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Die freie Embedded-Datenbank LMDB hat Version 1.0 erreicht. Sie setzt auf Memory Mapping und MVCC für schnelle, transaktionssichere Datenhaltung.
Die freie Embedded-Datenbank LMDB (Lightning Memory-Mapped Database) hat Version 1.0 erreicht. Mit dem ersten Major-Release dokumentieren die Entwickler die API und das Verhalten der Bibliothek neu und stellen eine aktualisierte Dokumentation bereit. Für bestehende Anwendungen gibt es einen eigenen Migrationsleitfaden von der 0.9-Serie.
LMDB ist eine in Anwendungen eingebettete Key/Value-Datenbankbibliothek für lokale Datenhaltung. Sie richtet sich an Entwickler, die eine transaktionssichere Datenbank ohne separaten Serverprozess benötigen, etwa für Verzeichnisdienste, Caches oder Metadaten. Anders als klassische Datenbanksysteme lädt LMDB Daten nicht in einen eigenen Puffer-Cache, sondern bildet die komplette Datenbank per Memory Mapping in den virtuellen Adressraum des Prozesses ab. Lesezugriffe erfolgen dadurch direkt auf die gemappten Speicherbereiche, ohne zusätzliche Speicherallokationen oder Kopieroperationen.
Das Grundprinzip von LMDB bleibt auch mit Version 1.0 unverändert. Die Bibliothek verwendet einen B-Baum als Datenstruktur und überlässt das Caching vollständig dem Betriebssystem. Da Datensätze direkt aus dem Speicherabbild gelesen werden, entfallen Zwischenschritte wie malloc() oder memcpy() beim Auslesen von Daten. Das reduziert den Verwaltungsaufwand und kann insbesondere bei leseintensiven Workloads die Leistung steigern. Grundlage dafür ist die Memory-Mapping-Funktion des Betriebssystems, bei der Dateiinhalte transparent in den virtuellen Speicher eingeblendet werden.
Auch das Transaktionsmodell bleibt erhalten. LMDB bietet ACID-Eigenschaften und setzt auf Multi-Version Concurrency Control (MVCC). Neue Daten werden per Copy-on-Write geschrieben, sodass bereits vorhandene Seiten niemals überschrieben werden. Ein Leser sieht dadurch stets einen konsistenten Datenbestand, während Schreibvorgänge parallel vorbereitet werden können. Ein typisches Beispiel ist ein Dienst, der kontinuierlich Konfigurationsdaten ausliest, während ein Verwaltungswerkzeug Änderungen schreibt: Leser arbeiten ohne Sperren weiter und werden durch den Schreibvorgang nicht blockiert.
Das Nebenläufigkeitsmodell von LMDB unterscheidet sich von vielen anderen Datenbanken. Beliebig viele Prozesse oder Threads können gleichzeitig lesen, Schreibtransaktionen werden dagegen vollständig serialisiert. Zu jedem Zeitpunkt darf nur eine Schreibtransaktion aktiv sein. Dadurch schließt das System Deadlocks zwischen konkurrierenden Schreibern aus. Leser blockieren Schreiber nicht, ebenso wenig müssen Leser auf laufende Schreibvorgänge warten.
Die Entwickler verzichten außerdem bewusst auf ein Write-Ahead-Log oder ein Append-only-Protokoll. Statt regelmäßig Logdateien zusammenzuführen oder Datenbanken zu komprimieren, verwaltet LMDB freie Seiten innerhalb der Datenbank selbst und verwendet sie für spätere Schreibvorgänge erneut. Dadurch wächst die Datenbank im Normalbetrieb nicht unbegrenzt an, wie es bei logbasierten Verfahren ohne Wartung passieren kann.
Die Release-Notes auf GitHub [1] sowie die Dokumentation [2] weisen auf einige Einschränkungen hin: Lange laufende Lesetransaktionen können verhindern, dass bereits freigegebene Seiten wiederverwendet werden. Dadurch kann die Datenbankdatei unnötig anwachsen. Entwickler sollten deshalb lang andauernde Transaktionen vermeiden und abgebrochene Prozesse regelmäßig auf verwaiste Reader-Einträge prüfen. Dafür stehen unter anderem die Funktion mdb_reader_check sowie das Werkzeug mdb_stat zur Verfügung.
Nicht empfohlen wird außerdem der Einsatz auf Netzwerkdateisystemen. Da LMDB auf Memory Mapping sowie Dateisperren des Betriebssystems setzt, können dort Synchronisationsprobleme auftreten. Auch das gleichzeitige mehrfache Öffnen derselben Datenbank innerhalb eines Prozesses gilt laut Dokumentation als problematisch.
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Podman 6.0.0 bringt einen modernisierten Netzwerk-Stack, Verbesserungen für Podman Machine und Quadlet sowie mehr Docker-Kompatibilität.
Podman 6.0.0 ist da: Das Open-Source-Projekt packt eine grundlegende Modernisierung des Netzwerk-Stacks an, bringt Verbesserungen für Podman Machine und Quadlet sowie Änderungen an der Konfigurationsverwaltung. Außerdem soll die Software Docker-kompatibler werden, um bestehende Workflows einfacher zu übernehmen. Hinzu kommen allerdings auch Breaking Changes: Die Unterstützung für Intel-Mac-Systeme, Windows 10, cgroups v1 und CNI-Networking wurde eingestellt; BoltDB-Datenbanken werden beim ersten Start automatisch zu SQLite migriert.
Podman ist eine Container-Engine für Linux, macOS und Windows. Anders als Docker benötigt Podman keinen dauerhaft laufenden Daemon. Container lassen sich direkt über Prozesse des Betriebssystems verwalten. Das vereinfacht unter anderem Rootless-Betrieb und die Integration in bestehende Linux-Systeme. Viele Docker-Befehle und Container-Images funktionieren auch mit Podman, was den Umstieg erleichtert.
Die wichtigste technische Änderung betrifft das Netzwerk. Das Projekt ersetzt mehrere ältere Komponenten mit Version 6.0.0 vollständig durch modernere Alternativen. Konkret entfernt Podman in Version 6.0.0 den Support für slirp4netns und iptables vollständig zugunsten von Netavark, Pasta und nftables.
Netavark ist das von Podman entwickelte Netzwerk-Backend für Container. Es übernimmt unter anderem die Konfiguration virtueller Netzwerke und Firewall-Regeln. Nftables [1] ist der Nachfolger von iptables im Linux-Kernel und gilt als flexibler und einfacher zu warten. Pasta (Pack A Subtle Tap Abstraction) verbindet Rootless-Container direkt mit dem Netzwerk des Hosts und soll dabei gegenüber älteren Verfahren Leistungs- und Kompatibilitätsvorteile bieten.
Neu hinzu kommt eine experimentelle Unterstützung für Pesto beim Rootless-Port-Forwarding. Die Funktion soll bei Rootless-Containern in benutzerdefinierten Netzwerken die ursprüngliche Quell-IP-Adresse erhalten. Das ist beispielsweise für Webserver oder Reverse Proxies relevant, die Zugriffe anhand der Client-IP protokollieren oder Zugriffsregeln darauf anwenden.
Auch Podman Machine erhält zahlreiche Erweiterungen. Die Komponente stellt virtuelle Maschinen bereit, in denen Podman auf Plattformen wie macOS oder Windows läuft.
Podman Machine soll den Umgang mit unterschiedlichen Virtualisierungs-Backends vereinfachen. Die podman machine-Befehle können nun virtuelle Maschinen verschiedener Provider verwalten, ohne dass Anwender zuvor den aktiven Provider wechseln müssen. Außerdem führt das Projekt den neuen Befehl podman machine os update ein. Damit lässt sich das Betriebssystem einer Podman-Machine aktualisieren, ohne die virtuelle Umgebung neu aufsetzen zu müssen. Weitere Änderungen kündigen die Entwickler für separate Beiträge an.
Quadlet, das Container über systemd-Unit-Dateien verwaltet, wurde ebenfalls umfassend überarbeitet. Neu sind unter anderem Unterstützung für die REST-API, eine verbesserte Nachverfolgung zugehöriger Dateien sowie erweiterte Funktionen für .volume-Units. Zusätzlich durchsucht Quadlet weitere Verzeichnisse, was die Paketierung und Verteilung erleichtern soll.
Auch die Verwaltung von Konfigurationsdateien wurde überarbeitet. Die Entwickler versprechen insbesondere für Mehrbenutzerumgebungen ein robusteres und besser vorhersehbares Verhalten. Details zu den Änderungen haben sie in einem separaten Blogbeitrag beschrieben.
Schließlich arbeitet das Projekt weiter an der Kompatibilität zu Docker. Dazu aktualisiert Podman seine Unterstützung der Docker-API und passt die Ausgabe verschiedener Befehle an das Verhalten von Docker an. Dadurch sollen Anwendungen und Automatisierungen, die ursprünglich für Docker entwickelt wurden, mit weniger Anpassungen unter Podman funktionieren.
Podman 6.0.0 steht bereits auf GitHub [2] bereit und soll nach Angaben des Projekts [3] in Kürze über die Paketquellen der verschiedenen Linux-Distributionen verfügbar werden.
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MongoDB stellt seine Volltext- und Vektorsuche für selbst verwaltete Installationen bereit, auch in der Community Edition.
MongoDB stellt seine Volltextsuche und Vektorsuche nun allgemein für selbst verwaltete Installationen bereit. Die Funktionen sind sowohl für MongoDB Enterprise Advanced als auch für die Community Edition verfügbar. Entwickler können damit Suchabfragen, semantische Suche und hybride Suchverfahren direkt in ihrer Datenbank nutzen, ohne eine separate Suchplattform mit eigener Datensynchronisation betreiben zu müssen.
MongoDB ist eine dokumentenorientierte NoSQL-Datenbank, die JSON-ähnliche BSON-Dokumente speichert. Sie wird häufig für Anwendungen mit flexiblen Datenmodellen eingesetzt und ist sowohl als Cloud-Dienst MongoDB Atlas als auch für den Eigenbetrieb erhältlich. Bislang standen einige der erweiterten Suchfunktionen vor allem in Atlas zur Verfügung.
Laut der Ankündigung [1] erreichen die Suchfunktionen in selbst verwalteten Umgebungen nun Funktionsparität mit MongoDB Atlas. Unterstützt werden unter anderem die Aggregationsstufen $search, $searchMeta, $vectorSearch, $rankFusion und $scoreFusion. Dadurch lassen sich klassische Volltextsuche und semantische Vektorsuche in einer gemeinsamen Abfrage kombinieren.
Während die Volltextsuche Dokumente anhand von Schlüsselwörtern und sprachabhängigen Merkmalen durchsucht, vergleicht die Vektorsuche numerische Repräsentationen von Inhalten, sogenannte Embeddings. Dadurch lassen sich auch inhaltlich ähnliche Dokumente finden, selbst wenn sie andere Begriffe verwenden. Eine hybride Suche verbindet beide Verfahren und kann so sowohl exakte Treffer als auch semantisch passende Ergebnisse liefern. Solche Ansätze kommen unter anderem in RAG-Systemen (Retrieval-Augmented Generation) zum Einsatz, bei denen Sprachmodelle externe Wissensquellen in ihre Antworten einbeziehen.
MongoDB integriert außerdem eine automatische Erzeugung von Embeddings auf Basis der Modelle von Voyage AI. Entwickler müssen die Vektoren damit nicht mehr selbst außerhalb der Datenbank erzeugen und synchronisieren. Laut MongoDB erfolgt die automatische Embedding-Erstellung derzeit über einen von MongoDB gehosteten Dienst von Voyage AI. Zusätzlich stehen sogenannte Reranker zur Verfügung, die Suchergebnisse nachträglich neu bewerten und in eine relevantere Reihenfolge bringen sollen.
Der Anbieter sieht die Neuerungen vor allem als Baustein für KI-Anwendungen wie Chatbots, Empfehlungssysteme oder KI-Agenten. Statt Daten zwischen Datenbank, Suchmaschine und Vektor-Datenbank zu replizieren, sollen sich Such- und KI-Workloads innerhalb derselben Plattform umsetzen lassen. Die Suchtechnologie basiert dabei auf Apache Lucene.
In der Community Edition stehen Such- und Vektorsuche ab MongoDB 8.2 ohne zusätzliche Lizenzkosten unter der Server Side Public License [2] (SSPL) zur Verfügung. Die Funktionen laufen in einem separaten Prozess namens mongot, der parallel zum eigentlichen Datenbankprozess mongod betrieben wird. MongoDB hat den Quellcode von mongot nach eigenen Angaben ebenfalls unter der SSPL veröffentlicht.
Für Enterprise-Kunden werden die Suchfunktionen als kostenpflichtige Erweiterung von MongoDB Enterprise Advanced angeboten. Für Kubernetes-basierte Installationen erfolgt die Bereitstellung über MongoDB Controllers for Kubernetes (MCK), sodass sich Such- und Vektorsuche in Kubernetes-basierte On-Premises-, Private-Cloud- oder Hybrid-Cloud-Umgebungen integrieren lassen. Nach Angaben des Herstellers richtet sich das Angebot insbesondere an Unternehmen mit regulatorischen Anforderungen oder isolierten Infrastrukturen, die KI-Anwendungen vollständig unter eigener Kontrolle betreiben möchten.
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Seine acht beleuchteten LCD-Tasten lassen sich über die kostenlose Stream-Deck-Software ganz einfach per Drag-and-Drop konfigurieren. Dabei kann jede Taste mit speziellen Funktionen und den dazu passenden Symbolen belegt werden. So lassen sich Mikrofon und Kamera im Meeting per Tastendruck ein- und ausschalten oder häufig verwendete Textbausteine und Formeln mit nur einem Fingertipp in Office-Dokumente einfügen.
Neben einzelnen Befehlen lassen sich den Tasten auch komplexe Makros zuweisen, mit denen mehrere Aktionen gleichzeitig oder in einer festgelegten Reihenfolge ausgeführt werden. Vor allem in komplexen Bild- und Videobearbeitungs-Tools kann dies einen großen Zeitvorteil bringen, aber auch Office-Nutzer profitieren davon, wenn beispielsweise zu Arbeitsbeginn alle benötigten Dateien und Programme mit nur einer Aktion automatisch geöffnet werden.
Viele Standardfunktionen sind in der Software bereits vorkonfiguriert und können sofort genutzt werden. Zusätzliche Optionen finden sich im Elgato-Marketplace, wo zahlreiche Erweiterungen und Plugins für unterschiedlichste Programme und Onlinedienste erhältlich sind.
Um den Überblick über alle Tastenfunktionen zu behalten, lässt sich für jede Software ein separates Profil mit eigenem Tastenlayout einrichten. Beim Wechsel der Software schaltet das Elgato Stream Neo automatisch zum zugehörigen Profil um. Darüber hinaus können Nutzer mithilfe der beiden Touchpoints durch die Layouts blättern. Eine Infobar zeigt die aktuelle Seite und die Uhrzeit an.
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Autonome KI-Werkzeuge sind in deutschen Unternehmen inzwischen weit verbreitet, doch die Implementierung von Schutzmaßnahmen hinkt der technologischen Entwicklung hinterher. Einer Untersuchung von Knowbe4 zufolge, setzen bereits 62 Prozent der befragten deutschen Unternehmen autonome KI-Agenten ein, die eigenständig Maßnahmen innerhalb von Arbeitsabläufen ergreifen können.
Ein wesentlicher Risikofaktor ist dabei das Fehlen einer formalen Governance. Laut der Studie geben 48 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass die KI-Nutzung in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich nicht offiziell genehmigt oder geregelt ist. Diese Form der Schatten-KI führt dazu, dass sensible Unternehmensdaten ohne direkte Aufsicht verarbeitet werden.
Neben der technologischen Komponente bleibt der Mensch ein kritischer Faktor in der Cybersicherheit. Die Studie verdeutlicht, dass 64 Prozent der Beschäftigten angeben, dass sie aufgrund von Zeitdruck, kognitiver Überlastung und alltäglichen Ablenkungen dazu veranlasst werden, Abstriche bei Sicherheitsvorkehrungen zu machen. Dies geschieht nach Angaben der Mitarbeiter, obwohl sie die geltenden Sicherheitsprotokolle kennen.
Zudem stellt die Verbreitung von Deepfakes die Belegschaft vor neue Herausforderungen. 87 Prozent der deutschen Beschäftigten halten Deepfake-Stimmen und -Videos für mittlerweile so realistisch, dass eine verlässliche Identifizierung des Absenders erschwert wird. Mehr als die Hälfte der Befragten räumt ein, dass sie im Arbeitsalltag anfällig für einen durch Deepfakes induzierten Betrug sein könnten.
Die Ergebnisse sollen unterstreichen, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Unternehmen, die Cybersicherheit als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur etablieren, erreichen nach Angaben von KnowBe4 bessere Ergebnisse. Dies beinhaltet die Schaffung eines Arbeitsumfelds, in dem sich Beschäftigte sicher genug fühlen, um Fehler zu melden, anstatt diese zu verbergen. Der Bericht betont die Notwendigkeit, eine Security-First-Denkweise konsequent sowohl auf menschliche Akteure als auch auf KI-Agenten auszuweiten.
Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass KnowBe4 selbst Sicherheitslösungen vertreibt, unter anderem zum Schutz vor den in der Studie beschriebenen Risiken – ein Umstand, der den Deutungsrahmen der Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Zudem basiert die deutsche Teilstichprobe mit rund 250 Befragten auf einer vergleichsweise kleinen Datenbasis, was die statistische Aussagekraft einzelner Prozentwerte einschränkt. Die Studie von Vanson Bourne basiert auf einer weltweiten Umfrage unter 4.000 Fachkräften, darunter lediglich 250 Befragte aus Deutschland.
Uranus und Neptun, die am wenigsten erforschten Planeten unseres Sonnensystems, sind möglicherweise völlig anders aufgebaut als bislang angenommen. Ein Forschungsteam der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) hat im Juni 2026 eine neue Hypothese aufgestellt: Statt einer dicken Eisschicht aus Wasser, Ammoniak und Methan könnten die Himmelskörper gigantische, gut durchmischte Magmaozeane besitzen.
Das bisherige Bild der beiden Planeten basiert primär auf den Daten der Raumsonde Voyager 2, die Uranus 1986 und Neptun 1989 in kurzen Vorbeiflügen passierte.
Aufgrund der enormen Distanz zur Erde – Uranus ist mindestens 2,6 und Neptun 4,3 Milliarden Kilometer entfernt – gab es seither keine weiteren Missionen vor Ort. Neuere Daten stammen lediglich von Teleskopen.
Die Ergebnisse wurden auf dem Pre-Print-Server arxiv.org veröffentlicht und dem Fachjournal The Astrophysical Journal vorgelegt. Das UCLA-Forschungsteam zweifelt an dem traditionellen dreischichtigen Eisriesen-Modell, da sich die Planeten einst überwiegend aus Objekten des Kuipergürtels gebildet haben dürften – eine Region, die vor allem aus Gestein und nicht aus Eis besteht. Die Wissenschaftler simulierten daher alternative innere Prozesse.
Das plausibelste Modell zeigt demnach folgendes Bild: Unter der bekannten Wasserstoff-Helium-Atmosphäre liegt eine komplexe Grenzschicht aus Wasserstoff, Helium, Magnesium, Siliziummonoxid und Sauerstoff. Darunter folgt ein Magmaozean aus Silikat, Eisen und Wasserstoff.
Wegen des extremen Drucks im tiefen Inneren löst sich der Wasserstoff im flüssigen Gestein. Diese Durchmischung würde die planetare Dichte erklären, die bisher als Nachweis von Eis gewertet wird. Auch das Fehlen von Ammoniak in den Atmosphären lässt sich so begründen, da sich die Verbindung leicht in Magma löst.
Die Erkenntnisse sind auch für die Exoplanetenforschung relevant. Sie dienen als Analoga für gasförmige Sub-Neptune – die häufigste Planetenart in unserer Galaxie, über deren Entstehung noch wenig bekannt ist.
Ob die Magmaozean-Hypothese zutrifft, bleibt mangels neuer Raumfahrtmissionen vorerst ungeprüft. Das traditionelle Modell der Eisriesen gerät damit jedoch weiter ins Wanken. Erst im vergangenen Jahr wurde vorgeschlagen, dass Uranus und Neptun möglicherweise Gesteinsplaneten sind.
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Apple-Chef Tim Cook hat mit der EU-Kommission über die Einführung von Siri AI in Europa gesprochen. Ein konkretes Ergebnis steht jedoch noch aus.
Die gute Nachricht ist: Apple und die EU-Kommission sprechen (noch) miteinander. Und das sogar auf höchster Ebene. Apple [1]-CEO Tim Cook sprach jetzt laut einem Bericht der Financial Times mit EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen über die Frage, wie Apples KI-unterstützte Sprachassistenz Siri AI auf dem iPhone und iPad auch für EU-Bürger freigeschaltet werden kann. Ein EU-Sprecher nannte den Austausch „konstruktiv“ – ein konkretes Ergebnis wurde allerdings nicht bekannt. Es soll weitere Gespräche geben.
Apple hatte auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni angekündigt, auf eine Veröffentlichung von Siri auf iPhone und iPad für seine Kunden in der EU vorerst zu verzichten. Der iPhone-Konzern fürchtet Strafen durch die EU-Kommission wegen des Gesetzes für digitale Märkte (DMA), das für einflussreiche Konzerne wie Apple besondere Regeln vorsieht: Sie müssen Mitbewerbern technisch gleichberechtigten Zugang zu ihren eigenen Funktionen ermöglichen. Dagegen sträubt sich Apple aber und begründet dies primär mit Sicherheitsgründen. DMA-Verstöße können mit Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Den Hintergrund des eskalierenden Streits und was er für iPhone-Nutzer in der EU bedeutet, beleuchtet der Mac & i-Podcast zu Apple und der EU [2].
In den vergangenen Wochen wurde bekannt, dass Apple mit zweierlei Vorschlägen an die EU herangetreten ist. Da ist zunächst eine technische Lösung namens „Trusted OS Agent“ [3] im Gespräch. Es soll sich um eine Software-Zwischenschicht handeln, die zwischen KI-Systemen und System vermittelt und damit die Sicherheit gewährleistet. Es geht dabei unter anderem um den Zugriff auf personenbezogene Daten, ohne vollen Zugriff zu gewähren. Allerdings hat Apple diese Zwischenschicht noch gar nicht entwickelt und will damit auch erst beginnen, wenn die EU-Kommission die Idee als Lösung gutheißt.
Aus diesem Grunde ist Apple wohl auch mit der Bitte um einen zeitlichen Aufschub an die EU herangetreten. Das Unternehmen wollte laut Berichten eine Zusage, dass die Kommission Apple 18 Monate lang mit Siri AI von den Interoperabilitätspflichten des DMA befreit, um in dieser Zeit die Lösung zu bauen. Dagegen sträubt sich aber die EU. Aus Kommissionskreisen war zu hören, dass Apple mit seinem Lösungsvorschlag bislang im Ungefähren geblieben und es dem US-Konzern primär darum gegangen sei, erstmal einen Aufschub zu erhalten. Sie fürchtet, dass Apple erst einmal seinen eigenen Dienst in seinem Ökosystem etablieren will, bevor Wettbewerber überhaupt eine Chance zur Konkurrenz erhalten.
Apple selbst beteuert, an einer Eskalation gar nicht interessiert zu sein. Folglich sei das Zurückhalten von Siri AI in der EU auch keine „Bestrafung“, wie Marketingchef Greg Joswiak kürzlich zitiert wurde. Man habe versucht, das zu vermeiden. Europa machte knapp 27 Prozent von Apples Gesamtumsatz im vergangenen Geschäftsjahr aus. Die EU hätte Apples Vorschläge aber nicht akzeptiert oder sich nicht ernsthaft damit auseinandergesetzt. Die EU ließ über ihren Sprecher Thomas Regnier mitteilen, dass die Entscheidung, Siri AI zurückzuhalten, alleine bei Apple liege – nichts im DMA verbiete die Einführung neuer Produkte in die EU.
In der öffentlichen Wahrnehmung fallen die Reaktionen zwiegespalten aus. Während einige auf der Seite der EU-Kommission stehen und auf Mitbewerber Apples verweisen, die anscheinend geräuschloser mit den Vorgaben der EU klarkommen, soll es unzählige Mails und sogar Morddrohungen gegen EU-Mitarbeiter gegeben haben, berichtet die FT [4]. Nutzer beklagen in Foren, von neuer Technologie abgeschnitten zu werden.
Mit Siri AI soll Apples Sprachassistenz natürliche Sprache beherrschen und ähnlich wie ein KI-Chatbot agieren, der auch agentisch Aufgaben erledigen kann. Angekündigt hatte Apple das bereits vor zwei Jahren, nach Problemen mit dem ursprünglichen Ansatz aber die Veröffentlichung verschoben und die Software grundlegend überarbeitet. Jetzt stecken KI-Modelle von Google (Gemini) in Apples Neuauflage, die derzeit im Betatest ist und im Herbst erscheinen soll. Zumindest für Siri AI bleibt es aber vorerst dabei, dass die EU auf dem iPhone und iPad erstmal leer ausgeht. Auf dem Mac und Vision Pro soll Siri AI schon im Herbst in der EU verfügbar sein. Allerdings wird anfangs auch nur US-Englisch als Sprache unterstützt.
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Erneuerbare Energien sind bereits heute kostengünstiger als neue fossile Kraftwerke.
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Über 90 Prozent der 2025 gebauten Großanlagen für erneuerbare Energie waren günstiger als jede neue fossile Alternative.
Gaskraftwerke werden weltweit immer teurer, dafür sinken die Kosten für Wind und Solar weiter. Länder, die bisher auf den Import von fossilen Brennstoffen angewiesen waren, sparen dadurch Hunderte Milliarden Dollar.
Das zeigt der neue Kostenbericht der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA), den die Organisation zuletzt veröffentlichte [1]. Die Zahlen haben geopolitische Sprengkraft: Allein 2025 vermieden erneuerbare Anlagen weltweit geschätzte 480 Milliarden US-Dollar an fossilen Brennstoffkosten, die den Förderländern entsprechend nicht zuflossen.
Die Datengrundlage ist breit. IRENA wertet für den Bericht "Renewable Power Generation Costs in 2025" Auktionsergebnisse, Stromabnahmeverträge und Tarife realer Großprojekte weltweit aus.
Die zentrale Kennzahl ist der LCOE (Levelized Cost of Electricity), also die über die gesamte Lebensdauer diskontierten Vollkosten pro Megawattstunde. Im Ergebnis blieb Solar-PV 2025 bei 44 US-Dollar pro MWh stabil, Onshore-Wind sank um 4 Prozent auf 33 US-Dollar/MWh, Offshore-Wind um 3 Prozent auf 78 US-Dollar/MWh.
Auf der Gegenseite wird Strom aus fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas spürbar teurer. Hinzu kommt ein weltweiter Mangel an Gasturbinen – befeuert durch den Boom stromhungriger Rechenzentren und neue Backup-Kapazitäten –, der die Lieferzeiten auf bis zu vier Jahre verlängert hat.
In den USA verdoppelten sich die Investitionskosten für neue Kombikraftwerke nahezu. In Märkten mit hoher LNG-Importabhängigkeit wie Deutschland, Italien und Japan kletterte der LCOE neuer Gaskraftwerke auf fast 100 US-Dollar/MWh.
Neben teuren Turbinen treiben CO2-Preise, steigende Netzentgelte und höhere Finanzierungskosten die Vollkosten nach oben.
IRENA-Generaldirektor Francesco La Camera ordnete die Entwicklung ein: "Für Länder, die nach wie vor stark von fossilen Brennstoffen abhängig sind, stärkt jedes zusätzliche Megawatt aus erneuerbaren Energien den wirtschaftlichen Schutz vor Schwankungen der Brennstoffpreise". Der Ausbau sei eine "strategische Investition in Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit".
Wie belastbar dieser Puffer ist, zeigte sich Anfang 2026: Die Sperrung der Straße von Hormus ließ Gaspreise in Europa und Asien nach oben schießen. Europas Solarflotte federte den Preisschock spürbar ab [2]; allein durch das Merit-Order-Prinzip sparten PV-Anlagen laut Branchenverband SolarPower Europe täglich über 100 Millionen Euro an Gasimporten.
In Südostasien vermied der bestehende Bestand erneuerbarer Kraftwerke in Indonesien, Thailand und den Philippinen fossile Ausgaben von 5,7 Milliarden US-Dollar. Würde man der Rechnung Krisenpreis zugrundelegen, dann wären es 6,5 Milliarden.
Die Einsparungen verteilen sich erwartbar ungleich: China steht mit 177 Milliarden US-Dollar für rund die Hälfte, gefolgt von den USA mit 35 Milliarden, Brasilien mit 32 Milliarden sowie Deutschland und Indien mit je 18 Milliarden US-Dollar.
Seit 2010 sind die Kosten für Solar-PV um 89 Prozent gefallen, für Onshore-Wind um 71 Prozent.
Allerdings warnt IRENA: Die Investitionen in Clean-Tech-Fertigung haben sich von 70 Milliarden US-Dollar pro Quartal 2023 auf 35 Milliarden halbiert. Zölle und steigende Rohstoffpreise dürften kurzfristig Aufwärtsdruck erzeugen.
Für Deutschland beziffert der BSW-Solar die zwischen 2020 und 2025 durch Solarstrom vermiedenen Klimaschadenskosten [3] auf bis zu 250 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 deckten Erneuerbare bereits 58 Prozent des Stromverbrauchs [4].
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Chinas staatliche Eisenbahngesellschaft plant, Satelliten zur Steuerung seines Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes einzusetzen.
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Ingenieure der staatlichen CRSC wollen das Bahnnetz per LEO-Satellit lenken – doch die Cyberrisiken sind erheblich.
China hat das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt, doch es ist anfällig für Störungen. Der Grund dafür ist, dass es mit Tausenden Kilometern Kabel, mit Funkmasten und Signallampen gesteuert werden muss.
Wie anfällig es ist, zeigte sich 2011 auf tragische Weise. Ein Blitz schlug damals bei Wenzhou ein und störte die Signalanlage, sodass ein Zug für die Leitstelle komplett unsichtbar wurde. Die Folge war ein Unfall, bei dem 40 Menschen starben und fast 200 verletzt wurden. Konstruktionsfehler und Managementmängel trugen laut offizieller Untersuchung entscheidend dazu bei, dass der Blitzschlag solche Folgen haben konnte.
Damit sich ein solcher Fall nicht wiederholt, strebt jetzt ein Forscherteam der staatlichen CRSC Research and Design Institute Group an, das zentrale Nervensystem des Hochgeschwindigkeitsnetzes ins All zu verlegen. Darüber berichtete die [1] South China Morning Post (SCMP) kürzlich.
Wie das gelingen soll, hat das Team um den Ingenieur Shen Xiangyu in einer Studie beschrieben, die im Mai im Fachjournal Railway Signalling and Communication Engineering erschienen ist. Unter dem Titel "Cybersecurity Risk Analysis of Space-based Train Control System" beschreiben sie eine Architektur, in der Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit, LEO) als Relaisstationen dienen.
Jeder Zug meldet Position und Geschwindigkeit kontinuierlich an die Konstellation, die Daten fließen zur Bodenleitstelle und werden dort verarbeitet. Fahrfreigaben und andere Anweisungen kommen über denselben Weg, in entgegengesetzter Richtung, zurück.
Als entscheidender Vorteil dieses Systems wird genannt, dass die Kommunikation oberhalb des Wetters verläuft. Auch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdbeben können die Infrastruktur nicht zerstören.
So elegant die Idee auch klingt, so bietet sie Böswilligen neue Angriffspunkte. Hacker könnten etwa Satellitensignale fälschen (Spoofing), analysieren die CRSC-Forscher. So könnten sie den Zügen Anweisungen geben und neue Unfälle verursachen. Ebenso ließen sich Positionsmeldungen manipulieren, sodass die Leitstelle ein belegtes Gleis für frei hält .
Die Herausforderung ist, dass viele LEO-Satelliten bislang die Sicherheit nicht sonderlich priorisieren. Oder wie es die Autoren schreiben: "zuerst die Funktion, dann die Sicherheit".
Die Bordrechner der Satelliten bieten kaum Kapazität für komplexe Sicherheitssoftware, und Patches im Orbit einzuspielen bleibt ebenfalls eine Herausforderung.
So könnten Angreifer über einen Pufferüberlauf die Kontrolle über einen Satelliten übernehmen und böswillige Befehle an alle Züge in dessen Reichweite senden. Bodenstationen wiederum ließen sich über das Internet oder durch Insider kompromittieren [2], fasst Orbital Today die Ergebnisse zusammen .
Shens Team schlägt vor diesem Hintergrund eine mehrschichtige Verteidigung vor. Sämtliche Kommunikation zwischen Zug, Satellit und Bodenstation solle mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf Militärniveau abgesichert werden.
Firewalls und Intrusion-Detection-Systeme an Bord der Satelliten müssten zudem jeden Befehl ohne korrekte kryptografische Signatur herausfiltern.
Gleichzeitig soll sich das System nie auf eine einzige Datenquelle verlassen: Trägheitsnavigation an Bord, Gleisstromkreise und passive Balisen dienen als Gegenprobe.
Wirkt ein Satellitensignal verdächtig, wechselt der Zug automatisch in einen langsameren Betriebsmodus und bremst. Ein Trusted-Computing-Konzept soll zudem garantieren, dass jede Steuerungssoftware in einem unveränderten Zustand startet .
China exportiert Technik für Hochgeschwindigkeitszüge bereits nach Indonesien und Thailand, die 2023 eröffnete Strecke Jakarta–Bandung ist das bislang prominenteste Exportprojekt. Ein weltraumgestütztes Steuerungssystem könnte Teil dieses Pakets werden, besonders für die Regionen, in denen sich Kabel kaum verlegen lassen.
Doch jedes Gastland, das sein Bahnnetz an ein von China betriebenes Satellitensystem koppelt, gibt erhebliche Kontrolle über kritische Infrastruktur ab. Die Debatte ähnelt den bekannten Auseinandersetzungen um 5G-Netze und Cloud-Dienste.
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Fast wie Gedanken lesen
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Metas KI-Modell Brain2Qwerty rekonstruiert getippte Sätze aus EEG- und MEG-Hirnströmen – ohne Implantate. Die KI erreicht im Schnitt 61 Prozent Wortgenauigkeit.
Meta AI’s KI-Modell Brain2Qwerty v2, das getippte Sätze aus nicht-invasiv aufgezeichneten Hirnströmen rekonstruieren kann, hat nun eine Wortgenauigkeit von 61 Prozent erreicht. Damit kommt es der Genauigkeit von Gehirn-Implantaten immer näher.
Wie die begleitende Studie im Fachjournal Nature [1] zeigt, dekodiert das System aus Magnetoenzephalografie-Daten (MEG) mit einer durchschnittlichen Wortgenauigkeit von 61 Prozent; bei den besten Teilnehmenden sind es 78 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Sätze enthält dabei höchstens einen Wortfehler. Das ist sicherlich noch kein alltagstaugliches Ergebnis, aber ein guter Schritt auf dem Weg dahin.
Denn auf solchen Verfahren beruhen große Hoffnungen. Nach aktuellem Stand der Technik müssen für solche Anwendungen Implantate ins Gehirn gesetzt werden. Diese Geräte haben eine hohe Präzision. Ein prominentes Beispiel ist ein ALS-Patient, der ein implantiertes BCI fast zwei Jahre lang nahezu täglich zu Hause nutzte [2] – mit 256 Kontakten im Sprachmotorkortex, einer Kommunikationsgeschwindigkeit von 56 Wörtern pro Minute und über 99 Prozent Wortgenauigkeit bei einem Vokabular von 125.000 Wörtern. Solche Systeme erfordern allerdings neurochirurgische Eingriffe mit entsprechenden Risiken wie Hirnblutungen oder Infektionen. Beim Meta-System wäre das anders.
Ein praktisches Hindernis für den breiten Einsatz bleibt jedoch aktuell noch die MEG-Technologie selbst: Die Geräte benötigen magnetisch geschirmte Räume und sind stationär – für Consumer-Anwendungen oder den häuslichen Einsatz taugen sie vorerst nicht. Erst wenn günstigere Sensorik vergleichbare Signalqualität liefert, dürfte nicht-invasive Sprachdekodierung aus dem Labor in den Alltag gelangen.
Brain2Qwerty arbeitet als dreistufiges Deep-Learning-System. In der ersten Stufe extrahiert ein Modul Merkmale aus den EEG- oder MEG-Rohsignalen, anhand derer das Modell getippte Zeichen erkennen kann. Darauf aufbauend rekonstruiert ein Transformer-Modell die Zeichen- oder Wortfolge. In der dritten Stufe korrigiert ein vortrainiertes Sprachmodell die Roh-Ausgabe – analog zu Sprachmodellen, die bei automatischer Spracherkennung die Fehlerquote senken.
Für die Studie tippten 35 gesunde Probanden zuvor kurz memorierte Sätze auf einer QWERTY-Tastatur, während ihre Hirnaktivität per Elektroenzephalografie (EEG) oder MEG aufgezeichnet wurde. Visuelles Feedback beim Tippen gab es nicht – die Teilnehmer konnten also nicht sehen, welche Buchstaben sie eingaben.
Die Resultate auf der Grundlage von MEG-Messungen waren dabei deutlich besser als die auf EEG-Grundlage. Meta hat Code und Modelle von Brain2Qwerty als Open Source veröffentlicht [3].
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Doctolib zeigt gesetzlich Versicherten trotz Filtereinstellung weiter Selbstzahlertermine und Termine von Privatpraxen an. Das haben Recherchen der Verbraucherzentrale Bundesverband ergeben, die am 2. Juli 2026 vorgestellt wurden. Im Januar hatte das Landgericht Berlin nach einer Klage der Verbraucherzentrale entschieden, dass das Vorgehen von Doctolib irreführend ist, wenn trotz der Filtereinstellung "Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung anzeigen" auch Arzttermine von Privatpraxen auftauchen.
Doctolib hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Auf Nachfrage von Golem gab es aktuell noch keine Antwort. Zuvor erklärte der Betreiber: "Unsere Suchfunktion bildet das gesetzlich verankerte Wahlrecht der Patient*innen zutreffend ab und kann unserer Meinung nach nicht als irreführend eingestuft werden – dies alleine aufgrund der eindeutigen und mehrfach vorhandenen Hinweise."
Die Verbraucherzentrale überprüfte aktuell 349 Einträge von Terminarten aus 37 gynäkologischen und dermatologischen Praxen. Terminarten geben den medizinischen Anlass für einen Arzttermin an, etwa ein Hautkrebsscreening.
Trotz der Filtereinstellung "gesetzlich versichert" zeigte Doctolib auch Termine von Privatpraxen und Selbstzahlerleistungen an. Insgesamt wiesen mehr als ein Drittel der untersuchten Terminarten (144 von 349) auf eine erforderliche Selbstzahlung hin. Im Buchungsprozess wurde dabei teilweise erst sehr spät sichtbar, dass es sich um kostenpflichtige Angebote handelt. Bei 20 von 37 untersuchten Praxen wurde bei mindestens einer Terminart auf ein mögliches Ausfallhonorar hingewiesen.
Auch Recherchen von Golem ergaben, dass bei der Suche nach einer Therapie nur Termine buchbar waren, bei denen Patienten trotz einer ärztlichen Verordnung selbst zahlen mussten. Dies war bei der Buchung nicht ersichtlich und konnte erst online direkt mit den Ärzten und Psychotherapeuten geklärt werden.
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands sagte: "Der Gesetzgeber muss klare Vorgaben für Arztterminportale festlegen" Es gehe für die Menschen darum, an medizinische Versorgung zu kommen. "Der Zugang zu Arztterminen muss transparent gestaltet werden und darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Die Politik sollte auch sicherstellen, dass die Terminbuchung vor Ort und telefonisch erhalten bleibt", betonte Pop.
Viele Arztpraxen sind dazu übergegangen, telefonische Terminanfragen nicht mehr zu beantworten, und bieten stattdessen nur noch die Onlinebuchung bei Doctolib an. Das geplante Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) soll klare Regeln für digitale Terminbuchungsplattformen schaffen.
Eigentlich ist für die Arztsuche der kassenärztliche Bereitschaftsdienst mit der Nummer 116117 zuständig, der auch digital Termine vermittelt. Dieser Dienst ist aber kaum bekannt und online schwer auffindbar.
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Wenn der Akku unterwegs schwächelt, aber ein Projekt noch fertiggestellt werden muss oder die Runde im Lieblingsspiel noch lange nicht vorbei ist, hilft auch das beste Ladegerät nichts, wenn keine Steckdose in Reichweite ist. Für solche Momente ist es ratsam, immer eine Powerbank im Gepäck zu haben. Bei Amazon ist derzeit ein Modell von Ugreen günstig im Angebot, das mit hoher Leistung, großer Kompatibilität und einem ebenso großen Akku punktet.
Ugreens-Nexode-Powerbank kommt in einem schlichten grauen Gehäuse, misst 16 x 8,1 x 2,7 cm und wiegt 505 g. Sie ist mit insgesamt drei USB-Anschlüssen ausgestattet, zweimal USB-C, einmal USB-A, die gleichzeitig genutzt werden können. Ein eingebauter LED-Bildschirm im Gehäuse zeigt den Akkustand in Prozent an. Neben der Powerbank ist ein USB-C-Ladekabel im Lieferumfang enthalten.
Mit 145 W Spitzenleistung zählt Ugreens Nexode Powerbank zu den kräftigsten tragbaren Akkus auf dem Verbrauchermarkt. Sie ist dadurch mit nahezu allen tragbaren Geräten kompatibel, ob Smartphones, Laptops oder Handheldkonsolen. Wer es genau wissen möchte: Die 145 W Spitzenleistung können von einem der USB-C-Ports abgegeben werden. Der andere erreicht bis zu 65 W, der USB-A-Anschluss kommt auf bis zu 22,5 W. Die Ladeleistung pro Port variiert je nach Menge der angeschlossenen Geräte. Eine genaue Aufteilung finden Interessierte auf der Produktseite bei Amazon.
Passend zur hohen Leistung unterstützt die Ugreen-Nexode-Powerbank diverse Schnellladeprotokolle, darunter Power Delivery, Quick Charge, Samsung Programmable Power Supply oder Huaweis Supercharge-Protokoll. Das garantiert schnelles, effizientes Laden wie mit Originalnetzteilen: Laut Hersteller soll die Powerbank zum Beispiel ein 2022er Macbook Pro 14 Zoll in nur 30 Minuten von 0 auf 50 Prozent laden. Der Messwert bezieht sich auf den 145-W-Port, wenn er bei voller Leistung läuft.
Zur Kapazität. Die Ugreen-Nexode-Powerbank besitzt einen 25.000 mAh großen Lithium-Ionen-Akku. Die Powerbank soll einen Macbook Pro 14 Zoll 1,4-mal vollständig aufladen können, ein Samsung Galaxy S23 Ultra bis zu dreimal und ein iPhone 15 5,5-mal. Da der Akku die von Fluggesellschaften vorgeschriebene Grenze von 100 Wh nicht überschreitet, kann die Powerbank problemlos im Flugzeug mitgenommen werden.
Amazon verkauft die Ugreen-Nexode-Powerbank
UGREEN Nexode Power Bank 145W Max 25000mAh externer Akku mit 3 Anschlüsse USB C Powerbank mit Digitales Display, kompatibel mit MacBook Pro/Air, iPhone 17 Pro Max/Pro/16/15, Galaxy S25 Ultra, Dell
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Meta Platforms baut wohl ein Cloudgeschäft auf, um Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz zu verkaufen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Damit würde Meta Platforms zum Konkurrenten von Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud.
Der Social-Media-Konzern könnte neue Einnahmen generieren und die Abhängigkeit vom Werbemarkt verringern. Die Pläne befinden sich aber noch in der Entwicklungsphase, und die Strategie könnte sich noch ändern. Die Aktien von Meta legten um mehr als 10 Prozent zu.
Meta-CEO Mark Zuckerberg hatte zuvor die Vermietung von KI-Serverkapazitäten nicht ausgeschlossen. Wie Zuckerberg auf der jährlichen Hauptversammlung des Konzerns am 27. Mai 2026 in einer Fragerunde erklärte, sei ein Einstieg in den Markt für Cloudinfrastruktur "definitiv eine Option".
Der Schritt hänge davon ab, ob der massive Ausbau der Rechenzentren mehr Kapazitäten hervorbringe, als für die eigenen KI-Workloads benötigt werden. "Wenn wir an einen Punkt kommen, an dem wir das Gefühl haben, zu viel gebaut zu haben, dann ist das eine Option, die wir haben", so Zuckerberg vor den Aktionären.
Im April stellte Meta Muse Spark vor, das erste KI-Modell seines eigens zusammengestellten, hoch bezahlten Teams. Es wurde bislang jedoch noch nicht für Entwickler freigegeben. Einem Bericht des Wall Street Journal vom vergangenen Monat zufolge gibt es noch keinen geplanten Termin für die Veröffentlichung.
Meta betreibt riesige Cluster mit Hunderttausenden Nvidia H100- und A100-GPUs. Für die nächste Generation wie Llama 4 und die Personal Superintelligence schloss Meta eine langfristige Partnerschaft mit Nvidia, um Millionen der neuen Blackwell- und Rubin-GPUs sowie Grace-CPUs in die eigene Infrastruktur zu integrieren.
Um die Abhängigkeit von Nvidia langfristig zu verringern, entwickelt Meta die Meta Training and Inference Accelerator (MTIA) Chips. Diese hauseigenen ASICs werden bisher vor allem für weniger komplexe, aber hochfrequente Aufgaben wie die Empfehlungs-Algorithmen (Ranking) von Facebook und Instagram genutzt, während das umfangreiche KI-Training weiter auf Nvidia-Infrastruktur läuft.
Meta ist zugleich einer der größten Kunden von Neocloud-Anbietern und Cloudspezialisten. Allein das Vertragsvolumen mit dem KI-Infrastrukturanbieter Coreweave beläuft sich auf über 35 Milliarden US-Dollar. Auch Oracles Cloudinfrastruktur wird massiv für das Training genutzt.
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(Bild: Cloudflare)
Cloudflare erweitert die Steuerung von KI-Crawlern. Websitebetreiber können Zugriffe nun nach Einsatzzweck unterscheiden und blockieren.
Cloudflare baut die Steuerung von KI-Crawlern deutlich aus. Webseitenbetreiber können Zugriffe künftig nicht mehr nur pauschal blockieren, sondern nach Einsatzzweck unterscheiden. Neu sind getrennte Regeln für Suchindexierung, KI-Agenten und Modelltraining. Die Funktionen stehen laut Cloudflare ab sofort allen Kunden zur Verfügung, auch im kostenlosen Tarif.
Zum 15. September 2026 will Cloudflare [1] außerdem die Voreinstellungen für neue Domains ändern. Auf Seiten mit Werbung sollen Crawler für KI-Training und KI-Agenten standardmäßig blockiert werden, Suchmaschinen-Crawler dagegen weiterhin zugelassen bleiben. Der CDN- und Sicherheitsanbieter begründet dies damit, dass Suchmaschinen weiterhin Klicks und damit Besucher auf die Webseiten bringen, während Trainings- und Agenten-Crawler Inhalte häufig ohne entsprechenden Gegenwert nutzen.
Bislang bot Cloudflare eine Option, bekannte KI-Crawler für das Modelltraining pauschal zu blockieren. Diese Funktion ersetzt das Unternehmen nun durch eine feinere Einteilung in drei Kategorien.
„Search“ umfasst Crawler, die Inhalte indexieren, um sie später in Suchdiensten oder KI-Suchmaschinen zu verwenden. „Agent“ bezeichnet Systeme, die im Auftrag eines Nutzers in Echtzeit Webseiten aufrufen, etwa ChatGPT- oder Claude-Agenten, die Informationen abrufen oder Formulare ausfüllen. „Training“ schließlich steht für Crawler, die Inhalte dauerhaft zum Trainieren oder Nachtrainieren von KI-Modellen sammeln.
Cloudflare empfiehlt Anbietern, diese Aufgaben mit getrennten Crawlern auszuführen. Unternehmen, die Suchindexierung, KI-Agenten und Modelltraining mit demselben Bot erledigen, sollen die Funktionen künftig auf unterschiedliche Bots aufteilen. Das soll Webseitenbetreibern transparentere Entscheidungen ermöglichen.
Mit den neuen Voreinstellungen verschärft Cloudflare zugleich den Umgang mit Crawlern, die mehrere Aufgaben übernehmen. Künftig gelten für sie sämtliche zutreffenden Regeln gleichzeitig.
Kombiniert also ein Crawler Suchindexierung und KI-Training, greift die restriktivere Einstellung. Betreiber, die Trainings-Crawler blockieren, sperren damit automatisch auch solche Mehrzweck-Crawler. Cloudflare nennt unter anderem Googlebot, Applebot und Bingbot als Beispiele für Bots, die von dieser Änderung betroffen sein können. Webseitenbetreiber können die neuen Voreinstellungen vor dem Stichtag deaktivieren und ihre bisherigen Regeln beibehalten.
Für Enterprise-Kunden führt Cloudflare außerdem eine Datenbank namens BotBase ein. Sie listet alle bekannten und verifizierten Bots einschließlich ihrer Klassifizierung auf: Neben den drei KI-Kategorien ordnet BotBase Bots unter anderem auch SEO-Crawlern, Preisvergleichs- und Datensammlern, Monitoring-Diensten, Werbeprüfern oder Social-Media-Vorschau-Bots zu. Administratoren können im Cloudflare-Dashboard gezielt nach einzelnen Bots filtern und deren Erkennungs-IDs direkt für Sicherheitsregeln übernehmen.
Cloudflare will Bots künftig auch danach unterscheiden, wie sie Inhalte verwenden. Vorgesehen sind drei Nutzungsstufen: „immediate“ für reine Echtzeitinteraktionen ohne Speicherung, „reference“ für Indexierung mit Verweisen und Auszügen sowie „full“ für Zusammenfassungen oder weitergehende Nutzung der Inhalte.
Diese Präferenz lässt sich künftig über einen zusätzlichen Parameter in der robots.txt veröffentlichen. Der Eintrag dient lediglich als Hinweis für Crawler und erzwingt keine Sperre. Parallel will Cloudflare diese Angaben in BotBase berücksichtigen. Bots, die deklarierte Nutzungsregeln missachten, sollen ihren Status als verifizierter Bot verlieren.
Auch die Definition dieses Status ändert sich. Verifizierte Bots werden künftig nicht mehr automatisch zugelassen. Stattdessen entscheidet die jeweilige Kategorie darüber, ob ein Bot Zugriff erhält. Nicht verifizierte Bots blockiert Cloudflare weiterhin standardmäßig.
Als weiteren Baustein schlägt Cloudflare vor, Informationen über den eigentlichen Betreiber eines Bots über den standardisierten HTTP-Header Forwarded weiterzugeben. Damit sollen Betreiber automatisierter Dienste ihre Identität und den vorgesehenen Umgang mit abgerufenen Inhalten transparent machen können, selbst wenn Anfragen über mehrere zwischengeschaltete Plattformen laufen.
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Europa reguliert Google, Meta und X so konsequent wie keine andere Region. Doch der Kontinent bleibt auf US-amerikanische Plattformen angewiesen: ein Dilemma.
Europa versucht, die Macht amerikanischer Internetplattformen zu begrenzen. Längst geht es dabei nicht mehr nur um einzelne Gesetze. Der Streit berührt die Frage, wer künftig die Regeln der digitalen Öffentlichkeit bestimmt.
Die digitale Revolution versprach einstmals mehr Teilhabe, einen freien Austausch über den ganzen Erdball hinweg, Kommunikation, frisch wie gute Luft aus endlich geöffneten Fenstern, klug und instruktiv – mit dem Ergebnis einer demokratisierte Öffentlichkeit. Heute ist vom Glanz dieses Versprechens kaum mehr etwas übrig. Die Realität folgt anderen Maßgaben.
Wenige globale Plattformkonzerne – fast ausschließlich aus den USA – kontrollieren die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation. Sie entscheiden, welche Inhalte sichtbar werden, welche Reichweite erhalten und welche in der Masse verschwinden.
Im Mittelpunkt der Debatte steht heute weniger die Technik als das Geschäftsmodell. Plattformen verdienen an Aufmerksamkeit. Je länger Nutzer bleiben, desto höher die Werbeeinnahmen. Algorithmen bevorzugen deshalb Inhalte, die emotionalisieren, polarisieren oder Empörung erzeugen.
Die Folge ist eine fragmentierte Öffentlichkeit, in der gemeinsame Wirklichkeiten zunehmend verloren gehen. Gleichzeitig wächst Europas Abhängigkeit von wenigen privaten Kommunikationsinfrastrukturen.
Ein aktuelles Rechtsgutachten [1] der deutschen Landesmedienanstalten zeigt, dass sich diese Entwicklung mit generativer KI weiter verschärft. KI-generierte Antworten in Suchmaschinen seien regelmäßig als eigene Inhalte der Anbieter zu bewerten. Das bisherige Haftungsprivileg neutraler Plattformen greife dort nicht mehr.
Europa versucht seit einigen Jahren, dieser Entwicklung mit Regulierung zu begegnen.
Kernstück ist der Digital Services Act (DSA). Er verpflichtet große Plattformen zu mehr Transparenz und Risikomanagement. Im Dezember 2025 verhängte die EU-Kommission erstmals eine DSA-Strafe gegen X in Höhe von 120 Millionen Euro wegen Verstößen gegen Transparenzpflichten.
Doch viele Beobachter halten die bisherige Durchsetzung für zurückhaltend. Die möglichen Sanktionen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes wurden bislang kaum ausgeschöpft.
Auch der Digital Markets Act (DMA) soll die Marktmacht der Plattformen begrenzen. Nach Angaben der EU-Kommission [2] erleichtert er bereits den Wechsel zwischen Diensten, alternative Browser und App-Stores sowie mehr Wahlmöglichkeiten für Nutzer.
Noch weiter geht ein aktueller Vorschlag der EU-Kommission an Google. Ranking-, Klick- und Suchdaten sollen unter bestimmten Bedingungen mit Drittanbietern geteilt werden, damit europäische Suchmaschinen und KI-Angebote konkurrenzfähiger werden können.
Der Konflikt ist damit längst mehr als Medienpolitik. Während Brüssel Plattformen stärker regulieren will, betrachten viele Vertreter der US-Regierung und der großen Technologiekonzerne diese Eingriffe als Belastung für Innovation und Wettbewerb – teilweise sogar als Angriff auf die Meinungsfreiheit.
Aus einer medienpolitischen Debatte ist damit zunehmend ein transatlantischer Interessenkonflikt geworden.
In einem beachteten Gastbeitrag [3] in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fordern Carsten Brosda, Rainer Esser, Ricarda Lang und Levi Penell deshalb einen deutlich entschlosseneren Kurs.
Zu ihren zentralen Forderungen gehören eine europäische Digitalsteuer, deren Einnahmen dem Journalismus und der Medienkompetenz zugutekommen sollen, eine verifizierte Identität hinter öffentlich wirksamen Accounts, chronologische statt algorithmisch sortierter Feeds sowie strengere Haftungsregeln für Plattformen, die Inhalte aktiv empfehlen und verbreiten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gastbeitrags ist die wirtschaftliche Stabilisierung des Journalismus. Öffentlich-rechtliche Medien, gemeinnütziger Journalismus, Urheberrechte und steuerliche Entlastungen sollen die publizistische Vielfalt sichern.
Auch der European Media Freedom Act (EMFA) verfolgt dieses Ziel. Plattformen müssen Medienanbieter künftig vor der Entfernung ihrer Inhalte informieren und ihre Entscheidung begründen.
Mit ihrer Strategie zur „Technologischen Souveränität“ [4] setzt die EU-Kommission verstärkt auf offene Software und eigene digitale Infrastrukturen, um Abhängigkeiten entlang des gesamten Technologiestacks zu verringern.
Dazu gehören Projekte wie SOURCE [5] zur Früherkennung koordinierter Desinformationskampagnen. Auch dezentrale soziale Netzwerke werden als mögliche Alternative diskutiert.
Ein Gutachten der deutschen Medienanstalten [6] verweist auf komplizierte Zuständigkeiten zwischen europäischer und nationaler Regulierung sowie auf erhebliche Vollzugsprobleme.
Auch eine europäische Digitalsteuer birgt handelspolitische Risiken. Nationale Alleingänge könnten Gegenmaßnahmen provozieren. Hinzu kommen technische Hürden: Echte Interoperabilität – also der Wechsel zwischen Plattformen ohne Verlust des eigenen sozialen Netzwerks – ist bis heute nicht gelöst.
Vor allem aber bleibt ein strukturelles Problem. Europa kann Plattformen regulieren, verfügt aber bislang über keine eigenen Angebote, die mit Google, Meta, YouTube oder TikTok im Alltag ernsthaft konkurrieren. Regulierung schafft Regeln – sie ersetzt keine wettbewerbsfähigen Alternativen.
Der Streit dreht sich deshalb längst nicht mehr nur um Algorithmen oder einzelne Gesetze. Dahinter stehen zwei unterschiedliche Vorstellungen digitaler Ordnung.
Europa setzt auf demokratisch legitimierte Regulierung, Transparenz und Wettbewerb. Die USA vertrauen stärker auf private Innovation und marktwirtschaftliche Dynamik. Beide Seiten reklamieren für sich, Freiheit und Offenheit des Netzes zu verteidigen – ziehen daraus jedoch unterschiedliche politische Konsequenzen.
Europa hat in wenigen Jahren mit DSA, DMA, AI Act und EMFA einen weltweit einzigartigen Ordnungsrahmen geschaffen. Ob daraus tatsächlich digitale Souveränität entsteht, entscheidet sich jedoch nicht allein an neuen Gesetzen.
Solange Europas digitale Öffentlichkeit auf amerikanischen Plattformen stattfindet, bleibt der Kontinent in einem Spannungsverhältnis: Europa hat die Regeln – die USA haben die Plattformen, die der Großteil nutzt, selbst die Skeptiker.
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Ob Indymedia noch weiter bestehen darf, steht aktuell zur Disposition
(Bild: de.indymedia.org)
Behörden wollen Indymedia verbieten. Doch die Rechtslage ist heikel. Warum sich der Verfassungsschutz damit selbst keinen Gefallen täte.
Die Innenministerkonferenz hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgefordert, alle rechtlichen Möglichkeiten für ein vollständiges Verbot des Portals de.indymedia.org [1] zu prüfen. Ob das gelingt, ist juristisch fraglich. Zudem würden sich die Sicherheitsbehörden selbst relevanter Informationen berauben.
Auf ihrer Konferenz Mitte Juni in Hamburg einigten sich die Innenminister aller 16 Bundesländer einstimmig auf einen entsprechenden Beschluss, der nun veröffentlicht wurde.
Den Anstoß [2] gab der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU), der das Portal als "derzeit wichtigstes Informations- und Propagandamedium der linksextremen Szene" bezeichnete und erklärte: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Plattform Straf- und Gewalttaten fördert."
Poseck begründete die Initiative mit einer nach seinen Angaben besorgniserregenden Zunahme linksextremer Straftaten in Hessen.
In ihrem Beschluss zeichnen die Innenminister ein ernstes Bild der Lage: Linksextremismus stelle angesichts von Angriffen auf kritische Infrastrukturen, gewaltsamen Ausschreitungen und wachsender internationaler Vernetzung eine hohe Bedrohung für die freiheitliche demokratische Grundordnung dar.
Die Szene instrumentalisiere gesellschaftliche Themen wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Wehrpflicht, um jüngere Menschen – darunter Schülerinnen und Schüler – zu erreichen.
Das Portal existiert in Deutschland seit 2001 und wird von linksradikalen Gruppen und Einzelpersonen genutzt, um Veranstaltungen anzukündigen und Debatten zu führen. Eine feste Redaktion gibt es nicht. Theoretisch kann jeder Inhalte einstellen, solange diese nicht sexistisch, rassistisch, antisemitisch oder faschistisch sind.
Moderatoren entscheiden lediglich über die Platzierung der Beiträge. Aktuell mobilisiert dort etwa das Bündnis "Widersetzen" gegen den AfD-Parteitag in Erfurt. Auch Aufrufe zur sogenannten "Entglasung" von Geschäftsräumen aus Solidarität mit dem besetzten Haus Rigaer Straße 94 in Berlin finden sich auf der Plattform.
Der Verfassungsschutz stuft de.indymedia.org seit Juni 2021 als Verdachtsfall ein, ein Jahr später erfolgte die Hochstufung zur "gesichert linksextremistischen Bestrebung". Im aktuellen Verfassungsschutzbericht heißt es, Linksextremisten werde dort "wissentlich und absichtlich eine Plattform geboten, die in hohem Maße einem verfassungsfeindlichen Zweck dient."
Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums erklärte, auf de.indymedia erscheine "eine Vielzahl von Beiträgen, die einen Bezug zu linksextremistischen Straf- und Gewalttaten haben", darunter "Taterklärungen und explizite Aufforderungen zu weiteren Straftaten".
Gleichzeitig steht die Behörde vor einem Dilemma, das bislang kaum offen diskutiert wird: de.indymedia.org ist für Sicherheitsbehörden vor allem praktisch, da sich an einem einzigen Ort lassen alle relevanten linksradikalen Aktionen und Debatten beobachten lassen.
Ein Verbot würde diese zentrale Informationsquelle beseitigen – und den Verfassungsschutz damit in gewisser Weise selbst einschränken. Denn die Szene würde nicht verstummen, sondern auf dezentralere, schwerer zu beobachtende Kanäle ausweichen.
Wie Dobrindt mit der Verbotsforderung umgehen wird, ist noch offen. Das Ministerium äußere sich grundsätzlich nicht zu etwaigen Verbotsverfahren, sagte eine Sprecherin.
Die rechtliche Ausgangslage ist schwierig. Das zeigt der Blick auf den Umgang mit dem Ableger linksunten.indymedia.org, der sich 2008 von der Mutterseite abgespalten hatte und sich noch weniger Moderation auferlegte. Nachdem sich ein Großteil der linksradikalen Kommunikation dorthin verlagert hatte, verbot Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Plattform 2017 auf Basis des Vereinsgesetzes – im Nachgang des G20-Gipfels in Hamburg mit seinen massiven Ausschreitungen.
Die Folgen blieben überschaubar: Mehrere Gerichte erklärten anschließende Razzien für teilweise rechtswidrig, Strafverfahren gegen fünf mutmaßliche Betreiber aus Freiburg wurden mangels Beweisen eingestellt, zuletzt 2025. Durchsuchungen betrafen auch Redaktionsräume des Senders Radio Dreyeckland, was das Bundesverfassungsgericht später rügte. Die Einstufung der Webseite als Verein blieb rechtswissenschaftlich umstritten, auch wenn das Bundesverwaltungsgericht sie 2020 bestätigte.
Das Ergebnis: linksunten.indymedia.org blieb abgeschaltet, die Bekennerschreiben erschienen fortan wieder auf der fortbestehenden Mutterseite de.indymedia.org – die bis heute aktiv ist.
Die Innenministerkonferenz weist in ihrem Beschluss darauf hin, dass das geltende Straf- und Gefahrenabwehrrecht bereits Instrumente biete: Beschlagnahme von Webseiten, Löschungsaufforderungen an Host-Provider sowie "Netzsperren als ultima ratio". Von diesen Möglichkeiten solle konsequenter Gebrauch gemacht werden.
Die Forderung nach einem Verbot ist nicht neu. Die AfD hatte bereits 2020 im Bundestag einen entsprechenden Antrag gestellt, der Anfang 2021 mit 574 zu 77 Stimmen abgelehnt wurde. SPD und Grüne warfen der AfD damals vor, vom Rechtsextremismus ablenken zu wollen. Die Linke bezeichnete Indymedia als "wichtige Plattform für Enthüllungen antifaschistischer Recherche".
Der CDU-Abgeordnete Christoph Bernstiel gab zu bedenken: "Linksextremisten haben natürlich schon Ausweichplattformen gegründet; die Server stehen im Ausland, und oft sind die Inhalte kopiert."
Sollte de.indymedia.org tatsächlich verboten werden, dürfte sich nach Einschätzung der taz schnell eine neue linksradikale Nachrichtenseite herausbilden – womöglich eine, die für Behörden schwerer zu beobachten ist als die bisherige.
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