Die PCK-Raffinerie in Schwedt kämpft ums Öl – und die Zeit läuft. Welche Alternativen jetzt auf dem Tisch liegen.
Der Transit von Öl aus Kasachstan über die russische Ölpipeline Druschba ist seit Anfang Mai gestoppt. Ob und wann Öl aus Kasachstan wieder in Schwedt ankommt, ist unklar.
"Die kasachischen Ölmengen werden auf das System des Kaspischen Pipeline Konsortiums und russische Häfen umgeleitet [1]", bestätigte Kasachstans nationale Öl- und Gasgesellschaft KazMunayGas gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax am 5. Mai. Sie umfassen rund ein Fünftel der Menge, die in der PCK-Raffinerie in Schwedt verarbeitet werden. Im vergangenen Jahr kamen 2,1 Millionen Tonnen Öl aus Kasachstan in Schwedt an.
Ostsee und Schwarzes Meer
Um welche Häfen [2] es sich handelt, hatte bereits Asel Serikpaeva, offizielle Vertreterin des kasachischen Energieministeriums Interfax zufolge am 28. April verkündet. Demnach sollen im Mai 100.000 Tonnen Öl aus Kasachstan für Schwedt zum russischen Ostseehafen Ust-Luga und 160.000 Tonnen zum System des Kaspischen Pipeline Konsortiums umgeleitet werden.
Die Umleitung der Warenströme werde mit den Verladern abgestimmt und operativ umgesetzt. "Die bestehende Transportinfrastruktur ermöglicht es Kasachstan, stabile Exporte und eine ununterbrochene Rohstoffversorgung der Weltmärkte sicherzustellen", erklärte Serikpaeva. 80 Prozent der kasachischen Ölexporte leitet das System der Kaspischen Pipeline im Jahr zu einem eigenen Terminal nach Noworossijsk zur Verschiffung durch.
Die Ölversorgung der Raffinerie sei für Mai gesichert, teilte ein Sprecher des Betreibers Rosneft Deutschland [4] laut russischen Medien Anfang Mai mit. Das Unternehmen zeigte sich zudem zuversichtlich, auch für Juni eine Lösung zu finden. Auf ihrem Besuch bei der PCK-Raffinerie sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche laut Deutscher Welle am 11. Mai: "Hier wird Kerosin produziert und der Wegfall von Öl aus Kasachstan heißt ja nicht, dass nicht produziert wird. [5]" Die Auslastung liegt nach Angaben des PCK aktuell bei 80 bis 85 Prozent.
PCK-Geschäftsführer Ralf Schairer zufolge bemühten sich die Anteilseigner der Raffinerie um neue Bezugswege. Eine Pipeline vom polnischen Hafen Danzig verfüge noch über freie Kapazitäten. Reiche sprach von sehr guten Gesprächen in Polen, ohne das zu konkretisieren. Preis und Nachfrage in der Marktwirtschaft würden dazu führen, "dass das Öl seinen Weg nach Schwedt finden wird", meinte Schairer.
Keine Verstaatlichung
Zum Ausbau einer älteren Pipeline vom deutschen Ostseehafen Rostock nach Schwedt und zur Umrüstung des Rostocker Hafens für größere Tankschiffe fehlen die Genehmigungen von der Europäischen Union. Zu dieser Pipeline machte Pressesprecher Daniel Greve vom Bundeswirtschaftsministerium auf der Bundespressekonferenz am 11. Mai in Berlin [6] keine Ankündigung.
"Kompliziert ist es auch durch die Gesellschafterstruktur", zitierte die Deutsche Welle Riccardo Bohn aus der Buchhaltung der PCK-Raffinerie. 54 Prozent der Raffinerie gehören der deutschen Tochter des russischen staatlichen Ölkonzerns Rosneft. Die Bundesnetzagentur hat für Rosneft Deutschland im Auftrag der Bundesregierung die Treuhandverwaltung inne, um sie vor Sanktionen aus Washington und Brüssel zu schützen.
Entscheidungen über Investitionen und Öllieferungen sind dennoch erschwert, sodass eine Debatte um die Verstaatlichung der Anteile von Rosneft Deutschland entbrannte. "Eine Verstaatlichung lehnte Bundeswirtschaftsministerin Reiche aus wirtschaftspolitischen und grundsätzlichen Überlegungen in Schwedt erneut ab. Dieser Schritt löse kein Liefer- und kein Preisproblem", berichtete die Deutsche Welle.
Russland setzt Signal
Bei den Öllieferungen aus Kasachstan über sein Territorium legt Moskau jetzt alles in die Waagschale, um zu demonstrieren, wer das Steuer in der Hand hat. Das brachte Igor Juschkow von der Finanzuniversität der russischen Regierung in seinem Fachbeitrag bei Tass zum Ausdruck: "Der Stopp des Transits kasachischen Öls durch die Pipeline nach Deutschland sollte als informelles Signal an Europa [7] verstanden werden."
Vizepremier Alexander Nowak habe anhaltende Angriffe der Ukraine auf die russische Ölinfrastruktur als Grund für den Transitstopp angeführt. "Dazu ist Russland über Versuche, seine Exportterminals an der Ostsee und am Schwarzen Meer zu beschädigen, besorgt. Sollte Russland Exportschwierigkeiten haben, würde sich dies auf die Produktionsmengen negativ auswirken. Ein Rückgang der Ölproduktion würde die Öl- und Gaseinnahmen im Staatshaushalt verringern. Dieses Problem ist derzeit besonders brisant", so Juschkow weiter.
Wie brisant das ist, zeigen jüngste Zahlen vom russischen Finanzministerium [8], die einerseits höhere Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor im Jahresverlauf dokumentieren. Andererseits verhinderte die Hormus-Blockade mit höheren Ölpreisen nicht, dass sich das Budgetdefizit verschärfte und die Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor stark hinter dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum zurückliegen.
Folglich will Russland seine Verladeterminals an der Ostsee und am Schwarzen Meer aus der Schusslinie ukrainischer Drohnenangriffe bringen, um die Konjunktur des Irankriegs nutzen zu können.
Zukunftsgeläute und intransparente Liefermodalitäten
Ob und wann Öl aus Kasachstan in Schwedt eintrifft, ist derweil unklar. Auf Nachfrage hierzu verwiesen die PCK-Raffinerie, Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium auf Rosneft Deutschland. Die Anfragen blieben hier allerdings unbeantwortet.
Zumindest brachte Reiche nach Schwedt für die rund 1200 Mitarbeiter eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahresende mit, worüber auch russische Medien berichteten.
Um künftig weniger abhängig von Öl zu werden, baut das Joint Venture von ENERTRAG SE und Zaffra B.V. auf dem PCK-Gelände die Produktion von synthetischem Kerosin auf, das aus grünem Wasserstoff und Kohlendioxid erzeugt wird. Ab 2030 soll die Produktion des klimaneutralen Kerosins dann losgehen.
Dafür überreichten Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke einen Förderbescheid in Höhe von rund 350 Millionen Euro [9]. Ist dies ein Blick in die Zukunft, liegt der zeitnahe Lieferkurs für das Petrochemiekombinat PCK weiter im Nebel.
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EZB-Ratsmitglied Rehn sieht erste Stagflationszeichen. Inflation bei 3 Prozent, Wachstum nahe null – und die Zinswende nach oben rückt näher.
Es ist das Szenario, vor dem sich Ökonomen am meisten fürchten: Die Preise steigen, während die Wirtschaft stillsteht. Genau das passiert gerade in Europa.
Der finnische Zentralbankchef Olli Rehn sprach es laut Bloomberg am Mittwoch als erster hochrangiger EZB-Vertreter offen aus: Die Daten deuten auf einen stagflatorischen Schock hin.
Der Auslöser ist kein Geheimnis. Seit der Blockade der Straße von Hormus Ende Februar fehlen dem Weltmarkt täglich 13 Millionen Barrel Öl. IEA-Chef Fatih Birol nannte die Lage bereits im April die "schlimmste Energiekrise der Geschichte" [3].
Der Ölpreis kletterte zeitweise auf über 115 US-Dollar pro Barrel, die europäischen Gaspreise haben sich verdoppelt. Und dieser Preisschock frisst sich jetzt durch die gesamte Wirtschaft.
Frankreich als Frühwarnsystem
Wie schnell die Lage kippen kann, zeigt das Beispiel Frankreich. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone stagnierte im ersten Quartal – obwohl die Zentralbank 0,3 Prozent Wachstum prognostiziert hatte.
Am Mittwoch folgte die nächste Hiobsbotschaft: Die Arbeitslosenquote stieg unerwartet auf 8,1 Prozent, den höchsten Stand seit fünf Jahren. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 7,8 Prozent erwartet, wie Bloomberg Economics berichtet [4].
Eine Umfrage der Bank of France unter 8.500 Unternehmen zeichnet zudem ein düsteres Bild: Industrie und Baugewerbe verlieren an Schwung, der Dienstleistungssektor stagniert, 13 Prozent der Industrieunternehmen melden Lieferengpässe.
Die Erwartungen für Preissteigerungen erreichten den höchsten Stand seit Juni 2022 – dem Beginn des Russland-Ukraine-Schocks. "Die Widerstandsfähigkeit der französischen Wirtschaft wird allmählich auf die Probe gestellt", sagte Xavier Debrun, Chefökonom der Bank of France, laut Bloomberg.
Nagel: "Möglicherweise noch eine ganze Menge Inflation vor uns"
Bundesbankpräsident Joachim Nagel verschärfte den Ton gegenüber dem Handelsblatt [5] noch weiter: "Zinserhöhungen werden immer wahrscheinlicher, sofern sich das Inflationsbild nicht grundlegend ändert".
Die EZB bewege sich nicht mehr im Basisszenario ihrer eigenen Prognosen, sondern auf das ungünstige Szenario zu. Besonders seine Warnung vor Zweitrundeneffekten lässt aufhorchen: "Aus der Vergangenheit wissen wir, dass es leicht 18 Monate dauern kann, bis sich ein Versorgungsschock auf alle Warengruppen auswirkt".
Investoren rechnen laut Bericht inzwischen mit einer Zinserhöhung um einen Viertelpunkt bereits im Juni, bis Jahresende könnten zwei weitere Erhöhungen folgen.
Sollte dies eintreffen, dann steckt die EZB in einem klassischen Dilemma: Höhere Zinsen bremsen die ohnehin schwache Wirtschaft weiter, mit Nichtstun riskiert die EZB dagegen, dass Haushalte, Unternehmen und Finanzmärkte nicht mehr glauben, dass sie die Inflation am Zielwert von zwei Prozent halten kann.
Deutschland zwischen Energieschock und Strukturkrise
In Deutschland trifft der Schock auf eine bereits angeschlagene Wirtschaft. Noch vor dem Iran-Krieg ergab die DIHK-Konjunkturumfrage [6], dass 59 Prozent der Unternehmen Arbeitskosten und 48 Prozent Energie- und Rohstoffpreise als zentrale Risiken sahen.
Die deutsche Wachstumsprognose für 2026 wurde inzwischen von 1,3 auf 0,6 Prozent zusammengestrichen.
Während die Finanzmärkte unter Druck [7] geraten und die Liquidität an europäischen Terminmärkten zeitweise auf zehn Prozent des üblichen Niveaus absackt, versuchen die EZB-Ratsmitglieder Zuversicht zu verbreiten.
Rehn betonte, die Inflationserwartungen seien noch verankert, die Lohnentwicklung sei "beruhigend". Sein estnischer Kollege Madis Müller spielte die Stagflationsgefahr herunter – räumte aber ein, dass ohne eine rasche Lösung in der Straße von Hormus eine Straffung der Geldpolitik unausweichlich werde.
Bundesbankchef Nagel brachte das Dilemma auf den Punkt: "Niemand erhöht gerne die Zinsen, wenn das Wachstum unter starkem Druck steht. Aber unser Auftrag ist Preisstabilität."
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Trotz aller Gespräche über Abkommen scheint die Politik von Donald Trump nun darauf ausgerichtet zu sein, die Insel zu brechen. Ein Gastbeitrag.
Als Außenminister Marco Rubio am vergangenen Donnerstag den Vatikan besuchte [1], um die angespannten Beziehungen der Trump-Regierung zum Heiligen Stuhl zu verbessern, waren die Hoffnungen groß, dass ein Durchbruch in den von Papst Leo XIV. direkt überwachten [2]Gesprächen [3] zwischen den USA und Kuba bevorstehen könnte.
Harte Sanktionen gegen Drittstaaten
Vorabberichte [4] und Rubios eigene Äußerungen [5] deuteten darauf hin, dass Kuba ganz oben auf der Tagesordnung stehen würde. Dies wurde durch die Anwesenheit des leitenden Beraters des Außenministeriums für die westliche Hemisphäre bei dem Treffen scheinbar bestätigt. Am Ende mündeten all diese Erwartungen jedoch nicht in eine konkrete Ankündigung.
Im Gegenteil: Nur wenige Stunden nach dem Austausch verhängte [7] Rubio harte Sekundärsanktionen gegen das vom kubanischen Militär geführte Wirtschaftskonglomerat Gaesa, dessen Direktorin Ania Guilermina Lastres Morera sowie gegen das kanadisch-kubanische Bergbau-Joint-Venture Moa Nickel S.A., an dem auch einer der größten ausländischen Investoren Kubas, Sherritt International, beteiligt ist.
Dieser Schritt markierte die erste Maßnahme auf Grundlage einer am 1. Mai erlassenen Präsidialverordnung [8]. Diese erlaubt weitreichende Beschränkungen gegen jede ausländische Person oder Organisation, die nach Einschätzung des Außenministers in Schlüsselbereichen der kubanischen Wirtschaft tätig ist, darunter Energie, Bergbau, Finanzen, Verteidigung und Sicherheit.
Die neue Sanktionsbefugnis ist die jüngste Eskalation in der "harten Kuba-Politik [9]" der Trump-Regierung, die darauf abzielt, bis Jahresende einen Regimewechsel in Havanna herbeizuführen. Die Idee scheint von Rubios langjährigem Verbündeten und ehemaligen Sondergesandten für Lateinamerika, Mauricio Claver-Carone, zu stammen. Dieser hatte die Sanktionen im vergangenen Jahr als "kreative Maßnahmen" bezeichnet [10], die der ohnehin von Sanktionen getroffenen kubanischen Wirtschaft kurzfristige Schmerzen zufügen würden.
USA setzen Frist für ausländische Investoren
In Erwartung der Einstufung [11] durch das US-Finanzministerium kündigte Sherritt, das auch kubanisches Erdgas zur Stromerzeugung auf der Insel produziert, am Donnerstag an [12], dass die Unternehmensführung zurückgetreten sei und das Unternehmen sowie seine Mitarbeiter nach mehr als drei Jahrzehnten beginnen würden, Kuba zu verlassen. Das Unternehmen war lange Zeit der führende ausländische Investor im kubanischen Bergbausektor, der laut [13] dem geologischen Dienst der USA ein Drittel der gesamten Exporte des Landes ausmacht.
Angesichts der nahezu vollständigen Ölblockade [14] gegen Kuba durch die Trump-Administration, welche weite Teile der Wirtschaft lahmgelegt hat [15], hatte Sherritt seine Aktivitäten bereits wegen "Einschränkungen bei der Treibstoffversorgung" ausgesetzt [16]. Inzwischen haben chinesische Staatsunternehmen damit begonnen [17], schweres Gerät bereitzustellen und ihre Käufe von Nickel und Kobalt aus der größten Mine des Landes zu steigern. Dadurch eröffnet sich China die Möglichkeit, sich dauerhaft an einem Standort festzusetzen, der einst von der US-Regierung finanziert und 1960 dem US-Bergbaukonzern Freeport McMoRan enteignet wurde.
Die Einstufung des Joint Ventures durch das Finanzministerium hat andere ausländische Hotelbetreiber, Finanzinstitute und Energieunternehmen in Kuba in Alarmbereitschaft versetzt, darunter die spanischen Hotelketten Meliá [18] und Iberostar [19], die auch US-Immobilien verwalten. Der Regierung zufolge haben ausländische Firmen lediglich ein Zeitfenster von vier Wochen, um Transaktionen mit Gaesa-eigenen Unternehmen einzustellen, bevor ihre Vermögenswerte in den USA eingefroren werden.
Eine mit den Unternehmensaktivitäten vertraute Quelle erklärte, dass Finanzinstitute, insbesondere in Kanada, der Europäischen Union und Lateinamerika, de facto einen Boykott sämtlicher Kuba-bezogener Transaktionen eingeleitet haben, um sich nicht dem Risiko kostspieliger Maßnahmen des US-Finanzministeriums auszusetzen. "Weitere Einstufungen sind in den kommenden Tagen und Wochen zu erwarten", sagte [20] Rubio am Donnerstag.
Diplomatischer Stillstand
Während sich der Außenminister noch in Italien aufhielt, berichtete [21] die Nachrichtenagentur Associated Press, dass US-Beamte den kubanischen Behörden und Papst Leo XIV. ein umfassendes Angebot unterbreitet hätten: humanitäre Hilfe in Höhe von mehreren zehn Millionen US-Dollar – später sprach [22] Rubio von 100 Millionen – sowie "zwei Jahre kostenloser Starlink-Internetzugang für alle Kubaner, landwirtschaftliche Unterstützung und Infrastrukturhilfe" im Austausch gegen die "Freilassung politischer Gefangener, ein Ende politischer und religiöser Repression sowie eine Öffnung für Investitionen des amerikanischen Privatsektors".
Kuba wies entschieden zurück [23], dass ein solches Angebot jemals gemacht worden sei, und verwies darauf [24], dass von den im Oktober 2025 von der Trump-Regierung zugesagten drei Millionen Dollar US-Hilfe noch immer nicht alles angekommen sei und weitere sechs Millionen Dollar, die im Februar angekündigt wurden, erst jetzt [25] langsam einträfen. Zudem sagen Experten [26], die katholische Kirche verfüge nicht über die ausreichende Infrastruktur oder Kapazitäten, um eine derart große Menge an Hilfe auf der Insel zu verteilen – insbesondere, da der Treibstoffmangel die Lieferung behindert [27] –, was Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Rubios Angebot aufkommen lässt.
Der Stillstand in den bilateralen Gesprächen fällt in eine Zeit, in der die Regierung Berichten zufolge seit Februar 25 Aufklärungsflüge zur Informationsgewinnung vor Kuba durchgeführt hat [28] – ein Muster, das an die Vorgehensweise im Vorfeld militärischer Aktionen in Venezuela und im Iran zu Beginn dieses Jahres erinnert. Trump soll zunehmend frustriert [29] darüber sein, dass die kubanische Führung seinem Druck widersteht und die Pläne seiner Berater bislang wenig Ergebnisse gebracht haben. Er habe angewiesen, den Druck vor den US-Zwischenwahlen – und spätestens bis Jahresende – weiter zu erhöhen.
In einem Interview mit ABC News aus Havanna bekräftigte [30] Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla die Bereitschaft seines Landes, eine Verhandlungslösung mit Trump zu finden. Er warnte jedoch zugleich, dass sich Washington auf einem gefährlichen Weg befinde, der in einem "Blutbad" in Kuba enden könne.
Trotz Trumps Drohung [31], den Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" vor Kubas Küste zu stationieren, und der Behauptung Rubios, Kuba habe "den roten Teppich für [US-]Gegner ausgerollt", sagen US-Beamte und andere Personen, die mit Trumps Denken vertraut sind, dass die Regierung keinen unmittelbar bevorstehenden Militäreinsatz gegen Havanna plant und der Präsident weiterhin auf eine diplomatische Lösung [32] setzt. Dies wurde auch durch ein Treffen zwischen Brasiliens Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva und Trump im Weißen Haus am vergangenen Donnerstag offenbar bestätigt [33].
Kein Ende in Sicht
Doch selbst ohne ein militärisches Eingreifen, wie bei der Operation, die Anfang dieses Jahres zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro führte – eine Option, die laut Trump-Vertrauten weiterhin auf dem Tisch liegt [34] –, scheint die Regierung keine Bedenken zu haben, immer schärfere Sanktionen gegen Kubas ausländische Partner zu verhängen, bis Havanna ihren Forderungen nach einer weitreichenden politischen und wirtschaftlichen Liberalisierung nachkommt.
Die Pattsituation [35], die seit den hochrangigen Gesprächen [36] in Havanna Anfang letzten Monats besteht, könnte erklären, warum ein von den USA sanktionierter russischer Öltanker mit dem Namen "Universal" und 270.000 Barrel Diesel an Bord seit Wochen mitten im Atlantik festliegt [37]. Ursprünglich sollte er am 29. April in Kuba eintreffen. Der Stillstand könnte auch erklären, warum Kuba seit der Einführung einer Reihe längst überfälliger [38]Maßnahmen [39] im März – Schritte, die für viele Beobachter darauf hindeuteten, dass sich ein umfassenderes Abkommen abzeichnete [40] – keine weiteren moderaten Wirtschaftsreformen [41] oder Gefangenenfreilassungen [42] angekündigt hat.
Diese Maßnahmen gingen mit Genehmigungen [43] der USA und Kubas für den Verkauf von Diesel und Benzin an den privaten Sektor der Insel einher. Im ersten Quartal 2026 beliefen [44] sich diese auf 11,6 Millionen Dollar. Dies ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Hinblick auf Kubas gesamten Energiebedarf, für die junge Unternehmerklasse des Landes jedoch eine Lebensader und ein seltener Lichtblick [45] vor dem Hintergrund geschlossener Hotels [46], einbrechender Tourismuseinnahmen [47] und außergerichtlicher Einigungen [48] über langjährige Eigentumsansprüche von US- und ausländischen Unternehmen, um weitere Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.
Trotz dieser Ausnahmen für den Privatsektor scheint es vorerst so, als werde die Trump-Regierung ihre Bemühungen fortsetzen, die Wirtschaft der Insel durch weitreichende und ermessensabhängige Sekundärsanktionen in die Knie zu zwingen. Gleichzeitig setzt sie vage Angebote stark konditionierter humanitärer Hilfe als Druckmittel ein, um die von Havanna geforderten politischen und wirtschaftlichen Veränderungen zu erzwingen.
Doch wenn die Geschichte irgendeinen Hinweis liefert [49], dann, dass es unwahrscheinlich ist, dass die kubanische Führung sich US-amerikanischen politischen Vorgaben – unabhängig davon, ob diese berechtigt sein mögen oder nicht – im Austausch gegen vorübergehende Hilfe beugt, ganz gleich, wie großzügig diese ausfällt.
Nur die Aussicht auf eine dauerhafte Aufhebung der Sanktionen, etwa durch die Rücknahme der Präsidialverordnungen, die die Ölblockade und Sekundärsanktionen ermöglichen, wird die nahezu eingeschlafenen Gespräche wiederbeleben und die kubanische Seite dazu bewegen, Rubios Forderungen ernsthaft zu erwägen und Trump greifbare Ergebnisse seiner monatelangen Druckkampagne liefern.
Lee Schlenker ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Programm "Global South" am Quincy Institute for Responsible Statecraft und Masterstudent im Fach Lateinamerikastudien an der Edmund A. Walsh School of Foreign Service der Georgetown University.
Apple bezeichnet die vorgeschlagenen Maßnahmen als ernste Bedrohung für Privatsphäre, Sicherheit und Gerätestabilität europäischer Nutzer. Die Regelungen würden jene Funktionen offenlegen, die böswillige Akteure und kompromittierte KI-Systeme ausnutzen wollten: dauerhaften Mikrofonzugang, Live-Bildschirminhalte, App-übergreifende Steuerung und privilegierte Systemressourcen. Gleichzeitig würden die Maßnahmen die zentralen Schutzfunktionen eines Betriebssystems aushebeln. Die EU-Kommission führe damit „ein großangelegtes Sicherheits- und Datenschutzexperiment an europäischen Nutzern durch – genau in dem Moment, in dem KI-getriebene Bedrohungen am schnellsten zunehmen.“
Apples Stellungnahme kritisiert, dass andere Teile der Kommission selbst aktiv an KI-Sicherheitsinitiativen arbeiteten – während die zuständige Abteilung diese Risiken im Falle Googles vollständig ignoriere. Apples Regulierungschef Kyle Andeer hatte bereits zuvor Apples tiefe Frustration mit dem DMA [4] öffentlich gemacht und der EU-Kommission vorgeworfen, Datenschutz- und Sicherheitsbedenken systematisch zu ignorieren. Weder der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) noch die EU-Cybersicherheitsbehörde ENISA seien trotz wiederholter Bitten in das Verfahren einbezogen worden.
Wake-Words, Phishing und Spyware-Risiken
Im Detail benennt Apple vier gravierende Sicherheitsprobleme. Erstens bei der Sprach-Aktivierung: Die Maßnahmen würden verlangen, dass beliebige Drittanbieter-Apps eigene Aktivierungswörter registrieren könnten und selbst bestimmen dürften, wann eine Audioaufnahme endet. Das öffne Tür und Tor für unbeabsichtigte oder absichtliche Daueraufzeichnung.
Zweitens beim Datenzugriff: Die Maßnahmen würden Drittanbieter-Apps unbegrenzten Zugriff auf die sensibelsten Nutzerdaten ermöglichen – Benachrichtigungen, SMS, Kontakte, Bildschirminhalte und installierte Apps. Diese Datenkombination reiche aus, um Nutzerprofile zu erstellen, die etwa Gesundheitszustand, Religion, sexuelle Orientierung, politische Überzeugungen und finanzielle Lage offenbarten. Apple schreibt, die Maßnahmen öffneten eine „Büchse der Pandora“: So würde diskriminierende Preisgestaltung ermöglicht, die zum Beispiel auf Signalen für Sucht oder Notlagen gründet.
Drittens bei so genannten Overlay-Angriffen: Die Maßnahmen würden verlangen, dass Apps Inhalte über die Benutzeroberfläche anderer laufender Apps legen könnten. Genau diese Technik werde seit Jahren für Banking-Trojaner missbraucht. iOS verfüge über keine API, die derartige Overlays erlaube – aus genau diesem Sicherheitsgrund.
Viertens beim Gerätezugriff: Die vorgeschriebene Gleichzeitigkeit mehrerer immer-aktiver Wake-Word-Modelle von Drittanbietern auf dem digitalen Signalprozessor (DSP) sei technisch problematisch. Auf einem Amazon Echo etwa verbrauche die Erkennung allein bereits rund 50 Prozent der CPU-Leistung. Mehrere parallele Implementierungen ohne zentrale Koordination würden zu Ressourcenkonflikten, Systemverlangsamungen, thermischen Problemen und deutlich verkürzter Akkulaufzeit führen.
Konflikt mit KI-Act und Cyber Resilience Act
Apple wirft der Kommission vor, mit den Maßnahmen gegen ihre eigene Gesetzgebung zu verstoßen. Sowohl der EU AI Act als auch der Cyber Resilience Act verlangen von Systembetreibern, Angriffsflächen zu minimieren und Datensparsamkeit einzuhalten – die DMs zwingen Google zum genauen Gegenteil. Google selbst hatte im Herbst 2025 ebenfalls scharfe Kritik am Digital Markets Act [5] geübt und dem Gesetz vorgeworfen, erheblichen Kollateralschaden bei europäischen Nutzern und Unternehmen anzurichten.
Apples Modell des „Trusted OS Agent“
Neben der Kritik präsentiert Apple in der Stellungnahme erstmals öffentlich einen eigenen Lösungsansatz: einen sogenannten „Trusted OS Agent“. Dabei würden Anfragen von Sprachassistenten nicht direkt auf Systemressourcen und App-Daten zugreifen, sondern über eine KI-native Vermittlungsschicht des Betriebssystems geleitet. Dieser Agent stelle eine natürliche Schnittstelle zwischen externen KI-Assistenten und dem System bereit, führe autorisierte Aktionen aus und schütze Nutzer gleichzeitig vor unbeabsichtigten oder böswilligen Zugriffen – auch gegen Prompt-Injection-Angriffe.
Apple argumentiert, dieser Ansatz würde Drittanbieter-Assistenten gleichwertige Aufruf- und Schnittstellenmethoden ermöglichen – ohne privilegierten Direktzugriff auf Systemebene. Entwickler könnten so über die Qualität ihrer KI, ihrer Integrationen und ihrer Nutzererfahrung konkurrieren, nicht über die Fähigkeit, sich Systemzugang zu verschaffen oder nachzubauen.
Rechtliche Einwände: Vier Fehler bei der DMA-Auslegung
Apple bezweifelt zudem, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen rechtlich von Artikel 6(7) DMA gedeckt sind: Die Vorschrift verlange Interoperabilität mit bestehenden, vom Betriebssystem vermittelten Funktionen, die der Gatekeeper selbst nutze – nicht die Schaffung neuer Fähigkeiten oder den Zugang zu Diensten wie YouTube und Google Maps, die gar keine Betriebssystem-Ebene involvierten. Obwohl die DMs rechtlich ausschließlich für Android gelten, sieht Apple Anlass zur Stellungnahme, weil die Anordnungen ein Präzedenzfall sein könnten, der auch Auswirkungen auf andere Betriebssysteme – einschließlich iOS – haben könnte.
Die EU-Kommission wird die eingegangenen Stellungnahmen nun prüfen und die Maßnahmen gegebenenfalls anpassen. Den endgültigen Beschluss will sie innerhalb von sechs Monaten nach Einleitung des Verfahrens am 27. Januar erlassen.
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iOS 27 soll den gordischen KI-Knoten zerschlagen. Basis ist wohl die ungeliebte Siri, die mehr Apple Intelligence kriegt – und ein Gemini-Herz samt Chat.
Apples Sprachassistenzsystem Siri steht mit iOS 27 vor größeren Umbaumaßnahmen. Apple wollte den Funktionsumfang eigentlich schon vor gut zwei Jahren verbessern [1], konnte das aber bislang nicht umsetzen. Nun steht einem Bloomberg-Bericht [2] zufolge eine kleine Revolution an: Apple will in Anlehnung an ChatGPT, Claude und Co., erstmals eine eigene Siri-App herausbringen, die über ein Chatbot-Interface verfügt. Neu sind diese Pläne [3] zwar eigentlich nicht, doch soll sich der Konzern jetzt festgelegt haben.
Siri wandert in die Dynamic Island
Siri werde in iOS 27 komplett neu gebaut und bewege sich weg vom Sprachassistenzsystem hin zu einem Always-on-Agenten. Die lange angekündigte Möglichkeit, persönliche Daten auf dem iPhone kontextsensitiv zu nutzen und Aktionen in Apps durchzuführen, soll mit iOS 27 kommen. Das Interface soll sich an dem orientieren, das man von ChatGPT kennt. Siri soll zudem nun in der Dynamic Island moderner iPhones zu finden sein, sie wacht durch ein Wake-Wort oder einen längeren Druck auf den Power-Knopf auf.
Alternativ soll es auch eine neue Geste geben: Wischt man von der Mitte des Bildschirms aus nach unten, erscheint Siri mit einer „Suche oder frage“-Leiste. Aus jeder Antwort heraus soll man zudem in den Chatmodus wechseln können. Teilweise orientiert sich Apple angeblich am Spotlight-Interface. Aus dem Chat soll man mit Klick auf ein Mikrofon-Icon auch zurück in den Sprachmodus wechseln können. Antworten sollen auch aus dem Web kommen – das kennt man von Siri schon. Allerdings sollen sie durch eine interne KI-Suche aufbereitet werden.
Viele Wege führen zur KI
Neben des Siri-Aufrufs über die beschriebenen Wege gibt es wie erwähnt auch eine Standalone-App für das KI-System. Sie fasst auch frühere Konversationen zusammen, zu denen man zurückkehren kann. Es gibt eine Suchleiste und ein „+“, um neue Chats zu starten. In der Siri-App (und offenbar generell in Siri-Ansichten) kann man zudem auch Bilder und Dokumente hochladen, um über diese Fragen zu stellen.
Bloomberg berichtet weiterhin über Verbesserungen beim Bildgenerator Image Playground [4]. Dieser soll mit neueren Modellen kommen, er gilt im Vergleich zu anderen Systemen als deutlich veraltet. Die App bekommt dafür ein leicht verbessertes Interface. Zudem soll man generierte Bilder weiter verfeinern können.
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Logo von Perplexity Computer: Die Nutzung erfordert Mut.
(Bild: Perplexity)
KI-Anbieter Perplexity hat seine Ankündigung wahr gemacht und erlaubt nun die Nutzung seiner Mac-Steuerung. Dabei gilt es, einiges zu beachten.
Das im März präsentierte lokale agentische KI-System Perplexity Personal Computer [1] steht seit einigen Tagen bestimmten Nutzergruppen zur Verfügung. Das schreibt Perplexity in seinem offiziellen Team-Blog [2]. Die Software erlaubt es, einen macOS-Rechner – gedacht wird hierbei insbesondere an den Mac mini – vollständig zu steuern, wie man das von OpenClaw [3] und Co. kennt. Dabei wird auch die GUI des Rechners übernommen. Die Idee dabei ist es, ein stets verfügbares lokales KI-System auch aus der Cloud ansprechen zu können. Wobei lokal hier relativ ist: Zur Erledigung der meisten komplexeren Aufgaben dürfte Personal Computer schlicht Server-Hilfe in Anspruch nehmen.
Pro-Abo ist Mindestvoraussetzung
Perplexity hat das KI-System in Form einer Mac-App implementiert [4]. Diese lässt sich derzeit nur bei Perplexity selbst herunterladen, nicht jedoch im Mac App Store. Offenbar wird außerdem der nur mittelmäßig beliebte Perplexity-Browser Comet [5] benötigt: „Nutzen Sie Comet mit Personal Computer, um Surfen, Recherche und Web-Automatisierung direkt von Ihrem Desktop aus freizuschalten“, schreibt Perplexity dazu.
Grundvoraussetzung für die Nutzung von Personal Computer ist, dass man ein Abo bei Perplexity hat. Dies ist lobenswerterweise nicht auf das Max-Tier beschränkt – auch Pro- und Enterprise-Abonnenten dürfen mitspielen (ab 17 US-Dollar im Monat bei jährlicher Abrechnung [6]). Zunächst blieb unklar, ob es Ländersperren gibt; die Perplexity-Website machte in deutscher Sprache aber nicht den Eindruck, dass der Dienst im EU-Raum geblockt ist.
Der „persönliche Orchestrator“
Personal Computer soll eine Art „persönlicher Orchestrator“ sein, heißt es von Perplexity weiter, der vollständige Workflows auf dem Mac durchführen kann. Via Comet gibt es auch Web-Zugriff ohne direkte Konnektoren, also Anpassungen an den Agenten. Das System sieht alle auf dem Mac vorhandene Apps und soll mit diesen interagieren. Perplexity betont, was Personal Computer treibt, sei überprüfbar und könne rückgängig gemacht werden. Wie das in der Praxis [7] abläuft, müssen erste Tests zeigen.
Beispiele für die Personal-Computer-Nutzung, die Perplexity genannt hatte, ist das Reagieren auf eingehende Nachrichten und E-Mails, das Führen und Abarbeiten von To-Do-Listen oder das Sortieren von Dateiordnern. Zudem soll das System einen Datenabgleich mit dem Web vornehmen können – man kann also ein lokales Dokument mit Informationen aus dem Internet absichern. Angaben zur Einrichtung von Personal Computer macht Perplexity auf einer eigenen Website [8]. Darin wird unter anderem aufgefordert, dem System Berechtigungen für die Bedienungshilfen zu erteilen, über die der Mac dann gesteuert wird. Auch soll man sich Ordner aussuchen können, mit denen Personal Computer dann agieren darf. Schließlich, und das dürfte der gefährlichste Schritt sein, möchte Perplexity auch Zugriff auf ein angebundenes Smartphone, um etwa 2FA-Abfragen bestätigen zu können. Darüber soll man auch Aufgaben starten können, wenn man nicht am Mac ist.
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Apple bezeichnet die vorgeschlagenen Maßnahmen als ernste Bedrohung für Privatsphäre, Sicherheit und Gerätestabilität europäischer Nutzer. Die Regelungen würden jene Funktionen offenlegen, die böswillige Akteure und kompromittierte KI-Systeme ausnutzen wollten: dauerhaften Mikrofonzugang, Live-Bildschirminhalte, App-übergreifende Steuerung und privilegierte Systemressourcen. Gleichzeitig würden die Maßnahmen die zentralen Schutzfunktionen eines Betriebssystems aushebeln. Die EU-Kommission führe damit „ein großangelegtes Sicherheits- und Datenschutzexperiment an europäischen Nutzern durch – genau in dem Moment, in dem KI-getriebene Bedrohungen am schnellsten zunehmen.“
Apples Stellungnahme kritisiert, dass andere Teile der Kommission selbst aktiv an KI-Sicherheitsinitiativen arbeiteten – während die zuständige Abteilung diese Risiken im Falle Googles vollständig ignoriere. Apples Regulierungschef Kyle Andeer hatte bereits zuvor Apples tiefe Frustration mit dem DMA [4] öffentlich gemacht und der EU-Kommission vorgeworfen, Datenschutz- und Sicherheitsbedenken systematisch zu ignorieren. Weder der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) noch die EU-Cybersicherheitsbehörde ENISA seien trotz wiederholter Bitten in das Verfahren einbezogen worden.
Wake-Words, Phishing und Spyware-Risiken
Im Detail benennt Apple vier gravierende Sicherheitsprobleme. Erstens bei der Sprach-Aktivierung: Die Maßnahmen würden verlangen, dass beliebige Drittanbieter-Apps eigene Aktivierungswörter registrieren könnten und selbst bestimmen dürften, wann eine Audioaufnahme endet. Das öffne Tür und Tor für unbeabsichtigte oder absichtliche Daueraufzeichnung.
Zweitens beim Datenzugriff: Die Maßnahmen würden Drittanbieter-Apps unbegrenzten Zugriff auf die sensibelsten Nutzerdaten ermöglichen – Benachrichtigungen, SMS, Kontakte, Bildschirminhalte und installierte Apps. Diese Datenkombination reiche aus, um Nutzerprofile zu erstellen, die etwa Gesundheitszustand, Religion, sexuelle Orientierung, politische Überzeugungen und finanzielle Lage offenbarten. Apple schreibt, die Maßnahmen öffneten eine „Büchse der Pandora“: So würde diskriminierende Preisgestaltung ermöglicht, die zum Beispiel auf Signalen für Sucht oder Notlagen gründet.
Drittens bei so genannten Overlay-Angriffen: Die Maßnahmen würden verlangen, dass Apps Inhalte über die Benutzeroberfläche anderer laufender Apps legen könnten. Genau diese Technik werde seit Jahren für Banking-Trojaner missbraucht. iOS verfüge über keine API, die derartige Overlays erlaube – aus genau diesem Sicherheitsgrund.
Viertens beim Gerätezugriff: Die vorgeschriebene Gleichzeitigkeit mehrerer immer-aktiver Wake-Word-Modelle von Drittanbietern auf dem digitalen Signalprozessor (DSP) sei technisch problematisch. Auf einem Amazon Echo etwa verbrauche die Erkennung allein bereits rund 50 Prozent der CPU-Leistung. Mehrere parallele Implementierungen ohne zentrale Koordination würden zu Ressourcenkonflikten, Systemverlangsamungen, thermischen Problemen und deutlich verkürzter Akkulaufzeit führen.
Konflikt mit KI-Act und Cyber Resilience Act
Apple wirft der Kommission vor, mit den Maßnahmen gegen ihre eigene Gesetzgebung zu verstoßen. Sowohl der EU AI Act als auch der Cyber Resilience Act verlangen von Systembetreibern, Angriffsflächen zu minimieren und Datensparsamkeit einzuhalten – die DMs zwingen Google zum genauen Gegenteil. Google selbst hatte im Herbst 2025 ebenfalls scharfe Kritik am Digital Markets Act [5] geübt und dem Gesetz vorgeworfen, erheblichen Kollateralschaden bei europäischen Nutzern und Unternehmen anzurichten.
Apples Modell des „Trusted OS Agent“
Neben der Kritik präsentiert Apple in der Stellungnahme erstmals öffentlich einen eigenen Lösungsansatz: einen sogenannten „Trusted OS Agent“. Dabei würden Anfragen von Sprachassistenten nicht direkt auf Systemressourcen und App-Daten zugreifen, sondern über eine KI-native Vermittlungsschicht des Betriebssystems geleitet. Dieser Agent stelle eine natürliche Schnittstelle zwischen externen KI-Assistenten und dem System bereit, führe autorisierte Aktionen aus und schütze Nutzer gleichzeitig vor unbeabsichtigten oder böswilligen Zugriffen – auch gegen Prompt-Injection-Angriffe.
Apple argumentiert, dieser Ansatz würde Drittanbieter-Assistenten gleichwertige Aufruf- und Schnittstellenmethoden ermöglichen – ohne privilegierten Direktzugriff auf Systemebene. Entwickler könnten so über die Qualität ihrer KI, ihrer Integrationen und ihrer Nutzererfahrung konkurrieren, nicht über die Fähigkeit, sich Systemzugang zu verschaffen oder nachzubauen.
Rechtliche Einwände: Vier Fehler bei der DMA-Auslegung
Apple bezweifelt zudem, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen rechtlich von Artikel 6(7) DMA gedeckt sind: Die Vorschrift verlange Interoperabilität mit bestehenden, vom Betriebssystem vermittelten Funktionen, die der Gatekeeper selbst nutze – nicht die Schaffung neuer Fähigkeiten oder den Zugang zu Diensten wie YouTube und Google Maps, die gar keine Betriebssystem-Ebene involvierten. Obwohl die DMs rechtlich ausschließlich für Android gelten, sieht Apple Anlass zur Stellungnahme, weil die Anordnungen ein Präzedenzfall sein könnten, der auch Auswirkungen auf andere Betriebssysteme – einschließlich iOS – haben könnte.
Die EU-Kommission wird die eingegangenen Stellungnahmen nun prüfen und die Maßnahmen gegebenenfalls anpassen. Den endgültigen Beschluss will sie innerhalb von sechs Monaten nach Einleitung des Verfahrens am 27. Januar erlassen.
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Fortinet hat zum „Patch-Dienstag“ elf Sicherheitsflicken konzertiert veröffentlicht. Zwei der Lecks gelten als kritisch.
Fortinet hat im Laufe des zweiten Dienstag des Monats – gemeinhin auch als „Patch Tuesday“ oder kurz Patchday [1] etwa aus der Microsoft-Welt bekannt – elf Mitteilungen zu Sicherheitslücken in diversen Produkten veröffentlicht. Davon gelten zwei als kritische Schwachstellen und eine als hochriskant.
Im FortiAuthenticator klafft eine kritische Schwachstelle [2] aufgrund von unzureichenden Zugriffskontrollen. Sie ermöglicht Angreifern ohne vorherige Authentifizierung, mit manipulierten Anfragen unbefugt Code oder Befehle auszuführen (CVE-2026-44277, CVSS 9.1, Risiko „kritisch“). FortiAuthenticator 6.5.7, 6.6.9 und 8.0.3 sowie neuere Fassungen korrigieren das. Mit manipulierten HTTP-Anfragen können bösartige Akteure ohne vorherige Anmeldung unbefugt Code oder Befehle in FortiSandbox, FortiSandbox Cloud und FortiSandbox PaaS Web UI [3] aufgrund einer fehlenden Autorisierung ausführen (CVE-2026-26083, CVSS 9.1, Risiko „kritisch“).
Im FortiOS CAPWAP-Daemon können Angreifer, die Kontrolle über authentifizierte FortiAP FortiExtender oder FortiSwitches haben, Ausführungsrechte auf den FortiGate-Geräten erlangen [4]. Das geht auf mögliche Schreibzugriffe außerhalb vorgesehener Speichergrenzen zurück. Wie die sich provozieren lassen, erklärt Fortinet jedoch nicht (CVE-2025-53844, CVSS 8.3, Risiko „hoch“).
Fortinet: Mittelschwere Sicherheitslücken
Fortinet warnt zudem vor weiteren Schwachstellen. Nach Schweregrad sortiert handelt es sich um folgende:
Wichtige Sicherheitsupdates reparieren diverse Adobe-Anwendungen. Bislang gibt es keine Berichte zu laufenden Attacken.
Angreifer können an mehreren Sicherheitslücken unter anderem in Adobe After Effects, Connect und Premiere Pro ansetzen. Im schlimmsten Fall kann es zur Ausführung von Schadcode kommen. Sicherheitspatches sind verfügbar. In den Warnmeldungen des Softwareherstellers gibt es zurzeit keine Hinweise auf Angriffe.
Mehrere Ansatzpunkte für Angreifer
Am gefährlichsten ist der Einstufung zufolge eine Schadcode-Lücke (CVE-2026-34659 „kritisch“) in Connect. Darüber können Angreifer Schadcode ausführen. Damit das klappt, muss der Beschreibung der Schwachstelle zufolge ein Opfer auf einen von einem Angreifer präparierten Link klicken. Davon sind macOS und Windows betroffen. Die Entwickler versichern, das Sicherheitsproblem in Connect Desktop Application 2026.01.39 (macOS) und 2026.3.125 (Windows) gelöst zu haben.
Die höchste Patchpriorität gilt für 15 Lücken in Adobe Commerce. Hier können Angreifer etwa Sicherheitsmechanismen umgehen oder DoS-Zustände und somit Abstürze auslösen. After Effects ist über vier Schadcode-Lücken angreifbar. Auch die verbleibenden Anwendungen sind primär für Schadcodeangriffe anfällig. Dementsprechend sollten Admins die Sicherheitsupdates zeitnah installieren, um möglichen Attacken vorzubeugen.
Sicherheitsupdates jetzt installieren
Weil die Auflistung der reparierten Ausgaben der Adobe-Anwendungen den Rahmen dieser Meldung sprengt, sollten Admins die unterhalb dieses Beitrags verlinkten Warnmeldungen von Adobe studieren. Dort finden sich neben den bedrohten und abgesicherten Versionen auch Informationen zu den geschlossenen Softwareschwachstellen.
Red Hat erweitert Ansible um einen Automation Orchestrator für KI-gestützte IT-Automatisierung und stellt Version 2.7 vor.
Red Hat wird die Ansible Automation Platform um viele neue Funktionen für KI-gestützte IT-Automatisierung erweitern. Im dritten Quartal soll eine neue Version erscheinen, in deren Mittelpunkt der Automation Orchestrator [1] steht. Damit soll die Ansible-Plattform zur zentralen Ausführungsebene für KI-gestützte IT-Operationen werden. Der Orchestrator analysiert Signale von KI-Systemen oder Agenten, erkennt Zusammenhänge und schlägt Maßnahmen vor. Die eigentliche Umsetzung erfolgt über definierte Automatisierungsabläufe in Ansible. Red Hat nennt dieses Prinzip: „KI empfiehlt, Menschen genehmigen und die Automations-Plattform führt aus.“
Des Weiteren soll der Orchestrator unterschiedliche Quellen und Werkzeuge in einem gemeinsamen Ablauf verbinden. Beispielsweise können Alerts von IBM Instana, ServiceNow oder Splunk denselben Workflow starten, bei dem ein Ticket angelegt wird, eine KI den Vorfall analysiert und eine geeignete Maßnahme empfohlen wird. Anschließend muss eine Person diese Aktion freigeben, bevor Ansible das Problem automatisch beheben darf. Das heißt, der Orchestrator nutzt die vorhandenen Automatisierungen, statt diese zu ersetzen. Viele Unternehmen verfügen bereits über Skripte, Runbooks und Ansible-Playbooks, die der neue Orchestrator in KI-gestützte Prozesse einbindet.
Rechte begrenzen und kontrollieren
„KI-Agenten werden in der IT-Administration nur dann erfolgreich sein, wenn sie mit klar begrenzten Rechten innerhalb bewährter Leitplanken operieren“, sagt Sathish Balakrishnan, Vice President der Ansible Business Unit bei Red Hat. „KI kann Situationen analysieren und Maßnahmen empfehlen, doch die Ausführung muss immer über geprüfte Playbooks, Freigaben, Rollenmodelle und Audit-Trails erfolgen“, so Balakrishnan weiter.
Einen Schwerpunkt der neuen Version bilden Kontrollmechanismen. Dazu zählen rollenbasierte Zugriffe, Approval Gates, Auditing, Content Signing und Credential Management. Diese Kontrollmechanismen sollen unabhängig davon gelten, ob eine Automatisierung klassisch aufgabenbasiert, eventgetrieben oder KI-gestützt ausgelöst wird.
Ansible 2.7: Mehr Transparenz und MCP-Server
Parallel hat Red Hat die Ansible Automation Platform 2.7 [2] angekündigt. Sie bringt unter anderem einen visuellen Editor für Execution Environments, einen Content-Katalog und Automation-Dashboards. Diese Dashboards sollen helfen, die Leistung und den wirtschaftlichen Nutzen der Automatisierung besser nachzuvollziehen.
Für AIOps wurde die Ansible-Plattform um einen MCP-Server (Model Context Protocol) erweitert [3], der auf den bestehenden Ansible-Kontrollen für Benutzeridentitäten, Zugangsdaten und rollenbasierten Zugriffen aufsetzt. Der MCP-Server kann auch im Read-only-Modus betrieben werden, um riskante Aktionen über Human-in-the-loop-Freigaben abzusichern. Hinzu gekommen sind AIOps-Solution-Guides. Der erste davon bietet Integrationen mit IBM Instana, ServiceNow und Splunk. Das ist für Betriebsumgebungen gedacht, in denen Observability-, ITSM- und Security-Signale bereits aus verschiedenen Systemen anfallen. Der Orchestrator soll diese Signale in kontrollierte Automatisierungsabläufe überführen, statt die vorhandenen Werkzeuge zu ersetzen.
Für Entwickler und Automatisierungsteams gibt es eine Erweiterung, über die per MCP KI-Anwendungen und MCP-Clients angebunden werden können, darunter Claude oder Cursor. Zudem unterstützt ein intelligenter Assistent „bring-your-own-knowledge“, mit dem Modellantworten stärker auf vorhandenes Betriebswissen, Playbooks und interne Abläufe zugeschnitten werden.
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Die Foreign Function & Memory API bietet in Java einen deutlich einfacheren Zugang zu Funktionen in C-Libraries als das veraltete JNI.
Javas Foreign Function & Memory API (FFM) dient dazu, auf Code in einer Shared Library beziehungsweise DLL zuzugreifen, der in einer Programmiersprache wie C oder Rust geschrieben ist. Allerdings muss der Code dazu einige Voraussetzungen erfüllen. Diese dreiteilige Artikelserie zeigt anhand einer in C geschriebenen Demo-Library [1], wie eine Java-Anwendung die Funktionen der Bibliothek aufruft, welche Vorbereitungen erforderlich sind und welche Regeln zu beachten sind.
Nachdem der erste Teil gezeigt hat [2], wie man in Java eine in C geschriebene Shared Library lädt und einfache Funktionen dieser Shared Library aufruft, geht es jetzt um komplexere Szenarien. Er zeigt, wie man aus Java Funktionen mit veränderbaren Parametern aufrufen und Arrays sowie Strukturen übergeben kann.
Funktionen mit veränderbarem Parameter
Die bisherigen Beispiele haben die Aufrufe der nativen Funktionen einfach gehalten. Die Java-Anwendung hat lediglich Parameter durchgereicht und den Rückgabewert übernommen.
Anders sieht es bei den nächsten Beispielen aus. Als erstes folgt die einfache C-Funktion getVersion2, die wie die Funktion getVersion aus Teil 1 die Version der Library ermittelt. Die neue Funktion gibt die Versionsnummer aber nicht als Wert zurück, sondern verändert dazu einen Parameter. Das funktioniert in C, indem eine Anwendung für einen Parameter nicht den Wert selbst, sondern dessen Adresse übergibt (Call by Reference). Dieses Konstrukt sieht in C folgendermaßen aus:
EXPORT void getVersion2(int* version);
Folgender Java-Code ruft die Funktion auf:
int version;
getVersion2(&version);
Das & kennzeichnet in C, dass die Funktion die Adresse der Variablen nutzt. Java erlaubt das Vorgehen nicht, sodass ein Rückgabewert unerlässlich ist. Folgende Java-Methode verwendet die C-Funktion mit Referenz:
public int getVersion2() throws Throwable
{
MethodHandle method = getMethodHandle("getVersion2",
FunctionDescriptor.of(
ValueLayout.JAVA_INT,
ValueLayout.ADDRESS
));
try (Arena arena = Arena.ofConfined())
{
MemorySegment versionSeg =
arena.allocate(ValueLayout.JAVA_INT.byteSize());
method.invoke(versionSeg);
int version = versionSeg.get(ValueLayout.JAVA_INT, 0);
return version;
}
}
Zuerst ruft der Code wie im ersten Teil der Serie wieder die Methode getMethodHandle() auf. Der Aufruf definiert den FunctionDescriptor für die Funktion getVersion2().
Die Angabe ValueLayout.ADDRESS für den Parameter zeigt an, dass die C-Funktion eine Adresse erwartet.
Jetzt kommt der spannendere Teil: Um eine Adresse übergeben zu können, muss die Java-Anwendung mittels der FFM-API einen Speicherbereich von vier Byte (für den Datentyp int) reservieren. Das geschieht mit einer Arena, die er erste Teil bereits erläutert hat. Das Erzeugen der Arena mit dem try-with-ressources-Statement stellt sicher, dass die Arena nach dem try-Block automatisch geschlossen und der darin verwaltete Speicher automatisch freigegeben wird. Es gibt verschiedene Typen von Arenas – die im Beispiel über ofConfined erzeugte sorgt dafür, dass die Anwendung nur auf Speicher des aktuellen Thread zugreifen kann. Eine mit ofConfined() erzeugte Arena – beziehungsweise der damit allozierte Speicher – ist daher nicht threadsicher.
Als nächstes gilt es, den erforderlichen Speicherbereich für den Parameter version zu allokieren. Dafür besitzt die Arena die Methode allocate(). Die Größe des benötigten Speichers kann man durch die Funktion byteSize() für die Variable ermitteln. Hier sei nochmals darauf hingewiesen, dass der Wert die Größe des Java-Datentyps darstellt und nicht zwingend etwas über den C-Datentyp aussagt. Da die C-Funktion einen int-Parameter entgegennimmt, sind wir auf der sicheren Seite, da int in C stets vier Byte umfasst. Bei einem long-Wert in C hängt die Größe dagegen von der Plattform ab.
Der Speicherbereich wird durch ein MemorySegment dargestellt, das beim Aufruf der Methode invoke an die C-Funktion weitergereicht werden muss.
Anschließend kann die Anwendung das Ergebnis auslesen. Dazu ruft sie auf dem MemorySegment die Funktion get auf und übergibt ihr das Layout des Speichers (in diesem Fall ein JAVA_INT) und den Offset zum Lesen aus dem MemorySegment. Für das Beispiel ist der Offset null. Durch die Angabe JAVA_INT gibt die Funktion einen int-Wert zurück, den die Anwendung weiterverarbeiten kann.
Funktionen mit einem Array-Parameter
Die nächste Aufgabe baut auf dem Vorgehen auf, verarbeitet aber nicht nur einen Wert, sondern ermittelt den Durchschnitt aus einer Liste von int-Werten. Dazu muss sie der nativen Funktion ein Array von int-Werten übergeben:
public double calcAverage(int [] values) throws Throwable
{
MethodHandle calcAverage =
getMethodHandle("calcAverage"),
FunctionDescriptor.of(
ValueLayout.JAVA_DOUBLE, // return value
ValueLayout.ADDRESS, // data values
ValueLayout.JAVA_INT)); // number of elements
try(Arena arena = Arena.ofConfined())
{
long totalSize = ValueLayout.JAVA_INT.byteSize() * values.length;
MemorySegment valueSegment = arena.allocate(totalSize);
for (int i = 0; i < values.length; i++)
{
valueSegment.setAtIndex(ValueLayout.JAVA_INT, i, values[i]);
}
double result = (double) calcAverage.invoke(valueSegment,
values.length);
return result;
}
}
Zunächst berechnet der Code die gesamte Speichergröße des Arrays (totalSize) und reserviert den benötigten Speicher mit allocate(). Anschließend belegt der Code den Speicher mit der Methode setAtIndex für das jeweilige MemorySegment. Der Aufruf erfolgt für jedes Element des Arrays.
Schließlich ruft der Code die Methode invoke für den MethodHandle auf und übergibt ihr als Parameter das Array und dessen Länge. Schließlich gibt sie das Ergebnis der C-Funktion zurück.
Funktionen mit Struct-Parametern
Das nächste Beispiel zeigt, wie man Funktionen aufruft, deren Parameter keine Basisdatentypen enthalten, sondern Strukturen. Dazu erhält die Funktion distance() zwei Parameter des Typs Point. Sie bekommt allerdings nicht die Strukturen, sondern ihre Adressen.
Die Struktur Point und die Signatur der Funktion distance sehen folgendermaßen aus:
Die Java-Methode distance() erwartet zwei Instanzen der Java-Klasse Point als Parameter, die sie intern in die passende C-Struktur umwandelt.
Da der Zugriff auf eine C-Struktur von Java aus umständlich ist, dient eine eigene Klasse CPoint dazu, eine C-Struktur des Typs Point zu erstellen und die x- und y-Komponente auszulesen.
Die Java-Methode distance(), die auf die C-Funktion zugreift, sieht folgendermaßen aus:
public double distance(Point p1, Point p2) throws Throwable
{
MethodHandle distance =
getMethodHandle("distance",
FunctionDescriptor.of(
ValueLayout.JAVA_DOUBLE, // return value
ValueLayout.ADDRESS, // p1
ValueLayout.ADDRESS)); // p2
try (Arena arena = Arena.ofConfined())
{
CPoint cp1, cp2;
cp1 = new CPoint(arena, p1.getX(), p1.getY());
cp2 = new CPoint(arena, p2.getX(), p2.getY());
double result = (double) distance.invoke(cp1.segment(),
cp2.segment());
return result;
}
}
Abgesehen von der üblichen Definition des MethodHandle gibt es erneut eine Arena, die für die beiden C-Strukturen erforderlich ist. Zu beachten ist, dass der Code beim Function-Deskriptor für die beiden Parameter den Typ ValueLayout.ADDRESS übergibt. Der Code lässt die C-Strukturen von der Java-Klasse CPoint erzeugen und ruft anschließend die Funktion invoke für den MethodHandle auf. Dieser erhält die MemorySegments der beiden Punkte cp1 und cp2. Die Klasse CPoint muss dazu eine Methode bereitstellen, um jeweils ein MemorySegment abzufragen.
Das try-with-ressources-Statement sorgt wieder dafür, dass der Memorymanager (die Arena) nach der Beendigung des try-Blocks geschlossen und die erzeugten Memory-Segmente freigegeben werden. Da die Anwendung anschließend nicht mehr auf diesen Speicher zugreifen darf, muss die Freigabe der Arena warten, bis alle Zugriffe stattgefunden haben.
Folgender Code implementiert die Klasse CPoint, die die C-Struktur Point repräsentiert. Zunächst definiert sie das Layout, um auf die Komponenten der Struktur zugreifen zu können:
public class CPoint
{
private static final GroupLayout LAYOUT = MemoryLayout.structLayout(
JAVA_DOUBLE.withName("x"),
JAVA_DOUBLE.withName("y"));
Als nächstes legt sie Handles für die beiden Komponenten x und y an:
private static final VarHandle X_HANDLE =
LAYOUT.varHandle(PathElement.groupElement("x"));
private static final VarHandle Y_HANDLE =
LAYOUT.varHandle(PathElement.groupElement("y"));
Schließlich fehlt noch eine Definition für den Speicherbereich:
private final MemorySegment segment;
Der Konstruktor erhält als Parameter die Arena, damit er den Speicher allozieren kann, und die beiden Koordinaten, für die er die Setter-Methoden aufruft:
Mithilfe der beiden Handles lassen sich die Werte für x und y setzen, indem die Setter die Methode set des Handles aufrufen, der drei Parameter braucht: das Speichersegment, den Offset für das Speichersegment und den Wert:
Ähnlich funktionieren die Getter-Methoden. Auch sie nutzen die beiden Handles und rufen deren Methode get() auf, die als Parameter das betroffene Speichersegment benötigt:
public double getX()
{
return (double) X_HANDLE.get(segment);
}
public double getY()
{
return (double) Y_HANDLE.get(segment);
}
Zu guter Letzt noch die Methode zum Ermitteln des Segments
public MemorySegment segment()
{
return segment;
}
Komplexe Aufgaben und weiterführende Themen
Java-Anwendungen können mit der Foreign Function & Memory API auch komplexe native Funktionen verwenden. So lassen sich unter anderem Call-by-Value-Funktionen nutzen, die keinen Rückgabewert haben, sondern die übergebenen Variablen verändern. Auch der Zugriff auf Arrays ist möglich, und Funktionen können C-Strukturen verwenden.
Der dritte und letzte Teil der Serie wird sich der Herausforderung der Plattformunabhängigkeit widmen und Best Practices für den Aufruf nativer C-Funktionen zeigen.
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Der KI-Boom erfordert eine strukturelle und strategische Neuausrichtung. Sagt GitLab und antwortet mit Entlassungen, flacheren Hierarchien und mehr KI.
GitLab verordnet sich selbst eine strukturelle und strategische Neuausrichtung. Sie soll bis zum 1. Juni 2026 abgeschlossen sein und vier Maßnahmenblöcke umfassen: eine Reduktion der Länderpräsenz, den Abbau mehrerer Managementebenen, eine Umorganisation der Forschungs- und Entwicklungsteams sowie neue Arbeitsprozesse, die den Schwerpunkt auf KI legen. Offen bleibt, wie groß der Stellenabbau wird.
Diese Maßnahmen kündigte GitLab-CEO Bill Staples am 11. Mai in einem Blogbeitrag auf GitLab [1] an. Darin bezeichnet er die agentische Ära als größte Chance in der Unternehmensgeschichte von GitLab, was entsprechende strukturelle und strategische Entscheidungen und Anpassungen erfordere.
Die bisherige Organisationsform, im Blogbeitrag auch als „GitLab Act 1“ bezeichnet, sei für diese neue Phase zu langsam, zu komplex und nicht optimal ausgerichtet. Deshalb greift für Angestellte, Investoren und Kunden nun „GitLab Act 2“. Dessen Maßnahmen sollen GitLab als DevOps-Plattform-Anbieter schneller, effizienter und innovationsstärker aufstellen. Auf Kundenseite hat GitLab schon vorgelegt: Mit der GitLab Duo Agent Platform [2] treibt der Anbieter bereits seit letztem Jahr eine stärkere KI-gestützte Entwicklung voran.
Länderpräsenz verkleinert sich um bis zu 30 Prozent
Konkrete Zahlen zum Stellenabbau nennt Bill Staples nicht, lässt jedoch dessen Größenordnung durchblicken. Man wolle die Präsenz in Ländern, in denen kleine GitLab-Teams sitzen, um bis zu 30 Prozent reduzieren. Bei GitLab arbeiten derzeit rund 2600 Angestellte [3], die sich auf mehr als 65 Länder verteilen. Kunden in den betroffenen Gebieten sollen künftig über Partner betreut werden. Dabei bleibt offen, welche Länder auf der roten Liste stehen.
Im Rahmen von GitLab Act 2 will GitLab in einzelnen Unternehmensbereichen auch bis zu drei Managementebenen streichen, was die Kommunikation der Teams untereinander verbessern und beschleunigen soll. Des Weiteren werde man die Rollen und Verantwortlichkeiten auf eine KI-gestützte Arbeitsweise ausrichten und Aufgaben automatisieren, wo immer das möglich ist. Ziel sei es, eine optimale Rollenverteilung innerhalb der Teams zu finden. Als vierte Maßnahme will GitLab sein Forschungs- und Entwicklungsteam neu aufstellen, um damit rund 60 kleinere und schlagkräftigere Teams zu schaffen.
Verträge und Support laufen normal weiter
Für Kundinnen und Kunden ändern sich durch GitLab Act 2 weder Roadmap-Zusagen noch bestehende Vertragsbedingungen, betont der GitLab-CEO. Auch der Support soll ohne Unterbrechung weiterlaufen.
Vorbehaltlich der Zustimmung des Vorstands will GitLab den endgültigen Umfang und die finanziellen Auswirkungen der Restrukturierung im Rahmen des Earnings-Calls am 2. Juni bekannt geben. An den Umsatzzielen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 (253 bis 255 Millionen US-Dollar) und das gesamte Geschäftsjahr 2027 (1,099 bis 1,118 Milliarden US-Dollar) halte man dabei fest. Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete GitLab einen Umsatz von 260,4 Millionen US-Dollar [4], was einem Anstieg von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
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Die Schweizer Armee hat Palantirs Überwachungssoftware aus Grundrechts- und Souveränitätsgründen abgelehnt. Palantir verklagt daraufhin Journalisten.
Eigentlich schien es zunächst gar keine Geschichte zu sein: Die Schweizer Tech-Journalistin Adrienne Fichter vom Magazin Republik hat gemeinsam mit Kollegen in einer aufwendigen Recherche fast 60 Transparenz-Anfragen an Schweizer Behörden gestellt. „Wir wollten wissen, welche Bundesbehörden die Software von Palantir nutzen“, sagt Fichter im c't-Podcast „They Talk Tech“ mit Svea Eckert und Eva Wolfangel. [1]
Das Ergebnis: Null. Der Bund arbeitet bislang nicht mit Palantir zusammen. Doch die Anfragen führten zu etwas Erhellenden: [2] einem internen Evaluationsbericht des Schweizer Armeestabs, der Palantirs Software eingehend bewertet. Der kam unter anderem zum Schluss, dass es Probleme mit den Grundrechten geben könnte und entschied sich dagegen.
Das US-Softwareunternehmen Palantir Technologies ist in Europa allgegenwärtig. In Deutschland, Großbritannien und anderen Ländern kooperiert der Datenanalyseanbieter mit Behörden, Armee und Geheimdiensten. Die Frage, ob diese Zusammenarbeit mit demokratischen Grundrechten vereinbar ist, wird selten so klar beantwortet wie in der Schweiz. Und noch seltener zieht eine solche Antwort rechtliche Konsequenzen für diejenigen nach sich, die darüber berichten.
Die Software liefere faszinierende Ergebnisse, sei in der Visualisierung von Bewegungen von Zielpersonen und der Auswertung unstrukturierter Daten europäischen Alternativen überlegen, so der Bericht. Die Fachleute in der Armee sprachen trotzdem eine klare Empfehlung aus: nicht beschaffen. Neben der Grundrechtsproblematik bemängelten sie die mangelnde Kontrollierbarkeit der Software und die Sorge, dass sensible Daten in US-Rechenzentren abfließen könnten. „Wenn wir das nicht selber testen können, können wir das für unproblematische Datenflüsse benutzen, aber nicht für die sensiblen“, fasst Fichter die Haltung der Armee zusammen.
Die Recherche schlug weit über die Schweiz hinaus Wellen. Der Guardian berichtete unter anderem, und im britischen Unterhaus [4] befragten Abgeordnete die Regierung, warum sie die Zusammenarbeit mit Palantir ausbauen wolle, wenn die Schweizer Armee Bedenken angemeldet habe. Auch in Deutschland habe der Bericht zu Fragen geführt, hat Fichter erfahren. „Es hat Palantir in einer empfindlichen Phase getroffen“, sagt Fichter, „weil sie offenbar Mühe haben, in Europa zu expandieren.“ Das Unternehmen kämpfe darum, in Europa als Erfolgsgeschichte dazustehen, und ein Nein der Schweizer Armee passt nicht in dieses Bild.
Insbesondere, da die Republik auch aufdecken konnte, wie sehr Palantir sich bemüht hat: Über sieben Jahre hinweg habe der Konzern immer wieder Kontakt gesucht zu Schweizer Behörden, „die haben eigentlich permanent versucht, irgendwie bei irgendeinem Bundesamt reinzukommen.“
Gerade weil es keine Enthüllungsgeschichte war, sondern eine Geschichte des Versagens, traf es den Konzern. „Dieses Narrativ des Versagens, das wollten sie bekämpfen.“ Palantirs juristische Reaktion kam Ende Dezember 2025, die Klage läuft noch. Eine Anwaltskanzlei forderte eine Gegendarstellung, weitere Schriftsätze folgten. „Unser Anwalt sagt, das ist American Style“, berichtet Fichter: viele absurde Punkte, die den Journalistinnen Zeit raubten für weitere Recherchen. Selbst Fichters LinkedIn-Posts habe die Kanzlei ausgewertet, um zu belegen, dass die Journalistin nicht objektiv sei.
Die inhaltlichen Forderungen seien kaum ernst zu nehmen, sagt sie: Man dürfe nicht das Wort „Verkaufskampagne“ verwenden, einen Firmensprecher nicht als Mediensprecher bezeichnen, Guardian-Artikel nicht als Quelle zitieren. Das Vorgehen habe "Slap-Charakter", eine strategische Klage, die einschüchtern und von weiterer Arbeit abhalten soll.
Palantir hat sich mit der Klage keinen Gefallen getan. Schließlich wurde der Fakt, dass die Schweiz die Software wegen der Grundrechte und der Intransparenz ablehnt, erst dadurch international diskutiert.
Svea Eckert und Eva Wolfangel besprechen in der aktuellen Folge außerdem den Social-Engineering-Angriff, über den Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und weitere Abgeordnete ihre Signal-Accounts verloren haben: wie Angreifer legitime Verifikationscodes abgreifen, um fremde Geräte an bestehende Konten zu koppeln – und warum Signal selbst dabei nicht gehackt wurde.
Umweltschützer klagen, dennoch stellt xAI bei Memphis neue Generatoren auf. Sie abzuschalten würde die US-Regierung laut xAI KI-Tools kosten.
Bereits beim hier zu sehenden Colossus 1 setzte xAI massiv auf mobile Gasgeneratoren.Bild:
x.AI
Gegen die beiden Colossus-Rechenzentren von xAI in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee gibt es seit längerem öffentlichen Widerstand. Der Grund ist, dass beide Rechenzentren, von denen eines mittlerweile an Anthropic vermietet wird, hauptsächlich von mobilen Gaskraftwerken mit Strom versorgt werden. Wie das Magazin Wired berichtet, sind für Colossus 2 aktuell mehr Generatoren installiert, als xAI genehmigt bekommen hat.
So erhielt das Unternehmen, das mittlerweile Teil von SpaceX ist, im März 2026 eine Genehmigung für den Betrieb von 41 Gasturbinen zur Stromerzeugung. Installiert sind aktuell allerdings 46, wie aus E-Mails der Umweltbehörde hervorgeht.
Gegen die Genehmigung zum Betrieb der 41 Generatoren legte die Umweltschutzgruppe Southern Environmental Law Center (Selc) im April 2026 Widerspruch ein. Die Genehmigung ist nach Ansicht der Umweltschützer ungültig: Modellierungen der Schadstoffbelastung seien fehlerhaft. Zudem seien Anforderungen des Clean Air Act nicht erfüllt.
Umweltschützer fordern Abschaltung
Das Selc kritisiert den Betrieb des privaten Gaskraftwerks, dessen Gesamtleistung bei rund 700 MW liegen soll, aufgrund hoher Emissionen von Stickoxiden, Feinstaub, Kohlenmonoxid und Formaldehyd. Anwohner des Colossus-2-Kraftwerks klagen zudem über Lärmbelastung.
Aufgrund des nach Ansicht des Selc ungenehmigten Betriebs reichte die Gruppe Mitte April 2026 Klage gegen xAI sowie dessen Infrastrukturpartner Mzx Tech ein. Im Rahmen dessen wurde eine Abschaltung der Generatoren gefordert. In einer Reaktion auf die Vorwürfe teilte xAI laut Wired mit, das Kraftwerk sei "essentiell von den Betrieb modernster, von der US-Regierung und Millionen Nutzern weltweit verwendeter KI- und anderer Software-Tools".
Mobil oder stationär?
Die laxe Regulierung rechtfertigte die Umweltbehörde des US-Bundesstaats Mississippi lange mit der Ansicht, im Fall von xAI sei keine Genehmigung erforderlich. Begründet wurde dies damit, dass die von xAI genutzten Generatoren als mobile Einheiten und nicht als stationäres Kraftwerk anzusehen seien. Dem widersprach allerdings die US-Umweltbehörde. Im nachfolgenden Genehmigungsprozess hob sie ebenfalls Mängel in der Modellierung des Schadstoffausstoßes hervor. Allerdings hatte die Umweltbehörde von Mississippi Druck gemacht, das Verfahren schnell abzuschließen.
Anders als bei Colossus 1 sind bei Colossus 2 Rechenzentrum und Kraftwerk getrennt – nicht nur räumlich, sondern durch eine Bundesstaatengrenze. Colossus 2 steht in Tennessee, das Kraftwerk hingegen in Mississippi.
Ein deutscher Tech-Millionär spannt ein populistisches Netzwerk und will die öffentliche Meinung von rechtsaußen beeinflussen.
Frank Gotthardt ist Gründer der Compugroup Medical (CGM).Bild:
Reuters
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Mit Medizinsoftware wurde er zum Multimillionär. Nun, da sein Sohn das operative Geschäft bei Compugroup Medical (CGM) übernommen hat, kümmert sich der Unternehmer Frank Gotthardt offenbar um andere Fragen: Wie kann man die öffentliche Meinung am besten vom rechten Rand aus beeinflussen? Welche Mediennetzwerke braucht es dafür? Und wie nützlich sind hierbei (ehemalige) Politiker aus konservativen Kreisen?
Gotthardt, dessen Softwareunternehmen im Jahr 1979 gegründet wurde, wird heute von Beobachtern als "enttäuschter" CDU-Anhänger beschrieben. Zwar war er selbst nie Mitglied in der Partei, zeigte aber stets eine besondere Nähe, etwa in unterschiedlichen Funktionen beim Wirtschaftsrat der CDU, einer CDU-nahen Lobbyvereinigung.
Als Jens Spahn Gesundheitsminister war, soll Gotthardts IT-Firma zudem von politischen Weichenstellungen profitiert haben. Auch wenn Spahn immer wieder betonte, dass es in seiner Zeit als Minister zwar beruflichen Kontakt gegeben, er sich ansonsten aber nach außen von Gotthardt abzugrenzen versucht habe, haben sich die Wege der beiden erstaunlich oft gekreuzt.
Rechtes Weltbild
Gotthardt, der noch im Wahlkampf 2025 sowohl die CDU als auch die FDP mit mehreren Hunderttausend Euro Spenden unterstützte, sieht die "Mitte nach links gerückt", wie er sagte. Deshalb pumpt er Millionen in das rechtspopulistische Portal Nius und versucht darüber einen Kulturkampf zu führen, wie man ihn zunächst vor allem aus den USA und von dortigen libertären Techbros kannte. Öffentliche Auftritte des Unternehmers sind eher selten.
Geführt wird Nius von Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt, der weit in die rechte Szene abgedriftet ist und mit dem Portal auch nicht davor zurückschreckt, aggressive Kampagnen gegen einzelne Personen zu fahren oder falsche Informationen zu verbreiten. Dabei hat die Plattform schon Verfahren vor Gerichten aufgrund der Verbreitung von Unwahrheiten verloren.
Österreich-Connection
Für den IT-Millionär Gotthardt scheint das alles kein Problem zu sein, sein Geld fließt weiterhin zu Nius. Vorbild seiner Medienoffensive ist offenbar unter anderem das Agieren von Fox News und dessen Unterstützung von Donald Trump. Und wie den meisten radikalisierten Techbros aus den USA ist auch dem Compugroup-Gründer der Einfluss im eigenen Land nicht genug.
Entsprechend ist Gotthardt vor rund zwei Jahren mit der Nius-Muttergesellschaft Vius auch in das österreichische Portal Exxpress eingestiegen. Exxpress macht im Grunde das Gleiche wie Nius und bedient eine ähnliche Klientel im rechten Meinungsspektrum.
Gegründet wurde die Plattform von der österreichischen Unternehmerin Eva Schütz. Sie steht der ÖVP sowie dem österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz nahe. Ihr Ehemann, Alexander Schütz, ist zudem Großspender der ÖVP. Aber auch zur FPÖ und sogar zu den rechtsextremen Identitären pflegt das Portal mittlerweile eine gewisse Nähe.
Über Kurz, der seit seinem Ausscheiden aus der Politik ebenfalls als Unternehmer im IT-Bereich tätig ist und unter anderem gute Kontakte zu Peter Thiel pflegt, spannt sich das rechtspopulistische Netzwerk wiederum bis in die USA. Auch zwischen Spahn und Kurz soll es eine Art Freundschaft geben, die wohl nach wie vor besteht.
Und noch eine Verbindung gibt es zwischen Gotthardt und einem ehemaligen konservativen Politiker aus Österreich. In Venedig baut der Tech-Millionär unter dem Namen Mare so etwas wie einen E-Health-KI-Technologiepark auf. Managing Director dort ist Gernot Blümel, der unter der Regierung von Kurz Finanzminister war und sich im Zuge der Inseratencausa und Kurz' Rücktritt ebenfalls von seinem Amt zurückzog.
Was aus dem Projekt Mare genau werden soll, ist noch offen. Auf der Website gibt es derzeit wenig anderes als glatt formulierte Marketingsätze, die eine diffuse Zukunftsvision vermitteln sollen. Die Annahme liegt nahe, dass sie von KI geschrieben sind.
Claudia Zettel ist Wissenschafts- und Tech-Journalistin mit rund 20 Jahren Erfahrung in diesen Bereichen. Außerdem liegen ihre Schwerpunkte auf gesellschaftspolitischen Zusammenhängen und feministischen Themen. Zuletzt war sie zehn Jahre als Chefredakteurin des österreichischen Technologie-Mediums futurezone.at tätig. Zettel lebt in Wien.
Der Tech-Bro-Watchblog erscheint bei Golem Plus, weil ... ... er die Verflechtungen zwischen Tech-Wirtschaft, politischer Macht und Ideologie aufzeigt – durch Recherche, Kontextualisierung und Einordnung wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen.
Drei von vier Führungskräften sind enttäuscht von ihren KI-Investitionen – und die Geduld schwindet rapide.
Das war wohl nichts mit KI als Heilsbringer für alles.Bild:
KI-generiert mit OpenAI Image 2.0
Die anfängliche Aufbruchsstimmung rund um künstliche Intelligenz weicht in vielen Unternehmen der Ernüchterung. Laut dem aktuellen AI at Work Report 2026 des HR-Technologieanbieters G-P gaben 73 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass ihre KI-Investitionen im vergangenen Jahr zumindest teilweise hinter den Erwartungen zurückblieben. Befragt wurden 2.850 Unternehmenschefs aus sechs Ländern, darunter aus Deutschland.
Weniger Risikobereitschaft, mehr Rechenschaftspflicht
Der Anteil der Unternehmen, die KI aggressiv zur Innovation einsetzen, sank von 60 auf 42 Prozent. Noch deutlicher ist das Signal auf der Budgetseite: Knapp 70 Prozent der Befragten sind bereit, ihre KI-Ausgaben zu kürzen, sollten die gesetzten Ziele bis Ende 2026 nicht erreicht werden.
Produktivitäts-Paranoia und versteckter Mehraufwand
Ein neues Phänomen beunruhigt die Führungskräfte: 88 Prozent der Befragten befürchten, Mitarbeiter könnten KI-Tools nutzen, um Produktivität nur vorzutäuschen und fast die Hälfte glaubt, dass dies bereits geschieht. Gleichzeitig berichten 69 Prozent, dass ihre Teams heute mehr Zeit damit verbringen, KI-Ergebnisse zu überprüfen und zu korrigieren als noch vor einem Jahr. Der erhoffte Effizienzgewinn droht damit durch versteckten Kontrollaufwand aufgefressen zu werden.
Menschliche Arbeit gerät unter Druck
Besorgniserregend: 82 Prozent der Führungskräfte räumen ein, dass KI ihren Blick auf menschliche Mitarbeiter verändert hat – und zwar negativ. Viele Arbeiten seien auch durch KI akzeptabel zu lösen, zu weniger Kosten und in deutlich geringerer Zeit. Das schmälert in den Augen der Führungskräfte den Wert menschlicher Arbeit. Die Autoren des Reports warnen, dass dieser Trend kontraproduktiv sein könnte, da menschliches Urteilsvermögen für den sinnvollen Einsatz von KI-Systemen nach wie vor unverzichtbar bleibt.
Strukturwandel statt Hype
Trotz aller Skepsis sehen 69 Prozent der HR-Verantwortlichen in den USA KI als dauerhaften strukturellen Wandel und nicht als vorübergehenden Trend. G-P-Chef Nat Natarajan empfiehlt Unternehmen, sich auf wenige, klar definierte Anwendungsfälle mit hoher Wirkung zu konzentrieren – statt KI flächendeckend und überall gleichzeitig einzuführen.