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Heute — 21. April 2026Ihre RSS-Feeds

Machtwechsel bei Apple: Tim Cook übergibt an John Ternus

Von Heise

John Ternus (l.) und Tim Cook in der Apple-Zentrale in Cupertino.

(Bild: Apple)

Die Personalie ist keine Überraschung, aber dennoch ein Paukenschlag: Bei Apple endet die erfolgreiche Ära Tim Cook. Hardware-Chef John Ternus übernimmt.

Tim Cook gibt den Chefposten bei Apple auf und übergibt am 1. September an Hardware-Chef John Ternus. Cook wechselt dann auf den Vorsitz des Verwaltungsrats, teilte Apple am späten Montagabend in Cupertino mit. Die Entscheidung des Verwaltungsrats sei einstimmig und wohlüberlegt gefallen, hieß es.

Cook wird seinen Job noch über den Sommer ausfüllen, um eine geregelte Übergabe sicherzustellen. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats soll er dem Unternehmen weiter in bestimmten Funktionen dienen und etwa die Beziehungen des Unternehmens zur Politik [1] pflegen.

Zäsur für Apple

Dass Tim Cook, demnächst 65, den Spitzenjob bei Apple nicht mehr ewig machen würde, war bereits klar. Auch auf seinen Nachfolger hatte sich die Gerüchteküche bereits geeinigt [2]. Dennoch ist der Rücktritt ein Paukenschlag und stellt eine weitere Zäsur in der Unternehmensgeschichte Apples dar.

Cook ist seit 1998 bei Apple und hat 2011 den CEO-Posten vom schwerkranken Gründer Steve Jobs übernommen [3]. In seine Amtszeit fallen zahlreiche erfolgreiche Produkteinführungen wie die eigenen ARM-Prozessoren nicht nur für iPhone und iPad, sondern auch für inzwischen alle Macs. Johny Srouji, der bisher die Chipentwicklung führte, soll Ternus als Hardware-Chef nachfolgen.

„CEO von Apple zu sein und mit der Führung eines solchen außergewöhnlichen Unternehmens betraut zu werden war das größte Privileg meines Lebens“, sagte Cook. „John Ternus hat den Verstand eines Ingenieurs, die Seele eines Innovators und das Herz, mit Integrität und Ehre zu führen.“

Unter Cooks Führung hat sich Apple zu einem Billionen-Dollar-Unternehmen entwickelt. Die Börse reagierte zunächst gefasst auf die Nachricht, die an der Wall Street kaum noch für Überraschungen gesorgt haben dürfte [4].

Ternus, heute 50 Jahre alt, studierte an der renommierten University of Pennsylvania (Penn) Maschinenbau, wo er 1997 mit dem Grad eines Bachelor abschloss. 2001 kam er zu Apple und arbeitete dort an neuer Hardware. 2013 wurde er zum Abteilungsleiter der Hardwareentwicklung und zuständig für Macs, iPads und die Airpods.

Cook als Mentor

„Ich bin zutiefst dankbar für die Gelegenheit, Apples Mission weiterzuführen“, sagte Ternus. „Da ich fast meine gesamte Karriere bei Apple verbracht habe, hatte ich das Glück, unter Steve Jobs zu arbeiten und Tim Cook als meinen Mentor zu haben. Es war mir eine Ehre, die Produkte und Erlebnisse mitzugestalten, die die Art und Weise, wie wir mit der Welt und miteinander interagieren, so sehr verändert haben.“

Ab 2020 war Ternus auch für Apples wichtigstes Produkt zuständig: das iPhone. Mit dann 44 Jahren war er Apples jüngster Top-Manager, was viele Beobachter auf sein ruhiges Temperament zurückführen. Bloomberg beschrieb [5] ihn 2024 in einem Porträt wie folgt: „Sehr zurückhaltend, schreibt nie etwas Kontroverses in E-Mails und trifft Entscheidungen sehr behutsam.“

Diesen ruhigen Führungsstil hat Ternus mit Cook gemein, sodass dieser ihn schon vor einem Jahr als guten Nachfolger nannte. Ende 2025 verdichteten sich die Gerüchte, dass Ternus Apples neuer CEO werden könnte.

Emotionslos ist Ternus jedoch keineswegs. Er stellte 2020 durchaus mit Begeisterung den Apple M1 vor – das SoC, das die gesamte Prozessor-Konkurrenz mit seiner Effizienz schockte. Jüngst oblag es auch ihm, das iPhone Air erstmals im Rahmen eines Apple-Events zu zeigen. Ganz in der Tradition von Steve Jobs, auf den Tim Cook folgte, stellte Ternus bei seinen Präsentationen – obwohl Ingenieur – vor allem den Nutzen der Produkte für die Kunden, nicht nur die Technik heraus.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11265059

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Trump-Besuch-trotz-Gewalteskalation-Kritik-an-Apple-Chef-Tim-Cook-kocht-hoch-11157666.html
[2] https://www.heise.de/news/John-Ternus-Auch-New-York-Times-glaubt-an-ihn-als-neuen-Apple-Chef-11137924.html
[3] https://www.heise.de/news/Steve-Jobs-tritt-zurueck-1330614.html
[4] https://www.heise.de/news/Tim-Cook-Wahrscheinlich-in-zehn-Jahren-nicht-mehr-an-der-Spitze-6005639.html
[5] https://www.bloomberg.com/news/articles/2024-05-08/apple-s-next-ceo-list-of-aapl-insiders-who-could-succeed-tim-cook
[6] https://www.heise.de/mac-and-i
[7] mailto:vbr@heise.de

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  • 21. April 2026 um 00:22

Gibt es unter Schimpansen so etwas wie Bürgerkrieg?

Von Telepolis
Mehrere Schimpansen zusammen

Forscher haben eine bemerkenswerte Form der Gewalt unter Schimpansengruppen beobachtet

(Bild: Thomas Roell/Shutterstock.com)

Eine neue Studie über die größte bekannte Schimpansengemeinschaft liefert verstörende Einblicke in die Wurzeln tödlicher Gruppengewalt – und wirft Fragen auf.

Jahrzehntelang lebten sie zusammen: Sie pflegten sich gegenseitig, jagten gemeinsam und zogen ihren Nachwuchs in einer Gemeinschaft auf, die zu den am intensivsten erforschten Schimpansenpopulationen der Welt gehört. Dann begann etwas zu kippen.

In den Wäldern des ugandischen Kibale-Nationalparks spaltete sich die Ngogo-Schimpansengemeinschaft – die größte jemals dokumentierte ihrer Art – in zwei verfeindete Lager. Was folgte, war eine Serie tödlicher Angriffe unter ehemaligen Weggefährten. Eine neue Studie [1], die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, dokumentiert diesen Vorgang auf der Grundlage von fast drei Jahrzehnten Feldbeobachtung.

Die Forscherinnen und Forscher der University of Texas at Austin und weiterer Institutionen sprechen vom ersten klar belegten Fall einer dauerhaften Gruppenspaltung bei wilden Schimpansen.

Jahrelange Einheit, dann schleichende Entfremdung

Die Ngogo-Gemeinschaft galt lange als Musterbeispiel für das sogenannte Fission-Fusion-System [2], das für Schimpansen typisch ist: Individuen bilden vorübergehend kleinere Untergruppen, bleiben aber durch soziale Bindungen Teil eines größeren Verbunds. Dieses System funktionierte in Ngogo über fast zwei Jahrzehnte hinweg stabil.

Ab 2015 beobachteten die Forschenden erste Anzeichen einer Polarisierung. Die beiden Hauptcluster der Gemeinschaft – der westliche und der zentrale – mieden einander zunehmend. Individuen, die sich zuvor frei zwischen den Gruppen bewegt hatten, zogen sich zurück.

Der Wandel fiel zeitlich zusammen mit einer Veränderung in der männlichen Dominanzhierarchie und folgte auf die Todesfälle mehrerer erwachsener Männchen im Jahr 2014, die möglicherweise als soziale "Brücken" zwischen den Teilgruppen fungiert hatten. Im Januar 2017 dezimierte zudem eine Atemwegserkrankung die Gemeinschaft um 25 Mitglieder, was die ohnehin brüchig gewordenen sozialen Strukturen weiter destabilisierte.

Bis 2018 war die Spaltung vollzogen. Aus einer einzigen Gemeinschaft waren zwei getrennte Gruppen mit eigenen Territorien geworden. Die sozialen Bande, die sie einst verbunden hatten, existierten nicht mehr.

Tödliche Gewalt gegen ehemalige Verbündete

Was die Ngogo-Spaltung von anderen bekannten Fällen unterscheidet, ist das Ausmaß der nachfolgenden Gewalt. Zwischen 2018 und 2024 führte die westliche Gruppe 24 Angriffe auf Mitglieder der zentralen Gruppe durch. Dabei wurden mindestens sieben erwachsene Männchen und 17 Säuglinge getötet. Die tatsächliche Opferzahl könnte noch höher liegen, da einige Tiere der zentralen Gruppe spurlos verschwanden.

Besonders bemerkenswert: Die Opfer waren keine Fremden. Es handelte sich um frühere Verbündete, mit denen die Angreifer jahrelang Nahrung geteilt, gemeinsam gejagt und soziale Bindungen gepflegt hatten.

"Was besonders auffällt, ist, dass die Schimpansen ehemalige Gruppenmitglieder töten", sagte [3] Aaron Sandel, Hauptautor der Studie und außerordentlicher Professor für Anthropologie an der University of Texas at Austin. "Die neuen Gruppenidentitäten überlagern kooperative Beziehungen, die über Jahre bestanden hatten."

Dauerhaft Gruppenspaltungen bei Schimpansen sind nach Einschätzung der Forschenden äußerst selten. Genetische Belege deuten darauf hin, dass sie im Durchschnitt nur alle 500 Jahre vorkommen.

Der einzige bisher vergleichbare dokumentierte Fall ereignete sich in den 1970er-Jahren in Gombe, Tansania, während Jane Goodalls Langzeitstudie [4] – allerdings wurden die dortigen Schimpansen von Forschenden mit Nahrung versorgt, was die Aussagekraft des Falls einschränkt. In Ngogo hingegen wurden die Tiere nie zugefüttert, und die Beobachtungsdichte über fast 30 Jahre ist einmalig.

Was treibt Gruppen auseinander – und zur Gewalt?

Schimpansen kennen weder Religion noch politische Ideologien oder ethnische Identitäten. Dennoch ähnelt das, was in Ngogo beobachtet wurde, in seiner Struktur Formen menschlicher Konflikte, die üblicherweise mit genau diesen Faktoren erklärt werden. Das ist der Kern dessen, was die Studie wissenschaftlich brisant macht.

Die Forschenden stellen damit die verbreitete Annahme in Frage, dass menschliche Kriege – einschließlich Bürgerkriege – in erster Linie durch kulturelle Trennlinien wie ethnische oder religiöse Unterschiede ausgelöst werden. Stattdessen stützen ihre Befunde die sogenannte "Relational Dynamics Hypothesis": die These, dass allein veränderte soziale Beziehungen Gruppen zerspalten und in Gewalt treiben können.

Die möglichen Auslöser in Ngogo waren struktureller Natur: Die Gemeinschaft war mit fast 200 Individuen ungewöhnlich groß geworden, was den sozialen Zusammenhalt belastet haben dürfte. Konkurrenz um Nahrung und Paarungspartner nahm zu. Schlüsselpersonen, die als soziale Vermittler fungierten, starben weg. Die Führungsstruktur veränderte sich.

"Wenn relationale Dynamiken allein – ohne Sprache, Ethnizität oder Ideologie – bei Schimpansen Polarisierung und tödliche Konflikte auslösen können, dann könnten diese kulturellen Marker beim Menschen sekundär sein gegenüber etwas Grundlegenderem", sagte Sandel. "Wenn das stimmt, haben wir möglicherweise das Potenzial, gesellschaftliche Konflikte in unserem persönlichen Leben zu reduzieren – und das gibt mir Hoffnung."

Was das für Menschen bedeuten könnte

Die Parallelen zu menschlichen Konflikten sind schwer zu ignorieren. Bürgerkriege und innergesellschaftliche Spaltungen entstehen häufig innerhalb zuvor geeinter Gesellschaften – und werden im Nachhinein mit Ideologie oder Identität erklärt. Die Ngogo-Studie legt nahe, dass die eigentlichen Triebkräfte tiefer liegen könnten: im Zerfall alltäglicher sozialer Bindungen.

"Wer sich ausschließlich auf kulturelle Faktoren konzentriert, übersieht die sozialen Prozesse, die menschliches Verhalten formen – Prozesse, die auch bei einem unserer nächsten tierischen Verwandten zu beobachten sind", schreiben die Autoren. "In manchen Fällen finden wir Möglichkeiten für Frieden vielleicht in den kleinen, alltäglichen Akten der Versöhnung und Wiederannäherung zwischen Individuen."

Sandel selbst betonte, er rate ausdrücklich davon ab, das Beobachtete vorschnell als "Bürgerkrieg" zu bezeichnen. "Aber die Polarisierung und kollektive Gewalt, die wir bei diesen Schimpansen beobachtet haben, könnte uns Einblicke in unsere eigene Spezies geben", sagte er.

Die Studie wurde von Forschenden der University of Texas at Austin gemeinsam mit weiteren Institutionen verfasst. Die Langzeitbeobachtungen in Kibale wurden maßgeblich von John Mitani, emeritiertem Professor für Anthropologie an der University of Michigan, sowie einem großen Team ugandischer Feldforscher getragen. Die Ngogo-Gemeinschaft ist auch einem breiteren Publikum bekannt – als Gegenstand der Netflix-Dokumentarserie Chimp Empire.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11255309

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.science.org/doi/10.1126/science.adz4944
[2] https://lexikon.stangl.eu/15890/fission-fusion-gesellschaft
[3] https://www.eurekalert.org/news-releases/1122485
[4] https://janegoodall.org/make-a-difference/gombe-60/

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  • 21. April 2026 um 06:00

Patriot statt Porsche: Wie Deutschland seine industrielle Identität opfert

Von Telepolis
Militärisches Mobile Mim-104 Patriot Surface-to-Air Missile Sam System. Deutschland

(Bild: VanderWolf Images / Shutterstock.com)

15.000 Jobs weg – jeden Monat. Jetzt bauen VW und Co. keine Autos mehr, sondern Waffen. Ein riskanter Wandel mit einer gefährlichen Schwachstelle.

Die verarbeitende Industrie in Deutschland steckt in der längsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Jeden Monat gehen hier 15.000 Arbeitsplätze verloren, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Angaben der Bundesregierung.

Besonders stark betroffen ist demnach die Autoindustrie, die erhebliche Gewinneinbußen zu verkraften hat.

Die Reaktion der Bundesregierung fällt angesichts dieser Entwicklung radikal aus: Statt das alte Exportmodell wiederzubeleben, soll die industrielle Basis zum Rückgrat der europäischen Verteidigungsindustrie werden.

Wie das WSJ berichtet [1], wandeln sich quer durch den deutschen Industriegürtel Fertigungslinien, die einst das Exportwunder des Landes antrieben, zu Produktionsstätten für Rüstungsgüter.

Die Zahlen der Automobilbranche verdeutlichen das Ausmaß der Krise. Mercedes-Benz meldete für 2025 einen Gewinnrückgang von 49 Prozent, Volkswagen verzeichnete ein Minus von 44 Prozent und kündigte den Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 an. Porsche traf es noch härter: Der Betriebsgewinn brach um 98 Prozent ein.

Eine EY-Analyse der 19 größten Autokonzerne weltweit [2] zeigt, dass deutsche Hersteller mit einem Umsatzrückgang von 4,1 Prozent deutlich schlechter abschnitten als die internationale Konkurrenz, die insgesamt um 0,6 Prozent zulegte. Beim operativen Ergebnis lag das Minus der deutschen Hersteller bei rund 44 Prozent.

Autozulieferer werden zu Rüstungsproduzenten

Regulatorische Änderungen in Deutschland und der EU haben den Kapitalmarktzugang für Rüstungsfirmen verbessert. Öffentliche Finanzierungsprogramme und Regierungsaufträge setzten laut Bericht insgesamt fast eine Billion Euro an Verteidigungsmitteln frei, bis 2040 plant Berlin Investitionen von rund 355 Milliarden Euro.

Rund 90 Prozent des europäischen Risikokapitals für Verteidigungstechnologie fließen laut Regierungsangaben bereits in deutsche Unternehmen.

Schaeffler, einer der weltweit führenden Automobilzulieferer mit 24 Milliarden Euro Umsatz und über 100.000 Beschäftigten, produziert inzwischen Motoren für Drohnen, Bordsysteme für gepanzerte Fahrzeuge sowie Komponenten für die Militärluftfahrt.

Der im vergangenen Jahr gegründete Verteidigungsbereich soll künftig zehn Prozent des Gesamtumsatzes beisteuern. Vorstandschef Klaus Rosenfeld sagte dem Wall Street Journal:

"Ein großer Trend in der deutschen Wirtschaft ist, dass die Menschen viel häufiger als früher fragen: ‚Wie können wir zu dem beitragen, was in den letzten vielen Jahren versäumt wurde – nämlich die Fähigkeit zur Selbstverteidigung zurückzugewinnen?‘ – und genau das tun wir."

Deutz liefert Motoren für Patriot-Systeme

Der 162 Jahre alte Motorenhersteller Deutz vollzog den Wandel besonders schnell. Das Unternehmen liefert mittlerweile Bauteile für Patriot-Luftabwehrsysteme, die Saudi-Arabien nutzt, sowie Antriebe für unbemannte Systeme und gepanzerte Fahrzeuge.

Deutz verzeichnete im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von dreizehn Prozent [3] und musste keine Massenentlassungen vornehmen, da Beschäftigte auf die Rüstungsproduktion umgestellt wurden.

Geschäftsführer Sebastian C. Schulte betonte gegenüber dem WSJ:

"Unser Alleinstellungsmerkmal sind stabile Lieferketten: Was für Motoren und Bergbaumaschinen funktioniert, funktioniert auch für die Verteidigungsindustrie."

Volkswagen wiederum führt Gespräche mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael, um ab 2027 am Standort Osnabrück Komponenten für das Iron-Dome-Raketenabwehrsystem herzustellen – darunter Trucks, Trägerraketen und Generatoren.

Die Pläne stoßen allerdings auf erheblichen Widerstand der Belegschaft [4]: Viele Beschäftigte hätten auf Lohn verzichtet und seien frustriert über die Rüstungspläne, der IG-Metall-Vorstand positioniert sich bislang nicht.

Verwundbare Lieferketten als Achillesferse

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte:

"Europa muss in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen, und das bedeutet auch, eine starke Sicherheits- und Verteidigungsindustrie aufzubauen, auf die wir uns verlassen können."

Ihr Ministerium finanziert eine Matchmaking-Plattform des Branchenverbands BDSV, die etablierte Rüstungslieferketten mit Unternehmen aus anderen Sektoren vernetzt.

Die Achillesferse des Rüstungsbooms bleibt die Rohstoffversorgung. Wie eine Analyse strategischer Mineralien [5] zeigt, kontrolliert China wesentliche Lieferketten für rüstungsrelevante Metalle wie Wolfram, dessen Preis von unter 400 auf über 2200 US-Dollar pro Tonne gestiegen ist.

Gleichzeitig kämpft Europas Chemieindustrie ums Überleben [6] – die Blockade der Straße von Hormus hat die Produktion von Grundchemikalien zunehmend unrentabel gemacht, mit direkten Auswirkungen auf industrielle Vorprodukte.

Ob Deutschlands Wandel vom Autoland zur Waffenschmiede den industriellen Niedergang tatsächlich kompensieren kann, bleibt offen.

Traditionelle Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin produzieren trotz enormer Nachfrage rund 620 Patriot-Abfangraketen pro Jahr (Stand 2025; eine Kapazitätserweiterung auf bis zu 2.000 Einheiten jährlich ist vereinbart [7]). Die am Automobilmarkt gestählten Hersteller versprechen schnellere Skalierung – doch die geopolitischen Risiken in den Lieferketten dürften auch den neuen Sektor auf die Probe stellen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11264909

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.wsj.com/world/europe/germany-is-reinventing-itself-as-a-weapons-factory-990ad18d
[2] https://www.heise.de/news/Analyse-So-sehr-hinken-die-deutschen-Autokonzerne-hinterher-11253442.html
[3] https://www.deutz.com/de/news/pressemitteilungen/news-detail/deutz-waechst-und-erzielt-2025-in-schwierigem-marktumfeld-eines-der-besten-ergebnisse-der-juengeren-unternehmensgeschichte/
[4] https://www.heise.de/tp/article/VW-Osnabrueck-Vom-Cabrio-zur-Kriegsmaschine-11242855.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Strategische-Mineralien-Wie-der-Iran-Krieg-die-Versorgung-erschuettert-11255097.html
[6] https://www.heise.de/tp/article/Europas-Chemieindustrie-kaempft-ums-Ueberleben-11259114.html
[7] https://www.lockheedmartin.com/en-us/news/statements-speeches/2026/press-briefing-transcript-pac-3-mse-production-acceleration.html

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  • 20. April 2026 um 20:10

Umweltkosten durch Vibe Coding: Tool berechnet CO₂-Ausstoß für Claude Code

Von Heise
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Die Buchstaben AI umfliegen Haken und Warndreiecke.

(Bild: tadamichi/Shutterstock.com)

Ein neues Tool berechnet den CO₂-Ausstoß von Claude-Code-Sessions. Laut dem Autor hat sich dabei gezeigt, wie man ihn um bis zu 70% senken kann.

Um die Umweltkosten durch die tägliche Nutzung von Claude Code greifbar zu machen, hat ein Entwickler ein Werkzeug gebaut, das den CO₂-Ausstoß für jede Sitzung berechnet und in Echtzeit in der Statuszeile anzeigt.

Der Programmierer arbeitet nach eigenen Angaben als Wirtschaftsberater, spezialisiert auf die Berechnung von Treibhausgasemissionen für große Unternehmen. Bei seiner täglichen Arbeit mit Claude Code kam ihm irgendwann sein eigener sorgloser Umgang mit generativer KI zuwiderlaufend vor.

Seine Antwort ist Claude-Carbon [1], ein auf Bash und SQLite basierendes Tool, das sich nahtlos in die Claude-Code-Umgebung integriert und die CO₂-Emissionen pro Sitzung in der Statuszeile neben den Kosten anzeigt.

(Bild: Claude-Carbon)

Eine Tonne CO₂ pro Jahr – nur durchs Vibecoding

Über vier Monate und 367 Sessions hinweg maß der Entwickler etwa 215 kg CO₂-Äquivalente – was er auf ungefähr eine Tonne pro Jahr hochgerechnet hat. Das entspricht einem Hin- und Rückflug zwischen Paris und New York, allein durch die tägliche Nutzung von KI-Code-Tools verursacht, schreibt er in einem Blogpost. [2]

Die Berechnung beschränkt sich dabei auf die sogenannte Inferenz, also die Energie, die in Rechenzentren verbraucht wird, wenn das Modell die Prompts verarbeitet und Antworten bereitstellt. Training, Hardware-Herstellung, Kühlung und Rechenzentren-Konstruktion sind nicht inbegriffen – der echte Lebenszyklus-Fußabdruck ist also noch höher.

Wachsende Auswahl an CO₂-Rechnern für KI-Nutzung

Claude-Carbon unterscheidet sich grundlegend von bestehenden Werkzeugen wie CodeCarbon [3]oder EcoLogits. Während CodeCarbon lokale Hardware-Ressourcen misst und sich nicht für Remote-API-Calls eignet, und EcoLogits als generische Python-Bibliothek fungiert, die API-Responses verschiedenster Anbieter abfängt, ist Claude-Carbon speziell für Claude Code entwickelt worden. Das Tool nutzt native Hooks und Settings der Claude-Code-Umgebung selbst. Es speichert alle Daten lokal in einer SQLite-Datenbank, kann historische Sessions nachträglich analysieren und generiert sogar PNG-Reportkarten für Social Media.

Der CodeCarbon Dashboard

(Bild: codecarbon.io)

Der Autor betont, dass die Werte Schätzungen sind und keine präzisen Messungen. Anthropic veröffentlicht nämlich keine modellspezifischen Energiedaten. Die Faktoren für Sonnet stammen aus einer 2025er Studie (Jegham et al.) [4] über LLM-Inference-Energieverbrauch. Die Werte für Opus und Haiku sind Extrapolationen. Opus wird mit dem Faktor 3× Sonnet berechnet, Haiku mit 0,5× Sonnet.

Auch die CO₂-Intensität basiert auf US-Durchschnittswerten, nicht auf echten regionalen oder tageszeit-spezifischen Daten. Trotz dieser Unsicherheiten ist das Tool wertvoll für ein Größenordnungs-Bewusstsein – nur eben nicht für formale Treibhausgasbilanzen, so der Autor.

Richtige Modellwahl spart CO₂ und Tokens

Durch die eigene Nutzung des Tools hat der Entwickler einige Einsichten gewonnen, wie sich der Verbrauch ohne Effizienzverlust senken lässt. Der größte Hebel zur Reduktion liegt in der Modellwahl. Opus verbraucht etwa dreimal so viele Token wie Sonnet, Haiku könnte gegenüber Sonnet bis zu 80 Prozent einsparen. Für Aufgaben wie File-Exploration oder Code-Review lohnt sich daher Haiku. Darüber hinaus können Werkzeuge wie RTK (Rust Token Killer) 60–90 Prozent der CLI-Token-Ausgabe herausfiltern, ohne dass die Qualität leidet.

Weiter lässt sich Thinking-Tokens auf 10.000 pro Message deckeln, was eine Reduktion um etwa 70 Prozent ermöglicht. Früheres Context-Compacting bei 50 statt 95 Prozent Auslastung hält Sessions schlanker.

Insgesamt lassen sich durch diese Maßnahmen die Emissionen von Claude-Code-Sessions um 50–70 Prozent reduzieren – von rund einer Tonne CO₂ pro Jahr auf 0,3–0,5 Tonnen.

KI-Anbieter halten sich mit Energiedaten bedeckt

Der Ersteller betont zudem, dass das Tool ein fundamentales Problem in den Fokus rückt: Anthropic veröffentlicht keine modellspezifischen Energiedaten. Google hatte im August 2025 als erster großer KI-Anbieter Per-Prompt-Daten für sein Gemini-Modell offengelegt [5] (0,24 Wh, 0,03 Gramm CO₂ pro Median-Anfrage). Anthropic – ebenso wie OpenAI – hält sich weiterhin bedeckt. Diese Transparenzlücke zu schließen, argumentiert er, wäre ein wichtiger Schritt, um KI-Nutzung wirklich nachhaltig zu gestalten.

Claude-Carbon [6] ist open source und läuft auf macOS ohne zusätzliche Installation.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11264352

Links in diesem Artikel:
[1] https://github.com/gwittebolle/claude-carbon
[2] https://dev.to/gwittebolle/how-i-measured-1-tonne-of-co2-from-my-ai-coding-sessions-3b3d
[3] https://codecarbon.io/#about
[4] http://arxiv.org/abs/2505.09598
[5] https://cloud.google.com/blog/products/infrastructure/measuring-the-environmental-impact-of-ai-inference?hl=en
[6] https://github.com/gwittebolle/claude-carbon
[7] mailto:mch@make-magazin.de

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  • 20. April 2026 um 17:41

Störungsmeldung vom 21.04.2026 03:15

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
21.04.2026 03:15
Region
München (089)
Provider
T-Online
Zugangsart
FTTH

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

  • 21. April 2026 um 03:15

n8n: Wichtiges Sicherheitsupdate in Sicht

Von Heise
Mann sitzt vor einen Notebook mit Schlosssymbol

(Bild: VideoFlow/Shutterstock.com)

Offensichtlich ist die Automatisierungsplattform n8n angreifbar. Die Entwickler wollen am Mittwochmittag ein Sicherheitsupdate veröffentlichen.

Die n8n-Entwickler kündigen für kommenden Mittwoch (22. April) zur Mittagszeit einen Sicherheitspatch für ihre Automatisierungsplattform mit KI-Funktionen an. Zu den Schwachstellen ist derzeit so gut wie nichts bekannt.

Sicherheitspatch in Sicht

In einer Mail an n8n-Nutzer steht, dass es sich um mehrere kürzlich entdeckte Sicherheitslücken mit den Bedrohunsgraden „kritisch“ und „hoch“ handelt. Was nach erfolgreichen Attacken passieren kann, ist bislang unklar. In der Nachricht steht auch nichts von bereits laufenden Attacken.

Die Entwickler raten Betreibern von On-Premises-Instanzen, das Update, wenn es draußen ist, so schnell wie möglich zu installieren. Wenn der Sicherheitspatch da ist, wollen sie weitere Informationen zu den Lücken und zur Absicherung von Systemen veröffentlichen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11264561

Links in diesem Artikel:
[1] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[2] mailto:des@heise.de

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  • 20. April 2026 um 16:17

Google bildet „Strike Team“ zur Verbesserung seiner Coding-KI-Modelle

Von Heise
Google-Logo über einem Gebäudeeingang

(Bild: Schager / Shutterstock.com)

Google formiert laut einem Bericht ein „Strike Team“, um die Coding-Fähigkeiten seiner KI-Modelle zu steigern und den Rückstand auf Anthropic aufzuholen.

Google soll intern ein Sonderteam aus Forschern und Ingenieuren zusammengestellt haben, um seine KI-Modelle für die Softwareentwicklung zu verbessern. Auslöser ist laut einem Bericht von The Information die wachsende Überzeugung innerhalb von Google DeepMind, dass Anthropics Coding-Tools den eigenen Gemini-Modellen derzeit überlegen sind. Während Anthropic nach eigenen Angaben nahezu seinen gesamten Code KI-gestützt schreibt, liegt der Anteil bei Google laut Finanzchefin Anat Ashkenazi bei rund 50 Prozent. Der Rückstand soll nun aufgeholt werden – und zwar nicht nur aus Wettbewerbsgründen: Googles Mitgründer Sergey Brin sieht verbesserte Coding-Fähigkeiten als Zwischenschritt auf dem Weg zu einer KI, die sich irgendwann selbst weiterentwickeln kann.

Mit seinem „Strike Team“ verschärft damit auch Google die Gangart in dem zurzeit meist umkämpften Teilbereich der Künstlichen Intelligenz [1]. Anthropic hatte sich mit seinem Coding-Tool Claude Code frühzeitig auf den Bereich Coding spezialisiert. OpenAI hat sein Engagement rund um das KI-Tool Codex massiv erweitert [2], woraufhin Anthropic auch ein Design-Tool namens Claude Design vorstellte [3].

Google will internen KI-Einsatz erhöhen

Bei Google geht es aktuell erst einmal auch darum, den internen Einsatz von KI stärker voranzubringen, wie das US-Magazin The Information unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen im Unternehmen berichtet [4]. Bislang habe sich Google bei seinen Modellen vor allem auf die Bedürfnisse externer Kunden konzentriert. Ähnliches gilt für Apple: Auch dort werden Entwickler gerade im Umgang mit KI-Coding-Tools für die Softwareentwicklung [5] geschult, um den internen Einsatz zu modernisieren. Solche internen Modelle, welche die Eigenheiten des Google-Codes besser abbilden als öffentliche Modelle, wolle man zwar wegen der darin enthaltenen Geschäftsgeheimnisse nicht nach außen geben. Sie können aber eine wichtige Zwischenstufe sein, um bessere öffentliche Modelle zu erschaffen.

Teamleiter sei Sebastian Borgeaud, ehemaliger Pre-Training-Lead für Gemini bei Google DeepMind. Der Fokus liege auf komplexen Langzeit-Coding-Aufgaben. Dazu zähle das Verständnis von Codebases und das Schreiben kompletter Software. Google-Mitgründer Sergey Brin und DeepMind-CTO Koray Kavukcuoglu sollen persönlich in das Strike Team eingebunden sein. Brin habe die Mitarbeiter angehalten, verpflichtend interne Agenten für mehrstufige Aufgaben zu nutzen. Ein Fernziel sei der sogenannte „AI Takeoff“, also eine KI, die sich selbst verbessern kann. Die Nutzung der Coding-Tools werde intern mit einem Leaderboard nachgehalten.

Fernziel: Eine KI, die sich selbst verbessert

Dabei treffen Googles Ambitionen auf eine Branche, die KI-Tools bereits weit verbreitet einsetzt. Das Entwicklerportal Stack Overflow fand in seiner jährlichen Befragung [6] mit 49.000 Teilnehmern heraus, dass 84 Prozent der Entwickler entsprechende Tools schon nutzen oder zumindest deren Einsatz planen. Sie versprechen sich damit vor allem eine Zeitersparnis. Bislang, so ergeben Befragungen, sei diese Hoffnung aber nicht immer erfüllt worden. 46 Prozent der Entwickler misstrauen der Genauigkeit von KI-Tools.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11264675

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/thema/Kuenstliche-Intelligenz
[2] https://www.heise.de/news/OpenAI-kontert-Anthropic-mit-grossem-Codex-Update-11262364.html
[3] https://www.heise.de/news/Anthropic-stellt-Claude-Design-vor-KI-Werkzeug-fuer-Prototypen-und-Webseiten-11262940.html
[4] https://www.theinformation.com/articles/google-creates-strike-team-improve-coding-models
[5] https://www.heise.de/news/Apple-schickt-Siri-Entwickler-ins-KI-Bootcamp-11261019.html
[6] https://survey.stackoverflow.co/2025
[7] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[8] mailto:mki@heise.de

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  • 20. April 2026 um 16:56

Machtwechsel bei Apple: Tim Cook übergibt an John Ternus

Von Heise

John Ternus (l.) und Tim Cook in der Apple-Zentrale in Cupertino.

(Bild: Apple)

Die Personalie ist keine Überraschung, aber dennoch ein Paukenschlag: Bei Apple endet die erfolgreiche Ära Tim Cook. Hardware-Chef John Ternus übernimmt.

Tim Cook gibt den Chefposten bei Apple auf und übergibt am 1. September an Hardware-Chef John Ternus. Cook wechselt dann auf den Vorsitz des Verwaltungsrats, teilte Apple am späten Montagabend in Cupertino mit. Die Entscheidung des Verwaltungsrats sei einstimmig und wohlüberlegt gefallen, hieß es.

Cook wird seinen Job noch über den Sommer ausfüllen, um eine geregelte Übergabe sicherzustellen. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats soll er dem Unternehmen weiter in bestimmten Funktionen dienen und etwa die Beziehungen des Unternehmens zur Politik [1] pflegen.

Zäsur für Apple

Dass Tim Cook, demnächst 65, den Spitzenjob bei Apple nicht mehr ewig machen würde, war bereits klar. Auch auf seinen Nachfolger hatte sich die Gerüchteküche bereits geeinigt [2]. Dennoch ist der Rücktritt ein Paukenschlag und stellt eine weitere Zäsur in der Unternehmensgeschichte Apples dar.

Cook ist seit 1998 bei Apple und hat 2011 den CEO-Posten vom schwerkranken Gründer Steve Jobs übernommen [3]. In seine Amtszeit fallen zahlreiche erfolgreiche Produkteinführungen wie die eigenen ARM-Prozessoren nicht nur für iPhone und iPad, sondern auch für inzwischen alle Macs. Johny Srouji, der bisher die Chipentwicklung führte, soll Ternus als Hardware-Chef nachfolgen.

„CEO von Apple zu sein und mit der Führung eines solchen außergewöhnlichen Unternehmens betraut zu werden war das größte Privileg meines Lebens“, sagte Cook. „John Ternus hat den Verstand eines Ingenieurs, die Seele eines Innovators und das Herz, mit Integrität und Ehre zu führen.“

Unter Cooks Führung hat sich Apple zu einem Billionen-Dollar-Unternehmen entwickelt. Die Börse reagierte zunächst gefasst auf die Nachricht, die an der Wall Street kaum noch für Überraschungen gesorgt haben dürfte [4].

Ternus, heute 50 Jahre alt, studierte an der renommierten University of Pennsylvania (Penn) Maschinenbau, wo er 1997 mit dem Grad eines Bachelor abschloss. 2001 kam er zu Apple und arbeitete dort an neuer Hardware. 2013 wurde er zum Abteilungsleiter der Hardwareentwicklung und zuständig für Macs, iPads und die Airpods.

Cook als Mentor

„Ich bin zutiefst dankbar für die Gelegenheit, Apples Mission weiterzuführen“, sagte Ternus. „Da ich fast meine gesamte Karriere bei Apple verbracht habe, hatte ich das Glück, unter Steve Jobs zu arbeiten und Tim Cook als meinen Mentor zu haben. Es war mir eine Ehre, die Produkte und Erlebnisse mitzugestalten, die die Art und Weise, wie wir mit der Welt und miteinander interagieren, so sehr verändert haben.“

Ab 2020 war Ternus auch für Apples wichtigstes Produkt zuständig: das iPhone. Mit dann 44 Jahren war er Apples jüngster Top-Manager, was viele Beobachter auf sein ruhiges Temperament zurückführen. Bloomberg beschrieb [5] ihn 2024 in einem Porträt wie folgt: „Sehr zurückhaltend, schreibt nie etwas Kontroverses in E-Mails und trifft Entscheidungen sehr behutsam.“

Diesen ruhigen Führungsstil hat Ternus mit Cook gemein, sodass dieser ihn schon vor einem Jahr als guten Nachfolger nannte. Ende 2025 verdichteten sich die Gerüchte, dass Ternus Apples neuer CEO werden könnte.

Emotionslos ist Ternus jedoch keineswegs. Er stellte 2020 durchaus mit Begeisterung den Apple M1 vor – das SoC, das die gesamte Prozessor-Konkurrenz mit seiner Effizienz schockte. Jüngst oblag es auch ihm, das iPhone Air erstmals im Rahmen eines Apple-Events zu zeigen. Ganz in der Tradition von Steve Jobs, auf den Tim Cook folgte, stellte Ternus bei seinen Präsentationen – obwohl Ingenieur – vor allem den Nutzen der Produkte für die Kunden, nicht nur die Technik heraus.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11265059

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Trump-Besuch-trotz-Gewalteskalation-Kritik-an-Apple-Chef-Tim-Cook-kocht-hoch-11157666.html
[2] https://www.heise.de/news/John-Ternus-Auch-New-York-Times-glaubt-an-ihn-als-neuen-Apple-Chef-11137924.html
[3] https://www.heise.de/news/Steve-Jobs-tritt-zurueck-1330614.html
[4] https://www.heise.de/news/Tim-Cook-Wahrscheinlich-in-zehn-Jahren-nicht-mehr-an-der-Spitze-6005639.html
[5] https://www.bloomberg.com/news/articles/2024-05-08/apple-s-next-ceo-list-of-aapl-insiders-who-could-succeed-tim-cook
[6] https://www.heise.de/mac-and-i
[7] mailto:vbr@heise.de

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  • 21. April 2026 um 00:22

Tim Cook tritt ab: Apples Hardware-Chef übernimmt die Konzernführung

Von Achim Sawall
Tim Cook gibt in einigen Monaten den Posten des Chief Executive Officer von Apple auf. Es gelang ihm nicht, den Innovationsgeist von Steve Jobs fortzuführen.
John Ternus (links) ünbernimmt den Job von Tim Cook. (Bild: Apple)
John Ternus (links) ünbernimmt den Job von Tim Cook. Bild: Apple

John Ternus (50), derzeit Senior Vice President für Hardwareentwicklung bei Apple, wird die Konzernführung von Tim Cook (65) übernehmen. Das gab das Unternehmen am 21. April 2026 bekannt . Seine Ernennung tritt am 1. September in Kraft, Cook wird Executive Chairman und löst damit den langjährigen Verwaltungsratschef Art Levinson ab.

Cook steigerte Apples Marktwert um fast 3,7 Billionen US-Dollar und liegt damit nur hinter Jensen Huang von Nvidia zurück. Er war 25 Jahre bei Apple beschäftigt und ist als ein Meister der Lieferkette bekannt. Cook hat maßgeblich zum Aufbau des Produktionsnetzwerks des Unternehmens in China und Südostasien beigetragen. Unter seiner Führung entwickelte sich Apple zu einem Serviceanbieter mit einem Jahresumsatz von über 100 Milliarden US-Dollar durch Geschäftsbereiche wie den App Store, Apple Pay und iCloud.

Cook ist kein Steve Jobs

Cook trat kurz vor dem Tod von Apple-Mitbegründer Steve Jobs im Jahr 2011 die Nachfolge an, nachdem er sich bereits einen Namen für die Perfektionierung der praktischen Abläufe bei Apple gemacht hatte. Kritiker meinen, dass unter Cook das Disruptive bei Apple verloren gegangen ist. Er konnte nur die AirPods und die Apple Watch etablieren, die im Vergleich zum iPhone deutlich weniger erfolgreich sind. Cook führte Apple für 15 Jahre.

Ternus' Nachfolger als Hardware-Chef wird Johny Srouji, der bisher die Chipentwicklung führte. Über den Rücktritt von Cook wurde schon länger spekuliert.

Cook sagte, Ternus habe "den Verstand eines Ingenieurs, die Seele eines Innovators und das Herz, mit Integrität und Ehre zu führen" , und fügte hinzu, er sei "zweifellos die richtige Person, um Apple in die Zukunft zu führen" .

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  • 21. April 2026 um 00:51

Tim Höttges: Telekom sieht sich als Klempner für neue KI-Welt

Von Achim Sawall
Tim Höttges stürmte etwas früher auf die Bühne und stellte die Rolle der Telekom bei KI in Deutschland dar.
Tim Höttges spricht im April auf der Hannover Messe 2026. (Bild: Hannover Messe / Screenshot: Golem)
Tim Höttges spricht im April auf der Hannover Messe 2026. Bild: Hannover Messe / Screenshot: Golem

Konzernchef Tim Höttges hat in einer Diskussionsrunde auf der Hannover Messe die Rolle der Deutschen Telekom bei der KI in Deutschland als die des "Klempners" beschrieben. "Die digitale Infrastruktur ist die Basis für alles, was KI, Prozessautomatisierung und die neue Wertschöpfungskette ermöglicht. Deshalb sind wir sozusagen der Klempner" , hat er am 20. April 2026 gesagt – mit Blick auf die Industrial AI Cloud, die Telekom in München errichtet. Die Moderatorin hat erwähnt, dass Höttges erst etwas später im Programm vorgesehen war.

"Telekom hat die Initiative für digitale Infrastruktur auf den Weg gebracht. Innerhalb von sechs Monaten haben wir eine mit 10.000 GPUs betriebene Data-Center-Factory auf den Weg gebracht" , betonte Höttges. Das entspreche 50 Prozent aller KI-GPUs, die in Deutschland in den vergangenen sechs Monaten in Betrieb genommen wurden. Zuvor saß er im Publikum neben Bundeskanzler Friedrich Merz und tauschte sich mit ihm aus.

Deutsche oder europäische GPUs gebe es bislang nicht. Höttges betonte: "Leider haben wir die Chipsätze nicht am Standort." Darum freue man sich über den Partner Nvidia, der aktuell die entsprechenden Chipsätze liefere, damit hier getestet und die KI-Anwendung realisiert werden könne.

Höttges: Zehn Milliarden Euro, die investiert werden müssen

Rechenzentrumsinfrastruktur sei kapitalintensiv, betonte Höttges: "Eine Gigafabrik kostet um die zehn Milliarden Euro, die investiert werden müssen. Und dann ist da noch die Cloud."

Diese Cloud sei sozusagen die Voraussetzung dafür, dass Daten erfasst, verarbeitet, redundant gespeichert und erneut übertragen werden können. Höttges: "Wenn wir die Infrastruktur dann eingerichtet haben, kommen die Anwendungen von SAP und Siemens obendrauf."

Höttges bekräftigte zum Auftakt der Hannover Messe die Investitionsbereitschaft in Künstliche Intelligenz. "Alle sprechen über KI. Aber ohne Infrastruktur ist selbst KI sprachlos. Darum investieren wir in sichere Netze, souveräne Rechenzentren und KI-Rechenpower."

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  • 20. April 2026 um 20:22

Hannover Messe: Merz will westlichen 6G-Standard zusammen mit Trump

Von Achim Sawall
Merz will mit Trump den 6G -Standard setzen: "Lass uns das zusammen machen" , sagte er zu Trump über eine Kooperation zwischen USA und Europa.
Merz spricht auf der Hannover Messe im April 2026. (Bild: Hannover Messe / Screenshot: Golem)
Merz spricht auf der Hannover Messe im April 2026. Bild: Hannover Messe / Screenshot: Golem

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich auf der Hannover Messe für eine internationale Spaltung der Mobilfunkstandardisierung ausgesprochen. Er habe zu US-Präsident Trump gesagt : "Ich habe ihm bei meinem letzten Besuch angeboten: Es gibt ein Thema, bei dem wir zusammen etwas machen könnten, was uns auch technologisch auf Augenhöhe miteinander souveräner machen könnte für die Zukunft. Und das ist 6G. Ich habe ihm gesagt, wenn du willst, machen wir das zusammen. Und dann sind wir stärker als alle anderen in der Welt."

Er habe "eine einigermaßen gute Beziehung zum amerikanischen Präsidenten, was nicht ganz einfach" sei. Dies sei wichtig, weil Deutschland, Europa und die USA so den "technologischen Standard" setzen würden: "Wir entscheiden über die Technologie. Wir setzen die Standards."

Laut Experten bringt Merz damit jedoch sein Halbwissen über die Standardisierung von Mobilfunk zum Ausdruck. Aktuell gibt es mit 3GPP eine globale Organisation, die an der 6G-Standardisierung seit längerem arbeitet. Die Internationale Fernmeldeunion – eine UN-Organisation – hatte zuvor den Rahmen abgesteckt, im Juni 2023 die IMT-2030-Vision verabschiedet und definiert, was 6G können muss.

Auch bei 4G und 5G wurde regional gestartet, man einigte sich dann auf den globalen Standard: unter 3GPP-Standardisierung, das heißt, unter europäischer Governance durch das European Telecommunications Standards Institute (ETSI).

Auch Höttges für westliches 6G

Merz hofft, dass Trump das Angebot annimmt: "Wenn er es nicht annimmt, dann versuchen wir es selbst. Das Selbstbewusstsein haben wir mittlerweile. Wir sind 450 Millionen Konsumenten in der Europäischen Union. Wir sind 100 Millionen mehr als die Vereinigten Staaten von Amerika. Ja, verdammt noch einmal, was hindert uns denn daran, dieses Selbstbewusstsein jetzt auch zu zeigen – und mit diesen Firmen hier zu zeigen, dass wir das können" , so der Kanzler.

Auch Telekom-Chef Tim Höttges sagte kurz zuvor in Hannover über KI und Infrastrukturausbau: "Wir kriegen ja in der Zukunft vor allem mobile Anwendungen hinzu. Deswegen ist 6G wichtig. Deswegen arbeiten wir zurzeit auch so intensiv am westlichen 6G-Standard."

Der Standard muss laut Höttges besonders sicher sein, hier könnten die Europäer und die USA eine Vorreiterrolle spielen.

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  • 20. April 2026 um 19:29
Gestern — 20. April 2026Ihre RSS-Feeds

Störungsmeldung vom 20.04.2026 18:15

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider Deutsche Glasfaser

Details

Beginn
20.04.2026 18:15
Region
Anklam (03971)
Provider
Deutsche Glasfaser
Zugangsart
VDSL

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  • 20. April 2026 um 18:15

Störungsmeldung vom 20.04.2026 07:00

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider Deutsche Glasfaser

Details

Beginn
20.04.2026 07:00
Region
Meckesheim (06226)
Provider
Deutsche Glasfaser
Zugangsart
Kabel

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  • 20. April 2026 um 07:00

Tod auf Raten: Microsoft zieht Clipchamp für iOS den Stecker

Von Heise
Clipchamp-Eiontrag im iOS-App-Store

Noch gibt es die Clipchamp-App für iOS im App-Store.

(Bild: heise medien)

Microsoft mag den Videoeditor Clipchamp als lokale App offenbar nicht mehr. Unter iOS zieht der Hersteller im Juni den Stecker.

Der Videoeditor Clipchamp hat vorherige Bordmittel für die Videobearbeitung von Microsoft verdrängt und ist in der Regel unter Windows 11 ab Werk dabei. Der lokal ausgeführten Software dreht Microsoft jetzt Schritt für Schritt den Saft ab. Nach Cloudzwang für die Windows-Version kommt nun das Ende für Clipchamp für iOS.

Im App Store von iOS ist die App derzeit noch zu finden. In einer FAQ führt Microsoft [1] jetzt jedoch aus, dass die Clipchamp-App auf iOS bald Geschichte ist. Microsoft behauptet dort, dass die meisten Nutzer es bevorzugen würden, mit den Web- und Desktop-Anwendungen von Microsoft Videoprojekte zu bearbeiten. Darauf wolle man sich nun konzentrieren. Ab dem 9. Juni 2026 ist Schluss, schreibt Microsoft, auch in der iOS-Clipchamp-App erfolgt offenbar eine entsprechende Anzeige.

„Nach diesem Datum werden alle Videoprojekte, die nicht auf Ihr mobiles Gerät exportiert wurden, gelöscht“, erklärt Microsoft. Außerdem fordere man Nutzer nach diesem Datum dazu auf, die App vom Gerät zu deinstallieren, da sie nicht mehr unterstützt werden.

Datenverlust vorbeugen

Wer seine Projekte nicht verlieren will, muss bis dahin als MP4 exportieren und damit die fertigen Clips auf dem Mobilgerät speichern. Dann sollen Interessierte zur Clipchamp Web-App [2] wechseln. Für die Clipchamp Web- und Desktop-Anwendungen soll es keine Änderungen geben, sie „bleiben voll funktionsfähig“, gibt Microsoft an. Premium-Abonnenten behalten weiterhin Zugriff auf die verfügbaren Funktionen und 5 GByte Speicherplatz auf OneDrive zum Speichern von Videoprojekten. Die dort gespeicherten Projekte sind geräteübergreifend zugänglich, sofern sich Nutzer und Nutzerinnen mit ihrem Microsoft-Konto anmelden.

Auch hier ist Microsofts Marketingabteilung wieder äußerst flexibel mit der Auslegung, was „voll funktionsfähig“ bei der Desktop-App bedeutet. Im März hat Microsoft sie so verstümmelt [3], dass sie nur noch nach Anmeldung in Kombination mit einem OneDrive-Konto nutzbar ist.

Im App Store war Clipchamp unter iOS offenbar sehr beliebt, was die Wertungen zeigen. Bisherige Nutzer müssen sich entweder Microsofts Cloudzwang beugen oder Alternativen suchen.

Siehe auch:


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11264230

Links in diesem Artikel:
[1] https://support.microsoft.com/de-de/topic/clipchamp-ios-app-deprecation-f8857264-52d3-4d00-a081-405462a047f4
[2] https://clipchamp.com/
[3] https://www.heise.de/news/Microsoft-Videoeditor-Clipchamp-nur-noch-mit-OneDrive-nutzbar-11207253.html
[4] https://www.heise.de/download/product/clipchamp-95300?wt_mc=intern.red.download.tickermeldung.ho.link.link
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 20. April 2026 um 13:29

Mac mini und Mac Studio vergriffen: Apple gehen manche Macs aus

Von Heise
Mac mini 2024

(Bild: heise medien)

Speicherkrise, KI-Maxxing oder bevorstehende Upgrades: Beobachter rätseln, warum Apple manche Macs aktuell nicht mehr liefern kann.

Bei Apples Desktop-Macs spitzt sich die Liefersituation immer mehr zu, auch beim neuen MacBook Neo gibt es mehrwöchige Wartezeiten. Mac mini und Mac Studio sind inzwischen beim Hersteller durch die Bank sogar gar nicht mehr sofort erhältlich. Erst ab Anfang bis Mitte Juni kann Apple nach eigener Prognose manche Modelle wieder verschicken. Bei größeren Speicherkonfigurationen verzichtet das Unternehmen sogar auf eine geschätzte Lieferzeit und listet diese lapidar als „nicht verfügbar“.

Apple hat sich zu den Engpässen bislang nicht geäußert, im Handel sind insbesondere die Basiskonfigurationen von Mac mini (ab 629 €) [1] und Mac Studio (ab 2068,05 €) [2] derzeit noch zu finden, auch in Deutschland – allerdings zu wieder steigenden Preisen.

MacBook Neo trifft auf Nachfrage

Beim MacBook Neo [3] scheint Apple mit der hohen Nachfrage des vergleichsweise günstigen Einstiegsmodells zu kämpfen, das erst seit Kurzem auf dem Markt ist. Es soll in wenigen Wochen – ab Anfang bis Mitte Mai – wieder lieferbar und in Apple-Läden zur Abholung erhältlich sein. Das gilt sowohl für die Basiskonfiguration mit 256 GByte SSD als auch das 512-GByte-Modell in allen Farbvarianten.

Über die Gründe für die massiven Lieferprobleme bei Mac mini und Mac Studio sind sich Beobachter uneins. Klar ist, dass bei beiden Produktreihen ein Upgrade mit M5-Chips fällig bis überfällig ist: Den Mac mini M4/M4 Pro gibt es in der aktuellen Konfiguration bereits seit Herbst 2024, den Mac Studio M4 Max plus M3 Ultra seit etwas mehr als einem Jahr. Nach Informationen von Bloombergs Mark Gurman [4] rechnet Apple intern nun allerdings damit, einen neuen Mac Studio erst im Oktober auf den Markt bringen zu können und nicht schon zur Jahresmitte. Auch das erwartete MacBook-Pro-Redesign mit Touchscreen [5] komme durch Probleme in der Lieferkette wohl „ein wenig später“.

Speicherkrise und KI-Agenten

Analysten vermuten, dass die große Speicherkrise jetzt auch vor Apple nicht mehr Halt macht und der Hersteller die verfügbaren Kapazitäten lieber für seine populären Laptop-Reihen verwendet. Zudem wird immer wieder spekuliert, dass KI-Enthusiasten Restbestände des Mac mini M4 in größeren Mengen kaufen, um diesen als Assistenten im OpenClaw-Stil [6] einzusetzen.

Im Unterschied zu anderen Herstellern hat Apple seine Preise für Speicher bislang nicht erhöht, allerdings waren Apples Upgrade-Preise für SSD und Arbeitsspeicher lange berühmt-berüchtigt, extrem weit über den marktüblichen Preisen zu liegen. Nachträgliches Selbstaufrüsten ist bei Apple-Geräten schon lange nicht mehr vorgesehen, auch nicht bei Desktop-Macs. Nur für SSD-Upgrades gibt es einzelne Bastellösungen [7].


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https://www.heise.de/-11263965

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[1] https://preisvergleich.heise.de/apple-mac-mini-mu9d3d-a-2023-z1cf-a3342613.html?hocid=macandi&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-mac-and-i
[2] https://preisvergleich.heise.de/apple-mac-studio-mu963d-a-2025-z1cd-a3434132.html?hocid=macandi&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-mac-and-i
[3] https://www.heise.de/tests/MacBook-Neo-im-Test-Der-Budget-Mac-mit-dem-Smartphone-Herz-11205775.html
[4] https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2026-04-19/apple-ios-27-siri-interface-ios-27-details-mac-studio-touch-macbook-release-mo5u23o7
[5] https://www.heise.de/news/Bericht-Touchscreen-MacBook-Pro-mit-OLED-noch-in-diesem-Jahr-11188945.html
[6] https://www.heise.de/ratgeber/OpenClaw-im-Selbstversuch-Erste-Schritte-mit-dem-Super-KI-Agenten-11167211.html
[7] https://www.heise.de/ratgeber/Mehr-Speicher-fuer-den-Mac-mini-M4-So-ruesten-Sie-auf-10516801.html
[8] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[9] https://www.heise.de/mac-and-i
[10] mailto:lbe@heise.de

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  • 20. April 2026 um 11:21

Tipp: Standortprobleme bei „Wo ist?“ beheben

Von Heise

Manchmal überträgt Apples Personen- und Gegenstandssuche die Ortsangaben nicht korrekt. Das können Sie tun.

Wir teilen über Apples Familienfreigabe den Standort untereinander. Seit Kurzem stimmt der Aufenthaltsort meiner Tochter nicht mehr: Die „Wo ist?“-App zeigt ihren Punkt dauerhaft zu Hause an, auch wenn sie zum Beispiel in der Schule ist. Meine Tochter kann mich unverändert orten. Was ist die Ursache?

Wenn jemand die Standortfreigabe abschaltet, dann verschwindet die Person von der Karte und es erscheint kein Punkt mehr in der „Wo ist?“-App

Das passiert auch, wenn das Datenvolumen aufgebraucht ist; unterwegs benötigt der Apple-Dienst schließlich eine Datenverbindung zum Mobilfunknetz, um den Standort zu übermitteln.

Der Fehler könnte deshalb einen ganz anderen Grund haben: Möglicherweise hat sich das Gerät geändert, das den vermeintlichen Standort Ihrer Tochter teilt – etwa vom iPhone auf ein iPad, das stets zu Hause liegen bleibt.

Dies wäre eine Erklärung dafür, warum „Wo ist?“ die Position weiterhin verzeichnet, diese sich aber nicht mehr ändert. Passieren kann so etwas, wenn ein iPad von einem Backup frisch aufgesetzt und dabei die „Wo ist“-Standortfreigabe ungewollt darauf übertragen wird.

Prüfen Sie in der „Wo ist?“-App, ob wirklich der Standort des iPhones geteilt – oder irrtümlich ein anderes Gerät dafür verwendet wird
Prüfen Sie in der „Wo ist?“-App, ob wirklich der Standort des iPhones geteilt – oder irrtümlich ein anderes Gerät dafür verwendet wird

Prüfen Sie in der „Wo ist?“-App, ob wirklich der Standort des iPhones geteilt – oder irrtümlich ein anderes Gerät dafür verwendet wird.

Öffnen Sie die App „Wo ist?“ auf dem iPhone Ihrer Tochter und tippen Sie rechts unten auf den „Ich“-Button. Unter „Mein Standort“ prüfen Sie bei „Teilen von“, welches Gerät Ihrer Tochter den Standort übermittelt.

Ist dort tatsächlich der Name des iPads statt des iPhones aufgeführt, kennen Sie nun die Ursache. Tippen Sie dann darunter auf „iPhone für Standort verwenden“, um es zu ändern. Anschließend sollte dort „Teilen von… Dieses iPhone“ stehen.

Jetzt können Sie Ihre Tochter wieder wie gewohnt mit „Wo ist?“ orten.


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https://www.heise.de/-11253513

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[1] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[2] https://www.heise.de/mac-and-i
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  • 20. April 2026 um 09:00

Die Streichliste, die Familien trifft

Von Telepolis
Eine Frau spielt mit Kindern mit Bausteinen auf dem Boden.

Eine Frau spielt mit Kindern mit Bausteinen, während Kürzungen bei Familien und Kindern diskutiert werden.

(Bild: gpointstudio / Shutterstock.com)

Mindestens 8,6 Milliarden Euro sollen bei Kindern und Familien gestrichen werden – ein internes Papier zeigt, wen es am härtesten trifft. Ein Leitartikel.

Es sind düstere Zeiten, die Deutschland bevorstehen. Den Sozialstaat, wie wir ihn bisher kannten, wird es künftig wohl nicht mehr geben: Bund, Länder und Kommunen planen den größten Sozialabbau bei Kindern und Jugendlichen seit Jahren.

Der Paritätische Gesamtverband hat ein bislang internes Arbeitspapier [1] veröffentlicht, in dem Staat und Verbände ihr Vorschläge für die Streichorgie zusammengetragen haben. Die Vorhaben summieren sich auf mindestens 8,6 Milliarden Euro, die künftig in der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe fehlen werden.

Der Paritätische spricht von [2] einer "Rolle rückwärts" bei Inklusion und Teilhabe. Viele Maßnahmen sind in ihrem finanziellen Umfang noch nicht einmal beziffert. Die tatsächliche Sparsumme dürfte also deutlich höher liegen.

Wer dieses Papier liest, reibt sich die Augen. Hier geht es nicht um Verwaltungsoptimierung oder das Streichen überflüssiger Posten. Hier dreht der Sozialstaat den Schwächsten den Geldhahn zu – Kindern, Jugendlichen, Menschen mit Behinderungen, Alleinerziehenden.

Familienhilfe soll Kitas aufgebürdet werden

Einer der dreistesten Vorschläge: Individuelle Hilfen für Familien in Not sollen durch sogenannte Infrastrukturangebote ersetzt werden.

Klingt harmlos, bedeutet aber Folgendes: Wenn ein Elternteil psychisch erkrankt und den Alltag nicht mehr bewältigt, soll künftig nicht mehr eine ausgebildete Sozialarbeiterin in die Familie kommen.

Stattdessen soll die Kita dafür sorgen, dass das Kind pünktlich erscheint, genug isst und sauber angezogen ist.

Erzieherinnen und Erzieher können das aber schlicht nicht leisten. Sie sind dafür nicht ausgebildet, nicht bezahlt und nicht ausgestattet. Eine Kita-Sozialarbeit, die diese Lücke füllen könnte, existiert in den meisten Einrichtungen nicht.

Der Vorschlag verlagert Verantwortung, ohne Ressourcen mitzuliefern.

Schulassistenz für behinderte Kinder vor dem Aus

Drei Milliarden Euro wollen Bund und Länder einsparen, indem sie die Leistungen zur Teilhabe an Bildung nach Paragraf 112 SGB IX ersatzlos streichen. Kinder mit Behinderungen verlören damit ihren individuellen Anspruch auf Schulassistenz.

Die Schulen sollen die Unterstützung allein stemmen – obwohl jeder weiß, dass genau diesen Schulen Personal, Geld und Räume fehlen.

Der Paritätische warnt: Diese Streichung erzeugt keine Einsparung, sondern mittelfristig Mehrkosten. Sie verstärkt strukturelle Benachteiligung und steht auch im Widerspruch zur UN-Behindertenrechtskonvention.

Kita-Qualität? Egal, Hauptsache billig

Auch bei der Kindertagesbetreuung setzen die Sparplaner den Rotstift an. Bundesmittel sollen zwar fließen, aber ohne jede Qualitätsbindung.

Standards für Betreuungsumfang und Personalschlüssel stehen zur Disposition. Die Betriebserlaubnispflicht für Kitas – das wichtigste Kontrollinstrument für Betreuungsqualität – soll entfallen.

Und der Clou: Das Papier fordert "mehr Selbstverantwortung in den Familien". Übersetzt heißt das: weniger Betreuung, weniger Personal, weniger Qualität. Den Rest regeln die Eltern bitte selbst.

Alleinerziehende sollen eine Milliarde Euro hergeben

Beim Unterhaltsvorschuss planen die Verfasser, die Ausweitung von 2017 zurückzunehmen. Eine Milliarde Euro Ersparnis auf Kosten von über 850.000 Kindern, die 2024 auf diese Ersatzleistung für ausbleibenden Unterhalt angewiesen waren.

Die Begründung ist zynisch: Alleinerziehende seien dank ganztägiger Förderung ja überwiegend erwerbstätig. Gleichzeitig schlagen dieselben Autoren vor, genau diese Ganztagsbetreuung einzuschränken.

Würde diese Regelung "reformiert", würden wohl auch Kinder benachteiligt, die nur ein Elternteil haben. Manchmal ist ein Elternteil nicht aufzufinden, manchmal verstorben – aber immer ist es dasselbe: Ein Elternteil kann keinen Unterhalt leisten.

Und das unterscheidet die Kinder vieler Alleinerziehenden von anderen Kindern, von denen beide Eltern leben und sich auf einen Unterhalt geeinigt haben. Die fehlenden finanziellen Ressourcen gewähren ihnen mit Sicherheit keinen guten Start ins Leben.

Wer zahlt wirklich für den Kostenanstieg?

Die Sparvorschläge verschweigen die wahren Ursachen der Kostenentwicklung. Zwischen 2006 und 2023 fraß die Inflation allein 43 Prozent des Ausgabenanstiegs in der Kinder- und Jugendhilfe.

Dazu kamen steigende Personalkosten, mehr Leistungsberechtigte, der politisch gewollte Ausbau der U3- und Ganztagsbetreuung, besserer Kinderschutz und die Aufnahme geflüchteter Minderjähriger.

Die Sparvorschläge verschweigen aber auch: Der deutsche Staat verschenkt Milliarden ins Ausland, etwa in die Ukraine.

All das sind bzw. waren bewusste politische Entscheidungen. Jetzt die Rechnung an Familien weiterzureichen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, ist keine Reform. Es ist eine Bankrotterklärung einer Regierung, an der auch sogenannte Sozialdemokraten beteiligt sind.

Was in diesem Papier komplett fehlt: ein einziger Vorschlag zur Bekämpfung der Ursachen – Armut, Gewalt, Gesundheitsrisiken. Stattdessen nur Streichlisten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11264535

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/doc/paritaetischer_drohender-kahlschlag-2026.pdf
[2] https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/massive-kuerzungsvorschlaege-bei-kindern-jugendlichen-und-menschen-mit-behinderung/

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  • 20. April 2026 um 15:35

Chinas Eisenbahn durch Myanmar: Ingenieurskunst politisch blockiert

Von Telepolis
Tor im chinesischen Stil, das eine verkehrsreiche Straße  begrenzt.

Das Jiegao-Tor zwischen der chinesischen Grenzstadt Ruili und der Stadt Muse in Myanmar.

(Bild: becauz gao, shutterstock)

China baut eine Eisenbahn in den Bergen Yunnans, die die Provinz später mit Myanmar und dem Indischen Ozean verbinden soll. Doch es gibt Schwierigkeiten.

China beschleunigt den Bau einer Eisenbahnstrecke, die als eines der schwierigsten Infrastrukturprojekte der Welt gilt: Die 330 Kilometer lange Dali-Ruili-Bahn [1] in der südwestchinesischen Provinz Yunnan soll die Reisezeit von der Provinzhauptstadt Kunming bis zur Grenzstadt Ruili von neun auf viereinhalb Stunden halbieren.

Die Strecke ist Teil eines weitaus größeren Vorhabens: des China-Myanmar-Eisenbahnkorridors [2], der Yunnan über Myanmar eines Tages mit dem Indischen Ozean verbinden soll.

Aber während China die Trasse auf seiner Seite zügig ausbaut [3], liegt das Projekt auf myanmarischer Seite seit Jahren auf Eis – blockiert durch Bürgerkrieg und ethnische Konflikte und dem daraus resultierenden gegenseitigen Misstrauen der verschiedenen Akteure.

Extreme Bedingungen

Der Bau der Dali-Ruili-Bahn begann 2008 und wurde in zwei Abschnitte unterteilt. Der erste Teil von Dali nach Baoshan wurde 2022 nach 14 Jahren Bauzeit fertiggestellt. Die 133 Kilometer lange Strecke durchquert das Hengduan-Gebirge, eine der geologisch komplexesten Regionen der Welt.

China Railway Group, eines der weltweit größten Bau- und Ingenieurunternehmen, erklärte bei der Eröffnung 2022, dass die Strecke durch Gebiete mit intensiver tektonischer Aktivität verlaufe und mehrere große Flüsse überquere. Allein der 14,4 Kilometer lange Dazhushan-Tunnel durchschneidet sechs geologische Verwerfungslinien und benötigte zwölf Jahre bis zur Fertigstellung.

Eine der größten Herausforderungen waren massive Grundwassereinbrüche. Die Arbeiter mussten über längere Zeiträume unter Wasser arbeiten.

Der längste Eisenbahntunnel Asiens

Der zweite Abschnitt von Baoshan nach Ruili begann 2015. Das größte verbleibende Hindernis ist der Gaoligong-Berg-Tunnel mit einer Länge von 34,5 Kilometern [4]. Nach seiner Fertigstellung wird er der längste Eisenbahntunnel Asiens sein. Falls alles nach Plan verläuft, wird der Tunnel 2028 fertig und in Betrieb genommen, so China News Service.

Die Dali-Ruili-Bahn ist ein zentrales Element von Chinas Belt and Road Initiative und dem China-Myanmar Economic Corridor (CMEC). Das Projekt soll China einen direkten Zugang zum Indischen Ozean verschaffen und die Abhängigkeit von der Straße von Malakka verringern, die von den USA kontrolliert wird.

Korridor zum Indischen Ozean

Die Eisenbahn verläuft parallel zu bestehenden Öl- und Gaspipelines. Zusammen sollen sie einen „südwestlichen strategischen Korridor" bilden. Fracht aus Yunnan und der Provinz Guizhou könnte direkt nach Südasien, in den Nahen Osten und nach Afrika verschifft werden, während Öl aus dem Persischen Golf sicherer und günstiger nach China fließen könnte.

Vor allem der Weg [5] durch die Straße von Malakka, die unter anderem vom Stadtstaat und US-Partner [6] Singapur kontrolliert wird, könnte dann in vielen Fällen vermieden werden. Peking würde also geopolitisch gewinnen, da die Eisenbahn direkten Zugang zum Indischen Ozean bietet.

Für die Binnenprovinz Yunnan wäre die Fertigstellung der Strecke von großer Bedeutung. Die Provinzregierung hofft, dass die Eisenbahn Yunnan zu einem Wirtschaftsknotenpunkt für China machen wird.

Blockade in Myanmar

Die geplante Gesamtstrecke von Kunming bis zur Hafenstadt Yangon in Myanmar ist etwa 1.920 Kilometer lang und Teil eines geplanten panasiatischen Eisenbahnnetzwerks. Langfristig soll sogar Singapur mit Kunming verbunden werden.

Auf myanmarischer Seite hat der Bau jedoch nie begonnen. Die geplante Strecke von der Grenzstadt Muse nach Mandalay ist 431 Kilometer lang und soll nach Schätzungen 8,9 Milliarden US-Dollar kosten.

Doch große Teile der geplanten Route liegen in Gebieten, die von ethnischen bewaffneten Gruppen kontrolliert werden, die der Zentralregierung in Myanmar misstrauen. Die Zentralregierung hat die Kontrolle über weite Teile Myanmars verloren, und das Land ist in eine Reihe von voneinander getrennten Gebieten zerfallen.

The Irrawaddy macht darauf aufmerksam [7], dass die geplante Eisenbahnstrecke durch Städte führen würde, die von der Myanmar National Democratic Alliance Army (MNDAA) kontrolliert werden. Eine weitere Rebellengruppe, die Ta'ang National Liberation Army (TNLA) ist ebenfalls an der geplanten Strecke präsent.

Widerstand und Misstrauen

Das Eisenbahnprojekt stieß in Myanmar laut [8] China Global South Project sofort auf Skepsis. Peking sieht es als Entwicklungshilfe, hat aber Vereinbarungen nur mit der Zentralregierung getroffen. Lokale Gemeinschaften erhielten kaum direkte Vorteile und brachten tiefes Misstrauen zum Ausdruck.

Und gleichzeitig modernisiert Japan die wichtige Eisenbahnstrecke Yangon-Mandalay durch ein Hilfspaket und Mitsubishi. Dies gibt Myanmar einen alternativen Partner und verringert Chinas Einfluss.

Chinas Interessen

Zudem verfolgen verschiedene chinesische Akteure verschiedene Interessen in Myanmar und koalieren dafür mit jeweils unterschiedlichen Bürgerkriegsparteien. Chinas Zentralregierung konzentriert sich auf den Schutz ihrer Investitionen und hat Kämpfer sowohl von der Junta als auch vor deren Gegnern für diese Zwecke angeworben.

So hat China Rebellengruppen etwa in seine umfassenden Razzien gegen Cyberkriminalität [9] in Myanmar eingebunden. Das wiederum hat aber die grenzüberschreitende Migration und den Handel stark beinträchtigt, was die Provinz Yunnan wirtschaftlich belastet. Die Provinzregierung hat sich diesem Politikwechsel denn auch widersetzt und verfolgt eine parallele Diplomatie.

Solange große Teile der geplanten Route außerhalb der Kontrolle der Junta liegen und mehrere Städte am Weg von ethnischen bewaffneten Gruppen gehalten werden, ist jedoch derzeit nicht davon auszugehen, dass das Projekt wiederaufgenommen werden kann. Nicht einmal der für das Projekt nötige Landerwerb gilt als gesichert.

Der ursprüngliche Plan für einen Korridor zum Indischen Ozean liegt für absehbare Zeit also schlichtweg auf Eis. Daran werden auch die kürzlich [10] von der Junta durchgeführten Wahlen nichts ändern.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.researchgate.net/figure/The-location-of-Ruili-in-relation-to-Myanmar-and-the-three-planned-transport-routes_fig1_324730715
[2] https://baike.baidu.com/en/item/Yunnan%E2%80%93Burma%20Railway/50552
[3] https://www.scmp.com/news/china/science/article/3343951/china-track-finish-worlds-most-difficult-railway-project-2030
[4] https://www.crecg.com/zgztywz/cs11/10210606/2025021110100470110/index.html
[5] https://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=32452
[6] https://washington.mfa.gov.sg/about-singapore-us-relations/
[7] https://www.irrawaddy.com/news/myanmar-china-watch/china-speeds-up-railway-that-will-cut-swathe-through-myanmar.html
[8] https://chinaglobalsouth.com/2025/12/02/china-myanmar-railway-stalled-kyaukpyu-corridor-politics/
[9] https://www.justiceformyanmar.org/stories/who-powered-the-expansion-of-cyber-scams-in-myawaddy
[10] https://www.aljazeera.com/news/2026/4/10/myanmars-coup-leader-min-aung-hlaing-sworn-in-as-president

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  • 20. April 2026 um 14:00

IEA-Bericht: Solarenergie überholt erstmals alle anderen Energiequellen

Von Telepolis
Ein Arbeiter auf einer Reihe von Solarmodulen mit einem Werkzeug in der Hand.

(Bild: surachet khamsuk / Shutterstock.com)

Photovoltaik lieferte 2025 den größten Beitrag zum globalen Energiewachstum. Strombedarf stieg doppelt so schnell wie die Gesamtnachfrage.

Erneuerbare Energien sind im Trend, und eine besondere Rolle spielt dabei die Solarenergie. Im vergangenen Jahr hat ihr Zuwachs erstmals den aller anderen Energieträger überholt.

Wie aus dem Global Energy Review 2026 [1] der Internationalen Energieagentur (IEA) hervorgeht, entfielen mehr als 25 Prozent des weltweiten Energieangebotswachstums auf Photovoltaik – noch nie zuvor hat eine moderne erneuerbare Energiequelle die globale Primärenergie-Expansion angeführt.

Erdgas folgte mit 17 Prozent auf dem zweiten Platz.

Die Gesamtenergienachfrage stieg 2025 um 1,3 Prozent – weniger als im Vorjahr und unter dem Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts. Schwächeres Wirtschaftswachstum, mildere Witterung in einigen Regionen und effizientere Technologien bremsten den Verbrauch.

Beim Strom sieht das Bild allerdings grundlegend anders aus: Der weltweite Elektrizitätsbedarf legte um rund drei Prozent zu, mehr als doppelt so schnell wie die Gesamtnachfrage. Treiber sind die zunehmende Elektrifizierung in Gebäuden und Industrie, wachsende E-Auto-Flotten und der steigende Energiehunger von Rechenzentren.

IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol fasste die Entwicklung im Bericht [2] zusammen: Der Stromverbrauch wachse „viel schneller als die gesamte Energienachfrage – und eine Energiequelle wächst viel schneller als jede andere“.

600 Terawattstunden Solarzuwachs in einem Jahr

Die Zahlen im Stromsektor sind bemerkenswert: Solaranlagen erzeugten 2025 weltweit rund 600 Terawattstunden (TWh) mehr als im Vorjahr. Das ist – abgesehen von den Erholungsphasen nach Wirtschaftskrisen – der größte jemals von einer einzelnen Stromerzeugungstechnologie verzeichnete Jahresanstieg.

Erneuerbare und Kernenergie deckten zusammen fast 60 Prozent des gewachsenen Energiebedarfs ab. Die saubere Stromerzeugung überstieg sogar das gesamte Strombedarfswachstum – emissionsarme Quellen kompensierten den Anstieg also mehr als vollständig.

Batteriespeicher erwiesen sich als die am schnellsten wachsende Stromtechnologie: Rund 110 Gigawatt (GW) neue Kapazität gingen ans Netz – mehr als je zuvor in einem einzelnen Jahr bei Erdgaskraftwerken.

Auch die Kernkraft erlebt ein Comeback: Mehr als zwölf Gigawatt an neuen Reaktoren wurden 2025 in verschiedenen Regionen in Bau genommen.

E-Autos bremsen Ölnachfrage

Die globale Ölnachfrage wuchs 2025 lediglich um 0,7 Prozent. Einen wesentlichen Anteil daran, dass der Zuwachs hier so gering ausfiel, hatten Elektrofahrzeuge: Die Verkäufe stiegen laut IEA um mehr als 20 Prozent auf über 20 Millionen Fahrzeuge – etwa jeder vierte weltweit verkaufte Neuwagen fährt mittlerweile elektrisch. Das setzt den Absatz von Benzin und Diesel unter zunehmenden Druck.

Beim Kohleverbrauch zeigten sich gegenläufige Trends: In China senkten Erneuerbare den Kohleeinsatz in der Stromerzeugung deutlich, während in den USA höhere Erdgaspreise Versorger zurück zur Kohle trieben.

CO₂-Emissionen: China sinkt, Industriestaaten steigen

Die globalen energiebedingten CO₂-Emissionen legten 2025 um etwa 0,4 Prozent zu – langsamer als in den Vorjahren.

Chinas Emissionen sanken dank des rasanten Erneuerbaren-Ausbaus sogar absolut. Indiens Emissionen stagnierten – abgesehen von den Pandemiejahren – erstmals seit den 1970er-Jahren, begünstigt durch eine starke Monsunsaison.

Ein Novum: In den Industriestaaten wuchsen die Emissionen mit Plus 0,5 Prozent erstmals seit den 1990er-Jahren schneller als in Schwellen- und Entwicklungsländern (Plus 0,3 Prozent). Ein kalter Winter trieb dort den fossilen Energieverbrauch nach oben.

Die USA verzeichneten eines ihrer stärksten Nachfragejahre dieses Jahrhunderts, angetrieben durch Rechenzentren, Industrieaktivität und Heizungsbedarf.

Saubere Technologien verdrängen fossile Brennstoffe

Seit 2019 haben emissionsarme Technologien eine Größenordnung erreicht, die den fossilen Verbrauch messbar reduziert. Die IEA beziffert die durch Solar, Wind, Wärmepumpen und andere saubere Technologien vermiedene jährliche Fossilnachfrage auf das Niveau des gesamten Energieverbrauchs Lateinamerikas. Zusammen verdrängen diese Technologien eine Erdgasnachfrage, die etwa der Hälfte der weltweiten LNG-Exporte entspricht.

Auch in Deutschland zeigt sich der Trend: Die Solarstromeinspeisung stieg 2025 um 21 Prozent auf 71 TWh [3] und überholte damit erstmals die Braunkohle mit 67 TWh. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix lag bei 55,9 Prozent.

Der boomende Rechenzentrumsausbau in Europa – der Strombedarf soll sich bis 2030 auf 150 bis 238 TWh mehr als verdoppeln – dürfte den Elektrifizierungstrend weiter beschleunigen.


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[1] https://www.iea.org/reports/global-energy-review-2026
[2] https://www.iea.org/news/global-energy-demand-growth-was-met-by-diverse-range-of-sources-in-2025-led-by-solar-and-then-gas
[3] https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2026/oeffentliche-stromerzeugung-2025-wind-und-solar-erstmals-als-doppelspitze.html

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  • 20. April 2026 um 12:50

Dobrindt warnt vor Ende freiwilliger Inhaltedurchsuchung

Von Heise
Minister Dobrindt mit Aktenorder unter dem Arm, begleitet von BKA-Präsident Münch und Hamburgs Innensenator Grote

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit BKA-Präsident Holger Münch und Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) auf dem Weg zur Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 (vordere Reihe von rechts).

(Bild: BMI/Henning Schacht)

Bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2025 richtete Innenminister Dobrindt einen Appell an das Europaparlament.

Ein relevanter Teil der im vergangenen Jahr in Deutschland polizeilich bekannt gewordenen 5,5 Millionen Straftaten hat digitale Bezüge, teilte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Montagmorgen in Berlin mit. Von digitalen Bezügen ist die Rede entweder, weil die Taten direkt online begangen wurden, weil das Internet auch als Tatmittel genutzt wurde oder weil etwa Aufnahmen im Zusammenhang mit Straftaten im Internet veröffentlicht wurden.

Das betrifft unter anderem auch Delikte, bei denen etwa Opfer erst mit K.-o.-Tropfen bewusstlos gemacht und anschließend missbraucht oder vergewaltigt werden. „Niemand der sich solche Bilder ansieht, soll vor Verfolgung sicher sein“, fordert der Hamburger Innensenator und Vorsitzende der Innenministerkonferenz Andy Grote. Der SPD-Politiker betonte, dass der digitale Gewaltschutz deutlich verbessert werden solle.

„Wir haben bei der IP-Adressspeicherung eine Einigung mit der Bundesjustizministerin erreicht“, kündigte Dobrindt an. Im Bundeskabinett solle die Vorratsdatenspeicherung nun am kommenden Mittwoch beschlossen werden. Auch die weiteren geplanten polizeilichen Befugnisse, etwa für KI-Erkennung von Verdächtigen und die Analyse großer Datenmengen, sollten bald beschlossen werden.

Sonderproblem Jugendpornografie durch fehlendes Bewusstsein

Dabei gibt es derzeit kein einheitliches Bild bei den Entwicklungen der Straftaten mit engerem Digitalbezug. Vor allem die Jugendpornografie ist noch einmal deutlich angestiegen, zeigen die heute vorgestellten Zahlen. Fast ein Fünftel mehr Fälle sind 2025 den Ermittlungsbehörden bekannt geworden. In vielen dieser Fälle handele es sich um Jugendliche als Tatverdächtige – fast die Hälfte der mutmaßlichen Täter nach den Paragrafen von §184 bis 184e Strafgesetzbuch sei selbst unter 18 Jahre alt. „Auch hier spielen Strafrechtsnormen, aber auch die Nutzung sozialer Medien eine Rolle“, sagte BKA-Präsident Holger Münch. Das Phänomen der sogenannten „Selbstfilmer“, die Videos von sich selbst aufnehmen, mit der Absicht, diese Inhalte meist an Altersgenossen weiterzuleiten, sei vor allem deswegen groß, da es diesen an Bewusstsein dafür fehle. „Die Reaktion darauf ist nicht nur Strafverfolgung“, erklärt Münch auf Nachfrage. Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasse die Taten, nicht den Verlauf daraus entstehender Straftaten. Es sei wichtig, auch den Heranwachsenden frühzeitig und deutlich klarzumachen: „Das ist nicht nur blöd, sondern das ist auch eine Straftat!“ Es sei aber wichtig, das Thema nicht nur seitens der Strafverfolgungsbehörden zu adressieren.

Ein großer Teil der Meldungen komme von Plattformen wie Metas Instagram. Und genau hier fürchten der Innenminister und der BKA-Chef nun, dass nach dem Aus der oft „freiwillige Chatkontrolle“ [1] genannten Befugnis zur Durchsuchung die Aufklärungsquote sinken könnte.

Vor allem US-Plattformen hatten unter der Ausnahmeregelung freiwillig auch europäische Inhalte gescannt und über das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) ihre Befunde auch EU-Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt. „Was wir nicht kennen, können wir nicht aufklären“, sagte BKA-Präsident Holger Münch. Er gehe davon aus, dass die Zahl der aufklärbaren Taten sinken werde. Seine größte Sorge sei, dass bislang unbekanntes Material nicht mehr identifiziert werde.

Das Europaparlament hatte die Ausnahmeregelung, die eigentlich nur für kurze Zeit gelten sollte, bereits mehrfach verlängert. Schon beim Entwurf zur „Chatkontrolle“ – einem Vorschlag zur Bekämpfung von Missbrauchsdarstellungen, der dem Parlament deutlich zu weit ging – forderte es von den Mitgliedstaaten und der Kommission eine saubere, endgültige Regelung. Da diese Verhandlungen nun gescheitert sind, stimmte das Parlament konsequenterweise gegen eine erneute Verlängerung der Ausnahme. Für Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ist das dennoch Schuld des Parlaments: Dieses habe mit der Ablehnung einen „erheblichen Fehler“ begangen. „Die Situation ist so, dass wir nicht absehen können, was sie bedeutet“, sagte der CSU-Politiker. Und räumt ein: „Es ist nicht klar, was das Wegfallen der Interimsverordnung bedeutet.“

Auch jenseits dieser beiden Themen spielt das Digitale in der Kriminalstatistik eine große Rolle. Deutlich gestiegen, um über 10 Prozent, sind die Straftaten im Zusammenhang mit Urheberrechtsbestimmungen, zurückgegangen sind hingegen die „Datenstraftaten“ wie Hehlerei und Ausspähung und Datenveränderung. Auch bei „Computerbetrug“ und Warenkreditbetrug sanken die Zahlen.

„Bei Cybercrime übersteigen schon seit mehreren Jahren die Auslandstaten die Inlandszahlen“, erklärt BKA-Präsident Holger Münch. Nur jede fünfte Straftat würde dabei aber überhaupt angezeigt. Er erwarte, dass wegen KI noch größere Probleme auftreten würden, weshalb die Polizeien vor allem beim Datenaustausch noch enger miteinander verzahnt werden müssten. Daran werde bereits gearbeitet.


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[2] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[3] mailto:afl@heise.de

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