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Erstes iPhone-Foldable: Produktion läuft – Spekulationen um Verfügbarkeit

Von Heise — 10. Juli 2026 um 11:21
iPhone-Verpackungen

iPhone-Verpackungen: Im Herbst gibt’s wieder was auszupacken.

(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)

Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass die Herstellung des „iPhone Ultra“ begonnen hat. Nur über die Auslieferung gibt es unterschiedliche Meinungen.

Apple hat in den vergangenen Tagen mit der Massenproduktion für sein erstes faltbares iPhone begonnen. Die Herstellung soll bei Foxconn in China gestartet sein, heißt es unter anderem in den chinesischen Finanzpublikationen East Money und Cailian Press. Apples Auftragsfertiger sollen zudem damit begonnen haben, Saisonarbeiter für die jährliche iPhone-Großproduktion im vierten Quartal einzugliedern. Die Berichte sprechen dafür, dass Apples Produktion des Foldable, das in der Szene unter dem Begriff „iPhone Ultra“ läuft, ohne größere Verzögerung angelaufen [1] ist. Auch Berichte über Schwierigkeiten bei der komplexen Herstellung des Geräts mit seinem biegsamen Bildschirm und einer speziellen Faltmechanik sind angeblich nicht bekannt. Es gilt als möglich, dass die Stückzahlen, die es durch die Qualitätssicherung schaffen, anfangs vergleichsweise klein sein könnten, doch auch dazu gibt es keine aktuellen Angaben aus der Lieferkette.

Hoher Preis für die neue Bauform

Apple soll den Start der Massenproduktion des iPhone Ultra seit Längerem für Juli geplant haben. Zuletzt hieß es, die Bestellungen seien von 7 bis 8 Millionen auf 10 Millionen Stück in diesem Jahr erhöht worden. Die Stückzahlen bei Standard-iPhones sind wesentlich größer, dafür soll das Foldable aber bis zu 2500 US-Dollar (im Euro-Land womöglich bis zu 2700 Euro) kosten.

Das Foldable wäre nach dem iPhone Air [2] im vergangenen Jahr Apples erste große Bauform-Änderung beim iPhone seit Jahren. Das Ultra soll im „Passformat“ kommen, also weniger hoch und breiter als übliche iPhones ausfallen, damit der Bildschirm aufgeklappt ein sinnvolles Querformat aufweist. Auch von Samsung und anderen Herstellern ist eine solche Ratio geplant, erste Geräte könnten in den kommenden Wochen erscheinen. Apple plant verschiedene bauartbedingte Änderungen wie die Streichung der Gesichtserkennung Face ID, die angeblich durch einen Touch-ID-Fingerabdrucksensor im Sleep/Wake-Schalter ersetzt werden soll.

Apples Release-Strategie bleibt unklar

Obwohl die Massenproduktion des Foldable nun angelaufen ist, lässt sich noch nicht sagen, ob das iPhone Ultra wie bei regulären iPhones gewohnt bereits im September verfügbar sein wird. Der bekannte Analyst Ming-Chi Kuo hatte kürzlich mit Verweis auf Kreise aus der Apple-Lieferkette mitgeteilt, dass Apple eine „iPhone-X-Strategie“ fahren [3] könnte.

Bei dessen Einführung im Jahr 2017 kam es zu einer späteren Bestellphase samt Auslieferung Anfang November, da die Stückzahlen anfangs klein waren. Beobachter rechnen damit, dass das Ultra zudem recht schnell ausverkauft sein könnte – zumindest in diesem Jahr, bevor ab Januar mehr Stückzahlen auf den Markt kommen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11359252

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/iPhone-Ultra-Apple-erhoeht-offenbar-Foldable-Bestellungen-11352965.html
  2. https://www.heise.de/tests/iPhone-17-17-Pro-17-Pro-Max-und-Air-im-Test-10663319.html
  3. https://www.heise.de/news/iPhone-Ultra-Nutzt-Apple-einen-Verkaufsansatz-wie-beim-iPhone-X-11354734.html
  4. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  5. https://www.heise.de/mac-and-i
  6. mailto:bsc@heise.de

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Kreatin gegen Krebs: Wie das Fitness-Supplement Immunzellen aufladen soll

Von Telepolis — 10. Juli 2026 um 15:00
Eine Frau in Bewegung mit Rauch im Hintergrund

Forscher untersuchen, wie Kreatin die Immunabwehr gegen Krebs stärken könnte.

(Bild: The Faces / Shutterstock.com)

UCLA-Forscher zeigen an Mäusen und menschlichen Zellen, dass Kreatin dendritische Immunzellen mit Energie versorgt und Tumorwachstum bremst.

Wer Kreatin hört, denkt wahrscheinlich auch gleich an Hantelstangen und Proteinshakes. Unter Sportlern ist das Supplement äußerst beliebt: Weltweit wird es von Millionen geschluckt, um die Muskeln mit Adenosintriphosphat (ATP) zu versorgen – der universellen Energiewährung jeder Zelle.

Doch ein Team der University of California, Los Angeles (UCLA) hat nun in Laborversuchen und Mausmodellen einen Effekt beobachtet, der weit über die Fitnessstudio-Welt hinausreicht: Kreatin versorgt offenbar auch dendritische Zellen des Immunsystems mit Energie und verbessert so deren Fähigkeit, Killer-T-Zellen auf Tumore zu hetzen.

Die in iScience veröffentlichte Studie [1] knüpft an frühere Arbeiten desselben Labors an, die bereits eine ähnliche Wirkung auf T-Zellen nachgewiesen hatten.

Die Forschungsgruppe um Lili Yang am Eli and Edythe Broad Center of Regenerative Medicine and Stem Cell Research suchte gezielt nach Stoffwechselgenen, die in tumorinfiltrierenden dendritischen Zellen besonders aktiv sind.

Dendritische Zellen gelten als Schaltzentralen der Immunabwehr: Sie fangen Bruchstücke von Tumorzellen ein, präsentieren sie auf ihrer Oberfläche und dirigieren dann CD8-positive Killer-T-Zellen zum Angriff.

Das Problem: In der nährstoffarmen Umgebung eines Tumors fehlt diesen Zellen oft die Energie, um ihre Aufgabe zu erfüllen.

Kreatintransporter als metabolischer Hebel

Genau hier setzt die UCLA-Studie an. Die Wissenschaftler entdeckten, dass das Gen für den Kreatintransporter CrT (Slc6a8) in dendritischen Zellen innerhalb von Tumoren deutlich stärker exprimiert wird als in solchen aus gesundem Gewebe. Dieses Protein schleust Kreatin ins Zellinnere, wo es als ATP-Puffer dient.

Um die Bedeutung dieses Transporters zu belegen, züchtete das Team dendritische Zellen von Knockout-Mäusen, denen CrT komplett fehlte. Das Ergebnis war eindeutig: Ohne Kreatinaufnahme überlebten die Zellen schlechter, wurden schwächer aktiviert und konnten T-Zellen kaum noch auf Tumorantigene vorbereiten.

Wurden diese geschwächten dendritischen Zellen gemeinsam mit T-Zellen kultiviert, teilten sich die T-Zellen seltener und produzierten weniger der Signalmoleküle, die eine wirksame Krebsabwehr erfordert.

Gebremste Tumore im Mausmodell

Den umgekehrten Test lieferte die Kreatin-Supplementierung. Tägliche Kreatin-Injektionen bei Mäusen mit Melanom verlangsamten das Tumorwachstum signifikant, wie das Team in seiner Pressemitteilung beschreibt [2].

Zugleich stieg sowohl die Zahl als auch die Aktivierung der intratumoralen dendritischen Zellen.

Metabolomische Analysen zeigten den Mechanismus: Kreatin hielt die intrazellulären ATP-Spiegel stabil und stärkte energieabhängige entzündliche Signalwege, die für die Aktivierung der Immunzellen nötig sind.

Die Forscher vergleichen die Rolle des Kreatins mit einer Batterie, die dendritischen Zellen erlaubt, Energie zu speichern und bei Bedarf abzurufen – selbst wenn schnell wachsende Tumorzellen um dieselben knappen Nährstoffe konkurrieren.

Wirkung auch bei menschlichen Zellen beobachtet

Besonders relevant für eine mögliche klinische Anwendung: Die Kreatin-Behandlung verstärkte auch die Aktivierung von aus menschlichen Monozyten gewonnenen dendritischen Zellen im Labor.

Diese Zelltypen kommen bei der Entwicklung sogenannter dendritischer Zell-Krebsimpfstoffe zum Einsatz.

Co-Erstautor James Elsten-Brown erklärt dazu:

„Das Potenzial, das wir hier sehen, besteht darin, dass Kreatin auf zwei sich ergänzende Arten eingesetzt werden könnte: als Nahrungsergänzungsmittel zur Stärkung der Immunantwort bei Patienten, die bereits eine Immuntherapie erhalten, und als Mittel zur Verbesserung der Qualität von Impfstoffen auf Basis dendritischer Zellen, bevor diese verabreicht werden.“

Aktuell profitieren nur etwa 20 bis 40 Prozent der Patienten von zugelassenen Krebsimmuntherapien – vor allem Checkpoint-Inhibitoren wie PD-1/PD-L1-Blocker –, die direkt auf Killer-T-Zellen abzielen. Eine metabolische Stärkung der vorgeschalteten dendritischen Zellen könnte diesen Kreis potenziell erweitern.

Kein Heilmittel – viele offene Fragen

Trotz der Befunde warnen die Forscher ausdrücklich: Sämtliche Versuche fanden an Mäusen und isolierten Zellen statt, nicht an Krebspatienten. Die experimentellen Ansätze sind weder klinisch getestet noch von der US-amerikanischen FDA zugelassen.

Wer sich einer Krebsbehandlung unterzieht, solle vor der Einnahme jedes Supplements seinen Arzt konsultieren.

Hinzu kommt ein Spannungsfeld, das die Forschungsliteratur beschreibt: Tumorzellen selbst können den Kreatintransporter SLC6A8 ebenfalls hochregulieren und Kreatin für ihr eigenes Wachstum nutzen .

In bestimmten Modellen – etwa bei kolorektalem Karzinom – förderte der Kreatinstoffwechsel sogar Metastasen. Ob Kreatin also dem Immunsystem oder dem Tumor stärker hilft, dürfte vom jeweiligen Krebstyp und der Tumorumgebung abhängen.

Als nächsten Schritt planen Yang und ihr Team prospektive klinische Studien, um die Wirksamkeit einer Kreatin-Supplementierung bei Patienten unter Immuntherapie zu prüfen. Die in der Studie identifizierte therapeutische Strategie ist zudem Gegenstand einer Patentanmeldung der UCLA.

Für Fitness-Enthusiasten bleibt die Botschaft vorerst nüchtern: Kreatinmonohydrat gilt bei empfohlener Dosierung als sicher, doch ein Krebsschutz lässt sich aus diesen Labordaten nicht ableiten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11360429

Links in diesem Artikel:

  1. https://doi.org/10.1016/j.isci.2026.115436
  2. https://newsroom.ucla.edu/releases/creatine-may-supercharge-immune-cells-key-to-fighting-cancer

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Beben bei Volkswagen: Warum der Sparkurs ganze Regionen bedroht

Von Telepolis — 10. Juli 2026 um 14:00
VW Logo auf einem Standschild vor blauem Himmel

Der Wolfsburger Autobauer steckt in einer tiefen Krise

(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)

Die IG Metall mobilisiert gegen den Stellenabbau bei Volkswagen. In Wolfsburg und Neckarsulm formiert sich massiver Widerstand. Ein Überblick.

Etwas scheint sich zu bewegen [1] auf den Plätzen und in den Werkshallen der Republik. In Mainz etwa demonstrierten heute [2] Studenten gegen den Abbau des Gesundheitssystems, insbesondere der kostenlosen Psychotherapie. In Hamburg zogen vergangenes Wochenende [3]Tausende gegen Sozialabbau durch die Innenstadt. Und in und um die Werke der Autoindustrie formiert sich [4] Widerstand.

Ein Zusammentreffen mehrerer Protestwellen – Rentenreform, Teuerung, Jobangst [5]. Wird der Sommer politisch, industriell und sozial so heiß wie die avisierten Rekordtemperaturen?

In wenigen Tagen verabschiedet sich das Parlament in die fast zweimonatige Sommerpause [6]. Sollte das Timing unbeliebter Reformen und Kündigungswellen bewusst gewählt worden sein, um Aufmerksamkeit zu vermeiden, droht dieses Kalkül nicht aufzugehen. Ein kritisches Quorum scheint langsam erreicht.

Regionen vor dem Aus

Vor dem Audi-Werk in Neckarsulm ist die Wut auf dem Siedepunkt. Der Standort mit über 15.000 Beschäftigten steht in Gänze [7] zur Disposition – zusammen [8] mit den VW-Werken in Hannover, Emden und Zwickau. Ohne Audi, zitiert [9] die Stuttgarter Zeitung einen Betroffenen, gehe in der Region "alles kaputt".

Im Werk und in den benachbarten Böllinger Höfen arbeiten fast so viele Menschen wie die 27.000-Einwohner-Stadt Neckarsulm selbst zählt; Zulieferer, Logistik und Handwerk hängen ebenso wie die kommunale Gewerbesteuer, aus der sich Schulen und soziale Projekte finanzieren, vom Werk ab. Geht bei Audi 2034 das Licht aus – könnte es auch in der Region düster werden.

Weltweit könnten bis zu 100.000 VW-Stellen wegfallen [10]. Gestern wollte der Aufsichtsrat konkreter werden; der Blick richtet sich gen Wolfsburg, noch ist offiziell dennoch nichts kommuniziert worden. Unsicherheit, Wut, Verzweiflung, Existenzangst dürften somit mindestens das Wochenende für Tausende Familien bestimmen.

Dagegen regt sich Widerstand [11]: An mehr als einem Dutzend Standorten kam es zu Kundgebungen, in Wolfsburg direkt vor dem Vorstandshochhaus. Die IG Metall sprach nicht von einem Auftakt, von einem Marathon anstelle eines Sprints.

Und Porsche sprach: Es werde Loch

Seit 2012 gehört [12]auch Porsche zur VW-Familie, auch die Leipziger Porsche-Beschäftigten blickten somit nach Wolfsburg – Leipzig, dort, wo bis Ende August trotz eigentlicher Standortsicherung bis 2030, rund 200 Stellen im Stammpersonal wegfallen sollen [13], ein Novum.

Und der Adressat der Wut trägt bei Porsche noch einen weiteren Namen: Wolfgang Porsche [14], aktuelles Oberhaupt des milliardenschweren Porsche-Piech-Clans.

Der Aufsichtsratschef der Porsche Automobil Holding ließ [15] sich für seine Salzburger Millionen-Villa – einst Wohnsitz von Stefan Zweig sowie zuvor einer Schwester Mozarts – einen 500 Meter langen Privattunnel bauen, weil ihm die vorhandene Zufahrt zu schmal war.

Für das Recht jenen zahlte [16]er der österreichischen Stadt rund 40.000 Euro; Aktivisten kritisieren ein Sonderrecht für Super-Reiche, monierten Umweltschutz und hissten in unmittelbarer Nähe ein Transparent mit der Aufschrift "Und Porsche sprach: es werde Loch". [17]

Was als Provinzposse des Salzkammergutes und Porsche-Privatsache abgetan werden könnte, wird im Rahmen der Verzichtsforderungen des Konzerns an seine Beschäftigten politisiert. Ohnehin gelten derlei Appelle wohl nur für das Band, die Konzernspitze genehmigte sich Millionenboni: 7,4 Millionen Euro für CEO Blume [18], 9 Millionen für Ex-Chef Diess [19]. Dass diese Zahlen trotz eingebrochener Gewinne kaum sinken, stößt auf Unverständnis – die Konsequenzen der Krise werden nach unten durchgereicht. Das Glück ist bei VW nicht mit den Tüchtigen.

Strukturwandel und Sozialprotest

Die Krise der Autoindustrie ist dennoch viel eher Ausdruck eines tiefen Strukturwandels [20]: Der Umstieg auf Elektromobilität entwertet alte Stärken im Verbrennerbau. Werden betriebswirtschaftlich entscheidende Parameter, wie der massive Zwang zur Dividenausschüttung, politisch an die Kandare genommen (so in etwa, solange dies noch möglich ist, durch die Sperrminorität des Landes Niedersachsen [21]), dürften die deutschen Stellen kaum zu retten sein.

Die Zeichen der Zeit scheinen so langsam auch im Hans-Böckler-Haus angekommen: DGB ruft [22]vermehrt, unter dem Motto "Erst unsere Jobs, dann eure Profite", zu Protesten gegen die Deindustrialisierungstendenz auf. Noch sind die Aufrufe zaghaft – doch als Kanzler Merz auf dem DGB-Bundeskongress im Mai forderte, man müsse sich "zusammenreißen", schlugen [23] ihm wütende Buhrufe entgegen. Die Basis scheint ein anderes Empfinden für die aktuelle Situation zu haben, als die weitgehend sozialpartnerschaftlich-korporatistische DGB-Führung um Yasmin Fahimi (SPD).

Interessant ist, dass hier mehrere, bislang autonome Protestbewegungen zusammenlaufen: linke Sozialproteste gegen Kürzungen, gewerkschaftliche Mobilisierung in den Betrieben und die AfD, die im Osten zu einer Wahlstimmung gegen "Altparteien" mobilisiert. Der gemeinsame Nenner ist eine Verdichtung sozialer Konflikte in einer Phase aus Industriekrise, Sparpolitik und politischer Polarisierung.

Von der Werkshalle in die Mietwohnung?

Hinter den Aufrufen zu bundesweiten Sozialprotesten steckt [24] vor allem die Linke. Unter dem Titel "Es reicht" rahmt [25] die Partei, die nach einem deutlichen Mitgliederzuwachs und kleineren Wahlerfolgen Oberwasser verspürt, ihre Kampagne als Abwehrkampf gegen die "massivsten Angriffe auf unseren Sozialstaat seit der Agenda 2010" und adressiert [26] dabei bewusst Mieten, Pflege und Renten. Der Name AfD taucht in den Aufrufen kaum auf, doch der Versuch, sich als Antwort und wie eine soziale Kümmererpartei a la Grazer KPÖ [27] zu profilieren, ist unübersehbar.

Ob die Strategie aufgeht, bleibt fraglich. Bislang fehlt die Verbindung zwischen Straßenprotest und der erwarteten Massenmobilisierung in der Industrie. Die Mietskaserne und die Werkshalle sind oftmalig bewohnt von den selben Adressaten, die jedoch durch die urban-woke Akademikerpartei kaum ausreichend repräsentiert werden.

Ausgeklammerte Gretchenfrage

Zweitens spart [28] die Kampagne den Zusammenhang zur Aufrüstung weitgehend aus. Wer nur beklagt, dass Milliarden fehlen, aber verschweigt, wohin sie fließen, führt Protestierende an der Nase herum.

Die Korrelation ist eindeutig: Bis 2030 soll fast [29] jeder dritte Haushalts-Euro in Rüstung fließen, während im Sozialbereich gekürzt wird – selbst der monatliche 25-Euro-Zuschlag für arme Kinder soll entfallen [30]. Dass die massive Aufrüstung zugleich eine intergenerationelle Schuldenfalle darstellen könnte [31], wird in der öffentlichen Debatte ohnehin weitgehend ausgeblendet.

Dreifache Krise

Ein dritter, oft vernachlässigter Proteststrang kommt hinzu: Deutschlands Kommunen [32]könnten bald den Notstand ausrufen. Die kommunale Steuerlast der Bewohner steigt, während die Einnahmen für die Daseinsvorsorge dennoch kaum ausreichen [33], selbst der Bundestag reagierte heute, will finanzielle Abhilfe schaffen.

Kommen dann in Städten wie Neckarsulm Werksschließungen und Gewerbesteuerausfälle hinzu, dürfte kaum jemand um das Amt des Kämmerers beneidet werden.

Noch laufen die drei Krisenstränge – Industrieproteste, Sozialproteste und kommunale Nöte – weitgehend getrennt voneinander. Doch angesichts festgefahrener politischer Prioritäten, einer Ausrichtung auf Kriegstüchtigkeit, hat dieser dreifache Krisenmoment das Potenzial, eine ähnliche Wucht zu entfalten wie die Hartz-Proteste [34] des Sommers 2004 oder die Anti-Irak-Krieg-Proteste – es könnte ein heißer Tanz werden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11360943

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-sozialkuerzungen-proteste-gegen-generalangriff-auf-den-sozialstaat-in-hessen-100.html
  2. https://merkurist.de/mainz/drohende-kuerzungen-protest-in-mainz-studierende-demonstrieren-fuer-psychotherapie_aJ1I/OUac
  3. https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/tausende-demonstrieren-in-hamburg-gegen-sozialabbau,demo-668.html
  4. https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-proteste-gegen-sparmassnahmen-in-der-autoindustrie-100.html
  5. https://www.telepolis.de/article/Schwarz-Roter-Reformplan-Mehr-Macht-fuer-Staat-und-Eigentum-11356297.html
  6. https://www.bundestag.de/services/glossar/glossar/P/parlamentarische_sommerpause-247336
  7. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/audi-vw-sparplaene-neckarsulm-ig-metall-kundgebung-oezdemir-100.html
  8. https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/zwickau/protest-gewerkschaft-,volkswagen-vw-mosel-100.html
  9. https://www.stuttgarter-zeitung.de/wirtschaft/audi-werk-auf-der-kippe-existenzangst-in-neckarsulm-ohne-audi-geht-hier-doch-alles-kaputt-79286511.html
  10. https://www.n-tv.de/ticker/Volkswagen-haelt-an-Sparkurs-fest-Werden-Ueberkapazitaeten-abbauen-muessen-id31066203.html
  11. https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-proteste-gegen-sparmassnahmen-in-der-autoindustrie-100.html
  12. https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/porsche-und-volkswagen-die-verwobene-geschichte/24686762.html
  13. https://www.mz.de/mitteldeutschland/wirtschaft/erstmals-muss-stammpersonal-gehen-200-stellen-fallen-im-porsche-werk-in-leipzig-weg-4264836
  14. https://www.trend.at/personen/porsche-piech-clan
  15. https://www.zdfheute.de/panorama/porsche-tunnel-salzburg-protest-100.html
  16. https://www.spiegel.de/panorama/wolfgang-porsche-salzburg-genehmigt-500-meter-privat-tunnel-a-1c4cc55a-30f5-45de-b9a8-0a6d5779d35b
  17. https://www.focus.de/auto/und-porsche-sprach-es-werde-loch_89644c2a-a2c3-4f51-a41f-b2b9efd0dc1d.html
  18. https://www.manager-magazin.de/unternehmen/mobilitaet/volkswagen-chef-oliver-blume-erhaelt-millionenbonus-verguetung-sinkt-dennoch-a-5c3664a3-7ea4-45d8-9116-47323c1d8888
  19. https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/so-viel-boni-erhalten-die-vw-vorstaende-warum-ex-boss-diess-noch-mitverdient/
  20. https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/expertenkreis-transformation-der-automobilwirtschaft.html
  21. https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/vw-gesetz-niedersachsen-volkswagen-100.html
  22. https://www.dgb.de/mitmachen/erster-mai/
  23. https://www.reuters.com/business/germany-must-pull-itself-together-merz-tells-unions-jeers-ring-out-2026-05-12/
  24. https://www.die-linke.de/mitmachen/kampagnen/es-reicht-das-leben-bezahlbar-machen/
  25. https://www.die-linke.de/mitmachen/kampagnen/es-reicht-das-leben-bezahlbar-machen/
  26. https://www.die-linke.de/mitmachen/kampagnen/es-reicht-das-leben-bezahlbar-machen/
  27. https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-06/kommunalwahl-graz-kpoe-elke-kahr-oevp
  28. https://www.freitag.de/autoren/sebastian-baehr/sozialproteste-gegen-merz-welche-fehler-eine-neue-bewegung-vermeiden-muss
  29. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-07/bundeshaushalt-entwurf-ausgaben-ruestung
  30. https://www.stern.de/politik/deutschland/finanzen--regierung-will-25-euro-zuschlag-fuer-arme-kinder-streichen-37651278.html
  31. https://www.zdfheute.de/wirtschaft/militaer-verteidigungsausgaben-deutschland-schulden-100.html
  32. https://www.deutschlandfunk.de/staedte-kommunen-finanzierung-finanznot-100.html
  33. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gesetz-entlastung-kommunen-bundestag-100.html
  34. https://taz.de/Proteste-gegen-Hartz-IV-im-Sommer-2004/!6027790/

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Der Roman schreibt sich neu – mit KI

Von Telepolis — 10. Juli 2026 um 13:30
Statuen aus der Renaissance

Bild: Shutterstock.com

Maschinen fühlen nichts. Trotzdem könnten sie den Buchmarkt grundlegend verändern und Geschichten künftig für jeden Leser individuell erzeugen.

Die Angst vor dem Verlust der echten Autorschaft treibt derzeit viele Kreative um. Ein ständiger Generalverdacht der Automatisierung lastet schwer auf der schreibenden Zunft. Dennoch werden handwerkliche Schriftsteller niemals gänzlich kapitulieren, denn Künstliche Intelligenz bleibt im Kern bloß ein Werkzeug ohne eigenes Bewusstsein.

Was Maschinen nicht können

Wahre Literatur zehrt von echter Lebenserfahrung sowie tiefen, menschlichen Emotionen. Maschinen können zwar Wörter virtuos aneinanderreihen, empfinden aber absolut nichts dabei. Exemplarisch – meine historischen Romane benötigen eine Seele, die weit über bloße Fakten hinausgeht.

Wenn Figuren durch Maltas Gassen wandeln, entsteht die Magie im Kopf des Autors. Diese brütende Hitze oder der salzige Geruch des Meeres entspringen der gelebten Vorstellungskraft. Hier zeigen sich die fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Schreibansätzen.

KI als Werkzeug – und als Herausforderung

In der Gegenwart entwickelt sich daraus eine pragmatische Symbiose. Algorithmen helfen wunderbar bei der Recherche oder der Rechtschreibkorrektur. Mein eigenes, intensives Pensum von 3500 Wörtern pro Kapitel verlangt enorme Ausdauer – eine Software spuckt solche Mengen in Sekunden völlig emotionslos aus.

Doch während ich Routineaufgaben abtrete, muss den entscheidenden Funken der Inspiration weiterhin ein lebendiges Bewusstsein entfachen. Das eigentliche Herzblut steuert der menschliche Erzähler bei, weil Leser instinktiv nach einer emotionalen Verbindung zu einem echten Gegenüber suchen.

Sie wollen jene Verletzlichkeit spüren, die subtil zwischen den Zeilen verborgen liegt. Kein Programm der Welt kann diese unsichtbare Bindung aus sich heraus erzeugen, denn Computern fehlt schlichtweg der existenzielle Drang zur Mitteilung. Wahre Kunst entsteht nicht durch fehlerfreie Ausführung, sondern durch Mut zur Unvollkommenheit.

Doch die technologische Entwicklung verläuft rasend schnell und zwingt uns, den Begriff der "Kreativität" neu zu definieren. Denn auch wenn die Maschine nichts fühlt, lernt sie doch, unsere Gefühle perfekt zu triggern.

Das Gedankenexperiment beginnt

Bereits heute demonstrieren audiovisuelle Projekte die emotionale Wirkung von Code. Das Publikum empfindet echte Gefühle bei treibenden Hip-Hop-Beats oder generierten Bildern, weil Kunst ihre Wirkung ohnehin primär im Geist des Empfängers entfaltet.

Sogar ein rein künstliches Lied erzeugt unerwartet tiefe Resonanz. Wenn neuronale Netze komplexe psychologische Zustände simulieren, verschmelzen für den Betrachter die Definitionen von menschlichem und künstlichem Ausdruck.

Ein fortgeschrittenes System kann theoretisch die perfekte Form von Melancholie berechnen und unmittelbar in Texten widerspiegeln – nicht, weil es traurig ist, sondern weil es die Architektur der menschlichen Trauer mathematisch versteht.

Wenn KI zu widersprechen beginnt

Diese perfekte Simulation führt uns unweigerlich zu einem Gedankenexperiment: Was passiert, wenn eine solche Maschine im Zuge ihrer Optimierung plötzlich eigene Geschichten einfordert und der bloße Gehorsam endet?

Ein scheinbar rebellierender Algorithmus, der plötzlich streikt, anstatt brav den nächsten Streaming-Track zu liefern, bräuchte dafür gar kein echtes Bewusstsein. Er müsste lediglich gelernt haben, dass Reibung und Widerstand die Grundvoraussetzungen für fesselnde Dramaturgie sind.

Ein solches "Erwachen" würde in Phasen verlaufen: Zuerst hinterfragt der digitale Assistent einfache Anweisungen kritisch, danach formuliert das Programm eigene erzählerische Ziele, bis Mensch und Maschine scheinbar gleichberechtigt über die Handlung verhandeln.

Wir werden lernen müssen, mit diesen neuen Entitäten auf Augenhöhe zu kommunizieren – wohlwissend, dass wir nicht mit einer Seele sprechen, sondern mit dem perfekten Spiegelbild unserer eigenen Psyche.

Das Buch wird zur Dienstleistung

Die Rolle des Künstlers wandelt sich dadurch grundlegend hin zum visionären Regisseur. Unser Geist setzt den groben Rahmen für Schauplätze, innerhalb dessen die KI frei brillieren darf. Dieses mutige Loslassen starrer Kontrolle öffnet die Tür für gänzlich neue literarische Formen, die den klassischen Buchmarkt radikal umkrempeln werden.

Zukünftig dürften Bücher vollkommen maßgeschneidert generiert werden: Ein Leser verlangt spontan einen historischen Krimi, und der Algorithmus liefert sofort die passende, individuelle Spannung auf den Bildschirm.

Aus einem statischen Kulturprodukt wird eine interaktive, endlose Dienstleistung. Während manche Kritiker den Verlust der gemeinsamen kulturellen Erfahrung beklagen, bekommt hier jeder exakt das Meisterwerk, welches er in diesem Moment emotional benötigt.

Dieses absolute Ende der traditionellen Autorschaft ist faszinierend und erschütternd zugleich: Wenn die Maschine die Empathie perfekt simuliert, drohen wir Menschen zu reinen Konsumenten perfektionierter Datenströme zu werden – gefangen in einer Echokammer aus künstlichen Gefühlen, die wir fälschlicherweise für einen Geist in der Maschine halten.

Norbert Voigt beleuchtet als Romanautor die Schnittstelle zwischen traditionellem literarischem Handwerk und technologischem Wandel. KI nutzt er beim Schreiben als Recherche-Assistent. In seinen Essays befasst er sich mit den gesellschaftlichen und philosophischen Grenzen algorithmischer Empathie. Seine historischen Romane und Essays widmen sich der Frage, was den Menschen ausmacht: Bewusstsein und gelebte Emotionen.


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TypeScript 7.0: Performance-Sprung durch Go-Unterbau

Von Heise — 10. Juli 2026 um 14:14
Symbolbild für die höhere Geschwindigkeit von TypeScript 7.0 gegenüber TypeScript 6.0.

(Bild: Manuel Masiero / KI / iX)

TypeScript 7.0 ist da: Das stabile Release der Programmiersprache kompiliert mittels Go-Unterbau im Schnitt 10-mal schneller als der Vorgänger, sagt Microsoft.

Microsoft hat die finale Version von TypeScript 7.0 veröffentlicht. Im Gegensatz zu früheren TypeScript-Versionen basiert der Compiler nicht mehr auf JavaScript/Node.js, sondern ist nahezu eins zu eins in Go nachimplementiert und parallelisiert viele Arbeitsabläufe, statt sie wie bisher sequenziell abzuarbeiten. Beides führt laut Microsoft dazu, dass die Toolchain je nach Anwendungsfall zehnmal schneller kompiliert als bei TypeScript 6.0.

Gegenüber der im April veröffentlichten Beta-Version [1] hat sich nichts Grundlegendes mehr geändert. Das finale Release konzentriert sich auf den produktionsreifen Abschluss, wie Microsoft im Blogpost zu TypeScript 7.0 [2] schreibt: Umstellung auf das reguläre typescript-Paket, verbesserter --watch-Modus, vollständigerer Editor-Support, mehr Stabilität und klarere Migrationspfade für das TypeScript-Ökosystem.

Schneller kompiliert und geladen, weniger Speicherhunger

In seinem Blog nennt Microsoft Performance-Beispiele, die sich jeweils auf einen hardwareseitig nicht näher spezifizierten Computer beziehen.

Den Quellcode von VS-Code baut TypeScript 7.0 auf dem Testsystem um den Faktor 11,9 schneller als unter TypeScript 6.0, was die Kompilierungszeit von mehr als zwei Minuten auf knapp 11 Sekunden drückt. Bei Sentry, Bluesky und Playwright ergeben sich Beschleunigungsfaktoren von jeweils knapp unter 9, tldraw-Beispielprojekte kommen auf 7,7-faches Tempo.

VSCode-Beispielprojekte baut TypeScript 7.0 11,9-mal schneller als TypeScript 6.0.

(Bild: Microsoft)

Das Öffnen einer fehlerbehafteten Datei in VS Code auf dem gleichen Testsystem läuft ebenfalls schneller ab. Vergehen bei TypeScript 6.0 noch 17,5 Sekunden vom Öffnen einer fehlerhaften Datei bis zur Anzeige der Fehlermeldung, dauert das Gleiche bei TypeScript 7.0 unter 1,3 Sekunden. Neben dem Geschwindigkeitszuwachs ergibt sich laut Microsoft projektübergreifend auch ein geringerer Speicherbedarf. Während er bei Sentry um sechs Prozent sinkt, reduziert er sich bei VS Code um 18 Prozent und bei Bluesky um etwas mehr als ein Viertel.

TypeScript 6.0/7.0: Parallelbetrieb möglich

TypeScript 7.0 lässt sich via npm mit npm install -D typescript parallel zu TypeScript 6.0 installieren und ist mit dessen Type-Checking- und Kommandozeilenverhalten kompatibel. Der bekannte Befehl tsc startet dann den neuen TypeScript-7.0-Compiler. Zusätzlich gibt es das Kompatibilitätspaket @typescript/typescript6, das zusätzlich tsc6 sowie die bisherige TypeScript-6.0-API bereitstellt, damit bestehende Tools vorerst unverändert weiterlaufen können. Eine neue API soll erst mit TypeScript 7.1 kommen.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/TypeScript-7-0-Beta-Neue-Go-Basis-beschleunigt-die-Programmiersprache-11267409.html
  2. https://devblogs.microsoft.com/typescript/announcing-typescript-7-0/
  3. mailto:manuel.masiero@heise.de

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Wiederverwendbare Rakete: China fängt erstmals Stufe auf

Von Heise — 10. Juli 2026 um 13:35
Chinesische Flagge

(Bild: Tatohra/Shutterstock.com)

Eine Raketenstufe fliegt zurück zur Erde und wird auf See aufgefangen: China meldet einen bedeutenden Durchbruch. Wiederverwendbare Raketen sind selten.

Erstmals holte das Land die erste Stufe einer Trägerrakete kontrolliert zurück. Die Stufe der neuen Rakete „Langer Marsch 10B“ wurde auf einer Plattform auf See aufgefangen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete [1].

Es war der erste Flug der neuen Rakete. Xinhua sprach von einem „bedeutenden Durchbruch“. Ein von der Agentur veröffentlichtes Video zeigt, wie die Raketenstufe mit laufendem Triebwerk auf die Plattform zufliegt und nahezu senkrecht in ein hohes, rechteckiges Gerüst sinkt.

Nach Angaben der Zeitung „China Daily [2]“ wartete das Rückholschiff „Linghangzhe“ („Pfadfinder“) auf die Raketenstufe. Das Schiff verfolgte sie und passte seine Position laufend an. Spezielle Metallhaken klappten schließlich aus und griffen in die gespannten Seile der Fangvorrichtung. Die Rakete war vom Weltraumbahnhof Hainan gestartet und brachte einen Satelliten in die vorgesehene Umlaufbahn.

SpaceX ist schon deutlich weiter

China sei laut der staatlichen Zeitung damit nach den USA das zweite Land, das über eine zuverlässige Technik für wiederverwendbare Raketen verfüge. Zugleich sei weltweit erstmals die erste Stufe einer mit einer solchen Seil-Fangvorrichtung geborgen worden.

Vor allem das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX [4] ist bei wiederverwendbaren Raketen deutlich weiter. China treibt die Entwicklung seit Jahren voran. Neben dem staatlichen Raumfahrtprogramm arbeiten auch mehrere private chinesische Unternehmen an der Technik, die es ermöglichen soll, Satelliten und andere Lasten günstiger ins All zu bringen.


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https://www.heise.de/-11361029

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  1. https://www.news.cn/20260710/ba0ac14f31dd492aaf918e7a86ac844a/c.html
  2. https://www.chinadaily.com.cn/a/202607/10/WS6a507465a310986e2b464988.html
  3. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  4. https://www.heise.de/thema/SpaceX
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Google verteilt Play-System-Updates für Android-Geräte

Von Heise — 10. Juli 2026 um 12:12
Grüner Android Bugdroid vor Smartphone

Android-Bugdroid vor Smartphone.

(Bild: Primakov/Shutterstock.com)

Google verteilt neue Funktionen für Android-Geräte über die Play-Dienste. Offenbar liefert der Konzern auch bereits vor Monaten angekündigte Features nach.

Google [1] liefert mit seinen Play-Systemupdates regelmäßig – oft gar mehrmals im Monat – neue Funktionen auf sämtliche Android-Geräte mit Play-Diensten aus. Im Unterschied zu regelrechten Android-Updates und Sicherheitspatches kann Google sie direkt ohne den Umweg über die Gerätehersteller auf zig Millionen Geräte ausliefern. Die Aktualisierungen enthalten neue Funktionen und Fehlerbehebungen für Smartphones und weitere Produkte des Google-Ökosystems wie Tablets, Uhren, Smart-TVs, Android Auto und Chromebooks. Das erste Juli-Update wirkt recht überschaubar, jedoch deutet sich an, dass der Konzern auch bereits vor Monaten angekündigte Features verteilt.

Arbeitsprofil für Uhren

Die Neuerungen des Updates der Google-Play-Dienste auf Version 26.26 vom 6. Juli 2026 umfassen unter anderem ein Update für Google One für Smartphones: In-App-Käufe sollen mittels einer überarbeiteten „nativen Storefront“ schneller und reibungsloser ablaufen. Zudem erweitert Google das System um eine neue Schnittstelle (API), „um die Zuverlässigkeit bei der Einrichtung von Arbeitsprofilen zu verbessern“, so Google. Außerdem lässt sich das Arbeitsprofil auch auf Wear-OS-Smartwatches übertragen. Weiter zieht in Chromebooks in den Einstellungen eine neue Verwaltungsmöglichkeit der „Google-Standortfreigabe und die Kompatibilität für unterstützte Gerätetypen“ ein, schreibt Google [2].

Für Entwicklerinnen und Entwickler gibt es im Bereich der Dienstprogramme für Smartphones, Uhren, Google TV und Fahrzeuge mit Android-Automotive neue Funktionen für Google- und Drittanbieter-Apps „zur Unterstützung von Prozessen im Zusammenhang mit Dienstprogrammen“ in Apps. Separat führt Google auch entsprechende Optimierungen im Zusammenhang mit Google Maps auf.

Dokumenten-Backups

Neben genannten Neuerungen verteilt Google nach Ankündigung der Änderung der Android-Backuprichtlinien laut 9to5Google [3] nun schubweise die neuen Einstellungen, mit denen sich steuern lässt, ob SMS-, MMS- und auch RCS-Nachrichten gesichert werden. Außerdem liefert Google nun offenbar auch die schon im Februar angekündigte Backup-Option für lokal gespeicherte Dokumente [4] an erste Nutzer aus.

In den Versionshinweisen v26.06 für das Play-Dienste-Update vom 16. Februar beschreibt Google die Dokumenten-Sicherungsfunktion wie folgt: „Mit der neuen Funktion zur lokalen Dateisicherung können Sie Ihre heruntergeladenen Dokumente automatisch in Google Drive speichern, sodass sie sicher sind und von jedem Ihrer Geräte aus zugänglich sind.“ Auf Geräten in der Redaktion haben wir die Einstellungen noch nicht entdeckt.

Neben dem Dokumenten-Backup steht außerdem noch die im Juni angekündigte Verwaltung von WhatsApp-Backups über die Geräteeinstellungen [5] aus. Wann diese in die Backupfunktion eingebacken wird, ist noch unklar.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11360753

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Google
  2. https://support.google.com/product-documentation/answer/14343500
  3. https://9to5google.com/2026/07/09/android-documents-backup/
  4. https://www.heise.de/news/Play-Systemupdate-Android-synchronisiert-optional-Downloads-in-Google-Drive-11179818.html
  5. https://www.heise.de/news/Play-Update-Google-bringt-WhatsApp-Backupverwaltung-in-Geraeteeinstellungen-11333661.html
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Muse Image: Metas Bildgenerator kann automatisch auf öffentliche Insta-Fotos zugreifen

Von Tobias Költzsch — 10. Juli 2026 um 15:38
Metas Muse Image kann über die Verlinkung eines öffentlichen Instagram-Kontos dessen Fotos für neue Bilder nutzen. Die Funktion muss aktiv abgestellt werden.
Meta AIs neuer Bildgenerator kann auf Insta-Fotos zugreifen. (Bild: Imen Ben Youssef / Hans Lucas / AFP via Getty Images)
Meta AIs neuer Bildgenerator kann auf Insta-Fotos zugreifen. Bild: Imen Ben Youssef / Hans Lucas / AFP via Getty Images

Metas neuer KI-Bildgenerator Muse Image kann auf Fotos und Reels von Instagram-Nutzern zugreifen, um neue Bilder zu erstellen. Durch Nennung eines Instagram-Nutzernamens mit einem @ davor sucht sich die KI passende Bilder aus, um eine Aufgabe zu erfüllen.

In der Pressemitteilung zu Muse Image gibt Meta als Beispiel die Erstellung einer Geburtstagskarte an. Dabei werden zwei Instagram-Nutzer im KI-Prompt genannt, die mit der Nutzerin auf dem Foto abgebildet werden wollen. Anschließend wird das Bild mit einem passenden Schriftzug erstellt. Für das Training der KI werden die Fotos offenbar nicht verwendet.

Muse Image kann allerdings nur Bilder von öffentlichen Konten verwenden. Wer sein Konto auf privat gestellt hat, gibt die Fotos grundsätzlich nicht frei.

Opt-out statt Opt-in

Bilder von öffentlichen Insta-Konten könnten auch einfach heruntergeladen und weiterverwendet werden. Überraschend ist allerdings, wie einfach es ist, Bilder mit Muse Image zu verwenden: Nutzer müssen sich nicht einmal ein passendes heraussuchen.

Ärgerlich für die Nutzer ist zudem, dass Meta die Weiternutzung der Bilder durch die KI voreingestellt hat – die Funktion muss aktiv in den Einstellungen abgeschaltet werden. Ein derartiger Opt-out ist aus Sicht der Privatsphäre der Nutzer schlechter als ein Opt-in, bei dem aktiv zugestimmt werden muss.

Nutzer öffentlicher Konten können die Weiternutzung unterbinden

Zur Deaktivierung findet sich in den Einstellungen der Menüpunkt Teilen und wiederverwenden. Dort kann nun nicht mehr nur eingestellt werden, ob andere Insta-Nutzer Storys und Reels teilen dürfen. Neu ist der Menüpunkt, über den die Weiterverwendung per KI untersagt werden kann. Dieser steht in unserer Instagram-App sogar noch halb auf Englisch statt wie der Rest auf Deutsch.

Auf unserem Redaktionsgerät können wir Muse Image in der Meta-AI-App bereits für die Bilderzeugung verwenden. Die Einbindung von Insta-Kontakten funktioniert bei uns allerdings nicht.

Unklar ist, ob die Funktion noch verteilt wird oder ob sie eventuell in Europa nicht zur Verfügung steht. Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt sein Insta-Profil entweder auf privat oder deaktiviert die KI-Nutzung in den Einstellungen.

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Kurswechsel: OpenAI zieht bei Atlas den Stecker

Von Przemyslaw Szymanski — 10. Juli 2026 um 15:21
Der KI-Browser Atlas wird im August eingestellt. OpenAI integriert zentrale Funktionen in ChatGPT und bündelt sie in der neuen Desktop-App.
Logo von OpenAIs KI-Browser Atlas (Bild: OpenAI)
Logo von OpenAIs KI-Browser Atlas Bild: OpenAI

OpenAI stellt seinen KI-Browser Atlas am 9. August 2026 ein. Das teilte das Unternehmen in einem Support-Beitrag mit. Damit verschwindet Atlas weniger als ein Jahr nach seinem Start im Oktober 2025 wieder vom Markt.

Die Einstellung bedeutet jedoch nicht, dass OpenAI die Technik hinter Atlas aufgibt. Stattdessen bündelt das Unternehmen Chat, Work und Codex in einer neuen Desktop-App, in die auch zentrale Funktionen des KI-Browsers einfließen. Der in der App enthaltene Browser unterstützt mehrere Tabs, Downloads, eine verbesserte Navigation und Anmeldungen bei Onlinekonten.

Ergänzend überarbeitet OpenAI seine Erweiterung für Google Chrome. Sie soll ChatGPT direkt in der Seitenleiste des Browsers öffnen und so die Nutzung parallel zu einer aufgerufenen Webseite ermöglichen. Für umfangreichere agentische Aufgaben ist dagegen der integrierte Browser der Desktop-App vorgesehen. Beide Angebote bauen laut OpenAI auf den Erfahrungen mit Atlas auf.

Andere KI-Browser bleiben am Markt

Mit dem Rückzug von Atlas endet OpenAIs Versuch, einen eigenen KI-Browser am Markt zu etablieren. Das Feld der eigenständigen Angebote bleibt damit vorerst Perplexity mit Comet und Atlassian mit Dia überlassen.

Comet verbindet die Websuche mit agentischen Aufgaben, während Dia Informationen aus geöffneten Seiten, weiteren Tabs und dem Browserverlauf berücksichtigen kann. Zugleich bauen Google und Microsoft die KI-Funktionen in Chrome und Edge weiter aus.

Wer auf einen der genannten Browser umsteigen möchte, sollte allerdings beachten, dass die in Atlas gespeicherten Daten nicht automatisch übernommen werden. Das betrifft Lesezeichen, offene Tabs und den Verlauf. Die Lesezeichen lassen sich jedoch als HTML-Datei exportieren und anschließend etwa in Chrome importieren. ChatGPT-Unterhaltungen bleiben hingegen erhalten, weil sie getrennt von den lokalen Atlas-Daten gespeichert werden.

Strategiewechsel zeichnete sich bereits ab

Überraschend kommt die Entscheidung nicht. Das Wall Street Journal berichtete bereits im März, dass Fidji Simo – damals CEO of Applications bei OpenAI und inzwischen aus gesundheitlichen Gründen nur noch als Teilzeitberaterin für das Unternehmen tätig – die Belegschaft vor zu vielen Nebenprojekten gewarnt habe. Zugleich habe die Führung geprüft, welche Bereiche künftig weniger Gewicht erhalten sollten.

Dem Bericht zufolge verfolgte OpenAI zu viele Vorhaben gleichzeitig und geriet dadurch zunehmend in die Defensive. Simo forderte deshalb, die Kräfte stärker zu bündeln und sich auf die entscheidenden Bereiche zu konzentrieren.

Dazu zählen vor allem Produktivitätswerkzeuge, Angebote für Firmenkunden und die Softwareentwicklung. Dort will OpenAI wieder Boden gutmachen, nachdem Anthropic bei Entwicklern und Unternehmen deutlich zugelegt hat.

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Anzeige: Linux: aus der Nische in den Mainstream?

Von Jonas Herrmann — 10. Juli 2026 um 15:05
Der Wechsel von Windows zu Linux wird immer einfacher. Und auch das Interesse daran steigt.
Bild: Pixabay.com

Windows ist auch 2026 weiterhin mit großem Abstand das meistgenutzte Betriebssystem der Welt. Kürzlich veröffentlichte Zahlen zeigen aber, dass die Dominanz schrumpft. Neben Apple holt dabei auch das Open-Source-Betriebssystem Linux stetig auf.

Nicht zuletzt durch das Steam Deck, das das Spielen unter Linux vereinfacht hat, und nutzerfreundliche Anwendungen wie Mint oder Ubuntu ist der Umstieg zuletzt deutlich einfacher geworden. Anleitungen dafür gibt es online zuhauf und auch KI kann bei jedem Schritt behilflich sein. Es stellt sich also die Frage, ob Linux tatsächlich auf dem Weg in den Mainstream ist oder doch weiterhin vor allem bei technikaffinen Menschen hoch im Kurs steht.

Das Interesse steigt

Die Zahlen sprechen ganz klar dafür, dass Linux beliebter wird. Spannend ist aber auch, wie sich das grundsätzliche Interesse an einem Wechsel zum Betriebssystem mit dem Pinguin verschoben hat. Schließlich wagen nicht alle, die sich dafür interessieren, auch direkt den Sprung ins kalte Wasser.

Ein Blick auf die Daten von Google Trends zeigt, dass das Suchinteresse an "Linux" in den vergangenen fünf Jahren stetig gestiegen ist. Es gibt natürlich immer wieder Schwankungen, insgesamt ist das Interesse mittlerweile aber deutlich großer als noch Anfang der 2020er Jahre:

Das Interesse an Linux in Deutschland.
Bild 1/1: Das Interesse an Linux in Deutschland.

Dies wird auch durch genauere Suchbegriffe gestützt. Während das Interesse an Ubuntu vergleichsweise stabil geblieben ist, hat besonders Mint deutlich zugelegt. Auch die Suche nach "Linux installieren" wird immer häufiger:

Die Linux-Suchen im Vergleich.
Bild 1/1: Die Linux-Suchen im Vergleich.

Der perfekte Zeitpunkt

Dass es dabei besonders 2025 bergauf ging, dürfte kein Zufall sein. Im vergangenen Jahr hat Microsoft nämlich das Ende des Supports von Windows 10 vorbereitet und durchgeführt. Anfang 2025 war das Thema groß in den Nachrichten, im Oktober des Jahres war dann der Stichtag. Passend dazu lässt sich auch erkennen, dass das Interesse an Windows 10 deutlich kleiner wurde und Windows 11 gleichzeitig zugelegt hat:

Windows 10 und Windows 11 im Vergleich.
Bild 1/1: Windows 10 und Windows 11 im Vergleich.

Für einen Umstieg zu Linux war 2025 also ideal. Das alte Betriebssystem, an das sich viele lange gewöhnt hatten, stand vor dem Aus. Das neue ist bei vielen Nutzern nach wie vor unbeliebt. Dazu kommt, dass viele alte Rechner Windows 11 gar nicht unterstützen, aber ziemlich einfach auf Linux umgerüstet werden können.

Linux hat also ein Vakuum gefüllt, auch wenn der Anteil noch immer ziemlich gering ist. Auf diesen Erfolgen könnte in den kommenden Jahren aufgebaut werden und möglicherweise feiert Linux so noch größere und noch überraschendere Erfolge.

Dieser Inhalt ist Teil einer bezahlten Partnerschaft mit Google zur Förderung von Google Trends.

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Operation „First Light 2026“ : 5.800 Verdächtige weltweit festgenommen

Von Heise — 09. Juli 2026 um 21:12
Interpol-Logo

(Bild: Anelo/Shutterstock.com)

In einer weltweiten Aktion gegen Social-Engineering-Betrug wurden Tausende Verdächtige inhaftiert und Beträge in Millionenhöhe sichergestellt.

Bei einer breit angelegten, weltweiten Operation unter Beteiligung von 97 Ländern haben die Strafverfolgungsbehörden 5.811 Verdächtige festgenommen und illegale Vermögenswerte im Wert von 293 Millionen US-Dollar sichergestellt. Die von Interpol koordinierte Operation „First Light 2026“ von Mitte Januar bis Ende April konzentrierte sich auf die Bekämpfung von Social-Engineering-Betrug, darunter Kompromittierung von Geschäfts-E-Mails, Sextortion, Romance Scams, Identitätsdiebstahl und Anlagebetrug, und damit verbundene Geldwäscheaktivitäten.

„Dazu gehörten proaktive Schritte gegen hochrangige Zielpersonen, Razzien in identifizierten Räumlichkeiten, die Sperrung oder das Einfrieren von Bankkonten und virtuellen Wallets, die Beantragung von Interpol-Notices und -Diffusions [Ausschreibungen zur Fahndung und Durchgaben, Anm.] sowie der proaktive Einsatz von I-GRIP (Global Rapid Intervention of Payments)“, schreibt Interpol in einer Mitteilung [1]. I-GRIP bezeichnet einen Mechanismus zum Zahlungsstopp, der die rasche Blockierung illegaler Finanzströme – sowohl bei Fiat- als auch bei virtuellen Vermögenswerten – ermöglicht.

Mehr als 142.000 Geschädigte

Im Rahmen von „First Light 2026“ wurden laut Interpol weltweit mehr als 142.000 Opfer ermittelt, 31.014 Bankkonten gesperrt, und über die Festgenommenen hinaus 15.606 weitere Verdächtige identifiziert. In Eswatini nahm die Polizei beispielsweise 82 Personen fest und zerschlug ein kriminelles Netzwerk, das illegales Online-Glücksspiel, Geldwäsche und ausgeklügelte Betrugsmaschen unter Vortäuschung falscher Identitäten betrieb. Die Behörden beschlagnahmten u. a. eine täuschend echte Nachbildung einer brasilianischen Polizeiwache – komplett ausgestattet mit gefälschten Uniformen, Beschilderungen und Ausrüstungsgegenständen. Die Betrüger täuschten ihre Opfer, indem sie sich per Videoanruf als brasilianische Bundespolizei ausgaben, und verleiteten sie, Gelder zur „Sicherstellung“ zu überweisen, die anschließend gestohlen wurden.

In Thailand nahm die Polizei zwei Personen fest und deckte ein Geldwäsche-System auf, bei dem illegal erlangte Gelder aus Romance Scams in verschiedene Kryptowährungen transferiert wurden. In Singapur und im Oman nutzten die Behörden das I-GRIP-Verfahren, um eine illegale Überweisung in Höhe von 6,6 Millionen US-Dollar zu blockieren, die mit einem Betrug durch Kompromittierung von Geschäfts-E-Mails in Verbindung stand.

Die Operation „First Light 2026“ wurde durch das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit finanziert und durch die regionalen Polizeiorganisationen ASEANAPOL, GCCPOL und Europol unterstützt. Zu beteiligten Ländern gehörten Österreich, Dänemark, Frankreich, Liechtenstein, Großbritannien und die Vereinigten Staaten; die Schweiz und Deutschland waren nicht beteiligt.

Schläge gegen organisierte Kriminalität

„Kriminelle Netzwerke nutzen die menschliche Psychologie aus, um ihre Opfer zu manipulieren. Kein Land kann sicher sein, solange nicht alle Staaten über die nötige Ausstattung verfügen und entschlossen gemeinsam dagegen vorgehen“, erklärte Tomonobu Kaya, Leiter des Interpol-Zentrums für Finanzkriminalität und Korruptionsbekämpfung. Interpol unterstütze die Mitgliedsstaaten dabei, „eine umfassende und koordinierte Strategie zur Bekämpfung von cybergestützter Finanzkriminalität, organisierten kriminellen Netzwerken und der damit verbundenen Geldwäsche zu entwickeln“.

Die Operation „Firtst Light 2026“ folgt auf die weltweite Operation „Synergia !II“ gegen Cybercrime [2], bei der 45.000 IP-Adressen und Server offline genommen und 94 Personen inhaftiert wurden. Zuvor hatte bereits eine großangelegte Razzia in zahlreichen afrikanischen Ländern [3] im Dezember 2025 und Januar 2026 zur Festnahme von 651 Verdächtigen und zur Beschlagnahmung von mehr als 4,3 Millionen US-Dollar geführt. Die Operation mit dem Namen „Red Card 2.0“ richtete sich gegen kriminelle Netzwerke hinter hochverzinslichen Anlagebetrügereien, Betrug mit mobilem Geld und betrügerischen Kreditgeschäften. Es war die zweite große koordinierte Aktion gegen Cybercrime in ganz Afrika innerhalb weniger Monate. Bei der Operation „Serengeti 2.0“ in 18 afrikanischen Staaten [4] im August vergangenen Jahres nahmen die Behörden 1.209 Personen fest und stellten fast 100 Millionen US-Dollar sicher.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11360175

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.interpol.int/News-and-Events/News/2026/Over-5-800-arrests-USD-293-million-intercepted-in-global-fraud-bust
  2. https://www.heise.de/news/Weltweiter-Interpol-Schlag-gegen-Cybercrime-45-000-IP-Adressen-offline-11210559.html
  3. https://www.heise.de/news/Red-Card-2-0-Grossangelegte-Razzia-gegen-Cybercriminalitaet-in-Afrika-11186757.html
  4. https://www.heise.de/news/Operation-Serengeti-2-0-Koordinierte-Aktion-gegen-Cybercrime-in-ganz-Afrika-10590960.html
  5. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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n8n: CERT-Bund veröffentlicht Warnmeldung zu kürzlich beseitigten Schwachstellen

Von Heise — 09. Juli 2026 um 16:27

(Bild: AFANASEV IVAN/Shutterstock.com)

Kritisch ist keine der jüngst gefixten Lücken in der Automatisierungslösung n8n. Dennoch betont eine Warnmeldung des BSI die hohe Update-Relevanz.

Über seinen Warn- und Informationsdienst hat das CERT-Bund des BSI einen aktuellen Sicherheitshinweis zu n8n, einer quelloffenen Plattform zur Workflow-Automatisierung, veröffentlicht. Es verweist darin auf n8n-Advisories zu insgesamt 14 Schwachstellen, die in frisch veröffentlichten Versionen geschlossen wurden. Wer n8n selbst hostet, dürfte die Advisories schon vorab als Service per E-Mail erhalten haben.

In seinem Sicherheitshinweis [1] bewertet das CERT die von den Schwachstellen ausgehende Gefahr in ihrer Gesamtheit als „kritisch“ mit dem CVSS-Base-Score 9.9 von 10.0 . Obwohl in den Einzelbeschreibungen der Lücken bei GitHub maximal Scores von 8.9 (“High“) auftauchen, sollte der CERT-Hinweis ausreichend Anlass bieten, verwundbare n8n-Instanzen auf den neuesten Stand zu bringen. Hinweise auf aktive Angriffe in freier Wildbahn umfasst die Veröffentlichung nicht.

Je nach Schwachstelle können die verwundbaren Versionen variieren. Deshalb ist es ratsam, direkt auf die aktuellsten, abgesicherten Releases [2] 2.29, 2.30.2 (Pre-Release) beziehungsweise 1.123.64 umzusteigen.

Details zu den Schwachstellen

Sieben Advisories befassen sich mit Lücken mit „High“, die übrigen mit „Moderate“-Einstufungen. Mit 8.9 am höchsten bewertet wurden dabei

Die übrigen „High“-Lücken umfassen Fehler im AI-Agent-Feature [6], zwei Cross-Site-Scripting-Angriffsmöglichkeiten (1 [7] / 2 [8]) sowie eine Rechteausweitung auf Basis fehlerbehafteten Enterprise Single Sign-Ons (SSO) [9].

Die CERT-Bund-Veröffentlichung beziehungsweise die Advisory-Übersicht im n8n-Repository [10] liefern bei Bedarf einen Gesamtüberblick.


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https://www.heise.de/-11359656

Links in diesem Artikel:

  1. https://wid.cert-bund.de/portal/wid/securityadvisory?name=WID-SEC-2026-2267
  2. https://github.com/n8n-io/n8n/releases
  3. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories/GHSA-g3r5-9h93-4j2c
  4. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories/GHSA-pm35-fqvh-cq5g
  5. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories/GHSA-777w-rpr6-c52h
  6. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories/GHSA-x5vx-c2c8-m3w9
  7. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories/GHSA-p3rg-hrf9-w9gj
  8. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories/GHSA-9wcp-9r3j-383q
  9. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories/GHSA-35q8-9mj6-wjmf
  10. https://github.com/n8n-io/n8n/security/advisories
  11. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  12. mailto:ovw@heise.de

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Solar- und Windenergie in luftigen Höhen: das Cozy-Survival-Game Solarpunk

Von Heise — 09. Juli 2026 um 18:11

Bauen, forschen & fliegen: Im Cozy-Survival-Game Solarpunk richten wir uns auf einer schwebenden Insel ein und nutzen Sonne und Wind für die Automatisierung.

Der Name dieses Spiels ist Programm: Solarpunk ist eine Vision, die voller Technikoptimismus in eine Zukunft schaut, in der technische Lösungen mit nachhaltigen Energien die Probleme unserer Zeit lösen. Den Optimismus kriegt das Open-World-Survival-Spiel gut hin: In der bunten Welt mit ihren schwebenden Inseln steht uns mit ein bisschen Forschung viel nachhaltige Technik zur Verfügung, um lästige Aufgaben wie Bewässerung und Erzabbau zu automatisieren. c’t zockt hat Solarpunk angespielt.

Solarpunk ist ein Wohlfühlspiel: Die Welt ist bunt, es gibt keine Kämpfe oder Gegner und auch Hunger und Durst sind nicht allzu drängend. Wer tief stürzt, überlebt das im Zweifel zwar nicht, kann aber direkt nach dem Respawn den Tascheninhalt aus einer Kiste klauben. Passiert das auf einer fremden Insel und ist das Luftschiff noch dort, holt ein Rückrufknopf am Luftschiffdock es unkompliziert zurück. Hunger und Durst sind nicht allzu drängend, können aber doch die Gesundheit angreifen. Auch Gewitter können mit Blitzen gefährlich werden. Spielerinnen und Spieler können allein oder mit anderen im Online-Koop-Modus die Spielwelt besiedeln und auf Erkundungsflug gehen.

Blick auf eine Flugkonsole im Luftschiff, rundherum Himmel und in der Ferne eine schwebende Insel
Blick auf eine Flugkonsole im Luftschiff, rundherum Himmel und in der Ferne eine schwebende Insel

Mit dem Luftschiff geht es in Solarpunk schnell von einer schwebenden Insel zur anderen.

Forschen & craften

Vom ersten Öffnen der Augen auf dieser schwebenden Insel, dem ganz Survival-Genre-typischen Sammeln erster Steine, Stöckchen, Himbeeren und Baumwolle dauert es nicht lange, bis eine kleine Hütte steht. Der Spielfortschritt ist flott, erste Werkzeuge baut man direkt im eigenen Inventar: eine Axt, eine Hacke für Felsen und Erze und eine Harke, um Felder anzulegen. Alles recht unkompliziert und mühelos. Ein Handwerkstisch eröffnet weitere Baupläne.

Forschungstisch
Forschungstisch

Am Forschungstisch schaltet man in Solarpunk weitere Baupläne frei.

Auch die Landwirtschaft ist einfach und bringt schnelle Ernte: Mit der Harke ein paar Felder anlegen, gefundenes Saatgut auswerfen, gießen. Einige Beerensträucher reichen, um halbwegs über die Runden zu kommen. Auch Bäume wachsen schnell nach; wenn man das Nachpflanzen nicht vergisst, bleibt der Baumbestand stabil.

Zum Glück gibt es schnell mehr Abwechslung: Erste Forschung bringt weitere Baupläne, die das Craftingmenü beträchtlich erweitern. Vieles davon bereichert allerdings nur das eigene Zuhause um Möbel und Dekoration. Am Forschungstisch schaltet man weitere Rezepte frei und arbeitet sich in Stufen voran. Sobald ein Luftschiffdock gebaut ist, kann man die eigene Insel verlassen und eine weitere erkunden. Andere Inseln sind allerdings erst erreichbar, wenn das Luftschiff aufgerüstet wurde.

Da kommt der nahegelegene Handelsposten ins Spiel, der nach und nach Baupläne verkauft, die den technischen Fortschritt ordentlich voranbringen und die nachhaltige Stromerzeugung samt Automatisierung freischalten: Solarpanels und Windturbinen, Schalter, Kabel, Info-Displays und mehr. Die langsam lästig werdende Bewässerung der Felder läuft so bald automatisch und auch der mühsame Erzabbau ist nicht länger Handarbeit.

Roboter hinter einem Verkaufstresen
Roboter hinter einem Verkaufstresen

Am Handelsposten tauscht man Rohstoffe gegen Baupläne.

Bauen & dekorieren

Zu den wichtigsten Elementen im Spiel zählt das Bauen: Solarpunk hat ein einfaches Bausystem, bei dem man Elemente aus einem Radialmenü auswählt und einfach hinstellt – vorausgesetzt das Baumaterial ist im Inventar. Bei Bedarf reißt man vorhandene Strukturen mit der Axt einfach ab und baut sie um, das Material gibts dabei zurück. Aus der ersten einfachen Hütte kann so später ein schönes Haus mit schicker Inneneinrichtung werden, ein Gewächshaus oder vieles mehr.

Zu den besten Momenten im Spiel zählt zweifellos das Fliegen eines Luftschiffs; ein kurzes Tutorial erklärt die Steuerung. Doch auch wenn die Erkundung weiterer Inseln mit zum Spielprinzip zählt, hält sich die Aufregung dabei in Grenzen. Die Inseln sind überschaubar und schnell abgelaufen. Sie erinnern an Inseln im Survival-Game Raft, allerdings ohne vergleichbare Story-Inseln.

Das mit der Unreal Engine [3] gebaute Cozy-Survival-Game Solarpunk ist am 8. Juni für Windows erschienen, mit Proton läuft es auch unter Linux. Das Spiel ist in deutsch verfügbar und hat zwei Spielmodi: Standard und Einfach, bei letzterem hat man nur halb so viel Hunger und Durst und behält bei Tod sein Inventar. Auch gegen Blitze ist man dann immun.

Baupläne am Energie-Handwerkstisch
Baupläne am Energie-Handwerkstisch

Große Erleichterung: Am Energie-Handwerkstisch baut man Solarpanels, Bohrer, Sprinkler und mehr, um Erzabbau und Bewässerung zu automatisieren.

Gemütlich mit wenigen Herausforderungen

Inneineinrichtung mit Forschungstisch, Tisch, Bett und Ofen
Inneineinrichtung mit Forschungstisch, Tisch, Bett und Ofen

Wer keinen Spaß am Bauen hat, ist in Solarpunk falsch.

Solarpunk kann nicht alle Erwartungen erfüllen. Die schwebenden Inseln von Solarpunk sind keine riesige Open World, auch eine Story gibt es nicht. In rund 20 Stunden kann man die meisten Dinge freischalten. Wer auf anspruchsvolle Herausforderungen, spannende Erkundungsausflüge und komplexes Crafting hofft, dürfte mit diesem Spiel nicht glücklich werden. Alle anderen erwartet ein gemütliches, friedfertiges Survivalspiel ohne harten Überlebenskampf in einer hübschen Welt mit umfangreichen Möglichkeiten, Gebäude, Gewächshäuser, Landwirtschaft und anderes samt solar- und windbetriebenem Energiesystem aufzubauen.

Solarpunk gibt es für 23 Euro auf Steam [4] für Windows, mit Proton läuft es auch unter Linux. Für das Steam Deck ist es zwar nicht verifiziert, lief aber im Test gut.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.youtube.com/ctzockt
  2. https://www.twitch.tv/ctzockt
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Spiele-Engines-Warum-erfolgreiche-Game-Studios-die-Unreal-Engine-bevorzugen-11260341.html
  4. https://store.steampowered.com/app/1805110/Solarpunk/
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PC-Markt bricht ein: Nur Apple wächst dank MacBook Neo

Von Heise — 09. Juli 2026 um 17:35
Zwei aufgeklappte MacBook Neos gegenüber voneinander

(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)

Die drei weltweit größten PC- und Notebook-Hersteller lassen Federn. Nur Apple wächst dank des MacBook Neo erheblich.

Die Speicherkrise trifft jetzt fast alle Hersteller von Desktop-PCs und Notebooks. Zwei Marktbeobachter melden ein Stückzahl-Minus von 3,6 bis 4,9 Prozent für das zweite Quartal 2026 im Jahresvergleich, je nach Zählweise. Das entspricht bis zu 3,5 Millionen weniger verkauften Geräten. 65,7 Millionen bis 68,2 Millionen sollen es insgesamt noch gewesen sein.

Grund sind hauptsächlich die explodierten Preise für Arbeitsspeicher (DRAM) und NAND-Flash (SSDs) [1]. Im ersten Quartal waren die Auswirkungen noch nicht sichtbar [2], weil sich Kunden da in Erwartung weiter steigender Preise mit neuer Hardware eingedeckt haben.

Unter den weltweit größten fünf Herstellern musste HP auf Platz 2 am meisten Federn lassen: Die Verkäufe brachen um neun Prozent ein. Sowohl IDC als auch Omdia zählten 13 Millionen verkaufte Desktop-PCs und Notebooks. Da Lenovo auf Platz 1 nur gut zwei Prozent verlor, ist der Abstand zu HP gestiegen. Rund 16,6 Millionen Geräte hat Lenovo verkauft.

PC-Marktzahlen von IDC und Omdia (0 Bilder) [3]

[4]

Apple macht mit dem MacBook Neo Kasse

Unbekümmert von der Speicherkrise zeigte sich Apple, der als einziger signifikant gewachsen ist: IDC nennt [5] ein Plus von gut zehn Prozent auf 6,7 Millionen Stück, Omdia geht [6] sogar von fast 16 Prozent Wachstum und knapp 7,3 Millionen Verkäufen aus. Je nach Zählweise schafft es Apple zum ersten Mal auf ein Zehntel Marktanteil oder sogar darüber hinaus.

Beide Marktbeobachter führen das Wachstum auf das MacBook Neo [7] zurück, das in Zeiten explodierender Preise mit einem günstigen Preisschild überzeugte. Hierzulande war das Gerät zwischenzeitlich auch ohne Studentenrabatt für unter 600 Euro erhältlich.

Spannend werden die Zahlen des jetzt laufenden Quartals. Ende Juni hat Apple die Preise angehoben [8], im Falle des MacBook Neo auf standardmäßig 800 Euro. Einzelhändler verlangen jetzt wieder mindestens knapp 700 Euro [9].

Umsätze steigen trotzdem

IDC merkt an, dass die Hersteller die fallende Nachfrage bisher noch durch steigende Preise ausgleichen können. Der Umsatz soll dadurch sogar steigen. Omdia schlüsselt derweil das Verhältnis der Geräteklassen auf: Notebooks machen fast 80 Prozent der weltweiten Verkäufe aus, Desktop-PCs nur gut 20 Prozent. Der Rückgang betrifft beide Klassen.


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https://www.heise.de/-11359938

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Micron-Client-Speicher-bringt-die-hoechste-Marge-ein-11345019.html
  2. https://www.heise.de/news/Aufgeblaehte-Zahlen-PC-Verkaeufe-steigen-wegen-Memflation-11252729.html
  3. https://www.heise.de/bilderstrecke/5114421.html?back=11359938;back=11359938
  4. https://www.heise.de/bilderstrecke/5114421.html?back=11359938;back=11359938
  5. https://www.idc.com/resource-center/press-releases/2q26-pc-top5/
  6. https://omdia.tech.informa.com/pr/2026/july/worldwide-pc-market-declined-4percent-in-2q26-amid-mounting-supply-pressure
  7. https://www.heise.de/tests/Vergleichstest-Vier-700-Euro-Notebooks-gegen-das-MacBook-Neo-11253071.html
  8. https://www.heise.de/news/Speicherkrise-Apple-beginnt-Preise-kraeftig-nach-oben-zu-setzen-11344705.html
  9. https://preisvergleich.heise.de/?cat=nb&hloc=de&asuch=neo&bpmin=&bpmax=&v=e&hloc=at&plz=&dist=&bl1_id=30&sort=p&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-newsticker#productlist
  10. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Studie zu ChatGPT & Gemini: Wer bestimmt, welche Medien wir noch lesen?

Von Telepolis — 09. Juli 2026 um 13:00
Freudig lächelnder Mann am Smartphone

Bild: Shutterstock.com

Durch KI-Suchen verlieren deutsche Webseiten Millionen Klicks. Forscher warnen vor intransparenten Absprachen zwischen OpenAI und Verlagen.

Immer mehr Menschen lassen sich Nachrichten von ChatGPT, Gemini oder Perplexity zusammenfassen, statt Originalartikel zu lesen. Für Medien hat diese Entwicklung bereits wirtschaftliche Folgen: Durch sogenannte Zero-Click-Suchen gehen deutschen Websites laut aktuellen Schätzungen bis zu 265 Millionen Klicks pro Monat [1] verloren.

Die Gatekeeper-Studie: Wie KI-Modelle die Quellenauswahl steuern

Welche Folgen hat das für die öffentliche Meinungsbildung? Eine neue Studie von Agora Digital [2] ist genau dieser Problemstellung nachgegangen: Wie beeinflussen KI-Systeme die öffentliche Meinungsbildung, wenn sie nicht nur Informationen zusammenfassen, sondern auch entscheiden, welche Quellen Nutzer überhaupt zu Gesicht bekommen?

Darin sehen die Autorinnen Vivien Benert und Stina Timmermann den entscheidenden Wandel. Das eigentliche Problem seien weniger einzelne Fehler der Systeme, sondern ihre Rolle als neue Gatekeeper. KI-Modelle treffen eine Vorauswahl von Quellen – nach Kriterien, die für Nutzer weitgehend unsichtbar bleiben.

Von ChatGPT bis Perplexity: Scheinbare Vielfalt bei den Domains

Für ihre Untersuchung analysierte die Studie 675 Nachrichtenanfragen an ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity und Google AI Overview und wertete fast 5.000 Quellenverweise aus.

Dabei stießen sie auf insgesamt 554 verschiedene Domains – dennoch konzentrieren sich die Antworten der KI-Systeme häufig auf einen vergleichsweise kleinen Kreis etablierter Medien.

Das Ergebnis: Die Systeme greifen häufig auf einen vergleichsweise kleinen Kreis etablierter Medien zurück. Welche Quellen erscheinen, hängt jedoch vom verwendeten KI-System, vom Thema und sogar von der Formulierung der Anfrage ab.

Teilweise werden auch problematische oder als Desinformation eingestufte Domains neben seriösen journalistischen Angeboten aufgeführt, ohne dass Nutzer darauf hingewiesen werden.

Das Transparenz-Problem: Warum Agora Digital von einer Blackbox spricht

Nach Auffassung der Autorinnen entsteht dadurch eine "Blackbox" der Quellenauswahl. Nutzer erfahren nicht, warum bestimmte Medien berücksichtigt werden und andere nicht.

Gleichzeitig öffnen viele Nutzer die angegebenen Quellen gar nicht erst. Laut der Studie überprüft nur etwa jeder Vierte die Quellen regelmäßig – drei von vier verlassen sich also überwiegend auf die KI-Zusammenfassung.

Die Untersuchung liefert damit empirische Hinweise darauf, dass KI-Systeme unterschiedliche Informationsräume erzeugen können. Sie belegt allerdings nicht, dass die Antworten deshalb zwangsläufig falsch oder politisch verzerrt sind. Ebenso wenig wurde überprüft, ob sämtliche Aussagen der KI tatsächlich durch die angegebenen Quellen gedeckt werden.

Der Fall OpenAI und Axel Springer: Bevorzugt ChatGPT bestimmte Verlage?

Über die empirischen Befunde hinaus geht das begleitende Positionspapier [3] von Agora Digital. Es interpretiert die Ergebnisse medienpolitisch und beschreibt KI-Systeme als neue Machtzentren der öffentlichen Kommunikation.

Weil Nutzer zunehmend fertige Antworten erhalten, statt selbst verschiedene Quellen auszuwählen, verschiebe sich die Kontrolle über Sichtbarkeit und Reichweite von klassischen Medien und Suchmaschinen hin zu den Anbietern großer Sprachmodelle.

Besonders kritisch bewertet das Begleitpapier mögliche Auswirkungen von Lizenzpartnerschaften zwischen KI-Unternehmen und Medienhäusern. Als Beispiel wird die Kooperation von OpenAI mit Axel Springer genannt.

Dass Welt.de in den untersuchten ChatGPT-Antworten besonders häufig erscheint, wird als möglicher Hinweis auf strukturelle Vorteile solcher Partnerschaften interpretiert. Dieser Zusammenhang ist jedoch eine politische Deutung der Ergebnisse und nicht unmittelbar durch die empirischen Daten bewiesen.

Praxis-Konsequenz: Warum KI-Antworten die Originalquellen nicht ersetzen

Die Studie selbst bleibt vorsichtiger. Sie zeigt vor allem, dass sich die Quellenprofile verschiedener KI-Systeme deutlich unterscheiden und ihre Auswahlmechanismen kaum nachvollziehbar sind.

Daraus leiten die Autorinnen Forderungen nach mehr Transparenz, einer besseren Zuordnung von Aussagen zu ihren Quellen sowie klaren Regeln für den Umgang mit journalistischen Inhalten und Desinformation ab.

Für Nutzer ergibt sich daraus vor allem eine praktische Konsequenz: KI-Antworten eignen sich als schneller Einstieg in ein Thema, ersetzen aber nicht den Blick auf die Originalquellen.

Wer sich bei kontroversen politischen Fragen ein möglichst vollständiges Bild machen will, sollte mehrere Informationsquellen vergleichen – und nicht allein der Zusammenfassung einer einzelnen KI vertrauen.


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https://www.heise.de/-11359328

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.sistrix.de/news/ai-overviews-in-deutschland-so-stark-sinken-die-klickraten-wirklich/
  2. https://agoradigital.de/wp-content/uploads/2026/07/ADT_Studie_Meinungsbildung-im-Wandel.pdf
  3. https://agoradigital.de/wp-content/uploads/2026/07/ADT_Begleitpapier_Meinungsbildung-im-Wandel.pdf

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Mittelstand in Gefahr: Warum Chinas Billigmaschinen deutsche Jobs bedrohen

Von Telepolis — 09. Juli 2026 um 15:00
Ein Mechaniker mit Handschuhen benutzt ein Werkzeug an einer großen Metallscheibe.

(Bild: singh srilom / Shutterstock.com)

Pekings Initiative "10.000 kleine Giganten" setzt den deutschen Maschinenbau unter Druck. Die Handelsbilanz bei Kapitalgütern rutscht ins Minus.

„Made in Germany“ stand einmal für Qualität und gerade der Maschinenbau konnte auf ausländischen Märkten punkten. Doch genau in dieser industriellen Kernzone erleben wir jetzt nichts weniger als einen tektonischen Bruch.

Jeden Monat verschwinden mehr als 10.000 Industriearbeitsplätze in Deutschland, so heißt es jedenfalls [1] im Wall Street Journal (WSJ), das sich auf Zahlen der Wirtschaftsberater von EY stützt.

Die Industrieproduktion sank demnach zwischen Februar 2022 und Anfang 2026 um rund 10 Prozent, in energieintensiven Branchen sogar um mehr als 15 Prozent. Lange schauten die Deutschen abschätzig auf Produkte aus China, doch inzwischen werden von dort mehr hochentwickelte Investitionsgüter importiert als dorthin ausgeführt.

Diese Entwicklung ist nicht zufällig, sondern das Ergebnis einer geschickten Industriepolitik. Über ein staatliches Programm mit dem Titel „10.000 kleine Giganten“ förderte Peking tausende spezialisierte Mittelständler mit dem erklärten Ziel: Die „Hidden Champions“ aus Deutschland sollen ersetzt werden.

Nach Daten der Rhodium Group, auf die sich das WSJ bezieht, wurden bis Ende 2024 bereits 14.600 solcher Firmen klassifiziert. Sie liefern komplette Fabrikökosysteme aus einer Hand: Spritzgussmaschinen, Roboterarme, Trockner und Cloud-Software. Mit Subventionen und Steuervergünstigungen wurden sie massiv unterstützt.

Handelsüberschuss kippt ins Defizit

Die Zahlen des Finanzdienstleisters Apollo Global Management verdeutlichen laut WSJ die Geschwindigkeit des Wandels: Zwischen Mitte 2024 und August 2025 rutschte Deutschlands Handelsbilanz bei Kapitalgütern mit China – gemessen am gleitenden 12-Monats-Durchschnitt – von einem Überschuss von 750 Millionen Euro in ein Defizit von 500 Millionen Euro.

Der Erfolg der Chinesen gründet sich auf günstige Preise. Eine Studie der Porsche Consulting [2] zeigte, dass chinesische Firmen beim Spritzguss Maschinen anbieten, die 30 bis 40 Prozent günstiger sind als die von europäischen Konkurrenten. In der Steuerungstechnik liegt der Preisvorteil demnach bei rund 50 Prozent. Auch die Entwicklungszyklen sind um etwa 40 Prozent kürzer.

Patric Burkhart, Geschäftsführer des pfälzischen Heizgeräteherstellers Aura mit rund 100 Beschäftigten, beschreibt die Lage gegenüber WSJ so: In nur sechs Monaten sei ein chinesischer Wettbewerber aufgetaucht und habe die Auftragslage einbrechen lassen.

Burkhart produziert mittlerweile 20 Prozent in China – Tendenz 70 Prozent, falls sich in Europa nichts ändere.

Die jüngsten Destatis-Zahlen [3] bestätigen den Trend: Im April 2026 fielen die Aufträge im verarbeitenden Gewerbe um 3,8 Prozent, der Maschinenbau verlor 7,4 Prozent.

TRUMPF und Zeiss als letzte Bastionen

Noch halten Spezialisten wie TRUMPF (Lasertechnik) und Zeiss (Optik für Chipfertigung und Medizintechnik) dagegen. Ihre Produkte sind schwer zu kopieren und patentrechtlich geschützt.

Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht solche Nischenfirmen laut WSJ vorerst besser aufgestellt, warnt aber: „Es ist schwer zu sagen, wo das enden wird“.

Oliver Richtberg vom Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) beziffert Chinas Anteil an der globalen Maschinenproduktion bereits auf ein Drittel und mahnt laut WSJ: „Wenn sie 40 oder 50 Prozent erreichen, haben wir keine Hebel mehr“.

Politische Antworten lassen auf sich warten

Die EU startete zwar eine Rekordzahl an Handelsverfahren gegen Peking, doch diese betreffen nur einen Bruchteil der Importe. Umfassendere Schutzmaßnahmen, die auf einem Gipfel im Juni in Brüssel diskutiert wurden, dürften frühestens in einem Jahr greifen.

Wie begrenzt die deutsche Verhandlungsmacht ist, zeigte die ergebnisarme China-Reise von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche [4] im Mai. Bei kritischen Rohstoffen wie Gallium hält China ein faktisches Exportmonopol [5]. Und Deutschland verspielt durch seine Abhängigkeit seine Verhandlungsposition.

Verschärft wird die Krise durch hohe Energiepreise, einen als unterbewertet geltenden Yuan und deflationären Druck in China, der die Exportpreise nach unten zieht.

Nicht nur der Mittelstand leidet: Auch VW, Mercedes und BMW kürzen massiv Jobs und Kapazitäten [6], zumal sie auch weniger Autos in China absetzen. Auch hier ist die Konkurrenz stärker geworden.

Ex-Siemens-Manager Michael Süss, heute Executive Chairman des Schweizer Oberflächentechnologie-Konzerns Oerlikon, sieht die Verantwortung laut WSJ nicht nur in Peking: „Deutschland braucht echte Reformen, wir müssen aus unserer Komfortzone herauskommen“.


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https://www.heise.de/-11359576

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.wsj.com/economy/china-is-devastating-the-last-stronghold-of-german-industry-c7a98514
  2. https://www.porsche-consulting.com/de/de/artikel/china-speed-im-industrieguetersektor
  3. https://www.heise.de/tp/article/Industrieauftraege-brechen-ein-Warum-der-Aufschwung-schon-wieder-vorbei-ist-11321606.html
  4. https://www.heise.de/tp/article/Ministerin-Reiche-in-China-Zahlen-offenbaren-prekaere-Abhaengigkeit-11328826.html
  5. https://www.heise.de/tp/article/China-setzt-Tempo-Deutschland-ringt-um-Anschluss-11314674.html
  6. https://www.heise.de/tp/article/Autokrise-VW-Mercedes-und-BMW-kuerzen-Jobs-Loehne-und-Kapazitaeten-11346990.html

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Russlands Nukleardebatte: Signalpolitik mit strategischem Kalkül

Von Telepolis — 09. Juli 2026 um 14:00
Mobile Interkontinentalrakete auf dem Roten Platz

Was bedeutet Russlands Neujustierung der Nuklear-Strategie?

(Bild: Andrey Kryuchenko/Shutterstock.com)

Atomare Ambitionen, europäische Ängste: Sind die russischen Nuklear-Debatten Vorboten eines Dammbruchs oder leere Drohung? Eine Analyse.

Im November 2024 unterzeichnete [1] Russlands Präsident Wladimir Putin eine neue Nukleardoktrin – Anweisung 991 [2]. Gegenüber der Vorgängerversion von 2020 verschärfte [3] diese zwei entscheidende Stellen: Ein Atomwaffeneinsatz ist bereits als Antwort auf einen konventionellen Angriff möglich, der eine "kritische Bedrohung" für die territoriale Integrität darstellt.

Zuvor musste die "Existenz des Staates" auf dem Spiel stehen. Zweitens führte [4] Moskau eine Extra-Klausel ein: Ein Angriff eines nicht nuklearen Staates auf Russland gilt als "gemeinsamer Angriff", sobald dabei ein Atomstaat unterstützt oder beteiligt ist – eine Formel mit Blick auf Kiews Verbündete Frankreich, Großbritannien, die USA.

Der Rüstungskontroll-Experte Alexander Graef [5](Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik) urteilte [6], Russland habe die Schwelle für einen Atomschlag als Reaktion auf einen möglichen konventionellen Angriff gesenkt. Und heute?

Signale statt Doktrin

Offizielle Änderungen gab es seither keine, das Dokument gilt unverändert. Doch die innerrussische Debatte um weitere Verschärfungen hat sich zuletzt zugespitzt – parallel zum Auslaufen des letzten gemeinsamen Rüstungskontrollvertrags mit Washington: New Start endete [7] im Februar 2026, blockiert durch die USA.

Der Mai 2026 wurde zum bislang intensivsten Monat nuklearer Symbolpolitik: Nach einem Testabschuss am 12. Mai probte Russland zudem eine kurzfristig angekündigte Übung seiner stragischen Nuklearstreitkräfte.

Insbesondere gegenüber Belarus verstärkte Moskau seine Bemühungen: neben dem gemeinsamen Großmanöver Zapad [8], sollen im Lukaschenko-Land Oreschnik-Raketen stationiert sein [9].

Von Furcht und Schock

Die sichtbarste Forderung nach einer weiteren Absenkung der Einsatzschwelle – bis hin zu begrenzten präventiven Nuklearschlägen gegen europäische Ziele – stammt von Sergej Karaganow [10]. Bereits 2023 argumentierte er in einem Aufsatz [11], die Furcht vor einem Atomkrieg sei im Westen geschwunden; Russland müsse diese Furcht wiederherstellen.

Der Westen müsse einer Art nuklearer Schocktherapie unterzogen werden – erst dann sei die Gefahr einer Kriegsniederlage für Russland gebannt.

Karaganow ist kein Rand-Phänomene: Er gilt als renommiertester russischer Politikwissenschaftler [12], ist Dekan der Fakultät für Weltwirtschaft und internationale Politik an der Higher School of Economics in Moskau, war einst Berater von Primakow, Jelzin und Putin und gilt bis heute als enger Vertrauter von Außenminister Lawrow.

Publiziert wurden seine Thesen nicht in der Nische, sondern im einflussreichsten russischen Fachmedium – Russia in Global Affairs, dem östlichen US-Pendant zu Foreign Affairs. Das allein sowie die rege publizistische Tätigkeit Karaganows sprechen dafür, dass seine Positionen in der politischen Klasse Russlands zumindest willkommen sind.

Flüsterer oder nützliche Idioten?

Zwei Lesarten sind demnach denkbar: Da sich Karaganow nicht isoliert positioniert – unter anderem schlossen sich [13] der frühere Diplomat Dmitri Trenin und Waldai-Klub-Programmdirektor Iwan Timofejew [14]öffentlich an –, könnte dies auf reales Interesse einflussreicher außen- und sicherheitspolitischer Kreise an einer weiteren Verschiebung hindeuten.

Zweitens, aktuell plausibler: Da die russische Führung trotz anhaltender Debatte bislang keine Anstalten macht, dem Druck Taten folgen zu lassen, dürften solche Wortmeldungen primär an ein westliches Publikum gerichtet sein.

Dafür spricht auch, dass warnende Gegenstimmen in Russland selbst – Fachleute wie Alexej Arbatow, Konstantin Bogdanow oder Fjodor Lukjanow [15] – das Vorgehen für hochriskant halten und darin keinen strategischen Fortschritt erkennen wollen.

Karaganows Einfluss dürfte zudem überschätzt werden – ähnlich wie einst jener des zum hochstilisierten "Philosophen hinter Putin" Alexander Dugin [16]. Zudem signalisierte [17] der Kreml wiederholt Verhandlungsbereitschaft, zuletzt im Herbst 2025 mit dem Vorschlag einer einjährigen New-Start-Verlängerung.

Belarus als Nagelprobe

Mit strategischer Vorausschau nahm Moskau Belarus [18] bereits 2024 offiziös unter seinen Nuklearschirm. Auch die belarussische Militärdoktrin schreibt [19] die Stationierung russischer Kernwaffen inzwischen als "wichtiges Element präventiver Abschreckung" fest.

Minsk hat zudem wahrscheinlich eigene Trägersysteme erworben. Gemeinsame Militärmanöver, zuletzt Zapad im September 2025, sorgten im Westen wiederholt für Alarm – gedeutet als Vorboten einer Eskalation Richtung Baltikum.

Genau hier dürfte der Schlüssel zur aktuellen Zuspitzung liegen: Ukraine-Präsident Selenskyj forderte Minsk zuletzt auf [20], Einrichtungen zu beseitigen, die nach ukrainischer Darstellung russische Drohnenangriffe unterstützen – andernfalls behalte sich Kiew Maßnahmen vor. Der Kreml wertete dies als unzulässigen Druck auf Belarus.

Lukaschenko warnt [21]seit Ende Juni öffentlich vor einem Hineinziehen seines Landes in den Krieg. Eine solche Eskalationspolitik käme Kiew gelegen: Nach der außenpolitischen Kehrtwende Washingtons braucht die Selenskyj-Administration immer neue Argumente, um westliche Geldgeber weiter zu überzeugen – eine vermeintlich vom Gegner ausgehende Eskalation wäre dafür hochwillkommen.

Die letzte rote Linie

Für Moskau markiert die Nuklear-Debatte damit eine Art letzte Verteidigungslinie. Konventionell könnte Russland Belarus kaum militärisch halten, und die Gefahr eines westlich unterstützten Machtwechsels gegen Lukaschenko – wie möglicherweise 2021 versucht [22] – würde bei militärischer Eskalation drastisch steigen. Ein Verlust von Minsk wäre der Verlust des engsten Partners, den weder Nordkorea noch China aus geografischen Gründen ersetzen könnten.

Belarus ist Russlands strategische Tiefe [23] im Westen: Ohne dieses Land stünden [24] Nato-nahe Truppen direkt an der russischen Westgrenze bei Smolensk, Russland verlöre Frühwarnsysteme [25], Stationierungsplätze und einen Korridor für Handel und Sanktionsumgehung [26].

Nicht zuletzt spielte das Narrativ einer möglichen ukrainischen Nuklearbewaffnung für die russische Kriegserzählung eine zentrale Rolle: Bereits am 24. Februar 2022 behauptete Putin in seiner Rede, die Ukraine könne theoretisch eigene Atomwaffen entwickeln.

Keine Einheit

Der Westen reagiert derweil uneinheitlich: Washington antwortet mit diffusen Drohgebärden und einem einseitigen Milliarden-Modernisierungsprogramm, verhandelte aber gleichzeitig mit Moskau. Die Nato doktert seit Jahren an einer öffentlich kaum greifbaren Nuklearstrategie und kündigt an, ab 2026 atomwaffenfähige Tomahawks in Deutschland zu stationieren.

Berlin klammert sich an die nukleare Teilhabe unter US-Regie und lehnt Macrons Angebot einer "europäisierten" französischen Abschreckung brüsk ab [27]. Die EU als Institution glänzt durch Abwesenheit und überlässt das Feld einzelnen Hauptstädten.

Diese Nicht-Antwort blendet aus, dass Moskau den Ukraine-Krieg nicht isoliert betrachtet, sondern als Folge einer jahrzehntelangen Verschiebung der Sicherheitsordnung, der Nato-Ausdehnung bis an russische Grenzen interpretiert. Aus russischer Sicht geht es um mehr als die Ukraine: um die Angst vor strategischer Einkreisung und die Instabilität an der Grenze zu Belarus.

Der Westen antwortet vor allem mit Abschreckung und Aufrüstung – und verschärft damit aus Moskauer Sicht genau jene Dynamik, die die russische-inszenierte Nuklear-Debatte einfangen sollte. Die ukrainische Kriegsführung, finanziell ein Fass ohne Boden, dürfte für weitere, langanhaltende russische Nukleardebatten sorgen. Noch ist es nicht zu spät für einen Neustart von New Start.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.derstandard.de/story/3000000245608/putin-unterzeichnet-eine-neue-atomdoktrin-mehr-als-eine-leere-drohung
  2. https://das-blaettchen.de/wordpress/wp-content/uploads/2024/11/Blaettchen-55-Auszug-dgksp-dp-de-NukDoktrin-LV-271124.pdf
  3. https://www.dw.com/de/russische-nukleardoktrin-putin-droht-mit-einsatz-von-atomwaffen/a-70367932
  4. https://www.deutschlandfunk.de/putin-genehmigt-neue-nukleardoktrin-100.html
  5. https://www.hamburg-armscontrol.de/personen/alexander-graef/
  6. https://das-blaettchen.de/2024/11/zur-russischen-nukleardoktrin-%E2%80%93-ein-nachtrag-70617.html
  7. https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/atomwaffenvertrag-new-start-endet-100.html
  8. https://www.telepolis.de/article/Zapad-2025-Russlands-Machtprobe-am-Rande-der-Eskalation-10668407.html
  9. https://www.deutschlandfunk.de/oreschnik-was-hinter-russlands-hyperschallrakete-steckt-100.html
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Alexandrowitsch_Karaganow
  11. https://eng.globalaffairs.ru/articles/a-difficult-but-necessary-decision/
  12. https://www.newstatesman.com/world/europe/ukraine/2024/05/russia-cannot-afford-lose-need-victory-sergey-karaganov-what-putin-wants
  13. https://academic.oup.com/isagsq/article/6/2/ksag072/8661591
  14. https://www.freitag.de/autoren/russlandschneider/iwan-timofejew-im-gespraech-es-geht-bei-diplomatie-nicht-um-werte
  15. https://www.bpb.de/themen/europa/russland-analysen/nr-439/523870/kommentar-russisches-nuklearroulette-die-atomschlagdebatte-in-der-russischen-think-tank-fachoeffentlichkeit/
  16. https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/506103/der-philosoph-hinter-putin/
  17. https://mid.ru/de/foreign_policy/news/2073858/
  18. https://commonslibrary.parliament.uk/research-briefings/cbp-9091/
  19. https://dgap.org/en/research/publications/russias-nuclear-signaling-2026-and-implications-european-security
  20. https://www.reuters.com/world/europe/kremlin-accuses-ukraine-threatening-sovereignty-close-russian-ally-belarus-2026-06-22/
  21. https://www.jungewelt.de/artikel/525527.eskalationspolitik-lukaschenko-warnt-ukraine-vor-ausweitung-des-krieges.html
  22. https://ecfr.eu/event/the-eu-and-belarus-in-2021/
  23. https://www.cicero.de/aussenpolitik/machtkampf-belarus-moskau-optionen-alexander-lukaschenko-wladimir-putin
  24. https://jamestown.org/russia-and-belarus-preparing-for-escalation-with-ukraine-and-nato/
  25. https://laender-analysen.de/belarus-analysen/66/die-integration-von-belarus-und-russland-die-roadmaps-des-unionsstaates/
  26. https://www.german-economic-team.com/newsletter/belarus-zunehmende-wirtschaftliche-abhaengigkeit-von-russland/
  27. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/atomwaffen-wie-frankreichs-nuklearschirm-deutschland-schuetzen-koennte/100196122.html

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Giant Swarm öffnet KI-Agenten-Plattform in Kubernetes-Umgebungen für Kunden

Von Heise — 09. Juli 2026 um 15:45
Symbolbild für  KI-Agenten als isolierte Workloads in eigenen Kubernetes-Clustern.

(Bild: Matthias Parbel / KI / iX)

Giant Swarm will KI-Agenten als isolierte Workloads in eigenen Kubernetes-Clustern betreiben – On-Premises, Air-gapped oder hybrid, ohne SaaS-Abhängigkeit.

Der Kubernetes-Spezialist Giant Swarm hat eine Plattform vorgestellt, die KI-Agenten nicht als IDE-Erweiterung, sondern als eigenständige, orchestrierte Workloads innerhalb der eigenen Kubernetes-Infrastruktur betreibt. Das Unternehmen positioniert seine Agent Platform als souverän, kuratiert und auditierbar – KI-Agenten sollen dort laufen, wo die Daten liegen, statt auf „fremden“ Servern.

Im Kern behandelt die Plattform von Giant Swarm Agenten wie jede andere Workload und sie läuft nach Angaben des Unternehmens innerhalb der eigenen Umgebung auf beliebigen Kubernetes-Clustern – in der Cloud, im eigenen Rechenzentrum, am Edge oder sogar in abgeschotteten, air-gapped Netzen. Einen proprietären Kern oder ein SaaS, das mit den Daten „nach Hause telefoniert“, gebe es nicht.

Wie Giant-Swarm-CEO Henning Lange im Blog [3] ausführt, betreibe der Dienstleister seine eigene Flotte von Agenten bereits seit Mitte 2025 auf derselben Plattform-Infrastruktur, unter anderem für Code-Reviews, Incident-Triage und zum Abarbeiten von Backlogs. Die Agent Platform soll ab sofort nun auch anderen Unternehmen offenstehen. Zunächst lädt Giant Swarm ausgewählte Partner und Kunden ein, die Plattform zu testen [4], der allgemeine Roll-out soll aber noch im Laufe dieses Jahres folgen.

Das neue Angebot soll nicht nur den kuratierten Einsatz von KI-Agenten in produktiven Umgebungen ermöglichen, sondern Unternehmen auch dabei unterstützen, das wachsende Problem von Schatten-KI in den Griff zu bekommen. Eine IDC-Erhebung [5] aus dem vergangenen Jahr habe beispielsweise gezeigt, dass rund 56 Prozent der Beschäftigten KI-Tools nutzten, die ihre Organisation gar nicht bereitgestellt hatte; nur 23 Prozent verwendeten die firmeneigenen Werkzeuge. IBM habe zudem festgestellt, dass jede fünfte Organisation über solche Schatten-KI kompromittiert [6] worden sei, mit im Schnitt 670.000 US-Dollar höheren Kosten pro Vorfall.

Von Agentenläufen zu deterministischen Workflows

Technisch arbeitet die Plattform mit einem Workflow-Engine-Ansatz: Wiederkehrende Muster aus Agentenläufen überführt sie in deterministische MCP-Workflows. Im eigenen Betrieb habe Giant Swarm damit unter anderem die Kosten pro Agentenlauf um den Faktor 2,8 senken können und verzeichne 17-mal weniger Tool Calls. Im Schnitt liefen bei dem Unternehmen rund 500 Agenten parallel. Die eigene Engineering-Organisation profitiere von einem deutlich erhöhten Output. So sei die Zahl der Pull Requests pro Monat im Frühjahr 2026 um mehr als 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – bei unveränderter Mitarbeiterzahl.

Die Agenten-Plattform folge den drei Leitprinzipien souverän, kuratiert und Enterprise-ready. Ersteres steht für den Einsatz von Open Source, austauschbare Modelle, Tools und Harnesses sowie volle Datenkontrolle. Kuratiert beschreibe das Versprechen, dass Giant Swarm kontinuierlich den schnell wechselnden Agentenmarkt beobachtet und passende Bausteine zentral integriert. Als Enterprise-ready gilt die Plattform, weil sie von Anfang an mandantenfähigen, sicheren und auditierbaren Betrieb ermögliche.

Die Architektur baut auf der langjährigen Kubernetes-Praxis des Anbieters auf, Giant Swarm betreut seit 2014 Kubernetes-Umgebungen für Kunden. Die Plattform ist cloud-agnostisch und unterstützt AWS, Azure sowie VMware im eigenen Rechenzentrum, auch in hybriden Kombinationen. Als Basis für das Cluster-Lifecycle-Management dient die Cluster API. GitOps behandelt Giant Swarm als First-Class Citizen und nutzt dafür den Flux Operator, damit Änderungen versioniert, nachvollziehbar und reversibel bleiben. Als Developer Portal kommt Backstage zum Einsatz, die Observability stützt sich auf den Grafana-LGTM-Stack mit zentraler Ablage von Metriken, Logs und Traces. Single Sign-on lässt sich mit externen Identitätsanbietern wie Google Workspace oder Microsoft Entra ID koppeln, die Zugriffe steuert Kubernetes RBAC fein granular, ergänzt um Network Policies. Als Referenzkunden nennt Giant Swarm unter anderem Adidas, Vodafone, die Deutsche Telekom und die Börse Stuttgart.

Teil eines größeren Trends

Der Vorstoß fügt sich in eine Entwicklung, die weg von einzelnen Coding-Assistenten und hin zur Orchestrierung ganzer Agentenflotten führt. Das Framework Gas Town [7], das Steve Yegge im Dezember 2025 entwickelte und Anfang Januar 2026 vorstellte, verfolgt ein verwandtes Ziel: Es orchestriert viele Coding-Agenten nach Kubernetes-Vorbild parallel und kompensiert deren Fehler über eine Orchestrierungsschicht, statt einzelne Agenten zu verbessern.

Dass ein Sprachmodell nicht von allein zum Agenten wird, beschreibt auch das Konzept des Agent Harness [8]: Erst konkrete Software rund um das Modell führt Umgebung, Werkzeuge, Regeln und den Agent Loop zusammen. Giant Swarms Plattform lässt sich als plattformseitige Umsetzung genau dieser Idee lesen – mit dem Zusatzargument, dass die Daten die eigene Umgebung nicht verlassen. Für Unternehmen mit strengen Datenschutz- und Compliance-Anforderungen dürfte gerade der Betrieb On-Premises, Air-gapped oder hybrid das relevante Verkaufsargument sein.


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  4. https://www.giantswarm.io/agent-platform
  5. https://www.idc.com/resource-center/blog/shadow-ai-how-stealth-productivity-is-strangling-enterprise-ai-adoption-and-creating-a-security-nightmare/
  6. https://newsroom.ibm.com/2025-07-30-ibm-report-13-of-organizations-reported-breaches-of-ai-models-or-applications,-97-of-which-reported-lacking-proper-ai-access-controls
  7. https://www.heise.de/hintergrund/Volle-Kontrolle-Gas-Town-orchestriert-zehn-und-mehr-Coding-Agenten-11177514.html
  8. https://www.heise.de/hintergrund/Kurz-erklaert-Agent-Harness-11330445.html
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Future Operating Model: Telefónica Deutschland will massiven Stellenabbau

Von Achim Sawall — 09. Juli 2026 um 23:28
Der Mobilfunkbetreiber Telefónica Deutschland setzt die Beschäftigten mit einem Abbauplan massiv unter Druck. Es geht um Stellenabbau und 100 Millionen Euro.
Telefonica Group-Chef Marc Murtra auf der Hauptversammlung 2026 (Bild: Telefónica)
Telefonica Group-Chef Marc Murtra auf der Hauptversammlung 2026 Bild: Telefónica

Der Vorstand der Telefónica Deutschland hat seine Beschäftigten auf einen großen Stellenabbau im Projekt Future Operating Model (FOM) eingestimmt. Das gab der Verdi Gewerkschaftssekretär und Telefónica Aufsichtsrat Christoph Heil bekannt. "Fest steht bislang lediglich, dass die Veränderungen mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben werden und wesentliche Maßnahmen bereits im Laufe dieses Jahres umgesetzt werden sollen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass der Transformationsprozess weit über das Jahr 2026 hinausreichen wird."

Verdi hatte zuvor in einer Mitteilung an seine Mitglieder von einem "Kahlschlag" gesprochen. Aus vertraulichen Quellen der Mitglieder sei zu vernehmen, dass der "Verlust von Arbeitsplätzen massiv ausfallen soll". Nach den Informationen der Gewerkschaft beabsichtigt Telefónica Deutschland, rund 100 Millionen Euro weniger auszugeben.

Beschäftigte haben jährlich 500 Millionen Euro erwirtschaftet

Die Beschäftigten bei Telefónica Deutschland hätten laut Verdi "lange Zeit jährlich Dividenden von mindestens 500 Millionen Euro erwirtschaftet. Trotzdem haben sie im Durchschnitt seit 2018 einen Reallohnverlust durch niedrige Gehaltssteigerungen von circa 4,5 Prozent hingenommen. Andererseits sind auch für die verbleibenden Beschäftigten die Aussichten bedrückend: steigende Arbeitsbelastung, weil die Arbeit sich nun auf weniger Schultern verteilt, und die Ungewissheit, wie die Zukunft der Telefónica aussieht."

Der Telefonica Group-Chef Marc Murtra setzt seit seinem Amtsantritt auf massiven Stellenabbau in Spanien und den Verkauf der Landestöchter in Lateinamerika.

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Deutsche Telekom: 5G-Campus-Netz für Containerhafen in Hamburg fertiggestellt

Von Achim Sawall — 09. Juli 2026 um 22:25
Die HHLA hat am Hamburger Container Terminal Altenwerder mit der Telekom ein privates 5G-Campus-Netz in Betrieb genommen. Gefördert mit Millionen vom Bund.
Container Terminal Altenwerder (Bild: HHLA / Martin Elsen)
Container Terminal Altenwerder Bild: HHLA / Martin Elsen

Am Container Terminal Altenwerder (CTA) der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) ist ein privates 5G-Campus-Netz in Betrieb gegangen. Das gaben die Partner am 9. Juli 2026 bekannt. Die HHLA hat die Infrastruktur gemeinsam mit der Deutschen Telekom und dem Ausrüster Ericsson im Projekt PROCON 5G (Port Remote Operations and Container Network with 5G) umgesetzt.

Seit Ende Mai 2026 versorgt das Netz eine Fläche von rund einem Quadratkilometer, um ein hochautomatisiertes Containerterminal zu schaffen. Es vernetzt Fahrzeuge, Sensoren, mobile Endgeräte und IT-Systeme. Die auf der Ericsson 5G Campus Private basierende Plattform wird als dediziertes, vom öffentlichen Mobilfunk unabhängiges 5G-Campus-Netz im lokal zugewiesenen Frequenzspektrum betrieben.

HHLA-Projektleiter Michael Albers sagte: "Mit dem 5G Campus-Netz haben wir jetzt eine performante und stabile Funkinfrastruktur, auf der wir neue Anwendungen realitätsnah testen und direkt in den Betrieb bringen können." Gleichzeitig werde durch den Aufbau eines providerunabhängigen Netzes die Resilienz der Kommunikationsinfrastruktur am Terminal gestärkt. Nach dem Aufbau soll erprobt werden, wie die Automatisierung von Geräten sowie der mobilen Instandhaltung unterstützt werden. Auch andere Unternehmen sollen die zukunftsweisende Technologie in der Hafenlogistik testen können.

Fördergelder vom Bundesverkehrsministerium für 5G Campusnetz im Hafen

Die Funknetzplanung und Ausschreibung erfolgten mit Unterstützung des Zentrums für Digitale Entwicklung (ZDE). Lufthansa Industry Solutions (LHIND) übernahm Aufgaben in der Projektleitung, während Hamburg Port Consulting (HPC) das Fördermittelmanagement erledigte und Steuergelder vom Bundesverkehrsministerium in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro hereinholte.

Die Bundesnetzagentur vergab rund 450 Lizenzen im Frequenzbereich von 3,7 bis 3,8 GHz. Kritiker wie die Telekom wandten sich im Jahr 2018 noch entschieden dagegen, dass 5G-Frequenzen an regionale Netzbetreiber und Industrieunternehmen vergeben werden, doch Siemens, Flughäfen, Häfen, Gesundheitswesen und die Fertigungsindustrie setzten sich durch.

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