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Nützliches Feature: Apple-Kreditkarte zeigt Abos an

Von Heise — 24. Juli 2026 um 10:50
Einsatz einer Apple Card im Handel

Einsatz einer Apple Card im Handel.

(Bild: Apple)

Bislang gibt es die offizielle Apple-Kreditkarte nur in den USA. Dortige Nutzer bekommen dort nun mehr Transparenz über ihre Einkäufe.

Mit iOS 27 [1], das im September erwartet wird, führt Apple bei seiner hauseigenen Kreditkarte eine neue Funktion ein, die im Zeitalter der Abodienste [2] äußerst nützlich sein könnte: In der Apple Wallet werden künftig sogenannte Recurring Payments, also wiederkehrende Zahlungen, gelistet. Dabei kann man sich sogar in einem Kalender anzeigen lassen, wann die nächste Abbuchung vom Kartenkonto zu erwarten ist. Wer also die Übersicht verloren hat, wann wieder einmal eine Subskriptionszahlung fällig wird, bekommt hier eine leicht zugängliche Liste. Das Problem: Die 2019 gestartete Apple Card [3] wird nach wie vor nur in den Vereinigten Staaten (mit entsprechendem Wohnsitz) angeboten. Ob Apples neuer Zahlungspartner, JPMorgan [4], hier etwas ändert, ist noch unklar. Immerhin startete dieser mit seiner Privatkundenmarke Chase gerade in Deutschland ein Tagesgeldkonto [5].

Apple Card direkt in der Wallet eingebaut

Apple hatte versucht, die Apple Card möglichst kundenfreundlich zu gestalten, auch wenn es zwischenzeitlich am Kundenservice haperte [6], was jedoch auch am inzwischen ausgeschiedenen Partner Goldman Sachs [7] gelegen haben soll. Die Apple-Kreditkarte bietet uneingeschränkte Cash-Back-Zahlungen (zwei Prozent auf reguläre Einkäufe, drei Prozent bei Apple) und ist im Gegensatz zu den meisten konkurrierenden US-Angeboten komplett gebührenfrei. Allein die Zinsen können, sollte man die Karte nicht sinnvollerweise monatlich abbezahlen, (sehr) hoch sein.

Der Nutzungsbeginn der Apple Card gestaltet sich dank tiefer iPhone-Integration sehr einfach: Neukunden können die Karte direkt in der Apple Wallet abschließen und dann auch gleich via Apple Pay nutzen. Eine physische Karte aus Titan samt PIN wird per Post nachgeschickt, um sie auch an Verkaufsstellen ohne NFC-Funktion nutzen zu können, die jedoch auch in den USA immer seltener werden. Die Verwaltung der Karte erfolgt ebenfalls in der Apple Wallet, samt Übersicht und Zahlungseinstellungen. Ein Sparkonto (Apple Card Savings Account [8]) wird ebenfalls angeboten.

Wie die Aboübersicht für die Apple Card funktioniert

Die neue Aboübersicht für die Apple Card in iOS 27 funktioniert allerdings nur, wenn man die Karte etwas länger verwendet hat. Ob eine Zahlung „recurring“ ist, wird allein aus der Vergangenheit geschlossen. Die Apple Wallet schaut also in die Apple-Card-Historie, um daraus zu schließen, wann eine nächste regelmäßige Zahlung erfolgt. „Die angezeigten Daten und Beträge sind Prognosen, die auf Ihrem Transaktionsverlauf basieren, und sind möglicherweise nicht exakt. Regelmäßige Ausgaben werden unter Umständen fälschlicherweise als wiederkehrend angezeigt“, schreibt Apple dazu.

Der Konzern selbst kann dafür allerdings nichts: Abozahlungen werden üblicherweise nicht über ein festes System abgewickelt, bei dem Kreditkartenausgebern eine Terminliste übermittelt wird, sondern die Zahlungen werden vonseiten des Abounternehmens angestoßen. Entsprechend besteht nur die Möglichkeit, nach der Historie zu gehen. Fehlerhaft markierte Einträge können korrigiert werden.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/iOS-27-Mehr-Tempo-besserer-Schutz-neue-Siri-11321931.html
  2. https://www.heise.de/news/Prime-Video-Gericht-weist-Sammelklage-gegen-Werbung-ab-11369081.html
  3. https://www.heise.de/news/Apple-Card-Apples-iPhone-Kreditkarte-tritt-an-4501279.html
  4. https://www.heise.de/news/Goldman-ist-raus-JPMorgan-uebernimmt-Geschaeft-mit-Apple-Kreditkarte-11134185.html
  5. https://www.finanztip.de/daily/chase-mit-4-tagesgeld-starkes-angebot-oder-nur-zins-lockruf/
  6. https://www.heise.de/news/Apple-zur-Apple-Card-Strafe-Betreiben-faire-und-transparente-Finanzdienste-9992862.html
  7. https://www.heise.de/news/Bankhaus-Goldman-Sachs-Halbe-Milliarde-Verlust-in-Apple-Card-Sparte-9222038.html
  8. https://www.heise.de/news/USA-Apple-Sparkonto-mit-Zinssenkung-9674207.html
  9. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  10. https://www.heise.de/mac-and-i
  11. mailto:bsc@heise.de

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Dunkles Genom: Wie vermeintlicher DNA-Müll die Medizin revolutioniert

Von Telepolis — 24. Juli 2026 um 12:00
Aus Farbflächen gebilder Mensch, der zur Seite in farbige Banden aufgelöst wird, wie sie bei der Gensequenzierung entstehen

(Bild: natrot, shutterstock)

98 Prozent unserer DNA galten lange als Müll. Nun zeigt sich: Das dunkle Genom steuert Krankheiten. Erste Therapien sind aber noch Jahrzehnte entfernt.

Als Wissenschaftler im April 2003 das menschliche Genom entschlüsselt hatten, waren sie verblüfft. Nach 13 Jahren Arbeit und – nach heutigen Preisen – rund 2,5 Milliarden Euro Kosten offenbarte sich eine überraschende Wahrheit: Nur etwa zwei Prozent unserer drei Milliarden DNA-Bausteine enthalten Anleitungen für Proteine.

Die restlichen 98 Prozent wurden zunächst als "Junk-DNA" abgetan – genetischer Müll ohne erkennbaren Nutzen. Diese Einschätzung erwies sich jedoch als spektakulärer Irrtum.

Heute wissen Forscher: Das dunkle Genom stellt ein komplexes Steuerungssystem [1] dar, das reguliert, wann und wie stark unsere Gene arbeiten.

Transposone: Wie springende Gene die Evolution prägten

Den Löwenanteil von etwa 50 Prozent aber bilden sogenannte Transposone [2] – springende Gene, die ihre Position im Erbgut wechseln können. Die Biologin Barbara McClintock entdeckte diese springenden Gene bereits 1944 bei der Untersuchung von Mais. Erst 1983 erhielt sie für ihre Entdeckung den Nobelpreis.

Heute ist klar: Diese genetischen Relikte haben die Evolution teils maßgeblich geprägt. Ein Transposon könnte zum Beispiel für den Verlust des Schwanzes bei den Vorfahren der Menschenaffen verantwortlich sein, was wiederum zur Entwicklung des aufrechten Gangs führte.

Endogene Retroviren: Uralte Virenreste formen die Plazenta

Das dunkle Genom besteht zum Teil aber auch aus Überbleibseln uralter Eindringlinge; konkret von virusähnlichen Elementen: Etwa fünf Prozent sind Reste ehemaliger Retroviren [3], die sich vor Jahrmillionen in das Erbgut unserer Vorfahren eingenistet haben.

Noch erstaunlicher: Säugetiere haben sich virale Gene angeeignet, um Plazenten zu bilden, das Organ, das Föten mit allem Lebensnotwendigen versorgt. Verschiedene Säugetiergruppen haben für ihre Plazenten jeweils unterschiedliche Virengene gekapert – ein Prozess, der sich mehrfach unabhängig voneinander ereignete.

TAF1-Gen und XDP: Wenn die Gen-Steuerung versagt

Diese uralten Virenreste in unserem Erbgut sind normalerweise stillgelegt. Doch wenn diese Kontrolle versagt, können sie Krankheiten auslösen. Auf der philippinischen Insel Panay tritt etwa eine unheilbare Bewegungsstörung XDP besonders häufig auf. Genetiker fanden heraus, dass alle Betroffenen eine einzigartige Variante des Gens TAF1 tragen – mit einem Transposon mittendrin, das die Genfunktion auf schädliche Weise reguliert.

Auch bei chronischen Krankheiten spielt das dunkle Genom eine zentrale Rolle. Genomweite Assoziationsstudien, die nach genetischen Variationen bei großen Personengruppen suchen, zeigen: Die meisten mit Alzheimer, Diabetes oder Herzkrankheiten verbundenen Variationen liegen nicht in den proteinkodierenden Bereichen, sondern im dunklen Genom.

Denn das dunkle Genom produziert sogenannte nicht-kodierende RNAs. Die dirigieren, wie unser Genom auf die Umwelt reagiert. Wenn wir dem dunklen Genom durch Rauchen, schlechte Ernährung oder Bewegungsmangel dauerhaft falsche Signale geben, können diese RNA-Moleküle den Körper in einen Krankheitszustand versetzen [4].

VHL-Gen: Wie reaktivierte Retroviren Tumorzellen bekämpfen

In Krebszellen gerät das dunkle Genom besonders durcheinander. Bei Nierenkrebs wird zum Beispiel ein Gen namens VHL beschädigt, das normalerweise als Sauerstoffsensor der Zelle fungiert. Die Folge: Die Krebszelle erhält also fälschlicherweise das Signal, es herrsche Sauerstoffmangel. Dieser Fehlalarm aktiviert Teile des dunklen Genoms, insbesondere endogene Retroviren.

Und diese reaktivierten Virenreste dienen als rote Flaggen für das Immunsystem, das es wie echte Viren bekämpft. Und während das Immunsystem das tut, zerstört es gleichzeitig die Krebszellen.

Bleibt die Frage, ob und wenn ja wie sich dieser Mechanismus therapeutisch nutzen lässt. Mehrere Unternehmen entwickeln bereits Krebsimpfstoffe, die gezielt Proteine aus dem dunklen Genom angreifen. Es kann aber noch Jahrzehnte dauern, diese neuen Erkenntnisse in praktische Therapien umzusetzen.

Präzisere Medizin mit weniger Nebenwirkungen

Auch in anderen Bereichen eröffnet das dunkle Genom neue Möglichkeiten. Forscher untersuchen, ob reaktivierte Virenelemente im Blut als Frühwarnsystem für Krebs dienen könnten. Andere prüfen, ob schädliche endogene Retroviren stumm geschaltet werden können, um Autoimmunerkrankungen zu behandeln.

Endogene Retroviren wurden auch mit altersbedingten Entzündungen in Verbindung gebracht. Es wurde sogar schon vorgeschlagen, antiretrovirale Therapie zu nutzen, um Alterung und altersbedingte Entzündungen zu verlangsamen.

Die Erkundung geht weiter

Aber noch sind die grundlegenden Regeln, wie die verschiedenen Elemente des dunklen Genoms miteinander kommunizieren und Genaktivität regulieren, weitgehend unbekannt. Ebenso rätselhaft bleibt, wie sich komplexe Wechselwirkungen über lange Zeiträume in Krankheitsmerkmale verwandeln.

Aber es existieren mittlerweile Werkzeuge, um dies zu untersuchen. Eines dieser Werkzeuge ist die Geneditierung. Diese wird zum Beispiel genutzt, um mehr über die Entstehung der Bewegungsstörung XDP zu lernen, indem es die TAF1-Gen-Transposon-Insertion in Mäusen nachbildet.

Ein noch ehrgeizigeres Projekt sieht vor, synthetische DNA-Stücke von Grund auf zu bauen und in Mauszellen einzupflanzen. Die Reise in die Tiefen unseres Erbguts hat gerade erst begonnen. Was einst als genetischer Müll galt, entpuppt sich als Schatzkammer der Evolution – und möglicherweise als Schlüssel zu neuen Therapien.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://nashbio.com/blog/clinical-genomics/unveiling-the-secrets-of-the-dark-genome-a-journey-into-the-hidden-depths-of-human-dna/
  2. https://www.nature.com/scitable/topicpage/transposons-the-jumping-genes-518/
  3. https://www.crick.ac.uk/news/2025-10-02_hello-from-the-dark-genome
  4. https://www.bbc.com/future/article/20230412-the-mystery-of-the-human-genomes-dark-matter

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Chinas nukleare Triade: Wie Peking das globale Machtgefüge verschiebt

Von Telepolis — 24. Juli 2026 um 11:30
Eine Rakete aus dem Meer

Start einer seegestützten ballistischen Rakete im Pazifik, Anfang Juli 2026.

(Bild: Chinesische Marine)

Stiller Test, laute Botschaft: Peking schließt die letzte Lücke seiner nuklearen Triade. Warum dies die Machtsymmetrie empfindlich verschiebt. Eine Analyse.

Der chinesische Drache zeigt seine Zähne. Anfang Juli 2026 feuerte [1] die Volksbefreiungsarmee erstmals eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete mit Übungssprengkopf von einem Atom-U-Boot aus in den Pazifik – und demonstrierte damit, wozu ihre Atomstreitkräfte künftig fähig sein sollen.

Der Test, den Peking als Erfolg wertet [2], war in eine Marineübung eingebettet, die parallel zu gemeinsamen Manövern mit russischen Streitkräften stattfand [3]. Doch die eigentliche Botschaft reicht weiter: Der Abschuss könnte den Moment markieren, in dem China die letzte Lücke seiner nuklearen Abschreckung schließt.

Auffällige Vorwarnung

Der Übungsgefechtskopf sei "präzise im vorgesehenen Seegebiet" eingeschlagen, erklärte [4] Marinesprecher Wang Xuemeng über den offiziellen WeChat-Kanal der Marine. Der Abschuss sei Teil der regulären Jahresausbildung gewesen [5], völkerrechtskonform und nicht gegen einzelne Staaten gerichtet.

Dennoch löste [6] die Übung in der Region heftige Reaktionen aus. Japan, Australien und Neuseeland übten [7] scharfe Kritik. China betonte [8] jedoch, alle betroffenen Staaten vorab informiert zu haben – dies wurde unter anderem von Papua-Neuguineas Außenminister Justin Tkatchenko bestätigt. Neuseeland reagierte [9] erst im Nachhinein und erklärte [10], Wellington sei "zutiefst besorgt über Chinas Tests atomwaffenfähiger Waffen".

Auffällig ist, dass Peking den Test überhaupt öffentlich bestätigte – solche Vorgänge wurden in der Vergangenheit mindestens unkommentiert gelassen. Die ungewöhnliche Offenheit deutet auf eine bewusste, auf Außenwirkung orientierte Kommunikation hin.

Hier liegt die Brisanz: Erstmals ist öffentlich dokumentiert, dass Chinas strategische Atom-U-Boote Raketen abfeuern können [11] – der Beleg für eine einsatzfähige nukleare Zweitschlagfähigkeit zur See.

Washington reagierte alarmiert [12] und warf Peking vor, sein Atomarsenal schnell und intransparent auszubauen; die Vorwarnzeit für den Test sei unzureichend gewesen – obwohl Dritte die Vorab-Information bestätigt hatten. Noch unmittelbarer betroffen zeigte [13] sich Taipeh: Die Rakete soll über den westlichen Pazifik geflogen sein, jenen Raum also, über den im Krisenfall US-Verstärkung für die Insel anlaufen müsste.

Historischer Schritt

So sehr sich die chinesische Militärführung bemühte, den Vorgang als Routine herunterzuspielen – so außergewöhnlich ist er. Erst zum dritten Mal überhaupt schoss [14] Peking eine Langstreckenrakete in den Pazifik.

Frühere chinesische Interkontinentalraketentests erfolgten [15] über steile Flugbahnen innerhalb Chinas und erlaubten keine vollständige Erprobung realer Einsatzbedingungen. Der Test könnte somit auch der Validierung von Navigationssystemen, Flugbahn, Zielgenauigkeit sowie der Erfahrung des realistischen Wiedereintritt in die Atmosphäre gedient haben.

China rückt damit insgesamt jedoch deutlich näher [16] an eine reale nukleare Triade. Offiziell verfügte [17] Peking bereits über Land- (DF-31AG, DF-41 [18]), See- (Typ-094-U-Boote mit JL-2, künftig Typ-096 mit JL-3) und Luftkomponente (H-6N [19] mit nuklearfähiger Marschflugkörper) – doch die seegestützte Komponente galt [20] bislang als schwächstes Glied.

Entscheidend bei der Triade ist, dass selbst wenn ein Gegner mit einem Erstschlag Teile der Atomstreitkräfte zerstört, mindestens eine Komponente einsatzfähig bleiben und zurückschlagen können muss – nur so wird ein nuklearer Angriff unattraktiv [21].

Bislang existierten [22] kaum öffentlich bekannte Tests einer chinesischen JL-2 oder JL-3 von einem tatsächlich operierenden U-Boot. Hinzu kamen [23] amerikanische Vermutungen, der U-Boot-Typ 094 sei lauter als seine russische oder amerikanische Konkurrenz, sowie Zweifel an der Raketen-Reichweite.

Zweitschlag unter Wasser

Entscheidend aktuell ist dennoch nicht allein die Rakete, sondern die Abschussplattform. Ein Start von einem strategischen Atom-U-Boot gilt als wesentlich anspruchsvoller als von Land, weil Kommunikation, Feuerleitsystem, Navigation, Raketenausstoß in großer Tiefe sowie die Stabilität des Bootes ineinandergreifen müssen.

Sicherheitsexperte Collin Koh analysiert [24], wonach gerade Startverfahren, Feuerleitung und Führungs- und Kontrollsysteme (C3) entscheidend seien, um eine glaubwürdige seegestützte Nuklearabschreckung aufzubauen. Der Test lässt somit erstmals darauf schließen, dass Peking dem gewachsen ist.

Der militärische Wert liegt im Sinne eines "Gleichgewicht des Schreckens" darin, dass sie auch nach einem gegnerischen Erstschlag unentdeckt bleiben und anschließend zurückschlagen können. Experten interpretieren [25] die jüngste Entwicklung daher als wichtigen Schritt hin zu einer glaubwürdigeren chinesischen Zweitschlagfähigkeit.

Detailfrage mit Sprengkraft

Unklar bleibt, welcher Raketentyp getestet wurde. Der Generalsekretär des taiwanischen Nationalen Sicherheitsrats vermutet [26] eine ältere, leistungsschwächere JL-2; auch Bildanalysen des veröffentlichten Materials deuten [27] darauf hin.

Chinesische Staatsmedien und Militärexperten gehen hingegen [28] von der moderneren JL-3 aus, deren Reichweite auf 10.000 bis 12.000 Kilometer geschätzt wird. Sie würde es chinesischen U-Booten erlauben, Ziele auf dem US-Festland aus relativ geschützten Gewässern nahe der eigenen Küste zu erreichen. Dafür spricht [29], dass die JL-3 sich derzeit auf modernisierten Typ-094A/Jin-Klasse-Booten in der Einführung befindet und China zuletzt gehäuft und politisch forciert stets sein modernstes Gerät präsentierte.

Ein eindeutiger Nachweis fehlt bislang, verspricht aber zusätzlichen strategischen Zündstoff: Bereits 2024 warnte [30] der Pentagon-Bericht vor genau jener Schwelle, die mit einer erprobten JL-3 erreicht wäre. Die Marine der Volksbefreiungsarmee ließ Fragen zum genauen Typ bislang womöglich bewusst unbeantwortet.

Regional, global, offensiv?

Der Test muss auch vor dem größeren Panorama einer sich verändernden chinesischen Marinedoktrin [31] gelesen werden: China baut seine Marine von einer Küstenflotte zu einer global operierenden Streitmacht aus. Dennoch kann die maritime Strategie unter dem Motto "Near Seas Defense, Far Seas Protection" als Vorwärtsverteidigung zur Sicherung von Frieden und Freihandel gelesen werden [32]– auch der aktuelle Test kann als Zweitschlagfähigkeit defensiv dargestellt werden.

Ob das der Realität entspricht, darf angesichts der Rüstungsspirale im Indopazifik und der aufziehenden, sich verschärfenden Großmächtekonkurrenz bezweifelt werden. Im Sinne einer realistischer oder defensiv-neorealistischen [33] Abschreckungstheorie lässt [34] sich der Aufbau von Zweitschlagskapazitäten auch als Beitrag zu einem Gleichgewicht des Schreckens und einer aktiven Friedenssicherung deuten.

Bigotterie und Realismus

Die eigentliche Ironie liegt nicht im Militärischen, sondern im Politischen: Ausgerechnet jene Staaten, die ihre Militärpräsenz im Pazifik seit Jahren ausbauen und als Beitrag zur globalen "Stabilität" anpreisen, reagieren nun empört, wenn Peking Fähigkeiten demonstriert, über die sie selbst längst verfügen.

Die Folgen zeichnen sich ab: In Taipeh dürfte der Test die Furcht vertiefen, dass sich das Kräfteverhältnis zu Ungunsten der Insel verschiebt. In Washington wächst derweil der Druck, die U-Boot-Jagd und die Raketenabwehr auszubauen und Japan, Australien und die Philippinen militärisch enger einzubinden – die klassische Rüstungsspirale, die solche Demonstrationen regelmäßig beschleunigen, statt sie zu verhindern.

Der Juli-Test ist also weit mehr als ein erfolgreicher Raketenabschuss: Er macht Chinas nukleare Abschreckung zur vollständigen strategischen Realität. Dass die Unruhe in den westlichen Hauptstädten größer war als alles, was ein einzelner Einschlag im Pazifik rechtfertigt, zeigt: Dort hat man verstanden, was sich verschoben hat. Ein Land, dessen Atomwaffen einen Erstschlag überstehen, lässt sich nicht mehr erpressen. Ein Krieg gegen China ist seit diesem Juli eine andere, unkalkulierbarere Rechnung.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.n-tv.de/politik/China-feuert-Rakete-in-den-Pazifik-Nachbarstaaten-ueben-Kritik-id31054222.html
  2. https://www.merkur.de/politik/china-demonstriert-neue-nuklearfaehigkeit-raketentests-im-pazifik-schockieren-verbuendete-zr-94385794.html
  3. https://www.tagesspiegel.de/internationales/pazifik-anrainer-protestieren-china-testet-interkontinentalrakete-aus-u-boot-15804820.html
  4. https://www.reuters.com/world/china/china-test-fires-missile-into-pacific-alarming-regional-powers-2026-07-06/
  5. https://www.tagesschau.de/ausland/asien/china-russland-militaermanoever-100.html
  6. https://apnews.com/article/china-missile-test-submarine-36963889390c8a08079165d8a63e4960
  7. https://www.merkur.de/politik/china-demonstriert-neue-nuklearfaehigkeit-raketentests-im-pazifik-schockieren-verbuendete-zr-94385794.html
  8. https://english.aawsat.com/world/5292645-china-test-launches-ballistic-missile-submarine-south-pacific
  9. https://www.dw.com/de/china-raketentest-pazifik-atomsprengkopf-australien-japan-neuseeland-manoever-russland-marine/a-77847814
  10. https://www.theguardian.com/world/2026/jul/06/china-missile-test-south-pacific
  11. https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-07/china-raketentest-atom-u-boot-pazifik-australien-japan-gx
  12. https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/china-gave-little-notice-detail-us-before-july-6-missile-test-state-dept-2026-07-08/
  13. https://wtop.com/world/2026/07/chinas-ballistic-missile-launch-was-a-message-for-the-us/
  14. https://responsiblestatecraft.org/china-submarine-launched-ballistic-missile/
  15. https://www.fr.de/politik/ziel-augenhoehe-mit-den-usa-china-testet-erste-interkontinental-rakete-seit-44-jahren-zr-93320938.html
  16. https://www.csis.org/analysis/chinas-slbm-test-underscores-importance-ballistic-missile-launch-notification-agreement
  17. https://en.wikipedia.org/
  18. https://www.globalmilitary.net/compare/missiles/df-31-vs-df-41/
  19. https://de.wikipedia.org/wiki/Xian_H-6
  20. https://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot_mit_ballistischen_Raketen
  21. https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/zmsbw-dossier-ukraine-heinemann-abschreckung-5408602
  22. https://chinapower.csis.org/ssbn/
  23. https://fas.org/publication/the-pentagons-2020-china-report/
  24. https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/missile-test-showcases-sensitive-chinese-submarine-capabilities-key-nuclear-2026-07-10/
  25. https://responsiblestatecraft.org/china-submarine-launched-ballistic-missile/
  26. https://www.nonproliferation.eu/hcoc/chinas-latest-slbm-test-in-the-pacific/
  27. https://www.janes.com/defence-intelligence-insights/defence-news/defence/special-report-chinese-slbm-test-underscores-sea-based-nuclear-deterrent-capability
  28. https://www.asianmilitaryreview.com/2026/07/chinese-submarine-fires-ballistic-missile-into-pacific-ocean-foc/
  29. https://www.armscontrol.org/act/2023-05/news/china-deploys-new-submarine-launched-ballistic-missiles
  30. https://fas.org/publication/the-2024-dod-china-military-power-report/
  31. https://www.telepolis.de/article/Chinas-neue-U-Boot-Klasse-Die-stille-Herausforderung-fuer-Amerika-11213419.html
  32. https://ssdpaki.la.coocan.jp/en/proposals/121.html
  33. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-94-6265-419-8_1
  34. https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/papers/2009/P6468.pdg

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Ein Novum: "KI-Strafprozess" mit Mordanklage in Athen

Von Telepolis — 24. Juli 2026 um 09:00
Buchstaben K und I gehen über in Lupe und Handschellen

Erstmals stützt sich eine Mordanklage in Athen nur auf KI-Analysen. Doch die Technik hinterlässt Zweifel: Ein Beschuldigter saß zur Tatzeit in Haft.

Den Griechen steht der erste große KI-Prozess bevor. Ein aufsehenerregender Kriminalfall, bei dem sich die Anklage ausschließlich auf durch die künstliche Intelligenz gefundene Beweise stützt. Die fraglichen Taten und Verbrechen liegen sechzehn Jahre zurück.

Am 5. Mai 2010 demonstrierte gefühlt ganz Griechenland gegen die ersten Sparmaßnahmen, die der Staatspleite folgten. Die Gewerkschaften GSEE, ADEDY und PAME hatten zum Generalstreiktag mit einem Marsch zum Parlament am Syntagma-Platz aufgerufen. Rund 150.000 Menschen befanden sich demonstrierend im Zentrum Athens.

Drei Tote nach Brandanschlag von 2010

Doch nicht alle streikten. Im renovierten neoklassizistischen Gebäude der Marfin-Egnatia-Bank in der Stadiou-Straße 23 mussten die Bankangestellten zum Dienst antreten. Der Notausgang zum Hinterhof des Gebäudes war verriegelt, der Aufgang zum Flachdach auch.

Quer gegenüber war die Ianos-Buchhandlung geöffnet. Dorthin flüchtete gegen 13 Uhr der Journalist Ilias Provopoulos, dessen Kamera die wichtigsten Beweise liefern sollte. Wie er berichtete, kam es in der Nähe der Buchhandlung zu Vorfällen, bei denen Gruppen vermummter Männer mit der Polizei zusammenstießen. Daraufhin suchten er und andere Bürger in der Buchhandlung, die im ersten Stock ein Café beherbergt, Schutz vor dem Tränengas.

Es war 14:00 Uhr, als sich elf vermummte Männer vom Demonstrationsmarsch abspalteten und Molotowcocktails auf das Bankgebäude warfen. Die Schaufensterscheibe wurde mit einem Vorschlaghammer eingeschlagen. Brennbare Flüssigkeit wurde hineingegossen und trotz des Flehens der Bankangestellten wurden brennende Molotow-Cocktails hineingeworfen.

Der Eingang des dreistöckigen Gebäudes stand fast sofort in Flammen. Dichter, schwarzer Rauch erfüllte das gesamte Gebäude. Angestellte und Kunden im Erdgeschoss versuchten, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Angestellten im obersten Stockwerk hatten keine Zeit mehr zur Flucht. Laut Zeitungsbericht waren die Zwischentüren der Stockwerke aus Angst vor einem Eindringen von Demonstranten in die Bank verschlossen worden. Angeliki Papathanasopoulou (32 Jahre, im vierten Monat schwanger), Epaminondas Tsakalis (36 Jahre) und Paraskevi Zoulias (35 Jahre) wurden tot geborgen. Sie waren im dritten Stock des Gebäudes von den Flammen eingeschlossen und erstickt.

Beweisfotos, die ohne KI nur Vermummte zeigen

Provopoulos gelangen bei mehr als 200 Digitalaufnahmen sechs entscheidende Fotos. Als Reporter mit Demonstrationserfahrung waren ihm die späteren Brandstifter frühzeitig aufgefallen. Er konnte sie keiner der ihm bekannten Gruppen zuordnen und drückte vom ersten Stock der Buchhandlung aus auf den Auslöser seiner Kamera.

Die Fotos gelangten noch am selben Nachmittag zu den Strafverfolgern. Diese konnten jedoch nicht viel damit anfangen. Denn die Abgebildeten waren vermummt.

Obwohl sich die Strafverfolger sechzehn Jahre lang um Aufklärung bemühten, kamen sie vor der Einführung der KI keinen Schritt weiter. Sie wussten lediglich, wer von den fotografierten Vermummten zur Gruppe gehörte.

Die Strafverfolger nummerierten sie: "8", der das Fenster einschlug, analog dann "2", der den Benzinkanister entleerte und ins Gebäude warf. "3", der das Feuer legte. "4", der neben den anderen stand, und so weiter.

Tatsächlich ging der Polizei vor einigen Jahren einer aus der Gruppe ins Netz. Nur wusste das damals niemand. Der Mann wurde wegen eines geplanten Bombenanschlags verhaftet. Dabei beschlagnahmten die Fahnder einen Laptop mit zahlreichen Fotos. Unter diesen Fotos war eine Gruppe von Freunden des Verhafteten im Urlaub.

Die Bilder waren rund ein Jahr vor den Ereignissen rund um die Marfin-Bank auf der Insel Ikaria entstanden. Zu Hilfe kam den Polizisten der als "griechisches FBI" genannten Spezialeinheit eine vor rund 15 Monaten am 8. April 2025 abgeschickte, verschlüsselte, anonyme Email.

Darin stehen die Namen von Verdächtigen und unter anderem:

"Herr Staatsanwalt, seit 16 Jahren trage ich ein Geheimnis mit mir herum, das mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich sende es Ihnen, weil ich einerseits nicht an Gerechtigkeit im Jenseits glaube und andererseits es nicht ertragen kann, dass die Mörder auch heute noch ihr Leben weiterführen, als wäre nichts geschehen."

Der Fernsehsender Mega-TV zitiert zudem:

"Ich erwarte nichts Weiteres. Wenigstens trage ich nicht dieselbe Last. Ich habe gesagt, was ich für mich behalten hatte. Mal sehen, ob dieses neue FBI etwas bewirken kann oder nur das tut, was ihnen passt und einfach ist."

Die Beamten nutzten die KI zur Foto- und Videoanalyse. Videos vom 5. Mai 2010 wurden ebenso überprüft wie die Fotos von Provopoulos und auch die Fotos vom beschlagnahmten Laptop. Mittels KI wurden die Vermummungen entfernt und Gesichter rekonstruiert.

Die KI identifizierte zudem wiederkehrende Muster. Nummer "8", auch als "der Große" bezeichnet, hatte sowohl im Urlaub als auch auf der Demo einen Rucksack mit einem gemalten Logo der Punk-Gruppe Dead Kennedys. Zudem weisen die Fotos vom Rucksack gleiche Abriebmerkmale an den Reißverschlussführungen auf.

Das Gesicht von den Urlaubsfotos ist laut KI identisch mit einem möglichen rekonstruierten Gesicht des Vermummten vor der Marfin-Bank. Es handelt sich um einen 42-jährigen Mann, der nun in einem Hochsicherheitstrakt in Nafplio in U-Haft sitzt. Ihn belastet zudem die anonyme E-Mail-Nachricht, in der sein Name steht.

Ein weiterer 42-jähriger, von den Fahndern "Enaeritis" genannt, wurde auf gleiche Weise identifiziert. Auch bei ihm war der Rucksack im Urlaub und auf der Demo dabei. Zudem trug er laut KI die exakt gleichen Schuhe. Die beiden Rucksäcke wurden auch auf älteren Fotos der Verdächtigen aus dem Jahr 2008 identifiziert.

"Enaeritis" heißen in Griechenland spezialisierte Handwerker, die in großen Höhen (z. B. an Wohnhäusern, Strommasten, Bäumen) mit spezieller Sicherheitsausrüstung und Seilen, aber ohne Gerüste arbeiten. Die Dritte im Bunde der nun Verhafteten sitzt noch in Abschiebehaft im Vereinigten Königreich. Die 46-Jährige arbeitet am Gatwick-Airport in London, wohin sie ausgewandert war.

Bei ihr stützt sich die KI auf weniger Details bei der Kleidung oder Ausstattung. Einzig der Körpertyp und die Technik des geflochtenen Zopfs dienen den Beamten als Beweis. Sie selbst stimmt ihrer Auslieferung zu und ist zuversichtlich, ihre Unschuld beweisen zu können.

Wie treffsicher ist die KI?

Vonseiten der Anwälte der Verhafteten werden die KI-Beweise ernsthaft infrage gestellt. Die künstliche Intelligenz würde nicht die Präsenz der Angeklagten, sondern lediglich von ihnen zugeordneten Gegenständen beweisen, heißt es.

Hinsichtlich der wegen Verjährung übriger Straftaten einzig möglichen Anklage wegen Mordes gibt es offenbar noch ein weiteres Problem. Einer der beiden 42-jährigen, Polykarpos Georgiadis, wandte sich per Brief über die anarchistische Mediengruppe OmniaTV an die Öffentlichkeit.

Der bekannte Anarchist schreibt von einem Komplott. Er gibt zu, dass sein Name zweifelsfrei in der anonymen E-Mail steht. Allerdings gäbe es ein physisches Problem, das ihn als Täter ausschließe. Er habe vom August 2008 bis September 2013 im Zuchthaus Korydallos eingesessen [1] und könne deshalb unmöglich am 5. Mai 2010 bei der Brandstiftung dabei gewesen sein.

Die Anwälte der Beschuldigten sehen daher politische Motive hinter der aktuellen Strafverfolgung.

Unabhängig davon müssen Ermittler und Staatsanwalt den Richtern beweisen, dass die KI als Indizienlieferant glaubwürdig ist. Denn allein auf die anonyme E-Mail-Nachricht kann sich keine Anklage stützen.

Es dürfte angesichts der bereits jetzt bekannten Widersprüche ein interessanter Prozess werden. Zumindest für die Anordnung der Untersuchungshaft scheinen Haftrichter und Staatsanwalt der KI mehr zu vertrauen als den Daten der größten Haftanstalt des Landes.


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https://www.heise.de/-11373023

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  1. https://www.efsyn.gr/ellada/1428724/marfin-ti-dilonei-o-polykarpos-georgiadis-gia-tin-emploki-toy-sti-dikografia-anonyma-email-kai-sfaires-sto-psahno/

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Kimi K3: Chinesische KI findet mehrere Zero-Day-Lücken in redis-Datenbank

Von Heise — 24. Juli 2026 um 11:47
Ai-powered,Automated,Debugging,Or,Troubleshooting.,Artificial,Intelligence,Diagnostics,And,Detection.

Die Buchstaben AI umfliegen Haken und Warndreiecke.

(Bild: tadamichi/Shutterstock.com)

Ein IT-Forscher hat mit der chinesischen KI Kimi K3 mehrere Zero-Day-Lücken in der redis-Datenbank entdeckt. Updates bestätigen die Funde.

Die Entwickler der quelloffenen In-Memory-Datenbank redis haben aktualisierte Versionen veröffentlicht, die mehrere Schwachstellen darin schließen. Sie bestätigen damit Sicherheitslücken, die ein IT-Forscher mit der chinesischen KI Kimi K3 gefunden hat. Die steht in Konkurrenz zu den aktuellen Spitzenmodellen von OpenAI und Anthropic [1] und beweist damit nun, dass sie tatsächlich Schwachstellen aufspüren kann.

Der User „Chaofan Shou“ hat auf X [2] gepostet, dass er mit der KI des chinesischen Start-ups Moonshot AI in 90 Minuten insgesamt 19 Zero-Day-Schwachstellen in der bis dahin aktuellen Fassung 8.8.0 der redis-Datenbank gefunden hat. Kimi K3 hat dabei auch Proof-of-Concept-Code (PoC) erstellt, um das Ausnutzen der Lücken zu demonstrieren. Shou hat ein GitHub-Repository mit den PoCs [3] veröffentlicht.

In der Nacht zum Freitag hat das redis-Projekt nun mehrere aktualisierte Versionen veröffentlicht, die zumindest Teile der vorgestellten Sicherheitslecks stopfen. redis 8.8.1, 8.6.5, 8.4.5, 8.2.8, 7.4.10, 7.2.15 und 6.2.23 [4] bessern mehrere der Schwachstellen aus. Die Entwickler bestätigen damit die Sicherheitslücken, im Beispiel etwa für den Exploit „P88W“ [5] aus dem Schwachstellenrepository.

Updates zügig anwenden

Eine Einordnung des Schweregrads der Lücken sowie etwa CVE-Schwachstelleneinträge fehlen derzeit noch. Allerdings macht es der verfügbare Proof-of-Concept-Code Angreifern leichter, die Sicherheitslecks zu missbrauchen. IT-Verantwortliche sollten daher zügig auf die aktualisierte redis-Version ihres eingesetzten Entwicklungszweigs updaten. Quellcode steht bereit, die Linux-Distributionen dürften kurzfristig ebenfalls Aktualisierungen in der Softwareverwaltung bereitstellen.

Die Kimi-K3-KI von Moonshot AI erfährt eine große Nachfrage. Der Anbieter hat neue Abonnements aufgrund von GPU-Engpässen vorerst gestoppt. Der Beleg, dass Kimi K3 Schwachstellen aufspürt und Exploit-Code erzeugt, dürfte das Interesse daran weiter wachsen lassen. Das war bislang Domäne etwa von Anthropics Mythos oder Fable [6] oder OpenAIs Codex Security [7].


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https://www.heise.de/-11377360

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Chinas-neuer-KI-Riese-Moonshot-AI-fordert-US-Dominanz-heraus-11369310.html
  2. https://x.com/Fried_rice/status/2080190071102460108
  3. https://github.com/berabuddies/redis-poc
  4. https://github.com/redis/redis/releases
  5. https://github.com/RedisBloom/RedisBloom/pull/1038
  6. https://www.heise.de/news/Anthropic-veroeffentlicht-Claude-Mythos-5-als-Fable-5-mit-Einschraenkungen-11326637.html
  7. https://www.heise.de/news/OpenAI-startet-Vorschau-auf-KI-Schwachstellenscanner-Codex-Security-11203826.html
  8. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Claude Code erhält Zugriff auf iPhone-Simulator

Von Heise — 24. Juli 2026 um 10:19
Anthropic Claude Logo auf Handy

Claude und iPhone: Ein Paradies für Vibecoder?

(Bild: gguy/Shutterstock.com)

Im App Store landen immer mehr Apps, die per Prompt entwickelt wurden. Claude Code macht es Interessierten noch ein bisschen einfacher.

Anthropic hat die macOS-Version von Claude Code aufgerüstet: Entwickler von iOS-Apps bekommen nun die Möglichkeit, das Ergebnis ihrer Prompt-Arbeiten direkt in einem Simulator-Fenster einzusehen, wie man es sonst von Xcode kennt. Aktuell wird die Integration noch als Beta tituliert, ist aber bereits clever umgesetzt: Computer Use [1], also die Erlaubnis für Claude zur direkten Steuerung des Mac, ist dafür nicht notwendig.

Claude Code CLI braucht weiter Computer Use

Technisch bedient sich Claude Code für macOS [2] beim in Xcode integrierten iOS-Simulator. Entsprechend muss Apples Entwicklungsumgebung [3] installiert sein, was bei den meisten Developern standardmäßig der Fall sein dürfte. Mit aktivem Simulator kann Claude Apps, die es laufen lässt, sehen und mit ihnen interagieren [4] – sowie die Prompt-Schritte weiter iterieren, bis das Ergebnis stimmt. Der Nutzer kann den iOS-Simulator jederzeit auch selbst nutzen, um auszuprobieren, wie sich eine App aktuell anfühlt.

Wer Claude Code per Kommandozeile im Terminal (Claude Code CLI) nutzt, ist allerdings weiterhin auf Computer Use angewiesen. Dabei bedient der Programmieragent die Maus. Sollte Xcode nach Installation keine aktiven Simulatoren anzeigen, muss zuerst die notwendige Runtime heruntergeladen werden [5] – das geht entweder in den Xcode-Einstellungen oder über das Kommando xcodebuild -downloadPlatform iOS im Terminal.

Großer Vibe-Coding-Hype im App Store

Der direkt in Claude Code integrierte Simulator dürfte die Erstellung von iOS-Apps per Vibe-Coding noch einfacher machen, als dies bislang schon möglich ist. Apples App Store wird seit der Verbreitung von Coding-Agenten wie Claude Code, OpenAI Codex oder Gemini Code Assist mit immer mehr neuen Apps konfrontiert [6], deren Qualität manchmal zu wünschen übrig lässt, da nun auch Nutzer mit wenig bis gar keiner Programmiererfahrung leicht eigene Anwendungen entwickeln können. Apple selbst integriert Vibe-Coding-Werkzeuge auch schon direkt in Xcode [7].

Erste Hinweise zur Verwendung des iOS-Simulators in Claude Code für macOS beschreibt Anthropic in einem neuen Supportdokument [8]. Achten sollte man unter anderem darauf, dass Claude Code den Simulator zwischenzeitlich automatisch herunterfährt und die Zahl der Sessions beschränkt. Auch muss man die notwendigen Permissions beachten, damit der Coding-Agent mit dem virtuellen iPhone agieren kann.


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https://www.heise.de/-11375592

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  1. https://www.heise.de/news/OpenAI-Codex-steuert-Mac-auch-in-gesperrtem-Zustand-11305646.html
  2. https://code.claude.com/docs/en/desktop-quickstart
  3. https://developer.apple.com/xcode/
  4. https://x.com/ClaudeDevs/status/2079674433854452046
  5. https://code.claude.com/docs/en/desktop-ios-simulator#the-simulator-pane-says-no-simulators-were-found
  6. https://www.heise.de/news/Vibe-Coding-Druck-auf-Apple-wegen-App-Store-Abweisungen-11280993.html
  7. https://www.heise.de/hintergrund/Prompten-statt-Coden-So-geht-das-mit-Apples-Xcode-11255049.html
  8. https://code.claude.com/docs/en/desktop-ios-simulator
  9. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  10. https://www.heise.de/mac-and-i
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Neue Programmiersprache Rhombus: Makro-Macht trifft auf lesbare Syntax

Von Heise — 24. Juli 2026 um 09:47
Stilisiert Rhomubs

(Bild: Wolf Hosbach/iX/KI)

Die neue, auf Racket basierende Sprache Rhombus erlaubt mächtige, flexible und saubere Makroprogrammierung bei einfach zu lesender Syntax.

Traditionell müssen sich Programmierer beim Thema Makroprogrammierung zwischen zwei Extremen entscheiden: einem mächtigen Makrosystem oder einer leicht lesbaren Syntax. Die neue Sprache Rhombus, am 22. Juni 2026 in Version 1.0 erschienen, will beides gleichermaßen: einen einsteigerfreundlichen Blick auf einen alten Makro-Syntax-Streit und eine moderne Antwort darauf.

Rhombus [1] ist stabil und basiert auf der ausgereiften Racket-Plattform, ist als Sprache aber noch jung und hat ein kleines Ökosystem. Also eher etwas zum Erkunden als eine naheliegende Wahl für das nächste Produktionsprojekt.

Hinter Rhombus steht das Team von Racket [2], einer etablierten Sprache aus der Lisp-Familie [3], seit Jahrzehnten in Forschung und Lehre verbreitet und für ihr besonders mächtiges Makrosystem bekannt. Das Team hat Rhombus erstmals 2023 auf der angesehenen OOPSLA-Konferenz für Programmiersprachen [4] vorgestellt.

Kurz gefasst ist Rhombus eine universelle, dynamische Sprache [5] mit funktionalem Kern. Daten sind standardmäßig unveränderlich, Funktionen und Ausdrücke stehen im Mittelpunkt und Pattern Matching (das Verzweigen anhand der Struktur von Daten) zieht sich durch die ganze Sprache. Dynamisch heißt dabei, dass Typen grundsätzlich zur Laufzeit geprüft werden, wie in Python oder Ruby. Zusätzlich bringt Rhombus ein vollwertiges Klassensystem für objektorientiertes Arbeiten und optionale, geprüfte Typangaben mit. Ob Entwicklerinnen und Entwickler funktional, objektorientiert oder gemischt arbeiten wollen, bleibt ihnen überlassen.

Konzeptionell ruht Rhombus auf drei technischen Schichten.

  1. Shrubbery Notation: die Oberflächensyntax, also das, was man tippt, ist einrückungs- und whitespace-sensitiv, ähnlich wie bei Python. Ein Doppelpunkt : öffnet einen Block, ein senkrechter Strich | markiert Alternativen, und die Einrückung gruppiert zusammengehörigen Code. Diese Schicht ist bewusst generisch und wiederverwendbar gehalten.
  2. Enforestation: eine Variante des sogenannten Pratt-Parsings (ein Verfahren, das Operator-Vorrang auflöst, also etwa weiß, dass Punkt- vor Strichrechnung kommt). Der Clou: Dieses Parsing läuft während der Makro-Expansion (also während die Makros den Code umschreiben). Dadurch können selbst definierte Infix-Operatoren echte Vorrangregeln haben und trotzdem ins saubere Makrosystem eingreifen.
  3. Binding Spaces (mehrere Namensräume): Derselbe Bezeichner kann je nach Kontext etwas anderes bedeuten, etwa einen Wert, ein Bindemuster, eine Annotation (Typangabe) oder einen Operator.

Die Besonderheit: Vieles, was in anderen Sprachen fest in den Compiler eingebaut ist, ist in Rhombus eine Bibliothek: Pattern Matching, Klassen, typ-artige Annotationen und neue Kontrollstrukturen. Dieses Konzept ist dann für die einfach zu handhabende Markoprogrammierung entscheidend.

Technisch steht Rhombus auf solider Grundlage: Es läuft eben auf der Racket-Plattform, kompiliert über Chez Scheme (eine besonders schnelle Scheme-Implementierung) zu nativem Maschinencode und nutzt die etablierten Racket-Werkzeuge. Dabei ist es quelloffen und kostenlos, wahlweise unter der MIT- oder der Apache-2.0-Lizenz. Dateien tragen die Endung .rhm und beginnen mit der Zeile #lang rhombus (analog zu #lang racket).

Rhombus verhält sich also zu Racket wie Kotlin zu Java oder Elixir zu Erlang. Eine modernere Sprache auf bewährter Laufzeitumgebung.

Ein Rundgang durch den Code

Wer schon einmal programmiert hat, erkennt das meiste sofort wieder. So sieht zum Beispiel Hallo-Welt in Rhombus aus:

#lang rhombus

println("Hallo, Bob!")

Die erste Zeile #lang rhombus legt fest, in welcher Sprache die Datei geschrieben ist, danach folgt direkt der Code. Auch eine kleine Funktion bleibt übersichtlich:

#lang rhombus

fun gruesse(wen):
  "Hallo, " +& wen +& "!"

println(gruesse("Bob"))

Eine Funktion beginnt mit fun, der Doppelpunkt öffnet ihren Rumpf, die Einrückung füllt ihn (+& verbindet dabei zwei Texte). Heraus kommt „Hallo, Bob!“. Alles wirkt wie eine ganz gewöhnliche, moderne Sprache, ungefähr im Stil von Python oder Swift.

Werte definiert man mit def. Beim Rechnen lohnt ein genauer Blick: +& verbindet Text, + rechnet mit Zahlen.

#lang rhombus

def name = "Welt"
def jahr = 2026

println("Hallo, " +& name +& "!")
println(jahr + 1)

Ausgabe (als Kommentar):

// Hallo, Welt!
// 2027

Eine Funktion, wie oben im Beispiel gruesse, gibt automatisch ihren letzten Ausdruck zurück, ein return ist nicht nötig. Neu ist hier die ::-Schreibweise: Sie hängt an einen Parameter eine geprüfte Annotation, also eine Art Typangabe. a :: Int bedeutet, dass a eine ganze Zahl sein muss, und :: Int hinter der Parameterliste sagt dasselbe über den Rückgabewert. Passend zum dynamischen Charakter prüft Rhombus solche Annotationen zur Laufzeit; ein statisches Typsystem ist es also nicht.

#lang rhombus

fun addiere(a :: Int, b :: Int) :: Int:
  a + b

println(addiere(20, 22))

Ausgabe: // 42

Listen schreibt man in eckigen Klammern. Die for-Form kann zweierlei: eine neue Liste aufbauen (eine Comprehension) oder mit einem Akkumulator einen Wert aufsummieren. Ein Akkumulator ist dabei eine Sammelvariable, die in jedem Durchlauf einen neuen Wert erhält und so das Zwischenergebnis über die Durchläufe hinweg fortschreibt:

#lang rhombus

def zahlen = [1, 2, 3, 4, 5]

def quadrate = for List (z: zahlen):
  z * z

println(quadrate)

def summe = for values(akku = 0) (z: zahlen):
  akku + z

println(summe)

Ausgabe:

// [1, 4, 9, 16, 25]
// 15

Apropos Zahlen: Rhombus rechnet exakt. (3 + 4) / 2 ergibt nicht die Gleitkommazahl 3.5, sondern denselben Wert als exakten Bruch 7/2.

Pattern Matching, also das Verzweigen anhand der Struktur von Daten, durchzieht die ganze Sprache. Mit match prüft man der Reihe nach mehrere Muster, jeweils hinter einem |. Das erste passende Muster gewinnt. Beachten Sie das dritte Muster [x, y]: Es trifft nur auf Listen mit genau zwei Elementen zu und zerlegt sie gleich in x und y.

#lang rhombus

fun beschreibe(ding):
  match ding
  | 0: "die Null"
  | n :: Int: "die Zahl " +& n
  | [x, y]: "ein Paar: " +& x +& " und " +& y
  | other: "etwas anderes"

println(beschreibe(0))
println(beschreibe(42))
println(beschreibe([3, 4]))
println(beschreibe("hallo"))

Ausgabe:

// die Null
// die Zahl 42
// ein Paar: 3 und 4
// etwas anderes

Schön zu sehen: Die Muster mischen konkrete Werte (0), Annotationen (n :: Int) und Strukturen ([x, y]) in einer einheitlichen Schreibweise.

Screenshot IDE
Screenshot IDE

Pattern Matching in der IDE von DrRacket: Die Funktion beschreibe prüft die Muster der Reihe nach, wobei das erste passende gewinnt.

Auch ein einheitliches Klassensystem gehört dazu. Eine Klasse definiert man kurz und bündig, und dasselbe Muster, mit dem man Objekte erzeugt, lässt sich auch zum Zerlegen verwenden:

#lang rhombus

class Rechteck(breite, hoehe)

fun flaeche(r :: Rechteck):
  r.breite * r.hoehe

def r = Rechteck(10, 5)
println(r)
println(flaeche(r))

def Rechteck(b, h) = r
println("Breite: " +& b +& ", Hoehe: " +& h)

Ausgabe:

// Rechteck(10, 5)
// 50
// Breite: 10, Hoehe: 5

Die vorletzte Zeile ist bemerkenswert: def Rechteck(b, h) = r benutzt den Klassennamen nicht zum Erzeugen, sondern zum Auseinandernehmen eines Rechtecks. Genau dafür sorgen die erwähnten Binding Spaces, in denen Rechteck je nach Position etwas anderes bedeutet.

Ein weiteres Element ist die Ellipse ..., mit der sich Wiederholungen kompakt ausdrücken lassen. Das Muster [x, ...] bindet alle Elemente einer Liste auf einmal, und beim Aufbauen verteilt sich die Rechnung elementweise:

#lang rhombus

def [x, ...] = [1, 2, 3]
def [y, ...] = [10, 20, 30]

println([x + y, ...])

Ausgabe: [11, 22, 33]

Über diese Beispiele hinaus bietet Rhombus generische, unveränderliche funktionale Datenstrukturen mit guter Laufzeitkomplexität (etwa Anhängen in O(log n), also auch bei vielen Elementen schnell) und hierarchische Namensräume. Mitgeliefert sind laut Homepage Bibliotheken für HTML, JSON, XML, HTTP, Zeichnen, GUIs, Parsing und FFI-Bindings (also Anbindungen an fremde, meist C-Bibliotheken).

Bis hierhin sieht Rhombus aus wie eine moderne, aufgeräumte Sprache. Der eigentliche Clou kommt mit den Möglichkeiten der Makroprogrammierung.

Das Problem mit den Makros

Für Entwicklerinnen und Entwickler, die in Sprachen wie PHP, Java oder Ruby zu Hause sind, ist Makro vielleicht nur ein vages Wort. Und falls sie aus der C- oder C++-Welt kommen: Deren #define-Makros sind nur simple Textersetzung und etwas ganz anderes als das, worum es bei Rhombus geht.

In den allermeisten Sprachen steht der Vorrat an Bausteinen fest. Schlüsselwörter wie if, for oder class und Operatoren wie + oder * hat die Sprachdefinition ein für alle Mal festgelegt. Anwender kombinieren diese Bausteine zu Programmen, aber sie können keine neuen erfinden. Wer ein eigenes Schlüsselwort oder einen eigenen Operator verwenden möchte, müsste dafür den Compiler der Sprache selbst umbauen.

Ein Makro durchbricht diese Grenze. Es ist Code, der anderen Code erzeugt oder umschreibt, und zwar zur Compile-Zeit, also bevor das fertige Programm läuft. Anders gesagt: ein kleines Programm, dessen Ausgabe wiederum Programmtext ist. Etwas in dieser Richtung kennen manche von Ruby, wo sich Methoden mit Metaprogrammierung zur Laufzeit erzeugen lassen. Doch Rubys Ansatz hat zwei Grenzen. Erstens passiert das zur Laufzeit. Zweitens erzeugen Entwickler damit nur Methoden und Objekte innerhalb von Rubys fester Syntax. Ein neues Schlüsselwort, einen eigenen Operator oder eine eigene Kontrollstruktur lässt sich so nicht hinzufügen. Die Syntax selbst bleibt unantastbar.

Anders bei Lisp: Lisp ist eine der ältesten Programmiersprachen überhaupt, Ende der 1950er-Jahre entstanden, und Stammvater einer ganzen Sprachfamilie, zu der auch Scheme und Racket gehören. Berühmt, manche sagen berüchtigt, ist sie für zwei Dinge: ihr extrem mächtiges Makrosystem und ihre vielen Klammern.

Lisp-Makros laufen im Unterschied zu Ruby zur Compile-Zeit, bevor ein Programm überhaupt startet. Das Makro formt das Programm schon in dieser Phase um. Der Compiler liest zuallererst den Quelltext und baut daraus einen Syntaxbaum. Das ist eine strukturierte Darstellung des Programms, die festhält, was ein Ausdruck ist und was zusammengehört. Lisp-Makros arbeiten auf diesem Baum und verstehen also die Struktur des Programms. Dadurch können sie echte neue Syntax hinzufügen, eigene Operatoren und Schlüsselwörter eingeschlossen.

Sie sind außerdem hygienisch, verwechseln also nie versehentlich Variablennamen aus Ihrem Code mit anderen, ein Stolperstein, an dem simple Textersetzung gerne scheitert. So lässt sich die Sprache gefahrlos und ohne jeden Compiler-Umbau per Bibliothek erweitern.

Die jahrzehntealte Zwickmühle

Der Preis für diese Macht ist die berüchtigte Klammerflut, die sogenannte S-Expression-Syntax (von „symbolic expressions“, symbolische Ausdrücke). In Lisp wird alles als Liste in Klammern geschrieben, und die Operation steht vorne. Statt 1 + 2 schreibt man (+ 1 2), statt f(x) schreibt man (f x). Das gilt ausnahmslos, auch für das, was anderswo eigene Schlüsselwörter sind. Aus der Bedingung x > 0 wird (> x 0), und sogar ein if ist nur eine Liste: (if Bedingung Dann-Zweig Sonst-Zweig). Weil sich diese Listen ineinander verschachteln, türmen sich die Klammern. „Wenn x größer als 0, dann f(x), sonst g(x)“ sieht so aus: (if (> x 0) (f x) (g x)).

Genau das ermöglicht aber erst die Makro-Macht von Lisp: Es gibt keine Sondersyntax. Ein if sieht aus wie ein Funktionsaufruf, ein Funktionsaufruf wie eine Rechnung, alles ist dieselbe Art verschachtelter Liste. Programm und Datenstruktur sehen nicht nur ähnlich aus, sie sind dasselbe. Ein Makro bekommt den Code einfach als verschachtelte Liste und darf ihn umbauen wie beliebige andere Daten. Klammern und Makro-Macht bedingen einander.

Für die meisten Menschen ist diese Schreibweise schwer zu lesen. Es gab über die Jahre etliche Versuche, eine gewohnte Infix-Syntax (also x > 0 statt (> x 0)) auf Lisp zu setzen, doch fast immer ging dabei die Makro-Macht verloren.

Das Highlight von Rhombus: die Sprache selbst erweitern

Das Versprechen von Rhombus ist nun: volle Makro-Macht bei normaler Syntax. Das Konzept basiert auf der Struktur der Sprache, dass alle Bausteine (wie Klassen, match, die ::-Annotationen usw.) Bibliotheken sind und nicht in Stein gemeißelte Compiler-Magie. Was Bibliotheken können, können Entwicklerinnen und Entwickler auch.

Ein Beispiel wäre ein eigener Operator: +/+ als Durchschnitt zweier Zahlen. In vielen verbreiteten Sprachen geht das gar nicht, in anderen etwa Swift oder Haskell nur in engen Grenzen. In Rhombus schreibt man ihn selbst:

#lang rhombus

operator (a +/+ b):
  ~stronger_than: +
  (a + b) / 2

println(10 +/+ 20)
println(3 +/+ 4)
println(2 + 10 +/+ 20)

Ausgabe:

// 15
// 7/2
// 17

Hier wird das exakte Rechnen sichtbar: 3 +/+ 4 ergibt 7/2, den exakten Bruch statt einer Gleitkommazahl. Wichtiger noch: +/+ ist ein vollwertiger, selbst erzeugter Infix-Operator. Trifft er auf andere Operatoren, braucht er Vorrangregeln. Die gibt man in Rhombus relativ an, mit ~stronger_than oder ~weaker_than, im Beispiel mit ~stronger_than: +. Genau deshalb rechnet Rhombus 2 + 10 +/+ 20 als 2 + (10 +/+ 20) und gibt 17 aus. Ohne diese Vorrangangabe würde Rhombus die Mischung nicht raten, sondern eine ausdrückliche Klammerung verlangen.

Screenshot IDE
Screenshot IDE

Ein selbst definierter Operator +/+ in DrRacket: 3 +/+ 4 ergibt den exakten Bruch 7/2, und dank der Vorrangregel ~stronger_than ergibt 2 + 10 +/+ 20 die 17.

Noch eine Stufe tiefer geht ein echtes Makro, also ein eigenes Schlüsselwort, das zur Compile-Zeit umgeschrieben wird. Hier verwandelt zweimal e schon vor der Ausführung den Ausdruck in e + e:

#lang rhombus
import:
  rhombus/meta open

expr.macro 'zweimal $e':
  '$e + $e'

println(zweimal 21)

Ausgabe: 42.

import: rhombus/meta open holt im Listing die Werkzeuge zum Schreiben von Makros. expr.macro definiert ein neues Schlüsselwort für den Ausdruck. Die einfachen Anführungszeichen '...' umschließen Syntax, nicht Text, und $e ist ein Platzhalter für ein Stück Code. Das Makro sagt: Wo immer zweimal e steht, ersetze es vor dem Lauf durch e + e. Das ist keine Textersetzung, sondern eine Umformung auf der echten Programmstruktur. Und sie ist hygienisch, verwechselt also keine Variablennamen aus Makro und Aufrufstelle.

Screenshot IDE
Screenshot IDE

Ein eigenes Makro in DrRacket: zweimal 21 wird zur Compile-Zeit zu 21 + 21 und ergibt 42.

operator und expr.macro sind keine Sonderfunktionen, sondern derselbe Mechanismus, mit dem auch class, match und for gebaut sind. Sie arbeiten mit denselben Mitteln wie die Sprachautoren. An genau dieser Kombination scheiterten andere Versuche jahrzehntelang.

Ausprobieren: DrRacket und Kommandozeile

Am bequemsten startet man für Rhombus mit DrRacket, der etablierten, seit Jahren gepflegten, grafischen und integrierten Entwicklungsumgebung (IDE) des Racket-Projekts. Ursprünglich für die Lehre entworfen, gilt sie als besonders einsteigerfreundlich. DrRacket vereint zwei Bereiche in einem Fenster: Oben schreibt man im Editor das Programm, ein Klick auf „Run“ führt es aus. Unten erscheint eine interaktive Konsole (REPL, Read-Eval-Print-Loop), in der man nach dem Lauf einzelne Ausdrücke ausprobieren kann. Dazu kommen Debugger, Syntaxprüfung und eine direkte Anbindung an die Dokumentation.

Screenshot IDE
Screenshot IDE

DrRacket mit dem Hallo-Welt-Programm: oben der Editor, unten die REPL mit der Ausgabe. Ein Klick auf „Run“ startet das Programm.

Rhombus-Dateien öffnet man in DrRacket genau wie Racket-Dateien: Datei mit #lang rhombus am Anfang und der Endung .rhm laden, „Run“ klicken, fertig. Wer lieber im Terminal arbeitet, ruft schlicht racket datei.rhm auf.

Für die Installation gibt es mehrere Wege. Am unkompliziertesten lädt man von der Rhombus-Homepage [6] das fertige Komplettpaket „Combined Rhombus + Racket Install“ herunter, ein Installer-Image, das Rhombus, Racket und die DrRacket-IDE in einem Rutsch einrichtet. Fertige Installer gibt es für Windows, macOS und Linux, jeweils als 64-Bit-Version für Intel/AMD und ARM; für Linux zusätzlich in 32-Bit-Varianten.

Alternativ kann man den Paketmanager brew nutzen:

brew install --cask racket raco pkg install --auto rhombus

Schlanker, aber ohne DrRacket, geht es über die Kommandozeile:

brew install minimal-racket raco pkg install --auto rhombus racket datei.rhm

Das Paket-Ökosystem ist dasselbe wie bei Racket, wobei das Kommandozeilenwerkzeug raco heißt. Ein Programm lässt sich als fertige Anwendung weitergeben. raco exe datei.rhm übersetzt es in eine eigenständige, nativ kompilierte Datei, und raco distribute ordner datei bündelt diese zusammen mit der nötigen Laufzeit in einen Ordner, den man auf andere Rechner mit demselben Betriebssystem kopieren kann. Dort startet das Programm dann ohne installiertes Racket oder Rhombus.

Dabei handelt es jedoch nicht um eine einzelne, statisch gelinkte Datei wie bei Go oder Rust. Die Racket-Laufzeit ist komplett dabei, weshalb schon ein Hallo-Welt-Programm auf einige Megabyte kommt. Ein Build ist plattformgebunden, universelle Binaries für alle Systeme gibt es nicht.

Technisch perfekt, Verbreitung fragwürdig

So beeindruckend die Technik ist, ein paar Vorbehalte gehören dazu. Rhombus ist mit Version 1.0 brandneu, und das Ökosystem noch klein. Die realistische, den Einsatz betreffende Frage ist also weniger, was die Sprache kann, als ob sie Verbreitung findet. Das Team selbst gibt sich nicht unkritisch und nennt die Shrubbery-Notation ausdrücklich „nicht perfekt“. Und der vielleicht größte Schatten: Racket selbst hat es trotz jahrzehntelanger technischer Brillanz nie in den Mainstream geschafft. Rhombus erbt diese Eigenschaften mitsamt dem Risiko.

Auf der Habenseite steht dafür echte technische Reife. Version 1.0 verspricht eine Stabilität und Pflege auf dem Niveau, das Racket seit Jahrzehnten bietet. Rhombus ist also kein Wochenend-Experiment, sondern baut auf einer Basis auf, die sich lange bewährt hat.

Ein persönlicher Vorbehalt zum Schluss: Man kann auch ohne Makros glücklich und produktiv programmieren. Die allermeisten Programme dieser Welt sind ohne selbst gebaute Syntax entstanden, und ihre Autoren haben nichts vermisst. Ein mächtiges Werkzeug verführt auch dazu, es überall einzusetzen. Wer einen Hammer in der Hand hält, sieht schnell in jedem Problem einen Nagel, und ein Makro, das sich eine eigene Sprache erfindet, kann ein Projekt ebenso gut in private Dialekte zersplittern, die außer dem Autor niemand mehr flüssig liest. Die eigentliche Kunst liegt deshalb nicht darin, gute Makros zu schreiben, sondern zu wissen, wann man es besser lässt.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11368404

Links in diesem Artikel:

  1. https://rhombus-lang.org
  2. https://blog.racket-lang.org/2026/06/rhombus-v1.0.html
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Lisp-Der-Geheimtipp-unter-den-Programmiersprachen-3851138.html
  4. https://doi.org/10.1145/3622818
  5. https://github.com/racket/rhombus
  6. https://rhombus-lang.org/download.html
  7. mailto:who@ix.de

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Github reagiert auf KI-Flut: Hohe Bug-Bounty-Prämien bald nur noch für Profis

Von Marc Stöckel — 24. Juli 2026 um 13:13
Github überarbeitet sein Bug-Bounty-Programm. Wer sich nur auf KI verlässt und sich wenig Mühe gibt, bekommt künftig geringere Prämien.
Github zahlt Neulingen bald geringere Bug-Bounty-Prämien. (Bild: pexels.com / Willfried Wende)
Github zahlt Neulingen bald geringere Bug-Bounty-Prämien. Bild: pexels.com / Willfried Wende

Schon Ende Juni zeigte sich Github überfordert mit der großen Menge an Bug-Reports, die bei dem Unternehmen mittlerweile aufgrund des Einsatzes moderner KI-Tools in der Schwachstellenforschung eintreffen. Jetzt hat der Plattformbetreiber sein Bug-Bounty-Programm überarbeitet, um dieser Entwicklung zu begegnen. Viele Forscher erhalten damit künftig geringere Prämien. Doch das trifft nicht auf alle zu.

Wie Github in einer Ankündigung schildert, will das Unternehmen in Zukunft vor allem jene Sicherheitsforscher belohnen, die wiederholt besonders hochwertige Berichte einreichen und sich bei der Koordination als entsprechend kompetent erweisen.

Forscher in dieser Kategorie können auf Basis einer Einladung einem VIP-Programm beitreten und profitieren daraufhin von höheren Prämien, schnelleren Reaktionszeiten und einer engeren Zusammenarbeit mit dem Security-Team von Github. Die Auszahlungen richten sich wie gewohnt nach dem Schweregrad der jeweiligen Funde:

  • Niedig: 1.000 US-Dollar
  • Mittel: 7.500 US-Dollar
  • Hoch: 20.000 US-Dollar
  • Kritisch: 30.000 US-Dollar oder mehr

Neulinge müssen sich erst beweisen

Damit bleiben die Auszahlungen für VIP-Forscher auf ähnlich hohem Niveau wie vor der Änderung. Wer nicht zum VIP-Kreis gehört, muss hingegen mit deutlich geringeren Auszahlungen rechnen. Für gemeldete Lücken gibt es dann 10.000 US-Dollar bei kritischem, 5.000 US-Dollar bei hohem, 2.000 US-Dollar bei mittlerem und 250 US-Dollar bei niedrigem Schweregrad.

Um sich für das VIP-Programm zu qualifizieren, müssen Forscher vorab mindestens eine kritische, zwei hochschwere, vier mittelschwere oder sieben geringfügige Lücken gemeldet haben. Zudem wird die Anzahl der noch nicht abgeschlossenen Fälle, die neue Forscher einreichen dürfen, auf vier begrenzt. Das soll verhindern, dass Neulinge das Programm mit KI-Meldungen fluten, ihnen aber zugleich genug Spielraum gewähren, um ihre Kompetenz unter Beweis stellen zu können.

Github will das Rauschen reduzieren

"Die wesentliche Veränderung liegt hier in der Art der Anreize: Man verdient nicht mehr, indem man mehr Meldungen einreicht. Man verdient mehr, indem man bessere Meldungen einreicht", erklärt Github. Das Unternehmen will mit seiner Änderung nach eigenen Angaben "das Rauschen reduzieren", um sich "auf das Signal konzentrieren" und Forschern ein Programm bieten zu können, "an dem sie gerne teilnehmen".

Die neuen Regeln greifen ab dem 27. Juli. Vor diesem Datum eingereichte Meldungen werden noch nach dem alten Regelwerk verarbeitet und vergütet. Nähere Details zu Githubs Bug-Bounty-Programm sind auf Hackerone zu finden.

Andere Softwareprojekte sind ebenfalls zunehmend von massenhaft eingereichten KI-Bug-Reports überfordert. Teilweise haben diese ihre Bug-Bounty-Programme in den letzten Monaten eingestellt oder pausiert, um die Anreize zu verringern und die Entwicklerteams zu entlasten.

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Helios: AMDs Rack-Scale-System soll Nvidia alt aussehen lassen

Von Johannes Hiltscher — 24. Juli 2026 um 12:57
AMD-CEO Lisa Su verspricht: Helios ist das leistungsfähigste und günstigste Rack-Scale-System auf dem Markt. Das steckt drin.
Lisa Su zeigt die in Helios verbauten Chips: Neben MI455X und Venice Salina DPU und Vulcano NIC. (Bild: AMD; Screenshot: Golem.de)
Lisa Su zeigt die in Helios verbauten Chips: Neben MI455X und Venice Salina DPU und Vulcano NIC. Bild: AMD; Screenshot: Golem.de

Im Rahmen seiner Veranstaltung Advancing AI hat AMD offiziell die nächste Generation seiner Hardware für KI-Rechenzentren gestartet. CEO Lisa Su gab im Rahmen ihrer Keynote dabei einen tieferen Einblick in den Aufbau des eigenen Rack-Scale-Systems Helios. Das kombiniert pro Blade vier MI455X mit einem speziell für Helios entwickelten Epyc mit 96 Kernen und einer Speicherbandbreite von 1,6 TByte/s.

Für die Vernetzung der MI455X nutzt AMD Ultra Accelerator Link (UAL), die Anbindung an die CPU erfolgt über Infinity Fabric. Damit verbindet AMD auch bei Mehrsockelsystemen die einzelnen CPUs. Für das Scale-up-Netzwerk, das die GPUs im Cluster vernetzt, tunnelt AMD UAL über Ultra Ethernet (UALoE). Die Netzwerkhardware dafür ist direkt auf den GPU-Packages integriert.

Die MI455X-GPUs sind individuell auf Platinen mit der erforderlichen Elektronik verbaut, was einen schnellen Tausch defekter Komponenten ermöglichen soll. Mit bis zu 40 Petaflops (FP4) und 432 GByte mit 23,3 TByte/s angebundenem HMB4 ist es laut Su der leistungsfähigste KI-Beschleuniger. AMD scheint hier die Rechenleistung ohne Sparsity (g+) zu meinen, mit Ausdünnung erreicht Nvidias Rubin-GPU 50 Petaflops.

Den mit Rubin neu eingeführten LPUs für höhere Inferenzleistung stellt Nvidia eine Partnerschaft mit Cerebras entgegen: Deren Wafer Scale Engine (WSE) soll insbesondere zusammen mit MI455X für niedrige Latenz sorgen.

Leistungsfähiger und günstiger als Nvidias Rubin

Besonders bei HBM-Kapazität und Bandbreite des Scale-out-Netzwerks liegt Helios deutlich vor Nvidias Oberon alias NVL72. Bei der Konkurrenz steht allerdings mit Kyber (g+) bereits ein noch dichter gepacktes Rack für Rubin Ultra an.

Die Blades von Helios sind modular aufgebaut, Lisa Su zeigt die Platinen mit MI455X-GPU, Epyc 9006-HF-CPU sowie die beiden Netzwerkkarten. (Bild: AMD; Screenshot: Golem.de)
Bild 1/3: Die Blades von Helios sind modular aufgebaut, Lisa Su zeigt die Platinen mit MI455X-GPU, Epyc 9006-HF-CPU sowie die beiden Netzwerkkarten. (Bild: AMD; Screenshot: Golem.de)
Im Vergleich zur Nvidias Rubin NVL72 liegt Helios in fast allen Aspekten vorn. (Bild: AMD; Screenshot: Golem.de)
Bild 2/3: Im Vergleich zur Nvidias Rubin NVL72 liegt Helios in fast allen Aspekten vorn. (Bild: AMD; Screenshot: Golem.de)
Lisa Su ist nicht die Größte, aber der Vergleich zeigt die immensen Ausmaße der Helios-Blades. (Bild: AMD; Screenshot: Golem.de)
Bild 3/3: Lisa Su ist nicht die Größte, aber der Vergleich zeigt die immensen Ausmaße der Helios-Blades. (Bild: AMD; Screenshot: Golem.de)

AMD verbaut in den Blades zudem zwei verschiedene Netzwerkchips: Neben der Data Processing Unit (DPU) namens Salina einen klassischen, Vulcano getauften Chip. Beide nutzen Ultra Ethernet. Salina wird für das Front-End-Netzwerk eingesetzt, das Daten liefert, und beschleunigt etwa Storage-Funktionen. Zwölf Vulcano-Chips pro Blade auf zwei Platinen werden für das Scale-out-Netzwerk genutzt, das die einzelnen Racks verbindet. Auch hier nutzt AMD UALoE. Bei den Switches setzt AMD auf Broadcoms Thor Ultra.

Helios setzt deutlich sichtbar nicht auf vollständige Wasserkühlung, kleinere Wärmequellen werden klassisch luftgekühlt. Dennoch wiegt jedes der 18 riesigen Blades über 72 kg.

Helios soll im Vergleich zu Systemen mit MI355X bei mittlerer bis hoher Auslastung die Kosten pro Token um den Faktor 18 senken – mehr Leistung und Speicher sowie ein schnelleres Netzwerk machen es möglich. Im Vergleich zu Rubin NVL72 verspricht Su bei gleichen Kosten 30 Prozent mehr Token. Die Produktion läuft, liefern will AMD Ende des dritten Quartals 2026. Die Nachfrage sei groß, sagt Su – allein Anthropic hat Helios-Systeme mit einer Gesamtleistung von zwei GW bestellt.

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Luna: Amazon baut Cloud-Gaming in Prime Video ein

Von Peter Steinlechner — 24. Juli 2026 um 12:44
Filme, Serien und Spiele aus einer App: Amazon integriert seinen Cloud-Gaming-Dienst Luna in Prime Video und macht Gaming damit deutlich sichtbarer.
Artwork von Amazon Luna (Bild: Amazon)
Artwork von Amazon Luna Bild: Amazon

Amazon unternimmt den nächsten Schritt beim Ausbau seines Unterhaltungsangebots und integriert seinen Cloud-Gaming-Dienst Luna direkt in Prime Video. Zunächst startet die Neuerung auf Fire-TV-Geräten in den USA und Großbritannien.

Ein Termin für Deutschland wurde bislang nicht genannt, angesichts der internationalen Ausrichtung von Prime Video dürfte die Funktion eher früher als später auch in weiteren Märkten erscheinen.

In der Prime-Video-App erscheint künftig ein neuer Bereich namens "Games". Dort lassen sich unterstützte Spiele direkt per Cloud starten, ohne vorher einen Download oder eine separate App installieren zu müssen.

Zum Start gehören laut Anbieter Titel wie Hogwarts Legacy, Fallout 4, EA Sports FC 26, Dispatch und Clue. Gespielt werden kann wahlweise mit einem Bluetooth-Controller oder per Smartphone, das sich als Gamepad nutzen lässt. Letzteres dürfte sich aber bei vielen Titeln nur wie eine Notlösung anfühlen.

Amazon hat Spielesparte massiv umgebaut

Mit der Integration verfolgt Amazon eine andere Strategie als klassische Spieleplattformen. Luna soll nicht länger als eigenständiger Dienst im Vordergrund stehen, sondern dort auftauchen, wo sich ohnehin Millionen Prime-Kunden regelmäßig aufhalten. Spiele werden damit zu einem weiteren Bestandteil des Entertainment-Angebots neben Filmen, Serien und Live-Sport.

Der Schritt passt zu einer umfassenderen Neuausrichtung des Konzerns. Amazon hat zuletzt seine Spieleaktivitäten organisatorisch gebündelt und Prime Gaming, Amazon Game Studios sowie Luna enger zusammengeführt.

Künftig sollen auch Eigenproduktionen und bekannte Marken stärker miteinander verzahnt werden. Denkbar sind etwa Spiele zu Amazon-Serien oder Franchises wie Tomb Raider und James Bond sowie neue KI-gestützte Partyspiele.

Luna konnte sich bislang trotz guter Technik nie ähnlich stark etablieren wie konkurrierende Angebote. Die direkte Einbindung in Prime Video könnte diese Hürde senken, weil Nutzer Spiele nun praktisch ohne Umwege entdecken und starten können.

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Dein schönes Antlitz kann Dein Google-Konto öffnen

Von Heise — 23. Juli 2026 um 23:30
Eine junge Blondine liegt am Meeresstrand und macht ein Selfie

(Bild: Juice Flair / shutterstock.com)

Ist das Google-Konto versperrt, kann jetzt ein Selfie-Video helfen. Man muss jedoch vorher eines hinterlegt haben.

Jeden Tag werden zahllose Google-Konten stillgelegt, die rechtmäßigen Inhaber verlieren den Zugang. Nun führt Google eine neue Möglichkeit ein, mit der natürliche Personen Zugang zu ihrem versperrten Konto wahrscheinlich zurückerlangen können (account recovery): Selfie-Videos.

Wer diese Option in der Hinterhand haben möchte, muss im Voraus ein Selfie-Video von sich selbst [1] hochladen. Google schreibt dafür bestimmte Kopfbewegungen vor, um das Gesicht des Nutzers aus verschiedenen Winkeln aufzunehmen und Deepfakes zu erschweren.

Sollte das Konto gesperrt werden, muss der Nutzer sich erneut der Kamera stellen und wieder seinen Kopf nach Anleitung bewegen. Googles System vergleicht dann die neue Aufnahme mit der alten. Bei hinreichender Übereinstimmung lässt Google den Nutzer wieder in sein Konto.

Nachher ist es zu spät

Der Datenkonzern verspricht [2], das hinterlegte Selfie-Video nur für Login-Zwecke zu nutzen, sofern der Kontoinhaber keinen anderen Verwendungen zustimmt. User können ihre Selfie-Videos jederzeit löschen, verlieren dann aber natürlich die damit verbundene Funktion.

Wie gesagt, muss das Selfie-Video im Voraus, also bei noch vorhandenem Konto-Zugang hinterlegt werden. Ist der Kontozugang einmal weg, ist es zu spät. Google-Konten können aus unterschiedlichen Gründen gesperrt werden, selbst wenn der Nutzer sein Passwort noch kennt. Entweder weil Dritte versucht haben, sich Zugang zu verschaffen, oder weil Googles Sicherheitssysteme das fälschlich annehmen. Solche false positives sind ein besonderes Ärgernis, zumal es dann von Google null Unterstützung gibt, auch nicht für zahlende Kunden.

Allerdings sind Selfie-Videos nicht für alle persönlichen Google-Konten verfügbar. Anläufe der Redaktion mit zwei Konten in unterschiedlichen Ländern sind an einer Fehlermeldung gescheitert: „Selfie isn't available as a sign-in option for this account.” („Selfie ist als Login-Option für dieses Konto nicht verfügbar.”) Einen Grund dafür nennt die Fehlermeldung nicht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11376775

Links in diesem Artikel:

  1. https://g.co/signin-selfie
  2. https://blog.google/innovation-and-ai/technology/safety-security/selfie-video-sign-in/
  3. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  4. mailto:ds@ct.de

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Milliardenlast für Europas Netze: Der teure Abschied von Huawei und ZTE

Von Heise — 23. Juli 2026 um 16:17
Detailaufnahme einer Netzwerkkomponente mit dem Logo des chinesischen Herstellers Huwei und zahlreichen optischen Kabeln.

Technik von Huawei: In EU-Netzen bald verboten?

(Bild: Junzkp / Shutterstock.com)

Ein Verbot chinesischer Netzwerkausrüster würde europäische Mobilfunker laut Studie bis zu 40 Milliarden Euro kosten – viermal mehr als von Brüssel geschätzt.

Ein Gesetzentwurf der EU-Kommission zur Cybersicherheit sorgt für Unruhe in der Telekommunikationsbranche. Mit der Novelle des EU Cybersecurity Act (CSA2) [1] will Brüssel den Einsatz von Netzkomponenten verbieten, deren Hersteller als Hochrisiko-Anbieter gelten. Die Regelung zielt vor allem auf die chinesischen Ausrüster Huawei und ZTE ab.

Eine Studie der Forschungseinheit des Branchenverbands GSMA zeichnet nun ein wirtschaftliches Szenario, das den offiziellen Berechnungen völlig widerspricht. Die Kommission schätzt die Gesamtkosten für den Austausch der Technik auf 10 bis 13 Milliarden Euro. Die GSMA-Studie beziffert die direkten Austauschkosten dagegen auf 30 bis 40 Milliarden Euro.

Auftraggeber Telekom

Die Analyse [2] hat GSMA Intelligence verfasst, die Forschungseinheit des Verbands. Auftraggeber sind die sieben europäischen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Fastweb, MEO, Orange, Telefónica, United Group und Vodafone.

Ein Sprecher der GSMA betonte gegenüber heise online, dass der Bericht eine unabhängige Arbeit sei. Es gehe lediglich um eine genaue Bewertung der wirtschaftlichen Kosten. Für alle Hochrechnungen, Modelle und Schlussfolgerungen sei GSMA Intelligence verantwortlich.

Milliardenkosten für Mobilfunk, Festnetz und Transport

Die Ergebnisse der Analyse basieren auf internen Kostenschätzungen der beteiligten Netzbetreiber, die rund die Hälfte des europäischen Mobilfunk- und Festnetzmarktes abdecken. Die Autoren unterscheiden bei ihren Berechnungen zwischen verschiedenen Netzbereichen.

Der größte Posten entfällt auf die Mobilfunknetze, wo der Austausch von Basisstationen und Kernnetzkomponenten mit 16 bis 22 Milliarden Euro zu Buche schlagen würde. Für Festnetze werden bis zu 5 Milliarden Euro veranschlagt. Den Austausch in den Transportnetzen für optische Schalter und Richtfunk berechnet GSMA Intelligence mit 9 bis 12 Milliarden Euro.

Neben den direkten Austauschkosten warnen die Verfasser vor langfristigen Preissteigerungen durch den Wegfall wichtiger Wettbewerber. Die Reduzierung der Anbieterzahl führe zu einer stärkeren Marktkonzentration, was die Preise für Mobilfunkausrüstung um geschätzte 24 Prozent, für Festnetztechnik um 19 Prozent und für Transportnetze um 10 Prozent verteuern könnte.

Für den Zeitraum von 2027 bis 2030 bedeute dies für die Betreiber eine zusätzliche Kostenbelastung von rund 8,5 Milliarden Euro, die sich bis zum Jahr 2035 auf insgesamt 24 Milliarden Euro summieren könnte.

Kritik an Bruttowerten vs. vorgezogenem Ersatz

Die Methodik der Studie halten nicht alle Beobachter für sauber. Hosuk Lee-Makiyama, Direktor der Denkfabrik ECIPE, bemängelte gegenüber Politico [3], die Schätzungen von GSMA Intelligence stellten Bruttowerte und keine direkten Mehrkosten der geplanten Verordnung dar.

Die Studie käme auf ähnliche Zahlen wie die Kommission, wenn sie die Austauschkosten abziehen würde, die im Rahmen gewöhnlicher Wartungs- und Modernisierungszyklen ohnehin anfielen, argumentiert Lee-Makiyama. Die Diskrepanz zwischen den Milliardenwerten beruhe so im Wesentlichen auf der methodischen Berücksichtigung regulärer Wechselprozesse.

Dem halten die Studienautoren die engen politischen Vorgaben entgegen. Der GSMA-Sprecher räumte ein, dass der Bericht tatsächlich auf Bruttowerten basiere. Der von der Kommission vorgeschlagene Zeitplan sehe aber einen Ausstieg innerhalb von nur drei Jahren vor. Dieser straffe Rahmen erlaube keinen geordneten Austausch entlang des natürlichen Lebenszyklus der installierten Ausrüstung.

Ein kleiner Teil der Hardware wäre zwar ohnehin ersetzt worden, heißt es von der GSMA weiter. Der Entwurf zwinge die Unternehmen aber dazu, den überwiegenden Teil der Technik deutlich früher auszutauschen. Die Folge sei ein vorgezogener Ersatzbedarf sowie eine signifikante Verkürzung der Nutzungsdauer bestehender Anlagen.

Investitionslücken und operative Risiken

Über die rein finanziellen Differenzen hinaus weisen die beteiligten Netzbetreiber auf erhebliche operative Risiken hin. Der überstürzte Austausch drohe zu gravierenden Engpässen bei Dienstleistern und Ausrüstern zu führen, was die Stabilität und Ausfallsicherheit der europäischen Netze gefährden könne.

Dazu kämen potenzielle ökologische Folgen: Neben der Entsorgung riesiger Mengen funktionierender Technik führen die Betreiber ins Feld, dass die Ersatzhardware alternativer Hersteller in manchen Bereichen weniger energieeffizient arbeite als die derzeit genutzten Systeme.

Die zusätzlichen Kostenbelastungen treffen die Telekommunikationsbranche in einer ohnehin schwierigen Phase. Laut der Studie klafft in Europa bereits eine Investitionslücke von rund 205 Milliarden Euro, um die EU-Digitalisierungsziele bis 2030 [4] zu erreichen. Wenn Netzbetreiber gezwungen würden, zweistellige Milliardenbeträge primär in den vorgezogenen Austausch bestehender Infrastruktur zu lenken, fehle dieses Geld an anderer Stelle.

Der flächendeckende Ausbau von Glasfasernetzen und die Weiterentwicklung moderner 5G-Standalone-Kapazitäten dürften sich dadurch spürbar verzögern, was Europas digitale Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächen könnte.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11376401

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Digitale-Souveraenitaet-EU-blaest-zum-Halali-auf-Hochrisiko-Anbieter-wie-Huawei-11148111.html
  2. https://www.gsmaintelligence.com/research/research-file-download?reportId=82381&assetId=82442
  3. https://www.politico.eu/article/telecom-industry-estimates-huawei-ban-cost-europe-40-billion
  4. https://www.heise.de/news/TKG-Novelle-Bundestag-beschliesst-schnelles-Internet-fuer-alle-6024446.html
  5. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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8000 PCs über Steam infiziert: Cyberkriminelle verteilen Malware via Fake-Games

Von Heise — 23. Juli 2026 um 15:28

(Bild: Casimiro PT/Shutterstock)

Cyberkriminelle haben Steam genutzt, um zahlreiche PCs mit Malware zu infizieren. Die Schadsoftware war in Spielen versteckt und wurde gezielt beworben.

Im März 2026 hatte das FBI Gamer dazu aufgerufen, sich an Untersuchungen zu beteiligen. Die Behörde suchte damals Steam-User, die mit Malware infizierte Spiele auf der Plattform von Valve gezockt hatten [1]. Durch die Mitarbeit der Spieler konnten die Untersuchungen jetzt erfolgreich abgeschlossen werden. Das FBI hat den Verantwortlichen hinter den Cyberangriffen gefunden und festgenommen.

So liefen die Malware-Angriffe über Steam ab

Drahtzieher hinter der Aktion soll ein 21-Jähriger aus Florida gewesen sein, wie Techspot [2] berichtet. Er hat zusammen mit einer bisher unbekannten Anzahl anderer Cyberkrimineller insgesamt sieben Steam-Spiele veröffentlicht, die mit Malware infiziert waren. Die Aktion lief knapp zwei Jahre, von Mai 2024 bis Februar 2026. In diesem Zeitraum sollen fast 8.000 PCs mit der Schadsoftware infiziert worden sein.

Laut dem FBI war die Malware darauf ausgelegt, Kryptowährung von Steam-Gamern zu stehlen. Die Software extrahierte dafür Passwörter und andere sensible Daten. Im Anschluss wurden diese Daten genutzt, um sich Zugang zu den Krypto-Wallets der User zu verschaffen und die Währung zu stehlen. Insgesamt wurden so 80 Wallets ausgeräumt und ein Betrag von etwa 220.000 US-Dollar gestohlen.

Um ihre Erfolgschancen zu erhöhen, haben die Verantwortlichen ihre Games über Social Media beworben und sogar einzelne Personen direkt mit Bots angeschrieben. Dabei priorisierten sie diejenigen, die durch ihre Medienpräsenz zeigten, dass ihre Krypto-Wallet gut gefüllt ist. Zu den Opfern der Angriffe zählte auch der Twitch-Streamer RastalandTV. Nachdem der Streamer eine Krebsdiagnose erhalten hatte, sammelte er Spenden für die Behandlungskosten. Er erhielt von Zuschauern 32.000 US-Dollar in Kryptowährung, die wenig später durch eines der infizierten Spiele gestohlen wurden. RastalandTV verstarb im März 2026.

Letztlich wurden der 21-Jährige und seine Komplizen ertappt, weil das FBI Bitrefill-Gutscheine zurückverfolgen konnte, die mit dem gestohlenen Geld bezahlt worden waren. Mit den Gutscheinen sollen die Cyberkriminellen unter anderem für Uber-Eats-Lieferungen bezahlt haben. Zudem soll der Drahtzieher im Darknet Spuren hinterlassen haben, wo er einen Remote-Access-Trojaner für 10.000 Dollar erworben haben soll. In Foren soll er ferner mit anderen darüber diskutiert haben, wie Opfer am besten ausgetrickst werden können, um auf Krypto-Scams hereinzufallen. Jetzt wird dem 21-Jährigen neben anderen Straftaten „Verschwörung zur Verbreitung von Schadsoftware“. Allein dafür können zwischen fünf und 20 Jahre Haft anfallen.

Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de [3] erschienen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11376061

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/FBI-sucht-Opfer-infizierter-Steam-Spiele-fuer-eigene-Ermittlungen-11211660.html
  2. https://www.techspot.com/news/113163-fbi-arrests-21-year-old-accused-infecting-8000.html#google_vignette
  3. https://t3n.de/news/steam-malware-fake-games-1754323/
  4. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Helios-Server: AMD greift Nvidia mit Instinct MI455X an

Von Heise — 23. Juli 2026 um 20:30

AMD baut seinen schnellsten KI-Beschleuniger grundlegend um. Bis zu 80 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde sind möglich.

AMD-Chefin Lisa Su hat das riesige Chipkonstrukt Instinct MI455X schon gezeigt, jetzt kommen technische Details zum Innenleben. Zudem erklärt die Firma das Zusammenspiel aus Prozessoren, Beschleunigern und Netzwerk-Hardware im eigenen Server-Rackdesign Helios. Die Parallelen zu Nvidias Server Vera Rubin NVL72 [1] sind nicht zufällig; AMD tritt in direkte Konkurrenz.

Eine komplette Instinct-MI455X-GPU besteht aus insgesamt 24 Chip-Bausteinen, die auf einem Package vereint sind. Zwölf stellt der Chipauftragsfertiger TSMC her, dazu gesellen sich zwölf High-Bandwidth-Memory-4-Stapel (HBM4). Die sogenannten „Accelerator Complex Dies“ (XCDs) enthalten die eigentlichen Rechenwerke. Vier Stück sitzen auf jedem der beiden „Fabric and Cache Dies“ (FCDs), die den zweigeteilten Level-2-Cache, die Leitungen zum HBM4-Speicher und die Verbindungen zur Kommunikation untereinander enthalten. Die I/O-Dies enthalten die PCI-Express-6.0-Links, die in Helios-Servern zur Anbindung der Netzwerk-Controller per Ultra Accelerator Link (UALink) dienen.

Darüber hinaus befinden sich in den I/O-Dies (IODs) Infinity-Fabric-Links zur Anbindung eines Epyc-9006-Prozessors [2] mit direktem GPU-Speicherzugriff. 256 GByte/s bidirektionale Transferrate stehen hier zur Verfügung.

Die einzelnen Chipbestandteile der Instinct MI455X. AMD kombiniert 12 Dies mit 12 HBM4-Stacks.

(Bild: AMD)

2 + 3 nm

Die Accelerator Complex Dies stellt TSMC mit aktueller 2-Nanometer-Technik (N2) her, die schlechter skalierenden Fabric and Cache Dies und I/O-Dies mit 3-Nanometer-Strukturen (N3P). Zusammen kommen sie auf etwa 320 Milliarden Transistoren. Die HBM4-Bausteinen haben eine Kapazität von je 32 GByte. Das ergibt 432 GByte Speicher mit einer Transferrate von 23,3 TByte/s pro GPU-Package.

Aus 256 Compute Units (CUs) bei der Vorgängerin MI355X [3] werden bei der MI455X ebenso viele Work Group Processors (WGPs). AMD sagt es nicht direkt, aber das müsste eine Verdoppelung der Rechenwerke bedeuten. Bei Radeon-Grafikkarten enthielt ein Work Group Processor bisher immer zwei Compute Units.

Das erklärt auch die verdoppelte Rechenleistung bei 32 sowie 16 Bit breiten Datenformaten: Bei FP32-Operationen soll eine MI455X jetzt 315 Billionen Operationen pro Sekunde (315 Teraflops) schaffen. Ab 16 Bit steigt die Rechenleistung dank der integrierten Matrix-Einheiten erheblich an, bei FP16 und BF16 auf nunmehr fünf Billiarden Operationen pro Sekunde (5,03 Petaflops).

AMD Instinct MI455X im Detail (0 Bilder) [4]

[5]

Bis zu 80 KI-Petaflops

Bei 8 und 4 Bit nennt AMD gut 20 beziehungsweise 40 Petaflops. Gemeint ist die Rechenleistung bei sogenannten dichten (dense) Matrizen. Mit dünn besetzten Matrizen sind maximal 80 Petaflops drin, da die GPU Rechenoperationen mit Nullwerten überspringen kann. Diese Sparsity genannte Funktion ist bei KI-Beschleunigern firmenübergreifend verbreitet.

Gegenüber der Instinct MI355X entspricht die Rechenleistung bei 8- und 4-Bit-Operationen einer Vervierfachung. AMD schafft das vermutlich durch breitere Matrizen bei gleichzeitiger Verdoppelung der Matrix-Einheiten.

Nvidia gibt bei seiner aktuellen Rubin-GPU je nach Workload 35 bis 50 Petaflops inklusive Sparsity an, womit AMDs Beschleuniger zumindest auf dem Papier flotter ist. Das sollen auch eigene Benchmarks beweisen, allerdings stellen sich firmen gern im bestmöglichen licht dar. Die Hersteller-Benchmarks sind daher wie immer mit Vorsicht zu betrachten. Insbesondere KI-Workloads hängen stark davon ab, wie die Rechenwerke angesprochen werden.

AMD geht derweil den branchenweiten Trend zu sogenannten Microscaling-Formaten wie MXFP8 und MXFP4 mit – spezielle Varianten der weiterhin unterstützten FP8- und FP4-Datenformate.

Interner Umbau für mehr Auslastung

Zahlreiche GPU-interne Anpassungen sollen die Auslastung und damit etwa den Token-Output von KI-Modellen verbessern. Der bisherige Infinity Cache fällt weg, dafür vergrößert AMD den Level-2-Cache mit 192 MByte pro Beschleuniger erheblich, der jetzt auch global und nicht mehr pro Compute Unit gefasst ist. Gleichzeitig wachsen die lokalen Caches der Rechenwerke.

Hervorzuheben ist der Multicast einzelner Speicher-Leseoperationen auf mehrere Work Group Processors. Da KI-Modelle häufig dieselben Gewichte und Aktivierungen wiederverwenden, spart die GPU damit Rechenzeit.

Helios-Server mit 72 Beschleunigern

In einem Helios-Server stecken insgesamt 72 Instinct-MI455X-Beschleuniger. 18 Epyc-Venice-Prozessoren übernehmen die Arbeits-Orchestrierung an jeweils vier GPUs. AMD verfolgt das gleiche Ziel wie Nvidia, ein komplettes Serverrack möglichst wie eine einzelne Recheneinheit arbeiten zu lassen.

AMD sieht dafür drei Network Interface Controller (NICs) pro GPU vor, die per UALink mit 256 GByte/s angebunden sind. AMD setzt hier auf Netzwerktechnik der übernommenen Firma Pensando. Nach außen verbindet sich jeder Tray über 12 × 800-Gigabit-Ethernet.

Insbesondere bei der Verkabelung zeigt sich AMDs Rückstand gegenüber Nvidia, der mit dem GB200 NVL72 sein erstes vergleichbares System im Jahr 2024 vorgestellt hat. Zwei Jahre später hat Nvidia die meisten Kabel durch feste Steckverbindungen ersetzt, um die Inbetriebnahme zu beschleunigen und Fehlerquellen zu minimieren.

AMDs Helios-Serverdesign (0 Bilder) [6]

[7]

Schweigen über Leistungsaufnahme

Eine Angabe fehlt derweil auffällig in AMDs Dokumentation: Wie viel elektrische Leistung eine Instinct MI455X oder ein ganzes Helios-System aufnimmt. Die Werte können sich je nach Konfiguration erheblich unterscheiden, allerdings nennt die Firma auch keine Spanne. Bereits die Vorgängerin MI355X schluckt bis zu 1,4 kW. Mehr als 200 Kilowatt für einen Helios-Rack wären durchaus denkbar. Der Kaufpreis dürfte bei mehreren Millionen US-Dollar liegen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11376275

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Cloud-Hyperscaler-nehmen-Nvidias-Vera-Rubin-NVL72-in-Betrieb-11373705.html
  2. https://www.heise.de/news/AMD-Epyc-9006-Zen-6-Generation-der-Serverprozessoren-bringt-neue-Varianten-11376591.html
  3. https://www.heise.de/news/Instinct-MI350X-MI355X-AMD-opfert-Compute-fuer-KI-Rechenleistung-10442505.html
  4. https://www.heise.de/bilderstrecke/5123236.html?back=11376275;back=11376275
  5. https://www.heise.de/bilderstrecke/5123236.html?back=11376275;back=11376275
  6. https://www.heise.de/bilderstrecke/5123238.html?back=11376275;back=11376275
  7. https://www.heise.de/bilderstrecke/5123238.html?back=11376275;back=11376275
  8. https://www.heise.de/ct
  9. mailto:mma@heise.de

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Apple drängt mit Karten-SDK ins Auto: Ford erster Partner

Von Heise — 23. Juli 2026 um 18:27
Ford Mustang Mach-E

Im Mustang Mach-E bietet Apple Maps bereits Spezialfunktionen. In zukünftigen Ford-EVs soll der Kartendienst ab Werk integriert sein.

Autohersteller können Apple Maps in ihr Bordsystem integrieren, auch für assistiertes Fahren. Erster Partner ist Ford, Apple sammelt mehr Eyeballs für Werbung.

Apple Karten sagt bald, wo es mit dem Auto lang geht – auch ohne iPhone: Fahrzeughersteller können Apples Kartendienst künftig direkt in ihr Bordsystem integrieren. Dafür hat Apple am Donnerstag ein neues „MapKit for Automotive SDK“ genanntes Software-Kit angekündigt. Erster Abnehmer ist der US-Autobauer Ford, der Fahrzeuge seiner neuen, für 2027 angekündigten UEV-Plattform mit Apple Maps ab Werk ausliefern will. Der Kartendienst liefere Navigation plus Verkehrsinformationen und sei speziell auf die Routenführung für Elektrofahrzeuge optimiert – mitsamt der Vorkonditionierung der Batterie, heißt es in der Mitteilung.

Apple-Straßendaten für Fords Fahrassistenz

Für die Weiterentwicklung seiner Fahrassistenzsysteme will Ford demnach außerdem Straßendaten von Apples Kartendienst nutzen. Dies solle das assistierte, freihändige Fahren auf Highways respektive Autobahnen verbessern. Apple Karten wird zuerst in einen von Ford in Aussicht gestellten elektrischen Pick-up-Truck integriert, der im kommenden Jahr für rund 30.000 US-Dollar auf dem US-Markt eingeführt werden soll. Konkrete Informationen zu einem Start der UEV-Plattform [1] mit Apple-Maps-Integration in Europa liegen bislang nicht vor.

Ford und Apple arbeiten seit Längerem bei Apple Karten zusammen: Der Ford Mustang Mach-E gehört zu den wenigen Modellen, die ihren Ladestand an Apples Maps (in CarPlay) für eine angepasste Routenplanung übermitteln können.

Die Fahrzeuge, die Apple Karten direkt in das Bordsystem integrieren, unterstützen weiterhin CarPlay, um die übliche iPhone-Integration zu bieten, wie Ford in der gemeinsamen Mitteilung mit Apple betonte [2]. An CarPlay Ultra [3] hat Ford – ebenso wie andere große Hersteller – bislang kein Interesse signalisiert.

Bald Werbung in Apple Maps

Konkrete Details zu Apples „MapKit for Automotive SDK“ stehen noch aus. Apple betonte, für das SDK gelten dieselben Datenschutzstandards wie für die normale Nutzung der Karten-App: Der Konzern verknüpfe Navidaten nicht mit Apple-Account-Informationen. Erhobene Ortsdaten sollen sich zugleich nicht auf einzelne Nutzer zurückführen lassen. Die Integration in Bordsysteme größer Fahrzeughersteller könnte die Verbreitung von Apple Karten deutlich erhöhen. Für Apple ist das zunehmend relevant, da der Dienst jetzt als zentrale weitere Werbefläche dient: In Kürze soll die Karten-App in USA und Kanada erstmals Werbeanzeigen [4] etwa bei der Suche nach Geschäften in der Umgebung einblenden.


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  1. https://www.heise.de/news/Model-T-Moment-Ford-kuendigt-fuer-2027-E-Autos-auf-eigener-Basis-an-10518155.html
  2. https://www.apple.com/newsroom/2026/07/apple-maps-to-power-navigation-experience-for-ford-uev-platform/
  3. https://www.heise.de/news/So-Ultra-ist-Apple-CarPlay-Mac-i-Podcast-10390412.html
  4. https://www.heise.de/news/Apple-Maps-bekommt-Reklame-Zunaechst-auf-iPhone-und-iPad-11224060.html
  5. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Elgato Key Light Air MK.2: Streaming-Leuchte mit MagSafe

Von Heise — 23. Juli 2026 um 16:47
Schreibntischsetup mit Elgato Key Light Air MK.2, Monitor, Mikrofon und mechanischer Tastatur

(Bild: Elgato)

Die Neuauflage ist heller als ihr Vorgänger, lädt per USB-C und haftet an Magnethalterungen für iPhones. Auch bei Bedienung und WLAN gibt es Verbesserungen.

Mit den Key Lights bietet die Corsair-Tochter verschiedene Videoleuchten für Streamer, Moderatoren und Videokonferenzen an. Mit dem Key Light Air MK.2 legt Elgato nun ein Modell wieder auf, das die Lücke zwischen dem kleineren Modell aus der Neo-Reihe [1] und dem größeren Key Light [2] füllen soll. Mit der Neuauflage hat der Hersteller Videoproduzenten und Fotografen im Blick, die ihre Lampen häufig umstellen und MagSafe-Halterungen nutzen.

Befestigung per MagSafe

Gegenüber seinem 2020 vorgestellten Vorgänger ist die neue Flächenleuchte gewachsen: Das LED-Panel ist rund 32 Zentimeter breit und 20 Zentimeter hoch. Wie zuvor lässt sich das Key Light Air per Viertelzollgewinde an einem Stativ befestigen. Für die Montage stehen insgesamt drei Gewinde zur Verfügung. Neu an Bord ist eine Magnethalterung: Mit der Rückseite haftet das Key Light Air an Halterungen, die mit Apples MagSafe-Magneten kompatibel sind. So lässt sich die Leuchte schnell von einem Stativ auf das andere umsetzen. Obendrein haften MagSafe-kompatible Powerbanks am Key Light Air, sodass sich die Leuchte unterwegs nutzen lässt. Da die Leuchte keine Induktionsladung bietet, benötigt man für den Betrieb jedoch stets ein Kabel.

Rückseite vom Key Light Air MK.2
Rückseite vom Key Light Air MK.2

In der Mitte der Rückseite hat das Key Light Air MK.2 einen Magnetring. Der passt an MagSafe-kompatible Powerbanks und Halterungen.

(Bild: Elgato)

Das Key Light Air MK.2 wird per USB-C und Power Delivery mit Strom versorgt. Damit funktioniert es sowohl direkt am Rechner als auch an Powerbanks oder USB-Netzteilen. Wie hell die 256 LEDs leuchten, hängt von der Stromquelle ab: Bis zu 840 Lumen erreicht es, wenn man die Leuchte an einem Port mit 7,5 bis 15 Watt betreibt. So viel liefern viele USB-C-Ports, Thunderbolt-3-Anschlüsse, aber auch manche Docks. Die volle Helligkeit gibt es erst mit einem 30-Watt-Netzteil. Dann erreicht das Key Light Air MK.2 eine maximale Lichtleistung von 2100 Lumen. Zum Vergleich: Der netzbetriebene Vorgänger kam nur auf 1400 Lumen. Die Farbtemperatur der LEDs lässt sich von 2900 bis 7000 Kelvin einstellen.

Steuerung per Touch und App

Zur Steuerung hat das Key Light Air MK.2 nun Touch-Felder an der unteren Gehäusekante. Helligkeit und Farbtemperatur lassen sich alternativ über die kostenlose Software Elgato Control Center steuern, die für macOS, Windows, Android und iOS verfügbar ist. Hier lassen sich auch Voreinstellungen speichern oder die Lampen über die Makrokonsolen von Elgato (Stream Decks) steuern. Die Verbindung stellt man entweder direkt per USB oder via WLAN her. Die Leuchte unterstützt jetzt 5-GHz-Netze; der Vorgänger konnte sich ausschließlich mit 2,4-GHz-WLANs verbinden.

Das Key Light Air MK.2 [5] ist ab dem 23. Juli erhältlich und kostet inklusive USB-Kabel, Stativ und Tischklemme rund 150 Euro. Die Klemme passt an bis zu sechs Zentimeter dicke Tischplatten, einen Standfuß gibt es nicht. Ein Netzteil liegt nicht bei. Elgato will später ein magnetisches Fokusgitter als Zubehör anbieten, das Streulicht reduziert. Alternativ bietet der Hersteller die Leuchte ohne Stativ für rund 120 Euro an.


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  1. https://www.heise.de/tests/Stilvoll-streamen-Elgatos-Neo-Reihe-im-Test-10183660.html
  2. https://geizhals.de/elgato-key-light-10gak9901-a1968828.html?ccpid=hocid-macandiqr&cs_id=1206858352
  3. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  4. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  5. https://www.elgato.com/de/de/p/key-light-air
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Varta vor Insolvenz: Probleme wegen Apple und allgemeiner Geschäftslage

Von Heise — 23. Juli 2026 um 13:15
Varta-Schriftzug auf dem Bildschirm eines Laptops zu sehen, davor ein Smartphone.

Varta und sein Aktienkurs (Symbolbild).

(Bild: T. Schneider/Shutterstock.com)

Nachdem Varta im Mai angekündigt hatte, ein ganzes Werk zu schließen, in dem Zellen für Apple hergestellt worden waren, machen die verbliebenen Geldgeber Druck.

Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) droht beim traditionsreichen Ellwanger Batteriekonzern Varta die Insolvenz. Die wichtigsten Gläubiger des Unternehmens sollen entschieden haben, Kredite an die Firma fällig zu stellen. Damit drohe auch die Zerschlagung des Unternehmens. Die Aktie wurde bereits 2025 von der Börse ausgelistet.

Kein Coin-Power für Apple mehr

Im Sommer 2024 kam es zudem erstmals zu einer Sanierung nach dem Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen [1], die aber augenscheinlich nicht erfolgreich war. Letzter Tiefschlag für Varta: Im Mai gab das Unternehmen bekannt, dass ein zentraler Ankerkunde die Verträge gekündigt [2] habe. Dabei handelte es sich um Apple, das über Jahre Knopfzellakkus (Coin-Power) für seine AirPods bei Varta bestellt hatte.

Varta kündigte daraufhin an, ein ganzes Werk in Nördlingen zu schließen, wo 350 Menschen tätig waren. Zuvor hatte es Arbeitsplatzabbau und Kurzarbeit gegeben. Apple soll angegeben haben, seine Miniakkus künftig aus China beziehen zu wollen. Seither hat sich die Lage noch verschärft. Laut Medienberichten gab es bereits im vergangenen Herbst einen Punkt, an dem Varta ein Konzernergebnis erzielt hatte, das unter der mit den Geldgebern vereinbarten Quote lag.

Haushaltsbatterien auslagern

Seither hätten die Gläubiger die Kredite sofort auslaufen lassen können, was jedoch zunächst nicht erfolgte – es gab laut Wirtschaftswoche eine „Galgenfrist“. Ein Einstieg von Porsche, der bereits 2024 erfolgt war, half Varta wenig, ein gemeinsames Batteriegeschäft namens CellForce [3], das derzeit nur noch 50 Angestellt hat, soll laut Angaben aus dieser Woche nun gänzlich abgewickelt werden.

Die Varta-Gläubiger wollen nun offenbar Teile des Unternehmens pleitegehen lassen und bestimmte Bereiche herauslösen. Laut Mitteilung der sogenannten Ad-hoc-Gläubigergruppe mit Deutscher Bank, RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, sollen etwa die Haushaltsbatterien in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden. Für das laufende Geschäft fehlten Mittel in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrags. Zur weiteren Geschäftsfortführung soll der Finanzbedarf noch deutlich höher liegen. Neue Investoren konnten die Geldgeber ebenso wie Varta bislang nicht finden.


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  1. https://www.heise.de/news/Schuldenschnitt-und-Porsche-Einstieg-sollen-Varta-retten-9838713.html
  2. https://www.heise.de/news/Bestaetigt-Varta-verliert-Apple-als-Kunden-schliesst-Werk-11299875.html
  3. https://www.heise.de/news/Porsche-streicht-bis-zu-9000-Stellen-viele-auch-am-Traditionsstandort-Weissach-11375302.html
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Studienplätze unter Druck: Wird die Bildungsexpansion zurückgedreht?

Von Telepolis — 23. Juli 2026 um 21:45
Studenten in einem Hörsaal

Bild: Shutterstock.com

Frankfurt, Berlin und NRW kürzen Studienplätze und Stellen, andere Länder investieren weiter. Wächst eine neue Debatte über die Grenzen der Akademisierung?

Geht es um einen Trend oder ist das nur ein Einzelfall? Die Goethe-Universität Frankfurt reduziert zum kommenden Wintersemester ihre Zulassungszahlen in zulassungsbeschränkten Studiengängen um insgesamt 455 Plätze [1].

Betroffen sind unter anderem das gymnasiale Lehramt, Jura, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaft, Soziologie, Erziehungswissenschaften, Biochemie und Sportwissenschaften.

Die Hochschule begründet den Schritt mit dem Ziel, die Qualität der Lehre zu sichern und eine Überlastung des Personals zu vermeiden.

Der Sparkurs beginnt in Hessen

Auslöser ist der hessische Hochschulpakt 2026–2031 [2], der alle Hochschulen des Landes zu Einsparungen verpflichtet. Für 2026 müssen sie einen Konsolidierungsbeitrag von rund 30 Millionen Euro leisten. Erst ab 2028 steigen die Landesmittel [3] wieder an.

Universitätspräsident Enrico Schleif spricht von einem schwierigen Spagat: Die Universität müsse ihren Bildungsauftrag erfüllen und zugleich Forschung sowie Beschäftigte vor Überlastung schützen.

Bis 2028 müssten Studienangebot und Studierendenzahlen an die tatsächlich finanzierbaren Personalkapazitäten angepasst werden. Die Reduzierung der Studienplätze sei lediglich der erste Schritt eines umfassenden Konsolidierungsprozesses.

Auch andere hessische Hochschulen reagieren auf den Sparkurs. Die Universität Kassel rechnet mit dem Wegfall von bis zu 30 Professuren, die Universität Marburg plant den Abbau von rund 100 Verwaltungsstellen.

Berlin zieht nach

Frankfurt ist kein Einzelfall, wie es aussieht: Auch in Berlin stehen die Hochschulen unter erheblichem Spardruck.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) muss bis 2028 insgesamt 41 Millionen Euro einsparen [4]. Geplant sind rund zehn Prozent weniger Studienplätze sowie die Einstellung oder Zusammenlegung mehrerer Studiengänge, insbesondere dort, wo die Nachfrage seit Jahren gering ist.

Auch die Berliner Hochschule für Technik (BHT) [5] reduziert Studienplätze in mehreren technischen Studiengängen, darunter Sicherheitstechnik, Gebäude- und Energietechnik sowie Elektromobilität.

Nun trifft es auch die Universitäten

Die Sparmaßnahmen treffen inzwischen auch die großen Berliner Universitäten. Nach einem Bericht des Tagesspiegel [6] verfügt die Humboldt-Universität über deutlich geringere Mittel und besetzt frei werdende Stellen vorerst nicht nach.

Die Freie Universität muss ihr Personalbudget um rund zehn Prozent reduzieren, vor allem zulasten befristeter Stellen im wissenschaftlichen Nachwuchs.

Besonders gravierend fallen die Einschnitte an der Technischen Universität Berlin aus. Bis Ende 2028 müssen dauerhaft 65 Millionen Euro eingespart werden. Die Hochschule rechnet mit dem Wegfall von 18 Strukturprofessuren, zahlreichen wissenschaftlichen Stellen und mindestens 5.000 Studienplätzen.

Auch die Universität der Künste erwartet ein Millionen-Defizit und stellt einzelne Masterstudiengänge ein.

NRW setzt ebenfalls den Rotstift an

Auch Nordrhein-Westfalen spart. Zwar fiel der Hochschul-Konsolidierungsbeitrag geringer aus als ursprünglich geplant, dennoch wird die Grundfinanzierung der Hochschulen 2026 um 120 Millionen Euro gekürzt, berichtete [7] der WDR.

Das Land begründet den Schritt mit Haushaltskonsolidierung und sinkenden Studierendenzahlen. Seit 2018 ging deren Zahl um elf Prozent zurück, während die Hochschulen zugleich mehr als zehn Prozent zusätzliche Mittel erhielten.

Die Folgen zeigen sich bereits an den einzelnen Hochschulen. An der Universität zu Köln standen Ende 2025 unter anderem Disability Studies, Frühförderung, Gerontologie und der Masterstudiengang Politikwissenschaft zur Disposition. Auch die Universitäten in Münster, Bielefeld, Siegen und Wuppertal müssen mit zum Teil erheblichen Kürzungen rechnen.

Nicht überall wird gespart

Ein bundesweiter Sparkurs ist damit allerdings nicht erkennbar. Baden-Württemberg [8] erhöht die Grundfinanzierung seiner Hochschulen ab 2027 jährlich um 3,5 Prozent und übernimmt auch künftige Tarifsteigerungen vollständig. Die Studierendenzahlen sollen stabil bleiben.

Auch Bayern [9] setzt auf Expansion. Der Freistaat bezeichnet den Doppelhaushalt 2026/27 als Rekordetat für Wissenschaft und Kunst. Neben steigenden Hochschuletats sollen erhebliche Mittel in die Modernisierung der Hochschul- und Universitätskliniken fließen.

Sachsen geht einen eigenen Weg

Sachsen [10] verfolgt einen Mittelweg. Nach Angaben der Staatsregierung sollen die Hochschulstrukturen erhalten bleiben und die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2028 weiter steigen. Zeitweise gesperrte Mittel in Teilen der Wissenschaftsfinanzierung wurden nach Angaben der Grünen-Fraktion inzwischen wieder freigegeben.

Der Bund saniert – die Länder sparen

Während mehrere Länder ihre laufenden Hochschuletats kürzen, wollen Bund und Länder den Sanierungsstau [11] an Hochschulen angehen. Nach einer Vereinbarung vom Februar 2026 stehen bis 2029 jährlich bis zu einer Milliarde Euro für Bau, Sanierung und Modernisierung von Wissenschaftseinrichtungen zur Verfügung.

Die Hochschulrektorenkonferenz begrüßte den Schritt, verwies jedoch darauf, dass der tatsächliche Investitionsbedarf weit höher liege.

Trendwende oder nur Sparrunde?

Die Beispiele zeigen, dass Frankfurt kein Einzelfall ist. Hessen, Berlin und Nordrhein-Westfalen reduzieren Mittel, Studienplätze und teilweise ganze Studienangebote. Andere Länder wie Bayern und Baden-Württemberg investieren dagegen weiter in ihre Hochschulen, Sachsen setzt auf den Erhalt bestehender Strukturen.

Von einer bundesweiten Abkehr von der Bildungsexpansion kann daher bislang keine Rede sein. Gleichwohl gerät ein bildungspolitisches Leitbild unter Druck, das Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat: Möglichst viele junge Menschen sollten studieren, immer mehr Hochschulen sollten wachsen.

Die Rückkehr einer Debatte

Gleichwohl gerät ein bildungspolitisches Leitbild unter Druck, das Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat: Möglichst viele junge Menschen sollten studieren, immer mehr Hochschulen sollten wachsen. Wo knappe Kassen, sinkende Studierendenzahlen und ein veränderter Arbeitsmarkt zusammentreffen, wird dieses Selbstverständnis erstmals seit Jahrzehnten wieder grundsätzlich hinterfragt.

Damit rückt eine Debatte in den Vordergrund, die weit über aktuelle Haushaltsprobleme hinausweist. Muss die akademische Ausbildung weiter wachsen – oder ist die Phase der Bildungsexpansion an ihre Grenzen gelangt?

In diesem Zusammenhang taucht inzwischen auch ein Begriff auf, der lange vor allem in der historischen und sozialwissenschaftlichen Forschung diskutiert wurde: Peter Turchins Theorie der "Elitenüberproduktion".

Sie stellt die Frage, ob Gesellschaften mehr akademisch Qualifizierte hervorbringen, als sie in entsprechend qualifizierte Positionen integrieren können. Ob diese Theorie die aktuellen Entwicklungen erklärt oder ob die Sparprogramme lediglich eine Folge knapper öffentlicher Kassen sind, dürfte die Debatte über die Zukunft der Hochschulen in den kommenden Jahren mitprägen.


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  1. https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/455-studienplaetze-weniger-als-sparmassnahme-7794
  2. https://wissenschaft.hessen.de/studieren/hochschulpolitik/hessischer-hochschulpakt
  3. https://wissenschaft.hessen.de/presse/fragen-antworten-zum-hessischen-hochschulpakt-2026-2031
  4. https://www.htw-berlin.de/hochschule/aktuelles/sparmassnahmen
  5. https://www.berlin.de/sen/wgp/presse/2026/pressemitteilung.1642230.php
  6. https://www.tagesspiegel.de/berlin/kurzungsplane-der-berliner-hochschulen-an-diesen-stellen-wollen-hu-fu-und-co-sparen-15495590.html
  7. https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/haushalt-hochschulen-nrw100.amp
  8. https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/hochschulen-studium/hochschulpolitik/hochschulfinanzierung-2026-2030
  9. https://www.stmwk.bayern.de/pressemitteilung/12995/wissenschaftsminister-markus-blume-zum-doppelhaushalt-20262027-investitionen-des-freistaats-sind-rueckgrat-des-fortschritts-in-bayern.html
  10. https://www.staatsregierung.sachsen.de/sachsens-staatshaushalt-2025-2026-9240.html
  11. https://www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/bund-laender-vereinbarung-den-sanierungsstau-an-hochschulen-endlich-aufloesen-5161/

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Personalwechsel im Kabinett: Warken soll künftig das Kanzleramt führen

Von Telepolis — 23. Juli 2026 um 20:30
Zwei Herren in Anzug

Merz und Söder haben sich offenbar auf eine Kabinettsumbildung geeinigt

(Bild: photocosmos1/Shutterstock.com)

Nina Warken soll als erste Frau das Kanzleramt führen. Auslöser der Rochade ist der Rücktritt von Jens Spahn. Doch auch ein weiterer Posten wird neu besetzt.

Die Bundesregierung steht vor einer Personalrochade: Gesundheitsministerin Nina Warken soll neue Kanzleramtschefin werden, CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wiederum ihren Posten im Gesundheitsministerium übernehmen. Dies berichtete [1] die Tagesschau unter Berufung auf übereinstimmende Medienberichte.

Die 47-jährige Warken würde damit auf den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei folgen, der am kommenden Mittwoch zum neuen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt werden soll.

Regierungssprecher Stefan Kornelius wollte die Berichte nicht kommentieren: "Der Bundeskanzler wird die Personalentscheidungen bekannt geben, wenn alle offenen Punkte geklärt sind." Laut [2] der Zeit könnte Bundeskanzler Friedrich Merz seine Entscheidung am Freitagmorgen in Berlin vorstellen.

Auslöser war die Leihmutterschaftsaffäre um Spahn

Hintergrund der Umbildung ist der Rücktritt des bisherigen Unionsfraktionschefs Jens Spahn am vergangenen Samstag. Der 46-jährige CDU-Politiker hatte öffentlich gemacht, dass er und sein Ehemann Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen hatten. Da Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und Spahn dieses Verbot in der CDU mitgetragen hatte, geriet er unter massiven Druck – auch aus den eigenen Reihen. Ob Spahn sein Bundestagsmandat behält, ist bislang offen.

Kanzler Merz hatte im ZDF-Sommerinterview am Wochenende bereits angedeutet, dass die Spahn-Nachfolge eine Gelegenheit für eine Kabinettsumbildung bieten könnte. Gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder einigte er sich auf Frei als Spahn-Nachfolger an der Fraktionsspitze.

Erste Frau an der Spitze des Kanzleramts

Nina Warken wäre die erste Frau, die das Bundeskanzleramt führt. Die gebürtige Bad Mergentheimerin sitzt im CDU-Präsidium und ist Vorsitzende der Frauen Union. Vor ihrem Wechsel ins Kabinett war sie einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt, obwohl sie von 2021 bis 2025 als parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion eine Führungsposition innehatte. Im Bundestag sitzt die Juristin mit einer kurzen Unterbrechung seit 2013.

An Profil gewann Warken laut [3] Spiegel vor allem dadurch, dass sie als eines der wenigen Kabinettsmitglieder der Union eine Reform durchsetzte: das Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen. Bislang zögerte Warken offenbar zunächst aus familiären Gründen mit ihrer Zusage für den Wechsel ins Kanzleramt.

Linnemann rückt ins Kabinett auf

Carsten Linnemann war bereits im Wahlkampf als Minister gehandelt worden, ging nach der Wahl jedoch leer aus und blieb in der Parteizentrale. Merz platzierte seinen Generalsekretär allerdings im Koalitionsausschuss. Das Verhältnis zwischen Merz und Linnemann soll zuletzt allerdings abgekühlt sein.

Wer Linnemann als Generalsekretär nachfolgt, gilt offiziell noch als offen. Nach Spiegel-Informationen soll CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann den Posten übernehmen.


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  1. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/warken-kanzleramtschefin-100.html
  2. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-07/nina-warken-uebernimmt-kanzleramt-linnemann-wird-gesundheitsminister
  3. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-nina-warken-soll-kanzleramt-uebernehmen-carsten-linnemann-das-gesundheitsministerium-a-808eb728-e42a-49b8-bb51-50acb1c94da4

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Iran-Krieg: Warum Teheran am längeren Hebel sitzt

Von Telepolis — 23. Juli 2026 um 14:00
Karte des Nahen Ostens mit Roten Kreisen um die Region, die Kriegshandlungen symbolisieren sollen

Der Iran-Krieg droht zu einem langfristigen Konflikt ohne erkennbarem Ende zu werden

(Bild: artemegorovv/Shutterstock.com)

Brennende Tanker, blockierte Buchten: Der Ölhandel könnte die entscheidende Waffe im Iran-Krieg werden. Washington droht ins Leere zu laufen. Eine Analyse.

Die US-Armee steht vor einem neuen Rekord: zum Donnerstag dürfte die bislang längste Serie aufeinanderfolgender Bombardierungstage gegen den Iran überschritten werden [1]. Nach elf Nächten intensiver Angriffe erreicht [2] der Konflikt eine neue Eskalationsstufe. Erstmals seit Beginn der jüngsten Offensive steht auch die iranische Hauptstadt Teheran wieder unter Feuer [3].

Damit schwinden nicht nur die zuletzt ohnehin kaum bestehenden Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung [4]. Auch die wiederholten Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, der Krieg könne durch einen schnellen militärischen Schlag entschieden werden, geraten zunehmend [5] in Widerspruch zur Realität.

Aus der angekündigten Machtdemonstration entwickelt sich ein Konflikt, der immer stärker die Schwächen der amerikanischen Strategie offenlegt.

Während sich Teheran auf einen langfristigen Abnutzungskrieg spätestens seit den Trauerfeierlichkeiten um das getötete Staatsoberhaupt Khamenei einstellt [6], steigen für Washington die Kosten. Wie lange kann Washington den Krieg noch fortsetzen?

Milliardengrab für die USA

Neben militärischen Fehlkalkulationen und der extremen Unbeliebtheit [7] des Krieges geraten vor allem die finanziellen Belastungen in den Mittelpunkt: US-Kriegsminister Pete Hegseth bezifferte [8] die bisherigen Kriegskosten vor einem Ausschuss des Senats auf 37,5 Milliarden Dollar.

Wie die Tagesschau berichtet [9], bestehen erhebliche Zweifel, ob diese Summe vollständig ist, da bereits die ersten sechs Kriegstage rund 11,3 Milliarden Dollar gekostet haben [10]. Gleichzeitig forderte [11] die Trump-Regierung erst Ende letzten Monat zusätzliche Milliarden vom Kongress.

Besonders aufschlussreich ist dabei die Begründung: Ein erheblicher Teil soll in die Wiederauffüllung erschöpfter Waffenbestände fließen. Laut einer Analyse [12] von Al Jazeera wurden große Mengen moderner Präzisionswaffen eingesetzt – darunter Tomahawk-Marschflugkörper, JASSM-Lenkwaffen sowie Patriot- und THAAD-Abfangsysteme.

Zwar erklärte Hegseth, die aktuelle Kriegsführung sei nicht gefährdet [13]. Gleichzeitig zeigt die Forderung nach zusätzlichen Milliarden jedoch ein grundlegendes Problem: Der Krieg bindet Ressourcen, die Washington eigentlich für seine geopolitisch-strategische Ausrichtung – insbesondere gegenüber China – benötigt.

Trumps Tote

Die Folgen werden inzwischen auch in den Vereinigten Staaten unübersehbar: Am Mittwoch nahm [14] Donald Trump auf der Dover Air Force Base an der Überführung der Särge von vier getöteten US-Soldaten teil. Laut [15] Reuters wurden inzwischen 18 US-Soldaten getötet und 500 verletzt. Allein in der vergangenen Woche sollen mehr als 100 Soldaten verwundet worden sein – somit nicht nur für den Iran die blutigsten Tage dieses Krieges.  [16]

Wie der Guardian berichtet [17], warnen zunehmend anonyme, ehemalige US-Beamte vor einem langwierigen Abnutzungskrieg. Trotz starker Militärzensur kursieren Berichte [18] über erschöpfte Soldaten, wiederholte Einsatzverlängerungen und belastete Familien.

Dies ließ sich auch an den vor dem Senat dargestellten Budgeterhöhungen für Überstunden- und Gefahrenzuschläge ablesen – schwindende Moral soll monetär aufgebessert werden.

Die Trump-Regierung könnte dabei von ihrer eigenen Siegesrhetorik eingeholt werden. Mehrere Senatoren kritisierten [19], dass Washington Milliarden für einen angeblich erfolgreichen Krieg verlange, während sich die Kriegsziele fortlaufend verschieben: von der Zerstörung des iranischen Atomprogramms über den Schutz der Schifffahrt bis zur Öffnung der Straße von Hormus.

Ein klarer Kurs und ein schnelles Ende seien nicht erkennbar – der Widerstand wächst. Wie Bilder aus dem US-Senat belegen, demonstrierten junge Menschen [20]während der Rede von Hegseth gegen den Iran-Krieg.

Asymmetrische Angelegenheit

Diese Entwicklung ist ein Resultat der iranischen Strategie. Teheran versucht nicht, die USA in einer klassischen militärischen Konfrontation zu besiegen. Stattdessen setzt der Iran auf asymmetrischen Druck: wachsende wirtschaftliche Kosten und kalkulierte Gegenschläge.

Nach Einschätzung des Institute for the Study of War [21] kann der Iran die Kosten des Krieges so weit erhöhen, dass Washington seine Ziele mindestens überdenken muss. Auch das Council on Foreign Relations sieht [22] den entscheidenden Hebel Teherans nicht in einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus, sondern in einem gezielten Einsatz wirtschaftlicher Druckmittel.

Faktor Öl

Die Bedeutung der Straße von Hormus bleibt zentral. Zwar wird verstärkt über alternative Transportwege für die Rohstoffe vom Golf diskutiert, doch kurzfristig existiert keine gleichwertige Umgehung [23].

Die saudische East-West-Pipeline erreicht nicht [24] die Dimension der gesamten durch Hormus fließenden Energiemengen. Auch eine Analyse zu alternativen Exportwegen zeigt [25]: Neue Logistikketten könnten langfristig Risiken reduzieren, kurzfristig jedoch keine Entlastung schaffen.

Branchenkreisen zufolge prüfen [26] insbesondere asiatische Raffinerien, Rohöl künftig verstärkt über die Ost-West-Pipeline zum saudischen Rotmeerhafen Yanbu zu transportieren. Von dort sollen kleinere Tanker den Suezkanal passieren oder teilweise über die ägyptische Sumed-Pipeline ans Mittelmeer umschlagen.

Die Abu Dhabi Crude Oil Pipeline umgeht [27] Hormus zwar vollständig, ist jedoch bei den Kapazitäten, trotz einesAusbauss bis 2027, weit unterhalb der Gesamtproduktion angesiedelt. Parallel baut DP World derzeit neue Großterminals in Fujairah, um den Hafen dauerhaft als Ausweichstandort zu etablieren, Al Jazeera weist jedoch darauf [28] hin, dass iranische Angriffe bereits die Verladung vor Ort beeinträchtigt haben.

Gleichzeitig bleiben alle Alternativen verwundbar [29]: Die Huthi drohen mit einer Ausweitung ihrer Angriffe, selbst Pakistan droht in den Konflikt militärisch involviert zu werden. Eine vollständige Ausschaltung dieser Akteure wäre für Washington jedoch nur durch eine massive militärische Eskalation unter Einsatz von Bodentruppen möglich – innenpolitisch wohl inopportun.

Beim Faktor Öl treten zudem mehrere Ebenen hinzu: nicht nur, dass die US-Öl-Reserven auf ihren tiefsten Stand seit dem April 1983 gefallen sind [30], sondern auch, dass Europa, das stärker in einen globalen LNG-Markt eingestiegen ist, durch die Straße von Hormus besonders verwundbar [31] wird.

Der Konflikt trifft Europa nicht unbedingt durch einen direkten Lieferstopp, sondern durch Preisschocks [32]. Die US-Angriffe trieben [33] die Verbraucherpreise dabei auf den höchsten Stand seit Juni und laut Automobilclub [34] verteuerte sich bei uns allein Diesel im Vergleich zur Vorwoche um fast zehn Cent pro Liter.

Am längeren Hebel

Während die USA weiterhin ihre technologische Überlegenheit durch Luftangriffe und Raketenoperationen demonstrieren, wächst der Preis des Krieges: Milliardenkosten, schwindende Munitionsbestände, tote Soldaten und eine zunehmende innenpolitische Debatte über einen weiteren Endloskrieg [35].

Teherans entscheidende Waffe ist deshalb die Fähigkeit, die Verwundbarkeit des globalen Energiesystems offenzulegen. In dieser Diktion analysiert [36] auch der unabhängige Militärexperte Torsten Heinrich die aktuelle Lage: Die iranische Strategie der Erschöpfung scheint aufzugehen, erschwerend tritt hinzu, dass an jedem Tag, wo dieser Krieg geführt wird, die USA Materialien nutzen, "die sie gegen China brauchen könnten".

Der Krieg entscheidet sich nicht allein an militärischer Schlagkraft. Daran ändern auch die US-Drohungen mit Angriffen auf zivile Infrastruktur nichts – etwa Donald Trumps Ankündigung [37], für jeden Angriff auf ein Schiff in der Straße von Hormus eine Brücke oder ein Kraftwerk im Iran zu zerstören, oder mögliche Angriffe auf Pickaxe Mountain [38], die mit Blick auf Hormus strategisch sinnlos [39] wären. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche Seite länger durchhalten kann. Und hier deuten alle Parameter auf den Iran.


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  1. https://www.tagesspiegel.de/internationales/iran-krieg-flugabwehrfeuer-in-teheran-angriffe-auf-us-stutzpunkte-15864181.html
  2. https://www.reuters.com/world/middle-east/us-military-completes-its-latest-strikes-iran-marking-10th-successive-night-2026-07-21/
  3. https://www.tagesschau.de/ausland/teheran-iran-usa-100.html
  4. https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_101351890/iran-krieg-warum-trumps-waffenstillstand-laengst-gescheitert-ist.html
  5. https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_101354678/trumps-iran-krieg-ausser-kontrolle-mehr-bomben-mehr-kosten-mehr-tote.html
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  23. https://www.dw.com/de/iran-krieg-suche-nach-alternativen-zur-stra%C3%9Fe-von-hormus/a-77041610
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  38. https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/pickaxe-mountain-diese-iranische-militaeranlage-will-trump-angreifen-accg-201051091.html
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