(Bild: Pincasso / Shutterstock.com)
Neben mehr Einsatzgebieten für Discriminated Unions bietet die Preview weitere Möglichkeiten zur asynchronen Validierung und Neues für die Prozessverwaltung.
Union Types, die C#-Implementierung von Discriminated Unions mit dem neuen Schlüsselwort union, hat Microsoft in .NET 11.0 Preview 3 [1] eingeführt. Mit der neu erschienenen Preview 6 [2] können Entwicklerinnen und Entwickler Union Types nun an verschiedenen Stellen in .NET-Bibliotheken nutzen:
anyOf zum Einsatz (siehe Abbildung). Community-Bibliotheken für OpenAPI wie Swashbuckle und NSwag können damit aber noch nicht umgehen.
Die in C# 14.0 eingeführten Erweiterungsblöcke [5] mit dem Schlüsselwort extension für bestehende Klassen, die bisher nur Methoden, Properties und Operatoren ergänzen konnten, können nun in C# 15.0 auch Indexer zu bestehenden Klassen hinzufügen.
Das folgende Listing zeigt einen Erweiterungsblock in der Klasse ListExtensions, die zum generischen Typ List<T> einen Indexer hinzufügt, der Zeichenketten als Parameter entgegennimmt. Im Standard gibt es dort nur einen Indexer für Ganzzahlen.
using System;
using System.Collections.Generic;
using System.Text;
namespace NET11_Console.C_;
extension<T>(List<T> list)
{
public T this[string index]
{
get
{
// Prüfe, ob der Index ein gültiger Integer ist
if (!Int32.TryParse(index, out int i)) return default(T);
// Prüfe, ob der Index innerhalb der Grenzen der Liste liegt
if (i > list.Count - 1) return default(T);
// liefere den Wert aus der Liste
return list[i];
}
}
}
}
Listing 1: Extension für List<T>, die einen Indexer mit einem Zeichenkettenparameter ergänzt
So verwendet man den neuen Indexer:
List<string> Prio = ["A", "B", "C"];
Console.WriteLine(Prio["1"]); // B
Console.WriteLine(Prio["42"]); // NULL
Console.WriteLine(Prio["unsinn"] == null); // true
Microsoft hatte bereits in .NET 11.0 Preview 5 [6] asynchrone Validierung in Blazor eingebaut. Nun in Preview 6 lässt sich die asynchrone Validierung auch außerhalb von Blazor in anderen Anwendungsarten nutzen. Dazu hat Microsoft die Klasse System.ComponentModel.DataAnnotations.Validator um die vier Methoden ValidateObjectAsync(), TryValidateObjectAsync(), ValidatePropertyAsync() und ValidateValueAsync() erweitert. Zuvor gab es nur Pendants ohne Async im Namen [7].
Zudem gibt es für asynchrone Validierungsregeln eine neue Basisklasse AsyncValidationAttribute in Ergänzung zur bestehenden Basisklasse ValidationAttribute. Das Listing zeigt einen aussagekräftigen Ausschnitt aus einem Beispiel:
using System.ComponentModel.DataAnnotations;
namespace NET11_Console.FCL;
/// <summary>
/// Datenklasse
/// </summary>
public class Rechnung
{
[Required]
public int ID { get; set; }
[Range(0.01, double.MaxValue, ErrorMessage = "Betrag muss größer als 0 sein.")]
public double Betrag { get; set; }
[Required]
[StringLength(14, MinimumLength = 8)]
[RegularExpression(@"^[A-Z]{2}[A-Z0-9]+$")]
[ValidVatNumber] // asynchrone Validierungsregel!
public string SteuerNummer { get; set; } = "";
}
/// <summary>
/// Asynchrone Validierungsregel
/// </summary>
public sealed class ValidVatNumberAttribute : AsyncValidationAttribute
{
// Synchronous IsValid. This attribute validates asynchronously only.
protected override ValidationResult? IsValid(object? value, ValidationContext context) =>
throw new InvalidOperationException("Validate this attribute with IsValidAsync.");
protected override async Task<ValidationResult?> IsValidAsync(
object? value, ValidationContext context, CancellationToken cancellationToken)
{
var ok = await new TaxBL().ValidateVatID(value.ToString());
if (ok)
{
return ValidationResult.Success;
}
else
{
return new ValidationResult("Unbekannte Steuernummer.");
}
}
}
public class FCL11_AsyncValidation
{
public async Task Run()
{
CUI.Demo(nameof(FCL11_AsyncValidation));
var re = new Rechnung() { ID = 123, SteuerNummer = "DE12345678", Betrag = 0.0d };
var context = new ValidationContext(re);
var results = new List<ValidationResult>();
// Asynchrone Validierung
await Validator.TryValidateObjectAsync(re, context, results, validateAllProperties: true);
if (results.Count > 0)
{
CUI.Error("Gefundene Fehler: " + results.Count);
foreach (var result in results)
{
CUI.LI(result.ErrorMessage, ConsoleColor.Red);
}
}
else
{
CUI.Success("Rechnungsobjekt ist einwandfrei!");
}
}
}
Listing 2: Asynchrone Validierung
Das Listing gibt aus:
Gefundene Fehler: 2
Auch in ASP.NET Core Minimal Web-APIs ist nun asynchrone Validierung möglich. Dazu muss man, wie in .NET 10.0 eingeführt, im Startcode builder.Services.AddValidation() aufrufen. Danach können Entwicklerinnen und Entwickler Objekte mit asynchronen Validatoren verwenden, zum Beispiel die oben schon verwendete Klasse Rechnung:
app.MapPost("/CheckInvoice", (Rechnung re) =>
{
new TaxBL().Process(re);
return Results.Ok(re);
});
Dieser HTTP-Request
POST {{NET10_WebAPIMinimal_HostAddress}}/CheckInvoice
Content-Type: application/json
{
"ID": 123,
"SteuerNummer": "DE12345678"
}
führt dann zur Antwort:
{
"title": "One or more validation errors occurred.",
"status": 400,
"errors": {
"Betrag": [
"Betrag muss größer als 0 sein."
],
"SteuerNummer": [
"Unbekannte Steuernummer."
]
}
}
Wenn der Aufruf AddValidation() vergessen wird, findet keine Validierung statt und es gibt für den Aufrufer auch keinen Laufzeitfehler, der auf die fehlende Validierung hinweist.
In den Release Notes [8] werden die klassischen Controller-basierten Web-APIs nicht erwähnt. Ein Schnelltest ergab, dass dort in Preview 6 die Übergabe eines Objekts mit asynchroner Validierung zu einem Laufzeitfehler führt: „System.InvalidOperationException: Validate this attribute with IsValidAsync.“ Ebenso wenig funktionieren bislang Union Types in Operationen in Controller-basierten Web-APIs.
Seit .NET 8.0 können Entwicklerinnen und Entwickler mit ShortCircuit() beziehungsweise MapShortCircuit() bereits bei Web-APIs deklarieren, dass ein Endpunkt zur Leistungsoptimierung ohne Verwendung aller genutzten Middleware-Komponenten (etwa Authentifizierung, CORS, Protokollierung, Komprimierung oder Durchsatzbegrenzung) direkt aufgerufen werden soll. In .NET 11.0 kann man dies nun auch deklarativ mit der neuen Annotation [ShortCircuit] erreichen.
Das geht in Minimal Web-APIs
app.MapGet("/Info",
[ShortCircuit] () => "ASP.NET Core WebAPI Controller in .NET " +
System.Runtime.InteropServices.RuntimeInformation.FrameworkDescription);
und ebenso in Controller-basierten Web-APIs:
public class PersonController : ControllerBase
{
[HttpGet]
[Route("/Info")]
[ShortCircuit]
public IActionResult Get()
{
return Content("ASP.NET Core WebAPI Controller in .NET " + System.Runtime.InteropServices.RuntimeInformation.FrameworkDescription, "text/plain");
}
}
ASP.NET-Core-basierte Web-APIs unterstützen seit .NET 11.0 Preview 2 [9] die OpenAPI Specification in der Version 3.2. In .NET 10.0 war es Version 3.1. Vor Preview 6 war Version 3.2 nicht im Standard aktiv, sondern musste im Startcode aktiviert werden:
builder.Services.AddOpenApi(options =>
{
options.OpenApiVersion = Microsoft.OpenApi.OpenApiSpecVersion.OpenApi3_2;
});
Am 16.6.2026 hat Microsoft bekanntgegeben, dass ab Preview 6 die Version 3.2 der Standard ist [10].
Eine Rückstufung auf Version 3.1 ist möglich:
builder.Services.AddOpenApi(options =>
{
options.OpenApiVersion = Microsoft.OpenApi.OpenApiSpecVersion.OpenApi3_1;
});
Bei ASP.NET Core SignalR können Clients nun eine Verbindung abbrechen, auch wenn diese kein Streaming verwendet:
public class WorkHub : Hub
{
public async Task NameDerOperation(CancellationToken cancellationToken)
{
await Task.Delay(TimeSpan.FromMinutes(5), cancellationToken);
}
}
…
using var cts = new CancellationTokenSource();
var ergebnis = connection.InvokeAsync("NameDerOperation", cts.Token);
…
cts.Cancel();
{
"title": "One or more validation errors occurred.",
"status": 400,
"errors": {
"Betrag": [
"Betrag muss größer als 0 sein."
],
"SteuerNummer": [
"Unbekannte Steuernummer."
]
}
}
Microsoft hat bereits in Preview 4 [11] und Preview 5 [12] Erweiterungen für die Prozessverwaltung gebracht. Auch Preview 6 bietet hier Neuerungen: Entwicklerinnen und Entwickler können Prozesse nun direkt im Zustand „Suspended“ starten. Dafür gibt es in der Klasse ProcessStartInfo die neue Boolean-Eigenschaft StartSuspended und in der Klasse SafeProcessHandle die Methode Resume(), siehe Listing.
public async Task StartSuspended()
{
CUI.Demo(nameof(StartSuspended));
var startInfo = new ProcessStartInfo("notepad.exe") { StartSuspended = true };
using var process = Process.Start(startInfo)!;
CUI.Print(DateTime.Now.ToLongTimeString() + ": Neuer Prozess mit ID #" + process.Id + " ist gestartet!");
CUI.Print(IsProcessSuspended(process) ? "Prozess ist ausgesetzt." : "Prozess läuft!");
await Task.Delay(2000);
process.SafeHandle.Resume();
CUI.Print(IsProcessSuspended(process) ? "Prozess ist ausgesetzt." : "Prozess läuft!");
}
Listing 3: Einen Prozess ausgesetzt starten
Die Klasse SafeProcessHandle bietet außerdem die neuen Methoden Open() und TryOpen(), um einen Prozess anhand der ID direkt anzusprechen. In der Klasse Process gibt es die neue Methode TryGetProcessById(), die im Gegensatz zur bestehenden ProcessById() den Wert false liefert, anstatt eine Ausnahme auszulösen, wenn kein Prozess mit der angegebenen ID existiert.
In Blazor können Developer in der eingebauten Komponente <Virtualize> den Nutzerinnen und Nutzern einer Webanwendung nun ermöglichen, leicht zu bestimmten Elementen in der Liste zu scrollen. Dafür gibt es die neue Eigenschaft InitialIndex für die Startposition und die neue Methode ScrollToIndexAsync() für eine Bewegung zur Laufzeit, siehe Listing.
@page "/VirtualizeScrolling"
@inject NavigationManager nav
@inject ITVisions.Blazor.BlazorUtil util
@rendermode InteractiveServer
<Headline BlazorType="@this.RendererInfo.Name">
Scrolling bei <Virtualize>
</Headline>
<input type="number" min="0" max="1000" @bind="Index" />
<button @onclick='GoToIndex'>GoToIndex</button>
<button @onclick='GoToTop'>GoToTop</button>
<hr />
<div class="row">
<div class="col">
<div class="table table-striped sticky-grid">
<Virtualize TItem="IndexedFlight" Items="IndexedFlights" InitialIndex="100" @ref="list" Context="item">
<div>
Flug #@(item.Index + 1):
#@item.Flight.FlightNo:
@item.Flight.Departure → @item.Flight.Destination
</div>
</Virtualize>
</div>
</div>
</div>
@code {
public sealed record IndexedFlight(
int Index,
BO.WWWings.Flight Flight);
private List<BO.WWWings.Flight> FlightSet;
private List<IndexedFlight> IndexedFlights = [];
private Virtualize<IndexedFlight> list = default!;
public int Index { get; set; }
protected override void OnInitialized()
{
DA.WWWings.WwwingsV1EnContext ctx = new();
FlightSet = ctx.Flights.ToList();
IndexedFlights = FlightSet
.Select((flight, index) => new IndexedFlight(index, flight))
.ToList();
}
private async Task GoToTop() => await list.ScrollToIndexAsync(0);
private async Task GoToIndex() => await list.ScrollToIndexAsync(Index);
}
Listing 4: InitialIndex und ScrollToIndexAsync() bei <Virtualize>
Entwicklerinnen und Entwickler können in Blazor nun Client-Einstellungen, die bisher per JavaScript erfolgen mussten, im C#-Startcode der Anwendung vornehmen. Dazu gibt es eine neue Methode WithBrowserOptions(), die man nach dem Hinzufügen der gewünschten Render-Modi (zum Beispiel AddInteractiveServerRenderMode()) aufruft. Als Parameter gibt man ein Objekt des Typs BrowserOptions mit. In BrowserOptions gibt es die Unterobjekte Ssr (für statisches serverseitiges Rendering), Server (für Blazor Server) und WebAssembly (für Blazor WebAssembly):
app.MapRazorComponents<App>()
.AddInteractiveServerRenderMode()
.AddInteractiveWebAssemblyRenderMode()
.AddAdditionalAssemblies(typeof(Client._Imports).Assembly)
// Neu in .NET 11.0: Client-Einstellungen können in der Program.cs-Datei konfiguriert werden.
.WithBrowserOptions(options =>
{
options.LogLevel = LogLevel.Warning;
options.Ssr.PreserveDom = true;
options.Server.ReconnectionMaxRetries = 10;
options.Server.ReconnectionRetryInterval = TimeSpan.FromSeconds(1.5);
options.Server.ReconnectionDialogId = "components-reconnect-modal";
options.WebAssembly.ApplicationCulture = "de-de";
options.WebAssembly.EnvironmentName = "Staging";
options.WebAssembly.EnvironmentVariables["Version"] = "1.2";
});
app.Run();
Alternativ können Entwicklerinnen und Entwickler diese Einstellungen per Komponente <ConfigureBrowser> in App.razor setzen:
<!DOCTYPE html>
<html lang="en">
…
<body>
<Routes @rendermode="InteractiveServer" />
<ReconnectModal />
<ConfigureBrowser Options="bo">
</ConfigureBrowser>
<script src="@Assets["_framework/blazor.web.js"]"></script>
</body>
</html>
@code
{
BrowserOptions bo = new()
{
LogLevel = LogLevel.Warning,
Ssr =
{
PreserveDom = true
},
Server =
{
ReconnectionMaxRetries = 10,
ReconnectionRetryInterval = TimeSpan.FromSeconds(1.5),
ReconnectionDialogId = "components-reconnect-modal"
},
WebAssembly =
{
ApplicationCulture = "de-DE",
EnvironmentName = "Staging",
EnvironmentVariables =
{
["Version"] = "1.2"
}
}
};
}
In Blazor wurde außerdem das in .NET 11.0 Preview 1 [13] eingeführte Steuerelement <EnvironmentBoundary> in <EnvironmentView> umbenannt. Ebenso umbenannt hat Microsoft die Methode GetUriWithHash() in der Klasse NavigationManager: Sie heißt nun GetUriWithFragment().
Der in .NET 11.0 Preview 5 [14] eingeführte neue LINQ-Operator FullJoin() besitzt nun auch eine Implementierung in Entity Framework Core, sodass eine direkte Umsetzung in SQL möglich ist.
Aus diesem LINQ-Befehl mit FullJoin() zwischen Flügen und Piloten
var fluegeUndPiloten = ctx.Flights.IgnoreQueryFilters()
.FullJoin(
ctx.Pilots,
f => f.PilotPersonId,
p => p.PersonId,
(f, p) => new
{
FlightNo = f != null ? f.FlightNo : 0,
Departure = f != null ? f.Departure : "n/a",
Destination = f != null ? f.Destination : "n/a",
FlightDate = f != null ? f.FlightDate : DateTime.MinValue,
PilotId = f != null && f.PilotPersonId != null ? f.PilotPersonId.ToString() : "n/a",
GivenName = p != null ? p.Employee.Person.GivenName : "n/a",
p.Employee.Person.Surname,
}).Where(x => x.Surname == null)
.Take(20)
.ToList();
erzeugt Entity Framework Core dann diesen SQL-Befehl:
SELECT TOP(@p) CASE
WHEN [f].[FlightNo] IS NOT NULL THEN [f].[FlightNo]
ELSE 0
END AS [FlightNo], CASE
WHEN [f].[FlightNo] IS NOT NULL THEN [f].[Departure]
ELSE N'n/a'
END AS [Departure], CASE
WHEN [f].[FlightNo] IS NOT NULL THEN [f].[Destination]
ELSE N'n/a'
END AS [Destination], CASE
WHEN [f].[FlightNo] IS NOT NULL THEN [f].[FlightDate]
ELSE '0001-01-01T00:00:00.000'
END AS [FlightDate], CASE
WHEN [f].[FlightNo] IS NOT NULL AND [f].[Pilot_PersonID] IS NOT NULL THEN CONVERT(varchar(11), [f].[Pilot_PersonID])
ELSE 'n/a'
END AS [PilotId], CASE
WHEN [p].[PersonID] IS NOT NULL THEN [p0].[GivenName]
ELSE N'n/a'
END AS [GivenName], [p0].[Surname]
FROM [Operation].[Flight] AS [f]
FULL JOIN [People].[Pilot] AS [p] ON [f].[Pilot_PersonID] = [p].[PersonID]
LEFT JOIN [People].[Employee] AS [e] ON [p].[PersonID] = [e].[PersonID]
LEFT JOIN [People].[Person] AS [p0] ON [e].[PersonID] = [p0].[PersonID]
WHERE [p0].[Surname] IS NULL
Seit Entity Framework Core 10.0 konnte man einen Full Join erreichen, indem man LeftJoin() und RightJoin() kombiniert hat. Vor Version 10.0 musste man noch umständlicher GroupJoin() und SelectMany() verwenden.
Einige der Kommandozeilenbefehle des .NET SDK laufen nun nicht mehr auf Basis des Just-in-Time-Compilers, sondern mit Native AOT:
dotnet --versiondotnet --infodotnet --helpdotnet (Befehl) --helpdotnet --cli-schemadotnet sln listdotnet sln migratedotnet sln removeBei dotnet test gibt es nun den Parameter --no-dependencies zum Vermeiden der Übersetzung von Projektreferenzen, analog zu dotnet build --no-dependencies. Analog gibt es bei dotnet test nun auch --use-current-runtime (abgekürzt --ucr).
Zur Auswahl des Test-Runners können Entwicklerinnen und Entwickler nun eine Umgebungsvariable setzen, statt eines Eintrags in der global.json-Datei, zum Beispiel
export DOTNET_TEST_RUNNER=Microsoft.Testing.Platform
dotnet test
Der Standard-Test-Runner ist weiterhin der ältere VSTest-Runner. Die Umgebungsvariable hat höhere Priorität [15] als ein Eintrag in der global.json-Datei.
Die mitgelieferte Projektvorlage für xUnit-basierte Tests besitzt nun einen Parameter --xunit-version, um die Version 3 von xUnit zu wählen. Hier ist dann die Microsoft Testing Platform der Standard.
dotnet new xunit --xunit-version v3
Alternativ können Entwicklerinnen und Entwickler noch das ältere VSTest erzwingen:
dotnet new xunit --xunit-version v3 --test-runner VSTest
Für NUnit-basierte Tests gibt es nun ebenfalls die Projektvorlagenoption --test-runner.
Bei File-based Apps (C#-Scripting ohne Projektdatei) funktioniert die in Preview 3 eingeführte Direktive [16] #:include nun auch ohne diese Einstellung:
#:property ExperimentalFileBasedProgramEnableIncludeDirective=true
Zudem können Entwicklerinnen und Entwickler #:include nicht nur für C#-Quellcodedateien, sondern auch für kompilierte DLLs verwenden:
#:include ./Bibliothek.dll
Für das in Preview 5 eingeführte #:ref ist aber noch diese Zeile in File-based Apps notwendig:
#:property ExperimentalFileBasedProgramEnableRefDirective=true
Die sechste Vorschauversion von .NET 11.0 gibt es kostenlos zum Download [17]. .NET 11.0 soll am 10. November 2026 erscheinen und einen Standard-Term Support von zwei Jahren erhalten.
Die iX und der dpunkt.verlag werden in Kooperation mit den bekannten .NET-Experten von www.IT-Visions.de [18] die fertige Version am 17. November in einem ganztägigen Online-Event präsentieren: betterCode() .NET 11.0 [19].
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Im Rahmen der von der Koalition geplanten Verschärfungen bei der Krankschreibung will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) Internet-Anbieter stoppen, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ohne direkten Arzt-Kontakt ausstellen. "Wir werden bald konkrete Vorschläge vorlegen, um eine Krankschreibung per Online-Fragebogen ohne Arzt-Kontakt zu unterbinden", sagte Warken dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Damit wird diesem Missbrauch endlich ein Riegel vorgeschoben", betonte sie.
Union und SPD hätten bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, die Online-Krankschreibung durch "obskure Plattformen im Netz" auszuschließen. Warken verteidigte die von der Koalition beschlossene Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Es werde weiterhin eine Krankschreibung per Video-Sprechstunde möglich sein. "Niemand muss bei Krankheit zwingend in die Arztpraxis", sagte die CDU-Politikerin, die als Ministerin mit Bundestagsmandat monatlich rund 28.700 Euro brutto, und eine steuerfreie Aufwandspauschale von rund 4.319 Euro, erhält.
Doch tatsächlich bieten nicht alle Arztpraxen dies bisher an: Laut Umfragen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des IGES-Instituts bieten rund 20 Prozent der Arztpraxen eine Videosprechstunde.
Laut Angaben von Sausen Rechtsanwälte vom Dezember 2025 sind solch offensichtlich missbräuchliche Online-Krankschreibungen ohnehin nutzlos, wie das Landesarbeitsgericht Hamm (Aktenzeichen 14 SLa 145/25) am 5. September 2025 entschieden hat. Auch wer tatsächlich krank ist, darf kein Attest "erkaufen". Wer ein solches Attest einreicht, verliere regelmäßig den Anspruch auf Entgeltfortzahlung und riskiere zudem eine fristlose Kündigung, erklärten die Anwälte.
Das sogenannte Reformpaket der Regierung sieht einschneidende Änderungen der gesetzlichen Regeln rund um die Krankschreibung vor: Beschäftigte sollen verpflichtend bereits am ersten Tag einer Krankheit zum Arzt gehen. Bisher ist eine Krankschreibung erst ab dem vierten Tag vorgeschrieben.
Spitzenpolitiker und Regierungsmitglieder, die meist keinen Tag in ihrem Leben körperlich schwer gearbeitet haben, unterliegen in Deutschland dagegen keiner klassischen Nachweis- oder Attestpflicht gegenüber einem Arbeitgeber. Krankheitsbedingte Ausfälle oder Absagen von Terminen werden bei Spitzenpolitikern überwiegend nur dann öffentlich kommuniziert, wenn es sich um schwere Erkrankungen oder in der Vergangenheit um Corona handelte.
Im Deutschen Ärzteblatt 14/26 wird darauf hingewiesen, dass es bislang keine vollständige Erhebung der Arbeitsunfähigkeitstage gibt, weder in Deutschland noch in vergleichbaren Industrieländern. Allerdings werden seit 2022 mit der elektronischen AU die Krankheitstage deutlich besser erfasst, was zu stark steigenden Angaben führt, erklärte der Arzt Willi Mast aus Gelsenkirchen.
Die relativ hohen AU-Tage sind laut Mast vor allem durch Langzeitkrankheiten bedingt – wie Depressionen, Erschöpfungszustände, Krebs und Wirbelsäulenerkrankungen. Laut einer Berechnung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK machten diese 3,3 Prozent der AU-Fälle aus – aber 40 Prozent der AU-Tage.
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Zurück in die Zukunft begeistert inzwischen mehrere Generationen. Wer damals so alt wie Marty McFly war, geht auf die Sechzig zu. Im Produktionsjahr Geborene feiern spätestens am 31. Dezember 2026 ihren 41. Geburtstag.
Beliebt sind die Filme noch heute bei Kindern und Jugendlichen. Die im zweiten Teil gezeigte Zukunft dürfte sie jedoch eher amüsieren statt begeistern. Damals wurden für das längst in der Vergangenheit liegende Jahr 2015 fliegende Autos und Hologramme prognostiziert. Faxgeräte und Röhrenmonitore sind allgegenwärtig.
Auch mit der Zeitmaschine aus der Speed-Champions-Reihe werden mehrere Generationen angesprochen. Lego hat hier Ende 2025 nicht weniger als einen detaillierten DeLorean auf den Markt gebracht. Und das bei nur 357 Klemmbausteinen.
So macht sich das Set natürlich gut in der Vitrine. Sammler und spielende Kinder haben die Wahl, ob sie das Modell wie im ersten Teil von Zurück in die Zukunft bauen, also mit Rädern. Oder so wie im zweiten Teil. Diese Version hat zum Fliegen eingeklappte Reifen und einen Müllschlucker am Heck als futuristische Energieversorgung.
Lego setzt bei Set 77256 auf zahlreiche Drucke. Die findet man etwa im Cockpit, inklusive der Zeitnavigation, am Fluxkompensator und den Zeitleitungen. Leider handelt es sich beim Logo der DeLorean Motor Company (DMC) um einen Sticker. Gleiches gilt für die Streifen an den Türen.
Drucker gibt es wiederum an den Mini-Figuren. Es geht um Marty mit seiner berühmten Weste und Doc Brown mit seinen zerzausten Haaren.
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Der Bugatti Vision Gran Turismo aus der Speed-Champions-Reihe kostet zum Beispiel nur 16,99 Euro
Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden
(Bild: heise online / dmk)
Das Have-I-Been-Pwned-Projekt hat 821.100 Kontodaten des Messgeräteherstellers Fluke zur Datenhalde hinzugefügt.
Der Messgeräte- und Testequipment-Hersteller Fluke gehört zu den Opfern des jüngsten Beutezugs der Cybergang ShinyHunters. Die Daten haben die Kriminellen Anfang Juli dieses Jahres angeblich aus dem Salesforce-Zugang von Fluke entwendet und sollen insgesamt 21 Millionen Datensätze umfassen, einschließlich einiger sensibler persönlicher Informationen. Das Have-I-Been-Pwned-Projekt (HIBP) hat die Datenbank in die Finger bekommen und die sensiblen Datensätze herausdestilliert sowie zur Datenhalde hinzugefügt.
Der Beitrag bei HIBP [1] führt aus, dass es sich am Ende um 821.100 Kundendatensätze handelt. Insgesamt haben die Täter mehr als 100 GByte an Daten veröffentlicht, die angeblich von Fluke stammen. Laut Troy Hunt, dem Betreiber von Have I Been Pwned, besteht der Datensatz größtenteils aus Kontaktinformationen des Unternehmens. Dazu gehören aber auch mehr als 800.000 eindeutige E-Mail-Adressen, Namen, Telefonnummern sowie Anschriften. Zudem handele es sich um eine große Sammlung an Supportfällen – was zu einem Datendiebstahl bei Salesforce passt.
Wer mit dem Support von Fluke in Kontakt stand, kann auf der Hauptseite von Have I Been Pwned prüfen [2], ob die E-Mail-Adresse und die weiteren persönlichen Informationen dadurch nun in unbefugte Hände gefallen sind. Diese Informationen können Cyberkriminelle etwa nutzen, um gezielte und glaubwürdigere Phishing-Kampagnen aufzusetzen, die sich gegen Fluke-Kunden richten. Wenn die eigene E-Mail-Adresse also bei Have I Been Pwned auftaucht, sollte man daher erhöhte Vorsicht bei Nachrichten walten lassen, die Fluke betreffen. Insbesondere Passwort-Anfragen oder Mails, die zeitlichen Druck aufbauen, sollten nicht beantwortet werden. Gegebenenfalls sind dann Rückfragen direkt bei Fluke über die bekannten Kanäle sinnvoll.
Es handelt sich nicht um das erste Datenleck bei Fluke. Mitte vergangenen November hat etwa die kriminelle Cyberbande cl0p behauptet, Daten bei Fluke [3] abgezogen zu haben. Das geschah mutmaßlich über Sicherheitslücken in Oracles E-Business-Suite (EBS).
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11367041
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: insta_photos/Shutterstock.com)
Zoom hat mehrere Sicherheitslücken in der Webkonferenzsoftware geschlossen. Sie ermöglichen etwa Kontoübernahme aus dem Netz.
In der Videokonferenzsoftware Zoom haben die Entwickler mehrere Sicherheitslücken gestopft. Eine gilt als kritisches Risiko, drei als hochriskant. Nutzer und Admins sollten sicherstellen, dass sie auf die aktuellen Fassungen aktualisiert haben.
Eine unzureichende Überprüfung von Nutzereingaben führt in Zoom Desktop Client for Windows vor Version 7.0.0 und Zoom VDI Client for Windows vor dem Stand 7.0.10, 6.6.15 sowie 6.5.18 dazu, dass nicht angemeldete Nutzer aus dem Internet mit Netzwerkzugriffen Konten übernehmen können (CVE-2026-53412 [1], CVSS 9.8, Risiko „kritisch“). Tiefergehende Details nennt Zoom nicht. Temporäre Gegenmaßnahmen führt der Hersteller ebenfalls nicht auf.
Außerdem können lokale angemeldete Angreifer aufgrund unzureichender Eingabeprüfungen in Zoom Workplace VDI Plugin for Windows vor Version 6.6.14 ihre Rechte ausweiten (CVE-2026-53411 [2], CVSS 7.8, Risiko „hoch“). Das gelingt angemeldeten Nutzern ebenfalls aufgrund einer unzureichenden Rechteverwaltung in Zoom Rooms for Windows vor 7.1.0 (CVE-2026-53409 [3], CVSS 7.8, Risiko „hoch“). Bei Installations- oder Deinstallationsprozessen bestimmter Zoom-Clients unter Windows können angemeldete Nutzer ihre Rechte im System ausweiten, da eine Race-Condition (Time-of-check to time-of-use, TOCTOU) darin auftreten kann (CVE-2026-53410 [4], CVSS 7.0, Risiko „hoch“). Betroffen sind die Fassungen Zoom Workplace for Windows vor 7.0.5, Zoom Workplace VDI Client for Windows vor 6.5.17 und 6.6.14, Zoom Workplace VDI plugin for Windows vor 6.5.17 und 6.6.14, Zoom Rooms for Windows vor 7.0.5 sowie Remote Control for Zoom Contact Center for Windows vor Version 7.0.0.
Die aktualisierte Software steht im Download-Portal von Zoom [5] zum Herunterladen bereit. Da insbesondere die Windows-Software betroffen ist, hilft in der Regel auch der Aufruf der Eingabeaufforderung und der Befehl winget upgrade --all – der nicht nur die Zoom-Software, sondern auch diverse andere installierte Software bei Bedarf aktualisiert.
Zuletzt hatte Zoom etwa Mitte März mit kritischen Lücken [6] in der Videokonferenzsoftware zu tun. Sie ermöglichten unter anderem Angreifern aus dem Netz, ihre Rechte auszuweiten.
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Die Windows-Updates machen auf einigen Dell-Computern Probleme. Microsoft installiert sie daher nicht auf betroffene Systeme.
Die Windows-Updates vom Juli-Patchday sowie die Update-Vorschauen von Ende Juni haben unerwünschte Nebenwirkungen auf einigen Dell-Computern. Microsoft verteilt die Sicherheitsflicken im Juli daher nicht auf betroffene Systeme.
Das erläutert Microsoft in den Windows-Release-Health-Notizen [1]. Demnach sei es nach der Installation der Update-Vorschau aus dem Juni dieses Jahres [2] auf einer begrenzten Anzahl an Dell-Computern zur Anzeige von gelben Ausrufezeichen im Gerätemanager beim „Intel Innovation Platform Framework Processor Participant“-Treiber gekommen. In einigen Fällen führt das auf betroffenen Systemen zu Performanceeinbußen, erhöhtem Stromverbrauch oder Änderungen im Systemverhalten, erklärt Microsoft.
Das Problem geht auf eine Inkompatibilität zwischen dem Intel-Treiber und der mit der Juni-Update-Vorschau eingeführten neuen Windows-USB-C-Verbindungsmanager-Schnittstelle zurück, haben die Entwickler herausgefunden. Sie arbeiten zusammen mit Dell an einer Lösung, damit das Problem auf den Geräten nicht mehr auftritt, versichern die Redmonder. Betroffen sind Windows 11 24H2 und 25H2. Microsoft will das in den kommenden Tagen korrigieren.
Es gibt aber nicht nur neue Probleme, sondern das Juli-Sicherheitsupdate bessert auch bei alten Fehlern nach. So kam es unter quasi allen unterstützten Windows-Versionen nach der Installation der Juni-Sicherheitsupdates zu dem Verhalten, dass beim Löschen von Dateien aus dem Papierkorb ein interner Dateiname anstatt des ursprünglichen vollen Dateinamens angezeigt wurde. In den Windows-Release-Health-Notizen schreibt der Hersteller, dass das Problem mit den Juli-Updates passé sei. Das gilt auch für Windows 10 22H2 – die erweiterten Sicherheitsupdates (ESU) hatte Microsoft ohne großes Tamtam Ende Juni [3] noch mal verlängert. Privatnutzer im EWR kommen in den kostenlosen Genuss der ESU nun bis Oktober 2027.
Admins und Nutzer sollten prüfen, ob ihre Maschinen betroffen sind. Die Juli-Patches von Microsoft schließen alleine in Windows 416 Sicherheitslücken [4], die auf den Dell-Systemen ohne Update dann angreifbar bleiben. Die Systeme sollten gegebenenfalls besser abgeschottet und genauer überwacht werden.
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Die Fleißner-Schablone und der IRA-Code sind zwei Transpositionschiffren, die von der Kreativität ihrer Erfinder zeugen.
Sehr viele clevere Methoden zum Verschlüsseln von Texten gerieten im Laufe der Jahre zu Unrecht in Vergessenheit. Deshalb zeigen wir Ihnen einige der Schätze aus der Geschichte der Kryptografie, die es wert sind, genauer betrachtet zu werden. Einerseits, um zu verstehen, warum sie sich als unsicher erwiesen, aber auch, um die hübschen Ideen hinter den Verfahren zu würdigen.
Bisher haben wir uns in dieser Artikelserie mit Pigpen, Playfair, Chaocipher [1] [1], Nyctografie, Büchercodes und der Kryha-Maschine [2] [2] beschäftigt sowie im letzten Teil der Reihe mit der Barbier-Nachtschrift, den Codebüchern und abschließend dem ADFGX-Code [3] [3]. Dieses Mal behandeln wir die Fleißner-Schablone, die ab 1881 in vielen Armeen als Verschlüsselungstechnik zum Einsatz kam, und den IRA-Code von 1925. Damit ist ein System gemeint, das die paramilitärische Irisch-Republikanische Armee verwendet hat, um sicher zu kommunizieren, und das erst Anfang der 2000er vom Kryptologen James Gillogly geknackt wurde.
Beide Verfahren eint, dass es sich bei ihnen um Transpositionschiffren handelt. Das bedeutet, die Buchstaben des Klartextes bleiben erhalten, sie tauschen jedoch ihre Plätze – als würde man ein kompliziertes unleserliches Anagramm des gesamten Textes anfertigen. Solche Verfahren sind zwar schon lange bekannt, kamen jedoch in der frühen Neuzeit selten vor. Der Gedanke liegt nicht fern, dass man lieber ein Verfahren nutzt, das die originalen Buchstaben des Klartextes stärker verschleiert und sie zum Beispiel durch völlig andere Symbole ersetzt (Substitution). Solche Verfahren hielt man lange für sicherer, als den Klartext durcheinanderzubringen. Schließlich sind bei einer Transposition die Buchstaben der Nachricht ja noch da, auch wenn in anderer Reihenfolge. Dass der IRA-Code und die Fleißner-Schablone dennoch breit eingesetzt wurden, macht die Chiffren besonders und ist Grund genug, sie unter die Lupe zu nehmen.
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Das Have-I-Been-Pwned-Projekt hat 821.100 Kontodaten des Messgeräteherstellers Fluke zur Datenhalde hinzugefügt.
Der Messgeräte- und Testequipment-Hersteller Fluke gehört zu den Opfern des jüngsten Beutezugs der Cybergang ShinyHunters. Die Daten haben die Kriminellen Anfang Juli dieses Jahres angeblich aus dem Salesforce-Zugang von Fluke entwendet und sollen insgesamt 21 Millionen Datensätze umfassen, einschließlich einiger sensibler persönlicher Informationen. Das Have-I-Been-Pwned-Projekt (HIBP) hat die Datenbank in die Finger bekommen und die sensiblen Datensätze herausdestilliert sowie zur Datenhalde hinzugefügt.
Der Beitrag bei HIBP [1] führt aus, dass es sich am Ende um 821.100 Kundendatensätze handelt. Insgesamt haben die Täter mehr als 100 GByte an Daten veröffentlicht, die angeblich von Fluke stammen. Laut Troy Hunt, dem Betreiber von Have I Been Pwned, besteht der Datensatz größtenteils aus Kontaktinformationen des Unternehmens. Dazu gehören aber auch mehr als 800.000 eindeutige E-Mail-Adressen, Namen, Telefonnummern sowie Anschriften. Zudem handele es sich um eine große Sammlung an Supportfällen – was zu einem Datendiebstahl bei Salesforce passt.
Wer mit dem Support von Fluke in Kontakt stand, kann auf der Hauptseite von Have I Been Pwned prüfen [2], ob die E-Mail-Adresse und die weiteren persönlichen Informationen dadurch nun in unbefugte Hände gefallen sind. Diese Informationen können Cyberkriminelle etwa nutzen, um gezielte und glaubwürdigere Phishing-Kampagnen aufzusetzen, die sich gegen Fluke-Kunden richten. Wenn die eigene E-Mail-Adresse also bei Have I Been Pwned auftaucht, sollte man daher erhöhte Vorsicht bei Nachrichten walten lassen, die Fluke betreffen. Insbesondere Passwort-Anfragen oder Mails, die zeitlichen Druck aufbauen, sollten nicht beantwortet werden. Gegebenenfalls sind dann Rückfragen direkt bei Fluke über die bekannten Kanäle sinnvoll.
Es handelt sich nicht um das erste Datenleck bei Fluke. Mitte vergangenen November hat etwa die kriminelle Cyberbande cl0p behauptet, Daten bei Fluke [3] abgezogen zu haben. Das geschah mutmaßlich über Sicherheitslücken in Oracles E-Business-Suite (EBS).
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Apple-Laden in Shanghai: Genug Geld in der Kasse auch für größere Aufkäufe.
(Bild: gob_cu / Shutterstock)
Spezialisierte Prozessoren für Training und Inferenz müssen nicht von Nvidia kommen. Davon ist man offenbar bei Apple überzeugt und streckt die Fühler aus.
Apple soll derzeit aktiv versuchen, interessante KI-Chip-Unternehmen aufzukaufen, um sich von Lieferanten wie Nvidia unabhängiger zu machen. Laut einem Bericht des IT-Fachdienstes The Information geht es spezifisch um Technik für Rechenzentren, also Training und Inferenz. Nachdem Apple für seine Cloud-KI zunächst eigene Private-Cloud-Compute-Server mit Apple-Silicon-Technik [1] (wohl M2 Ultra [2]) verwendet hatte, nutzt Apple mit Siri AI [3] künftig verstärkt Nvidia-Hardware, die bei Google Cloud gehostet wird. Als Basis dienen dabei eigens angepasste Gemini-Modelle. Offenbar kommen außerdem Googles hauseigene TPUs [4] zum Einsatz.
Nach The Information gab es in den vergangenen Monaten unter anderem Gespräche mit Banken [5], die als Broker für Halbleiter-Start-ups tätig sind. Weiterhin gab es offenbar auch schon direkte Gespräche mit solchen Firmen. Apple scheint dabei bereit, höhere Beträge in die Hand zu nehmen – möglicherweise im Milliardenbereich. Die Kriegskasse des iPhone-Konzerns gilt als gut gefüllt.
Dass Apple unter dem ab September antretenden neuen Chef John Ternus [6] bereit ist, größere Akquisitionen zu tätigen, lässt sich schon daran ablesen, dass vor Kurzem für 2 Milliarden US-Dollar das israelische KI-Startup Q.ai [7] übernommen worden war. Die Firma hat ein Prinzip entwickelt, mit dem man „sprachlos“ mit KI-Assistenten kommunizieren kann, indem Mikroausdrücke im Gesicht ausgelesen werden können. Die Kaufsumme ist die zweitgrößte, die Apple jemals für eine Übernahme aufgebracht hat, nur der Kopfhörerhersteller Beats [8] war dem Konzern mit 3 Milliarden Dollar mehr wert.
In welche Richtung Apple tendiert, ist noch unklar. Der iPhone-Hersteller gilt allerdings als sehr erfolgreich, was die Integration von Aufkäufen betrifft. So stellte die Übernahme der Chipfirma PA Semi [9] im Jahr 2008 die Basis für die Apple-Silicon-Chips dar [10], die Apples Hardware-Produkte revolutioniert haben. Die Kaufsumme war mit 278 Millionen Dollar klein.
Apple soll intern versucht haben, Gemini-Modelle auch auf eigenen Servern laufen zu lassen. Das sei aber gescheitert. Ein Vorteil für Apple beim Kauf von KI-Chip-Firmen könnte sein, dass der Konzern Spezialtechnik kauft – es gibt durchaus innovative Ansätze, die über das hinaus gehen, was Nvidia mit Weiterentwicklungen klassischer GPUs leistet. Allerdings ist die Technik nicht marktreif. Eine Integration bei Apple könnte zudem Jahre dauern. Intern soll der Konzern allerdings bereits damit planen, Googles Gemini-Modelle eines Tages doch wieder durch Apple-Technik zu ersetzen.
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(Bild: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., Ltd.)
Ein Jahresvergleich des weltweit wichtigen Chipherstellers zeigt, wie Prozessoren, GPUs und Beschleuniger teurer werden.
Der weltweit größte Chipauftragsfertiger TSMC verbucht mit gut 40 Milliarden US-Dollar Umsatz ein neues Rekordquartal. Knapp 22,4 Milliarden US-Dollar bleiben im zweiten Quartal 2026 als Nettogewinn übrig. „High-Performance-Chips“ machen inzwischen zwei Drittel von TSMCs Umsatz aus. Damit meint die Firma alle Prozessoren, GPUs, Beschleuniger und andere Chips von der Notebook-Klasse bis zu Ablegern für Rechenzentren.
Beeindruckend ist vor allem der Jahresvergleich: Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 [1] steigt der Umsatz um 34 Prozent. Der Nettogewinn legt noch viel stärker zu, mit einem Plus von gut 74 Prozent. Analog steigt die Bruttomarge von 58,6 auf 67,7 Prozent; ein immenser Wert für einen Chipauftragsfertiger.
Das zeigt, wie stark TSMCs Preise gestiegen sein müssen und untermauert entsprechende Gerüchte [2]. Genaue Preise bleiben Spekulationssache, weil die Industrie diese traditionell geheim hält.
Ein eher kleiner Teil des Wachstums kommt vom Produktionsausbau: TSMC hat im zweiten Quartal 2026 [3] knapp 17 Prozent mehr Silizium-Wafer belichtet als ein Jahr zuvor. Gut 4,3 Millionen sogenannte 300-mm-Wafer-Äquivalente nennt die Firma aktuell. Dabei rechnet TSMC auch Wafer mit einem Durchmesser von 200 mm oder kleiner auf den aktuellen 300-mm-Standard hoch, der bei allen modernen Fertigungsprozessen üblich ist. Aus einem Wafer werden schlussendlich Dutzende bis Tausende Chips geschnitten.
(Bild: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., Ltd.)
Die Wafer-Umsatzverteilung zwischen den Fertigungsgenerationen hat sich in dem einen Jahr nur leicht verändert. Der 3-Nanometer-Anteil ist von 24 auf 30 Prozent gestiegen, der von 5 nm von 36 auf 33 Prozent gesunken. Unter anderem Nvidia lässt jetzt seine neue KI-GPU Rubin und den Serverprozessor Vera [4] mit 3-nm-Strukturen von TSMC herstellen.
Das Unternehmen verbucht zudem den allerersten nennenswerten Umsatz mit 2-nm-Prozessen, der allerdings noch bei einem Anteil von drei Prozent liegt. AMD und Apple sind die ersten Abnehmer mit Prozessoren und KI-Beschleunigern.
(Bild: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., Ltd.)
TSMC weist den Umsatz aus der Belichtung von Wafern nicht explizit aus. Anhand der ausgewiesenen Daten müsste dieser allerdings bei knapp 34 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 84 Prozent des Gesamtumsatzes liegen. 3 nm käme demnach auf etwa zehn Milliarden und 2 nm auf eine Milliarde US-Dollar.
Das restliche Geld kommt vor allem vom sogenannten Advanced Packaging, bei dem mehrere Chiplets auf einem gemeinsamen Träger verheiratet werden. Das ist insbesondere bei KI-Beschleunigern üblich, die häufig mehrere Compute-Chiplets, teilweise getrennte I/O-Dies und High-Bandwidth Memory (HBM) kombinieren.
Im angelaufenen dritten Quartal erwartet TSMC 44,6 Milliarden bis 45,8 Milliarden US-Dollar Umsatz. Für das Gesamtjahr hebt TSMC seine Wachstumsprognose von über 30 auf leicht über 40 Prozent an. Die Börsen nehmen die Ergebnisse gemischt auf: In Taiwan ist die Aktie minimal im Plus. Das hier gehandelte American Depositary Receipt (ADR) ist dagegen knapp vier Prozent im Minus, allerdings beeinflusst vom US-Iran-Konflikt.
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Was bei Apples Kindersicherung bislang schiefläuft, wie es iOS 27 besser machen will und warum sich damit trotzdem nicht alle Probleme lösen lassen.
Die Bildschirmzeit soll die Gerätenutzung protokollieren, Apps begrenzen und Kindergeräte insgesamt unter elterliche Aufsicht bringen. In der Praxis funktioniert davon vieles mittelmäßig, teils auch gar nicht. Mit iOS 27 zieht Apple nach langer Untätigkeit die Reißleine: Eine neue Architektur soll Workarounds erschweren und Eltern bei der Konfiguration und den Zeitbegrenzungen an der Hand nehmen.
In Episode 126 diskutieren Malte Kirchner und Leo Becker, was Apples Bildschirmzeit-Neustart für Familien konkret bedeutet – auch in Hinblick darauf, dass alte Hardware nicht unterstützt wird. Uns beschäftigt, wie viel iPhone-Kontrolle überhaupt sinnvoll ist und ob Apple die richtige Instanz für den Jugendschutz ist. Die still in ersten Ländern aktivierte Altersprüfung auf iOS-Betriebssystemebene ist ebenfalls Thema – genauso wie die Frage, ob nicht auch Kinder Bildschirmzeitlimits für ihre Eltern festlegen sollten.
Der Apple-Podcast von Mac & i erscheint mit dem Moderatoren-Duo Malte Kirchner und Leo Becker im Zweiwochenrhythmus und lässt sich per RSS-Feed (Audio [2]) mit jeder Podcast-App der Wahl abonnieren – von Apple Podcasts über Overcast bis Pocket Casts.
Zum Anhören findet man ihn auch in Apples Podcast-Verzeichnis (Audio [3]) und bei Spotify [4]. Wir freuen uns über Feedback, Kritik und Fragen an podcast@mac-and-i.de [5].
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Neue israelische Siedlung bei Nablus im Westjordanland
(Bild: mytaj, shutterstock)
Denkt man in Israel, den USA, der EU und in Berlin wirklich, dass das Straf- und Vollzugsrecht geeignet sind, um die Nahostfrage zu managen? Ein Kommentar.
Letzte Woche war Benjamin Netanjahu in der Sendung "The Patriots" auf dem israelischen Sender Channel 14 zu Gast. Auf die Frage, ob er sich seit Beginn des Gaza-Kriegs verändert habe, antwortete er: "Ich habe ein bisschen abgenommen."
Im Studio gab es Gelächter und Applaus. Doch wenn man sich ein wenig vom Fernsehbildschirm entfernt, erkennt man allmählich den Elefanten im Raum. Wieder einmal ist dieser Elefant ein Palästinenser, der elend in einer israelischen Gefängniszelle dahinvegetiert.
Diesmal handelt es sich um einen Arzt.
Dr. Hussam Abu Safiya [1], Kinderarzt und Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses in Gaza, wurde 2024 festgenommen und wird Berichten zufolge seit mehr als 500 Tagen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren von Israel festgehalten.
Berichten zufolge hat sich sein körperlicher und psychischer Zustand infolge von Misshandlungen und Folter während seiner Haft dramatisch verschlechtert. Sein Leben soll nun in Gefahr sein.
"Sie haben mich hierhergebracht, um mich zu töten. Ich glaube nicht, dass ich das überleben werde. Das ist das Ende", klagte Abu Safiya bei einem Gespräch mit seinem Anwalt Nasser Odeh.
Laut Odeh war Abu Safiya bei seinem Besuch bei seinem Mandanten an Händen und Füßen gefesselt und wies sichtbare Spuren von Gewalt im Gesicht und um die Augen herum auf. Er hatte Atembeschwerden. Er hatte Schwierigkeiten beim Gehen.
Für viele Menschen in Israel und auf der ganzen Welt geht so etwas wieder einmal zu weit. Die linksgerichtete, liberale israelische Zeitung Haaretz meint dazu [2] in einem Kommentar: "Ein Arzt gehört in ein Krankenhaus, nicht in eine Gefängniszelle". Das Blatt fordert seine sofortige Freilassung, sofern keine stichhaltigen Anklagepunkte vorliegen.
Denn Abu Safiya hat letztlich nur seine Pflicht erfüllt und zu seinen Prinzipien gestanden: Er blieb bei seinen kleinen Patienten in Gaza, obwohl er hätte fliehen können. Denn er glaubt daran, dass sein hippokratischer Eid etwas bedeutet – dass ein Arzt diejenigen, die seiner Obhut anvertraut sind, nicht im Stich lässt.
Die israelische Gerichtsbarkeit hat 500 Tage Zeit gehabt, um Beweise für eine Schuld des Arztes zu präsentieren. Solange die israelischen Behörden keine Anklage erheben, bleibt der Verdacht, dass Abu Safiya nur deshalb von Israel inhaftiert wurde, weil er sich nicht gebeugt hat.
Dass das Schicksal von Abu Safiya kein Einzelfall ist, wird immer deutlicher. "In Israels Gefängnissen sind Folter und Tod zur Normalität geworden, die man kaum noch zu verbergen versucht", titelte zum Beispiel der Guardian kürzlich in einem Kommentar [3].
Die angesehene israelische Menschen- und Bürgerrechtsorganisation B’Tselem zählte [4] Ende 2025 fast 10.000 Palästinenser in israelischen Gefängnissen, darunter 3.375 in Verwaltungshaft, "eine Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren oder Anklage [5] unter der Behauptung, dass eine Person beabsichtige, künftig eine Straftat zu begehen".
Ähnliche Fragen wirft die Inhaftierung eines anderen prominenten palästinensischen Gefangenen in einem anderen israelischen Gefängnis: Marwan Barghouti.
Barghouti verbüßt [6] eine lebenslange Haftstrafe, und er überlebt schon seit 24 Jahren in israelischen Gefängnissen. Israel verurteilte ihn 2004 in einem problematischen Prozess [7] wegen Terrorismus und Mord. Barghouti erkannte das Gericht nicht an und bezeichnete den Prozess als politisch motiviert.
Viele Palästinenser vergleichen ihn mit Nelson Mandela, der 28 Jahre hinter Gittern verbrachte. Und wie seinerzeit Mandela wird auch Barghouti als Terrorist verunglimpft. Und so wie seinerzeit für Mandela setzen sich auch für Barghoutis Freilassung [8] Prominente ein; darunter acht Friedensnobelpreisträger. Nun wurde er in das Zentralkomitee der Fatah gewählt [9].
Bei der Wahl in dieses wichtigste Führungsgremium der Palästinenserorganisation erhielt er die meisten Stimmen – mehr sogar als Yasser Abbas, der Sohn des amtierenden palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas.
Barghuti bedankte sich für dieses Vertrauen, indem er ankündigte [10], vom israelischen Gefängnis aus für die Wahl zum Palästinenserpräsidenten antreten zu wollen. So weit ist es allerdings noch nicht.
Immerhin sind die palästinensischen Parlamentswahlen aber für den 28. November 2026 angekündigt [11]. Präsidentschaftswahlen könnten 2027 folgen.
Bei dem Gedanken, dass Abu Safiya und/oder Marwan Barghouti in einem israelischen Gefängnis sterben könnten, zieht sich einem der Magen zusammen. Weder Israelis noch Palästinenser brauchen noch mehr tote Symbole.
Doch sollten sie sterben, werden andere an ihre Stelle treten: weitere Ärzte, weitere Vertreter der palästinensischen Sache, weitere Symbole. Bis ein Heilmittel für die Nakba [12] gefunden ist.
Aber schon heute stehen Israel und seine Unterstützer in Washington, Brüssel und Berlin vor der Frage, ob sie wirklich denken, den Nahostkonflikt durch Kriegsverbrechen [13], Vertreibung [14], Besatzung [15] und Inhaftierungen lösen zu können.
Tamer Nafar ist ein palästinensischer Rapper, Schauspieler, Drehbuchautor und Aktivist mit israelischer Staatsbürgerschaft. Nafar wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Lod auf, einer arabisch-israelischen Vorstadt von Tel Aviv, die unter Drogenschmuggel und Kriminalität leidet.
2016 spielte Nafar als Hauptdarsteller in dem halb-autobiografischen Spielfilm Junction 48 [16], der bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Tamer Nafar ist außer auf YouTube [17] auch auf Instagram [18], Facebook [19] und Spotify [20] zu finden.
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US-Präsident Donald Trump setzt den Iran-Krieg fort, doch wie weit wird er diesmal gehen?
(Bild: Rawpixel/Shutterstock.com)
Trump droht mit Infrastruktur-Angriffen, während die Huthi in den Krieg einsteigen könnten. Hält die Welt gerade den Atem vor dem großen Knall? Eine Analyse.
Die Lage am Persischen Golf eskaliert massiv: Die letzten drei Tage griff [1] das US-Militär dutzende iranische Stellungen an – Luftabwehr, küstennahe Standorte, Raketenstationen, Radaranlagen. Eine erste größere, kombinierte Angriffswelle traf die Islamische Republik am späten Montag; eine zweite folgte laut Centcom [2] pünktlich zum Anstoß des zweiten WM-Halbfinales am Mittwochabend ein.
Bis dato meldeten [3] iranische Gesundheitsbehörden mindestens 35 Tote. Der Ölpreis sprang [4] parallel um fast zwölf Prozent, was für Europa zur Unzeit kommt: gerade lief der deutsche Tankrabatt ab und die Ferienzeit brach an.
Das ohnehin brüchige Rahmenabkommen [5] zwischen Washington und Teheran muss derweil als tot gelten. Zugleich mehren sich Anzeichen [6], dass sich auch die jemenitischen Huthi wieder stärker einschalten könnten – mit einer möglichen zweiten Seeblockade. Welt und Wirtschaft vor der Voll-Eskalation?
Das Centcom teilte mit, [7] dass sich die zweite Angriffswelle gegen iranische militärische Fähigkeiten richte, die genutzt würden, um Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen. Nur, um sich wenig später zum "Wächter" der Wasserstraße zu erklären. Trump wollte in dieser Rolle für sein Land 20 Prozent des Werts jeder transportierten Fracht erhalten – eine Idee, die die US-Regierung im Falle Irans selbst vor wenigen Tagen noch als Verstoß gegen internationales Recht scharf zurückwies.
Brasiliens Präsident Lula da Silva nannte Trumps Hirngespinste – seit Wochen waren kaum mehr als 10 Schiffe durch die Passage gekommen – folgerichtig offen "Piraterie". [8] Wenig später räumte er die Forderung wieder ab [9]. Er habe Anrufe von Anführern der Golfstaaten bekommen, "und sie hätten gerne, dass wir es auf andere Weise machen", so Trump. Dafür hätten sich die Länder zu neuen Investitionen in die USA bekannt.
Mit historisch niedrigen westlichen Ölreserven, den anstehenden US-Midterms und einem von der Trump-Administration und Israel faktisch blockierten Iran-Deal liegt [10] die Eskalations- und Entscheidungsdynamik erneut fast vollständig bei Teheran.
Allein Dienstag und Mittwoch wurden mehr als 170 iranische Ziele getroffen [11] – eine der intensivsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn vor rund vier Monaten. Ein Ende ist nicht in Sicht; setzt sich die Entwicklung fort, [12] könnte diese Woche zur bisher blutigsten des Krieges werden.
Besonders zu Wochenbeginn traf es Einrichtungen [13], die für die iranische Umgehung der Seeblockade wichtig sind. Die im Juni vereinbarte 60-Tage-Frist zwischen Iran und USA, an die sich ein Friedensabkommen anschließen sollte, dürfte damit faktisch erledigt sein – zumal Trumps Angriffswellen auch als eine Strategieverschiebung hin zu einer Vorbereitung einer Boden-Luft-Operation gesehen werden können.
Darauf deuten Angriffe im Süden des Landes [14] nahe der pakistanischen Grenze hin, die eine Ausweitung der Zielspektren jenseits von Hormus darstellen.
Laut iranischem Staatsfernsehen kündigte [15] das Militär eine entschlossene Antwort auf die "aggressive Aktion Feindes" an. Bemerkenswert ist dabei weniger Inhalt als der Zeitpunkt: in den letzten Tagen agierten offizielle iranische Stellen zurückhaltend, verwiesen auf die Staatstrauer [16] und erweckten den Eindruck, das Abkommen nahezu einseitig retten zu wollen.
Dieser Kurs ist vorbei. Offen ist, ob dies bereits eine Änderung der militärischen Doktrin bedeutet. Bislang setzte Teheran erfolgreich auf begrenzte Vergeltung: Wie das Washington Institute analysierte, [17]kalibriert die iranische Führung ihre Antworten so, dass sie Entschlossenheit demonstriert, einen umfassenden Krieg mit den USA aber vermeidet.
Das bestätigt sich aktuell [18]: Teheran setzte [19]auf kalkulierte Angriffe – gezielt gegen Nachschubrouten und regionale US-Partner, statt auf die direkte Konfrontation mit der US-Armee.
Der frühere Majles-Abgeordnete und einstige Khamenei-Berater Mohammad-Dschawad Laridschani [20], ein erzkonservativer Ideologe, forderte [21] am Dienstag im Staatsfernsehen eine umfassende Vorbereitung des Landes auf einen möglichen mehrjährigen Krieg mit den USA. Zudem plädierte er für eine Umstellung auf Kriegswirtschaft.
Solche Forderungen signalisieren mehr militärische Risikobereitschaft, als die bisherige Strategie erkennen ließ. Bemerkenswert ist die Äußerung auf mehreren Ebenen: Laridschani wählte nicht die Hardliner-Printmedien, sondern bekam Sendezeit im Staatsfernsehen, bekleidet selbst aber kein offizielles Amt. Denkbar, dass man bewusst ein Signal ausssenden wollte.
Einer seiner drei Brüder, Ali Laridschani [22], ranghöchster Sicherheitspolitiker Irans, wurde im März bei einem israelischen Luftschlag getötet [23], generell gilt die Familie als extrem einflussreich [24].
Kürzlich zugänglich gewordene CIA-Dokumente aus den 1980er-Jahren deuten darauf hin, dass die Familie Laridschani einen bestimmten Flügel innerhalb der herrschenden politischen Klasse repräsentiert. [25] Ein iranisches "All-in" lässt sich aus der Äußerung nicht ablesen – das Verhandlungsfenster dürfte dennoch enger werden.
Ob Washington überhaupt noch verhandeln will, ist nach jüngsten Trump-Äußerungen zweifelhaft. Gegenüber Fox News drohte [26] der US-Präsident, sollte Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, werde man alle "Brücken und Kraftwerke ausschalten."
Das ist in der Sache ein unstrittiger Aufruf zur Zerstörung ziviler Infrastruktur – und wäre nach Artikel 52 des Ersten Zusatzprotokolls der Genfer Konventionen [27] ein eindeutig verbotener Angriff. Und auch hier wiederholt sich die Geschichte: Bereits im März drohte [28] Trump mit der Zerstörung der iranischen Energie- und Wasserversorgung und sprach davon, Iran "in die Steinzeit" [29] zu bomben.
Die rhetorische Zuspitzung könnte mit einer weiteren Entwicklung zusammenhängen: Laut [30] Al Jazeera steht die Weltwirtschaft vor einem möglichen Huthi-Versuch, die Meerenge Bab al-Mandab zu blockieren. Käme eine zweite Seeblockade hinzu, werden Ölpreise von bis zu 200 Dollar pro Barrel diskutiert [31]. Ein Vertreter der Ansarollah-Bewegung erklärte [32], man sei bereit, das Bab al-Mandab zu schließen, sollte Saudi-Arabien seine Angriffe auf den Jemen fortsetzen.
Die Huthi solidarisierten sich in der Vergangenheit zudem wiederholt mit Iran und dem palästinensischen Widerstand, griffen US-Kriegsschiffe an und beteiligten sich – bis hin zu Beschuss auf Israel – bereits an früheren Kriegshandlungen. Eine erneute Eskalation träfe die US-israelische Achse und die Golfstaaten ins Mark. Der Zugang zum Roten Meer könnte sich, unabhängig vom tatsächlichen iranischen Einfluss auf Sanaa, zu einem entscheidenden Druckpunkt entwickeln.
Bei aller Grausamkeit des Krieges ist das befürchtete Gesamtszenario, ein Armageddon, bislang ausgeblieben. Das könnte sich ändern, kehrt in Washington nicht ein Funken Restvernunft ein.
Für Tel Aviv wie für Washington gilt es, eine Huthi-Blockade zu verhindern – damit entstünde jedoch ein weiterer Kriegsschauplatz, erneut gegen einen konventionell kaum zu besiegenden Gegner. Auch innerhalb Irans dürfte in immer breiteren Kreisen der Entscheidungsträger die Ansicht reifen, künftig auf ergebnislose Genf-Gespräche verzichten zu können. Washington und die Region können einen jahrelangen Krieg kaum durchhalten – Iran womöglich schon.
Entscheidend dürften die Folgewirkungen sein: Neben der volkswirtschaftlichen Klemme – insbesondere für Europa, den Golf und Afrika – spitzt sich die Lage im bislang proamerikanischen Kompradoren-Lager zu. Der US-Kurs untergräbt die Sicherheit und das wirtschaftliche Konzept und ruiniert mittelfristig das Herrschaftsregime der Petro-Staaten.
Die Frage dürfte, wie lange die Golf-Könige diese Brandstifter-Politik noch achselzuckend mittragen, dürfte drängender werden. Spätestens wenn im Inland die ersten Proteste aufkommen, könnte den US-Basen ein ähnliches Schicksal drohen wie zuvor den Französischen in der Sahelzone.
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Start einer Rakete vom Typ MIM-104 Patriot auf dem MEADS-Raketensystem. Bild: U.S. Air Force
Unabhängige Analysen zeigen: Gegen Drohnen arbeitet Patriot sehr erfolgreich – bei ballistischen Raketen wird die Bilanz deutlich komplizierter.
Die Ukraine steht nahezu ununterbrochen unter nächtlichem Beschuss. In fünf Nächten setzte Russland insgesamt 642 Drohnen und 38 Raketen ein, darunter 14 ballistische Geschosse. Das entspricht im Schnitt 128 Drohnen pro Nacht [1].
Allein am 11. Juli wurden etwa zwölf Raketen abgefeuert, darunter sechs Iskander-M oder zu Boden-Boden-Waffen umfunktionierte S-400; in der Nacht zum 14. Juli registrierte die Ukraine nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Portals Suspilne [2] acht ballistische Raketen und 135 Drohnen.
Die Zahlen beschreiben keinen einzelnen Großangriff, sondern einen zermürbenden Dauerbeschuss: Drohnenschwärme binden und erschöpfen die Flugabwehr, während Raketen gezielt gegen einzelne, besonders schwer zu schützende Ziele eingesetzt werden.
Vor diesem Hintergrund wiegen zwei Meldungen der vergangenen Tage besonders schwer. Die ukrainische Regierung teilte mit, für rund 100 Patriot-Flugkörper eine Milliarde Dollar aus einem EU-Kredit bereitzustellen, wie das US-Magazin Business Insider [3] berichtete.
Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov hatte zuvor knapp 40 kollaborierende Staaten brieflich gebeten, Patriot-Raketen aus eigenen Lagerbeständen [4] abzugeben, im Tausch gegen künftige Lieferungen.
Nach Fedorovs Angaben gelinge es derzeit, mehr als 90 Prozent der anfliegenden Marschflugkörper und Shahed-Drohnen abzufangen; bei ballistischen Raketen bleibe der Munitionsmangel dagegen das zentrale Problem.
Fast zeitgleich kündigte US-Präsident Donald Trump beim Nato-Gipfel in Ankara an, der Ukraine eine Lizenz zur Produktion [5] von Patriot-Systemen zu geben. Man werde der Ukraine das Recht dazu geben und ihr zeigen, wie es geht, sie könnten das ziemlich schnell hinbekommen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer politisch bereits gelösten Frage; nun müssten die technischen Teams beider Länder ohne Verzug an der Ausarbeitung der Lizenzen arbeiten.
Wie konkret dieses Versprechen ist, bleibt allerdings offen: Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Associated Press [6] ist unklar, ob damit ganze Patriot-Batterien, nur die Abfangraketen oder lediglich einzelne Komponenten gemeint sind, und Fachleute rechnen selbst im günstigsten Fall mit anderthalb bis zwei Jahren bis zu einer ersten Pilotfertigung.
Zwischen dem nächtlichen Beschuss, der Bitte um Abwehrraketen aus fremden Lagern und dem Versprechen einer eigenen Produktion drängt sich eine Frage auf, die selten offen gestellt wird: Wie wirksam ist Patriot ausgerechnet gegen jene ballistischen Raketen, für deren Abwehr die Ukraine besonders dringend neue Flugkörper verlangt?
Die Zahlen, die die Ukraine selbst nennt, klingen zunächst beruhigend. Über 90 Prozent der Marschflugkörper und Shahed-Drohnen würden abgefangen, hatte Fedorov mitgeteilt [7]. Bei ballistischen Raketen jedoch, jener Waffenkategorie, die in den vergangenen Nächten einen wachsenden Anteil der russischen Angriffe ausmachte, räumte der Minister selbst ein, dass die Abwehr an ihre Grenzen stößt.
Die ukrainischen Angaben zeichnen damit ein stark differenziertes Bild. Allerdings stammen sie von einer Kriegspartei, die zugleich ihre Leistungsfähigkeit demonstrieren und weiteren Unterstützungsbedarf begründen muss. Umso wichtiger sind unabhängige Auswertungen.
Der US-Physiker und Rüstungskritiker Theodore Postol vom Massachusetts Institute of Technology, dessen Schätzung in der Fachwelt allerdings umstritten ist, hat eine fundamentale Kritik an der Wirksamkeit des Patriot-Systems formuliert.
In einem Interview [8] mit dem Politologen Glenn Diesen kommt er auf Basis eigener Videoauswertungen zu dem Schluss, dass die Trefferquote der modernen PAC-3-Abfangrakete gegen ballistische Ziele derzeit lediglich zwei bis drei Prozent betrage.
Postol verweist auf den Golfkrieg von 1991. Damals hatte die US-Regierung eine Erfolgsquote von rund 96 Prozent gemeldet. Eine gemeinsam mit George Lewis vorgenommene Videoanalyse kam jedoch zu dem Ergebnis, dass vermutlich kein einziger Scud-Gefechtskopf zerstört worden war.
Ein damaliger Programmoffizier habe den Begriff "Intercept" lediglich damit erklärt, dass Patriot- und Scud-Rakete gleichzeitig am Himmel zu sehen gewesen seien.
Technisch unterscheidet Postol zwischen einem Treffer am Raketenkörper und der tatsächlichen Zerstörung des Gefechtskopfs. Wird nur das Heck getroffen, kann der Sprengkopf abgetrennt werden und dennoch sein Zielgebiet erreichen. Manövrierfähige Gefechtsköpfe, Täuschkörper und elektronische Störsender verringerten die Trefferwahrscheinlichkeit zusätzlich. Bei Raketen mit Submunition könne die Abwehr zudem durch die Vielzahl einzelner Sprengsätze überfordert werden.
Auch die Patriot-Radare hält Postol für verwundbar. Das System sei stark von einer einzelnen, mehrere Hundert Millionen Dollar teuren Radaranlage abhängig. Werde sie zerstört, fehle eine redundante Rückfalloption, wie sie verteilte russische Luftabwehrsysteme besäßen.
Postol spricht deshalb von einer "gewaltigen Täuschung" über den Schutz, den Raketenabwehr tatsächlich bieten könne. Davon profitiere vor allem die Rüstungsindustrie. Postol warnt zudem vor der strategischen Bedeutung konventioneller ballistischer Raketen: Länder wie der Iran oder Russland könnten mit ihnen erheblichen Schaden anrichten, auch ganz ohne den Einsatz von Atomwaffen.
Seine Kritik gilt allerdings nicht Patriot insgesamt. Gegen Flugzeuge hält Postol Trefferquoten von 90 bis nahezu 100 Prozent für möglich, da diese erheblich langsamer und leichter zu bekämpfen seien. Seine These richtet sich gezielt gegen die Abwehr ballistischer Raketen und komplexer, sättigender Angriffe.
Postols Kritik steht nicht isoliert da. Auch der Londoner Thinktank Rusi [9] hat sich mit dem Rückgang der Abfangraten gegen die russische Iskander-M befasst und kommt, gestützt auf Daten des ukrainischen Forschers Petro Ivaniuk, zu einem nüchternen Befund: In den Gebieten, die von Patriot-Batterien geschützt werden, sei die Abfangquote seit 2024 spürbar gesunken, mit einem Tiefpunkt von nur noch 15 Prozent im Jahresmittel.
Als plausibelste Erklärungen nennen die Rusi-Autoren eine veränderte, steilere Flugbahn der Iskander sowie verbesserte Täuschkörper, während sie die naheliegende Vermutung einer schlichten Sättigung durch Salven eher für unwahrscheinlich halten.
Das Center for Strategic and International Studies [10] in Washington kommt in einer breiter angelegten Datenanalyse zu einem insgesamt deutlich freundlicheren Bild, differenziert dabei aber genau in die Richtung, die auch Postol beschreibt. Über sämtliche eingesetzten Raketen- und Drohnentypen hinweg liege die Abfangquote bei 84,1 Prozent, wie die Autoren Yasir Atalan und Benjamin Jensen schreiben.
Entscheidend für den Ausgang eines Abfangversuchs sei dabei weniger die Zahl der gleichzeitig anfliegenden Ziele als vielmehr deren technische Beschaffenheit: Schnelle ballistische Raketen wie die Iskander-M oder die KN-23 erweisen sich der Studie zufolge als die mit Abstand am schwersten abzufangende Kategorie.
Auffällig zurückhaltend äußert sich dagegen die US-amerikanische Prüfbehörde DOT&E [11], die dem Kongress jährlich über die Leistungsfähigkeit der Raketenabwehr berichtet. Zwar sei Patriot an der Verteidigung der Ukraine und während des jüngsten Zwölf-Tage-Kriegs zwischen Iran und Israel, auch am Schutz der Al-Udeid-Luftwaffenbasis in Katar beteiligt gewesen.
Eine eigene Bewertung der tatsächlichen Trefferquote nimmt die Behörde jedoch ausdrücklich nicht vor – mit der Begründung, sie habe schlicht keinen Zugriff auf die entsprechenden Daten der US-Armee.
Damit ergibt sich aus Rusi und CSIS ein gemeinsames Muster, während DOT&E vor allem die mangelhafte öffentliche Datenlage sichtbar macht: Gegen ballistische Raketen fallen die dokumentierten Abfangraten deutlich niedriger aus als gegen andere Bedrohungen – über das genaue Ausmaß gehen die Einschätzungen jedoch weit auseinander.
Rechnet man die hundert Patriot-Raketen für eine Milliarde Dollar mit der von Postol beschriebenen Feuerdoktrin durch, wonach gegen eine ballistische Rakete jeweils zwei Interzeptoren verschossen werden, reichen sie für rund fünfzig Abfangversuche.
Legt man zusätzlich Postols angenommene Trefferquote von zwei bis drei Prozent zugrunde, ergibt sich statistisch kaum mehr als ein erfolgreicher Abfang. Zugespitzt hieße das: eine Milliarde Dollar für eine einzige zerstörte Rakete.
Damit drängt sich ein Einwand auf: Womöglich wäre dasselbe Geld anderswo klüger investiert – in Härtung, Dezentralisierung und Täuschung statt in immer neue Interzeptoren zum Stückpreis von mehreren Millionen Dollar. Denn ausgerechnet gegen schnelle und manövrierende ballistische Raketen bleibt die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Patriot schwach dokumentiert und erheblich umstritten.
Allerdings greift Postols Rechnung an zwei Stellen zu kurz. Entscheidend ist nicht nur der Preis der abgeschossenen Rakete, sondern auch der Schaden, den ihr Einschlag verhindert. Selbst eine geringe Abfangquote kann sich lohnen, wenn dadurch ein Kraftwerk, ein Munitionsdepot oder eine Produktionsanlage geschützt wird.
Zudem unterscheidet Postol zu wenig zwischen den eingesetzten Flugkörpern. Während ältere PAC-2-Raketen mit Splittergefechtsköpfen arbeiten, ist die PAC-3-Familie für den direkten Hit-to-kill-Abfang ballistischer Ziele ausgelegt.
Sinkende Erfolgsquoten könnten daher ebenso auf verbesserte Iskander-Flugbahnen und Täuschkörper zurückgehen. Da nicht öffentlich bekannt ist, welche Patriot-Varianten der Ukraine in welcher Zahl zur Verfügung stehen, bleiben eindeutige Aussagen über die Leistungsfähigkeit des Systems schwierig.
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IBM Bob 2.0 soll auch Jahrzehnte alten Code verstehen und modernisieren können – mit KI-Agenten und Premium-Paketen für Z, i und Java.
Mit Bob 2.0 erweitert IBM die KI-gestützte Software-Entwicklung, die den gesamten Software-Lebenszyklus im Enterprise-Bereich abdecken soll. Bob unterstützt Entwickler bei Planung, Code-Generierung, Validierung, Refactoring und Modernisierung.
Ursprünglich im Oktober 2025, als Project Bob eingeführt wurde [1], handelte es sich um den agentenbasierten Nachfolger von Watsonx Code Assistant. Das ist ein KI-gestütztes Entwicklungs-Tool, das tief in die jeweilige Entwicklungsumgebung (IDE) integriert werden kann und Programmieraufgaben nicht nur vorschlägt, sondern proaktiv ausführt. Hierbei kommen eigenständige Premium-Pakete mit getesteten Workflows für ganz spezifische Einsatzfelder ins Spiel: das Bob Premium Package for Java Modernization [2], das Premium Package für IBM i [3] und das Premium Package für IBM Z [4].
Aktuell sind nur Workflows verfügbar, die mit Bob und diesen drei Paketen ausgeliefert werden; mehr Möglichkeiten für die Programmierer soll es erst geben, sobald die neue API-Oberfläche sich bei den bisherigen Anwendern eingespielt hat. Für klassische AIX- und Linux-basierte Systeme auf Power-Servern agiert Bob als intelligenter Partner in der Entwicklungsumgebung (IDE, oft Visual Studio Code), der folgende Stärken ausspielen soll:
Zu den angekündigten Neuerungen der agentenbasierten Software-Entwicklungsplattform [5] gehören Multi-Agenten-Funktionen, integrierte KI-Analysen zu Kosten und Nutzung sowie vorgefertigte, spezialisierte Workflows zur Modernisierung von Legacy-Software, zum Beispiel COBOL- oder RPG-Programmen.
Versprochen wird ein Tool, das die Absichten, die spezifische Codebasis und die eigenen Standards desjenigen Unternehmens „versteht“, in dem es zum Einsatz kommen soll. Dazu kann man in den „Architekten-Modus“ wechseln, wenn es darum geht, komplexe Software-Systeme zu entwerfen, oder aber auch im „Code-Modus“ mit dem KI-System arbeiten, um schneller beim Codieren voranzukommen oder effizient Entwicklungsschritte zu iterieren.
Bob kann laut Hersteller die Codebasis „lesen“ und „verstehen“, Frameworks modernisieren, Refactorings in großem Maßstab durchführen und Software unter Berücksichtigung des gesamten Kontexts auf neue Plattformen migrieren. Mit eingebautem Fachwissen zu Standards wie FedRAMP, HIPAA oder PCI kann die Bereitstellung von sicherem, produktionsreifem Code schneller erfolgen, so das Versprechen.
Die neue Version bringt aber auch erhebliche Änderungen am bisherigen Produkt mit sich, sowohl hinsichtlich der architektonischen Grundlagen, als auch der Funktionen, die den Anwendern zur Verfügung stehen. Bob 2.0 basiert nunmehr auf einer dreistufigen Architektur: den Agenten, dem sogenannten „Harness“ und den Clients.
Ein Agent bietet Funktionen zur Schlussfolgerung und Codegenerierung, während der „Harness“ zusätzlich Aufgaben wie Authentifizierung, Protokollierung und Telemetrie übernimmt. In der KI-Welt liefert ein Harness die Software-Infrastruktur [6], die ein Sprachmodell (wie etwa ein LLM) umgibt und es diesem ermöglicht, eigenständig Aufgaben auszuführen, anstatt nur Fragen zu beantworten. Bei einem Harness wird auch gern die Analogie zum vom Reiten bekannten Zaumzeug bemüht. Er soll dem KI-Modell Leitplanken, Tools und Kontrollmechanismen wie menschliche Freigaben zur Verfügung stellen, damit die KI sicher und fokussiert arbeiten kann.
Diese einheitliche Basis ist eine große Veränderung gegenüber Bob 1.0, bei dem dafür jeweils unterschiedliche Technologien verwendet wurden. Deshalb konnte IBM die erste Version des Produktes zwar schneller auf den Markt bringen, doch wäre der Aufwand für die Weiterentwicklung viel größer gewesen, da jede Änderung mehrmals umgesetzt werden musste.
Nun gibt es auch vorgefertigte Workflows, die Teams an ihre eigenen Umgebungen anpassen und erweitern können, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse konsistent und überprüfbar sind – und zwar unabhängig davon, wer sie ausführt. Nutzer können nun auf „Bobalytics“ zugreifen, eine neue Funktion, mit der sie den Verbrauch überwachen, Ressourcen zuweisen und den Überblick behalten können, um die KI entsprechend ihren internen Vorgaben zu skalieren. Außerdem ist es nun für Modelle möglich, mehrere Tools in einem Durchgang anzufordern und gemeinsam auszuführen.
Zudem verwalten Subagenten den Kontext in großem Maßstab. Das ist wichtig, denn jeder explorative Schritt einer KI – sei es das Lesen von Dateien, Suchvorgänge oder Funktionsverfolgungen – kann das Kontextfenster überladen und die Kosten in die Höhe treiben. Jetzt wickeln Bob-Subagenten komplexe Aufgaben in einem isolierten Kontext ab, um schnelle Antworten zu liefern und gleichzeitig die Kosten zu kontrollieren.
Ebenfalls neu sind drei Premium-Pakete für KI-native Workflows, die strukturiert, wiederholbar, auditierbar und speziell für Umgebungen entwickelt wurden, für die andere Werkzeuge nicht ausgelegt sind.
Das Tool wird über ein eigenes Preismodell [7] abgerechnet; statt einer Token-Abrechnungen wird ein Credit-basiertes System namens Bobcoins (Preisübersicht) [8] genutzt. Ein Bobcoin entspricht 0,50 US-Dollar (bzw. rund 0,45 Euro) und wird gemäß der jeweiligen Aufgabenkomplexität abgerechnet. Der Einstiegspreis für Bob Pro liegt bei 20 US-Dollar (40 Bobcoins) pro Monat.
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In der Episode diskutiert Eberhard Wolff mit Dr. Felix Sühlmann-Faul über digitale Souveränität und die Bedeutung des PRIVA SCORE für Architekturentscheidungen.
Digitale Souveränität und Datenschutz gelten vielen Entwicklern als lästige Pflicht, als Hemmschuh für schnelle Umsetzung. Der Techniksoziologe Dr. Felix Sühlmann-Faul sieht das anders: Für ihn sind beide Themen eine Voraussetzung für demokratische Handlungsfähigkeit – und ganz praktisch für die Software-Architektur. In dieser Episode spricht Eberhard Wolff mit Sühlmann-Faul über die Auswirkungen dieses Themenkomplexes und über den von ihm entwickelten PRIVA SCORE.
Felix Sühlmann-Fauls [1] Verständnis von digitaler Souveränität ist stark praxis- und organisationsorientiert. In einem Blogbeitrag beschreibt er sie als die Kontrolle über eigene Daten und digitale Prozesse. Datensouveränität überschneidet sich für ihn eng mit dem Konzept der informationellen Selbstbestimmung: Die Einzelperson müsse entscheiden können, wem sie Daten übergebe, was die empfangende Institution damit mache und zu welchem Zweck. Open-Source-Software bezeichnet er dabei nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern als effektivsten Weg zu mehr Souveränität – und skizziert einen phasenweisen Migrationsansatz, der mit einer Bestandsaufnahme beginnt und über Pilotprojekte bis zur Umstellung geschäftskritischer Systeme reicht.
Kern des Gesprächs ist der PRIVA SCORE, den Sühlmann-Faul unter anderem im Rahmen seiner Dissertation entwickelt hat. Das Projekt beschreibt sich selbst als „Datenschutz-Ampel für Digitales“ und als Entscheidungshilfe für die Auswahl datenschutzfreundlicher Apps und digitaler Dienste. Für die Software-Architektur wird das Ampelsystem interessant, wenn es um die Auswahl von Werkzeugen geht: Externe Dienste wie Cloud-Speicher, Messaging, Videokonferenzen oder CRM-Systeme sind heute typische Architekturbausteine.
Eine Ampelbewertung kann Dienste mit schwacher Datenschutzbilanz faktisch disqualifizieren und Alternativen mit besserer Einstufung in den Vordergrund rücken – und damit Sourcing-Strategien beeinflussen, etwa zugunsten EU-basierter Cloud-Angebote gegenüber US-Hyperscalern oder zugunsten DSGVO-konformer Messenger. In der Governance von Softwareprojekten ließe sich ein solches Rating zudem als verbindliches Kriterium einsetzen, etwa als Mindestscore im Freigabeprozess für neue SaaS-Dienste.
Wer sich über das Livestream-Gespräch hinaus für das Thema interessiert: Sühlmann-Faul spricht bei den IT-Tagen 2026, die vom 7. bis 10. Dezember 2026 in Frankfurt stattfinden (Mit dem Code ITT26-SIS-352 erhalten Interessierte 100 Euro Rabatt auf ein Ticket).
Die Ausstrahlung findet am Freitag, 17. Juli 2026, live ab 13:00 Uhr statt. Die Folge steht im Anschluss als Aufzeichnung bereit. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite [3] einbringen.
software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, iX-Blogger und bekannter Softwarearchitekt [4], der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Zum Team gehören außerdem Lisa Maria Schäfer [5] (Socreatory) und Ralf D. Müller [6] (DB Systel). Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff, Schäfer oder Müller solo. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren berichtet heise Developer über die Episoden.
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Das aktuelle Perl geht einen weiteren Schritt in Richtung moderner Objektorientierung. Außerdem schließt Perl 5.44 drei Sicherheitslücken.
Das aktuelle Perl 5.44 erlaubt es, innerhalb von Signaturen benannte Parameter mit zugehörigen Default-Werten zu deklarieren:
sub make_colour ( :$red = 0, :$green = 0, :$blue = 0 ) { ... }
make_colour( red => 1.0, blue => 0.5 );
Wie in Raku [1] (ehemals Perl 6) werden sie mit dem Präfix : vor der Sigil gekennzeichnet. Dieser Doppelpunkt ist nicht Teil des Variablennamens, und beim Aufruf muss man die Sigil weglassen.
Benannte Parameter müssen keinen Default-Wert erhalten und sind immer optional. Das ermöglicht die Kombination mit positionalen Parametern. In diesem Fall müssen beim Methodenaufruf immer zuerst die Positionsargumente stehen. Benannte Parameter werden bis mindestens Perl 5.46 experimentell bleiben und erfordern deshalb diesen Zusatz:
use v5.44;
use experimental 'signature_named_parameters';
Neben einer langen Liste an behobenen Fehlern und einigen Performanceverbesserungen wurden auch drei Sicherheitslücken geschlossen, die einen Pufferüberlauf auslösen konnten.
Die Lücke CVE-2026-8376 [2] betrifft reguläre Ausdrücke, die aus alternativen Unicode-Zeichenketten bestehen. Mit CVE-2026-13221 [3] war das Verhalten der Befehle pack und unpack betroffen. CVE-2026-57432 [4] schlug nur bei äußerst großen regulären Ausdrücken zu, die aus mehr als 65.000 alternativen Teilausdrücken bestehen.
Bemerkenswert ist das endgültige Abschalten einer Funktionsweise, die bereits seit Perl 5.12 [5] als veraltet gekennzeichnet ist. Nun ist es endlich nicht mehr gestattet, mittels goto in Schleifen, Subroutinen und ähnliche funktionstragende Blöcke hineinzuspringen.
Eine Übersicht mit allen behobenen Fehlern, Dokumentationsänderungen, Fehlermeldungen und weiteren Interna ist in der Dokumentation zum aktuellen Release [6] einsehbar.
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Als konventionelle Spielkonsole mag die Sega Dreamcast Ende 1998 ein Flop gewesen sein. Sie hat sich allerdings als interessante Linux-Plattform für diverse Bastler herausgestellt. Einer von ihnen, Dimitry Torokhov, hat nun sogar neue Fixes in die Treiber für Maus, Tastatur und Joystick eingeführt, wie das Magazin Phoronix berichtet. Die Komponenten sind Teil des Linux Kernel 7.2-rc3.
Die neuen Treiber beheben vor allem ein paar Bugs, durch die der Kernel abstürzen konnte. Einer von ihnen ist eine Null-Pointer-Dereferenzierung, die seit 2017 ein paar Probleme bereitet. Mit dem neuen Fix sollte das nicht mehr passieren. Das betrifft zudem vor allem die offizielle Dreamcast-Tastatur und die passende Maus. Sie konnten mit ihren proprietären Analogsteckern jeweils an einen der Controller-Ports angeschlossen werden. Die Dreamcast, die standardmäßig mit einem passenden Modem kam, wurde deshalb auch oft als Websurfing-Terminal genutzt.
Eine Linux-Distribution lässt sich vor allem in Form eines bootbaren Mediums auf CD-R brennen und über das Dreamcast-Laufwerk einlesen. Auch basiert der verbaute Hitachi SH-4-Prozessor auf der SuperH-Architektur, die vom Linux-Kernel unterstützt wird. So lassen sich etwa Distributionen wie Debian auf der Spielekonsole booten.

In den meisten Fällen wird aber auf eine GUI verzichtet, da die Dreamcast nur begrenzte Ressourcen, etwa 16 MByte RAM, zur Verfügung hat. Seit Anfang der 2000er-Jahre wurde die Konsole etwa als einfacher Netzwerkrouter oder für Hardware-Experimente genutzt.
Die Dreamcast konnte zudem Windows CE berechnen, das 1999 von Microsoft sogar offiziell mit Toolkits unterstützt wurde. Die daraus gewonnenen Erfahrungen flossen später in Microsofts eigenes Konsolenprojekt: Die originale Xbox von 2001.