Ab 6. August wird es Firmenmitarbeitern von SpaceX erlaubt sein, erste Aktienpakete am Markt zu verkaufen. Es ist zu erwarten, dass das große Angebot die Nachfrage übersteigen und die Aktienpreise weiter fallen lassen wird. Kein Wunder also, dass immer vehementer eine Fusion von Tesla und SpaceX gefordert wird, solange die nach allen objektiven Kriterien grotesk überbewertete SpaceX-Aktie noch nennenswerte Preise erzielt.
Der Ausgabepreis der SpaceX-Aktie wurde – das ist unüblich – von Elon Musk festgesetzt. Normalerweise wird der Preis von den am Börsengang beteiligten Banken ermittelt. Die verdienen ihr Geld jedoch mit einem geringen Prozentsatz am Verkaufspreis der auf den Markt gebrachten Aktien. Sie sind damit befangen und waren entsprechend geneigt, der überhöhten Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar zuzustimmen.
Unternehmensbewertung jenseits aller Realität
Dieser Wert wurde augenscheinlich gewählt, um Elon Musk durch die von ihm gehaltenen Unternehmensanteile für kurze Zeit auf dem Papier um ersten Billionär der Welt zu machen. Er entsprach außerdem dem Hundertfachen der rund 18 Milliarden US-Dollar Umsatz von SpaceX, bei etwa 5 Milliarden US-Dollar Verlust. Typischerweise werden Aktien nach ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet, wobei ein Verhältnis größer als 20 auf eine deutliche Überbewertung hindeutet. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 100, bei gleichzeitigen großen Verlusten von rund 25 Prozent des Umsatzes, spottet jeder Beschreibung.
Üblicherweise werden Aktien auch erst mit einem Jahr Handelsgeschichte und einem Jahr Profiten in Aktienindizes aufgenommen. Aber die Nasdaq machte für SpaceX eine Ausnahme, setzte die Aktie schon nach zwei Wochen und trotz der riesigen Verluste auf den Index und erzwang damit ihren Kauf durch alle Indexfonds, die dem Kurs sämtlicher Aktien der Nasdaq folgen. Der Kurs der SpaceX-Aktie sank dennoch.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie SpaceX heute sein Geld verdient, sondern womit das Unternehmen künftig seinen Börsenwert rechtfertigen will. Der Börsenprospekt gibt darauf einige aufschlussreiche Antworten.
Von Mars bis Cyberpunk ist alles dabei
Die aktuelle Wachstumsstrategie von SpaceX beinhaltet demnach neben dem Ausbau der Nutzlastkapazität der Raumfahrt und des Starlink-Netzwerkes vor allem den "Aufbau einer Mondökonomie mit Frachttransport, Energieversorgung und industrieller Fertigung auf dem Mond". Geplant ist zudem die weitere Monetarisierung von KI und der ehemaligen Twitter-Plattform X sowie der Ausbau der irdischen KI-Infrastruktur und der eigenen Chipfertigung. Geschäftswachstum soll durch orbitale KI und "digital human augmentation" gesichert werden – ein Konzept, das auch die von Musk gegründeten Firma Neuralink verfolgt und Science-Fiction-Lesern aus Cyberpunk-Romanen bekannt ist.
Das sind lediglich die aktuellen Geschäftsbereiche, in denen SpaceX sofortiges Wachstum erzielen will. Um die Börsenbewertung zu rechtfertigen, ist weiteres Wachstum in Zukunftsmärkten erforderlich.