Das "Octagon" ist das größte Kommanzozentrum des Nahen Ostens
(Bild: Präsidentschaft der Arabischen Republik Ägypten/YouTube)
Ägypten hat ein Kommandozentrum eröffnet, das selbst das Pentagon in den Schatten stellt. Doch es gibt Kritik an dem Bauprojekt. Ein Überblick.
Ägyptens Militärregime sorgt nach dem im letzten Jahr eröffneten "Grand Egyptian Museum" für ein weiteres Bau-Superlativ: In der neuen Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo wurde am 4. Juli ein neues strategisches Kommandozentrum eingeweiht [1] – das sogenannte "Oktagon".
Präsident Abdel Fattah al-Sisi eröffnete den Komplex in Militäruniform und sprach von einem "bedeutenden Sprung" für Ägyptens Kommando- und Kontrollsysteme. Kritiker hingegen stellen die Prioritätensetzung angesichts der angespannten Wirtschaftslage des Landes in Frage. Was soll mit dem Bau bezweckt werden?
Das Oktagon ist nach Angaben der ägyptischen Regierung der größte militärische Hauptquartiersbau im Nahen Osten. Der Komplex erstreckt sich über rund 22.000 Feddan – umgerechnet etwa 34 Quadratmeilen – und umfasst bebaute Flächen von über 4,6 Millionen Quadratmetern.
Zum Vergleich: Das US-amerikanische Pentagon, das als das weltgrößte einstöckige Bürogebäude gilt, nimmt mit seinem Hauptgebäude lediglich rund 29 Acres ein. Das Oktagon würde damit knapp die Hälfte der Gesamtfläche der Stadt Washington D.C. bedecken.
Der Komplex besteht aus acht Gebäuden in Oktagonfigur, die in ihrer Formgebung an altägyptische Architektur angelehnt sind, sowie zwei zentralen Kommandogebäuden, mit denen sie durch gesicherte Korridore verbunden sind. Die Gesamtanlage beherbergt das Verteidigungsministerium, den Generalstab der ägyptischen Streitkräfte sowie verschiedene Teilstreitkräfte und Verwaltungsabteilungen.
Laut dem staatlichen Informationsdienst Ägyptens handelt es sich dabei nicht um ein gewöhnliches Hauptquartier, sondern um ein "integriertes Zentrum für Krisenmanagement und intelligente Führung", das gleichzeitig als "miniaturisierter Verwaltungs- und Verteidigungsknotenpunkt" fungiere.
Technologisch soll das Oktagon als zentrales Bindeglied zwischen militärischer Führung und staatlichen Institutionen dienen.
Al-Sisi beschrieb die Anlage in seiner Eröffnungsrede als mit "fortschrittlicher technologischer Infrastruktur, sicheren Kommunikationssystemen und überlegenen Fähigkeiten zur Informationsgewinnung und -analyse" ausgestattet. Sie verknüpfe Führungs- und Ausführungsebenen in einem einzigen Rahmen, der "höchste Grade an Integration, Genauigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit" ermögliche.
Ägyptische Beamte bezeichnen das Hauptquartier als "digitales Gehirn" des Staates. Neben operativen Zentren integriert es Krisenmanagementeinrichtungen, gesicherte Kommunikation, Logistikkoordination, Geheimdienstanalyse und Datenverwaltung unter einem Dach.
Ziel sei es, Reaktionszeiten zu verkürzen, die Koordination zwischen den verschiedenen Teilstreitkräften zu verbessern und die Kommandokontinuität auch unter außergewöhnlichen Umständen – einschließlich konventioneller Konflikte, Cyberangriffe oder großer nationaler Notlagen – zu gewährleisten.
Die Einweihungszeremonie wurde auf YouTube live übertragen [2] und beinhaltete neben Reden auch ein Nachtkonzert sowie eine Drohnenshow. Die ägyptische Luftwaffe führte eine Flugschau mit verschiedenen Kampfflugzeugen durch, darunter F-16 Block 52, MiG-29, Rafale und Mirage, sowie Frühwarnflugzeuge vom Typ E-2C Hawkeye, C-130-Hercules-Transportmaschinen und Kamow-Kampfhubschrauber.
Al-Sisi trat dabei in Militäruniform auf – ein seltenes öffentliches Auftreten in dieser Rolle. Er betonte, das Kommandozentrum sei "nicht allein mit der Bewältigung militärischer Lagen beauftragt", sondern stelle "eine grundlegende Säule in der Fähigkeit des Staates dar, Herausforderungen und außergewöhnliche Umstände zu bewältigen".
Die Eröffnung fällt in eine Phase erhöhter regionaler Instabilität. Kriege und Konflikte in Gaza, im Libanon und zwischen den USA sowie Israel auf der einen und dem Iran sowie mit ihm verbündeten Gruppen auf der anderen Seite haben die strategische Lage im Nahen Osten grundlegend verändert. Hinzu kommen anhaltende Instabilität in Libyen und Sudan sowie maritime Sicherheitsherausforderungen im Roten Meer.
Gawdat Bahgat, Professor an der National Defense University in Washington, sagte [3] gegenüber dem Fachmedium Breaking Defense, die Eröffnung sei "ein wesentlicher Beitrag zu und eine Projektion von Ägyptens militärischen Fähigkeiten". Er schränkte jedoch ein: "Der Bau an sich bedeutet noch nichts – viel wichtiger ist, wie er betrieben wird und welchen tatsächlichen Mehrwert er für die Verteidigungshaltung des Landes bringt. Das muss sich erst noch zeigen."
Bahgat verwies darauf, dass Ägypten das größte Militär der arabischen Welt unterhalte und seine Streitkräfte kontinuierlich modernisiere. "Die Kriege in Gaza, im Libanon und mit dem Iran haben eine neue strategische Landschaft im Nahen Osten geschaffen. Mit mehr als 100 Millionen Einwohnern, einer langen Geschichte und strategischen Lage wird Ägypten immer ein zentraler Akteur in der Nahostpolitik sein", sagte er.
Das Oktagon ist Teil von Ägyptens umfassendem Vorhaben, Schlüsselinstitutionen des Staates in die seit 2015 im Bau befindliche, noch namenlose neue Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo zu verlagern. Ministerien, Parlament, Justizinstitutionen und nun auch das strategische Kommandozentrum wurden schrittweise dorthin umgesiedelt.
Damit soll Kairo entlastet, die institutionelle Koordination gestärkt und die Sicherheit staatlicher Einrichtungen erhöht werden. Das Oktagon gilt als weiterer Schritt bei der Etablierung der neuen Hauptstadt als operativem Kern des ägyptischen Staates – und als Ausdruck von Präsident al-Sisis Leitbild einer "Neuen Republik".
Trotz der strategischen Begründung hat das Projekt erhebliche Debatten ausgelöst. Ägypten kämpft weiterhin mit hoher Inflation, wachsender Staatsverschuldung, Devisenmangel und zunehmendem Druck auf die Haushaltseinkommen.
Kritiker werfen der Regierung vor, mit Großprojekten wie der Neuen Verwaltungshauptstadt und dem Oktagon die öffentliche Verschuldung in die Höhe zu treiben, während viele Ägypterinnen und Ägypter mit steigenden Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben.
Befürworter der Regierung halten dem entgegen, nationale Sicherheitsinfrastruktur könne nicht wegen vorübergehender wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeschoben werden. Moderne Verteidigungsfähigkeiten und belastbare Kommandosysteme seien langfristige strategische Investitionen, die für die Stabilität in einer zunehmend unberechenbaren Region unerlässlich seien.
Eine öffentliche Debatte über Kosten und Finanzierung des Projekts hat die ägyptische Regierung nicht geführt.
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Macht das Modell den entscheidenden Unterschied? Google zumindest scheint eher auf den richtigen Rahmen zu setzen als das eigene Top-Modell. Eine Analyse.
Aktuell ist eine der spannendsten Fragen für den Einsatz von KI nicht nur im Bereich Security, sondern für alle anspruchsvollen Themen: Was ist der wesentliche, treibende Faktor für die praktische Leistungsfähigkeit von KI-Systemen [1]? Das Modell oder die richtige Orchestrierung mit einem ausgefeilten Harness? Benötigen wir überhaupt noch viel bessere LLMs? Oder sollten wir uns vielmehr darauf konzentrieren, aus dem, was wir haben – und uns leisten können – das Beste herauszuholen?
Bislang verlief die Front weitgehend entlang der Geschäftsmodelle – pro Harness argumentierten fast ausschließlich Firmen, die selbst kein eigenes Frontier-Modell haben, und deshalb fast schon zwangsläufig ihre (Geschäfts-)Perspektive bei Modell-unabhängigen Produkten auf Basis einer ausgefeilten Arbeitsumgebung sehen. Besonders sichtbar wird das aktuell im Bereich Security mit Start-ups wie AISLE [2] und XBOW [3] sowie bei IronCurtain [4] von Ex-Googler Niels Provos. Aber auch Konzerne wie Microsoft haben sich hier festgelegt: „Der Harness erledigt die Arbeit, das Modell ist nur eine Eingabe“, heißt es in der Vorstellung [5] ihres agentischen Security-Helfers MDASH. Gemeinsam ist allen: Sie haben kein eigenes Top-Modell am Start.
Der extreme Gegenpol war und ist Anthropic, die sehr viel Wert darauf legen, dass das Modell der treibende Faktor ist. Sie fokussieren ihre Kommunikation folglich darauf, wie herausragend gut Mythos und Fable seien. „Verboten gut“ war da ein echtes Geschenk für deren PR-Strategen. Die grundlegende These ist, dass ein zu komplexer Harness den Fähigkeiten der aktuellen und kommenden Top-Modelle potenziell eher im Weg stehe. So betonte etwa Anthropics Nicholas Carlini bei der Vorstellung von Mythos mehrfach, dass er im Wesentlichen das LLM nur noch auf ein Repository [6] ansetze und dann seinen Job machen lasse. Der Harness gibt dabei nur den Startpunkt und grobe Leitplanken vor – den Job, einschließlich eines Großteils der Orchestrierung, erledigt das LLM weitgehend autonom.
Irgendwo dazwischen positioniert sich OpenAI. Die haben eigene Top-Modelle, spannen die für ernsthafte Security-Arbeiten aber im Rahmen von Aardvark [7], mittlerweile in Codex Security umbenannt, in einen überaus elaborierten Harness ein. Das Projekt profitiert von der Expertise von Dave Aitel, einem der ersten prominenten Hacker, der sich ganz der Offensive Security verschrieben hatte und mit Canvas eines der ersten kommerziellen Exploit-Frameworks entwickelte. Doch Codex Security ist ein geschlossenes Gesamtsystem, das komplett auf OpenAIs GPTs setzt; Modellunabhängigkeit ist auch hier Fehlanzeige.
Und jetzt kommt Google – selbst Betreiber eines Frontier-Modells – und stellt Mantis Skills vor, ein portables „Toolkit for Building Security Review Harnesses“. Sie präsentieren damit eine Architektur für kontinuierliche, auf Wunsch sogar autonome Security-Evaluierung und -Optimierung inklusive Auto-Patching. Dabei dokumentieren sie nicht nur Architektur und Design von Mantis offen zugänglich, sondern stellen sogar die Kern-Elemente als Open-Source zur freien Verfügung – auch für Wettbewerber und Startups in diesem Bereich. Ihr eigentliches, darauf aufbauendes Produkt ist damit nicht komplett offengelegt – aber das ist eine andere Geschichte.
Der Clou an dem Ganzen ist: Obwohl Google mit Gemini ein großes Frontier-Modell am Start hat, ist Mantis konzeptionell Modell-unabhängig angelegt und lässt sich prinzipiell mit LLMs der Konkurrenz oder sogar lokal betriebenen Open-Weight-Modellen nutzen. Die Autoren des Projekts empfehlen sogar explizit eine Kombination unterschiedlicher Modelle für verschiedene Aufgaben – vor allem auch aus den immer wichtiger werdenden Kosten-Effizienz-Gründen.
Natürlich macht Google das nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Wer die Referenzarchitektur pflegt, prägt Schnittstellen und Ökosystem – und kann die produktionsreife Variante sowie Compute und Betrieb in der eigenen Cloud monetarisieren. Wer dabei an Chrome und Android denken muss, hat das Konzept verstanden. Allerdings sollte ich an der Stelle erwähnen, dass Mantis derzeit in erster Linie ein praktisches Engineering-Projekt ist; ein strategisches Commitment der Konzernführung, dass das die neue Google-Linie für KI ist, gibt es derzeit noch nicht.
Trotzdem ist Mantis bereits jetzt ein großer Schritt, der nicht nur die Frage „Harness oder Modell?“ in einem neuen Licht erscheinen lässt. Darüber hinaus ist es ein schlauer Move von Google, die im Rennen um die Führung im KI-Markt letztens etwas abgeschlagen wirkten. Claude, Fable, GPT, Gemini oder lieber DeepSeek, Qwen und Llama? Egal – solange du Mantis (oder dessen Nachfolger) benutzt, wäre Google wieder einmal der eigentliche Gewinner. Ich bin gespannt, ob Google dem ersten Schritt mit Mantis echtes Commitment folgen lässt.
Nachtrag: Wer noch Googles ehemalige Maxime „Don't be evil“ im Kopf hat und denkt, besser Google als OpenAI oder gar Elon Musk, dem sei diese Lektüre [9] empfohlen. Da beschreibt ein DeepMind-Forscher, wie sehr ihn der Verkauf an Google und die anschließende kontinuierliche Aufweichung der ethischen Prinzipien des Projekts beunruhigt. Mittlerweile hat Google DeepMind einen geheimen Vertrag mit dem Pentagon, der diesem sehr weitreichende Nutzungsrechte einräumt.
Diese Analyse schrieb Jürgen Schmidt ursprünglich für den exklusiven Newsletter von heise security PRO [10], wo er jede Woche das Geschehen in der IT-Security-Welt für Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen einordnet.
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Microsoft verteilt ein ungeplantes Windows-Update. Es soll Probleme beheben, die insbesondere bei Dell-Computern aufgetreten sind.
In der Nacht zum Sonntag hat Microsoft angefangen, ein außerplanmäßiges Update für Windows 11 zu verteilen. Es soll insbesondere Performanceprobleme ausbessern, die der Hersteller auf einigen Dell-Computern bestätigt hat.
Das Update mit dem KB-Eintrag KB5121767 hebt Windows 11 25H2 respektive 24H2 auf die Betriebssystem-Build-Nummer 26200.8894 und 26100.8894. Laut der Microsoft-Versionsankündigung [1] behebt es ausschließlich das Performanceproblem, das Microsoft in der Nacht zum Donnerstag [2] eingeräumt hat.
Nach der Installation der Update-Vorschau aus dem Juni dieses Jahres sei es auf einer begrenzten Anzahl an Dell-Computern zur Anzeige von gelben Ausrufezeichen im Gerätemanager beim „Intel Innovation Platform Framework Processor Participant“-Treiber gekommen. In einigen Fällen führt das auf betroffenen Systemen zu Performanceeinbußen, erhöhtem Stromverbrauch oder Änderungen im Systemverhalten, erklärte Microsoft die Auswirkungen.
Wie Microsoft ausführte, geht das Problem auf eine Inkompatibilität zwischen dem Intel-Treiber und der mit der Juni-Update-Vorschau eingeführten [3] neuen Windows-USB-C-Verbindungsmanager-Schnittstelle zurück. In der Folge hatte Microsoft die Verteilung des Windows-Sicherheitsupdates aus dem Juli auf betroffenen Maschinen gestoppt. Die können der aktuellen Versionsankündigung zufolge das Update jetzt doch installieren, da das außerplanmäßige Update Korrekturen für das Problem enthält.
Nur auf diesen Systemen müssen Admins und Nutzerinnen und Nutzer aktiv werden und es installieren, erklärt Microsoft weiter. Jedoch wird das Update auch auf vielen anderen Maschinen angeboten, welche die frühe Installation von optionalen Windows Updates aktiviert haben, also unter den Windows-Update-Einstellungen die Option „Erhalten Sie Updates, sobald sie verfügbar sind“ aktiviert haben. Dort fordert das Update nun ebenfalls einen Rechnerneustart an.
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Die Nutzung von Videosprechstunden wächst bei Senioren. TeleClinic-Chef Benedikt Luber spricht im Interview über Hürden, Technik und einen Datenschutzvorfall.
Üblicherweise geht man davon aus, dass telemedizinische Angebote vor allem jüngere und technikaffine Menschen erreichen. Ältere Menschen würden dagegen weiterhin hauptsächlich in die Arztpraxis gehen und dort oft mehr Zeit benötigen [1] als die jüngeren Patienten.
Nach Angaben vom Telemedizinanbieter TeleClinic greifen zunehmend jedoch auch ältere Menschen auf Angebote zurück, bei denen sie medizinische Hilfe aus der Ferne eigenständig über Smartphone oder PC nutzen. Dass Seniorinnen und Senioren der Digitalisierung im Gesundheitswesen insgesamt offener gegenüberstehen, zeigt auch eine Umfrage, die Bitkom Anfang des Jahres veröffentlicht hat [2].
(Bild: Teleclinic)
Wie sich die aktive Nutzung von Videosprechstunden bei älteren Menschen über die Jahre entwickelt hat, darüber haben wir mit Benedikt Luber, Managing Director von TeleClinic, gesprochen.
TeleClinic hat der Redaktion von heise Zahlen zur Nutzung der Telemedizin vorgelegt. Da kamen Sie unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Nutzung seit 2021 bei der Gruppe der über 65-Jährigen deutlich gestiegen ist. Hat Sie das überrascht und können Sie die Zahlen noch etwas ins Verhältnis setzen?
Ja, das hat uns tatsächlich etwas überrascht. Das ist das stärkste relative Wachstum aller Altersgruppen und widerlegt ein Stück weit die häufig geäußerte Annahme, Telemedizin sei vor allem etwas für junge, technikaffine Menschen in Großstädten.
Interessant war für uns außerdem, dass wir nicht nur die „fitten“ 65-Jährigen sehen. Wir haben uns die Alterskohorten genauer angesehen und können sagen, dass sich die Nutzung relativ gleichmäßig über die Gruppen 65 bis 75, 75 bis 85 und sogar 85 plus verteilt. Das zeigt, dass Telemedizin inzwischen auch bei sehr alten Menschen ankommt und nicht nur von einer kleinen, besonders digitalaffinen Gruppe genutzt wird.
Über unsere Plattform wurden inzwischen mehr als vier Millionen Videosprechstunden durchgeführt. Insgesamt sehen wir über alle Altersgruppen hinweg weiteres Wachstum, bei den älteren Nutzerinnen und Nutzern allerdings überproportional.
Wie kommen ältere Menschen mit der Technik zurecht?
Der Einstieg dauert manchmal etwas länger als bei jüngeren Nutzern. Das überrascht auch nicht. Häufig unterstützen Kinder oder Enkel beim ersten Einrichten der App. Gleichzeitig machen Funktionen wie das Einscannen der Gesundheitskarte die Nutzung auch für ältere Menschen einfacher.
Entscheidend ist aber: Die Technik ist heute kein grundsätzliches Hindernis mehr. Wir sehen sehr deutlich, dass ältere Menschen bereit sind, digitale Angebote zu nutzen, wenn diese einfach gestaltet sind.
Deshalb investieren wir derzeit stark in sprachbasierte Bedienkonzepte. Langfristig sollte sich nicht mehr der Mensch an die Technik anpassen müssen, sondern die Technik an den Menschen. Gerade für ältere Nutzerinnen und Nutzer kann das ein großer Fortschritt sein.
Ihren Zahlen zufolge sprechen ältere Menschen länger mit dem behandelnden Arzt. Es hieß ja in der Vergangenheit immer wieder, dass Anbieter wie TeleClinic vor allem unkomplizierte Fälle aus den Hausarztpraxen herausziehen.
Genau. Unsere Daten zeigen, dass Videosprechstunden mit Menschen ab 65 Jahren durchschnittlich rund 13 Minuten dauern. Das ist mehr als doppelt so lang wie der Videosprechstunden-Durchschnitt.
Für uns ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass ältere Patientinnen und Patienten eben nicht nur mit einer kurzen Rezeptanfrage kommen. Sie haben häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig, komplexere Fragestellungen oder benötigen schlicht mehr Gesprächszeit.
Ein Vorteil der Videosprechstunde kann dabei sein, dass Ärztinnen und Ärzte häufig nicht immer unter dem Druck eines vollen Wartezimmers stehen. Seit einiger Zeit können Videosprechstunden unter bestimmten Voraussetzungen auch aus dem Homeoffice [3]erbracht werden. Dadurch entsteht häufig mehr Raum für das eigentliche Gespräch.
Mit welchen Anliegen kommen ältere Menschen typischerweise zu Ihnen?
Typische Anwendungsfälle sind chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, Rezeptverlängerungen bei Dauermedikationen oder stabile Krankheitsverläufe. Dazu kommen einfache Infekte ohne Warnzeichen, Hautveränderungen, die sich anhand von Fotos gut beurteilen lassen, oder allgemeinmedizinische Fragestellungen.
Daneben sehen wir durchaus auch psychosoziale Anliegen. Gerade ältere Menschen nutzen die Videosprechstunde zunehmend als niedrigschwelligen Zugang zur medizinischen Versorgung, wenn sie kurzfristig ärztlichen Rat benötigen.
Relevant wird künftig auch das Thema Zweitmeinung. Mit dem GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz soll sie vor bestimmten Eingriffen verpflichtend werden, und das lässt sich sehr gut telemedizinisch abbilden. Bevor eine größere Operation ansteht, kann eine Patientin oder ein Patient Befunde und Bildgebung hochladen, und eine erfahrene Fachärztin oder ein Facharzt bewertet aus der Ferne, ob der Eingriff wirklich notwendig ist.
Auch im Bereich der Vitalparameter-Erfassung entwickelt sich einiges. Je mehr Messwerte sich zuverlässig aus der Ferne erfassen lassen, desto mehr Behandlungsanlässe eignen sich künftig für die Telemedizin. Das ist ein Bereich, der sich in den nächsten Jahren sicher noch deutlich weiterentwickeln wird.
Sowohl mit dem GeDIG als auch mit der Notfallreform und dem geplanten Primärversorgungssystem sollen digitale Erstkontakte und Telemedizin fest eingebunden werden. Wie könnte das konkret aussehen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?
Auf dem Papier ist tatsächlich schon vieles vorgezeichnet. Im Primärversorgungssystem sollen Versicherte künftig neben dem Hausarzt und der 116117 auch einen digitalen Zugangsweg wählen können, bei dem Erst- beziehungsweise Bedarfseinschätzung, elektronische Überweisung und digitale Terminvermittlung, wenn möglich per Telemedizin, zu einem Service zusammengeführt werden. Auch in der Notfallreform ist vorgesehen, dass Kassenärztliche Vereinigungen künftig verpflichtend rund um die Uhr telemedizinische Beratung anbieten müssen, bevor überhaupt ein Rettungswagen oder ein persönlicher Termin notwendig wird.
Das ist aus unserer Sicht genau die richtige Richtung. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt aber in der konkreten Ausgestaltung: Wie genau werden Bedarfseinschätzung, Terminvermittlung und Überweisung technisch miteinander verzahnt? Und wie offen ist dieses System am Ende tatsächlich für unterschiedliche Anbieter?
Wichtig ist uns dabei vor allem, dass es nicht nur einen einzigen Zugangsweg gibt, sondern mehrere gleichwertige Einstiegsmöglichkeiten – über die Kassenärztlichen Vereinigungen, über die Krankenkassen-Apps, aber eben auch über etablierte private Anbieter wie uns, sofern einheitliche Qualitätskriterien erfüllt werden. Genau das leben wir bereits heute in der Praxis, etwa in unserer Zusammenarbeit mit der KV Niedersachsen. Wenn diese Systeme durch einheitliche Schnittstellen und Standards miteinander vernetzt sind, kann daraus eine funktionierende digitale Versorgung entstehen.
Sie arbeiten bereits mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen zusammen. Wie funktioniert dieses Modell?
Wer dort den ärztlichen Bereitschaftsdienst über die 116117 kontaktiert, wird zunächst mithilfe des Systems SmED [4] medizinisch eingeschätzt. Ergibt diese Ersteinschätzung, dass eine Videosprechstunde geeignet ist, wird zunächst ein Tele-Arzt zugeschaltet. Nur wenn dieser feststellt, dass eine Behandlung aus der Ferne nicht ausreicht, fährt anschließend der Bereitschaftsdienst zum Patienten.
Inzwischen wurden über dieses Modell mehr als 100.000 Behandlungen durchgeführt. Über 80 Prozent der Fälle konnten vollständig telemedizinisch abgeschlossen werden. Nur bei rund 20 Prozent musste anschließend noch ein Fahrdienst ausrücken, der dann von der Johanniter-Unfall-Hilfe übernommen wird.
Das zeigt aus unserer Sicht sehr gut, welches Potenzial Telemedizin bei der Entlastung des Bereitschaftsdienstes und der Notaufnahmen haben kann. Aus unserer Sicht ist dieses Modell durchaus auch ein Vorbild dafür, wie sich ähnliche Strukturen künftig auf andere KV-Regionen übertragen lassen könnten.
Derzeit wird ja auch wieder über die sogenannte Telefon-AU diskutiert, also die telefonische Krankschreibung, die zeitweise ausgesetzt und dann wieder eingeführt wurde. Können sich Anbieter von Videosprechstunden wie TeleClinic eigentlich freuen, wenn die Telefon-AU wieder eingeschränkt oder abgeschafft würde, weil dann mehr Patientinnen und Patienten auf die Videosprechstunde ausweichen müssten?
Das ist ein sehr berechtigter Punkt, und ich verstehe, warum das kontrovers diskutiert wird. Erst einmal zur Einordnung: Es gibt Auswertungen, die zeigen, dass weder die telefonische noch die videobasierte Krankschreibung ein relevanter Treiber der Krankheitstage in Deutschland sind. Aus einer Analyse des ZI und der Barmer wissen wir, dass telefonische Krankschreibungen bei etwa 0,8 bis 1 Prozent aller Krankschreibungen lagen, bei der Videosprechstunde waren es sogar nur 0,1 bis 0,4 Prozent.
Jetzt gibt es aber Überlegungen, die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag wieder einzuführen. Für uns ist dabei vor allem wichtig, dass das nicht zum Nadelöhr wird, gerade für Menschen ohne festen Hausarzt oder in unterversorgten Regionen. Genau das befürchten ja auch viele Ärztinnen und Ärzte, dass es zu einer massiven Überlastung der Praxen führen könnte.
Ich würde es deshalb nicht sagen, dass wir uns über mehr Zulauf durch eine strengere Regelung freuen. Uns geht es darum, dass ein guter digitaler Versorgungseinstieg zur Verfügung steht, wenn Menschen ihn brauchen. Wichtig ist außerdem, dass für Krankschreibungen per Videosprechstunde ohnehin klare Vorgaben gelten. Laut G-BA, dem höchsten Beschlussgremium im Medizinwesen, darf eine Erstbescheinigung per Video nur einmalig und für maximal drei Tage ausgestellt werden, und es muss vorher eine strukturierte Ersteinschätzung erfolgen. Das ist also kein Freifahrtschein, sondern reguliert wie jede andere Versorgungsform auch.
Aus aktuellem Anlass: Nina Warken hat angekündigt [5], die Fragebogen-Krankschreibung verhindern zu wollen. Das betrifft TeleClinic ja nicht, oder?
Nein, eine Krankschreibung basierend auf Fragebögen wird über die technischen Dienste der TeleClinic nicht ermöglicht. Approbierte, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte führen eine echte ärztliche Videosprechstunde mit strukturierter Ersteinschätzung und vollumfänglicher audiovisueller Behandlung über unseren zertifizierten Videodienst durch. Dabei werden insbesondere die strengen G-BA-Vorgaben und Qualitätskriterien nach Anlage 31c Bundesmantelvertrag zur Videosprechstunde eingehalten.
Was wäre für Sie der wichtigste Schritt, damit Telemedizin wirklich in der Regelversorgung ankommt?
Ich glaube, es kommt vor allem darauf an, dass wir jetzt konsequent dranbleiben. Die technischen Grundlagen entstehen gerade erst richtig, und parallel braucht es ein Vergütungssystem, das digitale Versorgung fair abbildet. Wenn das gelingt, bin ich zuversichtlich, dass Telemedizin in einigen Jahren ganz selbstverständlich zur Versorgung dazugehört – gerade auch für ältere Menschen, wie wir das in unseren Zahlen ja bereits sehen.
Wie könnte eine gerechte Vergütung aussehen?
Das heutige Vergütungssystem orientiert sich stark an der klassischen Quartalsversorgung durch den Hausarzt. Das passt nicht immer zu digitalen Erstkontakten, die häufig einzelne akute Anliegen betreffen.
Deshalb braucht es aus unserer Sicht eine eigenständige, faire Vergütung für telemedizinische Erstkontakte innerhalb der gesetzlichen Versorgung. Ärztinnen und Ärzte sollten durch Telemedizin weder benachteiligt noch bevorteilt werden. Entscheidend sollte sein, dass die jeweils passende Versorgungsform vergütet wird.
Darüber hinaus stellt sich aber noch eine grundsätzlichere Frage. Unser Gesundheitssystem vergütet heute überwiegend die Behandlung bereits bestehender Erkrankungen. Langfristig müsste Prävention deutlich stärker honoriert werden. Wenn Ärztinnen und Ärzte dazu beitragen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder sogar zu verhindern, sollte sich das auch im Vergütungssystem widerspiegeln. Solche Ansätze werden unter dem Begriff „Value Based Healthcare“ seit Längerem diskutiert.
Vor wenigen Tagen gab es einen Datenschutzvorfall bei TeleClinic. Was genau ist passiert?
Am 10. Juli kam es aufgrund eines technischen Fehlers in einer Caching-Komponente für einen Zeitraum von rund 30 Minuten zu einer fehlerhaften Anzeige von Daten. Betroffen waren insgesamt 60 Nutzerinnen und Nutzer. Einzelnen angemeldeten Personen wurden zeitweise personenbezogene Daten anderer Nutzer angezeigt.
Niemand konnte sich in fremde Konten einloggen oder im Namen anderer Personen handeln. Auch Änderungen an fremden Konten waren zu keinem Zeitpunkt möglich. Nicht betroffen waren Diagnosen, Rezepte, Atteste sowie Zugangs- oder Zahlungsdaten. Sichtbar werden konnten lediglich personenbezogene Stamm- und Versichertendaten sowie Terminübersichten. Nach der Auswertung unserer Zugriffs- und Telemetriedaten gibt es außerdem keine Hinweise darauf, dass die Daten weiterverbreitet oder missbräuchlich genutzt wurden.
Unsere Monitoring-Systeme haben den Fehler innerhalb weniger Minuten erkannt. Parallel ging auch eine erste Rückmeldung eines Nutzers ein. Aus Vorsicht haben wir die betroffenen Systeme sofort eingeschränkt, den Fehler innerhalb von 20 Minuten behoben und anschließend weitere technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt, um eine Wiederholung auszuschließen.
Anhand unserer Zugriffs- und Telemetriedaten konnten wir genau nachvollziehen, welche Inhalte in welchem Zeitraum angezeigt wurden und welche Personen betroffen waren. Alle 60 Betroffenen haben wir dann anschließend persönlich informiert, und den Vorfall haben wir auch an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet. Die Aufsichtsbehörde hat uns zwischenzeitlich den Abschluss des Verfahrens ohne weitere Maßnahmen bestätigt.
Natürlich ist unser Anspruch, dass ein solcher Fehler gar nicht erst passiert. Gleichzeitig wäre es nicht ehrlich zu behaupten, dass sich in hochkomplexen IT-Systemen technische Fehler mit absoluter Sicherheit ausschließen lassen. Entscheidend ist deshalb, wie ein Unternehmen mit einer solchen Situation umgeht. Für uns gehören dazu ein engmaschiges Monitoring, eine schnelle technische Reaktion, vollständige Transparenz gegenüber den Betroffenen und eine gründliche Analyse der Ursachen. Nach jedem Vorfall werden technische und organisatorische Prozesse überprüft und weiterentwickelt.
Datenschutz und Informationssicherheit sind für digitale Gesundheitsangebote die Grundlage für Vertrauen. Dieses Vertrauen entsteht nicht nur dadurch, dass Systeme zuverlässig funktionieren, sondern auch dadurch, dass offen und nachvollziehbar kommuniziert wird.
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Vor 80.000 Jahren explodierte hier die Erde: Heute lockt die Vulkaneifel mit idyllischen Maaren, Wanderwegen und erfrischenden Badeseen.
Im äußersten Westen Deutschlands liegt der Natur- und Geopark Vulkaneifel. Dort, wo die Natur vor allem durch ihre abwechslungsreiche und schöne Gestalt beeindruckt, war es nicht immer so ruhig und idyllisch. Mehr als 80.000 Jahre ist es her, als gewaltige Detonationen riesige Krater in die Landschaft sprengten.
Der Untergrund der Eifel war in Aufruhr. Doch auch aufgebrachte Vulkane beruhigen sich einmal wieder und im Laufe der Zeit sammelte sich Regen- und Grundwasser in den Kratern. So entstand eines der schönsten und beliebtesten Ausflugsziele für viele Wanderer und Erholungssuchende: Die Eifeler Maare.
Seit langer Zeit sind die feurigen Aktivitäten im Inneren unseres Planeten bekannt. So detonierte am Morgen des 27. August 1883 der Vulkan Krakatau südlich der Insel Sumatra. Er explodierte mit der unvorstellbaren Kraft von 7.000 Hiroshimabomben und hinterließ ein Bild der Verwüstung.
Eine der höchsten Flutwellen, von der die Wissenschaft bis heute Kenntnis hat, türmte sich auf und tötete mehr als 30.000 Menschen. Im weit entfernten Frankreich, über 18.000 Kilometer entfernt, konnte man noch nach 32 Stunden die Nachwehen jener Flutwelle spüren.
Durch diese erneute Detonation im "pazifischen Feuerring", der etwa 1.000 noch immer aktive Vulkane umfasst, veränderte sich das Klima in Europa. Die Durchschnittstemperatur sank damals um über 3 Grad Celsius. Als das "Jahr ohne Sommer", ging nur wenige Jahrzehnte zuvor, 1815 der gewaltige Ausbruch des Tambora [1] in die Geschichte ein. Ein vulkanischer Winter begann, der weite Teile Europas und Nordamerikas fest im Griff hatte.
Im Juli und im August fiel Schnee, Missernten waren die Folge und viele hungernde und ihrer Existenz beraubte Menschen sahen sich gezwungen auszuwandern. Eine der größten Auswanderungswellen in die "neue Welt" begann.
Der Himmel über Europa und Nordamerika leuchtete in phantastischen Farben. Die spektakulären Sonnenuntergänge mit ihren fast psychedelischen Farben, wurden von berühmten Künstlern wie John Constable und Caspar-David Friedrich in ihren Gemälden für die Nachwelt dokumentiert.
Weit entfernt vom pazifischen Feuerring, dennoch aber bis heute aktiv, ist die vulkanische Aktivität in der Eifel. Aber auch hier gab es vor rund 13.000 Jahren mindestens 35 schwere Ausbrüche im Gebiet des Laacher Sees, dicht gelegen am wunderschönen Kloster Maria-Laach.
Diese Eruptionen waren sogar noch deutlich stärker als jene des Mount St. Helens 1980, oder des Pinatubo 1991. Man zählt sie zu den stärksten Paroxysmen (Bezeichnung für einen sehr heftigen Ausbruch) im Quartär Mitteleuropas.
Feine Aschen wurden von den Winden 1.100 km weit nach Norden und bis zu 600 km weit nach Süden verfrachtet; nachzuweisen in Moorprofilen in Mecklenburg Vorpommern, auf Rügen, auf Gotland, um Genf und in Norditalien.
In der wunderschönen, vielfältigen Vulkaneifel geht es in der Gegenwart nun etwas ruhiger zu. Schon früh siedelten hier Menschen, die erkannten, dass die Vulkanböden aufgrund enthaltener Mineralien ausgesprochen fruchtbar sind und das Wasser lange speichern. So konnten sie den nährstoffreichen Böden gute Ernten abgewinnen.
Das kleine Dorf Meerfeld, gelegen direkt am Meerfelder Maar, liegt in der Nähe des idyllischen Erholungsortes Manderscheid im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Schon im Jahre 1877 schenkte Kaiser Wilhelm I., den Meerfeldern 12.000 Reichsmark. Dieses Geld sollten die Bewohner in die Landgewinnung investieren.
So wurden Teile des Maarkessels künstlich entwässert und der Seespiegel auf diese Weise um zwei Meter abgesenkt. Heute liegt der Vulkansee Meerfelder Maar auf einer Höhe von 335 Metern über dem Meeresspiegel, hat eine Wasseroberfläche von 24 Hektar und ist rund 18 Meter tief. Man kann das Zeugnis einer gewaltigen Eruption mitten in Europa bis heute umwandern.
Das tiefblaue Wasser des Sees und die abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Rad- und Wanderwegen laden zu jeder Jahreszeit zu einer intensiven Erkundung ein.
Geologie zum Nachlesen: Wie die Maare der Vulkaneifel entstanden sind
Wer sich intensiver mit Vulkanismus beschäftigen möchte kann zum Beispiel im eindrucksvollen Buch von Prof. Hans Pichler, "Vulkangebiete der Erde" zur Entstehungsgeschichte der Maare nachlesen:
"Ein hydrovulkanischer entstandener, meist mit einem See gefüllter Sprengtrichter wird als 'Maar' bezeichnet. Mit Durchmessern von weniger als 100 Metern bis zu mehr als 1.500 Metern und Tiefen von etwa 10 Metern bis zu 200 Metern stellen diese oft in ebenem Gelände auftretenden, morphologischen Hohlformen eine eigene Art vulkanischer Gebilde dar. Ihr Durchmesser ist durch die Tiefe des Explosionsherdes vorgegeben.
Das ausgeworfene Material bildet rund um den Sprengtrichter einen 10 bis etwa 40 Meter mächtigen Ring, der aus einer- oder zahlreichen Schichten bestehen kann, je nachdem, ob das Maar durch eine einzige Explosion oder einer Folge vieler Eruptionen entstanden ist.Maare sind also selbstständige Vulkane von trichterartiger bis schüsselförmiger Gestalt, eingetieft in beliebigen Untergrund. Sie sind durch Gaseruption vorwiegend in einem Eruptionszyklus entstanden.
Zu den bekanntesten dieser oft wassergefüllten quartären 'Hohlformen' zählen neben dem Meerfelder Maar die beiden Schalkmehrener Maare bei Daun, der Dreiser Weiher und das Pulvermaar. Das Meerfelder Maar und seine Umgebung stehen heute unter Naturschutz."
Von dem hübschen Erholungsstädtchen Manderscheid ausgehend, führt eine steile Straße bergab zu dem Dörfchen Meerfeld. Gleich unterhalb des Ortes liegt das Meerfelder Maar [2]. Die Bezeichnung "Maar" stammt vermutlich von dem lateinischen Wort mare (Meer) und wurde von dem Trierer Gymnasiallehrer Johann Steiniger (1794 – 1878) etabliert.
In brütender Hitze umrunden wir den See. Noch immer ist sehr eindrucksvoll zu erkennen, dass sich hier einst ein Vulkan befand. Der mit dichtem Mischwald bewachsene Krater ist noch gut zu erkennen. Das Meerfelder Maar ist nur eines von 77 in der Vulkaneifel nachgewiesenen Maaren und bereits 80.000 Jahre alt. Es ist das größte Maar der Westeifel.
Der jüngste Ausbruch eines Vulkanes in der Eifel liegt gerade einmal 10.900 Jahre zurück. Viele verschwitzte Wanderer, die es in diesem Sommer mit tropischen Temperaturen aufnehmen müssen, sind versucht, ihre Tour zu unterbrechen, um die Badeanstalt aufzusuchen, die sich am Maar befindet. Schließlich hat man hier die Chance, in einem erloschenen Vulkan zu schwimmen!
Urlauber und Anwohner suchen an diesem schönen Flecken Erde bei 36 Grad Celsius ein wenig Schatten und Abkühlung im sauberen Wasser. Der See ist unterteilt in einen Bereich für Schwimmer und einen Bereich, der langsam zuwächst und für zahlreiche Fische wie den Döbel und den Flussaal und viele Watvögel ein Biotop bietet.
Aus den erdgeschichtlich begründeten geologischen Voraussetzungen resultieren die heutigen flachbödigen, kalkhaltigen (basischen) Böden der heutigen Kalktriften. (Trift=Viehtrieb). Es existieren Bedingungen, die speziellen Pflanzengesellschaften einen Lebensraum bieten.
Dazu zählen viele Orchideenarten wie das Knabenkraut (Dactylorhiza) oder das Waldvögelein (Cephalanthera damasonium).Das Ufer des Maars wird gesäumt von Feuchtwiesen, Seggenrieden und einer breiten Schilfzone im Süden, die vielen Tieren einen geschützten Lebensraum bietet.
Für eine Wanderung um das Meerfelder Maar ist keine außergewöhnliche Kondition erforderlich. Die Dauer variiert je nach gewählter Route. Der einfache Rundweg direkt am Seeufer ist ca. 2,6 km lang und dauert etwa 45 Minuten. Ein beliebter, etwas längerer Panoramarundweg (z. B. Mit Abstecher zum Aussichtsturm "Landesblick") umfasst etwa 6,3 km. Dieser Weg nimmt etwa zwei Stunden Gehzeit in Anspruch.
Eine Wanderung macht durstig. Von Meerfeld ist es mit dem Auto oder dem Rad nicht mehr weit zu einer bekannten Mineralquelle. Nach nur 16 km über die L16 erreichen wir den kleinen Ort Wallenborn. Passiert man das einladende Gasthaus "Landhaus zum Brubbel", findet sich ein Büdchen, wo man ein geringes Eintrittsgeld entrichtet, um den Wallenborner Brubbel zu bewundern.
Wallenborn liegt in einem weiten Talkessel am östlichen Rand der Kyllburger Waldeifel, etwa zwölf km entfernt von Daun. In der "Eifilia Illustrata" (historisch geographische Beschreibung der Eifel) von Georg Bärsch ist über Wallenborn zu lesen:
"Es befinden sich hier mehrere Mineralquellen und Mofetten (Austrittsstelle für vulkanisches Kohlendioxidgas (CO2)), wovon der Ort seinen Namen erhalten hat. Es sind hier acht sprudelnde Quellen, welche man 'Brubbeldreis' nennt und die ebenso wie der Brubbeldreis bei Gerolstein schwefelhaltig und Insekten tödlich sind."
Ebendiese Insekten aber, machen uns dessen ungeachtet an jenem brutheißen Tag ziemlich zu schaffen. Während wir an der Absperrung aus Balsaltblöcken warten, wann "Brubbel" sich die Ehre gibt, tief aus dem Erdinnern emporzusteigen, fallen zahlreiche Stechfliegen über unsere nackten Beine her und tun sich an humanoidem Blut gütlich.
Dann endlich, nach etwa 20 Minuten Wartezeit gluckert es und die Fontaine steigt empor. "Brubbel" hat jedenfalls seinen Namen rechtmäßig erworben. Nicht ganz so gewaltig wie sein Vetter Old Faithfull in Nordamerika- und vor allem nicht so heiß, gibt der kleine Geisir doch ein nettes Spektakel zum Besten. Wer möchte, kann danach im benachbarten "Gasthaus zum Brubbel" auch einen "Brubbelkuchen" genießen, der mit dem kohlensäurehaltigen Wasser des Geisirs zubereitet wird.
Nahe des kleinen Ortes Bettenfeld steigen wir aus dem Auto und schon wieder sind sie da: Myriaden kleiner, fast tropisch nervender Insekten, die unsere Wanderung um den Kratersee von Windsborn [3] begleiten sollen.
Dieser kleine See wird ausschließlich durch Niederschlag gespeist und verlandet sichtlich. Sein Seewasser ist leicht gelblich verfärbt und mit einem PH-Wert von 5-6 leicht sauer. Er ist der einzige ständig mit Wasser gefüllte Kratersee der Eifel und nördlich der Alpen. Viel Kondition braucht es nicht, den See zu umrunden, nur ein gutes Insektenspray!
Wir laufen circa eine Stunde lang um den See durch einen dicht bewaldeten Pfad, müssen uns oft bücken und unter tief hängenden Zweigen durchkriechen. Von dichter Vegetation ist der Kratersee umgeben. Rund um das Gewässer sind noch die Schweißschlacken (vulkanisches Auswurfmaterial) zu erkennen, aus denen sich der Berg aufgetürmt.
Ein besonderer Lebensraum findet sich hier für zahlreiche Pflanzen und Insekten. Der Fieberklee treibt am Rande des Sees im Mai und Juni viele weiße Blüten aus. Das rot blühende Sumpfblutauge kann man im Juli bewundern. Zum Schwimmen ist der See nicht geeignet, denn schon jetzt ist gut zu erkennen, dass der Kratersee von außen nach innen verlanden und sich zu einem Hochmoor entwickeln wird.
Wunderschön anzusehen sind die zahllosen Libellen, die am See ihren Lebensraum gefunden haben. Eine kurze, aber schöne und lehrreiche Wanderung. Ein kleines Stückchen Tropenfeeling heutzutage in der Vulkaneifel, die einst aber auch als "Preußisch Sibirien" bekannt war.
Die Eifel war nämlich seinerzeit als unwirtlich und rau verschrien. Doch ließ sich ein berühmter Wanderer nicht davon abschrecken und suchte mehrfach diese Gegend auf: Alexander von Humboldt war bekannt für seine Leidenschaft für Fossilien, von denen er in der Umgebung von Gees bei Gerolstein [4] so viele fand, dass er verzweifelt nach einem Behältnis für den Transport suchte.
Er fand die Lösung, indem er einigen Bauersfrauen auf den umliegenden Feldern ihre Wollsocken abkaufte, in denen er seine Fossilien verstauen konnte.
So war und ist die Vulkaneifel bis heute ein wunderschönes Ziel, um die Erdgeschichte und die Natur die daraus entstand, zu studieren und sich auf zahllose Wanderungen zu begeben, um diese Schönheit auch im Kleinen zu finden.
"Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen."
Johann-Wolfgang von Goethe
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Kaffee als Longevity-Mittel? Forscher weisen im Zellmodell nach, dass Polyphenole und nicht Koffein zelluläre Schutzprogramme starten.
Wer morgens eine Tasse Kaffee genießt, tut dies wahrscheinlich, um munter zu werden. Die belebende Wirkung ist bekannt und wird geschätzt. Doch Kaffee wirkt im Körper auf vielfältige Weise und mitunter auch positiv auf die Gesundheit.
Seit Jahrzehnten zeigen Beobachtungsstudien, dass Kaffeetrinker tendenziell länger leben und seltener an Krebs, Parkinson oder Stoffwechselstörungen erkranken. Den biologischen Mechanismus dahinter, der diese Wirkung erklären könnte, kannte allerdings niemand so genau.
Ein Team der Texas A&M University um den Pharmakotoxikologen Stephen Safe hat nun in der Fachzeitschrift Nutrients eine mögliche Erklärung [1] präsentiert: den Kernrezeptor NR4A1, ein Protein, das Genaktivität bei zellulärem Stress reguliert.
Das Besondere an diesem Rezeptor: Er reagiert auf Substanzen in der Nahrung und steuert Reparaturprogramme in nahezu jedem Gewebe. Safe bezeichnet NR4A1 als "Nährstoffsensor". Gegenüber der Pressestelle seiner Universität [2] erklärte er:
"Wenn man fast jedes Gewebe schädigt, reagiert NR4A1, um diesen Schaden zu mindern. Entfernt man diesen Rezeptor, ist der Schaden größer."
Die Forscher untersuchten gebrühten Kaffee mit Bohnen aus verschiedenen Ländern. Sie kamen etwa aus Honduras, Mexiko, Guatemala und Kolumbien.
Zubereitet wurde der Kaffee so, wie es im Alltag üblich ist: Gemahlener Kaffee oder Espresso-Pulver wurde in kochendes Wasser gegeben, acht bis zehn Minuten umgerührt und dann gefiltert.
Anschließend prüften die Wissenschaftler, welche Inhaltsstoffe des Kaffees an den Rezeptor NR4A1 binden können. Dafür nutzten sie zwei etablierte Labormethoden.
Das Ergebnis: Mehrere Pflanzenstoffe im Kaffee, vor allem Polyphenole, binden deutlich an diesen Rezeptor. Am stärksten war die Bindung bei Kaffeesäure. Auch Ferulasäure, Chlorogensäure, p-Cumarinsäure sowie die Kaffeeinhaltsstoffe Kahweol und Cafestol zeigten eine klare Wirkung.
Für die Wahl, ob man lieber entkoffeinierten oder normalen Kaffee trinkt, dürfte folgendes Ergebnis entscheidend sein: Zwar dockte Koffein an NR4A1 an, löste aber in den untersuchten Zellen kaum eine Wirkung aus.
Safe bilanzierte: "Die Polyhydroxy- und Polyphenolverbindungen sind viel aktiver". Und dieses Ergebnis korreliert mit früheren großen Bevölkerungsstudien, die feststellen, dass entkoffeinierter Kaffee ähnlich gut schützt wie normaler.
Als Zellmodelle dienten NR4A1-responsive Rh30-Krebszellen und RAW264.7-Makrophagen. Die Kaffee-Polyphenole hemmten das Tumorwachstum und dämpften Entzündungssignale über den IkBα-Signalweg.
Entscheidend: Schalteten die Forscher NR4A1 per RNA-Interferenz aus, verschwanden diese Effekte weitgehend – ein starkes Indiz, dass der Rezeptor den Wirkweg vermittelt.
Trotzdem warnt Safe vor voreiligen Schlüssen. Die Studie ist rein mechanistisch, alle Versuche fanden in vitro statt. Die eingesetzten Wirkstoffkonzentrationen lagen teils über dem, was nach einer normalen Tasse Kaffee im Blut messbar ist.
An den gängigen Empfehlungen zum Kaffeekonsum ändere sich deshalb vorerst nichts.
Es ist auch nicht notwendig, mehr Kaffee als üblich zu trinken, denn viele der gesunden Substanzen sind auch in Obst und Gemüse zu finden. Eine stärker pflanzenbasierte Kost dürfte den NR4A1-Rezeptor ebenfalls positiv beeinflussen.
Das Team arbeitet bereits an synthetischen Verbindungen, die gezielter auf NR4A1 einwirken als natürliche Nahrungsbestandteile. Ziel sind neue Therapien gegen Krebs und andere altersbedingte Erkrankungen.
Safe fasste zusammen: "Wir haben den Zusammenhang hergestellt, müssen aber noch besser verstehen, wie wichtig dieser Zusammenhang ist".
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Airbus hat begonnen, eine erste Gruppe kritischer Anwendungen von Amazon Web Services zu Scaleway zu verlagern. Der französische Cloudanbieter übernimmt damit einen Teil der Systeme im Rahmen von Airbus' Strategie zur digitalen Souveränität.
In dieser ersten Phase wechseln 70 Anwendungen in die französische Cloud. Insgesamt zählt Airbus rund 900 Systeme zu jenen, die für das Unternehmen als geschäftskritisch gelten, intern als Minimum Viable Company bezeichnet. Zu den betroffenen Anwendungen gehören ERP-Systeme, CRM-Werkzeuge sowie Programme für Fertigungssteuerung und Produktlebenszyklus-Management. Alle liefen bislang auf AWS.
Catherine Jestin, Digitalchefin von Airbus, erklärte, die Wahl von Scaleway sei das Ergebnis einer Ausschreibung, die Anfang 2026 gestartet wurde. Ausschlaggebend seien technische Leistung und finanzielle Konditionen gewesen, die im Vergleich zu großen Hyperscalern überzeugt hätten.
Jestin ergänzte, Scaleway habe zugesagt, Airbus in die Entwicklung seiner künftigen Produkt-Roadmap einzubinden. Dieser Punkt habe bei der Bewertung Gewicht gehabt. Airbus hatte zuvor darauf hingewiesen, dass europäische Cloudanbieter in der Regel deutlich kleiner sind als ihre amerikanischen Pendants. Einen passenden Partner für Verteidigungs- und Industrieanwendungen zu finden, sei deshalb keineswegs selbstverständlich gewesen.
Nicht alle Anwendungen werden verlagert. Skywise, die Plattform von Airbus zur Sammlung und Auswertung von Luftfahrtdaten, bleibt ebenso bei AWS wie ein System zur Bearbeitung technischer Kundenanfragen.
Jestin beschrieb den Schritt als Versuch, kritische Datenbestände dem Zugriff ausländischer, extraterritorialer Gesetze zu entziehen, ohne dabei Leistung und Ausfallsicherheit für die Industrieprozesse zu gefährden.
Der US Cloud Act erlaubt es amerikanischen Behörden, auf Daten zuzugreifen, die im Ausland gespeichert sind, sofern das jeweilige Unternehmen seinen Hauptsitz in den USA hat. Der Standort der Server spielt dabei keine Rolle.
Die Spannungen zwischen den USA und mehreren europäischen Regierungen seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit fallen zeitlich mit einem wachsenden Interesse europäischer Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen an digitaler Souveränität zusammen. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang lässt sich daraus jedoch nicht zwingend ableiten.
AWS, Microsoft und Google haben jeweils versucht, diesen Bedenken mit eigenen souveränen Cloudangeboten für europäische Kunden zu begegnen. Ein Microsoft-Manager sagte dennoch vor einem französischen Gericht unter Eid aus, das Unternehmen könne Souveränität im Rahmen der bestehenden Vereinbarungen nicht vollständig garantieren.
Trotz des Wechsels zu Scaleway plant Airbus nicht, sich generell von nicht-europäischen Anbietern zu verabschieden. Das Unternehmen nutzt weiterhin Software von Microsoft und Google sowie Salesforce, Coupa und Workday für andere Funktionsbereiche.
Laut Jestin werden solche Entscheidungen einzeln getroffen. Ausschlaggebend sei vor allem, wie sensibel die jeweiligen Daten seien.
(Bild: Kemarrravv13 / Shutterstock)
Mehrere Dutzend ehemalige Apple-Beschäftigte sollen Geschäftsgeheimnisse an OpenAI weitergegeben haben. Sie bekamen Post von Apple.
Im Streit zwischen Apple und OpenAI über mutmaßlich preisgegebene Geschäftsgeheimnisse des iPhone-Herstellers kommen neue mögliche Fälle ans Licht. Nach einer Klage gegen zwei ranghohe Überläufer von Apple zu OpenAI haben Apples Anwälte weitere Ex-Beschäftigte kontaktiert, die jetzt bei dem KI-Hersteller arbeiten. Auch sie sollen ihr Apple-Insiderwissen bei OpenAI preisgegeben haben. OpenAI entwickelt ein Gerät speziell für die Nutzung mit Künstlicher Intelligenz – und setzt dabei vermehrt auf abgeworbenes Apple-Personal.
Die Financial Times (FT) berichtet [1] konkret über rund 40 Personen, die per Brief aufgefordert worden sein sollen, bestimmte Dokumente und Korrespondenz aufzubewahren. Die Briefempfänger wurden demnach auch zu Terminen mit den Anwälten von Apple geladen. Damit wären etwa zehn Prozent der 400 Personen, die von Apple zu OpenAI gewechselt sind, jetzt im Visier ihres Ex-Arbeitgebers. Die FT beruft sich auf mehrere, nicht näher genannte Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind.
Vorangegangen war eine Klage von Apple gegen zwei ehemalige ranghohe Mitarbeiter [2]. Einer ist Tang Tan, vormals Apple-Designer, heute Hardware-Chef von OpenAI. Er war der bisher ranghöchste Überläufer, arbeitete mehr als 20 Jahre bei Apple und verantwortete vor seinem Wechsel das Design des iPhones und der Apple Watch. Sein neuer und alter Kollege Chang Liu war acht Jahre lang bei Apple als leitender Ingenieur tätig und arbeitete an einigen der sensibelsten Produktentwicklungsprogramme von Apple mit, wie es in Apples Klage [3] heißt. Heute ist er ebenfalls für OpenAI tätig.
Als Apple Liu kontaktierte, um ihn zu bitten, die Vertraulichkeitserklärung von Apple zu unterzeichnen, einen Termin für ein Austrittsgespräch zu vereinbaren und zu bestätigen, dass er seine Geräte zurückgegeben und die übrigen Austrittsformalitäten erfüllt habe, soll er laut Klage nicht reagiert haben. Liu soll bei OpenAI über seinen Apple-Dienstrechner auf Daten des iPhone-Herstellers zugegriffen haben. Die sogenannten „Exit Interviews“ sind bei Apple Befragungen für Mitarbeiter, die gekündigt haben. Tan und Liu sollen ihren Neukollegen Tipps gegeben haben, wie sie in diesen Interviews am besten durch die Sicherheitsüberprüfungen kommen.
Möglicherweise haben sich die 40 Personen, die jetzt Post von Apples Anwälten bekommen haben, ähnlich wie Liu nach seinem Arbeitgeberwechsel verhalten. Bewerbungskandidaten von Apple sollen Tan und Konsorten sogar gebeten haben, Apple-Bauteile zum Bewerbungsgespräch mitzubringen – was Apple natürlich streng verbietet, inklusive rigoroser Sicherheitsprotokolle. Apple sieht in all dem eine Strategie von OpenAI.
OpenAI sieht derweil „keine Beweise“ für Diebstahl geistigen Eigentums [4]. Für das Unternehmen kommen die rechtlichen Probleme zur Unzeit: In diesem Jahr plant es seinen Börsengang [5]. Zudem dürfte die Entwicklung eigener Hardware durch hunderte Ex-Apple-Leute noch viel Stoff für weitere juristische Auseinandersetzungen liefern und damit alles andere als leicht werden.
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Durch Verkettung einer SQL-Injection- und einer API-Lücke können Angreifer Code einschleusen. WordPress hat ein Update veröffentlicht, die Finder einen Hotfix.
Sicherheitsforscher haben zwei Sicherheitslücken in WordPress gefunden, die sich zu einem Exploit verketten lassen und dann das Einschleusen von Schadcode ermöglichen. Administratoren des beliebten Blog-Systems sollten zügig updaten oder ein Mini-Plugin als Notfallflicken einspielen.
Eine kritische SQL-Injection-Lücke (CVE-2026-60137) hat einen CVSS-Wert von 9,1/10 und kann durch Angreifer aus der Ferne ausgenutzt werden. Die Lücke betrifft den author__not_in-Parameter von WP_Query, der nicht korrekt validiert wird.
Die zweite der beiden Sicherheitslücken haben die Forscher von Searchlight Cyber [1] entdeckt – und dem Trend gehorchend direkt mit einem Spitznamen versehen: „WP2Shell“. Die Sicherheitslücke mit der CVE-Kennung CVE-2026-63030 ist für sich genommen „nur“ mit einem hohen Risiko bedacht (CVSS 7.5/10) und basiert auf einem Fehler im REST-API des freien CMS. Nur wenige Details sind bekannt, doch der API-Endpunkt /wp-json/batch/v1 scheint der Schuldige zu sein.
Die Finder haben unter wp2shell.com [2] eine Prüfmöglichkeit für Blogbetreiber veröffentlicht. Sie erlaubt eine erste Einschätzung und enthält einen praktischen Flicken: Ein wenige Zeilen PHP-Code umfassendes WordPress-Plugin, das die schadhafte API-Route mit einer Authentifizierung versieht. Wer sein WordPress nicht sofort auf den neuesten Stand bringen kann – die empfohlene Vorgehensweise –, sollte zu diesem Behelf greifen.
Problematisch ist die Verkettung beider Lücken – sie führt zu einer Möglichkeit, Code ohne vorherige Anmeldung in verwundbare WordPress-Installationen einzuschleusen. Derlei Sicherheitslücken sind leicht automatisierbar und können etwa zu Großangriffen führen: Derzeit sind etwa 500 Millionen Installationen von WordPress im Internet zu finden.
Das WordPress-Team hat bereits reagiert und neue Versionen publiziert [3]:
Versionen vor WordPress 6.8 sind nicht betroffen. Admins sollten die Aktualisierung schnellstmöglich einspielen – es ist zu erwarten, dass Angreifer die Sicherheitsflicken mit KI-Hilfe analysieren und noch am Wochenende erste Exploitversuche starten.
Das freie CMS WordPress erfreut sich vor allem durch sein reichhaltiges Angebot an Vorlagen und Plugins großer Beliebtheit. Letztere sind häufiges Einfallstor für Sicherheitslücken [4], ein Fehler im Kern der Software ist mittlerweile seltener geworden.
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Mehr Datenschutz, weniger Kosten: Was ist mit einem lokalen KI-Server möglich? Gibt es Einschränkungen oder überwiegen die Vorteile?
Egal, ob man gern ausufernde Gespräche mit einem Chatbot führt, jede Menge Bilder generiert oder Programmierprojekte mit KI umsetzen will: Die Token schwinden wie Eis in der Sonne und das Ganze geht schnell ins Geld. Mal ganz abgesehen davon, dass gerade im beruflichen Kontext Vorsicht geboten ist, welche Daten man an die Onlinedienste weitergibt.
Lokale KI-Modelle sind da die deutlich bessere Wahl: Die Kosten sind besser kalkulierbar, weil man nur in Hardware investieren und kein Abo bei KI-Firmen abschließen muss. So muss man nicht mehr jedes Token auf die Goldwaage legen. Und um den versehentlichen Abfluss von Daten braucht man sich dann keine Sorgen machen. Auch die Abhängigkeit sinkt: Wer die eigene Arbeit oder die eines Unternehmens von fremder KI-Infrastruktur abhängig macht, ist Preissteigerungen und Ausfällen schlicht ausgeliefert und kann nicht eben mal wechseln.
In dieser Folge des c’t uplink sprechen wir darüber, was mit einem lokalen KI-Server möglich ist, ab welcher Hardware das Spaß macht und welche coolen Dinge ein solcher KI-Server tun kann. Jan Mahn berichtet von seinen Erfahrungen beim Aufsetzen eines LLM-Servers für kleine Teams. [7] Dabei wird aus einer Linux-Maschine mit ordentlicher GPU ein KI-Server mit Open-Source-Software wie Ollama und Open WebUI. Er verrät auch, welche Hardware dafür nötig ist.
Jan-Keno Janssen wiederum hat für ein c’t-3003-Video mit agentischer KI experimentiert [8] und lässt Hermes Agent sein Linux-System konfigurieren oder das Hintergrundbild ändern. Im c’t uplink sprechen wir über die Möglichkeiten und auch darüber, welche Risiken agentische Systeme bergen.
► Mitdiskutieren auf dem heise & c't Discord-Server [9]
Zu Gast im Studio: Jan Mahn, Jan-Keno Janssen
Host: Liane M. Dubowy
Produktion: Tobias Reimer
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Apple-Chef Tim Cook bei einer früheren Produktvorstellung.
(Bild: Apple)
Nvidia war dank KI-Chips ein Jahr lang das wertvollste Unternehmen. Doch Apple holte zuletzt stark auf.
Apple hat sich am Freitag nach mehr als einem Jahr den Titel des wertvollsten Unternehmens an der Börse zurückgeholt – zumindest für kurze Zeit. Den Ausschlag gab im frühen US-Handel ein Kursrückgang von knapp vier Prozent bei der Aktie des Chipkonzerns Nvidia, der zuletzt die Rangliste anführte. Danach kam Nvidia auf einen Börsenwert von etwa 4,84 Billionen Dollar, während es bei Apple rund 4,9 Billionen Dollar waren. Wenig später reduzierte sich das Minus der Nvidia-Aktie etwas und der Chipkonzern hatte die Nase wieder knapp vorn.
Die Aktie des iPhone-Konzerns hatte zuletzt deutlich zugelegt [1]. Auslöser dafür war unter anderem die Anfang Juni vorgestellte neue Version der Assistenzsoftware Siri mit Künstlicher Intelligenz. Sie wird allgemein im Herbst eingeführt, Testnutzer zeigten sich aber bereits beeindruckt. In der Europäischen Union wird es die neue Software auf iPhone und iPad zunächst nicht geben. Apple verweist auf Datenschutz-Bedenken wegen der europäischen Forderung, die Betriebssysteme für andere KI-Anbieter zu öffnen.
Beobachter sehen in der Aktie des iPhone-Konzerns eine Art „Hedge“ gegen die aufziehende KI-Blase: Apple fährt gute Gewinne mit Hardware und Diensten ein, ist aber gleichzeitig deutlich weniger in Rechenzentren und Dienstleister in dem Bereich investiert als die Konkurrenz. Mark Bronzo von Rye Strategic sieht es so: „Auf dem Markt tobt ein Kampf, und derzeit profitiert Apple davon, da es nicht in jenem Sturm steckt, in dem sich der Rest der KI-Branche befindet“, sagte er diese Woche der Finanznachrichtenagentur Bloomberg [2].
Die jetzige Entwicklung könnte maßgeblich das Bild von Tim Cooks letzten Monaten als Apple-CEO prägen. Dieser übergibt im September das Ruder an Hardware-Chef John Ternus [3].
Nvidia wurde vor rund einem Jahr zum Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert dank der exorbitanten Nachfrage nach Chips des Konzerns für den Betrieb Künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen knackte als Erstes auf der Welt die 5-Billionen-Dollar-Marke bei der Marktkapitalisierung [4]. Nur wenige Monate zuvor hatte Microsoft Apple von der Spitze verdrängt.
Zuletzt sorgte – wie schon einmal zuvor – ein neues chinesisches KI-Modell [5] für einen Kursdämpfer bei Nvidia. Anleger stellen sich darauf ein, dass Künstliche Intelligenz mit weniger Rückgriff auf Nvidia-Chips weiterentwickelt werden könnte als bisher angenommen. Chinesische KI-Firmen haben aktuell nur Zugang zu älteren und weniger leistungsstarken Nvidia-Chipsystemen. [6]
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Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Git Browser, Microsoft, Mirantis, Google, Flux, JetBrains, W3C, Gradle und OllyGarden.
In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:
go get github.com/microsoft/agent-framework-go lässt sich die Go-Implementierung des KI-Agenten-Toolkits einem Go-Projekt hinzufügen.Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [17].
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(Bild: Matthias Parbel / KI / iX)
Zwei OpenTelemetry-Experten erklären, warum zu viele Daten schaden – und wie ein Top-down-Ansatz die Zuverlässigkeit der Observability rettet.
Terabytes an Logs, Metriken und Traces landen täglich in den Observability-Backends großer Unternehmen – ohne dass jemand genau sagen kann, wofür. Genau an dieser Stelle setzte der Eröffnungsvortrag der Online-Konferenz Mastering Observability im April 2026 [1] an. Unter dem Titel „Weniger Sammeln, mehr Verstehen – hin zu proaktivem Reliability Engineering“ argumentierten Severin Neumann und Juraci Paixão Kroehling, dass Observability kein Tool-Wettrüsten ist, sondern ein Engineering-Problem. Nicht die Datenmenge entscheidet, sondern ob sich damit die Fragen beantworten lassen, die für die Zuverlässigkeit verteilter Systeme wirklich zählen.
Beide Speaker bringen einschlägige Erfahrung mit: Neumann, Head of Community bei Bronto, sitzt im OpenTelemetry Governance Committee [2] und pflegt als Co-Maintainer die Dokumentation des Projekts. Kroehling ist Mitgründer und CEO von OllyGarden, einer OpenTelemetry-nativen Plattform mit Fokus auf Telemetrie-Qualität, ehemaliger Jaeger-Maintainer und Schöpfer zentraler OTel-Komponenten wie Collector Builder und Operator. Ihre gemeinsame These: Viele Organisationen betreiben angstgetriebene Datensammlung nach dem Motto „erst alles erfassen, später entscheiden“.
Die Folgen dieses „Telemetry Hoarding“ sind konkret: steigende Kosten für Storage, Egress, Ingestion und Verarbeitung, wachsendes Misstrauen gegenüber den eigenen Daten sowie eine längere Mean Time to Repair (MTTR). Statt proaktivem Reliability Engineering bleiben Teams im dauerhaften Fire-Fighting-Modus stecken. Observability definieren die Vortragenden schlicht als die Fähigkeit, Fragen zu stellen und belastbare Antworten zu erhalten – die drei Signale Logs, Metriken und Traces sind dafür nur das Fundament.
Als Denkmodell dient das „2-Uhr-Szenario“: Ein Service bricht mitten in der Nacht zusammen, betroffen sind Nutzer in einer anderen Zeitzone. Welche Frage würde das Bereitschaftsteam um zwei Uhr morgens stellen – und beantwortet die vorhandene Telemetrie sie überhaupt? Diese Perspektive verschiebt den Fokus von „Was können wir alles sammeln?“ hin zu „Was muss ich wissen, damit Nutzer ihr Ziel zuverlässig erreichen?“.
Der vorgestellte Ansatz arbeitet sich von oben nach unten vor: von kritischen Nutzertransaktionen wie Login, Checkout oder Payment über die Service-Grenzen bis hinunter zur Infrastruktur mit Datenbanken, Queues und Netzwerk. Bei den Metriken bilden die Golden Signals – Latency, Traffic, Errors und Saturation – den Einstieg. Alerts sollen nur für Kennzahlen entstehen, die direkt die Zuverlässigkeit der Nutzerziele betreffen, und jeder Alert muss actionable sein, also eine klare Zuständigkeit und erwartbare Maßnahme mit sich bringen.
Traces bilden nach Ansicht der Referenten das Fundament der Strategie. Statt alles zu erfassen, empfehlen sie strategisches Sampling entlang kritischer Kundentransaktionen und selektives Sampeln übriger Pfade, um Datenvolumen und Kosten im Griff zu behalten. Auto-Instrumentierung deckt Dependencies und unterstützende Dienste wie Datenbanken, Message-Broker und externe APIs ab, während code-basierte Instrumentierung den Geschäftskontext einfängt – mit Attributen wie order_value, tenant_id oder feature_flag. Logs wiederum sollen nur gespeichert werden, wenn sie Evidenz liefern, verknüpft mit Trace- und Span-IDs statt generischer Meldungen wie [Error] Transaction failed.
Praktisch heißt das für DACH-Enterprises mit ihren oft strengen Compliance-Anforderungen: Debug-Spam, duplizierte Retry-Logs und Detailmetriken ohne Bezug zu Nutzerzielen fliegen raus. In die Sammlung gehören dagegen Golden Signals der kritischen Transaktionen, trace-basierte Geschäftsprozesse, strukturierte Fehlerlogs und knappe Ressourcenzustandsmetriken. Ein Big-Bang-Umbau ist dafür nicht nötig – der Einstieg über ein oder zwei geschäftskritische Services und eine schrittweise Governance blockiert das Tagesgeschäft am wenigsten.
Ein zentraler Baustein sind die OpenTelemetry Semantic Conventions. Sie sorgen dafür, dass Teams, Tools und Cloud-Anbieter dieselben Begriffe auf dieselbe Weise verwenden. Drei Regeln bringen das auf den Punkt: Konsistenz (etwa einheitlich deployment.environment.name = "production" statt uneinheitlichem env = "live"), Einmaligkeit (ein Name bezeichnet exakt eine reale Sache, nicht zwei Services mit service.name = "api") und Beständigkeit (statt service.name = "checkout-v1" besser service.name = "checkout" plus separates service.version).
Diese Konventionen heben nicht nur das Signal-Rausch-Verhältnis, sie machen Telemetrie auch für Maschinen verständlich. Gerade KI-Agenten und LLM-gestützte Debugging-Workflows sind auf semantisch klare, konsistente Daten angewiesen, um Kausalitäten erkennen zu können. Fehlen einheitliche Konventionen, entsteht ein „Semantic Sprawl“, der Interoperabilität zwischen Backends und Cloud-Diensten erschwert und einen Anbieterwechsel ohne komplette Re-Instrumentierung nahezu unmöglich macht.
Für die Umsetzung nennen die Speaker mehrere schnelle Gewinne. Auf Collector-Ebene lässt sich viel Ballast abwerfen: Ein Audit reduzierte 236 Resource-Attribute auf 85 tatsächlich benötigte, also über 60 Prozent weniger. Connection-Retries, die 300 identische Log-Einträge produzieren, schrumpfen per Deduplizierung auf einen Eintrag pro Vorfall. Auf SDK-Ebene helfen deklarative Konfiguration in YAML statt Boilerplate-Code sowie einheitliche SDK-Wrapper pro Sprache. Tools wie OpenTelemetry Weaver und KI-gestützte Agenten prüfen Code und Telemetrie automatisiert gegen die Conventions.
Severin Neumann ist Head of Community bei Bronto. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Observability, verteilten Systemen und der Frage, wie Engineering-Teams komplexe Softwarelandschaften zuverlässig betreiben können. Severin ist Mitglied des OpenTelemetry Governance Committees sowie Co-Maintainer der OpenTelemetry-Dokumentation und engagiert sich aktiv in der Open-Source- und Cloud-Native-Community.
Juraci Paixao Kroehling ist Mitbegründer und CEO von OllyGarden, einer OpenTelemetry-nativen Plattform, deren Schwerpunkt auf der Qualität der Telemetriedaten liegt. Er ist Mitglied des OpenTelemetry Governance Committee, ehemaliger Jaeger-Maintainer und Entwickler zentraler OpenTelemetry-Komponenten, darunter der Collector Builder und der Operator. Als CNCF-Botschafter mit Sitz in Berlin leistet Juraci seit den Anfängen einen Beitrag zum Cloud-Native-Ökosystem.
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Mideas mobile Split-Klimaanlage lässt sich per Home Assistant bedienen und automatisieren. So lässt sich das Gerät sogar offline steuern.
Die PortaSplit von Midea [1] [1] ist im Hitzesommer 2026 heiß begehrt. Denn die mobile Split-Klimaanlage sorgt besonders in Haushalten, die keine fest installierte Klimaanlage nutzen können, für willkommene Abkühlung. Wir zeigen, wie man die PortaSplit mit Home Assistant effektiv in sein vorhandenes Smart Home integriert und noch mehr aus den Möglichkeiten der mobilen Klimaanlage herausholt.
Wer ohnehin schon auf Home Assistant setzt, kann damit alle wichtigen Funktionen der PortaSplit direkt im eigenen Dashboard steuern. Das Einbinden in die heimische Home-Assistant-Installation bietet aber mehr als nur kosmetische Vorteile. So kann der Nutzer die Sensoren aus seinem Smart Home verwenden, um die Klimaanlage zu steuern. Ein Temperaturfühler am anderen Ende des Raumes könnte etwa wertvollere Werte liefern als die internen Sensoren der PortaSplit oder ein Fenstersensor schaltet die Anlage automatisch ab, wenn ein Hausbewohner durchlüftet.
Dank Home Assistant drosseln Sie Leistung gezielt, wenn gerade weniger Strom von der eigenen PV-Anlage kommt. Oder lassen Sie Ihre smarten Ventilatoren anspringen, wenn die Klimaanlage startet, um die kühle Luft großflächig zu verteilen. Schließlich lässt sich die PortaSplit dank Home Assistant sogar offline nutzen, ohne Daten an Midea weiterzugeben.
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Die IDE ermöglicht die direkte Verwendung von GitHub Copilot und kann mit neuen Versionen der Programmiersprachen Java, Kotlin und TypeScript umgehen.
JetBrains hat IntelliJ IDEA 2026.2 veröffentlicht. In der zweiten Hauptversion des Jahres sind Support für das anstehende Release Java 27 ebenso wie für Kotlin 2.4 und TypeScript 7.0 enthalten. Neuerungen bietet die Entwicklungsumgebung auch im Bereich des KI-gestützten Codings.
Nicht nur das auf Java, Kotlin und weitere Programmiersprachen ausgelegte IntelliJ IDEA hat ein Versionsupdate erhalten, sondern auch zahlreiche weitere JetBrains-IDEs. Noch in der Release-Candidate-Phase für Version 2026.2 befinden sich ReSharper und Rider.
Erst kürzlich ist TypeScript 7.0 erschienen [1]. In dem neuen Release sind Compiler und Language Server in Go geschrieben, was gemäß dem Hersteller Microsoft deutliche Geschwindigkeitsvorteile bringen soll [2]. IntelliJ IDEA 2026.2 kann mit dem neuen Release umgehen, und im Test hat sich laut JetBrains dadurch die Projektladezeit auf der Kibana-Codebasis von etwa zwölf auf etwa drei Sekunden reduziert.
Daneben kann IntelliJ IDEA nun mit den stabilen Sprachfeatures von Kotlin 2.4, ebenfalls aus dem Hause JetBrains, umgehen – darunter explizite Backing-Felder und Kontextparameter. Die für Herbst 2026 geplante Programmiersprachenversion Java 27 unterstützt IntelliJ IDEA ebenfalls, denn aus der IDE heraus lassen sich Early Access Builds installieren.
Im Bereich künstliche Intelligenz hat JetBrains einige Neuerungen zu bieten. Dank einer Partnerschaft zwischen JetBrains und Microsoft ist GitHub Copilot nun nativ in IntelliJ IDEA integriert und out-of-the-box zugänglich. Die Auswahl erfolgt über den Agent Picker im Chat, und die Authentifizierung geschieht via OAuth und das GitHub-Nutzerkonto. Ein aktives GitHub-Copilot-Abo wird hierfür vorausgesetzt.
Das Entdecken, Installieren und Verwalten benutzerdefinierter Agenten-Skills ist nun innerhalb von IntelliJ IDEA ebenfalls möglich. Wie JetBrains ausführt, seien einige der nützlichsten Skills bereits enthalten und im Skills-Manager markiert. Ein weiteres Update betrifft die im Editor vorhandene KI-basierte Codevervollständigung: Nun können Entwicklerinnen und Entwickler ihre eigenen, OpenAI-kompatiblen Modellanbieter mit der IDE verbinden.
Darüber hinaus hat JetBrains über 1300 Bugfixes und Usability-Verbesserungen umgesetzt – darunter allein 140, die Freezes und andere Performanceschwierigkeiten beheben. Details zu den Neuerungen in IntelliJ IDEA 2026.2 finden sich in den „What’s New [3]“- und „What’s Fixed [4]“-Blogeinträgen.
Neben IntelliJ IDEA stattet JetBrains auch seine weiteren spezialisierten Entwicklungsumgebungen schrittweise mit Version 2026.2 aus. Beispielsweise legt die JavaScript- und TypeScript-IDE WebStorm einen starken Fokus auf das neue TypeScript 7.0, während PhpStorm unter anderem das Aufsetzen eines PhpStorm-MCP-Servers für Terminal-AI-Sessions beschleunigt.
Die Updates in WebStorm [5], PhpStorm [6], CLion [7], GoLand [8] und dem IntelliJ-Scala-Plug-in [9] in Versionsnummer 2026.2 lassen sich den jeweiligen Blogeinträgen entnehmen.
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VMware aktualisiert seine Software.
(Bild: heise online / dmk)
VMware warnt vor zum Teil kritischen Lücken im Avi Load Balancer. Angreifer können Authentifizierung und Autorisierung umgehen.
In VMwares Avi Load Balancer haben die Entwickler mehrere Sicherheitslücken ausgebessert. Sie erreichen teils kritische Risikoeinstufungen und ermöglichen Angreifern, etwa die Authentifizierung zu umgehen.
Broadcom warnt in einer Sicherheitsmitteilung [1] vor den Schwachstellen. Die gravierendste Schwachstelle ermöglicht bösartigen Akteuren mit Netzwerkzugriff auf die Avi-Controller-Oberfläche, den Authentifizierungsmechanismus zu umgehen (CVE-2026-47865, CVSS 9.8, Risiko „kritisch“). Wie genau sie das anstellen können und wo der Fehler liegt, erörtert Broadcom jedoch nicht. Eine Directory-Traversal-Schwachstelle (CVE-2026-47871, CVSS 8.8, Risiko „hoch“) bedroht ebenso wie eine Codeschmuggel-Lücke im Avi-Controller (CVE-2026-47867, CVSS 8.7, Risiko „hoch“) die Sicherheit des Load Balancers. Angemeldete Nutzer können ebenfalls auf nicht detailliertem Weg Schadcode einschleusen und ausführen (CVE-2026-47869, CVSS 8.7, Risiko „hoch“).
Außerdem können Angreifer auf einige Einstellungen im Avi-Controller unbefugt zugreifen (CVE-2026-47866, CVSS 8.3, Risiko „hoch“). Nutzer mit lokalem Zugriff können zudem ihre Rechte ausweiten und Code als root-User ausführen (CVE-2026-47868, CVSS 7.8, Risiko „hoch“). Das gelingt auch bösartigen angemeldeten Nutzern aus dem Netz (CVE-2026-47870, CVSS 7.1, Risiko „hoch“).
Broadcoms Entwickler stellen Updates in mehreren Entwicklungszweigen bereit. Die Lücken schließen die VMware Avi Load Balancer 32.1.2, 31.2.2-2p3 und 30.2.7. Wer noch die verwundbaren Stände 22.1.1 bis 22.1.7 nutzt, soll auf 30.2.7 migrieren.
Anfang Juni hatte Broadcom mehrere Cross-Site-Scripting-Lücken etwa in VMware Cloud Foundation [2] und weiteren Produkten gemeldet. Sie haben jedoch als Risiko-Bewertung „nur“ die Stufe „hoch“ erreicht. Um sie zu schließen, haben die Entwickler dort aktualisierte Software verteilt.
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Windows Server 2022 fällt in 90 Tagen aus dem Mainstream-Support. Erweiterte Sicherheitsupdates gibt es bis 2031 – und danach ESU.
In 90 Tagen endet der Mainstream-Support für den Windows Server 2022, wodurch er aus dem regulären Update-Raster fällt. IT-Verantwortliche müssen daher aktiv werden und eine der möglichen Optionen nutzen.
Darauf weist Microsoft aktuell im Message-Center der Windows-Release-Health-Notizen [1] hin. Das Sicherheitsupdate im Oktober 2026 wird das letzte Mainstream-Support-Update sein. Danach geht der Server 2022 in den erweiterten Support [2] – Microsoft gibt an, dass dieser Sicherheitsupdates ohne zusätzliche Kosten umfasst, die monatlich bis zum 14. Oktober 2031 ausgeliefert werden. Wer danach weiter auf den alten Server setzen möchte, kann dann im Rahmen des Erweiterten-Sicherheits-Updates-Programms (ESU) noch längere Unterstützung ausschließlich mit Sicherheitspatches erhalten – dafür fallen dann allerdings Gebühren an.
Der Unterschied zwischen Mainstream- und erweitertem Support ist demnach [3], dass Windows Server 2022 keine Design- und Funktionsänderungen mehr erhält. Auch von den Nicht-Sicherheitsupdates ist Windows Server 2022 dann ausgenommen. Im Prinzip also das, was Admins im ESU-Programm erwartet, nur ohne Rechnung daran.
Microsoft nennt Windows Server 2025 als jüngstes Server-Betriebssystem im Long-Term-Servicing-Channel (LTSC). Um weiterhin in den Genuss des vollständigen Mainstream-Supports zu gelangen, empfiehlt Microsoft Admins, die Migration auf das neuere Server-OS jetzt zu planen.
Der Windows Server 2025 erschien Anfang November 2024 [4]. Er brachte etwa Hotpatching als neues Feature mit, wodurch nur noch vier Neustarts im Jahr anfallen sollen, anstatt jeden Monat einen Reboot zu erfordern. Der Server 2025 brachte auch erstmals OpenSSH als per Mausklick aktivierbaren Dienst mit, zudem soll er etwa SMB-Freigaben robuster und sicherer bereitstellen. Der Mainstream-Support-Zeitraum läuft bis Oktober 2029, woran sich fünf Jahre erweiterte Sicherheitsupdates anschließen. Die enden somit im Oktober 2034.
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Right-Click-Trick: Malware umgeht Startverbot.
(Bild: Jamf)
Momentan kursiert ein neuer Mac-Datenschädling, der Zugangsdaten und Kryptowährungen klauen kann. Er tarnt sich als Apple-Software.
Aktuell wird eine neuartige macOS-Malware verbreitet, die versucht, sich als Apples CrashReporter zu tarnen. Das berichtet das Sicherheitsteam des MDM-Spezialisten Jamf. Der „CrashStealer“ getaufte Datenschädling ist ein klassischer Infostealer, versucht unter anderem, Daten zahlreicher bekannter Passwortmanager, das Apple-Schlüsselbund sowie Passwörter und Infos von Krypto-Wallets auf dem Mac abzugreifen. Außerdem gibt es eine integrierte Suchroutine, so Jamf, die die Dokumente- und Download-Ordner nach „Interessantem“ durchsucht.
Die Entwickler gehen dabei recht geschickt vor: Sie verschlüsseln die geklauten Dateien mittels AES-GCM und exfiltrieren sie dann via libcurl zu einem Command-and-Control-Server. Das Vorgehen erinnert an andere bekannte macOS-Infostealer wie Atomic, die native C++-Implementierung der Malware samt der Client-seitigen Verschlüsselung machten CrashStealer aber zu einer eigenen Datenschädlingsfamilie, so Jamf. Entdeckt wurde CrashStealer in einer via Web vertriebenen App namens Werkbit, die sich Nutzern als Meeting-Werkzeug verkauft, aber nichts mit einer gleichnamigen deutschen Software für den Mittelstand zu tun hat.
Die Fake-Werkbit-App soll zunächst über ein Apple-Zertifikat verfügt haben, die entsprechende „Developer Team ID“ wurde von Apple mittlerweile jedoch deaktiviert, nachdem Jamf den Schädling gemeldet [1] hatte. Dass Malware mit einer legitimen Developer-ID [2] ausgestattet ist, passiert leider immer wieder [3]. Damit gibt es dann beim Ausführen der Software keine Warnung. Allerdings versucht der Installer auch, um diese Gatekeeper-Verifizierung herumzukommen und nutzt Social Engineering, um Nutzer dazu zu bewegen, die App per Rechtsklick auszuführen – eine Methode, die Apple immer schwerer macht. Allerdings wäre die Maßnahme hier gar nicht notwendig gewesen, da das Zertifikat ja bestand.
Um an Daten zu gelangen, installiert CrashStealer parallel noch eine falsche CrashReporter-App, die so tut, als sei sie Apples CrashReporter, der bei Abstürzen auftaucht. Beim ersten Start verlangt die Fake-Anwendung vom Nutzer, ihr vollen SSD-Zugriff zu erteilen sowie ein Administratorpasswort einzugeben. Danach wird auf das Schlüsselbund zugegriffen und der Diebstahl beginnt. Jamf warnt davor, dass die Malware insgesamt sehr „sneaky“ implementiert wurde – und schwerer erkennbar sei als übliche Infostealer. Erste Hinweise kursierten seit Mai, aktive Installationen entdeckte Jamf noch im Juli.
Über die genauen Verbreitungswege ist wenig bekannt. Denkbar ist auch, dass die Anwendung für gezielte Angriffe auf bestimmte Personen gedacht war. Das falsche Werkbit verlangte nämlich eine „Meeting-ID“ in Form einer PIN, bevor die Installation begann. Der Infektionsprozess wäre wie folgt verlaufen: Ein Opfer bekommt eine Einladung für ein Meeting samt PIN, in der zum Download aufgerufen wird. Nach der Installation beginnt dann der Diebstahl.
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Confidential Computing schützt Daten in fremden Clouds. Wir zeigen, wie die Erweiterung auf GPUs diese Technik auch für KI-Anwendungen nutzbar macht.
KI ist in vielen Unternehmen bereits zu einem alltäglichen Werkzeug geworden: Entwickler arbeiten damit an ihrem Code, Fachabteilungen durchsuchen Dokumente, Support-Teams automatisieren Antworten und Analysten fassen große Datenmengen zusammen. Dadurch landen in KI-Systemen aber auch vielfältige Informationen, die bisher oft im eigenen Netz geblieben wären: Quellcode, Kundendaten, Geschäftsgeheimnisse und dergleichen mehr.
Wie bei klassischen Clouddiensten ergibt sich daraus ein grundsätzliches Datenschutzproblem: Man muss den KI-Betreibern vertrauen. Das ändert sich auch nicht, wenn man vertraglich festhält, was ein Anbieter mit den Daten (nicht) tun darf und etwa die Einstellungen des Systems so setzt, dass sie KI-Training auf eigenen Daten untersagen. Grundsätzlich können Servicebetreiber und Clouddienstleister Prompts, also Anfragen an die KI samt allem Kontext, und auch die Antworten einsehen – etwa weil lokale Gesetze sie dazu zwingen.
Unter dem Begriff Confidential AI, also vertrauliche KI, versteht man KI-Verarbeitung in der Cloud, die sensible Daten nicht nur vor Externen, sondern auch vor dem Serviceanbieter und dem Cloudbetreiber schützen soll. Grundlage dafür ist Confidential Computing: eine Technik, die Daten nicht nur bei der Speicherung und Übertragung schützt, sondern auch während der Verarbeitung. Apple zum Beispiel geht mit Private Cloud Compute, kurz PCC, genau diesen Weg [7] [7]. PCC soll KI-Anfragen, die zu groß oder zu komplex für das lokale Gerät sind, in der Cloud verarbeiten, ohne die klassische Vertrauensbeziehung zum Cloudbetreiber einzugehen.
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OpenAI-Chef Sam Altman: Keine E-Mail unter dieser Nummer?
(Bild: jamesonwu1972/Shutterstock.com)
Apple behauptet in seiner Klage wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen, OpenAI habe nicht reagiert. Dort verweist man nun auf Verwechselungsprobleme.
Der Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI um angeblich beim iPhone-Hersteller entwendete Geschäftsgeheimnisse [1] hat offenbar auch damit zu tun, dass eine Einigung vor Einschaltung der Gerichte aufgrund von Tippfehlern scheiterte. Das berichtet der US-Nachrichtensender NBC News. In seiner Klage [2] behauptet Apple unter anderem, dass der Konzern von OpenAI keine Antwort auf anwaltliche Beschwerden erhalten habe. Doch offenbar hat einer von Apples externen Rechtsberatern dabei in E-Mails zwei Personen (sowie deren Adressen) verwechselt, sodass es OpenAI nicht möglich gewesen sein soll, adäquat zu reagieren.
Die Schreiben aus anonymer – vermutlichen OpenAI-naher – Quelle liegen NBC News [3] vor. Apples Anwalt hat darin offenbar die Namen „Chang“ und „Wang“ verwechselt, was man bei OpenAI dann nicht zuordnen konnte. Der korrekte Name der Person ist Chang Liu, ein ehemaliger Ingenieur bei Apple, der auch nach Abgang und Anheuern bei OpenAI weiter Kontakte zu mindestens einer Mitarbeiterin des iPhone-Konzerns gehalten haben soll.
Liu teilte dieser Person, die mittlerweile selbst bei OpenAI arbeitet, mit, Apple habe eine Lücke in einem Fileserver gelassen – über diesen sollen laut Apple dann Daten abgeflossen sein. „LOL, ich habe herausgefunden, dass ich auf [den Netzwerkspeicher] zugreifen kann, das ist so lustig“, schrieb Liu demnach. Präsentationen, Hardware-Designs, Testprozeduren und Herstellungsdetails seien daraufhin heruntergeladen worden, wie Apples Sicherheitsabteilung herausgefunden haben will. Liu wurde, ebenso wie OpenAI-Hardware-Chef Tan Tang (ebenfalls Ex-Apple) und OpenAI selbst, von Apple persönlich verklagt.
Laut NBC News sollen OpenAI und Apple zunächst über die Vorwürfe kommuniziert haben. Doch nach den Namensfehlern wurde die Verbindung (offenbar durch OpenAI) gekappt. Apple hat sich laut Bericht bereits im Februar bei OpenAI gemeldet. Nach dem Ende der Kommunikation kam es dann zur Einreichung der Klage. Ob Apples Fehler nun Auswirkungen darauf haben werden, ist unklar. Der Konzern möchte nicht nur Schadenersatz von der KI-Firma, sondern auch erreichen, dass OpenAI seine Geschäftsgeheimnisse nicht für eigene Produkte verwenden kann.
Über 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter – vom höheren Management [4] bis hin zu diversen Hard- und Software-Experten – wurden von OpenAI angelockt, standardmäßig mit lukrativen Gehältern und Aktienoptionen. Laut Apples Klage versuchten OpenAI-Mitarbeiter bereits in Bewerbungsgesprächen, Informationen der Apple-Mitarbeiter zu erhalten. Angeblich wurde gar vorgeschlagen, Prototypen und Bauteile mitzubringen.
Der Rechtsstreit könnte sich Beobachtern zufolge über mehrere Jahre ziehen. OpenAI plant, seine ersten Hardware-Produkte, darunter einen smarten Lautsprecher [5] und später wohl auch ein eigenes Handy, in diesem oder kommenden Jahr vorzustellen. Apples Klage könnte das Projekt nun ausbremsen – auch weil Mitarbeiter fürchten, in den Rechtsstreit verwickelt zu werden. Zudem dürfte es OpenAI schwerer fallen, weitere Apple-Mitarbeiter anzuwerben und Partner in der Lieferkette zu finden. Auch die bislang recht sorglose Managementkultur könnte sich ändern, schreibt Bloomberg [6]. Bei OpenAI ist auch Apples Ex-Designchef Jony Ive tätig [7], der viele Mitarbeiter von Apple anlocken konnte.
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