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Schul-Digitalisierung in Brandenburg: Bringt Technik bessere Leistungen?

Von Bernd Müller

Bernd Müller

Ein Computerkabinett in einer Schule. Auf jedem Tisch steht ein Monitor.

(Bild: Frame Stock Footage / Shutterstock.com)

Millionen für Tablets und KI an Schulen – doch Studien zeigen: Ohne Konzept kann Digitalisierung Lernen und Konzentration verschlechtern. (Teil 2 und Schluss)

Im ersten Teil dieses Berichts haben wir gesehen, wie die große Vision der digitalen Schule [1] an der Realität scheitert: an geteilten Zuständigkeiten, an bürokratischen Hürden, an Laptops, die ungenutzt in Schränken verstauben, an einem KI-Chatbot, dessen Ergebnisse Lehrer nicht verwenden können. Doch all das ist nur die Oberfläche.

Digitalisierung an Schulen: Ein wiederkehrendes Muster des Scheiterns

Was wir in Brandenburg beobachten, ist keineswegs neu. Larry Cuban, emeritierter Professor an der renommierten Stanford University und ehemaliger Oberschulrat, hat dieses Muster bereits vor Jahrzehnten beschrieben.

In seinem Buch "Lehrer und Maschinen" analysiert er die aufeinanderfolgenden Zyklen des technologischen Fortschritts in Schulen – und kommt zu einem ernüchternden Befund: Die von den Befürwortern neuer Technologien geweckten Erwartungen werden nur in geringem Maße erfüllt, und der Ablauf ist scheinbar immer derselbe.

EdTech seit Jahrzehnten: Warum neue Technologien Schulen selten verändern

Ein Zyklus beginnt, so Cuban, mit großen Versprechungen der Technikentwickler und deren Forschung. Dann nehmen die Lehrer die neuen Werkzeuge kaum an, ein wirklicher akademischer Fortschritt bleibt aus.

Dies führe immer wieder zu den gleichen Vermutungen: Es liege an der fehlenden finanziellen Ausstattung, am Widerstand der Lehrkräfte oder an der lähmenden Schulbürokratie. Dennoch würden die Behauptungen der Vorreiter von niemandem infrage gestellt.

Da die versprochenen Fortschritte weiter auf sich warten lassen, werden letztlich die Maschinen für den Misserfolg verantwortlich gemacht. Und dann? Es dauert nicht lange, dann wird den Schulen die nächste Generation der Technik verkauft, und der für die Hersteller gewinnbringende Zyklus geht von vorn los.

Die ungenutzten Laptops in Brandenburg, der verschmähte KI-Chatbot Telli, die Klagen über zu wenig Fortbildung und zu starre Förderrichtlinien – es ist, als hätte Cuban das Drehbuch für genau diese Situation geschrieben. Vor Jahrzehnten.

Doch die eigentlich beunruhigende Frage liegt noch tiefer. Sie wird in den offiziellen Dokumenten kaum gestellt, aber sie drängt sich auf, je länger man wissenschaftliche Studien wälzt: Was passiert eigentlich mit unserer Fähigkeit zu lernen und zu denken, wenn wir immer mehr davon an Maschinen abgeben?

Diese Frage stellt sich besonders dann, wenn Digitaltechnik ohne ein durchdachtes pädagogisches Konzept in die Klassenzimmer kommt. Wenn Schüler zwar Tablets und Laptops bedienen, aber niemand ihnen zeigt, wie sie diese Werkzeuge zum aktiven, selbst gesteuerten Lernen nutzen können. Wozu sie ja erst einmal befähigt werden müssten – durch Lehrkräfte, die selbst kaum fortgebildet werden.

Studien zeigen: Nicht Technik, sondern Pädagogik entscheidet über Lernerfolg

Die wissenschaftliche Forschung ist hier mittlerweile erstaunlich eindeutig: Nicht die Technik selbst ist entscheidend, sondern das pädagogische Konzept dahinter [2]. Digitale Werkzeuge können das Lernen verbessern – aber nur, wenn sie gezielt und reflektiert eingesetzt werden. Ohne ein solches Konzept [3], das zeigen aktuelle Studien, kann die Technik die Lernleistung sogar verschlechtern [4].

Die bloße Anwesenheit von Bildschirmen [5] im Klassenzimmer ist kein Fortschritt. Sie kann sogar ein Rückschritt sein.

Und genau das ist das Problem: In Brandenburg werden Millionen in Hardware investiert, aber für die pädagogische Begleitung fehlen Zeit, Personal und wohl auch der politische Wille. Die Geräte sind da. Die Konzepte nicht.

Smartphones in der Schule: Studien belegen Leistungsabfall durch Ablenkung

Nehmen wir für einen Moment an, alle technischen Probleme wären gelöst – das Geld ist da, die IT-Experten sind da, das WLAN läuft. Was passiert dann am ersten Tag im Klassenzimmer?

Sofort taucht ein viel alltäglicheres, aber vielleicht noch größeres Problem auf: das private Smartphone in jeder Hosentasche.

Die Forschung dazu ist ziemlich eindeutig. Studien aus England und Spanien haben gezeigt, dass Handyverbote an Schulen die Leistungen der Schüler im Schnitt verbessern – und ganz besonders profitieren die leistungsschwächeren Schüler.

Was auch logisch erscheint: Wer sich ohnehin schon schwertut, dürfte für die schnelle Dopamin-Dusche von TikTok natürlich viel anfälliger sein.

Die große PISA-Studie von 2022 [6] bestätigt das: Schulen mit Handyverboten schneiden besser ab. Aber selbst an den Schulen, die offiziell ein Verbot haben, gaben 29 Prozent der Schüler an, ihr Handy trotzdem mehrmals am Tag zu nutzen. Fast jeder Dritte ignoriert das Verbot also einfach.

Die Zerrissenheit zeigt sich auch bei den Jugendlichen selbst. Die Mehrheit ist gegen ein Verbot – sie sagen, sie benötigen das Gerät für Kommunikation und Recherche. Gleichzeitig geben aber 71 Prozent, eine riesige Mehrheit, zu, dass ein Verbot ihnen helfen würde [7], sich besser zu konzentrieren.

Sie wissen also ganz genau, dass das Gerät ihnen schadet. Aber der Drang, es zu nutzen, ist stärker.

Die Lehrer stecken mittendrin in dieser Zwickmühle. Laut einer EU-Umfrage vom Juni 2025 sieht eine absolute Mehrheit der Lehrkräfte negative Auswirkungen auf die Konzentration und über die Hälfte sogar auf die soziale Interaktion.

Eine niederländische Monitoring-Studie [8] hat genau das untersucht: Dort, wo es strikte Regeln gibt, berichten Lehrer und sogar Schüler von einem besseren Sozialklima. In den Pausen wird wieder mehr geredet, es wird gespielt, es gibt mehr direkten Augenkontakt. Die Niederländer haben dafür ein wunderbares Modell entwickelt: "Thuis of in de kluis" – zu Hause oder im Spind.

Doch das Problem verschwindet nicht immer, es verlagert sich nur. Das ist der sogenannte Verdrängungseffekt: Wenn das Handy im Spind ist, klappen manche Schüler eben den Laptop auf und sind dann dort auf Social Media. Man verbannt also das private Ablenkungsgerät, um dann das schulische Ablenkungsgerät einzuführen.

Das wirkt nicht zu Ende gedacht.

Verlernen Schüler das Denken? Neurowissenschaftliche Warnungen vor digitaler Abhängigkeit

Der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer hat das schon vor über einem Jahrzehnt als "digitale Demenz" bezeichnet. Das Prinzip dahinter ist "Use it or lose it" – benutze es oder verliere es. Kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Konzentration und Problemlösung sind wie Muskeln. Sie wachsen nur, wenn man sie regelmäßig und eigenständig anstrengt.

Wenn der Orientierungssinn ständig an Google Maps [9] ausgelagert wird, verkümmert das Gehirn in diesem Bereich. Und wenn Denkprozesse systematisch an Maschinen ausgelagert werden, bilden sich die dafür notwendigen neuronalen Bahnen gar nicht erst robust aus.

Das deckt sich mit einer beunruhigenden Beobachtung: dem negativen Flynn-Effekt [10]. Das ganze 20. Jahrhundert über wurde jede Generation im Schnitt messbar intelligenter als die davor – der durchschnittliche IQ stieg und stieg.

Doch ungefähr Mitte der 2000er-Jahre, als das Smartphone seinen Siegeszug antrat, hat dieser Fahrstuhl in vielen westlichen Ländern angehalten. An manchen Orten hat er sogar angefangen, wieder nach unten zu fahren.

Die drei Stufen der kognitiven Verarmung

Wie dieser Prozess abläuft, habe ich schon einmal als Drei-Stufen-Modell dargestellt [11]:

Stufe 1: Lernen wird ersetzt. Schüler lassen sich von ChatGPT die Hausaufgaben machen [12]. Sie kopieren, statt zu verstehen. Der Lernerfolg ist sehr gering – sobald ein Test ohne KI geschrieben wird, fliegen diese Schüler auf.

Ein Schulleiter bestätigt das aus der Praxis. Er sagt wörtlich, der Lernerfolg bei Schülern, die KI für die Aufgaben nutzen, sei "sehr, sehr gering". Er sieht das jeden Tag in seinem Klassenzimmer. Stufe 1 ist bereits Realität.

Stufe 2: Denken bildet sich gar nicht erst aus. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip "Use it or lose it". Wenn bestimmte Denkprozesse – logisches Schließen, Argumente aufbauen, kreativ Probleme lösen – permanent an eine Maschine ausgelagert werden, dann bilden sich die neuronalen Bahnen dafür gar nicht erst richtig aus. Oder sie verkümmern. Eine ganze Generation trainiert diese mentalen Muskeln nicht mehr ausreichend.

Stufe 3: Denken wird rational aufgegeben. Bei einem Treffen am Institute for Advanced Study in Princeton berichteten Spitzenforscher, dass sie das eigenständige Denken bewusst aufgeben – nicht aus Faulheit, sondern aus reiner ökonomischer Vernunft.

Einer von ihnen sagte, die KI erledige 90 Prozent seiner Arbeit in wenigen Stunden – schneller, besser und billiger. Selbst zu denken, sei für ihn zu einem Wettbewerbsnachteil geworden.

Es ist also keine Frage des Könnens mehr, sondern des ökonomischen Dürfens. Selbst denken wird ineffizient. Es lohnt sich nicht mehr.

Digitalisierung in Japan: Warum einige Schulen wieder auf Papier setzen

Genau diese Sorge treibt auch einen Schulleiter des Niedersorbischen Gymnasiums in Cottbus um. Er erzählt eine Anekdote, die aufhorchen lässt: Ein Kollege von einem anderen Gymnasium sei vor einigen Jahren zu Besuch bei seiner japanischen Partnerschule gewesen. Früher hätte er davon geschwärmt, wie hochgradig digitalisiert dort alles war, wie weit Japan Deutschland voraus sei.

Bei seinem letzten Besuch habe er eine andere Situation vorgefunden: Kreidetafeln, Stift und Papier – die digitale Ausstattung sei teilweise wieder abgebaut worden. Die Japaner, so seine Beobachtung, hätten die negativen Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten und die Konzentration der Schüler erkannt.

Nun ist das zunächst nur anekdotische Evidenz, die Beobachtung eines einzelnen Besuchers an einer einzelnen Schule. Tatsächlich hat Japan die Digitalisierung keineswegs flächendeckend zurückgedreht – im Gegenteil.

Doch die Anekdote verweist auf etwas Reales: In Japan gibt es eine intensive gesellschaftliche Diskussion darüber, bis zu welchem Punkt die Digitalisierung wirklich hilfreich ist und das schulische Leistungsniveau fördert. Man hat die wissenschaftlichen Erkenntnisse auch in der eigenen Gesellschaft bestätigt gefunden.

So sind manche Schulen dazu übergegangen, bestimmte Tätigkeiten wieder auf Papier statt am Tablet erledigen zu lassen – nicht aus Technikfeindlichkeit, sondern aus pädagogischer Überlegung.

Ein durchgehender Trend ist das nicht. Aber es zeigt: Selbst in einem Land, das als Vorreiter der Digitalisierung gilt, wird die Frage gestellt, die in Deutschland kaum jemand zu stellen wagt. Die Frage nach den Grenzen.

In dem Moment, in dem Deutschland mit Milliardenaufwand die Digitalisierung vorantreibt, führen andere Länder bereits die Debatte, die hier noch aussteht: Wie viel Bildschirm verträgt ein Gehirn im Wachstum? Und wann kippt der Nutzen in Schaden?

USA und Generation Z: Sinkende Testergebnisse trotz Digitalisierung

Das Beispiel Japan zeigt: Die Diskussion über die Schattenseiten der Digitalisierung wird weltweit geführt – nicht nur bei uns. In den USA hat das Thema inzwischen den Kongress erreicht.

Im Februar 2026 sagte der Neurowissenschaftler [13] Jared Cooney Horvath vor dem Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Technologie aus und präsentierte den Abgeordneten eine erschütternde Bilanz.

Seine Kernbotschaft: Die Generation Z, also die zwischen 1997 und 2010 Geborenen, ist die erste Generation in der modernen Geschichte, die in standardisierten akademischen Tests schlechter abschneidet als die Generation vor ihr.

"Sie schnitten bei praktisch allen kognitiven Messungen schlecht ab", erklärte Horvath [14], "von grundlegender Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lese- und Schreibfähigkeit, Rechenfähigkeit, exekutiven Funktionen hin zum allgemeinen IQ."

Der negative Flynn-Effekt, den Forscher schon länger beobachten, hat damit einen Namen und ein Gesicht bekommen. Horvath, der an Universitäten wie Harvard und der University of Melbourne gelehrt hat, sieht einen klaren Zusammenhang: Die Generation Z ist die erste, die mit ständiger Bildschirmzeit aufgewachsen ist.

"Mehr als die Hälfte der Zeit, in der ein Teenager wach ist, verbringt er damit, auf einen Bildschirm zu starren", sagte er vor dem Kongress.

"Menschen sind biologisch darauf programmiert, von anderen Menschen und durch intensives Lernen zu lernen, nicht durch das Blättern in Bildschirmen nach stichpunktartigen Zusammenfassungen."

Seine Analyse von Daten aus 80 Ländern zeigt ein wiederkehrendes Muster: Sobald Länder digitale Technologien in großem Umfang in Schulen einführen, gehen die Leistungen zurück.

Das ist keine Technikfeindlichkeit. "Ich bin nicht gegen Technologie. Ich bin für Strenge", betont Horvath. Sein Plädoyer: Schulen sollten die Bildschirmzeit für Schüler begrenzen und zu bewährten Methoden zurückkehren – Bücher aufschlagen, konzentriert lernen, sich anstrengen.

Die Aussage vor dem Kongress endet mit einem Satz, der nachdenklich macht:

"Seit Ende des 19. Jahrhunderts standardisieren und messen wir die kognitive Entwicklung. Jede Generation hat ihre Eltern übertroffen. Bis zur Generation Z."

Mehr KI in Schulen trotz Leistungsrückgang? Der politische Widerspruch

Mitten in dieser Entwicklung kommt die große Politik mit der Forderung: mehr KI für alle. EU und OECD argumentieren [15], KI sei nun mal da, wir müssten unseren Kindern beibringen, damit umzugehen.

Gleichzeitig warnen dieselben Organisationen, dass das nur mit "hoch spezialisierten, pädagogisch durchdachten und sicheren KI-Werkzeugen" geschehen dürfe.

Und stattdessen führt man in Brandenburg mit Telli einen Allzweck-Chatbot ein, dessen Ergebnisse die Lehrer als nutzlosen "Schaum" bezeichnen. Das passt nicht zusammen.

Zeitgleich zur Einführung von tausenden neuen Schulgeräten wird in ganz Europa hitzig über Handyverbote an Schulen diskutiert. Man verbannt also das private Ablenkungsgerät, um dann das schulische Ablenkungsgerät einzuführen.

Digitale Kompetenz: Konsumieren oder Technologie verstehen?

Genau bei diesem Widerspruch setzt der Schulleiter aus Cottbus mit seiner entscheidenden Frage an: Was wollen wir eigentlich erreichen? Was bedeutet digitale Kompetenz wirklich?

Für ihn ist es eben nicht, dass Schüler lernen, eine App wie Kahoot zu bedienen. Das, so sagt er, sei nur die passive Rolle des Nutzers, des Konsumenten. Echte Kompetenz beginne da, wo man die Prozesse dahinter verstehe, wo man vielleicht anfange zu programmieren, wo man die Technik nicht nur anwende, sondern sie aktiv gestalte und kritisch hinterfrage.

"Und Schule hat, glaube ich, die Aufgabe, nicht zu nutzen, sondern zu gestalten", sagt er.

"Wenn ich Mathe nicht beherrsche und wenn ich Terme nicht beherrsche, dann brauche ich mit Excel überhaupt nicht anzufangen. Das ist ein komplexes Programm. Wer da gut drin ist, der wird das nicht über Intuitivität erlernt haben."

Schul-Digitalisierung am Scheideweg: Mehr Technik oder mehr Pädagogik?

Wir stehen in gewisser Weise an einer Weggabelung. Auf der einen Seite die massive politische Anstrengung, die Schulen digital aufzurüsten – Milliarden fließen in Kabel, Geräte und Software. Auf der anderen Seite ein wachsender Chor von Warnern, gestützt durch Studien.

Die Sorgen reichen von der ganz konkreten Ablenkung durch das Smartphone über ein nachweislich oberflächlicheres Lernen am Bildschirm bis hin zur fundamentalen Gefahr der kognitiven Verarmung.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus den Dokumenten ist, dass sich die Debatte gerade verschiebt. Es geht nicht mehr um das simple Ja oder Nein zur Technologie – es geht um das Wie, um die Art und Weise der Integration.

Drei zentrale Erkenntnisse zur Digitalisierung an Schulen

Drei Erkenntnisse stechen hervor:

Erstens: Der Plan ist groß, aber die Realität ist ein Flickenteppich. Brandenburgs Digitalisierung ist voller guter Absichten, aber die Umsetzung bei Infrastruktur, Finanzierung und Support ist uneinheitlich und oft nicht nachhaltig.

Zwischen dem Gymnasium in Dahme-Spreewald mit Glasfaser und stabilem WLAN und dem Gymnasium in Forst mit seiner 200-Mbit-Leitung liegen Welten – obwohl beide im selben Bundesland liegen.

Zweitens: Es klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was an Technik hingestellt wird, und dem, was wirklich im Alltag ankommt und Sinn stiftet. Die ungenutzten Laptops in den Schränken von Brandenburg an der Havel und der von den Lehrern verschmähte KI-Chatbot Telli sind die perfekten, fast schon tragischen Symbole dafür.

Drittens: Die größte Sorge, die aus den Quellen spricht, ist nicht, dass die Technik versagt. Die größte Sorge ist, dass sie zu gut funktioniert – so gut, dass sie das eigenständige, kritische, manchmal auch mühsame Denken überflüssig und ökonomisch ineffizient macht. Nicht das Versagen ist die Gefahr, sondern der Erfolg der Technologie.

Schul-Digitalisierung und Zukunft des Denkens: Was steht wirklich auf dem Spiel?

Die Dokumente legen nahe, dass wir uns gerade mitten in einem riesigen, unkontrollierten Experiment an den Gehirnen der nächsten Generation befinden.

Die Frage ist also nicht nur: Wie digitalisieren wir unsere Schulen besser? Die viel wichtigere Frage lautet: Welche Art von Denkern wollen wir als Gesellschaft eigentlich hervorbringen? Und führt uns der Weg, den wir gerade mit Vollgas einschlagen, wirklich dorthin?

Die wirklich unbequeme Frage, die sich noch kaum jemand zu stellen traut, lautet: Warum sollten wir in Zukunft überhaupt noch selbst denken [16], wenn es – wie der Forscher in Princeton sagt – ökonomisch keinen Vorteil mehr bringt?


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11176841

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/KI-im-Bildungssystem-Vom-Tabu-zum-Erfolgsrezept-10251222.html
[2] https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s41239-023-00382-w.pdf
[3] https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s10639-022-11004-9.pdf
[4] https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0735633116649373
[5] https://link.springer.com/article/10.1007/s11218-020-09591-x
[6] https://read.oecd-ilibrary.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2023/12/pisa-2022-results-volume-ii_222a5ef6/a97db61c-en.pdf
[7] https://www.telepolis.de/article/Handyverbot-an-Schulen-Was-Lehrer-fordern-und-Jugendliche-denken-11170157.html
[8] https://open.overheid.nl/documenten/524e823b-7465-4fe0-9c19-f7e563c5e36d/file
[9] https://www.heise.de/tp/article/Erkenntnisgewinn-Warum-geografisches-Wissen-im-Zeitalter-von-Google-Maps-unverzichtbar-bleibt-10773956.html
[10] https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1718793115
[11] https://www.telepolis.de/article/KI-in-der-Bildung-Warum-das-Denken-ueberfluessig-wird-11166565.html
[12] https://www.heise.de/tp/article/Die-Hausaufgaben-Falle-Wie-Schueler-sich-mit-KI-selbst-schaden-11163648.html
[13] https://www.commerce.senate.gov/services/files/A19DF2E8-3C69-4193-A676-430CF0C83DC2
[14] https://nypost.com/2026/02/07/us-news/gen-z-the-first-generation-officially-dubbed-dumber-than-the-last/
[15] https://www.telepolis.de/article/KI-im-Klassenzimmer-EU-und-OECD-treiben-die-Wende-voran-11165773.html
[16] https://www.heise.de/tp/article/Warum-KI-Tools-kritisches-Denken-verkuemmern-lassen-10247194.html

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  • 16. Februar 2026 um 12:00

AirKeyboard Pro: „All-Finger“-Tastatur für die Vision Pro

Von Heise
AirKeyboard Pro in Aktion

AirKeyboard Pro in Aktion: Leider nicht als Standardtastatur nutzbar.

(Bild: 10th Dimension, LLC)

Mehr als Ein-Finger-Suchsystem: Es gibt die erste externe Softwaretastatur für visionOS. Allerdings mit technischen Einschränkungen.

Die Vision Pro kommt standardmäßig mit einer On-Screen-Tastatur, die Apple in visionOS integriert hat. Sie ermöglicht ein Tippen in der Luft, funktioniert vergleichsweise gut, liefert aber nur ein unterdurchschnittliches Tippgefühl. Im Zehn-Finger-System lässt sie sich zudem nicht nutzen. Entwickler José Buelto sieht hier deshalb nun eine Marktlücke und hat die laut eigenen Angaben erste „All-Finger“-Tastatur für Apples Computerbrille auf den Markt gebracht. Die App muss allerdings systembedingt mit Einschränkungen leben – und kostengünstig ist sie auch nicht.

Virtuell-physische Tastaturnachbildung

Das Produkt nennt sich AirKeyboard Pro [1] und steht in Apples App Store zum Download bereit. Zum Herunterladen werden zunächst knapp 10 Euro Gebühr fällig. Dabei bleibt es allerdings nicht: Will man später weiter Tastaturen nachkaufen, etwa ein Modell aus Holz oder eine RGB-Tastatur mit Ziffernblock, werden weitere Gebühren zwischen 2,99 und 3,99 Euro fällig – pro Tastatur. Zudem ist es nicht möglich, AirKeyboard Pro als Standardtastatur unter visionOS zu verwenden, da eine entsprechende Schnittstelle, wie man sie von iOS kennt, bislang fehlt. Stattdessen nutzt man die App und muss Inhalte herauskopieren. In der Praxis stellt sie einen einfachen Texteditor samt Spezialtastatur dar.

Diese lässt sich vergleichsweise frei im Raum positionieren, beispielsweise auf einem vorhandenen Tisch (im Passthrough-Modus). Buelto behauptet zwar, dass man mit zehn Fingern gleichzeitig tippen kann, in der Praxis ging das aber nicht vollständig. Störend ist auch, dass die App standardmäßig eine Autokorrektur integriert, die, falls die Spracheinstellung nicht stimmt (man also etwa in einem englischen System auf Deutsch tippt), zu Fehlern neigt. Bei derart „physischen“ Tastaturen wäre es sinnvoller, wenn die Autokorrektur zunächst deaktiviert wäre, weil man sonst kein Tippgefühl entwickeln kann.

Fehlende Systemintegration

Dennoch macht das Projekt einen interessanten Eindruck. Buelto verspricht zudem, es regelmäßig weiterzuentwickeln. Eine bessere Integration ins System kann jedoch nur Apple leisten. Solange dies nicht umgesetzt wird, müssen Nutzer mit Copy & Paste leben, was die Arbeit verlangsamt.

Als reine Notiz-App ist AirKeyboard Pro zudem zu schlicht gestaltet – insbesondere bei dem Preis.


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[1] https://apps.apple.com/de/app/airkeyboard-pro/id6753933755
[2] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[3] https://www.heise.de/mac-and-i
[4] mailto:bsc@heise.de

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  • 16. Februar 2026 um 13:00

Crash Detection: Auf dem Autodach vergessenes iPhone stürzt ab und sendet Notruf

Von Heise
Nahaufnahme eines Polizeiautos

(Bild: Pradeep Thomas Thundiyil/Shutterstock.com)

Bei Eisleben hat ein herrenloses iPhone am Sonntag automatisch einen Notruf abgesetzt. Es war auf einem Autodach vergessen worden und dann heruntergefallen.

Im Süden Sachsen-Anhalts hat ein verloren gegangenes Smartphone am Sonntag einen automatischen Notruf ausgelöst und zu einem Einsatz von Rettungskräften sowie Polizei geführt. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Polizeiinspektion Halle. Ereignet hat sich der Vorfall in der Nähe von Eisleben, das iPhone war vorher auf dem Autodach abgelegt worden und dann an einer Kreuzung heruntergefallen. Dabei hat die Unfallerkennung (Crash Detection) den automatischen Notruf ausgelöst. Als die Polizei und die Rettungskräfte den gemeldeten Ort erreichten, fanden sie keine Person, die Hilfe benötigte, sondern lediglich das am Straßenrand liegende Smartphone. Der Besitzer des Telefons habe schnell ausfindig gemacht werden können und sein Gerät zurückerhalten.

Kein Einzelfall

Apples Unfallerkennung ist seit dem Jahr 2022 Teil von aktuellen iPhones und Apple-Watch-Computeruhren, sie soll bei Autounfällen schnell für Hilfe sorgen. Die Geräte fragen dafür Daten verschiedener Sensoren ab und Algorithmen entscheiden dann im Einzelfall, ob der Ernstfall tatsächlich eingetreten ist oder nicht. Wenn die Unfallerkennung aktiv ist, kontaktiert eine Apple Watch oder ein iPhone den Rettungsdienst danach aber erst, wenn der Nutzer oder die Nutzerin den Notruf nicht innerhalb von 40 Sekunden abweist. Dann werden die aktuellen Standortdaten übermittelt, damit das verunfallte Fahrzeug schnell gefunden werden kann.

Nachdem Apple die Crash Detection eingeführt hat, gab es immer wieder Berichte über Fehlalarme. Unter anderem in Skigebieten und Freizeitparks wurde die Funktion unerwünscht ausgelöst [1]. Vor zwei Jahren hat ein Fall in den USA für Aufsehen gesorgt [2], als ein Gerät um Hilfe gerufen hat, der Besitzer sich aber selbst Hilfe gesucht hat. Er wurde dann unter anderem mit einem Helikopter gesucht. Der Fall bei Eisleben ist nun nicht einmal der erste in Sachsen-Anhalt, bei dem ein auf dem Dach vergessenes Smartphone die Polizei gerufen hat. Ende 2023 ist so etwas schon einmal bei Rottleberode passiert [3]. Die Polizei hat damals darum gebeten, „Verkehrsteilnehmer mögen ihre Sachen sicher verstauen, um mögliche Gefahren zu minimieren oder Fehlalarme zu verhindern“.


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https://www.heise.de/-11177564

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[1] https://www.heise.de/news/Fehlalarme-durch-iPhone-14-Apples-Unfallerkennung-laesst-Leitstellen-aechzen-7486815.html
[2] https://www.heise.de/news/Apple-Watch-Unfallerkennung-ruft-Polizei-doch-der-Fahrer-ist-schon-weg-9589300.html
[3] https://polizei.sachsen-anhalt.de/das-sind-wir/presse/pi-halle-saale/mansfeld-suedharz?tx_tsarssinclude_pi1%5Baction%5D=single&tx_tsarssinclude_pi1%5Bcontroller%5D=Base&tx_tsarssinclude_pi1%5Buid%5D=443400&cHash=eb65a9355945c9ef640bb9a50268de64
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:mho@heise.de

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  • 16. Februar 2026 um 12:03

Apple kauft Datenbankfirma Kuzu aus Kanada

Von Heise
Apple-Logo auf einer Geräterückseite

Apple-Logo auf einer Geräterückseite.

(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)

Schnelle, flexible Graph-Datenbanken ließen sich mit Kuzu erstellen. Das Unternehmen wurde ohne große Ankündigung von Apple geschluckt.

Kommt neben der Textverarbeitung Pages, der Tabellenkalkulation Numbers und dem Präsentationsprogramm Keynote bald auch eine Datenbank von Apple? Die dafür notwendige Technik hat sich der iPhone-Konzern mittlerweile eingekauft, wie aus Daten der Europäischen Union hervorgeht. Die kanadische Firma Kuzu, Hersteller eines flexiblen Datenbanksystems auf Graph-Basis, gehört demnach bereits seit Herbst dem Unternehmen aus Cupertino. Gleichzeitig wurde auch das GitHub-Repo von Kuzu gestrichen, es hat einen Archivstatus von Oktober 2025. Die Datenbanktechnik von Kuzu stand als Embedded-Variante bereit und soll für „Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Nutzerfreundlichkeit“ optimiert gewesen sein. Graph-Datenbanken arbeiten anders als die üblicheren relationalen Datenbanken.

Apple hat schon FileMaker

Laut AppleInsider, dem die EU-Dokumente vorliegen, könnte die Technik die Grundlage für eine neue Datenbank-App legen [1] – oder aber für interne Zwecke gedacht sein. Tatsächlich hat Apple mit FileMaker Pro der Tochter Claris seit Jahrzehnten bereits ein entsprechendes Produkt, das aber nach wie vor nicht als Apple-Technik vermarktet wird. Claris gehört bereits seit 1987 zu Apple und arbeitet still weiter – zuletzt war im letzten Jahr Version 22 erschienen. Die App ist sogar Cross-Plattform, läuft also auch unter Windows, die Server-Version sogar unter Linux (Ubuntu).

Auf Reddit wurde ein Posting zum Status von Kuzu, das als Inc. operierte [2], gelöscht, auch dort heißt es, die Firma sei übernommen worden. Dort geht man von einem Acqui-Hire aus, also einer Übernahme zum Zwecke der Anwerbung der Mitarbeiter – wobei sich Apple explizit für die Technik interessieren dürfte.

Auch Prompt AI und Q.AI

Zu einem ähnlichen Zeitpunkt übernahm Apple offenbar auch die Firma Prompt AI [3], offenbar vor allem wegen der Mitarbeiter. Das Geld soll nicht ausgereicht haben, damit die bisherigen Investoren etwas verdienen. Wie das bei Kuzu aussah, ist unklar.

Apple hatte kürzlich auch eine besonders große Übernahme mitgeteilt: Die israelische Firma Q.AI wurde für gut zwei Milliarden US-Dollar gekauft. Sie hat eine Technik entwickelt, mit der KI Sprache erkennen kann [4], die komplett leise ausgesprochen wird.


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https://www.heise.de/-11175223

Links in diesem Artikel:
[1] https://appleinsider.com/articles/26/02/11/faster-more-flexible-databases-could-be-coming-to-filemaker-or-iwork
[2] https://www.reddit.com/r/Database/comments/1o3w73z/status_of_kuzudb_from_kuzu_inc/
[3] https://www.cnbc.com/2025/10/10/apple-nears-deal-to-acquire-talent-tech-from-ai-startup-prompt-ai.html
[4] https://www.heise.de/news/Apple-kauft-KI-Start-up-Q-AI-fuer-Milliarden-11160150.html
[5] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[6] https://www.heise.de/mac-and-i
[7] mailto:bsc@heise.de

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  • 16. Februar 2026 um 11:59

Falsche KI-Erweiterungen für Chrome gefährden 260.000 Nutzer

Von Heise

(Bild: Stokkete/Shutterstock.com)

IT-Forscher haben zig Chrome-Erweiterungen auf eine Kampagne zurückgeführt, die Informationen von 260.000 Nutzern gefährdet.

Zig Chrome-Erweiterungen, die von mehr als 260.000 Nutzern und Nutzerinnen installiert wurden, sind Teil einer Kampagne, die es auf Daten und Informationen der Opfer abgesehen hat. Die kriminellen Hinterleute umgehen dazu auch Sicherheitsvorkehrungen des Chrome-Stores.

IT-Sicherheitsforscher von LayerX haben die „AiFrame“ genannte Erweiterungskampagne analysiert und die Ergebnisse in einem aktuellen Blog-Beitrag [1] veröffentlicht. Die Täter bieten vermeintliche KI-Assistenten zum Zusammenfassen, Chatten, Schreiben oder als Gmail-Assistent in Form von Erweiterungen für den Webbrowser [2] Chrome [3] an. Die Erweiterungen wirken oberflächlich legitim, fußen aber auf einer gefährlichen Architektur. Viele Funktionen der Erweiterungen haben die Drahtzieher nicht lokal implementiert, sondern betten dazu serverseitige Schnittstellen aus dem Internet ein und funktionieren so als privilegierte Proxys, die der Infrastruktur aus dem Netz Zugriff auf sensible Browser-Fähigkeiten gewähren.

30 Erweiterungen mit 260.000 Installationen

Die Analysten haben über 30 unterschiedliche Chrome-Erweiterungen, die mit unterschiedlichen IDs und Namen veröffentlicht wurden, aber derselben darunterliegenden Codebasis, Berechtigungen und Backend-Infrastruktur entdeckt. Sie wurden zusammen mehr als 260.000 Mal installiert – einige davon waren zeitweise im Chrome Web Store als empfohlen (Featured) markiert, was ihre vermeintliche Legitimität erhöhte. Als Köder dienen bekannte Namen wie Claude, ChatGPT, Gemini sowie Grok, aber auch als allgemeines „AI Gmail“-Tool werden die bösartigen Erweiterungen beworben und verteilt.

Die Analyse schaut detaillierter auf die Erweiterungen. Trotz unterschiedlicher Namen und IDs teilen sie sich dieselbe interne Struktur, dieselbe JavaScript-Logik, Berechtigungen sowie Backend-Infrastruktur. Es handelt sich daher um eine koordinierte Operation anstatt um eigenständige Werkzeuge. Es handelt sich den IT-Forschern zufolge um sogenanntes „Extension Spraying“, bei dem die Angreifer Auswirkungen von entfernten Erweiterungen und reputationsbasierten Abwehrmechanismen umgehen, indem sie einfach unter neuem Namen weitere Erweiterungen in den Store einstellen.

Kritisch ist, dass ein signifikanter Anteil der Funktionen der Erweiterungen durch im Netz gehostete Komponenten geliefert wird. Dadurch bestimmt sich ihr Laufzeitverhalten durch serverseitige Änderungen und nicht durch zur Installationszeit im Chrome-Web-Store untersuchten Code. Das ermöglicht somit die Umgehung von einem Teil von Googles Sicherheitsmechanismen. Die Kernkomponente wird dabei als Iframe vom Server eingebunden, der in Vollbildgröße dargestellt wird. Er überlagert die aktuelle Webseite und stellt visuell das Nutzerinterface der Erweiterung dar.

Spionagefunktionen

Auf Geheiß des serverseitigen Iframes analysiert die Erweiterung den aktiven Browser-Tab und extrahiert dessen Inhalt, den sie an den Server schickt. Das können auch sensible Informationen von Seiten sein, in denen Opfer gerade angemeldet sind. Das Iframe kann die Erweiterung auch anweisen, die Stimmenerkennung der Web-Speech-API zu starten, woraufhin diese dann ein Transkript an die entfernte Seite schickt – ein leicht auswertbarer Mitschnitt der Kommunikation ist möglich; jedoch begrenzen Browser-Berechtigungen in einigen Fällen den möglichen Missbrauch, erklären die IT-Forscher.

Der Command-and-Control-Server liegt auf der Haupt-Domain tapnetic[.]pro, wobei die einzelnen Erweiterungen unterschiedliche Subdomains davon aufrufen. Die Seite scheint auf den ersten Blick legitim, allerdings gibt es dort keine Funktionen, Downloads oder mögliche Nutzerinteraktionen. Es gibt dort auch kein klar benanntes Produkt oder auch keine Dienstleistung, somit handelt es sich offenbar um eine Tarnseite. Die Kampagne läuft bereits seit Längerem. Schon vor rund einem Jahr haben die Analysten eine Erweiterung aus dieser Kampagne untersucht, sie wurde aus dem Chrome-Web-Store am 6. Februar 2025 entfernt. Zwei Wochen später wurde sie unter neuer Erweiterungs-ID neu eingestellt und veröffentlicht.

Am Ende der Analyse liefern die IT-Forscher eine Auflistung von Indizien für Infektionen (Indicators of Compromise, IOCs). Dort benennen sie etwa IDs, Namen und Anzahl an aktiven Installationen der bislang entdeckten, schädlichen „AiFrame“-Erweiterungen.

Browser-Erweiterungen stellen ein beliebtes Einfallstor für Cyberkriminelle dar. Immer wieder fallen sie für diverse Webbrowser negativ auf. Anfang vergangenen Jahres konnten sich etwa Täter Zugriff auf Konten von Entwicklern diverser Chrome-Extensions verschaffen [4] und den Code durch schädliche Fassungen der Erweiterungen ersetzen.


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https://www.heise.de/-11177317

Links in diesem Artikel:
[1] https://layerxsecurity.com/blog/aiframe-fake-ai-assistant-extensions-targeting-260000-chrome-users-via-injected-iframes/
[2] https://www.heise.de/thema/Browser
[3] https://www.heise.de/thema/Chrome
[4] https://www.heise.de/news/Nach-Phishing-Angriff-Schaedliche-Erweiterungen-in-Chrome-Web-Store-geschleust-10224745.html
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[6] mailto:dmk@heise.de

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  • 16. Februar 2026 um 09:51

Anonymisierendes Linux: Notfallupdate Tails 7.4.2 schließt Kernel-Lücke

Von Heise
Tails 7.4.2 Desktop auf Notebook

(Bild: heise medien)

Der Kernel älterer Tails-Versionen enthält Sicherheitslücken. Version 7.4.2 der anonymisierenden Linux-Distribution schließt sie.

Die Entwickler der anonymisierenden Linux [1]-Distribution Tails haben Version 7.4.2 herausgegeben, die sie selbst als Notfallupdate bezeichnen. Darin schließen sie mehrere Sicherheitslücken im Linux-Kernel.

In der Versionsankündigung von Tails 7.4.2 [2] erklären sie, dass diese Version ein „Notfall-Release zum Beheben kritischer Sicherheitsschwachstellen im Linux-Kernel“ darstellt. Die Sicherheitsmitteilung DSA 6126-1 [3] zum aktualisierten Debian-Kernel 6.12.69-1 umfasst mehr als hundert Schwachstellen; nicht jede davon ist jedoch schwerwiegend. Die Folgen wären jedoch fatal: „Wenn Angreifer in der Lage sind, andere, bislang unbekannte Schwachstellen in einer in Tails enthaltenen Software zu missbrauchen, können sie durch DSA 6126-1 die volle Kontrolle über dein Tails erlangen und dich deanonymisieren“, führen die Tails-Programmierer aus.

Schwachstellen schwer auszunutzen

Jedoch seien Angriffe sehr unwahrscheinlich, heben sie hervor. Sie könnten jedoch von „starken Angreifern wie Regierungen oder Hacking-Firmen durchgeführt werden“. Die Tails-Maintainer haben keine Kenntnis darüber, dass derartige Attacken in der Praxis ausgeführt wurden.

Die neue Tails-Fassung hat zudem den Mail-Client Thunderbird in Version 140.7.1 an Bord. Die Programmierer haben Probleme etwa beim Öffnen der WLAN-Einstellungen aus dem Tor-Verbindungsassistenten heraus gelöst. Das erneute Öffnen von Electrum soll nun wieder klappen, wenn es zuvor nicht sauber geschlossen wurde. Zudem haben sie korrigiert, dass die ausgewählte und auf USB-Stick gespeicherte Sprache im Willkommen-Dialog angewendet wird.

Wie üblich steht die aktuelle Tails-Version als Abbild zum Verfrachten auf USB-Sticks [4] und als ISO-Image für VMs [5] oder zum Brennen auf DVDs zum Herunterladen auf der Tor-Webseite bereit. Die Version für den USB-Stick können Interessierte unterwegs dabeihaben, um damit auf fremden Rechnern eine gesicherte und geschützte Umgebung zum anonymen Surfen im Netz zu starten. Damit lassen sich etwa Zensurmaßnahmen umgehen.

Vor zwei Wochen hatten die Tails-Maintainer die Fassung 7.4.1 veröffentlicht [6]. Auch dabei handelte es sich schon um ein Notfallupdate, das insbesondere die mitgelieferte OpenSSL-Bibliothek auf den Stand 3.5.4 gebracht hat. Die korrigiert Fehler, die Angreifern das Einschleusen von Schadcode und in der Folge im Tor-Kontext die Deanonymisierung von Nutzern ermöglichen, erklärten die Entwickler dazu.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/thema/Linux
[2] https://tails.net/news/version_7.4.2/
[3] https://lists.debian.org/debian-security-announce/2026/msg00035.html
[4] https://tails.net/install/download/index.en.html
[5] https://tails.net/install/download-iso/index.en.html
[6] https://www.heise.de/news/Anonymisierendes-Linux-Notfall-Update-Tails-7-4-1-erschienen-11162314.html
[7] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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  • 16. Februar 2026 um 08:03

Android 17 bekommt Handoff-Funktion für geräteübergreifende Kontinuität

Von Heise
Android 17 Logo

Android 17 wird im Juni 2026 zunächst für Pixel-Geräte erwartet.

(Bild: Google)

Android 17 bekommt eine sogenannte Handoff-Funktion, mit der Entwickler eine „geräteübergreifende Kontinuität“ in ihre Apps integrieren können.

Google hat am vergangenen Freitag die erste Beta von Android 17 [1] veröffentlicht. Im Zuge dessen nannte das Unternehmen vor allem entwicklerseitige Neuerungen [2]. Nicht erwähnt hat der Konzern dabei die neue Funktion für die geräteübergreifende Kontinuität namens Handoff (Übergabe).

Handoff zwischen Android-Geräten

Das neue Feature erwähnt Google derweil in der Dokumentation zu Android 17 im Punkt „Funktionen und APIs [3]“, der noch recht überschaubar ist. Laut Google können App-Entwickler die Funktion in ihre Anwendungen integrieren, um Nutzerinnen und Nutzern „eine geräteübergreifende Kontinuität zu bieten“. Damit können Nutzer eine App-Aktivität auf einem Android-Gerät starten und auf ein anderes Android-Gerät übertragen.

Im Unterschied zu Apples oder Microsofts Lösungen ist Googles also nur auf ein Betriebssystem beschränkt. Für die bald erscheinenden Android-PCs mit Aluminium OS [4] dürfte das Feature – oder zwischen Smartphone und Tablet – durchaus praktisch sein. Apple ermöglicht derweil ein Handoff für einige Apps im eigenen Ökosystem zwischen iPhones, Macs und iPads. Microsoft hat [5] hat die Handoff-Funktion zwischen einigen Android-Apps und Windows mit den Patchday-Updates aus dem Februar erweitert.

Wie Google weiter erklärt, wird die Handoff-Funktion im Hintergrund auf dem Gerät eines Nutzers ausgeführt. Sie zeigt verfügbare Aktivitäten von den anderen Geräten des Nutzers in der Nähe über verschiedene Einstiegspunkte wie den Launcher und die Taskleiste auf dem empfangenden Gerät an.

Apps können die Übergabe-Funktion so festlegen, dass dieselbe native Android-App gestartet wird, wenn sie auf dem empfangenden Gerät installiert und verfügbar ist, heißt es weiter. „In diesem App-zu-App-Ablauf wird der Nutzer per Deeplink zur entsprechenden Aktivität weitergeleitet“, beschreibt Google den Ablauf. Alternativ könne die Übergabe von Apps an das Web als Fallback-Option angeboten oder direkt mit der URL-Übergabe implementiert werden. In der Beta 1 sind noch keine Hinweise auf die Handoff-Funktion zu finden.

Google gibt in der Dokumentation eine kurze Information zur Integration von Handoff in Apps: „Die Handoff-Unterstützung wird auf Basis einzelner Aktivitäten implementiert.“ Um Handoff zu aktivieren, müssen Entwickler die Methode setHandoffEnabled()für die Aktivität aufrufen. „Möglicherweise müssen zusätzliche Daten zusammen mit der Übergabe übermittelt werden, damit die neu erstellte Aktivität auf dem empfangenden Gerät den entsprechenden Status wiederherstellen kann. Implementieren Sie den Rückruf onHandoffActivityRequested(), um ein HandoffActivityData-Objekt zurückzugeben, das Details enthält, die angeben, wie Handoff die Aktivität auf dem empfangenden Gerät verarbeiten und neu erstellen soll.“

Was noch?

Neben Handoff nennt Google als weitere neue Android-17-Funktion unter anderem Optimierungen im Bereich Konnektivität, „damit Apps auch in Satellitennetzwerken mit geringer Bandbreite effektiv funktionieren. Detaillierter geht Google nicht auf die Neuerung ein.

Überdies erweitert Google offenbar den mit Android 16 ins System integrierten „Erweiterten Sicherheitsmodus für Android“ [6] (Android Advanced Protection Mode, AAPM), um eine Schnittstelle für App-Entwickler, um den Status des Modus zu erkennen. „So können Anwendungen automatisch eine verstärkte Sicherheitskonfiguration annehmen oder risikoreiche Funktionen einschränken, wenn ein Nutzer sich dafür entschieden hat“, schreibt Google.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Android-17-Beta-1-ist-da-11176631.html
[2] https://www.heise.de/news/Android-17-Beta-1-Google-verschiebt-Release-kurzfristig-Details-bekannt-11173912.html
[3] https://developer.android.com/about/versions/17/features
[4] https://www.heise.de/news/Google-bereitet-Android-fuer-den-PC-Markt-vor-Aluminium-OS-soll-ChromeOS-abloesen-11092261.html
[5] https://www.heise.de/news/Windows-Update-Vorschau-Geraeteuebergreifendes-Fortsetzen-und-MIDI-2-0-11160029.html
[6] https://www.heise.de/news/Android-16-Beta-gewaehrt-Blick-auf-Googles-erweitertes-Sicherheitsprogramm-10436392.html
[7] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 16. Februar 2026 um 10:28

heise+ | LaTeX: Professionelle Briefe ohne Layoutstress erstellen

Von Heise

Ansehnliche Briefe, jedes Mal aufs Neue, ohne mühseliges Gefrickel – LaTeX machts möglich. Wir zeigen, wie Sie Ihre Korrespondenz auf ein neues Niveau heben.

Man könnte meinen, im digitalisierten Zeitalter sei der Brief aus der Mode gekommen. Doch viele Schreiben flattern auch heutzutage noch in traditioneller Briefform ins Haus oder zumindest ins E-Mail-Postfach. Entsprechend erfordern viele Szenarien – sei es die Kündigung des Mietvertrags, die Korrespondenz mit der Behörde oder gar das berufliche Anschreiben – noch immer einen formellen Brief mit klaren gestalterischen Vorgaben.

Schnell kann das in gewöhnlichen Schreibprogrammen frickelig werden. Absender und Adressat müssen an der richtigen Stelle stehen und ändert sich die Zahl der Zeilen, verschiebt sich womöglich das gesamte Layout. Betreff, Anrede und Schlussformel wollen ansehnlich formatiert werden und wer sich eine zusätzliche Absenderzeile für einen Umschlag mit Sichtfenster wünscht, muss diverse Infos mühselig per Hand hin und her kopieren.

Die Lösung bietet LaTeX. Das Textsatzsystem ist vor allem bei Studierenden und in der Wissenschaft beliebt, doch es bietet diverse Features, die bei nahezu jedem Problem des Textsatzes helfen. Im ersten Teil unserer LaTeX-Einführung [7] [7] haben wir Ihnen die Grundlagen des Programms nähergebracht. In diesem Artikel leiten wir Sie durch den Entwurf Ihres ersten Briefs mit LaTeX. Das Gute ist: Wenn Sie Ihre eigene Vorlage angelegt und personalisiert haben, können Sie sie für all Ihre Zwecke wiederverwenden. Alle notwendigen Anpassungen übernimmt LaTeX für Sie.


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https://www.heise.de/-11102025

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[1] https://www.heise.de/ratgeber/LaTeX-Professionelle-Briefe-ohne-Layoutstress-erstellen-11102025.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/Eigene-Menues-fuer-Textbausteine-und-mehr-mit-AutoHotkey-erstellen-11137279.html
[3] https://www.heise.de/ratgeber/Einfuehrung-in-das-Textsatzsystem-LaTeX-10446316.html
[4] https://www.heise.de/ratgeber/Textsatz-mit-LaTeX-Tipps-und-Tricks-fuer-lange-Texte-10489465.html
[5] https://www.heise.de/ratgeber/Programme-zum-Literaturmanagement-im-Test-9821689.html
[6] https://www.heise.de/ratgeber/LibreOffice-Writer-Mit-Formatvorlagen-den-Schreiballtag-vereinfachen-9717406.html
[7] https://www.heise.de/ratgeber/Einfuehrung-in-das-Textsatzsystem-LaTeX-10446316.html

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  • 16. Februar 2026 um 07:00

MSC 2026: Darum fordern Friedensforscher jetzt neue Diplomatie

Von Klaus Moegling

Rolf Bader, Klaus Moegling

Friedenstaube spiegelt sich in Fernglas vor Siko-Logo

Friedensforscher warnen: Moderne Industriestaaten haben ein unüberwindbares Problem – Verteidigung ist strukturell unmöglich.

Bündnisverteidigung ist nur dann sinnvoll, wenn das, was verteidigt werden soll, nicht zerstört wird. Doch die aktuell eintretende Rüstungsspirale führt zu mehr Unsicherheit und erhöht die Kriegsgefahr in Europa.

Angelika Wilmen [1], Friedensreferentin bei der Ärzteorganisation IPPNW, bringt dies auf den Punkt:

"Des einen Sicherheit ist des anderen Unsicherheit. Er fühlt sich bedroht und rüstet auf. Das Ergebnis ist eine Rüstungsspirale. Sicherheit entsteht nicht durch die Stationierung von Raketenabwehrsystemen oder Mittelstreckenwaffen, sondern durch Dialog, Abrüstung und Rüstungskontrolle."

Die Verteidigungsetats der Nato-Staaten sollen zukünftig deutlich über zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Das von der Nato geforderte Ziel wurde inzwischen erfüllt, scheint aber zur Finanzierung der Ausrüstung aus der Sicht von Nato-Experten nicht auszureichen.

Bis 2035 sollen die Etats bis hin zu voluminösen fünf Prozent (incl. für eine militärische Auseinandersetzung erforderlicher Infrastruktur) steigen. Allein für Deutschland bedeutet das weit über 200 Milliarden Euro – und das jedes Jahr.

"In Wahrheit folgt diese Aufrüstung einem transatlantischen Stereotyp und einem instinktiven Reflex, gespeist aus Angst, altem Blockdenken und der Unfähigkeit, eigene Fehlannahmen zu überdenken. Dieses Aufrüsten im Eiltempo basiert auf Worst-Case-Bedrohungsszenarien und Annahmen, die von der Realität weitgehend abgekoppelt sind."

August Pradetto, Berliner Zeitung

Beendigung des New-Start-Vertrags

Erstmals seit 1972 gibt es nun keine wirkungsvolle Beschränkung der Nuklearprogramme der beiden Großmächte mehr. Auch der New-Start-Vertrag wurde bisher ersatzlos beendet.

Die nukleare Teilhabe der Nato in Europa enthält konkrete atomare Kriegsführungsoptionen mit weitreichenden Konsequenzen: Nuklearwaffen könnten chirurgisch gezielt und begrenzt eingesetzt werden. Rüstungstechnisch führt diese Entwicklung zur Miniaturisierung der Atomwaffen mit hoher Zielgenauigkeit sowie sicherheitspolitisch zu einer Herabstufung der Nuklearen Schwelle. [2]

USA, Russland und die VR China – neben den kleineren Atommächten – sind dabei, ihre Nuklearwaffen mit erheblichen Investitionen zu ‚modernisieren‘ und damit noch gefährlicher zu machen.

Innerhalb weniger Wochen könnten nun nach der Beendigung des New-Start-Vertrags die einsatzbereiten nuklearen Arsenale der USA und Russland erheblich vergrößert werden. In relativ kurzer Zeit wäre eine Verdopplung möglich – so die US-Friedensforscherin Jennifer Knox 2026 [3]:

"Die daraus resultierende Aufrüstung, der Mangel an Einblick in die Pläne und Arsenale des jeweils anderen und die Beendigung der formellen bilateralen Konsultationen, die durch das Verifikationssystem des Vertrags hervorgerufen wurden, würden die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland weiter destabilisieren, das Risiko eines nuklearen Konflikts durch Fehleinschätzungen oder Missverständnisse erhöhen und Ressourcen verschwenden, die keines der beiden Länder zu verschenken hat.

Eine erneute nukleare Aufrüstungsspirale zwischen den Vereinigten Staaten und Russland könnte auch China und andere Atommächte dazu veranlassen, ihre Arsenale zu vergrößern, was zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage weltweit führen würde."

Damit steigt das Risiko eines Atomkriegs aus Versehen [4] deutlich – aufgrund falscher Meldungen oder eines technischen Versagens. Hinzu kommen die Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit der Integration von KI [5] in die Waffensysteme.

US-Marschflugkörpern ab 2026 in Deutschland

Ende dieses Jahres wird es voraussichtlich zu einer einschneidenden militärpolitischen Maßnahme in Deutschland mit möglicherweise fatalen Folgen kommen.

Die US-Regierung und die Bundesregierung (Olaf Scholz) vereinbarten in einer kurzen und in der Medienöffentlichkeit kaum beachteten Gemeinsamen Erklärung [6]am Rande des Nato-Gipfels Anfang Juli 2024 in New York die Stationierung amerikanischer Mittelstreckensysteme in Deutschland:

Im Jahr 2026 sollen nur in Deutschland Tomahawk-Marschflugkörper, SM-6-Raketen und neue Hyperschallwaffen stationiert werden, die konventionell und – wenn gefordert – auch mit Atomsprengköpfen bewaffnet werden könnten. Mit über 2.000 km Reichweite könnten sie im Tiefflug in nur wenigen Minuten Zielobjekte in Russland erreichen und sogar sogenannte "Enthauptungsschläge" gegen die russische Führung ausführen.

Beschlossen wurde das Rüstungsprojekt ohne ein gleichzeitiges Verhandlungsangebot an Russland – wie es noch beim Nato-Doppelbeschluss unter Helmut Schmidt der Fall war. Ein dicht besiedeltes Land wie die Bundesrepublik könnte zur Zielscheibe russischer Raketen [7] werden.

Russland hat bereits entsprechende Drohungen ausgesprochen. Während einer Marine-Parade in St. Petersburg sprach Putin deutliche Drohungen [8] angesichts der vorgesehenen Raketen-Stationierung aus – so ntv:

"Putin betonte bei der Parade, dass mit den Raketen, die in der Perspektive auch mit nuklearen Sprengköpfen ausgerüstet werden könnten, wichtige Ziele in Russland in Reichweite gerieten. Staatliche, militärische Objekte und wichtige Industrieanlagen könnten so binnen zehn Minuten getroffen werden. Darauf werde Russland 'spiegelgerecht' antworten. Auch russische Kriegsschiffe könnten demnach mit Raketen als Antwort ausgestattet werden."

Allerdings darf dabei nicht übersehen werden, dass auch Russland nuklearfähige Raketen, in Kaliningrad [9], ca. 500 Kilometer von Berlin entfernt, stationiert hat.

Russische Hyperschallraketen, z. B. seine "Wunderwaffe" Oreschnik, sind bereits im Krieg in der Ukraine eingesetzt [10] worden. Hier wird deutlich, wie wichtig ein Angebot zur gemeinsamen Abrüstung im Zuge einer vorgesehenen Raketen-Stationierung gewesen wäre.

Die deutsche Friedensbewegung nimmt nun die US-Raketenstationierung zum Ende des Jahres 2026 zum zentralen Anlass für Kundgebungen und Appelle (vgl. z. B. den Friedensappell [11] in Bezug auf die geplante Stationierung).

Schlussfolgerung

Die Verletzbarkeit moderner Industriestaaten resultiert aus einer Synergie von Vulnerabilität und vernichtender Waffenwirkung. Die militärische Verteidigung moderner Industriestaaten ist in einem unüberwindbaren Widerspruch gefangen, denn diese sind strukturell nicht zu verteidigen.

Allein die deutsche Stromversorgung lässt sich nicht gegen Cyberangriffe oder Anschläge schützen. Die Folgen wären gesellschaftliches Chaos und Kontrollverlust.

Deshalb sind die Staaten und ihre Gesellschaften nur unter Friedensbedingungen lebens- und funktionsfähig. Das Dilemma der strukturellen Nichtverteidigbarkeit [12] ist Faktizität und verlangt ein Instrumentarium, das Krieg unter allen Umständen präventiv verhindert und über Krisenprävention und Diplomatie zur Deeskalation von Konflikten beiträgt.

Aufgabe der Münchener Sicherheitskonferenz wäre es, sich nach dem Ende des New-Start-Vertrags vordringlich der Rüstungskontrolle zu widmen.

Ziel müsste die Wiederherstellung einer auf Diplomatie und internationaler Zusammenarbeit basierenden Sicherheitsordnung sein. Die internationale Rüstungskontrollarchitektur wiederherzustellen, zu schützen und zu bewahren, ist gegenwärtig die wohl dringlichste Aufgabe.

Im September 2026 kommen die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in New York zur Überprüfungskonferenz des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags zusammen. Nach dem Ende des New-Start-Vertrags wird es wichtig sein, dass die Staatengemeinschaft den Vertrag in seinen Zielen und Verpflichtungen zumindest bekräftigt.

Ebenfalls eine Verlängerung um ein Jahr, wie von der russischen Regierung vorgeschlagen, wäre wichtig, um einen neuen Start-Vertrag auszuhandeln, für den versucht werden müsste, auch die VR China hinzuzugewinnen. Auch u. a. der im August 2019 beendete INF-Vertrag, der alle landgestützten konventionellen und nuklearen Raketen mit zwischen 500 und 1.500 Kilometern Reichweite verboten hatte, müsste wieder neu verhandelt und eingesetzt werden.

Die Sicherheitskonferenz sollte sich bei der aktuellen geopolitischen Weltlage für eine Stärkung der Vereinten Nationen und die Wahrung der UN-Charta, des Völkerrechts und der Menschenrechte einsetzen.

Rolf Bader, geb. 1950, Dipl. Pädagoge, Offizier a. D. der Bundeswehr, ehemals Geschäftsführer der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung e. V. (IPPNW).

Klaus Moegling, Prof. Dr. habil., Politikwissenschaftler und Soziologe, er lehrte an verschiedenen Universitäten und Institutionen der Lehrerbildung, zuletzt an der Universität Kassel als apl. Professor im Fb Gesellschaftswissenschaften, er engagierte sich in der Friedens- und Umweltbewegung sowie in Bildungsinitiativen (Webseite [13]). Er ist Autor des im open Access [14] veröffentlichten Buches "Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (noch) möglich".


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https://www.heise.de/-11175163

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.fr.de/meinung/gastbeitraege/raketenabwehr-heizt-das-wettruesten-an-statt-sicherheit-zu-bringen-94138916.html
[2] https://www.berliner-zeitung.de/open-source/vor-nato-gipfel-2024-buergermeister-fuer-den-frieden-fordern-atomare-abruestung-li.2231446
[3] https://www.ucs.org/resources/nuclear-weapons-without-limits?read-online-content=1
[4] https://link.springer.com/article/10.1007/s13218-021-00710-0
[5] https://www.telepolis.de/features/KI-und-Krieg-Nukleare-Risiken-und-politische-Forderungen-9638955.html
[6] https://www.bundesregierung.de/resource/blob/976074/2298418/b4eca6d3ccfdfd9fb1580117e1cf7910/2024-07-10-gemeinsame-erklaerung-usa-ger-nato-gipfel-data.pdf?download=1
[7] https://www.freitag.de/autoren/hans-georg-ehrhart/sicherheit-von-deutschland-aus-mit-us-wafen-russland-angreifen
[8] https://www.n-tv.de/politik/Putin-droht-mit-Reaktion-auf-die-Stationierung-von-US-Waffen-in-Deutschland-article25120505.html
[9] https://www.merkur.de/politik/russland-ukraine-krieg-hyperschallwaffen-kinschal-polen-kaliningrad-litauen-nato-news-zr-91734427.html
[10] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/russland-oreschnik-ukraine-100.html
[11] https://www.change.org/p/gegen-die-atomare-bedrohung
[12] https://wissenschaft-und-frieden/article/strukturelle-nichtverteidigbarkeit/
[13] https://www.klaus-moegling.de/ueber-mich/
[14] https://www.klaus-moegling.de/aktuelle-auflage-neuordnung/

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  • 15. Februar 2026 um 16:00

Die Ukraine friert – und zeigt Europas Verwundbarkeit

Von Julia Engels

Julia Engels

Blauer Heizkörper  vor Gelb mit Kreuz durch rote Zuleitung

Wenn Kraftwerke ausfallen, friert ein ganzes Land. Was jetzt in der Ukraine passiert, zeigt die Schwächen zentraler Energiesysteme.

Die Winter in der Ukraine sind bereits hart, doch in diesem Jahr verschärft sich die Lage dramatisch. Während vielerorts Temperaturen bis zu minus 25 °C erreicht werden, sind Strom- und Wärmeversorgung in weiten Teilen des Landes massiv gest [1]ört [2].

Russische Angriffe auf Kraftwerke, Umspannwerke und Fernwärmenetze haben die zentrale Infrastruktur beschädigt oder zerstört. Die unmittelbaren Folgen sind nicht nur technische Ausfälle: Sie betreffen den Alltag, die Gesundheit und die gesellschaftliche Stabilität.

In vielen Städten und Dörfern stehen Menschen vor der Herausforderung, ohne verlässlichen Strom oder Heizung [3] durch den Winter zu kommen.

Schulgebäude, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen arbeiten unter extrem erschwerten Bedingungen. Wasser- und Abwassersysteme, die auf stabile elektrische Energie angewiesen sind, funktionieren nur eingeschränkt. Lebensmittel, die nicht mehr gekühlt oder vor Frost geschützt werden können, verderben.

Diese Situation ist ein humanitäres Desaster, dessen Ursachen nicht allein in der Witterung, sondern in der Verletzlichkeit der zentralisierten Versorgungssysteme liegen.

Zentrale Energieversorgung – Stärke und Schwäche zugleich

Die ukrainische Energieinfrastruktur ist stark zentralisiert: große Kraftwerke, wenige Umspannwerke und ausgedehnte Fernwärmenetze bestimmen die Versorgung von Millionen Menschen.

Solche Strukturen sind effizient, aber eben auch empfindlich. Wenn ein Knotenpunkt ausfällt oder gezielt angegriffen wird, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf große Bevölkerungsgruppen. Anders als in dezentral organisierten Systemen können lokale Ausfälle kaum isoliert bleiben, weil wenige Knotenpunkte viele Verbraucher versorgen.

Diese Verwundbarkeit wird im aktuellen Krieg offenkundig. Strom- und Wärmeversorgung sind keine reinen technischen Dienste mehr, sie sind zu kritischen Faktoren für das Überleben im Alltag geworden.

Wenn Heizkraftwerke ausfallen, fällt ein Grundpfeiler des sozialen Lebens aus. Schulen bleiben geschlossen, weil es zu kalt ist. Krankenhäuser müssen Leistungen einschränken, weil medizinische Geräte nicht zuverlässig betrieben werden können.

Alltag im Ausnahmezustand

In betroffenen Regionen harren Familien in schlecht beheizten Wohnungen [4] aus. Viele müssen improvisieren, Kerzen und mobile Heizgeräte verstärkt nutzen, sich in kleineren Gruppen zusammenfinden, um Wärme zu teilen.

Besonders ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder gehören zu den vulnerabelsten Gruppen. Sie sind nicht nur den niedrigen Temperaturen ausgeliefert, sondern auch den indirekten Folgen: verringerte medizinische Betreuung, eingeschränkte Mobilität, psychischer Stress.

Hilfsorganisationen, die ohnehin am Limit arbeiten, sehen sich mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Die Versorgungslage ist nicht nur ein technisches Problem, sondern verlangt logistische Lösungen: Transport von Brennstoffen, Notstromaggregaten, Decken und Lebensmitteln. All dies ist mit erheblichen Kosten, logistischer Komplexität und Sicherheitsrisiken verbunden.

Zugleich verschärfen lange Ausfallzeiten die Gefahr, dass Menschen aus betroffenen Regionen weiterziehen, um in wärmeren Gebieten Schutz zu suchen. Das wiederum setzt lokale Gemeinschaften unter Druck, die ohnehin schon mit Flüchtlingsströmen und Binnenmigration konfrontiert sind.

Resilienz – Begriff und Realität

Der Begriff Resilienz ist in den vergangenen Jahren zum Schlüsselwort geworden, wenn es um die Bewertung von Infrastruktur [5] geht. Er beschreibt die Fähigkeit von Systemen und Gesellschaften, Störungen zu absorbieren, sich anzupassen und weiterhin funktionsfähig zu bleiben.

In der Realität zeigt sich jedoch, dass viele Energieversorgungssysteme dafür nicht ausgelegt sind. Die Abhängigkeit von großen Kraftwerken und weit verzweigten Netzen macht sie effizient, aber wenig widerstandsfähig gegen großflächige Störungen.

Technische Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz wären vielfältig: Dezentrale Energiequellen wie Solaranlagen, Blockheizkraftwerke oder Notstromaggregate könnten zumindest kritische Einrichtungen autonom versorgen.

Redundante Netze und alternative Versorgungswege könnten Ausfälle einzelner Kraftwerke oder Umspannwerke abfedern. Doch solche Maßnahmen sind teuer, erfordern politische Entscheidungen, Planung und Investitionen. Dinge, die inmitten eines Krieges nur schwer zu realisieren sind.

Resilienz ist aber nicht nur eine technische Frage. Sie ist auch eine organisatorische und gesellschaftliche. Vorbereitung auf Notfälle, koordinierte Notfallpläne, schnelle Kommunikation bei Ausfällen und eine funktionierende Krisenlogistik sind ebenso Teil eines resilienten Systems. In der Ukraine wird gerade deutlich, wie sehr diese organisatorischen Kapazitäten auf die Probe gestellt werden.

Gesellschaftliche und politische Implikationen

Die gegenwärtige Lage macht eine weitere Dimension sichtbar: Energieversorgung ist nicht nur ein technisches Gut, sondern ein gesellschaftlich relevantes System, das Sicherheit und Stabilität beeinflusst. Wenn dieses System unter Druck gerät, entstehen nicht nur praktische Probleme, sondern auch politische und gesellschaftliche Spannungen.

Die Bevölkerung wird gezwungen, Prioritäten neu zu setzen: Wie stark werden individuelle Vorsorge, lokale Netzwerke und gegenseitige Hilfe? Wie stark können staatliche Institutionen in Krisenzeiten Unterstützung bieten?

Zugleich eröffnet die Debatte über Resilienz längerfristige Fragen zur Energiepolitik. Welche Rolle spielen dezentrale Systeme in der Zukunft? Wie kann die Energieinfrastruktur so gestaltet werden, dass sie gegen Störungen widerstandsfähiger wird, nicht nur gegen Kriegseinwirkungen, sondern auch gegen Naturkatastrophen und technische Fehlfunktionen? Diese Fragen sind nicht nur für die Ukraine, sondern für viele Gesellschaften relevant, die stark zentralisierte Energieversorgungsmodelle nutzen.

Humanitäre Perspektiven

Für die Menschen vor Ort sind solche konzeptionellen Diskussionen nicht abstrakt, sondern lebensnah. Die unmittelbaren humanitären Folgen: Kälte in Wohnungen, eingeschränkte medizinische Versorgung, psychische Belastung sind greifbar.

Viele Familien leben in ständiger Ungewissheit, wie lange die nächste Heizperiode durchgehalten werden kann, wie lange die Vorräte an Brennstoff reichen oder ob die nächste Nachtruhe ohne Strom und Wärme überstanden wird.

Diese humanitäre Dimension verlangt konkrete Maßnahmen – kurzfristige Hilfe genauso wie langfristige Strategien zur Stärkung der sozialen Infrastruktur und zur Sicherung des Zugangs zu grundlegenden Dienstleistungen.

Die Frage nach Resilienz ist dabei nicht nur technisch, sondern zutiefst menschlich: Es geht um die Fähigkeit von Gesellschaften, unter extremen Bedingungen zu überleben, zu adaptieren und ein Mindestmaß an Normalität aufrechtzuerhalten.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-ausnahmezustand-energie-infrastruktur-100.html
[2] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-ausnahmezustand-energie-infrastruktur-100.html
[3] https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.video-ereignisse-zeitgeschehen-ukraine-haertester-winter-im-krieg.62f6a2a2-c136-44b5-ac3a-ad320601ccb9.html
[4] https://taz.de/Kriegswinter-in-der-Ukraine/!6148225/
[5] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2025/02/05-energieversorgungssicherheit.html

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  • 15. Februar 2026 um 14:00

KI: Pentagon droht Anthropic wegen Anti-Kriegsregel

Von Andreas Donath
Das US-Verteidigungsministerium erwägt die Trennung von Anthropic . Denn das Unternehmen weigert sich, seine KI für militärischen Zwecke freizugeben.
US-Hubschrauber (Bild: U.S Navy Foto/Oberbootsmann Jon Rasmussen)
US-Hubschrauber Bild: U.S Navy Foto/Oberbootsmann Jon Rasmussen / CC0 1.0

Das Pentagon verlangt von vier großen KI-Unternehmen uneingeschränkten Zugang zu deren Technologie. OpenAI, Google, xAI und Anthropic sollen ihre Modelle für "alle rechtmäßigen Zwecke" bereitstellen. Dazu zählen nach Ansicht des Pentagons Waffenentwicklung, Geheimdienstoperationen und Kampfeinsätze.

Während drei Firmen dem Bericht von Axios zufolge zusagten, stellt sich Anthropic quer. Das Unternehmen bestehe auf Beschränkungen bei der militärischen Nutzung seines KI-Modells Claude, denn dessen Nutzungsrichtlinien verbieten ausdrücklich Gewaltanwendung, Waffenentwicklung und Überwachung.

Ein Regierungsvertreter bestätigte gegenüber dem Nachrichtenportal, dass das Pentagon einen Abbruch der Zusammenarbeit erwäge. Die Verhandlungen laufen seit Monaten – bisher ohne Durchbruch.

Besonders brisant: Das Wall Street Journal berichtete, Claude sei bereits bei der Venezuela-Operation zum Einsatz gekommen. Über die Partnerfirma Palantir wurde die KI offenbar für die Mission zur Ergreifung von Nicolás Maduro genutzt, wie Axios in einem früheren Artikel schreibt .

Technische Fragen bleiben ungeklärt

Ein Anthropic-Sprecher widersprach dieser Darstellung teilweise. Man habe den Einsatz von Claude für "bestimmte Operationen" nicht mit dem Pentagon diskutiert. Die Gespräche hätten sich auf grundsätzliche Aspekte der Nutzungsrichtlinie konzentriert.

Konkret geht es um zwei rote Linien: vollständig autonome Waffensysteme und Massenüberwachung im Inland. Anthropic will verhindern, dass Claude für Waffen verwendet wird, die ohne menschliche Kontrolle töten können. Solche Systeme wählen eigenständig Ziele aus und eliminieren sie.

Wie genau Claude bei der Venezuela-Aktion eingesetzt wurde, bleibt unklar. Die KI kann Dokumente analysieren und Informationen zusammenfassen – ähnlich wie ChatGPT. Ob es nur um Datenauswertung ging oder um direktere Unterstützung, wollte Anthropic nicht kommentieren.

Das Unternehmen betonte lediglich, dass jede Nutzung – privat oder staatlich – den eigenen Richtlinien entsprechen müsse. Man arbeite mit Partnern daran, die Einhaltung sicherzustellen.

Verteidigungsminister Pete Hegseth machte im Januar deutlich , was das Pentagon will: KI-Modelle ohne Einschränkungen. "Wir nutzen keine Modelle, die es nicht erlauben, Kriege zu führen" , sagte er. Das Ministerium schloss parallel einen Vertrag mit Elon Musks Unternehmen xAI.

Der Konflikt zeigt die unterschiedlichen Ansätze in der KI-Branche. Anthropic-Chef Dario Amodei gehört zu den wenigen Tech-Führern, die für strengere Regulierung eintreten. Das brachte ihn bereits auf Kollisionskurs mit David Sacks, dem KI-Beauftragten des Weißen Hauses.

Künstliche Intelligenz verschiebt die Machtverhältnisse in der Rüstungsindustrie dramatisch. Analysten rechnen laut einem Bericht des Spiegel damit, dass KI-gestützte Systeme konventionelle Waffenentwicklung binnen weniger Jahre überholen könnten.

Für Anthropic steht viel auf dem Spiel. Das Pentagon gehört zu den zahlungskräftigsten Kunden der Tech-Branche. Ein Ausschluss würde nicht nur Umsatz kosten, sondern auch strategischen Einfluss.

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  • 15. Februar 2026 um 13:44

Halber Lenkkranz: China verbietet Yoke-Lenkräder ab 2027

Von Andreas Donath
Nach versenkbaren Türgriffen jetzt auch Steuerhörner: In China dürfen Lenkräder ohne vollen Lenkkranz ab Anfang 2027 nicht mehr verbaut werden.
Teslas Steuerhorn (Bild: David Krasniy/X)
Teslas Steuerhorn Bild: David Krasniy/X

Chinas Industrieministerium hat einen Entwurf für einen neuen Sicherheitsstandard veröffentlicht, der Yoke-Lenkräder faktisch verbietet, wie Carnews in China berichtet . Die obligatorische nationale Norm GB 11557-202X soll Fahrer vor Verletzungen durch Lenkmechanismen schützen. Sie ersetzt Richtlinien aus dem Jahr 2011.

Die ab 1. Januar 2027 gültigen Regeln verschärfen die Testpflichten für Hersteller erheblich. Der Standard streicht frühere Ausnahmen von Aufpralltests. Alle Fahrzeugmodelle müssen künftig ausnahmslos Verifikationstests durchlaufen – eine Änderung, die Lenkrad-Designs in der gesamten Branche betrifft.

Technische Hürden für alternative Designs

Der Standard schreibt Aufpralltests an zehn definierten Punkten am Lenkradkranz vor. Zu den erforderlichen Testpositionen gehören der Mittelpunkt der schwächsten Stelle und der Mittelpunkt des kürzesten ungestützten Bereichs.

Halbrunde Lenkräder haben ein entscheidendes Problem: Ihnen fehlt der obere Abschnitt, an dem mehrere kritische Testpunkte liegen müssten. Ohne diese physischen Bereiche können Hersteller die Einhaltung der Anforderungen nicht nachweisen. Diese technische Inkompatibilität macht eine Zulassung nach dem neuen Standard unmöglich.

Mehrere Hersteller bieten derzeit Yoke-Lenkräder auf dem chinesischen Markt an, darunter Tesla, IM Motors, Jiyue und Lexus. Sobald der Standard in Kraft tritt, müssen alle neuen Fahrzeugmodelle die aktualisierten Anforderungen erfüllen. Modelle mit bestehenden Genehmigungen erhalten voraussichtlich eine Übergangsfrist von rund 13 Monaten zur Anpassung ihrer Designs.

Bereits zugelassene Altfahrzeuge müssen nicht umgerüstet werden.

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  • 15. Februar 2026 um 13:02

Reparatur-Albtraum: BMW entwickelt proprietäre Marken-Schrauben

Von Andreas Donath
iFixit nennt BMWs neues Schraubkopfdesign einen "Logo-förmigen Mittelfinger gegen das Reparaturrecht". Hilfe aus 3D-Druckern steht bereit.
Eine 3D-gedruckte Schraube und passendes Bit (Bild: Adafruit)
Eine 3D-gedruckte Schraube und passendes Bit Bild: Adafruit

BMW hat ein Patent für eine neue Schrauben-Konstruktion eingereicht, die das Logo des Herstellers in den Schraubenkopf integriert. Doch ein Blick in die Patentunterlagen zeigt: Das Ziel könnte die Einschränkung unabhängiger Reparaturen sein.

Reparaturrecht unter Beschuss

Die Patentanmeldung formuliert explizit, dass die Schraube verhindern soll, dass "unbefugte Personen" Komponenten lösen oder festziehen. Diese Formulierung provoziert scharfe Kritik. iFixit , eine Reparatur-Website, nennt BMWs Pläne einen "Logo-förmigen Mittelfinger gegen das Reparaturrecht".

Technische Analyse zweifelt an Patentfähigkeit

Adafruit hat die Patentanmeldung analysiert und darin einige Schwachstellen identifiziert. Demnach erfüllen viele Aspekte des BMW-Patents möglicherweise nicht die Kriterien für eine Patentfähigkeit. Das Schraubendesign sei primär kosmetisch und auf Branding fokussiert, nicht auf echte technische Innovation.

Aus technischer Sicht stellt die BMW-Schraube keine Verbesserung gegenüber existierenden Standards dar. Die Automobilindustrie hat sich weitgehend auf Torx- und Inbus-Schrauben standardisiert.

Community schlägt zurück

Adafruit demonstrierte die Verwundbarkeit von BMWs Ansatz durch erfolgreiches Reverse Engineering – nur anhand der Patentunterlagen. Das Unternehmen erstellte sowohl Plastik- als auch Metall-3D-Drucke der Schraube und des passenden Bits. Laut Adafruit funktionierten die Repliken einwandfrei.

Der Reverse-Engineering-Prozess nutzte die technischen Zeichnungen und Maße aus BMWs eigener Patentanmeldung. Diese ironische Situation illustriert eine fundamentale Herausforderung proprietärer Schrauben-Designs: Die öffentliche Patentanmeldung offenbart zwangsläufig die zur Reproduktion nötigen Informationen.

Adafruit hat jetzt auch Anleitungen für andere Maker bereitgestellt, die bereits aufgegriffen wurden. Weitere Personen haben bereits 3D-Dateien für Schrauben und Bits in Online-Repositories hochgeladen. Das mag eine Lösung für Hobbybastler sein, für professionelle Werkstätten aber eher eine Notlösung.

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  • 15. Februar 2026 um 12:31

Sicherheit durch KI: Bruce Schneier warnt vor Monopolen und fordert Regulierung

Von Heise
Roboter erstellen KI-Inhalte in einer dytopischen Welt.

Roboter erstellen KI-Inhalte in einer dytopischen Welt.

(Bild: Shutterstock AI)

Der renommierte Kryptologe Bruce Schneier sieht in KI das Potenzial, Software sicherer zu machen, warnt aber vor Monopolen. Er fordert eine starke Regulierung.

Er hat Verschlüsselungsalgorithmen entwickelt und warnte schon 2007 vor dem nicht-zufälligen Zufallszahlengenerator im NIST-Standard Dual_EC_DRBG. Zugleich gehört Bruce Schneier zu den „Techies“, die seit Jahren raten, Sicherheit für die Nutzer auch durch Regulierung und Wettbewerbsaufsicht abzusichern. Für KI gilt das ebenso, sagt der Harvard-Forscher und Buchautor bei der Münchner Cyber Sicherheitskonferenz [1]. Europa darf, so sein Rat, die gerade aufgestellten Regeln in diesem Bereich nicht abschwächen.

Sie sagen, KI kann uns in ein paar Jahren vollkommen sichere Software bescheren. Aktuell aber profitieren die Angreifer, weil sie sich die Technologie zum Aufspüren von Sicherheitslücken zu Nutze machen. Werden wir uns über diese Phase hinweg retten können? Werden wir überleben?

Keine Ahnung, ob wir überleben. Im Moment erleben wir ein Wettrüsten. Die KI vervielfacht die Chancen, Schwachstellen zu entdecken. Kriminelle und auch Regierungen nutzen das, um sich offensive Cyberwaffen zuzulegen, und das mit wachsender Geschwindigkeit und Effektivität. Allerdings hilft KI den Verteidigern. Auch sie profitieren, davon, dass Schwachstellen schneller gefunden und gepatcht werden als jemals zuvor. Kurzfristig ist der Angreifer im Vorteil. Langfristig gewinnt die Defensive. Künftig werden Sicherheitslücken schon während der Entwicklung geschlossen und sind dann für immer zu. Unser Problem ist nicht gepatchte Legacy Software, daher stehen uns harte Zeiten bevor.

Ist es nicht eine gewagte Vorhersage, dass KI Software endgültig sicher machen wird?

Optimistisch vielleicht, aber nicht unvernünftig optimistisch. KI ist inzwischen wirklich gut darin, Schwachstellen zu finden und automatisch zu patchen, und wird jeden Monat besser. Ich habe gerade eine Studie gesehen, die zeigt, wie KI Schwachstellen sogar im Objektcode entdeckt. Also praktisch in Feldcodes, ohne Kenntnis des Quellcodes. Das wird gefunden und gepatcht. Das ist völlig abgefahren. Daher glaube ich, dass Schwachstellen irgendwann der Vergangenheit angehören. Nicht morgen, es kann sein, dass es noch fünf oder 10 Jahre dauert – aber KI ist einfach zu gut darin.

Wie unterschiedlich sind entsprechende Kompetenzen verbreitet?

Ich denke, das wird am Ende in Compiler integriert. Es wird keine gesonderte Funktion mehr sein sein, genauso wie Optimierungsverfahren im Compiler stecken. Das ist das Level an Sophistication, welches wir brauchen. Im Moment haben wir Vulnerability Labs, die Schwachstellen aufspüren. Anthropic etwa testet im Moment praktisch jedes Stück öffentlicher Software. Andere machen ähnliche Dinge. Kriminelle nutzen KI-Tools ihrerseits, und daher gibt es eine Menge Schadsoftware da draußen. KI-Ransomware zum Beispiel. Dabei schreibt KI Ransomware, sucht Ziele aus, schreibt dann die notwendigen E-Mails und eröffnet das Bankkonto für die Zahlungen. Ein Knopfdruck und die KI macht Kohle für Kriminelle. Wie schnell sie darin noch besser werden, ist schwer zu sagen. Aber im Moment entwickelt sich das rasend.

Wie unterschiedlich sind die Fähigkeiten auf Seiten der Verteidiger?

Da gibt es große Unterschiede. Es gibt natürlich jede Menge KI-Marketing-Bullshit. Viele Firmen werben mit KI, weil man das jetzt so macht. Es gibt aber eben auch wirklich clevere Ideen, beispielsweise gibt es einen Ex-Google-Mitarbeiter, der auf der Basis eines Papiers mit dem Titel „Camel“ eine Firma aufgezogen hat bei der es um Human-in-the-Loop-Agenten geht. Ich selbst berate eine Firma, die KI nutzt, um Systeme gegen Datenverlust abzusichern. Also das Meiste ist noch Marketing-Bullshit, aber es gibt kluge Innovationen.

Zugleich vergrößert der Einsatz von KI den Attack-Surface, oder?

KI ist im Grunde nur ein Programm, ein Stück Software, das auf einer Hardware läuft. Natürlich ist es anfällig für die Schwächen traditioneller Software. Das stimmt. Simon Willison spricht von der ‘lethal trifecta’: KI baut auf nicht vertrauenswürdigen Daten auf, hat Zugang zu privaten Daten, und, Drittens, agiert autonom. Wenn wir eine solche KI nutzen, sind wir angreifbar. Punkt. Aus.

Und wie schützen wir uns dagegen?

Zwei Antworten. Erstens: Keine Chance. Bei aktueller Transformer-Technologie (Deep-Learning-Architekturen, A. d. Red.), haben wir keine Möglichkeit, das Einschleusen von Eingabeaufforderungen zu verhindern. Meine zweite Antwort lautet: Prompt Injections sind nur der erste Schritt der Kill-Chain. Ich habe gerade über die sieben Schritte der ‘Promptware Kill-Chain’ [2] geschrieben. Das bedeutet: Wir haben mehrere Angriffspunkte, die wir gegen solche Attacken nutzen können. Der Umstand, dass wir gegen den ersten Schritt machtlos sind, heißt nicht, dass wir uns gar nicht schützen können. Wir müssen die sieben Einzelschritte besser verstehen und uns das zunutze machen. Allerdings kämpfen wir gegen ein sehr bewegliches Ziel.

Wer kann und muss etwas tun? Sie haben auf die Schaffung öffentlicher Audit-Stellen verwiesen.

Ja, das ist eine Maßnahme, die man treffen kann. Das allein reicht aber nicht. Wie immer im Bereich Sicherheit müssen alle ihren Teil beitragen.

Würden Sie sagen, die Entwicklung von KI ähnelt der des Internets? Wir haben einen demokratisierenden Faktor – wir könnten alle Sender, beziehungsweise mit KI Programmierer werden – und zugleich übernimmt das Surveillance-Capitalism-Modell? Nur dass es bei KI schneller geht mit dem Umschalten auf Werbefinanzierung?

Die KI-Blase gleicht der Internetblase in gewisser Weise. Könnte sie platzen wie, sagen wir mal, die Blockchain-Blase? Nun ja, Blockchain war wirklich eine dumme Idee. Niemand startet heute noch eine Blockchain Firma. Die Internetblase war anders, weil das Internet im Kern eine super Idee war. Bloß waren die Firmen dumm, und möglicherweise stecken wir aktuell genau in dieser Phase. KI verändert alle Aspekte der Technologie. Aber Anthropic oder Open AI haben meiner Meinung nach kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Wenn die Blase platzt, reißt das die Wirtschaft mit, denn die wird ja davongetragen. Andererseits hat KI als Technologie echtes Potenzial. Wir können damit unglaubliche Dinge tun. Wir dürfen einfach nicht unterschätzen, dass die großen Firmen diese Entwicklung für uns alle ruinieren können. Die Monopolisierung von KI ist ein Riesenproblem, auch wenn wir nicht die gleichen Netzwerkeffekte wie bei Social Media haben. Sie können innerhalb von Sekunden zwischen verschiedenen Modellen wechseln und wir werden nicht die gleiche KI benutzen, weil jemand anderer sie benutzt. Weniger Netzwerkeffekte, weiter sinkende Kosten, um neue Modelle zu entwickeln – ich hoffe einfach, dass die Monopolisierung atrophiert. Aber wir müssen abwarten.

In München haben sie sich als Fan eines von Schweizer Unis entwickelten Modells geoutet, das offen ist und mit nachhaltiger Energie arbeitet.

Die aktuelle Version von Apertus ist ungefähr eineinhalb Jahre hinter dem Stand der Technik zurück. Wir müssen abwarten, wie gut die Performance sein wird. Aber es ist viel billiger. Außerdem bewegen wir uns in Richtung kleinerer, spezialisierter Modelle. Niemand braucht diese großen Modelle, für die riesige Geldberge verbrannt werden.

Wie verhindern wir Monopole, falls sie nicht selbst atrophieren?

Wettbewerbsaufsicht. In den USA passiert das natürlich nicht, weil Geld und Politik zusammenstecken und die Finanzwelt das nicht will. Ich setze daher auf die EU. Ihr seid die regulatorische Superpower des Planeten.

Wirkt das tatsächlich?

Mein Gott, ja. Wenn sie einen Unternehmenszusammenschluss verhindern, dann passiert er nicht. Wenn man einen Konzern aufspaltet, hat man kleinere Einheiten. Das hat globale Effekte. Wir brauchen jemanden, der die Tech-Monopole zerschlägt, und die Vereinigten Staaten werden das nicht machen.

Das ist, was Gesetzgeber und Regulierer tun können. Sonst noch was?

Das wäre das Wichtigste. Das Zweite ist Interoperabilität erzwingen. Der Digital Markets Act, der Digital Services Act der KI Act sind gut. Das muss durchgesetzt werden und man muss dem Druck aus den USA widerstehen, das nicht zu tun. Natürlich wollen die Firmen das nicht und wenn die das nicht wollen, wird Politik losgeschickt. So funktioniert das aktuelle politische System.

Was sagen Sie zur aktuell diskutierten Reform, beziehungsweise Abschwächung der Regeln?

Ich verfolge das nicht im Detail, denn ich habe keinen Einfluss darauf. Aber ich bin kein Fan davon, die Regeln abzuschwächen.

Warum muss man die Demokratie neu verkabeln?

Die Demokratie wird neu verkabelt, ob wir das wollen oder nicht. In meinem Buch [3] spreche ich darüber, wie KI die Demokratie verändert und wie wir an vielen Stellen gar keine Wahl haben. Mir ging es darum, darüber zu schreiben, wie wir KI positiv gestalten können. Manchmal reicht für die Neuverkabelung sogar eine einzelne Person.

Oder es hilft einer Person, die Gesellschaft nach rechts zu drehen und die Demokratie zu gefährden.

KI ermächtigt. Sie ermächtigt Menschen, zu tun, was sie tun wollen. Wenn wir mehr Demokratie wollen, kann KI dabei helfen. Wenn wir weniger wollen, geht das genauso. KI entscheidet nicht über die Richtung. Darüber können wir entscheiden.


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[1] https://mcsc.io/
[2] https://www.lawfaremedia.org/article/the-promptware-kill-chain
[3] https://www.schneier.com/blog/archives/2026/02/rewiring-democracy-ebook-is-on-sale.html
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 15. Februar 2026 um 18:11

Backblaze: Ausfallraten von Festplatten sinken weiter

Von Heise

Der Cloud-Provider Backblaze zeigt in seinem Jahresbericht, welche Festplatten zuverlässig sind, welche Schwächen zeigen und wie sich Ausfallraten entwickeln.

Backblaze, ein Anbieter von Cloud-Speicher, hat seinen jährlichen Bericht zu Festplattenausfällen veröffentlicht [1]. Der Bericht deckt das gesamte Jahr 2025 sowie langfristige Trends ab. Mit einer Analyse von über 337.000 Festplatten liefert das Unternehmen detaillierte Einblicke in Ausfallraten, Zuverlässigkeit und die Leistung verschiedener Modelle.

Die Ausfallrate über alle Festplatten hinweg (durchschnittliche jährliche Ausfallrate, AFR) sank nach Angaben des Unternehmens auf 1,36 Prozent, im Vorjahr lag die AFR noch bei 1,55 Prozent. Insgesamt sind im vierten Quartal 2025 943 Laufwerke ausgefallen, damit mussten die Techniker durchschnittlich rund 10 Laufwerke pro Tag tauschen.

Die Daten zeigen, dass Festplatten mit höheren Kapazitäten zunehmend dominieren: Modelle mit 14 bis 16 TB machten über 52 Prozent der eingesetzten Geräte aus. Besonders zuverlässige Modelle wie die Toshiba MG08ACA16TA mit einer AFR von 0,90 Prozent stachen hervor. Andererseits zeigten ältere Modelle wie die HGST HUH728080ALE600 mit einer AFR von über 10 Prozent deutliche Schwächen.

Die Auswertung verdeutlicht auch, dass Ausfallraten stark von Alter, Kapazität und Hersteller abhängen. Neue 26-TB-Festplatten wurden erstmals integriert und wiesen im ersten Quartal eine AFR von nur 0,40 Prozent auf. Zudem zeigt die Quartalsanalyse Schwankungen: Während die AFR im vierten Quartal auf 1,13 Prozent sank, lag sie im dritten Quartal bei 1,55 Prozent.

Zwei Laufwerkstypen absolvierten das vergangene Quartal ohne Ausfälle: Die beiden Seagate-Laufwerke ST8000NM000A (8 TByte) und ST16000NM002J (16 TByte), mit einem Fehler kamen eine ältere HGST-Platte sowie zwei weitere Seagate-Laufwerke mit 12 und 16 TByte aus. Bei Seagate verzeichnete Backblaze auf der anderen Seite mit der 10-TByte-Festplatte ST10000NM0086 aber auch eine Ausfallrate von mehr als 5 Prozent.

Orientierungshilfe

In früheren Jahren nutzte Backblaze keine Server-Festplatten für seine dauerlaufenden Systeme, sondern möglichst günstige Desktop-Festplatten. Heute kauft das Unternehmen jedoch fast ausschließlich hochwertige Server-Festplatten.

Eine Einschätzung, wie lange eine einzelne Festplatte in einem System funktionieren wird, lässt sich aus den Daten nicht errechnen. Dennoch bietet die Statistik eine Orientierungshilfe bei der Auswahl von Festplatten. Der Bericht unterstreicht zudem die Bedeutung regelmäßiger Backups, da technische Verbesserungen allein keine absolute Datensicherheit garantieren können. Das vollständige Datenset [3] ist auf der Backblaze-Website verfügbar.


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[1] https://www.backblaze.com/blog/backblaze-drive-stats-for-2025
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[3] https://www.backblaze.com/cloud-storage/resources/hard-drive-test-data#downloadingTheRawTestData
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  • 15. Februar 2026 um 15:39

Karneval – Das Spiel mit fremden Federn: Die Wahrheit über Scheinindianer

Von Hartmut Krech

Hartmut Krech

Als Indianer verkleideter Mann

Rosenmontag, Köln 2017. Bild: shutterstock.com

Hollywood hat den "Indianer" erfunden – und reale Kulturen überdeckt. Warum das Möchtegern-Indianer-Spiel bis heute politisch wirkt.

Auch scheinbar wohlwollender Rassismus ist eine Form von Diskriminierung. Diese Erfahrung machen vor allem nordamerikanische Indigene.

Bei dieser Form von Entmündigung geht es nicht um das Schwärzen von Gesichtern, um dunkelhäutige Menschen zu imitieren. Ein solcher Übergriff kann nur als entwürdigende Beleidigung verstanden werden. Die vielen Beiträge afrikanischer Kulturen zur modernen Weltkultur sollen in den Hintergrund treten und entwertet werden.

Der Scheinindianer: Die sanfte Form des Identitätsbetrugs

Einen anderen, nicht weniger entwürdigenden Weg geht die Aneignung indianischer Kulturelemente. Sie ist inzwischen so verbreitet, dass von einem Typ des "Möchtegernindianers " oder "Scheinindianers" (Pretendian) gesprochen wird.

Ist die Bereitschaft, eine fremde Identität anzunehmen, wirklich nur negativ zu verstehen?

Respekt im Kostüm: Wenn Anerkennung Identität einfriert

Bisweilen gehen sie auch heute noch auf Karnevalsumzügen mit, Gruppen von "Hobbyisten", die sich in Vereinen organisieren und ihr Steckenpferd, die Indianistik, ernst nehmen. Mit großer Sachkenntnis bauen sie historische Indianerkostüme nach.

Zweifellos drücken sie damit auf ihre Weise ihre große Wertschätzung indigener Kulturen aus. Mit kreischend bunten Karnevalskostümen, die man nur als Karikaturen verstehen kann, sind sie nicht zu verwechseln.

Und trotzdem muss man sich fragen, was historische Kostüme über eine Kultur aussagen. Ein vergangener Zustand wird festgeschrieben, ein wichtiges Element menschlicher Identität, die Freiheit, sich zu entscheiden und zu entwickeln, wird ausgeschlossen.

Die erfundene Wildnis: Wie das Indianerspiel begann

Unschuldig hat alles angefangen. Beim Cowboy-und-Indianer-Spielen wird der Wunsch ausgelebt, zumindest einige Augenblicke lang ein Anderer oder eine Andere zu sein. Mit der Kleidung wechselt man die Identität, gibt Teilen der Persönlichkeit Raum, die im Alltag unterdrückt werden. Ein zaghafter Schritt auf dem Weg zur Transzendenz.

Zwar kann man beim "Indianerspielen" nicht von einer ununterbrochenen Tradition sprechen, aber trotzdem hat es seine Geschichte (siehe Philip J. Deloria: Playing Indian [1]). Jedenfalls ist es wohl kein Zufall, wenn Spielzeugwaffen und kriegerische Aktivitäten im Mittelpunkt der Cowboy-und-Indianer-Spiele stehen.

Um 1900 entstanden mehrere Jugendorganisationen wie die Woodcraft Indians, Camp Fire Girls usw., die in den militärisch gedrillten Boy Scouts und Girl Scouts aufgingen. Das vermeintlich naturnahe Lagerleben wurde in ein Idealbild der Ureinwohner gekleidet, als deren Kulturen endgültig ausgestorben schienen. Ihr kulturelles Erbe sollte zumindest in den Freizeitaktivitäten der Jugendlichen weiterleben.

Sehnsucht nach Wildnis – und die Erfindung des "echten Indianers"

Die zunehmende Industrialisierung und Urbanisierung erzeugte zur selben Zeit eine nostalgische Sehnsucht nach einem Leben in der Wildnis, in freier und ungebändigter Natur. Dieses breit gestreute Bedürfnis bedienten Schriftsteller wie Ernest Thompson Seton, Charles Eastman, Grey Owl und andere. Sie nahmen sich indigene Kulturen zum Vorbild, sofern sie nicht behaupteten, selbst indigener Abstammung zu sein.

Der Engländer Archibald Belaney (1888-1938) entfloh 1906 den beengten Verhältnissen in seiner Heimat und führte fortan ein Leben als Fallensteller und Reiseführer in der kanadischen Wildnis. 1925 heiratete er eine Mohawk, obwohl er bereits mit einer Ojibwa-Frau verheiratet war. Durch sie erwarb er ein tieferes Verständnis für das Leben der Biber, über das er in naturkundlichen Magazinen berichtete. Dort wurde er als Halbindianer mit dem Namen "Grey Owl" bzw. "Wäscha kwonnesin" eingeführt.

Mit seiner Autobiografie und populären Büchern wie "Sajo und ihre Biber" war Belaneys Verwandlung in einen Ureinwohner mit langen Zöpfen und Lederkleidung vollzogen. Die kanadische Nationalparkverwaltung beschäftigte ihn nach 1929 als "Naturschützer" und finanzierte Vortragsreisen durch Europa.

Mythos, Moral und falsche Herkunft

Spätestens seit dieser Zeit waren ökologisches Denken und indianische Philosophie im europäischen Denken miteinander verschmolzen, lange bevor die vielzitierte "Rede des Häuptling Seattle" ihre endgültige Gestalt verpasst bekommen hat.

Es sind mindestens elf verschiedene Versionen dieser "Rede" im Umlauf, die älteste von 1887; keine einzige ist eine authentische Mitschrift der Rede aus dem Jahr 1854 (siehe Walt Crowley: Chief Seattle's Speech. History Link [2]).

Die strenge Rassentrennung im Süden der Vereinigten Staaten führten dazu, dass Sylvester Long (1890-1932) seine überwiegend afroamerikanische Herkunft leugnete und sich als Cherokee ausgab. Mit dieser neuen "Rassenzugehörigkeit" tingelte Long nicht nur als Teenager in einer "Wild-West-Show", sondern erwarb auch ein Stipendium für eine Internatsausbildung, das indigenen Menschen vorbehalten war.

Die tödliche Last der erfundenen Herkunft

1919 wurde er in den Rocky Mountains aus der kanadischen Armee entlassen, worauf er sich nun als Schwarzfuß-Indianer ausgab. Mit dieser neuen Identität erhielt er nicht nur eine Anstellung als Pressesprecher der Canadian Pacific Railway, sondern auch den Auftrag zur Abfassung seiner Autobiografie als Blackfoot-Häuptling Buffalo Child Long Lance.

Das 1928 veröffentlichte Buch wurde ein Bestseller, der auch ins Deutsche übersetzt wurde. Das Verhängnis nahte, als Long 1930 die Hauptrolle in einem Stummfilm übernehmen wollte. Seine Mitspieler und schließlich auch die Produktionsfirma äußerten Zweifel an seiner Identität. Gerüchte machten schnell die Runde: "Was für eine Schande, dass wir einen Neger zu Gast haben", hieß es in seiner Umgebung. Um der Schmach zu entgehen, nahm sich Sylvester Long 1932 das Leben.

Eine ähnliche Biografie hat Cromwell West (1919-1996) vorzuweisen, wobei der geleistete Aufwand an Verstellung Respekt abnötigt. Unter dem Fantasienamen Red Thunder Cloud gab sich der Nachfahre einer afroamerikanischen Anwaltsfamilie als einer der letzten Sprecher der Catawba-Sprache aus.

Mit demselben Pseudonym stellte er sich 1938 dem Universitätsprofessor Frank G. Speck vor, der ihn in seine Dienste nahm. Seine geringen Kenntnisse der Catawba-Sprache hatte er aus Specks Veröffentlichungen bezogen.

Hollywoods perfekter Scheinindianer

Erst 1944 besuchte West Nachfahren des Catawba-Volks, wurde jedoch als Betrüger der Reservation verwiesen. 1964 gelang es ihm noch einmal, die Zusammenarbeit mit einem Fachwissenschaftler zu gewinnen, nachdem er behauptet hatte, elf indigene Sprache zu beherrschen.

Während der materielle Gewinn für West gering war, erreichte der Identitätsdiebstahl mit Iron Eyes Cody kriminelles Niveau. Cody verkörperte seit 1930 in über 200 Hollywood-Filmen und über 100 Fernsehsendungen die Gestalt des "Indianers schlechthin", von der Rassenphysiognomie über die Perücke mit langen Zöpfen bis hin zur Fransen besetzten Lederkleidung.

Wenn Fotografen in der Nähe waren, zeigte sich Cody auch im Alltag als Idealgestalt des Hollywood-Indianers. Die von ihm geschaffene Filmgestalt ersetzte und entwertete die Vielfalt indigener Kulturen. Mit allen US-Präsidenten seiner Lebenszeit war Cody persönlich bekannt, vom Papst wurde er als "Vertreter der indianischen Rasse" in Rom empfangen.

Geboren wurde "Iron Eyes Cody" als Oscar de Corti (1904-1999), Sohn sizilianischer Einwanderer, was freilich erst nach seinem Tod ans Licht der Öffentlichkeit drang. Auch seine umfangreiche Familie hatte das Geheimnis seiner Herkunft Jahrzehnte lang verschwiegen.

Vom Kostüm zur Anklage

Die Aufhebung der gesetzlichen Rassentrennung in den Vereinigten Staaten brachte seit 1964 eine Änderung der öffentlichen Meinung gegenüber den Ureinwohnern.

Erstmals konnte nun auch in aller Ausführlichkeit über Landraub, Vertragsbrüche und Diskriminierung der Urbevölkerung berichtet werden. Indigene Identität hatte nichts mehr mit farbenprächtigen Kostümen und sehr viel mit der Übernahme einer Opferrolle und dem Widerstand gegen Repressalien zu tun.

Der Schauspieler Robert Mitchum (1917-1997) setzte sich zur Wehr, als ein indigener Vorfahr aus seiner Biografie getilgt werden sollte. Freilich war die Zeit noch nicht gekommen, dass eine indigene Person die Hauptrolle in einem Film spielen konnte.

Johnny Cash (1932-2003) bekannte sich immerhin zu seiner Cherokee-Herkunft und nahm 1964 mit "Bitter Tears" ein ganzes Album mit Balladen auf, in denen die Ausbeutung der indigenen Völker an den Pranger gestellt wurde. Als die Radiostationen seine aktuellen "Protest Songs" boykottierten, kaufte Cash eine ganzseitige Anzeige im Billboard Magazine und verschickte eintausend Singles an Radiostationen im ganzen Land.

Der Markt der "Neuen Indianer"

Der Widerstand gegen den Vietnam-Krieg (1955-1975) wertete außereuropäische Traditionen für den Westen auf. Eine Gegenkultur (Counterculture) entstand seit den 1960er-Jahren, in der exotische Kulturformen gepflegt wurden.

Indigene Bräuche erhielten einen Marktwert, der von "Plastik-Schamanen" und anderen Kulturunternehmern ausgebeutet wurde. Zu ihnen gehörte Vincent LaDuke (1929-1992). Er gehörte zwar der Ojibwa-Nation an, erfand für sich aber eine neue Identität unter dem fantasievollen Namen Sun Bear.

Mit drei nicht-indigenen Frauen gründete er die "Bärenstamm-Medizingesellschaft", zu deren "Medizinhäuptling" er sich ernannte. Als Entsprechung zum europäischen Tierkreis dachte sich Sun Bear eine indianische "Erd-Astrologie" des "Medizinrads" aus. Sieben seiner Bücher sind ins Deutsche übersetzt worden.

Seither ist die Gestalt des "Neuen Indianers" (Stan Steiner) eine feste Größe in den globalen Medien. So sehr, dass indigene Bürgerrechtsbewegungen keine Beachtung fanden, solange ihre Vertreter in westlicher Kleidung das Wort ergriffen.

Die Geburt des Scheinindianers

Erst nachdem Mitglieder des American Indian Movement (AIM) wieder lange Haare trugen und sich traditionell kleideten, wurde überall auf der Welt über ihre Forderungen berichtet. Nur im Gewand "symbolischer Aktionen" hatten ihre Anliegen Nachrichtenwert.

Eine besser informierte Öffentlichkeit gewann zunehmend Einsicht in das Unrecht der Kolonialzeit. Die Rolle des entrechteten Opfers garantierte Betrügern moralische Rechtschaffenheit und finanzielle Vorteile.

Der "Scheinindianer" (Pretendian) war geboren. Das Kunstwort wird gebildet aus englisch "to pretend", so tun als ob, und dem Wort "Indian", der veralteten Bezeichnung für die indigenen Völker Nordamerikas.

Als Journalisten 2023 anhand ihrer Geburtsurkunde nachweisen konnten, dass Buffy Sainte-Marie, die indigene Ikone der Protestbewegung, die mit einem Oscar, mit der höchsten kanadischen Auszeichnung und mit einer Sonderbriefmarke geehrt worden war, das Kind der italienischstämmigen Familie Santamaria war, erlitt die Begeisterung für die amerikanischen Ureinwohner einen dauerhaften Schock.

Hollywoods Ikonen, reale Brüche

Nicht nur das. 1973 hatte die angebliche Apache-Frau Sacheen Little Feather in traditionellem Lederkleid für Marlon Brando den Oscar-Preis entgegen genommen. Unter großer Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verlas sie eine Erklärung des Schauspielers, in der er die klischeehafte Darstellung des "Indianers" durch die Filmindustrie an den Pranger stellte.

Erst nach ihrem Tod im Jahr 2022 wurde bekannt, dass Marie Louise Cruz als Kind mexikanischer Eltern ohne indigenen Hintergrund geboren worden war. Auch sie war also eine Erfindung Hollywoods.

Die Zerrüttung der sozialen Bindungen durch die offizielle Anpassungs- und Ausrottungspolitik führte dazu, dass viele Indigene Nordamerikas den Kontakt zu ihren Stammesnationen verloren haben. An erster Stelle sind die Cherokee zu nennen, die nach 1831 auf einem "Zug der Tränen" aus ihrem Stammesland im Südosten der heutigen USA vertrieben wurden.

Wer darf entscheiden, wer dazugehört?

Wie viele der vermutlich 46.000 Menschen auf den Trecks in das "Indianerterritorium" westlich des Mississippi starben, ist nicht bekannt. Nicht wenige ließen sich am Wegesrand nieder, führten ihre Sprachen und Bräuche fort, wurden aber nicht mehr als Mitglieder des Stammesverbands geführt.

In den 1950er- und 1960er-Jahren verfolgte die amerikanische Regierung eine Politik der erzwungenen Anpassung: Reservate wurden aufgelöst ("Termination"), Stammesmitglieder in die Großstädte umgesiedelt ("Relocation"). Auch diese indigenen Menschen haben vielfach ihre Stammeszugehörigkeit verloren.

Die Internationale Erklärung für die Rechte der indigenen Völker von 2007 versucht, diese Wunden zu heilen, indem ausschließlich den indigenen Völkern selbst das Recht zugestanden wird, über die Mitgliedschaft in ihren Nationen zu entscheiden.

Dr. Hartmut Krech hat nach einem Studium der Völkerkunde, Soziologie, Völkerpsychologie und Theaterwissenschaften zur Geschichte der Wissenschaften geforscht, an Universitäten gelehrt und in verschiedenen Medien auch international publiziert.

In den 1970er-Jahren hat er einen persönlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Forderungen der amerikanischen Indianerbewegung als Teil der globalen Menschenrechtsbewegung indigener Völker gesehen werden.


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[1] https://yalebooks.yale.edu/book/9780300264845/playing-indian/
[2] https://www.historylink.org/File/1427

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  • 15. Februar 2026 um 12:50

Der Rabbiner, den es nie gab – und dem Tausende folgten

Von Wassilis Aswestopoulos

Wassilis Aswestopoulos

Zwei Bilder eines Rabbiners

KI-generierter Rabbiner Menachem Goldberg.

(Bild: Screenshots Wassilis Aswestopoulos)

Ein KI-generierter Rabbiner sammelte Tausende Follower, bevor Gläubige die Täuschung entdeckten. Jetzt warnen Ethiker.

Ein weißhaariger, bärtiger, freundlich auftretender Mann präsentierte sich in sozialen Medien als chassidischer Rabbiner. Auf TikTok [1] und Instagram [2] verbreitet der Account unter dem Namen Menachem Goldberg in Videos spirituelle Botschaften über den Glauben.

Dazu kommen esoterisch anmutende Botschaften für den Erfolg und die Selbstoptimierung. Am Ende der Videoansprachen bewarb der "Rabbiner" kostenpflichtige digitale Produkte.

Der "Chassidismus ist eine religiös-mystische Bewegung [3]" liest man über diese jüdische Bewegung, die den Ultraorthodoxen zugerechnet wird.

Dass ein Rabbi über soziale Medien E-Books und Ratgeber vermarktet und diese als spirituelle Hilfsmittel sowie Werkzeuge zur Verbesserung des Lebens bewirbt, erscheint auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich zu sein. Rabbi Menachem Goldberg erfreute sich exponentiell zunehmender Beliebtheit.

Wie der Schwindel aufflog

Seine Botschaften, die mit väterlich beruhigender Stimme vorgetragen werden, klingen leicht verständlich. Zu leicht verständlich für einige, die misstrauisch wurden.

Die Nutzer fanden visuelle Unstimmigkeiten. Die Inschriften auf Hebräisch sind teilweise fehlerhaft. Das Arrangement der Gegenstände in den Videos ist nicht unbedingt mit den Religionsvorschriften konform. Der vermeintliche Rabbiner gibt für seine Weisheiten keine oder nur kaum Quellen an. Man begann zu recherchieren und konnte verifizieren, dass es keinen Rabbi Menachem Goldberg gibt.

Der anfänglich so beliebte "Rabbiner" entpuppte sich als Werk der Künstlichen Intelligenz.

KI als Werkzeug – nicht als Autorität

Dass sich einige Rabbiner der KI bedienen [4], ist nicht neu. Rabbi Josh Franklin aus Long Island bekannte sich schon vor knapp drei Jahren dazu. Es gibt mehrere Rabbi-Apps [5], die mit künstlicher Intelligenz beim Studium der kanonischen Sammlung der hebräischen Schriften, dem Tanach helfen. Eine komplett KI-generierte Figur eines Rabbiners verstört dagegen die Gläubigen.

Der Fall löste in Israel öffentliche Diskussionen [6] aus. Eine Denkfabrik für jüdische Ethikfragen, Tzohar mahnt [7], dass man künstliche Intelligenz nicht als menschliche religiöse Autorität auftreten lassen soll.

Die israelische Presse zitiert Vertreter von Tzohar, deren Meinung gemäß halachische und ethische Leitlinien auf menschlichem Urteilsvermögen und dem Kontext der realen Welt beruhen würden. KI dürfe in Bereichen, in denen Entscheidungen das Leben von Menschen, gemeinschaftliche Normen oder religiöse Praktiken betreffen, nicht als Ersatz für einen humanen Rabbiner dienen.

Das religiös-ethische Zentrum betonte die Notwendigkeit der Transparenz bei der Anwendung der KI. Die Verbraucher hätten ein Recht darauf zu erfahren, wann Inhalte mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder verbreitet werden, insbesondere wenn diese so aufbereitet sind, dass sie religiöse Glaubwürdigkeit vortäuschen. Gefordert wird deshalb eine öffentlich sichtbare Kennzeichnung und klarere Regeln.

Rabbiner auf TikTok

KI-generierter Rabbiner Menachem Goldberg auf TikTok.

(Bild: Screenshot Wassilis Aswestopoulos)

Die Folgen der Enthüllung

Mittlerweile ist das Profil auf TikTok als KI-Produkt gekennzeichnet. Dort fallen die Followerzahlen und auch die Klick-Zahlen der neuen Videos sind überschaubar.

Auf Instagram fehlt die Kennzeichnung noch. Das Profil konnte seine Anhängerschaft besser halten als auf TikTok.

Es ist offensichtlich, dass es Zeitgenossen gibt, die auch in technologisch erstellten spirituellen Inhalten Trost finden und daraus Kraft schöpfen können. Im Chaddismus [8] hat der Rabbiner die Rolle des Vermittlers zwischen Gott und den Gläubigen. Es ist auch für Nicht-Religiöse offensichtlich, dass mit dem nicht gekennzeichneten KI-"Rabbiner" Grenzen überschritten wurden.

Vom Golem zur KI – eine alte Warnung

Übrigens gibt es auf TikTok natürlich auch real existierende chassidische Rabbiner, wie Rabbi Shais Taub [9]. Taub referiert unter anderem über KI-erzeugte Deepfakes. Er kommt zu dem Schluss, dass dies so neu nicht wäre. Auch in der Antike habe es Scharlatane gegeben, meint er.

Als Lesetipp zu empfehlen ist ein Essay [10] von Joshua Schultheiss in der Jüdischen Allgemeinen, wo er die KI mit dem Golem vergleicht. Dem mystischen Wesen, das Rabbi Jehuda Löw im Alten Prag ursprünglich als Diener und Beschützer der jüdischen Gemeinde aus Lehm schuf. Der seelenlose Golem wandte sich in einer Ausführung der Legende gegen die Menschen – Rabbi Löw musste – im übertragenen Sinne – seinen Stopp-Code aktivieren.

Bleibt die Frage, ob wir bei unserer KI sicher sind, dass wir den Ausschaltknopf zu jeder Zeit zur Verfügung haben?


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[1] https://www.tiktok.com/@rabbigoldberg1%C2%A0
[2] https://www.instagram.com/rabbisblueprint/%C2%A0
[3] https://www.juedische-allgemeine.de/glossar/chassidismus/
[4] https://www.fox5ny.com/news/long-island-rabbi-uses-ai-chatgpt-to-create-sermons
[5] https://rabbiai.app/
[6] https://www.jpost.com/omg/article-884045
[7] https://tzohar-eng.org/
[8] https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philhist/professuren/kunst-und-kulturgeschichte/europaische-ethnologie-volkskunde/exkursionen/ukraine-lemberg-czernowitz/sadagora-sadhora-zentrum-des-chassidismus/
[9] https://www.tiktok.com/@rabbi_shais_taub/video/7519190184747994381
[10] https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/uebermenschlich-allzumenschlich/

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  • 15. Februar 2026 um 10:45

Mikroplastik: Das neue Asbest, das niemand verbieten will

Von Christoph Jehle

Christoph Jehle

Mikroplastikpartikel auf einem Finger

Kunststoffpartikel auf einem Finger

(Bild: maxshot.pl/Shutterstock.com)

Forscher finden die Partikel in Blut und Organen. Die Gesundheitsrisiken sind enorm – doch Politik und Wirtschaft schauen weg.

Mikroplastik im Blut, in der Leber, in der Lunge – Forschungsergebnisse zeigen: Kunststoffpartikel reichern sich im menschlichen Körper an. Welche gesundheitlichen Langzeitfolgen dies hat, ist noch nicht geklärt. Eine Politik, die dieses Risiko verringern könnte, wird jedoch mit Verweis auf den Industriestandort Deutschland ausgebremst.

Kunststoffe gelten heute als allgegenwärtig und sind aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken. Verschiedene Studien belegen inzwischen, dass kleinste Partikel auch im menschlichen Körper nachweisbar sind. Dabei wäre ohne Kunststoffverpackungen die industrielle Nahrungsmittelproduktion und der Selbstbedienungs-Lebensmittelhandel heute kaum noch möglich – der tägliche Einkauf deutlich aufwendiger.

Die schädlichen Folgen dieser Erleichterungen sollen im Interesse des gewünschten wirtschaftlichen Aufschwungs jedoch ausgeblendet werden. Das von Kleinkindern bekannte Verhalten – die Hand vor die Augen halten und hoffen, nicht gesehen zu werden – scheint nun auch die politische Strategie zu bestimmen.

Mit massiven Presseveröffentlichungen soll die Unsichtbarkeit der Umweltbelastung in den Köpfen der Bevölkerung verankert werden, indem wissenschaftliche Erkenntnisse bewusst heruntergespielt werden.

Forscher bezweifeln Gefahr

Wenn man Forschungsergebnisse nicht widerlegen kann, kann es zumindest im öffentlichen Raum erfolgreich sein, zu argumentieren, dass man diese Verunreinigungen ja mit dem bloßen Auge gar nicht sehen könne und diese Feststellung so oft wiederholen, dass nicht nur KI-Modelle sie als belegt betrachten.

So wundert es nicht wirklich, wenn jetzt mehrere Studien zu Mikroplastik im menschlichen Körper in der Kritik stehen, weil Fachleute sie für unzuverlässig und methodisch fragwürdig halten. Die dort angegebenen Mengen seien teilweise heillos übertrieben [1].

Offensichtlich will man die Menschen jetzt nicht beunruhigen und kommt mit der Forderung um die Ecke, dass die Wissenschaft da besser nicht so genau hinsehen soll, weil eine Gefährdung durch Mikro- und Nanoplastik ebenso wie die Einlagerung von Pfas in den menschlichen Körper jetzt als unvermeidlich bezeichnet werden kann, weil ein Pfas-Verbot den deutschen Wohlstand gefährden [2] könnte.

Dass sich Plastikmaterialien sowie Ewigkeitschemikalien wie Pfas in der Umwelt verbreiten, ist zwar schon geraume Zeit bekannt, die Auswirkungen durch eine dauerhafte Exposition für den Menschen ist jedoch noch noch weitgehend unerforscht.

Auch wenn aktuelle Erkenntnisse bislang keine endgültige Schlussfolgerung über die Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit zulassen, kann man sich nicht sicher sein, dass die Aufnahme dieser Kleinpartikel in den menschlichen Körper folgenlos bleiben stellt ein aktueller Beitrag [3] im deutschen Ärzteblatt fest.

Auswirkungen von Plastik auf die menschliche Gesundheit

Ein Team um Megan Deeney [4] von der London School of Hygiene & Tropical Medicine [5] veröffentlichte unter dem Titel "Global health burdens of plastics: a lifecycle assessment model from 2016 to 2040 [6]", im Januar 2026 eine Studie in The Lancet Planetary Health.

Die Studie quantifiziert erstmals die Gesundheitsfolgen von Kunststoffen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg – und zeigt auf, welche Maßnahmen die Belastung verringern könnten. Ziel ist es, Umwelt-, Wirtschafts- und Gesundheitsaspekte gleichermaßen zu berücksichtigen.

Die Autoren kombinierten dabei eine Materialflussanalyse mit einer Lebenszyklusanalyse, um die Gesundheitsfolgen von Kunststoffen zwischen 2016 und 2040 zu quantifizieren. Als Maßstab dienten DALYs (Disability-Adjusted Life Years) – verlorene gesunde Lebensjahre durch Krankheit oder vorzeitigen Tod.

Untersucht wurden die globalen Auswirkungen von Treibhausgasen, Feinstaub und chemischen Emissionen, die bei Kunststoffen im Siedlungsabfall entstehen – das sind rund 64 Prozent der weltweiten Kunststoffproduktion. Die Analyse erfasste den gesamten Lebenszyklus: von der Produktion über Transport und Recycling bis zur Entsorgung.

Berücksichtigt wurden auch beispielhafte Alternativen wie Einwegmaterialien aus anderen Stoffen und Mehrwegsysteme, etwa für Glas. Direkte Gesundheitsschäden durch Chemikalienbelastung während der Produktnutzung sowie durch Mikro- und Nanoplastik konnten mangels Daten nicht einbezogen werden.

Die Ökobilanz basierte auf Ecoinvent-Daten (Versionen 3.8 und 3.10) sowie der ReCiPe 2016-Methode zur Wirkungsabschätzung, aktualisiert mit den Erwärmungscharakterisierungsfaktoren des Weltklimarats IPCC von 2021.

"Risikofaktoren, die laut der 'Global Burden of Disease'-Studie für das Jahr 2016 eine von der Größenordnung her vergleichbare Krankheitslast aufweisen, wären Radon mit etwa 1,9 Millionen DALYs oder die berufsbedingte Belastung mit Asbest in Höhe von etwa 4,2 Millionen DALYs", wird Dietrich Plaß [7] vom Umweltbundesamt in der Zeitschrift Ökotest zitiert [8], der selbst nicht an der aktuellen Berechnung beteiligt war.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11170216

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mikroplastik-forscher-bezweifeln-gefahr-durch-partikel-im-koerper-a-9d93778f-5621-4f64-a99c-d4fdfe80546f
[2] https://www.bayern.de/bayerns-wirtschaftsminister-fordert-von-der-eu-nderungen-bei-bioenergie-frderung-gebudeenergievorschriften-und-den-pauschalen-pfas-verboten/
[3] https://di.aerzteblatt.de/int/archive/article/246672
[4] https://www.lshtm.ac.uk/aboutus/people/deeney.megan
[5] https://www.lshtm.ac.uk/aboutus
[6] https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196(25)00284-0/fulltext
[7] https://www.linkedin.com/in/dr-dietrich-plass-83917272/
[8] https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/Modellrechnung-warnt-Plastik-koennte-bis-2040-Millionen-gesunde-Lebensjahre-kosten-_16091_1.html

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  • 15. Februar 2026 um 08:00

Preisexplosion droht: Western Digital hat Festplatten für 2026 fast ausverkauft

Von Ingo Pakalski
Der Boom rund um künstliche Intelligenz hat bereits Speichermodule teuer gemacht, nun droht das auch für Festplatten .
Die Nachfrage nach Festplatten ist bei Western Digital groß. (Bild: Pixabay)
Die Nachfrage nach Festplatten ist bei Western Digital groß. Bild: Pixabay

Der Festplattenhersteller Western Digital hat nach eigenen Angaben bereits fast alle für 2026 geplanten Festplatten verkauft. In einem Interview zur Vorstellung der aktuellen Geschäftszahlen sagte Irving Tan, CEO von Western Digital, dass "wir für das Kalenderjahr 2026 so gut wie ausverkauft" sind. Damit sind klassische Festplatten gemeint, berichtet das Magazin Wccftech .

"Wir haben feste Bestellungen von unseren sieben größten Kunden" , ergänzt Tan und macht deutlich, dass große Unternehmenskunden für den Hersteller eine immer größere Bedeutung haben. Der Cloudumsatz von Western Digital machte zuletzt 89 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Unternehmen ist einer der größten Hersteller für Festplatten auf dem Markt.

"Außerdem haben wir mit zwei von ihnen langfristige Vereinbarungen für das Kalenderjahr 2027" , so der CEO, was bedeutet, dass weitere Großunternehmen im großen Stil auch langfristig Festplatten bei Western Digital einkaufen. Mit einem dieser Großkunden seien solche Vereinbarungen sogar bereits für das "Kalenderjahr 2028 geschlossen" worden, erklärte Tang.

Privatkundengeschäft spielt kaum noch eine Rolle

Das normale Endkundengeschäft für Privatpersonen und kleine Unternehmen spiele nach Angaben von Western Digital kaum noch eine Rolle: Der Anteil davon mache nur noch 5 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Die Äußerungen von Western Digital deuten darauf hin, dass die Preise für normale Festplatten massiv steigen könnten, falls die Nachfrage das Angebot massiv übersteigt. Bei Speicherchips gibt es diese Entwicklung schon länger. In beiden Fällen ist der Ausbau von KI-Rechenzentren für diese Engpässe verantwortlich, die Datenmengen in Exabyte-Dimensionen benötigen.

Denn viele große Firmen benötigen für die Zukunft von KI enorme Datenmengen und kaufen daher in großem Stil die Lagerbestände der Festplattenhersteller auf. Sie bezahlen dabei auch für Geräte, die noch gar nicht produziert wurden. Diese kommen dann natürlich nie auf den normalen Markt, so dass sich ein Engpass ergibt, was wiederum die Preise nach oben treibt.

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  • 15. Februar 2026 um 11:53

Smartphone: Ist Googles Pixel 10a nur ein leicht verändertes Pixel 9a?

Von Ingo Pakalski
Vorab bekannt gewordene technische Daten des Pixel 10a zeigen: Es gibt nur wenige Änderungen im Vergleich zum Vorgänger- Smartphone .
Alle Details zu Googles Pixel 10a sind vorab bekannt geworden. (Bild: Google/Screenshot: Golem)
Alle Details zu Googles Pixel 10a sind vorab bekannt geworden. Bild: Google/Screenshot: Golem

Wenn Google das neue Pixel 10a am 18. Februar 2026 offiziell vorstellen wird, sind kaum noch Überraschungen zu erwarten. Google bestätigte den Vorstellungstermin. Etliche Vorabinformationen haben allerdings bereits den Preis und mittlerweile auch alle technischen Daten enthüllt. Ein Bericht von Winfuture bezieht sich etwa auf das technische Datenblatt des Pixel 10a, das dem Magazin durch Händlerdaten vorliege.

Demnach bietet das Pixel 10a lediglich einen verbesserten Displayschutz, schnelleres Laden sowie eine neuere Bluetooth-Version. Googles neues Mittelklasse-Smartphone ist mit Bluetooth 6.0 ausgestattet und verwendet Cornings Gorilla Glass 7i statt Gorilla Glass 3 wie beim Vorgängermodell. Dadurch soll das Display besser vor Kratzern und Beschädigungen geschützt sein als beim Pixel 9a.

Der Akku des Pixel 10a lässt sich mit 45 Watt laden, beim Pixel 9a sind es nur 23 Watt – die Akkukapazität blieb mit 5.100 mAh unverändert. Das Datenblatt erwähnt drahtloses Laden nicht. Derzeit ist nicht bekannt, ob Google die Option des drahtlosen Ladens tatsächlich gestrichen hat oder dies in den Spezifikationen nur nicht erwähnt wird.

Kein schnellerer Prozessor, kein besseres Display

Am Prozessor, dem Display und der Kamera wurden nach Angaben von Winfuture keine Änderungen vorgenommen. So gibt es als Prozessor wieder den Tensor G4 von Google und das Display hat eine Diagonale von 6,3 Zoll. Es liefert dabei eine Auflösung von 2.424 x 1.080 Pixeln und bietet eine maximale Bildwiederholrate von 120 Hz. Die Kameraeinheit soll neuerdings flacher sein und nicht mehr aus dem Gehäuse herausragen.

Offizielle Preise gibt es noch nicht, der Bericht bezieht sich auf ein spezielles Angebot von Mediamarkt zum Marktstart: Demnach gibt es das Pixel 10a mit 256 GByte Speicher anfangs zum regulären Preis des 128-GByte-Modells, wenn es bis zum 15. Februar 2026 bestellt wird. Im Bericht heißt es, dass das Pixel 10 mit 128 GByte Speicher 500 Euro kosten und das Modell mit 256 GByte für 600 Euro angeboten wird.

Bisher war davon ausgegangen worden, dass es das Pixel 10a mit 128 GByte Speicher für 550 Euro geben wird . Für das 256-GByte-Modell wurde mit 650 Euro gerechnet. Welche der beiden Preisangaben korrekt sein wird, zeigt sich am 18. Februar 2026, wenn Google das Pixel 10a offiziell vorstellen wird.

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  • 15. Februar 2026 um 11:21
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