Ohne Bargeld: DHL bietet Kartenzahlung bei Nachnahme und Zoll
Von Achim Sawall — 26. Juni 2026 um 18:46
Die Handscanner der DHL-Zusteller bekommen ein wichtiges Update: Die lästige Barzahlung bei Zoll und Nachnahme gehört endlich der Vergangenheit an.
DHL-ZustellerBild:
DHL
DHL ermöglicht das Bezahlen von Zoll- und Nachnahmegebühren nun auch elektronisch. Das gab der Logistikkonzern am 26. Juni 2026 bekannt. Bisher konnten solche Zahlungen nur bar erfolgen, wobei die Zusteller in der Regel nicht über Wechselgeld verfügen.
Für die Zahlung von Zoll- und Nachentgelten an der Haustür werden Girocard, Kreditkarten sowie mobile Bezahlverfahren per Smartphone oder Smartwatch akzeptiert. Bei dem Dienst Service Nachnahme, bei dem ein Paket erst nach Bezahlung ausgehändigt wird, sei aus Sicherheitsgründen ausschließlich die Zahlung mit der Girocard möglich. Für die Zahlung von Zoll- und Nachentgelten an der Haustür würden alle genannten Bezahlverfahren akzeptiert.
Die bargeldlose Zahlung erfolgt über NFC am Handscanner der Zustellkraft. Die Möglichkeit, bar zu bezahlen, besteht auch weiterhin.
Handscanner in mehr als 20 verschiedenen Sprachen
Der Handscanner der Zusteller wird um eine weitere Anwendung ergänzt. Das Werkzeug wird unter anderem zum Scannen und Quittieren von Sendungen, für spezielle Zustellhinweise, zum Öffnen von Packstationen sowie zum Drucken von Paketlabels per QR-Code genutzt. Zudem kann der Handscanner in mehr als 20 verschiedenen Sprachen bedient werden.
Der Service für das elektronische Bezahlen ist erst in einzelnen Regionen verfügbar, soll aber in den kommenden Wochen schrittweise ausgeweitet werden.
Spezielles Android mit DHL Zustell-Software
Die DHL setzt bei ihren Handscannern primär auf Geräte des US-amerikanischen Herstellers Zebra Technologies. Bei den gelben Handscannern, die man aktuell bei den DHL-Paketzustellern sieht, handelt es sich meist um Geräte der Zebra TC5x-Serie, oft das Modell TC57 oder neuere wie das TC58. Auf den Scannern läuft ein speziell für DHL angepasstes Android, auf dem die DHL-eigene Zustell-Software installiert ist. An der Kopfseite besitzen sie ein Scan-Modul, das Barcodes und QR-Codes auch bei schlechten Lichtverhältnissen oder Beschädigungen erfassen soll.
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Von Erik Körner — 26. Juni 2026 um 18:30
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Core-Switch: Bahn nennt Ursache für bundesweiten Ausfall
Von Achim Sawall — 26. Juni 2026 um 18:19
In der Nacht auf Dienstag kam der gesamte Zugbetrieb im Land zum Stehen, weil der Bahnfunk ausfiel. Die Deutsche Bahn nennt nun die technischen Gründe.
Anzeigetafel am Münchner Hauptbahnhof am 23. Juni 2026Bild:
REUTERS/Christine Uyanik
Ein Softwarefehler nach dem Tausch eines Switches war die Ursache für den Ausfall des Bahnfunks GSM-R in dieser Woche. Das gab die Deutsche Bahn am 26. Juni 2026 bekannt. Der Tausch des Switches sei Teil von "planmäßigen Instandhaltungsarbeiten" gewesen. Ein Bahnbetrieb ist ohne Zugfunk nicht möglich.
Die Metronom Eisenbahngesellschaft betonte, dass Zugführer trotz Signalen auch per Funk kommunizieren müssten. Es könne passieren, "dass ein Signal mal gestört ist oder ein anderes Problem auftritt und ein schriftlicher Befehl diktiert werden muss, der es der Lokführerin oder dem Lokführer beispielsweise erlaubt, an einem Halt zeigenden Signal vorbeizufahren. Ohne Funk, kein Befehl".
Technisch läuft das GSM-R-Kernnetz der DB über eine virtualisierte IP-Architektur. Bei dem getauschten Gerät handelte es sich deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Core-Switch des IP-MPLS-Backbones (Multi-Protocol Label Switching) oder um einen Data Center Leaf/Spine-Switch in einem der zentralen Master-Rechenzentren der Bahn.
"Singulärer Softwarefehler, der keine Fehlermeldung nach sich zog"
Laut der Darstellung der Bahn trat nach dem Austausch ein "singulärer Softwarefehler auf, der keine Fehlermeldung nach sich zog." Nach den Regeln der Bahn für dieses Szenario mussten die Beschäftigten erst einen Cyberangriff ausschließen, bevor sie manuell auf die Redundanz des GSM-R-Systems, die nicht automatisch ansprang, umschalteten.
DB-Infrago-Chef Philipp Nagl erklärte: "Die Modernisierung unserer Infrastruktur ist der einzige Weg nach vorn. Im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie erneuern wir das aktuelle GSM-R-Netz deshalb gerade nochmal umfassend, unterziehen es einem Upgrade und machen es resilienter. Zudem stellen wir die Rückfallebene über den öffentlichen Mobilfunk neu auf." Dies sei wichtig, um den "Investitionsrückständen aus der Vergangenheit zu begegnen", und um die Grundlage für den weiteren Rollout des Bahnfunk-Nachfolgestandards ETCS zu legen.
FRMCS sei aktuell seitens der EU noch nicht spezifiziert. Daher könne man noch keine Komponenten dafür bestellen und einbauen.
Polymarket: Kriminelle sollen Kryptowerte in Millionenhöhe gestohlen haben
Von Heise — 26. Juni 2026 um 11:17
(Bild: PJ McDonnell/Shutterstock.com)
Bei Polymarket haben Angreifer über eingeschleusten Schadcode Geld von Nutzerkonten gestohlen. Das Wettportal will Betroffene entschädigen.
Polymarket bestätigte am Donnerstag, dass ein kompromittierter Drittanbieter für einige Nutzer Schadcode in die Website eingeschleust habe. Der Vorfall sei eingedämmt und die betroffene Komponente entfernt worden. Betroffene Nutzer würden kontaktiert und vollständig entschädigt, schreibt das Unternehmen auf X [1].
Weitere Details nannte Polymarket zunächst nicht. Unklar bleibt, welcher Dienstleister kompromittiert wurde, wie der Angriff im Einzelnen ablief, wie viele Nutzer betroffen waren und wie hoch der Schaden ist. Gegenüber TechCrunch [2] bestätigte ein Polymarket-Sprecher lediglich, dass bei dem Vorfall Geld von Nutzern gestohlen wurde.
Die Blockchain-Sicherheitsfirma PeckShield meldete auf X [3], dass es sich offenbar um eine Phishing-Kampagne gegen Polymarket-Nutzer handelt. Dabei sollen Kryptowerte im Wert von rund 3 Millionen US-Dollar gestohlen worden sein, konkret PUSD. PUSD ist der an den US-Dollar gekoppelte interne Dollar-Token, mit dem Polymarket Wetten abrechnet. Der Angreifer habe die gestohlenen Werte über eine Bridge vom Polygon-Netzwerk ins Ethereum-Netzwerk verschoben und dort in Ether getauscht.
Prognosemärkte: Zwischen Boom und Kritik
Polymarket war erst wenige Tage zuvor wegen mutmaßlich manipulativer Influencer-Werbung [4] in die Kritik geraten. Laut Wall Street Journal soll das Unternehmen Influencer für Videos bezahlt haben, in denen angebliche Wetten und Gewinne gezeigt wurden, die tatsächlich auf nachgebauten Seiten oder internen Testumgebungen entstanden.
Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi verzeichnen starkes Wachstum, sind rechtlich und politisch aber stark umstritten. In den USA laufen derzeit mehr als 30 Verfahren zur Zulässigkeit solcher Plattformen. Kritiker befürchten, dass Prognosemärkte Grenzen verschieben: Informationen aus erster Hand könnten zu Wettvorteilen werden, Krisen und Unglücke zu Anlageobjekten. Besonders problematisch wäre es, wenn finanzielle Interessen nicht nur auf den Ausgang eines Ereignisses setzen, sondern diesen selbst beeinflussen.
Trotzdem wächst der Markt inzwischen so stark, dass er neue Wettbewerber auf den Plan ruft: So soll Meta Berichten zufolge [5] an einer Prognoseplattform namens „Arena“ arbeiten, bei der wohl aus rechtlichen Bedenken zunächst Spielgeld statt Echtgeld eingesetzt würde.
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YouTube-Werbeblocker mit 11 Millionen Installationen mit möglicher Hintertür
Von Heise — 26. Juni 2026 um 11:17
(Bild: Skorzewiak / Shutterstock.com)
Adblock for YouTube kommt auf mehr als 11 Millionen Installationen. Es kann jedoch unkontrolliert Script-Code in jede Seite injizieren.
IT-Sicherheitsforscher haben die Browser-Erweiterung „Adblock for Youtube“ untersucht und sind dabei auf eine potenzielle Sicherheitslücke gestoßen. Der Hersteller steht zudem mit Erweiterungen in Verbindung, die Google mit der Begründung „Malware“ aus dem Chrome Web Store geworfen hat. Der Hersteller bessert jetzt nach.
Die IT-Forscher von island.io nennen in ihrer Analyse [1] das Problem auch „BadBlocker“. Sie führen aus, dass der Werbeblocker „Adblock for Youtube [2]“ (cmedhionkhpnakcndndgjdbohmhepckk) auf mehr als 11 Millionen Installationen kommt und mit mehr als 377.000 Bewertungen und einer Wertung von 4,4 von 5 möglichen Sternen weitreichend von Nutzerinnen und Nutzern Vertrauen genießt. In den Top-Charts der beliebtesten Erweiterungen [3] landet es in Deutschland auf Platz 15. Tatsächlich blockiert er Werbung auf YouTube und funktioniert.
Kuckucksei im Werbeblocker
Allerdings enthält der Adblocker auch eine Möglichkeit, beliebigen JavaScript-Code in jede angezeigte Webseite zu schleusen. Dazu bedarf es keines Updates, das durch Prüfmechanismen des Webstores müsste, sondern lediglich einer serverseitigen Konfigurationsänderung. Eine derartige Änderung würde auch keine sichtbaren Auswirkungen haben, anhand derer Benutzerinnen und Benutzer sie erkennen könnten. Dadurch könne der Adblocker Webseiten auslesen, Daten stehlen oder als Nutzer in persönlichen Konten, Arbeits-Apps, Admin-Panels oder anderen vertraulichen Browsersitzungen agieren.
Die IT-Forscher betonen, dass sie ausdrücklich keinen bösartigen Schadcode entdeckt haben, der an Nutzer ausgeliefert worden wäre. Sie haben lediglich die Möglichkeit dazu aufgespürt, die 11 Millionen Browser betrifft. Sie weisen in dem Kontext darauf hin, dass der Entwickler der Erweiterung ein zumindest verdächtiges Profil hat, in dessen Verlauf auch Browser-Erweiterungen in Erscheinung treten, die Google mit der Begründung „Malware“ aus dem Chrome Web Store geworfen hat. Daraus leiten sie ein reales Risiko ab. Die entfernten Erweiterungen Adblock for Chrome (onomjaelhagjjojbkcafidnepbfkpnee) und Adblock for You (ogcaehilgakehloljjmajoempaflmdci) haben demnach Verknüpfungen zu Adblock for YouTube.
Die Erweiterung Adblock for YouTube kam im Jahr 2014 in den Chrome Web Store. Seitdem kam es zu einigen Code-Änderungen und Besitzerwechseln, etwa 2018 zum jetzigen Inhaber. Zwischenzeitlich wurde die Erweiterung mit dem Unistream-SDK verteilt, das Werbung in Seiten injiziert. Seit dem Besitzerwechsel wuchs die Verbreitung von wenigen 100.000 Nutzerinnen und Nutzern hin zu mehr als 10 Millionen. Zudem kam es zu nicht dokumentierten Verschiebungen darin, was die Erweiterung im Browser anstellen kann. Dennoch genießen gerade Adblocker hohes Vertrauen bei Nutzern, führen die Island-Forscher aus. Sie können Berechtigungen anfordern, die anderen Erweiterungen niemals erteilt würden.
Erweiterung ist überall aktiv
Adblock for YouTube soll nur auf der YouTube-Webseite Werbung blockieren. Dennoch ist die Erweiterung auf allen besuchten Webseiten aktiv, weil das in dem Manifest der Erweiterung so festgelegt ist – anstatt sich auf URLs mit „youtube“-Bestandteil zu beschränken, genehmigt sie sich Zugriff auf „all_urls“. Das könnte eine Prüfung im Quellcode übernehmen, die die Erweiterung mitbringt. Die prüft jedoch nur, ob „youtube.com“ als Zeichenkette in der URL auftaucht. Das ermöglicht Zugriffe der Erweiterung auf alle möglichen Seiten, in denen der Aufruf angepasst wird. Island nennt als Beispiele „www.facebook.com/page?ref=youtube.com“ oder „bank.example.com/search?q=youtube.com“. Darauf hat Adblock for Youtube dann Zugriff.
Die Erweiterung fragt zudem alle 24 Stunden bei ihrem Server nach neuer Konfiguration an, sie setzt eine Anfrage etwa nach „https://api.adblock-for-youtube.com/api/v2/rules?version=7.2.1“ ab. Zurück kommen Adblocker-Regeln wie Netzwerkfilter, CSS-Selectors, aber auch ein Feld namens „scriptletsRules“. Eine Sammlung solcher JavaScript-Funktionen, die zum Blockieren von Werbung dienen, bringt Adblock for YouTube mit; das sei auch üblich für Adblocker. Der Server kontrolliert, welche davon mit welchen Argumenten ausgeführt werden. Die serverseitigen Anweisungen können bei Adblock for YouTube zum Einschleusen von JavaScript-Code führen. Als Proof-of-Concept haben die IT-Forscher den Adblock-for-YouTube-Server imitiert. Der antwortet mit manipuliertem scriptletsRules-Eintrag, der auf Aktivierung durch den Besuch auf YouTube wartet. Surfen User YouTube an, injiziert sich das serverseitig gesendete Script in die Webseite und kann im Hintergrund konkret etwa die Salesforce-Webseite aufrufen; mit eingeschleustem „youtube.com“-String hat die Erweiterung nun auch darauf vollen Zugriff. Der Proof-of-Concept liest nur die Daten aus, auf die User zugreifen können, und sendet sie zurück an den gefälschten Server. Das Ganze ist mit nur einer serverseitigen Änderung möglich.
Verdächtig ist den IT-Sicherheitsforschern nicht die eine zwielichte Zeile an Code, führen sie aus, sondern die Kombination aus hoher Installationsanzahl mit Zugriff auf alle Seiten, ein aus der Ferne kontrollierbarer Pfad zum Einschleusen von Code und frühere Werbeeinschleusungsinfrastruktur, größere Besitzer- und Codebasis-Änderungen und damit verbundene Erweiterungen, die wegen Malwareanzeichen aus dem Chrome Web Store geworfen wurden. Sie wiederholen, dass sie keinen konkreten Missbrauch beobachtet haben, aber ein Risikoprofil, das ernsthafte Aufmerksamkeit benötigt.
Etwa in Unternehmen sollte keine allgemeine Blockade aller Werbeblocker erfolgen, da gute tatsächlich nützlich seien. Sie liefern eine Handreichung sowie Anzeichen für Vorhandensein der Erweiterung in Form von Indicators of Compromise (IOC).
Hersteller-Reaktion
Der Gründer der AdBlock Ltd., Mathias Rochus, dem Unternehmen hinter Adblock for Youtube, äußerte gegenüber heise online, dass es „nie eine bösartige Nutzung dieser Funktion“ gab und geben werde. Die „trusted Scriptlets, darunter trusted-create-element, stammen nicht von uns. Sie sind Teil der quelloffenen Scriptlet-Bibliothek von AdGuard, auf die gängige Adblocker zurückgreifen. Dieser Code liegt in der Erweiterung und durchläuft das Review des Chrome Web Store“. Er führt weiter aus: „In der normalen Funktionsweise wird also kein Code vom Server nachgeladen, sondern eine vorhandene Funktion ausgewählt. Das ist das Standard-Scriptlet-Modell.“ Soweit deckt sich das auch mit der Analyse von island.io.
Rochus erklärt zudem: „Wir haben dieses Scriptlet zudem nie genutzt. Keines unserer Adblocking-Funktionen hat je trusted-create-element oder eines dieser trusted Scriptlets ausgeführt, sie waren lediglich als Rahmen Teil der mitgelieferten AdGuard-Bibliothek. Genau diesen ungenutzten Teil entfernen wir jetzt vollständig, sodass ihn keine Server-Konfiguration mehr auswählen kann. Zusätzlich prüft die Seitenerkennung künftig den echten youtube.com Hostnamen, statt die Zeichenkette irgendwo in der URL zu akzeptieren.“ Das Update werde in Kürze verfügbar sein, es durchläuft derzeit den Review-Prozess des Chrome Web Store.
Kritische Systemdatenlücke bedroht Netzwerkbetriebssystem Arista EOS
Von Heise — 26. Juni 2026 um 09:53
(Bild: VideoFlow/Shutterstock.com)
Unter anderem eine kritische Sicherheitslücke gefährdet Netzwerkkomponenten mit Arista EOS. Noch sind nicht alle Updates verfügbar.
Wenn Admins in Cloud-Infrastrukturen oder Rechenzentren Router und Switches mit Arista EOS nutzen, können Angreifer an mehreren Schwachstellen ansetzen. Stimmen die Voraussetzungen, sind Systeme kompromittierbar. Bislang gibt es keine Hinweise auf bereits laufende Attacken.
Mehrere Gefahren
In einer Warnmeldung [1] finden sich unter anderem Informationen zu einer „kritischen“ Lücke (CVE-2026-11705). Daran können Angreifer aber nur ansetzen, wenn im Kontext von Streaming Telemetry Agent die TerminAttrRW-Option aktiv ist. Den Entwicklern zufolge ist das aber keine Standardeinstellung, sodass Geräte nicht per se angreifbar sind.
Ist die Voraussetzung erfüllt, können Angreifer durch das Versenden von präparierten Paketen Fehler auslösen und danach Systemdaten modifizieren. Aufgrund der kritischen Einstufung ist davon auszugehen, dass Geräte danach als kompromittiert gelten.
Bislang ist dagegen nur die EOS-Version 4.36.1F erschienen. Für ältere Ausgaben sind bislang nur Fixes verfügbar, die Arista in der Warnmeldung auflistet. Weitere Sicherheitspatches sollen folgen. Um Netzwerke vor solchen Attacken zu schützen, können Admins den Streaming-Telemetry-Agenten (TerminAttr) deaktivieren.
Durch das erfolgreiche Ausnutzen weiterer Lücken werden etwa manipulierte Zertifikate akzeptiert (CVE-2026-52896 „hoch“) oder Angreifer können Zugangsdaten einsehen (CVE-202652895 „mittel“).
In einer weiteren Warnmeldung [2] führen die Entwickler noch eine Lücke (CVE-2026-12546 „mittel“) auf. Darüber ist die Authentifizierung umgehbar. In den verlinkten Warnmeldungen finden Admins weiterführende Hinweise zu den Schwachstellen und konkret bedrohten EOS-Versionen.
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Dragonfly C1000: Qualcomm kündigt Serverprozessor für 2028 an
Von Heise — 26. Juni 2026 um 14:26
Qualcomm will künftig auch Rechenzentren befeuern: Der Serverprozessor Dragonfly C1000 tritt mit über 250 ARM-Kernen an.
Auf einer Veranstaltung für Investoren hat Qualcomm in dieser Woche seinen ersten Serverprozessor enthüllt: Mit dem Dragonfly C1000 will das Unternehmen sein Chipportfolio diversifizieren und den Schritt in Rechenzentren gehen. In dem Prozessor sollen über 250 selbst entworfene ARM-Kerne (Oryon) werkeln, die über 5 GHz schaffen. Wie inzwischen üblich soll er aus mehreren Chiplets zusammengesetzt sein und mit PCI Express 7.0 antreten.
Letzteres kann keine aktuelle Server-CPU, doch mit solchen konkurriert der C1000 auch nicht: Er soll erst 2028 erhältlich sein. Bis dahin dürften auch AMD Epyc, Intel Xeon & Co. bei PCIe 7.0 angekommen sein. Und dennoch präsentierte Qualcomm-CEO Cristiano Amon schon jetzt einen Großkunden: Meta-Chef Mark Zuckerberg bekannte sich dazu, künftig Server mit Dragonfly-C1000-Prozessoren in seinen Rechenzentren einsetzen zu wollen.
Das ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil Meta im Unterschied zu anderen Hyperscalern wie Amazon, Google und Microsoft keine hauseigenen Prozessoren entwickelt, sondern zukauft. Meta ist deshalb auch der erste und bislang einzige Kunde für die AGI CPU, die ARM entwickelt hat und in eigenem Auftrag fertigen lässt.
Volle Roadmap
Der Dragonfly C1000 soll der letzte Baustein in der gezeigten Datacenter-Roadmap sein. Sie beginnt bereits in diesem Jahr, allerdings mit anderen Komponenten: Es handelt sich um Netzwerkbausteine für Rechenzentren, die die Ende 2025 übernommene Halbleiterfirma AlphaWave entwickelt hat. Damit stehen bei Qualcomms Datacenter-Sparte schon im laufenden Finanzjahr dicke Umsätze in den Büchern.
Qualcomms Roadmap für Datacenter-Produkte
(Bild: Qualcomm)
Die Zeit bis zum C1000 sollen Auftragsarbeiten für Großkunden (wohl auch mit AlphaWave-Technik) und auf Inferenz spezialisierte KI-Beschleuniger überbrücken. Einen solchen, nämlich Cloud AI 100 [1], verkauft Qualcomm bereits, doch die Roadmap zeigt zügige Weiterentwicklungen: Cloud AI 200 soll bei der Performance zulegen, ab AI 250 kommt ein neues Konzept zum Einsatz. Ein System-on-Chip (SoC) orchestriert die KI-Agenten, die auf ihm laufen, doch Berechnungen an sich werden an zusätzliche Rechenwerke ausgegliedert, die physisch direkt unter LPDDR5-Speicherstapel gepackt werden.
Qualcomms KI-Beschleuniger verzichten auf HBM-Speicher und packen die Rechenwerke direkt unter LPDDR5-Speicher.
(Bild: Qualcomm)
Qualcomm nennt das High Bandwidth Compute (HBC); eine generischere Bezeichnung lautet Near-Memory Computing [2]. Qualcomm will mit HBC ein Bandbreitendilemma lösen, weil das SoC selbst eben keine rasante Speicheranbindung und somit kein teures High-Bandwidth Memory (HBM) benötigt. Aktuelle HBM-Generationen erkaufen sich ihre hohen Transferraten mit hohem Energieeinsatz – zu viel für Desktop-Grafikkarten oder gar Gaming-Notebooks. Obendrein vereinfacht ein Design ohne HBM die weitere Verarbeitung nach der Chipfertigung, weil auf Interposer und Advanced Packaging verzichtet wird. Wie für den C1000 präsentierte Qualcomm auch für seine künftigen HBC-Beschleuniger bereits einen namhaften Erstkunden: Microsoft will sie in seinen Azure-Umgebungen einsetzen.
Lieber spät als nie
Qualcomm-Chef Cristiano Amon beantwortet von sich aus die offene Frage, warum Qualcomm jetzt in den Markt für Serverprozessoren einsteigt: Der Markt sei nicht zuletzt deshalb lukrativ, weil er von einer extremen Knappheit geprägt sei. Als großer Player könne man da durchaus etwas bewegen. Für alle Chips, die Qualcomm auf der Roadmap bis 2028 zeigt, habe sich die Firma über langfristige Verträge sowohl die Wafer-Kapazitäten bei Chipauftragsfertigern als auch die Speicherbausteine bei Zulieferern gesichert.
Qualcomm will sein Chip-Portfolio in den kommenden Jahr deutlich breiter aufstellen. Bisherige Bereiche sollen dabei nicht vernachlässigt werden.
(Bild: Qualcomm)
Zudem würden Inferenz-Workloads und KI-Agenten den Markt gerade durcheinanderwirbeln, weil GPUs nicht die besten und effizientesten Chips dafür sind. Und ganz generell bringe Qualcomm seine Mobil-Expertise hinsichtlich Effizienz ein: In etlichen Pro-Watt-Metriken verspricht Amon das beste Angebot.
Nvidias etabliertem Software-Ökosystem – eine wichtige Komponente hinter Nvidias Erfolg – stellt sich Qualcomm mit der Übernahme des Anbieters Modular entgegen. Das Framework Mojo sei zu CUDA vergleichbar, laufe aber eben nicht nur auf GPUs und nicht nur auf Hardware einer spezifischen Firma. Bei künftigem Umrüsten oder überraschender Lieferknappheit könnten Nutzer flexibel andere Hardware auf dem Markt einkaufen, ohne dass zuvor erfolgte Software- und KI-Entwicklungen hinfällig wären. Auch für Triton und andere Nvidia-Produkte habe Modular mindestens gleichwertige Gegenstücke, so Qualcomm.
Der Softwarestack von Modular ist viel offener gestaltet als das, was Branchenprimus Nvidia mit CUDA & Co. anbietet.
(Bild: Qualcomm)
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iPhone 17: Wohl so lange Apples Nummer eins wie noch nie
Von Heise — 26. Juni 2026 um 13:45
iPhone 17, hier in „Salbei“.
(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)
Das iPhone 4 blieb von Juni 2010 bis Oktober 2011 bei Apple an der Spitze der Verkaufscharts. Das iPhone 17 könnte diesen Rekord nun brechen.
Apples iPhone 17 [1] könnte einen sehr speziellen Rekord brechen: den des iPhone-Topsellers mit der längsten Verfügbarkeit aller Zeiten in der Geschichte der Produktreihe. Der Grund ist einfach: Apple plant, den Nachfolger, das iPhone 18 [2], ins Frühjahr 2027 zu verschieben. Das bedeutet: Zwischen iPhone 17 und iPhone 18 liegen bis zu 18 Monate. Welche Auswirkungen das auf die Verkaufszahlen haben wird, ist noch unklar, das Geschäft könnte aber zumindest kurzfristig durch eine geplante Preiserhöhung angekurbelt [3] werden, die Kunden motiviert, noch schnell zuzugreifen, bevor mit Aufschlägen von bis zu 200 Euro [4] zu rechnen ist.
Die Geschichte der iPhone-Verschiebungen
Seit Jahren hatte Apple alle wichtigen iPhones stets im Herbst, üblicherweise im September, präsentiert. In diesem Jahr soll das anders sein, angeblich kommen nur drei Modelle, nämlich iPhone 18 Pro, 18 Pro Max und das neue Foldable iPhone Ultra [5]. Mit dem iPhone 18 wird nun im kommenden Frühjahr gerechnet, zusammen mit einem neuen „e“-Einsteigermodell (18e) und einer zweiten Generation des iPhone Air [6]. Bislang war das Frühjahr nur Einsteigergeräten vorbehalten gewesen: Apple brachte zuletzt das iPhone 17e [7] im März 2026 und zuvor das iPhone 16e [8] im Februar 2025 heraus. Nun plant Apple offenbar eine Aufwertung des Frühjahrstermins – auch, um sein Geschäftsjahr etwas zu entzerren und das Hauptgeschäft im vierten Quartal zu erweitern.
Die 18 Monate zwischen iPhone 17 und iPhone 18 gab es so noch nicht, wie das Apple-Blog 9to5Mac [9] berechnet hat. Das iPhone 17 kam im September 2025, das iPhone 18 folgt nun wohl spätestens im März 2027. Nur beim Übergang vom iPhone 4 zum 4S gab es eine ähnlich lange Zeitspanne von knapp unter 16 Monaten: von Juni 2010 bis Oktober 2011. 2020 hatte Apple aufgrund der Corona-Pandemie den Jahresrhythmus ebenfalls leicht unterbrochen: Das iPhone 11 Pro vom September 2019 wurde erst im Oktober 2020 durch das iPhone 12 Pro abgelöst. An die knapp 550 Tage, mit denen nun beim Übergang vom iPhone 17 zum iPhone 18 gerechnet wird, kommt das alles nicht heran.
Standardmodell ist zumeist auch das Topmodell
Das Standardmodell ist beim iPhone üblicherweise auch das meistverkaufte Gerät, auch wenn die Pro-Varianten für Apple mehr und mehr Marktanteile gewinnen. Umso bedeutsamer ist nun die geplante Verschiebung. Möglicherweise hofft man bei Apple, dass Kunden eher zum iPhone 18 Pro wechseln.
Der Preisunterschied zwischen Standard- und Pro-Modellen ist üblicherweise signifikant: So zahlt man für das iPhone 17 mit 256 GByte aktuell bei Apple 949 Euro, für das Pro-Modell mit 6,3 Zoll und 256 GByte werden hingegen 1299 Euro aufgerufen, für das größe Max-Modell gar 1449 Euro.
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Apple M5: Neue Modelle geplant – und bald auch M6 und M7.
(Bild: Apple)
M6 ohne Max und Pro, M7 mit (noch) mehr KI – und neue M5-Varianten: Das steht laut einem neuen Insiderbericht auf Apples Prozessor-Roadmap.
Bei Apple wird derzeit offenbar an drei Chipfamilien gleichzeitig gearbeitet. Laut einem Bericht von Mark Gurman, dem üblicherweise gut informierten Bloomberg-Apple-Reporter, soll es noch bis Ende des Jahres erstmals einen M6-Mac geben, zudem neue Modelle mit M5-Chip, darunter erstmals in einer Ultra-Variante. Gleichzeitig schreitet die Arbeit am M7 voran, der sich insbesondere auf das Thema KI fokussieren soll.
M5 Ultra im Anmarsch, M6 noch dieses Jahr
Apples M5-Linie hat demnach noch nicht ausgedient. So plant Apple [1] bis Ende des Jahres einen neuen Mac Studio, der den Codenamen J775 trägt und erstmals einen M5 Ultra erhalten soll (Codename „Sotra D“ oder H17D). Geplant sind demnach bis zu 36 CPU-Kerne und 80 GPU-Kerne. Apple soll geplant haben, die Rechner mit bis zu 768 GByte RAM auszuliefern, aufgrund der aktuellen Speicherkrise könnte das aber ein Traum bleiben – oder faktisch unbezahlbar werden. Beim aktuellen Mac Studio hatte Apple die RAM-Konfigurationen bereits zusammengestrichen [2].
Der M6 („Komodo“ oder H18G) im 2-Nanometer-Prozess (stat 3 Nanometer beim M5) soll sein Debüt im Einsteigermodell des MacBook Pro feiern. Er verspricht mehr Speicherbandbreite (200 GByte pro Sekunde statt 153 beim M5), eine aktualisierte Speicherarchitektur und eine verbesserte Neural Engine für mehr KI-Leistung. Bis zu 12 GPU-Kerne sind geplant (von 10 beim M5). Ob auch iMac und Mac mini bereits in diesem Jahr ein M6-Upgrade bekommen auch Apple hier noch M5-Varianten nachreicht, bleibt unklar.
Arbeit am M7 läuft längst, bis hin zu Ultra
Laut Gurman ist nicht geplant, dass Apple Pro- und Max-Varianten des M6 herausbringt – das wäre ein Novum seit dem M1. Stattdessen sollen diese Versionen erst mit dem M7 im Jahr 2027 erscheinen. Unklar bleibt, was das für das MacBook Ultra [3], Apples erstes mit Touchscreen und OLED-Display ausgestattetes MacBook mit wahrscheinlich dünnerem Formfaktor, bedeutet. Es müsste sich dann womöglich mit einem M6 ohne Max und Pro begnügen, was angesichts des offenbar angepeilten hohen Preises für Kontroversen sorgen dürfte.
Die Arbeit am M7 schreitet laut Gurman unterdessen voran. Geplant sind neben dem Basismodell („Delos“ oder H19G) auch M7 Pro, M7 Max und M7 Ultra (H19S, H19C und H19D). M7 Pro und M7 Max könnten bis Ende 2027 in ersten Macs erscheinen, eine M7-Ultra-Maschine in Form eines Mac Studio wohl erst 2028. Apple arbeitet an „großen Durchbrüchen“ bei On-Device-KI mit einer Speicherbandbreite von bis zu 240 GByte pro Sekunde.
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Notion Mail wird abgeschaltet: Was Nutzer jetzt tun müssen
Von Heise — 26. Juni 2026 um 11:40
(Bild: Notion)
Notion stellt seinen E-Mail-Client Notion Mail am 22. September 2026 ein. Nutzer müssen bestimmte Daten bis dahin sichern.
Notion schaltet den E-Mail-Client Notion Mail am 22. September 2026 ab. Betroffen sind die Web-, Desktop- und iOS-Versionen. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass es E-Mails künftig stärker über Agenten statt über einen klassischen Mail-Client verwalten will.
Notion Mail ist eng mit der Übernahme des Start-ups Skiff im Februar 2024 verknüpft. Kurz darauf hatte Notion den Maildienst des Start-ups eingestellt und im April 2025 Notion Mail als Gmail-Client veröffentlicht. Das Produkt trug von Anfang an die Skiff-DNA, auch wenn der Fokus zuletzt klar auf Notion und KI-Automatisierung lag.
Notion schreibt auf X [1], dass inzwischen mehr als die Hälfte der Notion-Mail-Nutzer ihre E-Mails bearbeite, ohne die Inbox überhaupt zu öffnen. Gemeint sind damit Notion-Agenten, also automatisierte Assistenten, die E-Mails lesen, Antworten entwerfen, Nachrichten senden oder Regeln anwenden können. Statt eine Mail manuell zu sortieren, kann ein Agent sie zum Beispiel nach vorher festgelegten Regeln automatisch mit einem Label versehen.
Was Nutzer sichern müssen
Trotz der Abschaltung bleiben die eigentlichen E-Mails in Gmail. Notion Mail hat die Nachrichten laut Help Center ohnehin bidirektional mit Gmail synchronisiert. Wer also nur seine Mailhistorie behalten will, muss nichts weiter tun.
Anders sieht es bei Daten aus, die ausschließlich in Notion Mail gespeichert sind. Dazu zählen Entwürfe, geplante E-Mails, Snippets, Auto-Label-Anweisungen und E-Mail-Erinnerungen. Diese Inhalte müssen Nutzer bis spätestens 21. September 2026 exportieren. Ab dem 22. September löscht Notion nicht gesicherte Daten endgültig.
Unter Snippets versteht Notion vorformulierte Textbausteine, also etwa Standardantworten. Auto-Label-Anweisungen sind Regeln für die automatische Zuordnung von E-Mails zu bestimmten Kategorien oder Labels. Auch Anhänge, die an Snippets hängen, müssen Nutzer separat herunterladen.
Was erhalten bleibt
Nicht alles verschwindet mit dem Mail-Client. Funktionen wie der Gmail AI Connector, Mail-Blocks auf Notion-Seiten sowie Agenten, die über Gmail oder Outlook E-Mails lesen, entwerfen oder versenden, bleiben unabhängig von der Mail-App bestehen.
Erhalten bleiben außerdem die bereits synchronisierten E-Mail-Datenbanken und Ansichten in Notion. Die dort vorhandenen Nachrichten bleiben sichtbar. Neue E-Mails werden nach dem Abschaltdatum aber nicht mehr nachgezogen. Die Ansichten bleiben damit statisch.
Für Organisationen, die in regulierten Umgebungen arbeiten – etwa mit HIPAA-Anforderungen in den USA oder vergleichbaren Compliance-Vorgaben – nennt Notion einen früheren Stichtag für den Umstieg: den 30. Juni 2026. Unternehmen mit entsprechenden regulatorischen Verpflichtungen müssen daher umgehend handeln und Notion Mail bis spätestens 30. Juni 2026 aus ihren Workflows entfernen.
Deutschland und die Klimaanlagen – ein schwieriges Thema. Warum unser Verhältnis zu Kältetechnik nicht auf der Höhe der Zeit ist. Ein Kommentar.
Wer in tropischen Gefilden oder auch nur im südeuropäischen Sommerurlaub unterwegs ist, kennt das Bild zur Genüge: An fast jeder Hauswand hängen unscheinbare, weiße Kästen, während drinnen ein kompaktes Gerät an der Wand leise vor sich hin surrt und für ein verlässlich angenehmes Raumklima sorgt. Das Split-Klimagerät ist dort längst Standard.
Deutschland hingegen tut sich traditionell schwer mit der aktiven Kühlung. Klimaanlagen gelten hierzulande oft pauschal als dekadente Stromfresser, als krank machende Umweltsünder und garantierte Verursacher horrender Energiekosten. Doch dieses Dogma bröckelt – und es ist höchste Zeit, dass wir unsere Vorurteile einer eiskalten Faktenprüfung unterziehen.
Der Trugschluss der Baumarkt-Schläuche
Statt das Problem steigender Sommertemperaturen professionell zu lösen, greifen die Deutschen in den ersten Hitzewellen jedes Jahr aufs neue panisch zu Notlösungen. Das Resultat: Sogenannte Monoblock-Geräte – jene oft stümperhaft installierten Rollkästen, deren dicker Abluftschlauch aus einem gekippten Fenster hängt. Sie haben laut einer Verivox-Umfrage [1] hierzulande einen Marktanteil von sagenhaften 69 Prozent unter den Klimaanlagennutzern.
Doch die Geräte sind nicht nur laut, sondern auch ein energetischer Albtraum. Um die warme Luft nach draußen zu blasen, erzeugen Schlauchgeräte im Raum einen Unterdruck. Das physikalische Gesetz ist unerbittlich: Die hinausgeblasene Luftmenge strömt durch Türritzen, Schlüssellöcher und das geöffnete Fenster sofort als warme Außenluft wieder nach.
Die nackten Zahlen belegen diese Ineffizienz eindrucksvoll: Ein typisches mobiles Monoblock-Gerät erreicht [2] eine Energieeffizienzgröße (EER) von lediglich etwa 2,6. Moderne Split-Geräte (fest verbaut) erreichen hingegen SEER-Werte (saisonale Energieeffizienz) von 6,0 bis weit über 8,5. Sie kühlen also mit einem Bruchteil des Stromeinsatzes ein Vielfaches der Luftmenge.
Tests zeigen regelmäßig, dass mobile Geräte oft Stunden unter Volllast laufen müssen, um einen Raum auch nur um wenige Grad abzukühlen, während Split-Geräte dies in einem Bruchteil der Zeit flüsterleise erledigen.
Eine einfache Modellrechnung [3] entlarvt das wahre Kostenproblem: Während ein mobiles Schlauchgerät bei durchschnittlicher Sommernutzung schnell über 130 Euro an Stromkosten frisst, kühlt eine moderne Split-Anlage denselben Raum für rund 50 Euro im Jahr.
Das verkannte Effizienzwunder: Heizen, Kühlen und Solar-Synergien
Der effiziente Split fristet in deutschen Wohnzimmern dennoch ein Nischendasein als Exot. Dabei wird völlig übersehen, was ein modernes Split-Gerät technisch eigentlich ist: eine hochmoderne Luft-Luft-Wärmepumpe.
Dieser Umstand macht die Geräte zu echten Allroundern der Energiewende: Moderne Split-Geräte können den Kältekreislauf umkehren und hocheffizient heizen [5]. Mit einer Jahresarbeitszahl (SCOP) von oft über 4,0 bis 5,0 machen sie aus 1 kWh Strom bis zu 5 kWh Heizwärme. Gerade in der Übergangszeit oder in gut gedämmten Räumen kann das den Einsatz einer konventionellen Heizung (oder gar den Einbau einer teuren wassergeführten Wärmepumpe) massiv reduzieren oder überflüssig machen.
Das Vorurteil des Stromfressers stimmt zudem in Zeiten der Energiewende nicht wirklich: Klimaanlagen haben ihren maximalen Strombedarf genau dann, wenn die Sonne am stärksten scheint. Wer eine Photovoltaikanlage oder auch nur ein größeres Balkonkraftwerk besitzt, betreibt sein Split-Gerät im Sommer de facto mit kostenlosem, 100 Prozent klimaneutralem Überschussstrom. Und auch solarer Netz-Ökostrom freut sich über dankbare Abnehmer zu diesen Zeiten. Klimafreundlicher lässt sich ein Raum nicht kühlen.
Der Mythos der Erkältungsmaschine
Bleibt noch das wohl deutscheste aller Vorurteile: "Von Klimaanlagen wird man krank." Wer kennt sie nicht, die panische Angst vor der berüchtigten Sommergrippe durch tückische Zugluft? Doch medizinisch gesehen ist das Unfug [6].
Klimaanlagen produzieren keine Erkältungen, denn die werden nach wie vor durch Viren ausgelöst. Wenn Menschen in klimatisierten Räumen tatsächlich anfangen zu schniefen oder über einen steifen Nacken klagen, liegt das fast immer an einer absurden Fehlbedienung.
Wer bei 35 Grad Außentemperatur auf eisige 18 Grad herunterkühlt und im direkten Zugluft-Orkan sitzt, trocknet seine Schleimhäute aus und ebnet Erregern den Weg. Moderne Split-Geräte verhindern genau das durch intelligente Sensoren und eine sanfte, zugfreie Luftverteilung. Wer seine Klimaanlage hingegen mit gesundem Menschenverstand bedient, muss sich keine Sorgen machen.
Kein Freifahrtschein, aber eine klare Richtungsentscheidung
Dies ist kein Appell dafür, dass ab morgen jeder Haushalt unreflektiert eine Klimaanlage an die Fassade schrauben soll.
Split-Geräte haben auch Nachteile: Die Außengeräte geben Wärme an die Umgebung ab und verstärken in dicht bebauten Metropolen den städtischen Wärmeinseleffekt [7]. Zudem braucht längst nicht jedes Gebäude aktive Kühlung. Dank moderner KfW-Standards, intelligenter Verschattung und der exzellenten Dämmung neuer Häuser bleiben viele Bauten bei uns auch im Hochsommer mit Ventilator erträglich.
Aber die Realität des Klimawandels zeigt: In Zeiten stetig steigender Durchschnittstemperaturen und häufigerer Hitzewellen wird das Thema Klimatisierung nicht verschwinden. Im Gegenteil, es wird für Gesundheit und Lebensqualität an Bedeutung gewinnen, insbesondere in Altbau-Dachgeschosswohnungen. Dort, wo aktive Kühlung angesagt ist, müssen Miet- und Baurecht mitziehen [8], um Hindernisse zu beseitigen.
Wir sollten aufhören, uns mit lauten, stromfressenden Schläuchen aus dem Baumarkt selbst zu betrügen. Die Devise für die Zukunft muss lauten: Kühlung mit Bedacht – und wenn Klimaanlage, dann eben Split!
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Boeings Ghost Bat: Setzt die Bundeswehr jetzt auf diese Drohne?
Von Telepolis — 26. Juni 2026 um 13:50
Die unbemannte Kampfjet-Drohne Boeing MQ-28 Ghost Bat (Version Block 3) in der Frontalansicht: Der kantige Tarnkappen-Rumpf kommt komplett ohne Cockpit und Pilot aus.
Nach dem Aus des gemeinsamen Super-Jets mit Frankreich setzt die Bundeswehr verstärkt auf autonome Begleitdrohnen wie die neue MQ-28 Ghost Bat.
Auf dem Vorfeld der ILA Berlin stand in diesem Juni ein Kampfjet ohne Cockpit, ohne Pilot und mit einem kantigen Tarnkappen-Rumpf: die MQ-28 Ghost Bat, gezeigt am Rheinmetall-Stand [1] in der neuesten Version Block 3.
Konzipiert wurde die Ghost Bat als unbemanntes Begleitflugzeug für die australische Luftwaffe. Sie ist für den Einsatz im Verbund [2] mit bemannten Kampf- und Unterstützungsflugzeugen wie der F-35A, dem Kampfjet F/A-18F Super Hornet, dem Elektronik-Kampfflugzeug EA-18G Growler und dem Frühwarnflugzeug E-7A Wedgetail vorgesehen.
Mehr Reichweite und interne Waffenschächte: Das kann Boeings MQ-28 Block 3
In der Version Block 3 wachsen die Tragflächen um etwa ein Viertel und der Schub steigt von 10.000 auf 12.000 Pfund – was genug Raum für gut 900 Kilogramm mehr an Treibstoff, Ausrüstung und Waffen schafft.
Entscheidend sind die neuen internen Waffenschächte, die wahlweise eine AIM-120 AMRAAM – eine Luft-Luft-Lenkwaffe gegen andere Flugzeuge – oder zwei kleinere Gleitbomben des Typs "Small Diameter Bomb" für Bodenziele aufnehmen, ohne die Tarnkappeneigenschaften zu beeinträchtigen.
Drei externe Aufhängepunkte [3] kommen hinzu. Intern und extern zusammengerechnet kommt die Maschine auf bis zu fünf Luft-Luft-Lenkwaffen.
Neu ist zudem eine Steuerung jenseits der Sichtlinie über eine Satellitenverbindung, die Reichweiten von mehr als 3.700 Kilometern erlaubt – und das auch ohne ein bemanntes Flugzeug in der Nähe.
Russlands S-70, Chinas GJ-11 und die türkische Kızılelma
Die Ghost Bat steht weltweit in dieser neuen Klasse unbemannter Kampfflugzeuge nicht alleine da.
In Russland erprobt Suchoi seit Jahren die S-70 "Ochotnik", einen schweren Nurflügler mit einem maximalen Startgewicht von rund 20 Tonnen und bis zu zwei Tonnen Zuladung. Diese Abmessungen liegen in der Größenordnung leichter bemannter Kampfflugzeuge, wie das russische The Insider [4] berichtet.
Konzipiert ist sie für den Tandem-Einsatz mit der Su-57, um zusätzliche Bewaffnung zu tragen oder im Zweifel als Lockziel zur Risikominderung für den Piloten zu dienen.
Ein Exemplar wurde im Oktober 2024 bei Konstantinowka abgeschossen. Die Tests wurden jedoch 2025 wieder aufgenommen.
Satellitenaufnahmen zeigten den Prototyp S-70-2 mehrfach auf dem Erprobungsgelände – zuletzt im Oktober mit einer an die Su-57 angeglichenen Tarnlackierung. Bislang sind wahrscheinlich vier Flugexemplare gebaut worden; ob die für 2024 geplante Serienproduktion bereits begonnen hat, bleibt unklar.
Exportschlager Kızılelma: Türkische Stealth-Drohne erzielt Treffer gegen F-16
In China verfolgt die Volksbefreiungsarmee mit der GJ-11 "Sharp Sword" ein vergleichbares Konzept. Der Nurflügler ist nach Einschätzung von Popular Mechanics [5] eine der am weitesten fortgeschrittenen autonomen Kampfdrohnen des Landes und möglicherweise bereits im Einsatz.
Die Türkei baut mit der Bayraktar Kızılelma [6] einen eigenständigen, unbemannten Kampfjet, ohne dabei auf das "Loyal Wingman"-Konzept zu setzen. Der Hersteller vermarktet die Drohne auch international: Indonesien bestellte zwölf Maschinen mit Lieferung ab 2028 und einer Option auf 48 weitere.
Ausgestattet mit einem türkischen AESA-Radar, nationaler Avionik und der Lenkwaffe Gökdoğan erzielte die Drohne in einem simulierten Fernkampf bereits einen Treffer gegen eine F-16.
Bundeswehr-Wende: Warum Drohnen trotz Widerstand die Jet-Piloten ersetzen
Dass die Ghost Bat oder die Ochotnik als "Begleiter" firmieren, ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine politische und industrielle Entscheidung.
Das Militär ist in der Regel eine strukturkonservative Angelegenheit: Eine Luftwaffe, die jahrzehntelang auf bemannte Jäger als Kern ihrer Identität gesetzt hat, kann eine Maschine, die diesen Kern ersetzt statt nur zu ergänzen, schwer in ihre Beschaffungslogik einpassen.
Ausbildung, Dienstgrade, Karrierewege und das Selbstverständnis ganzer Luftwaffen hängen am bemannten Cockpit. Eine Drohne, die offiziell nur "begleitet", lässt dieses Gefüge unangetastet – eine Drohne, die den Jäger ersetzt, stellt es hingegen komplett infrage.
Entsprechend regt sich Widerstand gegen eine Kriegsführung, die den Schwerpunkt massiv verlegt – weg von wenigen, teuren Plattformen, hin zu billigen, entbehrlichen Wirkmitteln.
Auch finanziell ist das "Wingman"-Narrativ bequemer: Es erlaubt, neue Drohnenprogramme neben bestehenden bemannten Programmen zu finanzieren, statt sie gegen sie rechtfertigen zu müssen.
Deutschland liefert dafür ein Beispiel. Nach dem Ende der gemeinsamen Entwicklung eines neuen bemannten Kampfjets mit Frankreich und Spanien im Rahmen von FCAS setzt die Bundeswehr verstärkt auf "Loyal Wingman"-Drohnen als Kraftmultiplikatoren [7].
Das gescheiterte bemannte Großprojekt macht so den Weg frei für die Aufwertung der Drohnenrolle – wobei die Rahmung als "Begleiter" unangetastet bleibt, obwohl das Potenzial dieser großen unbemannten Flugzeuge längst darüber hinausgeht.
Steigende Verteidigungsbudgets treffen auf eine Erzählung, die sich leichter verkaufen lässt: nicht als Bruch mit der bestehenden Luftwaffenstruktur, sondern als deren Erweiterung. So lässt sich doppelt verdienen – an der Fortentwicklung traditioneller, bemannter Kampfflugzeugkonzepte und nun zusätzlich an ihren unbemannten "Begleitern".
Lehre aus der Geschichte: Warum der Panzer anfangs nur als Infanterie-Begleiter galt
Die Geschichte zeigt: Neue Waffen werden nicht nur aus politischen oder industriellen Gründen in alte Rollen gepresst. Manchmal wird ihr volles Potenzial anfangs schlicht nicht erkannt.
Als der Panzer im Ersten Weltkrieg erstmals auf dem Schlachtfeld erschien, galt er lediglich als Hilfsmittel der Infanterie: Er sollte feindliche Stellungen niederwalzen, Stacheldraht durchbrechen und dem Fußvolk den Weg bahnen. Sein Einsatz blieb an das Tempo der Infanterie gebunden.
Der Panzer war damit zunächst weniger eine eigenständige Waffengattung als vielmehr ein bewegliches Werkzeug der Infanterie – ein Begleiter, kein operativer Akteur.
Diese Lesart hielt sich in vielen Armeen bis weit in die Zwischenkriegszeit. Frankreich etwa verfügte 1940 über mehr Panzer als Deutschland und besaß mit Typen wie dem Char B1 bis oder dem Somua S35 Fahrzeuge, die deutschen Modellen in Panzerung und Bewaffnung teils deutlich überlegen waren.
Doch viele dieser Panzer blieben in kleinen Verbänden an die Infanterie gebunden und wurden nicht konsequent als eigenständige, operative Stoßwaffe konzentriert. Die alte Logik blieb erhalten – nur die Maschinen waren neu.
Deutschland hingegen zog aus denselben technischen Grundlagen einen anderen Schluss: Der Panzer wurde aus der Begleitrolle gelöst, in eigenen, konzentrierten Verbänden zusammengefasst und mit einer Funkverbindung, Luftunterstützung und eigener operativer Beweglichkeit ausgestattet.
Aus dem Werkzeug der Infanterie wurde eine eigenständige Waffengattung mit eigener Doktrin – kein Begleiter mehr, sondern eine innovative Stoßwaffe.
Das Muster lässt sich zwar nicht eins zu eins auf die Luftwaffe übertragen, aber die Struktur ist auffällig ähnlich. Auch hier wird eine neue Plattform zunächst unterhalb ihres erkennbaren Potenzials eingeordnet – als Hilfsmittel für die etablierte "Hauptwaffe", den bemannten Jäger.
Kampfjets der 6. Generation: Der radikale Schritt zur vollständigen Autonomie
Diese neue Klasse unbemannter Kampfflugzeuge wird deshalb bis heute meist über den Umweg der bekannten Kampfjets beschrieben: als Begleiter oder als "Loyal Wingman".
Der Sprung, diese Flugzeuge als eigenständig zu betrachten und ihr eigenes Potenzial zu erkennen, ist noch nicht gemacht. Dabei versucht die Flugzeugindustrie den Entscheidungsträgern gerade "alten Wein in neuen Schläuchen" zu verkaufen, indem sie von Flugzeugen der sechsten Generation spricht.
Die modernsten Flugzeuge, die zurzeit in Serie produziert werden, sind Maschinen der fünften Generation mit Tarnkappeneigenschaften als Hauptmerkmal – wie die F-22, F-35 oder Su-57.
Jede vorangegangene Generation hatte ihr eigenes Kennzeichen: gerade Flügel und frühe Strahltriebwerke bei der ersten, Pfeilflügel, Radar und Lenkwaffen bei der zweiten, Gefechte jenseits der Sichtweite bei der dritten, digitale Vernetzung und Mehrzielfähigkeit bei der vierten sowie Stealth und Sensorfusion bei der fünften.
Eine sechste Generation müsste, folgt man dieser Logik, wieder ein neues Unterscheidungsmerkmal liefern – und nicht nur eine verbesserte Version des Bestehenden darstellen.
Die stärkste Argumentation für große, bemannte Plattformen als sechste Generation liefert eine Analyse des Royal United Services Institute [8]:
Im Indo-Pazifik brauche es Reichweiten von über 1.000 nautischen Meilen, um chinesischen Raketenarsenalen zu begegnen. Zudem sei ein voll ausgestattetes, bemanntes Flugzeug bei gestörten Datenverbindungen verteilten Drohnensystemen überlegen, da diese in einem solchen Szenario handlungsunfähig würden.
Genau darin liegt unfreiwillig der Schlüssel: Eine neue Generation definiert sich nicht durch größere Tanks, größere Waffenschächte oder stärkere Sensoren – also nicht durch bloße Quantität –, sondern durch ein neues Operationsprinzip.
Dieses neue Prinzip liegt jedoch nicht in einem noch größeren, bemannten Jäger, sondern in der Autonomie.
Das Ende der Kampfjets: Der Übergang zur reinen Wirkmittel- und Schwarmkriegsführung
Ghost Bat, Ochotnik und vergleichbare Systeme sind keine bloßen Begleitflugzeuge künftiger bemannter Kampfflugzeuge der sechsten Generation. Sie selbst sind die Kampfflugzeuge dieser sechsten Generation – allerdings ist diese Generation, also der Schritt vom bemannten zum unbemannten Jäger, bereits jetzt selbst nur ein Übergang.
Denn auch sie bündeln noch Sensorik, Waffenwirkung und Tarnung in einer einzigen, teuren Plattform – nur der Pilot ist verschwunden.
Der nächste Schritt geht weiter: Sobald diese Funktionen zergliedert und auf mehrere, deutlich günstigere Träger verteilt werden, verliert die Plattform ihre zentrale Bedeutung.
Was bleibt, ist kein Kampfflugzeug mehr (egal ob bemannt oder unbemannt), sondern die Munition selbst: Schwärme einfacher, oft nur einmal verwendbarer Wirkmittel, die keine teure Trägerplattform mehr brauchen, um ihre Mission zu erfüllen.
Der eigentliche Bruch läge damit nicht zwischen der fünften (bemannt) und der sechsten (unbemannt) Generation, sondern im Übergang von der Plattform- zur Wirkmittelkriegsführung.
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Kein Recht auf Hitzefrei: Diese Regeln gelten jetzt am Arbeitsplatz
Von Telepolis — 26. Juni 2026 um 11:05
Arbeitgeber müssen bei Hitze mehr zum Schutz ihrer Angestellten tun.
Wer bei Hitze einfach geht, riskiert die Kündigung. Die BAuA und neue ASTA-Regeln zeigen, welche Schutzmaßnahmen stattdessen gefordert sind.
Die Hitze hat Deutschland fest im Griff, und am Wochenende erreicht sie nach bisherigen Prognosen ihren vorläufigen Höhepunkt. Aber der Sommer ist noch lang und weitere Hitzewellen könnten über das Land rollen.
Für deutsche Büros und Baustellen bedeutet das: Die Belastung steigt, doch ein gesetzliches Recht auf Hitzefrei existiert nach wie vor nicht. Wer eigenmächtig den Arbeitsplatz verlässt, riskiert nach Einschätzung der Gewerkschaft ver.di [3] die Kündigung.
Das Zurückbehaltungsrecht nach § 273 BGB, also dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung nicht erbringen muss, greift nur, wenn der Arbeitgeber seine Schutzpflichten nachweislich verletzt.
Und selbst das rechtfertigt nicht das eigenmächtige Verlassen des Arbeitsplatzes. Ein Arbeitsgericht prüft im Streitfall, ob die Reaktion verhältnismäßig war.
Die ASTA-Formel: Beurteilungstemperatur statt Thermometerwert
Seit August 2025 gelten die Empfehlungen des Ausschusses für Arbeitsstätten (ASTA) für Arbeitsplätze im Freien und in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten. Die Besonderheit: Maßgeblich ist nicht die reine Lufttemperatur, sondern eine sogenannte Beurteilungstemperatur [4].
Sie addiert Korrekturwerte für Arbeitsschwere (bis zu +4 Grad bei schwerer körperlicher Arbeit), Schutzkleidung (+2 bis +4 Grad), direkte Sonnenstrahlung (+5 Grad) und hohe Luftfeuchtigkeit (+3 Grad ab der Schwülegrenze). Gegengerechnet wird Wind: Eine spürbare Brise senkt den Wert um 3 Grad.
Auf Basis dieser Berechnung unterscheidet die ASTA-Empfehlung vier Stufen.
Bis 26 Grad Beurteilungstemperatur reicht Beobachtung.
Zwischen 26 und 30 Grad sollen Arbeitgeber Getränke bereitstellen und Verschattung organisieren.
Zwischen 30 und 35 Grad müssen sie handeln – kostenlose alkoholfreie Getränke, aktive Entwärmung und gegebenenfalls Arbeitsunterbrechungen sind dann Pflicht.
Über 35 Grad gilt der Arbeitsplatz ohne spezielle Schutzmaßnahmen wie Kühlwesten oder Entwärmungsphasen als ungeeignet.
Stufenmodell nach ASR A3.5: Was Arbeitgeber konkret tun müssen
Für Büroarbeitsplätze bleibt die Technische Regel ASR A3.5 die zentrale Richtschnur.
Die 26-Grad-Schwelle ist dabei als Soll-Vorschrift formuliert, also nur eine arbeitswissenschaftliche Empfehlung, aber kein einklagbarer Grenzwert.
Ab 30 Grad im Raum verschärfen sich die Pflichten: Arbeitgeber müssen morgens lüften, unnötige Elektrogeräte abschalten, Bekleidungsvorschriften lockern und geeignete Getränke bereitstellen.
Ab 35 Grad kann ein Raum als Arbeitsraum ungeeignet sein – dann gelten Maßnahmen wie Hitzeschutzkleidung, Luftduschen und zusätzliche Entwärmungspausen.
Allerdings bedeutet auch die 35-Grad-Marke nicht automatisch, dass Beschäftigte nach Hause gehen dürfen. Es heißt nur, dass in diesem konkreten Raum nicht gearbeitet werden darf. Die Gewerbeaufsichtsämter können im Einzelfall Anordnungen erlassen und in schwerwiegenden Fällen Maschinen stilllegen.
Der Betriebsrat besitzt über § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht beim Gesundheitsschutz. Verweigert die Geschäftsführung Verhandlungen über Hitzeschutzmaßnahmen, kann der Betriebsrat eine Einigungsstelle erzwingen.
Diesen Hebel empfiehlt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Rebecca Liebig ausdrücklich: Schwere Arbeiten sollten in die frühen Morgenstunden verlegt, Schattenplätze geschaffen und UV-Schutzausrüstung gestellt werden.
Homeoffice und Klimaanlage: Kostencheck für Beschäftigte
Im Homeoffice greift der Schutz nur eingeschränkt. Viele Unternehmen deklarieren Heimarbeit als „mobile Arbeit“, nicht als Telearbeitsplatz im Sinne von § 2 Abs. 7 Arbeitsstättenverordnung. In diesem Fall trägt der Arbeitgeber formal keine Verantwortung für das Raumklima.
Das ist wohl auch der Grund dafür, dass sich der Trend zur privaten Klimaanlage [5] beschleunigt hat. Laut einer Verivox-Umfrage aus dem vorigen Jahr stieg der Anteil der Haushalte mit Klimagerät innerhalb eines Jahres von 13 auf 19 Prozent. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass nur bis zu 10 Prozent der Wohngebäude über eine aktive Kühlung [6] verfügen.
Split-Systeme kühlen einen Raum in fünf Minuten von 30 auf 24 Grad, kosten mit Montage aber 1.000 bis 2.000 Euro und erfordern in Mietwohnungen die Genehmigung des Vermieters.
Mobile Monoblocks gibt es ab 200 Euro, doch sie brauchen 30 bis 45 Minuten für dieselbe Kühlleistung und verursachen laut Stiftung Warentest bis zu 170 Euro jährliche Stromkosten. Ihre Abwärme kann die Temperatur in Innenstädten um bis zu 2 Grad erhöhen.
Dass die Hitze in diesem Jahr nicht so schnell nachlassen wird, zeichnet sich ab: Die WMO beziffert die Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen auf 80 Prozent [7], Copernicus erwartet für Mitteleuropa Temperaturen 0,5 bis 1,5 Grad über dem Klimamittel.
Wer auf Hitzefrei hofft, wird also enttäuscht. Wer seine Rechte kennt und den Betriebsrat einschaltet, hat dagegen gute Karten, den Arbeitgeber an seine Pflichten zu erinnern.
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0,7 Nanometer: IBM zeigt die ersten Chips mit CFET-Transistoren
Von Heise — 26. Juni 2026 um 13:49
(Bild: IBM)
IBM zeigt, wie Chips der Zukunft aussehen könnten. Leistung, Effizienz und Transistordichte steigen enorm.
IBMs Forschungsabteilung hat einen neuartigen Fertigungsprozess entworfen, den die Firma der 0,7-Nanometer-Generation alias 7 Ångström (7A) zuordnet. Die Versprechen sind enorm: Verglichen mit dem selbst entworfenen 2-nm-Prozess von 2021 [1] soll sich die Transistordichte verdoppeln. Die Performance bei gleicher elektrischer Leistungsaufnahme steigt um bis zu 50 Prozent, alternativ sinkt der Energiebedarf bei gleicher Performance um bis zu 70 Prozent.
Damit ist nicht Schluss: Laut Mitteilung [2] soll sich auch der in Prozessoren, Grafikchips und anderen Chiptypen integrierte SRAM-Cache um 40 Prozent verkleinern lassen. Das wäre ein enormer Sprung, nachdem sich die SRAM-Skalierung in den vergangenen Fertigungsgenerationen einer Wand genähert hatte [3].
Wie üblich haben Nanometer- beziehungsweise Ångström-Namen nichts mit den tatsächlichen Dimensionen zu tun. Ein einzelner Chip hat zahlreiche Metriken, anhand derer sich die Größen messen lassen. Die Mitten zweier Transistoren etwa sollen bei IBMs 7A 42 bis 45 nm voneinander entfernt sein (Contacted Poly Pitch, CPP).
Nanostacks: Gestapelte Transistorpaare
Verglichen mit der 2-nm-Generation entsprächen bis zu 42 nm CPP nur einem kleinen Fortschritt. Der Clou liegt beim Aufbau der Transistorpaare für die entgegengesetzten Stromfluss-Richtungen: In jedem Chip sitzt ein Paar aus PMOS- und NMOS-Transistor, die sich bisher immer nebeneinander befanden. IBM stapelt sie jedoch übereinander, um den Platz in der Breite effektiv zu verdoppeln.
Elektronenmikroskopbilder von IBMs 7A-Chip. Im Querschnitt sind die übereinanderliegenden Transistorpaare und die Dielektrikum-Schicht in der Mitte sichtbar.
Derzeitige CFET-Konzepte stellen prinzipiell zwei übereinander angeordnete GAA-FETs dar, so auch bei IBM. Die Firma wechselt den Markennamen daher von Nanosheets auf Nanostacks.
Wafer-Bonding
IBM setzt dafür zwei separat belichtete und stark ausgedünnte Silizium-Wafer übereinander (Bonding). Nach jahrelanger Forschung soll sich dieser Ansatz gegenüber monolithischen Wafern als vorteilhaft herausgestellt haben.
Der Hersteller kann so die Atomanordnung einzeln für die NMOS- und PMOS-Richtungen optimieren. Dafür steigt die Fertigungskomplexität, was wiederum die Kosten hochtreibt. IBMs Ansatz könnte daher primär für High-End-Chips wie KI-Beschleuniger interessant sein.
Ein fertiger 7A-Wafer sieht aus wie jeder andere. Tatsächlich handelt es sich jedoch um gestapelte Wafer.
(Bild: IBM)
Eine Analyse von More Than Moore [6] liefert Details zu IBMs „Secret Sauce“ beim Wafer-Bonding. Nur äußerlich ähnelt die Vorgehensweise AMDs und TSMCs 3D-V-Cache, bei dem zusätzliche Cache-Dies über den Compute-Dies mit den Rechenkernen liegen, etwa beim Ryzen 9 9950X3D2 Dual Edition [7].
Unter der Haube ätzt IBM jedoch keine Durchkontaktierungen (Through-Silicon Vias, TSVs) in die Chips, um Verbindungen für den Daten- und Stromfluss herzustellen. Stattdessen sind die Transistorpaare über ein Dielektrikum direkt miteinander verbunden. More Than Moore schätzt, dass IBM je nach Chipspezifikation auf 382 Millionen bis 548 Millionen Transistoren pro Quadratmillimeter Fläche kommt. Zum Vergleich: TSMCs N2-Prozess schafft etwa 236 Millionen.
Ab 2031 serienreif
IBM produziert seit der Übergabe der eigenen Halbleiterwerke an Globalfoundries [8] zwar keine Chips mehr selbst in Serie, ist bei der Forschung aber weiterhin ein wichtiger Spieler. Der junge japanische Chipauftragsfertiger Rapidus [9] lizenziert etwa IBM-Technik. So überrascht es auch nicht, dass Tokyo Electron (TEL) an der 7A-Entwicklung beteiligt war. Ebenfalls dabei: Lam Research und Screen Semiconductor Solutions. Alle drei Partner entwerfen Maschinen und Verfahren zur Wafer-Verarbeitung.
Laut eigenen Angaben könnte sich der Nanostack-Ansatz in fünf Jahren für die Serienfertigung bewähren. Damit läge IBM im industrieweiten Zeitplan. TSMC, Intel und Samsung bringen bis dahin Übergangsschritte zur Marktreife.
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Im Test: Elixirs 1.20 neues intelligentes Typsystem
Von Heise — 26. Juni 2026 um 13:25
(Bild: Wolf Hosbach / KI / iX)
Das Typsystem von Elixir 1.20 analysiert jedes Sprachkonstrukt, erkennt fehlerhafte Argumente und verfolgt sie auch.
Eine Funktion erwartet eine Zahl, aber irgendwo im Projekt wird stattdessen eine Zeichenkette übergeben. Der Compiler sagt nichts, die Tests decken den Fall nicht ab, und der Fehler tritt erst auf, wenn ein Kunde in der Produktion genau diesen Codepfad auslöst. Wer mit dynamisch getypten Sprachen arbeitet, kennt diese Klasse von Bugs: Typen werden erst zur Laufzeit geprüft, der Compiler trifft über sie von sich aus keine Annahmen.
Python, Ruby und JavaScript funktionieren nach diesem Prinzip, die funktionale Programmiersprache Elixir [1] ebenfalls. Der Komfort: Code bleibt knapp und lässt sich leicht umbauen. Der Preis: Fehler werden erst sichtbar, wenn das Programm auf den unerwarteten Wert trifft.
Ein Beispiel zeigt, was sich bei Elixir mit dem am 3. Juni 2026 erschienenen Release 1.20 [2] ändert. Die folgende Funktion nimmt eine Map entgegen, Elixirs Schlüssel-Wert-Struktur (geschrieben %{schlüssel: wert}, vergleichbar einem Dictionary in Python oder einem Hash in Ruby), und wandelt das darin enthaltene Feld age in eine Zeichenkette um:
defmodule Report do
def user_age_to_string(user) do
Integer.to_string(user.age)
end
end
# An anderer Stelle im Projekt:
Report.user_age_to_string(%{age: "42"})
Integer.to_string/1 ist dabei Elixirs übliche Schreibweise für eine Funktion: Modul, Funktionsname und nach dem Schrägstrich die Stelligkeit (Arity), also die Zahl der Argumente. Bis einschließlich Version 1.19 schwieg der Compiler zu diesem Code; dass age eine Zeichenkette statt einer Zahl enthält, fiel erst zur Laufzeit auf. Ab 1.20 erscheint eine Warnung beim Übersetzen:
warning: incompatible types given to Report.user_age_to_string/1:
Report.user_age_to_string(%{age: "42"})
given types:
%{age: binary()}
but expected one of:
%{..., age: integer()}
Zwei Notationen darin sind erklärungsbedürftig (Typnamen tragen in Elixir stets leere Klammern). binary() ist Elixirs Typ für Zeichenketten, denn Strings sind in Elixir intern UTF-8-kodierte Binärdaten. Und die Ellipse in %{..., age: integer()} steht für beliebige weitere Schlüssel: Gemeint ist jede Map, die mindestens den Schlüssel age mit einem integer(), einer ganzen Zahl, enthält.
Niemand hat dem Compiler mitgeteilt, welchen Typ user.age haben soll. Er hat es selbst erschlossen: Integer.to_string/1 verlangt eine ganze Zahl, also muss das Feld age eine ganze Zahl enthalten, also muss jeder Aufrufer eine Map mit genau diesem Merkmal übergeben. Die Schlussfolgerung klingt trivial, aber sie steckt in keiner Typannotation, also keinem expliziten Typhinweis im Quelltext, wie ihn typisierte Sprachen verlangen (name: string in TypeScript, String name in Java). In Elixir 1.20 übernimmt der Compiler diese Arbeit von selbst.
Das dahinterstehende Typsystem, das seit Version 1.17 schrittweise in die Sprache einzog, analysiert inzwischen jedes Sprachkonstrukt. Es erkennt nicht nur fehlerhafte Argumente wie im Beispiel oben, sondern verfolgt auch, wie sich das Wissen über einen Wert durch mehrere Fallunterscheidungen hindurch verfeinert, und deckt dabei toten Code und widersprüchliche Zugriffe auf. Was abstrakt klingt, markiert einen Wendepunkt in der Geschichte von Elixir.
Sämtliche Vorteile des neuen Typsystems gibt es automatisch und ohne eigenes Zutun. An der Arbeitsweise muss sich nichts ändern, bestehender Code kompiliert unverändert weiter, niemand muss Typannotationen schreiben oder neue Syntax lernen; die zusätzliche Fehlersuche läuft bei jedem Übersetzen einfach mit.
Elixir kurz erklärt
Elixir ist eine funktionale, dynamisch getypte Sprache, die der Brasilianer José Valim 2012 veröffentlichte. Sie läuft auf der BEAM, der virtuellen Maschine von Erlang [4], und erbt von dort leichtgewichtige Prozesse im Millionenbereich (von der VM verwaltet, keine Betriebssystemprozesse) sowie eine ausfallsichere Laufzeit durch Supervisoren: überwachende Prozesse, die abgestürzte Teile des Systems automatisch neu starten.
Bekannt ist Elixir vor allem durch das Web-Framework Phoenix [5], das Embedded-Framework Nerves [6] (Firmware-Images für Geräte vom Raspberry Pi bis zur Industriesteuerung) und Nx [7], das Elixir in die Welt des maschinellen Lernens bringt. Allen gemein ist ein Programmierstil, den eine kleine Funktion illustriert; sie übersetzt das Ergebnis einer Operation in einen lesbaren Satz:
Vier Klauseln, vier Fälle. Eine Funktion darf in Elixir aus mehreren Definitionen gleichen Namens bestehen, den Klauseln; welche läuft, entscheidet kein if oder switch, sondern die Form des Arguments. Diesen Musterabgleich nennt man Pattern Matching. Die erste Klausel greift für einen Tupel, eine geordnete Sammlung fester Länge in geschweiften Klammern, dessen erstes Element das Atom :ok ist; den zweiten Wert bindet sie an die Variable wert und fügt ihn per #{...} in den Antwortsatz ein, Elixirs String-Interpolation, vergleichbar mit f-Strings in Python. Atome wie :ok oder :pending sind benannte Konstanten, deren Wert ihr eigener Name ist, vergleichbar mit Symbols in Ruby. Die zweite Klausel fängt den speziellen Fehlerfall :timeout ab, die dritte jeden anderen Fehler, die vierte das schlichte Atom :pending. Das do: ist die einzeilige Kurzform des do ... end-Blocks aus dem ersten Beispiel.
Zwei Bausteine gehören noch zum Rüstzeug. Erstens: Tupel wie {:ok, wert} und {:error, grund} heißen Result-Tupel; fast jede Elixir-Bibliothek meldet Erfolg oder Misserfolg in dieser Form. Zweitens lassen sich Klauseln durch Guards verfeineren, Prüfbedingungen hinter dem Schlüsselwort when: def halbiere(x) when is_integer(x) greift nur für ganze Zahlen. Patterns, Klauseln und Guards ersetzen in Elixir einen großen Teil des klassischen Kontrollflusses. Und genau dieser Stil galt lange als Hindernis für ein klassisches Typsystem.
Vom dynamischen Liebling zum typisierten Werkzeug
Die Idee, Elixir ein Typsystem zu verpassen, ist alt. Bereits der aus der Erlang-Welt stammende Dialyzer [8], den Kostis Sagonas an der Universität Uppsala mitentwickelt hat, kann Elixir-Code analysieren. Seine Stärke, das sogenannte Success Typing, liegt darin, nur solche Fehler zu melden, die sich aus dem Code unzweifelhaft ergeben. Sein Potenzial entfaltet er allerdings erst, wenn Entwicklerinnen und Entwickler ihre Funktionen mit @spec-Annotationen versehen: von Hand geschriebene Typsignaturen, die zusätzlich zum eigentlichen Code gepflegt werden wollen und mit ihm auseinanderdriften können. Dazu kommen langsame Analysen, sperrige Integration und schwer entzifferbare Meldungen. In die breite Masse der Elixir-Entwickler hat es Dialyzer deshalb nie geschafft.
José Valim kündigte 2022 in seiner Keynote auf der ElixirConf EU [9] an, dass die Sprache ein eigenes Typsystem bekommen werde, finanziert über ein Promotionsstipendium des französischen Forschungszentrums CNRS und des Unternehmens Remote. Die wissenschaftliche Grundlage lieferte der Informatiker Giuseppe Castagna (CNRS, Paris) mit seiner Arbeit zu set-theoretischen Typen, einem Formalismus, der Typen als Mengen begreift. Castagnas Doktorand Guillaume Duboc übernahm den Großteil der Implementierung, unterstützt durch Valim selbst; die Designprinzipien dokumentieren die drei in einem gemeinsamen Paper [10]. Für eine Sprache, in der Pattern Matching ohnehin um die Form von Werten kreist, passte dieser Ansatz besser als klassische Typsysteme nach dem Vorbild von ML oder Haskell.
Die Entwicklung verlief in vier Etappen (Abbildung 1). Elixir 1.17 [11] legte im Juni 2024 den Grundstein: erste Typen, abgeleitet aus den Patterns einer Funktion, erste Warnungen bei offensichtlichen Widersprüchen. Elixir 1.18 [12] brachte im Dezember 2024 das Typchecking von Funktionsaufrufen, dazu eingebaute JSON-Unterstützung und Schnittstellen für die offizielle Language-Server-Initiative. Elixir 1.19 [13] dehnte die Prüfungen im Oktober 2025 auf Protokolle und anonyme Funktionen aus und machte das Übersetzen großer Projekte bis zu viermal schneller. Version 1.20 schließt den Kreis: Der Compiler inferiert jetzt die Typen sämtlicher Sprachkonstrukte.
Zeitstrahl des Elixir-Typsystems (1.17 bis 1.20): Vier Minor-Versionen, ein roter Faden: Typinformation fließt in immer mehr Sprachkonstrukte ein. Mit 1.20 erreicht die Inferenz den Alltag (Abb. 1).
Den Rollout hat das Kernteam in einem öffentlichen Phasenplan [14] organisiert, der die Inferenz in drei Phasen durch die Release Candidates trug (siehe Kasten). Alle drei stecken im stabilen Release, das Anfang Juni kurz nach dem ursprünglich angepeilten Mai-Termin erschien.
Was set-theoretische Typen bedeuten
Wer aus der Welt von TypeScript oder Java kommt, denkt bei „Typen“ zunächst an Klassen, Interfaces und Generics. Set-theoretische Typen [15] verfolgen einen anderen Weg: Ein Typ ist schlicht eine Menge möglicher Werte, und Vereinigung, Schnitt und Differenz von Mengen sind erstklassige Operationen. Der Typ integer() ist die Menge aller ganzen Zahlen, :ok die einelementige Menge mit genau diesem Atom, integer() or binary() die Vereinigung aus Zahlen und Zeichenketten. term() schließlich ist die Menge aller Werte überhaupt, der allgemeinste Typ. Aus dieser Sicht sind Typfragen Mengenfragen: Enthält diese Menge jenes Element? Überlappen sich zwei Mengen?
Der Reiz zeigt sich, sobald Pattern Matching ins Spiel kommt. Fängt eine Klausel den Wert nil ab (Elixirs Konstante für Abwesenheit, vergleichbar mit null, technisch selbst ein Atom), entfernt der Compiler dieses Element in den folgenden Klauseln aus der betrachteten Menge, ein Set-Minus im Wortsinn. Aus atom() or binary() wird nach einer nil-Klausel „alle Atome außer nil, oder eine Zeichenkette“. Das klingt akademisch, formalisiert aber genau den Denkvorgang, den Elixir-Entwicklerinnen und -Entwickler beim Durchgehen des Kontrollflusses ohnehin vollziehen.
Zwei Begriffe aus den Release Notes verdienen eine Erklärung. „Gradual“ heißt: Typisierter und untypisierter Code koexistieren in derselben Codebasis, niemand muss annotieren. Das Bindeglied ist der Typ dynamic(). Er steht für Werte, über die der Compiler noch nichts Genaues weiß, und verengt sich, sobald der Code Informationen preisgibt: Greift eine Funktion auf data.a zu, wird aus dynamic() der Typ dynamic(%{..., a: term()}), also immer noch dynamisch, aber nachweislich eine Map, die mindestens den Schlüssel :a trägt.
Der zweite Begriff ist das Qualitätsziel des Teams: „verified bugs“. Der Compiler meldet eine Unverträglichkeit nur, wenn übergebener und erwarteter Typ vollständig disjunkt sind, sich als Mengen also gar nicht überschneiden. Jede Warnung bezeichnet damit einen Fehler, der zur Laufzeit garantiert auftritt, sobald der betroffene Codepfad läuft. Das hält die Rate der Falschmeldungen extrem niedrig; im Gegenzug deckt die Inferenz als Best-Effort-Verfahren nicht jede Inkonsistenz auf. Vor allem dieses Prinzip erlaubt es dem Typsystem, ohne großen Umbau in bestehende Projekte einzuziehen.
Inferenz aller Sprachkonstrukte
Seit 1.20 leitet der Compiler Typen aus drei Quellen ab: aus den Patterns einer Funktion, aus ihren Guards und aus ihrem Body (Rumpf). Patterns flossen schon in früheren Versionen ein; Guards und Body sind neu und erschließen erstmals den Gesamtzusammenhang einer Funktion. Was der Body hergibt, zeigt das Eingangsbeispiel: Aus dem Zugriff user.age und dem anschließenden Integer.to_string/1 setzt der Compiler die Typsignatur von user_age_to_string/1 zusammen, ohne dass jemand eine @spec-Annotation geschrieben hätte.
Die zweite neue Quelle sind die Guards. Der Compiler versteht auch Kombinationen wie when is_list(x) and is_integer(y) mitsamt Vereinigungen und Negationen. Ein Beispiel:
def third_element(tuple) when tuple_size(tuple) == 2 do
elem(tuple, 2)
end
Der Guard legt die Tupellänge auf genau zwei Elemente fest. Der Zugriff elem(tuple, 2) verlangt aber ein drittes Element, weil Elixir bei null zu zählen beginnt:
warning: expected a tuple with at least 3 elements in Kernel.elem/2:
elem(tuple, 2)
the given type does not have the given index:
dynamic({term(), term()})
where "tuple" was given the types:
# type: dynamic({term(), term()})
tuple
# type: {term(), term()}
tuple_size(tuple) == 2
Die Meldung zeigt zugleich die Anatomie der neuen Warnungen: Oben steht der Konflikt, und der where-Block listet auf, woher der Compiler sein Wissen über die Variable bezieht: einmal aus dem Parameter selbst (noch ungesichert, daher in dynamic(...) verpackt), einmal verfeinert durch den Guard. Ein Fehler, der zuvor bestenfalls im Test auffiel, scheitert damit schon beim Übersetzen.
Dazu kommt, unabhängig von den drei Quellen, eine genauere Behandlung von Maps. Bis 1.19 kannte das Typsystem nur Maps mit Atom-Schlüsseln präzise; alle anderen Schlüsseltypen galten pauschal als beliebig. Elixir 1.20 verfolgt beliebige Schlüsseldomänen. Im folgenden Beispiel kommt die allgemeine Map-Syntax schlüssel => wert zum Einsatz, die anders als die Kurzform schlüssel: wert auch Nicht-Atom-Schlüssel erlaubt:
Der Lookup in medal/0 verwendet versehentlich einen String statt einer Zahl, ein klassischer Flüchtigkeitsfehler. Der Compiler meldet:
warning: incompatible types given to Map.fetch!/2:
Map.fetch!(scores(), "1")
the map:
dynamic(%{integer() => binary()})
does not have all required keys:
binary()
therefore this function will always raise
Er erkennt also nicht nur den Typfehler, sondern benennt auch die Konsequenz: Der Aufruf wird zur Laufzeit immer scheitern. Bemerkenswert ist, dass die Map hier hinter einer Funktionsgrenze liegt; der Schlüsseltyp reist im inferierten Rückgabetyp von scores/0 mit, das dynamic(...) in der Meldung markiert wie gehabt Werte aus noch untypisiertem Code. Den einfacheren Fall, dass das fehlerhafte Literal direkt im selben Rumpf steht, fing schon Version 1.19 ab; neu ist, dass die Schlüsseldomänen Teil der Typen selbst sind und damit überall gelten, wo Typen hinkommen.
Map.fetch!/2 gehört zu den „Bang“-Funktionen, am Ausrufezeichen erkennbar: Sie werfen bei Problemen eine Exception, statt einen Result-Tupel zurückzugeben. Das Team hat die Map-Analysen konsequent auf diese Varianten ausgedehnt, auch auf Map.pop!/2, Map.replace!/3 und Map.update!/3, denn für den Compiler sind sie ein Anker: Nach einem erfolgreichen Bang-Aufruf steht fest, dass die Map den Schlüssel enthält. Diese Garantie fließt in die inferierte Signatur der umgebenden Funktion ein und wandert so zu jedem Aufrufer.
Cross-Clause-Inferenz im Alltag
Die zweite Phase des Rollouts trägt den Namen Cross-Clause-Inferenz: Der Compiler verfolgt, welche Werte eine Klausel bereits ausgeschlossen hat, und reicht dieses Wissen an die folgenden weiter. Das funktioniert in Funktionsklauseln ebenso wie in case (Musterabgleich mitten im Funktionsrumpf) und den verwandten Verzweigungskonstrukten cond und with. In einer Sprache, die Kontrollfluss über Klauseln verteilt, hat das weitreichende Folgen (Abbildung 2).
Datenfluss der Inferenz durch eine Funktion: Patterns, Guards und Body speisen eine gemeinsame Wissensbasis, aus der sich jede folgende Klausel bedient. So erkennt der Compiler ab Version 1.20 tote Zweige, die frühere Klauseln längst abgedeckt haben (Abb. 2).
Eine typische Situation: Beim Aufräumen wandert ein nil-Check in eine eigene Funktionsklausel, der alte Check im Rumpf bleibt aber versehentlich stehen.
def greet(nil) do
"Hallo, Fremde:r"
end
def greet(name) do
if is_nil(name) do
"unerreichbar"
else
"Hallo, " <> String.upcase(name)
end
end
Die zweite Klausel trägt keinerlei Einschränkung, kein Pattern, kein Guard; aus ihr allein kann der Compiler nichts über name ableiten. Dank Cross-Clause-Inferenz weiß er trotzdem etwas: Was hier ankommt, hat die erste Klausel nicht gematcht, kann also nicht nil sein. Der innere if-Zweig ist damit unerreichbar, übrig bleibt der else-Zweig, der den Namen großschreibt und per <> (Elixirs Verkettungsoperator für Zeichenketten) in den Gruß einsetzt. Vor 1.20 blieb der tote Zweig unbemerkt im Bytecode, jetzt meldet der Compiler:
warning: comparison between distinct types found:
name == nil
given types:
dynamic(not nil) == nil
where "name" was given the type:
# type: dynamic(not nil)
name
While Elixir can compare across all types, you are comparing
across types which are always disjoint, and the result is
either always true or always false
Der Typ dynamic(not nil) ist das Set-Minus, sichtbar geworden im Compiler-Output: alles, was die erste Klausel übrig lässt. Der Compiler übersetzt is_nil(name) intern in name == nil, sieht, dass „alles außer nil“ und nil keine Schnittmenge haben, und folgert, dass der Vergleich immer dasselbe ergibt. Solche Hinweise sind für Refactorings Gold wert: Sie zeigen, wo Code syntaktisch zulässig, aber semantisch tot ist.
Dieselbe Buchführung deckt ganze Klauseln als überflüssig auf: Fängt eine spätere case-Klausel ein nil ab, das eine frühere längst gematcht hat, meldet der Compiler „the following clause is redundant“ und listet die schon abgedeckten Typen gleich mit auf. Bis 1.19 rutschten solche Klauseln durch, weil der Compiler sie nicht miteinander verrechnete; in über Jahre gewachsenen Codebasen werden sie jetzt sichtbar, ohne dass jemand gezielt nach ihnen suchen müsste.
Wo der Compiler schweigt
So überzeugend das wirkt: Das System hat klar umrissene Grenzen. Der Compiler inferiert, nimmt aber keine Anweisungen entgegen. Eine Syntax für explizite Typdeklarationen existiert noch nicht, und @spec-Annotationen ignoriert das neue Typsystem vollständig; sie bleiben Dokumentation und Dialyzer vorbehalten. Wer der Inferenz helfen will, tut das über den Code selbst, etwa mit Patterns und Guards statt blind durchgereichter Werte. Eine Funktion, die einen Wert nur durchreicht, bleibt polymorph, nimmt also weiterhin jeden Typ entgegen; der Compiler zwingt sie nicht, sich festzulegen.
Generics fehlen ebenfalls noch: kein <T> wie in Java oder TypeScript. Für generische Funktionen wie Enum.map/2 arbeitet die Inferenz mit Vereinigungs- und Schnittmengen, was im Alltag meist reicht, bei generischen Containern aber unpräziser bleibt als ein parametrisiertes System. Parametrische und rekursive Typen sind als nächste Ausbaustufe angekündigt.
Die dritte Phase, Inferenz über Abhängigkeitsgrenzen, wirkt dagegen sofort: Mix, Elixirs Build-Werkzeug, kompiliert die Abhängigkeiten eines Projekts aus dem Quelltext mit; deren inferierte Typen stehen damit jedem Projekt zur Verfügung, das mit 1.20 baut. Grenzen setzt eher die Metaprogrammierung: Makros, also Code, der beim Übersetzen weiteren Code erzeugt, sind das Fundament vieler APIs von Phoenix und der Datenbankbibliothek Ecto [16]; was sie erzeugen, ist für die Inferenz nicht immer durchschaubar. Außerdem kann der neue Compiler Warnungen in Bibliothekscode aufdecken, deren Behebung den jeweiligen Maintainern obliegt.
Der Dialyzer schließlich verschwindet mit 1.20 nicht: Er prüft weiterhin Dinge, die das neue Typsystem nicht abdeckt, etwa ganze Codebasen per Success Typing. Wer ihn heute schon in der CI einsetzt, lässt ihn also vorerst dort und beobachtet, welche Fehlerklassen der neue Compiler nach und nach übernimmt. Wer ihn bislang nicht nutzt, hat mit 1.20 kaum noch einen Grund, damit anzufangen.
Rückenwind für Coding-Agenten
Eine Frage drängt sich 2026 bei jedem Sprach-Release auf: Was bedeutet das für KI-gestützte Entwicklung? Beim Typsystem von Elixir 1.20 fällt die Antwort konkreter aus als üblich, denn seine Designentscheidungen passen auffallend gut zur Arbeitsweise von Coding-Agenten, also Werkzeugen wie Claude Code, Cursor oder GitHub Copilot, die Code nicht nur vervollständigen, sondern eigenständig schreiben, kompilieren, testen und nachbessern.
Solche Agenten arbeiten in einer Schleife: Code erzeugen, Feedback einsammeln, korrigieren. Die Qualität des Ergebnisses hängt direkt an der des Feedbacks, und genau hier setzt das neue Typsystem an. Der Fehler aus dem Eingangsbeispiel, ein plausibel aussehendes Feld mit falschem Typ, ist zugleich der typische Fehler von Sprachmodellen: Sie erzeugen statistisch wahrscheinlichen Code, keinen verifizierten. Ein Compiler, der solche Widersprüche deterministisch und in Sekunden meldet, ersetzt in der Agentenschleife viele teure Testläufe; mix compile --warnings-as-errors wird zum günstigsten Prüfschritt der Pipeline. Dass dabei praktisch keine Falschmeldungen entstehen (die erwähnten „verified bugs“), wiegt für Agenten schwerer als für Menschen: Ein Mensch erkennt eine unberechtigte Warnung und ignoriert sie, ein Agent verrennt sich in Korrekturschleifen für Fehler, die keine sind. Und weil niemand Annotationen pflegt, gibt es auch keine Typsignaturen, die vom generierten Code abdriften könnten.
Dass diese Passung kein Zufall ist, zeigt ein Blick auf die Beteiligten. Tidewave [17], einer der Sponsoren der Typsystem-Entwicklung, stammt von Valims eigener Firma Dashbit: ein Coding-Agent, der im Browser direkt neben der laufenden Phoenix- oder Rails-Anwendung arbeitet und ihr über das Model Context Protocol in Datenbank, Logs und UI-Zustand schaut. In einem Blogbeitrag vom Februar 2026 [18] erklärt Valim die schnelle, präzise Compiler-Rückmeldung ausdrücklich zum Standortvorteil für agentisches Arbeiten. Zahlen dazu liefert Tencents Benchmark AutoCodeBench [19], der über 30 Sprachmodelle auf Aufgaben in 20 Programmiersprachen loslässt: Keine andere Sprache erreichte eine höhere Lösungsquote als Elixir; Claude Opus 4 etwa löste 80,3 Prozent der Elixir-Aufgaben.
Die nüchterne Einordnung gehört dazu: Typchecks fangen keine Logikfehler, und ein Agent, der grün kompilierenden Unsinn schreibt, bleibt ein Risiko. Tests, Code-Review und die zuvor beschriebenen Grenzen der Inferenz gelten für maschinell erzeugten Code unverändert. Die Richtung aber ist klar: Je mehr Code nicht mehr von Menschen geschrieben, sondern nur noch von Menschen verantwortet wird, desto wertvoller ist ein Compiler, der garantierte Fehler findet, bevor jemand sie ausführt.
Jenseits des Typsystems
Das Typsystem prägt das Release, ist aber nicht die einzige Baustelle; das Changelog [20] listet alle Neuerungen vollständig auf. Einige stechen heraus.
Die neue Compiler-Option module_definition: :interpreted lässt den Compiler Moduldefinitionen interpretieren, statt sie in BEAM-Bytecode zu übersetzen; auf Maschinen mit vielen Kernen verkürzt das die Compile-Zeiten mancher Projekte drastisch, um den Preis ungenauerer Stacktraces beim Übersetzen.
Etwas Kontext braucht die zweite Neuerung. Reguläre Ausdrücke schreibt Elixir als Sigil, ein mit ~r eingeleitetes Literal (~r/muster/), hinter dem einzelne Buchstaben als Modifier Optionen setzen. Mit Version 28 von OTP (Open Telecom Platform), Erlangs Laufzeit- und Bibliotheksplattform, hat sich die interne Darstellung kompilierter Regexes geändert; sie lassen sich seither nicht mehr ohne Weiteres serialisieren. Das bricht zwei auf der BEAM gängige Muster: Konfigurationsdateien, in denen Projekte auch Werte wie Regexes ablegen, und verteilte Systeme, in denen sich mehrere BEAM-Instanzen, im Erlang-Jargon Knoten, über Rechnergrenzen hinweg verbinden und einander beliebige Datenstrukturen zuschicken, Regexes eingeschlossen. Der Modifier /E erzeugt deshalb einen „exportierbaren“ Regex, und das neue Regex.import/1 überführt ihn zur Laufzeit einmalig zurück in die schnelle kompilierte Form.
Auch das Tooling legt nach. mix test --dry-run listet, welche Tests ein Aufruf starten würde, ohne sie auszuführen. Der Compiler warnt jetzt vor ungenutzten require-Direktiven (sie binden die Makros eines Moduls ein), wie bisher schon bei ungenutzten alias-Kürzeln. Dazu kommen zahlreiche kleine Ergänzungen der Standardbibliothek, etwa Integer.popcount/1 zum Zählen gesetzter Bits, List.first!/1 und List.last!/1 oder Process.get_label/1 fürs Debugging, sowie Performance-Arbeiten an den String-, Base- und Calendar-Modulen.
Ein Block an Breaking Changes und harten Deprecations verdient eigene Aufmerksamkeit, weil er bestehende Codebasen direkt betrifft:
# `require` expandiert im Syntaxbaum nicht mehr zur
# Compile-Zeit zum Modulnamen, gibt das Modul aber
# weiterhin zur Laufzeit zurueck:
require MyMod
# Beim Matching auf eine Groesse im Bit-String-Pattern
# wird der Pin-Operator Pflicht; 1.20 warnt ohne ihn:
<<x::size(^n)>>
# File.stream!-Argumentreihenfolge wurde getauscht:
File.stream!(path, lines_or_bytes, modes)
# Logger-Backends sowie Logger.enable/1 und Logger.disable/1
# sind deprecated; an ihre Stelle treten Erlangs
# :logger-Handler bzw. Logger.put_process_level/2 und
# Logger.delete_process_level/1.
Der erste Punkt ist der subtilste: Gewöhnlicher Anwendungscode merkt von der require-Änderung nichts, selbst Konstrukte wie require(SomeModule).some_macro() funktionieren unverändert. Betroffen sind Werkzeuge und Makros, die den expandierten Syntaxbaum analysieren und sich darauf verließen, dort ein Modul-Atom vorzufinden. Der zweite Punkt betrifft den Pin-Operator ^, der beim Pattern Matching den bestehenden Wert einer Variablen heranzieht, statt sie neu zu binden; wer in Bit-String-Patterns (Elixirs <<...>>-Syntax für Binärdaten) auf eine außen gebundene Größe matcht, bekommt ohne Pin jetzt eine Deprecation-Warnung. Das beseitigt eine alte Quelle subtiler Fehler. Die alten Logger-Backends leben für Umsteiger im Paket logger_backends [21] weiter. Erwähnenswert noch: Der Tokenizer verbietet aus Sicherheitsgründen rohe Carriage-Return-Zeichen in Strings und Kommentaren, ein Schutz vor Trojan-Source-artigen Angriffen.
Der Umstieg auf 1.20
Elixir 1.20 verlangt mindestens OTP 27 und ist bis einschließlich OTP 29 [22] kompatibel, das Mitte Mai 2026 erschienen ist. Wer noch auf OTP 26 festhängt, holt diesen Schritt zuerst nach.
Für den Rollout hat sich ein Muster bewährt: in einem separaten Branch das neue Elixir über mise [23] oder asdf [24] installieren, mix deps.get ausführen, dann mix compile --warnings-as-errors. So zeigen sich alle Warnungen, die das neue Typsystem über die Codebasis verteilt. Bei größeren Projekten werden es zunächst viele sein, nicht wegen übervorsichtiger Heuristiken, sondern weil sich über Jahre Inkonsistenzen angesammelt haben, die erst jetzt sichtbar werden.
Für Bibliotheksautorinnen und -autoren gilt: Die Nutzer einer Library erben deren Typwarnungen, denn die Inferenz wirkt, wie beschrieben, über Abhängigkeitsgrenzen hinweg. Ein eigener Compile- und Testlauf unter 1.20, bevor die Anwender ihn machen, ist deshalb gut investierte Zeit.
Ausblick
Elixir 1.20 markiert den Moment, in dem das Typsystem den Alltag erreicht. Das Kernteam erklärt den ersten großen Meilenstein für abgeschlossen: Inferenz und graduelles Typchecking jedes Elixir-Programms, ohne eine einzige Annotation.
Der weitere Weg ist öffentlich dokumentiert. Für Elixir 1.21 und 1.22 stehen parametrische und rekursive Typen an, mit der Typisierung anspruchsvoller Module wie Enum als Härtetest für Ergonomie und Performance. Erst wenn diese Bausteine stehen und sich die Inferenz in großen Produktionscodebasen bewährt hat, will das Team typisierte Struct-Definitionen angehen und zuletzt echte Typsignaturen in die Sprache holen. Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: Signaturen, die der Compiler nicht effizient prüfen kann, wären ein Versprechen ohne Deckung.
Das größere Bild passt zur Bewegung, die José Valim seit Jahren verfolgt: eine funktionale Sprache für die BEAM, die ihren Stil nicht aufgibt, aber die Werkzeuge bekommt, um in großen Teams und großen Codebasen genauso selbstverständlich zu funktionieren wie in kleinen Start-up-Projekten. Version 1.20 ist nicht der Abschluss dieses Wegs, aber wohl der sichtbarste Schritt auf ihm.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11346139
Neu in .NET 10.0 [29]: IP-Adressen prüfen mit IPAddress.IsValid()
Von Heise — 26. Juni 2026 um 09:18
(Bild: Pincasso / Shutterstock.com)
Die neue Methode IsValid() prüft schneller als ältere Methoden in .NET, ob eine IP-Adresse einen gültigen Aufbau hat.
Zur Prüfung von IP-Adressen gibt es in der Klasse System.Net.IPAddress schon seit .NET Framework 2.0 die statische Methode TryParse(), die eine IP-Adresse aus einer Zeichenkette extrahiert.
Seit .NET Core 2.1 ist die Extraktion auch aus dem Typ ReadOnlySpan<char> möglich. Der Rückgabewert ist ein bool-Wert und die extrahierte IP-Adresse wird in Form einer Instanz der Klasse IPAddress als out-Parameter geliefert. Wenn man nur prüfen will, ob die IP-Adresse stimmt, schreibt man IPAddress.TryParse(eingabe, out _).
In .NET 10.0 bietet Microsoft nun in der statischen Methode IsValid() eine weitere Prüfungsvariante mit weniger internem Aufwand. Folgender Code vergleicht IsValid() mit TryParse():
/// <summary>
/// IsValid mit ReadOnlySpan<char> oder ReadOnlySpan<byte> als Alternative zu IPAddress.TryParse(span, out _)
/// </summary>
public void Run()
{
CUI.Demo("IPAddress.IsValid()");
string IP1 = "192.168.1.0"; // gültige IPv4-Adresse
CUI.H2(IP1);
// --- Alt
var valid1 = IPAddress.TryParse(IP1, out _);
Console.WriteLine("TryParse: " + valid1); // true
// --- Neu
System.Console.WriteLine("IsValid: " + System.Net.IPAddress.IsValid(IP1)); // true
string IP2 = "192.168.256.1"; // ungültige IPv4-Adresse
CUI.H2(IP2);
// --- Alt
var valid2 = IPAddress.TryParse(IP2, out _);
Console.WriteLine("TryParse: " + valid2); // false
// --- Neu
System.Console.WriteLine("IsValid: " + System.Net.IPAddress.IsValid(IP2)); // false
}
Der Code nutzt die alte und die neue Methode, um IP-Adressen auf Gültigkeit zu prüfen (Abb. 1).
Dafür kehrt Microsoft nun einfach eine bisher interne Methode TargetHostNameHelper.IsValidAddress() nach außen, wie sich dem Issue auf GitHub [1] entnehmen lässt.
IsValid() ist performanter als TryParse() und benötigt keinen Speicher (Abb. 2).
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Von Simon Krebs — 26. Juni 2026 um 14:26
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Gwynne Shotwell: SpaceX spricht offen über ein eigenes Mobilfunknetz
Von Achim Sawall — 26. Juni 2026 um 14:15
SpaceX plant offenbar den Aufbau eines Mobilfunknetzes in den USA und könnte damit vom D2D-Partner zum direkten Konkurrenten für T-Mobile, AT&T und Verizon werden.
Gwynne Shotwell, Präsidentin und Chief Operating Officer (COO) von SpaceX beim IPO am 12. Juni 2026Bild:
Spencer Platt/Getty Images
SpaceX hat erneut Informationen zu einem eigenen Mobilfunknetz in den USA veröffentlicht. Wie laut einem Bericht der britischen Financial Times vier mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, erklärte Gwynne Shotwell, Präsidentin und Chief Operating Officer (COO) des Unternehmens, kürzlich im Rahmen einer Roadshow für den Börsengang, dass die Gruppe die Einführung eines Starlink-Produkts für Endkunden erwäge und ein eigenes terrestrisches Mobilfunknetz in den USA aufbauen könnte.
Neben seiner Internetversorgung mit den Starlink-Satellitenschüsseln bietet Starlink mit Evolved-Node-B-Modems in vielen seiner Satelliten ein schmalbandiges D2D-Netz für Smartphones.
Starlink würde damit in direkte Konkurrenz zu den drei großen US-Netzbetreibern Verizon Wireless, AT&T und T-Mobile US treten. Mit T-Mobile, die US-amerikanische Tochter der Deutschen Telekom, hat Starlink eine Kooperation, die als T-Satellite vermarktet wird. Die großen Mobilfunkbetreiber decken nur etwa 70 bis 75 Prozent der Landmasse der USA ab, daher besteht dort ein ganz anderer Bedarf.
Bevorzugte Lösung für Konnektivität
In dem IPO-Prospekt erklärte SpaceX, man erwarte zwar, dass der Starlink-Mobilfunkdienst "vor allem für Kunden in abgelegenen Gebieten, die nicht von terrestrischen Mobilfunknetzen abgedeckt werden, von größtem Nutzen sein wird". Die langfristigen Ambitionen reichen jedoch weiter. Mit der Verbesserung der Leistungsfähigkeit und des Wachstums der Satellitenkonstellation, so der Prospekt, strebe das Unternehmen an, "für unsere Kunden – unabhängig von ihrem Standort, ob ländlich, vorstädtisch oder städtisch – die bevorzugte Lösung für Konnektivität zu sein."
Elon Musk antwortete bereits im September 2025 auf die Frage, ob Starlink eines Tages weltweit satellitengestützten Mobilfunkdienst bereitstellen und eine Alternative zu traditionellen Anbietern wie AT&T werden werde: "Das wäre eine der Optionen."
Neue Frequenzauktion in den USA
Gegenwärtig hat Starlink mit Direct-to-Device eine Kapazität, die nur Potenzial für SMS und Sprachtelefonie hat. Starlink könnte jedoch Netzkapazität bei den Mobilfunkbetreibern einkaufen und als virtueller Mobilfunkbetreiber (MVNO – Mobile Virtual Network Operator) starten oder tatsächlich ein eigenes Netz aufbauen.
Erst am 23. Juni 2026 endete eine Frequenzauktion der Federal Communications Commission (FCC) mit dem Verkauf von 200 AWS-3-Lizenzen. Es wurden mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar eingenommen. Die Auktion begann am 2. Juni und endete nach 72 Runden. Die FCC wird die Liste der Gewinner voraussichtlich in den kommenden Tagen veröffentlichen. Dann wird sich auch zeigen, welche Rolle SpaceX dabei gespielt hat. Insgesamt waren 17 Unternehmen zur Teilnahme an der Auktion zugelassen. AWS steht in diesem Kontext nicht für Amazon Web Services, sondern für Advanced Wireless Services. Es handelt sich um lokal verstreute Frequenzen im Mid-Band in den Bereichen 1700 MHz für den Uplink und 2100 MHz für den Downstream.
Das Jahr 2026 entwickelt sich für Tech-Enthusiasten zu einem echten Desaster. Große Marken heben die Preise für Produkte merklich an oder bieten alte Hardware für mehr Geld an. All das haben wir dem Hype um KI und den damit einhergehenden enormen Komponentenkosten zu verdanken.
Wollen wir uns etwa nach einem neuen Laptop umschauen, wird es schnell teuer. Microsoft hat wegen der hohen RAM-Preise etwa einen Surface Laptop mit 8 GByte RAM im Angebot, der mehr kostet als das Vorgängermodell mit 16 GByte RAM. Noch besser: US-Kunden erhalten ein "neues" Surface Pro mit dem gleichen zwei Jahre alten Qualcomm-Chip. Das einzig Neue ist der höhere Preis.
Gleichzeitig verrät Microsoft das eigene Narrativ, 16 GByte RAM seien für KI-Anwendungen und für die beste Leistung in Windows 11 Pflicht. Noch 2024 hatte der Konzern sogar Dritthersteller dazu aufgefordert, ihre PCs ebenfalls mit entsprechend viel Arbeitsspeicher auszustatten.
Auch Dell bietet ein neues XPS 13 mit 8 GByte RAM an, das statt der zuvor erhofften 800 bis 900 Euro nun doch mindestens 1.050 Euro kostet. Dabei hätte der Laptop eine so großartige Alternative zu Apples Macbook Neo werden können.
Denn bei Apple gibt es ironischerweise noch halbwegs günstige Hardware. Aber: Mittlerweile hat auch Apple die Preise für mehrere Macs, iPhones, iPads und mehr angehoben. Wohlgemerkt ist das schon die zweite Preiserhöhung in kurzer Zeit. Dieses Mal steht aber auch das Macbook Neo auf der Liste, das mit einem neuen UVP von 800 Euro auf einmal wesentlich unattraktiver wirkt.
Eigenbau-PC als Geldloch
Macht nichts, wir können unser Geld sicher auch in einen Desktop-PC oder eine Spielekonsole investieren, oder? Die enormen Preise für RAM und Flash-Speicher generell verderben uns aber auch hier den Spaß. Beim PC-Eigenbau müssen wir etwa 250 Euro für 16 und sogar mehr als 400 Euro für 32 GByte DDR5-RAM einplanen. Auch SSDs sind seit Anfang des Jahres stetig im Preis gestiegen. Kostete die vergleichsweise günstige Kingston NV3 Anfang 2026 etwa noch 100 Euro, liegt ihr Preis bei mittlerweile 140 Euro.
Dabei müssen wir obendrein mit den absurden Preisen für Grafikkarten leben, die seit den bekannten Wucherpreisen während der Coronapandemie stabil hoch sind. So bezahlen wir gut und gerne mehr als 300 Euro für mittlerweile weit mehr als zwei Jahre alte Grafikkarten (wir schauen auf euch, Geforce RTX 5060 Ti und Radeon RX 9060 XT), die aktuelle Spiele geradeso in Full-HD-Auflösung berechnen können. Für wirkliches High-End wie eine Geforce RTX 5080 geben wir wesentlich mehr als 1.000 Euro aus.
Die Geforce RTX 5090 und sogar die ältere RTX 4090 sind mit ihren Preisen auf dem Mond gelandet. Und das Beste ist, dass Neuankündigungen für Grafikkarten wahrscheinlich erst 2027 folgen. Bis dahin können wir uns mit jahrealten Restposten begnügen.
Xbox kaufen? Das macht dann 100 Euro mehr
Alternativ können wir auch eine der aktuellen Spielekonsolen kaufen. Aber auch hier gibt es schlechte Nachrichten, denn Sony, Nintendo und Microsoft haben die Preise für ihre Spielekonsolen 2026 natürlich ebenfalls angehoben.
Microsoft kündigte erst vor Kurzem Preiserhöhungen für die ohnehin sehr teure Xbox Series X von weiteren 100 bis 150 US-Dollar an. Nintendo wird im September auch noch einmal am Preis der Switch 2 schrauben. Valve musste die eigene Steam Machine ebenfalls zu sehr unattraktiven Preisen von 1.050 Euro vorstellen. Selbst Eigenbau-PCs kosten hier oft weniger Geld.
In all unserem Ärger bleiben uns deshalb nur wenige Auswege.
Wer im Jahr 2026 neue Hardware kaufen möchte, sollte sich damit wahrscheinlich entweder beeilen oder darauf verzichten. Denn schon jetzt ist klar, dass sich Preise für RAM und Komponenten auch im kommenden Jahr nicht erholen werden.
Eine Möglichkeit ist deshalb, auf den Gebrauchtmarkt zu schauen. Gerade Refurbished-Macbooks oder ältere Windows-Laptops können zu weit besseren Preisen erworben werden, wenn wir nicht unbedingt die aktuelle Generation an CPUs und GPUs benötigen. Gleiches gilt für gebrauchte Spielekonsolen und Desktop-PCs. Oft sind trotz der aktuellen Marktlage auf Auktionsplattformen und Kleinanzeigenportalen gute Angebote zu finden.
Große RAM-Hersteller wie Micron, SK Hynix und Samsung sitzen in all dem Chaos natürlich direkt an der Quelle. Entsprechend schießen ihre Aktienwerte teilweise sporadisch und für Außenstehende nicht nachvollziehbar in die Höhe. Wir können unser Geld für neue Hardware also auch sparen und in einen der großen Hersteller investieren.
RAM-Hersteller florieren mit Monstergewinnen
Das birgt auch ein Risiko, keine Frage. So wie es aktuell für das kommende Jahr aussieht, werden die drei großen RAM-Hersteller weiter zulegen. Schließlich waren sie schon zu Anfang des Jahres teils komplett ausgebucht. Entsprechend konnte SK Hynix etwa den eigenen Marktwert um 280 Prozent steigern. Bei Micron sind es 325 Prozent, bei Samsung 69 Prozent.
Mit möglichen Gewinnen aus diesen absurd aufgeblähten Aktienwerten könnten wir unsere Wunsch-Hardware finanzieren. Denn eines ist sicher: Bevor Großkonzerne ihre Gewinne schmälern, um Preise für Kunden möglichst bezahlbar zu halten, wird wohl eher die KI-Blase platzen.
Wer dieses Risiko nicht tragen will, kann das eigene Geld auch einfach anlegen. Die aktuelle Marktlage treibt Zinsen für Sparer wieder nach oben. Legen wir 4.000 Euro auf einem Konto mit aktuell von der EZB ausgegebenen 2,25 Prozent Zinsen an, haben wir immerhin GTA 6 bezahlt – sogar die 100 Euro teure Ultimate-Variante.
Fehlt nur noch eine Spielekonsole zum Wucherpreis – Mist.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)