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BenQ Creative Pro PV3250U: Kontraststarker Profi-Monitor mit hoher Farbtreue

Von Heise — 23. Juni 2026 um 14:08
BenQ-Monitor auf einem Schreibtisch

(Bild: BenQ)

BenQ stellt einen besonders farbtreuen 4K-Monitor mit Thunderbolt 4 vor. Trotz IPS-Panel soll auch der Kontrast hoch sein.

Das bislang überschaubare Angebot an farbtreuen High-End-Monitoren mit 4K-Auflösung und 120 Hertz bekommt Zuwachs. BenQ will voraussichtlich ab September den Creative Pro PV3250U ausliefern, an dessen Spezifikationen bislang nur zwei andere Modelle herankommen [1].

Die Basis bildet ein für IPS-Verhältnisse ungewöhnlich kontraststarkes 31,5-Zoll-Panel, das ein Verhältnis von 3000:1 schafft. Diesen Wert erreicht erst eine Handvoll neuere Panels, häufig unter der Bezeichnung IPS Black. Früher war das Territorium von VA-Panels mit geringerer Blickwinkelstabilität.

Laut BenQ fiel die Entscheidung gegen OLED bewusst, da der PV3250U primär für Inhalte mit normalem Dynamikumfang (SDR) gedacht ist. IPS stelle SDR-Farben originalgetreuer wieder, ohne sie ungewollt aufzubauschen.

Farbgetreue Kalibrierung

Der PV3250U stellt 3840 x 2160 Pixel dar und deckt den sRGB-Farbraum komplett ab; DCI-P3 nahezu vollständig mit 99 Prozent. Der Monitor ist ab Werk vorkalibriert. BenQ nennt eine durchschnittliche Farbgenauigkeit von Delta E < 1, was selbst für vorkalibrierte Profi-Monitore ein guter Wert ist. Häufiger sind Maxima von 2 oder 1,5 anzutreffen. Die kalibrierten Werte werden in einer Lookup-Tabelle (LUT) auf dem Gerät gespeichert. Die durchschnittliche Helligkeit beziffert der Hersteller auf bis zu 450 Candela pro Quadratmeter (cd/m²), den Maximalwert auf 600. Eine Blende lässt sich über Magnete befestigen.

Als Bildeingänge stehen Displayport 1.4 und HDMI 2.1 bereit. Alternativ gibt es einen Thunderbolt-4-Anschluss, der neben einem Displayport-Signal auch Daten überträgt und ein Gerät mit bis zu 96 Watt laden kann. Über einen Thunderbolt-4-Ausgang lassen sich weitere Monitore in Reihe schalten.

Ein integrierter USB-Hub umfasst vier Downstream-Ports mit je 10 Gbit/s (USB 3.2 Gen 2), darunter dreimal Typ A und einmal Typ C. Ein Typ-C-Anschluss mit USB 3.2 Gen 2 stellt als Alternative zu Thunderbolt 4 die Upstream-Verbindung zum Host her.

Für die Bildbearbeitung entworfen

Der PV3250U integriert zwei Funktionen, die die Bildbearbeitung erleichtern können. Zum einen kann der Monitor Rahmen-Overlays in verschiedenen Seitenformaten über Bilder legen, zum anderen erhöht „Shadow Check“ die Details in dunklen Bildinhalten. Dazu erhöht der Monitor temporär die Gammakurve.

Das Monitormenü (OSD) lässt sich über Tasten und einen Joystick am Display steuern. Alternativ gibt es einen kleinen, runden Zusatzcontroller, den Nutzer auf den Schreibtisch stellen können.

Über die Preisgestaltung des Creative Pro PV3250U schweigt sich BenQ bislang aus. Der vergleichbare HP Series 7 Pro 732xk kostet fast 1000 Euro [2] – in diesem Bereich dürfte auch das BenQ-Modell liegen.


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https://www.heise.de/-11341542

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  1. https://preisvergleich.heise.de/?cat=monlcd19wide&xf=11939_31.5~11947_2500~11955_IPS~11963_120~13263_38402160&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-newsticker
  2. https://preisvergleich.heise.de/hp-series-7-pro-732xk-b7jm6aa-a3804736.html?cs_id=1206858352&ccpid=hocid-newsticker
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Erweiterter Wiederherstellungsmodus dank iOS 27 bald auf dem iPhone

Von Heise — 23. Juni 2026 um 13:27
iOS-Bootbild auf einem iPhone

iOS-Bootbild auf einem iPhone: Geht es hier nicht weiter, hilft vielleicht Recovery.

(Bild: nikkimeel / Shutterstock.com)

Apple installiert auf Geräten mit seinem nächsten iPhone-Betriebssystem ein Minimal-OS zum Debugging. Das wurde nun erweitert. Auch iPads bekommen es.

Apple hat eine nützliche neue Funktion in iOS 27 und iPadOS 27 [1] integriert: iPhone und iPad erhalten erstmals einen erweiterten Wiederherstellungsmodus, auf Englisch Recovery Mode, der den bisherigen Wiederherstellungsassistenten in iOS 26 und iPadOS 26 [2] ergänzt. Die Funktion erinnert an jene, die bereits seit Jahren auf dem Mac [3] verfügbar ist, wenn auch mit Einschränkungen. Die Features wurden nun aber verbessert, wie der Apple-Leaks-Experte Aaron Perris auf X [4] demonstriert.

Nicht mehr nur automatisch aufrufbar

Der Wiederherstellungsassistent lässt sich bislang nicht händisch starten. Er taucht laut Apple nur auf, wenn es Startschwierigkeiten und bestimmte Abstürze gibt [5]. Der neue Wiederherstellungsmodus kann hingegen jederzeit aktiviert werden. Um ihn zu erreichen, muss man nur beim iPhone-Start die Einschalttaste gedrückt lassen.

In dem Minimalbetriebssystem gibt es dann insgesamt fünf Optionen: Den Wiederherstellungsassistenten händisch aktivieren, der Softwareprobleme automatisch erkennen und beheben soll, ein Softwareupdate einleiten, ohne das iPhone vollständig starten zu müssen, ein Diagnosemodus, eine Löschfunktion und ein Zurücksetzen über einen angeschlossenen Rechner [6]. Letztere Funktion bietet Apple ebenfalls seit vielen Jahren an, ein Restore (Wiederherstellung des Geräts samt Löschung) ist allerdings mittlerweile auch mit anderen iOS-Geräten [7]möglich.

Terminal und Festplattendienstprogramm fehlen

Was erwartungsgemäß nicht vorhanden ist, sind Standardfeatures auf dem Mac wie ein Terminal-Zugang oder das Festplattendienstprogramm – beides Features, die Apple für iPhone und iPad aufgrund der Systemabschottung nicht anbietet. Nützlich ist der Wiederherstellungsmodus dennoch, etwa um bei einem frischen iPhone einen aktuellen Softwarestand zu erreichen. Auch wenn während eines Updates etwas schiefgeht, kann man den Wiederherstellungsmodus nutzen, um zu retten, was zu retten ist.

Die integrierte Löschfunktion entspricht dem, was man auf dem iPhone und iPad auch nach dem Bootvorgang tun kann: ein Löschen aller vorhandenen Daten und Einstellungen, etwa beim Geräteverkauf. iOS und iPadOS 27 erscheinen vermutlich im September, die neue Funktion landet dann standardmäßig auf allen Geräten.


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https://www.heise.de/-11341426

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  1. https://www.heise.de/news/iOS-27-Mehr-Tempo-besserer-Schutz-neue-Siri-11321931.html
  2. https://www.heise.de/news/Neuer-Wiederherstellungsassistent-iOS-26-kann-sich-selbst-reparieren-10457671.html
  3. https://support.apple.com/de-de/102518
  4. https://x.com/aaronp613/status/2064735542965657980
  5. https://support.apple.com/de-de/123114
  6. https://support.apple.com/de-de/118107
  7. https://www.heise.de/news/Mit-iOS-18-iPhone-kann-iPhone-16-wiederherstellen-9947036.html
  8. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Counterpoint: Apple dominiert weiterhin den Smartwatch-Markt

Von Heise — 23. Juni 2026 um 12:39
Apple Watch Series 11

Apple Watch, hier die Series 11.

(Bild: Apple)

Trotz Subventionen für chinesische Produkte bleibt Apples Marktmacht im Smartwatch-Sektor groß – und die Sparte wächst weiter.

Revolutionär ist die Apple Watch eigentlich seit Jahren nicht mehr – seit dem neuen Formfaktor der Ultra im Jahr 2022 [1] aktualisiert Apple seine Computeruhren nur milde mit neuen Chips und kleineren neuen Funktionen. Dennoch läuft das Geschäft weiter gut, wie die jüngsten Zahlen des Marktforschungsunternehmens Counterpoint zeigen. Demnach bleibt Apple global führend – und wächst sogar deutlich zweistellig bei den Absatzzahlen. China versucht unterdessen, mit Elektroniksubventionen für die eigene Bevölkerung aufzuholen, was unter anderem Huawei hilft.

Hohes Stückzahlenwachstum bei Apple

Die Zahlen von Counterpoint stammen noch aus dem ersten Quartal [2] – und sind, zumindest bei Apple, Schätz- und Prognosezahlen aus der Lieferkette, denn Apple selbst nennt sie offiziell nicht. Der Gesamtmarkt für Computeruhren ist demnach von Januar bis März um vier Prozent gewachsen, so der Global Smartwatch Shipments Tracker [3]. Treiber sei einmal mehr Apple mit seinen im Herbst vorgestellten Modellen, also Series 11, Ultra 3 und SE 3 [4], gewesen.

Das Wachstum bei den Stückzahlen betrug bei Apple 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr – so schnell wuchs keiner der Konkurrenten in den Top 10 der Computeruhrenmarken. Der Anteil an den Auslieferungen lag bei 23 Prozent. Was nach vergleichsweise wenig klingt, liegt vor allem daran, dass es sehr viele günstige Modelle im Markt gibt.

Samsung auf Rang 5, Tendenz fallend

Großer Verlierer war Samsung mit einem Minus von 28 Prozent bei den Auslieferungen. Rang 2 belegt Huawei mit 17 Prozent Marktanteil (plus 12 Prozent), gefolgt von Xiaomi (10 Prozent, plus 9 Prozent) und Imoo (7 Prozent, plus 2 Prozent). Samsung liegt mit 5 Prozent Marktanteil unter den ausgelieferten Computeruhren auf Rang 5.

Alle anderen Smartwatch [5]-Marken kommen zusammen auf 38 Prozent der Auslieferungen, ein kleines Minus von 3 Prozent. Counterpoint gab an, besonders die günstige SE 3 habe Kunden angezogen, zudem Apples kleinere Verbesserungen bei den Gesundheitsfunktionen, etwa Warnungen bei Bluthochdruck [6]. China hatte unterdessen seine Preiserleichterungen für inländische Elektronikprodukte verlängert, was neben Huawei auch Xiaomi half. Imoo ist wiederum für seine Kinderuhren bekannt.


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https://www.heise.de/-11340225

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  1. https://www.heise.de/tests/Apple-Watch-Ultra-im-Test-Das-kann-die-neue-Extremsport-Uhr-7276719.html
  2. https://counterpointresearch.com/en/insights/global-smartwatch-market-q1-2026
  3. https://counterpointresearch.com/en/reports/global-smartwatch-shipments-tracker-by-model-q1-2026
  4. https://www.heise.de/tests/Apple-Watch-Ultra-3-Series-11-und-SE-3-im-Test-Schneller-smarter-Satellit-10666298.html
  5. https://www.heise.de/thema/Smartwatch
  6. https://www.heise.de/tests/Bluthochdruckwarner-in-der-Apple-Watch-So-arbeitet-die-neue-Funktion-11090317.html
  7. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Neuer Terminalschutz: So will Apple ClickFix-Angriffen abwehren

Von Heise — 23. Juni 2026 um 11:49
macOS-Terminal (Illustration)

macOS-Terminal (Illustration): Gefahr durch problematische Befehle.

(Bild: Dragon Claws / Shutterstock)

Aktuelle macOS-Versionen können potenziell problematische Terminal-Eingaben abfangen. Die Angriffsform wird populärer.

Seitdem KI-Agenten [1] und lokale Sprachmodelle [2] im Mainstream angekommen sind, unternehmen auch immer mehr Anfänger Ausflüge ins macOS-Terminal – und überheben sich dabei möglicherweise. Die größte Gefahr sind sogenannte ClickFix-Angriffe, bei denen Nutzer von Angreifern dazu angeleitet werden, Eingaben in der Kommandozeile zu tätigen, die dann schwerwiegende Lücken ins System reißen und Spy- oder Malware [3] installieren, die man nur schwer wieder loswird. Um die Attacken abzuwehren, bringt macOS seit dem Frühjahr immerhin ein neues Warnsystem [4] mit. Wie genau das intern funktioniert, hatte Apple bislang allerdings nicht beschrieben. Mit einem frisch aufgesetzten Supportdokument [5] ändert sich das nun.

Problematisch für Profis, zumindest am Anfang

Apples Ansatz ist dabei sehr simpel: Das Terminal achtet künftig auf eine „verdächtige Einfügeaktivität“. Auch bekannte Malware in Kommandozeilenbefehlen und Skripts sollen so abgefangen werden, schreibt Apple. Allerdings kann die Warnfunktion auch überempfindlich sein. „Diese Warnung wird angezeigt, wenn du Terminal nicht regelmäßig verwendest und den Befehl von einer Website, einem Chat-Agenten oder einer Nachrichten- oder E-Mail-App kopiert hast“, schreibt Apple. Das heißt: Es ist denkbar, dass die Warnung auch bei harmlosen Befehlen erscheint, was den ein oder anderen Profi – zumindest bei ersten Einfügeaktionen – stören könnte.

Apple warnt, dass Betrüger die besagten Kanäle verwenden, „um Personen anzuweisen, schädliche Befehle in Terminal einzufügen, um deinen Mac zu schädigen oder deine Privatsphäre zu gefährden“. Die Warnung soll sicherstellen, dass „Du nicht dazu verleitet wirst, einen unerwarteten Befehl auszuführen“.

Vollständige Blockade möglich

Apple betont, dass die Warnung dafür sorgt, dass der Mac „nicht beschädigt“ wird – es passiert also schlicht nichts. Nutzer können den Befehl / das Skript jedoch trotzdem einfügen, wenn sie das wünschen. „Füge den Befehl nur ein, wenn du dir sicher bist, was er bewirkt und woher er stammt“, schreibt Apple. „Das Einfügen eines Befehls, für den eine Warnung vor möglicher Malware angezeigt wird, kann den Mac schädigen oder die Privatsphäre gefährden.“

Es gibt allerdings noch eine schwerwiegendere Stufe. Kennt Apple die Befehle oder Skripts bereits als Malware, werden sie grundsätzlich blockiert. Dann erscheint nur eine Warnnachricht. Haut der Konzern hier daneben, scheint es keine Möglichkeit zu geben, die Ausführung durchzuführen. Die einzige Möglichkeit laut Apple: Dem Konzern „einen Fehler“ [6] melden. Wie schnell er dann reagiert: unklar.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11340313

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/OpenClaw-KI-Client-steuert-Mac-fern-11161659.html
  2. https://www.heise.de/hintergrund/KI-zu-Befehl-So-kontrollieren-Sie-mit-Kuenstlicher-Intelligenz-Ihren-Mac-11162430.html
  3. https://www.heise.de/news/DarkSword-Zweite-maechtige-iPhone-Spyware-in-freier-Wildbahn-gesichtet-11216618.html
  4. https://www.heise.de/news/Angriffe-uebers-Terminal-Apple-verhindert-Kommando-Ausfuehrung-11226507.html
  5. https://support.apple.com/de-de/127377
  6. https://websitereview.apple.com/
  7. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Kuba: Energiefrage treibt wirtschaftliche Öffnung voran

Von Telepolis — 23. Juni 2026 um 14:00
Verkäufer mit Gemüse und Obst auf einer Straße

Vorbild sind China und Vietnam: Kuba hat eine tiefgreifende Reform seines sozialistischen Wirtschaftsmodells in die Wege geleitet

(Bild: Lesinka372/Shutterstock.com)

Kuba verabschiedet die umfangreichsten Wirtschaftsreformen seit Jahren. Mexiko testet bereits, wie weit Washington seine Drohungen wirklich durchsetzen will.

Mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit hat Kuba vergangene Woche ein umfassendes Wirtschaftsreformpaket durch seine Institutionen gebracht. Am Mittwoch billigte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei (PCC) die Maßnahmen in einer außerordentlichen Sitzung, am Donnerstag stimmte die Nationalversammlung einstimmig zu – nur wenige Tage nach der ersten öffentlichen Ankündigung. Das Tempo allein signalisiert, wie ernst die Lage ist.

Die Volkswirtschaft ist seit 2019 um rund zwölf Prozent eingebrochen; für das laufende Jahr wird mit einer Fortsetzung der Rezession gerechnet, nachdem die USA im Januar eine Energieblockade verhängten und ihre Sanktionen maximal verschärft haben. Die humanitäre Lage auf der Insel verschlechtere sich zunehmend als direkte Folge der US-Maßnahmen, warnte [1] zuletzt UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk.

Ein Land im Ausnahmezustand

Nachdem die USA Venezuelas Präsident Nicolás Maduro am 3. Januar entführt hatten, kamen die ohnehin bereits reduzierten Energielieferungen aus Caracas vollständig zum Erliegen.

Als US-Präsident Donald Trump die "Übernahme" Kubas androhte [2] und Strafzölle gegen jedes Land ankündigte, das weiterhin Öl an die Insel liefert, stellten auch andere Länder die Belieferung ein. Seit Jahresbeginn erreichte nur ein einziger Öltanker die Insel: Ein russisches Schiff brachte Ende März rund 700.000 Barrel, die innerhalb weniger Wochen aufgebraucht waren.

Die Folgen [3] sind gravierend [4]: tägliche, lang anhaltende Stromausfälle, verkürzte Arbeits- und Unterrichtszeiten, Ausfall des Personen- und Gütertransports, Wasserknappheit, abgesagte Operationen, verdorbene Lebensmittel und Müllansammlungen sowie eine ungebremste Inflation.

Kuba produziert selbst etwa 40 Prozent des benötigten Erdöls; das heimische, schwefelhaltige Öl kann bislang jedoch nur zur Stromerzeugung genutzt werden. Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin müssen vollständig aus importierten Rohstoffen raffiniert werden.

"Unser geliebtes Kuba durchlebt die schwierigsten Stunden dieses Jahrhunderts, und wir tragen die historische Verantwortung, es zu retten", sagte Präsident Miguel Díaz-Canel vor dem Zentralkomitee.

Was die Reformen konkret vorsehen

Premierminister Manuel Marrero stellte die Maßnahmen in einer fast zweistündigen Rede vor den Abgeordneten vor [5]. Das Reformpaket greift tief in das sozialistische Wirtschaftsmodell ein, Vorbilder sind explizit China und Vietnam.

Die wichtigsten Änderungen: Private Unternehmen dürfen künftig mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigen; Unternehmer können erstmals mehrere Betriebe gleichzeitig führen. Die Liste im Privatsektor verbotener Tätigkeiten wird von 125 auf 55 reduziert. Staatliche Unternehmen können in Aktien- oder Beteiligungsgesellschaften umgewandelt werden, wobei der Staat in strategisch wichtigen Sektoren eine Mehrheitsbeteiligung behält.

Erstmals wird privates Kapital auch im Finanzsektor zugelassen – einschließlich der Gründung privater Banken und Wechselstuben unter Aufsicht der Zentralbank. Ein digitaler Devisenmarkt soll den Kapitalverkehr erleichtern. Im Immobiliensektor ist die Veräußerung staatlicher Liegenschaften an in- und ausländische Privatpersonen vorgesehen, ausdrücklich auch an im Ausland lebende Kubaner.

Das staatliche Außenhandelsmonopol entfällt; künftig sollen alle Akteure, einschließlich Landwirte, direkten Zugang zum Außenhandel erhalten. Letztere können zusätzlich zu Genossenschaften erstmals private Agrarunternehmen gründen. Die maximale Verpachtungsdauer von Land für ausländische Investoren wird auf 99 Jahre angehoben.

Auch der Tourismussektor soll für neue Akteure geöffnet werden: Reiseagenturen, Autovermietungen und weitere Dienstleistungen, die bisher dem Staat vorbehalten waren, können künftig privat betrieben werden. Bisher als "strategisch" geschützte Destinationen wie die Altstadt von Havanna oder Trinidad werden für Investitionen aller Akteure freigegeben.

Die Preisbildung soll nicht mehr zentral gesteuert, sondern über Marktmechanismen geregelt werden. "Die sozialistische Planung darf die Regeln des Marktes nicht ignorieren, sondern muss sie einbeziehen und im Sinne der nationalen Entwicklung regulieren", erklärte Marrero.

Auf sozialpolitischer Seite steigt der Mindestlohn ab Juli von 2.100 auf 3.110 Pesos – umgerechnet rund vier Euro. Er soll künftig jährlich angepasst werden. Die allgemeine Subventionierung von Produkten soll durch gezielte Transferleistungen an vulnerable Gruppen ersetzt werden; dafür wird ein neuer Sozialschutzfonds eingerichtet. Durch Zusammenlegung von Ministerien und Stellenabbau in der Verwaltung sollen Mittel für bessere Löhne im öffentlich-finanzierten Sektor freigesetzt werden.

Díaz-Canel räumte vor dem Zentralkomitee ausdrücklich ein, dass viele der jetzt beschlossenen Maßnahmen keine neuen Ideen seien: "Der Fehler lag nicht darin, sie vorzuschlagen, sondern darin, sie aufzuschieben – und diese Phase des Aufschiebens muss ein Ende haben."

Raúl Castro, der sich aus der aktiven Politik zurückgezogen hat, gab in einem Brief, der zunächst dem Politbüro und dann den Abgeordneten vorgelesen wurde, sein ausdrückliches Einverständnis für die Reformen – ein symbolisch wichtiger Schritt, der einen Konsens in den höchsten Entscheidungsgremien sichtbar machen soll.

Die Ernsthaftigkeit des Unterfangens wurde auch dadurch unterstrichen, dass Díaz-Canel wenige Tage zuvor einen neuen wirtschaftlichen Beraterstab einberufen ließ [6], der mehrheitlich aus kritischen Ökonomen besteht, die bereits seit Jahren auf tiefergehende Reformschritte gedrängt haben. Viele von ihnen waren bereits Protagonisten der Reformdebatten der 1990er Jahre [7], die im Zuge der Erholung der Wirtschaft in Folge venezolanischer Erdöllieferungen und wachsendem Tourismus im Sande verliefen.

Wo die Fallstricke liegen

Kubanische Ökonomen und unabhängige Beobachter begrüßen die Richtung der Reformen grundsätzlich – mahnen aber zur Vorsicht bei der Umsetzung.

Das Onlinemedium Joven Cuba, das regelmäßig kritische wirtschaftspolitische Analysen veröffentlicht, schreibt in einem Editorial [8] der Redaktion, viele der Maßnahmen seien von Ökonomen "immer wieder empfohlen" worden; dass man ihnen jetzt Gehör schenke, sei positiv – bestätige aber auch, "wie viel Zeit verloren gegangen ist, bevor man an diesen Punkt gelangt ist".

Ein zentrales Risiko sieht das Magazin beim Übergang von der allgemeinen Produktsubvention zu gezielten Transfers an Personen: Dieser Schritt könne notwendig sein, "aber er ist nur dann legitim, wenn er sich in konkreten und einklagbaren sozialen Schutzmaßnahmen niederschlägt". Es reiche nicht, einen Fonds anzukündigen; es müsse klar definiert werden, wer geschützt wird, mit welchen Ressourcen und durch welche Institutionen – gerade angesichts steigender Preise und zunehmender Dollarisierung.

Beim Thema Umwandlung von Staatsunternehmen in Aktiengesellschaften warnt die Analyse vor fehlender Transparenz: Ohne öffentliche Ausschreibungen, unabhängige Prüfinstanzen und offengelegte Interessenkonflikte könne der Prozess "in die oligarchische Aneignung öffentlicher Vermögenswerte" münden.

Die Geschichte ehemaliger sozialistischer Staaten zeige, dass wirtschaftliche Öffnungen ohne Transparenz und Kontrolle zu "tief ungleichen, oligarchischen Kapitalismen" führen könnten. Auch Kuba sei davor nicht gefeit.

Díaz-Canel kündigte an, die Umsetzung der Reformen solle "in Phasen und anhand überprüfbarer Pilotprojekte" erfolgen. Marrero verwies auf eine einzurichtende Arbeitsgruppe, die die Auswirkungen auf die Rechtsordnung verwalten soll.

Über 100 bestehende Rechtsnormen müssen geändert, aufgehoben oder neu geschaffen werden. Ein konkreter Zeitplan wurde nicht genannt, allerdings wurde bereits kurz nach der Ankündigung der erste Schritt in Gesetzesform gegossen: Die Preisobergrenzen für bestimmte Grundnahrungsmittel sind aufgehoben [9].

McDonald's in Kuba?

Das in vielen internationalen Medien immer wieder bemühte Klischeebild des McDonald’s, der bald ins sozialistische Kuba komme, durfte indes bei der Berichterstattung auch diesmal nicht fehlen [10].

"McDonald's in Havanna? [...] Auch Fast-Food-Ketten sind willkommen", titelte etwa der Tagesspiegel analog zu vielen anderen Medien. Es stimmt zwar, dass die Möglichkeit zur Einrichtung ausländischer Franchiseunternehmen tatsächlich geschaffen wurde, doch ist das Thema angesichts der aktuellen Sanktions- und Wirtschaftslage in Kuba selbst bestenfalls eine Randnotiz.

Tatsächlich können viele der Reformen erst richtig greifen, wenn sich die externen Umstände ändern – sprich, wenn die USA ihre Sanktionen zurückfahren, oder befreundete Länder wie Russland und Mexiko ihre Unterstützung im Energiebereich ausweiten (können).

Einige der Schritte dürften jedoch schon kurzfristige Effekte haben, unter anderem die Dezentralisierung der Genehmigungen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): Seit 2021 wurden 12.700 KMU in Kuba genehmigt, allerdings liegen rund 7.200 Anträge auf Halde, nachdem der Genehmigungsprozess de facto eingefroren wurde. Das könnte sich jetzt rasch ändern und hätte selbst in der aktuellen Energiekrise zwar begrenzte, aber spürbare Auswirkungen.

Die neuen Möglichkeiten im Bereich des Außen- und Kraftstoffhandels könnten indes sogar einen Schlüssel beinhalten, die Karten im Verhandlungspoker mit den USA neu zu mischen.

Mexikos Ölplan und der Test für Trump

Kaum waren die Reformen verabschiedet, meldete sich Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum zu Wort. Am Montag kündigte sie an [11], dass Mexiko die Öllieferungen nach Kuba baldmöglichst wiederaufnehmen wolle – diesmal jedoch nicht über staatliche Unternehmen, sondern über private mexikanische Handelsunternehmen.

"Der Mechanismus würde über Privatunternehmen laufen, die über Genehmigungen für den Kraftstofftransport nach Kuba verfügen", erklärte Sheinbaum, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. "Wir hoffen, dass der kommerzielle Transport bald wieder aufgenommen werden kann", fügte sie hinzu. Mexiko war der letzte regelmäßige Lieferant Kubas nach den Zollandrohungen Trumps im Januar.

Der entscheidende Kniff an Sheinbaums Plan liegt in seiner rechtlichen Konstruktion. Kubas neu verabschiedete Reformen erlauben ausdrücklich die Beteiligung von privatem und ausländischem Kapital am Import und an der Vermarktung von Kraftstoffen, einschließlich des Einzelhandelsnetzes.

Auch der Privatsektor kann künftig eigene Tankstellen betreiben und direkt mit ausländischen Anbietern Verträge schließen. Indem die Lieferungen über private mexikanische Handelsunternehmen abgewickelt werden, umgeht Mexiko zumindest formal den direkten Staatshandel, den Trumps Drohungen bisher primär ins Visier genommen hatten.

Ob dieses Konstrukt dem Druck aus Washington standhält, ist jedoch offen. Trumps Zolldrohungen richteten sich pauschal gegen jedes Land, das Kuba mit Öl versorgt – unabhängig davon, ob dies über staatliche oder private Akteure geschieht. Der neue mexikanische Ansatz dürfte damit zu einem ersten praktischen Test dafür werden, wie weit die Trump-Administration ihre Drohungen gegenüber einem ihrer wichtigsten Handelspartner tatsächlich durchsetzen will und kann.

US-Außenminister Marco Rubio hält unterdessen am Ziel eines Systemwechsels in Havanna fest. Ein Sprecher seines Ministeriums wies die Reformen als "zurückhaltend, längst überfällig und letztlich nur oberflächliche Rauchzeichen des kubanischen Regimes" zurück [12].

Díaz-Canel bekräftigte seinerseits die Bereitschaft seiner Regierung, mit Washington "ohne Hass, aber ohne Angst" über alle Themen zu sprechen, und richtete an die US-Regierung den Appell: "Wenn Sie dem kubanischen Volk wirklich helfen wollen, lassen Sie es leben."

Die EU: Zaungast ohne eigene Linie

Während Mexiko und Brasilien als mögliche Begleiter eines Reformprozesses in Kuba gehandelt werden, fällt die Rolle der Europäischen Union bescheiden aus. Die Politologin und ehemalige Diplomatin Sandra Weiss zieht im IPG-Journal eine ernüchternde Bilanz [13]: Die EU habe sich im Zusammenhang mit Kuba "selbst ins Abseits" manövriert.

Zunächst habe Trump mit seinen Sanktionen die meisten europäischen Unternehmen dazu gezwungen, ihre Investitionen in und Geschäfte mit Kuba aufzugeben, "ohne dass Brüssel dem irgendetwas entgegengesetzt hätte".

Kurz darauf forderte [14] das Europaparlament mit einer Mehrheit rechter und konservativer Abgeordneter Sanktionen gegen Díaz-Canel und ein Ende der Kooperation mit Kuba – "also ganz im Sinne und Geiste Trumps, ohne auch nur den Hauch eigenständiger Ideen zur Verteidigung europäischer Interessen", wie Weiss schreibt. Sie wertet dies als "weiteren kleinen Schritt in die geopolitische und geoökonomische Irrelevanz" der EU.

Auch Deutschland trägt den Kurs mit: Beim Tag der offenen Tür des Auswärtigen Amts am 21. Juni 2026 wurde Außenminister Johann Wadephul (CDU) von einem Bürger gefragt [15], warum die Bundesregierung die US-Blockade gegen Kuba nicht deutlicher als völkerrechtswidrig verurteile. Wadephul antwortete, er sehe "eine derartige Blockade, wie Sie sie beschrieben haben" nicht. Stattdessen verwies er auf die innenpolitischen Verhältnisse der Insel.

Dass auch die Bundesrepublik jedes Jahr in der UN-Vollversammlung gegen die US-Blockade stimmt, war ihm genauso wenig eine Silbe wert, wie der vom UN-Menschenrechtsrat klar benannte Zusammenhang zwischen Energieblockade und humanitärer Lage.

Die entscheidende Voraussetzung für eine Verbesserung der Verhältnisse in Kuba? "Bessere Regierung." Eine eigenständige deutsche Außenpolitik, die das Völkerrecht auch gegenüber Washington vertritt, geht anders.

Die entscheidende Frage

Kuba versucht, mit innenpolitischen Mitteln auf außenpolitischen Druck zu reagieren – und testet damit, wer bereit ist, die neuen Spielräume zu nutzen. Mexiko nimmt diesen Test an, mit einem juristisch cleveren Konstrukt, das Washington zu einer klaren Entscheidung zwingt. Die EU und Deutschland hingegen haben sich bereits aus dem Spiel genommen und entschieden, Trumps humanitärer Katastrophe mit Ansage freien Lauf zu lassen.

Ob sich dem Land eine Perspektive auftut und die Reformen wirklich zu einer Verbesserung der Lage der Bevölkerung beitragen können, hängt am Ende weniger von McDonald's-Schlagzeilen oder geopolitischen Sonntagsreden ab als von einer nüchternen Frage: Wer liefert Öl – und zu welchem Preis, politisch wie ökonomisch?


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https://www.heise.de/-11341338

Links in diesem Artikel:

  1. https://news.un.org/en/story/2026/06/1167671
  2. https://www.deutschlandfunk.de/praesident-trump-koennte-mit-kuba-machen-was-ich-will-102.html
  3. https://www.heise.de/tp/article/Kuba-An-vitalen-Stellen-eine-Mindestversorgung-gewaehrleisten-11187085.html
  4. https://www.heise.de/tp/article/Kuba-am-Limit-Wenn-eine-Rente-fuer-ein-Pfund-Reis-reicht-11243530.html
  5. http://www.cubadebate.cu/noticias/2026/06/18/empresa-estatal-socialista-y-formas-de-gestion-propuestas-de-transformaciones-economicas-y-sociales-en-cuba/
  6. https://cubaheute.de/2026/06/17/diaz-canel-holt-kritische-oekonomen-beratergremium/
  7. https://books.google.de/books/about/Cuba_la_reestructuraci%C3%B3n_de_la_econom%C3%AD.html?id=9ZKcx1aHlJcC&redir_esc=y
  8. https://jovencuba.com/reforma-impostergable-riesgos/
  9. http://www.cubadebate.cu/noticias/2026/06/22/ratifican-exoneracion-de-impuesto-aduanero-a-importacion-de-productos-alimenticios-pdf/
  10. https://www.tagesspiegel.de/internationales/mcdonalds-in-havanna-kuba-verabschiedet-grosste-wirtschaftsreform-seit-jahrzehnten-15731432.html
  11. https://abcnews.com/Business/wireStory/mexicos-president-seeks-restart-oil-shipments-cuba-islands-134103540
  12. https://www.thedailystar.net/news/world/usa/news/us-slams-cuba-reforms-superficial-4203891
  13. https://www.ipg-journal.de/regionen/lateinamerika/artikel/flucht-nach-vorne-9143/
  14. https://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20260615IPR45408/cuba-meps-call-for-eu-sanctions-and-a-push-towards-transition
  15. https://youtu.be/BOoIln5CWDQ

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Aktienrente und höheres Rentenalter: So radikal baut Merz die Rente um

Von Telepolis — 23. Juni 2026 um 13:20
Ein deutscher Rentenbescheid mit Euro-Münzen und einem Stift.

(Bild: nitpicker / Shutterstock.com)

Bundeskanzler Merz will alle 33 Vorschläge der Rentenkommission umsetzen. Neben dem Börsen-Pflichtbeitrag droht das Aus für die Frührente.

Die schwarz-rote Bundesregierung will das Rentensystem gründlich reformieren. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte jetzt an, sämtliche 33 Empfehlungen der Rentenkommission umzusetzen, und machte klar: ohne Ausnahme, ohne Abstriche.

"Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden", sagte Merz, als er den Abschlussbericht in Berlin entgegennahm. Man könne es sich nicht erlauben, einzelne Maßnahmen zu streichen.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) stützt diesen Kurs: "Es gibt jetzt kein Rosinenpicken, es ist ein Gesamtkunstwerk", sagte sie.

Die 13-köpfige Kommission unter Leitung von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise hatte fünf Monate lang das gesamte Vorsorgesystem unter die Lupe genommen und nach Möglichkeiten gesucht, es fit für die Zukunft zu machen.

Das Ergebnis trifft Beitragszahler, Rentner und Selbstständige gleichermaßen. Kern der Reform: Eine verpflichtende Kapitalrente nach schwedischem Vorbild, ein steigendes Rentenalter gekoppelt an die Lebenserwartung und das Ende der abschlagsfreien Frührente nach 45 Berufsjahren.

Merz hatte die gesetzliche Rente zuvor beim Bankenverband offen als "allenfalls noch die Basisabsicherung" [1] bezeichnet – was SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf mit der Drohung "erbitterten Widerstands" quittierte.

Vom Bruttolohn an die Börse: So funktioniert der neue Pflichtbeitrag

Das zentrale Element der Reform ist die neue Kapitalsäule. Zunächst sollen 0,5 Prozent des Bruttolohns in einen Staatsfonds fließen, der das Geld am Kapitalmarkt anlegt. Schrittweise steigt dieser Anteil auf bis zu 2 Prozent.

Wie bisher die gesetzliche Rente, so wird auch dieser Kapitalstamm paritätisch finanziert: Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen gemeinsam ein.

Das kommt zum ohnehin erwarteten Anstieg des regulären Beitragssatzes hinzu: Der liegt derzeit bei 18,6 Prozent und dürfte den Prognosen zufolge bis 2028 auf 19,9 Prozent klettern.

Die Kommission verspricht, dass die Kapitalrente ab etwa 2040 das Rentenniveau spürbar anhebt. Bis dahin sollen Steuerzuschüsse die Lücke füllen.

Stephan Leithner, Vorstandschef der Deutschen Börse, begrüßte die Pläne im ARD-Interview [2]: Alle könnten "an der positiven Kapitalmarktdynamik und am Zinseszinseffekt partizipieren".

Der Sozialverband Deutschland hält dagegen: Erträge aus Kapitaldeckung seien für die gesetzliche Rentenversicherung nicht verlässlich kalkulierbar.

Der Skandinavien-Vergleich: Was Deutschland von Schweden und Norwegen unterscheidet

Deutschland nimmt sich bei der Idee des Staatsfonds Skandinavien zum Vorbild, wo etwa in Norwegen und Schweden verschiedene Fondslösungen existieren. Die Bundesrepublik geht, nachdem was bisher bekannt ist, einen Mittelweg zwischen beiden Varianten.

In Schweden fließen seit 1998 verpflichtend 2,5 Prozent der Bruttolöhne in Fonds, als sogenannte Prämienrente. Im Unterschied zu den deutschen Plänen können die schwedischen Versicherten aber zwischen rund 400 Fonds wählen. Im Schnitt soll so eine Rendite von knapp 10 Prozent pro Jahr erzielt worden sein.

In Deutschland nehmen ein Staatsfonds oder die Bundesbank die Wahl der Fonds ab. Ob und wann die Deutschen mitreden können, in welche Anlagen ihr Geld fließen soll, ist aktuell noch unklar.

Damit ähnelt die deutsche Variante dem norwegischen Modell – mit dem Unterschied, dass sich Norwegens Pensionsfonds aus Öl- und Gaseinnahmen [3] speist – also aus echten Zusatzeinnahmen, die dem Staat quasi in den Schoß fielen.

Das Fondsvolumen in Norwegen lag Ende 2022 bei rund 1,2 Billionen Euro. Im selben Jahr allerdings verlor der Fonds 152 Milliarden Euro an Wert. Fondschef Nicolai Tangen warnte damals vor niedrigere Renditen über die kommenden Jahrzehnte.

Deutschland hat weder Ölmilliarden noch Windfall-Profite – hier sollen Beitragsmittel der Arbeitnehmer die Kapitalbasis bilden. Die Riester-Rente, die seit ihrer Einführung 2002 hinter den Erwartungen zurückblieb, zeigte bereits, wie schwierig kapitalgedeckte Altersvorsorge ohne solide Kapitalquelle funktioniert.

Arbeiten bis 68? Das Paradoxon hinter der steigenden Lebenserwartung

Neben der Kapitalsäule greift die Reform an weiteren Stellschrauben. Das Rentenalter soll über die bisherige Grenze von 67 Jahren hinaus steigen – gekoppelt an die Lebenserwartung.

Für heute 30-Jährige könnte das bedeuten, erst mit 68 Jahren regulär in Rente zu gehen. Als Leitlinie schwebt der Kommission ein Verhältnis von 2:1 vor: für zwei Jahre längere Lebenszeit soll ein Jahr Arbeitszeit hinzukommen.

Die abschlagsfreie Frührente nach 45 Berufsjahren soll komplett entfallen. Selbst mit Abschlägen wäre ein Renteneintritt vor 64 nicht mehr möglich. Ob jemand früher aufhören darf, soll künftig vom individuellen Gesundheitsstatus abhängen, nicht von der Zahl der Beitragsjahre.

Zudem will die Kommission den Kreis der Einzahler erweitern: Selbstständige und Abgeordnete sollen verpflichtend ins System, Beamte perspektivisch ebenfalls.

Allerdings zeigen Forschungsdaten, dass die Deutschen gar nicht in dem Maße älter werden, wie häufig prognostiziert.

Eine Kohortenstudie mit Daten aus 23 wohlhabenden Ländern [4], an der Forscher der University of Wisconsin-Madison beteiligt waren, ergab: Zwischen den Geburtsjahrgängen 1939 und 2000 verlangsamte sich der Anstieg der Lebenserwartung um bis zu 52 Prozent gegenüber früheren Generationen.

Deutschlands Lebenserwartung liegt mit 81,2 Jahren sogar leicht unter dem EU-Durchschnitt von 81,5 Jahren. Die Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung könnte also weniger drastisch ausfallen als befürchtet.

Weniger als 800 Euro: Die bittere Prognose für Millionen Babyboomer

Der Armutsforscher und Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge warnte kürzlich, die Reformpläne könnten die wachsende Altersarmut weiter verstärken [5]. Schon heute ist die Lage vieler Senioren prekär: Jeder fünfte Rentner gilt als armutsgefährdet, rund 764.000 beziehen Grundsicherung.

Laut einer Studie des Pestel-Instituts werden von den 12,9 Millionen Babyboomern, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen, rund 5,1 Millionen weniger als 800 Euro monatlich [6] erhalten.

Derweil stehen weitere Einschnitte im Raum: Die Kommission diskutierte ein Pflicht-Splitting von Rentenansprüchen in der Ehe, das die klassische Witwenrente ersetzen [7] könnte.

Eine Studie des ifo-Instituts schlug zudem vor, die Mütterrente um 50 Prozent zu kürzen [8].

Ob die Koalitionsfraktionen das Gesamtpaket tatsächlich mittragen, muss sich zeigen. Bas zeigte sich "sehr zuversichtlich". Merz formulierte knapper: "Nichtstun ist keine Option".

Was konkret auf Beitragszahler zukommt [9], dürfte die politische Debatte der kommenden Monate bestimmen.


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https://www.heise.de/-11341464

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/tp/article/Gesetzliche-Rente-Nur-noch-Basis-und-dann-11266683.html
  2. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/rente-altersvorsorge-kapitalmaerkte-schweden-100.html
  3. https://www.heise.de/tp/article/Norwegen-Mythen-um-den-staatlichen-Pensionsfonds-9313952.html
  4. https://www.heise.de/tp/article/Werden-wir-ueberhaupt-noch-aelter-Die-ueberraschende-Wahrheit-zur-Lebenserwartung-10625798.html
  5. https://www.heise.de/tp/article/Altersarmut-waechst-und-die-Reformplaene-verstaerken-sie-11305632.html
  6. https://www.heise.de/tp/article/Rente-unter-800-Euro-Millionen-Boomern-droht-Wohnarmut-11288568.html
  7. https://www.heise.de/tp/article/Aus-fuer-Witwenrente-Warum-Frauen-hunderte-Euro-verlieren-koennen-11328346.html
  8. https://www.heise.de/tp/article/Muetterrente-vor-Einschnitt-Bis-zu-15-000-Euro-Verlust-pro-Kind-11336709.html
  9. https://www.heise.de/tp/article/Mehr-zahlen-laenger-arbeiten-Was-bleibt-am-Ende-noch-von-Ihrer-Rente-uebrig-11326122.html

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Die Pangram-Illusion: Warum KI-Detektoren dem Journalismus schaden

Von Telepolis — 23. Juni 2026 um 10:30
Eine Schreibfeder vor einem Hintergrund aus binärem Code und blauen Quadraten.

Die Jagd auf KI-Texte per Software schafft einen Generalverdacht, der die journalistische Arbeit untergräbt.

(Bild: Lightspring / Shutterstock.com)

Die Jagd auf KI-Texte per Software schafft einen Generalverdacht. Warum Pangram in Redaktionen kein Ersatz für echte Qualitätskontrolle ist.

Als das Analysetool Pangram den FAZ-Gastbeitrag von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt mit einem KI-Anteil von wahrscheinlich 100 Prozent markierte [1], schien die Sache klar: Die Maschine hatte den Autor überführt.

Tatsächlich enthielt der Text frei erfundene Zitate, die weder Voigt, noch seinem Team oder der FAZ-Redaktion aufgefallen waren. Eigentlich zeigt dieser Fall, wie wichtig Qualitätskontrolle im Umgang mit KI-Texten [2] ist.

Doch der Fall entwickelte sich anders: Sämtliche Medien in Deutschland, von der FAZ, über die Süddeutsche oder Berliner Zeitung bis hin zur taz, debattierten über das Thema, belegten sich teilweise mit erheblichen Vorwürfen oder setzten Autoren vor die Tür.

Selbst der "Plagiatsjäger" Stefan Weber fühlt sich inzwischen berufen, KI-Stilelemente in Texten von Journalisten [3] zu suchen. Das Thema könnte also noch für eine Zeit für Konfliktstoff sorgen.

Doch es provoziert auch eine unbequeme Gegenfrage: Was wäre, wenn Tools wie Pangram bei einem ehrlich geschriebenen Text denselben Alarm geschlagen hätten?

Die Antwort darauf hat ein bizarrer Selbstversuch geliefert, den Ars Technica dokumentiert hat [4]: Vor knapp drei Jahren hatte man die US-Verfassung von GPTZero prüfen lassen. Das Urteil: "wahrscheinlich vollständig von einer KI verfasst". Dasselbe Ergebnis lieferten Passagen aus der Bibel.

Nun gehen wir davon aus, dass James Madison nicht durch die Zeit reisen konnte, ebenso wenig wie die alten Juden oder die Evangelisten. Was Ars Technica hier dokumentierte, war wohl einer der spektakulärsten Fehlalarme – ein sogenanntes False Positive.

Das mathematische Vorurteil der Sprachpolizei

Hinter diesem Fehlurteil steckt keine Softwarepanne, sondern ein simpler Konstruktionsfehler. KI-Detektoren messen anhand von Wahrscheinlichkeiten vor allem zwei Werte: Perplexity und Burstiness.

Perplexity gibt an, wie "überraschend" eine Wortfolge für ein Sprachmodell ist. Je vorhersehbarer der Text, desto niedriger der Wert – und desto eher schlägt der Detektor Alarm.

Wenn wir den unvollständigen Satz nehmen: "Ich hätte gern eine Tasse …", dann würde ihn eine KI wahrscheinlich mit "Tee" oder "Kaffee" vervollständigen, ein Mensch könnte aber auch schreiben: "Mehl" oder "Mehlwürmer". Im Vergleich zu "Tee" und "Kaffee" würde der KI-Detektor hier eher von einem menschlichen Autor ausgehen.

Burstiness misst dagegen die Varianz der Satzlängen: Menschen schreiben chaotisch, Maschinen gleichförmig – so zumindest die Theorie.

Warum nun die US-Verfassung als "KI-generiert" identifiziert wurde, darauf erklärte GPTZero-Entwickler Edward Tian damals gegenüber Ars Technica: Die Verfassung sei "wiederholt in die Trainingsdaten vieler großer Sprachmodelle eingespeist" worden.

Die Folge: Für den Algorithmus der Detektoren ist der Text so vertraut, dass er ihn nicht mehr von einer Maschinenausgabe unterscheiden kann. Und das trifft auch oftmals auf andere hochformale Dokumente mit gleichmäßiger Struktur – ob Gesetzestexte oder historische Schriften – zu.

Selbst wissenschaftliche Arbeiten werden immer wieder als KI-generiert erkannt, und der Grund dafür ist, dass auch sie bestimmten Formalien entsprechen müssen und aufgrund der Fachsprache auch relativ gleichförmig und mit geringer Varianz in der Wortwahl wirken.

Wenn der Algorithmus Unschuldige trifft

Die Fehlalarme sind mehr als eine technische Kuriosität, aber sie führten etwa an Hochschulen in den USA immer wieder dazu, dass Studenten fälschlich beschuldigt wurden, betrogen zu haben.

So zeigte eine Studie der Stanford University [5], dass mehr als 61 Prozent der TOEFL-Aufsätze von Nicht-Muttersprachlern fälschlicherweise als KI-generiert eingestuft wurden. Die Ursache: begrenzter Wortschatz und einfache Syntax erzeugen niedrige Perplexity – für den Detektor ein Maschinensignal.

Um den Stil ihrer geschriebenen Worte zu verbessern, nutzen sie dann oftmals KI-Tools wie DeepL Write oder Grammarly – und verschärfen das Problem ungewollt weiter, weil die Software sprachliche Varianz reduzieren und den Text statistisch "glatter" machen kann. Die Folge: KI-Detektoren schlagen wahrscheinlich öfter Alarm.

Weil es also schwer ist, zu sagen, ob ein Text rein KI-generiert ist oder mit KI überarbeitet wurde oder ob nur ein falsch-positives Ergebnis angezeigt wird, urteilte der Softwareentwickler und KI-Kritiker Simon Willison damals gegenüber Ars Technica über Detektor-Produkte: Er halte sie "größtenteils für Scharlatanerie".

"Jeder wünscht sich verzweifelt, dass sie funktionieren – insbesondere Menschen im Bildungsbereich –, und es ist einfach, ein Produkt zu verkaufen, das jeder haben will, vor allem, wenn es wirklich schwer ist, zu beweisen, ob es wirksam ist oder nicht."

Eine Studie der University of Maryland [6] aus dem Jahr 2023 bestätigte: KI-Detektoren schneiden in der Praxis nur knapp besser ab als ein Zufallsgenerator und lassen sich oftmals durch simples Umformulieren austricksen. Ihre Genauigkeit liege auf dem Niveau eines Münzwurfs [7].

Damit ist aber nicht gesagt, dass diese Software gänzlich unbrauchbar wäre. Die University of Chicago hatte verschiedene Anbieter getestet [8] und deutliche Qualitätsunterschiede festgestellt. Ein KI-Detektor brachte bis zu 77 Prozent falsch-positive Ergebnisse. Mit Abstand am besten schnitt in dem Test Pangram ab.

US-Hochschulen und die FTC ziehen Konsequenzen

Weil falsch-positive Ergebnisse in der Praxis erhebliche negative Konsequenzen haben können, kündigte etwa die Washington State University Anfang 2026 [9] ihren Vertrag mit dem Marktführer Turnitin. Selbst eine Fehlerquote von nur 1 bis 2 Prozent bedeutete dort bei rund 148.000 geprüften Arbeiten pro Semester über tausend falsche Betrugsvorwürfe.

Universitäten wie UC Berkeley, Michigan State und die University of Washington untersagten [10] den Einsatz von Detektoren ebenfalls, wenn akademisches Fehlverhalten überprüft werden soll.

Co-Creation statt Kontrollwahn

Für den Journalismus bedeutet das: Die Prüfsoftware, die Redaktionen im Voigt-Skandal heranzogen, taugt nicht als Wahrheitsmaschine. Und die Debatte darüber ignoriert auch, dass KI längst im Redaktionsalltag angekommen ist, auch zum Verfassen von Texten.

Laut "Medien-Trendmonitor" [11] des PR-Dienstleisters News Aktuell gaben schon 43 Prozent der befragten Journalisten an, dass sie von KI Texte schreiben lassen. Ob die üppigen Honorare für sogenannte Star-Autoren [12] noch gerechtfertigt sind, wenn sie die KI schreiben lassen, steht auf einem anderen Blatt.

Das wirft unweigerlich die Frage nach dem künftigen Umgang mit KI im Journalismus auf.

Man könnte mit Markus Knall, Chefredakteur bei Ippen.Media, argumentieren. Der taz sagte er: "Niemand ist Journalist geworden, um Texte zu tippen". Der Journalist der Zukunft werde [13] eher ein "KI-Komponist".

Ähnlich heißt es in den KI-Richtlinien der Berliner Zeitung und der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung: Weil künftig jeder Text in irgendeiner Form mit KI bearbeitet würde, sei es nicht mehr zeitgemäß, Texte mit dem Hinweis zu versehen, sie seien mithilfe von KI produziert worden.

Wie die Hochschulen wird die KI-Nutzung auch den Journalismus verändern. Diese Technologie aus den Universitäten zu verdrängen, ist illusorisch: Rund 90 Prozent der Studenten in Deutschland nutzen inzwischen KI-Tools [14]. Experten fordern stattdessen neue Prüfungsformate und KI-Kompetenz [15] – mündliche Verteidigungen, Prozess-Dokumentation, reflektierten Umgang statt Überwachung durch fehlerhafte Software.

Für den Journalismus bedeutet das, worauf Telepolis schon in einem Leitartikel [16] zur KI-Debatte hingewiesen hat: Das Problem liegt nicht im Werkzeug, sondern im Versagen der menschlichen Qualitätskontrolle. Wer halluzinierte Zitate durchwinkt, sollte das Problem nicht bei der KI, sondern bei sich selbst suchen.

Mit Blick auf den Einsatz von KI-Detektoren bleibt mit Ethan Mollick, Associate Professor an der Wharton School, in übertragenen Sinn zu sagen: KI-Texte seien derzeit nicht mit Sicherheit nachweisbar und so wird es wahrscheinlich auch bleiben. Wer sich auf Detektoren verlasse, betreibe keine Qualitätssicherung – sondern eine Hexenjagd mit statistischem Zufall als Kronzeuge.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/KI-Skandal-um-Thueringens-Ministerpraesidenten-FAZ-depubliziert-Gastartikel-11328504.html
  2. https://www.heise.de/tp/article/Streit-um-KI-Texte-Warum-das-Feuilleton-die-falschen-Fronten-aufbaut-11339237.html
  3. https://plagiatsgutachten.com/blog/ki-stilelemente-nzz-eder/
  4. https://arstechnica.com/information-technology/2023/07/why-ai-detectors-think-the-us-constitution-was-written-by-ai/
  5. https://hai.stanford.edu/news/ai-detectors-biased-against-non-native-english-writers
  6. https://arxiv.org/pdf/2303.11156
  7. https://cmns.umd.edu/news-events/news/ai-generated-content-actually-detectable
  8. https://bfi.uchicago.edu/wp-content/uploads/2025/09/BFI_WP_2025-116.pdf
  9. https://provost.wsu.edu/documents/2026/02/cancellation-of-turnitin-ai-detection-software_memo-to-instructors_provost-office_spring-2026.pdf/
  10. https://provost.wsu.edu/policies/artificial_intelligence/detecting-and-reporting-misconduct/
  11. https://www.kom.de/medien/zwei-von-drei-journalisten-nutzen-ki/
  12. https://www.kom.de/medien/wie-haeltst-dus-mit-ki/
  13. https://taz.de/KI-im-Journalismus/!6185296/
  14. https://www.heise.de/news/Wie-Studierende-KI-an-der-Uni-nutzen-und-was-Experten-davon-halten-10511786.html
  15. https://www.heise.de/tp/article/Akademisierung-und-KI-Hochschulen-und-Studenten-muessen-umdenken-11224307.html
  16. https://www.heise.de/tp/article/Streit-um-KI-Texte-Warum-das-Feuilleton-die-falschen-Fronten-aufbaut-11339237.html

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GPT-5.5-Cyber schlägt Mythos: Update für Sicherheitsmodell von OpenAI

Von Heise — 23. Juni 2026 um 13:53
Humanoide patcht eine Lücke

(Bild: Wolf Hosbach / KI / iX)

Mit einer Sicherheitsinitiative geht OpenAI in Konkurrenz zu Anthropics Mythos und bietet zudem einen Sicherheits-Review-Service für Open-Source-Projekte.

Eine weitreichende Sicherheitsinitiative des KI-Anbieters OpenAI liefert ein Update für GPT-5.5-Cyber, eine Unterstützung von Open-Source-Projekten mit Patch the Planet und ein Security-Plugin für Codex Desktop oder CLI.

Die Initiative unter dem Namen Daybreak [1] zielt nicht nur auf das agentengestützte Auffinden unbekannter Lücken im Code, was zu einer Flut an Issues insbesondere in Open-Source-Kreisen [2] geführt hat. Vielmehr sollen die nun vorgestellten Tools Entwicklerinnen und Entwicklern bei der Behebung der Funde helfen. Open-Source-Maintainer können sich zudem bei Patch the Planet um kombiniertes Patchen durch OpenAI und Trail of Bits bewerben.

GPT-Cyber schlägt Mythos

Das Update für das Modell GPT-5.5-Cyber ist auf das Finden und Patchen von Sicherheitslücken in großen Codebasen spezialisiert. Es soll Probleme identifizieren, den Kontext untersuchen und einen Patch-Zyklus einleiten: entwickeln, in geschützter Umgebung prüfen, testen und für den menschlichen Review vorbereiten.

Im CyberGym-Benchmark schlägt GPT-5.5-Cyber das Top-Modell Mythos von Anthropic.

(Bild: CyberGym)

Im CyberGym-Benchmark [3] erreicht es als Agent 85,6 Prozent, der Vorgänger lag bei 81,8 Prozent. Zudem schlägt es sich besser als Mythos, der Konkurrent von Anthropic (83,1 Prozent). Bei CyberGym müssen die Agenten eine bekannte Sicherheitslücke in einer großen Codebasis finden und in einem Proof of Concept ausnutzen – ein Patchen bewertet der Test nicht. Vor GPT-5.5-Cyber liegen noch ein speziell angepasster und ein Multimodell-Agent.

Nur für Partner und deren Kunden

Daybreak kommt zu einem für OpenAI günstigen Zeitpunkt, da die Konkurrenzmodelle von Anthropic vorige Woche von der US-Regierung für ausländische Nutzer [4] weitgehend gesperrt wurden. OpenAI betont in der Ankündigung die enge Zusammenarbeit mit der US-Regierung: „Wir stehen in einem kontinuierlichen Austausch mit der US-Regierung über unsere Cyber-Initiative, einschließlich der heutigen Ankündigungen und unseren Vorbereitungen auf die kommenden Modellveröffentlichungen.“

Nur registrierte Partner erhalten Zugang zum neuen Modell. OpenAI hat dreißig US-Firmen genannt wie Checkpoint, Cloudflare, Palantir, Sophos und eine Reihe an Beratungsfirmen. Die deutsche Pressemitteilung spricht auch von Partnerschaften mit Deutschland, UK, der EU und weiteren westlichen Ländern.

Partner dürfen GPT mit Cyber ab jetzt auch nicht nur intern, sondern auch für Kundenprojekte nutzen, den Kunden das Modell selbst aber nicht zur Verfügung stellen.

Patch the Planet: Unterstützung von Open-Source-Projekten

In Partnerschaft mit der Sicherheitsberatung Trail of Bits ruft OpenAI einen besonderen Review-Service für Open-Source-Projekte ins Leben: Patch the Planet [5]. Nach einer Beratungsrunde prüfen die Experten eine Woche lang mit Hilfe von GPT Cyber den Code des Projekts, beheben gefundene Lücken und testen das Ergebnis. Wobei eine menschliche Prüfung am Ende des Prozesses steht.

Die ersten Projekte, die die Untersuchung durchlaufen haben, waren, cURL, NATS, pyca, Sigstore, aiohttp, Go, freenginx, Python, Python.org, urllib3, PyPI, SimpleX, Valkey und RustCrypto. Das Ergebnis waren „hunderte entdeckte Bugs, 64 Pull Requests und 51 Issues“, beispielsweise eine Korrektur der Big-Integer-Bibliothek [6] in RustCrypto oder eine verbesserte Release-Pipeline für Python.org.

Projekte, die an einer Beratung Interesse haben, können sich über die Webseite [7] bewerben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11341394

Links in diesem Artikel:

  1. https://openai.com/index/daybreak-securing-the-world/
  2. https://www.heise.de/meinung/Kommentar-KI-Muell-treibt-curls-Bug-Bounty-Programm-vor-sich-her-11191390.html
  3. https://www.cybergym.io/cybergym/
  4. https://www.heise.de/news/Anthropics-KI-Mythos-Unternehmen-haben-weiter-Zugriff-auf-Preview-Version-11338742.html
  5. https://trailofbits.com/patch-the-planet/
  6. https://blog.trailofbits.com/2026/06/22/introducing-patch-the-planet/
  7. https://trailofbits.com/patch-the-planet/
  8. mailto:who@ix.de

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KI-Basis entwickeln: Die Architektur smarter Systeme

Von Heise — 23. Juni 2026 um 09:10
Hologramm einer Stadt auf Computerchip

(Bild: jamesteohart / Shutterstock.com)

Eine gute Softwarearchitektur stellt sicher, dass ein KI-System nicht von der Leistungsfähigkeit eines bestimmten Modells abhängt.

Je intelligenter KI-Systeme werden, desto deutlicher wird: Modelle allein skalieren nicht. Viele Anwendungen beginnen mit einem Modell im Zentrum und improvisieren den Rest. Das funktioniert, solange das System nur Fragen beantworten soll. Doch sobald es handeln, Entscheidungen treffen oder mehrere Schritte koordinieren muss, stößt dieser Ansatz an seine Grenzen. Die Architektur bricht nicht spektakulär in sich zusammen, sondern sie zerfasert über die Zeit: in Workarounds, Sonderfälle und unkontrollierbare Abhängigkeiten.

Die eigentliche Frage beim Systementwurf lautet deshalb nicht, wie man ein Modell verbessert, sondern wie man ein System baut, das intelligenter werden darf, ohne instabil zu werden. Wer versteht, wie ein KI-System aufgebaut ist und wie sich die Rollen seiner Schichten verändern, kann Anwendungen entwickeln, die nicht von der nächsten Modellgeneration überrollt werden, sondern von ihr profitieren und sie nahtlos integrieren.

Moderne KI-Systeme bestehen nicht aus einem Modell mit etwas Logik darum herum, sondern aus klar abgegrenzten Schichten, die jeweils eine eigene Verantwortung tragen und gemeinsam bestimmen, wie intelligent ein System werden kann.

Die Schichten eines KI-Systems

Die Architektur eines KI-Systems lässt sich in fünf Schichten gliedern: Präsentation, Orchestrierung, Integration, Wissen und Infrastruktur. Jede Schicht erfüllt eine eigene Rolle im Gesamtsystem und hat Auswirkungen darauf, wie es Aufgaben formuliert, Entscheidungen trifft, Informationen nutzt und Aktionen ausführt. Erst im Zusammenwirken entsteht ein System, das nicht nur Antworten liefert, sondern handeln kann, und das auch dann stabil bleibt, wenn sich die Umgebung ändert und Modelle sich weiterentwickeln.

Die Architektur eines KI-Systems in fünf Schichten.
Die Architektur eines KI-Systems in fünf Schichten.

Die Architektur eines KI-Systems in fünf Schichten.

1. Präsentation – die Formulierung von Bedeutung und Rückgabe

Die Präsentationsschicht ist die Stelle, an der ein KI-System erfährt, worum es überhaupt geht. Hier wird eine menschliche Absicht oder ein Ziel so formuliert, dass das System damit arbeiten kann – sei es über eine Benutzeroberfläche, über eine API oder über interne Mechanismen wie Rollen und Systemprompts, die den Rahmen der Interaktion festlegen. Doch die Präsentationsschicht liefert nicht nur die Aufgabenstellung, sondern auch den Kontext, den das System für die Bearbeitung benötigt: Ziele, Einschränkungen, Hintergrundinformationen und Rollen.

Ebenso wichtig wie die Eingabe ist auch die andere Richtung: Die Präsentationsschicht bestimmt, in welcher Form die KI Ergebnisse zurückgibt, ob als natürlichsprachliche Antwort, als strukturierte Daten für andere Systeme oder als visuelle Darstellung. Damit bildet diese Schicht die kommunikative Hülle des Systems: Sie definiert, was das System tun soll und wie es seine Ergebnisse für Menschen oder andere Systeme aufbereitet.

Sobald die Aufgabe klar formuliert ist, übernimmt die nächste Schicht, die Orchestrierung, und kümmert sich um den Lösungsweg.

2. Orchestrierung – die Steuerung des Verhaltens

In der Orchestrierungsschicht entsteht aus einer formulierten Aufgabe ein konkreter Ablauf. Diese Schicht strukturiert die Bearbeitung: Sie zerlegt die Aufgabe in einzelne Schritte, wählt die passenden Komponenten aus und legt fest, in welcher Reihenfolge das System sie abarbeiten soll. Diese Schicht steuert die Ausführung, bewertet Zwischenergebnisse und reagiert auf unerwartete Situationen. Dazu gehört auch, Fehler abzufangen, alternative Wege zu wählen und sicherzustellen, dass das Ergebnis der ursprünglichen Intention entspricht. In dieser Schicht liegen Workflows, Pipelines, Policies, Guards und Routing-Logik – alles, was bestimmt, wie das System arbeitet.

Die Orchestrierung trifft Entscheidungen über Ablauf, Struktur und Kontrolle, nicht aber darüber, womit das System interagiert oder welches Wissen es nutzt. Damit bildet sie das operative Zentrum: Sie sorgt dafür, dass aus einer Aufgabenstellung ein nachvollziehbares, konsistentes Verhalten entsteht.

Sobald klar ist, welche Schritte notwendig sind, greift die nächste Schicht, die Integration, und stellt die Verbindung zur Außenwelt her.

3. Integration – die Verbindung zur Außenwelt

Die Integrationsschicht verbindet die internen Abläufe des Systems mit seiner Umgebung. Während die Orchestrierung festlegt, wie eine Aufgabe ausgeführt wird, stellt die Integration die Mittel bereit, um dafür auf Daten, Dienste und Funktionen außerhalb des Systems zuzugreifen. Mit dieser Schicht erhält das System die Fähigkeit, Informationen abzurufen oder externe Funktionen auszuführen. Damit definiert sie den Handlungsspielraum des Systems: welche Dienste erreichbar sind, welche Datenquellen genutzt werden können und welche Operationen grundsätzlich erlaubt sind. Technisch umfasst diese Schicht Schnittstellen wie APIs, Adapter, Connectors, Tools oder Datenbankzugriffe.

Die Integration stellt Möglichkeiten bereit, trifft aber keine Entscheidungen darüber, wann oder warum das System sie nutzen soll. Diese Verantwortung bleibt bei der Orchestrierung. Sobald klar ist, welche Informationen das System benötigt oder welche Daten bereitstehen müssen, übernimmt die nächste Schicht, die Wissensschicht, und strukturiert das dafür notwendige Wissen.

4. Wissen – das Gedächtnis und die Struktur des Wissens

Die Wissensschicht gleicht eine grundlegende Einschränkung moderner Sprachmodelle aus: Sie bringen zwar umfangreiches Sprach- und Weltwissen mit, doch dieses endet zum Zeitpunkt des Trainings. Informationen, die später entstehen oder organisationsspezifisch sind, müssen außerhalb des Modells vorliegen.

Hier setzt die Wissensschicht an. Sie stellt Wissen unabhängig vom Modell bereit, strukturiert es und hält es aktuell. Dazu gehören nicht nur Fakten und Dokumente, sondern auch Kontext, Historie und domänenspezifische Zusammenhänge. Technisch umfasst sie Datenbanken, Vektor-Stores, Wissensgraphen, Dokumente und Metadaten. Die Wissensschicht legt fest, was das System weiß und welche Informationen für eine Aufgabe relevant sind. Sie entscheidet jedoch nicht, wann dieses Wissen genutzt wird oder wie es in den Ablauf eingebettet wird. Das bleibt die Aufgabe der Orchestrierung.

Sobald das relevante Wissen bereitsteht, übernimmt die nächste Schicht, die Infrastruktur, und stellt die technischen Bedingungen bereit, unter denen das gesamte System zuverlässig läuft.

5. Infrastruktur – die technischen Bedingungen des Betriebs

Die Infrastrukturschicht stellt sicher, dass ein KI-System dauerhaft und unter realen Bedingungen zuverlässig arbeitet. Sie bildet das technische Fundament, auf dem alle anderen Schichten aufbauen, und definiert die Betriebsqualität des Systems: Verfügbarkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit. Auf technischer Ebene umfasst sie Aspekte wie Rechenleistung, Speichernetzwerke, Identitäten, Deployment-Mechanismen und das Monitoring des Systemzustands.

Die Schichtenarchitektur zeigt, wie ein KI-System aufgebaut ist und wie seine Intelligenz entsteht. Das Sprachmodell selbst ist darin nicht enthalten, was zur entscheidenden Frage führt: Welche Rolle spielt das Modell wirklich?

Das Modell – ein Baustein, aber nicht der Kern des Systems

Intuitiv könnte man das Modell für den Kern eines KI-Systems halten. Doch in der Systemarchitektur ist es keine eigene Schicht, sondern ein kognitiver Baustein, den die Architektur zum Bereitstellen bestimmter Fähigkeiten nutzt: Sprachverständnis, Mustererkennung, Planung, Extraktion oder Klassifikation. Moderne Systeme verwenden dafür nicht ein einzelnes Modell, sondern eine ganze Reihe spezialisierter Modelle, die je nach Aufgabe eingesetzt werden.

Diese Modelle bilden eine eigene Ebene, die neben den fünf Schichten liegt. Jede Schicht kann auf Modelle zugreifen, nutzt sie jedoch für unterschiedliche Zwecke.

Die Präsentationsschicht verwendet Modelle, um natürliche Sprache zu verstehen und aus offenen Formulierungen strukturierte Aufgaben zu erzeugen. Die Wissensschicht nutzt Embedding-Modelle, um relevante Informationen zu finden oder Dokumente semantisch zu verknüpfen. In der Integrationsschicht können externe Agenten angebunden sein, die wiederum über eigene Modelle verfügen und deren Fähigkeiten in das System einfließen lassen. Selbst die Infrastrukturschicht kann Modelle einsetzen, etwa um Betriebszustände zu analysieren, Anomalien zu erkennen oder Lastverhalten vorherzusagen. Die zentrale Instanz, die entscheidet, welches Modell wann und wofür genutzt wird, ist die Orchestrierung. Sie kombiniert Modellaufrufe, bewertet deren Ergebnisse, bindet sie in Prozesse ein und kontrolliert ihren Einsatz. Die Integration liefert die Daten und ermöglicht Interaktion mit der Umgebung, die Wissensschicht ergänzt, was das Modell nicht wissen kann, die Präsentation bereitet Aufgaben für das Modell auf und die Infrastruktur stellt den Betrieb technisch sicher.

Evolution der Schichten zu einem intelligenten System

Je autonomer ein System wird, desto stärker verlagert sich seine Intelligenz aus den Modellen in die Architektur. Nicht die Modelle legen fest, wie ein System denkt und handelt, sondern die Architektur: Sie strukturiert Ziele, bereitet Entscheidungen vor, ordnet Wissen, ermöglicht Aktionen und setzt Grenzen – und nutzt dafür gezielt unterschiedliche Modelle.

Erst das Zusammenspiel der Schichten macht ein System handlungsfähig. Modelle bleiben wichtige Bausteine, die die kognitiven Fähigkeiten liefern, die jede Schicht für ihre Aufgaben benötigt – doch die Architektur bestimmt, wie weit ein System wachsen kann und wie autonom es tatsächlich agiert.

Praxisbeispiel: autonomes Bestellmanagementsystem

Um die Verschiebung von modellzentrierter zu systemischer Intelligenz greifbar zu machen, dient hier als Beispiel ein autonomes Bestellmanagementsystem für Maschinen, über das Kunden nicht nur bestellen, sondern auch bestehende Bestellungen anpassen können. Konkret geht es um eine CNC-Fräsmaschine, deren Spezifikation der Kunde nachträglich ändern möchte und deren Änderung das System selbstständig entgegennehmen, plausibilisieren und durchführen soll.

Präsentationsschicht

Wenn ein System intelligenter und autonomer wird, ändert sich die Rolle der Präsentationsschicht als Einstieg in das System. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter beschreibt nicht mehr die Schritte, die das System ausführen soll, sondern der Kunde teilt dem System selbst den Zielzustand mit: „Ich möchte die Spindelleistung meiner bestellten Maschine erhöhen. Wir müssen härtere Materialien fräsen können, aber die Lieferzeit darf sich nicht groß verlängern.“ Die Präsentationsschicht muss diese Absicht in eine vollständige Aufgabenbeschreibung überführen. Dafür nutzt sie nicht nur feste Regeln und vorhandenen Kontext, sondern auch Modelle, die Sprache verstehen, Informationen extrahieren und fehlende Angaben identifizieren. Sie kombiniert drei Quellen:

  • Kundeninput: Die Absicht und grobe Erwartungen.
  • Regel der Aufgabenstruktur: Eine Änderungsanfrage benötigt immer Ziel, Kontext, Rahmenbedingungen, fixe Bedingungen, mögliche Alternativen und Erfolgskriterien.
  • Kontext aus der Wissensschicht: Welche Maschine hat der Kunde bestellt? Welche Optionen sind verfügbar? Welche Energiegrenzen gelten in der Produktionslinie? Welche Steuerung ist verbaut?

Die Präsentationsschicht füllt die Aufgabenstruktur systematisch. Sie erkennt mithilfe von Modellen, welche Informationen bereits durch Kundeninput oder Kontext abgedeckt sind und welche fehlen. Grundlage dafür ist ein Aufgabenmodell, das in der Präsentationsschicht selbst verankert ist: Es beschreibt nicht den fachlichen Prozess, sondern die Struktur einer vollständigen Aufgabe – welche Felder notwendig sind, welche optional sind und wann Rückfragen gestellt werden müssen. Dieses Strukturwissen bleibt stabil, auch wenn sich Prozesse oder Regeln ändern. Daher ist das Aufgabenmodell nicht Teil der Wissensschicht, die ausschließlich domänenspezifische Fakten und Prozessdefinitionen liefert. Sie enthält kein UI- oder Strukturwissen.

So entsteht aus einer offenen Formulierung eine präzise Aufgabenbeschreibung:

  • Ziel: Spindelleistung von 12 kW auf bis zu 18 kW erhöhen
  • Kontext: Bestellung #4821, Lieferant X, Produktionslinie 3
  • Constraints: Lieferzeit + max. 2 Wochen, Budget + max. 10 Prozent, Energiebedarf < 16 kW
  • unverhandelbar: kompatibel mit Siemens-Steuerung
  • Erfolgskriterium: Änderung bestätigt, neue Lieferzeit akzeptiert

Der Konflikt bei der Leistungsaufnahme zwischen den vom Kunden gewünschten 18kW und den maximal möglichen 16kW kann entstehen, wenn der Kunde den Wunsch äußert, die Wissensschicht jedoch weiterführende Informationen über die Installation besitzt. Die Präsentationsschicht trifft jedoch selbst keine Entscheidungen, sondern sie erzeugt eine Problemdefinition, die eindeutig genug ist, damit das System selbstständig planen kann.

Ohne eine solche Aufgabenbeschreibung könnte die Orchestrierung nicht entscheiden, welche Optionen infrage kommen, welche Auswirkungen akzeptabel sind oder wann die Aufgabe erfüllt ist. Die Wissensschicht könnte keinen relevanten Kontext bereitstellen, weil unklar wäre, was überhaupt benötigt würde. Und das Modell könnte zwar Varianten generieren, aber nicht beurteilen, welche davon den Anforderungen entspricht.

Die Präsentationsschicht übergibt die Aufgabenbeschreibung an die Orchestrierung, die daraus einen umsetzbaren Plan entwickelt. Dazu koordiniert sie Modelle, Wissen und Aktionen, ohne selbst Fachlogik oder Prozessdetails zu besitzen.

Orchestrierungsschicht

Im Beispiel einer Bestelländerung muss die Orchestrierung den gesamten Änderungsprozess planen. Sie ist die handelnde Instanz und nutzt Modelle, um Prozessvarianten zu identifizieren, Regeln zu interpretieren oder Abhängigkeiten vorzustrukturieren.

Die Entscheidungen trifft sie jedoch ausschließlich auf Basis der Prozessdefinitionen aus der Wissensschicht. Dort ist festgelegt, welche Regeln gelten, welche Schritte vorgesehen sind und welche Abhängigkeiten existieren. Die Orchestrierung darf sich keinen Prozess ausdenken und keine Schritte halluzinieren. Sie arbeitet ausschließlich mit den definierten Prozessen, die das Unternehmen bereitstellt. Diese Prozessdefinition bildet die Grundlage für die weitere Planung.

Auf dieser Basis zerlegt die Orchestrierung die Aufgabe in Teilprobleme:

  • Lässt sich die Bestellung ändern? Aus der Prozessdefinition ergeben sich Richtlinien und Beschränkungen, die sie mit der Wissensschicht und verschiedenen Tools überprüft, etwa Produktionsstatus, Sperrfristen oder Lieferantenbedingungen.
  • Technische und organisatorische Optionen ermitteln: Dazu orchestriert die Schicht Modellaufrufe und Wissensabfragen, um herauszufinden, welche Varianten verfügbar sind, welche Profile sie haben und welche Auswirkungen sie auf Lieferzeit und Kosten hätten.
  • Auswirkungen der Optionen bewerten. Die Orchestrierung führt die Bewertung nicht selbst durch, sondern nutzt Modelle und Tools, um Lieferzeiten, Kosten, Kompatibilität und Risiken analysieren zu lassen. Sie bleibt dabei die koordinierende Instanz: Sie entscheidet, welche Modelle eingesetzt werden, wie ihre Ergebnisse zu kombinieren sind und welche Schlussfolgerungen daraus folgen. Modelle liefern Analysen und Hinweise, aber die letztendliche Entscheidung liegt in der Orchestrierung.
  • Notwendige Prozessschritte identifizieren. Aus der Prozessdefinition und den gewonnenen Informationen ergeben sich konkrete Umsetzungsschritte wie Lieferantenanfragen, interne Genehmigungen, Bestellaktualisierung oder die Anpassung der Produktionsplanung.
  • Entscheidungen vorbereiten: Die Orchestrierung erstellt eine Entscheidungsgrundlage, die dem Kunden oder einem internen System zeigt, welche Optionen existieren und welche Konsequenzen sie haben.
  • Ausführung planen: Sobald der Kunde eine Option akzeptiert hat, erstellt die Orchestrierung einen Ausführungsplan für die Integrationsschicht und stößt ihn an. Die eigentliche Ausführung, das Ändern der Bestellung, das Informieren des Lieferanten und das Aktualisieren der Produktionsplanung liegen vollständig in der Integration.

Ohne eine Orchestrierung, die den gesamten Prozess abbildet, kann das System weder beurteilen, ob die Aufgabe überhaupt lösbar ist, noch welche Schritte notwendig sind oder wie Risiken und Auswirkungen zu bewerten sind. Durch die Orchestrierung entsteht aus der Problemdefinition ein Handlungsplan: welche Schritte er erfordert, welche Systeme einzubinden sind, welche Entscheidungen vorbereitet werden müssen und wie das System sicher zur Ausführung gelangt.

Integration

Die Integrationsschicht ist die operative Schnittstelle des Systems zur Außenwelt. Während die Orchestrierung plant, wie das System vorgeht, führt die Integration die dafür notwendigen Schritte aus. Sie ist damit die Schicht, die das System wirksam macht: Sie ruft APIs auf, aktualisiert Bestellungen, kommuniziert mit Lieferanten, schreibt Daten in interne Systeme oder stößt Berechnungen an. Die Ausführung erfolgt deterministisch in der Integrationsschicht selbst. Modelle liefern lediglich Daten oder Analysen, führen aber keine Aktionen selbst aus.

Im Beispiel erhält die Integration einen vollständig ausgearbeiteten Ausführungsplan. Dieser Plan enthält keine offenen Fragen mehr, keine Alternativen, keine Konflikte oder Entscheidungen. Er beschreibt präzise, welche Operationen in welcher Reihenfolge auszuführen sind, um die akzeptierte Option umzusetzen. Die Integrationsschicht erhält diesen Plan jedoch nicht als Ganzes, sondern immer nur die jeweils nächste Operation. Die Orchestrierung ruft diese Integrationsschritte einzeln auf, prüft deren Ergebnisse und entscheidet über das weitere Vorgehen. Fehlerbehandlung, Wiederholungen, Alternativen oder Abbrüche liegen vollständig in der Verantwortung der Orchestrierung. Die Integration führt deterministisch aus und meldet lediglich Erfolge oder Fehler zurück.

Wenn der Kunde im Beispiel die 16-kW-Option akzeptiert hat, bedeutet das für die Integration: Sie muss die Bestellung aktualisieren, den Lieferanten informieren, die neue Lieferzeit berechnen und die Produktionsplanung anpassen. Die Integrationsschicht kennt die dafür notwendigen Schnittstellen, Tools und Systeme. Sie weiß, wie man ein Bestellupdate technisch ausführt, eine Lieferantenanfrage stellt oder interne Systeme synchronisiert. Aber sie weiß nicht, warum diese Schritte notwendig sind. Das ist die Aufgabe der Orchestrierung.

Die Integration ist damit die ausführende Instanz. Sie verändert Daten, löst Aktionen aus und sorgt dafür, dass die geplanten Schritte tatsächlich stattfinden. Sie besitzt keine eigene Logik über Prozesse oder Ziele. Dadurch bleibt sie stabil, zuverlässig und vorhersehbar und verhindert, dass das System unkontrolliert handelt oder Entscheidungen außerhalb der definierten Abläufe trifft.

Die Integrationsschicht bildet damit den Abschluss der operativen Kette: Präsentation definiert das Problem, Orchestrierung plant den Weg und Integration setzt ihn um. Erst durch diese klare Trennung kann ein autonomes System sicher, nachvollziehbar und regelkonform handeln.

Wissen

Mit zunehmender Autonomie des Systems wächst die Bedeutung der Wissensschicht. Sie wird zur zentralen Quelle für alles, was das Modell nicht wissen kann: aktuelle Daten, organisationsspezifische Regeln, technische Grenzen und formale Prozesse.

Im Beispiel der Bestelländerung liefert sie die Informationen, die die anderen Schichten für ihre Arbeit benötigen. Für die Präsentationsschicht stellt sie den Kontext bereit: Welche Maschine hat der Kunde bestellt? Welche Optionen existieren? Welche Energiegrenzen gelten? Welche Steuerung ist verbaut? Welche Historie hat die Bestellung?

Für die Orchestrierung stellt die Wissensschicht die Prozessdefinition bereit: Welche Regeln gelten für Bestelländerungen? Welche Schritte sind vorgesehen? Welche Abhängigkeiten existieren? Welche Sperrfristen oder Genehmigungen sind relevant?

Die Schicht bewertet das Wissen nicht und entscheidet nicht, wann es genutzt wird, sondern sie macht es lediglich verfügbar. Dadurch verhindert sie, dass das System Prozesse halluziniert oder Entscheidungen auf Basis unvollständigen Wissens trifft.

Infrastruktur

Mit zunehmender Autonomie eines Systems verändert sich die Rolle der Infrastruktur hin zum operativen Rahmen, der festlegt, unter welchen Bedingungen das System handeln darf. Im Beispiel der Bestelländerung bedeutet das: Die Infrastruktur stellt nicht nur Rechenleistung, Speicher und Netzwerke bereit, sondern sorgt dafür, dass alle beteiligten Schichten zuverlässig miteinander arbeiten können. Sie überwacht, ob Integrationsaufrufe erreichbar sind, ob Modellanfragen innerhalb definierter Latenzen bleiben, ob Wissensquellen konsistent sind und ob sicherheitsrelevante Bedingungen erfüllt werden. Dabei bleibt sie immer deterministisch. Modelle kommen hier ausschließlich für Mustererkennung, Anomaliedetektion oder Prognosen zum Einsatz, also zur Analyse des Systemzustands, nicht zur Steuerung des Verhaltens. Wenn die Orchestrierung im CNC-Beispiel die Lieferzeit für die 16-kW-Option abfragen möchte, sorgt die Infrastruktur für einen sicheren Integrationsaufruf: Sie stellt die Netzwerkverbindung bereit, authentifiziert den Zugriff, überwacht die Antwortzeit und protokolliert den Vorgang. Wenn der Lieferant nicht erreichbar ist oder die Antwort zu lange dauert, meldet die Infrastruktur diesen Zustand zurück. Die Entscheidung, ob sie diesen Schritt wiederholt, verschiebt oder abbricht, liegt bei der Orchestrierung. Die Infrastruktur macht lediglich sichtbar, was technisch möglich ist.

Eine wachsende Autonomie verstärkt diese Rolle: Die Infrastruktur muss sicherstellen, dass das System auch unter Last, bei Teilausfällen oder während Updates stabil bleibt. Sie garantiert die nachvollziehbare Protokollierung von Aktionen, die Einhaltung von Sicherheitsrichtlinien und die dynamische Bereitstellung von Ressourcen, wenn das System komplexere Aufgaben übernimmt.

Handlungsfähige Systeme durch klare Schichtentrennung

Die Schichtenarchitektur zeigt, dass ein autonomes System nicht aus einem einzigen intelligenten Kern besteht, sondern aus klar getrennten Verantwortlichkeiten, die sich gegenseitig stabilisieren. Präsentation strukturiert die Absicht, Orchestrierung plant den Weg, Integration setzt die Schritte um, Wissen liefert den Kontext und die Infrastruktur schafft die Bedingungen, unter denen all das zuverlässig funktionieren kann.

Autonomie entsteht dabei nicht in einer einzelnen Schicht, sondern in ihrem Zusammenspiel: Ein System wird erst handlungsfähig, wenn jede Schicht genau das tut, was sie tun soll, und nichts darüber hinaus.


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Secure-Boot: Zertifikatablauf steht an, Microsoft gibt weitere Hilfestellung

Von Heise — 23. Juni 2026 um 09:06
Lock,With,Chain,On,A,Computer,Keyboard,-,3d,Illustration

(Bild: peterschreiber.media/Shutterstock.com)

Die ersten Secure-Boot-Zertifikate laufen in diesen Tagen ab. Microsoft legt noch mal Handreichungen nach, für Linux auf Azure-VMs.

Die Secure-Boot-Zertifikate aus dem Jahr 2011 erreichen ihr Lebensende, sie laufen in diesen Tagen ab. Microsoft müht sich redlich seit einem Jahr, dass die Zertifikate [1] weitreichend ausgetauscht werden, einige blinde Flecken gibt es offenbar aber noch immer. Daher reicht das Unternehmen nun eine Anleitung nach, mit der auch Linux-Systeme in der Microsoft-Cloud, virtuelle Maschinen auf Azure, auf neuen Zertifikatsstand kommen.

Darauf weist Microsoft im Windows-Release-Health-Messagecenter [2] hin. Die Anleitung soll Hilfestellung für Linux auf virtuellen Maschinen in der Azure-Cloud liefern, auch für solche mit „Trusted Launch“ (vertrauenswürdiger Start) und „Confidential VMs“, bei denen Secure Boot aktiviert ist. Dafür stellt das Unternehmen jetzt Updates bereit, mit denen Admins sicherstellen können, weiterhin Zugriff auf Plattform-Updates zu erhalten und die Integrität des vertrauenswürdigen Starts beizubehalten. Microsoft empfiehlt Organisationen, die derartige Systeme einsetzen, jetzt die Planungen für Zertifikatsupdates anzugehen, um mögliche Störungen des Secure-Boot-Prozesses zu vermeiden.

Kompakte Hilfestellung

Die Anleitung ist kompakt gehalten und liefert knapp die nötigen Schritte, die IT-Verantwortliche nun nachvollziehen müssen. Auch einige Grenzen der Möglichkeiten mit Updates nennen die Autoren dort. Wenn vertrauliche VMs mit Linux vor dem April 2024 erstellt wurden, sollten Admins sie nicht manuell aktualisieren. Werte für die Laufwerksverschlüsselung sind dort im vTPM versiegelt, und es lässt sich offenbar nicht sicherstellen, dass die Full-Disk-Encryption-Keys nach einem Zertifikatsupdate damit neu versiegelt werden. Das führt dazu, dass die vertrauliche VM in den Wiederherstellungsmodus wechselt. Hier sollen Admins die alten vertraulichen VMs schlicht neu erstellen, sodass sie mit neuen Secure-Boot-Zertifikaten ausgestattet sind – ein spürbarer Mehraufwand.


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  1. https://www.heise.de/news/Vorbereiten-auf-Einschlag-Microsoft-warnt-vor-Secure-Boot-Zertifikat-Update-10461866.html
  2. https://learn.microsoft.com/en-us/windows/release-health/windows-message-center#4886
  3. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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KI für Werbetreibende: OpenAI strebt 100 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz an

Von Mike Faust — 23. Juni 2026 um 14:01
Auf einem Festival, das Personen aus der Kreativbranche würdigen soll, hat OpenAI Einblicke in sein Werbemodell gegeben.
KI ist auch in der Kreativ- und Werbebranche ein stark diskutiertes Thema. (Bild: Xavi Torrent/Getty Images for Cannes Lions)
KI ist auch in der Kreativ- und Werbebranche ein stark diskutiertes Thema. Bild: Xavi Torrent/Getty Images for Cannes Lions

Der Werbechef von OpenAI, David Dugan, hat am 22. Juni 2026 auf dem Cannes Lions International Festival of Creativity über die Werbestrategie des KI-Unternehmens gesprochen. Wie die Nachrichtenwebseite Semafor berichtet, hofft OpenAI, durch den Vorstoß in das Werbegeschäft bis zum Jahr 2030 einen Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar zu erzielen.

Im Februar 2026 führte OpenAI Werbung für Nutzer der kostenlosen und der Go-Tarife von ChatGPT ein. Die angezeigte Werbung orientiert sich dabei an den Anfragen der Anwender und entspricht daher demselben Modell, das auch bei klassischer Suchmaschinenwerbung angewendet wird. Nach Unternehmensangaben sollen bereits tausende Werbekunden in den Testmärkten gewonnen worden sein. Ende März 2026 galt das Modell allerdings noch als nicht erfolgreich.

Dugan erklärte, dass mit dem Werbeangebot der Zugang zu Informationen subventioniert werde und es Anzeichen dafür gebe, dass sich Anwender nicht durch die Werbung gestört fühlten. Die Häufigkeit, mit der Anwender Werbeanzeigen sofort wegklicken, sei weit geringer als zu Beginn der Testphase, führte er als Beleg für seine Aussage an.

KI-Tool gefährdet Kreative

Werbetreibende können mit OpenAIs KI-Tool Codex Anzeigen und ganze Kampagnen entwickeln. Chad Nelson, Creative Specialist bei OpenAI, demonstrierte während der Pressekonferenz, wie sich mit dem Tool eine Werbekampagne für eine fiktive Automarke entwickeln lässt. Er betonte, dass diese Arbeit in zweieinhalb Tagen von einer einzelnen Person durchgeführt werden könne.

Das Cannes Lions International Festival of Creativity wurde ins Leben gerufen, um die Arbeit von Kreativen zu würdigen. Auf kritische Rückfragen, ob Tools wie Codex eine Bedrohung für diese Berufsgruppe darstellen, reagierte Nelson ausweichend und sagte, es handele sich lediglich um ein weiteres Werkzeug zur Erstellung von mehr Werbung.

Der Golem-Blick

Mit der Einführung von ChatGPT veränderte OpenAI die Art und Weise, wie Menschen im Internet nach Informationen suchen. Für Medienschaffende entstand das Problem, dass ihre Inhalte nicht mehr direkt aufgerufen, sondern von einer KI wiedergegeben werden, wodurch etwa Webseiten für das Schalten von Werbung unattraktiver werden und deren Finanzierung verloren geht.

In dem das Unternehmen nun nicht nur das Werbemodell von Suchmaschinen kopiert, sondern auch KI-Tools anbietet, mit denen Kreative und Werbeagenturen ersetzt werden können, steht ein weiterer Umbruch bevor. Eine ähnliche Entwicklung erschütterte die Softwarebranche im Februar 2026, als verschiedene Plug-ins für Anthropics Claude Cowork spezialisierte Softwareangebote für Firmen überflüssig machten.

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Anzeige: Ninja Luxe Premier Kaffeemaschine mit hohem Prime-Rabatt

Von Vedat Friedrich Bayramogullari — 23. Juni 2026 um 13:50

Unser Deal-Qualitätsversprechen: Gute, ehrliche und unabhängig recherchierte Angebote. Mehr Infos

Die Ninja Luxe Premier 3-in-1 Kaffeemaschine gibt es am Prime Day 150 Euro günstiger. Auch eine mobile Alternative von OutIn ist reduziert.
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Ein guter Kaffee am Morgen ist für viele unverzichtbar. Wer sich Barista-Qualität nach Hause holen möchte, findet während der laufenden Prime Days ein spannendes Angebot bei Amazon. Die Ninja Luxe Premier Kaffeemaschine vereint Espresso-, Cold-Brew- und Filterkaffeezubereitung in einem Gerät und nimmt dem Nutzer dank smarter Funktionen viel Arbeit ab.

Drei Funktionen und Barista-Technologie

Die Kaffeemaschine verfügt über ein integriertes Scheiben-Mahlwerk mit 25 Einstellungen. Die Barista-Assist-Technologie unterstützt mit automatischen Voreinstellungen und Mahlgrad-Empfehlungen, während eine integrierte Waage für die präzise Dosierung sorgt. So gelingen laut Hersteller kräftige Espressi ebenso wie aromatische Filterkaffees. Besonders praktisch ist das automatische Milchaufschäumsystem: Auf Knopfdruck liefert es vier verschiedene Schaumkonsistenzen – von gedämpfter Milch bis hin zu kaltem Schaum. Dabei verarbeitet der integrierte Schneebesen sowohl Kuh- als auch Pflanzenmilch problemlos.

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Kunden-Feedback zur Ninja-Kaffeemaschine

Die Amazon-Käufer loben bei dieser Maschine vor allem den exzellenten, kräftigen Geschmack über alle Kaffeevarianten hinweg – wobei insbesondere die Cold-Brew-Funktion oft für Begeisterung sorgt. Viele Pluspunkte sammeln zudem die intuitive Bedienung sowie das extrem umfangreiche Zubehörpaket. Diese positiven Eindrücke spiegeln sich in einer starken Gesamtbewertung wider: Das Modell kommt auf sehr gute 4,3 von 5 möglichen Sternen bei über 800 Rezensionen. Als Nachteile werden vereinzelt die fehlende deutsche Beschriftung auf dem Bedienfeld und das hohe Eigengewicht von 17 Kilogramm angeführt, was ein spontanes Umstellen in der Küche erschwert.

Mobile Alternative: OutIn Nano Espressomaschine

Wer auch unterwegs, beispielsweise beim Camping oder auf Reisen, nicht auf einen frischen Espresso verzichten möchte, sollte einen Blick auf die tragbare OutIn Nano Espressomaschine

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werfen. Das kompakte Gerät erhitzt Wasser in nur wenigen Minuten selbstständig und erzeugt mit 20 Bar Druck eine reichhaltige Crema – wahlweise mit Kaffeepulver oder Nespresso-Kapseln. Der Akku reicht für bis zu fünf heiße Espressi pro Ladung. Auch dieses Modell ist Teil der Prime-Angebote: Prime-Mitglieder erhalten die Maschine aktuell für 119,99 Euro und sparen damit 30 Euro gegenüber der UVP von 149,99 Euro.

Prime Day 2026: Voraussetzungen und weitere Angebote

Voraussetzung für die Teilnahme an sämtlichen Prime-Day-Deals ist ein aktives Amazon-Prime-Abonnement. Wer noch keines hat, kann den Dienst über eine kostenlose 30-Tage-Probemitgliedschaft

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Neben den hier vorgestellten Kaffeemaschinen hält Amazon noch bis zum 26. Juni 2026 zahlreiche weitere Angebote für Kaffeevollautomaten

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Claude Mythos und Co.: BSI warnt vor wachsender Cyberbedrohung durch KI

Von Marc Stöckel — 23. Juni 2026 um 13:45
IT-Admins haben wegen KI immer weniger Zeit, um auf neue Cyberbedrohungen zu reagieren. Das BSI schlägt Alarm und gibt schützende Empfehlungen.
Das BSI gibt Tipps zum Schutz vor der zunehmenden Cyberbedrohung durch KI. (Bild: Andreas Rentz/Getty Images)
Das BSI gibt Tipps zum Schutz vor der zunehmenden Cyberbedrohung durch KI. Bild: Andreas Rentz/Getty Images

Immer leistungsfähigere KI-Modelle heizen nicht nur die Schwachstellenforschung an. Auch Angreifer nutzen künstliche Intelligenz zunehmend, um innerhalb kürzester Zeit Exploits zu Entwickeln und ungepatchte Sicherheitslücken auszunutzen. Das BSI warnt daher in einer neuen Meldung vor den weitreichenden Auswirkungen, die KI auf die Cybersicherheit deutscher Organisationen hat.

Demnach befinden sich viele Organisationen in einer angespannten Lage und werden mit immer mehr Schwachstellen, Exploits und schützenden Patches konfrontiert. Mittels KI können Angreifer Softwareschwachstellen heute besonders schnell erkennen, analysieren und in reale Angriffspfade überführen.

Gerade die aktuellen Top-KI-Modelle wie Claude Mythos und OpenAI GPT-5.5, oft auch als Frontier-Modelle bezeichnet, gelten im Hinblick auf die Schwachstellenforschung als besonders potent. Damit senken sie laut BSI maßgeblich Aufwand, Zeitbedarf und Einstiegshürden für Angreifer, was strukturelle Veränderungen der gesamten Cyberbedrohungslage zur Folge hat.

BSI liefert Empfehlungen

Für Verteidiger steigt damit der Aufwand, ihre Systeme vor möglichen Cyberangriffen zu schützen. Sie bleiben nach Angaben des BSI "an reale Betriebsgrenzen gebunden, etwa durch Testaufwand, Freigabeprozesse, Wartungsfenster für Patches, Herstellerabhängigkeiten, rechtliche und organisatorische Abstimmungen sowie begrenzte personelle Kapazitäten".

Das Bundesamt veröffentlichte daher ein Dokument, welches Organisationen über mögliche Risiken in Verbindung mit KI aufklärt und konkrete Maßnahmen vorschlägt, mit denen IT-Verantwortliche ihre Systeme bestmöglich schützen können. Empfohlen werden darin unter anderem gängige Security-Best-Practices sowie Optimierungen beim Patchmanagement und der Erkennung möglicher Cyberangriffe.

Neben dem BSI haben auch die Geheimdienste des Five-Eyes-Bündnisses, bestehend aus Behörden der USA, Großbritannien, Kanada, Neuseeland und Australien, kürzlich eine Warnung vor KI-bedingten Cyberbedrohungen herausgegeben. Darin wird Führungskräften empfohlen, sich möglichst zeitnah mit dem Thema auseinanderzusetzen und auf eine zügige Minimierung der Angriffsfläche hinzuwirken.

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Störungsmeldung vom 20.06.2026 07:25

Von heise online — 20. Juni 2026 um 07:25

Neue Störungsmeldung für Provider Netcologne

Details

Beginn
20.06.2026 07:25
Region
Hamburg (040)
Provider
Netcologne
Zugangsart
Kabel

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Acer und Asus verkaufen wieder PCs und Notebooks in Deutschland

Von Heise — 22. Juni 2026 um 16:49
Offener Mini-PC vor blauem Hintergrund

Vom Patentstreit waren auch Mini-PCs wie Asus‘ NUC-Reihe betroffen.

(Bild: Asus)

Die beiden PC-Hersteller Acer und Asus einigen sich mit Nokia auf einen Patentrahmen. Dadurch darf der Verkauf wieder anlaufen.

Desktop-PCs und Notebooks von Acer und Asus kehren in den deutschen Handel zurück. Vier Monate nach dem Verkaufsstopp aufgrund von Patentstreitigkeiten [1] haben sich beide Hersteller mit dem Patentgeber Nokia geeinigt. Der vom Landgericht München verhängte Verkaufsstopp ist damit hinfällig.

Nokia klagte aufgrund des Patents EP2375749 [2] für den Videocodec H.265 alias HEVC (High Efficiency Video Coding) gegen Acer und Asus. Es beschreibt ein Verfahren zur effizienten Anpassung der Bildrate anhand von Referenzbildern in einem Video. Da die Prozessoren und Grafikchips in Desktop-PCs und Notebooks spezialisierte Schaltkreise zum De- und Enkodieren von H.265-Videos integrieren, müssen Hersteller relevante Patente lizenzieren.

Acer und Asus konnten sich zuvor nicht mit Nokia über faire Rahmenbedingungen einigen (FRAND; Fair, Reasonable, and Non-Discriminatory). Knackpunkt waren die Kosten: Nokia wollte den Lizenzsatz offenbar am kompletten Gerätepreis messen und nicht wie Acer und Asus an den Preisen der einzelnen CPUs und GPUs. Das würde die Lizenzkosten in die Höhe treiben. Schon 2025 setzte Nokia höhere Lizenzkosten für dasselbe Patent gegen Amazon durch [3].

Einigung hinter geschlossenen Türen

Die jetzige Einigung erzielten die Beteiligten laut Asus im Rahmen eines privaten Schiedsgerichts. Über den Inhalt schweigen sich die Firmen aus.

Konkret schreibt Asus: „Asus und Nokia haben eine Schiedsvereinbarung zur Beilegung ihrer Patentstreitigkeiten geschlossen. In diesem Zusammenhang werden die laufenden Rechtsverfahren zwischen beiden Unternehmen, einschließlich der Verfahren in Deutschland, ausgesetzt beziehungsweise zurückgenommen. Wir freuen uns, einen einvernehmlichen Rahmen für die Lösung dieser Angelegenheiten gefunden zu haben und die Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Verständnis für Innovation und den Schutz geistigen Eigentums fortzusetzen.“

Acer kommentiert: „Acer achtet die Rechte an geistigem Eigentum und pflegt einen professionellen Dialog mit seinen Branchenpartnern. In Abstimmung mit Nokia nimmt Acer den Vertrieb und die Marketingaktivitäten für alle Produkte in Deutschland wieder auf.“

Im Preisvergleich tauchen jetzt immer mehr neue Notebook-Modelle und Komplett-PCs von Acer und Asus auf. Mit dabei sind mehrere Konfigurationen des Mini-PCs Asus NUC 16 Pro [4] mit aktuellen Core-Ultra-300-Prozessoren von Intel. Die Auslieferung soll teilweise im Juli 2026 beginnen.


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  1. https://www.heise.de/news/Nokia-Patentklage-Acer-und-Asus-muessen-PC-Verkauf-in-Deutschland-stoppen-11177816.html
  2. https://www.heise.de/hintergrund/Verkaufsstopp-bei-Acer-und-Asus-Was-es-mit-dem-Patentstreit-auf-sich-hat-11186102.html
  3. https://www.heise.de/news/Prime-Video-und-Fire-TVs-Nokia-und-Amazon-einigen-sich-im-Patentstreit-10334240.html
  4. https://preisvergleich.heise.de/?fs=nuc+16+pro&hloc=at&hloc=de&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-newsticker
  5. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&amp;wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
  7. mailto:mma@heise.de

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Geheimdienstbündnis warnt vor KI-gestützten Cyberangriffen

Von Heise — 22. Juni 2026 um 16:40
Stillisiertes Bild eines Kapuzenträgers ohne erkennbares Gesicht

(Bild: Natasa Adzic / Shutterstock.com)

Die Cybersicherheitsbehörden der Five-Eyes-Staaten warnen vor neuen Cyberrisiken durch KI. Sie fordern Chefs auf, Sicherheit als Geschäftsrisiko zu begreifen.

Die Leiter der Cybersicherheitsbehörden von Australien, Neuseeland, Großbritannien, Kanada und den USA warnen in einer gemeinsamen Erklärung vor sich rasant verändernden Cyberrisiken durch Künstliche Intelligenz [1]. Staaten müssten zügig handeln, um weiterhin die Oberhand zu behalten, heißt es in der seltenen Erklärung der sogenannten „Five Eyes“, einem Geheimdienstbündnis der englischsprachigen Länder, das seit dem Zweiten Weltkrieg besteht. Cyberrisiken könnten nicht länger nur als technische Probleme behandelt werden.

Risikoannahmen veralten inzwischen in Monaten, nicht mehr in Jahren, erklären die Dienste [2]. KI sei bereits eine akute Gefahr, die von Angreifern verwendet werde. Die Verteidiger müssten nachziehen. So könne KI etwa helfen, Schwachstellen früher zu erkennen, die Softwarequalität zu verbessern und auffälliges Verhalten zu überwachen und schneller zu reagieren. An der Stellungnahme sind die NSA und CISA (USA), die zwei National Cyber Security Centres (NCSC) aus Großbritannien und Neuseeland, das Canadian Centre for Cyber Security und das Australian Cyber Security Centre (ACSC) beteiligt.

Reaktion auf Mythos und Fable?

Erklärungen wie diese sind aus Geheimdienstkreisen selten. Diese im Speziellen richtet sich vor allem an Geschäftsleitungen und Vorstände, verlässt also die fachliche Ebene, offenbar in der Absicht, ein Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen. Die Stellungnahme kommt zudem wenige Tage, nachdem die US-Regierung dem KI-Unternehmen Anthropic untersagt hat, seine KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 weiterhin Ausländern zur Verfügung zu stellen. Daraufhin deaktivierte Anthropic beide Modelle für sämtliche Kunden [3].

Die Five Eyes rechnen damit, dass KI die Cyberabwehr über die Zeit zwar verbessern wird. Zugleich würden aber auch Tempo, Ausmaß und Raffinesse von Angriffen beschleunigt. Frontier-KI-Modelle würden die aktuellen Erwartungen der Branche übertreffen und sowohl offensive als auch defensive Fähigkeiten grundlegend verändern. KI senke die Hürden für Angreifer und verkürze das Zeitfenster zwischen der Entdeckung einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung immer weiter, heißt es. Neue, bislang unbekannte Lücken – darunter Zero-Day-Schwachstellen – würden mit der Weiterentwicklung der Systeme zwangsläufig entstehen. Sicherheitsvorfälle ließen sich nicht vollständig verhindern; entscheidend sei daher, vorbereitet zu sein, um Angriffe schnell einzudämmen, bevor sie zu größeren operativen und finanziellen Krisen eskalieren.

Appell: KI-Gefahren sind Chefsache

Besonderen Nachdruck legen die Behörden auf die Einordnung des Themas als Chefsache. Cyberrisiko sei kein rein technisches Problem mehr, sondern ein zentrales Geschäftsrisiko und eine Führungsaufgabe. Vorstände und Geschäftsleitungen müssten sicherstellen, dass Schutzmaßnahmen nicht nur auf dem Papier existieren, sondern unter realem Druck auch tatsächlich funktionieren.

Konkret rufen die Five Eyes Führungskräfte zu mehreren Schritten auf, die zwar nicht neu, nun aber dringlich seien: die Angriffsfläche durch das Begrenzen unnötiger Zugänge und externer Anbindungen zu reduzieren, Patch-Prozesse zu beschleunigen, veraltete Legacy-Systeme als strategische Risiken zu behandeln, Identitäts- und Zugriffskontrollen zu stärken sowie Notfallpläne vorab zu testen. Der Erfolg, so das Fazit der Dienste, komme nicht von der größten Zahl an Werkzeugen, sondern davon, die Grundlagen richtig zu machen, schnell zu handeln und Cybersicherheit fest in die Geschäftsstrategie zu integrieren.

Ein Modell oder Unternehmen nennt die Erklärung selbst nicht namentlich. Dabei war es laut einer IT-Sicherheitsforscherin kein klassischer Jailbreak, sondern die schlichte Aufforderung „fix this code“ [4], die zur Sperre führte. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Fall Anthropic [5] ist allerdings offensichtlich – zumal frühere Veröffentlichungen der australischen ASD hatten Frontier-KI-Modelle bereits ausdrücklich als Beispiel für die neuen Fähigkeiten angeführt hatten.


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  1. https://www.heise.de/thema/Kuenstliche-Intelligenz
  2. https://www.cyber.gov.au/about-us/view-all-content/news/five-eyes-cyber-security-agencies-statement
  3. https://www.heise.de/news/US-Regierung-erzwingt-Abschaltung-von-Anthropics-KI-Fable-5-und-Mythos-5-11331129.html
  4. https://www.heise.de/news/Fix-this-code-Sperre-von-Fable-5-und-Mythos-5-angeblich-nach-simplen-Prompt-11333371.html
  5. https://www.heise.de/tp/article/US-Regierung-stoppt-Claude-Fable-5-und-Claude-Mythos-5-11331139.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&amp;wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Digital sicher in den Urlaub

Von Heise — 22. Juni 2026 um 13:09
Mann kauert im Urlaub auf einer Hängematte am Smartphone und kann nicht abschalten.

(Bild: Song_about_summer/Shutterstock.com)

Die Urlaubszeit ist gekommen – damit auch die Zeit für Hinweise zur digitalen Absicherung. Damit der Urlaub erholsam werden kann.

Für entspanntere Urlaubstage gibt etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) derzeit Tipps, wie digitaler Schutz gelingt. Nicht alle sind aktuell, aber Urlaubsreisende sollten dennoch einige Hinweise beachten.

Die Hinweise vom BSI sind recht knapp [1] gehalten. Es gelte, die „digitale Sicherheit bereits vor Reisebeginn mitzudenken. Wer Geräte, Konten und Daten rechtzeitig absichert, reduziert das Risiko, im Urlaub oder nach der Rückkehr unangenehme Überraschungen zu erleben.“ Etwa der Hinweis, Reiseunterlagen nur über vertrauenswürdige Wege abzurufen, hat aktuelle Hintergründe. So wurden viele Hotels, etwa Best Western Hotels [2], und von ihnen eingesetzte Buchungsplattformen wie Booking von Cyberkriminellen [3] unterwandert, die unbefugt Zugriff auf Buchungsinformationen erlangt haben, die sie dann etwa für Phishing missbrauchen [4].

Oldies but Goldies

Wer auf Social Media unterwegs ist und dort Inhalte öffentlich teilt, sollte natürlich sparsam mit persönlichen Informationen und etwa Reiseplänen sein, um Betrügern und potenziellen Einbrechern keine verwertbaren Informationen zu liefern. Auch automatische Abwesenheitsnotizen können zu viel verraten.

Weniger „Goldie“ sind jedoch einige der weiteren Tipps: Öffentliche WLANs nur mit Vorsicht nutzen, ist bei weitem nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Jahren. Wir haben inzwischen überall geschützte Serverkommunikation über TLS-Protokolle; wer sich nicht sicher ist, ob irgendwo Klartext-Informationen über den Äther gehen, sollte etwa das WireGuard-VPN in der Fritzbox anwerfen [5] oder eine andere VPN-Software, die bis zu einem vertrauenswürdigen Tunnel-Endpunkt verschlüsselt.

Viele Sicherheitsratgeber weisen wie das BSI darauf hin, öffentliche USB-Ladestellen und fremde Ladekabel zu meiden oder etwa auf Kabel und Adapter zu setzen, die bei den großen Onlinehändlern beispielsweise unter dem Begriff „USB Datenblocker“ zu finden sind. Das ist nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Seit die großen Sicherheitslücken, die etwa BadUSB-Angriffe (Einschleusen von Tastendrücken) ermöglichten, in Android und iOS ausgebügelt sind, ist die reale Gefahr gering.

Der Schutz durch das Setzen der automatischen Bildschirmsperre ist hier viel wichtiger, da das auch bei Diebstahl oder Verlust des Handys den Zugriff auf die Daten zumindest deutlich erschwert. Zugleich unterbindet das auch BadUSB-Angriffe. Alle Zugänge sollten Menschen mit Reiseplänen zudem mit starken Passwörtern (hilfreich ist hier die Länge, also etwa die Nutzung von Passphrases) und Mehr-Faktor-Authentifizierung versehen oder besser gleich auf Passkeys umstellen.

Auf Kontrollen vorbereiten

Vor Reisen sollten Interessierte prüfen, welche Regeln im Reiseland sowie in Transitländern mit Flug-Zwischenstopps(!) gelten. Etwa die USA waren dafür verstärkt in den Schlagzeilen. Gegebenenfalls sollte man sich auf Kontrollen von Smartphones, Laptops sowie etwa Social-Media-Accounts einrichten. Dafür muss dann der Zugang herausgerückt werden. Bislang ist aber etwa die Angabe der Social-Media-Konten auf dem ESTA-Formular für die USA-Einreise noch freiwillig. Die Behörden überwachen jedoch öffentliche Social-Media-Daten und könnten daher die Daten einfordern. Sich aus Social Media auszuloggen und die Apps etwa auf dem Handy zu löschen, ist eventuell eine Vorsichtsmaßnahme, um keine Neugierde zu wecken; wenn die Grenzer nachfragen, endet das jedoch trotzdem in der Herausgabepflicht der Kontodaten. Wer in die USA reist, sollte deshalb auch auf Social Media sowie in Messenger-Diensten auf die geposteten Inhalte achten sowie auf vergebene Likes oder geteilte Nachrichten.

Aber auch in anderen Ländern sollten Reisende Vorsicht walten lassen. In Hongkong [6]gilt seit März 2026 [7]als Straftat [8], die Kooperation zu verweigern, der Polizei Passwörter und Entschlüsselungshilfe für elektronische Geräte zu leisten. Es winken ein Jahr Haft und rund 12.500 US-Dollar Strafe bei Weigerung, für Falschangaben sogar 3 Jahre Gefängnis und eine Kostennote von mehr als 60.000 US-Dollar. Auch, wer nicht so weit verreist, kann Ähnliches erleben. Der Schedule 7 des Terrorism Act 2000 im Vereinigten Königreich [9] sieht die Kooperationsverweigerung ebenfalls als Straftat. Dort kann man dafür bis zu drei Monate ins Kittchen wandern sowie eine Strafe bis zu 2500 Pfund aufgebrummt bekommen. Wer unter dem Regulation of Investigatory Powers Act (RIPA) die Entschlüsselung verweigert, riskiert zwei Jahre hinter Gittern, sollte die nationale Sicherheit berührt sein, sogar bis zu fünf Jahre.

Weitere leicht verständliche Sicherheitstipps liefern auch die c’t-Security-Checklisten in der 2026er-Ausgabe [10] (PDF-Datei auch zum Teilen [11]). Die gehen noch etwas weiter in die Tiefe und beschränken sich dabei auf die essenziell wichtigen Aspekte.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Pressemitteilungen/Presse2026/260619_Sicher_reisen.html
  2. https://www.heise.de/news/Best-Western-Hotels-Weltweite-Cyberangriffe-auf-touristische-Buchungssysteme-11205460.html
  3. https://www.heise.de/news/Booking-com-Unbefugte-Zugriffe-von-Kriminellen-entdeckt-11256689.html
  4. https://www.heise.de/news/Ungeklaerte-Phishing-Vorfaelle-rund-um-Booking-com-10439567.html
  5. https://www.heise.de/ratgeber/Tipp-Auf-die-Fritzbox-per-WireGuard-VPN-zugreifen-10495200.html
  6. https://hk.usconsulate.gov/security-alert-2026032601/
  7. https://hk.usconsulate.gov/security-alert-2026032601/
  8. https://hk.usconsulate.gov/security-alert-2026032601/
  9. https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/912089/2019-02-11_CT_powers_Fact_Sheet_RA.pdf
  10. https://www.heise.de/ratgeber/Die-c-t-Security-Checkliste-2026-Teil-1-Mehr-Sicherheit-im-Internet-11144232.html
  11. https://ftp.heise.de/ct/listings/2026/03/co.2026.01.150dpi.pdf
  12. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Pass Designer: Neue App erlaubt jedem, eigene Apple-Wallet-Pässe zu erstellen

Von Heise — 22. Juni 2026 um 12:44
Pass Designer von Apple

Pass Designer von Apple: Nicht nur Normalnutzer können jetzt Pässe bauen, sondern auch Organisationen.

(Bild: Apple)

Apple hat den Betatest einer neuen macOS-Anwendung begonnen: Mit Pass Designer können Organisationen eigene Apple-Wallet-Pässe bauen – samt schickem Design.

Mit iOS 27 [1] bringt Apple nützliche Veränderungen in die Wallet-App auf dem iPhone: Erstmals ist es möglich, direkt in der Anwendung eigene Karten zu gestalten [2], falls diese als Foto, Screenshot oder PDF vorliegen. Für Veranstalter gibt es allerdings auch eine Neuerung: Die können künftig sehr einfach selbst Wallet-Pässe generieren – mit einer eigenen App namens Pass Designer [3], die auf dem Mac läuft. Das Tool steht bereits für registrierte Entwickler zum Download [4] bereit.

Beta für macOS-Beta

Pass Designer läuft allerdings erst ab macOS 27 [5], um es auszuprobieren, muss man sich also auch trauen, die aktuelle erste Entwicklerbeta [6] auf seinem Rechner zu installieren. Klüger ist es, einen Test-Mac zu verwenden, um die in der Vorabversion noch enthaltenen Fehler zu umschiffen. Pass Designer ist komprimiert keine 20 MByte groß und arbeitet als in sich geschlossene Mac-Anwendung [7].

Die App ermöglicht es, Pässe in Echtzeit zu gestalten und zu verändern, der Look taucht automatisch in einem Vorschaufenster auf. Um zu starten, beginnt man entweder ein neues Design oder übernimmt vorhandene Karten im .pkpass-Format. Alternativ lassen sich auch Templates öffnen. Verfügbar sind derzeit Boardingpässe, Coupons, Veranstaltungstickets, Loyalitätskarten für Ladengeschäfte und generische Pässe. Zudem kann man sogenannte Poster-Pässe generieren, bei denen ein großes Bild verwendet wird.

Strukturierte Daten

Pass Designer erinnert an die Möglichkeiten, die man in der Wallet-App in iOS 27 nun auch hat, allerdings gehen die Funktionen deutlich darüber hinaus. So kann man mit Pass Designer auch semantische Tags für strukturierte Daten integrieren, um dynamische Funktionen wie Kalenderintegration, Routenführung oder Siri-Vorschläge zu ermöglichen. Die App beherrscht Anpassungen der Passkomponenten und hilft bei der Erstellung von Zertifikaten und Wallet-Identifiern [8].

Vor Pass Designer gab es verschiedene Web-Werkzeuge, um eigene Pässe für Organisationen herzustellen. Zudem booten Apps wie NeatPass [9] das Design auch für Einzelpersonen an, um aus PDFs automatisch Karten zu generieren, um weniger Plastik und Papier mitschleppen zu müssen. Pass Designer dürfte bis Herbst seine Betaphase hinter sich lassen, dann erscheint auch macOS 27 alias Golden Gate.


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  1. https://www.heise.de/news/iOS-27-Mehr-Tempo-besserer-Schutz-neue-Siri-11321931.html
  2. https://www.heise.de/news/Apple-Wallet-Diese-neuen-Features-kommen-in-iOS-27-und-watchOS-27-11328096.html
  3. https://developer.apple.com/pass-designer/
  4. https://developer.apple.com/download/all/?q=pass%20designer
  5. https://www.heise.de/news/macOS-27-Golden-Gate-Liquid-Glass-Feinschliff-bessere-Performance-Siri-AI-11321827.html
  6. https://www.heise.de/news/iOS-27-macOS-27-und-Co-Entwickler-duerfen-Betas-installieren-11322615.html
  7. https://developer.apple.com/documentation/walletpasses/creating-a-pass-with-pass-designer
  8. https://developer.apple.com/help/account/capabilities/create-wallet-identifiers-and-certificates/
  9. https://www.heise.de/tests/NeatPass-fuers-iPhone-im-Test-Eintritt-bitte-11253677.html
  10. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  11. https://www.heise.de/mac-and-i
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RWTH Aachen zerlegt Chinas Natrium-Zelle: So nah ist sie an Tesla

Von Telepolis — 22. Juni 2026 um 15:00
Produktionslinie für E-Auto-Batterien: Ein Akkumodul in der Fertigung. Die neue Natrium-Batterie aus China fordert klassische Lithium-Ionen-Akkus heraus.

Noch dominieren Lithium-Ionen-Batterien die E-Auto-Produktion. Doch eine neue Natrium-Batterie aus China, die von der RWTH Aachen untersucht wurde, könnte die etablierte Technik bald ablösen.

(Bild: IM Imagery / Shutterstock.com)

Aachener Forscher haben die Hina-Batterie analysiert. Sie nutzt denselben Design-Trick wie Tesla, zeigt beim Laden im Winter aber noch Schwächen.

Kann eine Batterie ohne Lithium mit Teslas Zelltechnik mithalten? Forscher der RWTH Aachen liefern darauf jetzt eine überraschend deutliche Antwort.

Das Team um Batterieforscher Moritz Schütte untersuchte 120 zylindrische Natrium-Ionen-Zellen des chinesischen Herstellers Hina Battery im Format 33140 – und stieß auf eine Fertigungsqualität, die sich hinter etablierter Lithium-Ionen-Produktion nicht verstecken muss.

Die Studie erschien Ende Mai [1] in der Fachzeitschrift Cell Reports Physical Science.

Der ohmsche Innenwiderstand streute über alle 120 Zellen nur um 5,3 Prozent – ein Wert, den man sonst von ausgereiften Lithium-Ionen-Linien kennt. "Wir waren positiv überrascht, wie gleichmäßig die Zellen sind", sagte Schütte laut Pressemitteilung auf EurekAlert [2].

Die Zellen liefern 10 Ah bei 3,0 V Nennspannung und erreichen eine Energiedichte von 110 Wh/kg.

Teslas Design-Trick steckt bereits in der Hina-Zelle

Besonders bemerkenswert: Die Aachener Forscher fanden im Inneren ein sogenanntes Tabless-Design mit doppeltem Aluminium-Stromkollektor.

Bei diesem streifenfreien Aufbau entfallen die klassischen Ableiterlaschen. Stattdessen kontaktiert der Kollektor die Elektrode über ihre gesamte Länge, was den elektrischen Widerstand senkt und Wärme gleichmäßiger abführt.

Genau diese Architektur setzt Tesla in seinen großformatigen Rundzellen ein – etwa dem 4680-Format. Dass ein chinesischer Natrium-Zellhersteller dieses Prinzip bereits in die Serienproduktion übernommen hat, überraschte das Forscherteam.

Starke Entladung bei Frost, schwaches Laden unter null Grad

Die Leistungstests zeichneten ein beeindruckendes Bild: Bei Raumtemperatur schafft die Zelle selbst bei einer aggressiven 4C-Rate noch ihre volle Nennkapazität. (Die C-Rate gibt das Entladetempo an: Bei 4C ist die Batterie in nur 15 Minuten komplett leer). Selbst unter Extrembedingungen – wenn die Zelle bei 25 Grad Celsius geladen, aber bei minus 20 Grad Celsius entladen wird – stehen immer noch über 82 Prozent der nutzbaren Energie bereit.

Doch beim Laden unter Frost bricht die Leistung ein: Bei minus 20 Grad Celsius sinkt die nutzbare Kapazität auf rund 56 Prozent, weil der Innenwiderstand von 5 mΩ auf 496,5 mΩ explodiert.

"Das Laden bei niedrigen Temperaturen bleibt eine deutliche Schwäche", räumte Schütte ein .

Mittels Computertomografie wies das Team zudem eine Elektrolytverschiebung von 12,7 mm beim Lade-Entlade-Zyklus nach – eine relative Volumenänderung von 22,3 Prozent.

In der Kathode identifizierten die Forscher eine neuartige Schichtoxid-Zusammensetzung (NaCu₁/₉Ni₂/₉Fe₁/₃Mn₁/₃O₂) mit räumlich ungleich verteilten Kupfer-Anreicherungen.

Dieser Befund wirft laut Schütte "interessante Fragen hinsichtlich seiner Rolle für die Leistung und Alterung" auf .

Natrium statt Lithium – wann kommt die günstige Batterie ins Auto?

Natrium ist weltweit im Überfluss vorhanden und lässt sich etwa aus Kochsalz gewinnen. Damit entfällt die Abhängigkeit von Lithiumhydroxid, dessen Preis während der Covid-Pandemie auf bis zu 76.000 Euro pro Tonne schoss, wie ein aktueller heise-Hintergrundartikel zur Natrium-Batterie [3] einordnet.

Die geringere Energiedichte gegenüber den besten Lithium-Zellen bleibt jedoch ein Handicap für Langstrecken-Fahrzeuge.

In China ist die Technik bereits auf dem Weg in die Serie: CATL und Changan Automobile stellten im Februar 2026 das nach eigenen Angaben weltweit erste seriengefertigte Natrium-Ionen-Fahrzeug [4] vor, mit geplanter Markteinführung Mitte 2026 – laut neuerer CATL-Mitteilung [5] ist volle Massenproduktion erst Ende 2026 geplant.

Die Naxtra-Batterie von CATL erreicht bis zu 175 Wh/kg und ermöglicht mit über 400 km rein elektrische Reichweite. Laut Precedence Research soll der globale Natrium-Ionen-Markt von 1,39 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 6,83 Milliarden US-Dollar bis 2034 wachsen.

Die Aachener Forscher wollen als Nächstes das Laden unter 0 Grad Celsius verbessern. "Fortschritte bei Hartkohlenstoff-Anoden und Elektrolytformulierungen könnten besonders vielversprechend sein", sagte Schütte. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://doi.org/10.1016/j.xcrp.2026.103323
  2. https://www.eurekalert.org/news-releases/1129233
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Batterien-fuer-E-Autos-Natrium-Ersatz-fuer-den-kritischen-Rohstoff-Lithium-11302241.html
  4. https://www.catl.com/en/news/6720.html
  5. https://www.catl.com/en/news/6811.html

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Keir Starmer tritt zurück: Bekommt Großbritannien den 7. Premier in 10 Jahren?

Von Telepolis — 22. Juni 2026 um 14:00
Ein Mann trinkt ein Glas Wasser

Großbritanniens Premier Keir Starmer hat heute seinen Rücktritt erklärt

(Bild: Altopix/Shutterstock.com)

Nach dem Rücktritt von Keir Starmer droht Großbritannien das nächste Chaos. Wird nun Andy Burnham der siebte Premierminister in nur zehn Jahren?

Sichtlich bewegt trat Keir Starmer am Montag vor die Tür des Regierungssitzes in der Downing Street 10 in London und gab seinen Rücktritt bekannt. "Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, ging es darum, das Land, das ich liebe, an die erste Stelle zu setzen", sagte der 63-Jährige mit brüchiger Stimme.

Seine Partei habe gesprochen, und dem wolle er Gehör schenken. Er räumte ein, dass er nicht der Beste für die künftige Führung seiner Partei sei. Als Premierminister will Starmer bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt bleiben. Die Nominierungsfrist für Kandidaten beginnt am 9. Juli [1].

Andy Burnham: Folgt der "König des Nordens" auf Keir Starmer?

Als aussichtsreichster Nachfolgekandidat gilt Andy Burnham, 56, der bisherige Bürgermeister von Greater Manchester.

Er hatte erst vergangene Woche durch einen Sieg bei der Nachwahl im Bezirk Makerfield einen Parlamentssitz errungen – die formale Voraussetzung, um Starmer an der Parteispitze herausfordern zu können. Burnham setzte sich dabei gegen einen Kandidaten der rechtspopulistischen Partei Reform UK von Nigel Farage durch.

Sein Sieg weckte in der Labour-Fraktion Hoffnungen auf eine politische Kehrtwende. Britische Medien bezeichnen [2] ihn in Anlehnung an die Fantasyserie "Game of Thrones" aufgrund seines starken Profils im Nordwesten des Landes als "König des Nordens". Bereits früher hatte er versucht, nach Westminster zurückzukehren – die Labour-Führung hatte dies im Februar noch verhindert.

Starmer hatte noch am Freitag angekündigt, um sein Amt kämpfen und sich einer Urwahl um den Parteivorsitz stellen zu wollen. Während des Wochenendes auf seinem Landsitz Chequers änderte er seine Haltung.

Medienberichten zufolge drängten Außenministerin Yvette Cooper und mehrere Abgeordnete Starmer zum Rückzug. Umfragen unter Parteimitgliedern hatten zudem darauf hingedeutet, dass Burnham eine Kampfabstimmung für sich entscheiden würde.

Ob weitere Kandidaten antreten, ist noch offen. Ambitionen hatte zuletzt auch der zurückgetretene Gesundheitsminister Wes Streeting gezeigt. Britische Medien erwarten jedoch, dass er sich hinter Burnham einreiht und dafür mit einem Kabinettsposten belohnt wird. Der einfachste Weg für Labour wäre es, wenn ausschließlich Burnham seine Ambitionen verkündet – was Medien als eine Art "Krönung" ohne langwieriges Parteibasisprozedere bezeichnen.

Epstein-Skandal und Wahldebakel: Der tiefe Fall der Labour-Regierung

Starmers Rücktritt ist das Ende einer langen Abwärtsspirale, die im Prinzip mit dem Brexit begang. Labour hatte bei den Parlamentswahlen im Juli 2024 einen klaren Sieg errungen und war mit einer satten Mehrheit im Unterhaus in die Legislaturperiode gegangen. Doch wirklich nutzen konnte Starmer diesen Vorsprung nie. Etliche Gesetzesvorhaben scheiterten am Widerstand aus den eigenen Reihen.

Die Beliebtheitswerte Starmers und seiner Partei brachen in der Folge drastisch ein. Seit Monaten liegt Labour in Umfragen hinter den Rechtspopulisten von Reform UK. Die schwache Wirtschaft, hohe Lebenshaltungskosten und ein maroder öffentlicher Dienst machten der Regierung zu schaffen. Wählerinnen und Wähler warfen Starmer vor, seine Wahlkampfversprechen nicht eingelöst zu haben.

Zu Beginn des Jahres geriet Starmer erstmals massiv unter Druck, als die Ernennung von Peter Mandelson – einem Vertrauten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein – zum britischen Botschafter in den USA für Empörung sorgte. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie viel Starmer von Mandelsons Verbindungen zu Epstein gewusst hatte.

Den vorläufigen Tiefpunkt markierten die Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai 2026: Labour erlitt schwere Verluste zugunsten von Reform UK. Unmittelbar danach forderten etliche Abgeordnete Starmers Rücktritt. Mehrere Minister traten zurück.

Reaktionen zum Rücktritt: Lob von von der Leyen, Davey fordert Neuwahlen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigte Starmers Arbeit auf der Plattform X: "Viele Regierungschefs brauchen Jahre, um zu dem Staatsmann heranzuwachsen, der Du in nur zwei Jahren geworden bist. Die Sicherheit Europas und der Ukraine ist Dank Dir gestärkt."

Lib-Dem-Chef Ed Davey übte hingegen grundsätzliche Kritik am britischen politischen System: "Das britische Volk hat es satt, von einem endlosen Karussell aus Premierministern im Stich gelassen zu werden, während sich für sie nichts wirklich ändert", erklärte Davey.

Es reiche nicht, lediglich die Person in der Downing Street auszutauschen – die Politik selbst müsse sich ändern. Er forderte unter anderem einen "kühnen neuen Deal mit Europa", eine Reform des Wahlrechts sowie mehr Kompetenzen für die Regionen.

Selbst jene, die sich zuletzt von Starmer abgewandt hatten, lobten ihn dafür, Labour vor zwei Jahren aus einer tiefen Krise geführt zu haben.

Politisches Chaos in Großbritannien: Siebter Premierminister seit dem Brexit

Starmers Nachfolgerin oder Nachfolger wird bereits die siebte Person auf dem Posten des britischen Premierministers innerhalb der vergangenen zehn Jahre sein – seit dem Brexit-Referendum 2016 geben sich die Regierungschefs auf der Insel die Klinke in die Hand. Reform UK, die bereits in Umfragen führt, dürfte erneut vom Chaos in der Downing Street profitieren.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.bbc.com/news/articles/cdxd00lg599o
  2. https://www.theguardian.com/politics/2026/jun/19/andy-burnham-could-king-north-become-britain-new-prime-minister

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