterten. Die Frage beschäftigte ihn so sehr, dass selbst seine Kinder davon wussten und ihn scherzhaft fragten, ob er inzwischen "Drillinge multiplizieren" könne. Hamilton musste dies stets verneinen – mehr als Addieren und Subtrahieren war ihm nicht gelungen. Schließlich kam ihm eine verzweifelte, beinahe verrückte Idee: Was, wenn die Reihenfolge der Multiplikation eine Rolle spielt?
Das würde bedeuten, dass die Multiplikation von i und j nicht dasselbe ergibt wie die Multiplikation von j und i – ein Gedanke, der bei gewöhnlichen Zahlen undenkbar ist. Doch auch dieser Ansatz führte zunächst nicht zum gewünschten Erfolg.
Am 16. Oktober 1843 kam Hamilton während eines Spaziergangs über die Brougham Bridge in Dublin der entscheidende Gedanke. Hamilton erkannte, dass die Multiplikation von i und j eine neue imaginäre Einheit k ergibt, während die umgekehrte Multiplikationsreihenfolge -k ist, und dass auch hier die Multiplikation von k mit sich selbst wieder den Wert -1 ergibt. Diese Erkenntnis ritzte er sofort in das Mauerwerk der Brücke.
Der Ort wurde später zu einer Pilgerstätte für Mathematikerinnen und Mathematiker auf der ganzen Welt, die den sogenannten Hamilton Walk entlanggingen. Heute erinnert eine Gedenktafel an Hamiltons berühmte Entdeckung.
Hamiltons entscheidende Erkenntnis war, dass es keine direkte Entsprechung zwischen der Raumdimension und der Anzahl der Zahlkomponenten geben muss.
Mit Tripeln ließ sich das Problem nicht lösen, doch Vierlinge funktionierten. Seine sogenannten superkomplexen Zahlen erwiesen sich damit als hyperkomplexe Zahlen mit einem Realteil und drei imaginären Anteilen.
Die von Hamilton festgelegten Multiplikationsregeln der imaginären Einheiten machten es möglich, diese Vierlinge konsistent zu multiplizieren, und sie beseitigten die bisherigen Schwierigkeiten. In Anlehnung an das lateinische Wort quaternio für "Vierheit" nannte Hamilton diese Zahlen Quaternionen.
Auf die Reihenfolge kommt es an!
Vierdimensionale Zahlen lösten das zuvor unlösbare Multiplikationsproblem – allerdings zu einem Preis: Die Reihenfolge der Multiplikation zweier Quaternionen beeinflusst das Ergebnis. Multipliziert man eine Quaternion q1 mit einer anderen q2 , erhält man nicht dasselbe Resultat wie bei der umgekehrten Reihenfolge. Mathematisch ausgedrückt ist die Quaternionenmultiplikation nicht kommutativ.
Versteht man diese Multiplikation als Beschreibung von Drehungen im dreidimensionalen Raum – ähnlich wie komplexe Zahlen Drehungen in der Ebene darstellen -, erscheint diese Eigenschaft plötzlich ganz natürlich. Denn auch räumliche Drehungen sind nicht vertauschbar.
Das lässt sich leicht veranschaulichen: Dreht man sich in einem Ego-Shooter wie Call of Duty zunächst um 90° nach links und danach um 90° nach oben, erhält man eine andere Blickrichtung als bei umgekehrter Reihenfolge. Dasselbe gilt für das Drehen eines Gegenstands wie eines Rubik's Cube um verschiedene Achsen.
Bild 1/3: Drehung der komplexen Zahl z0 (grüner Pfeil) um den Winkel 90° gegen den Uhrzeigersinn zu der neuen Zahl (roter Pfeil). Die Pfeile sind bis auf die Orientierung identisch. (Bild: Stefan Ruloff)
Bild 2/3: Vertauschung der Reihenfolge der 90°-Rotationen im Uhrzeigersinn des Rubik's Cube führt zu unterschiedlichen Ausgangsorientierungen. (Bild: Stefan Ruloff)
Bild 3/3: Drehung des Vektors A um den Winkel φ zu dem Vektor B: Zuerst benötigt man die Rotationsachse, die senkrecht auf der grauen Kreisfläche steht, die die beiden Punkte A und B als Randpunkte enthält. Danach drehtman die Koordinaten des Vektors A um die Drehachse um den Winkel φ underhält die Koordinaten des Punktes B. (Bild: Stefan Ruloff)
Die Reihenfolge von Drehungen ist also entscheidend. Genau diese grundlegende Eigenschaft räumlicher Rotationen ist in Quaternionen bereits enthalten – und macht sie zu einem idealen Werkzeug für dier Beschreibung von Drehungen im dreidimensionalen Raum.
Warum benötigt man für räumliche Drehungen vierdimensionale Zahlen und nicht dreidimensionale? Ein Blick auf Drehungen in der Ebene hilft weiter. Im zweidimensionalen Raum gibt es nur zwei Drehrichtungen: im oder gegen den Uhrzeigersinn. Die Drehachse ist dabei eindeutig festgelegt und steht senkrecht zur Ebene – wie beim Flaschendrehen, bei dem die Flasche auf dem Boden um diese eine Achse gedreht wird.
Im dreidimensionalen Raum ist die Situation deutlich komplexer. Ein Objekt kann um beliebige Achsen mit beliebiger Orientierung gedreht werden. Um eine solche Drehung zu beschreiben, muss zunächst die Richtung der Drehachse festgelegt werden – dafür benötigt man bereits drei Zahlen. Zusätzlich kommt der Drehwinkel hinzu, der die eigentliche Rotation bestimmt. Diese Information liefert die vierte Komponente.
Betrachtet man Rotationen auf diese Weise, erscheint es ganz natürlich, dass man zur Beschreibung von Drehungen im dreidimensionalen Raum vierdimensionale Zahlen benötigt.
3D-Rotationen mit Quaternionen
Wie im zweidimensionalen Fall kann man auch im dreidimensionalen Raum einen Vektor durch Quaternionen darstellen. Die drei imaginären Einheiten i , j und k stehen dabei für die Raumachsen, der Realteil des Vektors wird auf Null gesetzt.
Um den Vektor um eine beliebige Achse um einen Winkel zu drehen, erstellt man zunächst eine Drehquaternion. Deren Realteil ist der Kosinus des halben Drehwinkels, der Imaginärteil der Sinus des halben Winkels multipliziert mit der Einheitsachse der Rotation.
Die Drehung erfolgt durch Multiplikation der Drehquaternion mit dem Vektor. Da die Drehquaternion nur den halben Winkel enthält, muss man das Ergebnis anschließend erneut mit der Drehquaternion in umgekehrter Drehrichtung multiplizieren.
Bild 1/3: Drehung der komplexen Zahl z0 (grüner Pfeil) um den Winkel 90° gegen den Uhrzeigersinn zu der neuen Zahl (roter Pfeil). Die Pfeile sind bis auf die Orientierung identisch. (Bild: Stefan Ruloff)
Bild 2/3: Vertauschung der Reihenfolge der 90°-Rotationen im Uhrzeigersinn des Rubik's Cube führt zu unterschiedlichen Ausgangsorientierungen. (Bild: Stefan Ruloff)
Bild 3/3: Drehung des Vektors A um den Winkel φ zu dem Vektor B: Zuerst benötigt man die Rotationsachse, die senkrecht auf der grauen Kreisfläche steht, die die beiden Punkte A und B als Randpunkte enthält. Danach drehtman die Koordinaten des Vektors A um die Drehachse um den Winkel φ underhält die Koordinaten des Punktes B. (Bild: Stefan Ruloff)
So lassen sich Rotationen elegant durchführen, ohne komplizierte Matrizen zu verwenden, und es genügen nur drei Quaternionenmultiplikationen.
Quaternionen sind einfach die besseren Dreher
Quaternionen bieten gegenüber Drehmatrizen viele Vorteile. Mit nur vier Zahlen statt neun Einträgen lassen sich Rotationen deutlich kompakter und effizienter berechnen, Rundungsfehler wirken sich geringer aus, und Probleme wie Gimbal Lock treten nicht auf. Besonders praktisch ist die Interpolation zwischen Drehungen, zum Beispiel mit Slerp (Sphärische lineare Interpolation), die gleichmäßige und präzise Bewegungen ermöglicht. All das spart enorm Rechenzeit und -leistung.
In der Praxis machte das Spiele wie Tomb Raider von 1996 auf der Playstation überhaupt erst möglich: Lara Croft konnte in alle Richtungen laufen, springen und klettern, während die Kamera automatisch korrekt mitdrehte – etwas, das mit Matrizen auf der schwachen 33-MHz-CPU kaum zu stemmen gewesen wäre.
Damit zeigen Quaternionen eindrucksvoll, wie abstrakte Mathematik mehr als 100 Jahre nach deren Entdeckung zu einem nicht mehr wegzudenkenden Werkzeug in unserer hoch technologisierten Welt geworden ist.
Stefan Ruloff ist Physiker, mit Studienschwerpunkt theoretische Physik. Er interessiert sich sowohl für die Geschichte der Mathematik und Physik als auch für aktuelle Themen und hat Freude am Vermitteln solcher Themen auch für Laien.
Anzeige: IT-Jobs in Architektur, Infrastruktur und Produktmanagement
Von Golem Karrierewelt — 03. Mai 2026 um 07:00
Von KI-Architekturen über kommunale IT-Sicherheit bis ECM-Produktbetreuung: Zu besetzen sind sechs IT-Jobs mit Verantwortung und Tech-Fokus.
Bild:
Golem
Digitale Services in Beratung, Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung brauchen belastbare IT-Architekturen, sichere Infrastrukturen und sauber betriebene Standardanwendungen. Die folgenden Stellen richten sich an Fachkräfte, die Betriebssicherheit, Architekturentscheidungen und Modernisierungsvorhaben in unterschiedlichen Kontexten vorantreiben.
Im Golem Jobmarkt finden sich aktuelle Positionen in Forschungseinrichtungen, öffentlichen Institutionen und technologieorientierten Unternehmen.
Sechs neue IT-Positionen im Überblick
Die Auswahl aktueller Stellenangebote reicht von KI-getriebenen Enterprise-Zielarchitekturen über die Koordination konkreter KI-Pilotvorhaben bis hin zu einem Netzwerk- und Plattformbetrieb.
AI Architect (all genders) : BCG Platinion (Köln, hybrid) besetzt eine Stelle für die Entwicklung KI-getriebener Zielarchitekturen und den Aufbau AI-basierter Software Factories. Gesucht wird Praxis in LLM-/Agenten-Systemen, modernen Delivery-Ansätzen (DevSecOps, CI/CD, Platform Engineering) sowie im Design von Governance-, Evaluations- und Sicherheitsmechanismen für AI-generierte Systeme.
IT Project Coordinator (f/m/d) – Focus on Educational and Administrative AI Technologies : Die Universität Potsdam (Potsdam, hybrid) sucht eine Projektkoordination für AI-Technologien in Lehre, Studium und Verwaltung (befristet für drei Jahre). Im Mittelpunkt stehen Projektorganisation, Stakeholder-Management und Dokumentation sowie die Konzeption und pilotnahe Umsetzung AI-gestützter Szenarien – ergänzt um praxisorientierte Workshops inklusive Einordnung von Datenschutz, Ethik und regulatorischen Vorgaben.
Leitung des Sachgebiets Infrastruktur und Sicherheit (m/w/d) : Für die Stadt Elmshorn (Elmshorn, Homeoffice) ist eine Leitung zu besetzen, die den sicheren Betrieb der Basisdienste der Kommunalverwaltung verantwortet und ein Team (derzeit sechs Mitarbeitende) führt. Zu den Aufgaben zählen Netzwerk-, Server- und Cloud-Betrieb, IT-Sicherheitsmaßnahmen, Budgetverantwortung und die Weiterentwicklung der Infrastruktur unter Anforderungen wie BSI IT-Grundschutz, ISMS/ISO 27001 und NIS 2.
DMS-Spezialist/ Prozessgestalter (m/w/d) : Ebenfalls bei der Stadt Elmshorn (Elmshorn, Homeoffice) ist eine Position ausgeschrieben, die die Weiterentwicklung des Dokumentenmanagementsystems Enaio und die Einführung digitaler Akten in den Ämtern vorantreibt. Gefordert sind DMS-Konfiguration und -Anpassung, Workflow-Automatisierung, Schnittstellenarbeit zu Fachverfahren sowie die Bewertung neuer DMS-Ansätze – bis hin zu KI-gestützter Dokumentenverarbeitung und automatisierter Klassifizierung.
IT-Produktbetreuer:in / IT-Produktentwickler:in mit Schwerpunkt Standardanwendungen (w/m/d) : Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bonn) sucht Expertise im IT-Produktmanagement rund um Standardanwendungen und Wissensmanagement inklusive Schnittstellen in die Anwendungslandschaft. Themen sind u. a. Change- und Release-Management, Root-Cause-Analysen (2nd/3rd Level), Dienstleistersteuerung sowie ECM-Erfahrung (z. B. OpenText) und Kenntnisse im SAP-Umfeld.
Teamleitung Communication Standard Services – CSS (m/w/d) : Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ (Leipzig) besetzt die Teamleitung für Communication Standard Services. Der Aufgabenrahmen umfasst Netzwerkbetrieb (LAN/WLAN, VPN, Firewalls), zentrale Dienste (DNS/DHCP/RADIUS), Verzeichnis- und Webdienste, Mail/Kalender, Cloudservices, SSO/2FA, VMware-Cluster sowie Architektur- und Sicherheitskonzepte inklusive Lifecycle- und Finanzplanung.
IT-Profis finden im Golem Jobmarkt eine spezialisierte Suchumgebung für IT-Fachkräfte – mit modernen Funktionen wie einem KI-gestützten Lebenslaufgenerator, einem Tool zur automatisierten Erstellung von Anschreiben sowie einem persönlichen Job-Alarm. Stellenausschreibungen lassen sich durch intelligente Filter nach Positionen im öffentlichen Sektor, Remote-Anteil, Fachgebiet oder Branche gezielt eingrenzen.
Bei Fragen zur Nutzung des Jobmarkts oder zu den Angeboten der Golem Karrierewelt steht dir das Team werktags zwischen 8 und 18 Uhr zur Verfügung – telefonisch, per E-Mail oder direkt über unseren KI-Chatbot Klara. Alle Informationen, Tools und Weiterbildungen sind zentral über die Golem Karrierewelt erreichbar.
Weiterbildung gefällig? In der Trainingssuche der Golem Karrierewelt findest du Onlineworkshops, E-Learnings und weitere Bildungsangebote zu sämtlichen aktuellen IT-Themen wie Security, künstlicher Intelligenz oder Cloud.
Pannenstatistik 2026: Elektroautos sind laut ADAC zuverlässiger als Verbrenner
Von Nils Matthiesen — 02. Mai 2026 um 13:30
Der ADAC hat seine Pannenstatistik 2026 veröffentlicht. Elektrofahrzeuge schneiden dabei deutlich besser ab als solche mit klassischem Antrieb.
Elektroautos haben laut ADAC seltener eine Panne.Bild:
ADAC
Der ADAC hat seine Pannenstatistik 2026 veröffentlicht. Die Auswertung von 158 Fahrzeugmodellen von 27 Herstellern belegt, dass Elektroautos bei gleichem Alter seltener von Pannen betroffen sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Laut der Studie ist die Häufigkeit von Pannen bei fünf Jahre alten Elektroautos um 40 Prozent geringer als bei gleich alten Verbrennern. Dieser Trend kristallisierte sich bereits im Vorjahr heraus. Als wesentlichen Grund nannte der Automobilclub die geringere Anzahl an verschleißanfälligen Bauteilen in elektrischen Antrieben.
Die statistische Grundlage bildet die Pannenkennziffer (PKZ), welche die registrierten Pannen pro 1.000 Fahrzeuge im vergangenen Jahr wiedergibt. Bei zwei Jahre alten Elektroautos verzeichnete die ADAC-Straßenwacht 2,1 Pannen, während entsprechende Verbrenner auf 5,8 Pannen kamen.
Bei fünf Jahre alten Fahrzeugen liegt die PKZ für Elektroautos bei 10,3 und für Verbrenner bei 17,4. Trotz zunehmender Elektronikintegration steigt die Zuverlässigkeit moderner Fahrzeuge insgesamt an. So sank die Pannenwahrscheinlichkeit bei fünf Jahre alten Autos von 3,6 Prozent im Jahr 2015 auf 2,1 Prozent im Jahr 2025.
Bordnetz und Starterbatterie als Schwachpunkte
Die häufigste Pannenquelle bleibt unabhängig von der Antriebsart die 12-Volt-Starterbatterie. Bei Elektroautos sind Probleme mit dem Bordnetz ein relevantes Thema, da sie komplexere Systeme nutzen. Der ADAC führt dies unter anderem auf eine häufige App-Nutzung zurück, welche die Fahrzeuge "aufweckt" und dadurch die Kapazitäten der 12-Volt-Batterie stärker belastet als von Herstellern kalkuliert.
Bild 1/1: Mit über 45 Prozent waren Probleme mit der Starterbatterie die häufigste Pannenursache.
Dennoch ist die Starterbatterie bei Elektroautos insgesamt seltener für Ausfälle verantwortlich als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Besonders zuverlässig zeigten sich Modelle der Marken VW, BMW, Mercedes sowie weitere Marken des Volkswagen-Konzerns, Mitsubishi und Tesla ab. Das Durchschnittsalter der in der Statistik erfassten Fahrzeuge stieg dabei von acht Jahren im Jahr 2014 auf elf Jahre im Jahr 2025.
Auffälligkeiten bei Toyota und Hyundai
Einige Modelle weisen spezifische Defizite auf. So fallen Fahrzeuge von Toyota seit drei Jahren durch eine schlechtere Bewertung auf, wobei die Pannenursache hier primär defekte Starterbatterien sind.
In der Mittelklasse wird zudem der Hyundai Ioniq 5 negativ bewertet. Grund ist ein Problem mit der Integrated Charging Control Unit (ICCU). Der Hersteller hat deswegen bereits Rückruf- und Serviceaktionen gestartet.
Der ADAC betonte jedoch, dass die Vergleichbarkeit zwischen den Antriebsarten noch eingeschränkt sei. Das Durchschnittsalter aller Pkw in Deutschland liegt laut Kraftfahrt-Bundesamt bei über zehn Jahren, während die meisten in der Statistik berücksichtigten Elektroautos deutlich jünger sind. Langzeitdaten für ältere Elektrofahrzeuge müssen daher abgewartet werden.
Verteidigungsministerium: Pentagon schließt KI-Abkommen mit Nvidia und Microsoft
Von Nils Matthiesen — 02. Mai 2026 um 13:00
Das US-Vereidigungsministerium weitet seine KI -Infrastruktur aus und setzt künftig auf Technik von von Nvidia , Microsoft und Amazon .
Pentagon setzt auf KI.Bild:
Mandel NGAN / AFP via Getty Images
Das US-Verteidigungsministerium hat Vereinbarungen mit mehreren führenden Technologieunternehmen unterzeichnet, um den Einsatz künstlicher Intelligenz innerhalb der Streitkräfte massiv auszuweiten. Wie das Pentagon mitteilte , wurden Verträge mit Nvidia, Microsoft, Amazon Web Services (AWS) und Reflection AI geschlossen.
Diese Kooperationen erlauben es dem Militär, KI-Modelle und entsprechende Hardware in seinen klassifizierten Netzwerken für den "rechtmäßigen operativen Einsatz" zu implementieren. Laut offizieller Stellungnahme des Ministeriums soll dies den Wandel des US-Militärs hin zu einer "AI-first fighting force" beschleunigen.
Ziel sei es, die Entscheidungsfähigkeit der Soldaten in allen Domänen der Kriegsführung zu stärken und einen "Entscheidungsvorsprung" ( "decision superiority" ) zu sichern, hieß es.
KI in hochgesicherten Umgebungen
Die Integration der Technologie erfolgt in hochgesicherten Umgebungen der Stufen Impact Level 6 (IL6) und Impact Level 7 (IL7). Diese Klassifizierungen sind für Daten reserviert, die als kritisch für die nationale Sicherheit eingestuft werden, und erfordern strenge physische Zugangskontrollen sowie kontinuierliche Audits.
Die neuen Partner ergänzen bereits bestehende Vereinbarungen, die das Pentagon bereits mit Google, SpaceX und OpenAI getroffen hat. Das Ministerium erklärte, dass der Zugriff auf eine vielfältige Suite von KI-Kapazitäten aus dem "resilienten amerikanischen Technologie-Stack" notwendig sei, um die Nation gegen Bedrohungen zu schützen.
Abkehr von Anthropic und Fokus auf Flexibilität
Hintergrund der Diversifizierung ist auch ein anhaltender Rechtsstreit mit dem KI-Unternehmen Anthropic . Das Pentagon strebt eine uneingeschränkte Nutzung von Anthropic-Tools an, während der Anbieter auf Sicherheitsvorkehrungen besteht. Diese sollen verhindern, dass die Technologie für inländische Massenüberwachung oder autonome Waffen eingesetzt wird.
Das Pentagon verfolgt nun dezidiert eine Architektur, die eine Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen verhindern soll. Durch die Verteilung auf viele Anbieter will die Joint Force langfristige Flexibilität wahren.
Aktuell nutzen bereits über 1,3 Millionen Mitarbeiter des Ministeriums die sichere Plattform GenAI.mil . Diese bietet Zugang zu großen Sprachmodellen für nicht-klassifizierte Aufgaben wie Forschung, Dokumentenerstellung und Datenanalyse. Mit den neuen Verträgen wird diese Kapazität auf die obersten Geheimhaltungsstufen ausgeweitet.
Datenschutz bei KI: OpenAI verwendet Nutzerdaten für gezielte Werbung
Von Nils Matthiesen — 02. Mai 2026 um 12:30
OpenAI passt seine Datenschutzregeln in den USA an: Nutzerdaten fließen in personalisierte Werbung auf Drittplattformen wie Instagram .
OpenAI schaltet in den USA personalisierte Werbung.Bild:
Andrew Neel / Pexels
OpenAI hat seine Datenschutzrichtlinien in den USA aktualisiert, um gezieltes Marketing auf Drittplattformen zu ermöglichen. Wie das Unternehmen in einer E-Mail an seine Nutzer mitteilte, kommen künftig Cookies zum Einsatz, um OpenAI-Produkte und -Dienste auf anderen Webseiten zu bewerben.
Die Änderung betrifft primär die Vermarktung von Diensten wie ChatGPT außerhalb der eigenen Plattform. Laut OpenAI-Sprecherin Taya Christianson bleibt die Vertraulichkeit der Chatinhalte dabei gewahrt; Konversationen oder private Inhalte sollen demnach nicht mit Marketingpartnern geteilt werden.
Vielmehr nutzt das Unternehmen begrenzte Identifikatoren wie Cookie-IDs, Geräte-IDs oder E-Mail-Adressen, um die Relevanz von Werbemaßnahmen zu erhöhen und deren Effektivität zu messen. Damit will OpenAI prüfen, ob Nutzer nach dem Kontakt mit einer Anzeige bestimmte Aktionen ausführen, etwa die Anmeldung für das KI-Werkzeug Codex.
Diese Form der Datenverarbeitung wird in der neuen Richtlinie explizit als "Targeted Advertising" oder "Cross-Context Behavioral Advertising" eingestuft. In der vorherigen Fassung seiner Datenschutzrichtlinien für die USA erklärte das Unternehmen noch, es nutze personenbezogene Daten nicht für derartige Zwecke.
Opt-out und Marktstrategie
Die Analyse der neuen Bestimmungen zeigt, dass die Marketing-Einstellungen bei kostenlosen Nutzerkonten in den USA standardmäßig aktiviert sind. In Stichproben des Magazins Wired waren diese Optionen bei Gratis-Accounts auf Ein gesetzt, während sie bei Plus- und Enterprise-Abos deaktiviert waren.
Anwender können der Datennutzung in den Kontoeinstellungen unter dem Punkt Marketing Privacy widersprechen. Für nicht angemeldete Besucher steht ein Link zu den Datenschutzoptionen auf der Webseite zur Verfügung.
Parallel zur externen Werbung weitet OpenAI sein Werbenetzwerk innerhalb von ChatGPT aus. Ein formales Werbe-Testprogramm für eingeloggte, erwachsene Nutzer in den USA mit Free- und Go-Tarifen startete am 9. Februar 2026. Das Unternehmen strebt für das Jahr 2026 ein internes Werbeumsatzziel von 2,4 Milliarden US-Dollar an.
Die beschriebene Situation mit automatisch aktivem Tracking und der Möglichkeit zum Opt-out gilt spezifisch für den US-Markt. In Deutschland gelten höhere Hürden wie aktive Einwilligung, Recht auf Widerruf und strenge Zweckbindung.
OpenAI plant zwar die EU-Expansion seiner Werbedienste, muss dabei aber ein rechtskonformes Einwilligungsmodell aufbauen. Ob und wie gut das gelingt, bleibt abzuwarten und dürfte unter Beobachtung europäischer Datenschutzbehörden stehen.
„Copy Fail“: Linux-root in allen großen Distributionen mit 732 Byte Python
Von Heise — 30. April 2026 um 09:06
(Bild: Tux by Larry Ewing / GIMP)
Die Entdecker haben die root-Lücke im Linux-Kernel „Copy Fail“ getauft. Alle größeren Distributionen seit 2017 sind betroffen.
Im Linux-Kernel haben IT-Forscher eine Schwachstelle entdeckt, die Angreifer zum Erlangen von root-Rechten missbrauchen können. Die Entdecker haben die Schwachstelle „Copy Fail“ getauft. Ihnen zufolge sind alle Linux-Distributionen, die seit 2017 verfügbar sind, davon betroffen.
Das schreiben die IT-Forscher in einem Blog-Beitrag [1], der Bericht ist ihnen jedoch sogar eine eigene Domain wert [2]. Die Lücke haben sie offenbar mit dem KI-Werkzeug Xint Code aufgespürt. Es handelt sich um einen Logikfehler, der lokalen Nutzern im System ermöglicht, einen deterministischen, kontrollierten 4-Byte-Schreibzugriff auf den Page-Cache jedes lesbaren Dateisystems eines Rechners auszuführen. Mit einem Python-Skript von 732 Byte Größe gelingt es den Forschern, eine Binärdatei mit setuid-Flag zu manipulieren und dadurch root-Rechte zu erlangen (CVE-2026-31431 [3], CVSS 7.8, Risiko „hoch“).
Die IT-Sicherheitsforscher führen weiter aus, dass der Kernel die manipulierte Page nicht als „Dirty“ zum Rückschreiben aufs Laufwerk markiert, sodass die Datei unverändert bleibt und einfache Checksummen-Prüfungen von der Manipulation nichts mitbekommen. Beim tatsächlichen Dateizugriff erfolgt jedoch der Rückgriff auf den Page-Cache. Damit lassen sich zudem Container-Grenzen sprengen, da der Page-Cache auf dem Host geteilt wird. Konkret kündigen die IT-Forscher an, weitere Details zu veröffentlichen, die den Ausbruch aus Kubernetes-Containern erörtern.
Fehler im Krypto-Subsystem
Der Fund sei zwar KI-unterstützt gewesen, basierte aber auf Untersuchungen der Interaktion des Linux-Krypto-Subsystems mit Page-Cache-Daten. Interessierte finden sehr tiefgehende Details im Blog-Beitrag. Dort stellen die Programmierer auch einen Proof-of-Concept-Exploit vor. Das Python-Skript ist 732 Byte groß und verschafft lokalen Angreifern root-Rechte etwa unter Ubuntu 24.04 LTS mit Kernel 6.17.0-1007-aws, Amazon Linux 2023 mit Kernel 6.18.8-9.213.amzn2023, RHEL 10.1 und Kernel 6.12.0-124.45.1.el10_1 sowie SUSE 16 mit Kernel 6.12.0-160000.9-default. Zumindest haben die Entdecker der Schwachstelle diese Kombinationen erfolgreich getestet.
Einen Fix für den Kernel-Quellcode stellen die IT-Forscher ebenfalls bereit. Aktualisierte Kernel sollten inzwischen die größeren Distributionen bereitstellen. Als temporäre Gegenmaßnahme soll demnach aber helfen, AF_ALG-Socket-Erstellung über seccomp zu blockieren oder aber als algif_aead-Modul in die Blacklist aufzunehmen, sodass der Kernel es nicht lädt: echo "install algif_aead /bin/false" > /etc/modprobe.d/disable-algif-aead.conf && rmmod algif_aead 2>/dev/null im Terminal erledigt das und entfernt gegebenenfalls das geladene Modul aus dem Speicher.
Es ist erst wenige Tage her, da hat die Telekom mittels KI die Schwachstelle „Pack2TheRoot“ in Linux [4] aufgespürt. Auch hierbei handelt es sich um eine Rechteausweitungslücke, die sich in mehreren Linux-Distributionen in den Standardkonfigurationen ausnutzen ließ.
Update
Im letzten Satz korrigiert, dass die Lücke „Pack2TheRoot“ in Linux, nicht im Kernel war.
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Statt starrer Firmware setzt ESP-Claw auf Chat-Steuerung und KI für flexible IoT-Projekte.
Mit ESP-Claw hat Espressif ein neues Framework für ESP32-Boards veröffentlicht. Statt Geräte direkt zu programmieren, setzt das Projekt auf einen Agentenansatz direkt auf den Chips. Die Idee dahinter: Sensoren liefern Daten, ein lokaler Agent trifft Entscheidungen und das Gerät reagiert selbstständig.
Technisch basiert ESP-Claw auf einem Runtime-System, das auf ESP32-Boards wie dem S3 läuft. Der Ansatz nennt sich „Chat Coding“: Das Verhalten eines Geräts kann über Konversationen definiert werden, statt klassische Firmware zu schreiben. Im Hintergrund werden diese Eingaben in Aktionen übersetzt, die der Mikrocontroller ausführt. Ergänzt wird das Ganze durch eine ereignisgesteuerte Architektur, bei der Sensorwerte, Nachrichten oder andere Trigger direkt eine Verarbeitungskette starten können. Reaktionen sind laut Projekt im Millisekundenbereich möglich.
Für Maker interessant ist vor allem die flexible Erweiterbarkeit. ESP-Claw bringt eine strukturierte Speicherverwaltung mit, um Zustände und Kontext direkt auf dem Gerät abzulegen und nachhaltig zu speichern. Gleichzeitig lassen sich externe Dienste über standardisierte Schnittstellen anbinden, etwa über das Model Context Protocol (MCP). Auch die Integration von Messaging-Diensten wie Telegram ist vorgesehen, dadurch kann man Geräte in bestehende Kommunikationswege einbinden.
Niedrige Einstiegshürde
Ein weiterer praktischer Punkt ist die vergleichsweise niedrige Einstiegshürde. Unterstützte Boards lassen sich direkt im Browser konfigurieren und flashen, ohne lokale Toolchain. Wer tiefer einsteigen will, kann das System aber auch klassisch selbst bauen und anpassen. Durch den modularen Aufbau lassen sich einzelne Komponenten austauschen oder erweitern, etwa um zusätzliche Sensorik, Aktoren oder eigene Logik einzubinden.
Spannend wird das Ganze in Maker-Händen. Beispiele für Projekte sind etwa smarte Kameraknoten, die Ereignisse selbst interpretieren, Sprachinterfaces für Smart-Home-Steuerung oder Geräte, die auf Basis von Sensordaten eigenständig Entscheidungen treffen, etwa in der Heimautomation.
Auf der offiziellen GitHub-Seite [1] sind in Videos einige Beispielprojekte festgehalten. So wird ein LED-Streifen an einen ESP angeschlossen und dem Agenten via Chat mitgeteilt, wie dieser Streifen angeschlossen ist und dass mit dem LED-Streifen ein Regenbogenlicht realisiert werden soll. Nach kurzer „Überlegung“ des Agenten beginnt der Streifen entsprechend zu leuchten.
Für Maker bedeutet das vor allem weniger Code und mehr Fokus auf das Verhalten eines Projekts. Statt Zustände und Abläufe komplett selbst zu modellieren, kann man mit einem Agenten arbeiten, der sich dynamisch anpassen lässt. Gleichzeitig bleibt die Kontrolle über Daten erhalten, weil viele Funktionen lokal laufen. Noch ist das Projekt in Entwicklung, aber es zeigt recht deutlich, wohin sich IoT im Hobbybereich bewegen könnte: weg von starren Skripten, hin zu kleinen, eigenständig agierenden Systemen.
Halbleiterbauelemente sitzen auf Trägern, die als Brücke zur Platine dienen. Die Rohstoffe für diese Bauteile sind derzeit knapp.
(Bild: heise medien)
Der wichtigste Lieferant von Polyphenylenether hat nach einem Angriff offenbar die Auslieferungen eingestellt. Das betrifft alle elektronischen Geräte.
Es bahnt sich ein weiterer Mangel durch den Iran-Krieg an: Polyphenylenether (PPE) für die Herstellung von Platinen und teilweise Chipträgern könnte in den kommenden Monaten knapp werden. Die Saudi Basic Industries Corporation (SABIC) soll nach einem Raketenangriff durch Iran Anfang April die Auslieferungen eingestellt haben.
Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Reuters [1] anhand geschäftsnaher Quellen. SABIC selbst schreibt [2] in seinem jüngsten Quartalsbericht vom 29. April lediglich über „sich verschärfende Lieferstörungen aufgrund des Konflikts im Nahen Osten“, die mehrere Kunststoffe betreffen.
Einen Lieferstopp bestätigt SABIC nicht, dementiert ihn aber auch nicht. Videos von Angriffen auf die saudische Region Al-Dschubail und ihre petrochemische Industrie wurden über soziale Medien geteilt.
Rohstoffpreise steigen bereits
Lieferzahlen zu PPE sind rar. Laut Reuters macht SABIC jedoch rund 70 Prozent der weltweiten Lieferungen aus. Gemäß einer Goldman-Sachs-Analyse sind die Preise für das Harz im April bereits um 40 Prozent gestiegen.
PPE ist unter anderem bis mehr als 100 Grad Celsius hitzebeständig, isoliert elektrisch und nimmt kaum Feuchtigkeit auf. Dadurch eignet sich das Harz für die Isolierschichten vor allem in Platinen (Printed Circuit Boards, PCBs). Alle elektronischen Geräte brauchen heutzutage PCBs, sodass ein Rohstoffmangel potenziell die Preise erhöht.
Die Börse reagiert derweil schon auf die aktuelle Entwicklung: Die Aktie des südkoreanischen PPE-Zulieferers Kolon Industries ist allein im April um 30 Prozent gestiegen, seit Jahresbeginn um über 130 Prozent.
Auswirkungen ziehen sich hin
Der deutsche Verband der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI schreibt in einer Stellungnahme an heise online, dass ihm zu Engpässen bei Kunststoffen wie PPE zumindest derzeit noch keine Meldungen vorliegen. Das könnte schlicht an der Auslagerung der Produktion nach Asien liegen – in Deutschland ist die Herstellung von PCBs längst nicht mehr rentabel. Bis sich ein Rohstoffmangel zu Beginn der Lieferkette hierzulande auswirkt, dürften Monate vergehen.
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Maker Bits: Software, Hardware und Infos für Maker
Von Heise — 28. April 2026 um 18:39
(Bild: ChatGPT)
Kampferprobte 3D-Drucke, mechanischer Flipper, 80 Stimmen Polyphonie mit ESP32, Fotos-Texturen mit FDM-Druck, macOS auf Wii, CardPuter mit Linux.
Bei Recherchen für Artikel oder eigene Projekte bleibt fast immer etwas an Nebenfunden hängen: ein Video, ein Tool, ein Board, eine absurde Portierung oder ein Bastelprojekt, das man eigentlich nur kurz anklicken wollte – und bei dem man dann doch hängen bleibt. Genau dieses digitale Treibgut sammle ich, weil daraus oft schneller neue Ideen entstehen als aus der eigentlichen Suche.
Hier also wieder ein kleiner Fang der letzten Tage. Vielleicht ist ja auch für euch etwas dabei – und wenn ihr selbst über spannende Tools, Hardware oder Videos gestolpert seid, dann gern in die Kommentare damit.
Robuster drucken mit Orca Slicer 2.3.2
Wer funktionale Teile druckt, landet früher oder später bei der immer gleichen Frage: Wie bekommt man aus normalem PLA(+) noch ein bisschen mehr Belastbarkeit heraus? Im aktuellen Video von Maker’s Muse geht es im Kontext von Roboter-Kämpfen genau darum. Gezeigt werden nicht etwa exotische Materialien oder Spezialhardware, sondern erstaunlich bodenständige Einstellungen in Orca Slicer 2.3.2 (siehe auch diesen Newsbeitrag [1]). 100 Prozent konzentrisches Infill, versetzte zusätzliche Wände, unterschiedliche Linienbreiten für Außen- und Innenbereiche und die Möglichkeit, den Materialfluss gezielt im Inneren zu erhöhen.
Spannend finde ich daran vor allem, dass hier keine Wunderlösung verkauft wird. Stattdessen zeigt sich wieder einmal, wie viel Mechanik und Materialverhalten schon im Slicer entschieden werden. Gerade bei Haltern, Werkzeugen oder Robotik-Teilen lohnt sich der Blick auf solche Profile oft mehr als der reflexhafte Griff zum nächsten „Engineering Filament“.
Mechanischer Flipper im 3D-Druck
Nicht jedes spannende Maker-Thema muss ein neues Dev-Board oder eine Library sein. Manchmal reicht auch ein Video, das einen alten Klassiker einmal anders denkt. Schon der Titel „Pinball like you’ve never seen before.“ reicht aus, um bei mir den Spieltrieb anzuschalten. Hier wird ein Flipper, also eigentlich ein komplettes Baukastensystem, entworfen und gebaut. Am Ende steht aktuell ein Flipper für zwei oder vier Personen, die gegeneinander spielen.
Ich mag solche Projekte: Selbst wenn man nichts 1:1 nachbaut, bleibt fast immer irgendeine Idee hängen – sei es für Antriebe, 3D-Druck, Konstruktion oder einfach für die Frage, wie man aus einem bekannten Prinzip mit etwas Kreativität wieder etwas Neues machen kann. Für Maker ist das oft viel interessanter als das hundertste „hier ist ein neues Board mit noch mehr GPIOs“.
Tonsynthese: 80 Stimmen aus dem ESP32
Mit dem ESP32Synth-Projekt zeigt Danilo Gabriel auf Hackaday [4], wie weit man heutige Mikrocontroller auch im Hinblick auf Audio treiben kann. Die Library basiert auf ESP-IDF, läuft bare-metal-nah, ist auf hohe Polyphonie ausgelegt und schafft laut Projekt standardmäßig 80 Stimmen, im Grenzbereich sogar deutlich mehr. Audio läuft über I²S, dazu kommen klassische Wellenformen, Wavetables, SD-Streaming für WAV-Dateien und sogar eigene DSP-Hooks für Effekte oder spezielle Oszillatoren.
Besonders sympathisch ist daran, dass das Projekt (gitHub) nicht nur als Synth-Spielerei daherkommt [5], sondern als echter Bausatz für eigene Instrumente, Soundgeneratoren oder Installationen. Wenn man schon einen ESP32 herumliegen hat, ist das genau die Art von Software, aus der schnell ein Wochenendprojekt wird – und im besten Fall ein sehr lautes.
Fotos auf 3D-Modelle drucken
Ebenfalls schön bunt ist das Video „I Built a Tool to Paint 3D Models with Photos“. Dahinter steckt Primed3D von 3D Revolution [7]: ein freies Open-Source-Werkzeug, das STL- oder 3MF-Modelle im Browser bemalen kann – inklusive Farbverläufen, Flächenfüllung und eben auch Foto-Projektion. Anschließend lässt sich daraus wieder ein 3MF exportieren, wahlweise für „normale“ (unbezahlbare) Mehrfarb-Drucker oder als geditherte Mehrmaterial-Version für FDM-Drucker mit Filamentwechsler.
Gerade für Cosplay, Deko, Figuren oder experimentelle Drucke finde ich das spannend. Denn statt nur einzelne Filamentfarben zuzuweisen, rückt damit die eigentliche Oberflächengestaltung stärker in den Mittelpunkt. Schön ist außerdem, dass das Tool komplett clientseitig laufen soll – die Dateien bleiben also im Browser und wandern nicht erst auf irgendeinen Server.
Mac OS X auf der Wii
Es gibt diese Projekte, bei denen man schon beim Titel weiß, dass sie völlig unnötig sind – und genau deshalb großartig. „Booting Mac OSX on a Nintendo Wii“ gehört eindeutig in diese Kategorie. Bryan Keller hat Mac OS X 10.0 Cheetah nativ auf die Nintendo Wii portiert [9]und den Weg dorthin in seinem Blog dokumentiert. Weil die Wii auf einem PowerPC 750CL basiert, also auf einem Verwandten der G3-Prozessoren früher Apple-Rechner, war die Idee technisch nicht komplett abwegig – nur eben trotzdem ziemlich wild. Der YouTuber Action retro musste es natürlich ausprobieren.
Richtig schön wird das Projekt aber erst im Detail: eigener Bootloader, Kernel-Patches, Treiberarbeit, SD-Karten-Boot und als Bonus noch die Korrektur des zunächst magentafarbenen Bildes per Dual-Framebuffer-Konstruktion, weil die Wii intern YUV erwartet, Mac OS X aber RGB haben will. Spätestens an diesem Punkt ist man dann wieder bei der beruhigenden Erkenntnis, dass „läuft irgendwie“ in der Maker-Welt oft schon die halbe Miete ist. Und der Classic Mode … uhhh. Das kenne ich nur von meinem Shapeshifter-Mac-Emulator auf dem Amiga.
Cardputer Zero: Taschenrechner für Tüftler und Linuxer
Die Cardputer auf ESP32-Basis waren nicht uninteressant, aber man musste viel selbst programmieren, wenn man produktiv werden wollte. M5Stack positioniert den CardputerZero mit Linux [11] als „Pocket Raspberry Pi Computer for Hackers“ und zielt damit klar auf alle, denen ein normaler Mikrocontroller-Handheld nicht mehr reicht. Laut Hersteller soll das Gerät als tragbares Linux-Labor für SSH, Python, Git, Vim, Edge-AI-Anwendungen und Hardware-Basteleien dienen. Erwähnt werden außerdem eine eingebaute App- beziehungsweise Firmware-Verteilung, Erweiterbarkeit über Grove, M5Units sowie Schnittstellen wie SPI, I²C, UART, USB und GPIO. Und ja, die Hardware basiert auf einem auch beim Raspi Zero verbauten Chip.
(Bild: m5stack)
Interessant ist daran hauptsächlich die Richtung: Weg vom reinen Gadget, hin zu einem wirklich mobilen „Arbeitsgerät“ für Leute, die gern direkt am Gerät tippen, testen und schrauben. Wenn M5Stack die Versprechen halbwegs einlöst, könnte das ein ziemlich cooles Werkzeug für Feldtests, Mini-Terminals, Off-Grid-Kommunikation oder einfach für unterwegs „Rumnerden“ werden. Laut M5Stack befindet sich das Projekt derzeit noch in der Vorstartphase; der Kickstarter ist für Mitte bis Ende Mai 2026 angekündigt, mit Early-Bird-Preisen von 59 US-Dollar für die Lite-Version und 89 US-Dollar für die reguläre Variante.
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Foto rein, Figur raus: Wie KI den 3D-Druck demokratisiert
Von Heise — 27. April 2026 um 14:42
(Bild: hyper3d.ai)
Mit einem einzigen Handyfoto zur fertigen Figur aus dem 3D-Drucker: Mehrere neue KI-Tools machen aufwändiges 3D-Modellieren für viele Projekte überflüssig.
Jeder Maker, der einen 3D-Drucker besitzt, kennt das Problem. Die Hardware ist längst bezahlbar, aber um eigene Objekte zu drucken, muss man bisher 3D-Modellierung beherrschen. Programme wie Blender, Fusion 360 oder FreeCAD haben steile Lernkurven, verlangen räumliches Denken in Polygonen und Vertices, und selbst nach wochenlanger Einarbeitung gelingen Anfängern selten druckbare Ergebnisse. Deshalb drucken viele Maker nur heruntergeladene Modelle von Thingiverse oder Printables, statt eigene Ideen umzusetzen. Diese Hürde fällt gerade weg. Mehrere KI-Werkzeuge erzeugen inzwischen aus einem einzelnen Foto oder eine, kurzen Prompt dreidimensionale Meshes, die sich direkt als STL oder OBJ exportieren und auf den Drucker schicken lassen.
Konkret sieht das so aus: Man nimmt ein beliebiges Foto, etwa von der eigenen Hauskatze, lädt das Bild in Tripo oder Hunyuan3D Studio hoch und bekommt Sekunden später ein texturiertes 3D-Modell mit Rückseite, Unterseite und allem, was die Kamera nie gesehen hat. Die KI ergänzt die fehlenden Perspektiven plausibel.
Rasante Entwicklung seit 2024
Der erste nutzbare Durchbruch in diesem Bereich kam im März 2024, als TripoSR präsentiert wurde [1]. Ein Jahr später, im März 2025, haben wir das Tool Rodin von Hyper3D getestet [2] (hyper3d.ai). Seitdem hat sich das Feld in rasantem Tempo weiterentwickelt. Die Qualität, Geschwindigkeit und Zugänglichkeit dieser Werkzeuge haben sich drastisch verbessert. Inzwischen gibt es ein ganzes Ökosystem an Diensten, die um Nutzer konkurrieren.
Einer der sichtbarsten Player ist Tripo [3], entwickelt vom chinesischen KI-Startup VAST. Auf der GDC (Game Developers Conference) im März 2026 in San Francisco wurde ein Modell vorgestellt, das 3D-Objekte in rund zwei Sekunden erzeugt und ein Ergebnis mit weniger Artefakten liefert. Tripo bedient über 6,5 Millionen Nutzer und bietet ein Freemium-Modell mit begrenztem Kontingent.
Ein wachsendes Ökosystem
Daneben drängen weitere Dienste in den Markt. Meshy, [4] mittlerweile Version 6, richtet sich gezielt an den 3D-Druck, PrintPal [5] hat in seinem ersten Jahr 200.000 Nutzer gewonnen, Hyper3D [6] bietet mit Rodin Gen-2 die Möglichkeit, generierte Modelle gezielt per Textbefehl nachzubearbeiten, und Hitem3D [7] punktet mit einem eigenen Portrait-Modus für personalisierte Büsten und Figuren.
Auf der Open-Source-Seite sticht Tencents Hunyuan3D [8] heraus. Es ist das derzeit leistungsfähigste frei verfügbare Modell und läuft lokal auf dem eigenen Rechner ab einer Grafikkarte mit 12 GB Speicher. Allerdings setzt die Nutzung eine Python-Installation voraus, und Tencents Online-Studio ist nur auf Chinesisch und mit chinesischem Login zugänglich.
Außer PrintPal und Meshy sind alle hier erwähnten Dienstleister chinesische Unternehmen.
Begrenzung bei funktionalen Bauteilen
Für Maker bleiben allerdings wichtige Einschränkungen. Die generierten Meshes bestehen aus Hunderttausenden Dreiecken ohne saubere Topologie. Für dekorative Figuren, Spielzeug und einfache Ersatzteile funktioniert der Weg vom Foto zum Drucker deshalb schon erstaunlich gut. Aber die Modelle entstehen als Oberflächennetze ohne parametrische Konstruktionslogik — eine Wand ist nicht „2 mm dick“, sondern besteht aus Dreiecken, die nur ungefähr 2 mm Abstand haben.
Zwar lassen sich in Tools wie Meshy reale Maße setzen und die Druckbarkeit direkt prüfen, und bei Hitem3D ist die Optimierung für den Druck von Anfang an eingebaut, aber für wirklich funktionale Bauteile, die exakt auf bestehende Teile passen oder mechanische Belastungen aushalten müssen, bleibt klassische Konstruktionssoftware unverzichtbar.
Für einfachere Bauteile gibt es einen anderen Weg über PrintMakerAI [9]. Hier werden aus einem Prompt keine Meshes, sondern echte parametrische CAD-Körper mit exakten Maßen und garantiert wasserdichter Geometrie erzeugt — allerdings beschränkt auf einfache funktionale Teile wie Halterungen, Gehäuse oder Aufbewahrungsboxen.
(Bild: Printmaker.ai)
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Framework Laptop 13 Pro: Ubuntu-Option und neue Hardware-Details
Von Heise — 22. April 2026 um 17:55
(Bild: Framework)
Interessierte können den Framework Laptop 13 Pro vorbestellen. Die Intel-Versionen sind deutlich attraktiver als die AMD-Varianten.
Framework nimmt wie versprochen Vorbestellungen für den Laptop 13 Pro entgegen. Damit stehen jetzt auch alle Konfigurationen und Preise fest. Der offizielle Store hält eine Überraschung bereit: Die Versionen mit Intel-Prozessor sind günstiger und voraussichtlich flotter als die AMD-Typen. Aktuelle Bestellungen will Framework ab Juli ausliefern.
Die sogenannte DIY-Edition ohne Speicher und Betriebssystem ist mit Intels Achtkerner Core Ultra 5 325 [1] ab 1349 Euro erhältlich [2]. Die günstigste AMD-Version mit dem ebenfalls achtkernigen Ryzen AI 7 350 gibt es ab 1579 Euro. Bei einer mittleren Konfigurationliegt die Differenz bei 60 Euro: Für die Variante mit dem 16-Kerner Core Ultra X7 358H ruft der Hersteller 1799 Euro auf, für jene mit dem 12-Kerner Ryzen AI 9 HX 370 sind es 1859 Euro.
Vom Topmodell mit Core Ultra X9 388H ist aus Preis-Leistungs-Sicht abzuraten: Die CPU-Kerne takten etwas höher, dafür kostet die Konfiguration 230 Euro mehr. Aktuell ist sie auch nicht verfügbar.
LPCAMM2 nur mit Core Ultra
Die Preise sind nicht der einzige Unterschied zwischen den AMD- und Intel-Notebooks. Framework setzt ausschließlich beim Intel-Mainboard auf ein stromsparendes und schnelles Low Power Compression Attached Memory Module 2 (LPCAMM2) für LPDDR5X-7467-RAM. AMD-Nutzer müssen mit langsamerem DDR5-5600-RAM in SO-DIMM-Bauform vorliebnehmen. Ein LPCAMM2 mit 32 GByte RAM kostet 490 Euro. 32 GByte DDR5 kosten wahlweise 524 Euro auf zwei SO-DIMMs verteilt oder 452 Euro als einzelnes SO-DIMM.
Wie üblich verkauft Framework auch komplette Notebooks mit RAM, SSD und Betriebssystem. Aktuell bietet der Hersteller eine Intel-Konfiguration mit Core Ultra X7 358H, 32 GByte RAM und einer 1 TByte großen PCIe-4.0-SSD an.
Jetzt auch mit Ubuntu vorinstalliert
Erstmals installiert Framework auf Wunsch ein Linux-Betriebssystem in Form von Ubuntu 24.04 LTS. Damit kostet die Komplett-Konfiguration 2369 Euro. Wer auf Windows 11 Pro besteht, muss 220 Euro Aufpreis zahlen.
Die gewünschten Anschlüsse kommen obendrauf. USB-C für Thunderbolt 4 etwa kostet jeweils 10 Euro. Neu ist ein 10-Gigabit-Ethernet-Adapter für 109 Euro.
Alle DIY- und Komplett-Konfigurationen des Laptop 13 Pro sind derzeit ausschließlich mit schwarzem Gehäuse vorbestellbar. Einzelteile und Nachrüstsätze erscheinen auch mit silberfarbenen Gehäuseteilen [3]; entsprechende Konfigurationen könnten also noch folgen.
Upgrade-Teile
Wer einen bisherigen Framework Laptop 13 besitzt, kann künftig die verbesserten Komponenten der Pro-Version [4] nachrüsten. Der Hersteller bietet dazu Einzelteile und Kits an. Der größere Akku erfordert auch die neue Gehäuse-Unterseite und den neuen „Input Cover Frame“. Mainboards mit den Core-Ultra-300-Prozessoren listet Framework noch nicht.
Auch der Framework Laptop 13 Pro bleibt reparierfreudig. Alte Modelle lassen sich aufrüsten.
(Bild: Framework)
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Der OrangePi Zero 3W kombiniert Octa-Core-CPU, NPU und Wi-Fi 6 auf kleinem Raum. Das ist spannend für kompakte Maker-Projekte.
Mit dem OrangePi Zero 3W [1] bringt Orange Pi einen neuen Einplatinenrechner heraus, der sich klar an Maker und Embedded-Entwickler richtet.
Im Zentrum arbeitet der Allwinner A733, ein Achtkern-SoC mit zwei Cortex-A76-Kernen (bis 2,0 GHz) und sechs energieeffizienten Cortex-A55-Kernen. Ergänzt wird das Ganze durch eine integrierte NPU mit bis zu 3 TOPS Rechenleistung für KI-Anwendungen sowie einen zusätzlichen RISC-V-Coprozessor für Echtzeitaufgaben. Für Maker bedeutet das: Neben klassischen Linux-Anwendungen lassen sich auch lokale KI-Inferenz oder zeitkritische Steuerungen direkt auf dem Board umsetzen.
Beim Arbeitsspeicher setzt das Board auf LPDDR5 mit bis zu 16 GByte. Beim Speicher zeigt sich das Board flexibel: Neben optionalem eMMC oder UFS-Modulen steht ein microSD-Kartenslot zur Verfügung.
Anschlüsse für komplexe Setups
Für die Konnektivität gibt es Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.4, optional mit externer Antenne. Damit eignet sich das Board auch für IoT-Anwendungen oder als Edge-Gateway. Dazu kommen klassische Maker-Schnittstellen über eine 40-Pin-GPIO-Leiste mit Unterstützung für SPI, I2C, UART und PWM – also alles, was man für Sensoren, Bildschirme oder Aktoren benötigt.
Interessant ist auch die Videoausgabe: Neben Mini-HDMI (bis 4K@60fps) unterstützt das Board DisplayPort über USB-C sowie MIPI-DSI. Zwei unabhängige Displays lassen sich gleichzeitig ansteuern. Das eröffnet Einsatzmöglichkeiten für kompakte Multimonitor-Setups oder Systeme wie Infoterminals.
Auch für Kamera-Projekte stehen Anschlüsse bereit. Zwei MIPI-CSI-Schnittstellen ermöglichen den Anschluss von Kameramodulen, etwa für Bildverarbeitung oder Überwachungslösungen. In Kombination mit der integrierten NPU lassen sich hier auch KI-gestützte Anwendungen wie Objekterkennung direkt auf dem Gerät realisieren.
Als Betriebssysteme werden unter anderem Debian, Ubuntu, Android und OpenHarmony unterstützt. Zusätzlich nennt der Hersteller Kompatibilität mit gängigen KI-Frameworks wie TensorFlow oder PyTorch. Damit deckt das Board sowohl klassische Bastelprojekte als auch moderne KI-Anwendungen ab – zumindest auf dem Papier. Wie gut die Softwareunterstützung im Alltag wirklich ist, wird sich wie so oft erst zeigen, wenn die Community das Board durch die Mangel gedreht hat.
Mit PCIe 3.0 (über FPC) steht zudem eine schnelle Erweiterungsmöglichkeit bereit, etwa für SSDs oder spezialisierte Module. Das ist in dieser Größenklasse keine Selbstverständlichkeit und könnte für Bastler spannend sein, die mehr als nur Standard-I/O benötigen.
Für Maker ergeben sich daraus einige typische Einsatzszenarien: kompakte Smart-Home-Zentralen, lokale KI-Auswertung von Sensordaten, kleine Server oder auch portable Geräte mit Display. Durch die geringe Größe könnte das Board auch in mobilen Projekten oder selbstgebauten Handhelds landen. Das Board fällt mit seinen Abmessungen von 65 × 32 mm kompakt aus und dürfte damit auch in Projekten Platz finden, bei denen ein Raspberry Pi zu groß ist.
Erhältlich ist das Board auf Amazon für 73,99 US-Dollar [2]. Dort bekommt man auch direkt einen aktiven Kühler mit dazu.
Der Slicer spielt eine zentrale Rolle im 3D-Druck-Workflow. OrcaSlicer gewinnt zunehmend an Bedeutung und erweitert seinen Funktionsumfang stetig.
OrcaSlicer veröffentlicht seine Updates üblicherweise in so hoher Frequenz, sodass man sich daran gewöhnt hat, dass nicht immer „Killer-Features“ enthalten sind. In der neuen Version 2.3.2 hat sich jedoch einiges geändert und wurde ergänzt.
Hinweis: Es gibt einige inoffizielle Webseiten, die OrcaSlicer anbieten – die oben verlinkte Seite ist die offizielle Quelle. Lade dir den Installer herunter oder nutze die portable Version, falls du die alte Installation behalten möchtest oder musst.
Hier die wichtigsten Neuerungen im Überblick
Verbessertes Multi-Line-Infill
Saubere und stabile Infills auch mit Multi-Line-Infill.
Die Flussrate lässt sich jetzt pro Feature statt nur pro Filament einstellen – etwa eine andere Flow-Rate für Infill als für Wände. Die Option findest du unter „Set other flow ratios“ im Quality-Tab.
Feintuning der Flowrate in allen Bereichen eines Druckobjekts.
(Bild: OrcaSlicer)
Brim mit besserer Elephant-Foot-Compensation
Das Brim arbeitet nun zuverlässiger mit der „Elephant Foot Compensation“ zusammen. Sich ablösende, kaum nutzbringende Brims gehören damit weitgehend der Vergangenheit an. Elephant-Foot-Compensation verhindert die Überextrusion des ersten Layers auf dem Druckbett. Dieser Faktor wird nun bei der Erzeugung von Brims einberechnet.
Endlich keine sich selbst lösenden Brims mehr.
(Bild: OrcaSlicer)
Auto-Slice nach Änderungen
Unter Preferences Control Slicing lässt sich „Auto slice after changes“ aktivieren. Die Wartezeit ist anpassbar, sodass man mehrere Änderungen vornehmen kann, bevor der Slicer loslegt. Da ein laufender Slicing-Vorgang aber bei neuen Parametern abgebrochen und neu gestartet wird, ist es auf schnellen Rechnern kaum nötig, den Wert hochzusetzen. Ein Feature, das ich lange vermisst habe, seit ich vom PrusaSlicer gewechselt bin.
Überarbeiteter Drucker-Tab
Der Drucker-Tab ist jetzt grafischer und übersichtlicher. Der Düsendurchmesser lässt sich jetzt getrennt vom Drucker einstellen.
Grafisch aufbereite und übersichtlich angeordnete Druckerauswahl.
Instanzieren statt nur Clonen
Statt eigenständiger Kopien (Clones) lassen sich Objekte jetzt auch als „Instances“ vervielfältigen. Ändert man eine Instanz, folgen die anderen automatisch – sei es bei Filament-Zuordnungen für Multifilament-Druck oder anderen Einstellungen. Das spart auch beim Slicing Zeit, da nur eine Instanz berechnet werden muss. Die Anzahl der Instanzen ist einstellbar, oder man füllt direkt das ganze Druckbett.
Zusätzlich werden inzwischen Kollisionen zwischen (besonders Instanzierten Objekten) besser erkannt und so behandelt, dass keine Fehldrucke entstehen.
Verbesserter Wipe Tower (Multimaterial-Druck)
Für farbige bzw. aus mehreren Filamentsorten zusammengesetzte Drucke auf Materialwechslern und Toolchangern wurden die Wipe-Tower-Verbesserungen aus Bambu Studio zu Orca portiert:
Stabilere Wipe Tower ergeben weniger Fehldrucke durch einstürzende Wipetower
Bessere Layerhaftung durch smarteres Vorheizen und Kühlen der Düse beim Filamentwechsel
Höhere Druckgeschwindigkeit
Die Einstellungen müssen in den jeweiligen Druckprofilen aktiviert werden:
Multimaterial -> Prime Tower -> Enable tower interface features
Cool down from interface boost during prime tower
Die Art des Wipe Towers lässt sich inzwischen auch direkt im Druckerprofil auswählen.
Verbesserte Kalibrierung
Wer das Beste aus seinen Druckern und Filamenten herausholen möchte, sollte beides kalibrieren. In Version 2.3.2 sind die Kalibrierungs-Tools jetzt in der richtigen Reihenfolge im Menü sortiert. Außerdem werden die Firmwares für Input Shaper, Cornering/Jerk erkannt und entsprechend ausgewählt.
Mehr Materialwechsler & Toolheads unterstützt
Im Drucker-Konfigurator werden nun zusätzliche Materialwechsel-Einheiten und Toolheads unterstützt. Diese lassen sich direkt aus dem Slicer steuern, und die Filamentbelegung der Toolheads ist interaktiv anpassbar. Dies ist noch als experimentell markiert, da es sich teilweise um schlecht dokumentierte Hardware handelt und die Hersteller natürlich eher ihr Ökosystem unterstützen.
Unterstützung für neuere Bambu-Lab-Drucker
Orca 2.3.2 unterstützt jetzt auch die neueren Bambu-Lab-Modelle wie H2D (Pro) und H2S. Außerdem gibt es weitere spezielle Verbesserungen für Bambulab-Nutzer.
Weitere Informationen
Viele zusätzliche Änderungen und Verbesserungen mit Beispielbildern findet man im ausführlichen Changelog: OrcaSlicer 2.3.2 Beta Changelog [6]
Umweltkosten durch Vibe Coding: Tool berechnet CO₂-Ausstoß für Claude Code
Von Heise — 20. April 2026 um 17:41
Die Buchstaben AI umfliegen Haken und Warndreiecke.
(Bild: tadamichi/Shutterstock.com)
Ein neues Tool berechnet den CO₂-Ausstoß von Claude-Code-Sessions. Laut dem Autor hat sich dabei gezeigt, wie man ihn um bis zu 70% senken kann.
Um die Umweltkosten durch die tägliche Nutzung von Claude Code greifbar zu machen, hat ein Entwickler ein Werkzeug gebaut, das den CO₂-Ausstoß für jede Sitzung berechnet und in Echtzeit in der Statuszeile anzeigt.
Der Programmierer arbeitet nach eigenen Angaben als Wirtschaftsberater, spezialisiert auf die Berechnung von Treibhausgasemissionen für große Unternehmen. Bei seiner täglichen Arbeit mit Claude Code kam ihm irgendwann sein eigener sorgloser Umgang mit generativer KI zuwiderlaufend vor.
Seine Antwort ist Claude-Carbon [1], ein auf Bash und SQLite basierendes Tool, das sich nahtlos in die Claude-Code-Umgebung integriert und die CO₂-Emissionen pro Sitzung in der Statuszeile neben den Kosten anzeigt.
(Bild: Claude-Carbon)
Eine Tonne CO₂ pro Jahr – nur durchs Vibecoding
Über vier Monate und 367 Sessions hinweg maß der Entwickler etwa 215 kg CO₂-Äquivalente – was er auf ungefähr eine Tonne pro Jahr hochgerechnet hat. Das entspricht einem Hin- und Rückflug zwischen Paris und New York, allein durch die tägliche Nutzung von KI-Code-Tools verursacht, schreibt er in einem Blogpost. [2]
Die Berechnung beschränkt sich dabei auf die sogenannte Inferenz, also die Energie, die in Rechenzentren verbraucht wird, wenn das Modell die Prompts verarbeitet und Antworten bereitstellt. Training, Hardware-Herstellung, Kühlung und Rechenzentren-Konstruktion sind nicht inbegriffen – der echte Lebenszyklus-Fußabdruck ist also noch höher.
Wachsende Auswahl an CO₂-Rechnern für KI-Nutzung
Claude-Carbon unterscheidet sich grundlegend von bestehenden Werkzeugen wie CodeCarbon [3]oder EcoLogits. Während CodeCarbon lokale Hardware-Ressourcen misst und sich nicht für Remote-API-Calls eignet, und EcoLogits als generische Python-Bibliothek fungiert, die API-Responses verschiedenster Anbieter abfängt, ist Claude-Carbon speziell für Claude Code entwickelt worden. Das Tool nutzt native Hooks und Settings der Claude-Code-Umgebung selbst. Es speichert alle Daten lokal in einer SQLite-Datenbank, kann historische Sessions nachträglich analysieren und generiert sogar PNG-Reportkarten für Social Media.
Der CodeCarbon Dashboard
(Bild: codecarbon.io)
Der Autor betont, dass die Werte Schätzungen sind und keine präzisen Messungen. Anthropic veröffentlicht nämlich keine modellspezifischen Energiedaten. Die Faktoren für Sonnet stammen aus einer 2025er Studie (Jegham et al.) [4] über LLM-Inference-Energieverbrauch. Die Werte für Opus und Haiku sind Extrapolationen. Opus wird mit dem Faktor 3× Sonnet berechnet, Haiku mit 0,5× Sonnet.
Auch die CO₂-Intensität basiert auf US-Durchschnittswerten, nicht auf echten regionalen oder tageszeit-spezifischen Daten. Trotz dieser Unsicherheiten ist das Tool wertvoll für ein Größenordnungs-Bewusstsein – nur eben nicht für formale Treibhausgasbilanzen, so der Autor.
Richtige Modellwahl spart CO₂ und Tokens
Durch die eigene Nutzung des Tools hat der Entwickler einige Einsichten gewonnen, wie sich der Verbrauch ohne Effizienzverlust senken lässt. Der größte Hebel zur Reduktion liegt in der Modellwahl. Opus verbraucht etwa dreimal so viele Token wie Sonnet, Haiku könnte gegenüber Sonnet bis zu 80 Prozent einsparen. Für Aufgaben wie File-Exploration oder Code-Review lohnt sich daher Haiku. Darüber hinaus können Werkzeuge wie RTK (Rust Token Killer) 60–90 Prozent der CLI-Token-Ausgabe herausfiltern, ohne dass die Qualität leidet.
Weiter lässt sich Thinking-Tokens auf 10.000 pro Message deckeln, was eine Reduktion um etwa 70 Prozent ermöglicht. Früheres Context-Compacting bei 50 statt 95 Prozent Auslastung hält Sessions schlanker.
Insgesamt lassen sich durch diese Maßnahmen die Emissionen von Claude-Code-Sessions um 50–70 Prozent reduzieren – von rund einer Tonne CO₂ pro Jahr auf 0,3–0,5 Tonnen.
KI-Anbieter halten sich mit Energiedaten bedeckt
Der Ersteller betont zudem, dass das Tool ein fundamentales Problem in den Fokus rückt: Anthropic veröffentlicht keine modellspezifischen Energiedaten. Google hatte im August 2025 als erster großer KI-Anbieter Per-Prompt-Daten für sein Gemini-Modell offengelegt [5] (0,24 Wh, 0,03 Gramm CO₂ pro Median-Anfrage). Anthropic – ebenso wie OpenAI – hält sich weiterhin bedeckt. Diese Transparenzlücke zu schließen, argumentiert er, wäre ein wichtiger Schritt, um KI-Nutzung wirklich nachhaltig zu gestalten.
Claude-Carbon [6] ist open source und läuft auf macOS ohne zusätzliche Installation.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11264352
Links in diesem Artikel: [1] https://github.com/gwittebolle/claude-carbon [2] https://dev.to/gwittebolle/how-i-measured-1-tonne-of-co2-from-my-ai-coding-sessions-3b3d [3] https://codecarbon.io/#about [4] http://arxiv.org/abs/2505.09598 [5] https://cloud.google.com/blog/products/infrastructure/measuring-the-environmental-impact-of-ai-inference?hl=en [6] https://github.com/gwittebolle/claude-carbon [7] mailto:mch@make-magazin.de
Mit integriertem Display und Tastatur wird der Raspberry Pi zum mobilen Linux-Terminal für Maker.
Mit dem PocketTerm35 bringt Waveshare ein tragbares Linux-Terminal auf den Markt, das für den Einsatz mit dem Raspberry Pi 4 Model B und dem Raspberry Pi 5 vorgesehen ist. Das Gerät kombiniert Display, Tastatur und Stromversorgung.
Die Abmessungen des Handhelds betragen 93,5 × 168,5 × 37 mm. Verbaut ist ein 3,5-Zoll-IPS-Touchdisplay mit einer Auflösung von 640 × 480 Pixeln. Ergänzt wird das Display durch eine 67-Tasten-QWERTY-Tastatur (QWERTY entspricht dem US-Layout, deutsche Tastaturen haben ein „QWERTZ“-Layout. Umlaute fehlen und Satzzeichen sind anders verteilt) aus Silikon. Das reicht für Terminalbefehle, kleinere Code-Anpassungen oder das schnelle Editieren von Konfigurationsdateien. Wer längere Texte schreiben will, wird trotzdem vermutlich irgendwann wieder zur „großen“ Tastatur greifen (oder zumindest hoffen, dass die Autokorrektur gut funktioniert).
Im Inneren arbeitet ein Raspberry Pi – je nach Variante entweder ein Pi 4B mit 2 GB RAM oder ein Pi 5 mit 1 GB RAM. Alternativ gibt es auch Bausätze ohne Board, bei denen man dann den eigenen Pi 5 mit 16 GB RAM aus dem Tresor holen kann. Für die Steuerung von Peripherie wie Tastatur, Helligkeit oder Lautstärke ist zusätzlich ein RP2040-Mikrocontroller integriert. Das ist ein interessanter Ansatz, da sich so Eingaben und Systemfunktionen unabhängig vom Hauptsystem regeln lassen.
Das Gerät versteht sich als vollwertiges Linux-Terminal. Über HDMI wird das Display angebunden, während Touch-Eingaben per I2C laufen. Für Audio steht ein integrierter 2-Watt-Lautsprecher zur Verfügung, zusätzlich gibt es einen 3,5-mm-Klinkenanschluss. Die Stromversorgung erfolgt über USB-C oder eine optionale 5000-mAh-Lithiumbatterie. Dank integriertem UPS-Management kann das System nahtlos zwischen externer Stromquelle und Akku wechseln.
Einsatzszenarien für Maker
Für Maker ergeben sich daraus einige konkrete Einsatzszenarien. Das PocketTerm35 eignet sich etwa als mobiles Terminal für Headless-Systeme: Statt Laptop und Adapter mitzuschleppen, kann man direkt am Gerät auf einen Raspberry Pi zugreifen, Logs prüfen oder Dienste starten. Auch für IoT-Projekte lässt sich das Gerät als Steuer- und Diagnoseeinheit verwenden, etwa um Sensorwerte auszulesen oder Aktoren zu konfigurieren.
Neben klassischen Terminal-Anwendungen unterstützt das Gerät auch grafische Oberflächen sowie Systeme wie RetroPie. Damit lässt sich das PocketTerm35 theoretisch auch als Retro-Handheld verwenden.
Die Konstruktion kombiniert eine CNC-gefräste Aluminium-Front mit einer Kunststoffrückseite. Verschiedene Schnittstellen und Adapter liegen je nach Variante bei, darunter HDMI-Kabel, Montageplatten und Verbindungskabel für den Raspberry Pi.
Unterm Strich positioniert sich das PocketTerm35 zwischen Bastelprojekt und fertigem Werkzeug. Es ersetzt keinen Laptop, kann aber in vielen Situationen ein praktischer Begleiter sein. Vor allem dort, wo Platz, Gewicht oder Aufbauzeit eine Rolle spielen.
Erhältlich ist der Handheld im Waveshare-Shop [1] für 179,99 US-Dollar in der Pi-4-Variante und 148,99 in der Pi-5-Version. Die Bare-Bones-Versionen sind noch nicht erhältlich.