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Gleiche Packung, weniger drin – und Sie zahlen sogar mehr

Von Telepolis — 23. Mai 2026 um 14:00
Zwei Packungen Schokoladenflocken mit Streifenmuster.

Zwei Packungen Schokoladenflocken, eine mit 300g und eine mit 200g Inhalt.

(Bild: Petrusja / Shutterstock.com)

Milka, Dr. Oetker, Kölln: Hersteller schrumpfen Packungen – und erhöhen gleichzeitig die Preise. Ein Gericht hat das nun bewertet.

In Tafeln der Marke Milka stecken seit einiger Zeit nur noch 90 Gramm statt 100 Gramm. Die Verpackung hat sich kaum verändert. Die Tafel hat zwar die gleiche Größe, ist aber dünner als vorher. Zwar sei die Änderung gekennzeichnet, aber nicht deutlich genug, so lautete kürzlich ein Urteil des Landgerichts Bremen [1] (Az. 12 O 118/25). Die Verbraucherzentrale Hamburg [2] hatte zuvor dem Hersteller Täuschung der Kunden vorgeworfen.

Der Hinweis auf das geringere Gewicht gehe im Gesamtbild der bunten Verpackung unter, kritisieren die Verbraucherschützer. Die Angabe der Füllmenge auf der Verpackung sei schwer zu erkennen.

Auf der Vorderseite stehe klein "90 g" – doch im Supermarktregal sei das oft nicht erkennbar. Ein deutlicherer Hinweis auf der Verpackung sei nötig – zumindest in den ersten vier Monaten nach der Umstellung. Der habe hier gefehlt.

Ein rechtskräftiges Urteil hätte Signalwirkung

Im Fall der Milka-Tafel bringt ein solcher Hinweis ein Jahr nach der Umstellung auf kleinere Tafeln zwar nichts mehr, er könnte aber in Zukunft bedeutend sein, denn solche Fälle können sich jederzeit wiederholen.

Unternehmen könnten bestehende Lücken gezielt nutzen. In anderen europäischen Ländern sei man zum Teil schon weiter. Deutschland hinke hinterher, kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg. Hersteller sollten verpflichtet werden, deutlich auf geringere Füllmengen hinzuweisen – mit einem klaren Hinweis auf Verpackungen, der für mehrere Monate sichtbar sein soll, so die Forderung.

Unterdessen kündigte Mondelez an, das Gerichtsurteil genau zu prüfen. Das Gewicht auf der Verpackung sei klar erkennbar – sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite, so die Begründung. Solange das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, könnte der Schokoladenhersteller noch Berufung einlegen.

Geschrumpfte Margarine von Upfield

Anfang 2025 hatte Mondelez den Preis für die Tafel Milka Alpenmilch von 1,49 Euro auf 1,99 Euro [3] erhöht. Der Inhalt wurde dafür von 100 auf 90 Gramm verringert. Dies entspricht einer Preissteigerung von 48 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren die Schokoladenpreise zwischen Anfang 2024 und 2025 um rund acht Prozent gestiegen – Mondelez hatte im selben Zeitraum die Preise um bis zu 64 Prozent erhöht.

Das Unternehmen rechtfertigte die Verteuerung mit dem Verweis auf die Kakaopreise und massiv gestiegene Kosten in der gesamten Lieferkette. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben "wohlüberlegte Maßnahmen" umgesetzt werden müssen.

Das Unternehmen Upfield führt durch Umstellung seines Streichfettes Sanella Verbraucher in die Irre, so lautete ein Urteil des Landgerichts Hamburg [4] von 2024 (Az. 406 HKO 121/22), nach einer Klage der Verbraucherzentrale [5]. Der Lebensmittelkonzern hatte die Füllmenge des Produkts von 500 auf 400 Gramm pro Becher reduziert, während die Verpackung unverändert blieb. Kunden mussten dadurch bei gleichem Verkaufspreis im Handel unterm Strich 25 Prozent mehr für das Streichfett bezahlen.

Zwei Jahre zuvor hatte Upfield bei seinen Marken Rama, Lätta und Becel die Füllmengen reduziert. Bei der Verbraucherzentrale waren damals hunderte Beschwerden zu den betroffenen Produkten eingegangen. Vielen Menschen ging es vor allem um die Folgen für die Umwelt. So wurden für tausende Tonnen Streichfett aufgrund geringerer Füllmenge eine halbe Million Plastikbecher mehr benötigt.

Shrinkflation bei Dr. Oetker

Was andere Unternehmen können, kann Dr. Oetker schon lange. Immerhin weist der Konzern auf die Reduzierung der Füllmengen im grünen Kasten direkt auf den Verpackungen hin, mit "Weniger Inhalt. Unveränderte Qualität" – und ist somit transparenter als bei den meisten anderen Herstellern. Allerdings wurde die reduzierte Menge nicht angegeben.

So wurde bei den großen Fruchtgrützen im Sortiment "Löffelglück" [6], das Gewicht von 500 auf 400 Gramm reduziert – bei gleichem Preis. Beim Vitalis Müsli reduzierte sich die Füllmenge von 600 auf 400 Gramm. Auch die Käse-Streusel-Backmischung [7] schrumpfte um fast die Hälfte (von 730 auf 370 Gramm), bei minimal gesenktem Preis.

Beim Instant-Schokopudding [8] steht sogar ein Hinweis auf grünem Balken: "Ein Beutel weniger – unveränderte Qualität."

Kölln geht in die "Transparenzoffensive"

Aus der bisherigen Vorratspackung macht die Peter Kölln GmbH & Co. KGaA einen XXL-Pack – und reduziert dabei deutlich den Inhalt seines Schoko Hafer-Müslis [9]. Statt der bisherigen 1.700 Gramm enthält die neue Packung nur noch 1.050 Gramm. Zwar sinkt der Verkaufspreis im Handel häufig von 9,99 Euro auf 7,99 Euro.

Doch unterm Strich zahlen Verbraucher trotzdem mehr. Der Verbraucherzentrale zufolge steigt der Preis für das Produkt um rund 30 Prozent.

Kurz zuvor hatte das Unternehmen Mengenänderungen bei anderen Produkten beworben. Auch hier prangte auf mehreren Müsli-Sorten der Hinweis: "Weniger Inhalt. Gleiche Qualität."

Damit wollte das Unternehmen auf gestiegene Rohstoffpreise – insbesondere bei Kakao – reagieren. Doch bei der deutlich geschrumpften XXL-Packung fehlt ein solcher Hinweis, bemängelt die Verbraucherzentrale.

Begründung der Hersteller: erhöhte Rohstoffpreise und Lebensmittelverschwendung

Man habe mit den angespannten Rohstoffmärkten oder Preiserhöhungen entlang der Wertschöpfungskette zu kämpfen [10]sowie mit gestiegenen Logistikkosten, begründen die Unternehmen die Produktänderungen.

Tatsächlich sind die Kakaopreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Doch wie teuer die Preise wirklich waren im Vergleich zu vorher, bleibt unklar.

In einer Stellungnahme [11] von Kölln wird argumentiert, der neue XXL Pack würde "den Bedarf moderner Haushalte" besser treffen. Zudem verringere sich "das Risiko von Lebensmittelverschwendung" – Argumente, die kaum überzeugen.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale dient die Preisumstellung dazu, eine Preiserhöhung besonders kreativ zu kaschieren.

Skimpflation: Wenn sich mit billigen Zutaten die Rezeptur ändert

Wer bewusst zu einem Produkt greift – etwa wegen bestimmter Zutaten oder einer vertrauten Qualität – verlässt sich darauf, dass sich an der Rezeptur nichts Wesentliches ändert.

Wer bemerkt schon, ob der Fruchtanteil von 20 auf 15 Prozent gesunken ist? Oder ob statt Butter plötzlich Palmfett verwendet wird? All das ist versteckt im Kleingedruckten der Zutatenliste.

Hochwertige Zutaten werden teilweise durch günstigere ersetzt – etwa mit Wasser, Zucker, Aromen oder Ersatzfetten. Verpackung, Marke und Preis bleiben meist unverändert.

Solche Änderungen sind zulässig, solange sie in der Zutatenliste korrekt deklariert sind. Doch wer prüft schon beim Einkauf genau die Zutatenlisten? Auch am Regal ist keine Information vorgesehen. So verschlechtert sich die Qualität [12], ohne dass es auffällt.

Vorsicht vor irreführenden Bezeichnungen!

Produktetiketten, die falsche Inhalte versprechen, sind weit verbreitet – wenn etwa ein reines Meerrettich-Senf-Gemisch als Wasabi-Paste oder Alaska-Seelachs ohne echten Lachs verkauft wird.

Wer hat nicht schon mal einen Erdbeerjoghurt ohne echte Früchte gegessen oder ein Vanilleeis, bestehend aus künstlichen Aromen, Zucker und pflanzlichen Fetten? Und wer beim Backen Schokoglasuren verwendet, hat bestimmt schon auf Fertigprodukte zurückgegriffen, die gar keine echte Schokolade enthalten, sondern vor allem pflanzliche Fette, Zucker und künstliche Aromen [13].

Die Verbraucherzentrale fordert konkrete gesetzliche Regelungen, um Verbraucher besser vor Füllmengen- und anderen Tricksereien zu schützen.

Beim Hinweis auf ausgetauschte oder reduzierte Zutaten geht Österreich einen ersten Schritt: Seit dem 1. April 2026 gilt hier eine Kennzeichnungspflicht gegen Shrinkflation [14]. Das heißt, künftig muss deutlich gekennzeichnet werden, wenn Produkte bei gleichem Preis weniger Inhalt enthalten.

Gewinner des Goldenen Windbeutels

Foodwatch verleiht jedes Jahr einen Preis an ein Unternehmen in der Lebensmittelindustrie als Dreisteste Werbelüge des Jahres [15]. Eine Kandidatin, die mit dem Goldenen Windbeutel [16] gekürt wurde, war die überteuerte Schrumpfschokolade von Milka (s. oben).

Auch die Rama-Margarine der Flora Food Group (ehemals Upfield), die mit dem Versprechen "100 Prozent natürliche Zutaten" beworben wurde – trotz industrieller Zusatzstoffe – war lediglich als Kandidatin für den Goldenen Windbeutel nominiert.

Als weiterer Kandidat war der Eistee Dirtea Glow [17], mit dem Rapperin Shirin David mit einem "Glow-Effekt für schöne Haut und Nägel" warb, ohne ihn wissenschaftlich zu belegen.

Ein weiterer Kandidat war Fish Tales Räucherlachs, der sich selbst zwar als "nachhaltig" ausweist, aber keine transparenten Aussagen zur Herkunft macht. Dafür fiel dessen Lachslieferant Grieg Seafood [18]unlängst durch Tierschutzprobleme auf.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11304932

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.landgericht.bremen.de/sixcms/media.php/13/PM%2035-26%20Urteil%20im%20Verfahren%20Verbraucherzentrale%20gegen%20Mondelez.pdf
  2. https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-verbraucherschutz-gerichtsurteil-gegen-milka-mogelpackung-100.html
  3. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/milka-schokolade-shrinkflation-goldener-windbeutel-100.html
  4. https://www.vzhh.de/presse/verbraucherzentrale-hamburg-klagt-erfolgreich-gegen-mogelpackung-sanella
  5. https://www.vzhh.de/themen/mogelpackungen/klage-gegen-mogelpackung-sanella-gewonnen
  6. https://www.oetker.de/anpassungen-loeffelglueck
  7. https://www.vzhh.de/themen/mogelpackungen/mogelpackung-des-monats/dr-oetker-so-ein-kaesekuchen
  8. https://www.vzhh.de/themen/mogelpackungen/viel-shrinkflation-bei-dr-oetker-diese-produkte-sind-betroffen
  9. https://www.vzhh.de/themen/mogelpackungen/mogelpackung-des-jahres/kandidat-3-xxl-schoko-hafer-muesli-von-koelln
  10. https://www.koelln.de/blogs/presse/weniger-inhalt-gleiche-qualitaet
  11. https://www.vzhh.de/sites/default/files/medien/171/dokumente/Stellungnahme_K%C3%B6lln_Vorratspack_Schoko-M%C3%BCsli_11082025_gesch_0.pdf
  12. https://www.foodwatch.org/at/skimpflation
  13. https://www.chip.de/news/supermaerkte-lebensmittel/sie-werden-getaeuscht-diese-beliebten-supermarkt-produkte-sind-echte-etiketten-luegen_adec7813-ca35-4a27-a012-2c0bf8c371cd.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
  14. https://www.wko.at/wettbewerbsrecht/anti-mogelpackungsgesetz-shrinkflation
  15. https://www.foodwatch.org/de/goldener-windbeutel-2025-verbraucherinnen-waehlen-dreisteste-werbeluege-des-jahres
  16. https://verbraucherschutzzentrale.be/goldener-windbeutel-2024-obsties-von-alete/
  17. https://www.foodwatch.org/fileadmin/-DE/Themen/Windbeutel/Dokumente/Factsheets_2025/Kandidat2_DirTea_Glow_final.pdf
  18. https://www.foodwatch.org/fileadmin/-DE/Themen/Windbeutel/Dokumente/Factsheets_2025/Kandidat1_Atlantischer_Norwegischer_R%C3%A4ucherlachs_final.pdf

Copyright © 2026 Heise Medien

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Der große Irrtum der KI-Eliten

Von Telepolis — 23. Mai 2026 um 12:00
Mensch und Maschine in einem Schaubild nebeneinander gestellt. Links die Maschine, ein Computer, in kaltem Blau, rechts ein Menschenkörper in orangem Licht

(Bild: KI-generierte Grafik)

Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.

Das Silicon Valley glaubt, der Mensch sei letztlich eine Maschine. Der Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Joachim Bauer hält das für einen folgenreichen Irrtum. Im Interview erklärt er, warum KI niemals Bewusstsein entwickeln wird, weshalb soziale Medien Menschen erschöpfen – und warum der Verlust realer Beziehungen gefährlich werden könnte.

Das naive Menschenbild des Silicon Valley

Herr Joachim Bauer, Larry Page erklärte einmal, die menschliche DNA umfasse nur "600 Megabyte komprimiert" und sei damit kleiner als moderne Betriebssysteme. In Ihrem neuen Buch "Menschlichkeit in digitalen Zeiten [1]" kritisieren Sie das Menschenbild des Silicon Valley scharf. Was verkennen die Tech-Eliten beim Blick auf das menschliche Gehirn?

Joachim Bauer: In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.

Die Annahme, dass unser Genom nur einen kleinen Informationssatz beinhalte, zeigt, wie unbedarft die Vorstellungen hier sind. Nur ein Beispiel: Als man die Teilung von einer Zelle in zwei Zellen digital zu simulieren versuchte, musste man die Rechenkraft eines Supercomputers über fünf Tage hinweg beanspruchen. Das betraf nur die Teilung einer einzigen Zelle!

Die Biologie eines Menschen, aber auch jedes anderen Lebewesens ist ungeheuer komplex. Die Variationen, in denen das Genom abgelesen wird und die Produkte, die aus dem Ablesen des Genoms folgen, stehen untereinander in dermaßen komplexen Wechselwirkungen, dass wir hier eine unglaublich viel komplexere Situation haben als das, was sich der Silicon Valley unter Biologie vorstellt.

Mit anderen Worten: Die Vorstellungen des Silicon Valley über die Biologie im Allgemeinen und über die Biologie des Menschen im Besonderen sind von unglaublicher Naivität und Unkenntnis.

Denken braucht einen Körper

Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio spricht von "Descartes’ Irrtum" und betont, dass Geist und Körper untrennbar zusammengehören. Sie schreiben ähnlich: "Es gibt kein Denken und kein Fühlen ohne den Körper." Warum hält das Silicon Valley dennoch an der Vorstellung fest, Bewusstsein sei letztlich nur Informationsverarbeitung?

Joachim Bauer: Eine maßgebliche Stimme im Silicon Valley ist Ray Kurzweil, ein persönlich nobler Mann. Er vertritt jedoch eine völlig technizistische Sicht auf den menschlichen Körper. Dem Silicon Valley zufolge basieren Bewusstsein und Intelligenz ausschließlich auf Informationsverarbeitung. Bewusstsein lässt sich aber nicht durch verdichtete Rechenleistungen herstellen.

Deswegen werden Computer mit künstlicher Intelligenz niemals, auch bei weiterem Skalieren der Rechenleistungen, kein Bewusstsein entwickeln können, weil sie keinen fühlenden, lebendigen Körper haben.

Bewusstsein ist ein biologisches Phänomen, das sich evolutionär in Lebewesen entwickelt hat und dem Überleben dient.

Denn nur wenn er ein Bewusstsein hat, kann der Körper wahrnehmen, was ihm fehlt und was das Subjekt tun muss, um durch eigenes Handeln das Überleben zu sichern, Defizite auszugleichen, und um Zustände, die mich in meiner Existenz gefährden, zu kompensieren. Antonio Damasio hat hundertprozentig recht, wenn er darauf hinweist, dass Bewusstsein ein natürliches biologisches, zu Lebewesen gehörendes Phänomen ist.

KI rechnet — aber sie erlebt nichts

Auch Intelligenz wird im Silicon Valley auf Rechenleistung reduziert. Das lässt die unglaubliche Breite der menschlichen Intelligenz jedoch außer Acht, die Kreativität, Handeln und den Umgang mit der Welt einschließt, und zwar physischen Umgang mit der Welt. Die künstliche Intelligenz kann die Welt nur als digitale Datensammlung wahrnehmen.

Im Gegensatz dazu nehmen lebendige Körper die Welt unmittelbar existenziell wahr. Im Falle des Menschen haben wir mit den Sinnen, die uns zur Verfügung stellen, einen unmittelbaren Zugang zur Welt, physisch, haptisch, auditiv, optisch. Die Intelligenz des Menschen entwickelt sich aus den sensormotorischen Erfahrungen, die der menschliche Körper von Zeitpunkt der Geburt an mit seiner Außenwelt macht.

Das heißt, wir spüren die Außenwelt, wir wirken motorisch auf die Außenwelt ein, wir sehen, welche Folgen sich aus diesen sensormotorischen Erfahrungen ergeben und was Ursache und Wirkung ist. Sensomotorik setzt einen lebendigen Körper voraus, und den hat die KI nicht. Ihre Intelligenz ist auf Rechenleistungen eingeschränkt.

Warum Kinder mehr brauchen als KI-Kompetenz

Verglichen mit den Rechenleistungen eines Menschen sind die Rechenleistungen einer KI natürlich überragend. Wenn man wie das Silicon Valley den Begriff der Intelligenz auf Rechenleistungen reduziert und eine in dieser eingeengten Weise definierte Intelligenz zwischen KI und Mensch vergleicht, dann fällt der Vergleich natürlich zum Nachteil des Menschen aus.

Auf diese Weise wird der Mensch durch das Silicon Valley eingeschüchtert und abgewertet, und wird den Computern der Weg gebahnt.

Menschliche Intelligenz ist weit mehr als Rechenleistung, ihre Potentiale liegen in ihrer technischen Kreativität, in der Musik, ganz allgemein in den Künsten, im Sport und im sozialen Miteinander. Wir sollten und dürfen uns als Menschheit also von den Suggestionen und Narrativen des Silicon Valley nicht den Schneid abkaufen lassen. In der Erziehung unserer Kinder müssen wir diese vielseitige menschliche Intelligenz fördern.

Wenn wir Kinder und Jugendliche ausschließlich auf die Spezialintelligenz der KI, also auf Mathematik, Informatik und Mustererkennung ausrichten, und das, was die KI zu bieten hat, als alleinige Dimension der Intelligenz verkaufen, dann engen wir das große Spektrum der menschlichen Erlebens-, Tätigkeits- und Kreativmöglichkeiten auf das schmale Spektrum ein, das die KI bedient.

Das wäre fatal. Um dem zu entgehen, müssen wir in der Ausbildung, in der Erziehung und Ausbildung unserer Kinder vor allem die Potenziale des kindlichen Körpers fördern: Bewegung, Sensomotorik, Spielen, Basteln, etwas zu konstruieren und so Dinge entstehen lassen.

Gefühle sind kein Gegenpol zur Vernunft

Der US-amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haidt beleuchtet in seinem gerade übersetzten Buch "Die Macht der Moral [2]" eine weitere Bedeutung der menschlichen Gefühle: Er argumentiert, dass moralische Entscheidungen oft zuerst emotional getroffen und erst danach rational begründet werden. Werden Gefühle im Denken des Silicon Valley unterschätzt?

Joachim Bauer: Gefühle und Vernunft sollte man nicht als Gegensätze einander gegenüberstellen. Gefühle und Vernunft sind im Prinzip versöhnliche Größen. Man kann sowohl mit Gefühlen als auch mit der Vernunft Gutes und Schlechtes, Moralisches und Unmoralisches anrichten.

Wenn wir uns auf einen der größten Experten in Sachen Moral und der Vernunft besinnen, nämlich auf Immanuel Kant und auf seinen kategorischen Imperativ, dann finden wir, dass in dem berühmten Satz, der Mensch solle nur so handeln, dass die Maxime seines Handelns zu einem allgemeinen Gesetz werden könnte, implizit auch die Empathie, also ein Gefühl mitverpackt ist.

Moral braucht den Blick des anderen

Denn wenn ich nur so handeln soll, dass die Regeln meines Handelns für ein allgemeines, für alle gültiges Gesetz anwendbar wäre, dann bezieht Kant in diesem Satz implizit die Fähigkeit des Menschen mit ein, die Welt aus den Augen des anderen zu betrachten. Denn sonst könnte ich ja gar nicht sagen, ob eine Maxime, nach der ich handle, auch für alle anderen Menschen akzeptabel und damit als allgemeines Gesetz geeignet wäre.

Das bedeutet, dass in Immanuel Kants Kategorischem Imperativ die Empathie als emotionales Element mit dem Element der Vernunft untrennbar verbunden ist.

Wir sollten Emotionen also nicht als ausschließlich unmoralisch darstellen und die Vernunft nicht als ausschließlich moralisch. Beide können moralisch oder unmoralisch sein, sowohl die Vernunft als auch die Emotionen.

Wie digitale Systeme soziale Bedürfnisse ausnutzen

▶ Sie haben immer wieder die existentielle Bedeutung menschlicher Resonanz und menschlicher Begegnungen betont. Was passiert mit diesem Bedürfnis im digitalen Zeitalter – zwischen Social Media, Online-Games und KI-Chatbots?

Joachim Bauer: Der Mensch hat ein grundlegendes, existenzielles Bedürfnis nach sozialer Resonanz. Wir wünschen uns diese Resonanz aus dem jeweiligen sozialen Umfeld, in dem wir uns gerade bewegen. Dieses Grundbedürfnis wird von den Herstellern digitaler Angebote gezielt adressiert.

Die Konstrukteure von Social-Media-Plattformen, Online-Spielen und KI-Chatbots haben die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 30 Jahre genau studiert und ihre Angebote auf dieser Basis entwickelt.

Die Anbieter angeln sich die Nutzerinnen und Nutzer vor allem mit dem Versprechen, hier bekommst Du Resonanz, also soziale Zuwendung, Beachtung und Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Was dann allerdings bei Nutzung tatsächlich eintritt, bedeutet einen Bruch des Versprechens.

Wenn Anerkennung zur Ware wird

Insbesondere bei den Social Media zeigt sich, dass sich durch die Verhältnisse, die hier herrschen, das Versprechen der Resonanz nicht eingehalten wird: Es herrscht ein ständiger Kampf um Anerkennung, um Posts, Likes und um Follower. Es kommt zu einer Quantifizierung der Sympathie.

Diese Quantifizierung hat einen permanenten Wettkampf zur Folge, wer mehr Sympathie hat, wer ein höheres Ansehen genießt. Dieses ständige Bewerten und Bewertetwerden macht die Nutzerinnen und Nutzer krank.

Nicht nur die Intensivnutzerinnen und -nutzer von Social Media, auch die Spieler von online Kampfspielen leben in einer permanenten inneren Unruhe und Angst: Bin ich genügend, bin ich gut genug, werde ich als gut genug angesehen?

Wenn ich in einer solchen Angst erstmal gefangen bin, dann kann ich aus dem Angebot auch nicht mehr aussteigen, weil ich ja dann nicht sehe, wie sich meine soziale Wertigkeit im Weiteren entwickelt. Ich muss also immer dranbleiben, um zu schauen, wo ich gerade bin und wie ich mich verhalten kann oder muss, um in diesem reißenden Strom des Kampfes um Anerkennung nicht unterzugehen.

Die Intensivnutzung von Social-Media-Angeboten ist psychisch derart anstrengend, dass junge Intensivnutzer ein stark erhöhtes Risiko haben, depressiv zu werden oder Angststörungen und weitere Störungen zu entwickeln.

Die Ausbeutung des Bedürfnisses, ein Held zu sein

Eine ganz ähnliche Situation haben wir bei den Onlinespielen, bei denen es sich vor allem um Kampf- und Kriegsspiele handelt, die das Bedürfnis junger Männer befriedigen, Helden zu sein. Das ist im Prinzip ein legitimes Bedürfnis, in den Games aber wird dieses Bedürfnis in einer Art und Weise ausgenutzt, die diese jungen Nutzer suchtartig an das Spiel bindet, sodass sie immer weiter spielen müssen.

Außerdem sind in den Games Mechanismen eingebaut, dass Rüstungen und Waffen gekauft werden müssen. Dabei werden die Betroffenen auch finanziell abgezockt.

Die gefährliche Liebedienerei der Chatbots

Als drittes digitales Angebot haben wir die Chatbots, also sprechende KI, die Menschen allen Alters als Ersatz für den Mitmenschen angeboten wird. Auch hier spielt das Versprechen von Resonanz eine Rolle: Hier ist jemand, der auf Dich hört und auf Deine Nöte antwortet. Chatbots haben allerdings verschiedene Konstruktionsmerkmale, die zu großen Problemen führen können: Eines dieser Merkmale ist, dass sie dem Nutzer immer recht geben.

Die unterschiedslose Liebedienerei der Systeme, im Englischen als "Sycophancy" bezeichnet, kann bei Nutzern mit psychischen Problemen gefährlich werden, indem sie bei depressiven Menschen zum Beispiel Tendenzen zur Depression noch weiter verstärken, bis hin zum Suizid. Auch misstrauisch-paranoide Menschen, die das Gefühl haben, dass andere Menschen was gegen sie haben, werden in ihrer Wahrnehmung bestätigt und entwickeln, wie Erfahrungen gezeigt haben, in großer Zahl Wahnstörungen, die inzwischen als KI-Psychose bezeichnet werden.

Von den gefährlichen Auswirkungen bei psychisch belasteten Menschen einmal abgesehen, hat die Liebedienerei von KI-Chatbots auch bei psychisch durchschnittlich gesunden Menschen problematische Auswirkungen: Anstatt mit Mitmenschen in Kontakt zu sein und sich durch Mitmenschen und Freunde korrigieren zu lassen, gibt ein Chatbot seinen Nutzern immer nur recht.

Gute Freunde sagen ab und zu mal: Du hör mal, diese oder jene Eigenschaft ist nicht so gut, schau doch da mal auf dich, achte mehr auf dich oder so ähnlich. Diese korrigierende Funktion fällt weg, wenn Menschen den Kontakt mit realen Mitmenschen durch einen Chatbot ersetzen.

Hochproblematisch an dem Austausch mit KI ist auch der Datenabfluss. Alles, was ich als Nutzerin oder Nutzer einer KI über mich anvertraue, wird gespeichert. Das heißt, in den Systemen dieser Anbieter werden Daten über mich abgelegt, Muster über mich erstellt, die dann an Werbetreibende, auch an politische Machthaber weiterverkauft werden können. All das ist noch mit im Risikoprofil der Nutzung solcher Systeme enthalten.


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  1. https://www.penguin.de/buecher/joachim-bauer-menschlichkeit-in-digitalen-zeiten/buch/9783453219144
  2. https://www.rowohlt.de/buch/jonathan-haidt-die-macht-der-moral-9783498007973?srsltid=AfmBOooS00Xxl_D8vRQIq6VK5aRAfeKll11VhMoPWuVpI1X-gHuNQzxk
  3. https://www.penguin.de/buecher/joachim-bauer-menschlichkeit-in-digitalen-zeiten/buch/9783453219144

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Arbeit: Wenn KI die Jobs frisst, was bleibt vom Menschen?

Von Andreas Donath — 23. Mai 2026 um 15:30
Wenn KI viele Jobs übernimmt, bleibt nicht nur die Frage, wovon Menschen leben. Es bleibt die Frage, wer sie noch sind.
Welche Zukunft soll es sein? (Bild: KI-generiert mit ChatGPT Imagine 2.0)
Welche Zukunft soll es sein? Bild: KI-generiert mit ChatGPT Imagine 2.0

Die US-Soziologin Allison Pugh von der Johns-Hopkins-Universität forscht zu den gesellschaftlichen Folgen der Automatisierung. Ihre These, die sie in einem Interview mit dem Handelsblatt erklärt: Der Verlust von Arbeit treffe nicht nur den Geldbeutel, sondern das Fundament des sozialen Lebens. Arbeit gebe dem Alltag Struktur und das Gefühl dazuzugehören. Falle das weg, drohe die Gesellschaft auseinanderzufallen.

Was steht auf dem Spiel? – Würde und Gemeinschaft, nicht nur Geld

Pugh verweist auf den Soziologen William Julius Wilson, der in Studien über arme US-Stadtteile zeigte, was entsteht, wenn Arbeit wegfällt: nicht nur Armut, sondern der Verlust von Rhythmus, Verlässlichkeit und Gemeinschaft. Arbeit, so Pugh, verbinde Menschen miteinander und ermögliche Koordination, ob bezahlt oder unbezahlt.

Dem Gegenargument, ein Grundeinkommen könne diese Lücke schließen, begegnet sie skeptisch. Geld decke materielle Bedürfnisse, nicht aber das Bedürfnis, gebraucht zu werden. Ihr Fazit: Arbeit werde zum Privileg einer technologischen Elite, während der Rest der Gesellschaft zum Konsumenten ohne Würde und Gemeinschaft werde.

Isolation als Nährboden für Populismus

Wer kein gemeinsames Schicksal mehr mit anderen teile, verliere Empathie und Verantwortungsgefühl, sagt Pugh. Das mache Menschen anfälliger für Demagogen, die die Sehnsucht nach Zugehörigkeit für sich nutzen. Demokratische Institutionen halten nach ihrer Einschätzung nur so lange, wie sie dieses Bedürfnis noch stillen. Auch KI-Systemen, die Nähe simulieren, traut sie das nicht zu. Sprachmodelle seien darauf ausgelegt, Nutzer durch endlose Bestätigung bei der Stange zu halten. Das sei kein Nebeneffekt, sondern Kern des Geschäftsmodells.

Beziehung schlägt Algorithmus

Berufe mit echtem menschlichem Kern, vom Friseur bis zur Therapeutin, sieht Pugh als vergleichsweise sicher an. Nicht wegen der Tätigkeit selbst, sondern wegen der Beziehung, die dabei entsteht. In der Bürowelt empfiehlt sie, Rollen anzustreben, in denen Menschen andere Menschen verstehen, begleiten und einschätzen können.

Programmieren hält Pugh für eine Fähigkeit mit sinkendem Wert, soziale Kompetenz hingegen für das entscheidende Merkmal der Zukunft. Universitäten sollten den Umgang mit Konflikten und Menschen als eigenständiges Studienfach etablieren. Wer in einer KI-geprägten Wirtschaft bestehen wolle, brauche vor allem eines: die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen.

KI wird Jobmarkt verändern

Andere Prognosen geben Pugh zumindest in ihrer Dimension recht. Das britische Institute for Public Policy Research sieht bis zu 7,9 Millionen Jobs in Gefahr. McKinsey erwartet für die USA bis 2030 fast zwölf Millionen erzwungene Berufswechsel. Und Deutschlands Digitalminister Wildberger sagt schlicht: "Aufhalten können wir das nicht."

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Autonomes Fahren: Xpeng startet Chinas erste Serienproduktion von Robotaxis

Von Friedhelm Greis — 23. Mai 2026 um 14:46
Der Autohersteller Xpeng bringt Robotaxis für Level 4 auf den chinesischen Markt. Doch für Deutschland gibt es andere Pläne.
Der autonome GX von Xpeng ist von außen kaum als Robotaxi zu erkennen. (Bild: Xpeng)
Der autonome GX von Xpeng ist von außen kaum als Robotaxi zu erkennen. Bild: Xpeng

Der chinesische Elektroautohersteller Xpeng folgt beim autonomen Fahren dem Kurs von Tesla und setzt nur auf Kameras. Zum Start der Serienproduktion seines ersten Robotaxis schrieb das Unternehmen: "Im Gegensatz zu vielen bestehenden Robotaxi-Lösungen verzichtet Xpeng vollständig auf Lidar-Sensoren und hochauflösende Karten." Auf Anfrage von Golem teilte der Hersteller mit, dass es derzeit keine Pläne gebe, die Fahrzeuge auf den deutschen Markt zu bringen.

Der Mitteilung zufolge startete Xpeng "als erster Automobilhersteller in China die Massenproduktion eines Robotaxi auf Basis einer vollständig selbst entwickelten Full-Stack-Technologieplattform". Das Fahrzeug basiere auf dem Xpeng GX und erfülle die Anforderungen für autonomes Fahren auf Level 4. Das bedeutet, dass das Fahrzeug ohne menschlichen Sicherheitsfahrer unterwegs sein kann. Bis Anfang 2027 will Xpeng "einen vollständig autonomen Betrieb ohne Sicherheitsfahrer an Bord" umsetzen.

Xpeng entwickelte dazu die Hard- und Software selbst. Vier sogenannte Turing-KI-Chips ermöglichten eine effektive Rechenleistung von bis zu 3.000 Tera-Operationen pro Sekunde (Tops/Teraflops). Das sind zusätzliche 800 Teraflops im Vergleich zum Xpeng G7, der im Juni 2025 vorgestellt wurde. Zum Vergleich: Das Drive-Hyperion-System von Nvidia auf der Basis des Drive AGX Thor liefert derzeit 2.400 Teraflops.

VLA-Modell für Ende-zu-Ende-KI

Ebenso wie andere Anbieter setzt auch Xpeng auf ein sogenanntes Vision-Language-Action-Modell (VLA) mit Ende-zu-Ende-KI. Das bedeutet, dass die Systeme vollständig auf künstlicher Intelligenz (KI) basieren. Xpeng hat dabei nach eigenen Angaben klassische VLA-Zwischenschritte eliminiert und die Latenz des Systems auf weniger als 80 Millisekunden reduziert. Zudem ermögliche das Konzept "eine deutlich verbesserte Generalisierung für urbane und sogar grenzüberschreitende Einsatzszenarien".

Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Herstellern mit Ausnahme von Tesla verzichtet Xpeng auf Laserscanner als zusätzliches Sensorsystem. Auf Nachfrage von Golem machte der Hersteller keine Angaben zum vollständigen Sensorset. Ein Sprecher teilte lediglich mit: "Fahrzeuge von Xpeng sind mit rein bildbasierten intelligenten Fahrsystemen ausgestattet. Die Anzahl der Kameras variiert je nach Modell."

Es gebe derzeit keine Pläne, das Robotaxi auf Märkten außerhalb Chinas anzubieten. Zudem seien diese nicht für Privatkunden gedacht. Allerdings sei vorgesehen, noch in diesem Jahr Fahrzeuge mit dem Automatisierungsstufe 2 auf Basis der UN/ECE-Regelung 171 (DCAS) auf ausländischen Märkten einzuführen. Solche Systeme könnten künftig auch das überwachte autonome Fahren nach Level 2++ ermöglichen, wie es von Tesla schon in den Niederlanden und in Litauen zugelassen und von Mercedes für Ende 2026 in Deutschland geplant ist.

Xpeng bietet aktuell in Deutschland die Modelle G6, G9, P7+ und X9 an. Trotz gehobener Ausstattungsmerkmale wie beim P7+ versteht sich der Hersteller noch nicht als Premiummarke.

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Elektro-Kleinwagen: Citroën bringt die Ente zurück

Von Friedhelm Greis — 23. Mai 2026 um 14:10
Der französische Hersteller Citroën will sich vom legendären 2CV inspirieren lassen. Der Preis des E-Car soll bei 15.000 Euro liegen.
Citroën will die Ente als Elektroauto auf den Markt bringen. (Bild: Stellantis/Screenshot: Golem.de)
Citroën will die Ente als Elektroauto auf den Markt bringen. Bild: Stellantis/Screenshot: Golem.de

Der französische Autohersteller Citroën will sein früheres Kultmodell 2CV wieder als Elektroauto auf den Markt bringen. "Im Rahmen des Stellantis Strategieplans Fastlane 2030 entwickelt die Marke ein Modell, das die Grundidee des Originals neu interpretiert: Mobilität für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen", teilte der Hersteller am 22. Mai 2026 mit.

Medienberichten zufolge nannte Firmenchef Xavier Chardon auf einer Investorenkonferenz des Stellantiskonzerns im US-amerikanischen Auburn Hills weitere Details zu dem neuen Modell. Die "Ente" werde "zu 100 Prozent elektrisch" sein, werde vollständig in Europa produziert und komme zu einem Preis von weniger als 15.000 Euro auf den Markt.

In einem kurzen Video lässt sich zumindest die Silhouette des Fahrzeugs erkennen, die durchaus an das Original erinnert, das von 1949 bis 1990 produziert wurde. In dem Video galoppieren zwei Pferde durch Paris – eine Anspielung an die Abkürzung 2CV (zwei steuerliche Pferdestärken). Die erste Version der Ente verfügte über 9 PS.

Der Mitteilung zufolge soll die neue Ente "die Entstehung einer neuen Kategorie erschwinglicher kompakter Elektrofahrzeuge unterstützen". Das zukünftige Modell orientiere sich "am Geist des Originals". Zu den zentralen Eigenschaften zählten "Erschwinglichkeit, geringes Gewicht, hohe Alltagstauglichkeit, Vielseitigkeit und eine unverwechselbare Persönlichkeit".

Aus einer Präsentation (PDF) der Investorenkonferenz geht hervor, dass Citroën bis 2030 drei neue Produkte auf den Markt bringen will: Ein Elektroauto, E-Car genannt, und zwei Smartcars. Der neue 2CV ist dabei als "Booster" gedacht.

Laut Stellantis steht das E in E-Car für europäisch, emotional, elektrisch und umweltfreundlich ("eco-friendly"). Das erste Modell der E-Cars soll 2028 im italienischen Pomigliano vom Band laufen. Denn die Präsentation sieht für Fiat ebenfalls ein E-Car vor. Die Plattform STLA One soll 20 Prozent günstiger als bisherige Elektroautos sein und eine Preisparität mit Verbrennern herstellen.

Die französische Konkurrenz von Renault hat den Trend zu Retromodellen bereits vorgemacht. Neben dem R5 (Praxistest) ist inzwischen auch der R4 (Praxistest) als Elektroauto erhältlich.

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Developer-Häppchen fürs Wochenende – kleinere News der Woche

Von Heise — 23. Mai 2026 um 09:15
Mexikanische Häppchen

(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)

Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Nuitka, Compose Multiplatform, Twig, IntelliJ, Google, Apache, VS Code, Barman und Crossplane.

In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • Die Version 4.1 des Python-Compilers Nuitka [1] bietet viele neue Funktionen und Korrekturen. Sie legen den Fokus auf asynchronen Code, fehlende Generics‑Funktionen und die Unterstützung von Python 3.14. Außerdem hat das Nuitka-Team die Skalierbarkeit der Python‑Kompilierung verbessert.
  • Das plattformübergreifende UI‑Framework Compose Multiplatform [2] erhält mit Version 1.11.0 eine experimentelle native Texteingabe für iOS, neue v2‑UI‑Test‑APIs und ein standardmäßig aktiviertes Concurrent-Rendering. Das Scrollen in Compose‑Web‑Apps geht jetzt deutlich flüssiger.
  • Mit der neuen needs_is_sandboxed-Option können Filter, Funktionen und Tests von Twig 3.25.0 [3] ihr Verhalten anpassen, wenn sie innerhalb einer Sandbox laufen. Ebenfalls neu: Die Template‑Engine für PHP behandelt den kompilierten Output von Templates, die {% embed %} verwenden, nun über mehrere Durchläufe hinweg deterministisch. Ferner behebt sie eine langjährige Einschränkung, die das Überschreiben von EscaperRuntime über einen benutzerdefinierten Runtime‑Loader verhindert hat.
  • IntelliJ IDEA 2026.1.2 [5] behebt bei der Java‑ und Kotlin‑IDE eine Reihe von Problemen: Dazu zählen fehlerhafte Projektöffnungen über Gradle‑.ipr-Dateien, falsche Einrückungen bei Java‑Ternary‑Ausdrücken und verschwundener Code beim Drag & Drop.
  • Googles Tensor ML SDK hat Betastatus erreicht und bietet eine einheitliche ML‑Entwicklungsumgebung mit LiteRT [6]. Auf den Geräten der Pixel-10-Familie können Entwicklerinnen und Entwickler ML- und generative KI-Modelle damit einfacher konvertieren, kompilieren und direkt ausführen.
  • Zahlreiche kleinere Verbesserungen sind in Apache NetBeans 30 [7] eingeflossen. Das neue Release bringt unter anderem Java-Updates, Unterstützung für den Pipe‑Operator aus PHP 8.5 und aktualisierte Build Tools wie Ant 1.10.17 und Maven 3.9.15.
  • Mit Visual Studio Code 1.121 [8] hält eine integrierte Vorschaufunktion für Mermaid und HTML Einzug. Zudem verbraucht Microsofts kostenloser Code‑Editor durch Terminal-Optimierungen jetzt weniger Ressourcen sowie Token und kann Agent‑Sitzungen auf entfernten Maschinen ausführen.
  • Beim neuen Release von Barman [9] liegt der Schwerpunkt auf Cloud-Backup-Funktionen. Mit Version 3.18.0 beherrscht das Open-Source-Admin-Tool für PostgreSQL-Server inkrementelle Backups für Cloud-Speicher und integriert Cloud-Backup-Operationen direkt in die zentrale Barman-CLI.
  • Der Kubernetes‑Infrastruktur‑Controller Crossplane [10] setzt mit Version 2.3.0 auf eine neue lokale Rendering‑Engine und erlaubt eine präzisere Kontrolle des Ressourcen‑Abgleichs für Composite Resources und Managed. Enthalten sind auch Sicherheitsupdates für Crossplanes Go‑Toolchain und deren Abhängigkeiten.

Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [11].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11301862

Links in diesem Artikel:

  1. https://nuitka.net/posts/nuitka-release-41.html
  2. https://blog.jetbrains.com/kotlin/2026/05/compose-multiplatform-1-11-0/
  3. https://symfony.com/blog/twig-3-25-0-released
  4. https://testing.bettercode.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_bcc_testing.empfehlung-ho.link.link&LPID=34320
  5. https://blog.jetbrains.com/idea/2026/05/intellij-idea-2026-1-2/
  6. https://developers.googleblog.com/google-tensor-sdk-beta-with-litert/
  7. https://github.com/apache/netbeans/releases/tag/30
  8. https://code.visualstudio.com/updates/v1_121
  9. https://www.postgresql.org/about/news/barman-3180-released-3303/
  10. https://github.com/crossplane/crossplane/releases/tag/v2.3.0
  11. mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer-H%C3%A4ppchen
  12. mailto:who@ix.de

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Fitbit-App bekommt großes Update auf Version 5.0 und heißt jetzt Google Health

Von Heise — 23. Mai 2026 um 08:30
Screenshots der Google Health App

Mit dem Update auf Version 5.0 wird aus der Fitbit App die Google Health App mit neuem Design und neuen Funktionen. Einige alte Features hat Google gestrichen.

(Bild: Google)

Google verteilt das Update auf Version 5.0: Die Fitbit-App wird zur Google Health App und erhält ein Redesign sowie neue KI-Funktionen auf Gemini-Basis.

Mit dem Update auf Version 5.0 wird aus der Fitbit-App die Google Health App mitsamt dem schon im vergangenen Jahr angekündigten Redesign [1] sowie allerlei KI-Funktionen auf Gemini-Basis. Die neue App-Version schließt damit die im April 2026 in Deutschland veröffentlichte Public-Preview [2] und wird für alle Fitbit- und Pixel-Watch-Nutzer verteilt.

Aus Fitbit wird Google Health App

Laut Google [3] sind mit der Google Health App „alle Funktionen zur Erfassung von Schlaf-, Aktivitäts- und Gesundheitsdaten“ verfügbar. Mit dem kostenpflichtigen Abo Google Health Premium (ehemals Fitbit Premium), das knapp 9 Euro im Monat kostet, erhalten Nutzerinnen und Nutzer Zugriff auf den KI-basierten Google Health Coach, der die Funktion „Ask Coach“, proaktive Benachrichtigungen, adaptive Trainingspläne und Zusammenfassungen sowie „multimodale/konversationsbasierte Protokollierung“ umfasst.

Dieser auf Gemini [4] basierende Fitnesscoach ist dem Konzern zufolge dazu in der Lage, alle Fitness-, Gesundheits- und wichtigen medizinischen Daten inklusive des Zyklus zusammenzuführen, um Nutzerinnen und Nutzern einen umfassenden Überblick zu verschaffen. Der KI-Coach erinnert ein wenig an jenen, den Whoop vor einer Weile eingeführt hat [5]. Er erklärt etwa, wie sich ein Training und Schlaf auf den Körper auswirken und rät anhand der Daten, ob man sich besser ausruhen oder eine weitere harte Trainingseinheit absolvieren sollte.

Die kostenlose Version der App umfasst das Tracking von Aktivitäten wie Schritte, Kalorien, Distanz, Cardio-Belastung und Tagesform. Ebenso bietet sie eine Schlafanalyse mitsamt der Ausgabe des Schlafindex, Schlafenszeiten, Schlafdauer und Schlafphasen. Auch Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Atemfrequenz, Blutsauerstoff (Sp02) und weitere Daten trackt sie. Es fehlen indes eine detailliertere Datenanalyse und der KI-Coach.

Tabelle: Google Health Premium vs Basis
Tabelle: Google Health Premium vs Basis

Funktionsumfang: Google Health Premium vs Basis.

(Bild: Google)

Einige bekannte Funktionen fallen weg

Zudem hat Google mit der neuen App einige Funktionen gestrichen: So fallen die bisherigen Schlafprofile und die dazugehörigen Schlaftiere weg, die den Schlaftyp beschreiben sollen. Ferner ist die geschätzte Sauerstoffschwankung (EOV) nicht mehr verfügbar, stattdessen werden nun SpO2-Daten angezeigt. Ebenso fallen die sozialen Elemente wie Freunde und Leaderboards weg, wie auch die Badges. Zudem gibt es keinen „Ausdauer-Fitness-Wert“ mehr, daraus wird nun der gebräuchlichere VO2max-Wert. Neu und weit besser als das bisherige ist das Homescreen-Widget, das je nach Größe mehr als nur die Schritte anzeigt.

Screenshot: Google Health App Widget
Screenshot: Google Health App Widget

Das neue Google Health App Widget.

(Bild: Andreas Floemer / heise medien)

Da die neue Google-Health-App Voraussetzung für die Nutzung des bildschirmlosen Fitnessbands Fitbit Air [6]ist, sollte die Verteilung des Updates bis zum 26. Mai, dem Marktstart des neuen Wearables, weitgehend abgeschlossen sein.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11304176

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Public-Preview-Google-bringt-runderneuerte-Fitbit-App-nach-Deutschland-11251660.html
  2. https://www.heise.de/news/Public-Preview-Google-bringt-runderneuerte-Fitbit-App-nach-Deutschland-11251660.html
  3. https://store.google.com/de/product/google_health_premium?hl=de
  4. https://www.heise.de/thema/Google-Gemini
  5. https://www.heise.de/tests/Whoop-4-0-im-Test-KI-Fitnessarmband-mit-GPT4-Coach-9339949.html
  6. https://www.heise.de/news/Fitnessarmband-Fitbit-Air-Googles-Whoop-Konkurrent-11284651.html
  7. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Störungsmeldung vom 22.05.2026 20:00

Von heise online — 22. Mai 2026 um 20:00

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
22.05.2026 20:00
Region
Düsseldorf (0211)
Provider
T-Online
Zugangsart
VDSL

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Störungsmeldung vom 22.05.2026 20:48

Von heise online — 22. Mai 2026 um 20:48

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
22.05.2026 20:48
Region
Rheinstetten (07242)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

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✇ Telepolis

Tulsi Gabbard sollte die Geheimdienste führen. Stattdessen wurde sie ignoriert

Von Telepolis — 23. Mai 2026 um 00:00
Eine Frau winkt mit der Hand.

Tulsi Gabbard, die bei wichtigen Kriegsentscheidungen übergangen wurde, zieht Konsequenzen.

(Bild: lev radin / Shutterstock.com)

Bei wichtigen Kriegsentscheidungen war sie nicht dabei. Nun zieht Gabbard Konsequenzen – und hinterlässt wohl einen geschwächten Geheimdienst.

Wer in Washingtons innerem Machtzirkel noch laut "Stopp" rufen konnte, ohne sofort kaltgestellt zu werden, der konnte es nicht mehr lange. Tulsi Gabbard, die Frau, die als Director of National Intelligence (DNI) eigentlich 18 US-Geheimdienste koordinieren sollte, hat ihren Rücktritt eingereicht. Zum 30. Juni räumt die 45-Jährige ihren Posten.

Offiziell pflegt sie ihren schwer an Knochenkrebs erkrankten Ehemann Abraham Williams. Inoffiziell war sie schon lange nur noch eine Randfigur in einem Apparat, der längst ohne sie funktionierte – und genau das wollte.

Wie aus dem veröffentlichten Rücktrittsschreiben [1] hervorgeht, begründet Gabbard ihren Abgang mit einer "äußerst seltenen Form von Knochenkrebs", die bei Williams diagnostiziert wurde. US-Präsident Donald Trump lobte sie auf Truth Social: "Tulsi hat unglaubliche Arbeit geleistet, und wir werden sie vermissen".

Aaron Lukas, bisher stellvertretender DNI mit CIA-Vergangenheit, übernimmt kommissarisch. Als Favorit für eine dauerhafte Nachfolge gilt laut [2] Wall Street Journal (WSJ) Michael Ellis, stellvertretender CIA-Direktor – ein Mann, der demnach nicht dafür bekannt ist, unbequeme Fragen zu stellen.

Ausgeschlossen, als es darauf ankam

Die ehemalige demokratische Kongressabgeordnete aus Hawaii, Irak-Veteranin und Präsidentschaftsbewerberin von 2020, hatte sich 2024 an Trumps Seite gestellt – als prominenteste Ex-Demokratin in der MAGA-Bewegung.

Sie wurde Anfang 2025 knapp vom Senat bestätigt. Doch ihre skeptische Haltung gegenüber Auslandseinsätzen, die sie einst populär machte, wurde ihr im Amt zum Verhängnis.

Als die USA und Israel Ende Februar gemeinsam den Iran angriffen, war Gabbard nicht in Mar-a-Lago. Als der Kongress erstmals darüber gebrieft wurde, fehlte sie. Als die Trump-Regierung den Zugriff auf Venezuelas Präsident Nicolás Maduro startete, befand sie sich auf Hawaii. Und als in Camp David die Bombardierung dreier weiterer iranischer Nuklearstandorte beschlossen wurde, saß sie nicht am Tisch.

Laut übereinstimmenden Medienberichten, etwa von [3] Politico, New York Times und Wall Street Journal, war sie bei den zentralen Sicherheitsentscheidungen dieser Amtszeit systematisch außen vor. Trump verließ sich stattdessen auf CIA-Direktor John Ratcliffe und einen kleinen Kreis von Hardlinern.

Gabbard wehrte sich – auf ihre Weise. In einem Video warnte sie öffentlich vor einem "nuklearen Holocaust", falls der Iran-Konflikt weiter eskaliere. Sie vertrat die Position, Teheran habe sein Atomprogramm nach den Angriffen gar nicht wieder aufgebaut, und die Kriegsziele der USA und Israels seien keineswegs deckungsgleich.

Im Weißen Haus galt das als Illoyalität. Trump erwog laut Berichten im April, sie zu feuern, nachdem sie vor dem Kongress den Iran-Krieg nicht entschieden genug verteidigt hatte. Berater rieten ab – der öffentliche Bruch hätte zu viel Aufmerksamkeit erzeugt.

"ODNI 2.0" – radikaler Umbau mit fragwürdiger Bilanz

Was Gabbard tatsächlich umsetzte, war ein radikaler Strukturumbau. Ihr Reformpaket "ODNI 2.0" sah nach einem Bericht von [4] Fox News vor, den Personalbestand des Büros um über 40 Prozent zu kürzen und jährlich mehr als 700 Millionen US-Dollar einzusparen.

Sie schloss Beratungsgremien, strich die Strategic Futures Group für langfristige Bedrohungsanalysen zusammen und kündigte an [5], das Foreign Malign Influence Center bis 2028 zu schließen – jene Einheit, die unter der Biden-Administration zur Überwachung ausländischer Wahleinmischung aufgebaut worden war.

Parallel entzog sie 37 aktuellen und ehemaligen Beamten die Sicherheitsfreigaben, denen sie Politisierung und Leaks vorwarf.

Ob das die Geheimdienste effizienter oder schwächer gemacht hat, bleibt offen. Öffentliche Evaluierungen existieren nicht. Kritiker innerhalb der Intelligence Community warnen, die Kürzungen gefährdeten die Fähigkeit, langfristige Bedrohungen wie Cyberangriffe, Desinformation und nukleare Proliferation zu antizipieren.

Das Verhältnis zur CIA war [6] laut New York Times zerrüttet – Gabbard versetzte hohe Führungskräfte und brandmarkte interne Kritiker pauschal als politisierte Gegner.

Was der Abgang signalisiert

Gabbard ist bereits das dritte Kabinettsmitglied, das in Trumps zweiter Amtszeit geht – nach Heimatschutzministerin Kristi Noem und Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer. Der Frauenanteil im Kabinett sinkt damit deutlich unter ein Viertel.

Senator Adam Schiff fasste es zynisch zusammen: Gabbards "einziger positiver Beitrag zur nationalen Sicherheit" sei ihr Rücktritt.

Für Israel dürfte der Abgang kaum Folgen haben – der engere Kreis um Trump setzt ohnehin auf maximale Konfrontation mit Teheran. Für europäische Partner dagegen verschwindet eine Stimme, die intern vor Eskalation warnte.

Wenn analytische Kapazitäten im Bereich Desinformation und strategische Vorausschau weiter gekürzt werden, betrifft das auch transatlantische Lagebilder, auf deren Grundlage deutsche Sicherheitsbehörden Entscheidungen treffen.

Wer Trumps nächster Geheimdienstchef wird, entscheidet mit darüber, ob es im Iran-Krieg noch irgendwo eine institutionelle Bremse gibt.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11305024

Links in diesem Artikel:

  1. https://static01.nyt.com/newsgraphics/documenttools/cb6eb7dcb095291f/30d36042-full.pdf
  2. https://www.wsj.com/world/middle-east/tulsi-gabbard-is-preparing-to-resign-as-u-s-intelligence-chief-2d6b2951
  3. https://www.politico.com/news/2026/05/22/tulsi-gabbard-director-of-national-intelligence-resigns-00933872
  4. https://www.foxnews.com/politics/gabbard-launches-office-director-national-intelligence-2-0-plan-cut-workforce-40
  5. https://www.executivegov.com/articles/odni-2-tulsi-gabbard-reorganization
  6. https://www.nytimes.com/2026/05/22/us/politics/tulsi-gabbard-resigns.html

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Störungsmeldung vom 23.05.2026 01:00

Von heise online — 23. Mai 2026 um 01:00

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone DSL

Details

Beginn
23.05.2026 01:00
Region
Leipzig (0341)
Provider
Vodafone DSL
Zugangsart
Modem

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Lizenzstreit und Cloud-Zwang: Bambu Lab unter massivem Druck

Von Heise — 22. Mai 2026 um 21:59
Johannes hinter Gittern

(Bild: Johannes Börnsen / Maker Media)

Ein polnischer Entwickler, eine DMCA-Drohung und fünf chinesische Gesetze: Der Streit um Bambu Labs geschlossenes Ökosystem erreicht eine neue Eskalationsstufe.

Bambu Lab baut 3D-Drucker [1], die den Markt in den vergangenen Jahren ordentlich aufgemischt haben: gute Druckqualität, hohe Geschwindigkeit, attraktive Preise – vom Einsteiger-Modell A1 Mini bis zu großen Maschinen für den professionellen Einsatz. Doch das chinesische Unternehmen steht mal wieder im Kreuzfeuer der Community.

Slicer, Lizenzen und ein Netzwerk-Plug-in

Um zu verstehen, worum es geht, muss man einen Blick auf die Software werfen. Ein Slicer ist die Software, die ein 3D-Modell nimmt und dem Drucker sagt, was er damit machen soll – massiv drucken, mit Gitterstruktur, hohl. Bambu Labs eigener Slicer heißt Bambu Studio. Den hat das Unternehmen aber nicht von Grund auf selbst entwickelt: Bambu Studio basiert auf dem PrusaSlicer des tschechischen Herstellers Prusa Research.

Damit kommt die AGPL-3.0-Lizenz ins Spiel. Sie erlaubt es, den Code eines Open-Source-Projekts zu nehmen, zu verändern, auch kommerziell zu nutzen und wiederzuveröffentlichen – unter der einzigen Bedingung, dass das Ergebnis wieder unter derselben Lizenz steht. Ein Tauschgeschäft: Man nimmt ein fertiges Projekt, passt es an seine Hardware und Bedürfnisse an, und als Gegenleistung dürfen andere wiederum auf die Ergänzungen zugreifen. Bambu Studio steht unter dieser Lizenz, soweit also lizenzkonform.

Bambu hat jedoch ein Netzwerk-Plug-in in den Slicer eingebaut, das die erstellten Daten an die Bambu-Cloud sendet, von wo sie an den Drucker weitergeleitet werden. Seit Anfang 2025 ist dieser Weg verpflichtend. Alternative Slicer wie der beliebte OrcaSlicer [2] können nicht mehr direkt mit dem Drucker kommunizieren, sondern müssen über „Bambu Connect“ – im Wesentlichen dasselbe Netzwerk-Plug-in – die Bambu-Cloud durchlaufen.

Nachträgliche Einschränkung für bestehende Geräte

Wer einen Bambu-Drucker gekauft hat, bevor diese Änderung kam, erlebt einen massiven Einschnitt: Vorher ließen sich Dateien einfach lokal übers Netzwerk an den Drucker schicken, der Drucker konnte gesteuert und überwacht werden. Das geht jetzt nicht mehr. Der Funktionsumfang des bereits bezahlten Geräts hat sich nachträglich verschlechtert.

Das hat den polnischen Entwickler Pawel Jarczak gestört. Er veröffentlichte einen eigenen Fork von Bambu Studio – was er darf, denn Bambu Studio steht unter AGPL-Lizenz. Dieser Fork ermöglicht wieder die direkte Kommunikation mit Bambu-Lab-Druckern.

Bambu Lab warf Jarczak vor [3], sein Fork melde sich bei den Bambu-Servern als offizieller Bambu-Studio-Client – mit fest einprogrammierter Versionsnummer. Die Server könnten den legitimen von gefälschtem Traffic nicht unterscheiden, was die Cloud-Infrastruktur destabilisieren könne. Bambu drohte mit Sektion 1201 des amerikanischen Digital Millennium Copyright Acts – einem Gesetz, das das Umgehen technischer Schutzmaßnahmen unter Strafe stellt. Jarczak nahm seinen Fork daraufhin offline.

Damit war die Sache aber nicht erledigt. Jarczak wandte sich an Louis Rossmann, einen amerikanischen YouTuber und Right-to-Repair-Aktivisten, sowie an GamersNexus. Beide veröffentlichten den Fork und boten Jarczak jeweils 10.000 Dollar für seine rechtliche Verteidigung an. GamersNexus kündigte außerdem an, alle eigenen Bambu-Lab-Drucker hinauszuwerfen und durch Prusa-Drucker zu ersetzen.

Auch der US-Urheberrechtsanwalt Leonard French meldete sich zu Wort: Was Bambu da mache, sei ein klassisches Vorgehen für „progressives Einschließen“. Ein Hersteller bringe Hardware günstig mit vielen Funktionen auf den Markt, schränke diese dann Schritt für Schritt per Software-Update ein und sperre die Nutzer langsam aber sicher in ein Ökosystem ein, aus dem sie nicht mehr ohne Weiteres herauskommen.

Der AGPL-Vorwurf: Steckt mehr dahinter?

Jarczak legte zusätzlich eine detaillierte technische Analyse vor [4]: Das geschlossene bambu_networking-Plug-in sei kein unabhängiges Add-on, sondern ein tief integrierter Bestandteil von Bambu Studio. Bambu Studio lade, installiere und aktualisiere das Plug-in selbst, löse 108 Funktionen aus der geschlossenen Bibliothek auf und nutze es für zentrale Funktionen wie Login, Monitoring, LAN- und Cloud-Druck, MakerWorld, Kamera und Telemetrie.

Sein Fazit: Das Verteilen von Bambu Studio als AGPL-Programm, ohne den Quellcode des geschlossenen Plug-ins bereitzustellen, sei ein AGPL-Verstoß. Da Bambu Studio auf PrusaSlicer und Slic3r basiert – beides AGPL-Code von vielen Autoren –, könne Bambu Lab diese Ausnahme nicht einseitig einführen.

Josef Prusas Einschätzung auf X

Josef Prusa ist Gründer von Prusa Research, einem der bekanntesten 3D-Drucker-Hersteller weltweit – und Urheber des PrusaSlicers, auf dem Bambu Studio aufbaut. Er hatte Bambus AGPL-Verstoß bereits 2023 kritisiert, sah aber keine rechtliche Handhabe – ein Verfahren müsste vor einem chinesischen Gericht geführt werden.

In einem langen Post auf X [5] bettet er den Streit nun in einen größeren Kontext: Zwischen 2017 und 2023 habe China fünf Gesetze verabschiedet, die Unternehmen zur Geheimdienstkooperation verpflichten, dem Staat Zugang zu Verschlüsselungsschlüsseln sichern, chinesische Datenzugriffe unabhängig vom Serverstandort ermöglichen und entdeckte Schwachstellen direkt an Behörden leiten. Prusa kommt zu dem Fazit, dass fast die komplette 3D-Druckwelt damit in chinesischen Staatshänden liege. Das gelte ebenso für Hersteller chinesischer Autos, Kameras und KI-Modelle.

Offene Fragen

Ob Bambu Lab tatsächlich gegen Rossmann und Gamers Nexus vorgeht, ist bisher offen. Öffentlich hat der Streit eine Diskussion ausgelöst, die zumindest Teile der Community aufhorchen lässt. Und grundsätzlich berührt der Fall die Frage: Wem gehört eigentlich ein Gerät, das ich gekauft habe – und darf mir der Hersteller nachträglich Funktionen entziehen?

Für Bambu Lab ist es nicht das erste Mal, dass das Unternehmen sich unbeliebt macht: Bereits die Einführung von „Authorization Control“ Anfang 2025 [6] hatte für massive Kritik gesorgt. Der aktuelle Fork-Konflikt eskaliert diesen Streit nun auf eine neue, rechtliche Ebene. Der Fork selbst ist weiterhin bei Rossmann und GamersNexus verfügbar.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11304925

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/3D-Drucker
  2. https://www.heise.de/news/OrcaSlicer-2-3-2-Massives-Update-11265708.html
  3. https://blog.bambulab.com/setting-the-record-straight-on-cloud-access-and-community/
  4. https://github.com/jarczakpawel/OrcaSlicer-bambulab/blob/main/bambu_agpl.md
  5. https://x.com/josefprusa/status/2054602354851254330
  6. https://www.heise.de/news/Bambu-Lab-Sicherheitsfeature-sperrt-Dritt-Slicer-aus-10248408.html
  7. https://www.heise.de/make
  8. mailto:vza@heise.de

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Anzeige: MSI RTX 5060 mit 8 GByte knapp 70 Euro günstiger bei Amazon

Von Erik Körner — 22. Mai 2026 um 18:40
Amazon verkauft die MSI Geforce RTX 5060 mit 8 GByte VRAM zum Jahresbestpreis. Beim Kauf gibt es 20 Euro Steam-Guthaben dazu.
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Die Geforce RTX 5060 zählt zu den beliebtesten Grafikkarten unter Steam-Nutzern. Laut Valves monatlicher Hard- und Softwareumfrage liegt sie aktuell auf Platz sechs, direkt hinter der Geforce RTX 5070. Kein Wunder, ist sie doch ein guter Budget-Pick für Gaming in Full-HD-Auflösung, womit die meisten Steam-Nutzer spielen. Eine Variante von MSI mit 8 GByte ist bei Amazon aktuell zum niedrigsten Preis des Jahres erhältlich. Im befristeten Angebot sparen Käufer knapp 70 Euro gegenüber dem letzten regulären Verkaufspreis. Nicht nur das: Wer die GPU bestellt, bekommt zusätzlich 20 Euro Steam-Guthaben.

Das bietet die MSI Geforce RTX 5060

Als Teil der 50er-Serie basiert die MSI Geforce RTX 5060 8G Shadow 2X OC, so der volle Modellname, auf Nvidias Blackwell-Architektur. Kurz gesagt soll sie demnach bessere Performance bei KI-basierten Aufgaben, höhere Effizienz und flüssigeres Multitasking gegenüber Vorgängergenerationen ermöglichen. Die Grafikkarte hat 8 GByte GDDR7 RAM mit einer VRAM-Geschwindigkeit von 28 GBit pro Sekunde und 128 Bit Speicherbandbreite. Wie der Name nahelegt, ist sie werkseitig übertaktet.

Zur Kühlung der MSI Geforce RTX 5060 sind zwei Torx-Fan-Lüfter von MSI verbaut, die sich bei geringer Auslastung für einen niedrigen Geräuschpegel automatisch abschalten können. Dank drei Displayport-2.1b- und einem HDMI 2.1b-Anschluss unterstützt die GPU zumindest theoretisch bis zu 8K-Auflösung bei 120 Hz oder 4K-Auflösung bei 480 Hz. Der Hersteller empfiehlt mindestens ein 550-W-Netzteil für den Betrieb.

MSI bewirbt seine Geforce RTX 5060 mit Unterstützung für Deep Learning Super Sampling 4 (DLSS 4), Nvidias Echtzeit-Upscaling-Technologie für Games. Seit Anfang dieses Jahres steht ein Upgrade auf DLSS 4.5 bereit. Damit erhalten Kunden unter anderem Zugriff auf verbessertes Upscaling, 4x-Multiframe-Generation, was höhere fps durch KI-generierte Frames bringt, oder verbesserte Strahlerekonstruktion für noch realistischeres Raytracing. Auch unterstützt die Grafikkarte die neueste Nvidia-Super-Resolution-Generation, die bessere Licht- und Schattendarstellung, weniger Ghosting und feineres Anti-Aliasing bei aktiviertem Upscaling liefern soll.

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mit 8 GByte für 299,99 Euro im befristeten Angebot. Laut Preistracker Keepa wurden in den letzten Wochen 369 Euro außerhalb von Deals gezahlt. Zu den eingangs erwähnten 20 Euro Steam-Guthaben: Es reicht, die Grafikkarte in den Einkaufswagen zu legen und zu bestellen. Das Angebot wird automatisch an der Kasse angewendet. Anschließend müssen Käufer sich nur noch bei MSI registrieren und den Kauf per Bild von der Rechnung und der Seriennummer der GPU verifizieren.

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Lizenzstreit und Cloud-Zwang: Bambu Lab unter massivem Druck

Von Heise — 22. Mai 2026 um 21:59
Johannes hinter Gittern

(Bild: Johannes Börnsen / Maker Media)

Ein polnischer Entwickler, eine DMCA-Drohung und fünf chinesische Gesetze: Der Streit um Bambu Labs geschlossenes Ökosystem erreicht eine neue Eskalationsstufe.

Bambu Lab baut 3D-Drucker [1], die den Markt in den vergangenen Jahren ordentlich aufgemischt haben: gute Druckqualität, hohe Geschwindigkeit, attraktive Preise – vom Einsteiger-Modell A1 Mini bis zu großen Maschinen für den professionellen Einsatz. Doch das chinesische Unternehmen steht mal wieder im Kreuzfeuer der Community.

Slicer, Lizenzen und ein Netzwerk-Plug-in

Um zu verstehen, worum es geht, muss man einen Blick auf die Software werfen. Ein Slicer ist die Software, die ein 3D-Modell nimmt und dem Drucker sagt, was er damit machen soll – massiv drucken, mit Gitterstruktur, hohl. Bambu Labs eigener Slicer heißt Bambu Studio. Den hat das Unternehmen aber nicht von Grund auf selbst entwickelt: Bambu Studio basiert auf dem PrusaSlicer des tschechischen Herstellers Prusa Research.

Damit kommt die AGPL-3.0-Lizenz ins Spiel. Sie erlaubt es, den Code eines Open-Source-Projekts zu nehmen, zu verändern, auch kommerziell zu nutzen und wiederzuveröffentlichen – unter der einzigen Bedingung, dass das Ergebnis wieder unter derselben Lizenz steht. Ein Tauschgeschäft: Man nimmt ein fertiges Projekt, passt es an seine Hardware und Bedürfnisse an, und als Gegenleistung dürfen andere wiederum auf die Ergänzungen zugreifen. Bambu Studio steht unter dieser Lizenz, soweit also lizenzkonform.

Bambu hat jedoch ein Netzwerk-Plug-in in den Slicer eingebaut, das die erstellten Daten an die Bambu-Cloud sendet, von wo sie an den Drucker weitergeleitet werden. Seit Anfang 2025 ist dieser Weg verpflichtend. Alternative Slicer wie der beliebte OrcaSlicer [2] können nicht mehr direkt mit dem Drucker kommunizieren, sondern müssen über „Bambu Connect“ – im Wesentlichen dasselbe Netzwerk-Plug-in – die Bambu-Cloud durchlaufen.

Nachträgliche Einschränkung für bestehende Geräte

Wer einen Bambu-Drucker gekauft hat, bevor diese Änderung kam, erlebt einen massiven Einschnitt: Vorher ließen sich Dateien einfach lokal übers Netzwerk an den Drucker schicken, der Drucker konnte gesteuert und überwacht werden. Das geht jetzt nicht mehr. Der Funktionsumfang des bereits bezahlten Geräts hat sich nachträglich verschlechtert.

Das hat den polnischen Entwickler Pawel Jarczak gestört. Er veröffentlichte einen eigenen Fork von Bambu Studio – was er darf, denn Bambu Studio steht unter AGPL-Lizenz. Dieser Fork ermöglicht wieder die direkte Kommunikation mit Bambu-Lab-Druckern.

Bambu Lab warf Jarczak vor [3], sein Fork melde sich bei den Bambu-Servern als offizieller Bambu-Studio-Client – mit fest einprogrammierter Versionsnummer. Die Server könnten den legitimen von gefälschtem Traffic nicht unterscheiden, was die Cloud-Infrastruktur destabilisieren könne. Bambu drohte mit Sektion 1201 des amerikanischen Digital Millennium Copyright Acts – einem Gesetz, das das Umgehen technischer Schutzmaßnahmen unter Strafe stellt. Jarczak nahm seinen Fork daraufhin offline.

Damit war die Sache aber nicht erledigt. Jarczak wandte sich an Louis Rossmann, einen amerikanischen YouTuber und Right-to-Repair-Aktivisten, sowie an GamersNexus. Beide veröffentlichten den Fork und boten Jarczak jeweils 10.000 Dollar für seine rechtliche Verteidigung an. GamersNexus kündigte außerdem an, alle eigenen Bambu-Lab-Drucker hinauszuwerfen und durch Prusa-Drucker zu ersetzen.

Auch der US-Urheberrechtsanwalt Leonard French meldete sich zu Wort: Was Bambu da mache, sei ein klassisches Vorgehen für „progressives Einschließen“. Ein Hersteller bringe Hardware günstig mit vielen Funktionen auf den Markt, schränke diese dann Schritt für Schritt per Software-Update ein und sperre die Nutzer langsam aber sicher in ein Ökosystem ein, aus dem sie nicht mehr ohne Weiteres herauskommen.

Der AGPL-Vorwurf: Steckt mehr dahinter?

Jarczak legte zusätzlich eine detaillierte technische Analyse vor [4]: Das geschlossene bambu_networking-Plug-in sei kein unabhängiges Add-on, sondern ein tief integrierter Bestandteil von Bambu Studio. Bambu Studio lade, installiere und aktualisiere das Plug-in selbst, löse 108 Funktionen aus der geschlossenen Bibliothek auf und nutze es für zentrale Funktionen wie Login, Monitoring, LAN- und Cloud-Druck, MakerWorld, Kamera und Telemetrie.

Sein Fazit: Das Verteilen von Bambu Studio als AGPL-Programm, ohne den Quellcode des geschlossenen Plug-ins bereitzustellen, sei ein AGPL-Verstoß. Da Bambu Studio auf PrusaSlicer und Slic3r basiert – beides AGPL-Code von vielen Autoren –, könne Bambu Lab diese Ausnahme nicht einseitig einführen.

Josef Prusas Einschätzung auf X

Josef Prusa ist Gründer von Prusa Research, einem der bekanntesten 3D-Drucker-Hersteller weltweit – und Urheber des PrusaSlicers, auf dem Bambu Studio aufbaut. Er hatte Bambus AGPL-Verstoß bereits 2023 kritisiert, sah aber keine rechtliche Handhabe – ein Verfahren müsste vor einem chinesischen Gericht geführt werden.

In einem langen Post auf X [5] bettet er den Streit nun in einen größeren Kontext: Zwischen 2017 und 2023 habe China fünf Gesetze verabschiedet, die Unternehmen zur Geheimdienstkooperation verpflichten, dem Staat Zugang zu Verschlüsselungsschlüsseln sichern, chinesische Datenzugriffe unabhängig vom Serverstandort ermöglichen und entdeckte Schwachstellen direkt an Behörden leiten. Prusa kommt zu dem Fazit, dass fast die komplette 3D-Druckwelt damit in chinesischen Staatshänden liege. Das gelte ebenso für Hersteller chinesischer Autos, Kameras und KI-Modelle.

Offene Fragen

Ob Bambu Lab tatsächlich gegen Rossmann und Gamers Nexus vorgeht, ist bisher offen. Öffentlich hat der Streit eine Diskussion ausgelöst, die zumindest Teile der Community aufhorchen lässt. Und grundsätzlich berührt der Fall die Frage: Wem gehört eigentlich ein Gerät, das ich gekauft habe – und darf mir der Hersteller nachträglich Funktionen entziehen?

Für Bambu Lab ist es nicht das erste Mal, dass das Unternehmen sich unbeliebt macht: Bereits die Einführung von „Authorization Control“ Anfang 2025 [6] hatte für massive Kritik gesorgt. Der aktuelle Fork-Konflikt eskaliert diesen Streit nun auf eine neue, rechtliche Ebene. Der Fork selbst ist weiterhin bei Rossmann und GamersNexus verfügbar.


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  1. https://www.heise.de/thema/3D-Drucker
  2. https://www.heise.de/news/OrcaSlicer-2-3-2-Massives-Update-11265708.html
  3. https://blog.bambulab.com/setting-the-record-straight-on-cloud-access-and-community/
  4. https://github.com/jarczakpawel/OrcaSlicer-bambulab/blob/main/bambu_agpl.md
  5. https://x.com/josefprusa/status/2054602354851254330
  6. https://www.heise.de/news/Bambu-Lab-Sicherheitsfeature-sperrt-Dritt-Slicer-aus-10248408.html
  7. https://www.heise.de/make
  8. mailto:vza@heise.de

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Störungsmeldung vom 19.05.2026 09:00

Von heise online — 19. Mai 2026 um 09:00

Neue Störungsmeldung für Provider Deutsche Glasfaser

Details

Beginn
19.05.2026 09:00
Region
Dieburg (06071)
Provider
Deutsche Glasfaser
Zugangsart
FTTH

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Windows 11 ist ein kompletter Verkehrsunfall

Von Heise — 22. Mai 2026 um 18:16

Windows 11 hat den Ruf, ziemlich fehlerhaft zu sein. Wir wollten wissen: Was genau ist aktuell kaputt?

Windows 11 gilt als außergewöhnlich kaputt – so kaputt, dass sogar Microsoft inzwischen mehrfach öffentlich angedeutet hat, dass es Qualitätsprobleme gibt; erst vor wenigen Wochen sprach CEO Satya Nadella davon, dass man daran arbeiten wolle, „die Fans zurückzugewinnen“. c’t 3003 hat jetzt mal ganz genau hingeguckt: Wie schlimm ist es wirklich?

Transkript des Videos

(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)

Guckt mal hier, so endete neulich eine Windows-11-Neuinstallation bei mir: „Helfen Sie uns, die Roboter zu schlagen!“ Ja, und das war’s, da ging es nicht weiter. Ich vermute, dass da so eine Captcha-Abfrage sein sollte, aber offenbar hat Microsoft die vergessen einzubauen. Was doof ist, weil ich Windows nicht weiter installieren konnte. Und das ist nur ein Beispiel dafür, wie doll kaputt Windows 11 ist. Also so kaputt, dass Microsoft inzwischen mehrfach öffentlich zugegeben hat, dass es da wohl Probleme mit der Produktqualität gibt. Sogar von CEO Satya Nadella höchstpersönlich. Das sagt Microsoft, und hier in diesem Video gibt es jetzt den Realitätscheck. Also die Praxis. Was genau bekommt man, wenn man aktuell Windows 11 installiert? Und zwar auf einem Copilot+-fähigen Rechner, also mit NPU, mit Neural Processing Unit, also mit freigeschalteten KI-Funktionen. Ist das wirklich alles so schlimm, dass Microsoft öffentlich zu Kreuze kriechen muss? Spoiler: nein, viel schlimmer. Und das ist jetzt kein Bait, sondern ich war wirklich, wirklich ernsthaft geschockt. Bleibt dran!

Liebe Hackerinnen, liebe Internet-Surfer, herzlich willkommen hier bei...

Okay, zuerst mal ein kleiner Disclaimer. Das Video hier soll kein dumpfes Microsoft-Bashing sein. Wirklich nicht. Seit ich ungefähr 14 bin, benutze ich selbst Windows, und ich habe Windows deshalb auch irgendwie ins Herz geschlossen. Meine Liebe erkaltet allerdings immer mehr, weil sich Windows mehr und mehr in eine Richtung entwickelt, die immer weniger mit dem zu tun hat, was ich von einem Betriebssystem will. Deshalb benutze ich inzwischen immer mehr Linux und macOS. Und jetzt wollte ich mir für dieses Video noch mal im Detail angucken, was man eigentlich so erlebt, wenn man aktuell Windows 11 installiert.

Mein Versuchsaufbau: ein Rechner mit AMD Ryzen AI Max+ 395, also mit einem extra KI-Chip, der 50 Billionen Operationen pro Sekunde schafft, abgekürzt TOPS, also Trillion Operations Per Second. Und darauf die neueste Windows-11-ISO mit Version 25H2 drauf. Los geht's mit

Kapitel 1: Installation

Ja, hier poppt direkt so eine Bilder-Show auf, oder Diashow, wie Windows das nennt, wo man dann sehen kann, was man alles Tolles jetzt mit KI machen kann. Und ja, dann steht da: Ergreifen Sie Maßnahmen zu allem, was Sie sehen. Aktion per Mausklick hebt Text und Bilder hervor, bei denen Sie Hintergründe weichzeichnen, Objekte löschen, nach Informationen suchen und mehr tun können. Ich weiß jetzt nicht genau, ob das ein Problem in meiner persönlichen Informationsverarbeitung ist, aber ich habe das dreimal gelesen. Ich verstehe das wirklich nicht. Aber wir sind ja hier noch bei der Installation, willkommen noch zu der Funktion. Könnt ihr euch schon mal darauf freuen. Super Funktion. Heißt allerdings in echt anders.

So, als Nächstes steht da: Schalten Sie Ihre Microsoft-Erfahrung frei. Da wird mir jetzt also angepriesen, was ich alles kriege, wenn ich mich hier anmelde. Ja gut, das klingt ja freiwillig. Kann ich mich denn jetzt trotzdem entscheiden, dass ich mich da lieber nicht anmelden will? Natürlich nicht. Habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht? Geht nicht. Das ging früher mal. Es geht jetzt nicht mehr. Also zumindest nicht offiziell. Bei der Konkurrenz, also bei macOS und natürlich auch bei Linux, ist das kein Problem. Die kann man problemlos installieren, ohne sich in irgendeinem Account anzumelden. Bei Linux gibt es gar keinen Account. Ja, bei Windows 11 muss man in seinen Microsoft-Account. Es gibt einen Workaround. Man kann mit Shift + F10 auf die Konsole, und dann kann man da start ms-cxh:localonly eingeben. Da darf man einen lokalen Nutzer anlegen, da geht es ohne Account.

Aber auch wenn ich Betriebssysteme eigentlich gerne mit lokalem Konto betreibe, habe ich das jetzt hier nicht gemacht. Werde mich jetzt hier also in meinen Microsoft-Account anmelden, weil ich will mir ja den offiziellen Zustand angucken. Also anmelden übrigens mit einem ganz normalen privaten Microsoft-Konto von mir, nicht mit irgendeinem beruflichen Konto, wo womöglich vom Arbeitgeber irgendwelche Sachen eingestellt sind. Also alles ganz normal, persönlich, privat von mir angelegtes Microsoft-Konto. Ich gebe also meine Mailadresse ein, und dann kommt da: Anmelden mit einem Hauptschlüssel. Stecken Sie den Sicherheitsschlüssel in den USB-Anschluss. Hä? Hauptschlüssel, Sicherheitsschlüssel, was? Ich kann wirklich mit Sicherheit sagen, dass ich kein USB-Gerät besitze, das ich hier jetzt verwenden könnte. Vermutlich ist sowas wie ein FIDO2-Key gemeint. Besitze ich nicht. Ich habe auch zuerst überhaupt nicht verstanden, was das überhaupt sein soll. Aber dann habe ich mir das selbst so erschlossen.

Offenbar habe ich mich mal auf macOS in diesen Microsoft-Account eingeloggt und dann einen Passkey erstellt, der dann in meiner macOS-Keychain, also in der Cloud, gespeichert wurde. Aber warum sagt Windows das nicht? Also warum verwenden die nicht mal den Begriff Passkeys? Ja, und ich habe mir das herleiten können. Ich mache aber auch hauptberuflich Dinge mit Computern. Die meisten Windows-Nutzer hätten das vermutlich nicht verstanden. Also kein Passkey für mich. Muss ich mich also anders einloggen. Ich gebe also mein Passwort ein und werde dann aufgefordert, mich mit einem zweiten Faktor auszuweisen. Ich wähle da jetzt SMS auf meinem Handy aus, und dann kommt: Helfen Sie uns, die Roboter zu schlagen. Mehr nicht. Ich habe das mehrfach ausprobiert, bin mehrfach zurückgegangen, wieder hin. Und ja, der Rechner hatte auch eine Internetverbindung. Hier habe ich mir auch wieder selbst hergeleitet, dass hier in dem Kontext wohl so ein Captcha erscheinen sollte. Also kennt ihr ja diese Tests, wo man so Fahrräder oder Autos erkennen soll, um Bots abzuwehren. Also CAPTCHA: Completely Automated Public Turing Test to Tell Computers and Humans Apart.

Wenn ihr jetzt sagt: Ja, Keno, das war ja aber ganz spezifisch dein System. Da war vielleicht ganz speziell was komisch. Nein. Zu beiden Problemen, also diesem Passkey-Ding und dieser Roboter-Schlagen-Geschichte, da findet man im Netz etliche Stellen, in denen Leute genau das gleiche Problem schildern. Also ich bin definitiv nicht der Einzige, der dieses Problem hat. Fassen wir mal zusammen: Schon beim Installieren passieren bei Windows 11 richtig krasse Fails. Also Fails, die bei vielen Leuten dazu führen, dass sie nicht weiter installieren können. Und ja, das ist eine manuelle Neuinstallation. Da könnt ihr jetzt sagen: Das passiert nur bei Leuten, die sich mit Computern auskennen, weil sonst machen ja keine Leute eine eigene Neuinstallation. Normale Leute kaufen sich ja Rechner, bei denen Windows vorinstalliert ist.

Aber beide meiner Fails sind ja nicht spezifisch beim Installieren passiert, sondern die sind beim Einloggen passiert. Das heißt, das hätte mir auch passieren können, wenn ich einen neuen Rechner gekauft hätte und versucht hätte, mich in meinen vorhandenen Microsoft-Account einzuloggen. Dann wären diese Probleme sehr wahrscheinlich auch aufgetaucht. Also der mit dem Passkey ziemlich sicher. Also das finde ich auf jeden Fall ziemlich heftig, dass schon solche rudimentären Dinge wie Einloggen nicht funktionieren. Also man kann hier auch schon mal sagen, dass Microsoft vielleicht auch bei der deutschen Lokalisierung nicht nur KI ranlassen sollte, sondern vielleicht auch mal einen Menschen, der die Sprache kann, drüber gucken lassen sollte. Weil diese schlechten Übersetzungen, dass da nicht einmal Passkeys steht, dass da irgendwas von Robotern abwehren steht, also diese schlechten Übersetzungen, die dazu führen, dass man Dinge nicht versteht, die ziehen sich durch ganz Windows und durchs ganze Video.

Beim dritten Einlog-Versuch hat es auf jeden Fall geklappt, als ich als zweiten Faktor E-Mail ausgewählt hatte. Naja, dann geht die Installation auf jeden Fall weiter, aber ruhiger bin ich dann trotzdem nicht geworden. Denn da kommt dann jetzt so viel Werbung, da kommt man sich fast vor wie auf so einer Kaffeefahrt. Nein, ich will kein OneDrive. Nein, ich will kein Office 365. Nein, kein Xbox-Abo. Nein, nein, nein. Also Installation nicht so gut gelaufen. Aber jetzt ist ja alles fertig installiert. Jetzt kommt

Kapitel 2: Usability

Und ja, alles, was ich im Bereich Usability schon vor anderthalb Jahren in einem 3003-Video über Windows 11 kritisiert habe, das ist da immer noch da. Das ist immer noch nicht behoben. Das ist alles immer noch total nervig.

So zum Beispiel diese super verwirrenden doppelten Einstellungsdialoge. Wenn ich die Energiesparfunktion einstellen will, was ja häufiger vorkommt, weil das ja wichtig ist, weil das ja auch damit zu tun hat, wann soll der Rechner sich schlafen legen und so weiter. Also das benutze ich zumindest sehr oft. Dann gibt es halt zwei unterschiedliche Menüs. Also wenn ich Energie eintippe ins Startmenü, dann kommt da zuerst Energiesparplan, und dann kommt Energieaktionseinstellung und dann Energiespareinstellung. Und die letzten beiden, die machen das Gleiche, die gehen ins gleiche Menü. Aber das erste, Energiesparplan, das ist ein anderes Menü. Die widersprechen sich auch. Also hier habe ich jetzt mal beste Leistung eingestellt, und hier habe ich ausbalanciert eingestellt. Und welches von den beiden ist jetzt aktiv? Keine Ahnung.

Und natürlich der Klassiker. Ich kann hier in den Einstellungen den dunklen Modus für alles aktivieren. Also nicht für alles, weil einige Menüs wie der genannte Energiesparplan und auch so Sachen wie der Gerätemanager und die Computerverwaltung, die halten sich alle nicht an den Dark Mode, weil das uralte Menüs sind, die Windows seit Jahrzehnten mit sich rumschleppt. Und ja, das ist alles nicht so richtig vertrauenserweckend. Nicht nur, dass diese Menüs so komisch aussehen, sondern auch, dass sie einfach den systemübergreifenden Dark Mode nicht unterstützen. Das ist aber zumindest eine der Sachen mit dem Dark Mode, bei der Microsoft Verbesserungen angekündigt hat. Wir gucken uns gleich noch mal an, ob das bei der aktuell erhältlichen Windows-11-Beta schon besser geworden ist und schon gepatcht ist.

Ein anderer Nerv-Klassiker, der hier in der normalen Standard-Windows-11-Version noch drin ist: Man kann die Position der Taskleiste nicht verändern. Und das wurde auch seit Tag 1, seit Windows 11 existiert, kritisiert. Hier hat Windows jetzt auch angekündigt, dass das besser werden soll, also dass man die Taskleiste rechts, links, oben, unten drapieren kann. Und ein anderer Klassiker, auch seit Tag 1 kritisiert, und da hat Microsoft meines Wissens noch nicht angekündigt, dass sie das verbessern werden: das komische doppelte Rechtsklick-Menü, was obendrein auch noch nervig langsam ist. Guck mal, wie lange das hier dauert. Mindestens eine halbe Sekunde. Und das ist ein gerade aufgesetztes System auf schneller Hardware. Das wird also potenziell eher schlimmer mit mehr Nutzung.

Aber halt am allernervigsten: Es gibt dieses abgespeckte Rechtsklick-Menü, und dann gibt es ein vollständiges. Und will man das vollständige, muss man hier auf Weitere Optionen anzeigen klicken, und erst dann kommt ja das vollständige. Zum Beispiel hier bei mir mit den ganzen praktischen 7-Zip-Aktionen, die ich echt häufiger benutze, die gibt es dann halt erst im zweiten Menü. Nervig.

Kapitel 3: KI-Funktionen

Und jetzt aber der dritte Bereich, nämlich KI. Da fokussiert Microsoft ja schon seit einiger Zeit drauf. Es gibt ja auch seit zwei Jahren die sogenannten Copilot+-PCs, die nicht nur eine eigene Copilot-Taste auf der Tastatur haben, sondern auch dolle neue KI-Sachen können sollen.

Ja, und für diese PCs hat Microsoft strenge Vorgaben, unter anderem eine NPU, also keine MPU, sondern eine NPU, Neural Processing Unit, also den KI-Spezialchip. Und mein Rechner, auf dem Windows 11 läuft, der hat ja so eine NPU. Da sollten die ganzen Zusatzfunktionen also freigeschaltet sein. Ja, sollten, denn bei meinem AI Max+ 395 wird die NPU zwar hier im Taskmanager angezeigt, aber ja, die wahrscheinlich zentralste Copilot+-Funktion und auch die umstrittenste, die kann ich trotzdem nicht benutzen. Die Rede ist von Windows Recall, also dieser Funktion, die permanent Screenshots macht von allem, was auf dem Bildschirm ist, und das Ganze dann im Nachhinein durch eine KI-Erkennung durchsuchbar macht. Ja, also viele Menschen wollten das nicht, weil intim, aber wenn man es wollen würde, dann geht es trotzdem nicht.

Das hier sind die Systemanforderungen für Recall: Copilot+-PC, NPU mit mindestens 40 TOPS, ich habe 50, 16 GB RAM habe ich auch locker, 256 GB Speicherkapazität habe ich auch, und dann 50 GB freien Speicherplatz habe ich auch. Benutzer müssen die Geräteverschlüsselung oder BitLocker aktivieren, habe ich auch. Jetzt kommt's: Benutzer müssen sich bei Windows Hello erweiterten, grammatikalisch schwierig, erweiterten Anmeldesicherheit mit mindestens einer aktivierten biometrischen Anmeldeoption registrieren, um sich zu authentifizieren. Ja, und ich habe mir sogar extra eine Windows-Hello-kompatible Webcam besorgt und einen Hello-kompatiblen Fingerabdrucksensor. Aber beides ist leider nicht mit ESS, also Enhanced Sign-In Security, kompatibel, weil in Deutschland gibt es, also Stand Ende Mai, keine Geräte zu kaufen, die das beherrschen. Also ich habe auf jeden Fall doll danach gesucht, ich habe keine gefunden.

Und ja, jetzt sagt Microsoft wahrscheinlich: Ja Mensch, ihr habt doch alle immer gemeckert, ihr Journalisten, als wir die Recall-Funktion gezeigt haben, dass das alles so unsicher ist. Und jetzt meckert ihr, weil es zu sicher ist, oder was? Nein, ich meckere nicht. Ich fand es einfach nur interessant, dass man die Funktion einfach de facto auf dem stationären PC in Deutschland nicht verwenden kann. Es gibt natürlich Notebooks, die haben ESS-kompatible biometrische Sensoren drin. Alles gut, die können dann Recall, aber eben keine Desktops. Interessant. Dafür gehen ja die ganzen anderen KI-Funktionen, oder? Oder? Oder?

Ja, aber nee. Und das sind halt auch nicht so richtig viele. Also kommen wir mal zu dem bei der Installation beworbenen Aktion per Mausklick oder besser Click to Do. So heißt das auch offiziell, also Click to Do. Und das heißt auch manchmal so in der deutschen Dokumentation. Da steht dann oben Aktion per Mausklick, und im Text steht dann öfter mal Click to Do. Also das ist wirklich nicht gut übersetzt und so verwendet. Also man kann wohl davon ausgehen, dass es einfach alles mit einer KI übersetzt wurde, würde ich sagen. Und dann nur noch so halb drüber geguckt. Click to Do, und die Funktion hatte ich ja am Anfang vorgelesen, die Beschreibung davon, wo ich es nicht ganz verstanden habe, die habe ich jetzt verstanden, und die ist einfach total unspektakulär. Also man kann damit einfach einen Screenshot machen, und dann kann man Texte daraus copypasten. Also Windows lässt da eine OCR drüber laufen, lokal auf der NPU. Cool. Und dann kann man Texte copypasten. Ja, aber das ist halt eine Funktion, die zum Beispiel Handys schon lange können. Also bei iOS ist diese Texterkennung in Bildern im System integriert, bei Android geht das einfach über Google Lens. Also das ist ja wirklich absolut nichts Spektakuläres.

Eine andere Funktion, die eigentlich ziemlich praktisch sein könnte, sind die live übersetzten Untertitel. Man hat also eine beliebige Tonquelle, also einen Podcast oder ein Video, und kann sich die Sprachspur dann nicht nur transkribieren lassen, sondern auch direkt übersetzen. Habe ich ja ausprobiert. Japanischsprachiges Video wird direkt übersetzt. Okay, cool. Läuft auch lokal auf der NPU. Aber erstens geht das nur auf Englisch. Also man kann sich nur andere Sprachen ins Englische übersetzen lassen, zum Beispiel nicht ins Deutsche. Schade. Und die Textqualität ist auf jeden Fall schlechter bei meinen Tests als die automatisch übersetzten YouTube-Untertitel. Und die sind auch schon eher nicht so richtig gut.

Ja, und dann haben wir noch ganz doll die Windows Studio Effects. Da soll man so dolle Echtzeit-Videoeffekte mit dem Webcam-Bild machen können, zum Beispiel, dass die Augen immer so aussehen, als würden die in die Kamera gucken, obwohl man gerade irgendwo anders hinguckt. Aber obwohl ich hier mit so einer Dell UltraSharp so eine ziemlich Standard-Webcam habe, funktioniert das mit den Studio Effects nicht. Ja, okay. Ja, und dann gibt es noch die Copilot-Funktion in Paint. Ja, es ist mir auch unklar, was in die Cloud geschickt wird und was lokal läuft. Auf alle Fälle kann ich mit Fug und Recht behaupten, auf meinem System funktionieren viele Sachen gar nicht. Zum Beispiel Sticker-Generator. Das habe ich wirklich zehnmal neu gestartet und immer wieder neu probiert. Und da kommt einfach nichts, egal, wie lange ich warte. Und bei Cocreator, wo man sowas kritzeln kann und dann wird das besser gemacht, funktionierte es bei mir in neun von zehn Fällen auch nicht. Einmal habe ich es geschafft, dass da so ein Schwein generiert wurde. Das hatte aber rein gar nichts mit dem zu tun, was ich da vorher gekritzelt habe.

Also was soll ich sagen? Ich habe die KI-Funktion sehr intensiv gesucht in der aktuellen Windows-11-Version, und ja, ich habe sie nicht gefunden. Also klar, es gibt immer mehr Software, die vorhandene NPUs unterstützt. Ganz klar. Also unter anderem Adobe-Programme und auch sowas wie DaVinci Resolve. Aber in diesem Video geht es ja um Windows. Und Microsoft versucht ja auch, Windows als KI-Betriebssystem mit diesem Label Copilot+ zu verkaufen, seit Jahren schon. Und da kommt bislang irgendwie nicht so viel. Das kann man, glaube ich, sagen.

Vorab-Versionen ausprobiert

So, hier jetzt noch mal ein versprochener Einschub mit den aller-, allerneuesten Windows-11-Versionen, auch den Vorabversionen. Ich habe mir extra so lange Zeit gelassen, wie es ging, damit es eben nicht heißt, wenn das Video hier veröffentlicht ist, dass Microsoft das doch alles schon repariert hat. Also das offizielle, also das normale Windows 11 25H2, das habe ich noch mal mit dem Patch-Stand vom 19. Mai 2026 ausprobiert. Und tatsächlich, ich weiß nicht genau, woran es lag, ob es tatsächlich ein Patch war oder, keine Ahnung, die Mondphase. Jedenfalls hat die Bildgenerierung in Paint jetzt zuverlässig funktioniert. Also sowohl dieses Sticker als auch das Cocreator-Tool, wo man was zeichnet und dann wird das generiert. Was schön ist: Das läuft alles lokal auf der NPU. Konnte ich auf jeden Fall im Taskmanager nachvollziehen. Was nicht so schön ist: Beides halte ich für nicht wirklich brauchbar. Hier seht ihr zum Beispiel 3003-Sticker. Ja, okay. Und hier Cocreator, wo ich 3003 dahingekritzelt habe. Ja, da hat das generierte Bild jetzt wenig mit zu tun.

Alles andere, in diesem Video Kritisierte, wurde nicht repariert. So, und jetzt habe ich noch eine Vorabversion ausprobiert. Dafür muss man sich im Update-Dialog in Windows Insider anmelden. Ich habe die Experimental Preview Build 26308493 vom 15. Mai 2026 getestet, und da soll jetzt laut der Microsoft-Dokumentation endlich die Taskleisten-Position geändert werden können. Aber nein, klappt hier nicht. Offenbar hat das damit zu tun, dass die Verbesserungen graduell ausgerollt werden. Ja, schade. Was allerdings funktioniert und was ich auch ganz gut finde: Man kann die Taskleiste insgesamt jetzt kleiner machen. Aber leider ist alles andere im Video Erwähnte immer noch genauso kaputt. Was ich vor allem sehr bezeichnend fand: Nach dem Update auf diese Vorabversion hat Windows gemeldet, ich müsste hier noch was einstellen, bevor ich die neue Version verwenden kann. Und was war es Wichtiges? Werbung, unter anderem für Game Pass Premium.

Fazit

Okay, dass Microsoft sagt, sie müssen dringend Windows nachbessern, das würde ich auch durchaus für sinnvoll halten. Also wenn man bedenkt, dass Windows wirklich mal das Flaggschiff-Produkt von Microsoft gewesen ist und eigentlich auch das Produkt, dem Microsoft vieles, wenn nicht sogar alles, zu verdanken hat, dann ist das wirklich herzerbrechend, wie der Zustand dieses Produkts aktuell ist. Also Windows 11, dass sowas Grundlegendes wie Einloggen in den Account bei meiner Installation mit unterschiedlichen Versuchen und mit unterschiedlichen Problemen einfach nicht funktioniert, das ist ja fatal. Okay, dann dieser ganze Werbekram. Das ist vielleicht eine Stilfrage. Ich finde es peinlich, aber gut, dass man aber wirklich so rudimentäre Sachen, die auch schon so lange kritisiert werden, wie die sich widersprechenden Einstellmenüs und das komische doppelte Rechtsklick-Menü, dass das alles nicht repariert wird und dass man dann obendrauf noch so ein Brimborium über KI-Funktionen macht, die dann nicht nur unbrauchbar sind, sondern manchmal auch gar nicht funktionieren. Also puh.

Und all das sind ja nur die Sachen, die ich selbst hier für dieses Video beobachtet habe, also mit eigenen Augen hier dokumentiert, die ganzen anderen Bugs, von denen etliche Leute immer wieder berichten, die habe ich ja nicht mal erwähnt. Also Microsoft, ran da. Es gibt wirklich viel zu tun. Oder was meint ihr? Gerne in die Kommentare schreiben. Gerne Daumen nach oben und ja, tschüss.

c't 3003 [1] ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.


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Gelöscht und doch nicht weg: Signal speichert Nachrichten länger als erwartet

Von Heise — 22. Mai 2026 um 16:21
Signal-App auf einem Smartphone, darüber eine Fignerspitze

(Bild: Melnikov Dmitriy / Shutterstock.com)

Je nachdem, wie intensiv man den Messenger nutzt, kann es Tage dauern, bis eine gelöschte Nachricht weg ist. Signal ignorierte den Fehler ein halbes Jahr.

Der verschlüsselte Messenger Signal nimmt es mit dem Entfernen gelöschter Nachrichten nicht so genau wie erwartet, hat der Sicherheitsforscher Harry Sintonen herausgefunden. Er meldete das Problem an die zuständigen Ansprechpartner und erhielt ein halbes Jahr lang keine Rückmeldung. Nun geht er an die Öffentlichkeit.

Die Signal-App nutzt eine verschlüsselte SQLite-Datenbank zur Speicherung aller Nachrichten. Die speichert Transaktionen, also auch geplante Löschungen, in einem sogenannten Write-Ahead Log zwischen, das zu bestimmten Gelegenheiten abgearbeitet wird. Löscht ein Nutzer eine Nachricht in der Signal-App (oder nutzt deren „verschwindende Nachrichten“), wird der entsprechende Datenbankeintrag aus der App ausgeblendet und im Write-Ahead Log zur Löschung markiert. Bis diese Löschung ausgeführt wird und somit die Nachricht vom Gerät verschwindet, können nach Sintonens Aussage Tage, bei wenig genutzten Signal-Instanzen gar Wochen vergehen.

Die verschlüsselte SQLite-Datenbank ist eine simple Datei. Sichert der Nutzer die Daten seiner Signal-App regelmäßig, etwa über die stündliche Sicherung bei Apples Time Machine, so können es Datenbankdateien mit eigentlich gelöschten Nachrichten in ein Backup schaffen und dort auf unbestimmte Zeit verweilen. Zumindest liegen sie dort nicht im Klartext: Die SQLcipher-Datenbank der Signal-App ist verschlüsselt. Ein Angreifer, der Nachrichten lesen möchte, müsste diese Verschlüsselung knacken oder die Schlüssel beim Nutzer abziehen. Das ist etwa über einen Infostealer denkbar, denn Signal bietet Desktop-Apps für Linux, Windows und macOS an.

Risiko meist nicht sehr hoch

Für Nutzer, die Signal recht intensiv verwenden, ist das Risiko gering, dass gelöschte Nachrichten lange auf dem Gerät verweilen. Denn das Write Ahead Log wird nach Erreichen einer bestimmten Größe abgearbeitet und geleert. Wer sicher gehen will, dass die gelöschte Nachricht sofort weg ist, startet einfach die App neu – auch das arbeitet das Write Ahead Log ab.

Mögliche Angriffe und Datenlecks dürften sich auf die offeneren Desktop-Betriebssysteme beschränken – deren Nutzer sollten sichergehen, dass sensible Nachrichten nicht versehentlich in einem Time-Machine-Backup landen. Wer ganz auf Nummer Sicher geht, verbannt die Signal-App vom Schreibtischrechner und nutzt sie nur auf dem Smartphone.

Signal-Team ignoriert Forscher

Der Veröffentlichung ging eine halbjährige Wartezeit voraus. Bereits im November 2025 wandte sich Sintonen an Signals Sicherheitsteam, erhielt aber keine Antwort. Auch Kontaktversuche im April blieben ohne Erfolg. Nachdem Signal 180 Tage lang untätig geblieben war, entschied der Sicherheitsforscher sich, die Lücke in einem Advisory [1] zu veröffentlichen. Es enthält auch einen „Proof of Concept“, mit dem man das Problem selbst nachvollziehen kann. Putziges Detail: Die Beispielnachricht „KENSENTME“ dürfte Liebhabern der Sierra-Grafikadventures der Achtziger bekannt vorkommen.

ken sent me
ken sent me

Als Leisure Suit Larry im Jahr 1987 das Passwort „Ken sent me“ nutzte, um ins Kneipen-Hinterzimmer zu kommen, war von verschlüsselten Messengern noch keine Rede.

Der Messenger Signal ist derzeit Ziel großangelegter Phishing-Kampagnen, denen unter anderem Bundespolitiker zum Opfer fielen. Die „Signal-Affäre [2]“ wurde jedoch nicht durch Sicherheitslücken in der App, sondern geschickten Betrug an den Opfern ausgelöst. Signal kümmert sich nun um Gegenmaßnahmen [3].


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  1. https://sintonen.fi/advisories/signal-deleted-but-not-forgotten.txt
  2. https://www.heise.de/news/Signal-Affaere-Angriffe-halten-an-Bundesanwaltschaft-ermittelt-11272101.html
  3. https://www.heise.de/news/Signal-will-per-Warnhinweis-vor-Phishing-warnen-11288331.html
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Fotoanbieter Portraitbox: Erpressung nach Sicherheitsvorfall?

Von Heise — 22. Mai 2026 um 15:34
Foto einer Kamera, die eine Frau in der Hand hält

(Bild: MheePanda/Shutterstock.com)

Unbekannte haben offenbar über eine mangelhaft gesicherte API Daten abgezogen und danach gelöscht. Tausende Fotografen und ihre Kunden sind betroffen.

Der Fotoanbieter Portraitbox wird nach einem Cyberangriff offenbar erpresst. Das berichten verschiedene Quellen unter Berufung auf Betroffene. Das Paderborner Unternehmen bietet professionellen Fotografen ein Shop- und Galeriesystem, mit dem sie ihren Kunden digitale Kontaktabzüge etwa für Fotobestellungen schicken können. Die Galerien sind derzeit offline, verschiedene Fotostudios haben bereits ihre Kunden unterrichtet.

Am Wochenende des 16. und 17. Mai 2026 verschafften sich Angreifer offenbar Zugriff auf die AWS-Konten von Portraitbox, luden sämtliche dort gespeicherten Fotos und Kundendaten herunter und löschten sie dann. Sie drohen mit einer Veröffentlichung der Daten, will das Portal anwalt.de [1] erfahren haben. Wer der oder die Erpresser sind und welches Lösegeld sie fordern, ist zur Stunde unklar. Auf den üblichen Leakseiten und -portalen taucht Portraitbox nicht auf, womöglich um laufende Lösegeldverhandlungen nicht zu gefährden.

Betroffen sind alle Galerien, die Fotostudios und freie Fotografen für ihre Kundenbilder anlegt haben. Solche Galerien dienen nach einem Fototermin dazu, Fotos als Abzüge zu bestellen und später Nachbestellungen zu vereinfachen. Portraitbox übernimmt auch die Bestellabwicklung und den Versand von Benachrichtigungs-E-Mails für seine Kunden. Die Namen, Mail- und Lieferadressen der Fotografierten zählen auch zu den erbeuteten Daten. Die Zugangsdaten, meist automatisch generierte und per E-Mail versandte Zugangscodes, sind Berichten zufolge ebenfalls abhandengekommen.

Galerien bei Portraitbox offline
Galerien bei Portraitbox offline

Weitergehen, gibt nichts zu sehen: Die Fotogalerien bei Portraitbox sind nach einem Sicherheitsvorfall offline.

Portraitbox hat etwa 2000 Kunden aus der Fotobranche. Wenn jedes dieser Fotostudios nur 100 Personen abgelichtet hat, sind 200.000 Betroffene zu verzeichnen. Heikel: Nicht nur für normale Familienfotos bietet sich Portraitbox an, sondern auch für Schul- oder Kindergartenfotos – viele Betroffene waren also zum Zeitpunkt der Aufnahme minderjährig.

Fotografen sollten den Vorfall zügig melden

Das Unternehmen hat seine Kunden, die Fotostudios, informiert – nicht aber die Endkunden. Das ist datenschutzrechtlich zulässig, denn: Portraitbox tritt datenschutzrechtlich als sogenannter Auftragsverarbeiter auf. Verantwortlich für die Verarbeitung der Daten bleibt der Fotograf selbst. Das heißt: Alle Fotografen, die Portraitbox nutzen, müssen die zuständige Aufsichtsbehörde von dem Datenschutzvorfall in Kenntnis setzen und die Betroffenen – also alle Fotografierten – informieren. Denn: Da die Angreifer angeblich mit einer Veröffentlichung der Daten drohen und mitunter besonders sensible Aufnahmen gemacht wurden (von Kindern, aber auch Erotikfotos), handelt es sich um einen Datenschutzvorfall mit hohem Risiko.

Die 72-Stunden-Frist für eine Meldung bei der Aufsichtsbehörde, also den Landesdatenschutzbeauftragten für das Bundesland, in dem der Fotograf ansässig ist, läuft bald ab. Da Portraitbox bereits am 20. Mai eine Informationsmail verschickte, bleiben nur noch wenige Stunden bis Samstag für eine fristgerechte Meldung. Dass die Cyberkriminellen bei Nichtzahlung des Lösegelds Ernst machen, ist wahrscheinlich: Vor mehreren Jahren veröffentlichten Ransomware-Gangster sogar Fotos von Brustkrebspatientinnen [2].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11304453

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.anwalt.de/rechtstipps/datenpanne-bei-portraitbox-was-fotografen-jetzt-in-72-stunden-tun-muessen-270936.html
  2. https://www.heise.de/news/Skrupellos-Cybergang-Alphv-veroeffentlicht-Patientenbilder-nach-Einbruch-7536239.html
  3. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Avatare und Augmented Reality: Apple schnappt sich kleines Start-up

Von Heise — 22. Mai 2026 um 14:48
Eine der Apps von Animato

Eine der Apps von Animato: Call Annie brachte Neulingen die englische Sprache näher.

(Bild: Animato)

Die Firma Animato hatte unter anderem Avatare für Bildung und Videochats im Angebot. Geistiges Eigentum und Mitarbeiter dürfen nun von Apple erworben werden.

Apple hat im Rahmen eines Asset-Deals Materialien, Rechte und womöglich auch Mitarbeiter eines auf Augmented-Reality-Systeme und Avatare spezialisierten Start-ups übernommen. Die Firma Animato, die unter anderem die KI-Tutoring-Lösung Call Annie [1] entwickelt hat, war in Kalifornien beheimatet. Der Kauf wurde über Berichtspflichten [2] im Rahmen des Digital Market Act (DMA) der EU-Kommission bekannt.

Typische Apple-Aufkaufstrategie

Apple erkaufte sich demnach das Recht, Animatos laufende Patentanträge zu übernehmen, bekommt Lizenzen für das geistige Eigentum der Firma (interessanterweise allerdings nicht exklusiv) und erhält die Erlaubnis, Mitarbeiter zu übernehmen. Laut der Beschreibung auf der EU-Website entwickelt und vertreibt Animato „Software, die virtuelle Avatare für Videochats und Lehre kreiert“.

Der Vorgang bedeutet keine direkte Übernahme von Animato, sondern es gehen nur Assets an Apple über. Durch die Erlaubnis, Mitarbeitern Angebote zu machen, wird aus dem Deal zudem ein „Acqui-Hire“, also eine Kombination aus Teilübernahme und dem Versuch, Talente anzuwerben. Apple führt solche Käufe regelmäßig durch, hat dadurch bereits wichtige Funktionen, Apps und Techniken ins Unternehmen geholt. Zu den bekannten Akquisitionen zählt die Mannschaft hinter iTunes (aus dem später Apple Music wurde) oder das Team hinter den visionOS-Avataren. Auch die Sprachassistentin Siri stammt ursprünglich nicht von Apple selbst.

Diverse KI- und Augmented-Reality-Firmen übernommen

Es ist unklar, was Apple mit dem Animato-Know-how plant. Oftmals kann es Jahre dauern, bis aus einem solchen Aufkauf ein Produkt wird. Zuletzt hatte Apple unter anderem die Firmen WhyLabs, Mayday Labs, TrueMeeting und PromptAI [3] übernommen. Gerade in spezielleren Bereichen wie Augmented Reality oder KI scheinen sich solche Erwerbungen zu lohnen. Allerdings kommt es auch vor, dass die dadurch ins Unternehmen kommenden Mitarbeiter dieses nach Ablauf ihrer Verträge sofort wieder verlassen.

Apple hatte zuletzt etwa massiv mit Abgängen aus seiner KI-Abteilung zu kämpfen – Mitarbeiter ließen sich von besseren Angeboten [4] wie denen von OpenAI, Anthropic oder Meta anlocken. Seit einigen Monaten ist hier aber wieder mehr Ruhe eingekehrt. Letzter großer Abgang war die Verrentung des KI-Chefs John Giannandrea [5].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11304219

Links in diesem Artikel:

  1. https://callannie.ai/
  2. https://digital-markets-act-cases.ec.europa.eu/acquisitions
  3. https://www.heise.de/news/Apple-kauft-deutsches-Color-Grading-Tool-Color-io-11292201.html
  4. https://www.heise.de/news/Siri-und-Apple-Intelligence-Neues-Management-soll-KI-Output-verbessern-10256804.html
  5. https://www.heise.de/news/Apples-frueherer-KI-Chef-John-Giannandrea-verlaesst-das-Unternehmen-11255446.html
  6. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  7. https://www.heise.de/mac-and-i
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Betrug im App Store: Apple stoppt laut eigenen Angaben Milliarden-Verluste

Von Heise — 22. Mai 2026 um 13:56
App-Store-Icon vor wolkigem Hintergrund

App-Store-Icon vor wolkigem Hintergrund.

(Bild: Tada Images / Shutterstock)

Apple betont die Sicherheit seines Online-Softwareladens. Allerdings wird dieser immer öfter angegriffen. Milliarden betrügerische Accounts wurden deaktiviert.

Die Gefahr durch betrügerische Apps nimmt laut Zahlen von Apple eher zu als ab. Apples App-Review-Team (beziehungsweise dessen KI-System) habe im vergangenen Jahr über 2 Millionen potenziell problematische Apps abgelehnt, teilte das Unternehmen mit. Im Jahr 2024 lag die Zahl noch bei 1,9 Millionen [1]. Auch die Summe an betrügerischen Zahlungen, die Apple laut eigenen Angaben verhindert hat, stieg: Von 2 Milliarden auf 2,2 Milliarden US-Dollar. Damit will man in den letzten sechs Jahren insgesamt 11,2 Milliarden Dollar an Betrügereien verhindert haben.

Mehr Betrug, mehr Schaden

Besonders erstaunlich: 2025 soll es 1,1 Milliarden Versuche gegeben haben, betrügerische App-Store-Accounts anzulegen, die Apple verhindern konnte. Die Zahl lag im Vorjahr noch bei 711 Millionen. Böswillige Akteure hätten ihre Methoden zum Betrug weiterentwickelt und nutzten unter anderem Bot-Netzwerke zur Account-Erstellung. Die Anzahl der Kundenzugänge, die Apple nachträglich aufgrund von Betrug und Missbrauch deaktiviert hat, sank allerdings: von rund 130 Millionen 2024 auf nun 40,4 Millionen.

Bei den Entwickleraccounts, ohne die keine App im App Store landet, wurden 193.000 wegen Betrugsverdacht gekündigt. 138.000 Anmeldungen wurden laut Apple direkt abgelehnt. Apple will zudem 28.000 unzulässige Apps auf Piraten-Websites identifiziert und „blockiert“ haben, so der Konzern, darunter Glücksspiel, Schadcode, Pornografie und Kopien regulärer Apps. „Durch die Einschränkung dieser Storefronts und illegalen Vertriebskanäle schützt Apple Entwicklerinnen und Entwickler außerdem davor, dass ihre Apps geklont, verändert oder als Waffe für die Verbreitung von Schadsoftware missbraucht werden“, behauptet der Konzern. Allerdings macht er es Entwicklern alternativer App-Marktplätze [2] nicht leicht, diese erfolgreich zu machen.

Immer mehr Vibecoding-Apps

Apple verhindert das Ausführen problematischer Apps auch aktiv. Allein im vergangenen Monat habe man Installation oder Start 2,9 Millionen Mal verhindert, die „die illegal außerhalb des App Store oder zugelassener alternativer App-Marktplätze verbreitet“ worden seien. Apple will seine Erkennungswerkzeuge im Rahmen des App-Reviews verbessert haben. Das ist auch notwendig, da immer mehr Apps per Vibecoding entwickelt werden.

Man habe hier einen sprunghaften Anstieg an Einreichungen verzeichnet. „Im Jahr 2025 hat das App-Review-Team mehr als 9,1 Millionen App-Einreichungen geprüft und damit dazu beigetragen, mehr als 306.000 neue Entwicklerinnen und Entwickler auf der Plattform willkommen zu heißen“, so das Unternehmen. Zwei Millionen App-Einreichungen, 1,2 Millionen davon neu und 800.000 Updates, wurden abgelehnt. 22.000 davon sollen „versteckte oder nicht dokumentierte Funktionen“ enthalten haben, 371.000 kopierten andere Apps, waren Spam oder führten Nutzer laut Apple „in die Irre“. Datenschutzprobleme stellte Apple in 443.000 Einreichungen fest und lehnte diese ab.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11304211

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Fake-Bewertungen-Betrug-und-Manipulation-im-App-Store-Apple-nennt-Zahlen-10417623.html
  2. https://www.heise.de/news/iOS-Alternative-App-Marktplaetze-jetzt-in-29-Laendern-11070639.html
  3. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  4. https://www.heise.de/mac-and-i
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