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Apple klagt gegen OpenAI wegen Abwerbung

Von Heise — 11. Juli 2026 um 10:50
Das OpenAI-Logo als Hintergrund hinter einem iPhone

(Bild: Henry Franklin / Shutterstock.com)

OpenAI entwickelt ein Gerät speziell für die Nutzung mit Künstlicher Intelligenz. Dabei wurden auch Apple-Mitarbeiter verpflichtet. Jetzt gibt es eine Klage.

Apple wirft dem ChatGPT-Entwickler OpenAI und zwei ehemaligen Mitarbeitern in einer Klage Diebstahl von Firmengeheimnissen vor. Einer der beiden ist Tang Tan, ein ehemaliger ranghoher Apple-Designer, der heute Hardware-Chef von OpenAI ist. In dieser Funktion spielt er eine zentrale Rolle bei der Arbeit an einem neuartigen Gerät [1], das die ChatGPT-Firma auf die Nutzung mit Künstlicher Intelligenz ausrichten will.

OpenAI verpflichtete dafür auch Jony Ive [2], den langjährigen Design-Primus von Apple, der unter anderem maßgeblich die Form von iPhones und MacBooks prägte. Das dürfte der ChatGPT-Firma geholfen haben, attraktiver für andere Apple-Beschäftigte zu werden. Tang Tan war der ranghöchste Überläufer. Er arbeitete mehr als 20 Jahre bei Apple und verantwortete vor seinem Wechsel das Design des iPhones und der Apple Watch.

Apple vermutet Strategie von OpenAI

Der Klage zufolge [3] kam Apple nach Ermittlungen zu dem Schluss, dass Tan vertrauliche Informationen des iPhone-Konzerns zum Nutzen von OpenAI missbraucht habe. Unter anderem habe er Apple-Mitarbeiter aufgefordert, zu Job-Interviews für Arbeitsplätze bei OpenAI Bauteile des Konzerns mitzubringen. Apple sieht das als Teil einer „Strategie“ von OpenAI, um an vertrauliche Informationen des Unternehmens zu kommen.

Der andere verklagte Ex-Mitarbeiter von Apple soll dem Konzern zufolge über einen mitgenommenen Computer bereits als OpenAI-Beschäftigter auf vertrauliche Daten seines früheren Arbeitgebers zugegriffen haben. Von OpenAI gab es zunächst keine Reaktion auf die Vorwürfe.

OpenAI ist auch Apples KI-Partner

Apple und OpenAI sind seit mehreren Jahren Partner bei der Nutzung künstlicher Intelligenz auf iPhones und anderen Geräten des Konzerns. Apple-Kunden können allgemeine Anfragen, die die hauseigene Sprachassistentin Siri nicht beantworten kann, an ChatGPT weiterreichen lassen. Medienberichten zufolge erwog OpenAI vor einigen Monaten eine Klage gegen Apple [4] mit dem Vorwurf des Vertragsbruchs, weil diese Partnerschaft sich schlechter entwickelt habe als von der KI-Firma erwartet. Mittlerweile setzt Apple stark auf eine neue Partnerschaft mit Google, dessen Gemini-KI mit eigens trainierten Modellen für Siri AI [5] zum Einsatz kommt.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Apple-verliert-Vizepraesident-an-OpenAI-und-Jony-Ive-11347128.html
  2. https://www.heise.de/news/Apple-verliert-Vizepraesident-an-OpenAI-und-Jony-Ive-11347128.html
  3. https://dpadocs.dpaq.de/22526_show_temp_pl_8.pdf
  4. https://www.heise.de/news/Bericht-OpenAI-veraergert-ueber-Apple-Partnerschaft-koennte-klagen-11294733.html
  5. https://www.heise.de/news/Siri-AI-Apple-verspricht-umfassenden-KI-Neustart-fuer-Apple-Intelligence-11322101.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Wie die Niederlande ihren Weg zur Eigenstaatlichkeit fanden

Von Telepolis — 11. Juli 2026 um 16:00
Ein Schiff auf See

Seefahrt brachte ihnen Wohlstand, doch wie sind die Niederlande überhaupt entstanden? (Ölgemälde um 1630–1640)

(Bild: Rijksmuseum, Amsterdam/Commons)

Die Niederlande trotzten einem Weltreich. Am Ende stand ein Aufstand, der Europa verändern sollte. Doch was trieb sie dazu? (Teil 1/2)

Im äußersten Nordwesten des Heiligen Römischen Reiches lagen in der Frühen Neuzeit die Niederlande. Seit einem Augsburger Reichstag von 1548 wurden diese Provinzen als Burgundischer Reichskreis zusammengefasst.

Damit wurden sie der Gerichtsbarkeit des Reiches weitgehend entzogen, schieden aber nicht aus diesem aus. Sie zahlten weiterhin Steuern und erhielten dafür Schutz und Schirm. Ein erster Schritt auf dem Wege zu einer niederländischen Unabhängigkeit war allerdings getan.

Am Rande des Königreiches

Mit dem Brüsseler Vertrag vom Februar 1522 teilt Kaiser Karl V. die habsburgischen Ländereien mit seinem jüngeren Bruder, dem späteren Kaiser Ferdinand I. Die habsburgischen Niederlande fielen dabei an Karl V., der auch König von Spanien war.

Karte Burgunds unter Philipp dem Guten (1419–1467)
Ausdehnung Burgunds unter Philipp dem Guten (1419–1467)
(Bild: Marco Zanoli/CC-4.0 [1]/Commons [2])

In einer sogenannten Pragmatischen Sanktion von 1549 reorganisierte er die damals noch 17 Provinzen des Burgundischen Reichskreises dahingehend, dass sie auf ewig vereinigt und nur einem Herrscher untertan sein sollten. Als Kaiser Karl V. 1555 entnervt abdankte, gelangte die jetzt spanische Niederlande an seinen Sohn König Philipp II. von Spanien.

Karl V. übergab sie ihm 1556 in Brüssel. Jetzt unterstanden die niederländischen Provinzen der spanischen Krone, wurden von einem Habsburger (aus Spanien) regiert, gehörten jedoch immer noch formal dem Heiligen Römischen Reich an, dessen Kaiser ab 1558 ein anderer Habsburger (aus Österreich) war.

Ständische Einschränkungen der Fürstenmacht

Wer auch immer die Niederlande damals regierte, er hatte es schwer, denn es gab eine schon länger etablierte ständisch-repräsentative Vertretung des Landes gegenüber dem Herrscher.

Die Stände der Provinzen hatten sich seit Mitte des 15. Jahrhunderts übergreifend zu einer Gesamtvertretung den sogenannten Generalstaaten zusammengeschlossen. Ohne sie konnten kaum Steuern oder andere finanziellen Forderungen erhoben werden. Die Stände hatten ein Beschwerderecht beim Fürsten, wenn ihnen die Lasten zu groß wurden. Und bei dynastischen Engpässen wie Thronwechsel oder Minderjährigkeit des Nachfolgers beanspruchten sie ein Mitspracherecht.

Verwicklungen, Komplikationen, Reibungsverluste

Aufgrund dieser verwickelten Verhältnisse dynastischer, "nationaler", ständischer, religiöser und staatsrechtlicher Art wird es bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts dauern, bis aus dem Konglomerat von 17 Provinzen die Nationalstaaten Niederlande, Belgien und Luxemburg wurden. Ein Teil der südlichen Niederlande wurde bereits an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert vom absolutistischen Frankreich erobert.

Kaiser Karl V. mit Hund
Kaiser Karl V., Ölgemälde von 1532
(Bild: Kunsthistorisches Museum Wien/Commons [3])

Da Kaiser Karl V. und sein Sohn Philipp II. in ihren Reichen alle Hände voll zu tun hatten, Regierung und Verwaltung zu organisieren und Aufstände und Unruhen niederzuhalten, setzten sie in den spanischen Niederlanden Statthalter ein, die in ihren Namen herrschten. Karl V. griff dabei auf Frauen zurück und hatte dabei ein gutes Händchen: zuerst seine Tante Margarete von Österreich (1507–1530), dann seine Schwester Maria von Ungarn (1531–1555). Sie machten ihre Sache unter den komplizierten Verhältnissen gut.

Auch König Philipp II. setzte auf Verwandtschaft. Er ließ sich u. a. von einer unehelichen Tochter Karls V., Margarethe von Parma, und einem unehelichen Sohn desselben, Juan de Austria, vertreten. Margarethes Sohn und Neffe Philipps, Alexander Farnese, kam ebenfalls als spanischer Statthalter in den Niederlanden zum Einsatz.

Stellvertretende Herrschaft erforderte immer wieder Nachfragen beim König, ob diese oder jene Maßnahme in seinem Sinne sei. Es mussten Boten oder Schreiben hin- und hergehen oder Gespräche stattfinden, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten oder "Missverständnisse" auszuräumen. Unmittelbare herrschaftliche Durchgriffe auf die niederländischen Gegebenheiten waren von Spanien aus fast unmöglich. Noch dazu hatte der Virus Freiheit die Niederländer befallen.

Schatzkammer des spanischen Weltreiches

Warum mühte König Philipp II. sich mit so einer störrischen Provinz ab? Prestige, strategische Lage, Geld. Nicht nur diese drei Gründe, aber zu allererst, erklären, was die spanische Krone an den Niederlanden hatte. Prestige, weil es einem "Weltherrscher" wie Karl V. oder Philipp II. unmöglich schien, auf Territorien zu verzichten, ohne Schaden an der Ehre und dem Ansehen bei seinen königlich-fürstlichen Konkurrenten in Europa zu nehmen.

Wappen Philipps II. (ab 1580)
Wappen Philipps II. (ab 1580)
(Bild: Heralder/Commons [4]/CC-3.0 [5])

Strategische Lage: Von den niederländischen Provinzen, die ja immer noch zum Reich gehörten, ließ sich wunderbar in die nordalpinen Gebiete des Imperiums hineinregieren und – wenn nötig – intervenieren; z. B. gegen die lutherischen "Ketzer" und andere unbotmäßige Gestalten. Im Kampf des katholischen Spanien gegen die ketzerischen Engländer unter Elisabeth I. hatte die niederländische Nordseeküste unverzichtbaren militärischen Wert, genauso wie gegen den Hauptfeind im Ringen um die Hegemonie in Europa, die französische Krone.

Geld: Der Reichtum einiger niederländischer Provinzen füllte die stets klamme Staatskasse der spanischen Herrscher. Die wohlhabenden Städte Brabants und Flanderns, Antwerpen, Brügge oder Gent, mit blühendem Handel, einer entwickelten Gewerbeproduktion und als Finanzzentren stellten wirtschaftliche Macht dar und lieferten dem König hohe Einkünfte.

Die nördlichen Provinzen Holland mit dem rasch aufblühenden Amsterdam und Seeland mit ihrem seefahrerischen Know-how und Fischfang sowie mit aufstrebenden Handel und Handwerk nahmen eine stetige Aufwärtsentwicklung. In Friesland, im Artois, Luxemburg, Geldern, Overijssel und Namur gab es einen ausgeprägten Agrarsektor, der für die Versorgung der urbanen Zentren lebensnotwendig war. In Utrecht, im Hennegau und in Limburg gibt es eine agrarisch-gewerbliche Mischstruktur.

Durch Neulandgewinnung (Eindeichungen) wuchs das Gebiet der Nordseeprovinzen beständig weiter. Die Behauptung der Niederlande war für Spanien "alternativlos".

Reformation in verschiedenen Spielarten

In den 1520er Jahren drang reformatorisches Gedankengut in die Niederlande vor und fand schnell Anhänger. Zuerst die lutherische Variante, dann Zwinglianer – Karl V. versuchte es mit Scheiterhaufen: vergeblich. Um 1530 verbreiteten sich die Täufer besonders unter den Armen aus.

Die ersten Calvinisten erschienen in den 1540ern von Frankreich her. Unter den bürgerlichen handels- und manufakturkapitalistischen Unternehmern, den weltoffenen Händlern und Seefahrern aber auch den Unterdrückten und Mittellosen fanden die neuen religiösen Erlösungsversprechen raschen Zulauf. Das katholische Establishment um den Herrscher hielt dagegen. Eine explosive Mischung braute sich zusammen.

Staatsbankrott und wirtschaftliche Krise

Spanischer Absolutismus und katholische Inquisition gingen der niederländischen Elite – sowohl den Adligen wie den Bürgerlichen – ziemlich auf die Nerven. Vierzehn neue Bistümer verstärkten den gegenreformatorischen Kurs des Königs. Am Hofe in Brüssel wurden die einheimischen aristokratischen Berater durch ungeliebte Fremde, Spanier und Italiener, verdrängt.

Als es den Niederländern ans Geld ging, wurden sie so richtig sauer: Im Jahre 1557 musste Philipp von Spanien zum ersten Mal einen Staatsbankrott erklären. Trotz der Einnahmen aus den amerikanischen Gold- und Silberminen, dem Gewürz- und Sklavenhandel, den Steueraufkommen aus den Ländern und Provinzen des Weltreiches war die spanische Krone zahlungsunfähig: zu viele Kriege, zu viel Luxus am Hofe, zu viele konsumptive Ausgaben.

Die führenden niederländischen Bankiers erlitten durch den Bankrott immense Verluste durch nicht mehr bediente Kredite. Antwerpen war damals das führende europäische Finanzzentrum.

Drei Jahre danach 1560 traf es die Händler und Gewerbetreibenden sowie die Manufakturbetreiber, die vom Handel mit den spanischen Kolonien ausgeschlossen und deren Wollimport aus Spanien hoch besteuert wurden. Außerdem störten sich die niederländischen Generalstände an den Kosten der spanischen Armee, die im Lande stand, um Krieg gegen Frankreich zu führen.

Calvinistische Radikalreform

Unter den reformatorischen Strömungen setzte sich in den Niederlanden Mitte des 16. Jahrhunderts immer mehr der radikalreformatorische Calvinismus durch. Er bot fast allen gesellschaftlichen Schichten das intellektuelle Rüstzeug zum Widerstand gegen die antireformatorisch-absolutistische spanische Fremdherrschaft. Die Verschärfung der Inquisition durch König Philipp II. führte zu Scheiterhaufen, Folter und Verhören, Denunziation, Enteignungen und Prozessen. In den 1560ern wuchs der Hass gegen diese Bedrückungen auf breiter Front.

Führende Adlige wie Prinz Wilhelm von Oranien, Graf Lamoral von Egmont und Admiral Philippe Graf von Hoorn gehen offen zur Opposition über. Die bürgerlichen Unternehmer finden in der calvinistischen Prädestinationslehre Rechtfertigung für wirtschaftlichen Erfolg und Profit. Der Adel und die großbürgerliche städtische Oligarchie wollen ihren Einfluss in den Kirchenangelegenheiten nicht verlieren.

Den ärmeren urbanen Schichten bietet die radikale Reformation Hoffnung auf Verbesserung ihrer Lage. Der niederländische Humanismus eines Erasmus von Rotterdam mit seiner philologisch-kritischen Gelehrsamkeit und Sprachgewalt liefert gemäßigten wie radikalen Reformern säkulares Ideengut im Kampf mit dem Papsttum und dessen Verbündeten.

Arroganz und Borniertheit verschärfen die angespannte Situation

Bildersturm in Holland
Bildersturm in Holland (Darstellung von 1882)
(Bild: Commons [6])

Anfang April 1566 gab es noch einmal eine Chance auf Kompromiss: Die Statthalterin Margarethe von Parma erklärte sich bereit eine Delegation aus Adligen und Bürgern unter Führung der Grafen Brederode und Heinrich von Nassau-Oranien zu empfangen, die ihr eine Petition zur Abstellung einiger Missstände, der Entschärfung der Inquisition und der Rücknahme der Tridentiner Beschlüsse über die konsequente Rekatholisierung übergaben.

Bei der Audienz fällt dann vonseiten eines Ratgebers Margarethes das böse Wort gueux (Bettler), das auf das ärmliche, nichthöfische Aussehen der Bittsteller zielt. Gueux-Geusen nennen sich von nun an die Streiter gegen das absolutistisch-feudale Regime des spanischen Königs in den Niederlanden.

Das Recht zum Widerstand gegen eine als tyrannisch empfundene Knechtschaft wurde in den Diskussionen seit 1562, dem Beginn der Hugenottenkriege in Frankreich, entwickelt. Die Niederländer sahen sich zum Aufstand berechtigt, weil der Herrscher gegen Gottes Gebot verstieß. Im Sommer 1566 explodierte das revolutionäre Pulverfass: Radikale Calvinisten stürmen katholische Kirchen und zerstören Altäre und Heiligenbilder. In kurzer Zeit erfasst dieser "Bildersturm" zwölf der siebzehn niederländischen Provinzen. Die Revolution hat begonnen.

Literatur:

  • Gerhard Brendler, Die Revolution der Niederlande 1566–1579, in: Revolutionen der Neuzeit 1500–1917, hg. und eingeleitet von Manfred Kossok (Studien zur Revolutionsgeschichte) 1982, S. 35–61.
  • Die niederländische Revolution (1566–1581), in: Allgemeine Geschichte der Neuzeit 1500–1917, von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Manfred Kossok (1986) S. 62–78.
  • Karl V. 1500–1558 und seine Zeit, hg. von Hugo Soly (2000).

URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11356393

Links in diesem Artikel:

  1. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
  2. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_Haus_Burgund_3.png
  3. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jakob_Seisenegger_001.jpg
  4. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Royal_Coat_of_Arms_of_Spain_(1580-1668).svg
  5. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de
  6. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Beeldenstorm.jpg

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Rüstung statt Sozialstaat? Wie der Umbau der Industrie Jobs und Bürger trifft

Von Telepolis — 11. Juli 2026 um 14:00
Rheinmetall Defence Schriftzug

(Bild: nitpicker / Shutterstock.com)

Während Konzerne wie Rheinmetall expandieren, wächst bei VW der Protest. Zudem soll ein neues Gesetz das Gesundheitssystem auf Krieg trimmen.

Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärt, das Land müsse "kriegstüchtig" werden. Die Umsätze der Rüstungskonzerne steigen, die Aktionäre freuen sich.

Der Druck lastet dagegen auf den Belegschaften. Immer mehr Beschäftigte werden in der Produktion für Kriegszwecke eingesetzt – während die steigenden Rüstungsausgaben durch Kürzungen im Sozialstaat finanziert werden sollen.

An der Gewerkschaftsbasis regt sich Protest. Unter dem Motto "Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg!" treffen sich Gewerkschafter und Friedensaktivisten am 24. und 25. Juli zur "4. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden" in Würzburg.

Der Anlass: Immer mehr Vorstände wollen mit Rüstung Geld verdienen. Rheinmetall hat das Pierburg-Werk im Berliner Wedding für die Munitionsproduktion umgerüstet. Beschäftigte des früheren Automobilzulieferers Continental in Gifhorn arbeiten inzwischen in der Rheinmetall-Munitionsfabrik. Und der deutsch-französische Panzerbauer KNDS hat das Görlitzer Eisenbahnwerk vom Lokomotivhersteller Alstom übernommen.

Doch Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie sind unsicherer als in vielen anderen Branchen. Die Nachfrage hängt von politischen Entscheidungen ab – und kann jederzeit einbrechen.

Rüstungsproduktion ist zudem untrennbar mit Krieg verbunden. Eine Entspannung der internationalen Lage kann die Nachfrage senken und Jobs kosten. Hinzu kommt: Viele Beschäftigte wünschen sich, dass ihre Arbeit auch im Privatleben Ansehen genießt. In einer Branche, die vom Ausbleiben des Friedens lebt, ist das schwer.

Gesundheitssicherstellungsgesetz in Vorbereitung

Auch im Gesundheitswesen zeichnen sich Veränderungen ab. Ein "Gesundheitssicherstellungsgesetz" ist in Vorbereitung. Es soll das Gesundheitswesen im Kriegsfall einer militärischen Logik unterstellen und Abläufe wie Personal "kriegstüchtig" machen.

Was das konkret bedeuten kann, beschreibt Nadja Rakowitz vom Verein Demokratischer Ärzt*innen (Vdää*) im Blog von medico international [1]:

"Seine Strukturen sollen im Kriegsfall gut erreichbar sein, Betten für Soldat:innen zur Verfügung stellen, die Beschäftigten sollen fachlich auf Kriegsverletzungen vorbereitet sein, Krankenhäuser an strategisch günstigen Orten stehen und am besten unterirdische Strukturen bereithalten."

Nach den aktuellen Planungen soll militärisches Personal gegenüber Zivilisten "in Abhängigkeit der jeweiligen Lage" priorisiert werden.

Rakowitz erkennt darin "autoritäre Verschiebungen, die jedes Kriegsregime braucht":

"Es wird der Widerruf von Nebenerwerbserlaubnissen angekündigt, die Rekrutierung von Personal im Ruhestand und von Verwaltungsbeschäftigten zu ‚Pflegeunterstützungskräften' – und selbstverständlich wird der Datenschutz im Rahmen der Analyse des Personals abgebaut, damit man im Ernstfall auch alle erwischt."

Proteste bei VW gegen den Rüstungsstandort Osnabrück

Auch bei Volkswagen protestieren einzelne Beschäftigte und Friedensaktivisten. Der Vorstand will ins Rüstungsgeschäft einsteigen – zugleich sollen laut Presseberichten 100.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Bei der Aktionsversammlung kritisierte Annika Fuchs, Mobilitätsreferentin der Umweltschutzorganisation Robin Wood, den Kurs des Vorstands. In ihrer Rede zur VW-Hauptversammlung [2] fordert sie Alternativen zu den Plänen, aus dem VW-Werk Osnabrück einen Rüstungsstandort zu machen:

"Noch vor Kurzem kam aus der Autoindustrie immer wieder die Ansage: Was wir können, ist Autos zu bauen. Dieses leichtfertige Umschwenken auf die Produktion für die Rüstung hat also doch auch eine gute Seite: Es zeigt uns, dass die Produktion anderer Güter möglich ist, wenn die entsprechenden Aufträge da sind. Die Produktion von Kleinbussen für den ländlichen Raum, Lastenrädern oder Straßenbahnteilen wäre also machbar – und würde endlich eine Verkehrswende voranbringen!"

Der Hintergrund: Während andere Sektoren CO₂ einsparen, hinkt der Verkehr bei den Emissionen hinterher. Nötig sei daher, den Pkw-Verkehr zu reduzieren und den öffentlichen Verkehr zu stärken, so Fuchs.

Jobsicherheit werde die Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie nicht bringen. "Kriegsgerät schafft industriepolitische Pfadabhängigkeiten, Kriege auch zu führen. Stattdessen brauchen wir Verkehrswende-Produkte", sagt die Verkehrsexpertin.

Tragfähige Zukunftskonzepte forderten auch Markus Dufner vom Dachverband "Kritische Aktionärinnen und Aktionäre" und Tobi Rosswog von der Initiative "VW heißt Verkehrswende".

Deutlich wird der frühere VW-Betriebsrat Stephan Krull, der seine Kritik in einem Beitrag auf seiner Website [3] ausführt:

"Das Drama ist nur, dass dem Management kein neues Geschäftsmodell einfällt, außer in die Rüstungsproduktion einzusteigen. Das ist auch die Forderung der Familien Porsche und Piëch. Alle Vorschläge für zivile und ökologische Alternativen, ob von außen oder von innen, werden brüsk zurückgewiesen."

An Geld mangelt es dem Konzern nicht. 2025 lag der Umsatz bei 322 Milliarden Euro, der Konzerngewinn nach Steuern bei 6,9 Milliarden Euro.

Krull rechnet vor:

"Als größtem Anteilseigner fließt den Familien Porsche und Piëch rund eine Milliarde Euro an Dividenden zu. 27 Milliarden Euro wurden in die Gewinnrücklage geschoben, die so auf über 160 Milliarden Euro angewachsen ist. Stolz berichtet Blume den Aktionären, dass die ‚Fabrikkosten' in Deutschland seit Abschluss des Tarifvertrags im Dezember 2024 um 20 Prozent gesunken sind. Den Arbeiterinnen und Arbeitern erklärt er bei der Betriebsversammlung wenige Tage zuvor noch, die Sparziele seien längst nicht erreicht."

Sparen auf Kosten des Sozialstaats

Schon zum Start seiner Regierung kündigte Bundeskanzler Merz einen "Herbst der Reformen" an, in dem staatliche Leistungen gekürzt werden sollen. Dieses Programm verfolgt er bis heute – auch wenn er sich die Umsetzung einfacher vorgestellt hatte. Der Sozialstaat soll umgebaut, ein "Epochenbruch" in der Sozialpolitik eingeleitet werden.

Im ersten Bundeshaushalt seiner Regierung sind rund 100 Milliarden Euro für Militärzwecke eingeplant – etwa 20 Prozent des Etats. Bis 2029 soll der jährliche Betrag auf 168 Milliarden Euro steigen, das wären dann rund 30 Prozent.

Gleichzeitig kündigt der Kanzler Kürzungen beim Bürgergeld und bei der Entwicklungshilfe an. Staatliche Zahlungen an die Rentenkasse und Zuschüsse zur Krankenversicherung stehen infrage, die Arbeitszeiten sollen ausgeweitet werden, Universitäten und Schulen müssen sparen.

Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge, der von 1998 bis 2016 an der Universität zu Köln lehrte, schreibt dazu in der Zeitung "nd" [4]:

"Nur wenn die Hochrüstung gestoppt und ein neuer Krieg verhindert wird, kann es sozialen Fortschritt und Erfolge im Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit geben. Rüstungs- oder Sozialstaat, Butter oder Kanonen – das ist die Schlüsselfrage der künftigen Gesellschaftsentwicklung."

Wie die Basis die Gewerkschaften bewegt

Die bisherigen gewerkschaftlichen Friedenskonferenzen in Hanau, Stuttgart und Salzgitter haben auch die innergewerkschaftliche Debatte beeinflusst. Das zeigte sich beim DGB-Bundeskongress im Mai [5].

Ein Antrag der DGB-Jugend mit einem klaren "Nein zur Wehrpflicht!" wurde mit deutlicher Mehrheit angenommen. Schon der erste Satz macht die Haltung deutlich: "Der DGB ist und bleibt antimilitaristisch." Wehrpflicht, Pflichtdienste und die "gesellschaftliche Normalisierung von Krieg" lehnt der Antrag ausdrücklich ab.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.medico.de/blog/gesundheit-in-krisenzeiten-20570
  2. https://www.robinwood.de/sites/default/files/rede_vw-hauptversammlung_website_0.pdf
  3. https://stephankrull.info/2026/06/19/nein-zur-ruestungsproduktion-bei-volkswagen/
  4. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1200681.sozialabbau-merz-agenda-mit-dem-sozialstaat-stirbt-die-demokratie.html
  5. https://www.labournet.de/politik/gw/selbstverstaendnis/23-ordentlicher-dgb-bundeskongress-staerker-mit-uns-vom-10-bis-13-mai-2026-in-berlin/

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Sudans tödliches Paradoxon: Hier siegen Drohnen, die in der Ukraine scheitern

Von Telepolis — 11. Juli 2026 um 12:00
Eine Drohne im nachtblauen Himmel, die angegriffen werden,  und eine Drohne unter einer heißen Wüstensonne, die Konvois angreift

KI-generierte Grafik

In der Ukraine scheitern große Kampfdrohnen. Im Sudan zerstören sie Hilfskonvois und treiben Lebensmittelpreise um bis zu 300 Prozent hoch.

Ein Lastwagen rollt am 1. Juli durch den Bundesstaat White Nile, beladen mit fünfzig Tonnen Hilfsgütern der Vereinten Nationen: Decken, Wasserkanister, Kochsets, Schlafmatten, Plastikplanen, Solarlampen. Das Ziel ist Abu Jubeyha, eine Ortschaft in Süd-Kordofan, deren Bewohner seit Monaten von den Kämpfen zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces eingeschlossen sind.

Drohnen verändern den Krieg gegen die Zivilbevölkerung

Nahe der Ortschaft Tendelti erfasst eine Drohne den Konvoi. Der Fahrer überlebt unversehrt, die gesamte Ladung aber geht in Flammen auf. Tausende Menschen in der Region blieben damit ohne dringend benötigte Hilfsgüter zurück, wie UN-Sprecher Stéphane Dujarric in New York mitteilte [1].

Die Szene zeigt exemplarisch, was Drohnen in Sudan mittlerweile bedeuten: eine Waffe, die nicht nur Frontlinien, sondern die Versorgungskette einer ganzen Bevölkerung treffen kann.

Seit April 2023 bekämpfen sich in Sudan die Armee (Sudanese Armed Forces, SAF) unter General Abdel Fattah al-Burhan und die RSF (Rapid Support Forces, Schnelle Unterstützungskräfte) unter General Mohamed Hamdan Dagalo — zwei Kräfte, die sich Ende 2021 noch gemeinsam an die Macht geputscht hatten, ehe ihre Rivalität in offenen Krieg umschlug.

Der neue Charakter des Krieges

Die Armee vertrieb die RSF im März 2025 aus ihren letzten Stellungen in Khartum, während die Miliz Teile des gegenüberliegenden Omdurman sowie weite Landstriche im Westen hält.

Zum aktuellen Brennpunkt ist El Obeid [2] geworden, Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan, mit rund einer halben Million Einwohnern und mehr als hunderttausend Vertriebenen. Allein zwischen dem 6. und 28. Juni registrierte das UN-Menschenrechtsbüro fünfzehn Drohnenangriffe mit mindestens 45 Toten und 41 Verletzten in der Stadt und ihrer Umgebung.

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk [3] brachte das Ausmaß der Entwicklung Anfang Mai auf eine Formel: Bewaffnete Drohnen seien "bei weitem die häufigste Ursache" ziviler Todesfälle in Sudan geworden. Allein zwischen Januar und April seien mindestens 880 Zivilisten durch Drohnenangriffe getötet worden — mehr als achtzig Prozent aller konfliktbezogenen zivilen Todesfälle in diesem Zeitraum.

Wenige Wochen später aktualisierte sein Büro die Bilanz auf mehr als tausend zivile Todesopfer zwischen Januar und Mai. Seit Kriegsbeginn im April 2023 dürfte die Gesamtzahl der Drohnentoten damit deutlich über 2.300 liegen: Die Analyseorganisation ACLED [4] bezifferte sie bereits im Februar 2026 auf mindestens 2.200, wobei rund achtzig Prozent davon allein auf das Jahr 2025 entfielen.

Zwei Armeen, zwei Drohnenstrategien

Wer die Drohnen betrachtet, die über Sudan fliegen, betrachtet zwei sehr unterschiedliche Arsenale, die den ungleichen Fähigkeiten der beiden Kriegsparteien entsprechen.

Das Rückgrat der Luftwaffe der Armee [5] bildet die iranische Mohajer-6, eine mittelgrosse Aufklärungs- und Kampfdrohne mit rund zwölf Stunden Flugdauer und bis zu vier gelenkten Qaem-Raketen. Hinzu kommen türkische Bayraktar TB2 sowie die schwerere Akinci, die gegen Luftabwehrstellungen und strategische Infrastruktur eingesetzt wird.

Auf Seiten der RSF [6]dominieren andere Systeme: die chinesischen Modelle CH-95 und FH-95, die von einer durch die Miliz kontrollierten Basis in Nyala in Darfur aus operierten. Daneben setzt die RSF auf umgebaute, kommerzielle Drohnen des Herstellers DJI [7], modifiziert für den Abwurf von 120-Millimeter-Mörsergranaten.

Eine Auswertung der Organisation Action on Armed Violence [8]zeigt zudem, dass die Armee weit stärker auf Luft- und Drohnenschläge setzt, während die RSF überwiegend auf bodengestützte Waffen wie Artillerie zurückgreift.

Der Preis internationaler Waffenlieferungen

Wie beide Waffentypen wirken, zeigen zwei Beispiele. Im Dezember 2025 traf ein Drohnenangriff [9] in Kaluqi, Süd-Kordofan, einen Kindergarten sowie anschliessend Ersthelfer und das Krankenhaus, in das die Opfer gebracht wurden — 79 Tote, mehr als vierzig davon Kinder.

Anfang Juli tötete eine Drohne im nordkordofanischen Al-Shaatout [10] dreizehn Zivilisten, darunter fünf Frauen auf dem Weg zu einer Hochzeit. Wer dafür verantwortlich war, ließ sich unabhängig nicht bestätigen.

Das Raoul Wallenberg Centre for Human Rights [11]verwies gemeinsam mit einer Koalition zivilgesellschaftlicher Organisationen hochrangige Amtsträger aus den Emiraten, Iran, der Türkei und Ägypten an den Internationalen Strafgerichtshof — wegen Beihilfe zu Gräueltaten im Sudankrieg durch Waffen-, Söldner- und Logistiklieferungen an die jeweils von ihnen unterstützte Kriegspartei.

Die schwersten Gräueltaten in Darfur, insbesondere das Massaker von El Fasher im Oktober 2025, werden dabei der RSF zugeschrieben — jener Seite, die nach Einschätzung von UN-Experten vor allem über die Emirate mit Waffen versorgt wird.

Die ausländischen Helfer des Drohnenkriegs

Die Herkunft der Drohnen zeichnet die Frontlinien des Sudankonflikts auch außerhalb des Landes nach. Reuters [12] berichtete bereits 2024, dass iranische bewaffnete Drohnen der Armee geholfen hätten, den Vormarsch der RSF zu stoppen und Gebiet um Khartum zurückzugewinnen.

Al Jazeera dokumentierte, dass die Armee iranische Drohnen und Ersatzteile erhalten habe, darunter Mohajer-6-Systeme [13], die 2023 und 2024 in Port Sudan eingetroffen seien.

UN-Experten werfen der RSF im Gegenzug Waffenlieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, was Abu Dhabi [14] zurückweist. Bei der chinesischen Herkunft mancher RSF-Systeme lohnt sich eine Präzisierung. Amnesty International dokumentierte 2025 chinesische Lenkbomben und Haubitzen im RSF-Bestand und schrieb, diese seien "so gut wie sicher" von den Emiraten [15] geliefert worden.

Die Lieferkette [16] führt damit nicht direkt nach Peking, sondern über die Emirate, die seit den frühen 2010er-Jahren zu den ersten Käufern chinesischer Kampfdrohnen wie der Wing Loong gehörten.

Im Mai 2026 kam eine weitere Dimension hinzu. Eine Serie von Drohnenangriffen auf den Flughafen Khartum traf zivile Terminals sowie Radar- und Luftabwehrsysteme. Das sudanesische Außenministerium erklärte, der Hersteller habe die abgeschossene Drohne als emiratisches Eigentum identifiziert, das vom äthiopischen Flughafen Bahir Dar [17]aus gestartet worden sei. Äthiopien wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte die Armee ihrerseits, tigrayische Kämpfer zu unterstützen.

Kontrast zur Ukraine: Warum dieselben Drohnen so unterschiedlich wirken

In der Ukraine ist die große, wiederverwendbare Kampfdrohne — die zum Stützpunkt zurückkehrt, um erneut zu starten — längst zur Ausnahme geworden. Ein Dossier [18] des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) beschreibt, wie der Krieg heute von kleinen Einweg- und Suizid-Drohnen dominiert wird, während größere, wiederverwendbare Aufklärungs- und Kampfdrohnen vor allem in der Anfangsphase der Invasion eine Rolle spielten.

Als eine ukrainische Bayraktar TB2 im Juni 2026 nach längerer Pause wieder ein russisches Ziel traf, wurde dies vom Fachportal The Aviationist [19] eigens vermerkt — ein Hinweis darauf, wie selten Einsätze dieses wiederverwendbaren Typs inzwischen geworden sind.

In Sudan dagegen tötet genau jener Drohnentyp weiterhin in grosser Zahl, der über der Ukraine kaum noch überlebt: mittelgroße, wiederverwendbare Aufklärungs- und Kampfdrohnen wie die Mohajer-6 oder die Bayraktar-Familie.

Der Unterschied liegt im Luftraum. Weder die sudanesische Armee noch die RSF verfügen über ein Luftabwehrsystem, das mit der Dichte aus Radar, Flugabwehr und elektronischer Kriegsführung vergleichbar wäre, die Russland über der Ukraine aufgebaut hat — eine Dichte, die es kaum noch erlaubt, dass eine Drohne einen Angriff fliegt und danach zurückkehrt.

Drohnen ersetzen die klassische Belagerung

Wie sich ein ungeschützter Luftraum auswirkt, zeigt der Vergleich zwischen El Fasher und El Obeid. El Fasher wurde von Mai 2024 bis Oktober 2025 belagert und nach der Einnahme durch die RSF Schauplatz von Verbrechen, die eine UN-Untersuchungsmission [20] als "Kennzeichen eines Völkermords" an nicht-arabischen Gemeinschaften einstufte.

El Obeid wurde dagegen nie vollständig eingeschlossen. Dennoch erzeugt der massenhafte Drohneneinsatz dort nach Auffassung des Tahrir Institut [21] ähnliche Bedingungen wie eine klassische Belagerung: Lebensmittel verteuerten sich um bis zu 300 Prozent, Wasser wurde doppelt so teuer, humanitäre Hilfe blieb weitgehend abgeschnitten.

Dass selbst nichtstaatliche Akteure einen Luftraum für hochwertige westliche Systeme gefährlich machen können, zeigt der Jemen. Die Huthi meldeten im Mai 2026 den Abschuss [22] einer amerikanischen MQ-9 nahe Marib. Bereits zuvor hatte ABC [23] von mindestens 15 abgeschossenen MQ-9 seit Oktober 2023 berichtet. Selbst nichtstaatliche Akteure können einen Luftraum damit so gefährlich machen, dass hochwertige westliche Systeme zum Verlustrisiko werden.

Die Lehre, die über den Konflikt hinausweist

Aus dem sudanesischen Fall lässt sich eine Lehre ableiten, die über den Konflikt hinausweist: Wo eine funktionierende Luftabwehr fehlt, entfaltet die mittelgrosse, wiederverwendbare Kampfdrohne eine Wirkung, die einer eigenen Luftwaffe gleichkommt — präzise, ausdauernd und kaum zu bekämpfen.

Historisch reiht sich Sudan damit weniger in die Nachfolge der Ukraine als in eine ältere Linie bewaffneter Drohnenkriege ein, vergleichbar mit Libyen, Berg-Karabach oder dem äthiopischen Tigray-Krieg, wo dieselbe Drohnenklasse gegen Gegner ohne geschlossene Luftabwehr zum Einsatz kam.

In der Ukraine hätte dieselbe Drohne kaum eine Überlebenschance. Dort hat sich der Luftkrieg längst auf ein anderes Prinzip verlagert: Hunderte billige, geflügelte Einwegdrohnen, die kleinen Flugzeugen ähneln und nach einem einzigen Angriff verloren gehen, ersetzen dort die wenigen teuren, wiederverwendbaren Systeme, die eine dichte Luftabwehr kaum noch zulässt.

Solange keine der beiden sudanesischen Kriegsparteien über eine nennenswerte Luftabwehr verfügt, dürfte der Drohnenkrieg gegen Städte wie El Obeid deshalb weitergehen — mit Folgen, die sich längst nicht mehr auf das Schlachtfeld beschränken, sondern, wie der brennende Hilfsgüterkonvoi bei Tendelti zeigt, die Versorgung ganzer Regionen treffen.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://sudantribune.com/article/315772
  2. https://www.reuters.com/world/africa/human-rights-catastrophe-unfolding-sudans-al-obeid-says-uns-turk-2026-07-03/
  3. https://www.ohchr.org/en/press-releases/2026/05/turk-issues-high-alert-widening-sudan-conflict-amid-increased-use-drones
  4. https://sudantribune.com/article/310795
  5. https://sudantribune.com/article/310795
  6. https://www.reuters.com/world/africa/sudans-rsf-operating-drones-darfur-base-pictures-show-2025-02-26/
  7. https://sudantribune.com/article/310795
  8. https://reliefweb.int/report/sudan/counting-dead-explosive-weapons-devastating-impact-civilians-sudan
  9. https://sudantribune.com/article/310795
  10. https://apnews.com/article/31443ebab52b34edc22a37de13894565%5D%20%5Bhttps:/www.newarab.com/news/sudan-drone-strikes-vehicles-kill-15-civilians-rights-group
  11. https://www.theguardian.com/world/2026/jul/04/el-obeid-aid-workers-sudan-war-drone-strikes
  12. https://www.reuters.com/world/middle-east/are-iranian-drones-turning-tide-sudans-civil-war-2024-04-10/
  13. https://www.aljazeera.com/news/longform/2026/2/3/drone-warfare-in-sudan-tracking-1000-aerial-attacks-since-april-2023
  14. https://www.reuters.com/world/africa/egypts-drone-deployment-border-raises-stakes-sudans-civil-war-2026-02-02/
  15. https://www.amnesty.org/en/latest/news/2025/05/sudan-advanced-chinese-weaponry-provided-by-uae-identified-in-breach-of-arms-embargo-new-investigation/
  16. https://www.al-monitor.com/newsletter/2026-06-11/how-iran-war-giving-china-opening-gulf-drone-market
  17. https://adf-magazine.com/2026/06/drone-attack-pushes-sudan-ethiopia-closer-to-conflict/
  18. https://www.iiss.org/globalassets/media-library---content--migration/files/publications---free-files/strategic-dossier/uavs-2026/iiss_ch-3-uavs-isr-deterrence-and-war_032026.pdf
  19. https://theaviationist.com/2026/06/25/ukraines-bayraktar-tb-2-breaks-hiatus/
  20. https://www.aljazeera.com/news/2026/7/6/el-obeid-under-siege-by-rsf-could-this-be-sudans-next-el-fasher
  21. https://www.aljazeera.com/news/2026/7/6/el-obeid-under-siege-by-rsf-could-this-be-sudans-next-el-fasher
  22. https://www.aa.com.tr/en/middle-east/yemen-s-houthis-shot-down-us-drone-in-marib-report/3940583
  23. https://abcnews.com/Politics/houthis-shoot-growing-number-us-drones/story?id=121099082

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Developer-Häppchen fürs Wochenende – kleinere News der Woche

Von Heise — 11. Juli 2026 um 09:11
Mexikanische Häppchen

(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)

Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Rustup, Python Software Foundation, Vite+, Kubermatic, Django, PyTorch, Kai, Eclipse und Rust.

In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • Das Rust-Team gibt einen Ausblick auf Version 1.30 von Rustup [1], die in vier bis acht Monaten erscheinen soll. Beim Toolchain‑Management‑Werkzeug löst reqwest das veraltete curl-Download-Backend endgültig ab und die implizite Toolchain‑Installation wurde für rustup- und rustup-init-Aufrufe deaktiviert. Bei Proxy-Befehlen wie rustc und cargo bleibt sie erhalten.
  • Vorstandswahlen bei der Python Software Foundation (PSF) [2]: Vier Sitze sind neu zu vergeben und die Python-Community ist zum Mitmachen aufgerufen. Vorstandskandidaten kann man vom 28. Juli bis zum 11. August nominieren.
  • Das quelloffene Kommandozeilentool Vite+ [3], das eine einheitliche Toolchain für die Webentwicklung bereitstellt, hat Beta-Status erreicht. Im Vergleich zum Alpha-Release [4] zeichnet sich die Beta-Version durch mehr als 180 Fixes und Verbesserungen wie intelligenteres Caching, robustere Migrationen, mehr Enterprise-Support und bessere Cross‑Platform‑Stabilität aus.
  • Mit Version 1.2 bekommt das Cloud‑native Virtualisierungstool Kubermatic Virtualization (KubeV) [7] ein integriertes Identity and Access Management (IAM) sowie Dashboard-gesteuertes Networking. Features wie robustere Live-Migrationen und vereinfachte Installationen und Updates sollen ebenfalls für zuverlässigere Betriebsabläufe sorgen.
  • Die Security-Releases 6.0.7 und 5.2.16 für das Python-Webframework Django [8] schließen drei Sicherheitslücken: falsch gecachte Set‑Cookie-Antworten (CVE-2026-48588), Heap-Buffer-Over-Read in GDALRaster (CVE-2026-53877) und eine mögliche Header-Injection (CVE-2026-53878).
  • Das Machine-Learning-Framework PyTorch liegt in Version 2.13.0 vor. Auf Apple-Silicon-Geräten ist FlexAttention bei sparsamen Aufmerksamkeitsmustern bis zu zwölfmal schneller als die ältere SDPA‑Variante. Alle Neuerungen stehen in den Release Notes auf GitHub [9].
  • Mit Version 1.0.2 erhält der für Delphi und C++Builder optimierte KI-Assistent Kai [10] eine internationale Sprachunterstützung und verbesserte Windows‑Locale‑Kompatibilität. Ebenfalls ins Release eingeflossen sind Verbesserungen wie erweiterte lokale LLM‑Completions und die Unterstützung von Completions über zusätzliche KI‑Engines.
  • EclipseSource hat Version 1.73 von Eclipse Theia [11] veröffentlicht, in die 68 Merged Pull Requests eingeflossen sind. Bei der quelloffenen Entwicklungsplattform für Web- und Cloud-basierte Tools lassen sich MCP-Server und Skills nun über die AI Registry installieren, Provider-seitige Webtools nutzen und Mermaid-Diagramme in Chats einbinden.
  • In der stabilen Version 1.97 aktiviert Rust standardmäßig das neue Symbol‑Mangling‑Schema v0, führt mit der Konfigurationsvariable CARGO_BUILD_WARNINGS eine Warnungsbehandlung per Cargo ein und zeigt Linker‑Ausgaben nicht mehr versteckt an. Die Release Notes [12] enthalten alle Neuerungen.

Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [13].


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Links in diesem Artikel:

  1. https://blog.rust-lang.org/inside-rust/2026/07/03/rustup-update-1.30/
  2. https://pyfound.blogspot.com/2026/07/thinking-about-running-for-psf-board.html
  3. https://voidzero.dev/posts/announcing-vite-plus-beta
  4. https://www.heise.de/news/Toolchain-fuer-die-Webentwicklung-Vite-wird-Open-Source-11212241.html
  5. https://clc-conference.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283
  6. https://clc-conference.eu/tickets_weiche.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283
  7. https://www.kubermatic.com/blog/meet-kubermatic-virtualization-1-2-run-protect-and-scale/
  8. https://www.djangoproject.com/weblog/2026/jul/07/security-releases/
  9. https://github.com/pytorch/pytorch/releases/tag/v2.13.0
  10. https://blogs.embarcadero.com/kai-1-0-2-is-now-available/
  11. https://eclipsesource.com/blogs/2026/07/07/eclipse-theia-1-73-release-news-and-noteworthy/
  12. https://doc.rust-lang.org/stable/releases.html#version-1970-2026-07-09
  13. mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer-H%C3%A4ppchen
  14. mailto:mai@ix.de

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Künstliche Intelligenz: Anthropic spendiert Claude Code einen eingebauten Browser

Von Andreas Donath — 11. Juli 2026 um 15:02
Claude Code kann ab sofort direkt aus der Desktop-App heraus im Web surfen. Anthropic betont die Sicherheit dieses Ansatzes.
Claude Code (Bild: Anthropic)
Claude Code Bild: Anthropic

Anthropic teilte mit, dass Claude Code jetzt über einen eingebauten Browser verfügt. Damit kann das Tool direkt mit Webseiten interagieren, statt sich ausschließlich auf lokale Entwicklungsserver zu verlassen.

Die Ankündigung erfolgte über den ClaudeDevs-Account auf X. Dort wird der Browser als Möglichkeit beschrieben, mit der Claude Dokumentationen, Designs oder beliebige andere Webseiten einsehen kann, während es arbeitet. Laut dem Post kann Claude Seiteninhalte lesen, durch Elemente klicken und mit Seiten interagieren, ähnlich wie es das bereits mit lokalen Entwicklungsumgebungen tut.

Sandboxed und optional

Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass die Funktion in einer Sandbox läuft. Sitzungen bleiben standardmäßig nicht erhalten, und Nutzer entscheiden selbst, ob Claude den Browserzustand zwischen verschiedenen Aufgaben speichert.

Anthropics eigene Dokumentation zieht eine klare Grenze zwischen diesem neuen Browserbereich und der separaten Erweiterung Claude für Chrome. Der interne Browser laufe demnach mit einem sauberen Profil, ganz ohne gespeicherte Log-ins oder Verlauf aus dem persönlichen Browser der Nutzer.

Dieses Set-up ist für das Bauen und Testen von Anwendungen gedacht, oder für Seiten, bei denen die Identität des Nutzers keine Rolle spielt. Für Fälle, in denen Claude im Namen des Nutzers handeln muss, etwa beim Navigieren in eingeloggten Sitzungen, verweist Anthropic stattdessen auf die Chrome-Erweiterung.

Diese Unterscheidung ist relevant für alle, die Komfort gegen Risiko abwägen müssen. Ein sandboxed Browser begrenzt, was Claude sehen und berühren kann. Die Chrome-Erweiterung gibt einen Teil dieser Isolation auf, dafür kann Claude beispielsweise innerhalb von Anwendungen agieren, die einen Log-in voraussetzen.

KI-Browser verändern sich

OpenAI kündigte kürzlich an, seinen ChatGPT-Atlas-Browser einzustellen und die entsprechende Funktion stattdessen in einen internen Browser der ChatGPT-Desktop-App zu verlagern.

Sowohl Anthropic als auch OpenAI betreiben bereits eigene Chrome-Erweiterungen, die ihre KI-Systeme mit Googles Browser verbinden.

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Sonnenlichtspiegel im Weltall: FCC gibt Erlaubnis für Demonstrationssatelliten

Von Mike Faust — 11. Juli 2026 um 14:30
Den Bedenken von Astronomen und Wissenschaftlern zum Trotz genehmigt die FCC einen Versuchssatelliten, um Sonnenlicht zur Erde zu reflektieren.
Reflect Orbital möchte unter anderem Solaranlagen nachts mit Sonnenlicht versorgen können. (Bild: Reflect Orbital)
Reflect Orbital möchte unter anderem Solaranlagen nachts mit Sonnenlicht versorgen können. Bild: Reflect Orbital

Die US-amerikanische Kommunikationsbehörde FCC (Federal Communications Commission) hat dem Antrag des Unternehmens Reflect Orbital stattgegeben, einen Sonnenlichtspiegel im Weltall zu platzieren. Dabei soll es sich um einen Demonstrationssatelliten handeln, der nachts Sonnenlicht zur Erde reflektieren kann.

Laut den Genehmigungsunterlagen der FCC trägt der Satellit den Namen Earendil-1 und ist mit einem spiegelnden Dünnschichtreflektor ausgestattet. Zur Lenkung des Sonnenlichts und zur Vermeidung von Kollisionen ist er mit einem integrierten Antriebssystem ausgestattet, das Manöver im niedrigen Erdorbit ermöglichen soll.

Langfristig plant Reflect Orbital ein Satellitennetzwerk nach dem Vorbild von Starlink, das Sonnenlicht auf Abruf bereitstellen kann. Dieses soll etwa zur Stromerzeugung durch Solaranlagen beitragen oder die Sichtbarkeit für Such- und Rettungsteams verbessern.

Öffentliches Interesse an Technologie größer als Bedenken zur Sicherheit

Die FCC bewertete auch die Einwände von Wissenschaftlern gegen das Projekt. So steht in den Unterlagen etwa, dass die American Astronomical Society (AAS) das Projekt ablehne. Der geplante Satellit unterscheide sich grundlegend von Telekommunikationssatelliten und sei auf das Reflektieren von Licht mit einer maximalen Helligkeit ausgelegt. Auswirkungen auf die astronomische Forschung ließen sich dadurch nur schwer abmildern, so die AAS.

Die Organisation wies zudem darauf hin, dass reflektierende Satelliten zu Augenschäden bei Amateurastronomen und zu vorübergehenden Blendungen von Autofahrern und Piloten führen könnten. Die FCC lehnte die Berücksichtigung dieser Bedenken ab, da die Politik der USA darauf abziele, die Bereitstellung neuer Technologien und Dienstleistungen für die Öffentlichkeit zu fördern.

Das öffentliche Interesse an der Technologie liege höher als die Bedenken hinsichtlich des Schutzes von Umwelt und Gesundheit. Diese stünden zudem in keinem Zusammenhang mit der Rolle der FCC, die Genehmigung zur Nutzung von Funkfrequenzen zu erteilen, so die Behörde.

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Apple: Speicherpreise treiben Preis für iPhone 18 Pro Max

Von Andreas Donath — 11. Juli 2026 um 13:58
Eine Analyse sieht das Apple iPhone 18 Pro Max deutlich teurer in der Herstellung, vor allem wegen des Speichers und des neuen Chips.
Apples nächstes Topmodell könnte in der Herstellung spürbar teurer werden. (Bild: Andreas Donath)
Apples nächstes Topmodell könnte in der Herstellung spürbar teurer werden. Bild: Andreas Donath

Teuer, teurer, iPhone. Eine aktuelle Analyse des Marktforschungsunternehmens Counterpoint Research legt nahe, dass die Bauteilkosten des kommenden iPhone 18 Pro Max deutlich steigen könnten. Für die Topversion mit einem Terabyte Speicher rechnen die Analysten mit einem Anstieg von fast 300 US-Dollar gegenüber dem Vorgänger.

Speicher und Prozessor als Hauptfaktoren

Den größten Anteil am Anstieg sollen die Kosten für den Flash-Speicher haben. Laut Counterpoint könnte allein der NAND-Speicher des untersuchten Modells mehr als 250 US-Dollar kosten. Das entspricht etwa der Hälfte der gesamten geschätzten Bauteilkosten eines iPhone 17 Pro Max.

Auch beim Arbeitsspeicher rechnen die Analysten mit steigenden Preisen. Grund ist die angespannte Lage bei DRAM-Chips. Ein erheblicher Teil der weltweiten Fertigungskapazitäten wird derzeit für Hardware in KI-Rechenzentren beansprucht, was den Nachschub für Smartphone-Speicher knapper macht. Betroffen ist davon nicht nur Apple, sondern auch andere Smartphone-Hersteller.

Den zweitgrößten Kostentreiber sehen die Analysten beim erwarteten Prozessor A20 Pro. Gerüchten zufolge lässt Apple den Chip für iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max erstmals im N2-Verfahren von TSMC fertigen. Der Wechsel von der bisherigen 3-Nanometer-Fertigung auf einen 2-Nanometer-Prozess gilt als aufwendiger, neue Verfahren bringen zu Beginn meist höhere Waferpreise mit sich. Geringere Ausbeuten in der Anfangsphase können die Kosten pro Chip zusätzlich erhöhen.

Display gleicht einen Teil der Mehrkosten aus

Allerdings soll nicht jede Komponente teurer werden. Counterpoint geht davon aus, dass die Kosten für das Display und einige weitere Bauteile im Vergleich zum iPhone 17 Pro Max sinken könnten. Ein Teil der höheren Kosten für Speicher und Prozessor ließe sich dadurch ausgleichen.

Bei der Kamera rechnen die Analysten dagegen mit einem leichten Anstieg. Als möglicher Grund gilt Gerüchten zufolge eine geplante Hauptkamera mit variabler Blende. Apple hat entsprechende Pläne bislang nicht bestätigt.

Folgen für Preis und Marge bleiben offen

Höhere Bauteilkosten führen nicht zwangsläufig zu höheren Verkaufspreisen. Apple könnte einen Teil der Mehrkosten selbst tragen, die Ausstattung anpassen oder die Preise je nach Speicherstufe unterschiedlich gestalten. Belastbare Angaben dazu liegen bislang nicht vor.

Counterpoint zufolge dürften vor allem Modelle mit viel Speicher stärker betroffen sein. Apple dürfte das iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max wie üblich im Herbst vorstellen.

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Mit Zero-Days: BND und Verfassungsschutz sollen „Super-Geheimdienste“ werden

Von Heise — 10. Juli 2026 um 19:44

(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)

Mit einem radikalen Systemwechsel im Nachrichtendienstrecht betreibt das Innenministerium die Degradierung des BSI zum Zulieferer für staatliche Cyberangriffe.

Das Bundesinnenministerium (BMI) plant eine Zäsur in der deutschen Sicherheitsarchitektur. Ein 648 Seiten starker Referentenentwurf zur Reform des Nachrichtendienstrechts sieht vor, die bisherigen rechtlichen Befugnisse des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und des Bundesnachrichtendienst (BND) sowie die Verflechtungen zwischen beiden Institutionen grundlegend neu zu ordnen.

Dahinter verbirgt sich eine umfassende digitale Aufrüstung: Inlands- und Auslandsgeheimdienst sollen im cyber-operativen Bereich zu eigenständigen Akteuren mit erweiterten Hackbefugnissen werden. Zugleich droht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zum digitalen Zulieferer für die Spione zu werden.

Das Innenministerium begründet sein Reformvorhaben [1] mit einer verschärften Bedrohungslage. Die operativen Fähigkeiten der Dienste müssten an die digitale Welt angepasst werden. Ein neues Frühwarnsystem und die Ausweitung der heimlichen Online-Durchsuchung sollen „Schutzlücken“ schließen.

Kritiker sehen darin das bekannte Muster sicherheitspolitischer Gesetzgebung: Tiefgreifende Überwachungsbefugnisse werden als alternativlose Antwort auf eine permanente Gefährdung dargestellt, während digitale Freiheitsrechte weiter unter Druck geraten.

Basis für Hackbacks und Zero-Day-Exploits

Deutlich wird der Kurswechsel etwa bei den „aktiven“ Schutzmaßnahmen. Künftig sollen die Agenten unter bestimmten Voraussetzungen in laufende Cyberattacken eingreifen dürfen, wenn andere Behörden wie die Polizei [2] nicht rechtzeitig handeln können.

Als Beispiel nennt das BMI den Fall, dass ein Dienst bereits die Infrastruktur eines Angreifers infiltriert und dort ein Schadprogramm entdeckt. Dann soll er unmittelbar Gegenmaßnahmen starten dürfen, anstatt die Attacke weiterlaufen zu lassen. Gegner sprechen von einer gesetzlichen Basis für staatliche Hackbacks [3], durch die die Grenze zwischen defensiver Aufklärung und offensiven Gegenmaßnahmen verschwimmt.

Von besonderer Tragweite ist die Neuregelung des Verhältnisses zwischen BSI und BND. Der geplante Paragraf 10 Absatz 2 BND-Gesetz soll die Übermittlungspflichten öffentlicher Stellen neu regeln. Dem BMI ist etwa die im BSI-Gesetz gesetzte Hürde für die Übermittlung an den BND nur bei „erheblicher Bedeutung für die Bundesrepublik“ zu hoch.

Künftig soll das BSI sicherheitsrelevante Erkenntnisse bereits in frühen Phasen eines Angriffs und teils automatisiert an den BND übermitteln. Begründet wird das damit, dass der Auslandsdienst dank seiner umstrittenen strategischen Fernmeldeaufklärung [4] einzelne Vorfälle in einen globalen Zusammenhang einordnen und so Gefahren früher erkennen könne.

Schwachstellenmanagement für Spione

Brisant ist hier der Umgang mit IT-Schwachstellen. Laut dem Entwurf soll das BSI Erkenntnisse über die technische Funktionsweise entdeckter Sicherheitslücken unverzüglich und möglichst automatisiert an den BND weitergeben. Gerade bei Zero-Days – Sicherheitslücken ohne verfügbaren Hersteller-Patch – entstünde dem BMI zufolge so ein erheblicher operativer Vorteil.

In der Gesetzesbegründung heißt es, der Zeitraum bis zur Schließung einer Schwachstelle könne für „wichtige Arbeiten“ des BND genutzt werden. Zeitverzögernde Prozesse würden die Anwendbarkeit erheblich verringern.

Damit würde das BSI in einen kaum lösbaren Zielkonflikt geraten. Statt Sicherheitslücken möglichst schnell zu schließen, wie es die Ampel-Koalition plante [5], wird die Zeit bis zur Bereitstellung eines Updates bewusst für geheimdienstliche Zwecke einkalkuliert.

Kontrolle mit begrenzter Reichweite

Als Ausgleich für die erweiterten Befugnisse verweist das Haus von Alexander Dobrindt (CSU) auf eine stärkere rechtsstaatliche Kontrolle. Die Zuständigkeiten sollen beim Unabhängigen Kontrollrat (UKRat) [6] gebündelt werden, der künftig eine gerichtsähnliche Vorabaufsicht ausüben könnte. Doch dessen Möglichkeiten blieben begrenzt.

Auch finanziell markiert die Initiative einen deutlichen Ausbau der Cyberfähigkeiten. Für den BND sind mindestens 40 Millionen Euro an Einmalkosten sowie jährlich 35 Millionen Euro vorgesehen. Beim Verfassungsschutz werden rund 94 Millionen Euro für die Umstellung der IT-Strukturen und laufende Betriebskosten von etwa 269 Millionen Euro veranschlagt.

Parallel zu der Aufrüstung würde die ursprüngliche Schutzfunktion des BSI gegenüber Staat, Wirtschaft und Bürgern in den Hintergrund treten. Der Gesetzentwurf soll den Weg ebnen für zwei deutlich schlagkräftigere Cyber-Nachrichtendienste, deren weitreichende Eingriffe nur begrenzt überprüfbar wären. Die Vorlage muss als nächstes durchs Bundeskabinett. Das Kanzleramt hat bereits ähnliche Überlegungen [7].


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/OESI2/nachrichtendienstrecht.html
  2. https://www.heise.de/news/Gesetzentwurf-Polizei-soll-Cyberangriffe-nicht-mehr-nur-reaktiv-abwehren-duerfen-11194068.html
  3. https://www.heise.de/news/Basis-fuer-Cyberdome-BSI-und-Laender-schmieden-digitale-Abwehrallianz-11216738.html
  4. https://www.heise.de/news/BND-Strategische-Fernmeldeaufklaerung-ging-2018-etwas-zurueck-4839379.html
  5. https://www.heise.de/news/Trojaner-Wie-die-Ampel-beim-Schwachstellenmanagement-die-Kurve-kriegen-will-9670572.html
  6. https://www.heise.de/news/Geheimdienstliche-Ueberwachung-Geplante-Superbehoerde-schuert-Spionageaengste-11257684.html
  7. https://www.heise.de/news/BND-soll-IT-Riesen-hacken-und-Internetknoten-staerker-ueberwachen-duerfen-11136509.html
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Wirklich alles lokal: Hermes-Agent und Qwen 3.6

Von Heise — 10. Juli 2026 um 19:34

KI-Agenten sind praktisch, aber dafür intime Daten in die Cloud schicken? Mit Hermes-Agent und lokalen Modellen wie Qwen 3.6 klappts auf dem eigenen Rechner.

Agentische Systeme wie OpenClaw oder Hermes sind schwer angesagt; aber meist arbeiten diese mit Cloud-KI-Modellen -- was nicht nur etliche Nachteile hat, sondern im beruflichen Umfeld sogar verboten sein kann. c’t 3003 hat deshalb ausprobiert, wie Hermes-Agent mit lokalen Modellen funktioniert, konkret mit Qwen 3.6 (Geschmacksrichtung 27B-UD-Q4_K_XL mit MTP [1]).

Transkript des Videos

(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)

Guckt mal hier, obwohl ich mein Internet gerade komplett abgeklemmt habe, baut mir mein KI-Agent gerade ein Spiel. Das Ding läuft nämlich komplett lokal. Anthropic, OpenAI und Co. lesen meine Daten nicht mit, ätschi. Und das Ding kann auch meine Linux-Installation komplett bedienen. Also ich sage einfach, such mir mal im Netz irgendwo ein Bild mit irgendwie strickenden Oktopussen und richte mir das als Desktop-Hintergrund ein. Ja, zack, fertig. Ich kann aber auch noch viel tiefer ins System gehen und sagen, richte mir mal eine andere Desktop-Umgebung ein. Ich will Cosmic statt KDE, zack, fertig.

Und ihr sagt jetzt vielleicht, ja, das gibt's doch schon lange. Und dann sage ich, ja, aber nicht in dieser Qualität. Komplett lokal auf bezahlbare Hardware. Wir sprechen hier von einem Modell, was auf meiner SSD weniger als 17 Gigabyte einnimmt. Ganz ehrlich, ich habe mir zwar immer gewünscht, dass lokale KI aufholt gegenüber den großen, teuren, energiehungrigen Cloud-Modellen, die ja auch einfach deaktiviert werden können. Schöne Grüße an Fable. Aber ich war auch immer noch ein bisschen skeptisch. Und jetzt habe ich hier bei mir die Kombination aus dem KI-Agenten Hermes und dem großen Sprachmodell Qwen 3.6 27B laufen und denke jetzt zum allerersten Mal, okay, das will ich so benutzen. Das macht sinnvolle Dinge. Und guck mal bitte, wie schnell das antwortet. Das ist Originalgeschwindigkeit.

Ich war zwischendurch so verwirrt von den Fähigkeiten, dass ich gedacht habe, nee, ich glaube, ich habe da doch was falsch konfiguriert. Jetzt zapft da doch ein Cloud-Modell an. Das kann doch nicht sein. Und ich habe dann wirklich das Internetkabel aus meinem Router gezogen. Und ja, es lief weiter. Also wirklich komplett lokal. Ja, und das ist für mich jetzt wirklich mal wieder ein revolutionärer Moment, weil das System wirklich das kann, was ich mir unter agentischer lokaler KI vorstelle. Hier auch mal schöne Grüße an die kommerziellen Betriebssystemhersteller. Alles hier im Video ist Open Source und das ist Lichtjahre von dem entfernt, was ihr so macht.

Ja, und leider habe ich später dann auch gemerkt, wo die Kompromisse sind, die man hier eingehen muss und wo der Haken ist. Bleibt dran.

Was ist Hermes-Agent?

Ja Leute, also zwei Sachen schreibt ihr uns ständig in die Kommentare. Macht doch mal was zu Hermes-Agent und macht doch bitte mal mehr über lokale KI-Modelle. Und ja, das machen wir jetzt und sogar beides in einem Video, in diesem hier nämlich. Und ich versuche jetzt mal wirklich alle von euch abzuholen, weil ich auch wirklich finde, dass das, was hier jetzt möglich ist, wirklich für alle relevant ist, die gerne mal einen Computer benutzen. Das Video ist so aufgebaut, dass es erstmal eher allgemein ist und dann zum Ende dann doch ein bisschen nerdig wird, weil das Thema lokale KI ist halt noch etwas fummelig, aber es lohnt sich auch wirklich.

Also erstmal ganz grob, was ist Hermes-Agent überhaupt? Ja, das ist ein KI-Agent und anders als ein Chatbot wie ChatGPT, das halt wirklich nur im Browser-Fenster lebt und mir da halt Text und vielleicht Bilder zurückgibt, kann so ein Agent selbst Dinge tun, also mir die komplette Computerbedienung abnehmen. Das heißt, ich kommuniziere mit dem Agenten in normaler Menschensprache, entweder per Kommandozeile oder auch per Sprachnachricht. Ich kann den nämlich auch an eine Messenger-App auf dem Smartphone ankoppeln und sage dem dann, was ich will oder was ich machen will und dann macht er das. Das können Programmierprojekte sein, zum Beispiel dieser Schneemann-Shooter hier, habe ich komplett ohne Cloud-Modell entwickeln lassen oder halt auch einfach Computer-Problemlösungen, wie zum Beispiel, ich kriege ComfyUI hier auf meiner AMD-Hardware nicht zum Laufen, installiere mir das mal bitte. Oder guck dir mal alle Bilder in diesem Ordner an und verschiebe alle YouTube-Thumbnails in Unterordner XY. Also alles, was ein Mensch so machen könnte, der Zugriff auf diesen Computer hat, auf dem Hermes-Agent läuft.

Am besten funktioniert das mit Dingen, die man im Terminal, also auf der Kommandozeile machen kann, also textbasiert. Mit grafischen Benutzeroberflächen und Websites kann Hermes-Agent auch arbeiten, aber bei Weitem nicht so gut. Agenten denken halt in Text und deshalb können sie am besten mit Text umgehen. Hermes-Agent läuft auf Linux, macOS und Windows und man kann es nicht nur auf der Kommandozeile verwenden, sondern es gibt auf Wunsch auch eine grafische Benutzeroberfläche, die sieht so aus. Ich habe im Rest dieses Videos Hermes aber über die Kommandozeile beziehungsweise über den Telegram-Messenger bedient.

Was unterscheidet Hermes von OpenClaw?

Falls euch das jetzt bekannt vorkommt, ja genau, das gilt auch alles für OpenClaw, der Hype-Software aus Österreich. Naja, jetzt USA, der Entwickler Peter Steinberger arbeitet ja inzwischen bei OpenAI. OpenClaw ist zwar offiziell kein OpenAI-Projekt und bleibt Open Source, aber naja, viele Leute sehen die Software seit Steinbergers OpenAI-Gang ein bisschen skeptisch. Ja, und deswegen jetzt Hermes-Agent, das ist eine Alternative, ist auch Open Source, gleiche Lizenz, MIT und man muss aber wirklich sagen, dass sich die beiden schon wirklich sehr, sehr ähneln.

Meine Erfahrung ist, Hermes arbeitet vielleicht ein bisschen autonomer, kriegt Sachen besser selbstständig hin. Bei OpenClaw muss man öfter hin und her gehen, also sowas wie, versuch's bitte nochmal, so und so. Hermes ist da oft hartnäckiger und Hermes ist auch mehr auf Tokensparsamkeit optimiert. Tokens, das ist ja die kleinste Einheit, mit der große Sprachmodelle arbeiten, das sind quasi Silben. Und das Ding bei diesen Agenten ist halt, dass die hinter den Kulissen einfach mit riesigen Prompts arbeiten, also da steht dann halt ein riesiger Roman drin, was sie gerade alles beachten müssen. Und deshalb verbrauchen Agenten mies viel Tokens. Das ist gut für Unternehmen wie Anthropic und OpenAI, die halt Tokens verkaufen, ist nicht so gut für Leute, die Agenten benutzen und Tokens kaufen müssen. Deshalb ist es ja auch so cool, dass ich hier komplett lokal arbeiten kann. Ich bezahle also nur meine Hardware, meinen Strom, aber keine Tokens. Dazu später mehr.

Kurz mal technisch zum Unterschied zwischen Hermes und OpenClaw. Hermes verwendet intern am liebsten Python, um Sachen zu scripten, OpenClaw TypeScript. Das ist eine JavaScript-Geschmacksrichtung. Außerdem bezeichnet Hermes sich als permanent selbstverbessernd. Das heißt, dass es sich automatisch Sachen merkt, wenn es was gut hinbekommen hat, zum Beispiel wie man bestimmte Werkzeuge konkret aufruft und es baut auch selbst solche Werkzeuge selbstständig. Das kann OpenClaw auch, macht es aber laut meiner Erfahrung nicht ganz so zuverlässig. Also das kann sein, dass sich OpenClaw einen abbricht, zum Beispiel in meinem Heimnetzwerk irgendwie Inhalte auf meinen Fernseher zu bringen. Und wenn man das dann später noch mal versucht, dann fängt er manchmal wieder von vorne an, statt sich an die schon mal gefundene Lösung zu erinnern, was super nervig sein kann. Bei Hermes ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sich gemerkt hat, wie mein Fernseher ansprechbar ist. Dafür hat OpenClaw aber mehr vorgefertigte Skills in der eigenen Claw-Hub-Datenbank. Hermes schreibt sich die Skills lieber selbst.

Und was auch ganz klar sichtbar ist, Hermes-Agent verhält sich technischer als OpenClaw. Also Hermes zeigt auch mal irgendwelche Terminal-Aufrufe im Messenger, während OpenClaw solche Sachen eher versteckt und versucht, einen Menschen zu cosplayen. Und OpenClaw ist als privates Hobby-Projekt gestartet, wo es halt null um Security und sowas ging. Das hat sich inzwischen auf jeden Fall verbessert, aber ganz klar, bei Hermes-Agent wurde Security von Anfang an mitgedacht, einfach weil es das neuere Projekt ist. Hinter Hermes steckt Nous Research aus New York. Die kommen aus der Kryptowelt und sind schon lange in der lokalen LLM-Szene aktiv, haben zum Beispiel unzensierte Modelle veröffentlicht. Das ist eine recht kleine Firma, also noch jedenfalls.

Wie haben wir Hermes getestet?

Okay, das erst mal vorab. Und wie genau habe ich Hermes-Agent jetzt getestet? Also natürlich habe ich das nicht auf einem Produktivsystem installiert, wo irgendwelche wichtigen Daten drauf sind. Hermes hat nämlich Zugriff aufs ganze System. Da können also Sachen kaputt gehen. Das Thema agentische Systeme ist ja auch noch ziemlich neu. Ich persönlich würde euch deshalb immer empfehlen, probiert das nur auf Systemen aus, wo es nicht schlimm wäre, wenn a, alle Daten verloren gingen und b, wenn die Daten von diesem Rechner irgendwohin abfließen. Stichwort Prompt Injections, also versteckte Anweisungen an den Agenten, die irgendwo im Netz liegen können.

Deshalb habe ich es so gemacht, dass ich Hermes-Agent auf einem komplett blanken System getestet habe. In dem Fall CachyOS, also Linux und das auf einem Framework Desktop. Das ist ein Rechner, der selbst auch zusätzlich zu Hermes ein LLM hosten kann. Also auf dem nicht nur Hermes selbst läuft, sondern eben auch das lokale LLM obendrauf, wenn ich das will. Das muss aber nicht so sein, denn Hermes selbst läuft auch auf einem sehr viel langsameren Rechner. Es kann ein altes Notebook sein oder ein gemieteter VPS oder man kann das Ding auch in der virtuellen Maschine installieren. Ist alles egal. Wenn ihr aber keine Cloud-KI nutzen wollt, dann braucht ihr dann aber halt noch einen Rechner, auf dem ein LLM läuft.

Für mich ist der Sweetspot in Sachen Qualität und Aufwand zurzeit Qwen 3.6 mit 27 Milliarden Parametern in 4-Bit-Quantisierung. Da sind die Gewichte 17 Gigabyte ungefähr groß. Also man braucht dann also mit Puffer und mit Kontext und mit Sicherheitsreserve ungefähr 24 Gigabyte schnellen Speicher. Im besten Fall GPU-Speicher. Zur Not läuft das aber auch auf 24 Gigabyte normalem RAM. Bei meinen Tests habe ich Qwen von einem Gaming-PC mit RTX 4090 auf meinen Linux-Hermes-Rechner zugespielt, geserved sozusagen. Übrigens lief auf dem LLM-Rechner sogar Windows. Das würde aber mindestens genauso gut mit Linux gehen. Die Kombination fand ich aber ganz lustig. Also Linux wird von Windows geserved.

Aber bevor wir in die Details einsteigen, also wie man das Ding lokal einrichtet, ein paar Beispiele, was ich mit der Kombination Hermes und Qwen 3.6 27B so gemacht habe. Erst mal ganz allgemein zum Verständnis, denn auch wenn das LLM selbst nicht ins Internet kann, kann es Hermes und das ist eine gute Kombination. Also Intelligenz vom lokalen Modell und Internet vom agentischen System. Da kann man dann nämlich einfach auch so Sachen fragen, wie ist das Wetter zurzeit in Hannover? Und dann gibt es darauf eine Antwort. Und die Systeme halluzinieren dann auch nicht mehr so viel, weil es sich eben immer mundgerecht Informationen aus dem Internet holen kann.

Weil Hermes eben nicht nur über die Kommandozeile steuerbar ist, habe ich auch mein Handy verwendet mit Telegram. Nicht, weil ich so ein Telegram-Fan bin, sondern weil Telegram am einfachsten einzurichten ist mit solchen Agenten. Das dauert mit Telegram wirklich nur drei Sekunden. Damit kann ich dann den Hermes-Agent auch von unterwegs verwenden, ohne dass ich mein internes Netz irgendwie nach draußen öffnen muss. Geht, wie gesagt, alles über Telegram. Im Detail habe ich das ja schon im OpenClaw-Video gezeigt.

Kann Hermes sinnvolle Dinge?

Ja, und mein erster praktischer Test, ob es Hermes mit dem lokalen Qwen schafft, hier im Browser meine jährlichen Mitarbeiterschulungen zu lösen. Das sind so Multiple-Choice-Fragen. Und da sind wir dann schon direkt im Territorium, das recht anschaulich zeigt, warum man lokale Modelle verwenden will. Da habe ich nämlich deutlich weniger Bauchschmerzen, so firmeninterne Websites zu verwenden. Bleibt ja schließlich alles auf meiner eigenen Hardware. Würde ich jetzt OpenAI oder Anthropic Cloud verwenden, würde halt ganz viel Zeug an US-Server geschickt werden. Will ich nicht.

Hier geht es zwar jetzt nur um so eine Sicherheitsschulung, die auch nicht direkt im heißen Intranet läuft, sondern auf einer externen Website. Also Firmengeheimnisse gibt es da eh nicht. Aber fühlt sich halt trotzdem deutlich besser an, weil halt alle Daten auf meinen Rechnern bleiben. Aber es geht ja nicht nur um mein Gefühl. Viele von euch sind ja auch beruflich an irgendwelche Zertifizierungen gebunden. Und da gibt es viele, die zum Beispiel verbieten, dass Daten außerhalb der EU verarbeitet werden. Und ja, da habt ihr dann ein Problem mit Claude und so.

Ich will aber jetzt auch nicht sagen, hey, mit lokalen Modellen ist das alles gar kein Problem. Also eure Daten werden natürlich nicht direkt irgendwo zu Drittanbietern geschickt, wo die Daten dann womöglich noch irgendwie zum Modelltraining oder so verwendet werden. Aber es besteht immer die Gefahr, dass euer Agent, wenn er eine Netzanbindung hat, über vergiftete Prompts irgendwo stolpert und womöglich Dinge tut, die ihr gar nicht wollt. Bedenkt das immer mit, wenn ihr wirklich Dinge verarbeiten wollt, die auf keinen Fall jemand sehen darf, dann benutzt eure agentischen Systeme komplett ohne Internetverbindung. Das geht schon auch. Bei meinen Tests hier hat es allerdings immer eine Verbindung nach außen und mir sind auch keine Prompt Injections untergekommen, zumindest nicht bewusst.

Ja und wie ist Hermes jetzt klargekommen mit den Schulungen, mit den Tests? Also am Ende hat es alle Prüfungen erfolgreich bestanden, aber der Weg dahin war extrem umständlich. Ich hatte ja gerade schon gesagt, dass es auf dem Terminal echt besser funktioniert als auf Websites, weil es da wirklich immer Screenshots machen muss, ans LLM schicken, analysieren, gucken, wo es hinklicken muss und so weiter. Und das verbraucht halt extrem viele Tokens, was also dann dazu geführt hat, dass Hermes ständig den Kontextspeicher, also quasi das aktuelle Kurzzeitgedächtnis, komprimieren musste. Und das dauert und macht auch die Arbeit nicht unbedingt besser, sage ich mal. Hermes hat also super oft neu angesetzt, obwohl es eigentlich schon fast fertig war. Es hat dann auch irgendwelche Skripte geschrieben, um das Kontextproblem zu lösen. Und ja, es tat schon wirklich ziemlich weh, das als Mensch zu beobachten, wie es sich da abgequält hat. Aber hey, aber am Ende hat es, wie gesagt, irgendwie geklappt.

Viel besser haben Sachen funktioniert, die sowieso komplett übers Terminal gingen. Also sowas wie installiere A-Step zur Musikgenerierung, generiere ein Lied über fliegende Oktopusse und spiele das auf meiner Sonos-Box ab. Und zwar natürlich ohne, dass ich Hermes mehr Details gegeben hätte. Der schafft das einfach. Der findet die Sonos-Box im Netzwerk und findet raus, wie man das da auch abspielt und macht das einfach.

Ja, und Coding geht natürlich auch. Hier ein Spiel, wo man mit warmem Wasser Schneemänner und -frauen zum Schmelzen bringt. Ich glaube, das hatte mit der Hitzewelle zu tun, dass ich auf die Idee gekommen bin. Und hier der 3003 Cyber Run, wo man mit diesem tollen Auto rumfährt und komischen Dingern ausweicht. Was ich hier beeindruckend fand, die Soundeffekte hat Hermes einfach lokal mit dem Tool Harmula generiert. Und ich hatte Harmula gar nicht selbst installiert oder installieren lassen.

Und klar, Hermes kann auch in Linux rumfrickeln, zum Beispiel mein Desktop-Hintergrundbild ändern und das Bild vorher auch lokal mit ComfyUI und zum Beispiel dem Bildgenerierer Flux generiert. Hier ein Oktopus vom Rechner. Also ich kann wirklich sagen, ich hätte gerne das und das auf meinem Desktop-Hintergrundbild und das war's. Das macht er dann. Und das kann ich auch in mein Handy reinlabern als Sprachie. Und das wie gesagt komplett lokal, ohne dass Daten von mir irgendwo rausgehen. Ehrlich gesagt stelle ich mir genau so einen persönlichen Co-Piloten vor und kurioserweise hat das von den großen Betriebssystem-Entwicklern noch niemand geschafft. Das ist alles hier Open Source, wie ich am Anfang schon gesagt habe.

Aber ja klar, das funktioniert zwar, aber das ist auch noch nichts für den Massenmarkt. Könnt ihr zum Beispiel hier sehen, als ich gesagt habe, er soll ein weiteres Desktop-Environment installieren. Mein CachyOS hatte bis dahin nur KDE installiert und ich wollte Cosmic. Ja, das ging jetzt nur so halb gut, aber hey, am Ende hat es dann auch geklappt.

Aber auch wenn Hermes mit Qwen auf der Kommandozeile und beim Coding ganz gute Resultate abliefern, sieht das beim Sprachgefühl eher nicht so gut aus. Also wie es mit mir kommuniziert, da merke ich dann schon, dass das kein Mensch ist. Hier habe ich zum Beispiel gerade versucht per Telegram meinen LLM-Server zu benchmarken. Dann sagt Hermes mit Qwen so zu mir, ich schicke eine Anfrage und „timings sie selbst“. Ich dann so, was, „timings sie selbst“? Und dann sagt das System, ah, „guter Punkt, das war schwul formuliert“. Ich so, „wie schwul?“ Antwort, „haha, okay, fair. Ich meinte es eher als umständlich formuliert oder schlecht ausgedrückt.“ Lach, wein, Emoji. Also keine Ahnung, ob das Ding irgendwie mit Schulhofsprüchen aus den 90ern trainiert wurde, aber schwul für schlecht, das ist schon ziemlich hängen geblieben.

Und weil das eben so ein vergleichsweise kleines Sprachmodell ist, neigt es auch zu starken Halluzinationen, vor allem ohne Internetzugang. Hier sind zum Beispiel 20 Attraktionen in Hannover, die in keinem Reiseführer stehen und jede einzelne ist komplett zu 100 % halluziniert, aber zugegebenermaßen sind die auch ziemlich unterhaltsam. Leibnizens letzter Hausschuh im historischen Museum, Vitrine 14b. Hannovers erste Telefonzelle, die in einer Hauswand steckt und heute ein Briefkasten ist. Ja, klar, logisch. Oder hannoversche Himmelsstürmer-Ecke, daneben ein fast unsichtbarer Gummibaum aus den 50ern. Das grüne Herz, „vermodernde“ Skulptur, eine vergessene Umweltinstallation aus recycelten Fahrrädern im Stadtgarten, die langsam rostet und wirklich immer ganz toll bei Halluzinationen, wenn das LLM „ja, wirklich“ hinter offensichtlichen Quatsch schreibt.

Wichtig ist auch nochmal zu erwähnen, so ein klitzekleines Modell wie Qwen 3.6 mit nur 27 Milliarden Parametern, das ist auch anfälliger für zum Beispiel Prompt-Injections. Also zum wiederholten Mal: Nutzt das so komplett mit Vollzugriff nur auf Systemen, wo nichts Wichtiges drauf ist.

Kurzer Einschub: Ja, also besser mit Sprache umgehen kann auf jeden Fall das lokale LLM Gemma 4 von Google. Das habe ich in der Variante 26B A4B tatsächlich auf meiner brandneuen Steam Machine mit 8 GB GPU-Speicher und 16 GB normalem RAM laufen lassen und von Hermes als Intelligenz nutzen lassen. Das ging auch, guckt hier, diese 3003-Animationen habe ich davon coden lassen. Aber das hat nicht wirklich Spaß gemacht, weil das auf der Steam Machine wirklich extrem langsam läuft, eben weil das nicht komplett in die GPU passt und das immer wieder in den normalen RAM auslagern muss. Einschub Ende.

Jetzt geht es wieder um Qwen. Ich hoffe, ich habe euch nicht verwirrt, dass jetzt auf einmal von einem anderen Sprachmodell die Rede ist, aber ich wollte einmal zumindest Gemma 4 erwähnen, weil das auch ziemlich gehypt gerade. Aber in Sachen Computerbedienung und Coding schneidet Qwen 3.6 27B meines Erachtens besser ab. Deshalb habe ich mich jetzt darauf fokussiert.

Wie lässt man Qwen 3.6 lokal laufen?

Und jetzt endlich. Was braucht ihr, um das tolle Qwen von Alibaba laufen zu lassen? Also ich habe das auf drei Rechnern ausprobiert. Auf dem Framework Desktop mit 128 GB Unified-Speicher, beim Gaming-PC mit RTX 4090 und auf meinem MacBook Air M2 mit 24 GB Unified-Speicher. Mir ist klar, dass das alles schon so Luxushardware ist, die man nicht einfach irgendwo rumliegen hat. Aber 24 GB Speicher, die braucht man halt, damit man diese 17 GB Weights, also das 27-Milliarden-Parameter-Modell in 4-Bit plus Kontext plus Puffer irgendwo laufen lassen kann.

Also am besten ist das extrem schneller Speicher, also GPU-Speicher oder halt gemeinsamer GPU- und CPU-RAM, wie bei Apple-Rechnern und zum Beispiel auch dem Framework Desktop. Das Modell läuft auch auf 32 GB normalem DDR5-Speicher, aber das ist extrem lahm. Wenn ihr euch jetzt fragt, du hast doch gerade gesagt 24 GB reichen aus. Ja, aber wenn ihr insgesamt nur 24 GB habt, dann geht das eben nicht, weil das Betriebssystem ja auch noch irgendwo hin muss. GPU-Speicher reichen 24 GB, das kann ja dann nahezu komplett exklusiv vom LLM verwendet werden.

Zum Thema Geschwindigkeit gehen wir gleich noch ein bisschen tiefer ins Rabbit Hole. Erst mal ganz kurz, wie man Hermes Quick & Dirty ausprobieren kann. Betonung auf Quick & Dirty, das ist jetzt nicht der beste Weg, sondern ein einfacher. Und zwar installiert ihr Ollama, das gibt es für Linux, macOS und Windows. Und wenn das installiert ist, tippt ihr einfach „Ollama“ auf der Kommandozeile ein und dann wählt ihr aus „Launch Hermes-Agent (install)“ und dann fragt Ollama, welchen Provider ihr nehmen wollt, also welches LLM. Und da will euch dann Ollama irgendwelche Cloud-Modelle verkaufen und ein Abo. Aber das wollt ihr nicht, sondern ihr wählt dann z. B. wenn ihr den Speicher habt, Qwen 3.6 aus, es gibt aber auch noch andere kleinere. Damit wird Hermes nicht so gut laufen, aber könnt ihr auch ausprobieren. Und dann wird Qwen 3.6 auf eurem System runtergeladen, dann könnt ihr Hermes direkt damit benutzen, dann seid ihr schon fertig.

Aber Ollama ist ziemlich sicher nicht die beste Variante, um lokales LLM laufen zu lassen. Das hat ganz viele Gründe, aber wie ihr gerade gesehen habt, ist es extrem einfach. Ab jetzt müsst ihr auch nicht mehr Ollama starten für Hermes, ihr könnt einfach „Hermes“ eingeben. Und wenn ihr „hermes model“ eingebt, könnt ihr auch einfach andere LLM-Provider nutzen, z. B. meinen Rechner im Nebenraum mit RTX 4090. Einfach die IP-Adresse eingeben und da habe ich dann halt den Vorteil, dass Qwen 3.6 komplett im schnellen Grafikspeicher läuft. Und das ist, wie gesagt, wirklich sauschnell. Und zwar sowohl bei der Tokenberechnung, also dem Generieren von Tokens, als auch beim sogenannten Pre-Processing.

Ich hatte ja am Anfang erklärt, dass diese agentischen Systeme immer riesige Prompts ins Sprachmodell reinfüttern. Und die müssen halt immer erstmal bearbeitet werden, bevor es losgehen kann mit den Antworten. Und ich muss zugeben, dass ich in der Vergangenheit bei Tests von lokaler KI wirklich zu viel Fokus auf Tokengenerierung gelegt habe. Einfach weil ich nicht mit agentischen Systemen getestet habe. Ich habe einfach nur minikurze Prompts ausprobiert, also sowas wie erzähl mir eine Geschichte. Und ja, da ist dann das Prompt-Processing unwichtig, weil das Prompt ja nur so kurz ist. Ja, das ist in der Praxis nur die halbe Wahrheit, weil es bringt mir wenig, wenn mein System zwar in kurzer Zeit viele Tokens ausgeben kann, dafür aber vorher ewig auf dem Prompt rumkaut. Deshalb ist Prompt-Processing wichtig.

Guck mal hier, das sind die Benchmark-Ergebnisse auf den drei Rechnern, die ich hier nutze. PP512 ist erwähntes Prompt-Processing, also PP für Prompt-Processing und TG128 ist Token-Generation. Beides ist angegeben in Token pro Sekunde. Und ihr seht auf der RTX 4090 alles viel schneller als auf dem Framework Desktop und vor allem dem MacBook M2. Allerdings knallt der Rechner mit RTX 4090 im LLM-Betrieb auch über 500 Watt weg. Beim Framework sind es nur 140 Watt. Ermittelt habe ich die Zahlen übrigens mit LlamaBench. Das ist Teil von llama.cpp, der wohl zurzeit gebräuchlichsten LLM-Abzapf-Software-Bibliothek.

Ollama nutzt auch intern llama.cpp, will aber immer alles automatisch machen, was oft nicht das ist, was richtig ist. Zum Beispiel wollte es auf meiner RTX 4090 hier nicht komplett im GPU-Speicher laufen, sondern teilweise auf der CPU, was es dann elend lahm gemacht hat. llama.cpp ist etwas spröde in der Bedienung, aber wenn es erstmal läuft, dann läuft das.

Rein ins LLM-Rabbit-Hole

Kleines Geständnis von meiner Seite, ich installiere llama.cpp eigentlich nicht mehr manuell, sondern nur noch per Coding-Agent, also mit Claude Code oder Codex. Also will ich einen Rechner ernster für lokale KI verwenden, dann gehe ich einmal kurz in die Cloud, wie gesagt mit Claude Code oder Codex. Oder auch GLM 5.2 aus China, auch ein Modell, was gerade gehypt und was damit gut funktioniert. Und dann sage ich dem, er soll auf diesem Rechner mal überlegen, welches lokale Modell für agentische KI da am besten laufen könnte. Und er soll dann Messreihen machen. Zum Beispiel sage ich dann, benutze mal die Modelle Qwen 3.6 und Gemma 4 mit unterschiedlichen Quantisierungen.

Dann probiere ich auch gerne nochmal die unterschiedlichen Varianten aus. Denn Qwen 3.6 und Gemma 4 gibt es einmal als sogenannte Dense-Varianten, aber auch als Mixture-of-Experts-Version, MOE. Bei MOE ist immer nur ein Teil der Parameter aktiv, weshalb es meist deutlich schneller läuft. Aber dafür ist die Qualität auch ein bisschen schlechter. Bei Dense-Modellen, da sind immer alle Parameter gleichzeitig aktiv. Ich muss sagen, dass ich mit dem Dense-Modell, also dem 27B von Qwen 3.6, bessere Erfahrungen gemacht habe. Das Mixture-of-Experts-Modell, das heißt Qwen 3.6 35B. Ich habe es euch gesagt, Rabbit Hole.

Das Ding ist nur, dass das lokale LLM nicht nur irgendwie laufen muss, sondern wenn ihr es mit Hermes-Agent verwenden wollt, braucht ihr auch ein großes sogenanntes Kontextfenster von mindestens 65.000 Token. Das ist wie gesagt so das Kurzzeitgedächtnis, also die Token, die das Ding im Gedächtnis, im Speicher behält. Je größer der Kontext, desto mehr Speicher wird zusätzlich benötigt und desto langsamer wird es auch. Deswegen, obwohl die Weights nur 17 Gigabyte groß sind, brauche ich trotzdem die 24 Gigabyte meiner Grafikkarte, wegen des großen Kontext.

Auf meinem MacBook Air M2 läuft Qwen 3.6 mit 27B und 4-Bit-Quantisierung übrigens maximal mit 16K-Kontext und das muss da dann auch schon ein bisschen was auf die SSD auslagern. Also mit Hermes kann ich es vergessen auf meinem MacBook. Wie gesagt, man braucht mindestens 64K-Kontext für Hermes. Aber damit Hermes wirklich Spaß macht, will man eigentlich sogar 100K oder im besten Fall genau 226.144 Tokens. Das ist das Maximum, was Qwen 3.6 beherrscht, weil auch schon bei kleineren agentischen Aufgaben und vor allem Programmierprojekten, werdet ihr sehen, dass euer Kontext vollläuft und Hermes dann immer wieder komprimieren muss. Mit 200K-Tokens, da kriegt ihr viele Sachen komplett ohne Kompressionen und Neuansetzungen.

Und wie gesagt, Kontext kostet zusätzlich Speicher. Was ihr deshalb machen könnt, wenn ihr mehr Kontext haben wollt, den sogenannten KV-Cache in den normalen RAM auslagern oder auch den KV-Cache quantisieren, also die Genauigkeit verringern. Genauigkeit verringern, das klingt erstmal schlimm, klappt aber bis zu einem gewissen Grad nahezu verlustfrei.

Sowieso quantisieren, ich habe ja in diesem Video schon häufiger von 4-Bit oder Q4 gesprochen. Das bedeutet, dass statt 16-Bit-Gleitkommagenauigkeit die Parameter nur in 4-Bit-Genauigkeit gespeichert sind, was natürlich extrem viel Speicher spart und da kann man dann jetzt auch richtig drüber obsessen. Es gibt nämlich nicht nur 4-, 5-, 6-Bit-Quantisierung, sondern es gibt auch noch Hybrid-Quantisierung, die unterschiedliche Layer unterschiedlich genau quantisieren, also Rabbit Hole.

Der Mainstream-Konsens ist, dass Qwen 3.6 27B meist in der Unsloth-Variante UDQ4_K_XL.GGUF mit MTP verwendet wird. Da passt das Ding nämlich nicht nur in 24-GB-GPU-Speicher, sondern da passt dann auch noch genug Kontext mit rein. Also das ist auf jeden Fall die Variante, die ich die ganze Zeit verwendet habe, aber ey, da kann man sich richtig reinnerden, es gibt wirklich so viele unterschiedliche Varianten. Es gibt auch unterschiedliche Leute, die die Modelle quantisieren und so. Das ist halt das Ding, wenn die Sachen offen sind und man damit Sachen machen darf, dann machen Leute auch Sachen damit. Und das ist ja auch cool, aber es ist ein bisschen schwierig, da den Überblick zu behalten.

Ich kann euch auf jeden Fall sagen, dass ich hier meine besten Erfahrungen mit diesem llama.cpp-Aufruf gemacht habe. Das ist das besagte 3.6-27B-Modell mit Flash-Attention und MTP, also Multi-Token-Prediction, was die Geschwindigkeit nochmal steigert. Und wenn ihr die multimodalen Fähigkeiten benutzen wollt, das heißt, wenn das Ding auch Bilder erkennen soll, das braucht ihr auch, um Websites zu benutzen, weil das geht ja über Bilder, müsst ihr auch noch die MMPROJ-Datei zusätzlich herunterladen bei Hugging Face.

Hey, ich habe euch gewarnt, das ist ein komplexes Thema. Wie gesagt, ich empfehle den ganzen llama.cpp-Kladderadatsch mit einem Coding-Cloud-Tool zu installieren. Ihr könnt dafür natürlich auch Hermes mit einem lokalen Modell verwenden. Habe ich auch ausprobiert, das funktioniert auch ganz gut, auch dass er diese Messreihen macht und ausprobiert, was auf eurem System am besten funktioniert. Aber da habt ihr halt ein Henne-Ei-Problem. Auf dem Rechner, wo ihr das lokale Modell installieren wollt, kann ja nicht schon ein lokales Modell laufen, beziehungsweise nur dann, wenn ihr wirklich extrem viel Speicher habt.

Ihr müsst aber dafür auch nicht sofort ein Anthropic- oder OpenAI-Abo abschließen. Zum Beispiel mit OpenRouter könnt ihr einige Cloud-Modelle auch komplett kostenlos verwenden.

Ja, puh, ich habe selbst gemerkt, dass das hier am Ende doch noch ziemlich komplex geworden ist. Aber ey, ich finde es halt auch nicht aufrichtig, wenn ich euch nur das Ergebnis zeige und nicht darauf eingehe, wie man das selbst nachbaut. Ich bin jedenfalls wirklich beeindruckt davon, wie brauchbar schon jetzt lokale Modelle mit Hermes sind. Und Qwen 3.6 und Gemma 4 werden nicht die letzten lokal lauffähigen Modelle sein. Das wird weiter besser werden. OpenAI und Anthropic werden es in Zukunft nicht leicht haben, meine Prognose.

Das Ding ist nur, Hardware, auf der sowas läuft, bleibt teuer. Aber alleine die Möglichkeit, auch interne, intime Daten zu verarbeiten, ohne Bedenken zu haben, dass die Daten sonst wohin abfließen, also von den Prompt Injections mal abgesehen, das ist schon Gold wert. Aber das muss ich auch nochmal betonen, sowas wie Qwen 3.6 ist brauchbar, aber das ist auch noch fehleranfällig. Und das ist auch noch nicht auf dem Niveau eines Anthropic-Cloud-Fable oder so. Das muss euch klar sein. Aber ich kann euch empfehlen, damit rumzuspielen. Es ist extrem faszinierend. Und mal sehen, wie das in einem halben Jahr aussieht. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

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iPhone Fold: Erste Details zur angeblichen Akkukapazität des Falt-iPhones

Von Heise — 10. Juli 2026 um 16:55
iPhone-Verpackungen

(Bild: Sebastian Trepesch / Mac & i)

Einem Gerücht zufolge könnte das erste faltbare iPhone einen geteilten Akku mit knapp 4.900 mAh erhalten – weniger als das kommende iPhone 18 Pro Max.

Mit dem erwarteten ersten faltbaren iPhone wird bei Apple im Herbst möglicherweise zum ersten Mal nicht das teuerste Modell das mit der größten Akkukapazität sein. Einem Gerücht aus China zufolge soll der Akku des iPhone 18 Pro Max deutlich größer ausfallen als der des ersten Falt-iPhones. Das iPhone [1] Fold, das von vielen auch iPhone Ultra genannt wird, könnte durch Verwendung der neuesten energieeffizienten Chips trotzdem eine bessere Akkulaufzeit haben als heutige Geräte mit dieser Batteriekapazität.

Die Angaben zum Akku gehen auf den chinesischen Leaker Digital Chat Station [2] zurück, der schon verschiedentlich mit zutreffenden Angaben aus der Zuliefererkette Apples in China in Erscheinung getreten ist. Er behauptet, dass im iPhone Fold ein geteilter Akku verbaut sein wird. Statt einer Zelle soll es eine mit 1.921 Milliamperestunden und eine mit 2.962 mAh geben. In der Summe wären dies 4.883 mAh nutzbare Kapazität. Die Angaben sollen aus Zulassungsdaten aus der Lieferkette stammen. Eine unabhängige Bestätigung gibt es hierfür bislang nicht. Die Kapazität läge über der des Galaxy Z Fold 7 von Samsung und soll auch die erwartete seines Nachfolgers, des Galaxy Z Fold 8, übertreffen.

Chips könnten für längere Laufzeit sorgen

Das iPhone 18 Pro Max soll laut anderen Gerüchten über eine Kapazität von 5.567 mAh verfügen – also deutlich mehr. Der Leaker Ice Universe sieht die Laufzeit des Geräts, das für Herbst erwartet wird, auf Augenhöhe mit Android-Flaggschiffen, die einen 7.000-mAh-Silizium-Karbon-Akku eingebaut haben.

Gegenüber dem aktuellen iPhone 17 Pro Max läge das Fold mit diesem Akku leicht über dem des Pro Max: Das Pro Max hat eine Kapazität von 4.823 mAh. Es wird zudem damit gerechnet, dass der erwartete A20-Pro-Chip im Fold, der erstmals in 2-Nanometer-Bauweise entstehen soll, aufgrund höherer Energieeffizienz das 17 Pro Max in der Laufzeit spürbar übertreffen könnte. Analyst Jeff Pu hatte bereits früh auf den A20-Pro-Chip und weitere technische Details des iPhone Fold [3] hingewiesen. Sollte überdies der Apple-eigene C2-Mobilfunkchip zum Einsatz kommen, könnte dies weitere Energie einsparen und für längere Laufzeiten sorgen. Laut Bloomberg soll das Gerät bei einem Preis von mindestens 2.000 US-Dollar starten – einen ausführlichen Überblick zu Preisen, Technik und Verfügbarkeit des iPhone Ultra [4] bietet unser separater Bericht.


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Nordischnet und Teranet: GVG Glasfaser geht in neue Gebiete

Von Achim Sawall — 10. Juli 2026 um 19:10
GVG Glasfaser macht sein Versprechen wahr und baut nach langer Pause wieder in neuen Gebieten Glasfaser aus. UGG und Deutsche Glasfaser schaffen das nicht mehr.
Ausbau von GVG Glasfaser geht weiter. (Bild: GVG Glasfaser)
Ausbau von GVG Glasfaser geht weiter. Bild: GVG Glasfaser

GVG Glasfaser plant, sein FTTH-Netz in neuen Gebieten auszubauen. Das gab der Kieler Netzbetreiber am 10. Juli 2026 bekannt. Im Landkreis Oldenburg dehnt der Anbieter seine bisherigen Ausbaugebiete in Niedersachsen auf einen dritten Landkreis aus.

Damit der Ausbau tatsächlich stattfindet, muss GVG Glasfaser anders als die Deutsche Telekom bei der Vorvermarktung eine Quote von mindestens 40 Prozent erreichen.

Dies soll in den Kommunen Dünsen, Harpstedt und Kirchseelte im Landkreis Oldenburg realisiert werden. Diese drei Gemeinden will GVG eigenwirtschaftlich, also ohne Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel, flächendeckend erschließen.

Datenübertragungsrate reicht bis zu 1 GBit/s symmetrisch

Der norddeutsche Netzbetreiber vollzog Ende Januar 2024 mit betriebsbedingten Kündigungen den Abbau von rund einem Viertel der 450 Arbeitsplätze im Unternehmen. Die Kosten für den Bau von Glasfasernetzen seien drastisch gestiegen und die Finanzierungsbedingungen hätten sich erheblich verschlechtert, hieß es zur Begründung. Die Vermarktung neuer Glasfaserprojekte wurde vorerst ausgesetzt.

GVG Glasfaser wurde im Jahr 2014 in Kiel gegründet und baut speziell in ländlichen Regionen mit den Marken Nordischnet und Teranet und den Tochtergesellschaften 2locate und 2provide aus. Geboten werden Internet, Telefonie sowie IP-TV. Die Datenübertragungsrate reicht bis zu 1 GBit/s symmetrisch.

Mehrere größere alternative Netzbetreiber wie UGG (Unsere Grüne Glasfaser) von Telefónica Group und Allianz sowie Deutsche Glasfaser kündigten zuletzt an, fast keine neuen Ausbaugebiete mehr anzugehen. Der Druck durch den Überbau der Telekom, geringe Kaufbereitschaft, Rückzug vieler Investoren und steigende Baukosten ist erheblich.

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Elektronikhändler: Verbleibende Saturn-Märkte werden Showrooms

Von Achim Sawall — 10. Juli 2026 um 18:50
Gaming und neue Elektronik vor Markterscheinen sollen künftig bei Saturn zu sehen sein. Doch es sind nur wenige Saturn-Märkte übrig.
Umgeflaggt oder geschlossen: kaum noch Saturn Märkte übrig. (Bild: Saturn)
Umgeflaggt oder geschlossen: kaum noch Saturn Märkte übrig. Bild: Saturn

Die wenigen verbliebenen Saturn-Märkte sollen sich auf innovative und trendige Tech-Produkte konzentrieren, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Gaming. Das sagte der neue Chief Executive Officer der Media Markt Saturn Holding Ceconomy, Remko Rijnders, der Zeitung Welt (Paywall). Die Marke sei dem Konzern "weiter sehr wichtig".

"Wir sehen allerdings, dass wir die Positionierung von Saturn im Vergleich zu Media Markt stärker differenzieren müssen als heute", erklärte Rijnders. "Wir werden etwa exklusive Produkt-Drops nutzen, was wir heute noch nicht tun, um Kunden frühzeitig Zugang zu Innovationen zu ermöglichen – noch bevor diese Produkte flächendeckend auf dem Markt verfügbar sind. Insbesondere durch Saturn-Showrooms auf dem deutschen Markt."

Zuletzt wurden zahlreiche Saturn-Standorte geschlossen oder in Media Markt-Filialen umgewandelt. Vor einigen Jahren gab es in Deutschland noch etwa 150 Geschäfte, aktuell sind laut Welt nur noch 27 geöffnet. Im Januar 2026 nannte Ceconomy noch eine Zahl von 53 Saturn-Märkten. Die Anzahl der Media-Markt-Filialen wuchs durch die Umfirmierungen auf über 350.

JD.com: Entscheidung steht noch aus

Der chinesische E-Commerce-Konzern JD.com steht vor der Übernahme von Ceconomy. Bis zum Ende der Annahmefrist Anfang Dezember sicherte sich der Konzern knapp 60 Prozent der Anteile. Das Aktienpaket, das JD.com kontrolliert, liegt höher.

Behörden in mehreren Ländern prüfen die Übernahme. Frankreich, Italien und Deutschland stimmten zu. Die Entscheidungen aus Spanien und Österreich stehen noch aus.

Die Europäische Kommission äußerte nach einer ersten Untersuchung "vorläufige Bedenken" und prüft den Fall nun genauer. JD.com und Ceconomy rechnen mit einer vollständigen Freigabe in der zweiten Jahreshälfte.

JD.com, der als Einzelhändler mit Ladengeschäften begann, beschleunigte seine globale Expansion in den vergangenen Jahren: 2022 führte das Unternehmen die Einzelhandelsmarke Ochama in den Niederlanden ein und startete im April einen Pilotbetrieb seines britischen Online-Marktplatzes Joybuy. JD.com prüfte im Jahr 2024 zudem eine Übernahme des britischen Elektronikhändlers Currys.

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Militärische Kooperation: Starlink im Fadenkreuz von Russland und China

Von Michael Linden — 10. Juli 2026 um 18:37
Russische und chinesische Militärplaner sollen in einer neuen Allianz die Frage klären, wie sehr der Westen ohne Starlink ins Straucheln geraten könnte.
China und Russland kooperieren militärisch. (Bild: KI-generiert mit ChatGPT)
China und Russland kooperieren militärisch. Bild: KI-generiert mit ChatGPT

Ein nichtöffentliches Treffen russischer und chinesischer Militärplaner, das einem Bericht des Spiegel zufolge Ende 2023 in Guangzhou stattfand, soll sich offenbar um die Frage gedreht haben, wie stark westliche Streitkräfte ohne Starlink ins Wanken geraten würden.

Dem Bericht zufolge diskutierten Offiziere beider Länder ausführlich über westliche Militärtechnik auf dem Schlachtfeld. Neuere Panzer kamen zur Sprache, darunter der amerikanische AbramsX, der deutsche KF51 Panther von Rheinmetall sowie der deutsch französische EMBT. Die Panzer sollen bei dem Treffen jedoch nur eine Nebenrolle gespielt haben.

Internetzugang für Drohnen

Das von Elon Musks SpaceX aufgebaute Satellitennetz zog Teilnehmern zufolge die größte Aufmerksamkeit auf sich. Starlink wurde seit Beginn der russischen Invasion zu einem zentralen Baustein der ukrainischen Kommunikation, Koordination und Kriegsführung.

Die Ukraine drängte nach Kriegsbeginn auf den Zugang zu dieser Technologie. Mychajlo Fedorow, damals Minister für digitale Transformation und heute Verteidigungsminister, wandte sich direkt an Musk. Das Land erhielt Zehntausende Starlink-Terminals, zum Zeitpunkt des berichteten Treffens in Guangzhou sollen mehr als 40.000 Geräte in der Ukraine im Einsatz gewesen sein.

Russland kennt die Alternative bereits

Russische Streitkräfte erlebten bereits, wie sich der Verlust dieses Zugangs anfühlt. Im Februar 2026 wurde die Starlink-Verbindung für russische Einheiten in der Ukraine unterbrochen, ein Ausfall, der Russland zu einer mit chinesischer Unterstützung entwickelten Alternative drängte.

Diese besteht aus einem Netz aus Funkmasten und Drohnen entlang der Front. Es erlaubt russischen Truppen, die Verbindung zu halten, und ermöglicht es dem Militär offenbar auch, Drohnenschwärme zu steuern, die ihre Ziele mitten im Flug wechseln können. Eine Fähigkeit, die teilweise auf chinesische technische Unterstützung zurückgeführt wird.

Folgen, die über die Ukraine hinausreichen

Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf die Ukraine. Eine ernsthafte Störung von Starlink könnte mehrere westliche Streitkräfte treffen, die sich zunehmend auf das System verlassen. Ein hochrangiger US-Militärvertreter wird mit den Worten zitiert, das System sei tief in die amerikanischen Kommandostrukturen eingebettet und ein Ausfall würde erhebliche Probleme verursachen.

Auch eine rechtliche Dimension ist zumindest theoretisch von Bedeutung. Nach Nato-Doktrin kann ein schwerwiegender Cyberangriff auf die Infrastruktur eines Mitgliedstaats, nicht nur ein physischer Angriff, unter Umständen Artikel 5 auslösen, die Beistandsklausel des Bündnisses.

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Kundendaten bei Dienstleister abgeflossen: Datenschutzvorfall beim Lidl-Shop

Von Heise — 10. Juli 2026 um 16:58
Einkaufswagen

(Bild: mitifoto/Shutterstock.com)

Unbekannte konnten auf eine Datei mit Kundendaten zugreifen und stahlen persönliche Kundendaten. Lidl hat reagiert und betroffene Kunden angeschrieben.

Beim Discounter Lidl gab es einen Datenschutzvorfall. Das teilte das Unternehmen betroffenen Kunden mit. Unbefugte konnten sich bei einem Shop-Dienstleister Zugang zu einer Datei mit Kundendaten verschaffen und haben diese abgezogen. Lidl hat die zuständige Datenschutzbehörde informiert. Wer hinter dem Angriff steckt, ist unklar.

Die Angreifer entwendeten Anrede, Vor- und Nachname, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Kundennummer der betroffenen Kunden. Wie ein Sprecher uns auf Nachfrage mitteilte, sind weder Postanschriften noch Passwörter oder Zahlungsinformationen betroffen. Die Kundenkonten wurden nicht kompromittiert, stellt der Sprecher weiterhin fest.

Datenschutzvorfall bei Lidl
Datenschutzvorfall bei Lidl

Datenschutzvorfall bei Lidl

Behörden sind informiert

Der Angriff traf nicht die zentrale Datenbank des Shopsystems, sondern einen IT-Dienstleister des Handelskonzerns. Dieser habe sofort reagiert und „die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um die IT-Systeme wieder vollständig abzusichern“, so die Sprecherin. Außerdem habe der Dienstleister Strafanzeige gestellt.

Hinweise auf einen Missbrauch der Daten gebe es keine, heißt es in der uns vorliegenden E-Mail. Dennoch sollen Betroffene wachsam gegenüber Phishing und Identitätsmissbrauch sein, empfiehlt Lidl.

Lidl gehört ebenso zur Schwarz-Gruppe wie der Cloud-Anbieter Schwarz Digits [1] und das Sicherheitsunternehmen XM Cyber.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11361337

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Schwarz-Digits-will-groesster-Cloud-Anbieter-Europas-werden-11201284.html
  2. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Lückenflut durch KI-Funde – Software-Hersteller schrauben an Patch-Strategien

Von Heise — 10. Juli 2026 um 14:45
Ein Kreis-Pfeil, auf den ein Mensch mit Finger klickt.

(Bild: Shutterstock/chanpipat)

Wöchentliche Veröffentlichungen, Patch-Vorankündigungen und gebündelte CVEs sollen Herstellern und IT-Verantwortlichen helfen, der Update-Flut Herr zu werden.

Adobe, Mozilla und Oracle haben es schon getan, Google hat es für Chrome ab September angekündigt. Nun zieht auch Cisco nach: Ab diesem Monat erscheinen die Sicherheitsupdates des Herstellers in kürzeren, konkret zweiwöchentlichen Intervallen. Das kündigt Cisco in einem Blogeintrag [1] an.

Mit verkürzten Updatezyklen und verschiedenen Anpassungen ihres Umgangs mit Schwachstellen reagieren Hersteller auf die hereinbrechende „Vulnocalypse“. Eine Flut von Sicherheitslücken, die auf den sich rasant verbessernden Fähigkeiten von großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) zur eigenständigen Lückensuche fußt.

Deren bereits deutlich spürbare Auswirkungen zeigte etwa Microsofts Rekord-Patchday im Juni, im Zuge dessen das Unternehmen über 200 Sicherheitslücken schloss – viele davon entdeckt von KI-Agenten. Im Juni des Vorjahres waren es noch um die 60. Ein anderes Beispiel: Die Firefox-Patch-Bilanz belief sich dank Anthropics KI-Modell „Mythos“ [2] im April auf 423 Lücken gegenüber 76 Lücken im März. In der Konsequenz veröffentlicht Mozilla jetzt Sicherheitsupdates im Wochentakt.

Beim Chrome-Browser hat die Dichte gemeldeter Lücken in ähnlicher Weise zugenommen [3] – ab Version 153 erhöht deshalb auch Google das Aktualisierungstempo [4].

Vorankündigungen und Update-Priorisierung

Bereitgestellte Patches nützen logischerweise nur dann, wenn sie von Nutzern beziehungsweise IT-Verantwortlichen auch eingespielt werden. Damit die Patch-Flut nicht ebenso unkontrollierbar wird wie die Lückenflut, haben sich die Hersteller unterschiedliche Strategien überlegt.

So veröffentlicht beispielweise Cisco künftig spezielle „Informational“ Advisories, die Kunden bereits eine Woche vor dem nächsten Update-Release darüber informieren, für welche Plattformen Aktualisierungen geplant sind – und ob es überhaupt welche geben wird. Das erste dieser Advisories ist als Vorankündigung für den 15. Juli bereits verfügbar [5].

Bei der Update-Bereitstellung will das Unternehmen auf Basis eines „risikobasierten Schwachstellenveröffentlichungs-Modells“ [6] kritische Lücken stärker priorisieren. Diesen Ansatz hat auch Oracle gewählt: Seit Mai veröffentlicht das Unternehmen laut einer entsprechenden Ankündigung [7] monatliche „Critical Security Patch Updates“ (CSPUs), die sich auf „zielgerichtete Fixes für kritische Sicherheitsprobleme“ konzentrieren. Kunden hätten somit die Möglichkeit, solche Probleme sofort anzugehen, ohne auf das reguläre quartalsweise erscheinende Update-Release warten zu müssen.

Der Zeitplan wird enger

Zeitersparnis als positiven Effekt häufigerer Veröffentlichungen betont auch Adobe: „Sicherheitsupdates erreichen Sie schneller, auf Basis eines vorhersehbaren Zyklus, mit dem Sie planen können“, schreibt das Unternehmen in einem Blogeintrag [8] zu seinem neu eingeführten zweiwöchentlichen Update-Zyklus.

Das klingt erst einmal positiv – und kann doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die aufziehende „Vulnocalypse“ Admins letztlich insgesamt mehr Arbeit beschert und ein ausgefeiltes Update-Management erforderlich macht.

Alles im Trockenen mit „Umbrella“-CVEs?

Spannend wird, ob eine weitere Neuerung bei der Update-Bewältigung eher hilfreich oder hinderlich sein wird: Cisco will Schwachstellen mit übereinstimmenden Charakteristika gemäß Common Weakness Enumeration (CWE) künftig gruppieren [9], um Zeit zu sparen.

Statt eigener CVE-IDS bekommen sie dann gemeinsame „Schirm“-CVE-IDs mit einem CVSS-Score auf Basis der gefährlichsten Schwachstelle. Ausnahmen will Cisco nur in dringenden Fällen machen – etwa dann, wenn aktive Exploits gesichtet wurden oder bestimmte Aktionen seitens der IT-Verteidiger erforderlich sind.

Dies sei die Richtung, in die sich die Industrie angesichts der neuen Bedrohungslandschaft bewegen müsse, schreibt das Unternehmen. Die praktischen Auswirkungen insbesondere im Hinblick auf Transparenz und Zuverlässigkeit künftig vergebener IDs und Scores bleiben abzuwarten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11360569

Links in diesem Artikel:

  1. https://blogs.cisco.com/security/strengthening-the-foundation-a-predictable-customer-focused-response-to-ai-accelerated-vulnerability-discovery
  2. https://www.heise.de/news/Anthropics-neues-KI-Modell-Mythos-Zu-gefaehrlich-fuer-die-Oeffentlichkeit-11248034.html
  3. https://www.heise.de/news/Google-Chrome-Grosses-Update-schliesst-erneut-Hunderte-Sicherheitsluecken-11350040.html
  4. https://www.heise.de/news/Google-verkuerzt-Versionszyklus-des-Chrome-Browsers-von-vier-auf-zwei-Wochen-11198019.html
  5. https://sec.cloudapps.cisco.com/security/center/content/CiscoSecurityAdvisory/cisco-sa-notice-ILh3ZrP5
  6. https://sec.cloudapps.cisco.com/security/center/resources/risk-based-disclosure
  7. https://blogs.oracle.com/security/accelerating-vulnerability-detection-and-response-at-oracle
  8. https://blog.adobe.com/security/protecting-customers-faster-how-adobe-is-responding-to-ai-accelerated-vulnerability-discovery
  9. https://blogs.cisco.com/security/strengthening-the-foundation-a-predictable-customer-focused-response-to-ai-accelerated-vulnerability-discovery
  10. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  11. mailto:ovw@heise.de

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Auslegungssache 163: Datenschutz-Alltag im Krankenhaus

Von Heise — 10. Juli 2026 um 06:10

Im c't-Datenschutz-Podcast berichtet die Datenschutzbeauftragte eines Klinikverbunds aus ihrem Alltag. Zuvor gibt es klare Worte zu Reformplänen der Regierung.

Wer im Gesundheitswesen für Datenschutz zuständig ist, arbeitet dauerhaft mit den heikelsten Informationen überhaupt, den „besonderen Kategorien personenbezogener Daten“ nach Art. 9 der DSGVO [1]. In Episode 163 des c't-Datenschutz-Podcasts spricht Gästin Daniela Will darüber, wie sie diese Aufgabe bewältigt. Sie leitet die Stabsstelle Datenschutz der Münchnen Klinik gGmbH [2], einem der größten kommunalen Klinikverbünde Deutschlands mit fünf Häusern und rund 8000 Beschäftigten. Ihr Credo: konsequent risikoorientiert arbeiten, „first things first“.

Daniela Will
Daniela Will

Daniela Will beim Podcasten in der Auslegungssache

Bevor es ans Kernthema geht, nehmen sich c't-Redakteur Holger Bleich, heise-Verlagsjustiziar Joerg Heidrich und ihre Gästin die aktuellen Reformpläne der Bundesregierung [3] vor. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Vereine sollen nach dem Willen der Regierung deutlich weniger Datenschutzpflichten erfüllen müssen. Auch die Pflicht zu betrieblichen Datenschutzbeauftragten soll in vielen Fällen fallen. Will hält das für den falschen Weg. Das eigentliche Problem kleiner Unternehmen liege oft nicht im Datenschutz selbst, sondern in ihrer schwachen Position gegenüber großen IT-Anbietern wie Microsoft, SAP oder Workday. Hier brauche es klare Regeln für die Anbieter, nicht weniger Schutz für Betroffene.

Scharf kritisiert die Runde auch Pläne, das Informationsfreiheitsrecht im Bund einzuschränken [4]. Anfragen an Behörden könnten künftig nur noch natürlichen Personen mit besonderem Interesse offenstehen. Vereine, NGOs und möglicherweise auch Medien würden wohl vom Recht ausgeschlossen. Zudem könnten die bislang gedeckelten Kosten für Anfragen exorbitant steigen. Bleich, Heidrich und Will sehen darin ein fatales Signal: Gerade in Zeiten sinkenden Vertrauens in Politik und Verwaltung müsse der Staat transparenter werden, nicht verschlossener.

Umgang mit Artikel-9-Daten

Das Bußgeld der Woche kommt aus Frankreich [5]: Fünf Millionen Euro musste ein Marktforschungsunternehmen zahlen, das Daten aus 14.000 Apotheken als „anonym“ ausgab, obwohl Geburtsjahr, Geschlecht, Diagnose und Symptome eine Reidentifizierung leicht ermöglichten. Für die Runde ein Musterbeispiel dafür, wie fahrlässig mit dem Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität umgegangen wird.

Im Hauptteil geht es um den Umgang mit Artikel-9-Daten. Will schildert für Heidrich überraschend Pragmatisches: Im Klinikalltag reicht ihr Art. 9 Abs. 2 als Rechtsgrundlage für fast alle Behandlungen aus, kombiniert mit dem Behandlungsvertrag. Einwilligungen braucht sie nur in wenigen Fällen, etwa bei der Weitergabe an Hausärzte oder für Forschungsstudien.

Als Segen bezeichnet sie das neue Gesundheitsdatennutzungsgesetz [6], das die interne Auswertung vorhandener Daten zur Qualitäts- und Patientensicherheit erleichtere. Beim europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) und der elektronischen Patientenakte (ePa) hake es dagegen weiter: Daten werden bislang meist nur als unstrukturierte Dokumente übergeben, echte Interoperabilität ist noch Zukunftsmusik.

Missbrauch von Auskunftsrechten

Besonders anspruchsvoll sind Auskunftsbegehren zu medizinischen Daten. Will muss jede Anfrage inhaltlich prüfen, damit etwa frische, schwerwiegende Diagnosen nicht ungefiltert herausgehen, sondern zuerst ärztlich begleitet werden. Heikel wird es bei Minderjährigen und in Sorgerechtsstreitigkeiten, wo Auskunftsrechte oft als Kontrollinstrument missbraucht werden. Wills Fazit: Datenschutz in der Klinik funktioniert nur mit Augenmaß, Erfahrung und enger Zusammenarbeit zwischen Medizin, IT und Verwaltung.

Episode 163:

Hier geht es zu allen bisherigen Folgen:


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11359558

Links in diesem Artikel:

  1. https://dsgvo-gesetz.de/art-9-dsgvo/
  2. https://www.muenchen-klinik.de/
  3. https://www.heise.de/news/Koalitionspaket-Kahlschlag-bei-Transparenz-und-Datenschutz-Turbo-fuer-die-Netze-11352148.html
  4. https://www.heise.de/hintergrund/Warum-die-geplante-IFG-Reform-ein-massiver-Einschnitt-in-die-Pressefreiheit-waere-11353848.html
  5. https://www.cnil.fr/en/health-data-fine-5-million-euros-against-iqvia
  6. https://www.heise.de/news/Lauterbachs-Quantensprung-Bundestag-verabschiedet-eHealth-Gesetze-9574271.html
  7. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  8. https://www.heise.de/thema/auslegungssache
  9. https://www.heise.de/ct
  10. mailto:hob@ct.de

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heise+ | KI-Nutzung: Wo Politik und Medien die rote Linie ziehen

Von Heise — 10. Juli 2026 um 16:00

Gelöschte Beiträge gipfeln in einem Streit über die Zukunft des Schreibens. Und selbst eine Literaturnobelpreisträgerin muss sich erklären.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) entfernte im Juni 2026 einen Gastbeitrag des Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) von ihrer Website und sperrte ihn im Archiv. Voigts F.A.Z.-Beitrag, ein Plädoyer für Smartphoneverbote für Kinder, enthielt Zitate von drei Wissenschaftlern, die sich nicht verifizieren ließen. Vorausgegangen war eine Recherche [1] [1] des Portals FragDenStaat, das elf Reden und vier Gastbeiträge Voigts mit dem Erkennungswerkzeug Pangram untersucht hatte. Bei neun von elf Reden vermutete das Tool einen KI-Anteil von mehr als 50 Prozent, drei Reden und drei von vier Gastbeiträgen sollen vollständig maschinell entstanden sein – darunter eine Gedenkrede zur Befreiung des KZ Buchenwald.

Voigt stritt nichts ab. Die KI sei längst Teil der modernen Kommunikation, sagte er dem Tagesspiegel. Die F.A.Z. hat den Gastbeitrag Voigts depubliziert [2] [2], weil sich drei darin enthaltene Expertenzitate nicht verifizieren ließen. Der Investigativjournalist von FragDenStaat, Aiko Kempen, kritisierte den KI-Einsatz bei Gedenkworten [3] [3] primär die maschinellen Gedenkworte: Gedenken werde entleert, wenn man es als Prompt eingebe. Der Politikberater Johannes Hillje warnt, mit erfundenen Zitaten schade Voigt der Demokratie. Solche Vorwürfe können das Vertrauen in Politiker und Parteien insgesamt erschüttern.

Voigt blieb kein Einzelfall. Eine ZEIT-Recherche wies nach, dass Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) Reden und Gastbeiträge in weiten Teilen von einer KI schreiben ließ [13] [13]: Ein Handelsblatt-Gastbeitrag vom April stammt laut Pangram fast vollständig von der Maschine, ein Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung überwiegend. Das Handelsblatt depublizierte den Text und stellte ihn später mit KI-Hinweis wieder ein. Wildberger sieht in der Nutzung von KI kein Problem. Er betrachte KI als unterstützendes Arbeitsmittel, „über dessen Nutzung man nicht anders Rechenschaft ablegt als über Textverarbeitung, Recherche-Tools oder redaktionelle Unterstützung“.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11354472

Links in diesem Artikel:

  1. https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/06/ich-trete-in-das-vermachtnis-eines-anspruchs/
  2. https://www.heise.de/news/KI-Skandal-um-Thueringens-Ministerpraesidenten-FAZ-depubliziert-Gastartikel-11328504.html
  3. https://www.deutschlandfunk.de/ki-kuenstliche-intelligenz-politik-reden-gastbeitraege-100.html
  4. https://www.heise.de/hintergrund/KI-Nutzung-Wo-Politik-und-Medien-die-rote-Linie-ziehen-11354472.html
  5. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Studien-widerlegen-Mythos-vom-Job-Killer-11280789.html
  6. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Warum-KI-Arbeit-verdichtet-und-Fachkraefte-kaum-entlastet-11280801.html
  7. https://www.heise.de/ratgeber/KI-im-Job-Wie-Sie-die-richtigen-Werkzeuge-im-Arbeitsalltag-finden-11280857.html
  8. https://www.heise.de/ratgeber/Es-liegt-nicht-nur-an-KI-dass-der-Jobmarkt-fuer-Softwareentwickler-haerter-wird-11273926.html
  9. https://www.heise.de/ratgeber/Wie-KI-die-Softwareentwicklung-erobert-11273866.html
  10. https://www.heise.de/ratgeber/Wofuer-Software-Entwickler-KI-Tools-nutzen-und-wofuer-nicht-11273894.html
  11. https://www.heise.de/hintergrund/Warum-Europa-bei-der-KI-Entwicklung-den-Anschluss-verliert-11313310.html
  12. https://www.heise.de/hintergrund/Wie-KI-Forschungsberichte-vehunzt-zum-Teil-sogar-mit-Fake-Quellen-11288185.html
  13. https://www.handelsblatt.com/technik/ki/gastbeitraege-texte-von-minister-wildberger-mit-hilfe-von-ki-erstellt/100233026.html

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Ausprobiert: Scapade-Zubehör mit „Wo ist?"

Von Heise — 10. Juli 2026 um 13:10
Rucksack, TSA-Schloss und Passhülle von Scapade.

Rucksack, TSA-Schloss und Passhülle von Scapade.

(Bild: Scapade)

Der Zubehörspezialist Scapade liefert nun Rucksäcke, Passhüllen und TSA-Schlösser aus, die alle zu Apples Trackern kompatibel sind. Wir haben sie uns angesehen.

Apples Tracking-Technik „Wo ist?“ landet in immer mehr Zubehörgeräten, die sich darüber dann bei Verlust auffinden lassen. Während Apple nur die pillenförmigen AirTags [1] anbietet, gibt es bei Drittanbietern viel mehr Auswahl an Formfaktoren. Deren Tracker arbeiten zwar im Gegensatz zu den AirTags nur mit Bluetooth und ohne das für die Nahsuche sinnvolle Ultra-Wideband (UWB), im Alltag macht das aber recht wenig aus. Der Hersteller Scapade, registriert in Zypern, macht in letzter Zeit mit einem ganzen Katalog an „Wo ist?“-Produkten auf sich aufmerksam. Wir haben uns einen Teil seines Portfolios näher angesehen, das vor allem für Reisende gedacht ist.

Kleinteilig: TSA-Schloss, smarte Passhülle, iPhone-Kartenhalter

TSA-Schlösser gehören zwar nicht zu den sichersten Methoden, Koffer, Rucksäcke und andere Taschen zu verschließen – die Schlüssel dafür [2] kann man längst bei Amazon und Co. nachkaufen –, doch zur Unterbindung eines schnellen Griffs ins eigene Eigentum durch Gelegenheitsdiebe taugen sie durchaus. Scapades AirLock [3] kombiniert ein TSA-Zahlenschloss mit biegsamer Metallstrippe mit einem „Wo ist?“-Modul. Im Vergleich zu einem Konkurrenzmodell von Keysmart [4], bei dem man die Metallstrippe recht prekär einhängt, schließt das AirLock satt. Störend im Betrieb ist nur der Knopf zur „Wo ist?“-Anbindung, der einen merkwürdigen Druckpunkt hat. Nützlich ist, dass man das AirLock via USB-C aufladen kann, es hält mehrere Monate durch. Der reguläre Preis liegt bei 40 Euro, es gibt aber immer wieder Preisaktionen.

Mit dem AirPass für aktuell 50 Euro soll man seinen Reisepass via „Wo ist?“ [5] finden können. Die Optik mit dem mintgrünen Schnappband (im Scapade-Design) dürfte nicht jedem gefallen. Die Hülle aus Kunstleder („Travel Resistant“) fasst neben dem Reisepass auch mehrere Karten. Den Elektronikteil lädt man drahtlos auf, die Ladung hält bis zu einem halben Jahr. Schließlich hat Scapade auch noch einen Kartenhalter fürs iPhone im Angebot, der an Apples MagSafe-Wallet [6] erinnert, die allerdings kein „Wo ist?“ hat. Leider passen nur drei Karten offiziell in den MagCard Pro [7]. Immerhin ist ein Kickstand eingebaut, mit dem man das iPhone etwa für den Videobetrieb aufstellen kann. Mit derzeit 50 Euro ist der Kartenhalter mit MagSafe 20 Euro günstiger als Apples MagSafe-Wallet, wenn man diese bei Apple kauft (im Handel [8] ist der Preisunterschied geringer).

Trackbarer Rucksack mit TSA-Schloss, Klapp-Handgepäck ohne „Wo ist?“

Scapade hat auch noch Reisegepäck im Angebot. Das AirPack [9] für 150 Euro ist ein recht voluminöser Rucksack, der 28 Liter fasst und eine Tasche für Notebooks mit bis zu 16 Zoll (etwa ein MacBook Pro) beinhaltet. Nützlich ist, dass man den Rucksack vollständig (ähnlich wie beim einem Koffer) öffnen kann, um Dinge zu finden oder ihn etwa mit Kleidung zu beladen. Ein „Wo ist?“-Tracker ist direkt eingebaut, dieser befindet sich auf der Rückseite – so muss man keinen AirTag oder einen alternativen Tracker [10] im Rucksack verstecken. Geladen wird der Tracker drahtlos, er soll bis zu sechs Monate funken.

Das AirPack hat ungewöhnlicherweise eigene Innentaschen für die Unterbringung von (hoffentlich dichten) Getränkeflaschen, das Hauptfach ist mittels TSA-Zahlenschloss gesichert, das unter einer magnetischen Klappe verschwindet. Verschiedene Innenfächer inklusive einer Tasche für ein iPad (maximal 12,9 Zoll) erlauben eine besser Sortierung des Reiseguts. Scapade bietet auch noch zwei weitere Reiseköfferchen [11] an: AirSlim und AirMini. Diese sind als zusammenklappbare Handgepäckstaschen (jeweils 80 Euro) gedacht, bei denen man zwei von vier Rädern abnehmen und somit „verstecken“ kann, damit sie in einem größeren Koffer mitgenommen werden können. Das Gesamtvolumen ist aufgrund der geringen Höhe allerdings kaum größer als das eines großen Rucksacks, weil sie unter den Flugzeugsitz passen sollen. Zudem fehlen beiden Varianten verwirrenderweise die in allen anderen Scapade-Reiseprodukten verbauten „Wo ist?“-Tracker. Der Hersteller verkauft auch Sets mit seinen „Wo ist?“-Produkten, die sind günstiger als der Einzelkauf.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11357007

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/tests/Lautstark-lokalisiert-AirTag-2-im-Test-11160732.html
  2. https://www.heise.de/news/Generalschluessel-fuer-Gepaeck-Weiterer-TSA-Master-Key-veroeffentlicht-3277250.html
  3. https://scapade.net/de/products/airlock-trackable-tsa-lock
  4. https://www.heise.de/tests/Kurztests-Keysmart-Schloss-Elgato-4K-S-Mac-mini-Case-Mac-mini-Hub-Stand-11154307.html
  5. https://scapade.net/de/products/airpass-trackable-passport-wallet
  6. https://www.heise.de/news/MagSafe-Wallet-Apple-trackt-Kreditkartenhuelle-fuers-iPhone-6192301.html
  7. https://scapade.net/de/products/magcard-pro-trackable-magnetic-card-holder
  8. https://preisvergleich.heise.de/?fs=magsafe+wallet&in=&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-mac-and-i
  9. https://scapade.net/de/products/airpack-backpack-w-apple-find-my
  10. https://www.heise.de/news/Chipolo-Loop-Tracker-mit-Find-My-und-Find-Hub-im-Benz-Look-11306949.html
  11. https://scapade.net/de/collections/s90-situational-airport-ready-copy-1
  12. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  13. https://www.heise.de/mac-and-i
  14. mailto:bsc@heise.de

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Indische Apple-Produktion: Günstiger dank Importerleichterungen

Von Heise — 10. Juli 2026 um 12:40
  Produktion in einer indischen Fabrik (Symbolbild)

Produktion in einer indischen Fabrik (Symbolbild).

(Bild: PradeepGaurs / Shutterstock)

Apple soll mindestens 25 Prozent aller iPhones in Indien herstellen lassen. Bislang sind auf Komponenten Zölle zu entrichten, die die Regierung nun streicht.

Apple könnte künftig bei seiner Fertigung in Indien einige Prozentpunkte einsparen. Eine bislang vorhandene Zollgebühr beim Import von bestimmten Smartphone- und Elektronikkomponenten, die der Konzern für den Bau seiner Produkte auf dem Subkontinent benötigt, soll nun ersatzlos gestrichen werden. Laut einem Reuters-Bericht geht es um 5 bis 7,5 Prozent, die bislang anfallen. Auch andere Hersteller, die Teile ihrer Produktion von China nach Indien verlagert haben, beispielsweise Xiaomi, könnten profitieren, hieß es.

Zusammenbau in Indien wird billiger

Zu den betroffenen Komponenten zählen laut Bericht [1] unter anderem Lithium-Ionen-Zellen für Akkus, drahtlose Lademodule (also für MagSafe und/oder Qi) sowie bestimmte Arten von Bildschirmen, wobei diese offenbar nur bei Endanwendungen in Medizingeräten und Autos von der Verzollung ausgenommen sind. Die indischen Behörden haben die Änderung zudem zunächst bis Ende des ersten Quartals 2029 limitiert. Ob sie darüber hinaus erhalten bleibt, ist unklar.

Die Regierung in Neu Delhi hofft darauf, dass immer weniger Komponenten aus China und anderen Ländern importiert werden müssen und auch die Produktion dieser Bauteile direkt im Land erfolgt. Ein Fertigungsberater sagte Reuters, er gehe davon aus, dass insbesondere die Freistellung der Lithium-Ionen-Zellen zu einer Stärkung der Investitionen in lokale Batteriewerke für Elektronik und E-Mobilität führen könnte. Auch teure Smartphones – wie jene von Apple – und andere Elektronikprodukte sollen bei der Herstellung profitieren und könnten Indiens Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China steigern. Dort stammen die Komponenten zumeist aus Fabriken, die in der Nähe der Endmontagewerke angesiedelt sind oder werden zollfrei aus anderen Regionen wie Vietnam importiert.

Apple baut 25 Prozent aller iPhones in Indien

Apple soll mittlerweile mindestens 25 Prozent aller iPhones insbesondere für den US-Markt in Indien herstellen. Auch weitere Geräte wie AirPods [2] stammen teilweise vom Subkontinent. Zuletzt hatte es allerdings Schwierigkeiten bei dem wichtigen lokalen Fertiger Tata Electronics gegeben: Bei einem Ransomware-Angriff entfleuchten große Datenmengen aus der Apple-Produktion, die unter anderem zu iPhone-18-Pro-Leaks [3] führten.

Zudem gab es Berichte über Umweltprobleme [4]. Apple befindet sich zudem mit der indischen Regierung in einem Rechtsstreit rund um die App-Store-Provisionen, ein Konflikt, wie man ihn auch aus der EU kennt. Dabei geht es – zumindest potenziell – um viele Milliarden Euro [5].


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  1. https://www.reuters.com/business/media-telecom/india-removes-import-duty-some-electronics-smartphone-parts-2026-07-09/
  2. https://www.heise.de/news/Nicht-nur-iPhones-Auch-bald-viele-AirPods-made-in-India-10916743.html
  3. https://www.heise.de/news/Leak-bei-indischem-Apple-Fertiger-Tata-Details-zum-iPhone-18-Pro-entfleucht-11349082.html
  4. https://www.heise.de/news/Indien-iPhone-Zulieferer-mit-Umweltproblemen-und-Datenabfluessen-11343694.html
  5. https://www.heise.de/news/Indien-Apple-droht-Kartellstrafe-in-Hoehe-von-fast-33-Milliarden-Euro-11094108.html
  6. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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