FreshRSS

🔒
✇ Mac & i ff.org

WWDC 2026: Apple filterte Frequenzen, um Siri-Aktivierungen zu verhindern

Von Heise — 15. Juni 2026 um 18:09
Siri AI

(Bild: Apple)

Apple hat bei der WWDC-2026-Keynote gezielt Frequenzen verändert, sobald das Wort „Siri“ fiel. Trotzdem sprangen einige Geräte an.

Apple hat die Tonspur der WWDC-2026-Keynote offenbar gezielt verändert, um massenhafte Aktivierungen der Sprachassistenz Siri auf den Geräten der Zuschauer zu verhindern. Spektrogramm-Analysen des Videostreams zeigen deutliche Lücken in bestimmten Frequenzbändern – und zwar immer genau dann, wenn auf der Bühne das Wort „Siri“ fiel.

Der niederländische Tontechniker Luuk de Leest veröffentlichte auf X eine entsprechende Analyse mit Spektrogramm [1] und kommentierte, Apple schneide „ein Stück bei 3k, 4k, 5k und 6 kHz heraus, wenn sie ‚Siri' sagen, damit nicht alle HomePods losquasseln“. Die Frequenzbänder bei 3, 4, 5 und 6 Kilohertz wurden demnach gezielt herausgefiltert beziehungsweise stark abgesenkt.

Technisch beschreiben Beobachter die Maßnahme als dynamischen Notch-Filter: Nur in den Momenten, in denen der Name „Siri“ fällt, werden schmale Frequenzbänder im Bereich zwischen 3 und 6 Kilohertz abgesenkt. Dieser Bereich transportiert einen erheblichen Teil der sogenannten phonetischen Energie – also genau jene Anteile von Konsonanten und Vokalen, auf die Wake-Word-Detektoren trainiert sind. Der Rest der Tonspur bleibt unangetastet.

Für Zuschauer blieb das Wort „Siri“ im Stream dennoch verständlich – Beobachter beschreiben den Klang lediglich als leicht „metallisch“ oder „ausgedünnt“. Wake-Word-Systeme wie Siri nutzen akustische Modelle auf Basis neuronaler Netze, die auf die charakteristische Zeit-Frequenz-Signatur des Triggerwortes trainiert sind. Werden entscheidende Bereiche künstlich geschwächt, sinkt die Erkennungswahrscheinlichkeit deutlich.

Kein perfekter Schutz

Allerdings zeigt sich, dass der Ansatz keineswegs vollständig wirkt: Mehrere Nutzer berichteten in Foren und auf Social Media, ihre iPhones oder HomePods seien während der Keynote trotz der Filterung mehrfach angesprungen. Die Gründe dafür liegen in der Natur der Wake-Word-Erkennung selbst. Die Systeme unterscheiden im Kern nicht zwischen live gesprochenen Worten und Audio, das von Lautsprechern kommt – sie analysieren lediglich das Mikrofonsignal auf bestimmte akustische Muster. Unterschiedliche Mikrofoncharakteristiken, individuelle Raumakustik oder die Lautstärke des Streams machen es unmöglich, Fehlauslösungen einzelner Geräte vollständig zu verhindern. Apple hat die Audio-Veränderung bislang nicht offiziell bestätigt.

Apple steht mit diesem Vorgehen nicht allein da. Bereits 2019 wurde bekannt, dass Amazon in TV-Werbespots für Alexa ähnliche audiotechnische Maßnahmen nutzte, damit Echo-Lautsprecher nicht auf das Wake-Word reagierten. Auch Google hatte in einzelnen Präsentationen Anpassungen vorgenommen, um „OK Google“ nicht massenhaft auszulösen.

Siri AI in der EU weiter eingeschränkt

Die WWDC 2026 [2] stand im Zeichen einer umfassend überarbeiteten Version des Sprachassistenten unter dem Namen „Siri AI“, eingebettet in Apples „Apple Intelligence“. Siri AI soll natürliche Sprache verstehen, Bildschirminhalte lesen und persönliche Kontexte in Antworten einbeziehen können. In der EU wird Siri AI zum Start allerdings nicht auf iPhone und iPad verfügbar sein – Apple verweist auf regulatorische Anforderungen. Apples Datenschutzstrategie rund um Siri AI [3] setzt dabei weiterhin auf lokale Verarbeitung und Private Cloud Compute, um möglichst wenige Nutzerdaten nach außen zu geben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11333116

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.macrumors.com/2026/06/12/apple-cut-frequencies-to-prevent-siri-activations/
  2. https://www.heise.de/news/Apple-WWDC-2026-Keynote-mit-KI-Fokus-am-8-Juni-11298043.html
  3. https://www.heise.de/news/Neue-Siri-Apple-bleibt-bei-Datenschutzstrategie-11318666.html
  4. https://www.heise.de/mac-and-i
  5. mailto:mki@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

iPadOS, watchOS, macOS, tvOS: Diese Geräte fallen aus den 27er Versionen

Von Heise — 15. Juni 2026 um 14:04
iOS 27, macOS 27, iPadOS 27, watchOS 27, visionOS 27

iOS 27, macOS 27, iPadOS 27, watchOS 27, visionOS 27: Neue Systeme wie üblich nicht immer für alte Maschinen.

(Bild: Apple)

Apple räumt beim Support seiner nächsten Betriebssysteme auf. Nur iPhone-Besitzer mit iOS 26 kommen ohne Verluste davon.

Die gute Nachricht zuerst: Wer ein iPhone besitzt, auf dem iOS 26 [1] bereits läuft, kann auch auf iOS 27 [2] aktualisieren. Das kann unter anderem aufgrund von Verbesserungen bei Oberfläche [3] und Performance [4] sinnvoll sein, außerdem ab dem iPhone 15 Pro wegen Siri AI [5], sollte sich Apple mit der EU [6] zeitnah einigen. Praktisch heißt das: Ab dem iPhone 11 darf man im Herbst noch mitspielen. Bei macOS 27, iPadOS 27, tvOS 27 und watchOS 27 ist Apple allerdings deutlich strenger und reduziert den Support deutlich. Knapp drei Hände voll Geräte sind raus, die mit macOS 26, iPadOS 26, tvOS 26 und watchOS 26 noch nutzbar waren, darunter auch vergleichsweise junge Hardware.

Beim Mac war bereits klar, dass nur noch Apple Silicon [7] von macOS 27 alias Golden Gate unterstützt werden würde. Alle Macs ab dem M1 bekommen das Update. Folgerichtig fallen drei Baureihen mit Intel-Prozessor, die macOS 26 noch beherrscht hatten, aus der Unterstützung: Mac Pro von 2019, iMac von 2020 (inklusive 27 Zoll [8]), MacBook Pro mit 16 Zoll von 2019 und MacBook Pro mit 13 Zoll von 2020 mit vier Thunderbolt-3-Ports.

Beim iPad sind Geräte aus den Jahrgängen 2018, 2019 und 2020 betroffen, die iPadOS 27 nicht mehr erhalten, iPadOS 26 aber noch nutzen konnten. Es sind das Standard-iPad der 8. Generation (2020), das iPad mini der 5. Generation (2019), das iPad Air der 3. Generation (2019) und iPad Pro mit 12,9 Zoll in der 3. Generation (2019) plus iPad Pro mit 11 Zoll der 1. Generation (2018). Sowohl bei Macs als auch iPads ist das unschön, da die 27er Updates allesamt wichtige Produktpflegeelemente [9] enthalten, die die älteren Geräte nun nicht mehr erhalten.

Apple Watch und Apple TV

Bei der Apple Watch [10] geht Apple in Sachen Supportende am radikalsten vor. Sechs Modelle, die vergleichsweise jung sind, können watchOS 27 nicht mehr nutzen. Das sind Series 6 (2020), 7 (2021) und 8 (2022), Ultra (1. Generation von 2022) und SE der 2. Generation (2022). Nur vier Jahre Support ist für Apple sehr ungewöhnlich, die genauen Gründe dafür hat der Konzern noch nicht ausgeführt.

Bei den Apple-TV-Modellen gibt sich Apple hingegen gemächlich mit dem Supportende: Hier fallen nur das komplett veraltete Apple TV HD (von 2015) und das nur wenig neuere Apple TV 4K der ersten Generation (2017) aus der Unterstützung für tvOS 27. visionOS 27 läuft übrigens auch auf der alten Vision Pro mit M2-Chip, nicht nur auf dem M5-Modell [11]. Allerdings beherrscht nur die neuere Variante Apples beste lokale KI-Modelle [12], wie man das bereits vom iPhone sowie dem Mac kennt. Die neuen Betriebssysteme erscheinen im Herbst.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11332615

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/ratgeber/iOS-und-iPadOS-26-in-Action-23-Tipps-fuer-die-neuen-Apple-Systeme-10646549.html
  2. https://www.heise.de/news/iOS-27-Mehr-Tempo-besserer-Schutz-neue-Siri-11321931.html
  3. https://www.heise.de/news/Liquid-Glass-Neuer-Regler-soll-Gemueter-beruhigen-11326369.html
  4. https://www.heise.de/news/Neue-Betriebssysteme-Apple-verspricht-erhebliche-Beschleunigung-11326339.html
  5. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Apple-verspricht-umfassenden-KI-Neustart-fuer-Apple-Intelligence-11322101.html
  6. https://www.heise.de/news/EU-reagiert-auf-Apples-Siri-AI-Blockade-weist-DMA-Vorwuerfe-zurueck-11326126.html
  7. https://www.heise.de/news/macOS-Apple-teilt-mit-wie-lange-es-Intel-Sicherheitsupdates-geben-wird-11327980.html
  8. https://www.heise.de/news/Die-Hoffnung-stirbt-zuletzt-iMac-mit-27-oder-30-Zoll-bleibt-auf-Apples-Agenda-9835432.html
  9. https://www.heise.de/news/macOS-27-Intel-Nutzer-aergern-sich-ueber-Supportende-11326349.html
  10. https://www.heise.de/news/tvOS-27-und-watchOS-27-Das-ist-neu-bei-Apple-TV-und-Apple-Watch-11322662.html
  11. https://www.heise.de/tests/Apple-Vision-Pro-M5-im-Test-Doppelt-haelt-besser-10793698.html
  12. https://www.heise.de/news/Anforderungen-fuer-iOS-27-und-Co-Zoepfe-abgeschnitten-Siri-AI-teilbeschraenkt-11322631.html
  13. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  14. https://www.heise.de/mac-and-i
  15. mailto:bsc@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

Neue Betriebssysteme: Apple verspricht „erhebliche“ Beschleunigung

Von Heise — 15. Juni 2026 um 12:58
Apple gibt Gas (Symbolbild)

Apple gibt Gas (Symbolbild).

(Bild: FAMILY STOCK / Shutterstock.com)

Nicht viele große neue Features, dafür viele kleine Optimierungen: Apple will mit Tricks auf Mac und iPhone mehr Speed rausholen. Das steckt dahinter.

Wenn Apple im kommenden Herbst seine neuen Betriebssysteme iOS 27, iPadOS 27 [1] und macOS 27 [2] herausbringt, gibt es neben Siri AI [3], das zunächst nicht innerhalb der EU [4] verfügbar sein wird, vor allem Produktpflege für die Nutzer. Der Konzern will laut eigenen Angaben an vielen Stellen geschraubt haben, um neben besserer Interface-Konsistenz [5] mehr Geschwindigkeit herauszuholen. Die angegebenen Werte lassen dabei durchaus aufhorchen, wobei es viel vom verwendeten Gerät abhängen dürfte.

Optimierungsstift angesetzt

Zunächst wirft etwa macOS 27 einiges an Ballast ab: Routinen, APIs und sonstiger Intel-Code, der für x86-Macs vorgesehen [6] war, können nun weggelassen werden, das Betriebssystem mit dem Codenamen Golden Gate läuft nur noch auf Apple-Silicon-Maschinen mit ARM-Architektur. Zu den Performance-Verbesserungen, die in allen neuen Betriebssystemen stecken, gehören beschleunigte AirDrop-Übertragungen, ein schnellerer Start von Songs in Apple Music, ein schnelleres Laden von Nachrichten in Apple Mail, ein Ende des lahmen HomeKit-Pairings und beschleunigte JavaScript-Verarbeitung im Browser Safari.

„Bis zu 80 Prozent“ schneller soll das alles gehen, so Apple. In iPadOS 27 wird man zudem Fenster schneller wieder los (Schließvorgang beschleunigt), in macOS ist das Erstellen von Accounts schneller geworden und in den Gesundheits- und Fitness-Apps werden Daten schneller aktualisiert beziehungsweise Workouts schneller gestartet. iOS beherrscht eine schnellere Umsetzung von Voice-Control-Befehlen (Sprachsteuerung [7]).

Besseres Caching, überarbeiteter CPU-Scheduler

Bei iPhone und iPad sollen Apps durch ein smarteres Caching bis zu 30 Prozent schneller starten, Fotos landen bis zu 70 Prozent schneller in iCloud-Fotos. Bei der Dateien-App verspricht Apple auf dem iPhone deutlich schnellere File-Transfers (samt Dateianzeige) und ein überarbeiteter CPU-Scheduler soll wichtige Jobs bevorzugt behandeln. Je nach Gerät sind auch WLAN-Verbindungen flotter aufgebaut und ein Wechsel zwischen WLAN und 5G erfolgt schneller – insbesondere wenn im Gerät ein N1-Chip arbeitet (z.B. iPhone 17).

Praktischerweise arbeitet zumindest iOS 27 auf allen iPhones, die bereits iOS 26 beherrschen – also inklusive iPhone 11. Beim Mac fallen wie erwähnt die Intel-Maschinen aus dem Support. Die neuen Betriebssysteme testen Apple derzeit im Rahmen einer Entwicklerbeta [8], im Juli folgt dann eine Public-Vorschau.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11326339

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/iOS-27-Mehr-Tempo-besserer-Schutz-neue-Siri-11321931.html
  2. https://www.heise.de/news/macOS-27-Golden-Gate-Liquid-Glass-Feinschliff-bessere-Performance-Siri-AI-11321827.html
  3. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Apple-verspricht-umfassenden-KI-Neustart-fuer-Apple-Intelligence-11322101.html
  4. https://www.heise.de/news/EU-reagiert-auf-Apples-Siri-AI-Blockade-weist-DMA-Vorwuerfe-zurueck-11326126.html
  5. https://www.heise.de/hintergrund/Liquid-Glass-Apples-neue-Oberflaeche-fuer-iOS-26-macOS-26-und-Co-im-Detail-10487350.html
  6. https://www.heise.de/news/macOS-27-Intel-Nutzer-aergern-sich-ueber-Supportende-11326349.html
  7. https://support.apple.com/de-de/111778
  8. https://www.heise.de/news/iOS-27-macOS-27-und-Co-Entwickler-duerfen-Betas-installieren-11322615.html
  9. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  10. https://www.heise.de/mac-and-i
  11. mailto:bsc@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

6.100 km/h: Frankreich baut eine unaufhaltsame neue Atomwaffe

Von Telepolis — 15. Juni 2026 um 20:10
Ein Düsenflugzeug vom Typ Dassault Rafale im Flug

(Bild: Serge Goujon / Shutterstock.com)

Frankreichs Rüstungsbehörde DGA beauftragt MBDA mit dem Flugkörper ASN4G. Ab 2035 soll er die luftgestützte Atomabschreckung sichern.

Wenn eine Rakete mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit auf ein Ziel zurast, schrumpft die Reaktionszeit der Verteidigung auf ein Minimum.

Genau darauf setzt Frankreich mit seinem jüngsten Rüstungsprojekt: Die Generaldirektion für Rüstung (Direction Générale de l'Armement, DGA) hat dem europäischen Flugkörperhersteller MBDA am 2. Juni den Entwicklungsauftrag für die nukleare Luft-Boden-Rakete ASN4G erteilt, wie die DGA am 11. Juni mitteilte [1].

Die Abkürzung ASN4G steht für "Air-Sol Nucléaire de 4ème Génération" – die vierte Generation der französischen luftgestützten Nuklearwaffen.

Der Flugkörper soll den derzeit eingesetzten, modernisierten ASMPA-R ablösen, der Schätzungen zufolge [2] etwa Mach 3 erreicht. Die ASN4G dagegen wird als hyperschallfähig beschrieben – Geschwindigkeiten jenseits von Mach 5, also über 6.100 km/h.

Konkrete Leistungsdaten hält die DGA allerdings unter Verschluss. Weder Reichweite noch Flugprofil oder Antriebsdetails finden sich in der offiziellen Mitteilung.

Die Behörde spricht lediglich von einem "technologischen Bruch" gegenüber allen Vorgängersystemen und von "Know-how, über das nur wenige Länder weltweit verfügen".

Warum diese Rakete kaum abzufangen sein soll

Hinter der Entscheidung für Hyperschall statt Tarnkappentechnik steckt eine jahrzehntelange Abwägung. Bereits in den 1990er-Jahren starteten Vorstudien, das französische Luft- und Raumfahrtforschungszentrum ONERA und MBDA untersuchten beide Ansätze parallel.

Am Ende fiel die Wahl auf Geschwindigkeit: Wie Opex360 berichtet [3], erklärte MBDA bereits 2023, dass "sehr hohe Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit die beste Methode" seien, um möglichst spät entdeckt zu werden, Radarverfolgung zu erschweren und Abfangraketen ins Leere laufen zu lassen.

Die technologische Grundlage liefert ein sogenanntes gemischtes Staustrahltriebwerk (Statoréacteur mixte), an dem die ONERA seit Ende der 1990er-Jahre forscht. Dieses Triebwerk kann nacheinander subsonische und supersonische Verbrennung durchführen – eine Schlüsseltechnologie für den Übergang in den Hyperschallbereich.

Rafale F5 als Trägersystem, Einsatz ab 2035

Als Trägerflugzeug ist die Rafale F5 vorgesehen, ein neuer Standard des Dassault-Kampfjets, der um 2030 erwartet wird.

Die ASN4G soll sowohl von den strategischen Luftstreitkräften (FAS) als auch von der nuklearen Luft- und Seestreitkraft (FANu) eingesetzt werden – also auch von Flugzeugträgern aus operieren können.

Die Indienststellung peilt die DGA für 2035 an, die Einsatzfähigkeit soll bis weit über die 2050er-Jahre reichen [4].

Der enge Zeitplan von weniger als neun Jahren für Qualifikation, Sprengkopfintegration und Auslieferung gilt als ambitioniert.

Dass MBDA – im Besitz von Airbus (37,5 Prozent), BAE Systems (37,5 Prozent) und Leonardo (25 Prozent) – den Auftrag erhält, macht das Programm trotz seines strikt nationalen Nuklearcharakters zu einem Projekt mit europäischer industrieller Verflechtung.

Deutsche MBDA-Standorte in Ulm, Aschau am Inn und Schrobenhausen sind zwar nicht direkt am nuklearen Programm beteiligt, gehören aber zum selben Konzern.

Europäische Dimension zwischen Abschreckung und Abwehr

Frankreich trennt bewusst zwischen nuklearen und konventionellen Hyperschallwaffen. Diese Trennung ist doktrinär gewollt: Ein Gegner soll einen konventionellen Schlag niemals mit einem Nuklearangriff verwechseln können.

Parallel zur ASN4G treiben sechs europäische Staaten [5], darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland, im Rahmen der ELSA-Initiative [6] konventionelle Langstreckenraketen mit über 2.000 Kilometer Reichweite voran.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11333267

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.defense.gouv.fr/dga/actualites/dga-commande-developpement-du-missile-hypersonique-asn4g-mbda
  2. https://www.numerama.com/tech/2274619-plus-de-6-100-km-h-la-france-officialise-le-missile-nucleaire-hypersonique-qui-equipera-le-rafale-f5.html
  3. https://www.opex360.com/2026/06/11/le-ministere-des-armees-a-commande-a-mbda-le-developpement-du-missile-a-capacite-nucleaire-asn4g/
  4. https://www.lavoixdefrance.fr/actualites/asn4g-la-france-commande-a-mbda-le-missile-hypersonique-nucleaire-qui-succedera-a-lasmpa-r-5217/
  5. https://www.gov.pl/web/national-defence/joint-communiqu-by-the-defence-ministries-of-elsa-nations
  6. https://www.hartpunkt.de/frankreich-mbda-soll-nuklearen-hyperschallflugkoerper-asn4g-entwickeln/

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Krankengeld für Teilrentner: Das Aus für den 99-Prozent-Trick

Von Telepolis — 15. Juni 2026 um 18:40
Eine Frau sitzt an einem Tisch und schaut auf Papiere.

(Bild: Marina April / Shutterstock.com)

Ab 2027 greift eine neue Zwei-Drittel-Grenze beim Krankengeld. Wer zu viel Teilrente bezieht, geht im Krankheitsfall leer aus.

Wer im Alter weiterarbeitet, tut dies oft unter Nutzung eines legalen Tricks: Statt der Vollrente beantragt man eine 99,99-Prozent-Teilrente, gilt formal als Teilrentner und behält so den Anspruch auf Krankengeld.

Bislang sprang nach sechs Wochen Lohnfortzahlung die Krankenkasse ein. Damit ist ab 2027 Schluss.

Das Bundeskabinett hat im Rahmen der Reform des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes [1] eine neue Zwei-Drittel-Grenze beschlossen: Wer eine Teilrente von mehr als 66,6 Prozent der Vollrente bezieht, erhält künftig kein Krankengeld mehr.

Mehr als 1,3 Millionen Altersrentner arbeiten derzeit neben ihrer Rente. Rund 300.000 von ihnen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt – nur diese Gruppe hat überhaupt einen potenziellen Krankengeldanspruch.

Wie viele davon das 99,99-Prozent-Modell nutzen, ist statistisch nicht erfasst. Die geschätzte Einsparung von jährlich rund 30 Millionen Euro deutet jedoch laut [2] Focus Online auf einen Personenkreis im mittleren fünfstelligen Bereich hin.

In der Gesetzesbegründung [3] spricht die Bundesregierung von „systemwidrigen Mitnahmeeffekten“ und will den Rechtszustand wiederherstellen, der bis zum 30. Juni 2017 galt.

Das Ende des lukrativsten Schlupflochs

Seit Einführung der Flexirente können Altersrentner eine Teilrente zwischen 10 und 99,99 Prozent der Vollrente beziehen. Die Variante mit minimalem Abschlag – etwa 1.999,80 statt 2.000 Euro – erfreute sich großer Beliebtheit.

Der Grund: Wer eine Vollrente bezieht, ist nach Paragraf 50 SGB V vom Krankengeld ausgeschlossen. Durch den winzigen Abschlag umging man diese Sperre und sicherte sich bei längerer Krankheit weiterhin Leistungen der Kasse.

Finanzielle Folgen für Betroffene

Die neue Grenze trifft insbesondere Frührentner, die vor der Regelaltersgrenze in Rente gegangen sind und nebenbei sozialversicherungspflichtig arbeiten – Ende 2022 waren das rund 245.000 Personen.

Fällt der Krankengeldanspruch weg, bricht nach sechs Wochen Lohnfortzahlung das gesamte Arbeitseinkommen ersatzlos weg. Bei hohen Fixkosten droht eine spürbare Liquiditätslücke.

Besonders betroffen dürften ehemalige Fach- und Führungskräfte sein, die sich das Modell gezielt hatten empfehlen lassen. In Branchen wie Verwaltung, Beratung und dem Gesundheitswesen wird sozialversicherungspflichtige Weiterarbeit im Rentenalter häufig praktiziert.

Die wachsende Zahl arbeitender Rentner verschärft ein Problem, das ohnehin an Brisanz gewinnt: Altersarmut wächst bereits jetzt [4] – und die Reformpläne könnten die Lage weiter verschlechtern.

Drei Optionen für betroffene Rentner

Wer den Krankengeldanspruch behalten will, muss die Teilrente auf maximal zwei Drittel der Vollrente herabsetzen – und verzichtet damit monatlich auf ein Drittel der zustehenden Rentenzahlung. Mathematisch lohnt sich das nur bei hoher Krankheitswahrscheinlichkeit.

Die zweite Option: Man akzeptiert den Wegfall, bezieht die volle Rente und baut aus dem laufenden Arbeitseinkommen Rücklagen auf.

Die dritte Möglichkeit – eine private Krankentagegeldversicherung – scheitert bei älteren Beschäftigten oft an hohen Prämien oder Vorerkrankungen.

Die Anpassung der Teilrentenhöhe bei der Deutschen Rentenversicherung erfordert Vorlaufzeit. Betroffene sollten nicht bis Dezember 2026 warten.

Nach dem Kabinettsbeschluss vom 29. April 2026 und der ersten Lesung im Bundestag sowie dem ersten Bundesratsdurchgang am 12. Juni 2026 läuft das parlamentarische Verfahren. Der Bundesrat muss dem Gesetz zwar nicht zustimmen, kann aber den Vermittlungsausschuss anrufen. Die Regelung gilt als so gut wie sicher.

Dass gleichzeitig eine breite Debatte über höhere Beiträge [5] und längere Lebensarbeitszeiten läuft, macht die Lage für Beitragszahler nicht einfacher.

Das gesamte Sparpaket soll die GKV 2027 um rund 16 Milliarden Euro entlasten – die Teilrenten-Regelung trägt mit 30 Millionen Euro nur einen Bruchteil bei. Die Botschaft ist dennoch klar: Die Zeiten, in denen ein 0,01-Prozent-Abschlag einen vollwertigen Versicherungsschutz begründete, sind vorbei.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11333201

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/gkv-beitragssatzstabilisierungsgesetz
  2. https://www.focus.de/finanzen/fuer-millionen-teilrentner-droht-krankengeld-aus_55a4c41d-4521-459d-942b-927f56d7a813.html
  3. https://dserver.bundestag.de/btd/21/061/2106130.pdf
  4. https://www.heise.de/tp/article/Altersarmut-waechst-und-die-Reformplaene-verstaerken-sie-11305632.html
  5. https://www.heise.de/tp/article/Mehr-zahlen-laenger-arbeiten-Was-bleibt-am-Ende-noch-von-Ihrer-Rente-uebrig-11326122.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

"Zweiklassenstrafrecht": Geiert will Sonderschutz für Friedrich Merz kippen

Von Telepolis — 15. Juni 2026 um 15:15
Bundeskanzler Friedrich Merz gibt eine Erklärung vor der Presse ab, im Hintergrund Innenminister Alexander Dobrindt.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekommt seine Unbeliebtheit immer wieder verbal zu spüren. Bald kann er sich wohl nicht mehr auf den Paragrafen 188 berufen.

(Bild: blue spruce media/Shutterstock.com)

Sachsens Justizministerin Constanze Geiert fordert das Aus für die Politikerbeleidigung. Der Schutz von Kanzler Merz sei Bürgern kaum vermittelbar.

Die "Majestätsbeleidigung" steht wieder auf dem Prüfstand. Telepolis hatte bereits über den Besuch der UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit Irene Khan im Februar berichtet [1], bei dem allem Anschein nach auch der umstrittene Paragraf 188 StGB im Zentrum stand. Zuvor war die AfD mit einem Gesetzentwurf im Bundestag gescheitert, der den gesetzlich verankerten Sonderstatus für Politiker bei Beleidigungsdelikten abschaffen sollte.

Khans vollständiger Bericht wurde für Juni angekündigt. In ihren vorläufigen Abschlussbemerkungen zählte die Sonderberichterstatterin auch den "verstärkten Schutz" von öffentlicher Kritik ausgesetzten Amtsträgern als möglichen "Widerspruch zu internationalen Menschenrechtsnormen".

Dennoch zeichnete Khan das Bild [2], das vornehmlich "politische Parteien, die in rassistischen, fremdenfeindlichen und autoritären Ideologien verwurzelt sind, über Zensur" klagten. Das sind die beiden Frontlinien, an denen die Debatte bis heute verläuft.

Knapp vier Monate nach dem Besuch Khans wagt die AfD also einen neuen Anlauf. Und hat dafür – scheinbar – Rückenwind von zwei Bundesländern bekommen.

Doch ganz so klar liegen die Dinge nicht.

Doch Ausnahmen für Kommunalpolitik?

Bei einer Politikerbeleidigung nach Paragraf 188 StGB kann die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ermitteln, ohne dass das Opfer einen Strafantrag stellt. Zudem gilt eine höhere Höchststrafe als bei einer einfachen Beleidigung – bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Die aktuelle Fassung gilt seit April 2021, als der Gesetzgeber die Regeln zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität verschärft hatte.

Auf der jüngsten Justizministerkonferenz in Hamburg vom 11. bis 12. Juni haben sich Baden-Württemberg und Sachsen für eine deutliche Einschränkung von § 188 stark gemacht [3], dafür, ihn mindestens auf einen Kerngehalt zusammenzustreichen.

Am weitesten geht dabei die sächsische Justizministerin Constanze Geiert (CDU): Sie legt der Konferenz eine Initiative vor, den Paragrafen komplett abzuschaffen. Wie verschiedene Medien vergangene Woche berichteten [4], hatte Geiert beantragt, den allgemeinen Beleidigungsparagrafen 185 zu reformieren und die Politikerbeleidigung nach Paragraf 188 abzuschaffen oder stark einzuschränken.

Einen anderen Reformweg hatte der neue baden-württembergische Justizminister Moritz Oppelt (CDU) vorgeschlagen: Der Paragraf solle nur noch ehrenamtliche Kommunalpolitiker schützen, bei denen man es sich nicht leisten könnte, "dass sie das Handtuch werfen" – aber nicht mehr Berufspolitiker, die "eine harte Auseinandersetzung" aushalten "können und müssen".

Bremen, NRW und Niedersachsen stehen einer vollständigen Abschaffung ebenfalls eher skeptisch gegenüber, könnten sich zum Teil aber möglicherweise mit Oppelts Vorschlag anfreunden [5].

Die seit Längerem schwelende Debatte von Neuem angestoßen hatten Justizentscheidungen rund um den Bundeskanzler. Das Amtsgericht Öhringen bei Heilbronn hatte im März einen Strafbefehl über 30 Tagessätze gegen einen Facebook-Nutzer erlassen, der Merz als "Lügenfritz" bezeichnet hatte.

Die Justizministerkonferenz hat beschlossen, § 188 Abs. 1 für Spitzenpolitiker abzuschaffen und den Anwendungsbereich auf kommunale Amts- und Mandatsträger zu begrenzen. Dieser Beschluss ist allerdings nicht bindend.

Justizministerin Geiert: "Zweiklassenstrafrecht"

Ihre Beweggründe hat Sachsens Justizministerin Geiert in einem Interview [6] mit dem Spiegel vom 11. Juni 2026 erläutert. Der Paragraf 188 erreiche "seine Intention nicht", die der Gesetzgeber mit der Einführung 2021 verfolgt habe: "Wir haben mittlerweile die Situation, dass insbesondere Spitzenpolitiker in die Schlagzeilen geraten, weil vermeintliche Kleinigkeiten oder Bagatellen tatsächlich strafrechtlich verfolgt werden", so Geiert. Die vielen Tausend Kommunalpolitiker, um deren Schutz es vor allem gehen sollte, hätten dagegen "nichts davon".

Für viele fühle sich das an "wie ein Zweiklassenstrafrecht". Der normale Beleidigungsparagraf 185 sei aus ihrer Sicht ausreichend – "und zwar für alle gleichermaßen – egal ob Spitzenpolitiker oder Bürger".

Dem SPD-Argument der stark gestiegenen Ermittlungsverfahren – im Interview beziffert von 2.600 im Jahr 2024 auf 4.500 im vergangenen Jahr – hält Geiert entgegen, gegen Hetze könne man auch mit dem normalen Beleidigungsparagrafen vorgehen; es käme "nicht zu einer negativen Veränderung beim Schutz gegen Hetze".

Zudem habe der Paragraf 188 "viel mehr Fälle aus dem Dunkelfeld in das Hellfeld geholt": "Es wird mittlerweile das Netz gezielt nach Äußerungen durchsucht, die den Tatbestand erfüllen und dann zur Anzeige gebracht werden."

Auf Nachfrage des Spiegels stellt sie klar, sie spreche dabei nicht von "willkürlichen" Verfahren – aber besteht darauf: "für uns Politiker sollten keine Sonderregeln gelten."

Geiert kontert im Interview auch den Einwand, der Paragraf schütze das Amt und nicht die Person: Die Aufsehen erregende "Pinocchio"-Beleidigung des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) könne durchaus als eine solche "Beleidigung der Person" gewertet werden. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl sei "ständig" solchen Beleidigungen ausgesetzt gewesen – "und das Amt des Bundeskanzlers ist dadurch nicht beschädigt worden".

Geteilte Meinungen bei Grünen und SPD

Neben Geiert hatte auch der Grünen-Europapolitiker Erik Marquardt für eine Streichung plädiert: "Viel wichtiger" als das mutmaßliche "Sonderrecht" wäre seiner Ansicht nach "der Schutz von politisch Engagierten vor tatsächlicher Gewalt oder konkreten Drohungen", besonders auf kommunaler Ebene. Politik dürfe dagegen nicht den Eindruck erwecken, die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Dagegengehalten hatte die SPD: Deren rechtspolitischer Sprecherin Carmen Wegge zufolge [7] höre die Meinungsfreiheit "dort auf, wo gezielte Angriffe auf die Würde von Menschen dazu dienen, sie aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen." Genau das verhindere der Paragraf 188, "und genau deshalb schützen wir ihn".

Den Vorschlag von Unionsfraktionsvize Günter Krings, den höheren Strafrahmen des Paragrafen 188 auf den normalen Beleidigungstatbestand zu übertragen, nennt sie einen Kompromiss, "über den man reden kann".

Umfragen mit gegensätzlichen Befunden

Was die Bürger wollen, scheint ebenfalls umstritten – offenbar je nachdem, welches Institut fragt. Laut einer Forsa-Umfrage [8] für RTL und den Stern sprechen sich 58 Prozent der Deutschen für den Erhalt des Paragrafen 188 aus, 38 Prozent für die Abschaffung.

Nur AfD-Anhänger sind demnach mehrheitlich für die Streichung; Anhänger von Union, SPD, Linken und Grünen überwiegend für den Erhalt. Forsa hatte am 4. und 5. Juni 1007 Personen befragt, die Fehlerquote liegt bei plus/minus drei Prozentpunkten. Die genaue Fragestellung wurde dabei nicht veröffentlicht.

Zu einem anderen Ergebnis kommt das Institut INSA, auf dessen Erhebung sich vor allem das rechtskonservative Portal NIUS beruft [9]: Danach wollen 43 Prozent der Befragten den Paragrafen abschaffen, nur 32 Prozent ihn behalten; 18 Prozent antworten mit "weiß nicht", sieben Prozent machen keine Angabe. INSA befragte vom 5. bis 8. Juni 2026 online 2009 Personen ab 18 Jahren.

Bundestag debattierte AfD-Antrag

Am 11. Juni debattierte [10] der Bundestag auf Antrag der AfD-Fraktion über die Abschaffung des Paragrafen. Wie das rechtsgerichtete Medium Apollo News berichtet, erklärte AfD-Redner Stephan Brandner demnach, seine Fraktion stelle sich nicht gegen die Strafbarkeit von Beleidigungen, lehne aber ein Sonderrecht für Politiker ab, das höhere Strafen vorsehe als bei der Beleidigung normaler Bürger.

Die Union lehnte den Antrag ab, zeigte sich aber reformbereit. CSU-Politiker Christian Moser führte laut Apollo News analog zur sächsischen Justizministerin und Unionskollegin Geiert aus, Politiker müssten Kritik aushalten; bei Beleidigungen reiche der allgemeine Paragraf 185.

Am Verleumdungstatbestand des Paragrafen 188 hält die Union dagegen fest – es gehe dabei auch um den Schutz demokratischer Institutionen. Mosers Fraktionskollege Carsten Müller warf der AfD vor, Beleidigungen salonfähig machen zu wollen, und schlug vor, einen "Paragrafen 188 für alle" einzuführen. Die oben genannte Carmen Wegge zeigte sich in der Bundestagsdebatte bereit, den Paragrafen zu einem Antragsdelikt zu machen – die Polizei würde dann nicht mehr automatisch ermitteln.

Der AfD-Antrag wurde anschließend in den zuständigen Ausschuss überwiesen.

"Lügenfritz" zieht Kreise bis Washington

Der Fall "Lügenfritz" ist auch in die USA hinüber geschwappt. Die Staatssekretärin für öffentliche Diplomatie des US-Außenministeriums, Sarah Rogers, warf Berlin auf "X" in diesem Zusammenhang "Zensur" [11] vor. Bereits im Februar hatte sie sich mit scharfer Kritik zum "Pinocchio"-Fall gemeldet.

Besonders republikanische Stimmen werfen der EU seit geraumer Zeit – und speziell im Zusammenhang mit dem Digital Services Act (DSA) – einen "Zensurfeldzug" [12] vor.

In diese Kerbe schlug zuletzt auch ein Artikel [13] des US-Magazins Foreign Affairs, herausgegeben vom einflussreichen Thinktank Council on Foreign Relations. Autor des Beitrags mit dem Titel "Das Ende des offenen Internets" ist Jacob Mchangama, Gründer und geschäftsführender Direktor der Organisation Future of Free Speech und Research Professor an der Vanderbilt University.

Mchangama stellt den "Lügenfritz"-Fall ausdrücklich in den Kontext eines schrumpfenden freien Internets: Die Ermittlungen gegen Deutsche wegen Politikerbeleidigung seien von 2598 im Jahr 2023 auf 4792 im Jahr 2025 gestiegen – ein Plus von rund 85 Prozent.

Der Autor macht darin eine "alarmierende Verschiebung" ("alarming drift") Europas zu Ungunsten der freien Meinungsäußerung aus. Die USA böten ihrerseits dazu allerdings kein verlässliches Gegengewicht, da das Bekenntnis zur Internetfreiheit unter Trump "bestenfalls inkonsistent" sei.

Die vorgeschlagenen Verbote, schreibt Mchangama, ähnelten auffallend der Politik illiberaler Regime, die das Internet kontrollierten, um Macht zu sichern und Dissens zu ersticken. Seine Warnung: Einmal errichtete Zensur-Infrastruktur lasse sich schwer wieder abbauen und werde an jede künftige Regierung vererbt – auch an die rechtspopulistischen Parteien, die europaweit in Umfragen zulegten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11332839

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.telepolis.de/article/Von-Pimmelgate-zur-UN-Pruefung-Deutschlands-Meinungsfreiheit-auf-dem-Pruefstand-11161835.html
  2. https://www.ohchr.org/sites/default/files/statements/20260206-eom-stm-europe-central-asia-region-sr-protection-right-german.pdf
  3. https://www.spiegel.de/politik/strafrecht-nur-noch-kommunalpolitiker-schuetzen-a-c9b43a4f-2213-4acb-b9fd-b63cb8952697
  4. https://www.tagesschau.de/inland/regional/sachsen/gesetz-strafrecht-geiert-justizministerin,politikerbeleidigung-strafe-100.html
  5. https://hasepost.de/mehrere-laender-blockieren-abschaffung-des-straftatbestands-politiker-beleidigung-720804/
  6. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/beleidigung-sachsens-justizministerin-fordert-abschaffung-von-sonderregeln-fuer-politiker-a-ab43a4fa-1e85-4213-921b-53a5445e7c4e
  7. https://www.n-tv.de/politik/CDU-und-Gruene-fuer-Abschaffung-der-Politikerbeleidigung-SPD-warnt-id30900488.html
  8. https://www.news.de/politik/859693846/umfrage-politiker-beleidigung-soll-straftat-bleiben-paragraf-188-news-der-dpa-aktuell-zu-gesellschaft-und-politik/1/
  9. https://nius.de/statistik/insa-umfrage-mehrheit-beleidigungsparagraf-abschaffen
  10. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw24-de-stgb188-1183588
  11. https://x.com/UnderSecPD/status/2062493662601261148
  12. https://www.telepolis.de/article/US-Ausschuss-wirft-EU-Zensurfeldzug-vor-Bruessel-kontert-scharf-11167454.html
  13. https://www.foreignaffairs.com/europe/end-open-internet

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

software-architektur.tv: Lernen & LLMs – Was und wie wollen wir lernen?

Von Heise — 15. Juni 2026 um 11:56
Logo software-architektur.tv: Fishbowl: Lernen & LLMs – Was und wie wollen wir lernen, wenn sich alles ändert?

(Bild: software-architektur.tv)

In dieser Episode diskutieren LLM-Begeisterte und LLM-Skeptiker live die Frage „Was sollen wir lernen, um bessere Software-Architekt:innen zu werden?“

LLMs verändern, wie wir arbeiten. Aber verändern sie auch, wie wir lernen – und was es überhaupt bedeutet, etwas zu wissen?

Die Frage „Was sollen wir lernen, um bessere Software-Architekt:innen zu werden?“ stellt sich heute neu. Wie verändert sich die Rolle von Trainer:innen, Curricula und Zertifizierungen? Und was passiert mit unserem Verständnis von Expertise, wenn ein guter Prompt vermeintlich vieles ersetzt?

In dieser Fishbowl-Diskussion treffen LLM-Begeisterte auf LLM-Skeptiker, angehende Architekt:innen auf erfahrene Trainer:innen und iSAQB-Mitglieder – und alle bringen ihre eigene Perspektive mit. Keine Keynote, keine Slides. Nur offene Fragen, echte Meinungen und eine Diskussion, die auch unbequeme Antworten zulässt.

Fragen ohne einfache Antworten:

  • Was unterscheidet Wissen von Können – und was davon bleibt relevant?
  • Wie verändern sich Lernen, Mentoring und Wissensweitergabe im LLM-Zeitalter?
  • Was bedeuten die iSAQB-Zertifizierungen noch, wenn LLMs Wissensfragen beantworten?
  • Brauchen wir neue Lernkulturen – in Teams, Organisationen und Communities?

Das Publikum ist nicht nur Zuschauer. Vor Ort ist die Grenze zwischen Publikum und Panel fließend – wer etwas beitragen möchte, tut es einfach.

Mit Carola Lilienthal, Lars Hupel, Dr. Guido Gryczan und Dr. Gernot Starke, Moderation Eberhard Wolff. Live vom iSAQB Software Architecture Forum 2026 [1]. Wer vor Ort dabei sein will: Mit dem Code SATV15SAF gibt es 15 % Rabatt.

Livestream am 16. Juni

Die Ausstrahlung findet am Dienstag, 16. Juni 2026, live ab 17:30 Uhr statt. Die Folge steht im Anschluss als Aufzeichnung bereit. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite [3] einbringen.

software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, iX-Blogger und bekannter Softwarearchitekt [4], der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Zum Team gehören außerdem Lisa Maria Schäfer [5] (Socreatory) und Ralf D. Müller [6] (DB Systel). Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff, Schäfer oder Müller solo. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren berichtet iX (heise Developer) über die Episoden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11332355

Links in diesem Artikel:

  1. https://conferences.isaqb.org/software-architecture-forum/
  2. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  3. https://software-architektur.tv/
  4. https://www.heise.de/developer/Continuous-Architecture-2687847.html
  5. https://www.socreatory.com/de/trainers/lisa-moritz
  6. https://techstories.dbsystel.de/blog/profiles/Ralf-D.-Mueller.html
  7. mailto:map@ix.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

Open Knowledge Format: KI-Wissen als Markdown-Dateien

Von Heise — 15. Juni 2026 um 11:02
Abstrakte Darstellung eines neuronalen Netzes mit verbundenen Kreisen.

(Bild: Vanessa Bahr / iX)

Markdown statt proprietärer Kataloge: Google formalisiert mit dem Open Knowledge Format das „LLM Wiki“-Muster zu einem offenen Standard für KI-Wissen.

Google Cloud hat mit dem Open Knowledge Format (OKF) eine offene Spezifikation vorgestellt, die Kontextwissen für KI-Systeme und Agenten plattformübergreifend nutzbar machen soll. Das Format richtet sich an Unternehmen, die Metadaten, Dokumentationen, Runbooks oder fachliche Definitionen zentral für den KI-Einsatz bereitstellen wollen. Google hat die Unterstützung für OKF bereits in den eigenen Knowledge Catalog integriert.

Mit dem Format greift Google einen Ansatz auf, der sich unter Entwicklern von KI-Agenten in den vergangenen Monaten verbreitet hat. Statt Agenten immer wieder dieselben Informationen aus Wikis, Datenkatalogen oder Dokumentationen heraussuchen zu lassen, legen Teams ihr Wissen strukturiert als Sammlung von Markdown-Dateien ab. KI-Forscher Andrej Karpathy hat dieses Muster als „LLM Wiki“ beschrieben. Verwandte Konzepte stecken in Obsidian-Vaults, in Konfigurationsdateien für Agenten wie AGENTS.md [1] oder CLAUDE.md sowie in sogenannten „Metadata as Code“-Repositories.

Diese Ansätze nutzen zwar ähnliche Bausteine – Markdown-Dateien, Metadatenfelder und Querverweise –, bleiben aber meist auf einzelne Teams, Werkzeuge oder Anbieter beschränkt. Wissen lässt sich so kaum zwischen verschiedenen KI-Systemen wiederverwenden. Genau hier setzt Google an: OKF soll die nötigen Konventionen festlegen, mit denen unterschiedliche Werkzeuge dieselben Wissensbestände lesen und schreiben können – ohne Übersetzungsschicht und ohne herstellereigenes SDK.

Wissen als Markdown-Dateien

Ein OKF-Bundle besteht aus einem Verzeichnis von Markdown-Dateien. Jede Datei beschreibt genau ein Konzept, etwa eine Datenbanktabelle, einen Datensatz, eine API, eine Geschäftsmetrik, ein Runbook oder ein Playbook. Das YAML-Frontmatter enthält strukturierte Felder wie type, title, description, resource, tags und timestamp.

Die einzelnen Dateien verknüpfen sich über gewöhnliche Markdown-Links. So entsteht ein Wissensgraph, der die Beziehungen zwischen den Konzepten abbildet. Die Dokumentation einer Bestelltabelle kann etwa auf Kunden- und Produktdaten sowie auf die Definition einer Umsatzkennzahl verweisen. Ein KI-Agent bekommt damit nicht nur einzelne Dokumente, sondern auch deren fachliche Zusammenhänge.

Format statt Plattform

Google beschreibt in der Ankündigung [2] OKF ausdrücklich als Format und nicht als Plattform. Die Spezifikation soll unabhängig von Cloud-Anbietern, Datenbanken, KI-Modellen oder Agenten-Frameworks funktionieren. Den Standard halten die Entwickler bewusst schlank: Verpflichtend ist allein ein Typfeld, alle weiteren Strukturen und Metadaten dürfen die Anwender selbst festlegen. OKF schreibt damit nur die Interoperabilität vor, nicht aber ein einheitliches Inhaltsmodell.

Zusammen mit der Spezifikation liefert Google mehrere Referenzimplementierungen aus. Dazu zählt ein Enrichment-Agent für BigQuery, der Tabellen und Views analysiert und daraus automatisch OKF-Dokumente erzeugt. In einem zweiten Durchlauf reichert ein Sprachmodell die Dokumente um Schemainformationen, Dokumentation, Quellenangaben und Join-Beziehungen an. Hinzu kommt ein statischer HTML-Viewer, der einen OKF-Bestand als interaktiven Wissensgraphen darstellt, ganz ohne Backend.

Zum Ausprobieren stellt Google Beispielbestände für Datensätze aus GA4 E-Commerce, Stack Overflow und öffentlichen Bitcoin-Datensätzen bereit. Spezifikation, Beispielcode und Referenzimplementierungen liegen auf GitHub [3].

Die Spezifikation liegt bislang in Version 0.1 vor. Google bezeichnet sie als Ausgangspunkt und will sie gemeinsam mit der Community rückwärtskompatibel weiterentwickeln. Produzenten und Konsumenten des Formats – etwa Datenkataloge, Suchsysteme oder KI-Agenten – sollen dabei unabhängig voneinander entstehen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11332215

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/hintergrund/AGENTS-md-Hilfreiches-Agentenbriefing-oder-Tokenfresser-11245140.html
  2. https://cloud.google.com/blog/products/data-analytics/how-the-open-knowledge-format-can-improve-data-sharing/
  3. https://github.com/GoogleCloudPlatform/knowledge-catalog/tree/main/okf
  4. https://www.heise.de/ix
  5. mailto:fo@ix.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Cybergang ShinyHunters attackiert Oracle-PeopleSoft-Schwachstelle

Von Heise — 15. Juni 2026 um 08:33
Stark verzerrtes Bild eines Fingers auf einer Tastatur, im Vordergrund ein digitales Ausrufezeichen

(Bild: janews/Shutterstock.com)

Die kriminelle Gruppe ShinyHunters greift die kritische Sicherheitslücke in Oracle PeopleSoft an, die zum Wochenende bekannt wurde.

Am Donnerstag vergangener Woche wurde eine kritische Codeschmuggel-Lücke in Oracle PeopleSoft bekannt. Die kriminelle Online-Bande ShinyHunters greift die Schwachstelle offenbar bereits an, warnen IT-Forscher. Auch die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA hat die Lücke in den „Known-Exploited-Vulnerabilities“ [1]-Katalog aufgenommen.

Oracle hatte außer der Reihe [2] der üblichen vierteljährlichen „Critical Patch Updates“ (CPU) sowie der neuen, in den Monaten dazwischen eingeschobenen „Critical Security Patch Updates“ (CSPU) vor der Sicherheitslücke gewarnt. Sie betrifft demnach Oracle PeopleSoft PeopleTools und möglicherweise Oracle PeopleSoft Enterprise Applications. Details sind unklar, jedoch können Angreifer aus dem Netz ohne vorherige Anmeldung mit HTTP-Paketen Schadcode einschleusen und ausführen (CVE-2026-35273, CVSS 9.8, Risiko „kritisch“). Betroffen sind die Versionen PeopleSoft Enterprise PeopleTools 8.61 und 8.62, Updates verlinkt Oracle in der Sicherheitsmitteilung [3], sie sind nach Anmeldung zugänglich.

Erpressungskampagne setzt auf Oracle-Schwachstelle

IT-Forscher von Googles Tochterunternehmen Mandiant haben eine Analyse [4] zu den beobachteten Angriffen veröffentlicht. Demnach missbraucht die Cybergang ShinyHunters, auch als UNC6240 geführt, die Schwachstelle in Oracle PeopleSoft, um Systeme zu kompromittieren und die Betreiber um Lösegeld zu erpressen. Sie ziele auf Environment-Management-Hub-Endpoints (PSEMHUB). Die Angriffe laufen bereits seit dem 27. Mai 2026, ergänzen die IT-Forscher, es handelt sich also um den Missbrauch einer Zero-Day-Lücke.

Die Mandiant-Analysten haben eigenen Angaben zufolge weltweit mehr als 100 Organisationen kontaktiert, deren IP-Adressen mit verwundbaren Endpunkten korrelieren; ein Großteil liegt in den USA, etwas mehr als zwei Drittel davon im höheren Bildungswesen. Die IT-Forscher erörtern die Funde nach den Angriffen im Detail. Sie leiten daraus auch Gegenmaßnahmen ab, etwa die Zugriffsbeschränkung auf die Endpunkte „/PSEMHUB/*“, insbesondere „PSEMHUB/hub“ und „/PSIGW/HttpListeningConnector“ auf interne IP-Adressen – sofern das Deaktivieren des EMHub-Dienstes nicht in Frage kommt. Beschränkungen mit Web-Application-Firewalls seien unzureichend, da die sich überwinden ließen, erklären die IT-Forscher weiter. Admins sollen zudem Protokolldateien und Endpunkte überwachen und auf ausgehenden Traffic auf Port 445 achten. IT-Admins finden in der Analyse noch weiterreichende Hinweise auf erfolgreiche Angriffe (Indicators of Compromise, IOC), anhand derer sie ihre Systeme überprüfen können.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11331861

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.cisa.gov/news-events/alerts/2026/06/12/cisa-adds-one-known-exploited-vulnerability-catalog
  2. https://www.heise.de/news/Oracle-warnt-ausser-der-Reihe-vor-kritischer-PeopleSoft-Codeschmuggel-Luecke-11328164.html
  3. https://www.oracle.com/security-alerts/alert-cve-2026-35273.html
  4. https://cloud.google.com/blog/topics/threat-intelligence/shinyhunters-targets-education-sector-oracle-exploit/?hl=en
  5. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  6. mailto:dmk@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Massive Störungen bei iranischen Banken nach Cyberangriff

Von Heise — 15. Juni 2026 um 07:45
Die Flagge der Islamischen Republik aus Nullen und Einsen

(Bild: GagoDesign/Shutterstock.com)

Hackerangriff auf staatliche Banken im Iran: Online-Zahlungen sind landesweit gestört – ein weiterer Schlag gegen Irans ohnehin fragile Infrastruktur.

Nach einem Cyberangriff auf mehrere staatliche Banken im Iran sind elektronische Dienstleistungen massiv gestört worden. Online-Zahlungen fielen zeitweise vollständig aus. Der Banken-Koordinationsrat des Landes bestätigte laut Wirtschaftsportal Eghtesad-News die Vorfälle. Das Problem sei inzwischen aber behoben und der Onlineverkehr wieder normalisiert.

In Teheran berichteten zahlreiche Augenzeugen, dass in Supermärkten, Restaurants und auch an Tankstellen plötzlich keine Online-Zahlungen mehr möglich waren. Viele Beträge wurden daraufhin notiert, um sie später zu begleichen. Betroffen waren insbesondere vier große staatliche Banken sowie zahlreiche Geldautomaten in der Hauptstadt.

Cyberangriffe sollen digitaler Protest sein

Eine iranische Cybercrimegruppe hatte bereits am Samstag einen Angriff angekündigt. „Ein stiller Krieg entfaltet sich und Iran steht unter Cyberangriff“, erklärte die Gruppe Black Wolves auf ihrem Telegram-Kanal. Bereits 2022 war es während der Frauenproteste zu einem massiven Angriff auf die iranische Zentralbank gekommen.

Auch die Überwachungskameras des berüchtigten Evin-Gefängnisses in Teheran wurden damals gehackt und Aufnahmen veröffentlicht, die gewalttätige Übergriffe von Wachpersonal auf politische Gefangene zeigten. Die Cyberangriffe gelten als Form des digitalen Protests gegen das islamische System im Iran.

Erst seit zweieinhalb Wochen sind Online-Zahlungen im Iran überhaupt wieder möglich. Zuvor haben die Menschen hier 88 Tage lang unter der längsten landesweiten Internetsperre gelebt, die es in der Weltgeschichte jemals gegeben hat [1]. Nach dem Beginn der israelischen und US-amerikanischen Luftangriffe auf den Iran hatte das Regime die eigene Bevölkerung weitestgehend vom Internet abgeschnitten [2]. Der Online-Handel stand nahezu vollkommen still, hunderttausende Unternehmen waren nach dpa-Informationen betroffen. Auch die IT-Branche litt unter der Situation. Laut Netblocks lag die landesweite Internetkonnektivität bei rund einem Prozent des normalen Niveaus.

Ein ganz freies Internet wie hierzulande gibt es im Iran auch heute nicht. Staatliche Filter verhindern den Zugriff auf bestimmte Seiten, etwa Social Media. Mit einem VPN-Dienst lässt sich das zwar umgehen, nach iranischen Gesetzen ist das aber illegal.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11331525

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Internetsperre-im-Iran-ist-jetzt-die-laengste-der-Weltgeschichte-11246101.html
  2. https://www.heise.de/news/Netzsperre-und-Cyberangriffe-im-Iran-11194007.html
  3. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
  4. mailto:nen@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Routerhersteller fordern Kontrolle importierter Geräte

Von Heise — 15. Juni 2026 um 07:26
8 Ethernet-Kabel stecken an einem Router

(Bild: momente/Shutterstock.com)

EU-Sicherheitsvorschriften für 5G-Mobilfunk sollen Spionage vorbeugen. Für Heimnetzwerke gibt es keine entsprechenden Regeln, kritisieren nun Hersteller.

Vier deutsche und ein litauischer Routerhersteller fordern scharfe Kontrolle importierter Internet-Netzwerkgeräte in Europa. Vorbild sollen die gegen chinesische Erzeugnisse gerichteten Sicherheitsvorschriften der EU für den 5G-Mobilfunk sein. „Router und Netzwerkgeräte müssen von der Politik ebenso stringent geschützt werden wie 5G-Netze“, heißt es in der Mitteilung des neu gegründeten Safenet-Verbands. Beteiligt sind die deutschen Unternehmen Fritz, Devolo, Lancom und TDT sowie Teltonika aus Litauen.

Wie das 5G-Instrumentarium der EU zielen die Forderungen auf chinesische Produkte, auch wenn diese in der Mitteilung nicht ausdrücklich genannt sind. Da Telekommunikationsgeräte von außen über das Netzwerk aktualisiert und gewartet werden können, gibt es Sorgen, dass staatliche chinesische Stellen dieses Einfallstor für Spionage und gegebenenfalls sogar Sabotage nutzen könnten, um Netzwerke im Konfliktfall stillzulegen.

Die Ampel-Koalition hatte den 5G-Mobilfunkanbietern vorgeschrieben, ab 2026 keine Komponenten der beiden chinesischen Hersteller Huawei und ZTE im Kernnetzwerk [1] mehr einzubauen.

Vorwurf: Kontrolle außereuropäischer Heimnetzwerkgeräte fehlt

Nach einer von den Firmen zitierten Studie laufen aber nur sieben Prozent des europäischen Internetverkehrs über den Mobilfunk, 93 Prozent hingegen über Router und Heimnetz-Gateways. Der Marktanteil chinesischer Hersteller in diesem Bereich beläuft sich demnach auf knapp 40 Prozent. Die fünf heimischen Unternehmen werfen der Politik vor, dass die EU-Märkte in diesem Bereich offen für außereuropäische Produkte seien, die strategische Abhängigkeiten erzeugten und Sicherheitsrisiken darstellten.

Herkunftsnachweis, europäische Technik und Sicherheitsregeln

So haben die fünf Unternehmen drei Forderungen: Hersteller und Internetanbieter sollen ausweisen, wo Geräte und Firmware hergestellt und entwickelt werden. Behörden, Betreiber kritischer Infrastruktur und öffentlich finanzierte Einrichtungen sollen europäische Netzwerktechnologie nutzen. Und die EU soll neben dem 5G-Instrumentarium vergleichbare Sicherheitsvorschriften für Router und Netzwerktechnologie erlassen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11331799

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/5G-Sicherheitsnetz-Bund-besiegelt-Aus-fuer-Huawei-und-ZTE-bis-2029-11243788.html
  2. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  3. mailto:dmk@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ c't-Themen

heise+ | KI im Job: Studien widerlegen Mythos vom Job-Killer

Von Heise — 15. Juni 2026 um 07:03

KI soll Arbeit erleichtern und Fachkräftemangel lindern. Doch Studien zeigen: Statt Entlastung bringt die Technik oft Arbeitsverdichtung und neue Aufgaben.

KI soll Arbeit abnehmen, die Produktivität steigern und Kosten sparen – so das Versprechen der IT-Branche. Die Modelle werden Woche für Woche mächtiger, doch in den Statistiken der Ökonomen und Arbeitssoziologen schlägt sich das nicht nieder. Angestellte klagen nach der Einführung von KI-Systemen nicht über Langeweile, sondern über zusätzliche Belastungen. Nach mancher Umstellung schrumpft deren Output sogar, anstatt zu wachsen.

Damit stellen die Forscher das Hauptversprechen der KI-Branche infrage. Die Tech-Unternehmen um OpenAI und Google verkaufen KI als Lösung für den weltweiten Fachkräftemangel, dem viele westliche Industrienationen entgegenblicken. Dank KI, so die Erzählung, brauche man künftig weniger Fachkräfte und könne Kosten sparen. Genau das treibt die Börsenkurse von Nvidia, Microsoft und Google, lässt immer mehr Rechenzentren aus dem Boden sprießen und versetzt Arbeitnehmer in Panik, sie könnten morgen ihren Job verlieren.

In diesem Schwerpunkt sondieren wir die Studienlage: Was sagen die neuesten Untersuchungen zum KI-Einsatz über Arbeitsbelastung und Produktivität tatsächlich aus? Dabei entpuppte sich so manch weitverbreitete Überzeugung als Irrtum, allen voran das Bild von der KI als flächendeckender Jobkiller. Auch dass ihr Einsatz automatisch Arbeitszeit spart und Fachkräfte entlastet, lässt sich nicht halten. Und: Es wird nicht alles besser, nur weil nächste Woche ein noch mächtigeres Sprachmodell an den Start geht. Welche Folgen diese Erkenntnisse haben, erklärt der Soziologe Florian Butollo im anschließenden Interview [9] [9]. Ein weiterer Artikel diskutiert, wie Sie den Einsatz von KI in Ihrem Unternehmen praktisch neu bewerten müssen [10] [10] – und warum Prozesse, Werkzeuge und Arbeitsorganisation oft wichtiger sind als das schlaueste Modell.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11280789

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Studien-widerlegen-Mythos-vom-Job-Killer-11280789.html
  2. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Warum-KI-Arbeit-verdichtet-und-Fachkraefte-kaum-entlastet-11280801.html
  3. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Wie-Sie-die-richtigen-Werkzeuge-im-Arbeitsalltag-finden-11280857.html
  4. https://www.heise.de/ratgeber/Es-liegt-nicht-nur-an-KI-dass-der-Jobmarkt-fuer-Softwareentwickler-haerter-wird-11273926.html
  5. https://www.heise.de/ratgeber/Wie-KI-die-Softwareentwicklung-erobert-11273866.html
  6. https://www.heise.de/ratgeber/Wofuer-Software-Entwickler-KI-Tools-nutzen-und-wofuer-nicht-11273894.html
  7. https://www.heise.de/hintergrund/Warum-Europa-bei-der-KI-Entwicklung-den-Anschluss-verliert-11313310.html
  8. https://www.heise.de/hintergrund/Wie-KI-Forschungsberichte-vehunzt-zum-Teil-sogar-mit-Fake-Quellen-11288185.html
  9. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Warum-KI-Arbeit-verdichtet-und-Fachkraefte-kaum-entlastet-11280801.html
  10. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Wie-Sie-die-richtigen-Werkzeuge-im-Arbeitsalltag-finden-11280857.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

Tipp: Abdunkelung von Videos in Safari auf dem Mac verhindern

Von Heise — 15. Juni 2026 um 09:00

Mit macOS 26 alias Tahoe führt Apple eine Funktion ein, die angehaltene Videos verdunkelt darstellt. Mit diesem Trick schalten Sie das unnötige Feature ab.

Nach der Installation von macOS 26 hat sich bei mir die Videowiedergabe in Safari geändert. Immer wenn ich mit der Maus über einen Clip fahre oder ihn anhalte, wird er abgedunkelt, so dass ich fast nichts mehr sehen oder lesen kann. Kann man etwas dagegen tun?

Apples Safari-Browser hat ab Tahoe tatsächlich eine unschöne Funktion übernommen, die seit einigen Jahren bei manchen selbstgestrickten Videoplayern im Web und in Apps eingebaut wurde: Pausiert man ein Video, wird es aus unerfindlichen Gründen dunkler.

Erst wenn man die Wiedergabe startet, ist alles wieder normal hell. Wollen Sie durch das Pausieren beispielsweise einen Text im Video lesen oder einen Screenshot aufnehmen, ist das äußerst störend beziehungsweise fast unmöglich.

Auch wenn man die Maus über ein Video bewegt und die Kontrollelemente damit einblendet, wird es dunkler.

Apple sieht in Safari zunächst keine reguläre Möglichkeit vor, dieses störende Tinting, wie man es auf Englisch nennt, abzuschalten.

Allerdings gibt es einen Trick, mit dem das doch möglich ist: Über die standardmäßig versteckten Debugging-Funktionen in dem Browser.

Um diese zu aktivieren, müssen Sie sich zunächst in die Terminal-App begeben. Vorab sollten Sie prüfen, ob das Terminal den sogenannten Festplattenvollzugriff [1] (Full Disk Access) hat, um die entsprechende Konfigurationsdatei schreiben zu können. Die Funktion findet sich im Bereich „Datenschutz & Sicherheit“ in den Systemeinstellungen. Sollte Terminal hier noch nicht auftauchen, ergänzen Sie dieses. Das lässt sich später auch problemlos wieder rückgängig machen.

Hat das Terminal Festplattenvollzugriff, öffnen Sie es (am einfachsten via Spotligh) und geben dann diesen Befehl ein, nachdem Sie Safari zunächst geschlossen haben:

defaults write com.apple.Safari IncludeInternalDebugMenu -bool true

Anschließend öffnen Sie Safari erneut (oder starten, falls Sie das vergessen haben, den Browser neu).

Safari-Einstellung zur Verhinderung der Abdunkelung von VIdeos
Safari-Einstellung zur Verhinderung der Abdunkelung von VIdeos

Safari-Einstellung zur Verhinderung der Abdunkelung von VIdeos.

(Bild: heise medien)

Begeben Sie sich jetzt in das nun neu auftauchende „Debug“-Menü in der Menüleiste. Unter „WebKit Internal Features“ finden Sie den Menüpunkt „Hosted blur material in media controls“. Entfernen Sie den Haken.

Danach (respektive nach einem weiteren Neustart von Safari), sollte die unnötige Video-Verdunkelung ein Ende haben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11331405

Links in diesem Artikel:

  1. https://support.apple.com/de-de/guide/mac-help/mchlccb25729/mac
  2. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  3. https://www.heise.de/mac-and-i
  4. mailto:bsc@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

heise+ | Kurztests: Klapp-Stativ, Selfie-Monitor, iPhone-Mikro, Lampen-Lautsprecher

Von Heise — 15. Juni 2026 um 08:00
Apple-Peripherie im Kurztest

Apple-Peripherie im Kurztest.

(Bild: Andreas Wodrich / heise medien)

Vier Produkte für Apple-Nutzer im Test: Ulanzi MT-85, Callstel ZX-5889-675, Shure MV88 USB-C und Table Lamp 2 Pro x Sound by JBL.

Für Mac, iPhone, iPad und Co. gibt es zahllose Zubehörprodukte. Im Mac & i-Kurztest haben wir fünf aktuelle Hardware-Angebote auf ihre Tauglichkeit überprüft. Dieses Mal dabei: iPhone schneller aufstellen, Monitor für Selfies, Mobil-Mikro und eine Lampe mit Sound.

Flotter Filmen

Die Füße aufklappen, festschrauben, eine Halterung anbringen, das Smartphone einspannen; bis man ein Filmstativ aufgebaut hat, vergeht viel Zeit. Das MT-85 von Ulanzi ist im Handling wesentlich einfacher. Sobald seine Spitze kurz auf den Boden tippt, klappen die vier gefederten Füße automatisch auf.

Das Gehäuse besteht aus Kunststoff. An der klappbaren Magnethalterung kann man ein MagSafe-fähiges iPhone im Hoch- oder Querformat anheften und leicht abnehmen. Die Halterung lässt sich allerdings nicht gegen ein Stativgewinde tauschen. Einen beiliegenden, daumengroßen Bluetoothauslöser kann man an der Seite anstecken.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11320840

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Afrika: Atomstrom auf dem Vormarsch

Von Telepolis — 15. Juni 2026 um 09:31
Atomkraftwerk mit Reaktorkuppel an einem See, der das Kühlwasser liefert.

(Bild: Charles_Brutlag, shutterstock)

Noch ist die Liste der Atomkraftwerke in Afrika ziemlich übersichtlich. Doch das dürfte sich bald ändern. Eine neue Technik spielt dabei eine besondere Rolle.

Derzeit betreibt Südafrika das einzige [1] in Betrieb befindliche Atomkraftwerk in Koeberg [2] bei Kapstadt mit zwei Reaktorblöcken, die 1.854 MW leisten.

Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) zählt [3] jedoch mittlerweile 16 weitere afrikanische Länder auf, die Atomkraftwerke bauen oder bauen wollen: Ägypten, Algerien, Äthiopien, Burkina Faso, Ghana, Kenia, Marokko, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sudan, Tansania, Tunesien, Uganda und Sambia.

Und diese Liste ist nicht einmal vollständig. Denn inzwischen verfolgen auch Mali [4] und Namibia [5] solche Pläne. Allerdings sind die meisten dieser Vorhaben bloße Absichtserklärungen und haben derzeit das Stadium konkreter Planungen noch nicht erreicht.

Die Rosatom-Dominanz

Derzeit baut der russische Staatskonzern Rosatom das größte Nuklearprojekt auf dem Kontinent, das Großkraftwerk El Dabaa [6] in Ägypten. Einmal fertiggestellt sollen dort vier russische WER-1200 Reaktoren der dritten Generation je 1.200 MW liefern.

Der russische Konzern hat überdies Rahmenabkommen oder Absichtserklärungen mit über einem Dutzend afrikanischer Staaten unterzeichnet (u.a. Nigeria, Kenia, Äthiopien [7], und Sambia). Auch Nigers [8] Bergbauminister Ousmane Abarchi gab die Pläne bekannt, zwei 2.000-Megawatt-Kernreaktoren in Partnerschaft mit Rosatom zu errichten. Die Militärjunta in Niamey unterhält gute Verbindungen zum Kreml.

Dies ist vor allem die Folge von mehreren diplomatischen Coups, die Moskau auf seinem ersten Atomgipfel [9] gelungen sind. Den Gipfel hatte der staatliche Energiekonzern Rosatom Ende September 2025 ausgerichtet.

Langfristige Bindungen

Bedeutend ist Atomkraft nicht nur als Exportschlager, denn Bau und Betrieb der Reaktoren verlangen überdies nach langfristigen und stabilen politischen Beziehungen: Der Bau eines Atomkraftwerks dauert zehn Jahre, seine Lebensdauer beträgt etwa 60 Jahre. Die Stilllegung der radioaktiven Reaktoren benötigt weitere 10 bis 20 Jahre.

Derartige (Geschäfts-)Beziehungen reichen also selbst über die langlaufenden Verträge für Pipeline-Liefergeschäfte hinaus.

Es ist also nicht übertrieben, wenn man annimmt, dass ein Land, das ein Atomkraftwerk importiert sich auf eine Partnerschaft einlässt, die bis zu hundert Jahre dauern kann. Denn es geht nicht nur um den Bau der Anlagen. Es geht um das gesamte nukleare "Ökosystem" und seine hochspezifischen Voraussetzungen vor allem für Ersatzteillieferungen.

China holt auf

Auch Peking baut seine nuklearen Kooperationen mit afrikanischen Ländern stetig aus [10]. So besteht schon seit 2015 ein Rahmenabkommen mit Kenia. Demnach will China bis 2034 einen 1.000 MW Atomkraftwerk für das ostafrikanische Land fertigstellen.

Die taz hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen [11], dass Peking 2016 eine Übereinkunft mit dem Sudan getroffen hat, zwei Reaktoren mit je 600 MW Leistung zu errichten. Deren Bau hat allerdings bis heute nicht begonnen [12]. Auch zwischen Kairo und Peking existiert [13] bereits seit 2015 eine Vereinbarung, die sich jedoch auf Forschung und Entwicklung beschränkt.

Neueren Datums sind die Atommemoranden, die China mit Nigeria (2024) und Südafrika (2025) abgestimmt hat. So will die China National Nuclear Corporation (CNNC) in Nigeria in den 2030er Jahren Atomkraftwerke in Betrieb nehmen. Und auch in Ghana soll ein Hualong One Reaktor gebaut werden.

Südafrika

Bedeutender ist die 2025 eingeleitete chinesische-südafrikanische Nuklearkooperation. Darüber hinaus geht es um die angestrebte Verlängerung des Betriebs des SAFARI-1-Reaktors im Kernforschungszentrum Pelindaba. Auch sind Planungen für einen neuen Mehrzweckreaktor sind im Gange, für das es jedoch weiterer Investitionen bedarf.

Aber es geht überdies um den Kernbrennstoffkreislauf (Wiederaufarbeitung), den Einsatz kleiner modularer Reaktoren und die Zusammenarbeit bei Brennstoffen wie schwach angereichertem Uran zu fördern.

Kenia

Der kenianische Präsident William Ruto hat Pläne vorgestellt, nach denen das ostafrikanische Land seine Energieproduktion in den nächsten Jahren um zehn Gigawatt ausbauen will, davon drei GW Atomenergie. Im Zentrum dieser Planungen steht ein 2.000 MW Kernkraftwerk, das bis 2034 im Landkreis Siaya [14] bei Kisumu am Victoriasee errichtet werden soll.

Ein Projekt an der Küste des Indischen Ozeans in Kilifi bei Mombasa ist wegen Anwohnerprotesten bereits aufgegeben [15] worden. Auch am neuen Standort regt sich bereits Widerstand [16] der vergleichsweise gut organisierten kenianischen Zivilgesellschaft.

Die Kosten für das Projekt werden derzeit auf 646 Mrd. kenianische Shilling beziffert [17]. Nach aktuellem Wechselkurs sind knapp fünf Mrd. US-Dollar. Im Endeffekt dürfte das Projekt wesentlich teurer werden, da die Kosten solcher Investitionen im Verlauf der Projektlaufzeit stetig steigen und der Schilling gegenüber westlichen Währungen ebenso stetig an Wert verliert.

Kleine und kleinste Reaktoren sollen es richten

Deshalb werden immer häufiger kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactor, SMR) ins Spiel gebracht. Mit der Skalierbarkeit der Gewinnung von Atomstrom auch außerhalb militärischer Anwendungen, steht mittlerweile eine ganze Palette von Anlagen zur Verfügung.

Die kleinsten Anlagen (Nano Nuclear Energy [18]) sind schon ab etwa 25 Millionen US-Dollar zu haben und sind teilweise sogar mobil. Aber sie liefern auch nur etwa 1 bis 1,5 MW, deutlich weniger als ein großes Windrad. Die Palette endet bei formidablen Atomkraftwerken, die zum Beispiel 125 MW (Linglong One [19]; etwa 700. Mio. US-Dollar) oder 300 MW (Westinghouse AP300 [20]; ca. eine Milliarde US-Dollar).

Obwohl immer noch teuer und kompliziert, sind solche Meiler viel erschwinglicher für Entwicklungs- und Schwellenländer als die riesigen herkömmlichen AKWs. Auch können sie den Energiebedürfnissen besser angepasst werden.

Minireaktoren in Ghana und Ruanda

Und inzwischen ist es selbstverständlich, dass kleinere Staaten sich an alle Seiten wenden, um möglichst vorteilhafte Konditionen herauszuschlagen. So kooperiert Ghana nicht nur mit China, sondern treibt auch Pläne für die Nutzung von SMRs voran. Und die will Accra im Westen kaufen.

2024 haben die Projektgesellschaft Nuclear Power Ghana und die Regnum Technology Group ein Handelsabkommen unterzeichnet [21], das die Lieferung eines NuScale VOYGR-12 [22]-Kraftwerks vorsieht, das aus zwölf einzelnen Modulen besteht. Deren Gesamtleistung erreicht etwa 925 MW.

Erst im Mai hat Ruanda ein Abkommen mit den USA zur zivilen Nutzung von Atomenergie geschlossen [23]. Demnach soll Holtec International in den 2030er Jahren SMRs mit 300 MW Leistung in Betrieb nehmen. Parallel dazu unterhält [24] Kigali weiterhin F&E-Kontakte zu Russland.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11331355

Links in diesem Artikel:

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernkraftwerke_in_Afrika
  2. https://www.google.com/maps/place/Kernkraftwerk+Koeberg/@-33.6656199,18.6775606,9z/data=!4m6!3m5!1s0x1dccf2d5d0577953:0x774bd9263b4aea90!8m2!3d-33.67454!4d18.43297!16zL20vMDJzaHNj?hl=de&entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDYwMS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D
  3. https://www.iaea.org/newscenter/news/nuclear-power-in-africa-opportunities-for-the-future
  4. https://africa.businessinsider.com/local/lifestyle/russia-and-mali-deepen-trade-ties-eye-strategic-nuclear-energy-deal/yhnwchf
  5. https://www.namibiansun.com/government/govt-scientist-says-nuclear-power-unlikely-before-2045-nmh009741-1-11355
  6. https://www.google.com/maps/place/%D9%85%D8%AD%D8%B7%D8%A9+%D8%A7%D9%84%D8%B6%D8%A8%D8%B9%D8%A9+%D8%A7%D9%84%D9%86%D9%88%D9%88%D9%8A%D8%A9%E2%80%AD/@31.1719253,30.5220815,7z/data=!4m6!3m5!1s0x1460050022d0a3cf:0xd1dbca1767fbe1ca!8m2!3d31.0457665!4d28.4943264!16s%2Fg%2F11bc6hfwhm?authuser=0&hl=de&entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDYwMS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D
  7. https://www.africa-confidential.com/article/id/15665/abiy-goes-nuclear
  8. https://www.africanews.com/2025/09/26/ethiopia-niger-plan-to-build-nuclear-plants-with-russias-rosatom/
  9. https://caliber.az/en/post/russia-to-host-first-atomic-summit
  10. https://sweetcrudereports.com/chinas-strategic-push-into-africas-nuclear-energy-sector/
  11. https://taz.de/Atomkraft-in-Afrika/!5304451/
  12. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/eng2.13116
  13. https://www.world-nuclear-news.org/Articles/China,-Egypt-agree-to-nuclear-cooperation
  14. https://www.google.com/maps/place/Luanda+Kotieno+beach/@-0.2018761,34.0497555,8z/data=!4m6!3m5!1s0x19d525c43f35b6c9:0xfff9a56c02023d27!8m2!3d-0.3839205!4d34.2836764!16s%2Fg%2F11h8959mfr?hl=de&entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDYwMS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D
  15. https://kenyanwallstreet.com/kenya-to-relocate-nuclear-power-project-to-siaya-after-kilifi-pushback
  16. https://www.greenpeace.org/africa/en/blog/60749/siaya-residents-reject-kenyas-nuclear-plant-at-public-forum-and-the-government-must-listen/
  17. https://techtrendske.co.ke/2026/05/16/kenya-siaya-nuclear-industrial-future/
  18. https://nanonuclearenergy.com/nano-nuclear-acquires-secured-transportation-services-llc-establishing-a-fully-integrated-nuclear-fuel-logistics-and-transportation-platform-and-joining-a-select-group-of-revenue-generating-microreact/
  19. https://www.facebook.com/PeoplesDaily/posts/the-worlds-first-commercial-small-modular-reactor-linglong-one-completed-the-mai/839067124931247/
  20. https://westinghousenuclear.com/new-plants/ap300-smr/
  21. https://www.nuklearforum.ch/de/news/ghana-handelsabkommen-fuer-amerikanischen-smrs-unterzeichnet/
  22. https://www.nuscalepower.com/products/nuscale-power-module
  23. https://rw.usembassy.gov/united-states-and-rwanda-sign-memorandum-of-understanding-concerning-strategic-civil-nuclear-cooperation/
  24. https://www.aljazeera.com/news/2026/5/30/rwanda-russia-nuclear-deal-underscores-africas-shifting-power-balance

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Die perfekte Ausrede: Warum wir die Schuld so gern auf KI schieben

Von Telepolis — 15. Juni 2026 um 08:00
Finger deuten auf Sündenbock mit Aufschrift

Ob Jobabbau oder Softwarefehler: Gerne machen wir Algorithmen zum Sündenbock. Doch hinter jeder Entscheidung steht am Ende ein Mensch.

"Die Künstliche Intelligenz kostet Jobs", "Das war die KI", "Wir können nichts tun. Der Computer ist schuld", das sind nur wenige der Ausreden, die oft genutzt werden. Wir verlernen dabei, dass fast ausschließlich menschliche Entscheidungen und Anordnungen die jeweilige Sachlage ausgelöst haben.

Die wohlfeilen Ausreden helfen uns, die persönliche Verantwortung beiseitezuschieben. Es geht nicht um die Frage der Integration der KI in immer mehr Lebensbereiche. Es geht darum, wie wir es tun.

KI sortiert nie ohne Anweisung aus

Personalberater beklagen sich oft, dass sie trotz des oft zitierten Fachkräftemangels keine Arbeitsstelle für hochqualifizierte Bewerber aus der Altersklasse 50+ finden. Es heißt dann regelmäßig, dass die Lebensläufe dieser Bewerber schon im Vorfeld durch die KI aussortiert werden. Offiziell zugeben möchte das niemand. Schließlich sollte das Aussortieren von Bewerbern nicht nach diskriminierenden Maßstäben und erst recht nicht maschinell geschehen.

Kein KI-System wird so eine Entscheidung treffen, ohne dass vorher die Parameter entsprechend gestellt wurden. Das Einzige, was die KI in diesem Fall machen kann, ist, den gesamten Ablehnungsvorgang zu beschleunigen.

Außerdem müssen sich die abgewiesenen Bewerber die Frage stellen, wie glücklich sie bei einem Unternehmen wären, das die Altersdiskriminierung wortwörtlich im Programm hat.

Um im Jargon der beginnenden Fußball-WM zu bleiben, der Ball liegt in diesem Fall auch bei den Medien. Ihnen obliegt – ob mit oder ohne KI-Einsatz – die Aufgabe aufzuzeigen, ob die jeweils jammernden Unternehmen unter einem wirklichen Fachkräftemangel leiden. Schließlich muss die Politik entscheiden, wie sie die verlangte Verlängerung von Lebensarbeitszeiten real ermöglicht und wie sie Altersdiskriminierung nachhaltig unterbindet.

EU-geförderte KI statt EU-gefördertem Personal

In dieser Kategorie, der Arbeitskräftevermittlung, hat die griechische Regierung, respektive das Arbeitsministerium wahrlich Unnachahmliches geleistet. Auch bei den unter Geburtenmangel leidenden Hellenen gibt es Bedarf für längere Lebensarbeitszeiten.

Um die Beschäftigung zu fördern, nutzte das Arbeitsministerium Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Es wurden mit Fördermitteln bezahlte Arbeitsplatzberater eingestellt, die zum Beispiel Langzeitarbeitslose ab 30 in geförderte Arbeitsverhältnisse vermittelten.

Die Fördermittel laufen aus. Ab Juli kommt daher eine – mit EU-Mitteln subventionierte KI-basierte Softwarelösung zum Einsatz. Sie übernimmt ab Juli die Aufgaben der in die Arbeitslosigkeit entlassenen Berater.

Bevor die Berater am 30. Juni ihren letzten Arbeitstag haben, steht ihnen noch etwas bevor. Sie werden in der Benutzung und Betreuung der neuen KI-Systeme geschult. Mit Fördermitteln und mit externen, vom Ministerium engagierten Schulungskräften.

Für Ökonomen liegt hier ein Automatisierungsparadox vor. Um Arbeitsplätze effizienter zu machen, investiert man in Technologien. Diese machen langfristig diese Arbeitsplätze obsolet. Es sei denn, man nutzt die Erfahrung und die freiwerdenden Kapazitäten der Menschen, um neue, produktivere Tätigkeiten oder mehr Effizienz zu ermöglichen. So, wie die Regierung verfährt, wird jedoch nur erneut Arbeitslosigkeit erzeugt.

In absehbarer Zeit stehen Wahlen bevor. Seitens der Regierung wird deshalb avisiert, neue Arbeitsplätze für die Entlassenen zu schaffen. Dabei ist das "für" mehr als fraglich. Denn erste intern bekannte Ausschreibungsversionen setzen eine längere Arbeitslosigkeit als Einstellungsbedingung voraus.

Zudem sollen Lebenslauf und eventuelle akademische Qualifikationen nur zu vierzig Prozent ins Gewicht fallen. Den Löwenanteil für die Entscheidung macht mit sechzig Prozent das Vorstellungsgespräch aus. Ein Schelm, wer hier an die Versorgung potenzieller Wähler denkt.

In diesem gesamten Chaos wird der eigentliche Sinn der Förderung vergessen. Niemand stellt sich die Frage, ob Langzeitarbeitslose, pauschal über genügend Kenntnisse verfügen, um niederschwellig mit moderner KI umzugehen. Wobei mit "niemand" sowohl die griechische Regierung als auch die dieses Oxymoron finanziell ermöglichende Europäische Union gemeint ist.

Festzuhalten bleibt, dass die betreffenden Arbeitsplätze nicht durch die KI, sondern allein durch politische Entscheidungen verloren gehen.

Lähmt die Digitalisierung die Realwirtschaft?

Die griechische Regierung sorgt auch an anderer Stelle für ein unerwartetes Ergebnis der Digitalisierung. Nahezu pünktlich zur Geburtstagsfeier für sechs Jahre digitales Staatswesen, gov.gr, sorgt ein staatlicher Computerfehler bei rund 25.000 Kleinunternehmern für Chaos.

Die einheitliche elektronische Sozialversicherungskasse e-EFKA bekam eine neue, modernere Software. Das wurde am 2. Juni mit einer Präsentation gefeiert. Damit soll nun in naher Zukunft das komplette Arbeitsleben der Griechen – auch aus analoger Zeit – digital abrufbar und dann komplett per KI verarbeitbar sein. Rentenberechnungen und Zahlungen sind damit erheblich schneller möglich.

Leider hat das neue EDV-System einen tragischen Fehler. Eventuell falsch gesetzte Parameter und eine Verzögerung in der Datenerfassung sorgen dafür, dass rund 25.000 Kleinunternehmer, die gleichzeitig einer abhängigen Beschäftigung nachgehen, nun ohne jede Schuld als Schuldner geführt werden.

Sie müssten theoretisch erneut für November und Dezember 2025 die kompletten Versicherungsbeiträge zahlen, obwohl dies gesetzeskonform mit dem jeweiligen Haupterwerbsjob abgegolten sein soll.

Der Computerfehler scheint simpel zu sein. Man hat die parallelen Beschäftigungsverhältnisse nicht korrekt erfasst. Gleichzeitig aber gibt es keine Möglichkeit die automatische Sanktionierung von Versicherungsschulden abzuschalten. So erhielten die 25.000 Betroffenen eine verbindliche Zahlungsaufforderung, deren erste Rate schon am 29. Mai ablief.

Der Versicherungsträger hat per Ankündigung darüber informiert, dass die Beträge nicht gezahlt werden müssen. Trotzdem können die Phantomschuldner nun keine Bestätigung erhalten, dass ihre Beiträge ordnungsgemäß bezahlt wurden. Diese Bescheinigung ist jedoch für einige Rechtsgeschäfte Pflicht. So heißt es nun – abwarten.

Vorsicht, wenn die KI uns schmeichelt

Am vergangenen Dienstag freute sich der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis bei der Geburtstagsfeier von gov.gr, dass ChatGPT die nächsten Parlamentswahlen in Griechenland 2027, und damit am Ende der Legislaturperiode erwarten würde.

Der Premier steht wegen einer Reihe von Skandalen und Affären unter Druck. Die Umfragewerte für seine Partei sinken und sind weit von der 2023 erreichten absoluten Parlamentsmehrheit entfernt. Mitsotakis nutzte die KI-Aussage, um hartnäckigen Gerüchten zu vorgezogenen Neuwahlen entgegenzuwirken.

Mit dem vom Premier zitierten Prompt gibt es jedoch auch zusätzliche Informationen. Gerade der zweite Teil von ChatGPTs Antwort dürfte dem Regierungschef nicht gefallen:

"Die nächsten Parlamentswahlen in Griechenland werden üblicherweise 2027 erwartet, da die letzten Wahlen im Juni 2023 stattfanden und die Legislaturperiode vier Jahre beträgt. Natürlich sind vorgezogene Neuwahlen in der griechischen Politik fast schon Tradition, daher können sie theoretisch auch früher angesetzt werden, wenn es zu gravierenden politischen Entwicklungen kommt."

ChatGPT schließt die in Griechenland üblichen vorgezogenen Neuwahlen explizit nicht aus. Zwar gibt es bei erneuter Eingabe des gleichen Prompts leichte Variationen der Antwort. Jedoch gibt es auch nach zehn Versuchen kein einziges Mal eine Version, die wie vom Premier insinuiert, einen vorgezogenen Wahltermin ausschließt.

Die großen Sprachmodelle (LLMs) sind nicht immer so ehrlich mit uns. Sie neigen dazu, uns zu schmeicheln. Der Sozialwissenschaftler Marko Kovic warnt [1] daher in seiner jüngsten, sehr lesenswerten Kolumne vor einem Abbau der Sozialkompetenz durch KI-Benutzung. Kovic verweist dafür auf einschlägige Studien.

Wenn man sich zu sehr auf die Chat-Bots einlässt und verlässt, dann wird es gefährlich. Eine Lehre, die man sich für alle Aspekte der neuen Technologien zu Herzen nehmen sollte. So klagen aktuell wieder vermehrt Youtube-Kanal-Betreiber über eine erneute Demonetarisierungswelle [2].

Die zu Googles Imperium Alphabet gehörende Videoplattform setzt KI ein um KI-Slop [3] oder was als solcher eingestuft wird und "nicht authentischen Inhalt" herauszufiltern. Dass Google selbst KI-Tools im Programm hat und bei Youtube explizit selbst anbietet, ist in diesem Fall ein interessantes Detail.

Entsprechende Videos und Kanäle werden dabei nicht abgeschaltet. Ihnen wird schlicht die Möglichkeit genommen, über entsprechend hohe Klickzahlen eine Bezahlung für ihre Inhalte zu bekommen. Darüber, inwieweit die aktuellen Maßnahmen von Youtube [4] gerechtfertigt sind oder nicht, gibt es kontroverse Diskussionen.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass die Videoplattform die Regeln ändert. So mussten vor knapp dreieinhalb Jahren Nutzer mit Videos in denen geflucht wird auf Einnahmen verzichten [5].

Ob es sich lohnt gegen die oft als Zensur empfundene Demonetarisierung zu klagen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dazu sollte man aber lieber einen Anwalt konsultieren, statt sich allein auf einen informativen Dialog mit ChatGPT zu verlassen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11328396

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.nau.ch/lifestyle/gesellschaft/marko-kovic-durch-schmeicheln-wirst-du-von-ki-manipuliert-67136690
  2. https://www.youtube.com/watch?v=zmLNpcW7DC8
  3. https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/ai-slop-wie-ki-das-internet-vermuellt-100.html
  4. https://www.reddit.com/r/PartneredYoutube/comments/1si1xbi/inauthentic_content_what_you_need_to_know/
  5. https://www.heise.de/news/Sch-aber-auch-Youtuber-aergern-sich-ueber-De-Monetarisierung-7450480.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Feindbild Faule? Friedrich Merz und der Feldzug gegen den Sozialstaat

Von Telepolis — 15. Juni 2026 um 06:00
Ein Schild mit Job und Arbeitslos, im Hintergrund eine Stadt

Wohin geht die deutsche Sozialpolitik unter Merz?

(Bild: Pixelvario/Shutterstock.com)

Sanktionen, Streichungen, Schikanen: Was bleibt von einem Sozialstaat, der seine Schwächsten unter Generalverdacht stellt? Ein Kommentar.

Die Ästhetik der Härte ist zurück: Unter der Merz-Koalition erlebt die Agenda aus arbeitsmarktpolitischer Gängelung, Arbeitszwang und Leistungsideologie eine konsequente Neuauflage.

Die zugespitzte Fortsetzung der Agenda 2010 [1] – nur verschärft, unverblümter, ideologisch aufgeladen, rhetorisch unbeholfen-nackter. Die unbeliebteste Bundesregierung aller Zeiten [2] regiert nicht nur am Puls der Krise vorbei – sie nutzt sie politisch [3]. Die Agenda 2030 [4] als Klassenkampf von oben?

Ob unterkühlter Umgangston gegenüber einer krebskranken Frau [5], die köchelnde Debatte um Abgeordnetendiäten [6] oder Merz' Stolz, qua Geburt privatversichert [7]gewesen zu sein – das Bild ist konsistent: eine Regierung ohne Draht [8]zur Lebensrealität der Deutschen. Linken-Chef Jan van Aken brachte [9] es auf dem Chemnitzer Parteitag auf den Punkt: Merz sei ein "abgehobener Kanzler".

Dabei blieb die eigene Arbeitsbilanz [10] nach einem Jahr Regierung mager: nur rund 190 Gesetze und Maßnahmen, weit hinter den Reformerwartungen, kein Sitz im UN-Sicherheitsrat [11], geopolitischer Niedergang, wirtschaftliche Depression. Doch die Koalition predigt weiterhin unablässig – wie ein vom evangelischen Arbeitseifer ergriffener Priester, Verzicht [12] und Mehrarbeit.

Zeit, Moral, Leistung

Merz' Auftritt auf dem CDU-Wirtschaftstag im Mai 2025 [13], dort sprach er davon, dass wieder mehr und härter gearbeitet werden müsse, markierte nicht etwa den Abschluss einer rhetorischen Spirale – sondern deren Beginn. In der ersten Regierungserklärung vom 14. Mai 2025 wurde nachgelegt [14]: "Leistung müsse sich wieder lohnen." Ein Satz, wie eine Drohung.

Besonders im Visier: der erkämpfte Acht-Stunden-Tag, Überstunden, Krankheitstage [15]. Merz schwamm dabei im Fahrwasser europäischer Geistesbrüder – ÖVP-Kanzler Kurz verankerte [16] in Österreich den Zwölf-Stunden-Tag, das wirtschaftlich strangulierte Griechenland sogar dreizehn Stunden [17].

Merz rief [18] zur Mehrarbeit auf – ausgerechnet mit Verweis auf die Schweiz, einem Land, das in Europa kaum auf Basis seiner Lage, seiner vermeintlichen Neutralität oder seiner wirtschaftlichen Finanzstellung, ein Vergleichswert ist.

Nach massiver Kritik ruderte [19]Merz zwar in Teilen zurück – im Kern bleibt er seinen Forderungen treu. Doch seine rhetorischen Entgleisungen sind keine Ausrutscher, sondern ideologische Programmatik: Schon 2024 hatte er dem Bürgergeld vorgeworfen [20], "falsche Anreize" zu setzen. Der Subtext war unmissverständlich: Wer keine Arbeit hat, will keine finden, liebt die soziale Hängematte. Dabei suchen heute wie damalig [21] so viele Menschen eine Stelle wie noch nie – während die Zahl offener Stellen rapide sinkt. [22]

Alles schlechter macht der Juni

Der eigentliche Angriff gilt nicht nur den Beschäftigten – sondern auch jenen ohne aktuelle Verwertungsmöglichkeit. Als direkter Druckfaktor auf Löhne, Krankheitstage und Rechtsforderungen der Beschäftigten fungiert [23] die industrielle Reservearmee als Hebel.

Zum 1. Juni 2026 trat die entscheidende Reform [24]in Kraft: Das Bürgergeld wurde zur "Grundsicherung für Arbeitsuchende." Eine Rückkehr zu "Fördern und Fordern" – und eine deutliche Verschärfung: das finanzielle Schonvermögen wird eingeschränkt, Sanktionen greifen schneller [25], Schutzregelungen entfallen [26].

Sozialverbände kritisieren [27] die Novelle massiv. Zwei Einschnitte stechen heraus: Das Schlichtungsverfahren beim Streit mit dem Jobcenter entfällt – obwohl es bundesweit jährlich rund 500.000 Widersprüche und 53.000 Klagen gibt [28]. Und: Das Jobcenter kann künftig die Mietzahlung verweigern [29]– ein Urteil zur faktischen Obdachlosigkeit.

Schnörkellose Etappe

Jene Politik folgt einer bestimmten Logik: Abbau des sozialpartnerschaftlichen Korporatismus, Aktivierung statt Absicherung, Disziplinierung statt Teilhabe. Unter dem Eindruck einer zur Kriegswirtschaft tendierenden Volkswirtscha [30]ft – eingebettet in einen europäischen Rüstungskapitalismus [31]– muss auf "Sozialklimbim" verzichtet werden.

Der Staatshaushalt wird durch Aufrüstung massiv belastet, Gelder fehlen an allen Ecken. Hinter den Umbaumaßnahmen verbirgt sich dennoch eine weitere Dimension: Disziplinierung, Druck – die Herstellung einer Heimatfront für ein stark-militarisiertes Deutschland.

In der Melange aus verdichteter Arbeitszeit, höherer Erwerbsbeteiligungsquote und repressiver Disziplinierung der Ausgestoßenen werden [32] nicht nur billige Arbeitskräfte verfügbar gehalten, sondern auch soziale Grundrechte zur Verhandlungsmasse degradiert. Die deutschen Regelungen des 1. Juni sind die heimische Variante der Mileischen Reformen in Argentinien [33], des Trumpschen Staatsumbaus oder der französischen Kürzungspolitik, noch auf niederer Intensität.

Nordhäuser Vorgeschmack

Die konsequenteste Umsetzung liefert [34] ausgerechnet ein SPD-regierter Landkreis: In Nordhausen werden [35] seit Ende 2025 unter SPD-Landrat Matthias Jendricke [36] arbeitsfähige Bürgergeld-Empfänger unter 25 Jahren zu gemeinnützigen Tätigkeiten herangezogen – bei Weigerung droht Vollsanktionierung, bei Einsatz ein haftähnlicher Stundenlohn von 1,20 Euro [37]. Medial wird das Gruselexperiment als Sozialprojekt gefeiert.

Das mecklenburgische Schwerin wollte nachziehen – mit einem bedeutenden Unterschied: dort sollten gleich alle Jobsuchenden ohne Altersgrenze als Ein-Euro-Kräfte eingesetzt [38] werden können und auch Asylsuchende ausgebeutet werden, aktuell ist nach rechtlichen Bedenken offen, ob es dazu noch kommen wird.

Fakt bleibt: Mit solchen, im vorauseilenden Gehorsam verfassten Maßnahmen wird die arbeitsrechtliche Mindestsicherung auf historisches Steinzeit-Niveau zurückgeworfen und der Boden für eine militarisierte, kommunale Kommandowirtschaft bereitet.

Funktion und Forderung

Das Feindbild der Faulen ist somit vorerst zementiert – eine bekannte Formel aus dem Werkzeugkasten von Reaganomics und Thatcherismus, die soziale Unterschiede durch moralische Frontstellung zu nivellieren suchten. Merz konnte auf ein bestehendes Amalgam – einer Mischung aus faschistischem Erbe und ideologischem BRD-Sozialkorporatismus-Kitsch der Unterteiling in Strebsam und Arbeitsscheu rekurrieren.

Erstaunlich bleibt, wie erfolgreich der Diskurs dennoch verschoben wurde: Der breite gesellschaftliche Aufschrei blieb bisher aus. Im Angesicht geopolitischer Verwerfungen – Krieg, ausfallende Energielieferanten, verschärfte Rivalität mit China, Niedergang des EU-Binnenmarktes – wird es immer wahrscheinlicher, dass breitere Kreise von Jobverlust betroffen sein werden. Massenproteste wie gegen die Agenda 2010 wären folgerichtig.

Die wahren Motive liegen derweil leicht verschleiert: Wenn Standortkonkurrenz und stagnierende Wachstumsraten die Profitraten drücken [39], geben Unternehmen diesen Druck weiter – an Beschäftigte oder per Inflation und Preisaufschlag an Kunden. Forderungen nach niedrigeren Löhnen, höherer Produktivität und flexibleren Arbeitszeiten sind die Kehrseite einer kriselnden Wirtschaft.

Staatsnahe Expertenstimmen sprechen den Merz-Maßnahmen derweil im eigenen Feld die Wirkung ab: Arbeitsmarktforscher Joachim Wolff bezweifelt [40] nach eingehenden Studien, dass Sanktionen Arbeitsanreize schaffen.

Die Bertelsmann-Studie aus 2025 verweist [41] auf den hohen Anteil Chronischkranker und familiär Gebundener unter Arbeitssuchenden. Die OECD betont [42] das Qualifikations-Mismatch: Offene Stellen sind nicht per se passende Stellen.

Man darf gespannt sein, ob diese Sozialpolitik den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der AfD auch nur eine Sekunde verlangsamt – ob sie Vertrauen in Staat und Politik wiederherstellt – und ob soziale Proteste nun an Fahrt gewinnen. Die Linke und der DGB versuchten [43] sich zuletzt weitgehend erfolglos an deren halbherziger Entzündung.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11326023

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/519205/die-agenda-2010/
  2. https://www.fr.de/politik/geschichte-deutschlands-ist-warum-merz-der-unbeliebteste-kanzler-in-der-94287341.html
  3. https://www.telepolis.de/article/Friedrich-Merz-der-unbeliebteste-Kanzler-der-Welt-11284002.html
  4. https://www.iwkoeln.de/studien/andrea-hammermann-jochen-pimpertz-holger-schaefer-christoph-schroeder-stefanie-seele-oliver-stettes-sandra-vogel-arbeitsmarktpolitische-weichenstellungen-fuer-die-jahre-2025-2029.html
  5. https://www.tagesspiegel.de/politik/merz-belehrt-krebskranke-frau-wie-empfindlich-ist-der-kanzler-15550993.html
  6. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/diaeten-abgeordnete-bundestag-100.html
  7. https://www.n-tv.de/politik/Merz-Gesundheitsreform-ist-hochgradig-vermintes-Gelaende-id30521448.html
  8. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-04/bundesregierung-distanziert-emotionen-kalt-gefuehle
  9. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-05/linke-parteitag-chemnitz-aken
  10. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/ein-jahr-bundesregierung-2425892
  11. https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/deutschland-un-sicherheitsrat-106.html
  12. https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/zuversicht-fuer-2026-wir-muessen-da-jetzt-durch-aber-bitte-mit-einem-laecheln-im-gesicht-a-9c4868c2-c198-4138-8a18-16e74c49bd92
  13. https://www.cdu.de/aktuelles/cdu-deutschlands/merz-die-probleme-unseres-landes-sind-aus-eigener-kraft-loesbar/
  14. https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/fragen-und-anworten/erste-regierungserklaerung-kanzler-merz-2347354
  15. https://www.deutschlandfunk.de/merz-schliesst-kuerzung-der-lohnfortzahlung-im-krankheitsfall-und-karenztage-aus-100.html
  16. https://www.diepresse.com/5454483/12-stunden-tag-kurz-ruft-zur-sachlichkeit-auf
  17. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/griechenland-arbeitszeit-13-stunden-tag-100.html
  18. https://www.n-tv.de/politik/Merz-kritisiert-die-Arbeitsmoral-der-Deutschen-id30242973.html
  19. https://www.onvista.de/news/2025/05-22-merz-relativiert-aussagen-ueber-arbeitsmoral-in-deutschland-0-20-26392583
  20. https://www.welt.de/politik/deutschland/article249849370/CDU-Chef-Das-Buergergeld-setzt-falsche-Anreize-behauptet-Friedrich-Merz.html
  21. https://taz.de/Arbeitspolitik-des-Kanzlers/!6144359/
  22. https://iab-forum.de/iab-stellenerhebung-zahl-der-offenen-stellen-sinkt-auf-18-millionen/
  23. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/industrielle-reservearmee-41090
  24. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundesrat-neue-grundsicherung-2399562
  25. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/buergergeld-reform-grundsicherung-bundestag-100.html
  26. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/grundsicherung-ueberblick-100.html
  27. https://www.gegen-hartz.de/news/buergergeld-betroffene-verlieren-zum-1-juli-2026-drei-schutzrechte-auf-einmal
  28. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Grundlagen/Methodik-Qualitaet/Qualitaetsberichte/Generische-Publikationen/Qualitaetsbericht-Statistik-Widersprueche-Klagen-SGBII.pdf?__blob=publicationFile
  29. https://www.suedkurier.de/geld-leben/finanzen/buergergeld-nachfolger-diese-neue-regel-bei-der-miete-koennte-empfaenger-hart-treffen-1-112965668
  30. https://www.boeckler.de/de/podcasts-22421-was-ist-eine-kriegswirtschaft-61224.htm
  31. https://www.imi-online.de/download/Kriegswirtschaft-Web.pdf
  32. https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/neuer-knallhart-plan-der-cdu-nie-mehr-stuetze-fuer-faule-arbeitslose-87533298.bild.html
  33. https://www.telepolis.de/article/Mileis-libertaere-Kettensaege-Arm-trotz-sinkender-Armutsquote-11291932.html
  34. https://www.welt.de/regionales/thueringen/article697ace0f2c6b7a14efe20167/arbeitsprojekt-fuer-buergergeldempfaenger-wird-verstetigt.html
  35. https://www.stern.de/politik/deutschland/nordhausen-buergergeld-1-20-euro-stundenlohn
  36. https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Jendricke
  37. https://www.buergergeld.org/news/arbeitspflicht-fuer-buergergeld-empfaenger-vollzeit-fuer-120-euro-stundenlohn/
  38. https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Keine-Arbeitspflicht-fuer-Asylbewerber-und-Buergergeldbezieher-in-Schwerin,arbeitspflicht102.html
  39. https://www.fr.de/wirtschaft/deutsche-unternehmen-zu-radikalen-einschnitten-bereit-hunderttausende-industriejobs-vernichtet-94323531.html
  40. https://econpapers.repec.org/article/iabiabfor/v_3a2025_3ai_3a03_3ap_3a1-10.01.htm
  41. https://www.bild.de/politik/inland/bertelsmann-studie-haelfte-der-buergergeld-empfaenger-sucht-keinen-job-69312f2d11f914c89b852422
  42. https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2025/12/how-do-structural-trends-affect-labour-market-shortages-and-mismatch_d1bfba8b/acfb5c31-en.pdf
  43. https://www.links-bewegt.de/de/article/1100.es-reicht-linke-startet-bundesweite-sozialproteste.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

Eclipse IDE 2026-06: Java 26, Statement-Level-Stepping und Auto-Fetch

Von Heise — 15. Juni 2026 um 09:50
Logo der Eclipse IDE Version 2026-06

(Bild: Eclipse Foundation)

Das Quartals-Release bringt unter anderem Unterstützung für Java 26, Statement-Level-Stepping beim Java-Debuggen und Auto-Fetch bei der Versionierung mit Git.

Die Open-Source-Entwicklungsumgebung Eclipse ist in der Version 2026-06 erschienen. Sie ist in zehn verschiedenen, erweiterbaren IDE-Basispaketen für Java, C/C++ und anderen Programmiersprachen verfügbar, jeweils für die Betriebssysteme Windows, macOS und Linux. Einige der Neuerungen – etwa die Unterstützung für Java 26 sowie die neuen Funktionen zum Reparieren, Refactoring und Debuggen von Java-Code – lassen sich auch in der auf den Eclipse-Java-Entwicklungstools basierenden Java-Sprachunterstützung für Visual Studio Code und dessen Forks nutzen. Die allgemeinen Plattform-Verbesserungen bei der Suche, beim Vergleichen und bei der Versionierung mit Git sind dagegen Eclipse-IDE-exklusiv.

Java-Tooling

Der Support für die aktuelle Java-Version 26, der beim vorherigen Release [2] noch zum Nachinstallieren angeboten wurde, ist nun fest integriert. Im Java-Editor gibt es neue Codehelfer, die man sich an entsprechender Stelle im Code mit dem Tastaturkürzel Strg+1 anzeigen lassen kann, um beispielsweise einen String mit Zeilenumbrüchen in einen Textblock umzuwandeln. Die im vorigen Release eingeführte Refactoring-Funktion Convert Class to Record lässt sich nun auch auf Klassen mit mehr als einem Konstruktor sowie auf Klassen mit zusätzlichen Methoden neben den Getter-Methoden anwenden. Beim Debugging gibt es eine neue Option, um bei der schrittweisen Ausführung nicht innerhalb, sondern erst nach einer Anweisung anzuhalten und die dazwischenliegenden Bytecode-Anweisungen zu überspringen. Hält der Debugger in einer Klasse ohne vorhandenen Quelltext an, wird im Class File-Editor die nächste Bytecode-Anweisung hervorgehoben.

Plattform- und Git-Verbesserungen

Zu den allgemeinen, nicht Java-spezifischen IDE-Verbesserungen gehören die neuen globalen Tastaturkürzel „Alt“+“.“ und „Alt“+„,“, um zum nächsten beziehungsweise vorigen Suchergebnis zu springen, unabhängig davon, welcher Editor oder welche Ansicht gerade fokussiert ist. Beim Vergleichen von Textdateien folgt Eclipse nun der verbreiteten Konvention, auf der rechten Hälfte standardmäßig das anzuzeigen, was verglichen wird, und links das, mit dem verglichen wird.

Neu bei der Versionierung mit Git ist die Funktion Auto Fetch. Sie kann in den Einstellungen aktiviert werden, um in frei konfigurierbaren Zeitabständen entfernte Git-Repositories im Hintergrund auf neue zwischenzeitliche Änderungen von anderen Personen zu prüfen und diese als eingehende Änderungen anzuzeigen. In der History-Ansicht ist jetzt voreingestellt, dass alle Änderungen angezeigt werden, nicht nur die der aktuell ausgewählten Datei oder des aktuell ausgewählten Ordners. Außerdem werden standardmäßig Änderungen aus allen Zweigen angezeigt und nicht nur aus dem aktuellen Zweig. Die in der History-Ansicht zu einem Commit angezeigten geänderten Dateien lassen sich zudem in den Editorbereich ziehen, um die lokale Variante davon zu öffnen. Im Rechtsklickmenü der Repositories-Ansicht wurde der Menüpunkt „Import Projects...“ in das Untermenü „Projects“ verschoben, zu den Funktionen zum Öffnen beziehungsweise Schließen aller Projekte aus dem ausgewählten Git-Repository.

Upgrade oder Download

Die Eclipse-IDE-Pakete enthalten alles, was zum Ausführen von Eclipse und zum Entwickeln benötigt wird: Java 21 und Git, sowie in den Java-IDE-Paketen zusätzlich Maven und Gradle. Sie können über den Eclipse Installer [3] installiert oder als ZIP-Dateien heruntergeladen [4] werden.

Eine bestehende Eclipse IDE lässt sich über „Help“ – „Check for Updates“ aktualisieren. Weitere Informationen und die Neuerungen von den an diesem Release beteiligten Eclipse-Projekten [5] finden sich auf der Eclipse-IDE-Webseite [6].

Siehe auch:


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11330749

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  2. https://www.heise.de/news/Entwicklungsumgebung-Eclipse-IDE-2026-03-erweitert-das-Java-Refactoring-11207990.html
  3. https://www.eclipse.org/downloads/packages/installer
  4. https://www.eclipse.org/downloads/packages/
  5. https://eclipseide.org/release/noteworthy/2026-06/
  6. https://eclipseide.org/
  7. https://www.heise.de/download/product/eclipse-18781?wt_mc=intern.red.download.tickermeldung.ho.link.link
  8. mailto:map@ix.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Prada x Axiom: Mondastronauten tragen ein Unterkleid von Prada

Von Patrick Klapetz — 15. Juni 2026 um 10:03
Prada und Axiom entwickeln den neuen Raumanzug für die Mond-Mission. Doch Experten der Nasa halten den Zeitplan bis 2028 für zu optimistisch.
Screenshot aus dem Werbevideo von Prada für das Liquid Cooling and Ventilation Garment. (Bild: Prada)
Screenshot aus dem Werbevideo von Prada für das Liquid Cooling and Ventilation Garment. Bild: Prada

Auf dem Weg zum Mond tragen die Artemis-Astronauten ein Unterwäsche-Set vom italienischen Designer-Modehaus Prada. Das Set ist mit Flüssigkeitskühlung und Belüftungssystem ausgestattet. Es ist ein wichtiger Bestandteil für den Mondraumanzug der nächsten Generation, den Axemu-Raumanzug, der gemeinsam von Prada und dem US-Raumfahrtunternehmen Axiom für die US-Raumfahrtbehörde Nasa produziert wird.

Die Kleidung soll bei zukünftigen Mondspaziergängern getragen werden – somit frühestens bei Artemis IV um das Jahr 2028 herum. Zuvor finden Tests an Bord der Internationalen Raumstation ISS sowie während der Artemis-III-Mission im Erdorbit statt.

Die Nasa trägt auf dem Mond Prada

Bei der Präsentation am 7. Juni 2026 wurde das entsprechende Liquid Cooling and Ventilation Garment (kurz LCVG) erstmals vorgestellt. Auf den ersten Blick wirkt das LCVG wie ein Sportoutfit: V-Ausschnitt, Ärmel mit Daumenlöchern, das Logo von Axiom sowie die charakteristischen roten Streifen von Prada, Schläuche – die von den Beinen über den Rücken zu den Armen reichen und am Bauch enden, wo sie später verbunden werden – und Retro-Steghosen.

"Es kommt nicht oft vor, dass die Astrophysik [und] die Luftfahrt Dinge entwickeln, die ästhetisch ansprechend sind", sagte Jonathan Cirtain, CEO und Präsident von Axiom Space, während der Veranstaltung. "Obwohl es ästhetisch ansprechend ist, handelt es sich um einen Schutzanzug."

Das Kleidungsstück verfügt über integrierte Kanäle, in denen kleine Schläuche verlegt sind, die Kühlflüssigkeit transportieren. Diese Schläuche zirkulieren die Flüssigkeit im Anzug und ermöglichen so die Temperaturregulierung. Dieses Design soll eine Weiterentwicklung früherer Entwürfe sein, bei denen solche Schläuche durch Netzgewebe geführt wurden – was die Fertigstellung laut Unternehmensangaben zu einer zeitaufwendigen Aufgabe macht. Aufgrund des ballistischen Materials an der Außenseite bewahrt der Anzug seine Integrität und reißt in der einzigartigen Mondumgebung nicht.

Überdies verfügt der Anzug über größere, schwarze Schläuche, die Luft zunächst über das Gesicht des Trägers und dann um den Körper herumleiten. Das beim Ausatmen entstehende Kohlendioxid wird damit "abgeführt und beim Einatmen Sauerstoff an die Astronauten zurückgeführt", teilte Cirtain mit.

Der Fortschritt ist maßgeschneidert

Das LCVG sowie einige modifizierte Versionen des Unterkleides und des Raumanzugs wurden bereits diversen Temperatur-, Schwerkraft- und anderen Umwelttests unterzogen. Neben möglichen Testphasen auf der ISS wird der Anzug wahrscheinlich auch im Neutral Buoyancy Laboratory der Nasa getestet, wo sich ein riesiges Schwimmbecken befindet, in dem Astronauten für den Weltraum trainieren.

Abseits der technischen Entwicklungen werden die Mondastronauten von Artemis IV am Südpol des Mondes landen, an dem es weitaus kälter ist als zuvor erkundete Regionen. Zudem wurde die Passform optimiert. Einzelne Komponenten können sowohl individuell angepasst als auch ausgetauscht werden.

Ob 2028 zu halten ist, bleibt fraglich: Laut einem Bericht des Nasa Office of Inspector General (OIG) ist dieser Zeitplan überoptimistisch. Basierend auf historischen Projektdauern halten die Prüfer eine Einsatzbereitschaft erst im Jahr 2031 für realistisch.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Uhr, Rechner, Paint, Photos: Sieben wichtige Windows-Apps werden stark verbessert

Von Oliver Nickel — 15. Juni 2026 um 09:37
Für eine bessere Übersicht bekommt jede Windows-11-App von Microsoft künftig eine eigene Update-Seite.
Viele verschiedene Apps wurden aktualisiert. (Bild: Microsoft/Montage:Golem)
Viele verschiedene Apps wurden aktualisiert. Bild: Microsoft/Montage:Golem

Microsoft hat diverse Änderungen für Windows-Apps geplant. So werden essenzielle Tools wie der Taschenrechner, die Kamera-App, die Uhr, der Media Player, Paint, Photos und der Sound Recorder verbessert. User können sich die Änderungen künftig auch übersichtlicher auf der Microsoft-Learn-Webseite anschauen. Hier fasst Microsoft Änderungen für einzelne Apps in separaten Patch-Notes zusammen. Bisher mussten Interessenten dafür einzelne Blogposts zu Insider-Patches lesen.

Die Photos-App bekommt unter anderem künftig eine Wasserzeichenfunktion für KI-generierte Bilder. Dies kann in den App-Einstellungen eingeschaltet werden. Außerdem können besonders kleine Bilder mit einem Format von etwa 16 x 16 Pixeln mit einem besseren Zoom angeschaut werden. Das ist etwa bei Pixel Art von Vorteil.

Innerhalb von Paint kann die Transparenz des Radiergummi-Werkzeugs eingestellt. Hier gibt es zudem diverse UI-Änderungen, die das Tool übersichtlicher machen sollen. Die Uhr-App wird künftig abgelaufene Timer weiterlaufen lassen und negativ weiterzählen. Dazu kommen eine 15-Minuten-Schlummerfunktion und diverse Verbesserungen bei Focus-Sessions.

Alle Patch-Notes künftig auf Microsoft Learn

Die Kamera-App wird um die Kompatibilität mit neuen Kameras erweitert. Zudem werden mehrere Bugs behoben, die unter anderem den Zoom-Regler beeinträchtigten. Innerhalb des Media Players können künftig Untertitel angepasst werden.

Viele weitere Dinge werden geändert, die Microsoft auf der Learn-Plattform veröffentlicht. Das wird offenbar auch für künftige Updates zu Windows-Apps gelten. Die vollständigen Patchnotes stellt Microsoft hier zur Verfügung:

Rechner
Kamera
Uhr
Media Player
Paint
Photos
Sound Recorder

Adblock test (Why?)

❌