(Bild: Nvidia)
Nach dem Shitstorm im März zeigte Nvidia DLSS 5 auf der Siggraph deutlich zurückhaltender. Ob es auf aktueller Hardware läuft, bleibt offen.
Auf der Siggraph-Konferenz in Los Angeles hat Nvidia am Montag eine kurze Vorführung von DLSS 5 gezeigt, die deutlich zurückhaltender ausfällt als der umstrittene Erstauftritt der Technik im März. Nvidia-Forscher Edward Liu präsentierte DLSS 5 in der Keynote „Next Era of Graphics“ inklusive eines knapp 30-sekündigen Clips.
Anstatt wie bei der GTC im Frühjahr auf ein reines Vergleichsvideo zu setzen, zeigte Nvidia diesmal auch, wie sich DLSS 5 im Detail live steuern lässt. So lässt sich etwa feinjustieren, wie stark das KI-Modell Gesichter verändert. Liu hatte schon vorab betont [2], dass die Simulation weiterhin die Welt definiere und die künstlerische Kontrolle bei den Entwicklern bleibe.
DLSS 5 unterscheidet sich grundlegend von früheren DLSS-Versionen. Statt wie bisher primär die Performance zu verbessern, indem Grafik hochskaliert oder zusätzliche Frames eingefügt werden, nutzt DLSS 5 ein generatives KI-Modell, das aus Farben und Bewegungsvektoren fotorealistischere Bilder erzeugt, ohne die Geometrie der Szene zu verändern. Auf der GTC im März hatte Nvidia die Technik erstmals vorgestellt [3]. DLSS 5 soll im Herbst für RTX-50-Grafikkarten erscheinen, unter anderem für „Starfield“, „Assassin's Creed Shadows“, „Hogwarts Legacy“ und „The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered“.
Bei der Vorführung auf der Siggraph zeigte Nvidia die Technik an einigen Spielfiguren in einer virtuellen Umgebung. Mit kontrastreicherer Beleuchtung, verbesserten Kontaktschatten und mehr Streulicht auf der Haut wirkten die Figuren realitätsnäher als in der zugrundeliegenden Render-Version, ohne dabei wie in früheren Demos zu sehr in das Uncanny Valley abzukippen.
Nvidia betonte, dass Entwickler über Regler für „Struktur-“ und „Ton-Intensität“ sowie über Masken für einzelne Objekte genau festlegen können, wie stark DLSS 5 in welchen Bildbereichen eingreift. So lassen sich einzelne Requisiten oder auch nur Teile einer Spielfigur separat regeln, während der Rest der Szene unverändert bleibt.
Die dezentere Demo dürfte auch eine Reaktion auf die heftige Kritik sein, die DLSS 5 seit der GTC-Präsentation begleitet. Fans warfen Nvidia vor, mit der Technik die künstlerische Vision der Entwickler durch KI-Gesichter zu ersetzen. Nvidia-Chef Jensen Huang wies die Kritik zurück [4] und nannte die Spieler „komplett im Unrecht“.
„DLSS 5 muss das Bild so verändern, dass sich die Geschichte nicht ändert“, sagte Liu auf seiner Siggraph-Keynote. Ob das reicht, um die Kritiker zu überzeugen, ist offen. Die frühen Vergleichsbilder aus dem März sorgten für heftige Vorwürfe, weil Gesichter von Figuren wie Grace Ashcroft aus „Resident Evil Requiem“ kaum wiederzuerkennen waren. YouTube-Kommentare unter dem Keynote-Video hat Nvidia deaktiviert.
Unklar bleibt weiterhin, wie viel Rechenleistung DLSS 5 tatsächlich benötigt. Die Demo auf der GTC im März lief auf zwei GeForce RTX 5090 gleichzeitig: Eine Karte übernahm das eigentliche Spiel, die zweite ausschließlich die DLSS-5-Berechnung. Nvidia hatte damals angekündigt, die Technik bis zum Marktstart auf eine einzelne Grafikkarte zu optimieren. Auf welcher Hardware die Vorführung bei der Siggraph lief, teilte Nvidia nicht mit.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11371549
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Siri AI ist da – auch dank Google-Hilfe.
(Bild: Ronja Leppert / KI / heise medien)
Landen meine Daten bei Gemini? Wird Apple Intelligence besser? Brauche ich ein neues iPhone? Die KI-Partnerschaft von Apple und Google wirft Fragen auf.
Im September ist es so weit: Dann erscheinen Apples neue Betriebssysteme wie iOS 27, iPadOS 27 [1] [1], macOS 27 [2] [2] oder watchOS 27 [3] [3] mit Siri AI [4] [4]. Damit will der iPhone-Konzern Jahre des Wartens auf ein besseres KI-System [5] [5] endlich beenden. Doch was heißt das konkret und profitieren wirklich alle Nutzer? Was kann das teilweise von Googles Gemini verbesserte System? Sind neue Geräte notwendig und was passiert innerhalb der Europäischen Union [6] [6]? Wir haben die wichtigsten Antworten für Sie.
Hat Apple Intelligence in iOS, macOS und iPadOS 27 neue Hardware-Voraussetzungen?
Apple setzt weiterhin auf einen hybriden Ansatz aus einem lokalen Modell plus Cloud-Modellen. Die Basis-Systemvoraussetzungen bleiben unverändert: Apple Intelligence ist auf iPhones ab dem 15 Pro sowie Macs und iPads mit M-Chip – plus iPad mini mit A17 Pro und MacBook Neo mit A18 Pro – verfügbar. Allerdings gibt es das On-Device-Modell nun in zwei Varianten: Neueste Hardware mit mindestens 12 GByte RAM erhält ein größeres lokales Modell. Es bleibt dem iPhone 17 Pro (Max), iPhone Air, iPad Air M4, iPad Pro M4 (nur Modelle mit 1 TByte und 2 TByte Speicherplatz) sowie dem iPad Pro M5 vorbehalten. Bei Macs ist dafür ein M3-Chip mit 16 GByte RAM das Minimum.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11369680
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Ein Stummel reicht, um 1.000 Liter Wasser zu vergiften. Die DUH fordert 200 Euro Bußgeld und ein Rauchverbot auf Spielplätzen.
Pro Tag fallen in Deutschland 204 Millionen Zigarettenkippen an und viele werden einfach weggeschnippt. Standardzigarettenfilter bestehen aus dem Kunststoff Celluloseacetat, der so resistent gegen Verrottung ist, dass man damit in der Vergangenheit Terrassendielen erfolgreich gegen Umwelteinflüsse imprägniert hat.
Celluloseacetat ist ein halbsynthetischer Werkstoff, der durch die Veresterung von natürlicher Cellulose aus Holz oder Baumwolle mit Essigsäure hergestellt wird. Es zeichnet sich durch Transparenz, gute Formbarkeit und Seidenglanz aus. Hauptanwendungen sind Textilien, Zigarettenfilter, Brillengestelle und fotografische Filme.
Neben Nikotin und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen werden auch Schwermetalle, wie Arsen, Blei, Cadmium oder Chrom sowie Teer aus weggeschnippten Zigarettenfiltern durch Regen in die Umwelt gespült. Sie speichern über 7.000 Chemikalien [1]. Ein einziger Stummel reicht aus, um bis zu 1.000 Liter Wasser zu vergiften.
Und die Zigarettenfilter selbst verrotten in der Umwelt nicht wie Papier, sondern zerfallen durch UV-Strahlung und mechanische Einflüsse über Jahre hinweg in winzige Plastikfasern, die auch als Mikroplastik bekannt sind. Es dauert 10 bis 15 Jahre, bis ein Filter im Süßwasser zerfällt. Im Salzwasser dauert der Zerfallsprozess deutlich länger.
Durch weggeworfene Zigarettenfilter sollen weltweit jedes Jahr rund 300.000 Tonnen Mikrofasern in die Umwelt gelangen. Damit gehören diese Stummel zu den größten Eintragsquellen für Mikroplastik überhaupt. Die Mikrofasern gelangen dann über das Grundwasser in die Nahrungskette und können zu Entzündungsreaktionen [2] in menschlichen Immunzellen führen.
Die Weltgesundheitsorganisation [3] bezeichnet Zigarettenfilter nicht nur als Quelle von Mikroplastik, sondern fordert auch, sie als Einwegplastik zu verbieten, denn Filter sind für die Gesundheit der Raucher letztlich wirkungslos, weil Raucher von Filterzigaretten tiefer inhalieren.
Sie sind für die Umwelt aber hoch schädlich. Ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung verursachen Kosten und Belastungen für die Umwelt, ohne irgendeinen gesundheitlichen Nutzen zu bringen.
Einen ersten, ganz zaghaften Schritt zur Eindämmung der Zigarettenfilterflut wagt die Bundesregierung aktuell mit der geplanten Erhöhung [4] der Tabaksteuer. An ein Verbot von Filterzigaretten traut sich Berlin jedoch noch nicht, weil offensichtlich die Mehrheit der Bevölkerung das Märchen von der reduzierten Schädlichkeit des Rauchens durch Zigarettenfilter als absolute Wahrheit zu glauben scheint.
Zudem will man es sich mit der Tabak-Industrie nicht verderben, hat sie doch in der Vergangenheit so manchen Parteitag gesponsort.
Solange sich die Politik nicht traut, Filterzigaretten wegen nachgewiesener Wirkungslosigkeit und Irreführung der Verbraucher zu verbieten, bleibt nur die Möglichkeit, die Folgen dieses Marketing-getriebenen Irrwegs zu begrenzen. Da Kippenstummel spielende Kinder gefährden, haben sie auf Spielplätzen nichts zu suchen.
Dringende Konsequenz ist daher in einem ersten Schritt ein bundeseinheitliches Rauchverbot auf Spielplätzen und eine konsequente Überwachung des Rauchverbots auf Bahnhöfen durch den Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn und die Bundespolizei.
Die Deutsche Umwelthilfe fordert gegen die rücksichtslose Umweltverschmutzung, dass unter den Bundesländern einheitlich abgestimmte abschreckende Bußgelder in Höhe von mindestens 200 Euro für das illegale Entsorgen in der Landschaft [5] eingeführt werden. Dazu Barbara Metz [6], DUH-Bundesgeschäftsführerin:
"Das achtlose Wegschnippen von Kippenstummeln wird schon viel zu lang geduldet. Milliarden von Gift-Filtern verdrecken nicht nur die Landschaft, sie belasten Gewässer und gefährden Tiere, die sie essen. Vor allem auch für Kinder, die diese in den Mund nehmen, stellen die Zigarettenstummel ein großes Gesundheitsrisiko dar. Bei Kleinkindern kann schon eine einzige verschluckte Kippe zu ernsthaften Vergiftungssymptomen führen.
Wir fordern daher ein schnelles bundesweites Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen, einheitlich abschreckend hohe Bußgelder in Höhe von mindestens 200 Euro für illegal entsorgte Zigaretten und eine konsequente Kontrolle durch die Länder."
Deutschland könnte dem Vorbild anderer Staaten folgen. In Schweden ist ein Rauchverbot auf allen Spielplätzen bereits umgesetzt. Dort wird zusätzlich empfohlen, mit Schildern auf das strikte Verbot hinzuweisen.
In Singapur [7] ist das Rauchen und der Umgang mit Zigaretten streng reguliert. Das Wegwerfen von Kippen auf die Straße wird als Müllsünder-Vergehen mit hohen dreistelligen Eurobeträgen bestraft.
Ein deutsches Pfandsystem für Zigarettenfilter wäre zwar ein auf den ersten Blick nachvollziehbarer Ansatz. Pfandsysteme haben sich sowohl bei Einwegflaschen als auch bei Starterbatterien erfolgreich durchgesetzt, bei Zigarettenstummel gibt es jedoch noch keinen konkreten Umsetzungsvorschlag. Denn die giftigen Filter sollten stofflich nicht mehr genutzt, sondern sicher entsorgt werden. Ein Filterverbot wäre daher erfolgversprechender.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370620
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Künstlerische Darstellung von LHS 1140b
Forscher haben erstmals eine Atmosphäre auf einem felsigen Exoplaneten in der bewohnbaren Zone nachgewiesen. Damit sind jedoch längst nicht alle Fragen geklärt.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Wissenschaftlern der Harvard University hat erstmals eine Atmosphäre um den Exoplaneten LHS 1140 b nachgewiesen.
Der Himmelskörper hat eine felsige Oberfläche und gilt als erdähnliches Planet,der sich in der sogenannten habitablen Zone seines Sterns befindet. Das ist jener Bereich, in dem auf der Planetenoberfläche flüssiges Wasser existieren könnte. Die Studie wurde im Fachjournal Science veröffentlicht [1].
LHS 1140 b liegt rund 48 Lichtjahre von der Erde entfernt und umkreist einen roten Zwergstern im Sternbild Cetus [2] (Walfisch). Dieser Stern ist kleiner und kühler als unsere Sonne, gibt aber einen größeren Anteil seiner Energie als ionisierende Strahlung ab. Der Planet selbst hat eine Masse, die 5,6-mal größer ist als die der Erde, und sein Radius übertrifft den unserer Erde um 70 Prozent. Er wurde bereits 2017 entdeckt.
Der Nachweis der Atmosphäre gelang dem Team mithilfe des Warm Infrared Echelle (Winered) [3] Spektrografen am Magellan-Clay-Teleskop [4] des Las-Campanas-Observatoriums in Chile.
Bei einem Transit – also dem Vorüberziehen des Planeten vor seinem Stern – registrierten die Forscher im Jahr 2024 Helium, das aus der oberen Atmosphäre des Planeten in den Weltraum entweicht. Dieser Vorgang, den Astrophysiker als atmosphärische Entgasung bezeichnen, bestätigte, dass LHS 1140 b tatsächlich eine Atmosphäre besitzt und diese aktiv aufrechterhält.
Dem Erstautor der Studie, Dr. Collin Cherubim, der kürzlich seinen Doktortitel in Erd- und Planetenwissenschaften an der Harvard University erworben hat, zufolge war der Fund eindeutig: "Dies ist das erste Mal, dass jemand eine Atmosphäre auf einem felsigen Planeten in der habitablen Zone eines anderen Sterns gefunden hat", sagte [5] er gegenüber der BBC.
Ausgangspunkt der Beobachtungen waren Computermodelle, die das Team zuvor entwickelt hatte und die eine heliumreiche obere Atmosphäre für LHS 1140 b vorhergesagt hatten. "Collin hat die bekannten Planeten analysiert und vorhergesagt, dass dieser eine Heliumatmosphäre haben würde. Dann hat er Teleskopzeit organisiert, die Daten beschafft, und der Nachweis war statistisch absolut solide", erklärte David Charbonneau, Leiter des Astronomie-Departments der Harvard University und Co-Betreuer von Cherubim.
Allerdings blieb eine Beobachtung zunächst rätselhaft: Bei Folgebeobachtungen im Jahr 2025 ließ sich das Heliumsignal nicht reproduzieren. Cherubim bezeichnete dies als einen Schock, der ihn und sein Team dazu veranlasste, die ursprünglichen Daten erneut zu überprüfen.
"Jeden falschen positiven Befund, den wir uns vorstellen konnten, haben wir sicher ausgeschlossen", sagte [6] er gegenüber dem Guardian. Das variierende Signal könnte nach Einschätzung von Forschern damit zusammenhängen, wie die Atmosphäre des Planeten auf die extreme ultraviolette Strahlung seines Sterns reagiert.
Cherubim betonte, dass LHS 1140 b nun alle wesentlichen Voraussetzungen für eine potenziell bewohnbare Umgebung erfülle: ein felsiger Planet, Temperaturen, die flüssiges Wasser ermöglichen, und eine Atmosphäre, die verhindert, dass dieses Wasser entweicht, und die gleichzeitig die Oberfläche vor schädlicher Strahlung schützt. Hinzu komme, dass der Stern selbst vergleichsweise ruhig sei und selten Strahlungsausbrüche produziere.
Robin Wordsworth, Professor für Erd- und Planetenwissenschaften an der Harvard University, ordnete den Fund historisch ein: Noch vor zwanzig Jahren wussten Astronomen nicht einmal, ob erdähnliche Planeten überhaupt existierten. Schnell stellte sich heraus, dass solche Planeten häufig vorkommen – auch in habitablen Zonen. "Die nächste Frage war, ob es irgendeinem von ihnen gelungen ist, eine Atmosphäre zu behalten", sagte Wordsworth. "Jetzt wissen wir, dass mindestens einem das gelungen ist."
Gleichwohl mahnen Forscher zur Vorsicht. Das bislang einzige nachgewiesene Gas ist Helium – und zwar in der oberen Atmosphäre. Helium allein kann kein Leben unterstützen. Dr. Yamila Miguel vom Leidener Observatorium in den Niederlanden wies darauf hin, dass die Beobachtungen die obere Atmosphäre betreffen und nicht die bodennahen Schichten, in denen Leben entstehen würde.
"Daher glaube ich nicht, dass diese Ergebnisse direkte Implikationen für den Nachweis von Leben auf anderen Planeten haben", sagte sie gegenüber dem Guardian. Ob weitere, lebensfreundlichere Gase in tieferen Atmosphärenschichten vorhanden sind, bleibt vorerst offen.
Seit 1995 wurden mehr als 6.000 Exoplaneten bestätigt. Atmosphären wurden bislang um Gasriesen und sogenannte Sub-Neptune gefunden – also Planeten, die größer als die Erde, aber kleiner als Neptun sind. Auch um felsige Exoplaneten außerhalb der habitablen Zone gab es bereits Hinweise auf Atmosphären. Der Nachweis einer Atmosphäre um einen felsigen Planeten innerhalb der habitablen Zone ist jedoch ein Novum.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370882
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
OpenAI-Chef Sam Altman hat sich wegen des möglichen Baus eines hochmodernen KI-Rechenzentrums im vergangenen Jahr mehrfach mit der deutschen Staatsspitze getroffen. Im September sprach er mit Bundeskanzler Friedrich Merz, zudem führte er separate Gespräche mit Vizekanzler Lars Klingbeil und Digitalminister Karsten Wildberger, wie das Handelsblatt berichtete.
OpenAI wollte dem Bericht zufolge eine Anlage mit einer Kapazität von bis zu einem Gigawatt errichten, mehr als alle bestehenden deutschen KI-Rechenzentren zusammen haben. Innerhalb der Regierung soll die Investition als Chance gegolten haben, Deutschland als Standort für KI-Infrastruktur zu positionieren.
Altman wollte den Standort allerdings nahe der französischen Grenze, damit das Werk auf günstigen französischen Atomstrom zugreifen kann, statt auf das vergleichsweise teure deutsche Netz. Das sagten mit den Gesprächen vertraute Personen dem Handelsblatt.
Deutschland schaltete seine letzten Atomkraftwerke 2023 ab. Merz bezeichnete diese Entscheidung wiederholt als unumkehrbar. Ein Projekt, das an Atomstrom gekoppelt ist, berührt damit einen politisch heiklen Punkt innerhalb der Koalition.
Insider sagten der Zeitung weiter, die Folgegespräche seien vage und ohne die technischen Details gewesen, die ein Projekt dieser Größenordnung normalerweise erfordere. In Regierungskreisen vermutet man dem Bericht zufolge, OpenAI habe nie ernsthaft vorgehabt, sich zu binden, sondern lediglich getestet, wie Berlin reagiere.
In Deutschland gelten strenge Vorschriften: Abwärmeauflagen und eine kommende Pflicht, Rechenzentren ab 2027 vollständig mit grünem Strom zu betreiben, erhöhen die Kosten. Das Kabinett lockerte im Juni zwar einen Teil dieser Vorgaben. Koalitionspläne sehen vor, dass Kommunen künftig einen größeren Anteil der Steuereinnahmen aus solchen Anlagen behalten dürfen. Ob das Projekt wieder auf die Agenda kommt, ist aber offen.
(Bild: ronstik/Shutterstock.com)
Ermittler aus Deutschland und den USA haben die Infrastruktur des Phishing-Services Kratos zerschlagen. Der Dienst ermöglichte monatlich tausende Angriffe.
Die Anzahl der Opfer, die aus mehr als 30 Ländern – vor allem aus Europa und den USA – stammten, gehe seit Ende 2024 in die Hunderttausende, teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ansässige Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) mit. Zudem seien durch den Schlag Angriffe auf hunderttausende potenzielle Opfer weltweit abgewehrt worden.
Laut den Angaben wurde der Entwickler und technische Administrator des Phishing-Services [1] namens „Kratos“ in Indonesien von den dortigen Behörden festgenommen. Zudem seien zentrale technische Komponenten abgeschaltet und die „Kratos“-Infrastruktur vollständig außer Betrieb gesetzt worden.
„Wer im Internet mit gefälschten Webseiten Zugangsdaten stiehlt, darf sich nicht in Sicherheit wiegen. Der Erfolg gegen das Phishing-Kit Kratos zeigt, dass sich auch hochprofessionelle Phishing-Infrastrukturen wirksam bekämpfen lassen. Das ist Pionierarbeit und ein deutliches Signal an andere Cyberakteure“, betont Carsten Meywirth, Leiter der Abteilung Cybercrime im BKA.
Bei Kratos handelte es sich den Angaben zufolge um einen von der gleichnamigen Gruppierung entwickelten digitalen Baukasten, mit dem sich insbesondere täuschend echte Microsoft-Authentifizierungs-Webseiten erstellen und verwalten ließen. „Die Webseiten wurden eingesetzt, um Zugangsdaten wie Passwörter und E-Mail-Adressen von Opfern durch gefälschte Abfragemasken zu stehlen (Phishing), mit denen dann weitere Straftaten begangen wurden“, erklärten die Ermittler.
Das Geschäftsmodell der Kratos-Gruppierung beruhte darauf, den digitalen Baukasten an andere Cyberkriminelle weiterzuvermieten, die dann wiederum die eigentlichen Phishing-Kampagnen durchführten. Dadurch hätten auch technisch weniger kompetente Kriminelle agieren können.
Laut den Angaben habe die Gruppe seit 2024 mehr als 300.000 Euro erwirtschaftet. „Über 1.800 kriminelle Franchisenehmer sollen „Kratos“ erworben und damit monatlich ca. 15.000 Phishing-Kampagnen durchgeführt haben. Dabei hatte jede einzelne Kampagne das Potenzial, mehrere tausend Empfänger weltweit zu schädigen“, hieß es. Mehr als 200 Server der Gruppe seien unschädlich gemacht worden.
Mit dem Schlag sei „erstmalig ein bedeutender Ermittlungserfolg“ gegen eine der weltweit gefährlichsten Phishing-as-a-Service-Gruppierungen gelungen, hieß es. Weitere Details sind in der Pressemitteilung [2] nachzulesen.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11371371
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Moritz Förster / KI / iX)
IPFire Core Update 203 ersetzt Unbound durch Knot Resolver, bringt DNS-Firewall, DoT und 6-GHz-WLAN.
Mit dem Core Update 203 baut IPFire die DNS-Infrastruktur grundlegend um: Statt Unbound kommt künftig Knot Resolver zum Einsatz. Die Umstellung soll unter anderem verschlüsselte Weiterleitung per DNS over TLS, DNS-basierte Filterregeln und einen persistenten Cache ermöglichen. Außerdem unterstützt der integrierte WLAN-Access-Point nun das 6-GHz-Band von Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7.
IPFire ist eine auf Sicherheit und Netzwerkgateways ausgerichtete Linux-Distribution. Sie wird typischerweise als Firewall und VPN-Gateway mit Intrusion-Prevention-Funktion eingesetzt.
Laut Release Notes [1] ersetzen die IPFire-Entwickler mit dem Update den bisher verwendeten Resolver Unbound durch Knot Resolver. Der Wechsel betrifft eine Kernfunktion des Systems: DNS löst nicht nur Hostnamen in IP-Adressen auf, sondern liefert inzwischen auch Informationen für verschlüsselte Verbindungen und moderne Transportprotokolle.
Knot Resolver soll IPFire dafür eine besser erweiterbare Architektur bieten. Der Resolver arbeitet modular und lässt sich skripten. IPFire nutzt dies für eigene Erweiterungen, etwa für die Anbindung von DHCP-Leases und DNS-Filterlisten.
Neu ist unter anderem die Möglichkeit, DNS-Anfragen an externe Resolver verschlüsselt über DNS over TLS weiterzuleiten. Damit lassen sich Anfragen auf dem Weg zum gewählten Upstream-Resolver vor Mitlesern und Manipulation schützen. Administratoren können damit beispielsweise einen externen Resolver einsetzen, ohne DNS-Abfragen unverschlüsselt über den öffentlichen Internetzugang zu schicken.
Mit der neuen DNS-Basis führt IPFire eine DNS-Firewall ein. Sie kann Domains für Malware, Werbung oder andere Kategorien bereits bei der Namensauflösung blockieren. Die dafür benötigten Zonen und Filterdaten lädt das neue Werkzeug zone-sync verschlüsselt herunter. Es aktualisiert die Daten inkrementell, statt stets vollständige Listen zu übertragen.
Auch der Filtermechanismus SafeSearch lässt sich netzwerkweit erzwingen: IPFire leitet Suchanfragen dann zu den SafeSearch-Varianten unterstützter Suchmaschinen und von YouTube um. Zusätzlich bleiben lokale DNS-Einträge und bedingte Weiterleitungen verfügbar. Letztere schicken Anfragen für definierte Zonen gezielt an bestimmte DNS-Server, etwa für ein internes Firmennetz oder eine per VPN erreichbare Domain.
Der Resolver-Cache übersteht künftig Neustarts. Das soll die Namensauflösung nach einem Reboot beschleunigen und die Last auf übergeordneten DNS-Servern senken. Knot Resolver nutzt zudem mehrere Worker-Prozesse, die sich Cache und Status teilen. Dadurch kann IPFire mehrere CPU-Kerne einsetzen, ohne dass jeder Prozess einen eigenen, isolierten Cache pflegt.
Administratoren müssen bei bestehenden DNS-Weiterleitungen allerdings nacharbeiten: Als Forward-Zones konfigurierte vollständig qualifizierte Domainnamen (FQDN) akzeptiert IPFire nicht mehr. Solche Einträge auf der Seite für DNS-Forwarding müssen durch IP-Adressen ersetzt werden.
Der WLAN-Access-Point von IPFire unterstützt nun das 6-GHz-Band. Damit kann die Distribution das zusätzliche Spektrum von Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7 nutzen. Gerade in dicht belegten Umgebungen verspricht das weniger Störungen durch Altgeräte und mehr Platz für breite Kanäle mit 80 oder 160 MHz.
Anders als in Teilen des 5-GHz-Bands ist im 6-GHz-Spektrum keine Radarerkennung per DFS erforderlich. Access Points müssen daher vor dem Start keinen freien Kanal suchen und bei erkannten Radarsignalen nicht zwangsweise den Kanal wechseln. Das soll Verbindungsabbrüche durch solche Wechsel vermeiden. Zudem behebt das Update einen Fehler, der den Start des Access Points bei manuell gewähltem Kanal und 40 MHz Kanalbreite verhindern konnte.
Für IPFire-Instanzen auf AWS ergänzt das Release die Unterstützung für IMDSv2. Der tokenbasierte Metadatenservice von EC2 gilt gegenüber der ersten Version als sicherer und kann bei neueren Konfigurationen verpflichtend sein. Bestehende Installationen mit IMDSv1 sollen weiterhin funktionieren.
Core Update 203 aktualisiert außerdem Intel-Microcode für bestimmte Prozessoren. Dieser soll eine unter INTEL-SA-01420 geführte Sicherheitslücke adressieren. Ein Fehler bei der UTF-8-Verarbeitung in Perl wurde ebenfalls korrigiert; dadurch sollen Übersetzungen mit Nicht-ASCII-Zeichen wieder korrekt in der Weboberfläche erscheinen.
Daneben aktualisiert IPFire zahlreiche Basis- und Zusatzpakete, darunter BIND, OpenVPN, Suricata, strongSwan, Samba, Postfix und Zabbix Agent. Bei OpenVPN wurden unter anderem die Konfigurations-Download-Schaltfläche überarbeitet und zusätzliche Angaben für Roadwarrior-Verbindungen mit statischer IP-Zuweisung ergänzt.
Siehe auch:
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11371136
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Shutterstock/chanpipat)
Die OpenSSL-Maintainer haben stillschweigend eine Denial-of-Service-Lücke geschlossen. Okta nennt sie „HollowByte“.
In OpenSSL haben die Entwickler stillschweigend eine Denial-of-Service-Sicherheitslücke geschlossen. Die IT-Sicherheitsexperten von Okta haben der Schwachstelle den Spitznamen „HollowByte“ verpasst.
In einem aktuellen Blogbeitrag erklären die Okta-Programmierer [1], dass die Sicherheitslücke sich mit manipulierten Paketen mit einer Nutzlast von 11 Byte missbrauchen lässt. Angreifer können OpenSSL damit aus dem Internet attackieren und dazu bringen, unverhältnismäßig große Speicherbereiche zu belegen, noch bevor ein Sicherheits-Handshake anfängt.
Okta führt aus, dass ein TLS-Handshake mit einer „ClientHello“-Nachricht anfängt. Diese Handshake-Nachricht enthält einen 4-Byte-Header, der die Länge des ankommenden Nachrichtentexts deklariert. Ältere OpenSSL-Versionen allokieren einen Speicherbereich mit dieser Größenangabe, bevor überhaupt etwaige Daten ankommen. Mit bösartigen Headern führt OpenSSL nun unüberprüft diese Speicherbelegung aus. Mit der bösartigen, 11 Byte langen Nutzlast liest die TLS-State-Machine den 4-Byte-Handshake-Header und belegt vorab Speicher gemäß der 3 Byte langen Längendeklaration. Bis zu 131 KByte Speicher belegt das dann aufgrund einer Angabe in nicht vertrauenswürdigen Paketen. Dazu kommt, dass der Worker-Thread blockiert und auf die Ankunft der angekündigten Daten wartet, die jedoch niemals ankommen, erklärt Okta das Problem.
Ein Angriff, der Verbindungen offen hält und die verfügbaren Threads ausschöpft, ist ein klassischer Denial-of-Service. „HollowByte“ ist noch etwas schlimmer, schreibt Okta, da OpenSSL zwar bei Beenden der Verbindung den Puffer wieder freigibt. Glibc hingegen gibt die Speicherbereiche kleinerer und mittlerer Belegungen nicht sofort wieder zurück, sondern hält sie für eine mögliche erneute Nutzung erstmal weiter vor. Durch Anfragen mit zufälligen Größen unterbinden Angreifer die Wiederbenutzung der Speicherblöcke, der Heap-Speicher fragmentiert stark. Selbst nach dem Ende eines Angriffs bleibt der Server weiter in diesem Status. Der einzige Weg, wieder an den Speicher zu gelangen, ist das Abschießen des Prozesses.
Okta hat das mit einem nginx-Server mit einer 1-GByte-RAM-Umgebung getestet. Nachdem 547 MByte des Speichers fragmentiert und eingefroren waren, kam es zum Prozess-Hänger aufgrund von „Out Of Memory“. Mit mehr Speicher, etwa 16 GByte RAM, trat der Zustand nach Belegung von 25 Prozent des Systemspeichers ein. Dabei blieb der Angriff unter der maximalen Anzahl möglicher Verbindungen, sodass Standard-Maßnahmen zur Begrenzung von Verbindungen nicht helfen.
Die OpenSSL-Entwickler haben das Problem stillschweigend mit OpenSSL 4.0.1 behoben und auf die Zweige 3.6.3, 3.5.7, 3.4.6 und 3.0.21 zurückportiert. Sie haben das „Fix zur Härtung“ deklariert und keinen CVE-Eintrag vergeben. Dennoch raten die Okta-Experten OpenSSL-Nutzern dazu, ihre Software auf den aktuellen Stand zu bringen. OpenSSL 4.0.1 sowie die Backports erschienen bereits früher im Juni [2] und schlossen mehrere Sicherheitslücken, die teils das Einschleusen von Schadcode erlaubten. Wer also die Aktualisierung noch nicht vorgenommen hat, sollte das nun nachholen.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370866
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden
Mit dem CMS WordPress sind Websites auch ohne Fachwissen schnell aufgebaut. Damit dessen JSON-API nicht sämtliche Daten ausplaudert, müssen Sie es schützen.
Mit WordPress ein eigenes Blog oder eine Homepage aufzusetzen, ist leicht. Schlüsselfertige Installationen des CMS bekommt man praktisch bei jedem Hoster. Das ist ideal, um Informationen zu verbreiten. Manche Daten nur bestimmten Benutzern zugänglich zu machen, ist hingegen nicht so leicht. Denn was viele Betreiber nicht wissen: WordPress besitzt ein leistungsfähiges, standardmäßig ziemlich auskunftsfreudiges JSON-API. Darüber lassen sich zum Teil sensible Daten ohne vorherige Anmeldung am Frontend vorbei abrufen.
Durch das JSON-API ist WordPress besonders ausbaufähig und flexibel. Es ermöglicht die Entwicklung von Erweiterungen auf Basis einer stabilen, klar definierten Schnittstelle, die noch dazu zustandslos ist – also nicht abhängig davon, was andere Benutzer gerade auf der Website tun. So gibt es Smartphone-Apps und verschiedene Editoren, mit denen man Inhalte erstellen und verwalten kann: Neben dem Classic Editor den aktuellen Standard-Editor Guttenberg, Thrive Architect, Elementor und Divi, um nur drei bekanntere zu nennen. Auch viele Plug-ins wie Kontaktformulare nutzen das JSON-API als Schnittstelle zu WordPress.
Für ein Reise-Blog mag es kein Problem sein, dass standardmäßig alle Inhalte jedem zugänglich sind, doch schon bei einer Vereinswebsite liegt der Fall anders: Dort gibt es üblicherweise einen Mitglieds- oder gar Vorstandsbereich, den eben nicht jeder einsehen können soll. Denn selbst wenn der Abruf dieser Seiten über das Standard-Theme nur angemeldeten Benutzern möglich sein sollte, kommt über das JSON-API jeder ohne eine Anmeldung heran. Abhilfe bringt ein Plug-in, das den Zugang zum JSON-API einschränkt.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11350569
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
iPad mini 7 in verschiedenen Farben: Nachfolger bald erstmals mit OLED?
(Bild: Apple)
Apple steht kurz vor der Überholung seines Kompakt-Tablets – und bereitet auch neue Modelle weiterer Baureihen vor. Doch gibt es technische Defizite?
Die siebte Generation des iPad mini [1] wird demnächst zwei Jahre alt. Apple plant einem Bericht zufolge zeitnah einen Nachfolger – und geht damit offenbar einen wichtigen technischen Schritt. Nachdem der Hersteller bereits beim iPad Pro in den Größen mit 11 und 13 Zoll seit der M4-Variante [2] von 2024 erstmals größere OLED-Screens verbaut, sollen diese nun auch erstmals in dem Kompakt-Tablet landen. Allerdings ist offenbar eine abgespeckte Version der organischen Leuchtdioden mit geringerer Bildwiederholfrequenz geplant, als man das von den Pro-Modellen kennt.
Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg [3] schreibt, trägt das neue iPad mini 8 den internen Codenamen J510. Der aktuelle LCD-Screen mit 8,3 Zoll wird demnach gegen ein OLED-Panel ausgetauscht. Es verspricht unter anderem eine bessere Farbdarstellung mit besseren Schwarzwerten, mitunter auch weniger Stromverbrauch. Der neue iPad-mini-Screen fügt sich im Hinblick auf die Größe zwischen den iPhone-OLEDs (seit 2017, maximale Größe: 6,9 Zoll beim iPhone 17 Pro Max [4]) und dem iPad Pro ein. Die Verfügbarkeit könnte im Herbst beginnen, möglicherweise im Oktober.
Ob sich aufgrund des neuen Bildschirms etwas am Formfaktor des iPad mini ändert, ist noch nicht durchgesickert. Denkbar wäre es, dass es dadurch etwas dünner wird. Apple dürfte weiterhin schnellere Chips verbauen. Derzeit nutzt Apple im iPad mini 7 den A17 Pro aus iPhone 15 Pro und 15 Pro Max, der bereits Apple-Intelligence-fähig [5] ist. Apple könnte auf den A19 Pro aus dem iPhone 17 Pro und 17 Pro Max wechseln, der in diesem September vermutlich durch den A20 Pro abgelöst wird. Der Einstiegspreis des neuen iPad mini dürfte höher ausfallen als bislang, wobei Apple die Preise für die aktuellen Modelle bereits erhöht [6] hat.
Angeblich nicht im iPad mini 8 integriert ist eine höhere Bildwechselfrequenz. Ein südkoreanischer Leaker hatte Mitte Juli behauptet, Apple werde kein ProMotion nutzen, also nicht die bis zu 120 Hertz aus dem iPad Pro anbieten [7]. Laut der Quelle setzt Apple auf ein 8,4 Zoll großes LTPS-Hybrid-Panel.
Dafür hat Apple vor, weitere iPads zu aktualisieren: Neue Einsteiger-iPads (dann Generation 12) sowie ein neues Air seien „für nächstes Jahr“ vorgesehen, möglicherweise im Frühjahr. Apple war es zuletzt gelungen, die iPad-Verkäufe im gesamten Geschäftsjahr um sechs Prozent zu steigern. Das war allerdings vor den Preiserhöhungen. Es gibt auch Gerüchte um neue Varianten des Apple Pencil für das kommende Jahr [8]. Erste MacBooks mit OLED [9] werden ebenfalls im Oktober erwartet – angeblich mit bis zu 16 Zoll.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11369648
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Mac Pro: Das letzte Design stammte bereits von 2019.
(Bild: Apple)
Apples schnellster Rechner ist mittlerweile der Mac Studio. Das war lange anders. Nun gibt es neue Details zu alten Planungen im Hinblick auf High-End-Systeme.
Apple hatte offenbar über einen längeren Zeitraum vor, die Mac-Pro-Baureihe weiterzuentwickeln. Stattdessen entschied sich der Konzern im März, die Workstation ersatzlos aus dem Programm zu nehmen [1]. Neben dem Formfaktor an sich gab es einem Bericht zufolge auch Arbeiten an zwei Spezialchips, die für Apples teuersten Desktop geplant waren. Auch diese wurden schließlich nicht umgesetzt, schreibt die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Ob es beim Ende des Mac Pro bleibt oder Apple langfristig ein Nachfolgemodell bringen wird, bleibt offen.
Nach dem Ende des Mac Pro ist nun der kompaktere Mac Studio [2] ohne direkte Erweiterungsmöglichkeiten Apples schnellste Maschine. Zuletzt waren im Frühjahr 2025 Varianten mit M4 Max und M3 Ultra erschienen, Apple strich aufgrund der Speicherkrise zwischenzeitlich mehrere große Konfigurationen [3]. Apple hatte den Mac Pro zuvor seit 2023 [4] nicht gepflegt und zum unveränderten Preis weiterhin mit dem veralteten M2 Ultra verkauft. Intern soll Apple an zwei noch schnelleren Chips, die zwei Ultra-Prozessoren kombinieren sollten, gearbeitet haben.
Laut Bloomberg [5] war dies sowohl ein „M2 Extreme“ als auch später ein „M3 Extreme“. Von beiden Chips gab es Ultra-Varianten. (Ob der geplante Name tatsächlich „Extreme“ hieß, drang nie offiziell durch.) Laut Bloomberg entschied sich Apple schließlich, die Projekte einzustellen – aus Kostengründen. Zudem sei unklar gewesen, wie hoch die Nachfrage gewesen wäre. Apple hatte geplant, die Ultra-Konfiguration bei Grafik- und Prozessorkernen jeweils erneut zu verdoppeln. Mindestens zwei neuere Varianten eines Mac Pro bekamen Codenamen: J170 und J190. Angeblich hatte Apple sogar vor, eine neue Intel-Variante aufzulegen – denn nur diese ließ sich mit zusätzlichen GPU-Karten [6] aufrüsten.
Apple hatte den Mac Pro stets für eine spezielle Zielgruppe entwickelt – Profis, die besonders viel Speicher und Leistung benötigten. Die Erweiterungsmöglichkeiten suchte man in allen anderen Mac-Modellen vergeblich. Gleichzeitig verlangte Apple je nach Konfiguration Kleinwagenpreise für die Maschinen und aktualisierte sie nur schleppend. Auch gab es immer wieder Ärger um den Formfaktor. Nach der berühmten Käsereibe kam der „Trashcan“-Mac-Pro [7], eine Art Vorläufer des Mac Studio ohne Erweiterungsmöglichkeiten. Dieser wurde dann durch das letzte, wieder erweiterbare Modell ersetzt, wobei Apple Silicon hier dafür sorgte, dass die Möglichkeiten reduziert wurden, welche Karten mit der Hardware liefen.
Laut Bloomberg arbeitet Apple nun an einem M5-Ultra-Chip, der in der nächsten Generation des Mac Studio noch in diesem Jahr (oder im kommenden Frühjahr) erscheinen könnte. Es dürfte – vermutlich Anfang 2028 – recht schnell einen Sprung zum M7 Ultra [8] geben, der bis zu 1,5 TByte RAM und diverse KI-Verbesserungen verspricht.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370150
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Apple Music auf dem Mac: 1 Euro mehr ab sofort.
(Bild: Apple)
Apple macht seinen populären Musikstreamingdienst teurer, Deutschland inklusive. iCloud+ ist in anderen Regionen betroffen.
Nicht nur iPads, Macs und Zubehör [1] sowie – vermutlich demnächst – iPhones [2] werden bei Apple teurer, sondern auch einige der Dienste des Konzerns. Dazu gehört der Speicherdienst iCloud+ in insgesamt acht Ländern, aber auch das Musikstreamingangebot Apple Music, wo von auch Europa betroffen ist. Sowohl Einzelabo als auch Familienabo sowie Studentenabo werden teurer.
Laut Apple-Preisliste [3] zahlt man für das Einzelabonnement nun 11,99 Euro statt 10,99 Euro. Familien werden mit 19,99 Euro statt 16,99 Euro besonders stark belastet (für bis zu sechs Personen). Das günstigere Studentenabo verteuert Apple von 5,99 auf 6,99 Euro. Wer Apple Music im Jahresabo einzeln erwerben will, zahlt nun 119 Euro, zuvor waren es 109 Euro. Es gibt allerdings Berichte, dass bei Abschluss teilweise noch der alte Preis angezeigt wird.
Interessant: Apple verteuert sein Gesamtabopaket Apple One [4] zunächst nicht. Es wird für Einzelpersonen weiterhin mit 19,95 Euro im Monat berechnet und enthält dann Apple Music, Apple TV, Apple Arcade sowie das iCloud+-Speicherpaket mit 50 GByte. Für eine Familie werden – dann mit 200 GByte für iCloud – 25,95 Euro im Monat fällig. Ein Premium-Paket, das auch noch Fitness+ enthält und 2 TByte Speicherplatz beinhaltet, kommt für eine Einzelperson auf 34,95 Euro.
Parallel zu den Erhöhungen bei Apple Music begann Apple auch damit, die iCloud+-Tarife nur für mehr Speicher (sowie Zusatzdienste wie HomeKit Secure Video [5]) anzuziehen. In der Türkei, Neuseeland, Ägypten, Japan, Vietnam, Philippinen, Indonesien sowie in Nigeria erhöhen sich die Preise zwischen 11 und 55 Prozent [6]. Gründe gab Apple hierfür nicht an, teilweise dürfte es sich aber um Währungsanpassungen handeln. Euro-Preise und jene in den USA blieben zunächst unverändert.
Apple könnte auch die iCloud+-Tarife aufgrund der aktuellen Speicherkrise anziehen, schließlich benötigen die Server in den Rechenzentren sowohl RAM- als auch NAND-Module und Festplatten. Angaben zu den Gründen für eine Erhöhung der Dienstepreise macht Apple allerdings normalerweise nicht, Nutzer werden nur über diese informiert. Apple Music hat im Gegensatz zu Spotify nach wie vor keinen kostenlosen Tarif mit Werbung, es gibt nur einen Probemonat.
Apple nannte gegenüber 9to5Mac als Grund für die Apple-Music-Preiserhöhung [7] „gestiegende Lizenzkosten“. In den USA sind unterdessen auch die Apple-One-Abopreise für Familien und die Premium-Variante gesteigen, um jeweils 2 US-Dollar.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370158
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Die Bürokratie und fehlendes Personal erschweren die Eintreibung von Unterhaltsvorschüssen in deutschen Städten.
(Bild: Rawpixel.com / Shutterstock.com)
Kürzung beim Unterhaltsvorschuss? Daten aus München, Cottbus und Dresden zeigen, dass fehlendes Personal und Bürokratie die Rückzahlung blockieren. Kommentar.
Die Pläne der CDU-geführten Bundesregierung, beim Unterhaltsvorschuss und anderen Sozialleistungen den Rotstift anzusetzen, sind zuletzt auf heftige Kritik gestoßen. Dennoch ist bei Bundesfamilienministerin Karin Prien und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) kein Umdenken in Sicht.
Dabei offenbaren die Zahlen, die Telepolis von einigen deutschen Großstädten abgefragt hat: Es sind nicht die Kinder, die dem Staat zu viel Geld kosten – der Staat schafft es aus zum Teil hausgemachten Gründen schlicht nicht, die Milliarden von säumigen Unterhaltspflichtigen zurückzuholen.
Und man kennt die Gründe aus früheren Debatten: Es fehlt an Personal, und der bürokratische Apparat belastet sich selbst mit unsinniger Mehrarbeit.
Die Dimension ist gewaltig. Rund 3,3 Milliarden Euro zahlt Deutschland jährlich an Unterhaltsvorschuss aus, wie Telepolis jüngst berichtete [1]. Seit der Reform 2017, als die Altersgrenze von 12 auf 18 Jahre angehoben und die Bezugsdauer entfristet wurde, hat sich die Zahl der Empfänger von rund 427.000 auf knapp 856.000 Kinder verdoppelt.
Das kostete Geld – viel Geld. Doch anstatt die Rückholmaschinerie entsprechend mitzuziehen, sparten die Kommunen am Personal. Das Ergebnis lässt sich in nackten Zahlen ablesen.
München zahlte allein in den vergangenen drei Jahren rund 105 Millionen Euro an Unterhaltsvorschuss aus. Zurück kamen 34 Millionen Euro – eine Quote von rund 32 Prozent, die im Städtevergleich noch als Spitzenwert durchgehen kann.
Doch der Preis dafür ist hoch: Eine einzige Vollzeitkraft im Münchner Fachbereich Unterhaltsvorschussgesetz (UVG) bearbeitet im Schnitt 650 Fälle parallel – 350 Auszahlungen und 300 Rückgriffe. Und monatlich gehen nach Auskunft der Stadtverwaltung rund 400 Neuanträge ein.
Von den 49 Vollzeitstellen sind nur knapp 90 Prozent besetzt. Personelle Engpässe seien "grundsätzlich ein Hindernis für eine konsequente Durchsetzung der Rückforderungen", teilt die Stadt auf Anfrage mit.
In Dresden sieht es düsterer aus. Die sächsische Landeshauptstadt gab 2024 mehr als 26 Millionen Euro an Unterhaltsvorschuss aus, holte davon aber nur 11,87 Prozent zurück – weniger als jeden achten Euro.
Von 34 Vollzeitstellen, mit denen die Stadtverwaltung plant, sind lediglich 31 besetzt, etliche davon auch nur in Teilzeit.
Das Problem sei weniger die absolute Stellenzahl als die chronische Fluktuation, erklärte die Stadt gegenüber Telepolis. Häufige Personalwechsel machten eine engmaschige Verfolgung der Schuldner praktisch unmöglich.
Die Stadt Leipzig betonte gegenüber Telepolis, dass der "Rückgriff nach § 7 UVG [...] personalintensiv [sei], da er unter anderem die Überprüfung der Leistungsfähigkeit der Unterhaltspflichtigen, die Titulierung von Ansprüchen und die Durchführung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen erfordert". Aber auch nachdem der Bereich personell verstärkt wurde, sind von "rund 39 Vollzeitäquivalente (VzÄ)" nur 32 besetzt.
Leipzig ist ein Beispiel dafür, dass sich mehr Personal auszeichnet: In der Zeit von 2017 bis 2025 erhöhten sich die Zahlungen von Unterhaltsvorschuss von 11,3 auf knapp über 30 Millionen Euro, also ein Anstieg um den Faktor 2,7. Im selben Zeitraum stieg aber der Rückgriff um den Faktor 4,4, von 0,9 auf knapp 4 Millionen Euro. Immerhin können so 13 Prozent der Kosten wieder zurückgeholt werden.
Am dramatischsten zeigt sich der Trend in Cottbus. Die brandenburgische Stadt meldete für 2023 noch eine Rückgriffsquote von 18,2 Prozent. Zwei Jahre später lag sie nur noch bei 14,4 Prozent, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt. Dabei sind die eingesetzten Instrumente dieselben geblieben: Mahnungen, Vermögensauskünfte, Lohn- und Kontopfändungen, Strafanzeigen.
7,8 Vollzeitstellen betreuen hier den gesamten Bereich. Eine umfassende Bearbeitung der Rückgriffe sei aufgrund der aktuellen Personalsituation derzeit "nur schwer umsetzbar", teilte die Stadt mit.
Die Cottbuser Zahlen legen einen weiteren Faktor offen, der in der Berliner Spardebatte kaum vorkommt: die soziale Realität in Deutschland. In einer Stadt mit hoher Arbeitslosen- und SGB-II-Quote fehlt vielen Unterhaltspflichtigen schlicht das Geld.
München beziffert den Anteil zahlungsunfähiger Schuldner auf 70 Prozent. Bei weiteren 10 Prozent ist der Aufenthaltsort unbekannt. In der Antwort aus Dresden kommen ungeklärte Vaterschaften und ins Ausland verzogene Elternteile hinzu.
Cottbus verweist zudem auf eine Besonderheit: Von 75 ukrainischen Fällen sei nur in dreien ein Rückgriff möglich – weil Väter im Krieg gefallen oder schlicht unbekannt sind.
Doch selbst dort, wo Sachbearbeiter existieren und Schuldner greifbar wären, blockiert ein absurdes Verwaltungskonstrukt die Arbeit.
Für Familien im Bürgergeld-Bezug ist der Unterhaltsvorschuss ein reines Nullsummenspiel [2]: Das Jugendamt zahlt, das Jobcenter kürzt exakt denselben Betrag. Am Monatsende hat die Familie keinen Cent mehr. Trotzdem müssen beide Behörden den Fall komplett bearbeiten – Antragsprüfung, Erstattungsansprüche, Verrechnung.
Dresden formuliert die Konsequenz ungewöhnlich deutlich: Ein Ende dieses Doppelbezugs würde "massive Kapazitäten freisetzen, die in den Rückgriff investiert werden könnten". Weiter:
"Die Abrechnung von Erstattungsansprüchen und Anspruchsprüfung im Falle von Bürgergeldbezug binden hier beträchtliche Verwaltungskapazitäten, ohne dass die Betroffenen davon einen Vorteil haben."
Klarer kann eine Behörde wohl kaum sagen, dass gesetzliche Vorgaben sie dazu zwingen, im Grunde sinnlose Arbeit zu leisten.
Als Lösung fordern die Kommunen keinen Kahlschlag bei den Leistungen. Sie fordern stattdessen einen besseren Datenaustausch zwischen Behörden, landesweite Standards für das Forderungsmanagement, schnellere Vollstreckungsgerichte und eine Digitalisierung, die den Namen verdient.
Das klingt weniger spektakulär als so manche Forderungen von Politikern, die jetzt ins Spiel gebracht werden, etwa Stadionverbote für säumige Väter nach argentinischem Vorbild oder Fahrverbote im Verwaltungsverfahren. Aber würden die Ideen der Kommunen berücksichtigt, käme man wohl zu einer wirksameren Lösung. Lediglich Leipzig sieht in den Vorschlägen wie dem Entzug des Führerscheins ein geeignetes Druckmittel, zumindest unter Umständen, denn wenn dadurch eine Erwerbstätigkeit unmöglich gemacht würde, wäre dadurch auch nichts gewonnen.
Wer bei 856.000 Kindern kürzen will, statt den Verwaltungsapparat zu reparieren, der die Milliarden eintreiben soll, betreibt keine Haushaltssanierung – sondern Symptombekämpfung auf dem Rücken Minderjähriger.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11371064
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Die volle Zinslast der aktuellen Schuldenaufnahme macht sich erst in einigen Jahrzehnten bemerkbar
Das Kabinett Merz plant für 2027 ein Defizit von 118,7 Milliarden Euro. Während die Rüstung boomt, wird bei Bildung und Sozialem gekürzt. Eine Analyse.
Das Kabinett Merz hat den Bundeshaushalt 2027 beschlossen [1]– samt Finanzplan bis 2030 [2]. Eine offene Debatte darüber, welche Ausgaben notwendig und welche verzichtbar, findet in der Zeitenwendehysterie kaum noch statt. Aufrüstung gilt nicht als politische Entscheidung, sondern als Sachzwang.
Ein Blick auf einen Haushalt, der eher dem Wunschzettel einer wiedererstarkten Rüstungsindustrie gleicht als einem demokratisch ausgehandelten Kompromiss.
Allein für 2027 plant [3] der Bund mit einem Defizit von 118,7 Milliarden Euro – fast ein Fünftel des 555,4-Milliarden-Budgets ist durch laufende Einnahmen, erhebliche Sozialkürzungen und diverse Steuererhöhungen nicht gedeckt. Das sind rund 20 Milliarden mehr Nettoschulden als 2026, bei einer Gesamtausgabensteigerung von gerade einmal 30 Milliarden.
Hinzu kommen ab 2027 neue Kredite aus den Sondervermögen für Infrastruktur, Klimaneutralität [4] sowie gesondert für Kriege. Erste Tilgungen für Letzteres könnten bereits ab 2028 mit 3,2 Milliarden Euro fällig [5]werden; die Infrastruktur- und Klimakredite müssen erst ab 2044 zurückgezahlt werden. Deutschland auf dem Weg in die Staatsschuldenkrise?
Der Bundesrechnungshof liefert die Empirie: Er verweist auf [6] den engen Zusammenhang von Sozialabbau, Rüstungsausgaben und Kreditaufnahme über Sondervermögen. Der Bund verfügt derzeit über 29 solcher Konstrukte [7] mit einem Gesamtvolumen von rund 869 Milliarden Euro – doch nur etwa ein Zehntel davon ist tatsächlich werthaltig, der Rest kreditfinanziert oder auf Zuschüsse aus dem Kernhaushalt angewiesen.
Die behördlichen Prüfer sprechen deshalb [8]von "Sonderschulden" und warnen, dass die reale Neuverschuldung unter Einbeziehung dieser Konstruktionen deutlich höher liegt als die offiziell ausgewiesene Nettokreditaufnahme.
Mehrere Krisen könnten zudem zusammenlaufen: Sondervermögen wurden bereits mehrfach über die Maßen zweckentfremdet [9], gleichzeitig droht [10] dem gesamten Euro-Raum bei einem möglichen Zahlungsausfall der Ukraine ein Sog gen Pleite.
Fachleute mahnen [11], dass unter dem sicherheitspolitischen Diktum eines "Whatever it takes" kaum geklärt ist, wer die Schulden am Ende trägt. Am Ende dürften es wie so oft die kommenden Generationen sein.
Ein Blick in die Einzelpläne zeigt: Der Haushalt 2027 ist kein klassischer Sparhaushalt, sondern vor allem ein Umschichtungs- und Verschuldungshaushalt.
Wenn das Ministerium von einem "starken und krisenfesten Deutschland" spricht [12], meint es offenbar vor allem Rheinmetall & Co. Denn der mit Abstand größte Gewinner ist die Rüstungsbranche: Von 82,7 Milliarden Euro 2026 steigt [13]der Etat 2027 um 27 Milliarden auf 109,7 Milliarden – ein Rekordplus von 33 Prozent.
Zusätzlich soll 2027 das bereits angesprochene Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) starten [14]: eine über zwölf Jahre laufende Kreditermächtigung von 500 Milliarden Euro. Der Haken: Zwar ist das SVIK kein direkter Rüstungsfonds, doch die Nato fordert [15] seit Jahren leistungsfähige Verkehrswege für militärische Mobilität – Brücken, Schienen und Straßen, die im Ernstfall auch militärisch genutzt würden.
Wie schon beim Bundeswehr-Sondervermögen handelt es sich also um einen zweifachen Etikettenschwindel: Sondervermögen klingt nach vorhandenen Mitteln, gemeint ist aber eine verzinste Kreditermächtigung, die keine direkte Investition darstellt, sondern als Investitionsfonds neue Kapitalien anregen soll.
Zum Anderen verbirgt sich hinter dem wohlklingenden Namen im Kern eine militärische Komponente für die Nato-Ostdrehscheibe, nämlich die Stärkung des zentralen Logistik-Hub auf deutschem Boden [16].
Während bei der Aufrüstung geklotzt wird, trifft [17] es den Klima- und Transformationsfonds (KTF) hart – zwei bis drei Milliarden Euro weniger jährlich, weil CO2-Emissionshandel-Einnahmen künftig in den Kernhaushalt umgeleitet werden.
Heizungsförderung, Gebäudesanierung und Industrietransformation stehen zur Disposition [18]. Damit bricht die Koalition demonstrativ mit einem Erbe der Ampel: Nach dem Karlsruher Grundsatzurteil zur Schuldenbremse 2023 [19] hatte die Vorgängerregierung noch versucht, die Bremse einzuhalten. Heute liegt eine deutlich expansivere Finanzpolitik vor.
Hinzu kommt eine pauschale Ein-Prozent-Kürzung in allen Ministerien sowie die fast vollständige Auflösung der Haushaltsrücklage: 6,8 Milliarden Euro werden entnommen, nur 3,9 Milliarden bleiben als Puffer. Kritiker sprechen [20] von einer "entsetzlichen Lücke", die Süddeutsche Zeitung wirft [21] der Regierung vor, den letzten Notgroschen zu verjubeln.
Diese Rücklage war eigentlich als Puffer für unerwartete Krisen gedacht – Krisen, die allein im letzten Jahrzehnt gehäuft auftraten. Eine ARD-Analyse bringt [22] das Klingbeil-Motto auf den Punkt: "Prinzip Hoffnung", weil zentrale Finanzierungsannahmen höchst unsicher sind. Das konterkariert Klingbeils Linie: Lange hatte er angekündigt, [23] die Rücklage möglichst zu schonen – wohl wissend, dass ihr Verbrauch die Spielräume der Haushalte bis 2029, für die er selbst verantwortlich sein könnte, drastisch einschränkt.
Am härtesten trifft es den Sozialstaat: Zwar bleibt der Etat [24] mit 201,2 Milliarden Euro 2027 und geplanten 233,5 Milliarden bis 2030 der größte Einzelposten, doch innerhalb dessen wird in einer Zangenbewegung verschärft und gekürzt – etwa weil das Bürgergeld zu einer "sozial-aktivierenden", also repressiveren Grundsicherung [25] wird.
Der Bildungsetat sinkt [26]von 16,7 auf 13,8 Milliarden Euro, Forschung, Wohngeld und Kinderförderung werden gekürzt – während gleichzeitig der militärisch-industrielle Komplex frohlockt. Was einst wie ein süffisantes Memes galt, ist heute Realität: Das warme Mittagessen für Schulkinder [27], finanzierbar aus dem Kinder-Sofort-Zuschlag, wird gestrichen und in Militaria investiert. Das trifft jene am härtesten, die um ihren Job bangen, an Zapfsäule und Supermarktkasse schlucken oder deren Löhne durch Inflation zerfressen werden.
Die Logik erinnert dabei an Javier Mileis Kurs in Argentinien [28]: Ein radikaler Sparkurs mit dem Versprechen eines schlankeren Staates, erkauft jedoch mit harten Einschnitten bei öffentlichen Leistungen.
Während Milei mit seiner "Kettensäge" vor allem Staatsausgaben kappte, zeigt sich in Deutschland ein anderer Zielkonflikt: Milliarden für Verteidigung stehen der Forderung gegenüber, bei Sozialem nicht zu sparen. Die Quadratur des Kreises, will man Überreichtum [29] unangetastet oder eine Kapitalertragsteuer unberufen lassen will, unmöglich.
Die Prioritäten sind verteilt: Aufrüstung und Digitalisierung wachsen, Klimaförderung, Rücklagen und Zinszahlungen werden hintangestellt. Gespart wird bei Sozialem, Bildung und Renten. Das größte Risiko aber liegt in den Zinsausgaben, die von 33,6 Milliarden Euro (2026) auf 82,2 Milliarden (2030) steigen sollen [30] – ein Plus von über 144 Prozent.
Der Bundeshaushalt 2027 ist damit auch eine Entscheidung über die Verteilung von Lasten zwischen den Generationen und Schichten: Während heute Milliarden für Aufrüstung mobilisiert werden, bleibt offen, wer die Zeche zukünftig begleicht.
Die Schulden von heute sind keine abstrakte Zahl in Haushaltsbilanzen, sondern konkrete Verpflichtungen für diejenigen, die morgen mit höheren Zinsen, weniger Handlungsspielraum und weggekürzten Sozialleistungen leben müssen.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370946
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Das Gesicht einer neuen Ära: Pedri, Ferran Torres und Gavi feiern den EM-Titel 2024. Zwei Jahre später krönten sie sich auch zu Weltmeistern. Archivbild: Shutterstock.com
Spanien wird verdient Weltmeister. Das ZDF überzeugt, die ARD patzt – und die Fifa macht den Fußball zur unerträglichen Show. WM-Blog, Folge 17.
Manchmal siegt der Kopf und nicht der Bauch. Absolut verdient ist die beste Mannschaft des WM-Turniers Weltmeister geworden. Das spanische WM-Team ist ein würdiger Nachfolger der Goldenen Generation Iniesta und Xavi und Ramos, die 2010 Weltmeister wurden.
Erst zum dritten Mal nach 2010 und 2014 wurden damit Europäer außerhalb Europas Weltmeister.
Mit der spanischen Mannschaft hat die Zukunft über die Vergangenheit gesiegt. Spanien könnte noch über viele Jahre praktisch unschlagbar sein, sie werden weitere Titelchancen bekommen. Während Lionel Messi hier seine vermutlich letzte Titelchance hatte.
Argentinien wird nun für die Zeit nach Messi planen müssen und auch für die Zeit nach der "Generation Messi".
Widerlegt wurden mit dem Ergebnis auch alle Verschwörungstheorien, nach denen die FIFA und "die jüdische Lobby" oder "Israel" einen Sieg Argentiniens wünschten und durch parteiische Schiedsrichter abgesichert hätten.
Das Ergebnis war ein Erfolg des Kollektivs, wie schon das ganze Finale.
"Es ist ein wunderbares Finale", sagte ZDF-Experte Christian Streich schon gleich zu Beginn der ZDF-Übertragung:
"Es sind die zwei taktisch besten Mannschaften, die zwei Mannschaften, die mich am meisten überzeugt haben von der Intensität und von der fußballerischen Qualität her."
Damit hatte Streich elegant auch das Urteil gesprochen über das Spekatakel um den dritten-Platz, dessen "Tralala und Hoppsassa"-Fußball (Marcel Reif) man wie dem 6:4 Eishockey-Ergebnis anmerkte, dass es beiden Teams um gar nichts mehr ging; allenfalls darum, Kylian Mbappé soviel Tore und Scorer-Punkte zu verschaffen, dass Lionel Messi im Finale keine Chance mehr auf den Torjäger-Titel hatte – die kleine süße Rache der Engländer an ihrer Nemesis.
Finale bei Weltmeisterschaften sind immer schwierige, von Taktik und Vorsicht dominierte Spiele. Sechs der fünf letzten WM-Finale gingen in die Verlängerung. Insofern konnte niemand überrascht sein, dass es kein üppiges barockes Fußballfest wurde; aber es war bis zum Ende ein spannendes Spiel. Argentinien geriet zu spät in Rückstand, um das Spiel zu gewinnen. Sie hätten mehr Zeit gebraucht, um zu Chancen zu kommen.
Aber natürlich kamen sie auch deswegen nicht zu Chancen, weil die Spanier ein perfektes Abwehrspiel aufgebaut hatten – nicht erst in diesem Spiel – und weniger zuließen, als die bisherigen Gegner der Argentinier, und nicht nur Messi weitgehend kaltstellten, sondern auch McAllister.
Spanien spielte schön, versuchte viel, hatte aber auch erkennbar viel und vielleicht ein bisschen zu viel Respekt vor Argentinien. Keine Angst, aber eine wahnsinnige Vorsicht, die den Spielern bestimmt auch von ihrem Trainer eingeschärft wurde.
Argentinien setzte eher auf ein Momentum und die Ermüdung des Gegners gegen Ende. Der Weltmeister schien sich zu sagen: Vielleicht klappt es, und wenn nicht, dann versuchen wir es im Elfmeterschießen.
Weil die Spanier dieses unbedingt vermeiden wollten, wurde es in der Verlängerung spannend, als Spanien offensiv einwechselte und sogar auf Spielmacher Rodri verzichtete. Zum Schlüsselspieler wurde wie beim EM-Sieg 2024 der offensive Linksaußen Nico Williams, der zunächst selbst das dann zu Unrecht aberkannte spanische Führungstor schoss und später die Kopfballvorlage zum Siegtreffer gab.
Argentinien begann zu früh mit Auszuwechslungen und hatte im letzten Drittel nichts zuzusetzen. Auch war es ein taktischer Fehler, zu Beginn der zweiten Halbzeit den Stürmer Gonzalez auszuwechseln. Das brachte Stabilität, aber schwächte die Offensive.
Es ist falsch zu sagen, dass die Finalpaarung zwischen Spanien und Argentinien so extrem unerwartet war, wie es manche sogenannte Experten vergangene Woche schrieben.
Tatsächlich ist Argentinien zu Turnierbeginn der amtierende Weltmeister gewesen und Spanien nicht nur Europameister, sondern seit ungefähr drei Jahren ungeschlagen – wieso also sollte ein Finale für eine der beiden Mannschaften unwahrscheinlich sein?
Argentinien und Spanien spielten auch jeweils im Sechzehntel-Finale gegen den Zweiten der Gruppe des anderen. Nicht wie Deutschland, Frankreich oder England gegen Gruppendritte. Sie hatten keineswegs den leichteren Weg, eher im Gegenteil.
Da fragt man sich, was für Experten das sind, von welcher Expertise und von welchen Argumenten sie sich leiten lassen? Es scheint dann vielleicht doch eine allzu rosarote Sicht auf die französische Performance und auf die der Deutschen zu sein, oder auf die Kombination aus Kraft-Fußball und Star-Fußball, wie ihn neben Frankreich vor allem England repräsentiert.
Das wurde im Halbfinale zwischen England und Argentinien deutlich. Das Spiel war derart mitreißend, dass es verständlich war, dass nicht alle auch unmittelbar nach dem Spiel schon auf Ballhöhe waren.
Doch für den leider in diesem Fall allzu parteiischen Kommentator Tom Bartels von der ARD gibt es keine Rechtfertigung, wie überhaupt die ARD ihrer schwachen und halbherzigen WM-Berichterstattung in diesem Jahr, die nur Bastian Schweinsteiger als Experte ein wenig ausgleichen konnte, in ihrer letzten Folge eine Krone aufgesetzt hat.
Von den 30 Minuten, die zur Vorberichterstattung für ein WM-Halbfinale überhaupt gerade noch geblieben sind, waren zwei Drittel für die Lobpreisung der englischen Nationalmannschaft aufgewandt worden, mit Interviews.
Das ZDF machte es wieder einmal viel besser: Der erwähnte Christian Streich in Berlin, die Paarung Per Mertesacker und Christoph Kramer vor Ort berichteten ausgewogen – und leidenschaftlich.
Geld schießt vielleicht keine Tore, aber manchmal hilft es. Vier der acht teuersten Mannschaften der WM erreichten die Halbfinale. Die spanische Mannschaft ist 1,2 Milliarden Euro wert, die argentinische nur 808 Millionen. Die beiden Mannschaften, die die Halbfinalpartien verloren, sind teurer: Die französische Mannschaft ist 1,5 Milliarden, die britische 1,4 Milliarden Euro wert.
Tatsächlich ist diese Weltmeisterschaft somit eine WM der wenigen Überraschungen gewesen; am ehesten kamen das deutsche und das frühe brasilianische Ausscheiden unerwartet.
Natürlich hatte man von Brasilien mehr erwartet, von Deutschland auch, aber natürlich war auch klar, dass einige der afrikanischen Mannschaften und besonders Marokko stark sind, dass Japan, die Schweiz und Kolumbien und sogar Norwegen gut für Überraschungen sein würden – also gar nicht so überraschend.
Gab es Fußballinnovationen? Nicht viele. Von den häufigeren Weitschüssen war die Rede, und von den Auswirkungen der neuen Regeln.
Ansonsten war eher das Drumherum neu – und hier ist noch offen, ob die Amerikanisierung, besser Hollywoodisierung des Fußballs, inklusive der Einflussnahme des US-Präsidenten, eine Ausnahme bleiben oder zur Regel werden werden, wenn die WM in den Emiraten, undemokratischen Königreichen und anderen Diktaturen stattfinden wird.
Die Show an sich war bereits das Ereignis. Ob mit Tom Cruise oder Madonna, Shakira oder Robbie Williams und all den anderen hochgradig geschmacklosen Showacts, die bereits vor Beginn zum schlechtesten Nationalhymnengesang aller Weltmeisterschaftsspiele führten.
Wie beim Super Bowl ging dem auch noch die US-Hymne voraus und die geschmacklose Fifa-Hymne – als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Fifa ein eigener Staat ist, und sich auch so benimmt.
Co-Gastgeber Mexiko und Kanada fanden am Ende gar nicht mehr statt – ein trauriger Vorgriff auf die Sechs-Staaten-WM in vier Jahren.
Insgesamt war die Vorab- und die Halbzeit-Show grottig und riss keinen Fußballfan der Welt mit. "Das ist unsere neue Welt", sagte Christoph Kramer. Das ist letztlich nicht entschieden, vor allem aber eine unangemessene Identifikation mit dem Aggressor.
Der Fußball wird in seiner Schönheit selbst diese niederträchtigen Rahmenbedingungen überleben. So wie die Zeit nach Gianni Infantino in diesem Sommer begonnen hat, auch wenn Infantino selbst es noch nicht weiß.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370878
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Michael Traitov / Shutterstock.com)
Gotify 3.0.0 führt OpenID Connect für die Anmeldung ein, verschärft den Umgang mit API-Token und überarbeitet die Konfiguration.
Mit Gotify 3.0.0 erhält der selbst gehostete Benachrichtigungsdienst eine Anmeldung über OpenID Connect (OIDC), zusätzliche Absicherung für sensible Aktionen in der Weboberfläche und eine umfassend überarbeitete Konfiguration. Das Major-Release verändert zugleich mehrere Schnittstellen und Konfigurationswege, sodass Administratoren ihre Installationen vor dem Upgrade prüfen sollten.
Gotify ist ein Open-Source-Server zum Versenden von Push-Nachrichten an eigene Clients und Anwendungen. Der Dienst richtet sich vor allem an Administratoren und Entwickler, die Benachrichtigungen aus Skripten, Monitoring-Systemen oder eigenen Anwendungen ohne externe Push-Plattform betreiben wollen. Clients abonnieren dabei Anwendungen auf einem Gotify-Server und erhalten deren Nachrichten per API.
Die wichtigste neue Funktion ist die Unterstützung für OpenID Connect. Damit kann Gotify Nutzer über einen externen Identity Provider anmelden, etwa über Keycloak [1], authentik oder einen Unternehmens-Login, der OIDC bereitstellt. OIDC baut auf OAuth 2.0 auf und liefert der Anwendung zusätzlich eine standardisierte Identität des angemeldeten Nutzers.
Das vereinfacht den Betrieb in Umgebungen, die bereits zentrale Benutzerkonten und Single Sign-on einsetzen. Statt separate Gotify-Passwörter zu verwalten, können Administratoren den Zugriff an den vorhandenen Identity Provider anbinden. Laut Release Notes [3] haben die Entwickler im Zuge dieses Updates auch mehrere Sicherheitsprobleme behoben.
Für besonders kritische Änderungen führt Gotify zudem eine „Session Elevation“ ein. Für sensible Änderungen in der Weboberfläche müssen angemeldete Nutzer ihre Identität erneut bestätigen. Das soll verhindern, dass ein bereits geöffneter Login für kritische Eingriffe missbraucht wird. Auch Skripte, die Endpunkte für Client-Tokens aufrufen, können davon betroffen sein und müssen gegebenenfalls angepasst werden.
Die neue Version verschärft außerdem den Umgang mit Zugangstoken. Gotify zeigt API-Token künftig nur noch beim Erstellen oder Erneuern an. Bereits angelegte Token lassen sich anschließend nicht mehr über die API auslesen. Das reduziert das Risiko, dass ein Token versehentlich über API-Antworten, Protokolle oder eine kompromittierte Verwaltungsoberfläche preisgegeben wird.
Ergänzend speichert der Server Tokens nicht mehr im Klartext. Der verfügbare Schlüsselraum für Token steigt laut Changelog auf mehr als 128 Bit. Neu ist außerdem, dass Anwendungen eigene Token aktualisieren können. Nachrichten lassen sich nun auch mit einem Client-Token versenden.
Inaktive Clients und Sitzungen räumt der Server künftig automatisch auf. Das soll veraltete Einträge aus der Instanz entfernen und die Zahl unnötig fortbestehender Sitzungen begrenzen. Für die Weboberfläche verwendet Gotify zudem HTTP-only-Cookies statt Local Storage. Solche Cookies kann JavaScript im Browser nicht direkt auslesen, was den Schutz gegen den Abfluss von Sitzungsdaten bei Cross-Site-Scripting-Angriffen verbessert.
Ein Breaking Change betrifft die Konfiguration: Die Datei config.yml wird nicht mehr unterstützt. Stattdessen muss man ihre Einstellungen in das neue Umgebungsvariablen-Format überführen. Dafür liefert das Projekt mit gotify migrate-config ein eigenes Kommando mit; zugleich führt Version 3 eine CLI mit den Befehlen gotify serve, gotify version und gotify migrate-config ein.
Wer Listen oder Maps über Umgebungsvariablen setzt, muss ebenfalls die geänderte Syntax berücksichtigen. Auch API-Clients sollten überprüft werden: Die URL im Feld paging.next von Antworten mit Nachrichtenlisten ist nun ein relativer Pfad statt einer vollständigen URL. Clients müssen ihn daher relativ zur Serveradresse auflösen.
Weitere Änderungen betreffen vor allem den Betrieb: Das Logging setzt jetzt auf zerolog, Docker-Images enthalten OCI-Labels, und für Tests mit noch nicht veröffentlichtem Code stellt das Projekt ein Image mit dem Tag gotify/server:master bereit. Neue Zeitstempelfelder dokumentieren zudem die Erstellung von Nutzern, Clients, Anwendungen und Plugins.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370630
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: JHVEPhoto/Shutterstock.com)
Kunden wurden plötzlich astronomische Kosten für Amazon Web Services angezeigt. Dahinter steckt ein technischer Fehler.
So mancher Kunde von Amazon Web Services (AWS) dürfte Panik bekommen haben: Der Cloud-Dienstleister verschickte Hinweise zu Kosten teils in Billionenhöhe – Grund waren Probleme im internen Abrechnungssystem.
Mehrere Medien berichten über AWS-Kunden, denen in ihrer Kostenübersicht, der AWS Billing Console, plötzlich Beträge von mehreren Billionen US-Dollar für den laufenden Monat angezeigt wurden. Ein Betroffener hatte im Vormonat lediglich 200 US-Dollar, ein anderer nur 43 US-Cent bezahlt. Auch im Kontakt mit dem Kundensupport war es laut der britischen Zeitung The Guardian [1] zunächst nicht ganz einfach, die Sache aufzuklären.
Schließlich wendete der AWS-Support sich an die Öffentlichkeit und meldete am Freitag auf X [2], dass das Unternehmen Probleme mit inkorrekten Abrechnungsdaten untersuche. Erst am Sonntag konnte AWS dann die Ursache aufklären und das Problem beheben.
Ursache war wohl eine fehlerhafte „Konfigurationsänderung“ im AWS-Abrechnungssystem, wie Gizmodo unter Berufung [3] auf die AWS-Supportseite [4] berichtet. Hier hat Amazon aber mittlerweile alle Informationen zu dem Thema entfernt, per Wayback Machine [5] lassen sich zumindest die Aktivitäten während der Fehlerbehebung aber noch nachlesen. „Dieses System stützt sich bei der Berechnung der Einzelpostengebühren auf Daten zur Einheitenumrechnung“, erklärte AWS demnach weiter. Doch die Änderung habe dazu geführt, dass Aktualisierungen der Daten zur Einheitenumrechnung fehlschlugen, was zu überhöhten Einzelpostenkosten führte, die sich auf die Konsole für Abrechnung und Kostenmanagement auswirkten und Warnmeldungen zu Budget- und Kostenabweichungen auslösten. Letztere dürften vielen Kunden einen gewaltigen Schock verpasst haben. Auf X teilte AWS am Sonntagnachmittag mit [6], dass das Problem jetzt behoben sei.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11370078
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Unser Deal-Qualitätsversprechen: Gute, ehrliche und unabhängig recherchierte Angebote. Mehr Infos
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Schraubendreher stammen häufig von Anbietern wie Wera, Wiha und Hazet. Die Firmen zählen vermutlich zu den bekanntesten Herstellern von Handwerkzeugen aus Deutschland.
Auch Inbus ist eine bekannte Marke. Viele denken beim Namen in erster Linie an den Innensechskantschlüssel. Manchen gilt er als Gattungsbegriff, auch wenn es um Modelle anderer Hersteller geht. Der korrekte Begriff sind jedoch Winkelschlüssel oder Innensechskantschlüssel.
Dass Inbus auch Ratschenschraubendreher im Sortiment hat, wissen vermutlich nur wenige. Dabei werden die bei Amazon gut bewertet. Auch der Hersteller glaubt an sein Handwerkzeug, andernfalls böte er wohl keine Garantie von zehn Jahren.
Der Ratschenschraubendreher heißt Inbus Flow. Der Lieferumfang ist innensechskantlastig, doch im Griff verbergen sich auch andere Profile. Das genannte Profil gibt es laut Hersteller in drei, vier, fünf und sechs Millimetern. Damit werden viele im Haushalt übliche Formate abgedeckt.
Hinzu kommen Kreuzschlitz in Form des klassischen Phillips-Profils PH 1 und PH2 sowie das moderne Pozidriv in Gestalt von PZ1 und PZ2. Schlitz ist mit SL 5,5 dabei, Torx als TX10, TX20 und TX25. Hergestellt wurden die Bits laut Hersteller aus CrSi/MoV-Stahl.
Im Innern des Schraubendrehers steckt eine lautlose und vermutlich zahnlose Mechanik. Möglich sind ein Rechts- und ein Linkslauf sowie das Feststellen der Mechanik.
4,8 von 5 Sternen auf Amazon und die lange Garantie sprechen für ein solides Werkzeug. Man sollte sich allerdings nicht zu viel vom Hinweis Made in Germany auf der Produktseite versprechen. Es gilt offenbar nur für die Bits, während die Basis von einem Drittanbieter zu stammen scheint. Hazet zum Beispiel hat einen ähnlichen Ratschenschraubendreher im Sortiment.
Seit gestern und befristet bis zum 27. Juli – oder solange die Rabattvorräte reichen – kostet der Inbus Flow bei Amazon 29,95 Euro
INBUS® Flow 73424 Schraubendreher inkl. 12 Bits — Made in Germany
-25%Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Sollten einem 30 Euro immer noch zu viel Geld für ein solches Werkzeug sein, empfiehlt sich der Ratschenschraubendreher von Bosch. Er hat sich allein im letzten Monat über 4.000-mal bei Amazon verkauft und kostet 19,99 Euro. Zuletzt war er aber billiger. Im 90-Tage-Mittel verlangte der Onlineriese laut Preistracker 16,17 Euro.
Bosch Ratschenschraubendreher mit Bit Magazin, 12-teilig (Ratschenschraubendreher mit hohem Drehmoment; 12 Bits im integrierten Bitmagazin enthalten; magnetischer Bithalter) - Amazon Edition
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Wera 05051493001 838 RA-R M Bits-Handhalter mit Ratschenfunktion, 1/4", 1/4" x 123,5 mm
-18%Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Besonders kompakt ist der 838 RA-R M von Wera, da ihm der Schaft fehlt. Im Gegenzug bietet er das Schnellwechselfutter Rapidaptor. 20,99 Euro
Nexperia kann seine Kunden nach Monaten knapper Liefermengen wieder besser bedienen. "Wir stellen unseren Kunden jetzt Woche für Woche mehr Kapazität zur Verfügung", hat der Interimschef Stefan Tilger dem Handelsblatt gesagt. "Bis Jahresende sollten die größten Engpässe aufgelöst sein." Die niederländische Tochter und die Landesregierung mit ihrem wichtigsten Werk in Hamburg hatten im Herbst 2025 auf Weisung der USA die chinesischen Eigentümer praktisch enteignet. Seither fehlen große Stückzahlen an Nexperia-Chips.
Nexperia wurde im Jahr 2017 an chinesische Investoren verkauft.
Zur Eskalation kam es, nachdem die niederländische Regierung im Herbst 2025 Maßnahmen auf Basis von Sicherheitsgesetzen durchsetzte, die faktisch einer Kontrollübernahme, beziehungsweise Entmachtung des chinesischen Mutterkonzerns Wingtech gleichkamen. Die niederländische Regierung nutzte das Veto-Gesetz (Wet Vgb) für kritische Infrastruktur und Halbleiter. Damit verstaatlichte Den Haag nicht das Sachvermögen, sondern entzog Stimmrechte und Kontrolle.
Es wurde ein Verwalter eingesetzt, der verhindern soll, dass kritisches Know-how, Patente oder Chip-Fertigungskapazitäten nach China abfließen. Strategische Entscheidungen durften nicht mehr von der chinesischen Konzernführung getroffen werden.
Der Druck kam vor allem über die USA und den Exportkontrollen: Die USA setzten Wingtech auf Sanktionslisten (Entity List). Da Nexperia auch US-Technologie und Fertigungsanlagen nutzt, drohte dem Standort in Nijmegen das komplette Aus.
Der Mutterkonzern Wingtech nannte den Verlust der Stimmrechte und die Einsetzung eines Verwalters unrechtmäßig. Wingtech kündigte eine Schiedsklage auf Basis des niederländisch-chinesischen Investitionsschutzabkommens an und fordert vom niederländischen Staat mehr als acht Milliarden US-Dollar Schadensersatz wegen "indirekter Enteignung".
Um den selbst verschuldeten Ausfall der chinesischen Kapazitäten zu kompensieren, setzt Nexperia auf einen zügigen Ausbau in Südostasien. Ein Werk in Malaysia soll die chinesische Fabrik so schnell wie möglich ersetzen. Die Produktion dort werde dieses Jahr verdoppelt, sagte Tilger. Nexperia verfüge bereits über ein fertiges Gebäude, in dem Maschinen installiert worden seien.
Laut Tilger erschließt Nexperia zusätzliche Kapazitäten bei Partnern: "Wir bauen jetzt eine Lieferkette auf, bei der jedes Produkt von verschiedenen Standorten bezogen werden kann". Weil die chinesische Fabrik für die Weiterverarbeitung der Chips aber bislang nicht vollständig ersetzt werden könne, stünden weiterhin Maschinen im Stammwerk in der Hansestadt still.
"Das Werk Hamburg hat im Moment Überkapazitäten", sagte Tilger. Die Lage werde sich aber Zug um Zug verbessern. "Wir erwarten, dass der Standort spätestens in eineinhalb bis zwei Jahren wieder völlig ausgelastet ist."
Trotz der Turbulenzen seien die Aussichten für Nexperia gut, sagte Tilger. "Mit Sicherheit haben wir temporär Marktanteile eingebüßt. Aber wir haben so gut wie keinen Kunden komplett verloren."
Das Unternehmen hat derzeit 12.500 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Umsatz von 2,36 Milliarden Euro. Zu den Produkten zählen bipolare Transistoren, Dioden, Mosfets und integrierte Schaltungen (ICs) für die Autoindustrie.
Am 21. Oktober 2025 besprachen Minister aus Peking und Den Haag den Fall erstmals direkt. Ergebnisse gab es nicht. China verhängte als Reaktion auf den niederländischen Schritt Exportverbote für Nexperia-Produkte – mit möglicherweise erheblichen Folgen für die Autoindustrie. Zahlreiche europäische Hersteller sind Nexperia-Kunden.