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MongoBleed: Mehr als 11.500 verwundbare MongoDB-Instanzen in Deutschland

Von Heise

(Bild: JLStock/Shutterstock.com)

IT-Sicherheitsforscher haben die Verbreitung von für MongoBleed anfällige Instanzen untersucht. In Deutschland stehen über 11.500.

IT-Admins kommen „zwischen den Jahren“ nicht zur Ruhe. Zu Weihnachten wurde eine hochriskante Sicherheitslücke in MongoDB [1] mit dem Spitznamen „MongoBleed“ bekannt, durch die Angreifer aus dem Netz ohne vorherige Authentifizierung etwa an Zugangsdaten gelangen können, was an das „CitrixBleed“-Desaster Ende 2023 [2] erinnert. Global sind zigtausende Systeme derzeit noch anfällig – und Deutschland landet mit mehr als 11.500 anfälligen Instanzen auf dem unrühmlichen dritten Platz.

Das berichten IT-Sicherheitsforscher von Resecurity in einem Blogbeitrag [3]. Nachdem für die Schwachstelle CVE-2025-14847 (CVSS 8.7, Risiko „hoch“) Proof-of-Concept-Code zum Missbrauc [4]h öffentlich wurde, sind massenhafte Angriffe zu erwarten. Umso schwerer wiegt, dass Resecurity mit der Shodan-Datenbank bei der Suche nach MongoDB-Instanzen, die sich mit verwundbaren Versionen melden, weltweit fast 90.000 Instanzen gefunden hat.

Am meisten verwundbare Systeme stehe in China, 16.576 hat Shodan am Dienstag dieser Woche dort gefunden. An zweiter Stelle folgen die USA mit 14.486 anfälligen Instanzen, und auf Platz drei liegt bereits Deutschland mit 11.547 angreifbaren und im Netz erreichbaren MongoDB-Servern. Abgeschlagen geht es mit Hongkong weiter, wo immerhin noch 5.521 anfällige MongoDBs zu finden sind.

Deutscher Provider weltweit an der Spitze

Besonders auffällig ist Deutschland bei der Verteilung nach Providern. Weltweit auf Platz eins steht Hetzner Online GmbH, dort liegen 6.828 verwundbare MongoDB-Server. Erst danach folgt Alibaba Cloud (Aliyun) mit 6.226 attackierbaren Instanzen. Weitere namhafte Größen wie Google landen mit 3.364 exponierten, anfälligen MongoDB-Servern auf Platz fünf.

Eine Einschränkung nennt Resecurity noch: Um verwundbar zu sein, muss die zlib-Kompression aktiviert sein – was jedoch laut IT-Sicherheitsforschern oftmals die Standardkonfiguration darstellt. Admins sollten spätestens jetzt die verwundbaren Instanzen auf eine sichere Softwareversion aktualisieren, dafür steht MongoDB in Fassung 8.2.3, 8.0.17, 7.0.28, 6.0.27, 5.0.32 und 4.4.30 und neuer bereit. Ältere Versionen sind am End-of-Life angelangt und erhalten keinen Patch mehr. Wer nicht umgehend aktualisieren kann, soll laut Resecurity etwa die zlib-Kompression als temporäre Gegenmaßnahme deaktivieren oder zu einer alternativen Kompression wechseln sowie den Zugriff auf den MongoDB-Netzwerkport (standardmäßig 27017) etwa mittels Firewalls oder VPN beschränken.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11126702

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/MongoDB-kritische-Sicherheitsluecke-in-NoSQL-Datenbank-11124891.html
[2] https://www.heise.de/news/CitrixBleed-erst-nach-zwei-Wochen-gepatcht-36-Millionen-Kundendaten-abgegriffen-9579227.html
[3] https://www.resecurity.com/blog/article/mongobleed-cve-2025-14847-mongodb-memory-leak-flaw
[4] https://www.heise.de/news/MongoBleed-Exploit-fuer-kritische-Luecke-in-MongoDB-erleichtert-Angriffe-11125112.html
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[6] mailto:dmk@heise.de

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  • 31. Dezember 2025 um 13:47

39C3: CCC-Hacker fordern Bundesdatensicherungsspiele gegen Ransomware-Albträume

Von Heise

(Bild: media.ccc.de, CC BY 4.0)

Vom Cyberdome zu „AI Slop“: Experten analysieren den Status quo der IT-Sicherheit und enthüllen eine nahe Zukunft, in der Backups Leistungssport werden dürften.

In den Messehallen Hamburgs herrschte am Dienstag die zum Jahresende übliche Mischung aus technologischer Zuversicht und Pessimismus. Doch als Ron Fulda und Constanze Kurz die Bühne des 39. Chaos Communication Congress (39C3 [1]) betraten, wich der Rest-Optimismus einer schauerlich-schrecklichen Bestandsaufnahme des digitalen Scheiterns. Unter dem Titel „Security Nightmares“ skizzierten die Hacker-Urgesteine ein Bild der IT-Sicherheit, das zwischen staatlichem Größenwahn und der drohenden „Enshittification“ durch KI pendelte. Ein Aufhänger: Angesichts der andauernden Ransomware-Bedrohung rief das Duo vom Chaos Computer Club (CCC) nach Backup-Wettbewerben im Stil sportlicher Großereignisse.

Glaskugel 2026: Vom Cyberdome zu Backup-Medaillen

Der traditionell mit viel Hackerironie geschärfte Blick in die nahe Zukunft [2] war geprägt von einer zunehmenden Automatisierung – sowohl beim Angriff als auch bei der Verteidigung. Kurz verwies auf das Eckpunktepapier für einen „Cyberdome“ [3]. Die in Israel von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgeschnappte Idee soll 2026 in ein Realisierungskonzept münden. Das Ziel klingt nach Science-Fiction: Ein digitaler Schutzschild für Wirtschaft und Gesellschaft, der „informatische Angriffe“ vollautomatisiert abwehrt.

Die Hacker-Community bleibt skeptisch. Wenn die Technik versagt, hilft nur die klassische Tugend der IT: das Backup. „Wir fordern die Bundesdatensicherungsspiele“, erklärte Fulda mit Blick auf zahllose gescheiterte Wiederherstellungsversuche in Verwaltung und Industrie: „Am Ende ist ein gutes Backup das Last Level of Defence.“ Das Thema müsse positiv besetzt werden, weg von den „Backup Hunger Games“ zu einer Kultur des Gelingens. Wer nachweisen könne, dass er seine Daten tatsächlich erfolgreich zurückspielen kann, sollte Medaillen oder zumindest Teilnahmeurkunden und Bildungsurlaub erhalten. Der Zustand der digitalen Welt sei teils absurd: So gebe es zwar den gesetzlichen Zwang zur freien Browserwahl im Betriebssystem. Es fehle aber eine Selektionspflicht dazu, ob Daten lokal, in der eigenen Cloud oder überhaupt auf diesem Planeten gespeichert werden müssten.

Für 2026 prognostizieren Kurz und Fulda auch eine neue Eskalationsstufe der KI-Integration. Es drehe sich längst nicht mehr alles darum, Nutzerverhalten für Werbung auszuspähen. Mit „Agentic Add-ons [4]“ – eigenständig handelnden Bots – erreiche die Enshittification ein neues Level [5]. Fulda scherzte über „Gegenschnittstellen“ und offene Standards für die Bestechung solcher KI-Agenten.

Gleichzeitig droht ein massives Ressourcenproblem. Während der Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren bereits diskutiert wird, könnte 2026 der RAM-Verbrauch zum großen Ärgernis für Konsumenten werden, hieß es. Eine Rückkehr zu schmaler, effizienter Software wäre zwar wünschenswert, aber mit dem Trend zum Vibe-Coding – dem Zusammenklicken von Quelltext durch Nicht-Programmierer mittels KI [6] – kaum vereinbar.

Rückblick: Von Hello Barbie zum Bitcoin-Raub

Um die Absurdität der Gegenwart zu verstehen, lohnt laut Fulda und Kurz die Erinnerung an 2015. Vor zehn Jahren war die Welt der IT-Sicherheit noch eine andere, wenn auch die Keime der heutigen Probleme bereits sichtbar waren [7]. Damals wurde über den ersten Cyber-Bankraub in Höhe von einer Milliarde Dollar gestaunt – eine Summe, die heute angesichts von Krypto-Scams fast bescheiden wirkt. Fulda betonte: „Das war ja noch vor dem großen Bitcoin-Hype.“

Ein Highlight der Retrospektive war die vernetzte Puppe „Hello Barbie“. Damals als Sicherheitsdesaster fürs Kinderzimmer verschrien [8], zog Fulda eine Parallele zu heutigen KI-Systemen wie ChatGPT. Auch Barbie hatte ein Backend, das jahrelang live war. Zudem hat das Spielgerät laut den Hackern die Frage aufgeworfen, ob Spielzeughersteller verpflichtet seien, Kindesmissbrauch bei Kenntnisnahme durch die Puppe zu melden. Heute drehe sich die Debatte um Chatverläufe bei Suiziden [9] und KI-Halluzinationen, erklärte Fulda: „Wenn die KI sagt: 'Das wird mir zu hart, ich übergebe an einen Menschen', und dann geht niemand ans Telefon – das ist die Realität, in der wir angekommen sind.“

Auch staatliche Überwachung war 2015 schon Dauerthema. Der große Leak bei Hacking Team [10] beschäftigte die Community lange. Kurz dachte zurück an die Nächte, die sie sich um die Ohren schlug. Mit Helfern wollte sie im Datenwust den Beweis finden, dass auch das Bundeskriminalamt (BKA) Kunde der italienischen Trojaner-Schmiede war [11]. Während die Tüftler damals noch vor Desinformationskampagnen im US-Wahlkampf zitterten, wirkt die aktuelle Lage deutlich düsterer. Fulda trocken: „Heute sind wir froh, wenn es in drei Jahren überhaupt noch einen Wahlkampf gibt.“

Internet-Normalitätsupdate 2025: Der KI-Slop übernimmt

Im Hier und Jetzt ist die IT-Sicherheit an einem kritischen Punkt angelangt. Die Statistiken, die Fulda präsentierte, sprechen eine deutliche Sprache: 119 neue Sicherheitslücken pro Tag, ein Anstieg von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig verfügen nur 44 Prozent der Deutschen über ein „sicheres Passwort“. Die Folgen sind fatal. 2024 gab es in England den ersten dokumentierten „Ransomware-Toten“ [12], da ein Angriff auf einen Dienstleister für Blutkonserven die medizinische Versorgung lahmlegte. „Die indirekten Toten wurden nie gezählt“, ergänzte Kurz düster.

grauer Hintergrund, <AI_Slop.gif> als "Platzhalter"
grauer Hintergrund, <AI_Slop.gif> als "Platzhalter"

Kurzer Kommentar zum KI-Slop.

(Bild: media.ccc.de [13], CC BY 4.0 [14])

Besonders genervt zeigten sich die Panelisten vom Zustand des Internets. Rund 20 Prozent der beliebtesten YouTube-Inhalte bestehe mittlerweile aus „AI Slop“. Dieser minderwertige, KI-generierte Content erziele dennoch Millionenumsätze. Auf TikTok liege der Anteil bei 60 Prozent. „Gibt es überhaupt noch jemanden mit einem normalen Gesicht in sozialen Netzwerken?“, fragte Kurz enttäuscht. Da immer mehr Software von Menschen „zusammengeklickt“ werde, die die Essenz des Programmierens nie gelernt haben, müssten Profis oft die Trümmer wegräumen. Fulda brachte ein weiteres Beispiel: „Wenn man in einer Kanzlei KI einsetzt, braucht man hinterher mehr Rechtsanwälte, um die unerwünschten Verfahren wieder loszuwerden.“

Fallen die Hackerparagrafen?

Auch das Militär – Chat der „Houthi-Gruppe“ mit Insidererkenntnissen zu Opsec geleakt [15] – und die Industrie blieben angesichts hoher Zero-Day-Wellen [16] und veritabler Cloud-Ausfälle [17] nicht verschont. Der schwere Cyberangriff auf Jaguar Landrover im Februar führte zu wochenlangen Werksschließungen [18] und einem Schaden von rund 2,2 Milliarden Euro [19]. Währenddessen toben im Hintergrund die „Infinity Crypto Wars“ [20]. Die britische Regierung forderte Zugriff auf iCloud-Daten [21], woraufhin Apple die „Advanced Data Protection“ für Neukunden in UK abschaltete [22]. Kurz weiß: „Die Gremien, die die Wunschlisten für Überwachung schreiben, haben heute einen sehr erfolgreichen Zugriff auf die Gesetzgeber.“

Trotz der vielen Schlafräuber gab es zum Ende einen zaghaften Lichtblick. Nach fast 17 Jahren politischer Debatte und einem entsprechenden Versprechen im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung unter Friedrich Merz (CDU) scheint das „Recht auf IT-Sicherheitsforschung“ endlich greifbar [23]. „Es soll jetzt tatsächlich so weit sein“, wollte Kurz die politischen Ankündigungen zur Novelle der Hackerparagrafen noch nicht so recht glauben. In einer Welt, in der nordkoreanische IT-Mitarbeiter nur durch ihre Tastatur-Verzögerungen identifiziert werden können [24], wäre ein solcher Schritt für die hiesigen Hacker zumindest ein kleiner Trostpreis bei ihren Leistungssportwettbewerben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11126693

Links in diesem Artikel:
[1] https://events.ccc.de/congress/2025/infos/startpage.html
[2] https://www.heise.de/news/38C3-CCC-Hacker-fordern-maschinenlesbare-TUeV-Plakette-fuer-vernetzte-Geraete-10222324.html
[3] https://www.heise.de/news/Mehr-IT-Sicherheit-Dobrindt-will-den-Cyber-Dome-10623448.html
[4] https://www.heise.de/select/ix/2025/10/2519810075015172992
[5] https://www.heise.de/news/39C3-Konzerne-ruinieren-das-Netz-Cory-Doctorows-Ideen-gegen-Enshittification-11126178.html
[6] https://www.heise.de/news/Vibe-Coding-Cleanup-Specialists-Diese-Menschen-reparieren-schlechten-KI-Code-10658670.html
[7] https://www.heise.de/news/32C3-Der-Sicherheits-Albtraum-geht-weiter-3057186.html
[8] https://www.heise.de/news/Erneute-Kritik-an-Hello-Barbie-App-mit-Schwachstellen-3032110.html
[9] https://www.heise.de/news/Mitschuld-an-Suizid-Eltern-verklagen-in-den-USA-OpenAI-10623362.html
[10] https://www.heise.de/news/Ueberwachungssoftware-Aus-Hacking-Team-wurde-Hacked-Team-2736160.html
[11] https://www.heise.de/news/Spaehsoftware-Das-BKA-zu-Besuch-bei-Hacking-Team-2784567.html
[12] https://www.heise.de/news/England-Cyberangriff-auf-Pathologiedienstleister-fuehrte-zum-Tod-eines-Patienten-10463860.html
[13] https://media.ccc.de/
[14] https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
[15] https://www.heise.de/news/US-Minister-besprechen-auf-Signal-Militaerschlaege-im-Jemen-Journalist-liest-mit-10327065.html
[16] https://www.heise.de/news/Citrix-Bleed-2-Aktuelle-Angriffswarnungen-10519742.html
[17] https://www.heise.de/news/AWS-Ausfall-Amazon-legt-vollstaendigen-Ursachenbericht-vor-10848208.html
[18] https://www.heise.de/news/Jaguar-Land-Rover-nimmt-Produktion-wieder-auf-10733932.html
[19] https://www.heise.de/news/Experten-Cyberangriff-auf-Jaguar-ist-teuerster-in-britischer-Geschichte-10811032.html
[20] https://www.heise.de/hintergrund/Missing-Link-Crypto-Wars-der-endlose-Streit-ueber-sichere-Verschluesselung-4967574.html
[21] https://www.heise.de/news/Geheimerlass-Datenschuetzer-klagen-gegen-britischen-Ueberwachungsbefehl-an-Apple-10317201.html
[22] https://www.heise.de/hintergrund/Ende-zu-Ende-Verschluesselung-So-will-Apple-iCloud-Nutzerdaten-besser-schuetzen-7469308.html
[23] https://www.heise.de/news/Zivilgesellschaft-macht-Druck-beim-Einhegen-der-Hackerparagrafen-10211017.html
[24] https://www.heise.de/news/Sekundenbruchteile-verraten-Nordkoreaner-11120504.html
[25] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[26] mailto:ps@ct.de

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  • 31. Dezember 2025 um 13:30

Bericht: iPhone-18-Bildsensor von Samsung made in Texas

Von Heise
iPhone Air in erster Generation

iPhone Air mit Kameramodul: Derzeit von Sony, bald auch von Samsung?

(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)

Auf Druck der Trump-Administration holt Apple mehr Produktion nach Hause. Dieses Mal geht es südkoreanischen Medien zufolge um Foto-Hardware.

Apples Versuche, dem Drängen der US-Regierung zu folgen, mehr iPhone-Fertigung in die Vereinigten Staaten zu verlagern, gehen weiter. Einem Bericht des in Südkorea erscheinenden Elektronikfachblattes The Elec [1] zufolge geht es dabei um den Lieferanten Samsung – genauer: dessen Bildsensorenproduktion. Aktuell setzt Apple vollständig auf Sony beim Bau der iPhone-Kameras. Dass mit Samsung demnächst ein zweiter Hersteller hinzukommen soll, gilt in Supply-Chain-Kreisen als ausgemacht. Wo dieser fertigt, war aber bislang noch unklar.

Sonys Monopol wird gebrochen

Laut The Elec gilt Austin in Texas [2] als heißer Kandidat. Samsungs Komponentenabteilung plant, dort in den kommenden Jahren über 17 Milliarden US-Dollar zu investieren. Angeblich soll alles ganz schnell gehen: Eine erste Produktionslinie für Bildsensoren könnte bereits im ersten Halbjahr 2026 zur Verfügung stehen. Ob Apple hier bereits Kunde ist, gilt allerdings als unklar.

Denkbar wäre, dass Apple Samsung-Bildsensoren parallel zu Sony-Technik bereits im für Herbst geplanten iPhone 18 Pro oder Pro Max – alternativ oder zusätzlich auch im ersten iPhone-Foldable [3] – verbaut. Üblicherweise versucht der Konzern stets, mindestens zwei Lieferanten für zentrale Komponenten zu haben. Wenn diese nicht sowieso bei Auftragsfertigern exklusiv für Apple gebaut werden, wie etwa die Apple-Silicon-Prozessoren der A- und M-Reihe oder die neuen Modemchips C1 und C1X [4]. Sony fertigt derzeit in Japan.

Three-Stack-Design für bessere Lichtausbeute

Ob die Gesamtproduktion der neuen Apple-Bildsensoren in Austin erfolgt oder diese nur eine Zweit- oder Drittproduktion neben Südkorea und anderen Standorten darstellt, wurde zunächst nicht bekannt. Zu erwarten ist jedoch, dass Apple die Fertigung öffentlich ankündigt, um sein Commitment zum heimatlichen Standort zu unterstreichen.

Samsung plant in Austin den Bau neuartiger Bildsensoren im sogenannten Three-Stack-Design, das eine bessere Lichtausbeute durch ein vertikales Stacking mehrerer Sensorschichten verspricht. Zudem ist mit einer höheren Pixeldichte, samt schnellerer Lese- und Schreibvorgänge, zu rechnen. Samsung will das Verfahren erstmals im großen Stil anwenden, weshalb sich Apple dafür interessiert.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11125769

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.thelec.net/news/articleView.html?idxno=5530
[2] https://spectrumlocalnews.com/tx/south-texas-el-paso/news/2025/09/18/abbott-announces--250m-grant-for-samsung-facility
[3] https://www.heise.de/news/Faltbares-Apple-Handy-Kommt-der-Formfaktor-des-iPhone-mini-als-Pass-zurueck-11125785.html
[4] https://www.heise.de/news/Neue-Funkchips-von-Apple-Was-N1-und-C1X-koennen-sollen-10639457.html
[5] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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  • 31. Dezember 2025 um 16:00

Ruckelt sich noch zurecht: Apples Foldable-Produktion

Von Heise
Mensch mit Foldable

Mensch mit Foldable (nicht von Apple).

(Bild: Karlis Dambrans / Shutterstock)

Einem Analysten zufolge könnte es länger dauern, bis Apple die gewünschten Stückzahlen seines Falt-Handys erreicht. Die Fertigung gestaltet sich schwierig.

Apples Vorproduktion seines allerersten iPhone-Foldables ist mittlerweile vorsichtig angelaufen [1], heißt es aus Supply-Chain-Kreisen. Das neue Modell, das im Herbst 2026 erwartet wird, soll das teuerste und komplexeste Smartphone sein, das der Konzern jemals hergestellt hat. Laut einer kürzlich erschienenen Notiz an Investoren [2] des bekannten Analysten Ming-Chi Kuo von TF International Securities sorgt dies für „Herausforderungen“. Apple ist dabei angeblich bereits hinter den Zeitplan bisheriger Erwartungen geraten.

Yield und Ramp Up

Dennoch werden die Geräte wie erwartet im zweiten Halbjahr kommenden Jahres verfügbar sein, schreibt Kuo weiter. Probleme bei der Produktionsausbeute (Yield) und dem Aufbau der Massenproduktion an sich (Ramp Up) könnten aber dafür sorgen, dass die Stückzahlen anfangs geringer ausfallen als von Apple erhofft. Mit Verfügbarkeiten ohne größere Wartezeiten sei nicht vor 2027 zu rechnen – nach der Auslieferung der ersten Vorbestellungen im September. Ungewöhnlich wäre das für Apple allerdings nicht. So war zuletzt auch das iPhone 18 Pro anfangs schwer verfügbar.

Apple setzt beim iPhone-Foldable, dessen offizieller Name noch nicht durchgesickert ist, wieder auf den bewährten Partner Foxconn als Endmonteur. Dieser soll anfangs nur in China produzieren, Indien könnte recht schnell als zweiter Standort folgen, sobald die Massenproduktion im Reich der Mitte rund läuft. Beim iPhone 17 Pro und 17 Pro Max wurde praktisch von Anfang an auch auf dem Subkontinent mitproduziert, wo Apple mittlerweile 25 Prozent aller iPhones herstellt.

Neuer „Pass“-Formfaktor?

Ursprünglich soll Foxconn geplant haben, bereits im Dezember in die Massenproduktion einzusteigen. Es gibt jedoch Gerüchte, dass die Geräte im Design-Validation-Stadium verblieben sind. Dies ist der Prüfungsabschnitt im Produktentwicklungsprozess, in dem die ersten vom Band laufenden Geräte systematisch gegen die festgelegten Anforderungen und Spezifikationen getestet werden.

Apples erstes Foldable kommt angeblich in einem „Pass“-Formfaktor mit 5,3-Zoll-Außendisplay [3] und 7,7 Zoll (ca. 20 cm) im aufgeklappten Zustand. Apple soll es gelungen sein, die Klapptechnik nahezu „faltenfrei“ zu gestalten [4]. Mit 2500 Euro aufwärts wird es wohl auch das teuerste Smartphone des Konzerns.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11123413

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[1] https://www.heise.de/news/iPhone-Foldable-Massenproduktion-laeuft-an-Preis-2400-US-Dollar-plus-11090716.html
[2] https://mingchikuo.craft.me/iL4L5hcO7csXvK
[3] https://www.heise.de/news/Faltbares-Apple-Handy-Kommt-der-Formfaktor-des-iPhone-mini-als-Pass-zurueck-11125785.html
[4] https://www.heise.de/news/Foldable-ohne-Buegelfalte-So-soll-das-faltbare-iPhone-geschmeidig-bleiben-10488599.html
[5] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[6] https://www.heise.de/mac-and-i
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  • 31. Dezember 2025 um 14:00

Elektromobilität: Florida baut Autobahn mit drahtloser Ladefunktion

Von Nils Matthiesen
Ein Teilstück der State Road 516 in Florida soll Elektroautos während der Fahrt aufladen. Das Pilotprojekt nutzt hierfür Induktionstechnik.
Florida baut eine Autobahn für E-Autos. (Bild: Enrx)
Florida baut eine Autobahn für E-Autos. Bild: Enrx

In Florida entsteht derzeit ein Straßenabschnitt , der Elektrofahrzeuge während der Fahrt mit Energie versorgen kann. Die Central Florida Expressway Authority (CFX) realisiert das Projekt auf einem neuen Teilstück der State Road 516 nahe Orlando. Ziel der Infrastrukturmaßnahme ist es, die sogenannte Reichweitenangst zu minimieren und die Abhängigkeit von zeitintensiven Stopps an stationären Ladesäulen zu verringern.

Drahtlose Energieübertragung im Asphalt

Die technische Grundlage des Vorhabens bildet dem Bericht zufolge die induktive Kopplung. Unter der Fahrbahnoberfläche werden spezielle Kupferspulen installiert, die ein elektromagnetisches Feld erzeugen, sobald ein dafür ausgerüstetes Fahrzeug den Abschnitt passiert. Ein am Unterboden des Autos montierter Empfänger wandelt dieses Feld wieder in elektrischen Strom um und speist ihn direkt in das Batteriesystem ein. Als Partner für die technologische Umsetzung fungiert das norwegische Unternehmen Enrx, das sich auf drahtlose Energieübertragung spezialisiert hat. Zudem ist das Forschungszentrum Aspire der National Science Foundation maßgeblich an der Entwicklung beteiligt.

Der Bauabschnitt der State Road 516 soll als Reallabor für künftige Mobilitätskonzepte dienen. Die Ingenieure stehen dabei vor der Herausforderung, die Ladehardware so in den Straßenbelag zu integrieren, dass sie sowohl den hohen mechanischen Belastungen durch den Schwerlastverkehr als auch den extremen Witterungsbedingungen Floridas langfristig standhält.

Potenzial für kleinere Batterien

Sollte sich das System im Regelbetrieb bewähren, könnte dies die Fahrzeugentwicklung nachhaltig beeinflussen. Wenn Hauptverkehrsadern kontinuierlich Energie liefern, benötigen Elektroautos keine massiven und schweren Akkupakete mehr, um praxistaugliche Reichweiten für Langstrecken zu erzielen. Eine Reduktion der Batteriekapazität würde das Fahrzeuggewicht signifikant senken und damit die Gesamteffizienz steigern. Gleichzeitig könnten die Anschaffungskosten für Endkunden sinken, da die Batterie derzeit den teuersten Faktor in der Produktion darstellt.

Ähnliche Teststrecken wurden bereits in Ländern wie Schweden oder Deutschland erprobt, doch das Projekt in Florida gilt aufgrund seiner Integration in ein öffentliches Schnellstraßennetz als eines der bisher ambitioniertesten Vorhaben in den USA. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Teststrecke Fahrzeughersteller dazu bewegt, die notwendige Empfängertechnik künftig ab Werk in Serienfahrzeuge zu integrieren.

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  • 31. Dezember 2025 um 15:30

Cyberkriminalität: Security-Profis gestehen ALPHV-Angriffe

Von Nils Matthiesen
Zwei US-Sicherheitsanalysten haben gestanden, als Partner der Ransomware -Gruppe ALPHV zahlreiche Unternehmen erpresst zu haben.
Security-Mitarbeiter gestehen Ransomware-Angriffe (Symbolfoto). (Bild: KI-generiert mit Gemini)
Security-Mitarbeiter gestehen Ransomware-Angriffe (Symbolfoto). Bild: KI-generiert mit Gemini

Zwei US-Staatsbürger haben vor einem Bundesgericht in Miami ein umfassendes Geständnis abgelegt, nachdem sie als Affiliates der berüchtigten Ransomware-Gruppe ALPHV (auch bekannt als BlackCat) agiert hatten.

Ryan Goldberg und Kevin Martin räumten demnach ein, eine Verschwörung zur Erpressung begangen zu haben, um US-Unternehmen mithilfe von Verschlüsselungssoftware zu schädigen. Der Fall sorgt für besonderes Aufsehen, da beide Männer zum Tatzeitpunkt in führenden Rollen innerhalb der IT-Sicherheitsbranche tätig waren und ihr technisches Know-how gezielt gegen ihre Opfer einsetzten.

Täter aus der Sicherheitsbranche

Die Ermittlungen des Justizministeriums ergaben, dass Goldberg als Incident Response Manager bei der Sicherheitsfirma Sygnia beschäftigt war. Martin war als Verhandlungsführer für Ransomware-Angriffe bei Digitalmint tätig, einem Unternehmen, das Opfern eigentlich bei der Abwicklung von Lösegeldzahlungen helfen soll. Anstatt Angriffe abzuwehren, arbeiteten die Männer zwischen April und Dezember 2023 jedoch heimlich mit den Hintermännern von ALPHV zusammen. Sie schlossen eine Vereinbarung ab, wonach sie 20 Prozent jeder Lösegeldzahlung an die Administratoren der ALPHV-Infrastruktur abführten, um im Gegenzug Zugriff auf die Ransomware-Plattform zu erhalten.

Die Angeklagten griffen unter anderem drei Organisationen aus dem Gesundheitswesen sowie Unternehmen in Florida, Kalifornien und Maryland an. Dabei nutzten sie ihre berufliche Erfahrung, um gezielt Schwachstellen zu identifizieren und die Netzwerke ihrer Opfer zu infiltrieren. In einem dokumentierten Fall gelang es dem Duo, ein Medizintechnikunternehmen aus Florida um rund 1,2 Millionen US-Dollar in Bitcoin zu erpressen. Die Beute wuschen sie anschließend über verschiedene Kryptowährungs-Mixer, um die Spuren des Geldes zu verschleiern.

Hohe Haftstrafen erwartet

Sowohl Sygnia als auch Digitalmint erklärten nach Bekanntwerden der Vorwürfe, dass die Männer außerhalb ihrer Befugnisse gehandelt hätten und sofort entlassen worden seien. Die Unternehmen kooperieren nach eigenen Angaben vollumfänglich mit dem FBI. Die US-Justiz betonte, dass der Fall zeige, dass Ransomware-Bedrohungen nicht nur aus dem Ausland kommen, sondern auch durch Insider mit hoher technischer Expertise im Inland befeuert werden können.

Für die Verschwörung zur Erpressung droht Goldberg und Martin jeweils eine maximale Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren. Das Bundesgericht hat die Verkündung des Strafmaßes für den 12. März 2026 angesetzt. Bis dahin bleiben die Angeklagten in Gewahrsam oder unter strengen Kautionsauflagen. Dieser Fall markiert einen der ersten Erfolge der US-Behörden bei der Überführung von Brancheninsidern, die das lukrative Ransomware-as-a-Service-Modell für private Bereicherung innerhalb der eigenen Landesgrenzen ausgenutzt haben.

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  • 31. Dezember 2025 um 14:44

Für neue Werke: China zwingt Halbleiterhersteller zu mehr heimischer Technik

Von Johannes Hiltscher
Chinas Regierung will eine unabhängige Halbleiterbranche . Neue Regeln sollen den Umstieg beschleunigen, chinesische Maschinenbauer profitieren bereits.
Angestellte montieren Maschinen bei Naura (Symbolbild). (Bild: Naura)
Angestellte montieren Maschinen bei Naura (Symbolbild). Bild: Naura

Die Halbleiterbranche gilt der Regierung der Volksrepublik China als zentraler Baustein nationaler Unabhängigkeit. Entsprechend gibt es starke Bestrebungen, die Abhängigkeit von ausländischer Technik zu verringern – was immer strengere Exportrichtlinien der US-Regierung auch unumgänglich machen. Dennoch bleiben wohl viele Hersteller lieber bei ausländischer Technik, weshalb die chinesische Regierung laut Reuters mit neuen Regeln nachhelfen will.

Diese schreiben für neue Fabriken vor, dass mindestens 50 Prozent der Maschinen von chinesischen Herstellern stammen müssen. Lediglich bei modernsten Prozessen, gemeint dürften die 7-nm-Prozesse von SMIC sowie möglicherweise 3D-NAND von YMTC und (LP)DDR5-Speicher von CXMT sein, sollen Ausnahmen erlaubt sein. Hier erreichen Anlagen von Naura, AMEC oder Sicarrier noch nicht die Leistung der ausländischen Konkurrenz.

Eine Herausforderung stellt zudem die Einbindung der chinesischen Maschinen dar. Die einzelnen Anlagen müssen teils aufeinander abgestimmt werden, um gute Ergebnisse zu erreichen. Dennoch soll SMIC mittlerweile Ätzmaschinen von Naura in seinem 7-nm-Logikprozess – dem modernsten in der Volksrepublik – testen. YMTC soll Ätzmaschinen von Naura bei der Produktion von NAND-Flash mit über 300 Lagen einsetzen.

Umsatzsprung bei Naura und AMEC

Dennoch verkaufen chinesische Hersteller mittlerweile deutlich mehr Maschinen. Die Nachfrage nach Belichtungsmaschinen aus chinesischer Produktion soll gestiegen sein: 421 wurden laut Reuters 2025 verkauft. Dabei ist allerdings unklar, was diese genau können. Bei älteren Fertigungsprozessen, die China stark ausbaut, lassen sich Maschinen von ASML, Canon oder Nikon leichter ersetzen. Immersionslithografiemaschinen für moderne Prozesse sollen sich hingegen erst im Testbetrieb befinden .

Bei Anlagen zum Entfernen von Fotomasken sowie zur Reinigung von Wafern sollen chinesische Hersteller im Land bereits einen Marktanteil von über 50 Prozent haben. Darüber hinaus soll Naura Ersatzteile für Maschinen ausländischer Anbieter entwickelt haben, die diese aufgrund von US-Handelsbeschränkungen nicht mehr liefern dürfen.

Die chinesischen Maschinenbauer sehen bereits jetzt eine deutlich gestiegene Nachfrage: Nauras Umsatz legte im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 16 Milliarden Yuan (rund 2 Milliarden Euro) zu, AMEC verbuchte mit 5 Milliarden Yuan (rund 610 Millionen Euro) im gleichen Zeitraum sogar ein Plus von 44 Prozent. Die neuen Regelungen dürften diesen Trend noch einmal verstärken. Unklar ist allerdings, wann sie in Kraft treten.

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  • 31. Dezember 2025 um 14:15

Buchkritik: Enshittification

Von Heise

Populäre Internetdienste stiften immer weniger Nutzen, manche mutieren zu echten Ärgernissen. Cory Doctorow zufolge stecken Absicht und Prinzip dahinter.

Cory Doctorow, Science-Fiction-Autor und Aktivist für digitale Bürgerrechte, hat bereits 2022 den Begriff Enshittification geprägt. Er meint damit eine mutwillig verursachte Tendenz von Produkten, Diensten und Infrastrukturen, die immer nutzerfeindlicher und immer weniger brauchbar werden. In seinem aktuellen Buch untersucht er diese „Verscheißigung“ nun bei digitalen Plattformen, also IT-Systemen, die Anwender mit Anbietern zusammenbringen.

Doctorow veranschaulicht den Verfall anhand von Facebook, Amazon, Twitter und dem iPhone. Jede dieser Errungenschaften habe ursprünglich echten Mehrwert für Kunden gebracht. Sobald die Unternehmen dahinter ihre Kunden gewissermaßen eingesperrt hatten, zogen sie die Daumenschrauben an.

Internationale Politik trägt laut Doctorow hohe Mitschuld daran; sie habe Akteure wie IBM oder Microsoft mit deren Gebaren immer wieder durchkommen lassen. Lediglich unter Joe Biden habe dank Lina Khan an der Spitze der Federal Trade Commission (FTC) eine monopolfeindliche Ära gewunken; Trump habe diese Bestrebungen jedoch zunichte gemacht. Hinzu komme, dass der mäßigende Einfluss von Mitarbeitern in der Tech-Industrie gegenüber ihren Chefs geschwunden sei.

Für Wege aus dem Dilemma benennt der Autor einige Ansätze: Man brauche mehr Wettbewerb, mehr Regulierung, mehr Mitbestimmungsrechte und mehr technische Interoperabilität, die den Umstieg von einer Infrastruktur auf eine andere erleichtern würde. Netzbetreiber müssten neutral sein, Diensteanbieter müssten strengere Vorgaben etwa fürs Kommunikationsdesign bekommen. Positiv sieht er Maßnahmen wie den europäischen Digital Markets Act (DMA) und den Digital Services Act (DSA).

Letztlich müssten Doctorow zufolge die Plattformen gar nicht weniger schrecklich werden – bloß weniger wichtig.

Der Autor trägt sein Anliegen in leicht verständlichem Englisch vor, herausfordernd sind nur einige auf US-Recht gemünzte juristische Passagen. Für Mai 2026 ist eine deutsche gleichnamige Fassung des Buches angekündigt. Sie soll mit dem Untertitel „Wie Tech-Konzerne uns ausbeuten und was wir dagegen tun können“ im Blumenbar-Imprint des Aufbau-Verlags erscheinen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Enshittification-11081123.html
[2] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Content-Creation-mit-Kuenstlicher-Intelligenz-11081099.html
[3] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Enshittification-11081123.html
[4] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Ethical-Hacking-Das-grosse-Buch-zum-Hacking-mit-Python-11059758.html
[5] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Elon-Jeff-on-Mars-10749040.html
[6] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Building-a-Debugger-10749036.html
[7] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-TikTok-Time-Bomb-10749064.html
[8] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Warum-niemand-die-Quantenphysik-versteht-10748482.html
[9] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Generation-TikTok-10497030.html
[10] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Async-Rust-10484110.html
[11] https://www.heise.de/ct
[12] mailto:psz@ct.de

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  • 31. Dezember 2025 um 10:00

Polen: Die neue Erfolgsgeschichte Osteuropas

Von Sebastian Becker

Sebastian Becker

Container im Hafen von Gdynia

(Bild: PHkorsart / Shutterstock.com)

Seit Jahren wird der größte östliche EU-Markt mit Lob regelrecht überschüttet. Doch wie realistisch ist die Entwicklung tatsächlich?

Das Bild Polens war über die Jahrhunderte hinweg nie sonderlich positiv. Oft wurde das Land im wohlhabenden Westen als arm und rückständig angesehen. Und während der kommunistischen Zeit Anfang der Achtziger Jahre herrschte in der damaligen Volksrepublik sogar ein akuter Mangel an Nahrungsmitteln, so dass viele ihr Heil im Westen suchten, um dort für nur sehr wenig Geld die niedersten Arbeiten zu verrichten. Wer nach Deutschland oder in anderes westliches Land kam, hatte es geschafft, sich in ein besseres Leben zu flüchten.

Doch jetzt – eine Generation danach – hat sich die Situation auf den Kopf gestellt: Die internationalen Geschäftsleute und die Presse überschütten Polen auf einmal mit Lob. „Polen ist das neue Deutschland“, sagt beispielsweise Peter [1] Bosek, Vorstandschef der Erste Group Bank. „Die Wachstumslokomotive Europas [2]“ oder „Der unentdeckte Superstar unter den Börsenmärkten [3]“ sind weitere Superlative in der Presse, die offenbar kein Ende finden.

Was die Kaczyński-Partei annimmt

Ein Grund: Die solide Wirtschaftsentwicklung, die in den vergangenen 20 Jahren im Prinzip – wenn man von der Coronapandemie absieht – keine Rezession ausgewiesen hat. Dies gilt als wichtigste Erfolgsgeschichte in der EU.

Deswegen ist es auch kein Wunder, dass sich die nationalkonservative Oppositionspartei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) [4] hier sehr optimistisch zeigt, dass Polen Deutschland spätestens 2040 beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf eingeholt hat. Gerade dieses Thema, dass Polen den ungeliebten Nachbarn einholt, ist für die Partei von besonderer Wichtigkeit.

Der Hintergrund der Entwicklung: Die Wirtschaft ist überwiegend im niederen Prozentbereich gewachsen. Dies ist grundsolide, aber auch kein Riesenwachstum. Der wichtigste Motor ist der Außenhandel, der knapp 90 Prozent der Ökonomie ausmacht. Und hier wiederum spielen die Geschäfte mit Deutschland eine wesentliche Rolle. Sie machen rund ein Viertel am Außenhandel (27 Prozent [5]) aus.

So wichtig ist Deutschland für Polen

Dazu kommt, dass der westliche Nachbar als nominell wichtigster Investor, der seit 1990 rund 36 Milliarden Euro in das Land gesteckt hat, der Wirtschaft eine enorme Stabilität verleiht.

Besonders wichtig war der EU-Betritt 2004, weil dadurch das Land verstärkt Außenhandel betreiben kann. Die Mittel der Gemeinschaft, die Polen zusätzlich stark in Anspruch nimmt, treiben zusätzlich die Entwicklung voran. „Wäre das Land nicht zur Gemeinschaft beigetreten, wäre die Wirtschaft jetzt um 40 Prozent schwächer“, analysiert der Warschauer Think-Tank Polski Instytut Ekonomiczny [6] (PIE) die Lage.

„Dies ist der Realität voraus“, hat der damalige polnische Agrarminister Czeslaw Siekierski einmal darüber gesagt, dass Polen Deutschland schon bald einholt. Seine Branche ist im Land politisch sehr wichtig und trägt einen bedeutsamen Teil zum gesamten Deutschland-Geschäft bei.

Wie die Entwicklung realistisch einzuschätzen ist

„Das Land und insbesondere die polnische Landwirtschaft haben enorm von der EU profitiert“, so Siekierski. „Es dürfte noch eine Weile dauern, bis Polen den westlichen Nachbarn tatsächlich erreicht hat“, hieß es auch vom Institut PIE.

Fazit: Das gesamte Lob, das Polen derzeit bekommt, zeigt, wie sehr sich das Image des Landes gewandelt hat. Und das ist schon ein herausragender Erfolg, wenn man bedenkt, wie schlecht das Bild früher immer war. Dies geht nicht zuletzt auf die EU zurück. Doch faktisch ist das Land noch weit von Deutschland entfernt – und dürfte dies über Jahrzehnte hinweg bleiben.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.boersianer.at/artikel/bosek-polen-ist-wirtschaftswunderland
[2] https://www.bing.com/search?q=%22Polen+die+Wirtschaftslokomotive+Europas%22&FORM=HDRSC1
[3] https://www.boerse-am-sonntag.de/aktien/aktien/polen-der-uebersehene-superstar-unter-den-boersenmaerkten
[4] https://www.telepolis.de/article/Wirtschaftsboom-in-Polen-Wird-die-deutsche-Volkswirtschaft-bis-2040-ueberholt-9219009.html
[5] https://www.destatis.de/Europa/EN/Topic/Foreign-trade/EU_tradingPartner_Germany.htmlhttps://www.destatis.de/Europa/EN/Topic/Foreign-trade/EU_tradingPartner_Germany.html
[6] https://pie.net.pl/wp-content/uploads/2024/04/Tygodnik-PIE_18-2024-1.pdf

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  • 31. Dezember 2025 um 14:00

Gesund versorgt? Nur, wenn man sich auskennt

Von Christoph Jehle

Christoph Jehle

500-Euro-Schein mit vituvianischem Menschen, der von einem Stethoskop geffesselt wird 

Das deutsche Gesundheitssystem gilt als bestes der Welt. In der Praxis werden Risiken und Verantwortung weitergereicht. Am Ende steht der Patient allein.

Das deutsche Gesundheitswesen taucht derzeit in der Presse hauptsächlich im Zusammenhang mit den steigenden Kosten und der finanziellen Unterdeckung bei den Gesetzlichen Krankenversicherungen auf.

Jetzt soll weiter gespart werden und die Behandlung auf der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit konzentriert werden. Mancher sieht schon die Gefahr einer standardisierten Triage [1] für Rentner kommen.

Um die Patienten davon abzuhalten, direkt einen Facharzt aufzusuchen, soll der Patient zuerst seinen Hausarzt aufsuchen. Damit dies nicht überhand nimmt, ist derzeit die Wiedereinführung einer Praxisgebühr im Gespräch.

Um die Hausärzte vom ärgerlichen Inkasso zu befreien, soll die Praxisgebühr von der zuständigen Krankenkasse eingezogen werden. Das macht jedoch in der Praxis nur Sinn, wenn die Krankenkasse die Möglichkeit hat, diese Gebühr einmal im Quartal direkt vom Konto des Patienten abzubuchen.

Ob dieses Prozedere in der Praxis mehr verspricht, als eine gut vergütete Arbeitsbeschaffung für einen Inkassodienstleister darf bezweifelt werden.

Der Umgang mit der elektronischen Patientenakte (ePA) spricht im Blick auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen Bände, denn noch ist die ePA nicht flächendeckend verfügbar und so mancher Arzt kann auf sie gar nicht zugreifen und da liegt es nicht etwa an einer veralteten Praxissoftware.

Schon bisher gilt die Pflicht zu einer wirtschaftlichen Verordnungsweise für Medikamente

Die Gemeinsame Prüfungseinrichtungen Baden-Württemberg, einer Institution die es in vergleichbarer Weise auch in den anderen Bundesländern gibt, auch wenn sie dort unter einem anderen Namen geführt werden, stellen hinsichtlich der ärztlichen Verordnungen durch Allgemeinmediziner fest [2]:

"Die Verordnung von Arznei-, Verband- und Heilmitteln zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung muss ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich [3] sein. Sie darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.

Diese Vorgaben sind insbesondere zu beachten bei

• der Indikationsstellung zur Therapie
• der Auswahl der Therapieform wie z.B. der Wirkstoff- und Präparateauswahl
• der Verordnungsmenge und den Verordnungsintervallen
• der Dauer der Therapie

(…) Bei Weiterbehandlung eines Patienten nach stationärem Aufenthalt sollte die medikamentöse Einstellung der Klinikärzte hinterfragt werden, da der verordnende Vertragsarzt die alleinige Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben trägt (Wirtschaftlichkeit, Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit)."

Damit wird das wirtschaftliche Risiko einer Verordnung dem verordnenden Arzt zugeschrieben, der noch Jahre später für eine letztlich unwirtschaftliche Verordnung in Regress genommen werden, wenn die zuständige Prüfungseinrichtung des jeweiligen Bundeslandes zum Ergebnis kommen sollte, dass eine andere Verordnung in diesem Bundesland wirtschaftlicher gewesen wäre.

Auch die Patienten müssen ein erhöhtes wirtschaftliches Risiko übernehmen

Zahlreiche Behandlungen, die früher noch von Ärzten verordnet werden durften, fallen heute alleine dem Patienten zur Last. Am bekanntesten sind dabei Hilfsmittel wie Brillen oder Teststreifen zum Messen des Blutzuckers, die von den GKV nur übernommen werde, wenn der jeweilige Patient insulinpflichtig ist. Sonst muss der Patient die Kosten selbst tragen.

Die zunehmende wirtschaftliche Verantwortung des Patienten führt dazu, dass beispielsweise in der Zahnheilkunde bestimmte Leistungen von den Kassen nicht mehr übernommen werden.

Selbst eine spezielle Zusatzversicherung übernimmt keine 50 Prozent der Kosten, weil der Zahnarzt mit dem von der jeweiligen Versicherung akzeptierten Schlüssel seine Praxis nicht mehr wirtschaftlich betreiben kann, weil die Schlüssel auf dem Stand von Ende der 1980er-Jahre sind und seither nicht mehr angepasst wurden.

Der Patient muss dann selbst entscheiden, ob er sich von einem Arzt entsprechend dem aktuellen wissenschaftlichen Standard behandeln lässt und die zusätzlichen Kosten selbst trägt oder ob er sich einer Behandlung auf dem Stand von vor 40 Jahren unterzieht, in der Hoffnung, dass dies für ihn ausreichend ist.

Ein weiteres Problem bei ärztlichen Verordnungen besteht darin, dass, wenn der Diagnoseschlüssel den aktuellen Vorgaben der Kasse nicht entspricht, die Kosten beim Patienten hängen bleiben.

Selbst mit dem passenden Diagnoseschlüssel ist es durchaus möglich, dass man im Abstand von drei Wochen beim verordnenden Arzt für eine neue Verordnung vorsprechen muss, obwohl man über eine für mehrere Jahre erfolgte Dauerbewilligung verfügt, um die sich natürlich auch der Patient kümmern musste.

Und so mancher medizinische Dienstleister ist den Abrechnungsaufwand mit den Kassen inzwischen leid und behandelt nur noch Selbstzahler.

Die Auswahl der behandelnden Klinik und die Terminvereinbarung bleiben dem Patienten überlassen

Während die Rettungssanitäter im Notfall die Notaufnahme meist selbst aussuchen können und sich dabei gerne auf informelle Absprachen zurückziehen können, bleibt die Auswahl der Klinik bei einem geplanten stationären Klinikaufenthalt dem Patienten überlassen, der sich dann auch um einen entsprechenden Termin und um die benötigte Einweisung kümmern darf.

Wer sich als Patient im Dschungel der Versicherungen und der jeweils kompatiblen Verordnungen nicht sicher zurechtfindet und im Zweifelsfalle die jeweiligen Verordnungen eines Arztes hinterfragen kann, bleibt im deutschen Gesundheitswesen letztlich auf verlorenem Posten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11123822

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.aerzteblatt.de/archiv/triage-in-der-notaufnahme-6412e9e3-94d7-4a4c-9cb6-da125a31777e
[2] https://www.gpe-bw.de/facharztgruppen/allgemeinmediziner
[3] https://www.gpe-bw.de/grundlagen-des-pruefwesens

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  • 31. Dezember 2025 um 12:00

Work-Life-Balance: Warum unser Gehirn Auszeiten braucht

Von Bernd Müller

Bernd Müller

Bild von oben von Hand, die ein Holzdreieck hält. Work-Life-Balance-Konzept.

(Bild: izzuanroslan / Shutterstock.com)

Zu viel Arbeit und Überstunden verändern die Hirnstruktur und können krank machen. Experten raten zu bewussten Pausen.

Viele Berufstätige kennen das: Im Job gibt es immer mehr zu tun, Überstunden [1] häufen sich. Für Privatleben, Familie und Freizeit bleibt kaum noch Zeit. Doch wer keine gute Work-Life-Balance [2] findet und ständig überarbeitet ist, schadet nicht nur seinem allgemeinen Wohlbefinden. Eine aktuelle Studie zeigt: Zu viel Arbeit kann sogar die Struktur unseres Gehirns verändern.

Doch was genau bedeutet Work-Life-Balance eigentlich? Der Begriff beschreibt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben. Verschiedene Lebensbereiche wie Job, Familie, Freunde, Hobbys und Erholung sollen möglichst harmonisch miteinander vereinbart werden.

Keiner dieser Bereiche sollte ein Übergewicht haben oder die anderen stark beeinträchtigen. Ziel einer gesunden Work-Life-Balance ist es, genügend Zeit und Energie zu haben, um sowohl im Beruf als auch privat zufrieden und ausgeglichen zu sein.

Überarbeitung verändert die Struktur des Gehirns

Wie wichtig das ist, unterstreicht nun eine Studie aus Südkorea [3], die im Fachmagazin Occupational & Environmental Medicine veröffentlicht wurde. Forscher untersuchten darin die Gehirne von 110 Beschäftigten im Gesundheitswesen. Ein Teil von ihnen arbeitete pro Woche 52 Stunden oder mehr [4] und galt damit als überarbeitet. Die anderen hatten mit unter 52 Stunden reguläre Arbeitszeiten.

Per Magnetresonanztomografie (MRT) analysierten die Wissenschaftler die Hirnstruktur der Probanden. Das Ergebnis: Bei den Überarbeiteten zeigten sich deutliche Veränderungen in Hirnregionen, die für Planung, Konzentration, Arbeitsgedächtnis und Emotionssteuerung zuständig sind. Besonders der mittlere frontale Gyrus, der für kognitive Funktionen wichtig ist, war bei ihnen um 19 Prozent vergrößert.

Mehr Volumen – aber kein Vorteil fürs Gehirn

Was bedeuten diese Veränderungen? Darüber sind sich die Forscher bislang nicht ganz sicher. Sie vermuten aber, dass es sich um neurobiologische Anpassungen an chronischen Arbeitsstress [5] handelt. Die Volumenzunahmen könnten erklären, warum überarbeitete Menschen häufiger unter Konzentrationsproblemen, Entscheidungsschwierigkeiten und psychischen Belastungen wie Depressionen und Ängsten leiden.

"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass lange Arbeitszeiten neuroadaptive Veränderungen hervorrufen können, die sich möglicherweise auf die kognitive und emotionale Gesundheit auswirken", schreiben die Forscher. Sie fordern, Überlastung als ernstes Problem für die Gehirngesundheit anzuerkennen und mit Arbeitsschutzmaßnahmen gegenzusteuern.

Work-Life-Balance ist der Schlüssel für Gesundheit und Zufriedenheit

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine gute Work-Life-Balance für unsere psychische Gesundheit ist. Denn nur wenn Beruf und Privatleben im Einklang sind, können wir dauerhaft gesund und leistungsfähig bleiben. Dabei ist das optimale Verhältnis individuell verschieden. Während manche mehr Zeit für Familie oder Hobbys brauchen, legen andere vielleicht mehr Wert auf berufliche Entwicklung.

Entscheidend ist, dass man für sich selbst einen Weg findet, der zu den eigenen Bedürfnissen und Lebensumständen passt. Hilfreich können dabei etwa flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice [6] oder Teilzeit [7] sein. Auch bewusste Auszeiten [8], in denen man wirklich abschaltet, sind wichtig für eine gesunde Balance. Letztlich profitieren davon auch Unternehmen: Denn zufriedene, ausgeglichene Mitarbeiter sind nachweislich produktiver und seltener krank.

Die Studie macht deutlich: Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist kein Luxus, sondern ein Muss für unsere Gesundheit. Sie sollte für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber höchste Priorität haben. Denn nur wer Beruf und Privatleben in Einklang bringt, bleibt langfristig leistungsfähig – und schützt dabei auch sein Gehirn.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde ursprünglich am 16. Mai 2025 veröffentlicht.


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https://www.heise.de/-10386679

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Agiles-Arbeiten-und-Home-Office-Warum-der-Burnout-droht-9807171.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Work-Life-Balance-So-unterschiedlich-arbeitet-Europa-10058197.html
[3] https://oem.bmj.com/content/early/2025/05/08/oemed-2025-110057
[4] https://www.heise.de/tp/article/Mindestens-48-Stunden-Wenn-Mehrarbeit-zur-Gesundheitsfalle-wird-10347324.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Selbstgemachter-Druck-Warum-immer-mehr-Deutsche-unter-Stress-im-Job-leiden-9864694.html
[6] https://www.heise.de/tp/article/Dauerstress-im-Homeoffice-Die-neue-Normalitaet-ist-schon-Realitaet-11073992.html
[7] https://www.heise.de/tp/features/telepolis_artikel_10638013.html
[8] https://www.heise.de/tp/article/Mittagsschlaf-Wie-ein-Nickerchen-das-Gehirn-beim-Problemloesen-unterstuetzt-10284427.html

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  • 31. Dezember 2025 um 11:33

Störungsmeldung vom 31.12.2025 10:00

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
31.12.2025 10:00
Region
Wilhelmshaven (04421)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

  • 31. Dezember 2025 um 10:00

Leak-Details: Interne Software zeigt Apples Produkte für 2026

Von Heise
Tim Cook mit iPads

Tim Cook mit iPads: Eigentlich sollten neue Geräte erst bei Apples Keynotes durchsickern.

(Bild: Apple)

Eine Vorabversion von iOS 26 und ein entfleuchtes Kernel-Debug-Kit sorgten fürs Durchsickern diverser Apple-Hardware-Details. Ein Überblick.

Welche Produkte stehen bei Apple im kommenden Jahr an? Mehrere Leaks aus den vergangenen Wochen, die vom iPhone-Hersteller selbst stammen, geben darüber einen erstaunlich guten Eindruck. Sowohl neue Macs als auch neue iPhones, iPads und Zubehör sind demnach in der Pipeline – durchgesickert sind dazu Codenamen und Prozessordetails.

Internes Material verkauft – aber auch von Apple selbst verbreitet

Die Angaben stammen zum einen aus einem eigentlich nur für den internen Gebrauch gedachten Kernel-Debug-Kit, das versehentlich auf Apples Website zum Download bereitstand. Weiterhin kursierte offenbar schon vor einigen Monaten ein Prototyp-iPhone, auf dem sich wiederum ein früher Build von iOS 26 befand – dieser war wiederum nicht um Angaben zu noch unveröffentlichten Geräten bereinigt.

Der Käufer dieses Prototyps teilte die Software wiederum mit Dritten, wie Macworld [1] berichtete. Detaillierte Angaben wurden zudem bei Macrumors und beim IT-Newsdienst The Information [2] verbreitet.

iPhones, iPads und Macs

In dem geleakten Code finden sich Hinweise auf insgesamt fünf neue iPhones: Ein 17e (Codename V159), ein zweites Air (V62, beide vermutlich im Frühjahr 2027 geplant), ein 18 Pro und ein 18 Pro Max (V63 und V64) sowie das lange erwartete faltbare iPhone (V68). Beim iPad stehen zwei Baureihen im Code: Ein erstes iPad Air mit M4-Chip und 11 und 13 Zoll, WLAN und Mobilfunk (J707, J708, J737, J738) sowie ein iPad 12, das angeblich den A19 aus dem iPhone 17 [3] erhält, was für ein Standard-Tablet von Apple ungewöhnlich wäre (Varianten mit WLAN und Mobilfunk, J581 und 582). Ein neues iPad mini [4] ist offenbar noch nicht berücksichtigt.

An Macs führt der Code das lange erwartete neue Billig-MacBook auf (wohl mit A18 Pro, obwohl es Apple angeblich auch mit dem alten A15 getestet [5] haben soll, Codename J700). Weiterhin MacBook Pro mit M5 Pro und M5 Max vertreten (14 und 16 Zoll, J714c, J714s, J716c und J716s), ein MacBook Air M5 mit 13 und 15 Zoll (J813 und J815) sowie zwei Desktop-Maschinen. Letztere sind Mac Studio mit M5 Max und M5 Ultra (J775c und J775d) und ein Mac Mini mit M5 und M5 Pro (J873g und J873s). Weiterhin interessant: Auch M6-Modelle sind bereits aufgeführt, dabei handelt es sich wohl um MacBook-Pro-Maschinen mit 14 Zoll (M6, J804) sowie M6 Pro und M6 Max (14 und 16 Zoll, K114c, K114s, K116c und K116s).

Chips und Zubehör

Auch für verschiedene neue Chips sind Codenamen aufgeführt, darunter M5 Pro, Max und Ultra, M6, A20 und A20 Pro, S11 (Apple Watch) und U3 (neuer Ultra-Wideband-Chip). Außerdem lassen sich verschiedene Zubehörprodukte sind aus dem Code erschließen, darunter Apple Watch Series 12 und Ultra 4, aber wohl auch intern bereits abgekündigte Produkte wie eine „Vision Air“ [6], eine billigere Vision Pro (nicht zu verwechseln mit dem vorhandenen M5-Modell [7]) und eine mit dem Mac zu verbindende AR-Brille [8]. Erwähnt werden schließlich auch KI-Brillen [9] (wohl ohne Display) und ein AR-Brillen-Prototyp.

Weiteres Zubehör, das der Code verrät, sind AirTags 2 [11] (Codename B589), ein neues Studio Display [12] (J427 und J527), ein neues Apple-TV-Modell [13] (J355) und zwei „Home Hubs“ [14] mit Basis und ohne (J490, J491). Auch Apples „Tabletop Robot“ (J595) [15] und ein noch unbekanntes Home-Accessoire (J229) haben Codenamen. Schließlich bastelt Apple wohl auch an einem HomePod mini 2 (B525).


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11124450

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.macworld.com/article/3007341/2026-ipads-revealed-a19-base-model-m4-air-with-apples-n1-chip-coming-soon.html
[2] https://www.theinformation.com/articles/inside-apples-iphone-road-map-foldable-screens-curved-glass-cases?rc=klmisg
[3] https://www.macworld.com/article/3007341/2026-ipads-revealed-a19-base-model-m4-air-with-apples-n1-chip-coming-soon.html
[4] https://www.heise.de/news/iPad-mini-mit-OLED-Display-Vorstellung-erst-Ende-2026-11095793.html
[5] https://www.macrumors.com/2025/12/17/apple-tested-a15-macbook/
[6] https://www.heise.de/news/Vision-Air-und-iPhone-20-Neue-Bildschirmtechnik-denkbar-10669177.html
[7] https://www.heise.de/tests/Apple-Vision-Pro-M5-im-Test-Doppelt-haelt-besser-10793698.html
[8] https://www.heise.de/news/Brille-mit-Mac-Anschluss-Apple-Projekt-N107-offenbar-gescheitert-10266728.html
[9] https://www.heise.de/news/Angeblich-wegen-Meta-Apple-will-jetzt-gleich-eine-Display-Brille-bauen-10699579.html
[10] https://www.heise.de/mac-and-i
[11] https://www.heise.de/news/Warten-auf-neue-AirTags-Was-die-neuen-koennen-sollen-aktuelle-verbilligt-10515823.html
[12] https://www.heise.de/news/Studio-Display-2-Angeblich-mehrere-Varianten-geplant-10317248.html
[13] https://www.heise.de/news/Apple-TV-4K-Kommt-ein-neues-Modell-noch-dieses-Jahr-10961315.html
[14] https://www.heise.de/news/Bericht-Sicherheitskamera-Home-Hub-und-Tischroboter-von-Apple-geplant-10522533.html
[15] https://www.heise.de/news/Home-Hub-und-Tischroboter-Apple-findet-offenbar-Fertiger-nicht-in-China-10765183.html
[16] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[17] mailto:bsc@heise.de

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  • 30. Dezember 2025 um 19:30

Flyover-Touren: Apple streicht Feature in Maps

Von Heise
Apple-Karten

Apple-Karten: Nix mehr mit Flugausflügen.

(Bild: Apple)

Mit einer besonderen Funktion konnte man sich seit 2014 in Apples Karten-App Städte zeigen lassen. Das Feature wurde mit iOS 26 kommentarlos gestrichen.

Apple hat eine einst beliebte Möglichkeit, Städte mit der Karten-App Apple Maps [1] virtuell zu besuchen, aus seiner iPhone-Anwendung gestrichen. Mit iOS 26 [2] fallen die sogenannten Flyover-City-Touren aus der App. Diese steckten schon seit iOS 8 [3] von 2014 in Apple Maps, gleichzeitig wurden sie auch auf dem Mac (mit macOS 10.10 alias Yosemite) eingeführt. Die Idee dahinter: Nutzer sollten wichtige Sehenswürdigkeiten eines Ortes im sogenannten Flyover-Modus in einer geführten Tour besuchen können. Flyover selbst [4] ist immer noch Teil von Apple Maps und steht in über 300 Städten weltweit als 3D-Ansicht in Vogelperspektive bereit – doch muss man nun von Hand „fliegen“. Die Aufnahmen werden nicht per Satellit, sondern mittels Flugzeug produziert.

Kommentarlose Entfernung

Apple hat die Städtetouren aus Apple Maps kommentarlos entnommen. Ursprünglich war das Feature zu erreichen, indem man nach dem Suchen einer Stadt auf das entsprechende Icon klickte. Apple hat bislang keine Angaben dazu gemacht, warum eine über ein Jahrzehnt lang verfügbare Funktion, die im Herbst 11 Jahre alt wurde, scheinbar nicht mehr notwendig ist. Viel Pflege ließ der Konzern ihr zwar nicht zukommen, doch zentrale Sehenswürdigkeiten ändern sich normalerweise nicht so schnell. Die Flyover-City-Tour umfasste neben Landmarken auch wichtige Gebäude oder beliebte Parkeinrichtungen.

Interessanterweise wurden Flyover-Daten bereits vor gut einem Jahr in einigen Städten wieder entfernt [5], die erst kurz zuvor aktualisiert worden waren. Es ist unklar, ob dies mit der Flyover-City-Tour-Streichung zusammenhängt.

Neues Feature nur außerhalb der EU

In Apples Supportbereich erinnert noch ein veraltetes Dokument zu iOS 15 – ausgerechnet auf dem ebenfalls gestrichenen iPod Touch – an die Funktion [6]. „3D-Flug ausführen: Tippe in der Karte unten auf dem Bildschirm auf „Tour starten“ oder „Stadttour starten“. (Tippe auf eine beliebige Stelle auf dem Bildschirm, wenn die Karte nicht angezeigt wird.)“, schreibt der Konzern dort.

Apple hatte zuletzt mit iOS 26 einige Verbesserungen in Maps vorgenommen. Darunter ist ein Feature, das besuchte Orte erfasst [7] und lokal (beziehungsweise verschlüsselt in der Cloud) speichert, wenn man dies wünscht. Die Funktion ist allerdings bis dato nicht in der EU erhältlich, weil Apple aufgrund der Regulierung die Gefahr sieht, Daten an Drittanbieter weitergeben zu müssen. Zudem plant der Konzern, demnächst Reklame in Apple Maps [8] zu platzieren.


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https://www.heise.de/-11121223

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Apple-Maps-im-Web-nun-auch-fuer-Mobilgeraete-10348006.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/iOS-und-iPadOS-26-in-Action-23-Tipps-fuer-die-neuen-Apple-Systeme-10646549.html
[3] https://www.youtube.com/watch?v=gEd1vvqiDnQ
[4] https://www.heise.de/news/3D-Flyover-Apple-Maps-pflegt-neue-Ueberflugaufnahmen-in-Deutschland-ein-10249535.html
[5] https://www.reddit.com/r/applemaps/comments/1l1gcr6/apple_has_removed_flyover_in_several_cities_they/
[6] https://support.apple.com/de-de/guide/ipod-touch/iph81a3f978/ios
[7] https://www.heise.de/news/Besuchte-Orte-Tracking-in-Apple-Karten-Wo-es-geht-und-wie-11074786.html
[8] https://www.heise.de/news/Bericht-Werbung-in-Apples-Karten-App-bereits-im-kommenden-Jahr-10900059.html
[9] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[10] https://www.heise.de/mac-and-i
[11] mailto:bsc@heise.de

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  • 30. Dezember 2025 um 15:24

Retrogaming: New Nintendo 3DS XL wird zum teuren Sammlerstück

Von Peter Steinlechner
Nintendos 3DS-Handhelds haben derzeit Preise, die zum Teil über dem einstigen Neupreis liegen. Vor allem der New Nintendo 3DS XL ist stark gefragt.
New Nintendo 3DS (Bild: Golem)
New Nintendo 3DS Bild: Golem

Die Gebrauchtpreise für Nintendos 3DS-Familie schießen seit kurzem in die Höhe. Wie Kotaku berichtet , werden vor allem Exemplare des New Nintendo 3DS XL auf Auktionsplattformen inzwischen häufig für rund 200 bis 350 US-Dollar gehandelt – vereinzelt auch darüber.

Noch vor etwa einem Jahr waren funktionierende Geräte teils für unter 100 US-Dollar zu bekommen. Auslöser der aktuellen Diskussion ist eine Auswertung des X-Accounts Pirat_Nation, der abgeschlossene eBay-Verkäufe gesammelt hat.

Demnach werden viele Gebote inzwischen in Preisregionen abgeschlossen, die in der Nähe oder sogar oberhalb des ursprünglichen Verkaufspreises liegen: Der 3DS startete 2011 mit rund 250 US-Dollar, der größere 3DS XL später mit etwa 200 US-Dollar in den Markt.

Besonders gefragt ist offenbar der 2014 erschienene New Nintendo 3DS XL ( Test auf Golem ) mit zusätzlichem C-Stick und schnellerer CPU, der schon zu Lebzeiten der Plattform als Premium-Variante galt.

Die Spieler von damals haben jetzt Geld

Geräte in gutem Zustand sind nur schwer unter 280 US-Dollar zu finden, während günstigere Angebote oft japanische LL-Modelle oder Handhelds mit Defekten sind.

Der 3DS selbst erschien 2011, wurde 2020 offiziell eingestellt und kommt zusammengerechnet auf knapp 76 Millionen verkaufte Systeme weltweit. Er setzt auf ein Klappdesign mit zwei Bildschirmen, oben mit autostereoskopischem 3D ohne Brille, und ist abwärtskompatibel zum Nintendo DS – ein wichtiger Grund für seine bis heute umfangreiche Spielebibliothek.

New 3DS und New 3DS XL – Fazit
New 3DS und New 3DS XL – Fazit (01:32)

Warum die Preise gerade jetzt so stark steigen, ist nicht ganz klar. Naheliegend ist eine Mischung aus begrenztem Angebot und Nostalgie: Die Generation, die mit dem 3DS groß geworden ist, kommt inzwischen in ein Alter mit mehr verfügbarem Einkommen und verbindet mit dem Gerät andere Erinnerungen als etwa mit dem noch älteren Game Boy.

Gleichzeitig sorgt der Retro-Boom im Gaming dafür, dass beliebte Handhelds zunehmend als Sammlerstücke betrachtet werden und viele Fans bereit sind, dafür deutlich mehr als früher zu zahlen.

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  • 30. Dezember 2025 um 18:15

Hannover: Spenderherz wegen Drohnen an Flughafen in Gefahr

Von Andreas Donath
Am 2. Weihnachtstag haben Drohnen den Flughafen Hannover blockiert und so den Transport eines Spenderherzens verzögert.
Zum Glück ist der Organtransport gut gegangen. (Bild: Pexels)
Zum Glück ist der Organtransport gut gegangen. Bild: Pexels

Die Situation war dramatisch: Ein Transplantationsteam wartete auf den Start, das Spenderherz lag transportbereit in der Kühlbox. Dann kam die Nachricht – Flughafensperrung wegen Drohnen, wie die Hannoversche Allgemeine berichtet .

Am 26. Dezember ist am Flughafen Hannover zwischen 21.47 Uhr und 0.16 Uhr kein einziges Flugzeug abgefertigt worden. Denn mindestens vier bis fünf Drohnen kreisten im Luftraum. Sieben Maschinen mussten ausweichen, zwei Flüge fielen komplett aus, heißt es beim NDR.

45 Minuten Verzögerung

Für das Organteam wurde es kritisch. Die Ärztin Theresa Holst, die das Herz im Auftrag der Deutschen Stiftung Organtransplantation begleitete, telefonierte mit der Bundespolizei. Eine Sondergenehmigung für den medizinischen Eilflug? Fehlanzeige. "Wir haben dadurch rund 45 Minuten verloren" , berichtete Holst dem NDR. . Bei Spenderherzen kommt es auf jede Minute an. "Wenn wir noch fünf Minuten länger hätten warten müssen, hätten wir das Herz wohl in die Tonne werfen müssen."

Der Grund: Durch Sauerstoffmangel entstehen bei zu langer Wartezeit irreversible Schäden am Herzmuskel. Das Organ wird unbrauchbar. In der Medizinischen Hochschule Hannover wartete bereits das OP-Team auf das Herz. Für den Patienten wäre der Ausfall fatal gewesen. Menschen auf der Warteliste von Eurotransplant sind schwer krank und erfüllen strenge Kriterien. Selbst in dringenden Fällen dauert die Wartezeit oft Monate, manchmal bis zu zwei Jahre. Immer wieder sterben Patienten, bevor ein passendes Organ verfügbar wird.

Rettung in letzter Sekunde

Als der Flughafen schließlich wieder freigegeben wurde, ging alles sehr schnell. Das Team startete dem Zeitungsbericht nach sofort, nach der Landung ging es mit Blaulicht zur MHH. Die Operation verlief erfolgreich. Woher das Spenderherz stammte, gab Holst aus Datenschutzgründen nicht bekannt – es darf keine Verbindung zwischen Spender und Empfänger entstehen.

"An die Drohnenflieger, die gestern Abend den Flughafen Hannover lahmgelegt haben: Wegen eurer Aktion wären wir beinahe nicht rechtzeitig bei unserem Patienten angekommen" , schrieb die Ärztin auf Instagram . Solche Aktionen gefährden zeitkritische medizinische Flüge und damit Menschenleben.

Ermittlungen laufen

Wer die Drohnen am zweiten Weihnachtstag starten ließ, ist noch unklar, heißt es in dem Zeitungsbericht. Die Bundespolizei ermittelt. Eine Sprecherin wollte sich zu den laufenden Untersuchungen nicht äußern. "Das Verhalten der Drohnenpiloten löst bei mir großes Unverständnis aus" , sagte Holst. Auch wenn vermutlich nicht davon auszugehen sei, dass die Piloten wussten, dass sie einen Organflug behinderten.

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  • 30. Dezember 2025 um 17:40

Auto: BYD überholt Tesla als größten Elektroautohersteller

Von Tobias Költzsch
Nachdem Tesla seine Prognose für das vierte Quartal 2025 abgegeben hat, steht fest: BYD hat mehr Elektroautos ausgeliefert.
BYD bietet mittlerweile ein umfangreiches Portfolio in Europa an - im Bild der Seal. (Bild: Martin Wolf/Golem)
BYD bietet mittlerweile ein umfangreiches Portfolio in Europa an - im Bild der Seal. Bild: Martin Wolf/Golem

Der chinesische Autohersteller BYD hat Tesla im Jahr 2025 als Marktführer bei Elektroautos überholt. Wie verschiedene Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP berichten, hat BYD in diesem Jahr 2,07 Millionen Autos abgesetzt.

Bei Tesla sind es aktuellen Zahlen des Herstellers selbst zufolge nur 1,64 Millionen Fahrzeuge. Tesla hatte eine Prognose für das vierte Quartal veröffentlicht , die mit 422.850 Autos schlechter als erwartet ausgefallen ist. Aber selbst bei einem besseren letzten Quartal wäre BYD kaum einzuholen gewesen.

Tesla hat weltweit an Einfluss verloren

Teslas jährliche Absatzzahlen sind um mehr als 8 Prozent gesunken, wenngleich der Hersteller für die kommenden Jahre wieder einen Aufschwung erwartet. Die Gründe für den Verlust sind vielfältig: Zum einen hat Tesla seit Jahren sein Portfolio nicht großartig erneuert. Zum anderen hat Tesla im wichtigen Elektroautomarkt China gegenüber den vielen einheimischen Herstellern, wie etwa BYD, verloren. Auch in den USA läuft es nicht mehr so gut wie früher, seit die US-Regierung einen Steuervorteil beim Kauf eines Elektroautos gestrichen hat.

Weltweit leidet Tesla zudem seit dem politischen Engagement seines Chefs Elon Musk. In Deutschland etwa war das Model Y lange Zeit das beliebteste Elektroauto, mittlerweile rangiert es nur noch auf den hinteren Rängen in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes.

BYD hingegen kommt aktuell recht gut durch den harten Preiskampf in China, dem in den kommenden Jahren zahlreiche Hersteller zum Opfer fallen dürften. Das Unternehmen hat 2025 zudem sein Europageschäft stark ausgebaut – auch in Deutschland hat BYD neue Vertriebspartner gefunden und ein umfangreicheres Managementnetz aufgestellt.

BYD setzt auf Europa

BYD setzt zudem verstärkt auch auf Produktionskapazitäten außerhalb Chinas. In Ungarn wird aktuell ein Werk für PKW gebaut, das 2026 an den Start gehen soll. Außerdem wird BYD in Manisa in der Türkei produzieren. Dank der Zollunion mit der EU könnten dort gefertigte Autos auch ohne Strafzölle in Europa verkauft werden. Das türkische Werk soll sogar mehr Fahrzeuge produzieren als das Werk in Ungarn.

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  • 30. Dezember 2025 um 17:02

Wie groß ist die Rentenlücke in Deutschland wirklich?

Von Bernd Müller

Bernd Müller

Ein Senioren-Paar rechnet, ob die Rente zum Leben reicht.

(Bild: Robert Kneschke / Shutterstock.com)

Millionen Deutsche trifft im Alter eine böse Überraschung: Die Rente ist viel niedriger als erwartet. Wir zeigen, wie groß die Lücke wirklich ist.

Nach 40 Jahren harter Arbeit freut sich Max Mustermann auf den wohlverdienten Ruhestand. Doch auf ihn wartet eine böse Überraschung: Statt der 3.000 Euro netto, die er bislang nach Hause brachte, bezieht er nur eine Rente von 1.300 Euro.

Eine herbe Enttäuschung, die leider kein Einzelfall ist. Fast alle Deutschen trifft im Alter diese Rentenlücke – aber wie groß ist sie wirklich und was steckt dahinter?

Was heißt eigentlich "Rentenlücke"?

Die Rentenlücke bezeichnet die Differenz [1] zwischen dem letzten Nettoeinkommen vor dem Ruhestand und der gesetzlichen Altersrente [2], die man später erhält. Experten gehen davon aus, dass man etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Gehalts bräuchte, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Doch die Realität sieht anders aus:

Das Rentenniveau liegt aktuell bei 48 Prozent. Das heißt: Wer 45 Jahre lang zum Durchschnittslohn (aktuell [3]: 4.634 Euro brutto pro Monat oder 55.608 Euro brutto pro Jahr) gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat, erhält 48 Prozent des Durchschnittseinkommens. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden hier noch abgezogen.

Schon damit ist eine Rentenlücke vorprogrammiert. Sie wird allerdings größer, etwa durch Zeiten der Erwerbslosigkeit oder Zeiten, in denen man deutlich unterhalb des Durchschnittslohns verdient hat.

Wer nun zuletzt 3.000 Euro netto verdient hat, müsste also eigentlich rund 2.400 Euro Rente bekommen, um seinen Lebensstandard zu halten – tatsächlich sind es oft nur etwa 1.200 Euro. Eine Lücke von 1.200 Euro monatlich, die es zu schließen gilt.

Faktencheck: So hoch sind die Renten in Deutschland tatsächlich

Laut aktuellen Daten [4] der Deutschen Rentenversicherung lagen die durchschnittlichen Bruttorenten im Bestand 2024 bei:

  • Männer in den alten Bundesländern: ca. 1.560 € | Frauen in den alten Bundesländern: ca. 983 €
  • Männer in den neuen Bundesländern: ca. 1.649 € | Frauen in den neuen Bundesländern: ca. 1.436 €

Betrachtet man speziell die Altersrenten bei Rentenzugang im Jahr 2024 so gelten folgende Werte:

  • Männer in den alten Bundesländern: ca. 1.519 € | Frauen in den alten Bundesländern: ca. 1.045 €
  • Männer in den neuen Bundesländern: ca. 1.429 € | Frauen in den neuen Bundesländern: ca. 1.373 €

Die oft genannte "Standardrente" nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst liegt zwar höher, bleibt für viele aber unerreichbar [5]. Denn dafür müsste man 45 Jahre lang ununterbrochen in Vollzeit arbeiten und dabei stets das Durchschnittseinkommen erzielen – für die meisten Arbeitnehmer, insbesondere Frauen, ist das unrealistisch.

Der Gender Pension Gap – Warum Frauen so viel weniger bekommen

Ein besonders gravierendes Problem ist der "Gender Pension Gap [6]" – die geschlechtsspezifische Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. 2024 erhielten Frauen ab 65 durchschnittlich 25,8 Prozent weniger gesetzliche Rente und Pension als Männer.

Ohne Berücksichtigung der Hinterbliebenenrenten, die hauptsächlich Frauen zugutekommen, lag der Unterschied sogar bei 36,9 Prozent.

In absoluten Zahlen bedeutet das [7]: Frauen hatten 2024 im Alter durchschnittliche Bruttoeinkünfte von 20.668 Euro im Jahr, Männer dagegen 27.850 Euro.

Die Ursachen für diese Diskrepanz sind vielfältig: Zum einen verdienen Frauen häufig schon während des Berufslebens weniger als Männer (Gender Pay Gap).

Zum anderen arbeiten sie öfter in Teilzeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit ganz, etwa für die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen (Care-Arbeit). Hinzu kommt die höhere Lebenserwartung von Frauen, sodass ihre Ersparnisse länger reichen müssen.

Ost-West-Vergleich: Kleine Unterschiede, großes Problem

Ein Blick auf die Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern zeigt: Frauen in Ostdeutschland haben dank durchgängigerer Erwerbsbiografien tendenziell etwas höhere Renten als im Westen. Es arbeiteten in Ostdeutschland auch – relativ – weniger Frauen in Teilzeit als im westlichen Teil der Bundesrepublik. Auch Männer im Osten liegen über dem West-Niveau, allerdings auf ähnlichem Level wie die ostdeutschen Frauen.

Insgesamt sind die Renten im Osten also etwas "gerechter" verteilt, da die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu DDR-Zeiten höher war. Doch auch 33 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern groß – ein gesamtdeutsches Problem.

Drohende Altersarmut

Die Folge der niedrigen Renten ist ein wachsendes Risiko von Altersarmut. Laut [8]Statista galten 2024 in Deutschland 19,6 Prozent der über 65-Jährigen als armutsgefährdet (Frauen: 21,6 Prozent, Männer: 17,1 Prozent). Das heißt, sie müssen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen.

Gründe dafür sind neben den erwähnten Faktoren auch die steigenden Lebenshaltungskosten, etwa für Miete, Energie und Lebensmittel. Gleichzeitig sinkt das Rentenniveau, also das Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn. Und nicht zuletzt muss die Rente selbst versteuert werden – Aufwendungen, die an der Kaufkraft der Senioren zehren.

Was man gegen die Rentenlücke tun kann

Doch was können Arbeitnehmer tun, um im Alter besser dazustehen? Hier einige Tipps:

  • Renteninformation prüfen: Ab dem 27. Lebensjahr erhält jeder Versicherte jährlich eine Renteninformation von der Deutschen Rentenversicherung. Dort sind alle wichtigen Daten wie Beitragszeiten und Rentenpunkte aufgeführt. Diese Werte sollten genau geprüft und bei Unstimmigkeiten geklärt werden – am besten frühzeitig, um Lücken zu schließen.
  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Viele Arbeitgeber bieten eine betriebliche Altersvorsorge an und bezuschussen die Beiträge. Das lohnt sich für Arbeitnehmer, weil Zuschüsse und Steuervorteile die Vorsorge erleichtern (Gesetzliche Rente: Rentensystem, Rentenpunkte und Vorsorge einfach erklärt).
  • Private Vorsorge: Ob Fondssparpläne, Riester-Rente oder klassische Rentenversicherung – es gibt viele Möglichkeiten, privat fürs Alter vorzusorgen. Je früher man damit anfängt und je länger man einzahlt, desto mehr Kapital kann man ansparen.
  • Partnerschaftliche Aufteilung von Care-Arbeit: Paare sollten frühzeitig planen, wie sie Beruf und Familie unter einen Hut bekommen – und zwar möglichst gleichberechtigt. Denn wenn Frauen weniger Nachteile durch Kindererziehung oder Pflege haben, verringert sich langfristig auch der Gender Pension Gap.

Generell gilt: Wer rechtzeitig mit der Vorsorge beginnt, kann mit kleinen Beiträgen viel erreichen. Denn über die Jahre summieren sich die Einzahlungen dank Zinseszinseffekt zu einem stattlichen Polster.

Fazit: Wie groß ist die Rentenlücke wirklich?

Letztlich zeigt sich: Die gesetzliche Rente allein reicht in den meisten Fällen nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern.

Zusätzlich verschärfen strukturelle Probleme wie der Gender Pension Gap und Ost-West-Unterschiede die Lage. Für viele Senioren, insbesondere alleinstehende Frauen, wird das Risiko von Altersarmut damit zur bitteren Realität.

Um die Rentenlücke zu schließen, führt an privater Vorsorge kein Weg vorbei. Doch dafür ist eine frühzeitige Planung entscheidend. Nur wer rechtzeitig gegensteuert, kann im Ruhestand gelassen auf die Rentenlücke blicken – und seinen wohlverdienten Lebensabend genießen.

Anmerkung der Redaktion: Der Abschnitt zur Höhe der Rentenlücke war missverständlich formuliert. Zur Erläuterung wurde noch ein Absatz eingefügt, der die Durchschnittsrente erklärt.

Der Artikel wurde zuerst am 03. September 2025 veröffentlicht. Seither ist er mehrfach überarbeitet worden, um ihn auf dem aktuellen Stand zu halten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10629750

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Was-ist-die-Rentenluecke-und-warum-betrifft-sie-fast-jeden-10590853.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Gesetzliche-Rente-Rentensystem-Rentenpunkte-und-Vorsorge-einfach-erklaert-10621605.html
[3] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-Branche-Berufe/_inhalt.html
[4] https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken-und-Berichte/statistikpublikationen/rv_in_zahlen.pdf?__blob=publicationFile&v=3
[5] https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken-und-Berichte/statistikpublikationen/aktuelle_daten.pdf
[6] https://www.heise.de/tp/article/Rentenluecke-bei-Frauen-Warum-Altersarmut-oft-weiblich-ist-10699256.html
[7] https://www.ruv.de/altersvorsorge/gender-pension-gap
[8] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1447393/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-von-senioren-nach-geschlecht/

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  • 31. Dezember 2025 um 00:04

Kater nach Silvester: Was dem Körper wirklich hilft

Von Kai Imhoff

Kai Imhoff

Freunde feiern gemeinsam Silvester und stoßen mit einem alkoholischen Getränk an.

(Bild: DisobeyArt / Shutterstock.com)

Viele Tipps gegen einen Kater basieren auf Erfahrung statt auf Studien. Was dem Körper nachweislich hilft und welche Mythen Sie vergessen können.

Der Sekt ist ausgetrunken, das neue Jahr beginnt – und mit ihm für viele ein dröhnender Kopf, ein trockener Mund und ein flaues Gefühl im Magen. Was steckt hinter diesen Beschwerden, und welche Gegenmaßnahmen bringen tatsächlich Linderung?

Was ein Kater ist – und warum er entsteht

Nach zu viel Alkohol meldet sich der Körper mit unangenehmen Signalen: Der Kopf pocht, der Mund fühlt sich staubtrocken an, Übelkeit macht sich breit. Dazu kommen [1] oft Schwindel, eine bleierne Müdigkeit und die Unfähigkeit, Licht oder Geräusche zu ertragen.

Diese Beschwerden entstehen durch ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen. Alkohol entzieht dem Körper Wasser, weil er die Nieren zu verstärkter Harnproduktion anregt. Dadurch gerät auch Mineralstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht.

Beim Abbau von Alkohol bildet der Körper giftige Zwischenprodukte wie Acetaldehyd, die Entzündungsreaktionen auslösen. Kohlensäurehaltige Drinks, warme Punschgetränke mit viel Zucker oder zu wenig Schlaf verschlimmern die Situation zusätzlich.

Die Forschung hat sich mit dem Thema Kater erstaunlich wenig befasst. Viele Ratschläge basieren eher auf persönlichen Erfahrungen als auf wissenschaftlichen Studien.

Vorbeugen am Silvesterabend

Wer klug plant, kann die Beschwerden am nächsten Morgen deutlich abmildern. Der wichtigste Rat: niemals auf nüchternen Magen trinken. Fetthaltige Gerichte wie Pasta, Kartoffeln oder Würstchen bilden eine schützende Grundlage.

Entscheidend ist die Gesamtmenge an Alkohol, nicht die Reihenfolge der Getränke. Der Glaube, man müsse bei einer Sorte bleiben, ist ein weit verbreiteter Irrtum.

Eine bewährte Strategie: Nach jedem alkoholischen Drink ein volles Glas Wasser trinken. Das reduziert nicht nur die Alkoholaufnahme, sondern gleicht auch den Flüssigkeitsverlust aus.

Zwischendurch sollte man zu Snacks greifen, die Mineralstoffe liefern. Ratgeber empfehlen: Nüsse, Käsewürfel oder eine herzhafte Suppe. Sie füllen die Speicher wieder auf, die der Alkohol zuvor geleert hat. Wer ganz sichergehen will, keinen Kater zu bekommen, lässt den Alkohol am besten gleich ganz weg.

Wenn der Kater da ist – Flüssigkeit, Elektrolyte, Magen schonen

Hat es einen erwischt, lautet die erste Regel: trinken, trinken, trinken. Ob Leitungswasser, verdünnte Fruchtsäfte oder Kräutertee – der Körper braucht jetzt vor allem Flüssigkeit.

Um den bereits gereizten Magen zu schonen, sollte man auf kohlensäurehaltige Getränke verzichten. Besser geeignet sind stilles Wasser oder leichte Saftschorlen.

Wer den Elektrolythaushalt stabilisieren möchte, kann zu Sportgetränken oder einer klaren Brühe greifen. Teure Spezialprodukte sind dafür nicht zwingend nötig – einfache Hausmittel erfüllen oft denselben Zweck.

Gegen Übelkeit kann Ingwer helfen, entweder als Tee oder in Wasser aufgelöst. Wichtig ist auch, dem Körper Ruhe zu gönnen und ausreichend zu schlafen.

Selbst wenn man sich besser fühlt, arbeitet der Körper noch daran, die Alkoholreste abzubauen. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome innerhalb eines Tages von selbst.

Das passende Katerfrühstück

Ein durchdachtes Frühstück kann helfen, die verloren gegangenen Mineralstoffe zurückzugewinnen. Traditionell schwören viele auf salzige und saure Speisen: eingelegter Fisch, Gewürzgurken, Oliven oder Laugengebäck. Auch ein herzhaftes Käsebrot liefert Salz und Fett.

Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte mit kleineren Portionen beginnen. Eine warme Brühe vereint mehrere Vorteile: Sie spendet Flüssigkeit, liefert Mineralstoffe und die Wärme beruhigt oft den Magen.

Leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Toastbrot oder eine Banane geben Energie, ohne den Magen zu überfordern. Vollkornprodukte und Obst können die Leber bei ihrer Arbeit unterstützen.

Allerdings gibt es kaum belastbare Studien darüber, welche Lebensmittel tatsächlich helfen. Am Ende sollte man auf den eigenen Körper hören – was allein beim Gedanken daran Übelkeit auslöst, lässt man besser weg.

Gegensteuern und Bewegung – was realistisch ist

Einfach nur im Bett liegen und leiden ist keine gute Strategie. Besser ist es, aktiv etwas zu unternehmen: ein kurzer Spaziergang, ein leichtes Frühstück oder bei Bedarf ein Schmerzmittel. Was genau hilft, ist von Person zu Person verschieden.

Eine Studie mit Studierenden fand heraus, dass Menschen, die regelmäßig intensiv trainieren, seltener und weniger stark unter Katern leiden. Allerdings hat diese Untersuchung methodische Schwächen, und ein akuter Kater macht Bewegung ohnehin schwer.

Schmerzmittel – wann sie helfen können und was man lassen sollte

Gegen hämmernde Kopfschmerzen können Aspirin oder Ibuprofen Erleichterung bringen. Allerdings sollte man vorsichtig sein, wenn man andere Medikamente einnimmt – manche Kombinationen können gefährlich werden.

Entzündungshemmende Schmerzmittel können den Magen reizen, besonders wenn man sich zuvor übergeben hat.

Von Paracetamol sollte man die Finger lassen. In Verbindung mit Alkohol kann es die Leber schädigen. Hinzu kommt, dass Paracetamol bei Kopfschmerzen ohnehin nur minimal besser wirkt als ein Placebo, wie Untersuchungen zu Spannungs- und Migränekopfschmerzen zeigten.

Mythen, Trendprodukte und Konterbier

Die Idee, am Morgen mit einem Bier weiterzumachen, ist medizinisch nicht empfehlenswert. Wer es dennoch tut, sollte es bei einem einzigen Glas belassen und daraus keine Gewohnheit machen. Sonst droht der Weg in problematisches Trinkverhalten. Außerdem verzögert weiterer Alkohol die echte Erholung.

Kaffee kann manchen Menschen bei Kopfschmerzen helfen, andere reagieren mit Magenbeschwerden. Manche schwören auf Espresso mit Zitronensaft, doch wissenschaftliche Belege dafür fehlen.

Nahrungsergänzungsmittel enthalten oft extrem hohe Dosen an Vitaminen und Mineralstoffen. Eine klare Wirkung gegen Katersymptome ist nicht nachgewiesen.

Eine Untersuchung zu pflanzlichen Präparaten mit Extrakten aus Ginkgo, Weidenrinde und Ingwer zeigte zwar Wirkung bei schwächeren Symptomen wie Kopfschmerz und Übelkeit. Fachleute warnen jedoch vor voreiligen Schlüssen: Dosierung und Wirkweise sind unklar, und Vitamine allein zeigten keinen Effekt.

Wann ärztliche Hilfe sinnvoll ist

Manche Symptome erfordern sofortige medizinische Hilfe: heftiges Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit, Atemnot oder Anzeichen schwerer Austrocknung.

Auch wer regelmäßig mit starken Katern zu kämpfen hat oder dadurch im Alltag eingeschränkt ist, sollte ärztlichen Rat einholen.

Quellen

  • https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/kater-nach-silvester-bekaempfen-diese-mittel-helfen-an-neujahr-19403367.html
  • https://www.faz.net/aktuell/stil/essen-trinken/getraenke/was-hilft-gegen-den-silvesterkater-tipps-zur-vor-und-nachsorge-110201105.html
  • https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/tipps-gegen-den-kater-mettbroetchen-miso-suppe-oder-oelsardinen-16554092.html
  • https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/ginkgo-silberweide-ingwer-was-hilft-gegen-den-kater-16806836.html
  • https://medlineplus.gov/ency/article/002041.htm
  • https://www.acsh.org/news/2025/12/30/tylenol-your-new-years-hangover-consider-49890
  • https://www.sciencefocus.com/the-human-body/decades-guesswork-science-found-real-hangover-hack-running
  • https://www.inspirahealthnetwork.org/news/healthy-living/hangover-recovery-guide-what-remedies-help-and-what-skip

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  • 30. Dezember 2025 um 20:30

Kakadus headbanging: Die Party-Vögel der Tierwelt

Von Uwe Kerkow

Uwe Kerkow

Ein Kakadu im Anflug

(Bild: LIGHTITUP, shutterstock)

Kakadus tanzen wohl sehr gerne, wie zahlreiche Videos in den Sozialen Netzwerken beweisen. Was aber treibt sie zu diesem bei Tieren sehr seltenen Verhalten?

Wenn die Boxen einen guten Beat rauspumpen, können die meisten Menschen dem Drang kaum widerstehen, zu nicken oder mit Schultern und Kopf oder dem Po zu wackeln. Doch der Drang zu tanzen ist offensichtlich nicht nur Primaten vorbehalten.

Auch Papageien in Gefangenschaft [1] sind dafür bekannt, ihren Körper zur Musik zu bewegen – und was ganz wichtig dabei ist: Sie tun es spontan.

Forscher haben entdeckt, dass Kakadus (Cacatuidae) bis zu 30 verschiedene Tanzbewegungen ausführen, darunter Headbanging, Seitwärtsschritte, Körperrollen, Halbdrehungen. Das ist mehr als viele Disco-Besucher vorzuweisen haben.

Sogar eine einzigartige vogeltypische Aktion ist dabei, bei der sich die gefiederten Musikfreunde aufplustern, welche die Verhaltensbiologen „Fluff“ getauft haben.

30 verschiedene Tanzbewegungen

Die Bewegungen wurden aus 45 Social-Media-Videos von tanzenden Kakadus identifiziert sowie durch Beobachtungen von sechs dieser Vögel in einem australischen Zoo. Um zu beweisen, dass es wirklich die Musik ist, die die Papageien tanzen lässt, wurden die Zootiere, die drei verschiedene Arten angehören, mit Musik und einem Audio-Podcast beschallt. Doch tanzten sie nur zur Musik.

Und unter ihnen gibt es wahre Ausnahmetalente – wahre Fred Astaires sozusagen. So hat sich Snowball, der tanzende Papagei, innerhalb eines Jahrzehnts von einer Internetsensation zu einem wissenschaftlichen Phänomen entwickelt. Der Gelbhaubenkakadu (Cacatua galerita eleonora) ist nicht nur unglaublich niedlich, wenn er schwooft.

Laut Science Alert haben seine Tanzmoves die Wissenschaftler dazu gebracht, das Wesen des Tanzes [2] neu zu überdenken.

Skizze mit Tanzbewegungen von Papageien

Die zehn am häufigsten aufgezeichneten Tanzbewegungen von Kakadus.

(Bild: Zenna Lugosi/Lubke et al., PLOS One [3], 2025, CC-BY 4.0 [4])

Tanz neu denken

Tanzen, wie Wissenschaftler es verstehen, beinhaltet spontane Bewegungen im Takt einer Musik. Dieses Verhalten ist in jeder menschlichen Kultur präsent, doch überraschenderweise können da nur sehr wenige andere Tiere mithalten. Das gilt selbst für unsere engsten Verwandten, die Menschenaffen.

Manche Papageien müssen ihre Tanzbewegungen mittels Nachahmung erlernen – auch das ist schon eine bemerkenswerte Leistung.

Snowball aber scheint ein ganzes Repertoire an Bewegungen völlig selbstständig entwickelt zu haben. Die Forscher stellten fest, dass der Vogel nicken, Körperrollen machen, mit dem Kopf bangen, seitlich wippen und sogar Bewegungen aufführen kann, die mehrere Körperteile gleichzeitig einbeziehen.

Mehr als bloße Nachahmung

Bereits fasziniert von diesem Vogel, beschloss ein Team von Neurowissenschaftlern, sein seltsames Verhalten noch genauer zu untersuchen. Ihrer Meinung nach gibt es gute Gründe anzunehmen, dass Snowballs neue Tanzbewegungen über bloße Nachahmung hinausgehen. Während des Experiments befand sich kein Mensch außer seiner Besitzerin im Raum, die aber weder tanzte noch sich rhythmisch bewegte.

Der Vorgang ist bemerkenswert, da Kreativität bei Tieren typischerweise in Verhaltensweisen dokumentiert wird, die auf einen unmittelbaren Nutzen abzielen, wie den Zugang zu Nahrung oder Paarungsmöglichkeiten, schließen die Forscher. Snowball tanzt also nicht, um gefüttert zu werden oder zu balzen.

Vielmehr scheint sein Tanz ein soziales Verhalten zu sein, das er nutzt, um mit Menschen zu interagieren. Die Forscher vermuten, dass die Papageien in Gefangenschaft Überbleibsel von Balzritualen zeigen, die umfunktioniert wurden, um sich selbst und ihre Besitzer zu unterhalten.

Das wäre eine ganz erhebliche soziale Übertragungsleistungsleistung, die einige Kognition und Kreativität voraussetzt. Schließlich tanzen wilde Papageien nicht. Warum Kakadus tanzen, ist letztlich allerdings noch völlig noch unklar. Doch das gilt in gewissem Sinne auch für Menschen.

Gut entwickelte kognitive und emotionale Prozesse

Die Ähnlichkeiten zum menschlichen Tanzen machen es denn auch schwer, gegen gut entwickelte kognitive und emotionale Prozesse bei Papageien zu argumentieren. Musik für Papageien zu spielen, könnte ihr Wohlbefinden verbessern, zeigen sich die Wissenschaftler überzeugt.

Wenn man den Tieren beim Abhotten zusieht, ist man spontan geneigt, dem zuzustimmen.

Und mehr noch: Auch das Wohlbefinden fast aller Betrachter dürfte sich ebenfalls spontan verbessern. Ein gut aufgelegter Besitzer aber ist sicherlich dem Wohlbefinden des Kakadus ebenfalls zuträglich.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11126313

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.sciencealert.com/australian-parrots-perform-30-dance-moves-with-17-new-to-science
[2] https://www.sciencealert.com/snowball-the-dancing-cockatoo-has-invented-a-whole-new-repertoire-without-any-training
[3] https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0328487
[4] https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

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  • 30. Dezember 2025 um 16:00
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